Thema des Tages

Herbstwetter mit zwei Gesichtern

Nach einem Wochenende mit Sturm, Dauerregen und der ersten Sturmflut des Herbstes beruhigt sich das Wetter allmählich. Auf einen kurzen Gruß des goldenen Oktobers folgen mit Hoch ?Jurij? ruhigere, aber vielerorts neblige und trübe Herbsttage.

Was war das für ein stürmisches Wochenende! Da machte der Herbst seinem Namen alle Ehre. Bereits am vergangenen Freitag, dem 23. Oktober 2026, zog das Sturmtief "Luise" (international "Austen" genannt) vom Ärmelkanal in Richtung Niederlande und erreichte am Samstagmorgen das Seegebiet bei Helgoland. Dabei fiel gebietsweise schauerartiger Regen. Vor allem im Westen Deutschlands frischte der Wind kräftig auf. In besonders kräftigen Schauern wurden sogar schwere Sturmböen registriert. An der Wetterstation Trier-Petrisberg erreichte eine Böe am Freitag um 17 Uhr 102 km/h (Windstärke 10). Zum Sonntag folgte das Sturmtief "Manja" (international "Boelo" genannt) und sorgte erneut für stürmisches Wetter. Die Station Büsum registrierte am Sonntagnachmittag um 16 Uhr eine Orkanböe mit 125 km/h (Windstärke 12). Auch andernorts kam es im Zuge der Tiefpassage verbreitet zu stürmischen Böen oder Sturmböen. Doch nicht nur der Wind hatte es in sich. Insbesondere in Staulagen der Mittelgebirge sowie im Allgäu kamen erhebliche Regenmengen zusammen. Entsprechend musste vor markantem, örtlich sogar unwetterartigem Dauerregen gewarnt werden. Innerhalb von 72 Stunden fielen von der Eifel über das Saarland bis zum Schwarzwald lokal mehr als 80 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Station Weiskirchen an der Saar registrierte insgesamt 94 Liter, davon allein 72 Liter innerhalb von nur 14 Stunden.
Die Folgen des stürmischen und nassen Wetters waren vielerorts zu spüren. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und Schiffe in Seenot waren wiederholt Thema in den Medien. In Freiburg und Region waren am Sonntag rund 10.000 Haushalte stundenlang ohne Strom. Auch im Bahnverkehr kam es teilweise zu erheblichen Einschränkungen. Die Feuerwehren waren vielerorts im Dauereinsatz.
Besonders glimpflich ging ein Vorfall im Ruhrgebiet aus. In der Nacht zum Samstag durchbohrte ein herabstürzender Ast die Windschutzscheibe eines Autos und blieb im Armaturenbrett stecken. Die 18-jährige Fahrerin blieb glücklicherweise unverletzt.
Neben Sturm und Regen brachte ?Manja? auch die erste Sturmflut dieses Herbstes. Unter anderem in Cuxhaven, Wilhelmshaven und Hamburg kam es zu Überschwemmungen. Dabei wurden einige Menschen von den Wassermassen überrascht. Autos mussten abgeschleppt werden, andere blieben im Wasser stecken. In einzelnen Fällen retteten sich die Insassen auf die Dächer ihrer Fahrzeuge, von wo aus sie von Feuerwehr und Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sicherheit gebracht werden konnten.
Nach dem stürmischen Wochenende beruhigt sich das Wetter heute vorübergehend unter Einfluss eines Zwischenhochs namens "Idris". Einzig an der Nordsee muss heute Mittag noch mit einer weiteren Sturmflut gerechnet werden, da aufgrund der vorherrschenden Strömung weiterhin Wasser in die Deutsche Bucht gedrückt wird. Bereits in der Nacht zum Dienstag greift dann die Warmfront von ?Naomi? auf Deutschland über, bringt aber lediglich der Nordwesthälfte noch etwas Regen. Am Dienstag gelangt Deutschland in den Warmsektor des Tiefs. Dann kann sich die Sonne zeitweise zeigen, und die Temperaturen steigen auf bis zu 21 Grad. Damit kehrt der goldene Oktober für einen kurzen Moment zurück.
In der Nacht zum Mittwoch zieht die Kaltfront von ?Naomi? über Deutschland hinweg. Sie bringt erneut etwas Regen, im Vergleich zu den Sturmtiefpassagen ist das Sturmtief aber deutlich schwächer ausgeprägt. Im Laufe der Woche gewinnt dann Hoch ?Jurij? zunehmend an Einfluss und es stellt sich meist ruhigeres Herbstwetter ein. Allerdings bedeutet Hochdruckeinfluss im Herbst nicht zwangsläufig Sonnenschein: Vor allem in der Südwesthälfte können sich Nebel und Hochnebel hartnäckig halten und sich teilweise erst im Laufe des Tages auflösen. Im Norden und Osten bleibt es dagegen stärker bewölkt, örtlich kann weiterhin etwas Regen fallen. Nach dem stürmischen Auftakt zeigt sich der Herbst damit von seiner anderen Seite: Auf einen kurzen goldenen Zwischenakt folgen ruhige, aber vielerorts graue und neblige Tage.


M.Sc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.10.2026

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