Thema des Tages

Die dritte Jahreszeit

Kastanien, rot-orangene Blätter, Wind oder neblige Landschaften: Diese Phänomene werden mit dem Herbst assoziiert. In der vergangenen Nacht hat diese Jahreszeit nun auch kalendarisch begonnen.


Im meteorologischen Sinne werden die vier Jahreszeit ganz pragmatisch in jeweils drei "Monatsbündel" eingeteilt. Demnach endete der Sommer schon mit dem 01. September.

Kalendarisch ist es nun auch so weit. In der vergangenen Nacht fand die Tagundnachtgleiche statt. Astronomisch befindet sich die Erde genau an dem Punkt ihrer Umlaufbahn, an dem die Erdachse senkrecht zur Ebene mit der Sonne steht. Das Erreichen dieses Punkts, in dem die Sonne den Himmelsäquator schneidet, ist, wie schon im gestrigen Thema des Tages erwähnt, in der vergangenen Nacht um 2:04 Uhr der Fall gewesen. Der Begriff "Tagundnachtgleiche" (bzw. Äquinoktium) stimmt dabei nicht ganz, denn während eines Tages bewegt sich die Erde schon wieder ein Stück entlang ihrer Bahn. Dadurch sind Tag und Nacht nicht exakt gleich lang, sondern nur am wenigsten verschieden lang.

Auch phänologisch kann ein Blick auf den Herbst geworfen werden. Die phänologische Uhr basiert auf für die Jahreszeiten charakteristischen Pflanzen und deren Blühzeiten. Für das aktuelle Jahr zeigen beispielsweise die (vorläufigen) Daten der Sommer-Linde, dass der Hochsommer länger dauerte als im vieljährigen Mittel. Der Spätsommer hingegen währte nur kurz. Der Frühherbst, der mit dem Holunder verknüpft ist, fing schon am 17.08. an und setzte damit früher ein als im Mittel.

Und was macht das aktuelle Wetter in Deutschland? Heute Abend und in der Nacht bringt das Tief CHRISTINA, das nördlich von Deutschland entlangzieht, im Zusammenspiel mit einem Tief in höheren Luftschichten, unbeständigeres und windigeres Wetter im Norden und Osten des Landes. An der Nordsee wird es mit Annäherung des Tiefs stürmisch. Auch morgen bleibt es im Osten gebietsweise windig mit schauerartigem Regen und Temperaturen unter 20 Grad. In einigen Berglagen wird es mitunter stürmisch. Das hört sich nach typischem Herbstwetter an. Doch das Ende dieses Intermezzos folgt auf den Fuß. Richten wir den Blick in den Südwesten, so bleibt es dort trocken mit viel Sonnenschein. Wenden wir uns dem Temperaturtrend zum Wochenende und der nächsten Woche zu, so löst sich das herbstliche Feeling rasch in Luft auf. Am Samstag werden im Südwesten über 25 Grad, lokal auch 27 oder sogar 28 Grad erreicht. Am Sonntag und zu Wochenbeginn wird es nochmal etwas wärmer und sogar die 30 Grad-Marke ist lokal in Reichweite. Die Hoffnung auf den Herbst ist also nur von kurzer Dauer und der Spätsommer schlägt mit Macht zurück. Die Rückkehr der dritten Jahreszeit lässt demnach noch auf sich warten.

M.Sc. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.09.2026

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