Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 09.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
SW a Übergang zu NW z
Am Wochenende zunehmende Gewitterneigung. Heute vereinzelt im Süden Gewitter, am Sonntag vermehrt, teils starke Gewitter besonders über dem Süden und lokal über der Mitte. Ab Montag starker Temperaturrückgang. Dann windig und sehr kühl.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag... liegt Mitteleuropa unter einer antizyklonalen südwestlichen Strömung am Rand von Trögen über dem Nordmeer und westlich der Iberischen Halbinseln mit einem schwachen Rücken über Mitteleuropa. Eine, ebenfalls nicht sonderlich starke, Hochdruckzone über Nordeuropa begleitet das im Bodendruckfeld.
Mit der südwestlichen Strömung gelangt mäßig warme, in den Süden und Südwesten leidlich feuchte Luft, die es dort auf knapp 20 mm PPW bringt. Diese Anfeuchtung lässt eine gewisse Gewitterbereitschaft erwarten, das Absinken des Keils wirkt etwas dagegen. Das die Sache nicht ganz astrein ist, zeigt sich aber schon am Morgen. Ein Trog in 300 hPa sorgt für etwas Hebung, leichte Labilisierung, im äußersten Süden, die dort in Schauern und vereinzelten Gewittern am Alpenrand zum Ausdruck kommt. Allerdings zieht der Trog am Vormittag ab, womit die Schauer am Vormittag erstmal vorbei sein dürften.
Tagsüber, vor allem nachmittags können sich mangels dynamischer Hilfe in erster Linie mit Hilfe der Orografie über dem Schwarzwald und an den Alpen Schauer und einzelne Gewitter bilden. Bei geringer Zuggeschwindigkeit der Zellen steht Starkregen im Fokus. Vom Hagel (Cape) und den Böen (Downburst, D Cape) ist nicht viel zu erwarten. Die Gewitter kratzen gewissermaßen am markanten Bereich.
Ansonsten scheint in (meist) trockener Festlandsluft oft die Sonne, wovon allerdings ein Streifen vom Emsland bis zur Lausitz ausgenommen ist. Dort halten sich unter der Absinkinversion in 800 hPa dichte Wolken, Sc/St, denen seitens der Modelle auch ein paar Tropfen Regen zugetraut werden. Der Wind spielt keine große Rolle und weht schwach bis mäßig aus Ost bis Nordost, tags etwas auffrischend.
Die Temperatur steigt auf 16 bis 19°C in der Nordosthälfte und auf 19 bis 24°C sonst. An den Küsten ist es bei auflandigem Wind leicht kühler.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Rücken über Deutschland hinweg, gleichzeitig weitet sich der Trog über dem Nordmeer zur Nordsee aus. An den Trog gekoppelt ist ein Bodentief vor der norwegischen Küste, dessen Kaltfront ausgangs der Nacht die südliche Nordsee erreicht. Auf der Vorderseite zieht über den Norden Deutschland etwas Bewölkung hinweg.
Im Süden fallen die Schauer und Gewitter in sich zusammen. Im Rest des Landes dominiert Absinken, die zu einer locker bewölkten bis klaren Nacht führt. Der Trog im Südwesten weitet sich nach Frankreich aus, dabei entsteht eine Tiefdruckrinne, mit der hohe Bewölkung von Frankreich aufzieht.
Der Wind weht schwach bis mäßig aus Nordost, im Südwesten dreht er aber auf Südwest. Die Tiefstwerte liegen bei 11°C im Südwesten und 3°C im Osten, dort mit örtlichem Bodenfrost.
Sonntag... trogt es vom Nordmeer her weiter nach Süden aus, während auch vom Südwesten ein Trog nach Frankreich auf dem Vormarsch ist. Dabei wird der Höhenrücken nach Osten abgedrängt und die südwestliche Höhenströmung wird zyklonaler. Insgesamt ergibt sich daraus im Bodendruckfeld zwar kein wirklich schönes Viererdruckfeld, frontogenetisch wird es über Deutschland allemal.
Verbunden mit dem erstgenannten Trog zieht eine schwache Kaltfront in den Norden. Überlagert von Kaltluftadvektion hat sie lediglich dichte Bewölkung und wahrscheinlich nur einzelne Schauer im Gepäck. Ob es für die bei D2 angedeuteten Gewitter reicht ist fraglich, weil die Labilitätsfläche nicht hoch reicht. Der Wind dreht postfrontal auf Nord, weil sich über GB rasch eine neue Hochzelle positioniert und frischt auf mit einzelnen Böen 7 Bft an der Nordsee. Postfrontal setzt der Zustrom kühler Meeresluft ein, in der T 850 an der dänischen Grenze auf nahe 0°C sinkt.
Ansonsten weitet sich von Frankreich her eine Tiefdruckrinne nach Süddeutschland aus. Darin formiert sich eine Luftmassengrenze, die feucht warme Luft im Süden von einer weniger warmen, aber ebenfalls angefeuchteten Luftmasse weiter nördlich trennt. Die PPWs liegen bei etwa 20 bis 25 mm. In der warmen Luft bauen sich tagsüber zunächst einige hundert J/kg Cape auf, die sich nachmittags in Schauern und Gewittern über dem Südwesten und Süden entladen. Neben dem Starkregen, kann kleinkörniger Hagel dabei sein und einzelne Sturmböen. Die Grundschicht ist recht trocken und es gibt Andeutungen für eine Druckwelle, die nachmittags und abends über den Süden nach Osten läuft. Etwas Scherung spricht auch für teilweise organisierte Strukturen, was sich in den UH Tracks von ICON D2 widerspiegelt. Damit wären dann wohl auch einzelne unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen. Der Südwest- bis Westwind frischt auf exponierten Gipfeln der Alpen und des Schwarzwald stark bis stürmisch auf. Sonst langt es abseits der Konvektion kaum für nennenswerte Böen.
Auch über der Mitte, wahrscheinlich orografisch getriggert, kann es für einzelne markante Gewitter reichen, die von Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen begleitet werden.
Die Temperatur steigt im Norden auf 16 bis 22°C, sonst werden meist 20 bis 26°C erreicht.
In der Nacht zum Montag stößt der Trog von Nordwesten weiter nach Deutschland vor und nimmt einen Teil des Troges über Frankreich in seine Zirkulation auf. Auf der Vorderseite zieht die Tiefdruckrinne vom Süden zur Landesmitte. Dabei kommen die Schauer und Gewitter nach Nordosten voran, gehen im Laufe der Nacht aber eher in schauerartigen (Stark)Regen über. Auf der anderen Seite wird die Kaltfront, die in das Tief hineinläuft, aktiviert und es ergibt sich ein Band mit schauerartigem Regen, der aber wahrscheinlich nicht warnwürdig wird, über dem Westen und Norden. Dahinter strömt kalte Meeresluft polaren Ursprungs ein, in der die Temperatur in 850 bis -2°C sinkt. Bei auflockernder Bewölkung und rasch nachlassendem Wind, ist im Nordwesten Frost in Bodennähe möglich.
Montag... tropft der Nordseetrog nach Nordwestdeutschland ab. Das Bodentief zieht zur Ostsee, wobei die Kaltfront auf der Rückseite südwärts vorankommt und abends auch den Südosten Deutschlands überquert. Dahinter kommt es zu einem massiven Ausbruch kalter Meeresluft mit -5°C in 850 hPa nach Deutschland mit windigem und sehr kühlem Wetter von Nordwesten her.
Über dem Osten und Süden ist aber zunächst mal die Kaltfrontpassage verknüpft mit Regenfällen, Schauern und Gewittern, die teilweise mit Starkregen und Sturmböen verbunden sein können. Aber auch präfrontal sind einzelne Gewitter möglich sowie bei zunehmendem Gradienten Windböen, im Süden mit dem Leitplankeneffekt auch stürmischen Böen oder Sturmböen. Postfrontal bleibt der Druckgradient recht groß, sodass weitere Windböen aus Nordwest möglich sind sowie in der einströmenden labilen, weil höhenkalten Meeresluft Schauer und vereinzelte Gewitter. Auf höheren Gipfeln im Westen sind sogar abends ein paar Schneeflocken nicht ausgeschlossen.
Ob das kleine Bodentief, dass ICON abends an der Nordsee simuliert, wirklich kommt, ist fraglich, UKMO simuliert es weiter nordwestlich, bei GFS und IFS ist es nicht zu finden.
Dazu gibt es quasi einen Absturz der Temperaturen um teilweise 10K. Die Maxima liegen im Westen und Nordwesten nur um 10 oder wenig über 10°C, dort wo sich die präfrontal wärmere Luftmasse noch auswirken kann sind über der Südosthälfte 10 bis 19°C zu erwarten.
In der Nacht zum Dienstag schwenkt der Trog mit eingelagertem Höhentief über Deutschland nach Osten. Es treten weitere schauerartige Niederschläge auf, die teilweise bis 400/500 in Schnee übergehen können. Inwieweit dabei was liegen bleibt ist fraglich, auf Straßen und Wegen wahrscheinlich nichts. Es bleibt relativ windig mit stürmischen Böen aus Nordwest auf exponierten Bergen, sonst einzelne Windböen 7 Bft.
In Berglagen steht damit sogar wieder Luftfrost auf der Karte. Die wiederholten schauerartigen Niederschläge ab der Nacht zum Montag können akkumuliert in einigen Staulagen über dem Westen und Südwesten warnrelevante Niederschlagssummen über einen längeren Zeitraum bringen (siehe u.a. ICON, EPS von ICON und Cosmo Leps).
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren ab der Nacht zum Montag mit einigen Unschärfen. Der grundsätzliche Fahrplan steht aber. Die Details werden dann aber sehr unsicher. Gerade die Windentwicklung am Montag (hier prescht ICON etwas vor) und die Niederschläge Montag und in der Nacht zum Dienstag sind offen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 09.05.2026 um 10.30 UTC
Anfangs sehr kühl, langsame Erwärmung. Unbeständig, erst in der erweiterten Mittelfrist Anzeichen für Stabilisierung.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 16.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag wurde Deutschland rückseitig einer Kaltfront von hochreichender polarer Meeresluft (-3 bis -6 Grad in 850 hPa) geflutet. Ein kurzwelliger Trog über Ostdeutschland tropft ab und das Höhentief zieht südostwärts. Von Nordwesten folgt ein flacher Keil nach, der einen Atlantikhochkeil im Süden stützt. Ein Bodentrog über dem Nordosten läuft nach Südosten ab, vor allem dort gibt es Schauer, teils mit Graupel. Im Nordosten erreicht der Westwind auch abseits der Küste tagsüber Böen der Stärke 6 bis 7. In der Nacht zum Mittwoch ist es im Süden zeitweise gering bewölkt, dort kann in ungünstigen Lagen für Luftfrost, zumindest aber für Frost in Bodennähe. Im Nordwesten sorgt eine hereinziehende Okklusion für schauerartige Niederschläge.
Am Mittwoch schwenkt der flache Höhenkeil über dem Süden ostwärts. Von der Nordsee nähert sich ein Langwellentrog, der sich nach Frankreich ausweitet. Vorlaufend kommt die Okklusion eines Tiefs über der Nordsee etwas ins Landesinnere voran und bringt schauerartige Regenfälle in der Nordwesthälfte. Die Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf 0 (Nordseeküste) bis +7 Grad (Südbayern). Der südwestliche Wind erreicht an der Küste, in Berg- und manchen Leelagen Bft 7 in Böen.
Am Donnerstag amplifiziert sich der Trog über Frankreich weiter und kommt kaum noch ostwärts voran. Das Tief über der Nordsee füllt sich auf. Über Oberitalien kommt es zu einer Zyklogenese, später zieht ein Teiltief nach Tschechien. Über dem Südosten Deutschlands setzen in Verbindung mit Warmluftadvektion länger andauernde Regenfälle ein. In 850 hPa liegt die Temperatur zwischen 0 Grad im äußersten Westen und 5 Grad im äußersten Osten und Südosten.
Am Freitag tropft der Trog über Frankreich zum westlichen Mittelmeer hin ab. Am Boden bildet sich von Oberitalien bis zum Baltikum eine großräumige Tiefdruckrinne mit der bodennah kühle Luft aus nördlicher Richtung herangeführt wird. Darüber kommt es im Osten zu Warmluftadvektion. Gebietsweise, vor allem im Nordstau der Mittelgebirge kommt es zu teils länger anhaltendem Regen. Am Temperaturniveau ändert sich kaum etwas im Vergleich zum Vortag.
Am Samstag zieht das Höhentief zum Ionischen Meer. Damit hat es keinen Einfluss mehr auf das Wetter bei uns. Über Mitteleuropa bildet sich eine schwache Brücke zwischen hohem Geopotenzial über dem Südwesten Europas und Russland. Die Strömung bleibt vorerst in allen Höhenniveaus auf Nord eingetsellt und es wird weiterhin feuchte Luft herangeführt. Bei +2 bis +6 Grad in 850 hPa und viel Bewölkung und gebietsweisem Niederschlag sind bei der 2m-Temperatur keine großen Sprünge zu erwarten.
In der erweiterten Mittelfrist kann sich ein Keil über Mitteleuropa samt Bodenhoch etablieren. Die feuchte Grundschicht trocknet allmählich ab und damit einher geht eine schrittweise Erwärmung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag liegt ein kräftiges Tief über dem Baltikum, die Kaltfront hat Deutschland in der Nacht zuvor überquert. Nachfolgend fließt hochreichende polare Meeresluft ein. Die Konsistenz zu den Vorläufen ist gut. In der Folge wird der Norden von der Frontalzone stärker beeinflusst als der Süden. Mittwoch/Donnerstag greift ein umfangreicher Trog von Nordwesten auf Mitteleuropa über. Details werden unterschiedlich simuliert. Grundsätzlich ist die Konsistenz zu den Vorläufen aber weiterhin eher gut. In der zweiten Wochenhälfte verbleiben wir im Einflussbereich des weiter westlich gelegenen Troges. Später tropft dieser südlich von uns ab. Die Unsicherheiten bezüglich der genauen Tiefdruckgebiete innerhalb oder am Rande des Troges nehmen zu.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Temperaturentwicklung ist vergleichsweise sicher. Die Niederschlagsentwicklung zunächst zwar auch, ab Donnerstag nehmen die Unsicherheiten dann aber stark zu, auch wenn grundsätzlich von einem Fortbestand der unbeständigen Witterung auszugehen ist.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Beim Geopotenzial zeigt sich nach dem anfänglichen Anstieg am Dienstag (Abzug des ersten Troges) ein erneutes Absinken mit Annäherung des Troges über Westeuropa. Das Minimum wird dabei am Donnerstag (Norden) oder Freitag (Süden) erreicht bevor eine allmähliche Zunahme des Potenzials von so fast allen Ensemblemitgliedern gezeigt wird. Die Spreizung der Lösungen nimmt allmählich über den Zeitraum hinweg zu und ist am Ende recht groß.
Die Temperatur in 850 hPa zeigt ein klares Minimum Dienstagfrüh mit Werten um -5 Grad, bevor ein rascher Anstieg zum Mittwoch erfolgt. Nachfolgend verläuft der Anstieg gebremst (Norden) bzw. es setzt vorübergehend wieder eine Abkühlung (Süden) ein. In der erweiterten Mittelfrist zum Wochenwechsel werden im Mittel 3 bis 6 Grad erreicht. Die Spreizung der Lösungen nimmt allmählich über den Zeitraum hinweg zu, bleibt bis auf einzelne Lösungen aber vergleichsweise gering.
Die Niederschlagssignale zeigen in der Mitte und im Süden am Dienstag/Mittwoch ein Minimum. Ansonsten sind die Niederschlagssignale zahlreich. Extreme Lösungen finden sich aber nicht. In der erweiterten Mittelfrist nehmen die Signale für Niederschlag deutschlandweit ab.
CLUSTER:
Von Dienstag bis Samstag zeigen die Cluster allesamt das Regime "Mittelatlantischer Rücken". Anfangs sind die Mitglieder in 5, später in 3 Gruppen aufgeteilt. Unterschiede für Mitteleuropa ergeben sich nur im Detail des Abtropfens und der genauen Konfiguration der Tröge. Für Sonntag bis Dienstag findet in allen Lösungen ein Wechsel hin zu einem Blockingmuster über Nordosteuropa statt. Für Deutschland ergeben sich Unterschiede in der Frage inwieweit uns ein Trog über dem Ostatlantik bzw. Westeuropa nahekommt. Das Cluster des Hauptlaufs (Cluster 2, etwas kleiner als Cluster 1) zeigt eher eine antizyklonalere Lösung als die anderen beiden Cluster.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Es gibt es mäßiges Signal für ein leicht ungewöhnliches Windereignis im Nordosten am Dienstag.
Das EPS zeiht mittlere bis Hohe Wahrscheinlichkeiten für Bft 7 und niedrige Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 im Nordosten sowie an der Nordseeküste am Dienstag.
TEMPERATUR:
Deutliche Signale für einen ungewöhnlich kalten Dienstag in der Osthälfte. Schwache Signale für ungewöhnlich niedrige Temperaturen am Freitag im Südwesten.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, IFS, IFS-EPS
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





