Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 28.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWa
Heute letzter Tag der historischen Hitzewelle. In der Folge sommerlich warm und insgesamt wechselhaft mit teils unwetterartigen Gewittern, allerdings mit variablen Schwerpunkten und hohem Überraschungspotenzial.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Sonntag... heißt es vielerorts nochmals "durchhalten", bevor sich von Westen zum Wochenbeginn normal temperiertes
Sommerwetter durchsetzt.
Heute liegen wir weiterhin im direkten Einflussbereich des umfangreichen und kräftigen Höhenkeils, dessen Achse den Alpenraum in Richtung Polen überstreicht. Besonders der Süden, die Mitte und der Osten der Republik verbleiben auch heute in einer niedertroposphärisch sehr warmen Luftmasse mit 850 hPa Temperaturwerten von über 20 Grad, im Osten der Republik um 24 Grad. Derweilen bringt sich über Benelux eine Kaltfront in Stellung, die während der Kurzfrist sehr zögernd ostwärts vorankommt und besonders im Süden und über der Mitte ins Schleifen gerät.
Ausgangs der Nacht beschäftigen uns noch die organisierten Gewittercluster der Nacht, die von Benelux kommend den äußersten Nordwesten der Republik mit teils schweren Sturmböen und Großhagel in Richtung Schweden überquert haben. Mehrere umfangreiche Outflow boundaries dieser Cluster hatten weite Bereiche der Republik ostwärts überquert, im Westen teils mit Sturmstärke und wenigstens dort konnte sich eine gewisse (temporäre) Abkühlung einstellen, während wir sonst mit Frühwerten teils deutlich über 20 Grad starten, im Umfeld des Harzes teils um 30 Grad. Etwas erträglicher ist es auch im Südosten der Republik, wo niedrigere Taupunkte eine effektivere Abkühlung ermöglichten.
Die Outflow initiiert hier und da auch weit abseits der Cluster einzelne Gewitter (z.B. über Hessen), die im Vormittagsverlauf über Thüringen auch etwas kräftiger ausfallen können. Ansonsten beginnt der Tag im Süden und teilweise auch im Osten mit viel Sonnenschein.
Im weiteren Tagesverlauf verbleiben wir in einer antizyklonal geprägten Höhenströmung. Bei nur geringem Geopotenzialabbau von Nordwesten bleibt heute tagsüber aber das große Manko der fehlende Impuls aus der Höhe in Form von Kurzwellen. Zwar werden einzelne schwache Impulse angedeutet, die uns nordostwärts überqueren sollen, die aber zumindest tagsüber einer großen Schwankungsbreite innerhalb der Numerik unterliegen und teilweise konvektiv verfälscht wiedergegeben werden. So deutet sich aus aktueller Sicht heute tagsüber kein nennenswerter Impuls an, was auch in einem deutlichen Rückgang der Gewitterwahrscheinlichkeiten im Vergleich zu den gestern vorhandenen Modellvorhersagen für den heutigen Tag auszumachen ist. Allerdings heben die Modelle zeitweise erhöhte Frontogenese innerhalb der unteren Troposphäre hervor und bei üppiger diabatischer Erwärmung im Süden und Osten schrumpft der Deckel am Nachmittag vielerorts auf minimale Werte. Unter dem Strich heißt es, dass Überraschungen mit Blick auf die Konvektion nicht ausgeschlossen werden können.
Was sicher ist, dass die Umgebungsparameter insgesamt recht günstig wären mit Blick auf organisierte Konvektion. Im Norden sorgt das Zusammenspiel aus effektivem Feuchteeintrag von Westen unter einen Bereich mit verstärkter Temperaturabnahme mit der Höhe für MUCAPE im Bereich von 2000 bis 3000 J/kg, die zum Abend den gesamten Nordosten erfassen. Dabei wird die Feuchte nicht nur vom subtropischen Atlantik herangeführt, sondern wurde auch vom westlichen Mittelmeer angezapft, wo eine schwere marine Hitzewelle mit SST-Anomalie bis +7K für einen entsprechenden Feuchteeintrag sorgt. Die Folge ist eine anormal hohe Feuchte und PWTs, die von Süd nach Nord auf 25 bis 40 mm ansteigen. Im Süden sorgt die etwas trockenere Luftmasse (innerhalb der durchmischten Grenzschicht) für bessere Durchmischung, was ein inhomogenes Labilitätsfeld von 500 bis knapp 2000 J/kg MUCAPE zur Folge hat.
Die Windscherung liegt meist in einem Bereich, wo organisierte Konvektion zu erwarten ist (hochreichende Scherung um 15 m/s). Diese Werte nehmen in Richtung Alpen deutlich ab und liegen dort nur wenig über Null.
Nach Leseart der aktuellen deterministischen Modelle und Ensembleverfahren spielt sich heute tagsüber die Hauptaktivität der Konvektion in den Bereichen ab, wo die stärkste Erwärmungsrate zu erwarten ist, was auf den Süden und Osten zutrifft.
Im Süden scheint ein Großteil der Konvektion an die Orografie gebunden zu sein, wobei die Konvektion über Bayern stark pulsierend daherkommt, in Richtung Schwarzwald teils auch in Form etwas langlebiger Multizellen, dank etwas zunehmender hochreichender Scherung. Lokale Unwetter dank Starkregen um 30 l/qm in kurzer Zeit und Hagel sind zu erwarten, dazu teils auch Sturmböen bis Bft 9.
Im Nordosten scheint sich die aktuell von Nordwest hereinlaufende Outflow boundary unter Abschwächung zonal auszurichten und abzuschwächen (nach letztem Stand im Umfeld von Berlin). Dort dient sie als Art Luftmassengrenze mit Taupunkten über 20 Grad im Norden von Brandenburg und knapp über 10 Grad weiter südlich. Gleichzeitig verschärft sich mit dem Tagesgang der horizontale Temperaturgradient im Umfeld der Outflow, sodass eine einsetzende frontale Querzirkulation mit tageszeitlichem Abbau des Deckels für die Entwicklung einiger Gewitter gut sein kann (inklusive fallendem Bodendruck und der Ausbildung einer Rinne). Dies wird im ID2-EPS weiterhin mit einigen Membern gezeigt, wobei hier dank imposanter Durchmischung und einem Hebungskondensationsniveau von teils über 3km AGL heftige Fallwinde (schwere Sturmböen, punktuell auch orkanartige Böen (Bft 10 bis 11)) und lokal auch Hagel im Fokus stehen. Eine Verclusterung auf dem Weg nach Polen ist dabei nicht ausgeschlossen.
Im Westen/Nordwesten sollte es trotz kaum vorhandenen Deckels heute tagsüber nicht weiter auslösen, was für die Fläche stimmen mag, lokal aber nicht ausgeschlossen werden kann. Auch hier wäre lokal Unwettergefahr durch Starkregen und Hagel gegeben. Allgemein nimmt das Gewitterpotenzial zum Abend im Westen der Republik (an Belgien/Luxemburg grenzend) weiter zu. Diese Aussagen werden aber stündlich auf den Prüfstand gestellt und hängen auch teils von der Entwicklung von Gewittern in Frankreich ab, die zu uns geführt werden können. Zusätzlich muss man jederzeit damit rechnen, dass sich entwickelnde Gewitter durch Eigendynamik zu langlebigen Gewitterkomplexen weiterentwickeln können, teils von schweren Sturmböen, Hagel und Starkregen begleitet.
Die Maxima liegen im Nordwesten zwischen 28 und 34 Grad, während sonst nochmal unerträgliche Höchstwerte von 35 bis 40 Grad erreicht werden. Der Fokus der Hitze liegt heute im Osten der Republik (Brandenburg, Sachsen, teils auch Sachsen-Anhalt), allerdings ist noch unsicher, wann der Wolkennachschub der alternden Cluster aus der Nacht abklingt und wann neue Gewitterambosse ab dem Nachmittag für eine Abschirmung sorgen. Dennoch kann regional (u.a. auch peripher der frontalen Querzirkulation durch dynamische Kompression) Maxima über 41 Grad nicht ausgeschlossen werden, was in der Deterministik und Statistik deutlich hinterlegt ist. Stand jetzt lichtet sich die Bewölkung planmäßig, sodass der "run" auf einen optionalen neuen Temperaturrekord (zum Leidwesen der Bevölkerung) eröffnet wird.
Abseits der Konvektion kommt der Wind schwach bis mäßig aus nordwestlicher Richtung.
In der Nacht zum Montag sorgen von Westen deutlicherer Geopotenzialrückgang und eine etwas besser strukturierte Kurzwelle für in der Fläche gesehen zunehmende Gewitterwahrscheinlichkeiten. Allerdings scheint die Luftmasse niedertroposphärisch so mild zu bleiben, dass die Konvektion abgehoben daherkommt und vor allem durch Starkregen lokal unwetterartig ausfallen kann, mit einer Zunahme der Unwettergefahr im Verlauf der zweiten Nachthälfte. Diese Aktivität betrifft den gesamten Westen und zunehmend auch den Norden der Republik (grob Saarland bis Ostsee). Lokal Hagel und stürmische Böen können nicht ausgeschlossen werden.
Ansonsten zeichnet sich noch ein zweiter Schwerpunkt für organisierte Konvektion ab, dieses Mal vor allem Sachsen betreffend. Die über Tschechien verclusternde Konvektion erfasst eingangs der Nacht auch das Erzgebirge und im Verlauf der Nacht auch die Lausitz. Neben Sturmböen und lokal Hagel steht auch hier besonders der Starkregen im Fokus, wobei punktuell mehr als 30 l/qm in kurzer Zeit fallen kann.
Trotz dieser feineren Lokalisierung muss unter dem Strich weiterhin hervorgehoben werden, dass fast deutschlandweit das Risiko für kräftige, lokal auch für unwetterartige Gewitter besteht und Vieles erst im Nowcast detailliert bzw. mit größerer Zuversicht vorhergesagt werden kann. Besonders würde es trotz aktuell zurückhaltender Signale nicht verwundern, wenn ein MCS im Nachtverlauf den Südwesten bzw.- die westliche Mitte von Deutschland erfasst, was ansatzweise im EPS angedeutet wird.
Die Minima liegen zwischen 24 und 17 Grad bei einem meist schwachen bis mäßigen Wind aus West bis Nordwest (abseits von Konvektionsböen).
Montag... verlässt uns die Keilachse endgültig ostwärts und beeinflusst besonders noch den Südosten der Republik mit sommerlicher Hitze und Maxima um 33 Grad. Ansonsten sorgt die von Westen zögernd nahende Kaltfront mit reichlich Bewölkung und Konvektion für eine Abkühlung auf hochsommerliche Maxima von 24 bis 29 Grad, die sich bei weiterhin hoher Grenzschichtfeuchte aber sehr schwül anfühlen.
Bei den schon sehr hohen Unsicherheiten vom Vortag braucht man für den Montag mit Blick auf die Konvektion weiterhin nicht tief ins Detail gehen. Dabei wird das ID2-EPS momentan für die konvektive Trendabschätzung herangezogen.
Die umfangreiche und zumeist abgehobene Konvektion aus der vorherigen Nacht heraus erstreckt sich am Vormittag über Teile des Westens und Nordens der Republik (Schwarzwald/Saarland bis zur Ostsee), lokal mit Hagel, stürmischen Böen und vor allem mit teils unwetterartigem Starkregen um 25 l/qm/h einhergehend.
Im Vormittagsverlauf trifft diese Konvektion über der östlichen Mitte auf reichlich Labilität, sodass hier die Entwicklung eines umfangreichen Gewitterclusters zu erwarten ist, der weite Bereiche Bayerns, Thüringens und Sachsen bis zum frühen Nachmittag betrifft. Dabei steht bei der vorhandenen hochreichenden Feuchte besonders der Starkregen im Fokus, der aus der Nacht heraus teils überregional Unwetterpotenzial aufweist und lokal auch extrem ausfallen kann (über 40 l/qm in kurzer Zeit). Abhängig von interner Dynamik sind auch Sturmböen und Hagel nicht ausgeschlossen. Sollte der Cluster vorzugsweise nach Tschechien ziehen (in die labilste Luftmasse gerichtet), könnte peripher kompensatorisches Absinken für Sachsen zum Nachmittag etwas konvektionshemmend wirken, aber auch das muss im Nowcast evaluiert werden.
Ein zweiter Konvektionsschwerpunkt zeichnet sich ab der Mittagszeit am Alpenrand ab, wo Konvektion aus den Alpen heraus ins Alpenvorland zieht. MUCAPE über 1500 J/kg und überschaubare Scherung, aber PWAT von über 40 mm heben das Potenzial für (extremes) Unwetter durch Starkregen hervor. Hagel und Sturmböen können punktuell ebenfalls nicht ausgeschlossen werden und die Gewitter können sich bis zur Donau voran arbeiten.
Derweilen steigt der Bodendruck im Westen/Nordwesten etwas an und bei einer etwas zurückgehenden Grenzschichtfeuchte bleibt es nach letzten Schauern und Gewittern am Vormittag den Rest des Tages meist freundlich oder sonnig und überwiegend trocken. Zum Nachmittag und Abend sind im Nordwesten einzelne markante Gewitter nicht ausgeschlossen, teils von Starkregen um 20 l/qm/h begleitet.
Abseits konvektiver Böen weht der Wind meist nur schwach bis mäßig aus nordwestlicher bis nördlicher Richtung.
In der Nacht zum Dienstag steigt der Bodendruck von Westen weiter an, während wir in der Höhe in einer äußerst gradientarmen südwestlichen Höhenströmung verbleiben, die einen überwiegend antizyklonalen Touch aufweist.
Von daher ist davon auszugehen, dass die rege Konvektion im Süden und teils auch im Osten im Verlauf der ersten Nachthälfte zögernd nachlässt, mit einem ebenso sukzessive zurückgehenden Unwetterrisiko durch lokalen Starkregen um 25 l/qm/h. In der Folge verläuft die Nacht im Süden und Osten mit nur einzelnen Schauern in der Fläche gesehen meist trocken, allerdings auch mit Unsicherheiten, da z.B. EZ die Konvektion in Richtung Lausitz die Nacht hindurch am Leben lässt. Im Westen und Norden verläuft die Nacht hingegen meist klar und trocken.
Die Minima liegen zwischen 20 und 12 Grad.
Dienstag... erfolgt von Westen die Passage einer kräftigeren Kurzwelle, die über Norddeutschland zügig ostwärts geführt wird. Dabei wird die feucht-labile Luftmasse über Süddeutschland nordwärts advehiert, wo sie mit dem Trog und dessen Hebung interagiert. Dabei entwickeln sich im Tagesverlauf im Süden rasch und verbreitet teils heftige Schauer und Gewitter, die auch zügig verclustern. Bei PWAT von 35 bis 45 mm steht der Starkregen mit (extremen) Unwetterpotenzial im Fokus, allerdings können lokal auch großer Hagel und Sturmböen nicht ausgeschlossen werden. Unsicher ist noch, wie zügig die feuchte Luftmasse nordwärts geführt wird. Nach Leseart von ICON wäre das Zusammenspiel passend und würde ab dem Abend im Norden für organisierte Konvektion bis hin zu Superzellen gut sein, die im Verlauf unter Verclusterung mit enormen Regenmengen den Nordosten überstreichen.
Unter dem Strich besteht am Dienstag auf jeden Fall und auch überregional ein hohes Unwetterpotenzial, wobei im Norden noch Unsicherheiten bezüglich der Intensität dieser potenziellen Unwetterlage vorhanden sind.
Die Maxima liegen zwischen 25 und 32 Grad bei einem schwachen bis mäßigen Wind aus Nord bis Nordost (abseits konvektiver Umlagerungen).
In der Nacht zum Mittwoch, grob gesagt, Unwettergefahr im Süden, Osten und Nordosten der Republik, besonders durch umfangreiche Gewittercluster mit heftigem Starkregen bis in den Unwetterbereich und lokal auch durch Hagel und markante Böen. Im Nordwesten rückseitig der Welle allgemein Wetterberuhigung mit einzelnen Schauern.
Die Minima liegen zwischen 19 und 13 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle stellen heute keine große Hilfe dar, teils initialisieren sie den Ist-Zustand falsch oder werden durch konvektives feedback negativ beeinflusst. Daher wurde die Kurzfrist mit etwas stabileren Ensembleverfahren aufgespannt, allerdings wohl wissend, dass den Großteil der Kurzfrist auf Sicht (im Nowcast) gefahren werden muss.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 28.06.2026 um 10.30 UTC
Leicht wechselhaftes und im Norden windiges Wetter. Mäßig-warm, nur im Südwesten heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 05.07.2026
Die Mittelfrist beginnt am Mittwoch mit einem Höhentrog über Deutschland, wobei der Osten des Landes noch auf dessen Vorderseite liegt. Das korrespondierende Bodentief befindet sich bereits über Polen, sodass sich insbesondere über Ostdeutschland eine Gegenstromlage einstellt. Kräftige positive Vorticityadvektion (PVA) in Kombination mit noch ausreichend feuchtwarmer Luft führt bereits ab der Nacht zum Mittwoch zu ausgeprägten Hebungsprozessen. Bis in den Mittwochnachmittag treten verbreitet schauerartig verstärkte, teils gewittrige Niederschläge auf. Besonders in Ostsachsen, Südostbrandenburg sowie in Südostbayern sind markante Niederschlagsmengen um 40 l/qm innerhalb von 12 Stunden wahrscheinlich. Unter Berücksichtigung der bereits in der Nacht und am Dienstag gefallenen Mengen sind lokal auch unwetterartige Niederschlagssummen nicht ausgeschlossen. Im Bereich des Troges entwickeln sich mit Annäherung kälterer Luft in der Höhe zudem zahlreiche Schauer und einzelne kurze Gewitter. Am Abend und insbesondere in der Nacht zum Donnerstag greift von Westen ein Hochkeil über, dem ein flacher Höhenrücken folgt. Damit setzt sich zunehmend Absinken durch, die Niederschläge verlagern sich ostwärts und das Wetter beruhigt sich allmählich.
Am Donnerstag bleibt der Süden unter Hochdruckeinfluss. Der flache Höhenrücken sorgt dort für großräumiges Absinken, sodass sich meist freundliches und trockenes Wetter einstellt. Im Norden nähert sich dagegen ein Kurzwellentrog. Das okkludierende Frontensystem des korrespondierenden Tiefs über dem Nordmeer erfasst den Norden Deutschlands mit meist leichten Niederschlägen. Rückseitig folgen einzelne Schauer, an der Nordsee sind auch kurze Gewitter möglich. Zudem frischt der Nordwestwind vor allem im Norden und an den Küsten deutlich auf. Dort treten verbreitet starke bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8) auf. Mit der einfließenden kühleren Meeresluft werden im Norden nur noch Höchstwerte zwischen 20 und 24 Grad erreicht, während im sonnigeren Südwesten nochmals sommerlich warme 27 bis knapp 30 Grad möglich sind.
Am Freitag und Samstag liegt Deutschland am Nordostrand eines mächtigen Höhenrückens über Südwesteuropa. Die nordwestliche Höhenströmung ist dabei überwiegend antizyklonal konturiert. Eingelagerte Kurzwellentröge überqueren vor allem den Norden Deutschlands und sorgen dort für leicht wechselhaftes Wetter mit einzelnen Schauern. Im Küstenumfeld bleibt es zudem windig mit häufig starken, exponiert auch stürmischen Böen. Der Süden, insbesondere der Südwesten, profitiert dagegen sowohl vom Höhenrücken als auch vom Hochdruckeinfluss am Boden. Dort überwiegt freundliches und trockenes Sommerwetter mit Höchsttemperaturen um 30 Grad. Aufgrund der relativ trockenen Luftmasse kann es nachts deutlich abkühlen, wodurch die Wärmebelastung insgesamt gering bleibt.
Am Sonntag verlagert sich der mächtige Höhenrücken weiter nach Mitteleuropa, sodass der Hochdruckeinfluss deutschlandweit zunimmt. Lediglich der Nordosten verbleibt noch am Rand der Frontalzone. Insgesamt setzt sich vielfach sonniges Wetter durch. Die Temperaturen steigen von Südwesten her wieder an. Dort werden erneut Höchstwerte über 30 Grad erreicht, während es auch in den übrigen Landesteilen verbreitet sommerlich warm bleibt.
Ein kurzer Ausblick auf die neue Woche deutet darauf hin, dass sich der Höhenrücken weiter nach Deutschland ausdehnt und sich auch am Boden Hochdruckeinfluss etabliert. Damit würde sich ruhiges und sonniges Sommerwetter einstellen. Bei Temperaturen in 850 hPa von 15 °C oder darüber wären erneut Höchstwerte zwischen 30 und 35 Grad möglich, im Südwesten vereinzelt auch bis 38 Grad. Entsprechend nähme die Wärmebelastung wieder deutlich zu, und eine Rückkehr einer ausgeprägten Hitzelage erscheint durchaus möglich. Aufgrund der noch bestehenden Unsicherheiten in den Modelllösungen sollte diese Entwicklung jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Zunächst steht nach der außergewöhnlichen Hitzewelle eine spürbare und vielerorts wohltuende Abkühlung bevor.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle IFS-Lauf zeigt eine hohe Konsistenz zu den Vorläufen. Der großräumige Wettertrend bleibt damit unverändert: Am Rand eines mächtigen Hochs beziehungsweise Höhenrückens über Südwesteuropa etabliert sich über Mitteleuropa eine westliche bis nordwestliche Strömung. Mit dieser gelangt mäßig warme Meeresluft nach Deutschland.
Nach dem Abzug des Höhentrogs am Mittwoch sorgt am Donnerstag ein flacher Höhenkeil vorübergehend für Wetterberuhigung. Im Norden nähert sich jedoch bereits der nächste Kurzwellentrog, der in der Nacht zum Freitag über Norddeutschland hinwegschwenkt. Die zugehörige Kaltfront eines Bodentiefs über Skandinavien führt insbesondere im Nordosten zu einer spürbaren Abkühlung.
Im weiteren Verlauf verlagert sich der kräftige Höhenrücken allmählich ostwärts und gewinnt zunehmend Einfluss auf Mitteleuropa. Dadurch etabliert sich erneut eine nordwestliche Strömung, wobei der Hochdruckeinfluss sukzessive zunimmt. Dies begünstigt eine Wetterstabilisierung sowie einen langsamen Temperaturanstieg, ohne dass sich eine ausgeprägte Hitzelage abzeichnet.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch im Vergleich mit den anderen Globalmodellen zeigen sich zunächst nur geringe zeitliche Unterschiede. Der Hochdruckaufbau ab Freitag wird jedoch unterschiedlich rasch simuliert. Das IFS steht ab dem Wochenende mit einer vergleichsweise antizyklonalen Lösung weitgehend allein da. GFS, ICON und UK10 rechnen dagegen eine deutlich zyklonalere Variante, mit einem stärker ausgeprägten Trog über Skandinavien und einem weiter westlich verbleibenden Höhenrücken. In diesem Szenario würde sich über Deutschland eher kühles, wechselhaftes und zeitweise windiges Wetter einstellen.
Damit ist die Entwicklung ab Ende der kommenden Woche noch völlig offen. Denkbar ist einerseits eine langsame Rückkehr zu sommerlich heißem Wetter, andererseits aber auch eine Fortdauer eines vergleichsweise kühlen und unbeständigen Witterungsabschnitts.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse weist im ersten Zeitschritt ausschließlich das Regime Blocking aus. Dabei verlagert sich das zunächst wetterbestimmende blockierende Hoch allmählich ostwärts, während sich unmittelbar dahinter über dem nahen Atlantik bereits das nächste Blocking-Hoch etabliert.
Im zweiten Zeitschritt bleibt die markante Hochdruckanomalie zwischen den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel bestehen. Deutschland liegt dabei am Nordostrand des Höhenrückens, sodass die weitere Wetterentwicklung maßgeblich von dessen Ausdehnung sowie von der Intensität des Troges über dem Nordmeer beziehungsweise Skandinavien abhängt. Greift der Rücken stärker auf Mitteleuropa über, stellt sich verbreitet ruhiges und sonniges Wetter ein; insbesondere im Südwesten wäre dann erneut eine Hitzetendenz denkbar. Behauptet sich dagegen der Trog über Skandinavien, ergibt sich eher eine zyklonal geprägte nordwestliche Strömung mit mäßig warmer, wechselhafter und zeitweise windiger Witterung.
In der erweiterten Mittelfrist verlagert sich der Höhenrücken voraussichtlich weiter nach Osten und wird gleichzeitig etwas abgeschwächt. Damit deutet sich bei überwiegend trockenem Wetter erneut ein Temperaturanstieg an. Nach heutigem Stand wäre zwar wieder sommerlich warmes bis heißes Wetter möglich, eine ausgeprägte und länger andauernde Hitzelage lässt sich aus den Clustern derzeit jedoch nicht ableiten.
Die Rauchfahnen zeigen bis etwa zur Wochenmitte eine vergleichsweise geringe Streuung und damit eine hohe Vorhersagegüte. Sowohl bei der 850-hPa-Temperatur als auch beim Geopotenzial setzt sich zunächst der markante Temperaturrückgang nach der aktuellen Hitzewelle robust durch. Ab der zweiten Wochenhälfte steigen insbesondere im Süden Geopotenzial und Temperatur in einigen Ensemblemitgliedern wieder an, gleichzeitig nimmt der Spread jedoch deutlich zu. Dies spiegelt die zunehmende Unsicherheit hinsichtlich der Stärke des Hochdruckeinflusses und der Position des Höhenrückens wider. Die Niederschlagssignale konzentrieren sich auf den Beginn der Mittelfrist und stehen im Zusammenhang mit dem Trogdurchgang. Danach dominieren überwiegend geringe und eher vereinzelte Niederschlagssignale, was insgesamt auf eine nachlassende Niederschlagsneigung hindeutet.
Fazit: Der Übergang zu einer deutlich kühleren und zumindest im Norden zeitweise wechselhaften Witterung gilt als gut abgesichert. Ab dem kommenden Wochenende nimmt die Vorhersageunsicherheit jedoch spürbar zu. Während ein Teil der Ensemble- und Deterministiklösungen den Hochdruckeinfluss rasch nach Mitteleuropa ausweitet und damit wieder zunehmend sommerlich heißes Wetter erwarten lässt, favorisieren andere Lösungen eine anhaltende nordwestliche Strömung mit mäßig warmem, windigem und zeitweise wechselhaftem Wetter. Ob sich bereits zum Beginn der neuen Woche erneut eine Hitzelage etabliert oder die gemäßigtere Witterung anhält, bleibt daher aus heutiger Sicht noch offen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
STARK-/DAUERREGEN:
Am Mittwoch vor allem im Osten und Südosten schauerartiger, teils gewittrige Niederschläge, dabei Starkregengefahr mit Mengen um 30 l/qm in 6 Stunden. Vor allem an den östlichen Alpen Dauerregen mit Mengen um 40 l/qm in 12 Stunden. Gebietsweise unwetterartige Mengen nicht ausgeschlossen.
STARKE GEWITTER:
Im Norden und in der Mitte einzelne Gewitter, dabei örtlich Starkregen um 15 l/qm in kurzer Zeit.
Ab Donnerstag wahrscheinlich keine markanten Wettererscheinungen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





