Thema des Tages

Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

Tiefdruckeinfluss sorgt aktuell von Mittelitalien bis nach Österreich für kräftige Regenfälle. Im heutigen Thema des Tages finden sich u.
a. Informationen darüber, wie sich die Wettersituation dort aktuell gestaltet und was bis in den morgigen Freitag an Regen insgesamt noch zu erwarten ist.

Während in Deutschland, wie gestern schon im Thema des Tages gesagt, sehr verbreitet ruhiges Spätsommerwetter vorherrscht, sieht das Wetter von Mittelitalien bis nach Österreich überhaupt nicht nach Sommer aus. Dort fällt aktuell kräftiger Regen, und diese Regenfälle sollen auch noch bis weit in den morgigen Freitag anhalten.

Eingesetzt haben die Niederschläge dabei schon am gestrigen Mittwoch. Bis zum heutigen Donnerstagmorgen um 08 MESZ meldeten einzelne Stationen in den betroffenen Regionen schon 24-stündige Regensummen von über 50 l/m2, so beispielsweise auch die slowenische Hauptstadt Ljubljana mit 55 l/m2. Getriggert werden die Starkniederschläge einerseits von einem mehrkernigen und etwas diffusen Tiefdrucksumpf, der sich vom westlichen Mittelmeer bis zum Balkan und in den Ostalpenraum erstreckt. Andererseits zieht ein Höhentief von Frankreich kommend über Oberitalien und Österreich in Richtung Polen.

Die Abbildung 1 zeigt das Geopotential, also salopp gesagt die Druckverteilung in 500 hPa (etwa 5,5 km Höhe), am heutigen Donnerstagabend um 20 MESZ. Das Höhentief soll sich zu diesem Zeitpunkt etwa im Bereich von Turin befinden, auf seiner Ostflanke bzw. der Vorderseite stellt sich, wie durch die blauen Pfeile angedeutet, eine südwestliche Höhenströmung ein. Ebenfalls in Abbildung 1 erkennbar sind rot markierte Flächen, die die Regionen mit der stärksten Vertikalbewegen darstellen. Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Gebiete von Mittelitalien, mit Schwerpunkten
u.a. in der Region um Rom sowie östlich an die nördliche Adria anschließend, bis in den Süden Österreichs hineinreichen.

Dass in dieser Region einiges an Wolken unterwegs ist, verdeutlicht der Blick auf die linke Seite der Abbildung 2. Über dem Tyrrhenischen Meer war dabei heute Vormittag um 11 MESZ ebenso eine Superzelle unterwegs wie in der Region Rom (dort hatten auch die Hebungsfelder der Abbildung 1 ein deutliches Maximum) und in der Poebene östlich von Mailand. Dies erkennt man unter anderem am hohen Eisanteil in den Wolken, die dadurch etwas ausgefranst bzw. faserig wirken. Viele Wolken zeigen sich auch von der nördlichen Adria bis nach Österreich hinein, und dort insbesondere nach Kärnten und in die Steiermark.


Auf die letztgenannten Regionen fokussiert sich der rechte Teil der Abbildung 2 (ebenfalls um 11 MESZ). Die gemessenen Radarreflektivitäten sind dabei als Fläche dargestellt, dazu kommt die Blitzaktivität (rote, gelbe und grüne Kreuze). Die Blitzrate ist dabei an der kroatischen Küste zum dargestellten Zeitpunkt besonders hoch, schwächer fällt sie im Bereich der Ostalpen bzw. des östlichen und südöstlichen Alpenrandes aus. Dass der südöstliche Alpenrand dennoch, zumindest bezüglich des Niederschlages, das Hauptaugenmerk verdient, lässt sich wiederum aus der Abbildung 1 ableiten. Denn die dort angedeutete südwestliche Strömung auf der Vorderseite des Höhentiefs findet sich, in ähnlicher Form, auch in tieferen Luftschichten. Natürlich hat dies Stauniederschläge zur Folge, und diese fallen insbesondere in Slowenien und Italien besonders stark aus.


Die Abbildung 3 zeigt die akkumulierten Niederschläge der Modelle ICON (in diesem Fall ICON-EU, links) sowie des Modells IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (rechts). Bei beiden Modellläufe handelt es sich um die 00 UTC-Läufe, die dargestellten Regensummen beziehen sich also auf das Zeitfenster von 02 MESZ in der zurückliegenden Nacht bis um 20 MESZ am morgigen Freitag. Das Modell IFS bringt es in der Spitze in Slowenien dabei auf 228 l/m2, ICON-EU im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien dagegen "nur" auf 183 l/m2. Bedenkt man, dass, wie oben erwähnt, in der Region ja auch schon einiges an Regen gefallen ist, so sind zumindest regional 200 bis 250 l/m2 über das gesamte Ereignis durchaus im Bereich des Möglichen. Ganz vereinzelt kann auch noch etwas mehr zusammenkommen. Genau wissen wird man das aber erst, wenn der Regen abgeklungen ist.


Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2026

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