Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 24.01.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Sonntagnachmittag teils kräftige Schneefälle zunächst im Süden, später bis in den Norden ausgreifend. Nach Osten hin Glatteisgefahr (Unwetter)! Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
---------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines stark negativ geneigten Potenzialtrogs, der sich - gespickt mit mehreren Drehzentren - von Kanada einmal quer über den Atlantik bis zum westlichen Mittelmeer erstreckt. Dort, genau genommen über dem Löwengolf, hat sich das flache (um 1000 hPa), aber recht hochreichende Tief LEONIE II etabliert, das bis morgen früh in Richtung Ligurisches Meer respektive Grenzbereich Frankreich-Italien zieht. LEONIE I hingegen - ehemals prominentes Sturmtief mit nahe 960 hPa im Kern - hat irisches Festland erreicht, wo es mittlerweile etwas über 980 hPa auf die barische Waage bringt. Die Reste der inzwischen deutlich vom Tief abgesetzten Okklusion haben die Nordsee und den Norden Deutschlands erreicht, wo es im nördlichen NDS bis hinüber nach SH anfangs noch etwas schneit. Allerdings hat es am Nachmittag lange gedauert, bis der Phasenübergang von gefrierendem Regen in Schnee vollzogen wurde, weil sich die "warme Nase" als äußerst resilient erwiesen hat gegen die zugegebenermaßen nicht übermäßig starken Hebungs- und Niederschlagsprozesse. Gut möglich, dass es aktuell auch noch etwas gefrierenden Regen gibt, aber kein Unwetter mehr.
Zwischen der nordwärts abziehenden Okklusion und dem Tief südlich der Alpen stellt sich in der Nacht zum Sonntag ganz leichter Zwischenhocheinfluss mit etwas kompensatorischem Absinken ein, was unter dem Strich für ruhige Verhältnisse sorgen dürfte. Im Norden und Osten bleibt es meist bedeckt, sonst präsentiert sich der Himmel abseits regionaler Hochnebelfelder (Süden/Südosten) vielerorts gering bewölkt oder klar. Im Süden und in der Mitte bildet sich stellenweise Strahlungsnebel. Bei leichtem, im Süden und in der Mitte vielfach mäßigem Frost muss vor allem dort, wo tagsüber und am Abend Niederschläge aufgetreten sind, mit Glätte durch gefrierende Nässe oder etwas Neuschnee gerechnet werden. Aber auch in Nebel- bzw. Nebelrandgebieten kann es hier und da glatt werden.
Sonntag ... ist es bald schon wieder vorbei mit der Zwischen-Ruhe. Das Tief über dem Ligurischen Meer nähert sich ganz langsam den Alpen, wo Druckfall ausgelöst wird. Eine Zirkulation im Bodendruckfeld ist zunächst allerdings nicht zu erkennen, vielmehr liegt zunächst nur eine amorph anmutende Rinne vor, die über die Alpen bis nach Italien bzw. zur Adria reicht. Entscheidend ist, was dann passiert. Mit Annäherung des Höhentiefs von LEONIE II an die Alpen wird über Süddeutschland ein stark zyklonal konturiertes, diffluentes Isohypsenfeld erzeugt, in dem nach oben zunehmende positive Vorticityadvektion generiert wird. Hinzu kommt von Osten her zunehmende WLA, die aber etwas nach Norden gegenüber der PVA verschoben ist.
Kurzum, es werden Hebungsmechanismen geschaffen, die sich am Vormittag in einem leichten Anheben der im Süden befindlichen Hochnebelfelder äußern. Die Folge ist etwas Schneegriesel oder gefrierender Nieselregen mit Glättegefahr. Etwas ab Mittag fängt es im Süden dann richtig an zu schneien, während in der Mitte dieselben Prozesse einsetzen wie zuvor im Süden (Anheben des Hochnebels/Stratus) und die durchaus einen nicht zu unterschätzenden Impact (Glätte/Glatteis) haben können. Im Süden kristallisieren sich bayerisch Schwaben und das südwestliche Oberbayern als die Region heraus, die bis zum Abend den meisten Schnee abbekommt. 5-10 cm stehen gebietsweise auf der Karte und das in 6 Stunden, was per definitionem eine markante Schneefallwarnung erforderlich macht. Ansonsten fallen im östlichen BaWü sowie auf bayerischer Seite etwa bis nach Mittelfranken Mengen von wenigen Flocken ohne komplette Bodenabdeckung bis hin zu wenigen Zentimetern < 5cm.
Bedeckt aber weitgehend niederschlagsfrei bleibt es in der kompletten Nordhälfte abzüglich einiger Auflockerungen oder Sonnenfenster in den westlichen Landesteilen. Bis zum Abend nimmt der östliche Wind auf der Nordsee stetig zu, Böen 7 Bft bleiben wohl zunächst aber nur Helgoland vorbehalten. Höchsttemperatur -3 bis +3°C, im tagsüber nahezu komplett frostfreien Westen und Südwesten bis zu +6°C.
In der Nacht zum Montag macht die erneute Einwinterung weitere Fortschritte. Das Höhentief überquert die Alpen nordwärts und zieht bis zum Morgen in die Mitte. An der Nord-Nordostflanke wird weiterhin PVA generiert, die nun zunehmend mit der o.e. WLA interagiert. Damit verstärken sich die Hebungs- und Niederschlagsprozesse bei gleichzeitiger Ausbreitung über die Mitte bis in den Norden. Inzwischen ist auch im Bodendruckfeld eine Zirkulation erkennbar, die sich aus der Rinne im Süden löst, um nach Lesart von ICON mit knapp unter 1000 hPa Richtung Erzgebirge (00 UTC) und dann ins Dreiländereck SN-BB-ST (06 UTC) zu ziehen.
Für die Schlagzeilen sorgen natürlich die Schneefälle, die vielerorts nicht nur länger andauern, sondern auch recht ergiebig ausfallen. Sie breiten sich über die Mitte bis in den Norden aus und dauern bis weit in den Montag an, weil sich das Tief nur sehr pomadig verlagert und die hebungsfördernden Advektionsprozesse an den Flanken sehr ordentlich konditioniert und ausdauernd sind. Akkumuliert man die Neuschneemengen bis Montagmittag, können bei aller noch gegebenen Modellunschärfe gebietsweise bis zu 15 cm, im Süden (Teile Frankens und bayerisch Schwabens, Ostalb bis Main-Tauber - so zumindest ICON) vielleicht sogar bis zu 30 cm zusammenkommen.
Und damit das Ganze nicht zu einseitig wird, sorgt ein Warmlufteinschub von Osten dafür, dass insbesondere in den östlichen Landesteilen kein Schnee - zumindest anfangs oder für einige Stunden -, sondern Regen fällt. Keine gute Nachricht angesichts tiefgefrorener Böden, die für rasche Eisbildung auf Wegen und Straßen sorgen. Die Ausgabe einer Vorabinformation Unwetter vor Glatteis am Sonntagmorgen ist auf Basis der aktuellen Prognosen unausweichlich, auch wenn Andauer und genaue räumliche Exposition (SuperHD z.B. ist sehr progressiv mit seiner Ausdehnung nach Westen) noch unscharf sind. Offen auch noch, ob die "warme Nase" trotz starker Hebungs- und Niederschlagsabkühlung bis zum Morgen vollständig wegerodiert und der Regen in Schnee übergegangen ist. Kritisch könnten ab Montagmorgen zudem noch Schneeverwehungen an der Ostsee werden, weil dort der der Nordostwind auf der Nordflanke des Tiefs mächtig Fahrt aufnimmt (Böen 7-8 Bft, exponiert 9 Bft). So oder so, Langeweile geht anders, der Winter gibt nicht auf.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... weitere Schneefälle, erst in der Nacht zum Dienstag nachlassend. Weitere und neue Details in der morgigen Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Dass die kurzfristige Entwicklung bis Montag brisant und spannend ablaufen wird, ist evident. Gleichwohl sind noch längst nicht alle Fragen geklärt (siehe Text), was u.a. an der genauen Zugbahn des Tiefs, insbesondere des Höhentiefs sowie der anhängigen Hebungsprozesse liegt (wie stark, wo genau, welche Luftmasse, welche Schichtung).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 24.01.2026 um 10.30 UTC
Es bleibt wechselhaft und winterlich.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 31.01.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag befindet sich Mitteleuropa im Einflussbereich eines Troges der sich mit mehreren Drehzentren von der Barentssee bis nach Nordägypten erstreckt. Ein Höhentief befindet sich anfangs über Brandenburg/Polen. Über dem Atlantik indes nähert sich weiterer Trog Westeuropa. An dessen Vorderseite wölbt sich ein Höhenkeil nordwärts und verdrängt das Höhentief/Trog nach Nordosten. Im Umfeld das nach Osten abziehenden Höhentiefs, gibt es anfangs leichte bis mäßige Schneefälle, die bis nach Süddeutschland reichen. Unter den Höhenkeil lassen die Niederschläge rasch nach.
Im Laufe der zweiten Tageshälfte greift jedoch die Warmfront eines atlantischen Sturmtiefs, dass sich aus einer Welle innerhalb des atlantischen Langwellentroges gebildet hat, von Westen her auf Deutschland über. Eine Sturmlage erwartet Deutschland aber nicht, da das Kerntief bei den Britischen Inseln verbleibt. Bei uns springen nur die Nordseeküste und vielleicht noch die westlichen Mittelgebirge auf den Wind an.
Je weiter der Tag bzw. Nacht fortschreitet und die Temperaturen wieder im Frostbereich liegen, könnte es nachts und Mittwoch früh gebietsweise zu gefrierenden Regen kommen. Die Phase ist aktuell aber noch sehr unsicher.
Im Laufe des Mittwochs trogt der atlantische Trog über dem westlichen Mittelmeer aus, so dass über dem warmen Wasser Zyklogenese einsetzt. Die Frontalzone verlagert sich indes über Deutschland in den Keil hinein und gerät unter Absinken. Die Niederschläge lassen insgesamt nach, wobei nach Nordosten die feste Phase dominiert. Die genaue Trogkonfiguration ist aktuell aber noch sehr unsicher. Die Warmluftzufuhr nach Deutschland wird aber abgeschnürt. In der Nacht zu Donnerstag fließen wieder kühlere Luftmassen nach Deutschland. Gleichzeitig formiert sich an einen Randtrog des atlantischen Langwellentrog erneut ein Sturmtief.
Am Donnerstag greifen der atlantische Trog und das neu gebildete Sturmtief auf Westeuropa über. Eine vorlaufende Frontalzone sorgt in der Nacht zu Freitag für Niederschläge über Deutschland, die je nach Timing auch gefrieren können. Auch der Wind frischt im Westen und Norden auf. An den Küsten und auf den Bergen werden Sturmböen erwartet.
Am Freitag verlagert sich das Höhentief bzw. Bodentrog über den Westen von Deutschland hinweg. Dabei bleibt der Wind frisch bis stürmisch und es muss immer mal wieder mit schauerartigen Niederschlägen kommen. Phasen können quasi alle auftreten. Gleichzeitig regeneriert sich der atlantische Langwellentrog und es bildet sich erneut ein Sturmtief über dem Atlantik. Dessen Ausläufer sollen nach dem aktuellen IFS Lauf bereits in der Nacht zu Samstag auf Westdeutschland übergreifen.
Am Samstag nähert sich das Sturmtief Deutschland an, füllt sich aber langsam wieder auf und verbleibt letzten Endes über den britischen Inseln. Über Deutschland gibt es an der Frontalzone leichte bis mäßige Niederschläge, die im Bergland als Schnee fallen. Aber auch die gefrierende Phase ist bei einer teils kalten Grundschicht lokal nicht auszuschließen.
In der erweiterten Mittelfrist blockiert weiterhin ein dominierendes Hoch über Nord und Osteuropa/Russland die Tiefausläufer, die vom Atlantik auf Europa treffen. Meist wird der Trog Richtung Mittelmeer abgelenkt, was dort zu einen teils sehr nassen und windigen Witterungsabschnitt führt.
FAZIT:
Zu der mittelfristigen Wetterlage ist zusammenfassen zu sagen, dass ein umfangreicher atlantischer Trog von einem recht stabilen und kalten Hoch über Nord- später auch über Osteuropa und Russland blockiert wird. Der atlantische Trog regeneriert sich immer wieder und induziert mehrere Sturmtiefentwicklungen, die vor allem über Westeuropa das Wetter stürmisch halten. Bei uns sorgen deren Tiefausläufer für einen wechselhaften aber weiterhin winterlichen Witterungsabschnitt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Vorhersagen des IFS mit seinen Vorläufen sind bis zum Ende des Mittelfristzeitraums recht konsistent. Es gibt natürlich Variationen wann genau welcher Randtrog oder Höhentief über Mitteleuropa hinwegzieht. Die großsynoptischen Strukturen wie die atlantischen Sturmtiefs die am Dienstag/Mittwoch (Westeuropa) und Donnerstag/Freitag bzw. auch am kommenden Wochenende auch Mitteleuropa betreffen könnten recht ähnlich simuliert. Insgesamt stellt sich ein wechselhafter, im Westen und Nordwesten zeitweise auch stürmischer Witterungsabschnitt ein. Es bleibt winterlich mit verbreitet Nachfrösten und es gibt vor allem im Bergland immer mal wieder teils stärkeren Schneefall. Auch gefrierender Regen könnte immer mal wieder Thema werden.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch im Vergleich mit anderen Globalmodellen gibt es keine andere Prognose. Es gibt natürlich Unterschiede in der Trogkonfiguration und wann, wie die Frontalzonen auf Deutschland übergreifen. Im Gro simulieren aber alle die gleiche wechselhafte und teils winterliche Wetterlage.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
In dem Ensemble des ECMWFs gibt es einen nur leicht schwankenden Temperaturtrent in 850 hPa um -2 Grad herum und auch im 500 hPa Geopotenzial sind die Schwankungen nur sehr geringfügig bis zum Ende der Mittelfrist. Der Spread bleibt eher gering.
In den Clustern ist bis 360 h eine negative NAO zu erkennen. Eine Umstellung der Wetterlage ist aktuell nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GLÄTTE/SCHNEE
Quasi im gesamten Mittelfristbereich kann es immer mal wieder zu leichten bis mäßigen Schneefallen kommen. Oftmals ist die Phase der Niederschläge sehr unsicher, so dass es auch immer mal wieder zu gefrierendem Regen kommen kann.
WIND:
Vor allem an der Nordseeküste und an den westlichen Mittelgebirgen sind zeitweise stürmische oder gar Sturmböen nicht auszuschließen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher





