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Geschichte der Meteorologie - Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)


Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein. Schwerpunkt heute bilden ausgewählte Länder außerhalb Europas mit Fokus auf Nord-, Mittel- und Südamerika.


In diesem Teilbereich der Geschichte zur Meteorologie zur Etablierung nationaler meteorologischer Institute konzentrieren wir uns auf die Entwicklung in Amerika.

In Kanada wurden meteorologische Messungen im 18. Jahrhundert durch die Hudson's Bay Company und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusätzlich durch Privatpersonen sowie Entdecker durchgeführt. Die Messungen waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Dem britischen Mathematiker und Astronomen William Wales (um 1734-1798) werden dabei die ersten meteorologischen Aufzeichnungen in Kanada zugeschrieben, er führte diese vor und während einer Astronomie-Expedition 1768 bis 1769 bei Churchill an der Küste der Hudson Bay im Winter durch. Erst als die britische Kolonialregierung 1840 in Toronto ein magnetisches und meteorologisches Observatorium einrichtete, begannen die meteorologischen Beobachtungen auf einer Grundlage, die Kontinuität und wissenschaftliche Präzision versprach. Erster Leiter wurde der britische Leutnant Charles James Buchanan Riddell (1817-1903). 1853 erfolgte die Übernahme des Observatoriums durch die Kolonialregierung der Provinz Kanada, 1867 durch die des Dominions of Canada. 1871 wurde der erste meteorologische Dienst Kanadas durch den damaligen Leiter des Observatoriums, dem kanadischen Meteorologen George Kingston (1816-1886) gegründet. Durch die Einbindung ehrenamtlicher Beobachter baute Kingston ein meteorologisches Messnetz aus etwa 700 Beobachtungsstationen auf, von denen einige im hohen Norden lagen. Mithilfe dieses Messnetzes wurde Kingston 1876 die Veröffentlichung von Wettervorhersagen ermöglicht. Im Oktober 1876 wurden die Wettervorhersagen erstmals in den Abendzeitungen von Toronto abgedruckt. Spezielle Warnungen vor erwarteten Stürmen wurden per Telegramm an die Vertreter in mehr als 100 Häfen übermittelt, damit Sturmsignale ausgehängt werden konnten. Bei erwarteten Schneestürmen wurden spezielle Meldungen per Telegramm an die Eisenbahnen gesendet. Vorhersagen wurden zudem von Funkstationen ausgestrahlt, um Schiffe auf See zu informieren. 1877 wurde der meteorologische Dienst dem Marine- und Fischereiministerium unterstellt, 1936 dem Verkehrsministerium.

Erste meteorologische Messungen lassen sich im Bereich der Vereinigten Staaten von Amerika auf 1738 datieren, damals noch zu britischen Kolonialzeiten. Der britische Arzt und
Naturwissenschaftler John Lining (1708-1760) zeichnete in Charleston (South Carolina) von Januar 1738 bis Februar 1753 Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschläge auf. Sein Interesse am Einfluss meteorologischer Phänomene auf die Ausbreitung von Krankheiten gab den Anstoß zur Entwicklung der Meteorologie im Bereich der heutigen Vereinigten Staaten. Ein weiterer Impuls ging von den Wanderungsbewegungen in der Neuen Welt in Richtung Westen und Süden aus, wo neue klimatische Bedingungen herrschten. Die Einrichtung eines meteorologischen Systems in den USA ist mit dem Namen Joseph Lovell (1788-1836) verbunden, ein Mediziner aus Massachusetts, der von 1818 bis 1836 General der Armee war. Ab 1819 begannen an vielen Militärstandorten Beobachtungen. Diese Daten wurden 1840 zusammengetragen und von dem US-amerikanischen Meteorologen James Pollard Espy (1785-1860) ausgewertet. An der Universität New York wurden ab 1825 Temperatur- und Niederschlagsmessungen organisiert, die bis 1850 durchgeführt wurden. Zwischen 1837 und 1845 baute das Franklin Institute in Pennsylvania ein Messnetz auf. Seit ihrer Gründung 1846 hat die Smithsonian Institution, eine vielseitige wissenschaftliche Einrichtung, Interesse an der Meteorologie gezeigt. Die Smithsonian Institution strebte die Einrichtung "eines umfassenden Systems meteorologischer Beobachtungen mit dem Ziel an, das Problem der amerikanischen Stürme zu lösen". Der Sekretär des Instituts, der US-amerikanische Physiker Joseph Henry (1797-1878), gewann bis Ende 1849 rund 150 interessierte Freiwillige für die Beteiligung an einem Beobachtungssystem. Sie erhielten Instrumente, Standardbarometer und Thermometer, die in London und Paris gekauft worden waren nebst deren Anleitungen. Auf diese Weise wurden zahlreiche Daten gesammelt. Die Smithsonian Institution hat seinerzeit die Strahlungsforschung maßgeblich unterstützt. Damit leistete die Smithsonian Institution einen enormen Beitrag zur Entwicklung der US-amerikanischen Meteorologie. Die US-Regierung richtete innerhalb der Armee eine weitere Organisation namens "Signal Service" ein. Anfang 1870 wurden alle meteorologischen Aufgaben in den USA an den "Reporting Service" übertragen, der sich hauptsächlich mit synoptischer Meteorologie befasste. Letzter spielte eine bedeutende Rolle im amerikanischen Sezessionskrieg. Der US-amerikanische Chirurg und Offizier Albert James Myer (1828-1880) erkannte die Bedeutung eines Wetterdienstes auch in Friedenszeiten. Myer legte den Grundstein für eine US-amerikanische Wetterbehörde, die 1870 als Einrichtung des Militärs gegründet wurde. Zum ersten Direktor wurde Myer bestellt. Aufbauend auf Myers innovativen Ideen erstellte die Behörde erste Wetterkarten, sprach Hurrikanwarnungen aus und setzte Drachen zur Wetterbeobachtung ein. Das Netz der Messstationen wuchs rasch. Zum besseren Verständnis für die Sturmentwicklung wurden auch Messstationen an exponierten Orten in Gebirgen errichtet, so 1870 in 1619 Meter Höhe auf dem Mount Washington in New Hampshire und 1873 in 4311 Meter Höhe auf dem Pikes Peak in Colorado. Im Jahr 1904 gab es 200 Stationen mit bezahlten Beobachtern und 3.700 mit ehrenamtlichen Beobachtern, die Temperatur, Niederschlag und Wetterphänomene maßen. 1891 wurde die Wetterbehörde als United States Weather Bureau ins Landwirtschaftsministerium überführt.

In Alaska, damals als Russisch-Amerika Teil des Zarenreiches, begannen erste meteorologische Messungen 1827 durch Forscher und Entdecker der Russisch-Amerikanischen Kompagnie. Regelmäßige Wetterbeobachtungen starteten 1832. 1842 wurde ein Observatorium in Sitka in Betrieb genommen, welches die Wetteraufzeichnungen übernahm und an dem zusätzlich geomagnetische Beobachtungen durchgeführt wurden. In Iliuliuk (Unalaska) auf den Alëuten und Ikogmiut (Iqugmiut, Russian Mission) am Unterlauf des Yukon wurden an Handels- und Missionsstationen der russischen Orthodoxie weitere Wetterstationen eingerichtet. Nach dem Verkauf von Alaska (Alaska Purchase) 1867 übernahm das US-Militär die Aufzeichnungen der Wetterdaten. Zum Internationalen Polarjahr 1882/1883 wurde das Wetter auch an abgelegenen Orten wie Utqiagvik (Point Barrow) aufgezeichnet. Um 1900 erfolgte der Aufbau eines Messnetzes, so begannen in Skagway 1898, in Kotzebue 1902 und in Fairbanks 1904 regelmäßige Wetterbeobachtungen. 1916 wurde das Observatorium Sitka verlegt.
Auf Puerto Rico begannen erste meteorologische Messungen in San Juan 1898 während der Annexion im Spanisch-Amerikanischen Krieg. 1899 richtete das US-Militär die erste permanente Wetterstation in San Juan ein mit regelmäßigen Wetterbeobachtungen. 1935 wurde ein regionales Vorhersagezentrum für Hurrikane etabliert.
In Mexiko wurden zwischen 1775 und 1786 erste meteorologische Beobachtungen durch den mexikanischen Buchdrucker und Amateurastronom Felipe de Zuniga y Ontiveros (1717-1793) in Mexico City aufgezeichnet. Er hielt Niederschläge, Temperaturwerte, Gewitter mit Hagelereignissen und den Wind fest. Aus den Aufzeichnungen ergeben sich zwei Dürreperioden 1780/81 und 1785/86 sowie eine feuchtere Periode 1782/83. Eine erste meteorologische und astronomische Beobachtungsstelle wurde 1877 auf dem Dach des Nationalpalastes eingerichtet. 1878 zog diese auf die Burg von Chapultepec um. 1880 wurde die Finanzierung von der Regierung übernommen. Unter dem ersten Direktor, dem mexikanischen Botaniker und Ingenieur Mariano de la Barcena (1842-1899), waren sechs Beobachter beschäftigt. Die Gründung des nationalen Wetterdienstes erfolgte 1901. Zu diesem Zeitpunkt gab es 31 staatliche Wetterabteilungen und 18 unabhängige Observatorien und Wetterstationen. Anfang der 1940er Jahre wurde der nationale Wetterdienst dem neu gegründeten Ministerium für Wasserressourcen zugeordnet.

Der spanische Priester und Meteorologe Benito Vines (1837-1893) wurde 1869 von den Jesuiten zum Direktor des Observatoriums der religiösen Schule Colegio de Belen in Havanna in Kuba bestellt. Nach seiner Ankunft auf der Insel 1870 studierte er die meteorologischen Aufzeichnungen der Wetterstation Belen in Havanna, die seit deren Gründung 1854 vorlagen. Sein Interesse galt dabei tropischen Wirbelstürmen. Er untersuchte zwei Hurrikane, die 1870 Kuba trafen. Er baute das erste meteorologische Beobachtungsnetzwerk in Kuba auf und erstellte ab 1875 einige der ersten Vorhersagen zu Hurrikanen. Im Zeitraum von 1899, dem Beginn der US-Intervention auf Kuba, 1902, als Kuba zur Republik erklärt wurde, errichtete die US-Wetterbehörde eine Hilfswetterstation auf dem Hügel Casablanca in Havanna. 1899 wurde das ein Jahr zuvor in Kingston auf Jamaika gegründete Vorhersagezentrum für Hurrikane nach Havanna verlegt. 1908 wurde das kubanische Staatsobservatorium eingeweiht, an welchem die Wetterbeobachtungen auf Kuba koordiniert wurden.

In Venezuela führte zwischen 1799 und 1804 der preußische Naturforscher, Physiker und Geograph Alexander von Humboldt (1769-1859) erste Messungen von Luftdruck, Temperatur und Feuchte sowohl in Cumana an der Karibikküste als auch in Caracas durch (siehe Teil 12 der Serie Geschichte der Meteorologie). Systematische Wetterbeobachtungen starteten in Caracas 1868 durch den venezolanischen Ingenieur und Pädagogen Agustín Aveledo (1837-1926). 1888 wurde das Observatorio Astronómico Meteorológico de Caracas (Observatorio Naval Cagigal) gegründet, an welchem die meteorologischen Beobachtungen koordiniert wurden. Erster Direktor wurde der aus dem Piemont stammende Astronom und Meteorologe Maurizio Buscalioni (1856-1914).

Erste Wetterbeobachtungen in Kolumbien (damals Vizekönigreich Neugranada) führte ab 1807 der Jurist, Botaniker und Amateurastronom Francisco Jose de Caldas (1768-1816) aus dem Vizekönigreich Neugranada am neu eröffneten Astronomischen Observatorium Bogota durch (siehe Teil 12 der Serie Geschichte der Meteorologie). 1868 übernahm die 1867 gegründete Nationaluniversität von Kolumbien die Funktion der systematischen Messungen und startete mit der wissenschaftlichen Ausbildung in Astronomie und Meteorologie an der dortigen Naturwissenschaftlichen Schule "Escuela de Ciencas Naturales". Erster Leiter dieser Schule wurde der kolumbianische Astronom Jose María Gonzalez Benito (1843-1903).

Die spanische Einrichtung "Cosmografiato" im damaligen Vizekönigreich Peru war zuständig für die Beobachtung von Himmels- und Klimaphänomenen. Zwischen 1753 und 1856 führte sie klimatologische Aufzeichnungen durch, so liegen z. B. die jährlichen Höchst- und Tiefstwerte von Temperatur und Luftdruck aus der Region vor. 1892 begannen am Arequipa Observatorium für Astronomie systematische meteorologische Beobachtungen unter der Leitung des US-amerikanischen Astronomen William Henry Pickering (1858-1938).

Erste meteorologische Messungen fanden in Brasilien in Rio de Janeiro statt. Der portugiesische Astronom und Geograph Bento Sanches Dorta (1739-1794) zeichnete zwischen 1781 und 1788 Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und Windverhältnisse auf. 1827 wurde die Kaiserliche Sternwarte von Rio de Janeiro gegründet, mit der wissenschaftliche Verfahren in Brasilien starteten. Erste meteorologische Beobachtungen dort tauchen ab 1844 in den Archiven auf. Seit 1862 führten hydrographische Schiffe in Diensten der brasilianischen Marine regelmäßige meteorologische Beobachtungen durch. Zwischen 1874 und 1880 wurden auch in anderen Landesteilen meteorologische Beobachtungen durchgeführt, die einen ersten klimatologischen Überblick von Brasilien zuließen. Mit der Gründung der meteorologischen Abteilung der Geographischen und Geologischen Kommission begann ab 1886 der Aufbau eines Netzes an Wetterstationen im gesamten Bundesstaat, welches 1900 etwa 40 Messstellen umfasste. 1909 wurde das Nationalinstitut für Meteorologie (Directoria de Meteorologia e Astronomia) gegründet und dem Ministerium für Landwirtschaft, Industrie und Handel unterstellt. Erster Direktor wurde der französisch-brasilianische Ingenieur, Astronom und Geograph Henrique Charles Morize (1860-1930).

In Argentinien begannen erste systematische Wetteraufzeichnungen zwischen 1801 und 1805 in Buenos Aires. 1853 wurde in Buenos Aires die erste Wetterstation eingerichtet, 1856 folgte in Tucuman im Norden des Landes und 1860 in Bahia Blanca die nächsten beiden. 1872 erfolgte die Gründung des meteorologischen Dienstes (Oficina Meteorológica Argentina) in Córdoba als erstem in Südamerika. Der meteorologische Dienst wurde dem Ministerium für Justiz, Kultus und öffentliche Bildung zugeordnet. Erster Direktor wurde der US-amerikanische Astronom Benjamin Apthorp Gould (1824-1896). 1873 wurde ein nationales Messnetz etabliert. 1874 erfolgten erste Messungen der Solarstrahlung in Córdoba. 1875 fand ein erster meteorologischer Datenaustausch mit dem Nachbarland Chile statt. 1898 wurde der meteorologische Dienst in das Landwirtschaftsministerium umgegliedert. 1904 begannen meteorologischen Aufzeichnungen an der Orcadas-Station (Base Orcadas) auf den Südlichen Orkney-Inseln, was die längste Aufzeichnungsreihe in Antarktika bedeutet. Diese Station wurde von den Briten 1903 errichtet und 1904 an Argentinien übergeben. Erster Stationsleiter war der britische Meteorologe Robert Mossman (1870-1940).

In Chile fanden 1849 erste meteorologische Aufzeichnungen durch eine US-amerikanische Astronomie-Expedition statt. Diese errichtete eine Sternwarte auf dem Hügel Santa Lucía in Santiago, 1851 folgte dort eine Wetterstation. Ab 1852 wurden an dieser permanente meteorologische Messungen durchgeführt. Zur selben Zeit begannen auch andere Wissenschaftler, sich für meteorologische Beobachtungen zu interessieren, unter anderem der polnische Geologe und Mineraloge Ignacy Domeyko oder Ignacio Domeyko (1802-1889). 1856 verknüpfte der chilenische Ingenieur Paulino del Barrio (1832-1857) meteorologische Beobachtungen verschiedener Städte zu einem Vorläufer eines Messnetzes. 1857 folgte die Verlagerung des Observatoriums auf Santa Lucía in die Quinta Normal außerhalb von Santiago. Aufgrund eines Erlasses zur Durchführung meteorologischer Beobachtungen durch Physiklehrer der höheren Provinzgymnasien samt Übermittlung der Daten an die Fakultät für Mathematik und Physik der Universität von Chile 1864 wurde ein meteorologisches Netzwerk eingerichtet. Domeyko, 1867 zum Rektor der Universität Santiago gewählt, ließ dieses meteorologische Netzwerk ausbauen. 1868 erfolgte die Einrichtung einer meteorologischen Dienststelle an ebendieser Fakultät, die im selben Jahr zum zentralen Wetteramt aufgewertet wurde. Erster Direktor wurde der chilenische Politiker und Pädagoge Jose Ignacio Vergara (1837-1889). Regelmäßige Daten gingen anfangs nur aus Copiapó im Norden des Landes, Talca, Puerto Montt und Valparaíso ein. 1869 wurde das Messnetz erweitert. Der Erlass zur täglichen Übermittlung von Wetterdaten per Telegraph an die Wetterstation Santiago 1884 gilt als heutiges Gründungsdatum des meteorologischen Dienstes in Chile.
Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie folgt eine Übersicht die Institutionalisierung der Meteorologie in ausgewählten Ländern Afrikas sowie eine Übersicht über die internationale meteorologische Zusammenarbeit über Konferenzen, Polarkommission bis hin zur Gründung der Weltorganisation für Meteorologie.

Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.09.2026

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