Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 04.05.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrW (Trog Westeuropa)

Tiefdruckrinne mit zeitweiligen Regenfällen und Gewittern. Gebietsweise größere Regenmengen wahrscheinlich, Details aber noch unscharf.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag... sind wir angekommen in der konvektiven Saison 2026. Bereits am zurückliegenden Wochenende hat es im Westen und Nordwesten die ersten, teils kräftigen Überentwicklungen gegeben und es sieht nicht so aus, als wenn mit Beginn der neuen Wochen damit schon wieder Schluss wäre. Wenn man so will hat es sich "eingesumpft" über Deutschland: geringe Luftdruckgegensätze in Form einer breitgelatschten, von Nordeuropa bis zur Iberischen Halbinsel/westliches Mittelmeer reichenden Tiefdruckrinne, gefüllt mit mehr oder weniger feuchter und potenziell instabiler Subtropikluft und dazu eine schwache südwestliche Höhenströmung vorderseitig eines Troges mit integriertem Höhentief über UK/Irland bzw. der Biskaya. Komplettiert wird das Setup durch eine diffuse Luftmassengrenze, die heute als schleifende Kaltfront sehr weit im Norden (Nordseeküste) liegt und in den nächsten Tagen nur sehr langsam (auf alle Fälle langsamer als in zurückliegenden Prognosen angenommen) Boden nach Südosten hin gutmacht. Damit sind die groben Rahmenbedingungen abgesteckt und es kann losgehen mit der Detailentwicklung, die sich - so viel sei an dieser Stelle schon verraten - bisweilen als diffizil und nicht immer ganz eindeutig entpuppt. Eigentlich typisch für antriebsschwache Lagen, aber nun, was soll man machen. Es folgt der Versuch einer Chronologie, ohne Garantie und nicht immer im Indikativ.

Heute Morgen geht´s eigentlich ziemlich beschaulich los. Teils bewölkt, teils aufgelockert, dazu nach Osten hin einige Schauerreste aus der Nacht, die sich im Laufe des Vormittags verflüchtigen. Spätestens dann sollte sich unser Blick auf die andere Seite der Republik richten, genauer in den Südwesten. Schon jetzt ist über Frankreich ein fragiler, konvektiv durchsetzter, aber kaum elektrischer Regenkuchen erkennbar, der seinen Antrieb offensichtlich ausgeprägter Höhendivergenz im Bereich der dort diffluenten Vorderseite zu verdanken hat. Der Regenkuchen zieht und zwar genau in Richtung Saarland und RP, wo er am späten Vormittag/frühen Mittag eintreffen wird. Von dort geht´s dann weiter nach NRW und auch Teile Hessens bekommen was vom Kuchen ab. Dabei gilt, je weiter der Tag fortgeschritten ist, desto wahrscheinlicher werden auch Gewitter - entweder eingelagert, wahrscheinlicher aber am nördlichen Rand respektive etwas nach Norden abgesetzt davon, wo sich eine Windkonvergenz herauskristallisiert (N/NW vs. W/SW). Subsummiert man die zahlreichen numerischen Prognosen, so scheinen NRW, Nordhessen und das südliche NDS die Gebiet mit der höchsten Gewitteranfälligkeit zu sein. Weiter nördlich ist die von der Nordsee einfließende Luft wahrscheinlich zu stabil und auch trockener, nach Osten hin könnte sich die antizyklonale Kontur der Höhenströmung als Hemmnis entpuppen. Im Vordergrund begleitender Parameter steht ganz klar der Starkregen, was auch von der Numerik meist in Form kleiner Hotspots angezeigt wird. Die PPW liegen z.T. etwas über 25 mm, die Zuggeschwindigkeit ist eher mau (wenn auch vorhanden), die Gefahr von Mehrfachtreffern real. Kurzum, Mengen bis 25 l/m² innert kurzer Zeit oder bis zu 35 l/m² in wenigen Stunden sind lokal durchaus als wahrscheinlich anzusehen, noch höhere Mengen (Unwetter) nicht ausgeschlossen. Aufgrund stark limitierter CAPE- und Scherwerte dürfte Hagel allenfalls klein ausfallen (Anfangsstadium) und auch beim Wind/Sturm brauchen wir uns wohl keine großen Sorgen machen (kaum Höhenwind, keine gute Organisation). Mehr als eine Böe 7 Bft scheint nicht besonders wahrscheinlich.

Der zweite Brandherd befindet sich südlich der Donau, wobei dieser im Gegensatz zum Westen eher potenzieller Natur ist. Labil genug ist die dort lagernde Warmluft (T850 um 14°C) allemal, doch reicht auch der latente Energieanteil? Etwas abgesetzt vom Alpenrand (dort sehr trocken) liegt das PPW um 20 mm, was mit Hilfe vorheriger Einstrahlung immerhin ausreicht, einige hundert Joule pro Kilogramm CAPE zu generieren. Die überlagerte Höhenströmung ist stark antizyklonal konturiert, so dass von dort genauso wenig ein Impuls zu erwarten ist wie von den Alpen, die etwas zu weit weg liegen. Was in Frage kommt sind z.T. orografisch induzierte Windkonvergenzen innerhalb der flachen Druckverteilung (Andeutungen eine flachen Leetiefs sind vorhanden) sowie die Voralpen selbst. Fakt ist, dass sich die Modelle noch nicht darüber einig sind, ob ausgelöst wird oder nicht. Wenn ja, dann gilt es aufgrund der trockenen Grundschicht mit inverser V-Struktur vornehmlich auf den Wind zu schauen, wo Böen bis Stärke 9 Bft keine Überraschung wären (selbst eine "10" kann nicht ausgeschlossen werden). Für größeren Hagel mangelt es an ausreichend CAPE, während Starkregen bei einem mit 15 l/m²/h sehr niedrig angesetzten Kriterium eigentlich nie ganz ausgeschlossen werden kann.

Bliebe nur noch zu erwähnen, dass die meiste Sonne heute in der SO-Hälfte zu erhaschen ist, wo es mit bis zu 28°C (Ostbayern) auch am wärmsten wird. Am frischesten der äußerste Norden und Nordwesten, wo Nordseeluft und Bewölkung einen Sprung über die 20°C-Marke verhindern.

In der Nacht zum Dienstag zieht das konvektive Regengebiet relativ weit nach Norddeutschland rein. Weitgehend ausgespart bleiben voraussichtlich nur der unmittelbare Küstensaum von Nord- und Ostsee sowie Teile SHs. Gewitter- und Starkregenwahrscheinlichkeit nehmen ab, gleichwohl könnte es gerade in der ersten Nachthälfte noch für einige Einfärbungen auf der Warnkarte reichen. Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass auch im Süden (neben den o.e. Gewittern auch neue Schauer aus Frankreich) noch konvektive Elemente in Richtung Mitte unterwegs sind. Die Gewitterwahrscheinlichkeit nimmt dabei ab, je nach Vorgeschichte könnten zumindest in der ersten Nachthälfte aber noch einzelne am Start sein (Ostbayern). Dort, wo es nach Abzug der Regenfälle/Schauer mal für längere Zeit aufreißt, kann sich hier und da Nebel bilden (vor allem Westen/Süden). Mit Tiefstwerten zwischen 13 und 8°C wird die Nacht vergleichsweise mild. Nur ganz im Norden, im schleswig-holsteinischen Binnenland sind Minima um 5°C mit einer geringen Wahrscheinlichkeit für leichten Frost in Bodennähe drin.

Dienstag... ändert sich gar nicht mal so viel an der Gesamtsituation. Die südwestliche Höhenströmung bleibt schwach und nach Südosten hin antizyklonal konturiert. Trotzdem, aufgrund ihrer diffluenten und im Tagesverlauf zumindest nach Westen hin zunehmend indifferenten bis zyklonalen Struktur fungiert sie nicht komplett als konvektiver Spielverderber. Wichtiger diesbezüglich scheint aber die Tatsache, dass sich die Tiefdruckrinne besser formiert und nicht mehr ganz so amorph daherkommt wie heute noch. Zur Mittagszeit erstreckt sie sich weitgehend zonal exponiert von der Bretagne über die Mitte Deutschland gen Osten. Am nördlichen Rand liegt dann irgendwo die weiterhin nicht klar definierte, eher diffus daherkommende Luftmassengrenze, die bis dahin immerhin ein Stück landeinwärts vorangekommen ist. Mit Winddrehung auf Nordost wird rückseitig eine Portion abgetrockneter maritimer Polarluft (m/xP) advehiert, in der die Tageshöchsttemperatur gerade mal 11 bis 15°C erreicht. Vor allem an den Küsten und den vorgelagerten Inseln wird man dafür aber mit einigen Sonnenstunden entschädigt, während mit jedem Kilometer weiter landeinwärts deutlich mehr Wolken im Spiel sind und zudem auch noch die Regenfälle aus der Nacht getilgt werden müssen, was sich an einigen Stellen bis weit in den Nachmittag reinziehen kann.

Das hauptsächliche Wettergeschehen spielt sich morgen weiter südlich ab, wenn auch vornehmlich erst in der zweiten Tageshälfte. Los geht´s im Laufe des Vormittags mit einem neuen konvektiven Regenkuchen, der von Ostfrankreich und der Ostschweiz her die südwestlichen Landesteile erfasst und sich in der Folge bis zu westlichen Mitte ausbreitet. Gewittrige Einlagerungen sind nicht ausgeschlossen, doch ist weit wahrscheinlicher, dass sich ab Mittag von Südwesten bis hinüber in die östliche Mitte vermehrt tagesganggetriggerte Überentwicklungen bilden. Das Feuchtemaximum (PPW über 25 mm, spez. Grundschichtfeuchte um 10 g/kg) erststreckt sich vom Norden BaWüs über Franken bis hinüber nach Sachsen bzw. ins südliche BB. Auch wenn die Labilität in diesem Korridor nicht überbordend ist, reicht es mit Hilfe vorheriger Einstrahlung ausreichend CAPE zu generieren (in der Spitze 500 bis 800 J/kg). Kurzum, am Nachmittag entwickeln sich vermehrt Gewitter, nicht besonders gut organisiert mit Hang zur Verclusterung bzw. Multizellenbildung. Starkregen (ei-/mehrstündig) steht einmal mehr ganz oben auf der Agenda, meist markant und nicht zwingend nur an Gewitter gebunden, Unwetter lokal möglich. Wenig bis nichts passieren wird wahrscheinlich in großen Teilen Oberbayerns, wo die Warmluft durch Überströmung der Alpen gerade im unteren Bereich zwar am labilsten, auf der anderen Seite aber auch stark abgetrocknet ist (trockene Grundschicht bis ca. 700 hPa), so dass so gut wie kein CAPE generiert werden kann. Da nutzt es auch nicht viel, dass sich am östlichen Alpenrand mit diabatischer Unterstützung ein flaches Leetief bildet. Mit bis zu 26 oder 27°C wird es im Südosten Bayerns auch am wärmsten, während sonst im Süden und der östlichen Mitte 19 bis 24°C und im Rest (der Norden wurde bereits erwähnt) 14 bis 19°C auf der Karte stehen.

In der Nacht zum Mittwoch steht nicht etwa eine Wetterberuhigung an. Vielmehr mehren sich die Hinweise, dass sich die Tiefdruckrinne im Bereich der nördlichen Mitte noch etwas besser formiert und dabei auch harmonischer mit der Luftmassengrenze interagiert. Hinzu kommt eine bessere Zyklonalität der weiterhin diffluenten südwestlichen Oberströmung, weil der Trog dichter an den Vorhersageraum heranrückt. So verändert sich das am Abend noch recht diffuse und unorganisiert daherkommende Niederschlagsgeschehen dahingehend, dass sich mit jeder Stunde Richtung Morgen ein gut definierter Regenkorridor ausbildet, der einmal quer über Deutschland von NRW und dem nördlichen RP bis hinüber nach Sachsen und BB verläuft. Zwar gibt es noch Unschärfen hinsichtlich der genauen Positionierung und Intensität der Niederschläge. Es scheint aber unstrittig, dass sich ein solcher Regenkorridor tatsächlich ausbildet. Akkumuliert über 12 Stunden können dabei in der Basis herzlich willkommene 10 bis 25 l/m² und mit Hilfe konvektiver Einlagerungen in Hotspots vielleicht sogar 30 oder 40 l/m² zusammenkommen. Hier ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen, da man abwarten muss, wie schnell sich die Gewitter abschwächen. Fakt ist, dass die Schauer im Süden immer weiter nachlassen und dass der äußerste Norden (nördliches NDS, SH/HH, nördliches MV) in postfrontaler Polarluft trocken bleiben. Dabei besteht im Binnenland SHs erneut eine geringe, lokal sehr begrenzte Wahrscheinlichkeit für Frost in Bodennähe.

Mittwoch... ändert sich zunächst nicht viel an der Ausgangslage. Im Bereich der nur langsam südwärts vorankommenden Rinne bzw. der schleifenden Kaltfront (gemeint ist die o.e. Luftmassengrenze) fällt weiterer Regen, der sich im Tagesverlauf aber mehr und mehr abschwächt. Außerdem soll das Regenband immer schmaler werden. Stattdessen setzt wieder vermehrt Konvektion ein, wobei sich bei aller noch gebotenen Unschärfe zwei Areale herauskristallisieren sollen. Einmal in der Mitte am Südrand des alternden Regenbands, dort, wo die Windkonvergenz am ausgeprägtesten ist. Und dann im Süden, entweder aus dem Bergland heraus oder als Importgewitter aus den Alpen bzw. der Schweiz. Die Qualität der Gewitter ist schwer einschätzen. Ein gewisser Substanzverlust der Luftmasse lässt sich nicht leugnen, was vor allem dem Rückgang der Feuchte geschuldet ist. Offensichtlich wird von Norden her sukzessive trockenere Luft eingemischt, was den Anteil latenter Energie und somit das zur Verfügung stehende CAPE kleiner werden lässt. Ohne in die Tiefe zu gehen sollten wir von "gelben" bis markanten Gewittern ausgehen, bei denen Starkregen, kleiner Hagel und Böen 7-8 Bft auftreten können.

Die Sonne zeigt sich am ehesten im Südosten (Teile Bayerns) sowie im äußersten Nordwesten. Vor allem an der Nordsee besteht erhöhte Sonnenbrandgefahr, weil der kühle und lebhafte Nordwind (Böen 6-7 Bft) nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass das Angebot solarer Strahlung enorm hoch ist. Insgesamt wird es kühler im Land mit 12 bis 16°C in der Nord- und 16 bis 23°C in der Südhälfte.

Die Nacht zum Donnerstag bringt vor allem im Süden und in der Mitte weitere konvektiv durchsetzte Regenfälle und auch Gewitter. Wo genau und wie stark bleibt abzuwarten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle geben sich alle Mühe, die nicht ganz trivialen, weil schwammigen atmosphärischen Vorgänge für uns Nutzer brauchbar abzubilden. Im Großen und Ganzen gelingt das auch, was freilich finale Fragen zur Konvektion und zum allgemeinen Niederschlagsgeschehen nicht beantwortet. Die Entwicklung heute müssen wir auf uns zukommen lassen und in situ abwarnen, während für den Stark-/Dauerregen ab der Nacht zum Mittwoch die Hoffnung besteht, im Laufe des Dienstags eine prophylaktische Warnung ausgeben zu können.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann