Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 05.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Von Westen her zwar allmählich beginnender Abbau der Hochdruckbrücke, trotzdem am Dienstag in weiten Landesteilen nochmal Spätsommer vom Feinsten.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland am warmen und zunächst noch antizyklonal konturierten Rand der Frontalzone, die vom nahen Atlantik west-nordwestlich Irlands über Südskandinavien bis zum Baltikum verläuft, wo sie zunehmend an Struktur einbüßt und auseinanderfleddert. Bezogen auf das Geopotenzial bedeutet das für den Vorhersageraum gradientschwache Bedingungen mit nur wenige Isohypsen. Nicht wesentlich anders sieht es im Bodendruckfeld aus, das nach wie vor von einer zonal exponierten, brückenartigen Hochdruckzone geprägt ist (DIETER, BORCHERT und ein bisschen CORTE). Die Zone erstreckt sich vom nahen Atlantik bis zum Schwarzen Meer und sogar noch etwas darüber hinaus. Gradient ist auch hier ein Fremdwort, lediglich im äußersten Norden des Landes sind die Luftdruckgegensätze zwischen der Brücke und einem Sturmtief knapp westlich der Lofoten etwas schärfer, so dass heute Nachmittag vor allem an und auf Nord- und Ostsee ein etwas flotterer Südwestwind wehte mit vereinzelten 7er-Böen an exponierten Abschnitten der nordfriesischen Küste sowie am Kap Arkona.
Nicht ohne Erwähnung soll hier unser gestriges "Überraschungsei" bleiben, zumal wir später nochmal drauf zurückkommen werden müssen. Das kleine Höhentief hat ja vergangene Nacht und heute Morgen als Kaltlufttropfen (KLT) Teile BaWüs und Bayerns überquert und dabei für Gewitter und schauerartigen Regen gesorgt. An einer winzigen Stelle ist dem "Ei" dabei tatsächlich eine echte Überraschung gelungen. An der auf 900 m gelegenen Station Meßstetten-Appental (Schwäbische Alb) fielen nach Mitternacht binnen weniger Stunden 57 l/m² und aufsummiert über die ganze Nacht (12 h) 72 l/m². Offensichtlich kamen hier mehrere "begünstigende" Faktoren zusammen: die äußerst pomadige Progression des KLTs, quasistationärer, sich immer wieder regenerierender Regen, elektrische Mehrfachtreffer (Gewitter) sowie vielleicht auch noch ein wenig Orografie. Auf alle Fälle kamen nah und fern benachbarte Messstationen bei weitem nicht an diese imposante Zahl heran. Inzwischen hat der KLT den Alpenhauptkamm südwärts überquert und Oberitalien erreicht, wo er - so hat es aktuell zumindest den Anschein - ein wenig orientierungslos herumirrlichtert. Bis zum Morgen soll er aber ein festes Plätzchen irgendwo im (oder besser oberhalb) Bereich zwischen Venetien und Emilia-Romagna gefunden haben.
Kommen wir nun zur bevorstehenden Nacht zum Dienstag auf deutscher Seite, die ziemlich rasch abgehandelt ist. In den meisten Regionen starten wir gering bewölkt oder klar, bevor sich aufs Neue die obligatorischen, teils dichten Nebelfelder bilden. Davon ausgenommen ist der äußerste Norden, wo von der Nordsee und Dänemark her allmählich dichte Wolken reindriften, aus denen hier und da sogar ein paar Tropfen Regen oder Nieselregen fallen können. Absender der Wolken ist übrigens die Kaltfront des o.e. Lofotentiefs, die der Deutschen Bucht zwar immer näherkommt, aufgrund ihres schleifenden, zur Wellenbildung neigenden Charakters das nordwestdeutsche Binnenland aber (noch) nicht erreicht. Leichter Druckfall innerhalb der Hochdruckzone sorgt dafür, dass der Gradient in Küstennähe beginnt aufzuweichen, wodurch der Südwest- bis Westwind wieder schwächer wird.
Während es in Norddeutschland unter den Wolken mit 16 bis 11°C ziemlich mild bleibt, kühlt es in den übrigen Landesteilen z.T. ganz ordentlich ab. Konkret geht die Temperatur im zentralen und östlichen Mittelgebirgsraum sowie zwischen Main und Donau nicht selten auf unter 5°C zurück. Zwar wird die Lufttemperatur in 2 m Höhe wahrscheinlich noch das Plus halten (vielleicht von ganz wenigen prädestinierten Kältelöchern abgesehen), am Boden dürfte es hier und da aber schon für leichten Frost reichen.
Dienstag ... nimmt die Weichenstellung für die am Mittwoch beginnende, in ihrem Hauptakt aber erst am Donnerstag stattfindende Wetterumstellung erkennbare Züge an. Hauptpunkt dürfte der Druckfall über Westeuropa sein, der den Abbau der Hochdruckzone in ihrem Westteil zur Folge hat. Über der Biskaya lässt sich morgen Mittag gar ein flaches Tief detektieren (knapp unter 1015 hPa), aus der sich zum Mittwoch hin eine langgestreckte, von der Nordsee bis zum westlichen Mittelmeer reichende Rinne entwickelt. Auch das beginnende Mäandrieren der Frontalzone in Folge eines Downstream Developments mit einsetzender Austrogung über UK/Irland stellt ein untrügliches Zeichen einer bevorstehenden Änderung der GWL dar.
Bevor es aber soweit ist, erleben wir morgen nochmal einen über weite Strecken spätsommerlich geprägten 6. Oktober, an dem sich nach z.T. etwas schleppender Nebelauflösung die Sonne alle Mühe gibt, uns einen sehr milden bis warmen Nachmittag zu bescheren. 20 bis 24°C stehen auf der Karte und es würde mich nicht wundern, wenn vereinzelt sogar ein Sommertag mit 25,X°C geschrieben wird. Etwas hinter der Musik herlaufen tut - man möchte einflechten fast schon traditionell - der Norden, namentlich der Küstenraum und Teile der Norddeutschen Tiefebene. Zwar wird die Kaltfront weiterhin von flachen Wellen u.a. über der Nordsee und unweit von UK/Irland in ihrem Vorankommen gestört. Trotzdem nimmt die Wolkenzufuhr gegenüber heute merklich zu und gerade im Umfeld der Küsten kann es mitunter leicht regnen oder nieseln. Mit 17 bis 20°C wird es auch nicht so warm wie weiter südlich, aber auch alles andere als kalt.
Kurz noch einen Ausflug in den äußersten Süden der Republik, wo es den weiter oben im Bulletin geöffneten Kreis zum Thema "KLT" zu schließen gilt. So scheint das kleine Höhentief den Entschluss zu fassen, nicht irgendwo in den Tiefen der Adria oder des Balkans zu verschwinden. Nein, im Laufe des Tages wird ein Nord-Nordwestkurs erneut Richtung Alpen eingeschlagen, nur dieses Mal von Süden. Damit wird auch mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Unberechenbarkeit solcher Höhentiefs mitnichten eine Mär ist. Sie machen halt, was sie wollen. Das abendliche Ziel scheint irgendwo im Großraum Graubünden-Vorarlberg-Westtirol zu liegen, bevor es in der Nacht zum Mittwoch weitergeht in Richtung Altbayern. Unberechenbarkeit hin, Überraschung her, es sollte uns nicht wundern, wenn ab dem Nachmittag irgendwo in Alpennähe - Stand jetzt eher zwischen Allgäu und Werdenfelser Land als weiter östlich - neben vereinzelten Schauern auch ein Gewitter evtl. mit Starkregen an den Start geht. Und wenn es tagsüber nicht reichen sollte, gibt´s ja noch die Nacht, wo es ähnlich wie in der vergangenen Nacht zu einer erneuten (abgehobenen) Labilisierung der Luftmasse kommt. Allerdings sieht es so aus, dass nicht mehr ganz so viel Wasserdampf in der Luftsäule zur Verfügung steht wie heute Morgen. Kurzum, wir können an dieser Stelle noch ad infinitum Argument pro und contra austauschen, am Ende werden wir sehen, wo´s langgeht. Vielleicht bringen die nächsten Modellsimulationen ja sogar gänzlich neue Erkenntnisse auch hinsichtlich der Zugbahn, wer weiß.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... wird auf die Übersicht von heute Morgen verwiesen.
Modellvergleich und -einschätzung
Der Fahrplan steht und dürfte auch weitgehend eingehalten werden, was in Deutschland ja keine Selbstverständlichkeit ist. Ob im Süden das "Überraschungsei" ab Dienstagabend zum zweiten Mal für eine "Überraschung" gut ist, bleibt abzuwarten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 05.10.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig mit wiederholten Niederschlägen. Anfangs recht kühl, ab dem Wochenende langsam etwas ansteigende Temperaturen.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 12.10.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Donnerstag befindet sich über dem Atlantik sowohl in der Höhe als auch am Boden ein umfangreiches Hochdruckgebiet, das am Boden auch einen Keil bis ins Europäische Nordmeer aufweist. Über Mitteleuropa und Südschweden liegt hingegen ein rinnenförmiges Tief, welches von einem Kurzwellentrog über der Nordsee und Frankreich gestützt wird. Die dazugehörige Kaltfront hat bereits die Nordwesthälfte mit recht kräftigen Regenfällen erfasst. Im Tagesverlauf verlagert sich das Tief nordostwärts zur mittleren Ostsee, die Kaltfront zieht ostwärts über Deutschland hinweg und kommt nur an den Alpen etwas ins Schleifen. Rückseitig kommt es mit Unterstützung des Trogs, der am Abend mit seiner Achse über der Nordwesthälfte Deutschlands liegt, zu Schauern und einzelnen Gewittern an der Küste (Rückseitenwetter). Die Kaltfront bringt deutlich kühlere Luft nach Deutschland, sodass die Höchstwerte nur noch bei 10 bis 15 Grad liegen.
In der Nacht zum Freitag tropft ein Teil des Kurzwellentrogs über Norditalien ab, während der nördliche Teil nach Polen abzieht. Ein Ableger des Hochs sorgt kurzzeitig für Wetterberuhigung. Doch schon am Mittag erreicht eine neue Front, die zu einem Tief östlich von Island gehört, den Nordwesten mit Niederschlägen. Am Abend und in der Nacht zum Samstag erfasst die Front große Teile Deutschlands mit Regenfällen.
Am Samstag bleibt uns das unbeständige Wetter erhalten, wenngleich die Temperaturen geringfügig ansteigen. Das Tief zieht zur nördlichen Nordsee; auch in der Höhe macht sich ein flacher Trog bemerkbar. Die Front liegt noch über Deutschland, wenngleich die Modellunterschiede zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich zunehmen, was Einfluss auf die Verteilung der Niederschlagsschwerpunkte hat.
Am Sonntag kommt Deutschland zwar allmählich auf die Rückseite des Höhentrogs und am Boden macht sich schwacher Hochdruckeinfluss bemerkbar. Wirklich störungsfrei wird sich das Wetter aber nicht gestalten, da ein Tief über Südskandinavien Deutschland noch beeinflusst. Die Temperaturen steigen vor allem im Südwesten wieder etwas an und kratzen dort wieder an der 20-Grad-Marke.
Am Montag wölbt sich ein flacher Rücken über Mitteleuropa auf und auch am Boden ist schwacher Hochdruckeinfluss zu erkennen. Dies scheint aber nicht von Dauer zu sein, denn ein umfangreicher Tiefdruckkomplex befindet sich über dem nördlichen Nordatlantik. Schon am Abend oder in der Nacht zum Dienstag greift ein neuer Tiefausläufer auf den Nordwesten über.
Auch in der erweiterten Mittelfrist bleibt uns eine eher zonal geprägte Strömung erhalten, mit der immer wieder Tiefs und ihre dazugehörigen Frontensysteme auf Mitteleuropa übergreifen. Tendenziell scheint aber der Süden Deutschlands häufiger von Zwischenhocheinflüssen zu profitieren als dies im Norden der Fall ist.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Prognose-Unsicherheiten nehmen schon recht frühzeitig zu. Der Kurzwellentrog tropfte in den beiden Vorläufen in der Nacht zum Freitag nicht ab. Das hat zur Folge, dass nun das Trog-Residuum schneller ostwärts abzieht als der Trog in den Vorläufen. Auch das neue Frontensystem am Freitag kommt daher früher rein. Am Wochenende gleichen sich die grundlegenden Strömungskonfigurationen vorübergehend wieder an, wobei die Tiefdrucktätigkeit über dem nördlichen Nordatlantik noch von Lauf zu Lauf unterschiedlich simuliert werden. Am anfangs nassen und kühlen und später leicht unbeständigem und wieder geringfügig milderem Wetter hegen die letzten Modellläufe aber wenige Zweifel.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch ICON und GFS haben den Abtropfvorgang des Kurzwellentrogs in der Nacht zum Freitag nicht auf der Agenda, sodass dies eher als Einzellösung des heutigen IFS-Laufs angesehen werden kann. Das nachfolgende Frontensystem am Freitag / Nacht zum Samstag weist noch Timing-Unterschiede auf. Grundlegend wird die großräumige Strömungskonfiguration von den Modellen aber einheitlich simuliert, wenngleich bei den Details Unsicherheiten bestehen, die ab dem Wochenende weiter zunehmen.
FAZIT:
Eine markante Kaltfront leitet mit kräftigen Niederschlägen am Donnerstag einen kühleren Wetterabschnitt ein. Meist werden nur noch herbstliche 10 bis 16 Grad erreicht. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag folgt schon der nächste Tiefausläufer mit Regenfällen. Auch am Wochenende setzt sich das unbeständige Wetter fort, wenngleich die Niederschlagsneigung etwas abnimmt und die Temperaturen wieder geringfügig ansteigen. Ruhiges Hochsommerwetter ist auch in der kommenden Woche eher nicht zu erwarten.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Bei den Rauchfahnen sind die zwei Trogdurchgänge am Donnerstag (KWT) und Samstag (flacher LWT) zu erkennen, wobei die Unsicherheiten bei letzterem schon deutlich größer werden. Danach geht das Geopotential zwar im Mittel wieder nach oben, jedoch mit einem großen Spread. Letzterer ist auch bei den Temperaturen erkennbar, wobei auch da die meisten Member nach oben gehen. Zuvor ist die markante Kaltfront am Donnerstag gut erkennbar sowie eine zweite "Delle" am Sonntag. Die Kaltfront- und Trogdurchgänge sind auch bei den Niederschlagspeaks (Donnerstag, Samstag) zu erkennen. Nachfolgend bleiben aber auch einige Regenausschläge vorhanden, wenn auch mit vergleichsweise geringen Mengen. Durchgreifend ruhiges Hochdruckwetter ist also eher nicht zu erwarten.
Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h stolze sechs Cluster angeboten, die aber alle entweder einer positiven NAO oder einem Atlantic-Ridge zugeordnet werden. Letztere zeigen bei den Rossby-Wellen stärkere Amplituden, während bei denen mit positiver NAO eher zonale Bedingungen dominieren. Auf den allgemein unbeständigen Wettercharakter über Mitteleuropa hat dies aber keinen allzu großen Effekt.
In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden nur noch drei Cluster angeboten, wobei Cluster 1 (29 Member) und 3 (9 Member) weiterhin bei einer positiven NAO bleiben, während Cluster 2 (13 Member) zu einem Blocking übergeht. Dies liegt an einem Keil, der sich von den Azoren über Westeuropa bis zum Europäischen Nordmeer erstreckt. Dieser wird in den beiden anderen Clustern nicht oder nicht so intensiv simuliert. Nach einem dauerhaften Blocking sieht das aber nicht aus.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Vor allem an den Küsten und auf exponierten Bergen ist es windig, zeitweise mit stürmischen Böen.
DAUERREGEN:
Am Donnerstag regnet es gebietsweise kräftig. Vor allem in Staulagen des Schwarzwalds und an den Alpen werden voraussichtlich Warnschwellen überschritten. Auch in den westlichen Mittelgebirgen gibt es geringe Signale für markanten Dauerregen. Aufgrund der niedrigen Pegelstände ist der Regen allerdings eher ein Segen als dass negative Auswirkungen zu erwarten wären. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag greift voraussichtlich ein neues Frontensystem mit Regenfällen über. Ob dann erneut Warnschwellen erreicht werden, ist noch sehr unsicher. Es gilt aber weiterhin, dass die Auswirkungen auf die Natur eher positiv wären und Gefahren für die Infrastruktur nicht zu erwarten sind.
GEWITTER:
Am Donnerstag kann es rückseitig der Front in Küstennähe einzelne kurze Gewitter mit stürmischen Böen geben.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, ICON, ICON-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel





