Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 04.08.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
SWz
Heute vorübergehend auch im Norden heiß. Dabei vormittags im Osten und im Nordosten, nachmittags und abends besonders im Südwesten und in der Mitte starke Gewitter, lokal Unwetter möglich. Kommende Nacht zunächst besonders in der Mitte, später im Osten und Nordosten Gewitter, Unwetter möglich. Am Mittwoch vor allem von Ostwestfalen und Nordhessen bis in den Osten und Nordosten sowie in Alpennähe örtlich Gewitter. Unwetter am ehesten im Alpenraum.
Am Donnerstag in Südostbayern noch teils gewittriger Starkregen. An der Küste stürmische Böen aus West bis Nordwest möglich.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... heute liegen wir zwischen einem westeuropäischen Trog mit Drehzentrum westlich von Schottland und einem Höhenrücken über dem Balkan in einer südwestlichen Strömung, mit der heiße und feuchte Luft nun auch nach Norddeutschland strömt mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 17 Grad im Nordosten und 24 Grad im Alpenvorland. Zunächst beeinflusst noch ein flacher Kurzwellentrog das Wetter im Osten und Nordosten Deutschlands mit Schauern und Gewittern. Dieser Trog zieht aber nordostwärts ab und es folgt ein flacher Höhenkeil von Südwesten nach, dessen Achse um 18 UTC etwa Bayern und Ostniedersachsen erreicht. So beruhigt sich im Tagesverlauf auch im Nordosten (wie schon im Westen und Süden) das Wetter, ehe am Nachmittag die Konvektion von Südwesten wieder zunimmt.
Die Zutaten für Gewitter sind heute recht gut, die PPWs erreichen in weiten Teilen Deutschlands 35 bis 40 mm, im Osten teils über 45 mm, im Süden östlich des Schwarzwaldes nur 25 bis 34 mm. Die Scherung dagegen ist nur schwach bis mäßig ausgeprägt. Allerdings sorgen eingelagerte Konvergenzen/Bodentröge für eine starke Richtungsscherug in der unteren Troposphäre. Der Trog im Nordwesten kann heute Abend mit einer Kaltfront in Verbindung gebracht werden. Die Cape-ML-Werte erreichen meist 400 bis 1400 J/Kg, im Osten teils über 1500 oder 2000 J/Kg, wobei dort die Schichtung gedeckelt ist. So startet die Konvektion am ehesten über dem Schwarzwald, wo zusätzlich neben dem Trog auch die Orographie für Hebung sorgt. Auch in den westlichen Mittelgebirgen sind einzelne Gewitterentwicklungen möglich. Ausgehend vom Schwarzwald und den westlichen Mittelgebirgen breiten sich die Gewitter dann weiter nordostwärts aus und erreichen abends das mittlere Deutschland. Die Starkregengefahr ist nach ICON-D2-EPS im Raum Schwarzwald am größten, am frühen Abend auch über der Alb. Auch Sturmböen und Hagel bis 3 cm sind möglich.
Im Nordwesten Deutschlands greifen erst gegen Abend Schauer und Gewitter der Kaltfront von Holland über, wobei ebenfalls Starkregen möglich ist.
Im Osten und Nordosten sind wohl heute nach Abzug der Gewitter am Nachmittag erstmal keine neuen Gewitter zu erwarten, da der schwache Höhenkeil für Absinken sorgt und eine Deckelung besteht.
Am späten Abend und in der Nacht erreichen die Gewitter von der Mitte her kommend den Osten Deutschlands und betreffen auch noch Schleswig-Holstein und Niedersachsen und auch in der 2. Nachthälfte besteht nach ICON-D2-EPS noch die Gefahr von Starkregen. Selbst Unwetter durch heftigen Starkregen (über 35 l/qm in 6 Stunden) sind möglich. Im Süden und Westen, später auch in der Mitte, gibt es dagegen eine Wetterberuhigung, teilweise bedingt durch Kaltluftadvektion, denn hinter den Schauern und Gewittern dreht die Strömung auf Südwest, da sich der zu den Alpen gerichtete Azorenhochkeil verstärkt. Bis zum Morgen wird die 20-Grad-Isotherme in 850 hPa durch die KLA nach Ostbayern und Sachsen abgedrängt.
Mittwoch... nähert sich das Höhentief bei den Hebriden an und erreicht die Ostküste Schottlands. Der kurzwellige Randtrog zieht rasch nordostwärts ab, dahinter stellt sich eine relativ glatte, aber leicht "flatternde" südwestliche Höhenströmung ein mit kurzwelligen Troganteilen, die etwas dynamischen Hebungsinput bieten könnten.
Im Bodenfeld wird die Kaltfront über der Mitte Deutschlands rasch vom Trog überlaufen und gerät dann erneut ins Schleifen, so dass der Südosten Deutschlands noch präfrontal im Einflussbereich der heißen und instabilen Subtropikluft verbleibt mit PPWs über 35 mm und 1000 bis 1500 J/kg ML-Cape. Ausgehend von den ost- und süddeutschen Mittelgebirgen bzw. von den Alpen dürfte es im Laufe des Nachmittags dort zu Neuentwicklungen kommen. Bei nur schwacher Scherung steht insbesondere der Starkregen im Fokus, bei frischen Entwicklungen ist auch größerer Hagel denkbar. Unwetter durch heftigen Starkregen ist am ehesten im Alpenraum und im südlichen Vorland gegeben, was die EPS-Ergebnisse von ICON-D2 anzeigen.
Postfrontal gelangt eine etwas gemäßigtere Luftmasse in die Nordwesthälfte des Landes mit T850 hPa zwischen 9 Grad im Nordseeumfeld und 14 Grad in den mittleren Landesteilen. Vor allem im Westen und Südwesten gelangt diese in den Einflussbereich eines flachen Hochkeils, so dass es dort wohl überwiegend trocken bleibt. Ansonsten ist der Luftmasse eine gewisse potenzielle Instabilität nicht abzusprechen, so dass einzelne Schauer oder Gewitter - vor allem im Norden und Nordosten - nicht ausgeschlossen sind. Diese könnten auch einer 2. Kaltfront zugeschrieben werden, die das hochreichende Tief über der Nordsee am Nachmittag nach Nordwestdeutschland schickt, während die 1. Kaltfront über der östlichen Mitte schleift und erst zum Tagesende weiter nach Südosten gedrückt wird. Die Begleiterscheinungen der Gewitter nördlich der Mittelgebirge dürften aber maximal nur markant ausfallen.
Die große Hitze mit Maxima von über 35 Grad ist erst einmal weitgehend raus. Dennoch bleibt es mit 29 bis 34 (an Donau und Main eventuell noch einmal 35 oder 36 Grad) fast landesweit sehr warm bis heiß. Lediglich im Nordwesten und an der Ostsee liegen die Maxima bei angenehmeren 25 bis 29 Grad, an der Nordsee darunter.
Außerhalb der Gewitter weht ein schwacher bis mäßiger Südwest- bis Westwind.
In der Nacht zum Donnerstag schwenkt die Achse eines zu den Britischen Inseln reichenden Randtroges allmählich zur Nordsee. Die südwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt somit wieder etwas auf. Die Bodenkaltfront kommt somit weiterhin nur langsam südostwärts voran und zeigt im Einflussbereich des sich von Frankreich nach Süddeutschland ausweitenden Hochkeils Auflösungserscheinungen. Nichtsdestotrotz kann es in Südostbayern sowie in der Osthälfte noch Schauer und Gewitter geben, an den Alpen auch schauerartige Regenfälle. Dabei ist heftiger Starkregen
Im Rest des Landes bleibt es aber trocken und vor allem in die Nordwesthälfte gelangt nun endlich eine deutlich angenehmer temperierte Luftmasse (unter 10 Grad in 850 hPa) mit Minima oft unter 15 Grad. Aber auch sonst kühlt es fast überall auf unter 20 Grad ab.
Donnerstag... Das südliche Höhentiefzentrum an der Südspitze Norwegens löst sich weitgehend auf, indem es Anschluss findet an das Haupt-Höhentief über dem Nordmeer. Die Haupttrogachse erreicht von Westen her kommend abends Nordwestdeutschland und Nordostfrankreich. Hinter der über Südostbayern nur langsam nach Österreich ziehenden Kaltfront des Tiefs über Nordschweden strömt aber im Randbereich des Hochs dicht westliche der Bretagne von Nordwesten frischere Meeresluft ein mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 7 Grad im Nordwesten und anfangs 15 Grad im Südosten. Ganz Deutschland wird auf der Vorderseite des Troges bei nur leicht zykloinaler Krümmung der Isohypsen von Kaltluftadvektion geflutet, die die Troghebung überkompensiert. Erst gegen Abend kommen ganz im Nordwesten Schauer und einzelne Gewitter in Trognähe auf, während sonst die KLA für eine Stabilisierung sorgt. Bei heiter bis wolkigen Verhältnissen bleibt es im größten Teil Deutschlands trocken. Lediglich ganz im Südosten sorgt die Kaltfront noch für schauerartigen und teils gewittrigen Regen, wobei teils mehrstündiger Starkregen auftreten kann. Bei den Schauern und gewittern in Nordseenähe ist Starkregen dagegen kaum ein Thema. Zwischen dem Hoch im Westen und dem Tief über Nordskandinavien frischt im Norden im Bereich eines Bodentroges der Wind kräftig auf mit steifen bis stürmischen Böen im Küstenbereich. Ansonsten weht der Wind in Böen frisch bis stark (Bft 5 bis 6) aus Nordwest bis West.
In der Nacht zum Freitag zieht der Regen der Kaltfront weitgehend nach Österreich ab. Lediglich im Berchtesgadener Land und in der Nähe des Inns kann es noch bis zum Morgen regnen.
Während im Norden Wolken aufziehen und es im Südosten auch noch stark bewölkt ist, klart ansonsten der Himmel häufig auf. Es kühlt auf 16 Grad im Südosten und 8 Grad in Mittelgebirgstälern ab.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Schauer und Gewitter heute und morgen werden von den teils feinmaschigen Modellen unterschiedlich berechnet. Insofern kann man eher auf die EPS-Ergebnisse von ICON-D2 zurückgreifen.
Die synoptischen Basisfelder werden aber ähnlich berechnet, die kühlere und stabilere Luft soll spätestens Donnerstagabend die schwülwarme Luft verdrängt haben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 04.08.2026 um 10.30 UTC
Im Norden höchstens kurzzeitig, im Süden fast durchgehend sehr warm bis heiß. Am Sonntag/Montag mit Front- und Trogpassage zwar quasi landesweit, aber nur vereinzelte kräftige Gewitter möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 11.08.2026
Vorweggenommen sei schonmal: Starke bzw. sogar extreme Hitze mit Höchstwerten jenseits der 35 Grad bzw. gar an die 40 Grad ist erst einmal nicht zu erwarten. Dennoch bleibt es insbesondere im Südwesten und Süden mehr oder weniger durchgehend sehr warm bis heiß und auch in den Norden kann die Hitze am Sonntag wohl kurzeitig noch einmal vordringen.
Doch nun zur Entwicklung im Detail:
Am Freitag hat sich unterhalb einer leicht "flatternden" westlichen Höhenströmung ein Hochdruckgebiet über West- und Mitteleuropa ausgebreitet, dessen Schwerpunkt sich anfangs noch knapp westnordwestlich des Vorhersagegebietes befindet, bis Samstagfrüh sich aber langsam nach Norddeutschland verlagert. Nördlich der Divergenzachse des Hochs, die in etwa über die Landesmitte hinweg verläuft, gelangt somit von Nordwesten maritim erwärmte Polarluft in die Nord- und Osthälfte (T850 hPa abends zwischen 5 und 9 Grad), in der sich mit dem Tagesgang flache Cu-Bewölkung bildet, ohne, dass es für nennenswerte Schauer reicht. Mit Maxima zwischen 21 und 24 Grad, an den Küsten bei auflandigem Wind kaum 20 Grad.
Im Südwesten und Süden hält sich noch etwas wärmere Luft bzw. kann sich die Luftmasse bei guten Einstrahlungsbedingungen wieder erwärmen auf 10 bis 15 Grad in 850 hPa. Einzelne Gewitter sind vor allem an den Alpen nicht ausgeschlossen, ansonsten ist die Luftmasse zu trocken und dynamisches Forcing fehlt ebenfalls. Es wird warm bis sehr warm mit 24 bis 28 Grad, in Südbaden vielleicht knapp 30 Grad.
Angenehm frisch fällt auf jeden Fall die Nacht aus: An den Küsten sowie in einigen Ballungszentren im Südwesten geht's auf nahe 15 Grad runter, sonst auf 13 bis 8 Grad, in einigen Senken- und Muldenlagen wird es noch etwas frischer.
Am Samstag kommt es zu einem Trogvorstoß über dem Seegebiet zwischen Island und Schottland. Vorderseitig führt WLA zu einem Geopotenzialgewinn auch über Mitteleuropa; es wölbt sich westlich von uns ein flacher Rücken auf, der bereits in der Nacht zum Sonntag über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts schwenkt. Unser Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt allmählich Richtung Ostpolen/Belarus und Baltikum, wobei tagsüber noch ein Keil bis nach Nordostdeutschland reicht. An dessen Südwestflanke gelangt trockene Festlandsluft nach Deutschland, wobei vor allem in den Westen und Süden niedertroposphärisch mit Winddrehung auf Süd bereits wieder Subtropikluft advehiert wird. In 850 hPa steigt die Temperatur bis zum Abend auf 7 Grad in Ostvorpommern und bis nahe 20 Grad in Südbaden. Somit kann die Luftmasse im Südwesten und Süden wieder deutlich labilisieren und alpines Pumpen führt an den Alpen bzw. im Vorland zu deren Anfeuchtung. Eventuell reicht es an den Alpen und im Südschwarzwald/Südbaden bereits für einzelne, dann durchaus kräftige Gewitter (geringes Unwetterpotenzial aufgrund von Hagel und Starkregen). Ansonsten bleibt es aber trocken und auch recht sonnig, lediglich im Nordosten zeigen sich ein paar Wolkenfelder. Während sich an den Maxima im äußersten Norden/Nordosten nur wenig ändert, wird es sonst mit 25 bis 30 Grad sehr warm, im Südwesten sowie zwischen Main und Donau auch heiß mit bis zu 33 Grad. Auch die Nacht zum Sonntag wird wieder milder mit Minima zwischen 18 und 11 Grad, lediglich in einigen Mulden und Senken noch etwas darunter. Dabei weitet sich von Frankreich und Benelux her eine flache Tiefdruckrinne nach Westdeutschland aus. Eventuell können dorthin auch bereits "Gewitterreste" von Westen her vordringen.
Der Sonntag und Montag werden dann wettertechnisch etwas spannender: An der Südflanke eines sich über dem Nordmeer etablierenden Zentraltiefs verlagert sich ein erster Randtrog am Sonntag über Schottland hinweg Richtung Norwegische See, ein weiterer folgt in der Nacht zum Montag, greift deutlich weiter nach Süden aus und zieht bis Montag über die Nordsee hinweg Richtung westliche Ostsee und Südskandinavien. Somit stellt sich auch hierzulande vorübergehend eine zyklonal konturierte Südwestlage ein. Das Hochdruckgebiet zieht sich weit nach Ost- bzw. Nordosteuropa zurück und weicht einer flachen Druckverteilung über ganz Mitteleuropa, wobei schwülheiße Subtropikluft am Sonntag vorübergehend bis nach Norddeutschland vordringen kann. In 850 hPa steigt die Temperatur auf Werte zwischen 14 Grad ganz im Norden und bis 22 Grad in Südbaden bzw. an den Alpen. Die Luftmasse ist instabil geschichtet und mit etwas dynamischem Forcing ist vor allem am Sonntagabend und in der Nacht zum bzw. am Montag (dann noch am ehesten im Osten und Süden) auch organisierte Gewittertätigkeit nicht ausgeschlossen. Unklar ist noch die "Qualität" der Luftmasse: Die Modelle sind bzgl. Cape und Cape/Shear-Überlappung noch sehr defensiv aufgestellt. Mit Trogpassage geht dann auch im Bodenfeld eine Kaltfrontpassage einher, wobei das Timing noch unsicher ist. Nach Lesart des aktuellen Laufes greift sie in der Nacht zum Montag auf Nordwestdeutschland über, erreicht in der Nacht zum Dienstag Süddeutschland, wird dort aber von Druckanstieg überlaufen und zeigt Auflösungstendenzen. Wie auch immer: Am Montag gelangt bereits in den Nordwesten, am Dienstag dann zumindest bis in die mittleren Landesteile erneut erwärmte maritime Polarluft mit unter 10 Grad in 850 hPa, im Süden bleibt es dagegen bei 850 hPa-Temperaturen um 15 Grad sehr warm. Aber auch dort trocknet die Luftmasse ab, so dass es am Dienstag wohl lediglich ganz im Süden (Südschwarzwald bis Alpenvorland) für einzelne Gewitter reicht, wenn überhaupt.
In der erweiterten Mittelfrist schwenkt dann nach Lesart des IFS das sich am Dienstag über dem Vorhersagegebiet etablierende Hochdruckgebiet samt flachen Höhenrückens rasch nach Osteuropa. Es stellt sich eine recht flaue westsüdwestliche Höhenströmung ein, in die eingebettet ein Frontensystem am Donnerstag erneut Norddeutschland passiert, während im Süden der Einfluss einer Hochdruckbrücke dominant wird. Vorderseitig der Front kommt die sehr warme bis heiße Luft am Mittwoch erneut kurzzeitig bis nach Norddeutschland voran, während sie am Donnerstag mit der Front wieder etwas nach Süden abgedrängt wird. Im Süden bleibt es durchgehend heiß mit T850 hPa um 20 Grad oder gar darüber. Vereinzelte Gewitter kann es vor allem präfrontal geben, aber auch in erster Linie über den Bergen Süddeutschlands. Von einer verbreiteten Gewittertätigkeit ist aber nicht auszugehen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis einschließlich der Nacht zum Sonntag kann den IFS-Läufen eine sehr gute Konsistenz bescheinigt werden.
Dann aber werden die Differenzen größer, in erster Linie die Verlagerungsgeschwindigkeit, die Geometrie und somit die Wetterwirksamkeit der Trog- bzw. der daran gekoppelten Frontpassage betreffend. Nach Lesart aller Läufe dringt die sehr warme bis heiße Luft am Sonntag kurzeitig auch bis nach Norddeutschland vor, wird dann aber unterschiedlich schnell, spätestens aber bis zur Nacht zum Dienstag, nach Süddeutschland abgedrängt. Allen Läufen gemein ist auch, dass über Süddeutschland kein wirklicher Luftmassenwechsel stattfindet. Die Unterschiede manifestieren sich somit am ehesten in den Prognosen der konvektiven Niederschläge.
In der erweiterten Mittelfrist bleibt dann nach Lesart des gestrigen 00 UTC-Laufes der Hochschwerpunkt über Norddeutschland und er Rücken knapp westlich von uns, so dass die sehr warme bis heiße Luftmasse in der Südwesthälfte verbleibt. Der gestrige Lauf tendierte bereits ein wenig Richtung des aktuellen 00 UTC-Laufes, jedoch ohne Frontpassage am Donnerstag. Die schwüle und sehr warme bis heiße Luftmasse kommt nach dessen Lesart zumindest bis Landesmitte voran, lediglich im Norden und Nordosten bleibt es angenehmer temperiert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die vorliegenden Globalmodelle unterscheiden sich bis einschließlich Sonntagfrüh kaum. Ähnlich wie bei den IFS-Läufen wird dann die Trog- und Frontpassage bis Dienstagfrüh unterschiedlich simuliert. ICON und UK10 fahren eine aggressive und progressive Variante, nach deren Lesart erreicht die 10 Grad-Isotherme in 850 hPa in der Nacht zum Dienstag sogar in etwa die Donau. GFS ist dagegen etwas defensiver aufgestellt, GEM ähnelt der IFS-Variante noch am ehesten.
In der erweiterten Mittelfrist simulieren GFS und GEM den Hochschwerpunkt eher nördlich des Vorhersagegebietes und den Höhenrücken knapp westlich. Somit bleibt die sehr warme bis heiße Luftmasse über Südwest- und Süddeutschland.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die ENS-Member auf vier Cluster, die allesamt den Trogvorstoß Richtung Island/Nordmeer auf der Agenda haben und entsprechend dem Großwetterlagenregime "NAO positiv" zugeordnet sind. Gleichwohl zeigen alle Cluster den Richtung Mitteleuropa schwenkenden flachen Rücken, so dass sie sich bzgl. der Wetterentwicklung hierzulande kaum unterscheiden.
Das ändert sich dann ein wenig im nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden) mit insgesamt 5 Clustern.
CL1 (18 Member) und CL4 (7 Member) lassen den Höhentrog langsam vom Nordmeer Richtung Skandinavien schwenken, wobei Richtung Dienstag kommender Woche der Rücken an dessen Südwestflanke über dem westlichen Mitteleuropa nach CL4 deutlich robuster aufgestellt ist als nach CL1, der somit auch im Bodenfeld den Frontdurchgang zu Beginn kommender Woche ein wenig offensiver auf der Agenda hat.
Nach Lesart der anderen Cluster zerfällt regelrecht der Haupttrog in mehrere Randtröge bzw. Höhentiefs. Vor allem CL2 (12 Member) und CL3 (11 Member) haben für Mitteleuropa ein noch antizyklonaleres Muster auf der Agenda als CL1 und CL4.
CL5 (3 Member) ist dagegen um einiges zyklonaler aufgestellt. Ein markanter Randtrog verlagert sich von GB zur westlichen Ostsee und verleiht der Kaltfront eine deutliche Schubkomponente, die somit bereits am Montag rasch bis zu den Alpen vordringen kann. Diese Variante ist somit noch etwas offensiver aufgestellt als der Hauptlauf des ICON.
Die beiden Cluster in der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) schwenken dann wieder um Richtung "Blocking". Das Troggeschehen findet weit nach Norden verschoben statt und bei uns dominiert Hochdruckeinfluss, lediglich der Norden könnte zeitweise von Frontensystemen gestreift werden.
Bis Sonntag zeigen die Rauchfahnen der verschiedenen Gitterpunkten einen relativ einheitlichen Verlauf, die Streubreite ist ziemlich gering, wobei auffällt, dass der Rückgang der 850 hPa-Temperatur für die nord- und ostdeutschen Gitterpunkte an Sonntag/Nacht zu Montag einige Stunden später erfolgt als nach Lesart fast aller Member.
Danach, eigentlich schon ab der Nacht zum Montag, wird die Schwankungsbreitet aber deutlich größer, am Dienstag und Mittwoch ergibt sich für viele Gitterpunkte sogar eine Spanne der 850 hPa von ca. 15 K, wobei diese für die norddeutschen Gitterpunkte tendenziell etwas höher ausfällt als für die süddeutschen, wo die 850 hPa-Temperatur generell auf einem höheren Niveau verläuft und einige Member (inklusive Hauptlauf) ab Mittwoch auch wieder die 20 Grad überschreiten.
Auffällig sind die nach wie vor spärlichen Niederschlagssignale. Lediglich am Sonntag/Montag simulieren einige Member zumindest für die ost- und süddeutschen Gitterpunkte nennenswerte Mengen. Somit dürfte die Dürresituation in weiten Landesteilen anhalten.
FAZIT:
Bis Sonntagfrüh steht der Fahrplan: Störungsfrei und trocken, lediglich in den süddeutschen Bergen vereinzelte Gewitter, im Süden wieder sehr warm, im Norden mäßig warm bis warm.
Danach wird's unsicherer. Zunächst, was die Frontpassage bis Dienstagfrüh angeht. Da gibt's noch Unterschiede bzgl. Timing und vor allem bzgl. Wetterwirksamkeit. Für eine großräumige Unwetterlage bzw. flächendeckend nennenswerte Niederschläge reicht es aber definitiv nicht. Auch in der erweiterten Mittelfrist dominiert das antizyklonale Muster. Ob die Hitze aber in der Südhälfte verbleibt oder immer wieder auch nach Norddeutschland vordringen kann, hängt von der genauen Lage des Hochs ab, die noch unsicher ist.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Freitag und Samstag ist unter Hochdruckeinfluss kaum mit signifikanten Wetterereignissen zu rechnen. Lediglich vom Südschwarzwald bis ins Alpenvorland bzw. zum Alpenrand können sich eventuell einzelne kräftige Gewitter entwickeln, Hauptaugenmerk liegt dann auf dem Hagel und dem Starkregen. Am Sonntag und Montag kann es im Zuge einer Trog- und Frontpassage zu verbreiteterer Gewitteraktivität kommen. Zünglein an der Waage ist allerdings die "Qualität" der Luftmasse. Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt EFI keinerlei Hinweise auf außergewöhnlich hohe Cape bzw. günstige Cape/Shear-Überlappung. Mit einzelnen Gewittern ist jedoch zu rechnen, am Sonntag fast landesweit, am Montag dann am ehesten im Osten und Süden. Unwetter sind nicht ausgeschlossen.
Eine großräumige Unwetterlage ist aber aus aktueller Modellsicht weit und breit nicht in Sicht.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





