Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 31.08.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Typische Westlage. Im Norden wechselhaft, Schauer und kurzen Gewitter, auch in der Mitte einzelne Schauer, nach Süden zu mehr Sonne und meist trocken.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... liegt Deutschland am warmen Rande einer relativ zonal ausgerichteten und nur wenig mäandrierenden Frontalzone. Ein darin eingelagerter Trog hat bereits den Westen Deutschlands erreicht und wird rasch ostwärts gesteuert, wobei von diesem zu Beginn der zweiten Nachthälfte bereits die Oder und Neiße passiert wird. Vorderseitig konnte, gestützt durch kräftige Hebung, in labil geschichteter Luft vom mittleren Nordatlantik, die Schauer- und Gewittertätigkeit aufleben. Da konnte Kaltluftadvektion, die diesen Trog überlaufen hatte, nicht viel gegenhalten. Bei einem MU-CAPE von ca. 500 bis 1000 J/kg und einem Gehalt an niederschlagbarem Wasser von 25 bis 30 mm waren die Voraussetzungen für rege Konvektion durchaus gegeben; vor allem niedertroposphärische Scherung bis weit in den signifikanten Bereich hinein deuteten auf einen hohen Organisationsgrad und zumindest staffelartige Entwicklungen hin, was so auch im Nordwesten und Norden Deutschlands beobachtet wurde.
Der Trog zeichnete sich auch im Bodendruckfeld ab, so dass, abgesehen von tieferen Lagen Süddeutschlands und vom Südosten, verbreitet Windböen Bft 7 und vereinzelt in freien Lagen auch stürmische Böen auftraten. Zudem war ein kräftiger Oberwind wirksam, der im 850 hPa-Niveau 40 kt erreichte. Bei entsprechender Konvektion dürften Böen bis in diese Größenordnung zustande gekommen sein, d.h. Sturmböen bis Bft 9. Starkregen und (kleinerer) Hagel waren bei diesen Entwicklungen von untergeordneter Bedeutung. Im Süden und Südosten Deutschlands hielt sich dagegen schwacher Hochdruckeinfluss. In diesen Gebieten konnte Kaltluftadvektion voll wirksam werden, so dass nur flache Konvektion auftrat, die allenfalls zu schwachen Schauern geführt hatte.
In der Nacht zum Dienstag wird die Strömung antizyklonaler; Stabilisierung setzt ein und bringt die Konvektion zum Erliegen. Einzelne Schauer sind noch an der Küste unterwegs, die aus der warmen See resultieren. Ansonsten dürfte es niederschlagsfrei bleiben.
Mit dem Abzug des Höhen- und Bodentroges fächert der Gradient auf, so dass der Wind abflaut und sehr wahrscheinlich bereits im Laufe der ersten Nachthälfte nicht mehr warnrelevant ist.
Dort, wo es zuvor viel geregnet hatte, können sich flache Nebelfelder bilden.
Dienstag ... wird ein weiterer, aber wesentlich schwächerer Kurzwellentrog ostwärts gesteuert, der allenfalls den Norden Deutschlands streift. Zwar können ein paar hundert J/kg MU-CAPE generiert werden, aber die Schichtung ist deutlich weniger labil als dass dies heute der Fall war. Auch ist mit 20 bis 25 mm deutlich weniger Wasser in der Troposphäre. Daher beschränken sich Schauer im Wesentlichen auf den Norden und Nordosten Deutschlands, Gewitter sind, abgesehen vielleicht von der Küste, ansonsten eher unwahrscheinlich. Warnrelevante Böen bis maximal Bft 7 sind auf die Küste beschränkt. Südlich der Mittelgebirgsschwelle macht sich ein vom Azorenraum bis zum südöstlichen Mitteleuropa reichender Hochkeil bemerkbar. Absinken sorgt für längere sonnige Abschnitte, so dass dort in tieferen Lagen Höchsttemperaturen um oder etwas über 25 Grad erreicht werden. Ansonsten sind 19 bis 23 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Mittwoch greift nach einer vorübergehenden antizyklonalen Strömungsphase ein weiterer Kurzwellentrog auf den Westen Deutschlands über. In der eingeflossenen stabileren und trockeneren Luftmasse kann die trogvorderseitige Hebung nicht viel ausrichten, so dass allenfalls an der Nordsee die Konvektion bis hin zu kurzen Gewittern wieder aufleben kann. Ansonsten macht sich Hochdruckeinfluss bemerkbar, wodurch es verbreitet aufklart. Bei geringen Luftdruckgegensätzen können sich in den mittleren und südlichen Landesteilen flache Nebelfelder bilden.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... setzt sich nach Passage des erneuten Kurzwellentroges von der Nacht zuvor eine relativ glatte und nach Südwesten hin eher leicht antizyklonal gekrümmte Strömung durch. Eine darin eingelagerte schwache Kaltfront wird bereits über Schleswig-Holstein rückläufig und bringt allenfalls in Nordseenähe ein paar, in Nordfriesland vielleicht auch bis 10 mm Niederschlag zustande. Etwas Labilität ist ganz im Süden und Südosten vorhanden, dank Einstrahlung können dort (und auch bis in den Erzgebirgsraum hinein) ein paar hundert bis maximal 1000 J/kg MU-CAPE generiert werden, ein Flüssigwassergehalt von nur wenig über 20 mm und fehlende dynamische Hebung sind nicht unbedingt ein gewitterträchtiges Umfeld. Somit sind einzelne konvektive Umlagerungen auf den unmittelbaren Alpenrand, eher jedoch auf den inneralpinen Raum und mit geringer Wahrscheinlichkeit auch auf das Erzgebirgsumfeld beschränkt. Abgesehen hiervon hält sich antizyklonaler Einfluss. Gegenüber Dienstag ändern sich die Temperaturen nur unwesentlich.
In der Nacht zum Donnerstag macht sich mehr und mehr ein breiter Höhenrücken bemerkbar, der sich von der Iberischen Halbinsel in Richtung Westeuropa aufwölbt. Durch diesen wird ein Bodenhoch gestützt, das sich von Frankreich her in den Südwesten und Süden Deutschlands ausweitet. In dessen Bereich kann es aufklaren, so dass sich bei geringen Luftdruckgegensätzen erneut flache Nebelfelder bilden können.
Ansonsten macht sich Warmluftadvektion bemerkbar, die mit der Warmfront eines kräftigen Tiefs südwestlich von Island in Verbindung steht. Von Nordwesten und Westen her zieht mehrschichtige Bewölkung auf, die auch auf Teile der Mitte übergreift. Zudem frischt an der See der Wind auch wieder mit Böen Bft 7, in exponierten Lagen mit einzelnen stürmischen Böen auf. Nennenswerte Niederschläge sind jedoch auf die küstennahen Gebiete und die Grenzregion zu Dänemark beschränkt.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 31.08.2026 um 10.30 UTC
Im Norden unbeständig, vor allem bis Freitag häufig Regen und windig, an den Küsten zeitweise stürmisch. Im Süden mehr Sonne, kaum Niederschläge und sommerlich warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 07.09.2026
Der meteorologische Herbst ist da, und entsprechend hat sich auch die Wetterlage auf ein für diese Jahreszeit recht typisches Muster umgestellt: Eine mehr (vor allem im Norden bis Freitag) oder weniger zyklonale Westlage (im Süden antizyklonal, vielleicht sogar eher "Brücke Mitteleuropa"). Dabei befindet sich das Vorhersagegebiet zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am Donnerstag, an der Südflanke eines Höhentroges über Skandinavien, dessen Drehzentrum sich bis Freitagfrüh langsam von Mittelschweden nach Südfinnland verlagert. Derweil findet ins Seegebiet südlich von Island ein weiterer Trogvorstoß statt, dazwischen wölbt sich ein flacher Rücken auf, der nachts von GB bzw. der Nordsee her ins Vorhersagegebiet schwenkt. Dieser stützt eine zonal orientierte Hochdruckbrücke, die von Frankreich über Süddeutschland bis nach Südosteuropa reicht und vor allem etwa südlich von Mosel und Main für einen freundlichen Sonnen-Wolken-Mix sorgt. Dort bleibt es trocken und spätsommerlich warm.
Anders in der Nordhälfte: Nachdem die Kaltfront des mit dem Skandinavientrog korrespondierenden Bodentiefs bereits eingangs der Nacht zum Donnerstag den Nordosten des Landes überquert ist, folgt bereits Donnerstagfrüh das nächste Frontensystem eines zum Nordatlantiktrog gehörenden Bodentiefs südlich von Island. An dessen Okklusionspunkt entwickelt sich im Tagesverlauf ein Teiltief, welches über Dänemark und Südschweden bis Freitagfrüh ins Baltikum zieht. Dessen Kaltfront überquert rasch Norddeutschland, gerät dann aber in der Nacht zum Freitag irgendwo über der Landesmitte ins Schleifen. Zumindest nach Lesart des IFS verliert sie aber mit Annäherung an die Hochdruckbrücke weiter südlich deutlich an Wetterwirksamkeit, während im Norden und Nordosten bis Freitagfrüh 1 bis 10 l/m² Regen fallen können (ICON und GFS haben noch höhere Mengen auf der Agenda, dazu später mehr).
Dazu weht an der Südflanke des Teiltiefs lebhafter westlicher Wind, an exponierten Küstenabschnitten sowie auf dem Brocken kann es einzelne stürmische Böen geben.
Am Freitag und in der Nacht zum Samstag verlagert sich der Höhentrog vom Seegebiet bei Island langsam Richtung Nordmeer und Norwegische See, wodurch vor allem der Norden und Nordosten des Landes zunehmend unter die Frontalzone gelangen, die westnordwestliche Höhenströmung dort also deutlich zyklonal konturiert ist.
Im Bodenfeld zieht eine weitere Frontalwelle rasch über die mittlere Nordsee und Dänemark zur südlichen Ostsee und schlägt bereits in der Nacht zum Samstag über dem Baltikum auf. Deren Kaltfront überquert im Tagesverlauf Norddeutschland langsam südostwärts, gerät dann aber mangels Schubkomponente vor allem in der Nacht zum Samstag erneut ins Schleifen. Insbesondere im Bereich dieser Schleifzone fällt gebietsweise länger anhaltend Regen (nach IFS vom Emsland bis nach Brandenburg 5 bis über 10, im Weser-Emsgebiet teilweise über 15 l/m² in 24 Stunden). Rückseitig kann es neben einzelnen Schauern vor allem an den Küsten eventuell auch kurze Gewitter geben, allzu labil ist die Luftmasse aber nicht. Der Wind an der Südflanke der Frontalwelle legt gegenüber dem Vortag noch einmal eine Schippe drauf. An den Küsten gibt es nun verbreitet stürmische Böen, an der Nordsee eventuell auch Sturmböen aus West bis Südwest, ebenso auf dem Brocken. Eventuell reicht es auch in der Norddeutschen Tiefebene gebietsweise für stürmische Böen.
Der Südwesten und Süden verbleiben dagegen im Einflussbereich der allerdings vorübergehend etwas an Substanz verlierenden Hochdruckbrücke. Dort scheint somit erneut häufig die Sonne und präfrontal gelangt dorthin auch noch einmal ein Schub wärmerer Luft aus Südwesteuropa (T850 hPa: 14 bis 20 Grad), so dass gebietsweise ein heißer Tag auf der Agenda steht. In den Norden gelangt dagegen maritim erwärmte Subpolarluft mit unter 10 Grad in 850 hPa.
Am Samstag kommt es vor der Südspitze Grönlands erneut zu einem markanten Trogvorstoß. Unser Nordmeertrog wird somit mehr und mehr "zugeschüttet" und durch WLA wölbt sich über Westeuropa ein breiter, aber flacher Höhenrücken auf, der in der Nacht zum Sonntag langsam Richtung Nordsee vorankommt. Dadurch stellt sich über Mitteleuropa eine zunehmend antizyklonal konturierte westnordwestliche Höhenströmung ein.
Die Kaltfront der inzwischen über dem Westen Russlands angelangten ehemaligen Frontalwelle kommt über den mittleren Landesteilen nun wieder etwas schneller nach Süden voran, gerät aber unter Druckanstieg und löst sich auf. Nach Lesart des IFS bringt sie höchstens von den östlichen Mittelgebirgen bis nach Ostbayern noch leichte Niederschläge, nach Westen zu bleibt es trocken, im Südwesten und Süden sowieso. Postfrontal kann es im Norden und Nordosten, am ehesten an den Küsten, tagsüber noch einzelne kurze Schauer geben, die aber auch dort keinen nennenswerten Niederschlagseintrag mehr zur Folge haben. Im Norden und Osten bleibt es zumindest tagsüber noch windig mit stürmischen Böen an den Küsten und in einigen Mittelgebirgslagen. Im Südwesten und Süden kommt die Kaltfront gar nicht mehr an. Dort scheint erneut meist die Sonne und es bleibt sommerlich warm (25 bis 30 Grad). Aber auch im Norden und Osten ist die Luftmasse bei 6 bis 9 Grad in 850 hPa einigermaßen angenehm temperiert. Die Nacht zum Sonntag wird dann aber im Einflussbereich der sich vorübergehend bis nach Norddeutschland ausbreitenden, dann aber ostwärts schwenkenden Hochdruckbrücke bei oft klarem Himmel ziemlich frisch.
Am Sonntag schwenkt der flache Rücken langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts. Die Hochdruckbrücke über Mittel- wird dadurch allmählich nach Osteuropa abgedrängt und mit Annäherung eines von Irland über die mittlere Nordsee bis Montagfrüh zum Skagerrak ziehenden Tiefdruckgebietes dreht die Strömung niedertroposphärisch rasch auf Südwest bis Süd. Dadurch wird der Weg frei für einen Schub heißer Subtropikluft bis ins Vorhersagegebiet. Die Temperatur in 850 hPa steigt selbst in Norddeutschland auf 10 bis 14 Grad, im Süden nach IFS sogar auf 18 bis 23 Grad!
Mit der Warmfront des Tiefs kann es im Nordwesten und Norden Deutschlands eventuell etwas regnen, ansonsten steht aber ein störungsfreier und vor allem im Süden recht sonniger Tags ins Haus. Eventuell entwickeln sich über den Mittelgebirgen Süddeutschlands und an den Alpen einzelne kräftige Gewitter. Nach Lesart des IFS kann es ganz im Südwesten noch einmal sehr heiß werden, die anderen Modelle sind diesbezüglich aber deutlich defensiver aufgestellt.
Am Montag bleibt es bei der leicht mäandrierenden westlichen Höhenströmung, die Frontalzone verläuft nördlich von uns. Das Bodentief kann somit rasch vom Skagerrak bis zum Baltikum, in der Nacht zum Dienstag bis nach Weißrussland ziehen, erneut gerät dessen Kaltfront ins Schleifen, dieses Mal über Norddeutschland. Während die Niederschlagsmengen im Bereich der Schleifzone dieses Mal mangels dynamischer Hebungskomponente im eher antizyklonalen Umfeld nicht allzu üppig ausfallen, wird in den Warmsektor weiter südlich eine zunehmend feuchte und potenziell instabile Luftmasse advehiert, innerhalb derer sich dann teils kräftige Gewitter entwickeln können, Unwetter (in erster Linie aufgrund von Starkregen) nicht ausgeschlossen.
Das Temperaturniveau bleibt eher zweigeteilt: Im Norden mäßig warm bis warm, in der Mitte und im Süden sehr warm.
Ein Blick auf die erweiterte Mittelfrist: Der bereits am Samstag Richtung Irmingersee vorstoßende Höhentrog kommt zunächst langsam nach Süden, dann unter Amplifizierung nach Westen voran und greift zu Wochenmitte als hochreichendes Zentraltief auf den Norden der Britischen Inseln über. Dadurch steilt die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet mehr und mehr auf und die Zufuhr sehr warmer Subtropikluft vor allem nach Süddeutschland bleibt aufrecht, während der Norden und Nordwesten, zunehmend auch die mittleren Landesteile von Tiefausläufern gestreift werden. Dort bleibt es unbeständig mit Schauern und Gewittern, dazu mäßig warm bis warm. Weiter südlich stehen dagegen weitere Sommertage ins Haus, im Südwesten eventuell auch noch der ein oder andere heiße Tag. Einzelne kräftige Gewitter sind aber auch dort durchaus in Betracht zu ziehen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis Sonntag kann den letzten drei IFS-Läufen eine gute Konsistenz bescheinigt werden. Der grobe Fahrplan steht, kleinere Differenzen gibt es, die Zugbahnen des Teiltiefs bzw. der Frontalwelle und deren Wetterwirksamkeit von Donnerstag bis Samstag betreffend. Das hat in erster Linie Einfluss auf die Niederschlagsprognosen insbesondere in der Nacht zum und am Freitag. Der aktuelle Lauf hat die Regenmengen im Bereich der schleifenden Kaltfront gegenüber den beiden Vorläufen reduziert, vor allem für Teile von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
Den Vorstoß sehr warmer bis heißer Subtropikluft zumindest nach Süddeutschland am kommenden Sonntag hatten auch die beiden gestrigen Läufe auf der Agenda, allerdings nicht so markant und in einem zyklonaleren Umfeld, was eine verstärkte Gewitteraktivität zur Folge hätte.
Zudem simulieren die beiden gestrigen Läufe zu Beginn kommender Woche eine Front- und Trogpassage im Vorhersagegebiet, die die sehr warme Subtropikluft wieder aus dem gesamten Land verdrängen würde.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der grobe Fahrplan bis zum kommenden Wochenende steht, dennoch gibt es ebenfalls noch Differenzen, zunächst einmal die räumliche Verteilung und Mengen der Niederschläge im Bereich der über Norddeutschland schleifenden Front betreffend. Nach Lesart des GFS kommt die Kaltfront in der Nacht zum Samstag bzw. am Samstagvormittag sogar bis zu den Alpen voran. Generell ist das Modell auch noch für den Samstag deutlich zyklonaler aufgestellt als alle anderen vorliegenden Modelle mit häufigen Schauern bzw. sogar einzelnen Gewittern im Norden und Osten und bis ins Binnenland ausgreifenden stürmischen Böen im Nordosten. Dadurch verzögert sich auch der Vorstoß sehr warmer bis heißer Subtropikluft vor allem in den Süden des Vorhersagegebietes am Sonntag deutlich bzw. findet nach Lesart des Modelles erst am Montag und deutlich abgeschwächt statt. Während ICON diesbezüglich ebenfalls etwas zurückhängt und nicht so offensiv aufgestellt ist, simuliert das GEM ebenfalls T850 hPa-Temperaturen weit jenseits der 20 Grad, allerdings erst etwa 12 Stunden später. In der erweiterten Mittelfrist hat das GFS eine ähnliche Variante wie die beiden gestrigen IFS-Läufe mit einer Trog- und Frontpassage bereits am Montag/Nacht zu Dienstag auf der Agenda, so dass die Subtropikluft nicht einmal bis nach Süddeutschland vorankommt. Nach Lesart des GEM folgt die Passage am Dienstag und es stellt sich nach Lesart des Modells zu Wochenmitte sogar eine Troglage über Mitteleuropa ein.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Member auf vier Cluster, die allesamt dem Großwetterlagenregime "NAO positiv" zugeordnet sind mit tiefem Geopotenzial über Nordwest- und Nordeuropa und einem breiten Rücken über Südwesteuropa bzw. dem Mittelmeerraum. Für das Vorhersagegebiet (knapp am Südrand der Frontalzone) unterscheiden sich diese kaum.
Auch im nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden) dominiert das Großwetterlagenregime "NAO pos." mit drei Clustern. Unterschiede gibt es bzgl. des erneuten Trogvorst0ß auf den mittleren Nordatlantik. CL 1 (22 Member) ähnelt dabei der Variante des Hauptlaufes und hat ebenfalls ein über den Norden von GB nach Südskandinavien ziehendes Bodentief auf der Agenda, auf dessen Vorderseite bereits am Sonntag rasch heiße Subtropikluft nach Süddeutschland vordringen kann.
Nach CL 2 (17 Member) bleibt der Trog über Skandinavien dagegen etwas dominanter, so dass die Höhenströmung kaum mäandriert. Die Hochdruckbrücke über Süddeutschland ist somit auch am Sonntag/Montag eher zonal ausgerichtet und verhindert ein Vordringen heißer Subtropikluft nach Süddeutschland. Warm bleibt es dort dennoch.
CL 3 (17 Member) tendiert eher Richtung GEM-Modell: Der Trog über dem mittleren Nordatlantik amplifiziert stärker, entsprechend wölbt sich vorderseitig vorübergehend ein breiter Rücken auf und schwenkt zum Montag Richtung Mitteleuropa. Das hat den Aufbau eines kräftigeren Bodenhochs zur Folge, das sich erst zum Montag hin langsam ins östliche Mitteleuropa verlagern würde. Auf dessen Rückseite kommt die heiße Subtropikluft gegenüber der Variante des IFS-Hauptlaufes etwas verspätet im Vorhersagegebiet an, dafür aber durchaus "mit Macht".
Danach gehen die Läufe deutlich auseinander. Im Zeitraum 192 bis 240 Stunden verteilen sich die ENS-Member entsprechend auf sechs Cluster, wobei fast alle denkbaren Varianten vertreten sind. Das spiegelt sich auch in der Großwetterlagenprognose nach Paul James wieder: Zyklonale und antizyklonale Varianten halten sich die Waage, insgesamt dominieren zunächst noch "warme" Lösungen, wobei die "kalten" ENS-Läufe zum Ende hin etwas zunehmen.
Auch in den Rauchfahnen einzelner Gitterpunkte im Vorhersagegebiet findet sich das Auseinanderdriften der ENS-Member ab Beginn/Mitte kommender Woche wieder. Bis dahin verläuft die Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der Einzelmember in einem zunächst engen, ab dem Wochenende dann langsam breiter werdenden Spread. Vor allem im Bereich der schleifenden Front in den mittleren Landesteilen steigen die Unsicherheiten bereits ab Freitag mit teilweise recht weit auseinanderlaufenden Niederschlagsprognosen der Einzelmember.
Richtung Mitte kommender Woche reicht dann die Schwankungsbreite der 850 hPa-Temperatur für die meisten Gitterpunkte von unter 5 Grad bis an die 20 Grad oder knapp darüber. Ein Median, um den sich die meisten Member bündeln, lässt sich dann kaum mehr ausmachen.
FAZIT:
Der grobe Fahrplan steht bis zu Beginn kommender Woche: Im Süden weiterhin viel Sonne überwiegend warm bis sehr warm, eventuell noch einmal heiß, im Norden bis in die Mitte reichend unbeständig und nur mäßig warm. Im Übergangsbereich kann es am Freitag länger regnen; wo genau, ist noch unklar. Was dann im Laufe der kommenden Woche passiert, ist dagegen noch komplett unklar.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wetterereignisse beschränken sich zunächst in erster Linie auf den Wind. Vor allem am Freitag betrifft das nicht nur die Küsten, wo es dann verbreitet stürmische Böen, entlang der Westküste von Schleswig-Holstein (ebenso wie auf dem Brocken) sogar Sturmböen geben kann, sondern auch das Norddeutsche Tiefland mit stürmischen Böen zumindest in Schauernähe und in freien Lagen. Kurze Gewitter sind zwar ebenfalls möglich, treten aber mangels Labilität allerhöchstens ganz vereinzelt auf, am ehesten an den Küsten. Im Bereich der schleifenden Front ab der Nacht zum Freitag bis Samstagfrüh kann es gebietsweise länger anhaltend regnen. Momentan simulieren die Modelle aber Mengen knapp unterhalb der Warnschwellen für Dauerregen und auch die Probabilistik springt nicht so wirklich darauf an. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass sich das noch ändern könnte.
Am Samstag beschränken sich stürmische Böen dann aber lediglich noch auf die Küstenregionen bzw. vielleicht noch den äußersten Nordosten (hier zeigt neben GFS auch IFS-EPS noch leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Bft 8) und auf den Brocken.
Ab Sonntag könnten dann wieder konvektive Ereignisse in den Fokus rücken. Am Sonntag selbst reicht es aber voraussichtlich lediglich in den süddeutschen Mittelgebirgsregionen und an den Alpen für vereinzelte kräftige Gewitter. Zu Beginn kommender Woche könnten dann aber eventuell weitere Landesteile davon betroffen sein. Zunächst steht wohl der Starkregen als Begleiterscheinung im Fokus, je nach Trogkonstellation und erhöhter Cape/Shear-Überlappung steigt in weiterer Folge eventuell aber auch das Unwetterpotenzial etwas an.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





