Thema des Tages

Trockene und feuchte Luftmassen

Die Luftfeuchtigkeit hat entscheidenden Einfluss auf das Wetter. Wie man die Feuchtigkeit beschreibt und wie sie das Wetter beeinflusst, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.

Das trockene und sonnige Hochdruckwetter geht zu Ende. Das liegt nicht nur am sich abschwächenden Hoch BORIS, sondern auch an unterschiedlichen Luftmassen, die sich über Deutschland befinden. Dabei spielt der Feuchtegehalt der Luft eine entscheidende Rolle. Im heutigen Thema des Tages beschreiben wir anhand der aktuellen Wetterlage, wie man die Feuchtigkeit in der Luft bestimmen kann und welchen Einfluss diese auf das Wetter hat.

In der Meteorologie existieren ganz unterschiedliche Feuchtemaße. Zwei häufig verwendete Größen sind die relative Luftfeuchtigkeit und der Taupunkt. Während der Taupunkt ein absolutes Feuchtemaß ist, das unabhängig von anderen Eigenschaften der Luft den Feuchtegehalt der Luft beschreibt, ändert sich die relative Luftfeuchtigkeit mit der Temperatur. Dies liegt daran, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte Luft. Kühlt man Luft mit einem bestimmten Feuchtegehalt ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit an. Die relative Luftfeuchte wird in Prozent (%) angegeben, d.h. bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50% enthält die Luft halb so viel Feuchtigkeit wie sie maximal speichern kann. Der Wert 50% beschreibt also nicht direkt den Wassergehalt der Luft. Bei 30 Grad Lufttemperatur befindet sich bei 50% relativer Luftfeuchtigkeit deutlich mehr Wasser in der Luft (13,1 Gramm pro Kilogramm Luft) als bei 10 Grad (3,8 g/kg).

Kühlt man Luft mit einem bestimmten Wassergehalt immer weiter ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit so lange an, bis sie 100% erreicht. Dann spricht man von Sättigung. Würde man die Luft noch weiter abkühlen, würde das überschüssige Wasser kondensieren, d.h. es bilden sich Wassertropfen. Dies ist der eigentliche Grund, warum es bei uns in der Atmosphäre Wolken und Regen gibt.

Damit sind wir beim Taupunkt angekommen. Der Taupunkt wird in Grad Celsius (°C) angegeben und ist die Temperatur, bei der die Luft mit einem bestimmten Wassergehalt eine relative Luftfeuchtigkeit von 100% (d.h. Sättigung) erreicht. Er hängt also direkt vom Wassergehalt der Luft ab. Je weniger Feuchtigkeit eine Luftmasse enthält, umso weiter muss man sie abkühlen, um Sättigung zu erreichen. Den Taupunkt kann man übrigens auch im Alltag ganz leicht beobachten. Denn bei Erreichen des Taupunkts beginnt z.B. eine Wasserflasche an ihrer Außenseite zu beschlagen. Nimmt man also eine Flasche aus dem Kühlschrank und sie beschlägt sofort, dann liegt der Taupunkt der Luft (deutlich) oberhalb der Temperatur der Glasflasche. Läge der Taupunkt unter der Temperatur im Kühlschrank, würde die Flasche bei der gleichen Lufttemperatur nicht beschlagen.


In der Meteorologie ist der Feuchtegehalt der Luftmasse und somit der Taupunkt so bedeutsam, da er entscheidenden Einfluss auf gleich mehrere Wettereigenschaften hat. Das kann man gut am Wetter vom gestrigen Donnerstag, heutigen Freitag und morgigen Samstag erkennen. Am gestrigen Donnerstag war die Luft v.a. in einem Streifen von Nordrhein-Westfalen über Hessen bis in Teile Bayerns sehr trocken (s. Abb. 1). Die Taupunkte lagen dort meist im einstelligen Bereich oder waren teilweise sogar negativ. Da zudem die Temperatur am Nachmittag auf sommerliche 25 bis knapp 30 Grad stieg, war die relative Luftfeuchtigkeit ungewöhnlich niedrig. Sie betrug dort am Nachmittag nur 15 bis 25% - Werte die alles andere als alltäglich sind. Die Luft fühlte sich dort auch trotz der hohen Temperaturen sehr angenehm (und nicht schwül) an. Wolken hatten unter diesen Bedingungen keine Chance.

Am heutigen Freitag ist die Luft von Baden-Württemberg und Bayern bis ins südliche Brandenburg ähnlich trocken wie gestern (Abb. 2). Daher fühlen sich die sommerlichen Temperaturen erneut angenehm an und keine Wolke ist am Himmel. Wenig sommerlich war es hingegen am Morgen. Mit Ausnahme des Westens kühlte es nachts kräftig ab. Verbreitet wurden Tiefstwerte unter 10, teils sogar unter 5 Grad erreicht (Abb. 3). In Teilen Sachsens und Südbrandenburgs wurden sogar Tiefstwerte zwischen 0 und 3 Grad gemessen. Auch dies liegt am Taupunkt. Trockene Luft kann sich nämlich einerseits nachts besonders stark abkühlen und andererseits tagsüber mit Sonnenunterstützung sehr effektiv erwärmen. Große Tagesgänge bei der Temperatur sind die Folge.

Dass es im Westen nicht so stark abkühlte, lag an den höheren Taupunkten in dieser Region. Dort ist nämlich feuchtere Luft eingeflossen. Diese ist in Verbindung mit einer Kaltfront auch dafür verantwortlich, dass sich im Laufe des Nachmittags und am Abend im Westen und Nordwesten kräftige Gewitter bis in den Unwetterbereich bilden können (mehr Informationen auf unserer der DWD-Webseite.


Am morgigen Samstag sind die Taupunkte mit rund 12 bis 16 Grad vor allem in einem Steifen in der Mitte erhöht (Abb. 4). In diesem Bereich fühlt sich die Luft drückend schwül an und es entwickeln sich vermehrt Schauer und kräftige Gewitter mit Starkregen. Weiter im Süden sind die Taupunkte niedriger. Bei viel Sonnenschein und allenfalls einzelnen Hitzegewittern am Nachmittag wird es dort nochmals über 30 Grad heiß. Durch die niedrigen Taupunkte lässt sich die Hitze dort aber gut aushalten.

Spätestens am Sonntag ist es aber auch dort mit den niedrigen Taupunkten vorbei. Die Luft wird in der Mitte und im Süden deutlich feuchter und es drohen neue unwetterartige Gewitter. Die feuchte Luft mit Schauern und Gewittern bleibt uns auch in der kommenden Woche erhalten. Somit wird es häufiger blitzen und donnern und die Trockenheit wird abgemildert. Die Temperaturen gehen dabei in der Mitte und im Süden etwas zurück.


Dr. rer. nat. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.05.2026

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