Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 19.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Etwas unsicher, Tendenz zu Hoch Mitteleuropa (HM), auch wenn's nicht 100% passt.
Im Süden und in der Mitte heiß bis sehr heiß, von Nordwesten im Verlauf wieder etwas weniger heiß. Dabei regional Gewittergefahr mit teilweise erhöhtem Unwetterpotential.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Am heutigen Freitag... liegt Deutschland unter einem kräftigen Höhenrücken, dessen Hauptachse in etwa über dem Osten unseres Landes liegt. Dabei sorgt weiterhin anhaltende Zufuhr von Warmluft auch am heutigen Tag für weiteren Geopotentialaufbau, wobei sich aber die Lage des Rückens kaum ändert. Die Warmluftzufuhr manifestiert sich darin, dass in 850 hPa heute Mittag über dem Süden Deutschlands 20°C erreicht werden sollen, doch auch im äußersten Norden und Nordosten werden es schon in etwa 14 bis 16°C.
Eine weitere Eigenschaft der Höhenströmung ist, dass sie zwar prinzipiell antizyklonal konturiert ist, aber dennoch leicht flatterhaft daherkommt, sprich, es ziehen sehr schwache Kurzwellentröge über den Rücken hinweg, die vor allem im Nordwesten auch mal vorübergehend etwas Hebung generieren können. Die Entstehung dieser Kurzwellentröge ist primär durch Gewitterkomplexe initiiert, aber diese Tröge pflanzen sich auch nach dem Absterben der Gewitter weiter fort und können später wieder neue Gewitterkomplexe begünstigen.
Bodennah wird ein flaches Hoch über Südosteuropa durch den Höhenrücken gestützt, während südlich Islands ein Tiefdruckgebiet liegt. Die bei uns vorliegende Druckkonstellation sorgt primär für schwache, tagsüber auch mal mäßige Winde um Süd. Sie wird aber durch unterschiedlich starke Einstrahlung und die oben erwähnten Gewitterkomplexe immer wieder leicht modifiziert, so dass der Wind auch mal etwas drehen kann. Über dem Nordosten deutet sich an, dass sich eine Konvergenz oder ein flaches Tief bilden kann, was natürlich für die Auslösung von Gewittern förderlich wäre.
Diese ziehen aktuell (in markanter Stärke über den Nordwesten des Landes und sollen sich in den Vormittagsstunden Richtung Ostsee verlagern und sich leicht abschwächen. ICON-RUC lässt aber im Raum Rothaargebirge schon am Vormitttag einen neuen Gewitterkomplex entstehen.
Die Luftmasse ist landesweit recht labil geschichtet und insbesondere im Norden und Westen auch sehr feucht, mit Taupunkten um 20°C, Grenzschichtfeuchten um 13 g/kg und resultierenden ppw's um 35 l/qm. In dieser Luftmasse sollen heute CAPE-Werte von ca. 2000 J/kg realisiert werden, nach Süden hin wird es deutlich weniger, zumindest aber punktuell über 1000 J/kg. Ausgelöst werden Gewitter von lokalen Tiefs (wie oben beschrieben) oder über dem Bergland. Dabei ist die Auslösung im Süden (abgesehen vom südlichen Baden-Württemberg und dem südwestlichen Bayern) generell deutlich weniger wahrscheinlich als im Norden und Nordwesten und Teilen der Mitte. Bestehende Gewitter verlagern sich dann mit Geschwindigkeiten von 20 bis 30 km/h nordostwärts, auch im Süden ist etwas Zuggeschwindigkeit da, so dass es heute zumindest keine Stehparties gibt. Die Scherung ist aber abgesehen vom Norden generell mau, so dass es allenfalls dort etwas besser organisierte Strukturen gibt. Als Hauptwettergefahr kommt bei dieser Konstellation der Starkregen in Betracht, der schnell mal das Unwetterkriterium reißen kann. Extremes Unwetter erscheint nach dem aktuellen ICON-D2-EPS vor allem über den Schwarzwald realistisch. Größerer Hagel (2 bis 3 cm) ist aufgrund der sehr hohen CAPEs ebenso realistisch, deutlich mehr sollte es im Süden nicht werden, im Norden mit etwas mehr Scherung und noch höherem CAPE sind auch Korngrößen bis 5 cm nicht ausgeschlossen. Bei den Böen sollte aufgrund der starken Zellen immer mit stürmischen Böen gerechnet werden. Je nach Organisation kann es im Norden auch mal mehr werden. Im Süden steht aufgrund der bis 800 hPa durchmischten Schicht reichlich DCAPE zur Verfügung, so dass auch durchaus mal Böen bis Bft 10 in Betracht kommen. Auch die Bildung markanter Cold Pools ist bei größeren Gewitterkomplexen vorstellbar, die dann auch entsprechendes Böenpotential bieten. Das gibt viel Nowcasting-Arbeit heute!
Abgesehen davon treibt die meist reichlich vorhandene Sonne die Temperatur heute wieder auf verbreitet über 30°C, vom Südwesten bis in den Osten bisweilen auf über 35°C und örtlich im Südwesten bis 38°C. Nur im Küstenumfeld bleibt es kühler.
In der Nacht zum Samstag soll ein markanterer Kurzwellentrog von Frankreich her in den Südwesten Deutschlands gesteuert werden. Des Weiteren zeigen konvektionserlaubende Modelle (ICON-D2, SuperHD, Arome), dass in den Westen oder Südwesten ein größerer Gewitterkomplex gesteuert werden soll, der mehr oder weniger gut mit dem von allen Modellen simulierten Kurzwellentrog korrespondiert. Die Zugbahn dieses Komplexes ist aber noch unsicher, er könnte irgendwo zwischen Rheinland-Pfalz und nördlichem Niederrhein auf Deutschland übergreifen und nordostwärts ziehen.
Ziemlich sicher ist aber, dass bei den Begleiterscheinungen Böen bis 10 Bft, Starkregen und Hagel sehr wahrscheinlich sind. Unwetter kann es wegen Starkregens ebenso geben, die Wahrscheinlichkeit für extremes Unwetter nimmt aber in der Nacht ab. Auch Böenpotential etwas über Bft 10 hinaus besteht und auch größerer Hagel ist bis in die Nacht hinein bei dem gut organsierten Komplex (Scherung nimmt etwas zu) durchaus möglich. In der zweiten Nachthälfte sollte über dem Nordwesten Deutschlands (der Fokus liegt auf Niedersachsen) eine Abschwächung eintreten, Unwetter sind aber auch dann nicht ausgeschlossen. Auch SuperHD, welches die Gewitter weiter südlich übergreifen lässt, ist dann in Übereinstimmung mit den anderen Modellen, weil es eine stärker nach Norden gerichtete Zugbahn zeigt.
In den übrigen Regionen ist bei den Gewittern ein deutlicher Tagesgang zu sehen, sprich: Sie werden im Laufe der Nacht weniger und schwächer und lösen sich vielfach auf. Teils wird es in der Nacht klar, es muss aber auch regional mit durchziehenden hohen und mittelhohen Wolkenfeldern gerechnet werden, die konvektionsgeneriert sind die nächtliche Abkühlung ebenso behindern wie ggf. auch mal auffrischender Wind durch sich abschwächende Outflow Boundaries. Die Tiefstwerte liegen dann allgemein zwischen 22 und 16°C.
Am Samstag... schwenkt der Kurzwellentrog am Westrand des Höhenrückens vom Westen bis in den Nordosten des Landes, so dass sich die Achse des Rückens weiter nach Osten, nach Polen verschiebt. Rückseitig stellt sich eine insgesamt recht glatte, vorübergehend nochmal etwas antizyklonale westsüdwestliche Höhenströmung ein, bei weiterhin hohem Geopotential. Dies ist angesichts des weiterhin hohen Temperaturniveaus auch nicht verwunderlich. Die bisweilen stattfindende Gewitteraktivität unterbindet aber einen weiteren Anstieg, so dass auch am Samstagmittag die 20°C-Isotherme in 850 hPa über dem Süden des Landes zu finden ist. Etwas wärmer als zuvor wird es noch im Nordosten, während in den Nordwesten von Westen her wieder etwas weniger warme Luft einsickert, so dass im Nordseebereich am Abend die Temperatur in 850 hPa schon auf 14°C zurück geht. Ggf. kann hier sogar eine Kaltfront analysiert werden. Die Winddrehung auf West wird durch die allmähliche Dominanz eines neuen Hochschwerpunkts über den Britischen Inseln eingeleitet, der rückseitig des Kurzwellentroges entsteht. Teilweise dreht der Wind sogar auf Nordwest. Die Lage zwischen den beiden Hochschwerpunkten begünstigt aber die Entwicklung regionaler Konvergenzen und Druckminima über Deutschland, deren Lage aus heutiger Sicht aber noch spekulativ ist, da sie stark von der konvektiven Vorgeschichte abhängt (Wo sind Gewitterreste, wo verhindert Bewölkung die Einstrahlung, wo knallt hingegen sie Sonne?).
Recht wahrscheinlich werden sich die höchsten CAPE-Werte wieder im Nordwesten entwickeln, im Vorfeld der schwachen Kaltfront, wo noch deutlichere Feuchteakkumulation (bis 15 g/kg) simuliert wird. Aber auch weiter zur Landesmitte hin und Richtung Südosten werden am Samstag teils über 1500 J/kg, teils auch 2000 J/kg simuliert. Dort bei geringfügig weniger Feuchte, dafür aber steilerem Temperaturgradienten.
In der feuchtesten Luftmasse im Nordwesten scheint die Auslösung von Gewittern trotz (oder wegen) der Anwesenheit der Kaltfront etwas weniger wahrscheinlich. Dort soll nämlich flach einfließende Kaltluft von der Nordsee her die Grenzschicht stabilisieren. Da aber durch die Präsenz der Kaltfront und leichte Windkonvergenzen durchaus Hebungsantrieb vorhanden ist, sollte zumindest abgehobene Konvektion etwas mehr ins Kalkül gezogen werden, als die Modelle das derzeit simulieren. Der Schwerpunkt der stärkeren Konvektion soll sich aber etwas mehr nach Osten und Südosten verlagern, der Westen und Südwesten, auf der Rückseite des Troges, präsentiert sich dagegen mit nur geringer Gewitterneigung. Bezüglich der Stärke gilt ähnliches wie heute, bzw. in der Nacht. Gewitter in Ocker sind wahrscheinlich, ebenso wie lokaler Starkregen im Unwetterbereich, sehr lokal auch im extremen Unwetterbereich. Die Scherung ist weiterhin recht schwach, das hohe CAPE reicht aber für unwetterartigen Hagel um 3 cm und die Eigendynamik der Gewitter (auch wieder hohes DCAPE) lässt auch punktuell orkanartige Böen zu. Eine genauere Analyse der morgigen Gewitterlage lohnt an dieser Stelle noch nicht, eben wegen der oben schon erwähnten Unsicherheit der konvektiven Vorgeschichte.
Das Temperaturniveau nimmt in den meisten Regionen im Vergleich zu heute etwas ab, im Nordwesten sogar etwas deutlicher. Lediglich im Nordosten, wo die Warmluft erst morgen richtig ankommt, weitet sich die 30°C-Höchsttemperatur bis zur Ostsee aus. Die Sonnenanteile sind im Osten etwas geringer, im Westen dagegen wieder sehr hoch.
In der Nacht zum Sonntag liegen wir im Bereich einer recht glatten westsüdwestlichen Höhenströmung, die über dem Norden deutlich stärker ist als über dem Süden. Das oben schon erwähnte Hoch verstärkt sich noch etwas und baut eine umfassende 1025er Isobare auf, wobei sich der Schwerpunkt ostwärts in die Nordsee verlagert. Abgesehen vom Süden dreht der Wind damit in den meisten Landesteilen auf nördliche Richtungen, ist in der Nacht aber generell schwach.
Die Gewitteraktivität sollte sich in der Nacht allgemein nach Osten (also Polen und Tschechien verlagern) und sich tagesgangsbedingt deutlich abschwächen oder auflösen. Insgesamt simulieren die Modelle in der Nacht recht wenig Konvektion hierzulande. Allerdings reicht in der aufgeheizten und regional feuchten Atmosphäre, die jetzt auch nicht unter starkem Absinken liegt, ein kleiner Trigger zu einer erneuten Auslöse, oder es zieht was von Westen herein, wie das ICON zeigt. Somit kann es auch im Nachtverlauf zu Gewittern kommen, durchaus mit Starkregenpotential lokal bis in den Unwetterbereich. Die Hagel- und Sturmgefahr bleibt dann wohl eher im Ockerbereich, sollten nicht überraschenderweise stärker organisierte Systeme entstehen.
Die etwas weniger heiße Luftmasse weitet sich im Norden noch etwas ostwärts aus und sollte dort Konvektion unterdrücken. Nach Süden kommt sie aber kaum voran. Dort wird meist klarer Himmel simuliert, im Norden dagegen stärkere Bewölkung. Die Tiefstwerte liegen meist wieder bei 22 bis 16°C, so dass wieder regional eine Tropennacht droht. Im Nordwesten wird es stellenweise etwas kühler.
Am Sonntag... liegen wir im Bereich einer recht glatten, nur leicht zyklonalen westlichen Strömung bei weiterhin sehr hohem Geopotential. Dabei sind von Norden nach Süden recht unterschiedliche Luftmassen dominierend. Im Norden, nördlich der schwachen Kaltfront liegt eine etwas trockenere, etwas weniger warme (11 bis 14°C) und etwas stabilere Luftmasse. Im Übergangsbereich, etwa im Süden der Norddeutschen Tiefebene und am Nordrand der Mittelgebirge liegt eine sehr feuchte Luftmasse mit Grenzschichtfeuchten von 13 bis 15 g/kg und hohen ppw's über 40 l/qm. Nach Süden hin, in der heißen Luftmasse (18 bis 21°C in 850 hPa) ist die Feuchte dagegen wieder geringer.
Der Wind kommt dabei am Rande des Hochs, das immer noch recht kräftig über der Nordsee liegt, überwiegend aus Nord bis Ost, die Luftmassengrenze bewegt sich aber trotzdem kaum nach Süden. Es sieht auch nicht danach aus, dass sie sich flach hereinschiebt und die Temps damit einen kalten Fuß bekommen.
Im Norden stellt sich bei recht viel Sonnenschein ein warmer Sommertag mit Höchstwerten meist zwischen 25 und 30°C ein, bei dem recht kräftigen auflandigen Wind wird es an den Küsten sogar deutlich kühler.
Im Süden bleibt es dagegen bei der brachialen Hitze mit Höchstwerten teils über 35°C. Auch dort ist es überwiegend sonnig, wird aber auch labil und vor allem nach Osten zu soll es auch recht feucht sein, so dass insbesondere dort hohes CAPE simuliert wird. Dort erscheinen dann einzelne heftige Gewitter über dem Bergland recht wahrscheinlich, nach Westen zu weniger wahrscheinlich. Für die Begleiterscheinungen gilt ähnliches wie an den Vortagen.
Etwas spannender wird es in der Mitte und nördlichen Mitte, wo bei Temperaturen um oder über 30°C in der feuchten Luftmasse ordentlich CAPE aufgebaut wird mit Werten teils um 2000 J/kg. Im Prinzip ähnelt die Luftmasse sehr stark äquatorialen Verhältnissen, auch wenn hierzu noch etwas Feuchte fehlt. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Vorhersage. Insgesamt gibt es etwas mehr Quellbewölkung, Gewitterauslösung sollte vor allem an den Bergen stattfinden, nachfolgenden ziehen die Zellen mit der in der Höhe zunehmenden Strömung ostwärts (doch noch ein Unterschied zum Äquator...). Dabei ist das Starkregenpotential bis in den Unwetterbereich wieder gegeben, ebenso kann es allein aufgrund des CAPEs wieder größeren Hagel geben. Böen sollten in der feuchten Luft nicht im Mittelpunkt stehen, auch die Scherung ist nicht überragend, so dass wir wohl überwiegend mit Multizellenkomplexen rechnen müssen.
In der Nacht zum Montag verstärkt sich ein Höhenrücken über Südwesteuropa und weitet sich Richtung Britische Inseln und Ärmelkanal aus, sodass bei uns das Geopotential wieder steigt und die Strömung antizyklonal wird. Dies begünstigt einen Abzug der Gewitter aus der Mitte nach Osten, im Süden dürfte die ohnehin ausschließlich vom Tagesgang angetriebene Konvektion zusammenfallen. Damit wird es also im Nachtverlauf zunehmend trocken und gering bewölkt.
Das Hochdruckgebiet wird über dem Nordseeraum durch den Höhenrücken noch gestärkt und weitet sich etwas nach Osten aus, so dass der recht schwache nächtliche Wind zunehmend auf Ost dreht.
Die Temperatur geht wieder meist auf 22 bis 17°C zurück, ganz im Norden kann es wieder deutlich kühler werden mit Tiefstwerten von 15 bis 9°C.
Modellvergleich und -einschätzung
Der Ablauf der großskaligen Wetterentwicklung ist recht sicher. Bezüglich der genauen Lage und Ausprägung der Gewitter gilt das wie so oft nicht. Die Lage ist stark geprägt von der allenfalls für einige Stunden prognostizierbaren Eigendynamik der Gewitter, die auch auf größere Skalen rückkoppelt und damit die Gewitterentwicklung in der Folge beeinflusst. Ergo: Die genaue Entwicklung, insbesondere für die Schwerpunkte der starken Gewitter, ist für einen oder zwei Tage im Voraus kaum vorhersagbar.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 19.06.2026 um 10.30 UTC
Anfangs Schwergewitter. Im Südwesten Fortsetzung der Hitze.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 26.06.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Montag wölbt sich ein Rücken von Nordafrika über Frankreich und Großbritannien in Richtung Europäisches Nordmeer auf, während über dem Norden Norwegens und Grönland tiefer Luftdruck dominiert. Vom Westen Russlands über die Schwarzmeeregion bis ins östliche Mittelmeer und die Türkei erstreckt sich ebenfalls tiefer Luftdruck. Und auch vor der Iberischen Halbinsel ist ein Tief zu finden. Auf dessen Vorderseite wird neben kontinentaler Tropikluft auch Saharastaub nach Nordwest- und Mitteleuropa gesteuert. Am Boden stützt der Höhenrücken eine Antizyklone, die sich vom südlichen Norwegischen See bis nach Nordostdeutschland und Polen erstreckt. Ausgehend von einem Tief über der Barentssee liegt eine Luftmassengrenze über dem Baltikum und Polen, verläuft über Deutschland rückläufig und geht in ein Tief auf dem Nordostatlantik über. Diese trennt maritim erwärmte Subpolarluft im Nordosten Deutschlands mit 850 hPa-Temperaturen um 12 Grad von heißer Subtropikluft im Südwesten mit 850 hPa-Temperaturen nahe 21 Grad. Insbesondere vom Westen über die Mitte bis in den Südosten des Landes befindet sich präfrontal eine sehr energiereiche Luftmasse mit CAPE-Werten zwischen 1500 und 2500 J/kg, die bei geringen CIN-Werten nur leicht gedeckelt sind. Somit muss im Tagesverlauf mit kräftigen Schauern und teils schweren Gewittern gerechnet werden, die bezüglich Starkregen lokal bis in den extremen Unwetterbereich reichen können. Aufgrund der vorhandenen CAPE-Werte ist zudem größerer Hagel bis in den Unwetterbereich möglich. Das Potenzial für organisierte Sturm- oder Orkanböen erscheint derzeit begrenzt, lokal sind jedoch kräftige Fallböen möglich, die in ihrer Stärke aufgrund des vorhandenen trockenen Fußes nicht unterschätzt werden sollten.
Am Dienstag zieht ein Randtrog über Island hinweg, der das Nordostatlantiktief stützt, das sich bis Mittwochfrüh in die Norwegische See verlagert. Vor der Iberischen Halbinsel befindet sich nach wie vor das quasistationäre Tief, welches auf seiner Vorderseite weiterhin heiße Luft nach Nordwesteuropa schaufelt. Zwischen den beiden Tiefs wölbt sich weiterhin der breite Rücken auf, der jedoch ein wenig an Amplitude einbüßt. Am Boden dominiert von Großbritannien und dem Südwesten Deutschlands bis ins Mittelmeer hoher Luftdruck. Ausgehend von dem in die Norwegische See ziehenden Tief liegt eine Kaltfront über der Nordsee und Großbritannien, die nur wenig Wetter bringt. Auf ihrer Vorderseite wird allerdings nochmals heiße Luft in den Nordosten Deutschlands advehiert, wobei das Nordost-Südwest-Gefälle bei der Temperatur unverändert erhalten bleibt (14 bis 20 Grad in 850 hPa). Auch am Dienstag muss gebietsweise mit teils schweren Gewittern und ähnlichen Begleiterscheinungen gerechnet werden. Die größte Unsicherheit wird wahrscheinlich der aufziehende Saharastaub sein, der sowohl die Höchsttemperatur als auch die Auslösung der Konvektion dämpfen könnte.
Von Mittwoch bis Freitag stellt sich dann eine Omega-Lage ein: Von der Norwegischen See zieht das Randtief bis zur Ukraine, dabei kann sich auch das zugehörige Bodentief noch etwas vertiefen. Gleichzeitig macht das Tief von der Iberischen Halbinsel ein wenig Boden nach Norden gut. Zwischen beiden Tiefs erstreckt sich eine Luftmassengrenze quer über Deutschland, die jedoch aufgrund des dominanten Hochdruckeinflusses kaum wetterwirksam sein wird. Diese kommt Donnerstag bis zu den Alpen voran, nördlich davon fließt trockenere Luft ein. Schwere Gewitter stehen so lediglich noch am Mittwoch auf dem Plan, am Donnerstag und Freitag sind allenfalls am Alpenrand noch einzelne kräftige Entwicklungen möglich. Das Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur bleibt über Deutschland weiterhin erhalten. Im Nordosten schwanken die 850 hPa-Temperaturen um 12 Grad, im Südwesten gehen die Temperaturen auf bis zu 19 Grad zurück.
In der erweiterten Mittelfrist von Samstag bis Montag bleibt die Omega-Lage bestehen, wenngleich sich der Schwerpunkt des Höhenhochs über die Mitte Deutschlands verlagert. Dadurch besteht die Chance, dass der Westen Deutschlands bereits in den Einflussbereich einer Tiefdruckrinne über Frankreich gelangt. Damit würde das Potenzial für schwere Gewitter im äußersten Westen wieder zunehmen. Das Temperaturgefälle erstreckt sich zunehmend von West nach Ost und verschärft sich noch ein wenig. Im Osten treten zeitweise 850 hPa-Temperaturen um 10 Grad auf, während im Westen möglicherweise Temperaturen bis 23 Grad vorherrschen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis Freitag ist die Konsistenz des IFS-Modells beim Vergleich des aktuellen Laufs mit den beiden gestrigen Vorläufen recht hoch. Abweichungen ergeben sich meist nur bei der räumlichen Ausdehnung der Konvektion.
In der erweiterten Mittelfrist zeigen die gestrigen Vorläufe eine langsamere Ost-Verlagerung des Höhenhochs. Damit würden die Temperaturen im Westen etwas geringer ausfallen und auch die Tiefdruckrinne würde zunächst noch außen vorbleiben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Vergleicht man den aktuellen IFS-Lauf mit dem 00-UTC-ICON-Lauf fallen die höheren Temperaturen zu Beginn der Mittelfrist im Südwesten auf. ICON lässt am Dienstag sogar 25 Grad in 850 hPa in den Südwesten Deutschlands zu. Damit wären bei ausreichender Durchmischung lokal Höchstwerte um 40 Grad denkbar. Auch das UK10 sowie das GEM zeigen Werte bis 24 Grad, allerdings erst zum Mittwoch. GFS ist mit 20 Grad kühler. Was die Höchstwerte am Boden aber voraussichtlich dämpfen wird, ist der aufziehende Saharastaub.
Dafür betont ICON als einziges Modell zum Donnerstag das nordöstlich von Deutschland durchziehende Tief etwas stärker, weswegen die Temperaturen im Nordosten nach der ICON-Variante etwas niedriger ausfallen würden.
In der erweiterten Mittelfrist baut GFS den hohen Luftdruck über Deutschland rasch ab und bereits am Samstag zieht eine Kaltfront auf, die deutlich kühlere Temperaturen mit sich bringt. GEM stützt hingegen die IFS-Variante mit den höheren Temperaturen und der Tiefdruckrinne im äußersten Westen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse macht es heute recht einfach: Sowohl für den Zeitschritt von Mittwoch bis Freitag (+120 h bis +168h), als auch für Samstag bis Montag (+192 h bis +240h) wurden die verschiedenen Mitglieder lediglich einem einzigen Cluster zugeordnet. Dabei wird die Ausbildung der Omegalage ersichtlich. Das vorherrschende klimatologische Regime ist - wenig verwunderlich - "Blocking".
Die Rauchfahnen sind etwas weniger deutlich, hier werden die noch bestehenden Unsicherheiten deutlich. Insbesondere der Spread der Temperatur nimmt im Laufe der Mittelfrist deutlich zu. Dabei wird ein Höhepunkt ersichtlich, der im Norden und Nordosten zum Dienstag auftritt, im Süden und Westen erst zum Mittwoch. Die 25 Grad ist nach dem IFS-ENS in 850 hPa nicht ersichtlich. Höhere Mitglieder des Ensembles erreichen 23/24 Grad, das Mittel ist eher bei Werten um 21 Grad zu finden.
Anschließend geht das Mittel etwas zurück, was mit dem Durchzug der Luftmassengrenze in Zusammenhang steht. Demnach ist die vorübergehend einfließende kühlere Luft noch mit Unsicherheiten behaftet. Dennoch bleiben uns Temperaturen von 30 bis 34 Grad im Südwesten voraussichtlich erhalten. Der Hauptlauf entspricht weitgehend dem Mittel der Verteilung, der Luftmassendurchzug zur Mitte der Woche erfolgt nach dem Hauptlauf geringfügig später.
In der erweiterten Mittelfrist deutet das Mittel wieder leicht nach oben. Auch im Norden und Nordosten Deutschlands können dann wieder 30 Grad erreicht werden.
Die Niederschlagssignale folgen dem oben bereits genannten Szenario. Bis Mittwoch gibt es durchaus gewisse Signale, die für Schauer und Gewitter sprechen, Donnerstag und Freitag sind nur geringe Signale vorhanden. Ab Samstag nehmen einzelne Signale wieder etwas zu, wenngleich hierbei noch größere Unsicherheiten bestehen.
Das Geopotenzial verbleibt bis zum Ende der Mittelfrist auf hohem Niveau. Lediglich einzelne Ensemblemitglieder zeigen zum Ende des Vorhersagezeitraums niedrigere Werte.
FAZIT:
Die Hitzewelle geht in der Mittelfrist in die Fortsetzung. Dazu besteht zu Beginn ein erhöhtes Potenzial für teils schwere Gewitter. Im Wochenverlauf nimmt der Hochdruckeinfluss zu, sodass Gewitter seltener werden, während insbesondere im Südwesten die Wärmebelastung anhält. Die Ensemblevorhersagen stützen diesen Wetterablauf insgesamt gut, wenngleich in der erweiterten Mittelfrist noch Unsicherheiten bei Temperaturentwicklung und Gewitterpotenzial bestehen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER (UNWETTER):
Insbesondere von Montag bis Mittwoch muss gebietsweise mit teils schweren Gewittern gerechnet werden, wenngleich die räumliche Einordnung noch schwierig erscheint. Als Begleiterscheinung ist vor allem Starkregen ein Thema, der lokal eng begrenzt sogar bis in den extremen Unwetterbereich reichen kann. Hagel kann aufgrund hoher CAPE-Werte ebenfalls unwetterartig ausfallen. Das Böenpotenzial beschränkt sich vermutlich auf sehr kleinräumige Fallböen, die aber punktuell nicht zu unterschätzen sind.
Am Donnerstag und Freitag scheint die Gewittergefahr in der einfließenden trockeneren Luft deutlich zu sinken. Lediglich am Alpenrand und im Südschwarzwald besteht noch eine erhöhtes Gewitterpotenzial. In der erweiterten Mittelfrist kann die Gewittergefahr im äußersten Westen erneut ansteigen.
HITZE:
Die Hitzewelle setzt sich bei uns in der Mittelfrist insbesondere im Westen und Süden fort. Der EFI liefert hier durchweg entsprechende Signale. Sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch sind Temperaturen bis 39 Grad im Südwesten wahrscheinlich. Allerdings kann aus heutiger Sicht auch die 40 Grad nicht ganz ausgeschlossen werden. Tropische Nächte sind insbesondere in den Ballungszentren der Südwesthälfte ein Thema. Mit der trockeneren Luft im Laufe der Woche gehen die Taupunkte jedoch etwas zurück, sodass auch die nächtlichen Temperaturen ab der Nacht zum Donnerstag in der Südwesthälfte mit wenigen Ausnahmen wieder unter die 20 Grad Marke absinken können.
Abseits von Schauern und Gewittern dürfte die Trockenheit und auch die Waldbrandgefahr im Laufe der Woche weiter zunehmen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / M.Sc.-Met. Sebastian Schappert





