Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 22.03.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Brücke Mitteleuropa (BM)

Ruhiges und vielfach sonniges Frühlingswetter. Kommende Nacht allerdings verbreitet leichter, lokal vielleicht auch mäßiger Frost. Zur Wochenmitte und damit zum Übergang in die Mittelfrist markante Wetterumstellung!

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag... dominiert Hochdruckeinfluss am Randbereich einer High-over-Low Lage mit den Protagonisten einer zonal langgestreckten Antizyklone mit Schwerpunkt über dem Baltikum und einem südwestwärts abgezogenen Höhentiefkomplex über den Westalpen und Oberitalien. Über dem nahen Ostatlantik schließt sich ein weiteres mächtiges Höhenhoch an mit für die Jahreszeit ungewöhnlich milden Temperaturen nahe -10°C in 500 hPa nicht nur entlang des 40. Breitengrades, sondern sogar nordwärts bis zu den Grand Banks bis nahe 50°N ausgreifend. Es ist gewissermaßen der zweite kräftige Wellenscheitel nach der Hitzeglocke über dem Südwesten der USA, der bereits massenweise Rekorde und Temperaturen jenseits der 40°C schon im März produziert hat.

Doch zurück nach Deutschland, wo es in Süddeutschland noch am wettertechnisch am interessantesten bleibt. Nach Abzug des Höhentiefs und westwärts wegschwenkenden Randtroges glättet die östliche Höhenströmung einmal durch, bevor (und man erkennt es bereits im Remote Sensing) von Österreich und dem Böhmischen Becken her ein weiterer, aber deutlich flacherer Randtrog auf Bayern - ja, in der Höhe sogar bis nach Mecklenburg-Vorpommern aus Osten übergreift. Die Luftmasse ist im Osten und Nordosten punktuell leidlich, im Süden des Landes noch recht ansehnlich labil geschichtet. Und doch macht das Entrainment trockener Luft aus Osten dermaßen Fortschritte (Taupunkte östlich der Elbe heute Morgen schon bis -4°C), dass nicht nur der Hochnebel über Schwaben und der anfängliche Nebel in Teilen Schleswig-Holsteins rasch aufgelöst werden, auch hinsichtlich konvektiver Umlagerungen sollte heute nicht mehr allzu viel gehen. Die Auslösetemperaturen zwischen 8 und 14°C sind in der Südhälfte Deutschlands bis zum Mittag vielfach erreicht, ML CAPE wird aber bei den trockenen Einschüben kaum noch generiert. Am wahrscheinlichsten ist ein lokaler kurzer Schauer noch über den östlichen Mittelgebirgen (insbesondere Bayerischer Wald), an den Alpen und über dem Schwarzwald. Die Schneefallgrenze liegt dabei jenseits von 1500 m.

Durch die leicht föhnige Überströmung der Alpen wird der Leetrog im Tagesverlauf noch etwas ausgepumpt, was zusätzlich zur tagesgangbedingten Durchmischung vom Fichtelgebirge bis nach Niederbayern zeitweise für Böen bis 60 km/h aus Ost reicht. Auf den Gipfeln sind bei Höhenwinden in 850 hPa um 35 Knoten auch mal stürmische Böen um 70 km/h mit dabei.

Sonst scheint verbreitet die Sonne und die trockene Luftmasse packt die im Frühjahr gewohnt großen Tagesgänge aus. Nach vielfach leichtem Frost in de Osthälfte heute Morgen sind am Nachmittag verbreitet 13 bis 17°C drin. In Hochlagen sowie an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es teilweise bei einstelligen Temperaturen.

In der Nacht zum Montag greift ein sich amplifizierender Trog aus der weit im Norden verlaufenden Frontalzone von der Norwegischen See auf Skandinavien über. Dem Trog antriebslos und weit vorgelagert ist eine schwache Kaltfront, die zum Morgen aus Nordwesten die Deutsche Bucht erreicht. Präfrontaler schwacher Druckfall sorgt für eine minimale Schwachstelle der Hochdruckbrücke, die weite Teile Osteuropas bis zu den Britischen Inseln und Azoren umspannt.

Außer ein paar hohen/mittelhohen Wolkenfeldern ausgangs der Nacht im Nordwesten, die die Frostgefahr und ohnehin nur geringe Nebelneigung zusätzlich hemmen, ist aber nix zu wollen. In der kontinental geprägten Luftmasse geht es bei idealen Ausstrahlungsbedingungen (verbreitet windstill und klar) aber bei den Temperaturen ordentlich in den Keller. Mos-Mix macht bei -4°C Stopp, aber man kann sich durchaus vorstellen, dass exponierte Kältelöcher auch in den mäßigen Frostbereich rutschen (Barth, Faßberg, Sohland/Spree, Gilserberg-Moischeid, Nürnberg-Netzstall u.v.m.). Die Nebelneigung ist nur gering, in der Regel wird es sich auf flache Nebelbänke über Wiesen und entlang der Flusstäler beschränken.

Montag... verabschiedet sich die Antizyklone über dem Baltikum ostwärts und gibt den Staffelstab quasi nahtlos an seinen Kompagnon über dem Atlantik weiter, dessen Keilachse sich von der Bretagne bis nach Mitteleuropa erstreckt. In Namen der Berliner Wetterkarte übersetzt bedeutet das: "Norbert" ersetzt "Max". So ganz reibungslos funktioniert das aber nicht. Der Staffelstab fällt zwar nicht runter, es muss aber nochmal nachgegriffen werden, um im Bilde der Leichtathletik zu bleiben.

So ist der Himmel landesweit betrachtet nicht mehr ganz so blankgeputzt wie noch am Vortag, was mehrere Gründe hat. Zum einen sei da die bereits erwähnte Kaltfront zu nennen, die sich zwar auf die Keilachse zusteuernd beginnt aufzulösen, dem Nordwesten mitunter kompaktere Wolkenfelder in sämtlichen Niveaus beschert. Dazwischen schafft es die Sonne aber wiederholt, sich durchzukämpfen. Zum anderen ist da die Drehung der bodennahen Strömung auf Nord bis Nordwest, womit wie so oft auch niedertroposphärisch die Luftsäule etwas angefeuchtet wird. Das passiert vor allem im Grenzschichtniveau, was doch die ein oder andere Quellungen (vor allem über dem Bergland initiiert) auslöst, die sich dann unterhalb der Inversion bei rund 2 km gerade zum Abend hin etwas ausbreiten können. Ein latentes Schauerrisiko mit Spuren von CAPE ist noch immer vom Südschwarzwald und Hochrhein bis ins Alpenvorland vorhanden, meist bleibt es aber trocken. Unterm Strich steht demnach noch immer ein sehr freundlicher Tag mit hohen Sonnenanteilen ins Haus.

Die Lage ist weiterhin von großen Tagesgängen der Temperatur gekennzeichnet, der Griff zum Zwiebellook mit Entledigung der wärmeren Kleidungsschichten bis zum Nachmittag ist weiterhin das Mittel der Wahl. Erneut werden verbreitet 14 bis 18°C angepeilt, im Bergland und flächendeckend an der See bleibt es bei rund 10°C kühler. Der Wind spielt warntechnisch keine Rolle mehr.

In der Nacht zum Dienstag rutscht die Keilachse ein Stück weiter nach Süden, die Frontalzone beginnt sich ihren Weg südwärts zu bahnen. Den Grundstein liefert ein markanter Kurzwellentrog westlich von Irland, der in einem hochbaroklinen Umfeld zunehmende Schnittflächen zwischen Isohypsen und Isothermen ausbildet. Die Warmfront eines Sturmtiefs mit Kerndruck um 960 hPa dicht östlich von Island erreicht im Laufe der Nacht die Deutsche Bucht. Schwache, in Küstennähe mäßige WLA erfasst die gesamte Nordhälfte Deutschlands und es breitet sich kompakte mehrschichtige Bewölkung aus, deren Untergrenzen immer mehr absinken, meist aber noch in mittleren Niveaus verbleiben. Mit nennenswerten Regenfällen ist bis zum Morgen noch nicht zu rechnen.

Gleichzeitig dreht der Wind im Vorfeld rück auf Südwest und frischt im Nordwesten allmählich auf (noch nicht warnwürdig). Allesamt Faktoren, die die Frostgefahr erheblich dämpfen, so dass "nur" noch - grob gesprochen - die Südosthälfte betroffen ist, wo die Bewölkung noch dünner und bezüglich der Untergrenzen höher ausfällt. Die Nebelneigung bleibt aber auch dort vergleichsweise gering.

Dienstag... bricht der bereits erwähnte markante Randtrog südwärts zu den Britischen Inseln aus, wodurch die Strömung im Vorfeld bei uns nochmal leicht auf West bis Südwest in der Höhe aufsteilen kann. Die Warmfront des Sturmtiefs "Livia" streift uns dadurch nur im Norden. Die nachfolgende Kaltfront bildet eine Welle aus, die zum Abend die Doggerbank erreicht.

Somit bleibt dieser Übergangstag, der eine deutlich wechselhaftere, windige und kühle Witterung in der Mittelfrist einleitet noch vergleichsweise unspektakulär mit gelegentlichen leichten Regenfällen in Küstennähe. Sonst bleibt uns die teils mehrschichtige hohe und mittelhohe Bewölkung erhalten, die vor allem südlich von Main und Mosel in der Nähe zum Hoch über dem Alpenraum löchrig daherkommt und noch reichlich Sonnenschein zulässt.

Im Warmsektor gelangt mit der auffrischenden südwestlichen Strömung niedertroposphärisch nochmal ein Schwall etwas milderer, gealterter Meeresluft (xSp) zu uns, in der 15 bis 19°C, lokal vielleicht auch 20°C möglich sind. Unter den Wolken im Norden bleibt es mit 8 bis 14°C kühler. Der Wind reißt von der Nordsee bis zum Münsterland und am Nordrand der Eifel gebietsweise in Böen schon die Bft 7.

In der Nacht zum Mittwoch amplifiziert sich der Trog weiter und stößt nach Nordfrankreich und Benelux vor. Er ist mit massiver Höhenkaltluft verbreitet unter -35°C angereichert. Die angesprochene Welle zieht auf der Trogvorderseite nordostwärts und biegt zum Oslofjord ab. Im Gegenzug stößt die rückseitige Kaltfront bis nach Paris und zur südlichen Biskaya vor und erreicht damit hierzulande nach dem Norden und Westen bis zum Morgen auch die Landesmitte mit schauerartigen Regenfällen. Dabei fallen lokal 5 bis 10 l/qm binnen weniger Stunden.

Gemeinsam mit dem stationären steuernden Tief südwestlich der Lofoten etabliert sich eine stramme nördliche Strömung, die von der Framstraße bis zu den Britischen Inseln reicht und Luftmassen arktischen Ursprungs (mit entsprechender Modifizierung bis sie uns erreichen) anzapfen. Als ersten "Vorgeschmack" gehen die Temperaturen in 850 hPa postfrontal zunächst erst einmal auf 0 bis -3°C zurück. Auf dem Kahlen Asten und dem Brocken wird sich somit bei Erreichen der Niederschläge rasch Schnee beimischen.

Weitaus entscheidender für das Warnmanagement ist jedoch der Wind, der mit Frontpassage Sturmböen (Bft 8, vereinzelt 9) bis ins Flachland bringt. Am Mittwoch selbst ist davon nahezu das gesamte Land betroffen und viele werden sich nach diesem Frühlingsauftakt verwundert die Augen reiben und nochmal in den tiefsten Herbst zurückkatapultiert fühlen.

Modellvergleich und -einschätzung

Nennenswerte Modellunterschiede sind nicht auszumachen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen