Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 12.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: NWz (Nordwest zyklonal)
Vielerorts novembrig anmutender Freitag. Wochenende im Süden und Südwesten sommerlich (vor allem der Samstag), sonst sehr wechselhaft und windig.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... 12. Juni, hinterm "Teich" hat die bisher größte WM aller Zeiten begonnen (48 Nationen, was ein Wahnsinn) und bei uns steht eigentlich Frühsommer auf dem Programm. Eigentlich, denn wenn man heute früh mal so aus dem Fenster unseres Offenbacher Großraumbüros in Richtung Frankfurt schaut, könnte man meinen, wir befänden und mitten im November. Tiefhängende Stratusfetzen bedecken die Topps der Skyline, auch sonst Grau in Grau mit Nieselregen oder auch mal "58iger" (offizielle Wetterverschlüsselung der Mischform Regen und Nieselregen zugleich), Was ist da los, liebe Freunde des Atmosphärensports, Herbst statt Sommer, darf das sein? Nun, beim Wetter darf fast alles sein, es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt, und so mag die eine oder der andere die aktuelle Wetterlage vielleicht nicht schön finden, vollkommen ungewöhnlich ist sie für Juni aber auch nicht.
Zur Ausgangssituation, die Deutschland unter dem östlichen Teil der mäßig ausgeprägten, vom Ostatlantik bis nach Mitteleuropa gerichteten Frontalzone sieht. Sie wird nach Osten begrenzt respektive geblockt durch einen scharf geschnittenen, negativ geneigten Potenzialtrog über dem östlichen Mitteleuropa und dem Balkan, der sich kaum vom Fleck bewegt. Im Grunde sorgt er dafür, dass die Frontalzone über dem Kontinent nach Südosten abgelenkt wird, was bei uns eine nordwestliche Höhenströmung zur Folge hat. Diese ist sogar leicht antizyklonal konturiert, weil sich von Westen her ein flacher Rücken nähert. Der Rücken wird den Erwartungen, die gemeinhin in ein solches Gebilde gesetzt werden, allerdings nicht im Geringsten gerecht: kein richtiges Absinken, keine richtige Abtrocknung, nüscht dergleichen. Stattdessen wird er von WLA überlaufen, die großflächige Hebung generiert.
Hinzu kommen die Verhältnisse am Boden bzw. in der untersten Troposphäre, die heute von dem zweikernigen Tief SABINA, dem zugehörigen Frontensystem sowie einer stabilen, sprich, nicht entwicklungsfähigen Welle geprägt sind. Während die Kerne des Muttertiefs zwischen der norwegischen Westküste knapp nördlich von Svinöy und Island verortet sind, Tendenz langsam ostwärts ziehend, ist die Welle gerade dabei, Irland/UK in Richtung Nordsee zu passieren. Die Warmfront von SABINA hat Deutschland erreicht und leitet einen Luftmassenwechsel von mP (maritime Polarluft, die gestern eingeströmt ist) zu sehr feuchter Subtropikluft (mSp) ein. Dabei kommt es von NW nach SO zu stratiformen Regenfällen, teils mit oder als Niesel und regionsweise als Landregen vom allerfeinsten. Aufgrund der Strömungskonfiguration werden feuchte Luft und Niederschlag so richtig schön gegen die Alpen gedrückt, wo die Luftmasse staubedingt wie ein Schwamm ausgequetscht wird. Am stärksten greift dieser Effekt in den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen, wo bis Samstagfrüh durchaus zwischen 30 und 40, in Staulagen vielleicht bis zu 50 l/m² Niederschlag fallen können. Weiter westlich sowie im Bayerischen Wald ist es etwas weniger, bis zu 30 l/m² lokal sind aber auch dort drin. In allen anderen Regionen liegt die 24-stündige Ausbeute darunter, auch wenn es im Luv der zentralen und südlichen Mittelgebirge für beachtliche 10 bis 20, lokal bis 25 l/m² reicht.
Darüber hinaus bleibt zu konstatieren, dass der Nordosten am wenigsten vom dem Warmfrontregen abbekommt. Gerade in MV lockert die Wolkendecke mitunter sogar stärker auf. Auch im Norden (bereits aktuell) und Westen (etwas später) geht der Trend vorübergehend in Richtung nachlassender Regen, bevor mit der Welle zum Abend hin nochmal eine zweite Portion in den Westen und Nordwesten transportiert wird. Der südwestliche bis westliche Wind macht sich aufgrund der stabilen Schichtung vor allem in höheren Lagen bemerkbar mit stürmischen Böen 8 Bft, vereinzelt 9 Bft in exponierten Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge sowie der Alpen. Hinzu kommt ab Mittag für einige Stunden die Nordseeküste. Höchsttemperatur 17 bis 21, im südlichen Oberrheingraben bis zu 23, bei Dauerregen an den Alpen teils nur 15°C.
In der Nacht zum Samstag erreicht die zuvor durch die Welle ausgebremste Kaltfront den Vorhersageraum, wo sie grob bis zur südlichen Mitte vorankommt. Dort muss sie schwer ums Überleben kämpfen, weil das Umfeld aufgrund einer über Frankreich liegenden und sich um Expansion bemühenden Hochdruckzone (FALK) frontolytische Züge aufweist. Leben oder Sterben, das ist hier aber gar nicht die Kernfrage. Wichtiger ist die Tatsache, dass es zunächst noch zu weiteren, nun teils schauerartigen Regenfällen kommt, die sich bis zum Morgen mehr und mehr in den Osten bzw. Südosten zurückziehen. Rückseitig der Front wird eine merklich trockenere und vergleichsweise stabile subpolare Meeresluft in den Norden und Westen advehiert (mPs; T850 um 5°C). Bei genauerem Hinsehen lässt sich in den Prognosesoundings aber etwas abgehobene Labilität erkennen, bevor bei maximal 700 hPa eine Sperrschicht den Deckel draufmacht => einzelne Schauer ja, vor allem Richtung Küste, Gewitter eher nein. Sicher ist die erneute Windzunahme auf und an der Nordsee, weil der Luftdruck im Norden mit Annäherung des Tiefs SABINA gen Südnorwegen fällt bei gleichzeitig konstantem Luftdruck im Süden. So erreicht der West-Nordwestwind Böen der Stärke 7, exponiert + freie See 8 Bft.
Tiefsttemperatur 16 bis 10°C.
Samstag... verbringen wir nach wie vor unter einer west-nordwestlichen Höhenströmung, die nach Norden hin im Bereich eines Jetstreaks leicht zyklonal, sonst überwiegend indifferent konturiert ist. Bodennah kommt der Wind aus Westen und das durchaus spürbar. Zum einen baut sich ein veritabler Gradient auf zwischen der von Südnorwegen nach Südschweden übersiedelnden SABINA (Kerndruck etwas unter 1005 hPa) sowie der von Irland über Frankreich bis zum zentralen Mittelmeer reichenden Hochdruckzone FALK (1020 bis 1026 hPa). Zum anderen weist die einfließende maritime Subpolarluft einen trockenen Fuß (inverses V) mit labiler Grundschicht auf, komplettiert von extrem hoher Scherung. Gute bis sehr gute Voraussetzungen also, den Wind mit Unterstützung des Tagesgangs ordentlich in Wallung zu bringen. Böen 7 Bft sind in weiten Landesteilen obligatorisch. Böen 8 Bft treten nicht nur in höheren Lagen sowie an den Küsten auf, auch in Schauernähe dürfte uns die ein oder andere stürmische Böe um die Ohren pfeifen. Zwar hält sich die Numerik (noch?) zurück, aber selbst eine glatte Sturmböe 9 Bft kann in Einzelfällen nicht ausgeschlossen werden, wobei hier ausdrücklich nicht nur von exponierten Kamm- und Gipfellagen die Rede ist. Je weiter es in den Süden und Südwesten geht, desto zahmer der Wind. Böen 7-8 Bft treten dort zwar nicht ausschließlich, aber vorwiegend in höheren und in freien Lagen auf.
Auch sonst ist Süden/Südwesten ein gutes Stichwort, wird doch aus dem herbstlich anmutenden Ambiente des heutigen Tages ganz schnell Sommer, wie ihn sich viele vorstellen und wünschen. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Kollegen FALK setzt sich vermehrt die Sonne durch und treibt die Temperatur problemlos in Richtung 25°C und sogar darüber. Bis zu 28°C stehen im Oberrheingraben auf der Karte. Schauer treten gar nicht oder nur selten auf - übrigens ein Mitgrund, warum es beim Wind weniger deftig zugeht als in den anderen Regionen. Die bekommen morgen - getriggert durch Tagesgang und wiederholt durchlaufende Kurzwellenanteile - bei rasch wechselnder Bewölkung nämlich einige Schauer ab, wobei sich die Modelle hinsichtlich der genauen räumlichen Verteilung aber noch nicht ganz einig sind. Geht es nach der deutschen Modellkette, dann trifft es "nur" die Regionen zwischen dem westlichen NDS (+Münsterland und Ostwestfalen) bis hinüber zur Oder und Neiße. Externe Modelle lassen die Schauer etwas weiter nach Süden ausgreifen, womit dann z.B. auch ganz NRW, Teile Hessens sowie Nordbayern am Start wären.
Gibt´s denn auch Gewitter, könnte man jetzt nicht ganz unberechtigt noch einwerfen? Wir antworten mit einem eindeutigen Wohlmöglich. Betrachtet man die erforderlichen Zutaten, so fällt einem sofort das limitierte CAPE ins Auge, das ja aber nun mal notwendig ist, wenn´s rumsen soll. Die Luftmasse ist weder besonders labil noch überbordend feucht. Hinzu kommt weiterhin die um 700 hPa angesiedelte Inversion, die vertikale Auswüchse verhindert. Je weiter man in der Republik aber in Richtung SH, eher noch gen Ostsee sowie allgemein in den Nordosten geht, desto höher und desto schwächer die Sperrschicht und desto labiler die Luft (T500 um -21°C über T850 um +4°C). Dort sind also einzelne Überentwicklungen gut möglich, die im Fall der Fälle vor allem mit Böen 8 (9) Bft sowie kleinkörnigem Hagel einhergehen. Starkregen hingegen ist unwahrscheinlich.
Abseits vom sommerlich temperierten Süden/Südwesten werden morgen 19 bis 24°C, im gesamten Nordwesten inkl. den küstennahen Gebieten 15 bis maximal 20°C erreicht.
In der Nacht zum Sonntag verlagert sich der Hauptkern von SABINA in Richtung Gotland. Rückseitig sorgt KLA für leichten Potenzialverlust respektive eine schwache Austrogung des korrespondierenden Höhentiefs. Nicht viel, aber ausreichend, um den äußersten Norden und Nordosten mit Höhenkaltluft bis zu -25°C auf 500 hPa zu versorgen. Während also sonst das konvektive Geschehen tagesgangbedingt stark am Abebben ist, bleibt es hoch im Norden/Nordosten munter im Gange. Vor allem in Küstennähe wird die Schlagzahl mit Hilfe diabatischer Effekte (oben Kaltluft, unten relativ warmes Meerwasser) eher noch erhöht, was auch die Gewitterwahrscheinlichkeit ansteigen lässt (Böen 8, vereinzelt 9 Bft, dazu kräftige Güsse, aber nicht zwingend Starkregen im formellen Sinne). Darüber hinaus bleibt der westliche bis nordwestliche Wind an den Küsten auch abseits von Konvektion prominent unterwegs mit Spitzen 7 bis 8 Bft.
Für den großen Rest des Landes heißt es wolkig, nach Süden und Südwesten hin auch gering bewölkt oder klar, abnehmende Schauer. Vor allem in den Mittelgebirgen kühlt es häufig auf unter 10°C ab.
Sonntag... bleibt uns die west-nordwestliche, im Nordosten deutlich, sonst nur leicht zyklonal konturierte Höhenströmung erhalten. Bodennah verbringen wir den Tag am Rande von SABINA, die mit mehreren Kernen die Ostsee, Finnland und das Baltikum okkupiert hat. Auf der Südwestflanke dieses Systems gelangt mit flotter West-Nordwestströmung nach wie vor konvektionsanfällige Meeresluft subpolaren Ursprungs in weite Landesteile, was einen sehr wechselhaften und windigen (Böen 7-8 Bft) Tagesablauf mit Schauern und einzelnen Gewittern (markant wegen Böen) zur Folge hat. Dazu Temperaturen, die gerade mal als mäßig warm, teils sogar als kühl zu bezeichnen sind. Lediglich in Teilen Süd- und Südwestdeutschlands, schwerpunktmäßig von Südbaden über Oberschwaben bis ins westliche Oberbayern, bleibt es einigermaßen sommerlich mit längerem Sonnenschein, auch wenn die Temperatur gegenüber Samstag zurückgeht (Sommertag wohl nur noch von Hochrhein bis ins Westallgäu sowie im südlichen Oberrheingraben). Kein Wunder, zieht sich doch Kollege FALK aus Frankreich vorübergehend etwas zurück Richtung Ärmelkanal/UK/Irland.
In der Nacht zum Montag ändert sich nur wenig an der großräumigen Strömungskonstellation. Es ist also die untergehende Sonne und das damit einhergehende Ende solarer Energiezufuhr, welche die Szenerie bestimmen. Expressis verbis bedeutet das weniger Wind, weniger Schauer, weniger Temperatur. So dürfte sich der Nordwestwind selbst an den Küsten soweit abschwächen, dass keine Warnungen mehr nötig sind. Vielleicht reicht es auf Helgoland, Sylt, Amrum und Föhr noch für ´ne steife Böe 7 Bft, vielleicht. Einzelne Schauer treten schon noch auf, wenn auch weniger als tagsüber. Betroffen die Mitte und der Norden, an der Ostsee sind sogar vereinzelte Gewitter möglich. Und klar, Abkühlen tut es auch, in der Mitte und im Süden je nach Bewölkung nicht selten auf unter 10°C.
Modellvergleich und -einschätzung
In den Grundzügen simulieren die Modelle die Wochenendentwicklung sehr ähnlich. Wie bereits im Text z.T. angedeutet ergeben sich Unschärfen u.a. bei den heutigen Regenmengen am Alpenrand, die in zurückliegenden Läufen schon mal intensiver gerechnet wurden. Auch die räumliche Ausdehnung der morgigen (und sonntäglichen) Schaueraktivität weist noch Spielräume auf.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 12.06.2026 um 10.30 UTC
Nächste Woche deutlicher Temperaturanstieg und zunehmend heiß. Dabei regional Gewitterneigung.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 19.06.2026
Am Montag, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, liegen wir nach IFS in einer nordwestlichen Höhenströmung. Dabei ist nach wie vor eine recht kühle Luftmasse mit nur 3 bis 6°C in 850 hPa in weiten Teilen des Landes wetterwirksam, nur ganz im Süden ist es wärmer. Auch das Geopotential ist noch niedrig. In der nordwestlichen Höhenströmung schwenkt in der ersten Tageshälfte noch ein recht markanter Kurzwellentrog durch, zum Nachmittag und in der Nacht wird die Strömung deutlich antizyklonaler. Bodennah ist ein umfangreicher Tiefdruckkomplex im Bereich des Baltikums wetterbestimmend, während sich von Südwesten ein Hochkeil nähert, aus dem sich eine flache Hochdruckzone abspaltet. Insbesondere über der Nordosthälfte des Landes liegt ein recht kräftiger Gradient, so dass dort böiger Westwind erwartet wird.
Am Dienstag verbleiben wir in einer leicht antizyklonalen Höhenströmung, wobei sich ein flacher Rücken von Westen her nur sehr langsam nähert und gleichzeitig sich hierzulande des Geopotential deutlich erhöht. Dies geht einher mit der Zufuhr wärmerer Meeresluft aus dem Biskayaraum, so dass bis zum Mittag in 850 hPa die Temperatur im Südwesten schon auf 14°C angestiegen ist, während sie im Nordosten noch 10 K kühler ist. Während sich das Hochdruckgebiet nach Südosten zurückzieht, sorgt eine Warmfront, die in eine flache Rinne eingelagert ist, weiterhin für zeitweise Bewölkung und im Tagesverlauf von Westen aufkommende Gewitterneigung.
Am Mittwoch nähert sich die Achse des flachen Rückens und das Geopotential steigt weiter an. Eine warme Luftmasse mit 16°C im Süden und 10°C im Norden (850 hPa) setzt sich durch. Gleichzeitig zieht ein Sturmtief über die nördliche Nordsee, verbunden mit einem Trog, der über die Nordsee schwenkt und dort für eine kräftige Höhenströmung sorgt. Auch der bodennahe Wind frischt im Norden wieder etwas aus West auf. Die Kaltfront des Tiefs bringt im Norden viele Wolken und auch etwas Regen, während im übrigen Land wechselnd bewölktes Sommerwetter ansteht.
Am Donnerstag sorgen der Höhenrücken und ein sich über den Alpen neu etablierendes Hoch für sonniges und hochsommerlich heißes Wetter im Süden. Im Norden ist es auch recht warm, allerdings tummeln sich im Bereich der sich auflösenden Kaltfront immer noch viele Wolken, die auch noch etwas Regen bringen können und sich erst nach und nach auflösen.
Am Freitag kommt es über dem nahen Atlantik zu einem Trogvorstoß Richtung Süden, gleichzeitig steilt der Rücken über Deutschland deutlich auf. Der Bodenhochschwerpunkt zieht sich etwas nach Osten zurück, so dass von Südwesten eine noch wärmere Luftmasse einfließen kann. Bis zum Mittag werden in größeren Teilen des Landes 18 bis 21°C in 850 hPa erreicht, ganz im Nordosten sind es nur 11 bis 14°C. Somit steht im Südwesten ein sehr heißer Tag mit Höchstwerten über 35°C ins Haus. In einigen Landesteilen, vor allem im Westen und im Bergland kann sich hohes CAPE aufbauen, was über den Bergen zu starken Gewittern führen kann. Am Abend und in der Nacht soll eine Störung im Nordwesten für kräftige Gewitteraktivität sorgen.
In den Folgetagen soll uns das sehr hohe Geopotential erhalten bleiben, zudem soll sich die heiße Luft noch weiter nach Norden hin durchsetzen, dass Höchstwerte deutlich jenseits der 35°C-Marke bis nach Schleswig-Holstein auftreten könnten. Dabei bleibt die Luftmasse leicht feucht, so dass sich zumindest regional (wenn es durch flache Druckminima zu Feuchteflusskonvergenzen kommt) hohe CAPE-Werte aufbauen können, die immer wieder auch in heftigen konvektiven Umlagerungen resultieren.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle Lauf des IFS ist mit seinen beiden Vorgängerläufen bis zum kommenden Freitag, was die Prognose in Deutschland angeht, recht konsistent. Die Sturmtiefentwicklung am Mittwoch ist in dieser Stärke erst im heutigen 00-UTC-Lauf aufgetaucht, so dass auch die stärkere Windentwicklung im Norden erst im heutigen Lauf erschien. Aber auch die Vorgängerläufe zeigten schon die Kaltfront über dem Norden Deutschlands, die sich später auflöst. Zum nächsten Wochenende hin zeigen sich dann deutlichere Unterschiede. Der gestrige 00-UTC-Lauf ließ ein Hoch über dem Nordatlantik und Grönland immer näher an uns heranrücken, so dass an seiner Ostflanke ab dem Samstag wieder deutlich kältere Luft den Norden erreichte, was zu einem erheblichen thermischen Gradienten hierzulande führte. Die beiden jüngeren Läufe simulieren das Hoch weiter westlich, so dass immer wieder Tiefs vom Atlantik über die Britischen Inseln ins Nordmeer ziehen können und die Zufuhr der sehr warmen Luft aufrechterhalten.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die grundlegende Entwicklung für die nächsten 7 (bis 10) Tage zeigen die vorliegenden deterministischen Modelle übereinstimmend. Alle zeigen das zunehmend ansteigende Geopotential (mit Zufuhr zunehmend heißer Luft) und die antizyklonale Strömung mit Aufbau eines starken Rückens zum Ende der kommenden Woche. Die damit verbundene starke Zunahme des Temperaturniveaus scheint in trockenen Tüchern. Im Detail gibt es aber noch Unterschiede: Der durchschwenkende Kurzwellentrog am Montag wird unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell simuliert. IFS zeigt dabei eine schnellere und intensivere Entwicklung. Die Sturmtiefentwicklung über der Nordsee am Mittwoch ist ebenso nur bei IFS zu finden. Dagegen zeigt GEM in der Nacht zum Sonntag (21. Juni) einen kräftigen Trog über der Nordsee. Insgesamt zeigen alle Modelle, dass am nächsten Wochenende immer wieder etwas feuchtere Luft in den Nordwesten eingesteuert wird, teils verbunden mit flachen Tiefs, so dass dort eine gewisse Anfälligkeit für Unwetter besteht. Die Details unterscheiden sich aber noch stark und müssen heute noch nicht erläutert werden.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum Mittwoch bis Freitag werden alle IFS-Ensemblemitglieder einem Cluster zugeordnet. Die Grafik zeigt schön den Geopotentialaufbau über Deutschland. Das Regime ist zunächst noch "positive NAO", also eine westliche Lage. Im Zeitraum von Samstag bis Montag wechselt das Regime zu "Blocking". Dann werden drei Cluster gebildet. Bei C1 (22 Mitglieder, Kontrolllauf) reicht das Blocking nordwärts bis Skandinavien, wird allerdings durch einen in die Nordsee ziehenden, sich abschwächenden Trog etwas angegriffen, so dass es zum Montag im Nordwesten recht gewittrig werden könnte. Bei C2 (16 Mitglieder) reicht der Geopotentialblock sogar weiter nach Nordosten bis in die Karasee, der Trog von Westen wird stärker abgeblockt. Bei C3 wird der Rücken dagegen über Skandinavien abgehobelt und Tröge können dort wieder ostwärts ziehen. Alles in allem bestätigt das die schon oben getroffene Aussage: Hochsommerlich heiß mit Gewitterpotential von Nordwesten her.
Die Rauchfahnen für Geopotential und Temperatur kennen ab Montag nur eine Richtung: Es geht steil nach oben, bei der Temperatur landesweit um ca. 15 K. Zudem zeigt sich zum nächsten Wochenende im Süden und in der Mitte eine ungewöhnlich geringe Streuung der Kurven. So liegen zum Beispiel am kommenden Wochenende die 850-hPa-Temperaturkurven über Augsburg zum größten Teil zwischen 17 und 22°C, die erwarteten Höchstwerte in 2 m kann man sich heute noch gar nicht vorstellen. Im Norden liegt der Schwerpunkt der Kurven kaum tiefer, allerdings gibt es doch den einen oder anderen Ausreißer deutlich weiter nach unten (bis unter 5°C). Die Niederschlagssignale sind nicht besonders ausgeprägt, aber doch landesweit deutlich vorhanden und zeigen einen ausgeprägten konvektiven Tagesgang.
Noch ein Blick auf das GFS-Ensemble: Die Rauchfahnen zeigen hier keine ganz so große Sicherheit der Prognose, sprich, insbesondere bei der Temperatur gibt es ein paar mehr Ausreißer nach unten und auch der Hauptast der Kurvenschar liegt etwas tiefer als beim IFS. Der Hauptlauf liegt dagegen eher am oberen Rand der Verteilung, was aber auch beim IFS tendenziell der Fall ist.
Fazit: Des einen Freud, des anderen Leid: Die Hitzewelle ist unausweichlich.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI zeigt am Montag ein überraschend starkes Signal für Wind im Nordosten Deutschlands. Dieses Signal spiegelt vor allem die hohe Sicherheit der Windvorhersage wider. Die tatsächliche Stärke ist dagegen nicht signifikant und liegt dabei im Bereich wahrscheinlicher Böen der Stärke 7. 8er-Böen werden bei IFS-EPS und ICON-EPS nur an der Ostsee mit erhöhter Wahrscheinlichkeit simuliert.
Bezüglich Gewitter gibt es in der nächsten Woche keine Hinweise auf starke Entwicklungen seitens der Modellfelder. Aus synoptischen Überlegungen heraus darf aber am Montag in weiten Landesteilen eine geringe Gefahr markanter Gewitter (bezüglich sämtlicher Begleiterscheinungen) angenommen werden. Für die Tage Dienstag bis Donnerstag gilt dies insbesondere im Norden, wobei am Dienstag und Mittwoch die leichte Dynamik noch für das Potential stürmischer Böen sorgt, während am Donnerstag in zunehmend feuchtwarmer Luftmasse dann eher Starkregen in den Fokus rückt. Wirklich interessant dürfte die Gewitterentwicklung wieder an Freitag werden, wenn sehr hohe CAPE-Werte etwaige Gewitter (vor allem im Nordwesten und im Bergland) kräftig ausfallen lassen mit Unwettergefahr durch Starkregen. Aufgrund schwacher Dynamik sollte Hagel eine geringe Rolle spielen und Böen keinesfalls das Unwetterkriterium erreichen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, IFS-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann





