Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 16.05.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Alter Trog geht, Heidenheim und St. Pauli auch, neuer Trog kommt, dazwischen Zwischenhocheinfluss (YGGLEV).
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell ... wird ernsthaft daran gearbeitet, den seit Wochenanfang bei uns eher weniger als mehr willkommenen Trog ins Land der Träume zu schicken. Nicht nur dass in seinem Südteil beim Übertritt von der Adria auf den Balkan ein Cut-Off unmittelbar bevorsteht. Auch dem nördlichen, heute Abend noch über Deutschland positionierten Residuum geht es durch von Westen übergreifender WLA an den Kragen. Am frühen Sonntagmorgen ist der Spaß so gut wie vorbei. Lediglich ganz im Osten und Südosten hält sich noch ein schmallippiges Residuum, das von hohem Potenzial über dem nahen Ost- und Nordosteuropa geblockt wird und somit auch tagsüber noch präsent ist. Ansonsten aber ist der Trog ist einem flachen Rücken gewichen, der aber nicht zum Helden taugt und den großen Umschwung bringt. Klar, man braucht sein Haupt nicht allzu weit gen Westen zu richten, um dort schon den nächsten Trog zu sichten, der aber - so viel sei an dieser Stelle verraten - in Sachen Labilität, Kälte usw. nicht an die Performance seines Vorgängers heranreichen wird. Auf der anderen Seite taugt er aber allemal, den wechselhaften Wettercharakter am Laufen zu halten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die in den nächsten Tagen durchaus anstehende Erwärmung eher gemäßigt und nicht brachial ausfällt.
Kommen wir zur bevorstehenden Nacht zum Sonntag, in der sich leichter Zwischenhocheinfluss einstellt. Nicht nur die Ankunft des o.e. Rückens macht sich bemerkbar. Auch am Boden etabliert sich ein schwacher Hochkeil, einem erweiterten Wurmfortsatz des berühmten Azorenhochs, der sich von Frankreich bis zur Ostsee ausweitet und den Namen YGGLEV verpasst bekommen hat. Hinzu kommt noch die übliche tagesgangbedingte Stabilisierung der tagsüber aktivierten maritimen Polarluft mP. Kurzum, bis Mitternacht geht nicht nur die anfangs regionsweise noch aktive Schauerei in die Knie. Auch die zahlreichen Quellwolken bilden sich zurück respektive lösen sich teilweise sogar ganz auf. Hier und da bildet sich in der vom Regen angefeuchteten Grundschicht Nebel - vertikal nicht unbedingt mächtig, z.T. aber mit schlechter Horizontalsicht. Dazu kommt leider auch nochmal das Thema "Frost" auf die Agenda. Insbesondere im Süden und Osten sowie in der Landesmitte kühlt es in der Luft stellenweise und am Boden durchaus recht verbreitet in den leichten Frostbereich ab. Der anfangs noch lebhafte und böige Südwest- bis Westwind im Norden lässt schon in Kürze merklich nach.
In den frühen Morgenstunden nimmt die Bewölkung im Westen bereits wieder zu. Zwar hält der o.e. Trog noch einen gebührenden Abstand ein, dafür nähert sich eine teilokkludierte Kaltfront der Nordsee bzw. dem Westrand des Kontinents. Absender ist das Tief HENRIETTE, das sich von der Irminger See rinnenförmig Richtung Schottland ausweitet.
Sonntag ... setzt sich der Zwischenhocheinfluss in weiten Teilen des Landes fort, auch wenn der flache Rücken mehr und mehr in die Zange genommen wird: von Westen der langsam näherkommende neue Trog, im Osten das alte Residuum, da kann einem schon mal etwas mulmig werden. Unterstützung gibt es nach wie vor von YGGLEV, der zwar seinen Schwerpunkt gen Baltikum verlagert, dabei aber eine halbwegs solide Brücke zwischen dem Nordosteuropahoch und dem Azorenhoch aufrecht hält.
Außer im stark bewölkten Westen startet der Tag vielerorts sonnig, zwischen Ostsee und Mitte gebietsweise wolkig, lokal auch neblig. Allzu lange braucht es nicht, bis die Auslösetemperatur von 10 bis 12°C (im Osten etwas höher) erreicht ist und sich Quellungen bilden. Diese schrauben sich in eine Höhe von 700 bis 650 hPa, wo sie durch eine schwache, absinkbedingte Sperrschicht gedeckelt werden. Thermisch befinden wir uns dort etwa in einem Niveau von -10°C, was gemeinhin als neuralgisches Maß für die Niederschlagsbildung gilt. Oder anders formuliert, die Entwicklung einzelner Schauer ist alles andere als unwahrscheinlich, vorausgesetzt, der Feuchteinput reicht aus. Am wahrscheinlichsten sind konvektive Umlagerungen zum Nachmittag hin etwa von der unteren Donau über Franken und die östlichen Mittelgebirge hoch bis in den Berliner Raum bzw. den Fläming, also im unmittelbaren Dunstkreis des Trogresiduums. Zwar kann auch ein elektrischer Schauer nicht gänzlich ausgeschlossen werden, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für Gewitter aufgrund limitierter vertikaler Mächtigkeit nicht übermäßig hoch.
Kurz noch in den Westen, wo sich Trog und Kaltfront respektive Okklusion Zeit lassen, ihre Besitzansprüche auf deutsches Hoheitsgebiet in die Tat umzusetzen. Kein Wunder, vergrößert der Trog doch erstmal seine Amplitude, was auf Kosten seine Wellenlänge und seiner Progression geht. Die südwestliche Höhenströmung dreht zurück und ein vorlaufender flacher Randtrog stößt sich eher die Hörner ab, als dass er großartig was gewinnt. Nichtsdestotrotz setzen noch im Laufe des Vormittags von Benelux und der Nordsee leichte Regenfälle im äußersten Westen und Nordwesten ein, die sich am Nachmittag noch etwas nach Osten ausweiten. Dabei nimmt die Labilität soweit zu, dass etwas CAPE generiert werden kann, so dass der Niederschlag weitgehend schauerartigen Charakter annimmt. Ob es auch für ein Gewitter reicht, bleibt abzuwarten.
Immerhin, nachdem heute mit rund 17°C im Osten und Südosten das Ende der Fahnenstange erreicht war, geht´s morgen um ein paar Grad nach oben. Nicht ausgeschlossen, dass im Osten punktuell die 20°C-Marke touchiert oder gar um wenige Zehntel überschritten wird. Ansonsten stehen vielerorts 14 bis 19°C auf der Karte.
In der Nacht zum Montag verkürzt der Trog auf seinem Weg nach Osten seine Wellenlänge weiter, weil in seine Rückseite ordentlich Warmluft geschossen wird. Als Pumpe fungiert ein umfangreiches Tief, das heute noch über Neufundland liegt, von dort aber ganz klar den Ostatlantik im Visier hat. Plakativ betrachtet wird der Trog wie ein Gummiband in die Länge gezogen, trotzdem macht er etwas Boden nach Osten hin gut. Am Morgen erstreckt sich seine Hauptachse über UK, Zentralfrankreich und die Pyrenäen hinweg bis nach NW-Afrika (Referenz 500 hPa, in 300 hPa etwas weiter östlich). Die Vorderseite wird weiterhin markiert von der Kaltfront/Okklusion, die bis zum Morgen die Landesgrenzen zu Benelux überschreitet und in der zweiten Nachthälfte die schauerartigen Regenfälle gerade zwischen Eifel und Ostfriesland intensiviert. Nicht ausgeschlossen, dass dabei auch ein Gewitter eingelagert ist.
Zur Mitte und nach Osten hin bleibt man von dieser Entwicklung zunächst noch verschont, wenn man mal von einigen ausgreifenden Cirren absieht. Ansonsten gilt wolkig bis klar, trocken, einige Nebelfelder. Luftfrost tritt kaum noch auf, Frost in Bodennähe wohl, insbesondere vom Alpenrand bis hoch nach Brandenburg.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... Keine substanziellen Neuerkenntnisse gegenüber der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Entwicklung wird modellübergreifend sehr ähnlich eingeschätzt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 16.05.2026 um 10.30 UTC
Anfangs unbeständig örtlichen Gewittern, ab Donnerstag zunehmender Hochdruckeinfluss mit steigenden Temperaturen
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 23.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag liegt ein Trog mit Temperaturen bis -24 Grad in 500 hPa über Deutschland, der kaum noch ostwärts vorankommt und von Westen zugeschüttet wird. Im Westen herrscht schwacher Zwischenhocheinfluss, generell gibt es kaum Druckgegensätze über Deutschland. Bei Temperaturen zwischen 3 und 6 Grad in 850 hPa ist es weiterhin kühl für die Jahreszeit. Im Osten ist die Labilität ausreichend für kurze Gewitter. Von Westen nähert sich ein okkludierendes Frontensystem, das in der Nacht zum Mittwoch die Westhälfte erreicht.
Am Mittwoch kommt die Okklusion langsam in den Osten Deutschlands voran, von Westen folgt ein Trog mit Temperaturen um -20 Grad in 500 hPa. In der erwärmten Meeresluft (5 bis 8 Grad in 850 hPa) reicht es vor allem im Westen und Süden für örtliche Gewitter, die aufgrund ihrer langsamen Verlagerung örtlich zu Starkregen führen können. Von Warmluftadvektion gestützt beginnt sich über Westeuropa ein breiter Keil aufzuwölben, der in der Nacht zum Donnerstag mit seiner Achse bis auf eine Linie Pyrenäen-Niederlande vorankommt. Am Boden bildet sich über Frankreich und Süddeutschland ein Hoch.
Am Donnerstag schwenkt der Trog aus dem Nordosten Deutschlands heraus, von Westen folgt der breite Keil nach. Vor allem in der Osthälfte bilden sich dennoch noch einmal einige Schauer, im Nordosten auch nochmals vereinzelt Gewitter. Unter dem Hoch kommt es vor allem im Südwesten zu einer Erwärmung der unteren Troposphäre. Am Abend liegt die Temperatur in 850 hPa zwischen 5 Grad in Flensburg und 11 Grad in Freiburg.
Am Freitag kommt der Keil mit seiner Achse nach West- und Norddeutschland voran. Die Abtrocknung sowie die Erwärmung der Troposphäre machen weitere Fortschritte. Schauer sind die absolute Ausnahme und zum Abend liegt die Temperatur in 850 hPa zwischen 6 Grad an der Oder und 13 Grad im Breisgau. In der Nacht zum Samstag kann an der Nordsee teils dichter Nebel über den kalten Wasserflächen entstehen.
Am Samstag ändert sich an der großräumigen Konstellation wenig. Der Keil mit seiner Achse über Westdeutschland sorgt für ruhiges und zunehmend sommerlich warmes Wetter. An Nord- und Ostsee kann sich teils dichter Nebel über den kalten Wasserflächen bilden. Die Temperatur in 850 hPa erreicht verbreitet Werte um 10 Grad. In der Nacht zum Sonntag erreicht eine schwache Kaltfront den äußersten Norden, weist aber kaum Wetterwirksamkeit auf.
Die erweiterte Mittelfrist bis zur Nacht zum Dienstag zeigt keine signifikante Änderung der Großwetterlage. Unter einem von Südwest- nach Mitteleuropa reichenden Keil macht die Erwärmung weitere Fortschritte und zu Wochenbeginn werden im Westen Werte um 15 Grad in 850 hPa erreicht. Ein in der Nacht zum Dienstag zur Nordsee vorstoßender Trog und eine vorgelagerte Kaltfront haben noch keine Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist schwenkt ein Trog über Mitteleuropa ostwärts, bzw. wird zugeschüttet. Westdeutschland nähert sich zum Abend ein okkludierendes Frontensystem. Dieses kommt am Mittwoch bis nach Ostdeutschland voran und löst sich dort auf. Die Konsistenz zu den Vorläufen ist gut. In der Folge steigt von Frankreich her das Geopotenzial deutlich an, über Mitteleuropa bildet sich ein Bodenhoch und es kommt zu einer Erwärmung. Unterschiede ergeben sich bezüglich der genauen Position des Bodenhochs und damit auch bezüglich der niedertroposphärischen Warmluftadvektion. Der 12-UTC-Lauf zeigte zum Wochenende ein Höhentief, das von Norden nach Mitteleuropa zieht. Die 00-UTC-Läufe zeigen das so nicht und sind deutlich antizyklonaler aufgestellt. Ab dem Wochenende ist die Konsistenz nur noch mäßig gut.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle zeigen die Entwicklung zunächst bis auf kleine Unterschiede sehr ähnlich. GFS zeigt zum Wochenende eine zunehmende Zonalisierung und von Westen das Übergreifen von Fronten. Am Sonntag liegt bei GFS über den Britischen Inseln gar ein Sturmtief. Ein Höhentief, das am Wochenende von Norden oder Osten das Wetter beeinflussen könnte, gibt es bei den anderen Modellen nicht.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Deutschlandweit steigen das Geopotenzial in 500 hPa und die Temperatur in 850 hPa bis zum Wochenende kontinuierlich an. Der Hauptlauf liegt nahe am Mittel für das Geopotenzial und für die Temperatur in 850 hPa nimmt er am Wochenende eine der wärmeren Lösungen ein.
Die Niederschlagssignale sind vor allem am anfangs zahlreich, bevor sie am Freitag und Samstag gegen null gehen und im Anschluss wieder etwas zunehmen. Dieses Bild wird von den ENS vom GFS gestützt. Der Kaltfrontdurchgang des Hauptlaufs wird vom eigenen Ensemble nicht gestützt.
CLUSTER:
Über den gesamten Mittelfristzeitraum werden zwar teils mehrere Cluster, aber alle Cluster werden dem Regime "Blocking" zugeordnet. Interessant wird es am Ende der Mittelfrist. Dann gibt es zwei Cluster, wobei der Hauptlauf dem etwas kleineren Cluster 2 angehört. Cluster 1 zeigt den in den Vorläufen auch im Hauptlauf simulierten Kaltlufttropfen über dem Südteil der Ostsee, der durchaus Einfluss auf das Wetter im Osten Deutschlands nehmen könnte.
FAZIT:
Bis zur Wochenmitte dominiert überwiegend Tiefdruckeinfluss mit eher kühler Meeresluft. Nachfolgend setzt sich von Westen Hochdruckeinfluss durch. Dieser sorgt nicht nur für zunehmende Sonnenscheinanteile, sondern auch für steigende Temperaturen. Hitze ist aber vorerst nicht zu erwarten. Ab Sonntag nehmen die Unsicherheiten zu. Wahrscheinlich ist es aber auch zu Wochenbeginn noch meist freundlich und warm.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
IFS als auch EPS liefern keine Hinweise auf markante Wettererscheinungen.
Lokal kann es am Dienstag (Streifen vom Norden über die Mitte in den Südosten) und Mittwoch (Süden) zu Gewittern mit Starkregen über 15 l/m² kommen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





