Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 24.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Kurzzeitig Übergang zu TrM (Trog Mitteleuropa), Richtung Freitag und Wochenende eher wieder BM (Brücke Mitteleuropa)
Heute Ruhe vor dem Sturm, von Norden her aber bereits einsetzender Druckfall. Am Mittwoch Vollwetter - Kaltfrontpassage mit anschließendem Temperatursturz, Wind/Sturm, Niederschlägen jeglicher Couleur sowie kurzen Gewittern.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... Es ist nichts Neues, dass wenn wir uns erstmal an den Frühling gewöhnt haben - die milden linden Tage, die Sonne, das Erwachen der Natur mit allem Pipapo -, es früher oder später so richtig was auf die Rübe gibt. Manchmal erst im April, mitunter noch im Mai (Stichwort Spätfröste) oder eben schon im März wie in diesem Fall. Jahreszeiten sind schlechte Verlierer, wobei sich insbesondere der Winter gerne mal als Brachial-Rüpel präsentiert, der nach Ablauf der Spielzeit ordentlich und bisweilen auch mehrfach nachtritt. Dass er damit unsere zartbesaiteten Seelen der mittleren Breiten erheblich strapaziert, scheint ihm egal. Aber nun, so läuft es in der Natur. Sehen wir´s positiv, nach langer Zeit mehr oder weniger antizyklonalen Dahindümpelns stehen die Zeichen nun mal wieder auf Vollwetter, was für die meisten treuen Leser dieses Bulletins sicherlich nicht die schlechteste Nachricht ist.
Einen Tag Schonfrist haben wir aber noch, bevor es in die Vollen geht. Zwar wird am heutigen Dienstag schon ein wenig gekratzt, gebissen wird aber noch nicht. Dabei ist die Geschichte vergleichsweise rasch erzählt. Die seit Tagen wetterbestimmende Hochdruckzone, die vom mittleren Nordatlantik bis hinüber nach Russland reicht und im Osten auf MAX, bei uns auf NORBERT hört, verlagert sich samt korrespondierendem Potenzialrücken langsam aber sicher nach Süden. Dadurch kann von Nordeuropa her die zunächst noch relativ glatt konturierte Frontalzone dichter an den Vorhersageraum heranrücken. Auf der kalten Seite hat sich über der Norwegischen See das Sturmtief LIVIA eingefunden, das in der vergangenen Nacht (00 UTC) mit knapp unter 965 hPa analysiert werden konnte. Sowohl Warm- als auch die wellende Kaltfront des Tiefs tangieren heute insbesondere den Norden des Landes nicht nur mit dichter, mehrschichtiger Bewölkung. Im Küstenumfeld, vor allem aber im Norden SHs fällt zudem zeitweise etwas Regen, ganz oben im Norden gar um 5 l/m² innert 12 h. Darüber hinaus frischt der Südwestwind über der Deutschen Bucht sowie im Grenzbereich zu Dänemark soweit auf, dass die ein oder andere steife Böe 7 Bft auf dem Windschreiber erscheint. Deutschlands Sturmhügel #1 (genau 1x dürft ihr raten, wie der heißt und wo der liegt) kommt sogar schon auf die ersten stürmischen Böen respektive Sturmböen 8-9 Bft.
Je weiter wir in der Republik nach Süden gehen, desto größer der Einfluss der langsam scheidenden Hochdruckzone/-brücke und desto höher die apostrophierte Sonnenscheindauer. Ganz blankgeputzt wird der Himmel allerdings nicht daherkommen, weil der zonal exponierte Rücken von WLA überlaufen wird, welche nicht nur viel hohes, sondern teilweise auch mittelhohes Gewölk generiert. Das hindert die Temperatur aber nicht, in der abgetrockneten subtropischen Luftmasse (xSp; T850 Anstieg auf 3 bis 6°C) verbreitet auf sehr solide und selbstredend überdurchschnittliche Werte zwischen 14 und 20°C anzusteigen. Einzig im Nordseeumfeld sowie unter den Regenwolken SHs müssen sich die Leute mit 10 bis 14, an der nordfriesischen Küste + vorgelagerter Inseln (auflandiger Wind) z.T. nur 8 oder 9°C zufriedengeben.
In der Nacht zum Mittwoch geht´s los mit der Umstellung der Wetterlage, die wirklich krass ausfällt und - so viel sei vorab verraten - einen erheblichen Temperatursturz mit sich bringt. Zwar verliert die gute LIVIA auf ihrem Weg in Richtung Lofoten etwas an Substanz - ausgangs der Nacht stehen "nur noch" etwas über 970 hPa auf der Karte -, dafür kommt es zu einer spürbaren Aktivierung der tagsüber noch im Schlummermodus agierenden Kaltfront. Hauptgrund ist ein fetter Kaltluftvorstoß aus dem grönländischen Raum nach Süden, der über dem nahen Atlantik bzw. UK/Irland eine merkliche Austrogung zu Folge hat. Darüber hinaus formiert sich über UK und etwas zeitverzögert über der Nordsee eine weitere Welle mit ausgeprägtem Bodentrog, die schlussendlich sogar zu einem eigenständigen Randtief mit Kernisobare 980 hPa mutiert - Gott zum Gruße MARLIES. Welle/Randtief schlagen um 06 UTC bereits über dem Skagerrak auf, um von dort zügig weiter in Richtung Südschweden abzuziehen.
Die aktive Kaltfront (KF) greift nach Mitternacht mit frontalem Regen auf den Westen und Nordwesten des Landes über (Vorderkante am Morgen etwa Saarland-Solling-Mecklenburg), wobei sich die Mengen mit meist unter 5 l/m² in Grenzen halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass direkt an oder gar vor der KF Gewitter auftreten, ist angesichts eines stabilisierenden Warmluftbuckels um 700 hPa herum eher gering. Erst postfrontal, wenn der unmittelbar folgende Höhentrog übergreift und eine deutliche Labilisierung einleitet, könnten ganz im Westen und die ersten elektrischen Entladungen an den Start gehen. Wenn dem so sein sollte, ist Wind oder besser Sturm der vornehmlich zu beachtende Parameter. Scherung, Höhenwind und zunehmender Gradient sorgen auch abseits von Konvektion schwerpunktmäßig im Westen und Nordwesten für eine deutliche Windauffrischung mit Böen 7-8 Bft, Nordsee + Bergland 8-9, vereinzelt 10 Bft, Brocken bis 12 Bft aus Südwest. Bei Kaltfrontdurchgang sind auch in tiefen Lagen Sturmböen 9 Bft möglich.
Im Süden und Osten bekommt man von der bevorstehenden Umstellung noch nicht allzu viel mit, wenn man mal davon absieht, dass die Bewölkung von Nordwesten ganz allmählich zunimmt und der Wind in den Hochlagen der Mittelgebirge (die Alpen halten sich noch etwas zurück) stark bis stürmisch auffrischt. Frost ist kaum noch ein Thema, lediglich zwischen östlichem Alpenrand und Bayerischem Wald kühlt es stellenweise nochmal auf etwas unter 0°C ab.
Mittwoch... zieht die Kaltfront rasch über den Vorhersagebereich südostwärts hinweg, so dass zum Mittagessen weite Teile bereits auf der Rückseite liegen. Nur der äußerste Süden und Südosten bleiben noch außen vor, was sich spätestens am Spätnachmittag auch erledigt haben wird. Nicht minder flott gibt sich der nachfolgende, weiter an seiner Amplitude arbeitende Höhentrog, dessen Hauptachse am Abend über der Westhälfte liegt. Bis dahin ist das gesamte Land mit hochreichender Kaltluft polaren Ursprungs geflutet (mP), in der T850 auf 0 bis -4°C, T500 mit Ausnahme des Südostens auf -32 bis -36°C zurückgeht. Es ist evident, dass die Schichtung damit erzlabil ist, auf der anderen Seite aber auch nicht überbordend feucht. Im Gegenteil, mit PPWs von maximal 10 mm ist sie für eine maritim geprägte Luftmasse sogar ziemlich trocken, was vor allem an der zu dieser Jahreszeit noch kalten Meeresoberfläche liegt.
Wie auch immer, das Potenzial für ordentlich Bambule ist trotzdem gegeben, wenn auch vielleicht nicht in Form eines prominenten konvektiven Feuerwerks. Ganz oben auf der Liste signifikanter Wettererscheinungen steht sicherlich der Wind/Sturm, aber auch die Palette möglicher Wettererscheinungen wird ordentlich ausgereizt. So zieht der frontale Regen rasch in den Süden, gefolgt von zahlreichen Schauern, teils als Graupel oder eben als kurzes Graupelgewitter. Und auch das Thema "Schnee" kommt wieder auf die Agenda, wenn auch tagsüber eher rezessiv als dominant. Mit Kaltluftzufuhr sinkt die Schneefallgrenze bis zum Abend in den Mittelgebirgen auf 800 bis 600 m (in einem intensiven Schauer vielleicht auch etwas darunter), im Südosten auf rund 1000 m. Heißt, in den Hochlagen gehen die ersten Schneeschauer an den Start, nicht zuletzt aufgrund der guten Durchmischung dürfte aber kaum eine vernünftige Neuschneeakkumulation zustande kommen.
Stichwort Durchmischung, womit wir beim Wind wären, dessen Intensität und räumliche Verteilung nicht ganz trivial zu bestimmen ist. Gradient ist beteiligt, Front ist beteiligt, Bodentrog ist beteiligt, dazu Scherung, Höhenwinde, Labilität, Orografie, Jet. Ein Versuch einer Einschätzung: Das erste fette Windmaximum schwenkt am Vormittag/Mittag über Norddeutschland hinweg. Es ist gekoppelt an den gut definierten Bodentrog unter dem linken Ausgang des Jets. Dazu kommen niedertroposphärische Höhenwinde bis zu 55 Kt auf 850 und bis zu 45 Kt auf 925 hPa. Die Wahrscheinlichkeit ist also nicht gering, dass es bis weit nach Süden in der Norddeutschen Tiefebene vermehrt zu Böen 8-9 Bft kommt. Noch strammer dürfte es an der Küste sowie im Norden von SH abgehen, wo der Gradient am stärksten ausgeprägt ist. Böen 10 Bft sind durchaus wahrscheinlich, Böen 11 Bft (orkanartig nicht ausgeschlossen).
Das zweite Maximum abseits der Hochlagen des Berglands (dort je nach Exposition Böen 8-10 Bft, Brocken/Hochschwarzwald 11-12 Bft) tritt im Tagesverlauf im Süden, vornehmlich südlich der Donau auf, wenn sich die KF nähert und der Leitplankeneffekt greift. Auch dort dürfte es für kurze Zeit vermehrt zu Böen 8 Bft, teils 9 Bft kommen. Ansonsten legt der auf West bis Nordwest drehende Wind durchaus auch mal Pausen ein, bedingt durch die omnipräsente Konvektion muss aber jederzeit mit Böen der Stärke 7-8 Bft gerechnet werden.
Wie bereits angedeutet macht die Temperatur einen ordentlichen Satz nach unten auf nur noch 8 bis 12°C. Einzig im Osten und Südosten werden kurzzeitig noch mal 13 bis 16, in Südostbayern vielleicht 17°C erreicht, bevor es spätestens am Nachmittag auch dort thermisch auf die Glocke gibt.
In der Nacht zum Donnerstag weitet sich der Trog über die Alpen hinweg in Richtung Korsika und Sardinien aus, was über Oberitalien eine Zyklogenese in Gang bringt. Derweil zieht MARLIES über Schweden knapp westlich des Bottenbusens nordwärts. Mit nordwestlicher, am Boden teils westlicher Strömung wird nun noch etwas kältere, aber weiterhin ziemlich trockene Polarluft advehiert (T850 um -6°C, T500 um -36°C, PPW unter 10 mm). KLA-bedingt steigt der Luftdruck von Westen her etwas, so dass sich ein flacher Keil des nach Osten verschobenen Azorenhochs zu uns reinschieben kann. Dieser sorgt dann mit Unterstützung des Tagesgangs für eine gewisse Wetterberuhigung, auch wenn die Bremse nicht an allen Stellen greift. Deutlich auf dem Rückmarsch ist der Wind, der eigentlich nur an direkt an der Küste (Böen 7-8 Bft, exponiert 9 Bft aus West bis Nordwest) sowie in wenigen exponierten Hochlagen (Böen 8-9 Bft) noch prominent unterwegs bleibt. Aber auch das Niederschlagsgeschehen muss starke Einbußen hinnehmen (immer weniger Schauer), mit zwei Ausnahmen. Zum einen der Schwarzwald, wo die Schneefallgrenze bis weit nach unten sinkt und je nach Höhenlage durchaus 5 bis 10 cm Neuschnee zusammenkommen können (Schauer + Stau). Noch winterlicher wird´s am Alpenrand, wo sich eine Nordstaulage einstellt und die Schneefallgrenze bis in die Täler absinkt. 5 bis 10, in Lagen oberhalb etwa 800 m bis zu 20 cm, in exponierten Staulagen vielleicht noch etwas mehr Neuschnee sind keine Utopie, auch wenn das allerletzte Wort der Modelle noch aussteht. Bliebe nur noch zu konstatieren, dass es am ehesten in der Mitte und im Süden bei Aufklaren auf 0°C oder den leichten Frostbereich abkühlt, potenzielle Glätte durch gefrierende Nässe oder geringen Neuschnee (im Falle eines Schauers) inklusive.
Donnerstag... tropft der Trog über Norditalien ab, während das Bodentief Richtung Adria/Balkan zieht und dabei voraussichtlich einen Doppelkern etabliert. Uns kann das ziemlich wumpe sein, werden wir doch vom sich langsam auffüllenden Trogresiduum sowie zusehends vom o.e., sich verstärkenden Azorenhochkeil regiert. Die höhenkälteste Luft zieht sich in den Süden zurück, von Westen her beginnt es zu stabilisieren. Trotzdem entwickeln sich in weiten Landesteilen Regen-, Schnee- und Graupelschauer, wobei die Schneefallgrenze grob zwischen 400 und 700 m variiert. Kurze Graupelgewitter sind auch wieder am Start. Nach Osten und Nordosten hin wird die Schaueraktivität durch von Skandenföhn abgetrockneter Luftmasse merklich ausgebremst. Dafür dauert die Staulage an den Alpen, wenn auch mit leichter Intensitätsabnahme, an, so dass weitere 5 bis 10, vereinzelt vielleicht 15 cm Neuschnee fallen. Der West- bis Nordwestwind frischt mitunter böig auf mit steifen, vereinzelt stürmischen Böen 7-8 Bft an der See und im küstennahen Binnenland sowie in höheren Lagen. Temperaturmäßig begeben wir uns unter die 10°C-Marke, bei 5 bis 9°C, im höheren Bergland sowie an den Alpen 1 bis 5°C ist Ende der Fahnenstange.
In der Nacht zum Freitag weitere Kräftigung und Ausweitung des Hochkeils, zudem von Westen her Potenzialanstieg => Übergang zu Zwischenhocheinfluss. Nachlassende Schauer, auch an den Alpen immer weniger Schneefall. Stattdessen teilweises Aufklaren und verbreitet leichter, lokal mäßiger Luft- und verbreitet (Mitte/Süden) mäßiger Bodenfrost. Frostfrei nur der äußersten Norden inkl. der Küsten.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Umstellung der Wetterlage mit Kaltfront und Trog ist unstrittig. Die Überlegungen zur differenzierten Windentwicklung am Mittwoch sind konzeptioneller Natur und können an der ein oder anderen Stelle von der "echten" Natur korrigiert werden. Der grobe Fahrplan ist aber abgesteckt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 23.03.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig, anfangs kühl oder nasskalt, im Verlauf milder, am Alpenrand länger andauernder Schneefall
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 30.03.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag erstreckt sich ein Langwellentrog von Skandinavien über Deutschland südwärts und zeigt über Italien Abtropfungstendenzen. Dem gegenüber steht ein Rücken, der sich von den Azoren nach Island aufwölbt und unter Abschwächung südostwärts schwenkt sowie ein Bodenhochkeil von den Azoren Richtung Britische Inseln. Mit -35 Grad im 500-hPa-Niveau und Werten um -5 Grad im 850-hPa-Niveau über Deutschland gibt es ausreichend Labilität für zahlreiche Schauer und einzelne Gewitter. Dabei fällt bis in mittlere, bei kräftigen Schauern auch bis in tiefe Lagen Schnee oder Graupel, an den Alpen fällt längere Zeit Schnee. Im Bereich des Troges gibt es an der Nordsee und im Bergland Westdeutschlands starke bis stürmische Böen aus Nordwest, auf den Alpengipfeln teils schwere Sturmböen.
Am Freitag ist der Trog über dem nördlichen Mittelmeer abgetropft und der Höhenkeil schwenkt über die Nordsee nach Nordwestdeutschland, wird von Warmluft überlaufen und löst sich weitgehend auf. Ihm folgt ein sich auffüllender Kurzwellentrog nach. Durch eine deutliche Erwärmung im 500-hPa-Niveau auf etwa -25 Grad bei weiterhin etwa -6 Grad in 850 hPa ist die Labilität und damit die Schauertätigkeit deutlich verringert. Ein umfangreiches Tief über Südosteuropa führt Warmluft nach Norden, Aufgleitniederschläge (meist Schnee) erreichen den Südosten Bayerns. In der Nacht zum Samstag erreicht eine Okklusion den Nordwesten Deutschlands, im Bergland fällt ab mittleren Lagen Schnee, sonst Regen.
Am Samstag bildet sich eine schwache Brücke hohen Geopotenzials über Mitteleuropa. Die Brücke verbindet hohes Geopotenzial über Russland und im Bereich der Azoren. Dem gegenüber steht ein Höhentiefkomplex über dem Mittelmeer. Die Okklusion über dem Nordwesten Deutschlands schwenkt unter Auflösung nach Südosten. Nachfolgend sorgt der Keil des Azorenhochs im Westen und Norden für Wetterberuhigung. In den Südosten wird weiterhin feuchte Luft und in der Höhe auch wärmere Luft durch das Tief über Südosteuropa gelenkt. Länger andauernde Niederschläge sind dort die Folge, meist fallen diese als Schnee. In 850 hPa liegen die Temperaturen meist zwischen -6 und -2 Grad, in Ostsachsen Sonntagfrüh knapp über dem Gefrierpunkt, verantwortlich dafür ist WLA aus Osten.
Am Sonntag ändert sich zunächst zwischen einem feuchten Südosten (Südosteuropatief) und einem weitgehend trocknen Nordwesten (Azorenhochkeil) zunächst kaum etwas. Erst in der Nacht zum Montag erreicht ein Trog die Nordsee, vorderseitig erreicht ein okkludierendes Frontensystem mit Regen den Nordwesten Deutschlands und im Süden ziehen sich die Schneefälle an die Alpen zurück. Die Temperatur in 850 hPa liegt zwischen -6 und 0 Grad und steigt ausgangs der Westen bis auf +3 Grad.
Zu Wochenbeginn zonalisiert die Strömung über Mitteleuropa zunehmend. Von Westen/Nordwesten greifen wiederholt Frontensysteme auf Deutschland über, die anfangs milde Meeresluft mit sich bringen. Im Laufe der erweiterten Mittelfrist kippt die Strömung von West zunehmend auf Nordwest und von Norden erreicht polare Meereskaltluft Deutschland.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz ist zunächst gut und ab dem Wochenende mäßig. Großräumige Strukturen sind zwar immer noch ähnlich. Aber der Einfluss des Tiefs über Südosteuropa wird im aktuellen Lauf verstärkt und der Durchbruch der Frontalzone zu Wochenbeginn verspätet simuliert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle zeigen alle den Einfluss des Südosteuropatiefs am Wochenende geringer und den Durchbruch atlantischer Fronten zu Wochenbeginn rascher und stärker. Die älteren Läufe des IFS passen damit eher zu den anderen Modellen als der aktuelle Lauf.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Cluster: Für den Zeitraum 72 bis 96 Stunden gibt es zwei Cluster, die beide dem Regime "Mittelatlantischer Rücken" zugeordnet sind. Für Deutschland ergeben sich nur geringe Unterschiede. In jedem Fall liegen wir unter dem Langwellentrog. Der Abtropfprozess hat mehr oder weniger begonnen.
Für den Zeitraum 120-168 Stunden gibt es 6 Cluster, die fast ausschließlich dem Regime "Blocking" zugeordnet sind. Die Brücke über Mitteleuropa hinweg zwischen den Azoren und Russland wird unterschiedlich stark simuliert, wobei schwache Brücken überwiegen. Das Höhentief über dem Mittelmeer ist Deutschland mal näher oder weiter weg.
Für den Zeitraum 192 bis 240 Stunden werden die Unterschiede deutlich größer. Bis auf NAO- sind alle Regime vertreten. Auf 4 Cluster verteilen sich die Ensembles. Das Kippen der Strömung auf Nordwest (Hauptlauf) wird zwar vom größten Cluster (18 Mitglieder) gezeigt, die Mehrheit zeigt dennoch Lösungen, die eine westlichere Strömung und höheres Geopotenzial aufweisen. Fast überall liegt Deutschland im Bereich der Frontalzone.
Rauchfahnen: Das Geopotenzial in 500 hPa ist zu Beginn der Mittelfrist am niedrigsten und steigt in den Folgetagen bei nur langsam zunehmender Streuung kontinuierlich an. Im Norden wird am Sonntag, sonst zu Wochenbeginn ein Maximum erreicht, ehe bei deutlich zunehmender Streuung eine Abnahme wahrscheinlich ist.
Die Temperatur in 850 hPa hat ebenfalls ihr Minimum zu Beginn des Mittelfristzeitraums zwischen -7 und -4 Grad und steigt dann bis zum Beginn nächster Woche bei allmählich zunehmender Streuung auf Werte zwischen -2 und +2 Grad. Nachfolgend ist bei hoher Streuung ein Abwärtstrend erkennbar. Blickpunkt Ostdeutschland am Wochenende: Die simulierte Erwärmung in Sachsen am Wochenende durch den Hauptlauf wird vom Ensemble nicht mitgetragen.
Über den gesamten Prognosezeitraum gibt es reichlich Niederschlagssignale. Ausgenommen sind der Freitag und Sonntag im Norden und Nordwesten. Die kräftigen Niederschläge des Hauptlaufs im Süden (Wochenende) werden nur von wenigen Ensemblemitgliedern mitgetragen.
Fazit: Am Donnerstag Höhenkaltluft mit zahlreichen Schauern und örtlichen Gewittern, Graupel und Schnee kurzzeitig teils bis in tiefe Lagen, an den Alpen länger andauernder Schneefall. Ab Freitag wird der Südosten Deutschlands von einem Tief über Südosteuropa beeinflusst. Am östlichen Alpenrand wahrscheinlich anhaltende Schneefälle. Sonst Wechsel aus Zwischenhocheinfluss und schwachen Fronten von Nordwesten. Nach 1 bis 9 Grad am Donnerstag allmählich milder. Nächste Woche wahrscheinlich durchgreifende West- bis Nordwestlage.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND/STURM:
Für den Donnerstag zeigt das EFI schwache Hinweise für ein Windereignis an der Nordsee.
Das EPS zeigt für den Donnerstag mittlere Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 und niedrige Wahrscheinlichkeiten für Bft 9 an der Nordseeküste.
REGEN/SCHNEE
Für den Donnerstag zeigt das EFI deutliche Signale für ein eher ungewöhnliches Niederschlagsereignis an den Alpen. Am Freitag nehmen die Signale dafür deutlich ab.
Für den Donnerstag zeigt das EFI deutliche Signale für ein eher ungewöhnliches Schneefallereignis an den Alpen. Für Freitag, Samstag und Sonntag nehmen die Signale deutlich ab, gehen aber nicht auf Null.
Für den Alpenrand gibt es niedrige und für das Berchtesgadener Land mittlere Wahrscheinlichkeiten für das Überschreiten markanter Niederschlagsmengen (24, 48 und 72-stünidg) ab Donnerstag gezeigt. Für das Berchtesgadener Land zudem sehr geringe Wahrscheinlichkeiten für WU.
GEWITTER:
Am Donnerstag lokal Gewitter mit Schnee oder Graupel bis in tiefe Lagen, vereinzelt mit stürmischen Böen.
FROST:
Bis auf den Nordwesten verbreitet leichte Nachtfröste. Höchste Wahrscheinlichkeiten für die Nacht zum Freitag und Samstag.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





