Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 31.01.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEa

Im Nordwesten gefrierender Niederschlag mit markanter Glätte. Lokal UNWETTER Glatteis nicht ausgeschlossen. Ansonsten nur lokal Glätte. Im Norden Frostverschärfung mit strengem Nachtfrost im Nordosten. Im Südwesten mild. Küsten böiger Ostwind.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag... Fortdauer der blockierungsfreudigen Wetterlage über Nord- und Mitteleuropa, während die Wellenzüge weiterhin eifrig in Richtung Mittelmeer ziehen und z.B. Portugal ohne Unterlass mit ergiebigen Niederschlägen heimsuchen (dort in der Fläche 300 bis 600 l/qm bis in die erste Februardekade auf die bereits schon beachtlichen Mengen, die in den letzten Tagen beobachtet wurden - Überschwemmungsgefahr).
Für uns bedeutet diese Ausgangslage im Grunde die gesamte Kurzfrist hinweg wenig Änderung: die blockierende Antizyklone DANIEL über Skandinavien/Nordosteuropa/Westrussland hält dem Ansturm der Tiefdruckgebiete vom Nordatlantik tapfer stand, wobei sich die Fronten über unseren Köpfen mehr oder weniger auflösen.

Heute starten wir den Tag zwischen dem Bodentief PATRICIA I über Nordwesteuropa und dem bereits genannten DANIEL im meteorologischen Niemandsland, wobei in der Höhe meist eine aufgeweichte südöstliche Strömungskomponente vorherrscht (die nach Südwesten zu immer schwächer/diffuser wird).

Im Westen/Nordwesten machen sich aus der Nacht heraus die Bewölkung inklusive Niederschlag einer Okklusion von PATRICIA bemerkbar. Diese Niederschläge kommen im Tagesverlauf nur zögernd nach Nordosten voran. Zum Abend erreicht die Okklusion in etwa eine Linie Ostfriesland/Emsland bis Hessen. Somit verläuft der Tag im Westen meist wolkenverhangen mit zeitweiligem Regen, der zum Nachmittag von Westen abklingt. Dann lassen im Ruhrgebiet einige Auflockerungen den Tag vielleicht mit einem schönen Abendrot ausklingen. Glätte ist im NRW Bergland und im Nordhessischen Bergland nur örtlich ein Thema.

Ein größeres Augenmerk liegt weiterhin im Nordwesten, namentlich dem Emsland und Ostfriesland. Wenn der Niederschlag hier im Verlauf des Nachmittags sich immer weiter nordostwärts voran arbeitet, steigen die Wahrscheinlichkeiten für gefrierenden Niederschlag an. Allerdings steckt hier der Frost nun nicht mehr tief im Boden bzw. haben wir bis in Tiefen von 10 cm teils gar positive Werte. Das könnte die Auswirkungen auf den Straßen mindern. Allerdings dauert die (süd)östliche Bodenwindkomponente an, sodass die Zufuhr frostiger Luftmassen ein Thema bleibt. Zudem steckt bereits grob im Umfeld der Weser und ostwärts weiterhin Frost im Boden - es wird also ein recht inhomogenes Ereignis werden, wo teilweise die Straßen und Wege betroffen sein werden, teils aber auch nur exponierte Gegenstände wie Autos und die Vegetation. Zusätzlich sorgt auch ein sehr zerfleddertes Auftreten der Niederschläge für regional und zeitlich stark variierende Niederschlagsschwerpunkte, die u.a. nach ID2 gut und gerne auch mal 1 l/qm Stundenwerte erreichen können. Aus der Numerik heraus sind die Signale für Eisakkumulationen sehr verhalten, allerdings mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten allgemein für gefrierenden Niederschlag. Von daher wird hier bei all den Unsicherheiten frühzeitig mit einer größeren markanten Glättewarnung hantiert, wobei im Nowcast nicht ausgeschlossen werden kann, dass lokal auf Unwetter durch Glatteis erhöht werden muss. Für eine Vorabinformation sind die Unsicherheiten einfach zu groß bzw. steht die Frage im Raum, wo sich ein nennenswerter Niederschlagsschwerpunkt herauskristallisiert.

Ansonsten verläuft der Tag im Rest der Republik teils wolkenverhangen, im Süden (besonders in Richtung Oberschwaben teils auch ganztags) löst sich der Nebel nur zögernd auf, doch regional schafft es die Sonne auch für einige Stunden von einem bläulichen Himmel zu scheinen. Letzteres gilt besonders für den Südwesten, die Regionen südlich der Donau und für einige Leelagen der zentralen Mittelgebirge. Auch in Richtung Stettiner Haff können sich immer wieder große Wolkenlücken zeigen.

Die Höchstwerte liegen in Richtung Uckermark bei eisigen -4 bis -6 Grad, im Norden und Nordosten zwischen 0 und -4 Grad und sonst zwischen +1 und +9 Grad (mit den höchsten Werten den Oberrhein entlang).

Der Wind aus Ost bis Südost weht im Süden schwach, im Norden mäßig und frischt im Umfeld der Küsten weiterhin stark böig auf.

In der Nacht zum Sonntag ändert sich kaum etwas am zuvor Gesagten. Im Nordwesten (Ostfriesland, Umfeld der Weser) dauern die leichten gefrierenden Niederschläge weiter an. Besonders ID2 hebt Mengen hervor, die ein zunehmendes Unwetterpotenzial bedeuten würden, was aber sonst innerhalb der Numerik defensiver gesehen wird. Egal wie, Glatteis sollte in dieser Region regional bis überregional ein Thema bleiben.

Im Rest der Republik findet weiter kein Luftmassenaustausch statt, sodass die teils bis knapp 4km AGL gesättigte niedertroposphärische Luftmasse vor Ort bleibt. Dichter Hochnebel, im Süden auch überregional dichter Bodennebel dominieren die Nacht. Einzig im äußersten Nordosten könnte es mit Einsickern einer trockeneren Luftmasse aus Ost für klare Momente reichen. Im Westen regnet es bei anhaltender schwacher WLA wiederholt hier und da etwas, meist als Regen, im geschützten Bergland von NRW/Nordhessen kann man lokal gefrierenden Niederschlag nicht ausschließen. Inwieweit der Hochnebel im Südwesten (Richtung Schwäbischer Alb) im Verlauf der Nacht etwas gehoben wird (inkl. gefrierendem Sprühregen) ist innerhalb der Numerik noch mit großen Unsicherheiten hinterlegt. Es ist aber auch hier nicht verkehrt früh mit einer Glättewarnung auf das Potenzial hinzuweisen.

Die Minima liegen nur im Westen im leichten Plusbereich und sonst zwischen 0 und -5 Grad. Im Nordosten, besonders bei Aufklaren droht jedoch verbreitet mäßiger, in Richtung Uckermark auch strenger Frost zwischen -6 und -11 Grad und auch am Alpenrand tritt mäßiger Frost auf.

Sonntag... bleibt das statische Strömungsmuster erhalten. Das erkennt man daran, dass der Druckgradient von West nach Nordost am Samstag und Sonntag jeweils zwischen 10 und 12 hPa verbleibt, zum Sonntag aber insgesamt 10 hPa höher als am Vortag. Was will man da Neues schreiben?

Im Nordwesten Andauer schwacher/zerfledderter WLA gegen die kalte Ostströmung mit wiederholt auftretendem gefrierendem Sprühregen, lokal/zeitweise auch gefrierendem Regen, mit Eiskörnern oder mit etwas Neuschnee. Die Phase wird von Feinheiten diktiert und kann erst im Nowcast besser herausgearbeitet werden. Grundsätzlich sollte aber in Richtung Schleswig-Holstein die Schneephase dominieren, im westlichen Niedersachsen zunehmend die flüssige Phase.

Im Westen regnet es zeitweise etwas, in geschützten Lagen des Berglands weiterhin örtlich mit Glätte, während sonst der Hochnebel, im Süden teils auch dichte Bodennebel dominieren. Ganz im Nordosten lockert die Bewölkung weiter auf. Es bleibt hier trocken. Allerdings gilt auch hier die Nebel-Hochnebelgebiete in Richtung Schwaben im Auge zu behalten, ob nicht gefrierender Sprühregen bei schwacher WLA/Hebung hervorgerufen werden kann. Gefrierender Sprühregen mit weiter anwachsenden Raueisablagerungen bleiben auch am Erzgebirgskamm ein Thema.

Die Höchstwerte liegen im Nordosten bei wirklich eisigen -5 bis -8 Grad (bis -10 Grad in 850 hPa), während grob östlich einer Linie Emsland-Vogtland leichter Dauerfrost zwischen 0 und -4 Grad erwartet wird. Je weiter man nach Süden und vor allem Südwesten kommt, umso milder wird es. Spitzenwerte liegen bei +9 Grad entlang des Oberrheins.

Keine Änderungen beim Wind zum Vortag.

In der Nacht zum Montag werden nur noch die Änderungen zur vorherigen Nacht beschrieben. Im Nordosten reißt die Bewölkung immer effektiver auf, teils verläuft die Nacht auch klar und mit -9 bis -13 Grad eisig kalt.

Gefrierender Niederschlag tritt weiterhin hin und wieder im Nordwesten auf (mit wechselnden Phasen), entlang des Erzgebirges (in Form gefrierenden Sprühregens und auch mit weiterem Rauseiswachstum) und sporadisch aus dem Hochnebel im Süden. Im Westen hier und da Regen.

Minima zwischen +3 Grad im Westen und -6 Grad in Richtung Oberfranken. Auch vom Oberpfälzer bis zum Bayerischen Wald tritt mäßiger bis lokal strenger Nachtfrost auf.

Montag... fällt der Luftdruck über Westeuropa und in dem Zuge kommt etwas Bewegung in unser Wetter, da sich gleichzeitig über Deutschland ein Höhenkeil aufwölbt. Diese Entwicklung lässt die Niederschläge im Westen im Vormittagsverlauf abklingen, sodass der Tag neben ausgedehnten dichten Wolken- und Hochnebelfeldern besonders im Südwesten, am Alpenrand und im Lee der Mittelgebirge einige Sonnenstunden verspricht. Vor allem im Alpenvorland wird es richtig sonnig (dank föhniger Komponente) und auch im äußersten Nordosten dominiert die Sonne. Regional kann sich im Süden allerdings zäh der Nebel halten und auf dem Erzgebirgskamm dauert der gefrierende Sprühregen mit teils immensem Raueisansatz weiter an.

Die Temperaturgegensätze halten an mit Höchstwerten von +7 Grad am Oberrhein und -8 Grad im gesamten Nordosten.

Der Ostwind weht mäßig, im Bergland auch frisch sowie weiterhin stark böig peripher der Küsten.

Die Nacht zum Dienstag verspricht dann neues Ungemach in Forme einer agilen Warmfrontpassage aus Südwest, die gegen die eisige Frostluft im Nordosten anrennt. Die von Südwesten aufkommenden Niederschlägen gehen über dem Westen und besonders über der Mitte teils in gefrierenden Regen über und in der Folge bei weitere Advektion nach Norden teils auch in Schnee. Für Details ist es noch zu früh, doch sollte man sich ausgangs der Nacht über der westlichen Mitte auf teils problematische Straßen einrichten. Sonst verläuft die Nacht im Norden häufig klar, im Süden wolkenverhangen, wobei im Süden auch abseits vom eigentlichen Niederschlag lokal gefrierender Sprühregen auftreten kann.

Die Minima liegen im Norden zwischen -8 und eisigen -14 Grad, sonst zwischen +1 und -7 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die grobe Entwicklung auf der synoptischen Bühne wird gut erfasst. Unsicherheiten gibt es aber bei Feinheiten mehr als genug, wie z.B. die Niederschlagsintensität und -phase im Nordwesten. Diese Unsicherheiten wurden im Text bereits angesprochen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy