"Trouble in Paradise"

Die Beschreibung von Tonga hört sich paradiesisch an: "Ein Großteil der knapp 170 Inseln des polynesischen Königreiches im Südpazifik sind unbewohnt. Meist sind diese mit tropischem Regenwald bedeckt und vor den mit weißem Sand bedeckten Küsten finden sich traumhafte Korallenriffe."

Allerdings wird dieses idyllische Paradies im Durchschnitt einmal pro Jahr von einem tropischen Wirbelsturm heimgesucht. Denn hohe Wassertemperaturen und feucht-warme Luftmassen im Südpazifik bieten die ideale Brutstätte für Gewittercluster. Ist nun die ablenkende Kraft der Erdrotation (Corioliskraft, siehe www.dwd.de/lexikon) ausreichend groß und die Scherung des Windes in verschiedenen Höhen genügend klein, so kann aus diesen Gewitterclustern ein riesiger Wirbel entstehen und sich verstärken. Übrigens bezeichnet man tropische Wirbelstürme, die im Südpazifik und im Indischen Ozean entstehen als "Zyklone".

Um tropische Zyklonen besser beschreiben zu können, werden diese anhand der über 10 Minuten gemittelten Windgeschwindigkeiten in verschiedene Intensitätsstufen eingeteilt: Bei der "tropischen Depression" oder einem "tropischen Tief" handelt es sich um die schwächste Stufe mit Windgeschwindigkeiten bis 63 km/h. Mithilfe der "australischen Skala für tropische Zyklonen" lassen sich tropische Wirbelstürme mit Windgeschwindigkeiten über 63 km/h nochmals in Stärkekategorien 1 (schwacher Wirbelsturm, Windgeschwindigkeiten bis 88 km/h) bis 5 (verwüstend, Windgeschwindigkeiten über 200 km/h) unterteilen. Die auftretenden Spitzenböen können dabei jedoch weitaus höher ausfallen. Die australische Skala für tropische Wirbelstürme sollte aber nicht mit der Saffir-Simpson-Skala für Hurrikane im Atlantik verwechselt werden (siehe Saffir-Simpson-Skala unter www.dwd.de/lexikon), da sich beide in der Einteilung der Intensität etwas unterscheiden.

Bereits am Samstag, dem 03.02.18 konnten südlich der Salomonen erste Gewitterkomplexe beobachtet werden, die zunächst jedoch nur wenig organisiert wirkten. Diese verlagerten sich in der Folge weiter ostwärts, wo sie schließlich am vergangenen Donnerstag, dem 08.02.18 westlich der Samoa-Inseln als eine tropische Depression eingestuft werden konnten, die innerhalb von etwa einem Tag zu einem tropischen Zyklon anwuchs und folglich vom zuständigen "Tropical Cyclone Center" in Nadi (Fidschi) "GITA" getauft wurde. Unter Intensivierung zog dieser Zyklon am Samstag in südöstlicher Richtung in einem Bogen knapp an der Koralleninsel Niue, die zu Neuseeland gehört, vorbei und nahm schließlich wieder einen westlichen Kurs an, um in Richtung Tonga zu ziehen. Dort traf GITA am Montagabend mit Spitzenböen von 230 km/h die größte und bevölkerungsreichste Insel Tongapatu sowie auf die Insel `Eua. Damit kann GITA als Kategorie 4-Wirbelsturm eingestuft werden und geht wohl zusammen mit dem verheerenden "IAN" aus dem Jahr 2014 als stärkster Zyklon in die Geschichte Tongas ein. Man kann von Glück sagen, dass bisher noch keine Berichte über Tote vorliegen. Die vergangene Zugbahn von GITA sowie eine Vorhersage auf Basis aktueller Modellrechnungen finden Sie unter
www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/2/15.html.

Westlich von Tongapatu intensivierte sich GITA noch weiter und erreichte in der Nacht zum Mittwoch die Kategorie 5 mit geschätzten Böen von bis zu 285 km/h, was vergleichbar ist mit einem Kategorie 4-Hurrikane auf der Saffir-Simpson-Skala. Allerdings besteht nicht nur große Gefahr durch extreme Orkanböen. Aufgrund sintflutartiger Regenfälle kommt es häufig auch zu massiven Überschwemmungen. Das zu Fidschi gehörige Atoll Ono-i-Lau konnte laut dem Nationalen Wetterdienst auf Fidschi von Dienstag bis Mittwoch innerhalb von 24 Stunden über 270 Liter pro Quadratmeter verzeichnen. Dies entspricht mehr als ein Drittel des durchschnittlichen Jahresniederschlags in Deutschland. Nach Schätzungen mithilfe von Satellitendaten könnten die Niederschläge in dieser Region aber auch Mengen von über 300 Liter pro Quadratmeter betragen haben.

Zwar wird GITA mittlerweile "nur" noch als ein Wirbelsturm der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h (Spitzenböen bis 240 km/h) eingestuft und schwächt sich im Folgenden auch weiter ab. Allerdings zeichnet sich in den aktuellen Modellprognosen ab, dass die Überreste von GITA allmählich Kurs auf Neuseeland nehmen und dort im Laufe der nächsten Woche für unwetterartige Starkregenfälle sorgen könnten.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.02.2018

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