Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 25.01.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Im Nordosten UNWETTER durch Glatteisregen. Sonst von Süden bis in den Norden mäßige Neuschneefälle (überregional markant). Küsten böiger Ost/Nordostwind, regional mit Verwehungen. Zum Dienstag Föhn an den Alpen. Nächte meist frostig.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... dauert die gestörte Zirkulation (schwacher Polarwirbel in der Troposphäre) bei leicht negativer NAO und signifikant negativer NAM weiter an. Die zonal gemittelten ageostrophischen Geopotenzialflüsse sind weiterhin in Richtung Mittelmeer gerichtet, was dort in Episoden für heftige Niederschlagsereignisse gut ist, während wir in Deutschland eher auf der gradientarmen Nordseite der Wellenzüge verbleiben. Dennoch sorgt die Interaktion eines ins zentrale Mittelmeer ziehenden Troges inkl. dem komplexen Bodentief LEONIE (mehrere Zentren) mit den Alpen für eine diffuse Zyklone, die sich die Kurzfrist über im Lee der Alpen (über der Mitte und dem Osten von Deutschland) entwickelt, kurzzeitig bei seiner Nordverlagerung von Bayern bis nach Sachsen-Anhalt intensiviert und in der Folge unter Auffüllung nach Osten in Richtung Polen weiterzieht. Inwieweit es sich dabei um eine Neubildung über Deutschland handelt, oder ob die zyklonale Störung advektiv über die Alpen geführt wurde wird noch variabel in der Numerik gezeigt und ist bezüglich des Wetterablaufs von untergeordnetem Interesse.
Problem bei dieser Lage ist mal wieder, dass die schwache Entwicklung des Tiefs die Durchmischung der Luftmassen recht zäh gestaltet, was sich auf die Dauer/Ausdehnung der jeweiligen Niederschlagsphasen auswirken dürfte. Zusätzlich muss die Randeinwirkung bedacht werden wie z.B. der Zustrom kontinental geprägter Luftmassen der Marke "Eigenproduktion über Schnee" von polnischer Seite, die im Verlauf der Kurzfrist in die Zirkulation des Bodentiefs über Deutschland (nordseitig) eingebunden wird.
Heute Nachmittag und Abend stehen wir daher bereits im Einfluss der genannten Entwicklung mit zunehmendem, aber recht diffusem Druckfall über Südostdeutschland.
Diesen überlagernd findet bereits deutschlandweit von der (erweiterten) Grenzschicht entkoppelt in weiten Bereichen der mittleren/oberen Troposphäre WLA statt, was sich durch einen häufig stark bewölkten Tag mit dichter mittelhoher und hoher Bewölkung äußert. Der entkoppelte niedertroposphärische Bereich wird durch ausgedehnte und dichte Hochnebelfelder hervorgehoben, die nur regional größere Lücken aufweisen, wo sich die Sonne am Nachmittag für einige Stunden noch durchsetzen konnte (Schwarzwald, Thüringer Wald in Richtung Franken, regional im Vogtland).
Der Fokus richtet sich jedoch von nun an in den Süden von Deutschland, wo sich zum späten Nachmittag und Abend im Q Vektorfeld ein zunehmend markanter Dipol entwickelt, der im Südwestquadranten des sich strukturierenden zyklonalen Wirbels auf zunehmende Massenflusskonvergenz/Hebung hinweist, in der Höhe zusätzlich durch ein neutral/leicht positives Divergenzfeld überstrichen. Somit baut sich ab dem späten Nachmittag im Deformationsbereich des Wirbels vom Allgäu in Richtung Schwäbischer Alb und zum Abend auch in Richtung Hohenloher Ebene / Kraichgau ausgehend ein Schneegebiet auf, das dynamisch gesehen von schwachem "banding" dominiert wird. Sprich, es fällt im genannten Bereich bis zum Abend 1 bis 4 cm Neuschnee in wenigen Stunden, regional können es aber auch aus mesoskaliger Dynamik heraus (und nicht an die Orografie gebunden) bereits markante Neuschneemengen um 5 cm in 3h sein. Peripher des Niederschlags tritt teils gefrierender Sprühregen auf, was die Ausgabe regional begrenzter markanter Glättewarnungen zur Folge hat.
Undurchsichtiger verläuft die Niederschlagsentwicklung bis zum Abend im gesamten Osten von Deutschland, wo die vorherrschende Hochnebeldecke durch die Hebungsvorgänge Schritt für Schritt angehoben wird. Dadurch kann regional gefrierender Sprühregen von Vorpommern über Sachsen-Anhalt bis ins östliche Bayern auftreten mit erhöhter, markanter Glätte.
Im Nordwesten bleibt es bis zum Abend bei dichten Wolken mit nur kurzen Auflockerungen trocken.
Die abendlichen Werte liegen in Richtung Niederrhein und Markgräflerland im zarten Plus, während sonst leichter Luftfrost von 0 bis -3 Grad vorherrscht.
Der Ostwind frischt im Umfeld der Küsten zeitweise böig auf (Bft 6 bis 7), sonst weht er im gesamten Osten und Norden schwach bis mäßig und im Südwesten schwach aus Südwest.
In der Nacht zum Montag strukturiert sich das Bodentief über Bayern weiter und zieht im Verlauf der Nacht unter geringer Intensivierung nordwärts über Thüringen in Richtung Harzumfeld. Dabei stellt sich zunehmend eine bimodale Niederschlagsverteilung (besonders bei der Phase) ein. Beginnen wir mit der festen Phase.
Nördlich des mittlerweile hochreichend troposphärischen (zyklonalen) Wirbels dominiert die Nacht über beständiges, isentropes Aufgleiten in die dort vorherrschende östliche Windkomponente, deren Luftmassenherkunft von der teils verschneiten polnischen Seite herrührt. Kräftige Höhendivergenz über dem Aufgleiten dürfte ein breites Aufgleitgebiet mit mäßigem Schneefall initiieren, das weite Bereiche des Nordens mit 12 std. Neuschneemengen von 4 bis 8 cm, lokal bis 10 cm beeinflusst. Dieser Neuschnee sollte flächenmäßig recht homogen fallen mit einem Schwerpunkt von Thüringen über weiten Bereichen von Sachsen-Anhalt, dem Osten von Niedersachsen bis nach Hamburg und ins östliche Schleswig-Holstein. Am Ostrand des Schneefalls wird es wohl mehrere Phasenwechsel gegeben. Daher schon jetzt der Hinweis, dass sich Glatteis- und Schneefallwarnungen teilweise überlappen (z.B. Mecklenburg bis nach Sachsen-Anhalt).
Noch spannender beim Schnee wird der Südwestquadrant der Zirkulation sein, der von markanter Deformation unter einem wachsenden Höhendivergenzmaximum geprägt wird. Hier dominiert das "banding", was bedeutet, dass neben flächigen Schneefällen regional (bandartige) Niederschlagsmaxima zu erwarten sind. Die Numerik deutet recht einheitlich darauf hin, dass in 12h beim Schneeanteil Mengen von 10 bis lokal 20 l/qm auftreten mit Stundenraten z.B. östlich von Stuttgart zwischen 1 und 3 oder 4 l/qm. Hier dominiert das "banding" und unwetterartige Mengen kann man hier nicht ausschließen (besonders wegen der Intensität). Weiter östlich (bis zur Fränkischen Alb) wird eine Mischung aus anfänglich isentroper Hebung und der dann "herumgeholten Feuchte" für ähnlich hohe Neuschneemengen gut sein, wenngleich hier die Stundenraten ggf. etwas geringer ausfallen als z.B. östlich von Stuttgart. Im Median zeigen die Ensembleverfahren effektive Neuschneemengen von 10 bis 15 cm zwischen Unterfranken, der Schwäbischen Alb bis grob zur Fränkischen Alb. Dabei fällt der Großteil des Neuschnees in kurzer Zeit, was regional wohl auch unwetterartigen Neuschneezuwachs bedeuten kann. Dies ist jedoch nur im Nowcast mit Etablieren der Bänder warntechnisch zu erfassen, sodass erstmal eine überregionale markante Neuschneewarnung ausgegeben wurde. Es sollte aber nicht überraschen, wenn morgen früh lokal auch mal um 20 cm Neuschnee gemeldet werden.
Peripher dieser Schneemaxima nehmen die Neuschneemengen nach Westen und Süden ab, was im bereits gültigen Warnbild ersichtlich ist.
Die andere Baustelle ist die vergleichsweise besser fokussierte WLA im Ostquadranten des zyklonalen Wirbels, die effektiv eine Interaktion von beständiger isentroper Hebung in die dort vorherrschende östliche niedertroposphärische Strömung ermöglicht. An der Spitze der Hebung findet erstmal eine adiabatische Abkühlung statt (durch Hebung einer trockenen Schichtung), sodass einige Schneeflocken eingangs der Nacht im Nordosten nicht ausgeschlossen sind. Ansonsten aber sorgt die WLA von Beginn an für die dominant flüssige Phase, die sich vom Erzgebirge nordwärts bis nach Mecklenburg-Vorpommern ausweitet. Häufig fällt dabei leichter bis mäßiger gefrierender Regen ohne vorherigen Schneeanteil auf gefrorene Boden, sodass hier UNWETTER durch gefrierenden Regen erwartet wird.
Die Erwärmung sollte im Verlauf der 2. Nachthälfte von Südosten her in Sachsen und im Süden von Brandenburg für eine Entspannung sorgen, wenngleich z.B. am Nordrand des Erzgebirges bei der südlichen Anströmung zunehmend Auflockerungen erwartet werden, sodass ausgangs der Nacht der Frost im Osten von Sachsen erneut anzieht. Dies wird mit einer markanten Anschlusswarnung durch überfrierende Nässe abgedeckt.
Spannt man im Unwetterbereich ein in der Fläche gemitteltes Vorhersagesounding für 00Z auf, dann erkennt man ein nahezu perfektes Glatteissounding mit kräftiger WLA, einer überschaubaren aber ausreichenden warmen Nase und hochreichender Sättigung bei üppiger Feuchte (PWATs im 90-iger Perzentilbereich zur Hintergrundklimatologie).
Akkumuliert werden in weiten Bereichen Brandenburgs, Berlins bis nach Vorpommern Eisakkumulationen von 0.5 bis lokal 1 cm berechnet. Dies wird für teils erheblichen Eisansatz gut sein, was sich auch auf die Infrastruktur und Vegetation (mit Schäden) auswirken kann. Verkompliziert wird das Ganze aber durch einen allmählichen Abbau der warmen Nase von Westen, sodass im Verlauf der 2. Nachthälfte die Niederschläge teilweise in Schnee übergehen. In Richtung Uckermark könnte der gefrierende Regen aber auch bis ausgangs der Nacht anhalten. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass regional gar EXTREMES UNWETTER auftritt, allerdings sind die Unsicherheiten bezüglich der Phasenwechsel noch zu groß, als dass ein solcher Bereich herausgearbeitet werden kann.
Ganz im Westen verläuft die Nacht bedeckt und meist trocken, im Südwesten setzt im Verlauf der zweiten Nachthälfte Regen ein, oberhalb von 500 bis 800 m fällt etwas Neuschnee, wobei die Schneefallgrenze je nach Niederschlagsintensität stark schwankt.
Die Tiefstwerte liegen bei winterlichen 0 bis -6 Grad, wobei sich die Luftmasse im Osten allmählich erwärmt.
Bleibt noch der Wind zu erwähnen, der meist schwach bis mäßig um das Tief weht mit entsprechend dominanten Windrichtungen in den jeweiligen Sektoren. Erwähnenswert ist der Ost- bis Nordostwind im Umfeld der Ostsee, wo sich der Druckgradient durch den Druckfall im Süden/über der Mitte etwas verschärft und im Verlauf der Nacht zunehmend markante Böen im Umfeld der Ostsee auftreten.
Was bleibt unter dem Strich: eine winterliche Nacht für Viele mit allen Schikanen und umfangreicher Glätteproblematik (Schnee und gefrierender Regen).
Montag ... driftet das Bodentief unter Auffüllung in den Nordosten der Republik, allerdings mit einem geringen Spread innerhalb der Numerik.
Unter dem Strich bedeutet das abgesehen vom Süden und Westen sowie vom Umfeld der Oder, dass die Schneefälle aus der Nacht auch tagsüber weiter andauern. Dank des Auffüllprozesses lassen die dynamischen Komponenten nach, sodass die Hebung verschmiert. Dennoch lassen sich zwei Schwerpunkte herausarbeiten.
Der erste ist im Südwestquadranten der Zirkulation zu finden, was grob die Region von Franken bis zur Fränkischen Alb und dem Bayerischen Wald betrifft. Dort werden noch leichte bis mäßige Schneefälle mit Neuschneemengen von 5 bis 10 cm initiiert. Diese fallen in tiefen Lagen zunehmend als Nassschnee, besonders im Umfeld der Orografie kann sich regional auch bodennah die Kaltluft soweit halten, dass die Schneehöhe weiter effektiv anwächst. Die Ensemblemaxima heben dabei erneut teils unwetterartige Neuschneemengen hervor, was jedoch dank der nachlassenden Dynamik etwas angezweifelt wird. Bei günstiger/stationärer Lage des Niederschlagbandes und im Zusammenspiel mit der Orographie sind regional aber weitere 15 cm Neuschnee nicht ausgeschlossen.
Auch im Schwarzwald/Allgäu dürfte oberhalb von rund 700 m noch nennenswert Neuschnee fallen, mit Neuschneemengen aber voraussichtlich unter 10 cm.
Der zweite Schwerpunkt ist der Osten von Schleswig-Holstein, wo ein auf Land treffendes Schneeband diabatisch (offshore) angetrieben für üppige Stundenranden gut sein dürfte. 12 std. Neuschneemengen um 10 cm sind zu erwarten, regional können aber auch Mengen bis 20 cm nicht ausgeschlossen werden, wenngleich die hohe Schneedichte ein rasches Einsacken unterstützen dürfte. In Verbindung mit einem stark böigen, küstennah auch stürmischen Nordostwind sind Schneeverwehungen nicht ausgeschlossen, wenngleich die nasse Konsistenz das Risiko letztendlich verringert. Ob es überhaupt für eine markante Schneeverwehungswarnung ausreicht muss im Nowcast geklärt werden. Schneebruch könnte hier aber ein Thema werden, wie auch über der südlichen Mitte, wenn der Schnee immer feuchter wird.
Ansonsten bleibt es im Süden, Westen und im Umfeld der Oder bei wechselnder Bewölkung meist trocken, wobei besonders in Richtung Niederbayern lokal gefrierender Sprühregen nicht ausgeschlossen werden kann.
Die Höchstwerte liegen im Westen, Süden und im Umfeld der Oder bei 1 bis 4 Grad, in Richtung Oberrhein um 8 Grad, während sonst leichter Dauerfrost von 0 bis -2 Grad vorherrscht. Auch im Umfeld der Küsten sind leichte Plusgrade nicht ausgeschlossen.
Abseits der Küsten (markante Böen aus Nordost) weht der Wind meist nur schwach bis mäßig um das Tief herum und somit im Süden dominant aus West. Dort frischt der Wind im Bergland zeitweise auch markant aus Westen auf.
Die Nacht zum Dienstag wird nur kurz abgehandelt. Peripher der weiter ostwärts abziehenden und sich weiter auffüllenden Zirkulation weitere, meist leichte Schneefälle, teils auch gefrierender Sprühregen mit verbreiteter Glättegefahr. Nennenswerte Neuschneemengen von 5 bis 10 cm in 12h Stunden sind im Bayerischen Wald zu erwarten. Südlich der Donau klart es zunehmend auf, hier gebietsweise Glätte durch Überfrieren. Die Minima liegen im Küstenumfeld um +2 Grad und sonst zwischen 0 und -5 Grad, im Süden bei längerem Aufklaren zwischen -5 und -8 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... geht das ganze Spiel von Neuem los.
Im Nordosten werden wir tagsüber mit Schneegriesel und gefrierendem Sprühregen (warntechnisch) zu tun haben, was bei leichtem Dauerfrost für Glätte gut ist. Derweilen nähert sich von Südwesten eine markante Warmfront, die sich bis zum Abend bis zur Mitte und in den Süden voran arbeitet. Diese leitet zum späten Nachmittag bis in die Nacht zum Mittwoch hinein im Südosten und über der Mitte eine neue Glättesituation durch teils gefrierenden Regen ein. Von markant bis Unwetter ist auch hier aktuell noch alles möglich. Allerdings sind die Unsicherheiten bezüglich der thermischen Schichtung innerhalb der Grenzschicht sowie die zeitliche Verlagerung der Front noch zu groß, als dass hier Feinheiten herausgearbeitet werden können.
Die Maxima liegen tagsüber bei 0 bis 1 Grad im Nordosten und nach Südwesten bei bis zu +8 Grad. Die Nacht zum Mittwoch verläuft im äußersten Westen frostfrei. Sonst wird es mit 0 bis -7 Grad wieder frostig, wobei es in Richtung Erzgebirge und Bayerischer Wald die tiefsten Minima geben dürfte.
Der Ostwind bleibt besonders über der Deutschen Bucht markant und schwächt sich sonst küstennah ab. Im Binnenland dominiert ein schwacher bis mäßiger Ostwind, im Westen aus Südost. Im Alpenumfeld setzt Föhn ein, sodass wenigstens exponiert markante Böen zu erwarten sind (cross-alpiner Druckgradident bei bis zu 6 hPa).
Modellvergleich und -einschätzung
Die Kurzfrist beginnt mit vergleichsweise überschaubaren Diskrepanzen beim spin-up des zyklonalen Wirbels über Deutschland. Allerdings sind gerade diese Unsicherheiten entscheidend.
Schaut man sich die jüngsten 8 Modellläufe von EZ an, dann fand für den Vorhersageschritt "Montag, der 26.01.26 für 12Z" zunächst eine sukzessive Südverschiebung des Tiefkerns statt, bevor sich EZ nun in den jüngsten 3 Modellläufen mit einem Kern über Sachsen-Anhalt hervorhebt. GFS wies im selben Zeitraum gröbere Sprünge bei der Platzierung und Geometrie auf, zeitweise wurde über der Mitte eine zonal ausgerichtete Rinne angedeutet. In den jüngsten 2 Modellläufen ist GFS nun EZ gefolgt und mittlerweile recht konstant bei Intensität und Platzierung des trop. Wirbels. Bleibt noch ICON zu nennen, das ebenfalls sukzessive nach Norden korrigiert wurde und mittlerweile nur geringfügig östlich von GFS und EZ verweilt. Auch bei den LAMs herrscht mittlerweile eine recht gute Konsistenz, sodass bezüglich des Ablaufs (zeitlich und räumlich) eine zufriedenstellende Konsistenz erreicht wurde, auf der die Ausgabe der Warnungen aufgebaut wurde.
Dieses recht homogene Verhalten der Numerik wird auch bis zum Ende dieser Kurzfrist fortgesetzt, wenngleich die Platzierung des zyklonalen Wirbels etwas unsicherer wird, der zum Dienstag 12Z über Polen analysiert werden dürfte. GFS hat den Kern westlicher (im Umfeld der Oder), während sonst eine östlichere Variante überwiegt, allerdings auch mit geringen Intensitätsunterschieden. Derweilen wird der von Westen nahende Keil sehr einheitlich bezüglich Achsenlage und Amplitude gezeigt.
Summa summarum weist diese Kurzfrist somit eine gute Übereinstimmung innerhalb der Numerik auf.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 25.01.2026 um 10.30 UTC
Unbeständiges Wetter. Dabei im Nordosten kalt, im Südwesten zunehmend mild. Dazwischen Phasenmischmasch: teils Schnee, teils Regen, teils gefrierend mit Unwetterpotenzial.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 01.02.2026
In der Mittelfrist (Mittwoch, 28.1., bis Sonntag, 1.2.) setzt sich die Blockierung der Großwetterlage weiter fort. Dem sich wiederholt regenerierenden Blockadehoch über Nord- und Nordosteuropa steht ein sich ebenfalls regenerierender hochreichender Tiefdruckkomplex über dem Ostaltantik und Westeuropa gegenüber. Aus Letzterem laufen wiederholt kurzwellige Anteile Richtung Mittelmeer heraus. Daran gekoppelt ist auch die primäre Frontalzone, die weit nach Süden verschoben vom mittleren Atlantik über Südwesteuropa zum Mittelmeerraum verläuft und vor allem dort weiterhin für teils unwetterartige Wettererscheinungen sorgt.
Deutschland liegt eher zwischen den Stühlen. Zwischen den Tiefs über West- und Südeuropa und hohem Luftdruck über dem Norden herrscht über der Nordosthälfte bodennah meist eine östliche bis südöstliche Strömung vor, mit der recht kühle Kontinentalluft herangeführt wird. Dabei stellt sich gebietsweise leichter Dauerfrost ein. In die Südwesthälfte gelangt mit zeitweise auf Süd- bis Südwest drehender Strömung dagegen schubweise milde Meeresluft, was die Temperaturen teils auf zweistellige Werte ansteigen lässt. Allerdings kann sich zuvor bodennah eine flache Kaltluftschicht halten (Nachtfrost). Mit Tiefausläufern, die von Westen und Süden in abgeschwächter und zumeist okkludierter Form auf Deutschland übergreifen, kommt es zeitweise zu leichten oder mäßigen Niederschlägen. Die Mengen sind selbstredend unkritisch, allerdings kommt es im Übergangsbereich der Luftmassen bzw. bedingt durch flache Kaltluft wieder zu einem Phasenmischmasch. Dieser kann räumlich und zeitlich sehr variabel ausfallen. Da sich die Temperaturgegensätze zudem im Verlauf eher verschärfen und der Übergangsbereich modellseitig teils sehr unterschiedlich simuliert wird, gestaltet sich die Vorhersage schwierig.
Schnee fällt am Mittwoch regional in Teilen Norddeutschlands, in der Nacht zum Donnerstag mit einer V b-ähnlichen Entwicklung dann in der kompletten Nordosthälfte. Meist handelt es sich dabei um leichte Schneefälle, wenngleich stellenweise markante Neuschneemengen (>10 cm in 12 h) vor allem am Donnerstag nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. In der Südwesthälfte dominiert dagegen die flüssige Phase. Dabei besteht zeitweise die Gefahr vor Glatteis. Besonders am Mittwoch sowie im Laufe des Freitags können davon größere Bereich vom Südwesten und Süden bis zur (nördlichen und östlichen) Mitte betroffen sein, durchaus auch mit dem Potenzial für Unwetter. Komplett unkritisch ist der Niederschlag wahrscheinlich nur in tiefen Lagen im Westen und am Oberrhein. Zum Wochenende nimmt die Niederschlagsneigung tendenziell ab, wenngleich natürlich selbst bei schwachen Niederschlägen gerade im Nordosten weiter Glättegefahr besteht. Bleibt noch der Wind, der mit supergeostrophischer Verstärkung vor allem über dem Norden teils frisch aus Ost weht, mit stürmischen Böen an exponierten Küstenabschnitten. In Kammlagen des Süd- und Südwestdeutschen Berglandes sind zeitweise Sturmböen aus Südwest möglich.
In der erweiterten Mittelfrist zu Beginn der übernächsten Woche deutet sich der Aufbau eines blockierenden Rückens über dem grönländischen Bereich an (quasi retrograde Verlagerung der Blockierung). Das Hauptaktivitätszentrum der Tiefdrucktätigkeit verlagert sich von West- zunehmend nach Südwest- und Südeuropa. Dadurch neigt die Strömung bei uns ageostrophisch eher auf Ost bis Nordost zu drehen, was die Wahrscheinlichkeit eines Kaltluftvorstoßes erhöht. Ob dieser wirklich zustande kommt, und wenn ja, wie durchgreifend und markant dieser ausfällt, bleibt natürlich noch offen. Die Karten offenbaren aber so oder so eine synoptisch hochspannende Gesamtsituation mit gewaltigen Temperaturgegensätzen zwischen Südwest- und Nordosteuropa - und wir genau dazwischen!
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großräumige Entwicklung wird von IFS relativ konsistent simuliert. Bezüglich der konkreten Niederschlagsentwicklung, insbesondere, was die Niederschlagphasen betrifft, bestehen aber gewisse Unschärfen - wie bereits oben beschrieben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Globalmodelle zeigen bis zum Wochenende keine wesentlich von IFS abweichenden Szenarien. Es fällt allerdings auf, dass das blockierende Hoch über Nordosteuropa in GFS etwa stärker simuliert wird und die Kaltluft über Mitteleuropa besser gegen die milde Atlantikluft standhalten kann.
Zu Beginn der übernächsten Woche nähert sich nach GFS aus Osten sogar ein Kaltlufttropfen mit sehr kalter Luft. Auch in IFS und GEM sowie in den KI-Modellen (GFS Graphcast, AIFS ...) findet sich dieser "KLT", allerdings wird dieser durch die stärkere atlantische Tiefdrucktätigkeit über Osteuropa zurückgehalten oder eher nach Nordeuropa abgelenkt. Alle Modelle haben aber gemein, dass sich mit einer Art "südlicher Westlage" ein zunehmend scharfer Temperaturgegensatz zwischen Südwest- und Nordosteuropa einstellt - mit allerdings sehr unterschiedlichem Ausgang für Mitteleuropa.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
IFS-RAUCHFAHNEN:
Bis Sonntag sind die Rauchfahnen für 500-hPa-Geopotenzial und 850-hPa-Temperatur relativ eng gebündelt und der deterministische Lauf gut eingebettet. Im Nordosten zeigen sich ab Freitag zunächst nur vereinzelte Member mit bereits abstürzendem Geopotenzial und Temperatur.
Zu Beginn der übernächsten Woche nimmt der Spread dann aber deutlich zu. Vor allem nach Nordosten zu mehreren sich die Berechnungen mit starkem Temperaturrückgang, sodass man dort insgesamt von einer quasi-Pattsituation zwischen eher konservativer Temperaturentwicklung und Kaltlufteinbruch sprechen kann. Dies manifestiert sich auch in den "Box-Plots" für die 2-Meter-Temperatur. Zwischen dem 75- und 25-%-Perzentil der Höchsttemperatur liegen schon am Montag 15 Kelvin (+5 bis -10 °C)! Nach Südwesten zu überwiegen dagegen die Member mit konservativer Temperaturentwicklung, teils sogar Tendenz zur neuerlichen Milderung (75 %: +12 °C, 25 %: +2 °C). Der deterministische Lauf nimmt hier eine mittlere, zur Wochenmitte sogar eine obere Position ein. Im Nordosten bewegt er sich in der Nähe des Medians, der aber angesichts der enormen Streuung aber wenig Aussagekraft hat.
CLUSTER:
Alle Cluster in allen Zeiträumen werden dem Regime "NAO negative" zugeordnet. Das hat Seltenheitswert und unterstreicht die zumindest großräumige sichere Entwicklung.
Im Zeitraum +72-96 h (Mi/Do) werden zwar ganze sechs Cluster gebildet, die mit Fokus auf Deutschland aber keine nennenswerten Unterschiede aufweisen. Im Zeitraum +120-168 h (Fr-So) sind es dann nur noch drei Cluster, die sich hinsichtlich der genauen Position und Ausprägung von blockierendem Hoch und den Tiefs über West- und Südeuropa unterschieden. In C1 (25/51 Member) hält das blockierende Hoch mit Schwerpunkt über Skandinavien etwas erfolgreicher mit Kaltluft gegen die Tiefs stand. In C2 (14/51), vor allem aber in C3 (12/51) greifen die Tiefs verstärkt mit milderer Luft bis auf Mitteleuropa über. Sowohl im Zeitraum +192-240 h als auch im Zeitraum +264-360 h steht nur ein Cluster zur Auswahl, was einerseits erstaunlich ist, da es gerade mit Fokus auf Mitteleuropa größere Unsicherheiten gibt, aber andererseits auch aufzeigt, dass die grobe Marschrichtung (anhaltend negative NAO-Phase mit Blockierung über Nordeuropa bzw. dem Nordatlantik und Grönland) steht.
FAZIT:
Auch mittelfristig nimmt Deutschland eine eher undankbare Position zwischen den Stühlen ein. Blockierende Hochs über Nordost- und Nordeuropa führen fortwährend bodennah Kaltluft in den Nordosten, während atlantische Tiefs mit milderer Luft von Südwesten zunächst zunehmend erfolgreich dagegenhalten. Entlang des an Schärfe gewinnenden und modellseitig teils noch recht unterschiedlich simulierten Übergangsbereiches muss mit einem regional und zeitlich sehr variablen und damit schwer vorhersagbaren Phasenmischmasch gerechnet werden. Bezüglich Glatteises besteht Unwettergefahr, vor allem am Mittwoch und am Freitag.
Daran ändert sich auch in der erweiterten Mittelfrist zur übernächsten Woche prinzipiell nicht viel, wenngleich sich die Wahrscheinlichkeit eines kräftigeren Kaltluftvorstoßes mit quasi retrograder Verlagerung des blockierenden Hochs und reger Tiefdrucktätigkeit über Südwest- und Südeuropa tendenziell und vor allem im Nordosten erhöht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GLATTEIS (auch UNWETTER):
Insbesondere von Mittwoch bis Freitag greifen von Südwesten wiederholt Niederschläge über, die teils als gefrierender Regen niedergehen. Die Vorhersage ist sehr unsicher, allerdings besteht vor allem am Mittwoch, eventuell auch am Freitag erhöhtes Unwetterpotenzial, bevorzugt vom Süden und Südwesten bis zur nördlichen und östlichen Mitte.
SCHNEE:
Weiter nach Norden und Nordosten fällt weitestgehend Schnee, meist aber nicht in markanter Ausprägung.
In der Nacht zum Donnerstag und Donnerstag tagsüber breiten sich von Süden und Südosten häufiger und teils auch mäßige Schneefälle auf die Nordosthälfte aus. Besonders in den Alpen sowie in Teilen Süddeutschlands sind markante Neuschneemengen (>10 cm/12 h) nicht ausgeschlossen.
STURM:
An der See ab Mittwoch zunehmend auffrischender Ostwind, dabei exponiert bei auflandigem Wind zeitweise Sturmböen 8-9 Bft.
Vor allem am Freitag und am Samstag auch in den Kammlagen der südwestdeutschen Mittelgebirge und in den Alpen Sturmböen 8-9 Bft wahrscheinlich, dort aber aus Südwest.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS det. +EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm





