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Der dritte im Bunde - MTG-I2

Vor etwas mehr als einem Monat wurde MTG-I2, der zweite sogenannte Imager der dritten Generation von Meteosat Satelliten (MTG), in seinen Orbit gebracht. Damit ist mit zwei Imagern und einem Sounder-Satelliten die vorgesehene Konstellation aus drei sich ergänzenden MTG Satelliten vollständig.

Am Abend des 27. August 2026 um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit startete die europäische Ariane 6 Rakete vom Raumfahrtzentrum in Französisch-Guayana, an Bord der zweite sogenannte Imager Satellit MTG-I2 und damit der dritte und letzte Satellit im aktuellen MTG Satellitenverbund. Nach erfolgreichem Start der Ariane 6 Trägerrakete wurde MTG-I2 bei rund 2800 km Höhe in seine stark elliptische Transferumlaufbahn entlassen, um in den darauffolgenden Tagen mit eigenständigen Orbitalmanövern seinen geostationären Orbit bei knapp 36.000 km Höhe zu erreichen. MTG-I2 folgt damit zum einen MTG-I1, welcher bereits im Dezember 2022 in Orbit gebracht wurde und zwei Jahre später vollständigen operationellen Betrieb aufnahm, einhergehend mit einer Umbenennung von MTG-I1 zu Meteosat-12. Zum anderen erfolgte der Start von MTG-I2 etwas mehr als ein Jahr nach dem erfolgreichen MTG-S1-Launch, von dem an dieser Stelle auch berichtet wurde (link1). MTG-S1 hat vor zwei Monaten seine Inbetriebnahmephase abgeschlossen und befindet sich in seinem operationellen Orbit bei 2° Ost über dem Äquator, erste präoperationelle Datensätze sind bereits verfügbar. Mit seinem auf Interferometrie basierenden Hyperspektral-Infrarotsensor erfasst MTG-S1 vertikale Informationen über Temperatur und Feuchte sowie weitere atmosphärische Parameter und generiert so durch das Abtasten seines Blickfeldes dreidimensionale Scans der Atmosphäre. Ergänzt wird dies durch das Sentinel-4 UVN-Spektrometer, wobei UVN für Ultraviolett, sichtbares Licht (visible) und nahes Infrarot steht. Sentinel-4 liefert hochaufgelöste stündliche Messungen von wichtigen Spurengasen und Aerosolen und ermöglicht damit unter anderem eine detaillierte Beobachtung der Luftqualität und ihrer zeitlichen Entwicklung.

Sowohl Meteosat-12 als auch MTG-I2 befinden sich auf einer geostationären Umlaufbahn über dem Äquator. Meteosat-12 ist dabei auf dem Nullmeridian bei 0° Länge positioniert, während MTG-I2 im operationellen Betrieb bei 9,5° östlicher Länge stationiert sein wird. Das erste der beiden zentralen Messinstrumente an Bord von Meteosat-12 und MTG-I2 ist der ?Flexible Combined Imager? (FCI), eine Art Kamera, die in 16 Spektralkanälen Aufnahmen der ihr zugewandten Erdhemisphäre macht. Der FCI tastet sein Blickfeld dabei in einem alternierenden West-Ost und Ost-West-Muster ab und erfasst so innerhalb von 10 Minuten die gesamte Erdscheibe in allen 16 Spektralkanälen ? vom sichtbaren Licht bis ins Infrarot.

Aus den einzelnen Spektralkanälen sowie aus geschickten Kombinationen mehrerer Kanäle lassen sich vielfältige Informationen insbesondere über Wolken, deren Struktur, Temperatur, Höhe und Zusammensetzung ableiten. Meteosat-12 liefert diese 10-minütigen Scans (?Full Scan Disc Service ? FSDS?) bereits seit 2024. Der FCI von MTG-I2 wird komplementär dazu im sogenannten ?Rapid Scanning Service? (RSS) alle 2,5 Minuten den europäischen Raum und angrenzende Gebiete abtasten (etwa das nördliche Drittel der Animation in Abbildung 2), in manchen spektralen Kanälen auch mit einer höheren räumlichen Auflösung. Dadurch lassen sich beispielsweise Gewitterzellen in frühen Entwicklungsstadien detaillierter verfolgen und deren Lebenszyklen nahezu lückenlos aus dem Weltraum beobachten. Das zweite zentrale Messinstrument an Bord der beiden Satelliten ist der ?Lightning Imager? (LI), der mit seinen 4 Kameras quasi kontinuierlich die optischen Signale von Blitzentladungen registriert. Der FCI liefert somit Informationen über die physikalische Entwicklung der Gewitterwolke, während die vom LI gemessene Blitzaktivität Hinweise auf die Stärke und Entwicklung der darin ablaufenden Konvektion gibt. Selbstverständlich gibt es abgesehen von diesem Fokus auf das konvektive Wettergeschehen eine Vielzahl weiterer
Anwendungsmöglichkeiten der umfangreichen Messungen der beiden Satelliten.


Dipl.-Met. Thorsten Kaluza

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.10.2026

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