Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 30.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
W z
GEWITTER (UNWETTER):
Heute vom westlichen Bergland über die Mitte hinweg bis zum Inn und zum Bayerischen Wald einzelne Gewitter mit Starkregen und Sturmböen Bft 9 und Hagel; Lokal eng begrenzt Unwetter aufgrund von heftigem Starkregen um 30 l/qm in kurzer Zeit sowie Hagel mit Korngrößen über 2 cm.
Auch in der Nacht zum Sonntag zeitweise Gewitter mit starkregen um 20 l/qm und stürmischen Böen Bft 8.
Am Sonntag in der Mitte und im Süden erneut Gewitter, Unwetter wieder wahrscheinlicher als heute mit Starkregen um 30 l/qm in kurzer Zeit Hagel um 3 cm und vereinzelt schweren Sturmböen Bft 10. Ab dem Abend im Osten und Süden teils in mehrstündigen Starkregen übergehend, anfangs vor allem in Richtung Alpen noch unwetterartig, teils um 50 l/qm Regen innerhalb weniger Stunden. In der zweiten Nachthälfte auch dort zögernde Wetterberuhigung.
Am Montag größtenteils Entspannung, nur im Osten noch einzelne Gewitter mit stürmischen Böen.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag... setzt sich vorübergehend antizyklonaler Einfluss in Form eines in der westlichen Strömung eingelagerten Höhenkeils durch, dessen Achse bis zum Abend den Westen Deutschlands erreicht. Die am Vortag im Nordwesten und Westen eingeflossene Luftmasse ist nach wie vor in einem breiten Streifen zu finden, der sich vom westlichen Bergland über die südliche Mitte bis zum Bayerischen Wald erstreckt. Mit 30 bis 35 mm ist aber nicht mehr so viel Flüssigwasser vorhanden wie am Vortag, resultierend aus der Feuchteanreicherung durch die vorherigen Niederschläge und nachfolgender Einstrahlung kann jedoch mit teils über 2500 J/kg mehr KK- und MUCAPE generiert werden als dass dies gestern der Fall war. Zunächst ist, bedingt durch den nahen Höhenkeil, die Labilität noch etwas gedeckelt. Das gibt sich jedoch tagsüber bereits durch geringe Einstrahlung. Dennoch ist in diesem Bereich vor allem über den Mittelgebirgen die Auslösung hoch reichender Konvektion vorstellbar, die mangels Scherung nicht so organisiert auftritt wie dies gestern der Fall war. Daher ist Starkregen und Hagel in den Fokus zu rücken, wobei durchaus unwetterartige Regenmengen zusammenkommen können. Erste starke Gewitter sind aktuell bereits im Westen unterwegs.
Im Norden und Nordosten Deutschlands ist die Schichtung stabil, im Südwesten und Süden der Gehalt an niederschlagbarem Wasser zu gering und der antizyklonale Einfluss zu sehr ausgeprägt, so dass, abgesehen von Einzelentwicklungen über dem süddeutschen Bergland, in diesen Gebieten konvektiv nicht viel zu erwarten ist.
Im Westen und Süden Deutschlands sind noch einmal 26 bis 32 Grad und bis 33 Grad am Oberrhein zu erwarten, im Norden und Nordosten wird es mit 19 bis 25 Grad nicht mehr so heiß wie bisher.
In der Nacht zum Sonntag fällt in den zuvor genannten Gebieten die Konvektion mit dem hereinschwenkenden Höhenkeil alsbald in sich zusammen, lebt aber in der zweiten Nachthälfte, getriggert durch einen aus Nordsee in den Westen Deutschlands hereinlaufenden Kurzwellentrog, von Westen auf die Mitte übergreifend erneut auf. Dabei dürfte es sich im Wesentlichen um abgehobene Entwicklungen handeln, die teils mehrstündigen und von Gewittern durchsetzten Starkregen zustande bringen können. Ansonsten ändert sich an der Verteilung der Luftmassen nur wenig.
Dort, wo es zuvor viel geregnet hat, können sich flache Nebelfelder bilden. Dies ist am ehesten über der südlichen Mitte der Fall.
Sonntag... setzt sich über Mitteleuropa mehr und mehr eine westliche und leicht flatternde, aber eher zyklonal geprägte Strömung durch. Dabei lässt der nächste Trog nicht lange auf sich warten, überquert die Nordsee und erreicht bis zum Abend bereits die Benelux-Staaten. Zwar wird dieser Trog durch Kaltluftadvektion überlaufen, aber dieser Effekt dürfte durch positive Vorticityadvektion kompensiert werden.
An der Vorderseite dieses Troges erfolgt erneut ein Einschub feuchtlabiler Luft. CAPE (MU, KK) erreicht deutlich mehr als 2000 J/kg und ist gegenüber den Vortagen kaum noch gedeckelt. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser liegt dann bei 30 bis 35 mm. Trockenere Luft hält sich nur im Norden und Nordosten Deutschlands, etwa von der Nordsee bis in die Lausitz hinein. Diese Gebiete bleiben wahrscheinlich von konvektiven Umlagerungen verschont. Bedingt durch die signifikante niedertroposphärische und auch hoch reichende Scherung wird das gesamte Spektrum an unwetterträchtigen Parametern ausgeschöpft, so dass dann auch wieder eine entsprechende Unwettervorabinformation erforderlich wird. Der Schwerpunkt der hoch reichenden Konvektion liegt dann wahrscheinlich über den mittleren Regionen, wobei hier noch Unsicherheiten bestehen.
Gestützt durch Kaltluftadvektion schiebt sich im späteren Tagesverlauf von Westen ein Bodenhochkeil herein. Mit der Drehung der bodennahen Windkomponente auf Nordwest dürfte zur tagesgangsbedingt aktivsten Zeit von Westen her die Konvektion abflachen. Wie rasch dieser Prozess in Gang kommt und wie rasch dieser nach Osten voranschreitet, ist noch unsicher. Gegenüber heute gehen die Temperaturen etwas zurück. Im Osten und Süden werden noch einmal 25 bis 29 Grad erreicht. Im Norden und Nordwesten sind 19 bis 25 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Montag tropft der Trog über Jütland aus. Der von dem Höhentief ausgehende Trog überquert die Mitte Deutschlands, wobei dieser nur eine schwach definierte Achse aufweist. Der nachfolgende Rücken greift bereits unter weiterer leichter Aufwölbung auf die Britischen Inseln über. Hierdurch verschiebt sich das konvektive Geschehen mehr und mehr in die östlichen und südöstlichen Landesteile, wobei in der ersten Nachthälfte bei zunehmender Verclusterung noch Unwetter durch mehrstündigen und anfangs noch gewittrigen Starkregen vorstellbar sind. Am wahrscheinlichsten ist dies am Alpenrand. Von Westen her setzt sich trockenere und stabilere Luft durch, die bis Montagfrüh dann auch die mittleren Gebiete erfasst. Entrainmentprozesse entschärfen die Luftmasse zusehends, so dass, abgesehen vielleicht vom östlichen Alpenrand, bis Montagfrüh kaum noch die Gefahr von Starkregen besteht. Im Nordwesten und Westen Deutschlands setzt Entspannung ein; auch der Norden und Nordosten sollte von konvektiven Umlagerungen weiterhin verschont bleiben. Aufgrund des dann vorhandenen Gradienten ist die Nebelneigung eher gering.
Montag... kommt das Cut-Off-Tief über Dänemark nur wenig nach Osten voran und nähert sich bis zum Abend der Südspitze Schwedens. Der hiervon ausgehende Trog schwenkt über den Osten Deutschlands hinweg nach Polen und überquert am Abend die Oder. Zwar kann sich im Bereich dieses Troges noch einmal etwas CAPE aufbauen, ganz im Nordosten Deutschlands sind auch noch einmal etwas über 500 J/kg möglich, aber die Luftmasse weist nur noch einen Flüssigwassergehalt von 20 bis 25 mm auf. Für einzelne Gewitter im Norden, Nordosten und anfangs auch in den mittleren Landesteilen kann es durchaus noch einmal reichen. Diese können mit stürmischen Böen einhergehen; Starkregen oder Unwetter sind dann nicht mehr zu erwarten.
In den anderen Gebieten setzt sich im Bereich eines schwachen Zwischenhochkeils stabil geschichtete und merklich trockenere Luft durch, so dass sich vermehrt Auflockerungen, südlich der westlichen Mittelgebirge auch längere sonnige Abschnitte einstellen. Auch an der Küste und im nördlichen sowie nordöstlichen Binnenland sind, bedingt durch die Durchmischung, größere Auflockerungen vorstellbar. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 19 bis 24, im Südwesten in tieferen Lagen bis 26 Grad.
In der Nacht zum Dienstag greift unter Verkürzung der Wellenlänge der nachfolgende schwache Höhenkeil auf das Vorhersagegebiet über. Im Bereich des korrespondierenden Zwischenhochkeils lässt Absinken die Bewölkung auflockern. Ein weiterer Trog erreicht dann bereits die Britischen Inseln. Vorderseitig erfolgt Warmluftadvektion, was ausgangs der Nacht im Nordwesten und Westen Deutschlands Wolkenaufzug zur Folge hat. Dienstagfrüh kann dann im äußersten Westen bereits Regen einsetzen.
Dort, wo es längere Zeit aufklart, sind einstellige Temperaturminima zu erwarten.
Modellvergleich und -einschätzung
Bis einschließlich Sonntag wird die oben beschriebene Entwicklung von den verfügbaren Modellen gestützt. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis dahin nicht ableiten. In der Nacht zum Montag simulieren die externen Modelle das Cut-Off-Tief, das von ICON über Dänemark gezeigt wird, weiter nördlich, etwa über der nördlichen Nordsee und verlagern dieses Tief im Laufe des Montags in den Oslofjord. Demnach könnte sich am Montag auch in den östlichen Landesteilen rascher Stabilisierung und antizyklonaler Einfluss durchsetzen als dass dies bei ICON der Fall ist. Die nachfolgende Entwicklung mit dem auf die Britischen Inseln übergreifenden trog und dem Wolkenaufzug im Nordwesten und Westen Deutschlands wird dann wieder von allen Modellen im Gleichtakt gezeigt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 30.05.2026 um 10.30 UTC
Zeit und gebietsweise teils starke Gewitter mit Fokus auf kurzzeitigem Starkregen, vereinzelt auch größerem Hagel oder Sturmböen. Lokal unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 06.06.2026
Am Dienstag nähert sich von Westen ein Langwellentrog mit abgeschlossenem Höhentief über Irland, dessen Achse bis zum Abend Zentralfrankreich überquert hat und ausgangs der Nacht zum Mittwoch an der Westgrenze Deutschlands anklopft. Dem Höhentrog vorlaufend greift das Frontensystem eines Tiefs über Schottland erst auf die Westhälfte und den Süden, im Laufe der Nacht dann zunehmend auch auf die Mitte über. Die damit einfließende sehr feuchte Luftmasse (PPWs bis über 30 mm) weist nur eine moderate thermischen Labilität auf, wird aber sehr wohl dynamisch gehoben (z. B. diffluente Trogvorderseite, Vorticityadvektion). Die Scherung ist schwach ausgeprägt, was die Organisation der resultierenden Schauer und Gewitter limitiert, CAPE wird nur Moderat aufgebaut (bis 600 J/kg). Gleichwohl sollte es auch zu kräftigen Einzel- und Multizellen kommen, die zwar (auch wenn der Gradient nicht allzu üppig aufgestellt ist) ziehen, dennoch muss in genannten kräftigen Entwicklungen mit markantem Starkregen gerechnet werden, lokal kann es auch mal über die Unwetterschwelle (25 l/qm in kurzer Zeit) gehen. Dazu mag vereinzelt auch kleiner Hagel oder eine stürmische Böe (eventuell auch eine Sturmböe) serviert werden - insgesamt sommerliche Hausmannskost. Da vorderseitig des Troges die Strömung aufsteilt, steigen die 850er Temperaturen bis zum Abend auf gut 10°C im Norden und teils über 15°C im Süden. Für die Höchstwerte bedeutet das im noch lange sonnigen Osten, teils aber auch im Süden Maxima von knapp über 25°C, im schon zu Tagesbeginn wolkigen äußersten Westen dagegen nur Werte um 20°C.
In der Nacht zum Mittwoch zieht die Front weiter nach Osten bis auf eine Linie Schleswig-Holstein - Erzgebirge. Damit kommen auch die Niederschläge - teils verclusternd und weniger gewittrig - etwas nach Osten voran. Während im Süden dabei gebietsweise trotz des Tagesgangs auch höhere Regensummen um 20l/qm in 12 Stunden denkbar sind, bleibt hingegen ein Streifen von der Ostsee bis nach Sachsen bis zum Morgen wohl niederschlagsfrei (nach IFS deterministisch). Letzteres gilt auch für größere Teile des Westens, wo rückseitig der Front mit ihren Niederschlägen stattdessen kühlere Luft einfließt mit 850er Werten zum Morgen von nur noch um oder knapp über 5°C. Damit bewegen sich die Frühtemperaturen in einer Spanne von 14 bis 10°C, in höheren Lagen geht es sogar noch etwas tiefer runter.
Am Mittwoch tropft der Langwellentrog unter Amplifizierung nach Südosten ab, in der Nacht zum Donnerstag bildet sich über der mittleren Adria entsprechend ein abgeschlossenes Höhentief. Die Front wird bis zum Abend den äußersten Osten Deutschlands und in der Folge dann den Westen Polens erreichen, was auch für die mit ihr verbundenen Regenfälle gilt. Ob es dabei im Nachmittagsverlauf nochmal für markante Gewitter im Nordosten reicht hängt auch von der genauen Höhenkonfiguration und der Verlagerungsgeschwindigkeit ab. Wenn ja, dann sollten diese Gewitter in etwa den Charakter der "Dienstagsgewitter" im Westen aufweisen (PPWs bis knapp über 30 mm, wenig Scherung, thermisch nicht sonderlich labil, CAPE unter 500 J/kg). In den übrigen Gebieten sorgt anfangs noch das abtropfende Höhentief für etwas Hebung und auch für gebietsweisen Regen, mitunter mag es auch noch kurze Gewitter geben, die aber nicht sehr kräftig ausfallen und im Tagesverlauf entgegen des Tagesgangs nachlassen. Den Grund dafür liefert ein schwacher Höhenkeil, der sich von Südwesten zwischen das abtropfende Höhentief und das nördliche Trogresiduum über Nordwesteuropa schiebt. Wenn sich im Westen die ohnehin moderaten Schauer und Gewitter beruhig haben und über dem Nordosten die Front herausgezogen ist, sagt der deterministische Lauf von IFS eine weitgehend trockene Nacht voraus. Zum Abend liegen die Temperaturen in 850 hPa zumindest nordöstlich der Elbe noch zwischen 10 und 12°C, zum Donnerstagmorgensind es dann allgemein nur noch 7 bis 10°C. Dabei ist es wechselhaft, teils aber auch mal dichter bewölkt, am Tage steigen die Temperaturen auf 17 bis 24°C, nachts sinken sie auf 14 bis 7°C.
Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag greift erneut ein Troganteil des nordwesteuropäischen Langwellentroges auf uns über, der flache Rücken wurde schon in der Nacht zum Donnerstag schwächer und dabei auch in Richtung Alpen abgedrängt. Eine zu dem Tiefkomplex zwischen Schottland und Island gehörende schwache Front greift schon ausgangs der Nacht auf den äußersten Nordwesten über, so dass schon dann vom Niederrhein bis zur Emsmündung ein paar Tropfen fallen können. Im Tagesverlauf überquert die Front den Norden, im Süden kommt sie aber ins Schleifen, so dass insbesondere in Bayern und Sachsen - wenn überhaupt - nur wenig Niederschlag zu erwarten ist. Diese Sichtweise von IFS (deterministisch) wird aber nicht von allen Modellen geteilt, vielmehr zeigt sich hier eine größere Spanne an Lösungen. Die Frontpassage im Norden ist von schauerartiger Verstärkung und eventuell kurzen Gewittern begleitet, da der Gradient anzieht ist die Gefahr von Starkregen aber nicht allzu groß - vielmehr sollte der Fokus auf eventuelle Sturmböen gelegt werden - und auch Abseits von Schauern und Gewittern kann es in den Hochlagen einzelne steife Böen Bft 7 geben. Die größten Chancen auf Sonne gibt es im Süden und im Osten, wo die Front am längsten braucht um anzukommen. Auch sonst gibt es sonnige Abschnitte, aber nicht so lang und zahlreich. Dabei liegen die Maxima bei 19 bis 25°C, nachts kühlt es ab auf 13 bis 8°C.
Am Freitag bleibt es unter Trogeinfluss wechselhaft und regnerisch, in Verbindung mit einem sehr markanten Kurzwellentrog kann es im Nordwesten kräftige Schauer- und Gewitterentwicklungen bis in den Unwetterbereich (Starkregen, größerer Hagel, orkanartige Böen) geben - die Entwicklung ist aber noch sehr unsicher.
Ab dem Samstag sorgt ein Höhenrücken im Zusammenspiel mit einem sich ausbildenden Bodenhoch für eine Wetterberuhigung und ein Abklingen der letzten Niederschläge.
Am Sonntag sollte uns das Hoch in Form einer Hochrandlage noch erhalten bleiben, am Montag deutet der deterministische Lauf des IFS schon wieder wechselhafteres Wetter an.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle 00-UTC-Lauf des IFS zeigt bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche eine gute Übereinstimmung mit dem gestrigen 12-UTC-Lauf. Dem gegenüber weist der gestrige 00-UTC-Lauf schon zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes am Dienstag der kommenden Woche deutliche und durchaus auch wetter- und warnrelevante Unterschiede zu den beiden erstgenannten Läufen auf.
So wird zum Beispiel die Verlagerungsgeschwindigkeit des sich am Dienstag nähernden und am Mittwoch auf uns übergreifenden Troges von Lauf zu Lauf zurückgerechnet. Das nunmehr prognostizierte Abtropfen des Langwellentroges am Mittwoch hat IFS erst seit dem gestrigen 12-UTC-Lauf auf dem Schirm. Damit verlagern sich nach jetzigem Stand am Mittwoch auch die Niederschläge deutlich langsamer nach Osten als dies z. B. noch im gestrigen 00-UTC-Lauf, aber auch im gestrigen 12-UTC-Lauf angenommen wurde.
Die Dynamik der Wetterlage könnte im Mittelfristzeitraum mit neuen Läufen noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im internationalen Vergleich sind die Unterschiede nicht so groß. Alle hier betrachteten Modelle (IFS, GFS, ICON, UK10) zeigen am Mittwoch das Abtropfen des Langwellentroges nach Südosten, ausgangs der Nacht zum Donnerstag liegt das abgetropfte Höhentief bei ISON und UK10 aber über Süditalien und nicht wie bei IFS und GFS über der zentralen Adria. Auch fällt auf, dass bei IFS die Verlagerung des Troges und damit auch die Verlagerung der Feuchtefelder (und entsprechend auch des Niederschlages) etwas zögerlicher von statten geht als bei den anderen Modellen. Auswirkungen hat dies auch auf die Temperaturen, denn IFS schiebt somit auch die 10°C-Isotherme in 850 hPa langsamer ins östliche Mitteleuropa als GFS, insbesondere aber langsamer als die vergleichsweise "schnellen" UK10 und ICON.
Deutlicher werden die Unterschiede dann zum Ende der Woche. Während GFS am Freitag von Westen einen flachen Rücken einsteuert, simulieren IFS oder auch ICON eine Langwellentrog, der dann auf das europäische Festland übergreift. Somit spannen die Modelle in der zweiten Wochenhälfte noch einen weiten Raum der Möglichkeiten auf, den einzugrenzen zukünftigen Modellläufen obliegt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum +72 bis +96 Stunden werden von den Ensembles des IFS drei Cluster angeboten, die alle durchweg in der Kategorie "Positive NAO" liegen und damit für tendenziell wechselhaftes Wetter sprechen. Die Cluster sind etwa gleich groß (18, 17 und 16 Mitglieder), die Strömungsmuster unterscheiden sich mit Fokus auf Mitteleuropa kaum, das gilt insbesondere für die Geopotentialfelder.
Das Zeitfenster +120 bis +168 Stunden wird in 4 Cluster unterteilt, drei davon (21, 10, 10 member) bleiben weiter durchgängig in der Positiven NAO, einer weiterer "10-member-Cluster" wechselt in die "Positive NAO". Dieser "letzte" Cluster deutet eine deutliche Abschwächung der Tiefdrucktätigkeit über dem Nordostatlantik an und bildet damit in der Tat einen Gegenpol zu den anderen Clustern. Es spricht auch aus Clustersicht somit viel für ein Andauern der wechselhaften Witterung.
In der erweiterten Mittelfrist (+192 bis +240 Stunden) deutet der größte Cluster (19 Mitglieder) eine Blockierungslage an - mit der Hoffnung auf eine längerfristige Stabilisierung des Wetters. Die beiden anderen Cluster (17 und 15 Mitglieder) bleiben aber in der Negativen NAO. Das entspricht auch der Sicht des deterministischen Laufs, für den der Hochdruckeinfluss am kommenden Wochenende nur ein kurzes Intermezzo darstellte und der rasch wieder auf wechselhaftes Wetter umgestellt hat.
Die Rauchfahnen des IFS-Ensembles zeigen einen Rückgang der 850er Temperaturen bis in den Montag hinein von anfangs 12 bis 15°C auf nur noch 6 bis 9°C, dann wieder einen Anstieg bis zum Dienstagabend auf etwa 10°C (bei dann schon etwas größer werdender Streuung), darauf folgend in der zweiten Wochenhälfte wieder einen moderaten Rückgang bei dann aber deutlichem Auffächern der Ensemblelösungen. Die Geopotentialentwicklung ist in den Ensembles von einem Rückgang geprägt, der nur von kurzzeitigen schwachen Anstiegen unterbrochen wird. Auch hier zeigt sich in der zweiten Wochenhälfte ein sehr beeindruckender Anstieg der Streuung. Bezüglich der Niederschläge zeigt sich in den Nächten zum Dienstag und zum Donnerstag ein relatives Minimum, ansonsten wird viel Niederschlag gerechnet, zum kommenden Wochenende deutet sich diesbezüglich aber eine Abschwächung an.
Die Rauchfahnen des GFS-Ensembles stützen die Aussagen des IFS-Ensembles, einerseits in der recht gut abschätzbaren Entwicklung bis in die ersten Wochenhälfte hinein, aber auch in der Hinsicht, dass in der zweiten Wochenhälfte eine sehr massive Zunahme der Unsicherheit zu verzeichnen ist.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI zeigt für den Beginn des Mittelfristzeitraumes für den Norden ein moderates Signal für im Vergleich mit dem Klimamittel erhöhte Temperaturen.
COSMO-LEPS zeigt vor allem in der Nacht zum Mittwoch im Süden Signale bis 30% für Starkregen von mehr als 20 l/qm in 6 Stunden. Von ICON-EU und EZMW werden diese hohen Wahrscheinlichkeiten in den entsprechenden Ensembles nicht bestätigt.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas





