Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 25.05.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Warnarmes, sommerliches Hochdruckwetter mit nur kleinen Schönheitsfehlern
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... und die nächsten Tage präsentiert sich das Wetter in Mittleeuropa und somit auch in Deutschland von seiner aus Meteorologen Sicht langweiligen Seite. Während die Natur unter dem trockenen Wetter und den hohen Temperaturen schon lechzt, freuen sich die Sonnen- und Hitzeliebhaber über den vorzeitigen Sommerstart.
Am heutigen Montag und am morgigen Dienstag trumpft ein großräumiges Höhenhoch auf, welches seinen Schwerpunkt nur langsam von den Benelux-Staaten über die Schweiz hinweg zur französischen Mittelmeerküste verlagert. Hierzulande sind demnach in der Höhe bis in die Nacht zum Mittwoch komplett antizyklonale Strömungsbedingungen zu verzeichnen. Bodennah stützt der Rücken eine ausgeprägte Hochdruckzone von Island über die Britischen Inseln und die Nordsee hinweg bis in den zentralen Mittelmeerraum. Das Hochzentrum über Deutschland und den Alpen schwächelt dabei zunehmend und verschwindet, während sich gleichzeitig über den Britischen Inseln und der Nordsee ein neues kräftiges Bodenhoch ausbilden kann. Somit liegt Deutschland auch bodennah weitreichend unter Hochdruckeinfluss. Entsprechend sind dynamische Hebungsimpulse Mangelware. Frontogenetische Prozesse spielen heute Abend und am Dienstag ebenfalls keine Rolle. Somit bleibt die Diabatik mit orografischer Unterstützung. Sowohl am heutigen Montagabend als auch am Dienstag kann sich bevorzugt im Schwarzwald und in den Alpen etwas Cape aufbauen, welches allerdings leicht gedeckelt ist. Dennoch könnten die diabatischen und orografischen Hebungsimpulse ausreichen, um dort einzelne Schauer- und Gewitterzellen auszulösen. Nahezu alle deterministischen Modelle geben entsprechende Hinweise. Bei PPWs von 20 bis 27 mm sowie kaum Verlagerung steht dann natürlich der Starkregen im Fokus. Resultierend kann festgehalten werden, dass bei Auslöse und Entwicklung (fraglich) Starkregen wahrscheinlich scheint. Ansonsten bleibt Montag und Dienstag die Hitze Thema Nr. 1. Temperaturen von 10 bis 19 Grad in 850 hPa lassen die Temperaturen im ganzen Land steigen. Am Dienstag sollen die Höchstwerte nur noch im Küstenumfeld und im Nordosten unterhalb der 30 Grad verbleiben. Im Südwesten stehen recht verbreitet rund 34 Grad im Programm. Bei einer Sonnenscheinausbeute von meist 90 bis 100%, also nahezu keiner Wolke, steigt auch der UV-Index auf 7 bis 8 im Süden sogar bis 9 und geht so mit einer teils sehr hohen gesundheitlichen Gefährdung einher. Sonnenbaden sollte demnach eingeschränkt oder deutlich geschützt stattfinden.
In der Nacht zum Mittwoch und am Mittwoch kann sich ausgehend von einem Höhentief über Nordwestrussland ein Trog südwärts amplifizieren und nachfolgend die Strömungsbedingungen im Nordosten und Osten Deutschlands zyklonaler gestalten. Bodennah korreliert der Trog mit einer großräumigen Tiefdruckzone über Skandinavien und Osteuropa. Im Zusammenspiel mit dem Hoch über der Nordsee stellt sich eine nördliche Strömung ein, mit der kühlere Luft polaren Ursprungs angezapft wird. Die kühlere Luft macht sich hierzulande jedoch vorwiegend in der Osthälfte bemerkbar. Insgesamt sinken die Werte in 8500 hPa in der Nacht zum Donnerstag auf 3 Grad im Nordosten und bis 16 Grad im Südwesten. Bei den Höchstwerten teilt die von Norden übergreifende, bis in die Mitte vorankommende und wenig aktive Kaltfront das Land in zwei Teile. Während die Maxima in der Nordhälfte nur noch 15 bis 25 Grad erreichen, werden im Südteil weiter 25 bis 34 Grad erwartet. Mit Blick auf potentielle Hebungsprozesse bleibt das Geschehen mau. Inwieweit die frontogenetischen Impulse der Kaltfront ohne nennenswerte dynamische Hilfe aber einem diabatischen Input für Schauer ausreichen, muss noch genauer beobachtet werden. Die Modelle geben zumindest erste Hinweise, dass in der Nacht zum Mittwoch im Nordosten und am Mittwoch über der Mitte gebietsweise schauerartige Regenfälle nicht ausgeschlossen bzw. möglich sind. Auf der warmen Seite der Front wird durch die Anfeuchtung auch Cape bis auf Werte von 100 bis 800 J/kg aufgebaut. Zudem liegen dort PPWs von 22 bis 26 mm vor. Entsprechend können bei Auslöse auch einzelne Gewitter mit Starkregen und kleinem Hagel nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt stehen einer Entwicklung von Schauern und Gewittern sehr trocken Profile entgegen. Die große Nummer scheint es demnach nicht zu werden, einzelne Schauer und vielleicht auch kurze Gewitter können jedoch derzeit nicht ausgeschlossen werden und müssen im Fokus bleiben. Bei dem zweiten potentiellen Schauer- und Gewitterschwerpunkt sieht die Sache eindeutiger aus. Demnach simulieren die Modelle recht konsistent in der labil geschichteten Luft sowie durch eine Nordanströmung mit orografischer Unterstützung an den Alpen ausreichend Hebung für Schauer und Gewitter. Bei PPWs von 19 bis 25 mm sowie geringer bis keine Verlagerung muss der Starkregen berücksichtigt werden. Zudem gibt es auch dort Cape-Werte von 200 bis nahe 1000 J/kg, was bei entsprechend hochreichenden Zellen für kleinen Hagel spricht. Der Wind kann durch Eigenproduktion und potentiell trockenen Füssen steife bis stürmische Böen, bei kräftiger Entwicklung auch Sturmböen erreichen. Abseits von Gewittern sind zudem an der Küste bei auflandigem Nordwestwind einzelne steife Böen möglich.
Dienstag ... siehe oben
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... siehe oben
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die Hochdruckwetterlage einheitlich und ohne größere Abweichungen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 25.05.2026 um 10.30 UTC
Zunächst meist ruhiges und sommerliches Hochdruckwetter mit sehr geringer Gewitterneigung. Ab dem Wochenende Zonalisierung und zunehmend gewittrig.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 01.06.2026
Zu Beginn der Mittelfrist liegt Westeuropa unter einem ausgeprägten Höhenkeil, dessen Achse sich von Großbritannien bis ins Nordmeer erstreckt. Dieser Keil ist verbunden mit einer "Hitzeglocke" über Südwesteuropa. Flankiert wird er von einem Cut-Off-Tief über dem Atlantik und einem Langwellentrog über Osteuropa. Das korrespondierende Bodenhoch liegt über der Nordsee. Somit liegt Mitteleuropa weiträumig unter Absinken. Während die Südwesthälfte Deutschlands unter dem Einflussbereich einer warmen Luftmasse mit 850-hPa-Temperaturen von über 10 °C liegt, beginnt sich die eingeflossene kühlere Kontinentalluft (T850 ~ 5 °C) über dem Osten Deutschlands zu erwärmen. An den Alpen ist die Luft etwas labil geschichtet. Durch erzwungene Hebung können dort einzelne Gewitter entstehen. Ansonsten bleibt es sonnig.
Am Freitag schwenkt die Keilachse weiter nach Osten und erreicht den Westen Deutschlands. Dabei steigt die 850-hPa-Temperatur deutschlandweit über 10 °C, im Südwesten sogar über 15 °C. Allerdings beginnt sich das Bodenhoch abzuschwächen, was in einer diffusen gradientschwachen Lage über West- und Mitteleuropa mündet. Über Deutschland gibt es eine konvergente Bodenströmung, die allerdings vom Höhenkeil überlaufen wird. In der sich zunehmend labilisierenden Luftmasse verhindert dieser eine großflächigere Auslösung von Konvektion. Einzelne Hitzegewitter sind dennoch möglich.
Am Samstag regeneriert sich der Keil vorderseitig des nachrückenden Cut-Off-Tiefs über dem Atlantik wieder und stößt in die Nordsee vor. Wir gelangen an dessen Nordostflanke, wobei ein schwacher, wenig wetterwirksamer Kurzwellentrog über den Nordosten zieht und die Nordosthälfte von Kaltluftadvektion erfasst wird. In der schwülen und labilen Luftmasse im Südwesten sind einzelne Gewitter möglich. Aber auch hier verhindert der Höhenkeil eine großflächige Auslösung.
Am Sonntag zonalisiert die Lage allmählich. Nach einem raschen Durchgang des sich immer weiter abflachenden Höhenkeils greift ein flacher Kurzwellentrog auf den Westen über. Auf weitere Details wird hier verzichtet, da die Modelle noch sehr sprunghaft sind. Nach den meisten Lösungen bauen sich vorderseitige über 1000 J/kg CAPE auf, in der je nach Modell bei schwacher bis mäßiger Scherung Gewitter ausgelöst werden.
Im weiteren Verlauf zonalisiert die Lage weiter. Zunächst stellt sich ein Trog-Keil-Muster ein, dass in der erweiterten Mittelfrist laut IFS in einen Trog Westeuropa übergeht. Dies würde eine wechselhafte Witterungslage mit anfänglich kräftigen Gewittern und stetiger Abkühlung zur Folge haben.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis Freitag ist die Konsistenz des IFS gut. Zum Wochenende hin ist die Tendenz auch recht klar. Bezüglich der Kurzwellentröge gibt es einige Sprünge. Die Tendenz zur Zonalisierung und anschließenden Troglage wird auch im neuen Lauf bestätigt. Allerdings wölbt sich im neuen Lauf am Dienstag nächster Woche vorderseitig des nachrückenden Troges nochmal ein Keil auf, der schwül-heiße Luft nach Deutschland führt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Modelle zeigen eine ähnliche Entwicklung: Bis Freitag ist mit recht konsistentem Hochdruckwetter zu rechnen, am Wochenende nimmt die Zonalisierung zu und es gibt unterschiedliche Lösungen bezüglich des Übergreifens von Kurzwellentrögen, Konvergenzen bzw. Tiefdruckrinnen. Danach zeigt GFS nochmals eine Vorderseite mit schwül-heißer Luft zu Beginn der nächsten Woche, während ICON weitere Kurzwellentröge simuliert. GFS rechnet den Übergang zu Trog Mitteleuropa dann zum Ende der übernächsten Woche.
Die AIFS-Vorhersage ähnelt der IFS-Vorhersage.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-Rauchfahnen sind bis Freitag stark gebündelt und zeigen einen erneuten Temperaturpeak der 850-hPa-Temperatur am Freitag. Anders als im Hauptlauf berechnen einige Ensembles bereits am Freitag Niederschlagssignale im Norden, die vermutlich im Zusammenhang mit der Tiefdruckrinne stehen. Während der Temperaturrückgang am Samstag im Norden deutlich zu sehen ist, sind die Ensembles im Südwesten deutlich aufgefächert, was auf die Unsicherheiten beim Trogdurchgang hindeutet. Nach dem Wochenende ist die Streuung erheblich, bei allgemein sinkenden 850-hPa-Temperaturen und Geopotenzial sowie steigenden Niederschlagssignalen, die dennoch im moderaten bis leichten Bereich bleiben. Der erneute Temperaturanstieg im IFS-Hauptlauf am Dienstag ist ein Ausreißer.
Fazit: Bis Freitag gilt ruhiges Hochdruckwetter mit dem Hitzepeak am Freitag als gesichert. Die Gewitterneigung bleibt dabei ziemlich gering. Ab dem Wochenende zonalisiert die Lage zunehmend, sodass besonders bis Sonntag die Gewitterneigung steigt. Es gibt jedoch große Unsicherheiten bezüglich des genauen Ablaufs. Danach geht es mit einer wechselhaften Westwetterlage weiter. Gegen Ende des Vorhersagezeitraums besteht Potenzial für eine Troglage über West- oder Mitteleuropa, was auch die Clusteranalysen stützen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Donnerstag bleibt das Gewitterpotenzial am Alpenrand gering. Am Freitag können im Südwesten sowie im Bereich der Tiefdruckrinne im Nordwesten einzelne kräftigere Gewitter entstehen.
Am Wochenende steigt das Gewitterpotenzial: Am Samstag ist vor allem im Süden mit Gewittern zu rechnen, am Sonntag dann landesweit. Auch wenn die meisten Modelle nur wenig Scherung berechnen, sind bei CAPE-Werten von über 1.000 J/kg dann einzelne Unwetter zu erwarten.
Basis für Mittelfristvorhersage
Bis Freitag IFS/ICON, MOSMIX ab Samstag ENS-Mittel
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold





