Thema des Tages

Wo bewegt sich der Herbst 2026?

Wie sich der Herbst 2026 bisher im Vergleich zu anderen Jahren zeigt, soll im heutigen Tagesthema näher unter die Lupe genommen werden.

Bisher milder bis sehr milder Herbst
Der Herbst zeigte sich in diesem Jahr bisher von seiner milden Seite. Betrachtet man den Zeitraum vom 1. September bis zum heutigen Tag, ergibt sich für das Flächenmittel über ganz Deutschland derzeit eine Abweichung vom vieljährigen Mittelwert von rund +2,1 K im Vergleich zu 1961?1990 beziehungsweise +1,7 K im Vergleich zu 1991?2020. Damit liegt der Herbst aktuell unter den zehn wärmsten Herbstperioden seit Beginn der Aufzeichnungen.

Im Oktober 2012 bereits regional tiefwinterlich
Entsprechend gab es in Deutschland bisher auch kaum winterliche Wettererscheinungen. Schnee wurde bislang allenfalls in höheren Lagen der Mittelgebirge, beispielsweise auf dem Brocken, oder in den Alpen registriert. In anderen Jahren sah das schon ganz anders aus. So lag beispielsweise am Morgen des 28. Oktober 2012 bis ins Vorland von Erzgebirge, Thüringer Wald und Alpen eine Schneedecke. Zudem gab es landesweit leichte bis mäßige Nachtfröste. Auf dem Fichtelberg lagen bereits 36 cm, in Neuhaus am Rennweg 23 cm Schnee. Selbst in München (8 cm) und am Flughafen Erfurt/Weimar (5 cm) gab es eine geschlossene Schneedecke.
Aktuell ist Deutschland bis in die höheren Berglagen hinein schneefrei. Man muss schon auf die Zugspitze wandern oder fahren, um einen Hauch von Winter zu erleben. Ähnlich sieht es bei den Temperaturen aus: In vielen Regionen gab es bislang noch keinen Nachtfrost. Im Süden und Osten hat es zumindest regional für wenige Frosttage gereicht.

2003 als Extrembeispiel für eine frühe Kaltphase Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass in manchen Jahren frostempfindliche Pflanzen wie die Kapuzinerkresse zu diesem Zeitpunkt längst aus den Gärten verschwunden waren. Ein Beispiel ist das Jahr 2003 mit einem der kältesten Oktobermonate seit Beginn der Aufzeichnungen. Damals war es nahezu überall in Deutschland in mindestens einer Nacht frostig. Oft wurden sogar 10 bis 15 Frostnächte registriert. Auf dem Fichtelberg waren es 24, in Neuhaus am Rennweg 18 Frostnächte. In München und Erfurt kam man auf 9 beziehungsweise 11 Nächte. Zusammengefasst war das Jahr 2003 in der Nordosthälfte Deutschlands das frostreichste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn.
Ganz anders zeigt sich der Oktober 2022 mit einer Abweichung noch oben von 3,5 K im Vergleich zu 1961 bis 1990 (bzw. 3,1 K im Vergleich zu 1991-2020)


Entwicklung des Zeitpunktes für den ersten Nachtfrost der Wintersaison
Ein Blick auf die Langzeitstatistik zeigt, dass sich der Zeitpunkt des ersten Frostes im Jahr in einigen Regionen immer weiter nach hinten verschiebt. Betrachtet man beispielsweise Frankfurt am Main, trat der erste Nachtfrost im Mittel der Jahre 1961 bis 1990 häufig bereits am 20. Oktober auf. Im Zeitraum von 1991 bis 2020 war es dagegen erst der 1. November. Betrachtet man nur die letzten 15 Jahre, fällt der mittlere Termin sogar auf den 5. November. Den bisher spätesten ersten Frost gab es am 26. November 2022. Am frühesten war das Jahr 1979 mit dem 16. September dran. Im vergangenen Jahr 2025 trat der erste Nachtfrost am 17. November auf. Dieser Trend lässt sich allerdings nicht auf alle Regionen Deutschlands übertragen, wie der Blick auf einige andere Wetterstationen zeigt. In Essen und Oberstdorf lässt sich kein eindeutiger Trend ausmachen. Bei den Mittelwerten lag der Zeitraum 1991?2020 sogar etwas früher. Die Verschiebung nach hinten ist vor allem in tieferen Lagen im Süden und Südwesten deutlich erkennbar, wie auch das Beispiel der Station München Stadt zeigt.

Wie geht es weiter mit dem Herbst 2026

Schauen wir auf die weiteren Aussichten, so gestaltet sich das Wetter unter Hochdruckeinfluss in den kommenden Tagen ruhig. In einigen Regionen bleibt es ganztägig neblig-trüb. Frostige Nächte sind am ehesten im Alpenvorland oder im höheren Bergland zu erwarten. In den Hochlagen der südöstlichen Mittelgebirge und der Alpen ist für das kommende Wochenende sogar etwas Schnee vorhergesagt. Für große Teile des Landes sind ein Wintereinbruch und frostige Nächte vorerst aber weiterhin nicht in Sicht. So wird auch der Flughafen Frankfurt zunächst weiter auf seinen ersten Frost des Winterhalbjahres 2026/27 warten müssen.

Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Gewitter im Allgemeinen und Tornados im Speziellen in diesem Jahr zurückhalten, dann liegen Sie nicht falsch. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägen den Sommer 2026 in vielen Landesteilen.
Entsprechend liegt die Zahl der bisher in Deutschland bestätigten Tornados derzeit bei nur 13 Fällen. Ruft man sich die durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben. Auch der August und der September gehören zu den Monaten, in denen häufiger Tornados auftreten. Zudem kann es sein, dass einzelne Verdachtsfälle später noch bestätigt werden. Trotzdem deuten die aktuellen Zahlen stark darauf hin, dass es 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Tornadosaison geben wird.


Dipl.-Met. Marus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.10.2026

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