Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 22.09.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Nord antizyklonal (Na) - gestört durch Trogdurchgang in der Nacht zum Donnerstag
Zunächst vielfach ruhiges Herbstwetter mit nächtlichen lokalen Nebelfeldern, im Süden und Südosten örtlich ersten Frösten. Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag vor allem im Nordwesten lokale Gewitter mit Starkregengefahr. Nachfolgend aus Westen erneute Wetterberuhigung.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... steuern wir rasant auf den kalendarischen Herbstanfang zu und einige Facetten, die einem in diesem Zusammenhang sofort in den Sinn kommen, werden uns dabei beim aktuellen Wettergeschehen auch kredenzt. Das betrifft zunächst erst einmal sämtliche Begleiterscheinungen, die mit ruhigem hochdrucklastigen Herbstwetter einhergehen. Dass wir es zunächst mit einer Hochdruckrandlage zu tun haben zeigt ein Blick auf die Höhenkarten, wo ein für die Jahreszeit ungewöhnlich starker Höhenhoch (man kennt die ungewöhnlich hohen Geopotentialanomalien ja noch aus den Sommermonaten) über der Iberischen Halbinsel thront. Es richtet einen Keil über die Nordsee und Skandinavien hinweg weit nach Norden bis Jan Mayen. Dieser wird flankiert von einem im Abtropfen befindlichen, dipolartigen Höhentiefkomplex, der von Weißrussland bis ins nördliche Griechenland reicht. Deutlich breiter angelegt ist der Trog an der Westflanke über Grönland, der in seinem Südteil über dem nahen Ostatlantik etwa bis auf 50 N reicht. Solange die WLA auf der Vorderseite für die Stabilisierung des Keils funktioniert, passiert kaum was Signifikantes, was aber bereits morgen Abend ändert. Doch dazu später mehr.
Während wir in der Höhe also eine nördliche Strömung zu verzeichnen haben, kommt diese bodennah reibungsbedingt auf der Vorderseite des Bodenhochs mit Zentrum über Benelux überwiegend aus nordwestlichen Richtungen. Damit gelangt von der Nordsee vor allem in den Nordwesten des Landes recht feuchte Luft in der Grenzschicht zu uns, die unterhalb der recht flachen Absinkinversion bei 900 hPa zu ausgedehnten Stratocumulusfeldern, bei niedrigen Auslösetemperaturen zwischen meist 12 und 16 Grad im Tagesverlauf teils aus Cu (cugen) bildend. Zusätzlich befinden sich über uns auch noch in Auflösung begriffene Frontenreste, die in den thermischen Feldern noch recht eindrücklich herauskommen. So springt die Temperatur in 850 hPa sprunghaft von 2 Grad auf bis zu 10 Grad an, wenn wir einmal vom Thüringer Wald bis rund 250 km nach Westen bis zur Eifel fahren. Spuren von CAPE mit Ankratzen der Null Grad Grenze gibt es im Tagesverlauf von Vorpommern bis zur Oberlausitz sowie im Südosten Bayerns, wo es ganz vereinzelt für einen "Mini-Schauer" reichen kann.
Überwiegend freundlich hingegen ist es von der Ostsee bis in die Altmark. Dort hilft kräftig der Skandinavienföhn mit und die Luft ist deutlich abgetrocknet. Auch südlich der Bodenhochachse im Südwesten Deutschlands scheint längere Zeit die Sonne. Dort wird es dann bei großen Tagesgängen (Frühwerte in Senken teils nur wenig über 0 Grad) mit bis zu 23 Grad auch am wärmsten. Sonst sind es meist 16 bis 20 Grad, im östlichen Bergland kaum 15 Grad, die am Nachmittag erreicht werden. Aus warntechnischer Sicht gibt es nichts berichtenswertes.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich die Keilachse in der Höhe minimal ostwärts, das Bodenhoch macht sich über Deutschland breit. Dadurch schläft der anfangs noch mäßige Nordwestwind selbst an der Ostseeküste bis zum Morgen immer mehr ein, im großen Rest des Landes ist es häufig windstill und auch unter Absinken oft gering bewölkt oder klar.
Folglich sind die Ausstrahlungsbedingungen ideal und die Temperaturen rauschen ordentlich in den Keller. Super HD und Mos-Mix deuten unisono in einigen Tal- und Muldenlagen abseits der Innenstädte in Teilen Bayerns den ersten "echten" Luftfrost an. Aber auch in Nordhessen, dem Baruther Urstromtal und der Lüneburger Heide wird es Ortschaften geben, die nur wenig Distanz zum Gefrierpunkt aufweisen. Etwas milder mit teils zweistelligen Tiefstwerten bleibt es lediglich auf den Inseln und vom Emsland bis ins Ruhrgebiet, wo sich noch längere Zeit kompaktere Wolkenfelder halten können.
Stellenweise bildet sich teils dichter Nebel. ICON-RUC und WarnMos legen die Akzente dabei vor allem auf Schleswig-Holstein und die Heide, Nordhessen, Unter- und Mittelfranken sowie generell die Flusstäler. Moment: Schleswig-Holstein? Was ist denn mit der trockenen Luft vom Skandiföhn? Legt man die Persistenz (heute Morgen zahlreiche Stationen mit Sichtweiten 300-600 m) zugrunde und berücksichtigt die bodennahe Rückdrehung des Windes auf West bis Südwest, macht das durchaus Sinn.
Mittwoch... entwickelt sich mit Zusammenführung von Polar- und Subtropenfront über dem offenen Atlantik ein stattliches Orkantief mit Kerndruck vorübergehend nahe 950 hPa. Die kräftige WLA auf dessen Vorderseite setzt ein Downstream Development in Gang, dass zu einem neuen Hochaufbau dicht westlich von Irland und weiter stromab ein Auslenken der Frontalzone über Schottland südostwärts führt. Letzteres generiert zum Abend einen sich fortwährend amplifizierenden, recht scharfen Randtrog (schöne intensive IPV Schleppe in 300 hPa), der zum Abend die Deutsche Bucht erreicht. Die Tiefentwicklung am Boden tendiert hauptsächlich in Zugrichtung Südnorwegen und schickt einen langgestreckten Trog, in den die Kaltfront eingebettet ist, Richtung Benelux.
In dessen Umfeld steigen nicht nur die PPW's auf über 30 mm an, auch die Labilisierung der Luftmasse schreitet voran. Vor allem an der Südflanke sind - wenig überraschend - auch die Scherwerte moderat bis hoch. Limitierende Faktoren bleiben aber die Tageszeit (Eintreffen im äußersten Nordwesten erst nach 19 Uhr), zunehmend auch die Jahreszeit und die Einmischung trockener Stratosphärenluft an der Südflanke. Die Vorhersagetemps von der Nordsee bis zum Emsland besitzen aber durchaus Starkregenpotential im markanten Bereich.
Zuvor wird es aber unter dem sich langsam abbauenden Keil noch ein ruhiger Tag mit längerem Sonnenschein, sobald sich die morgendlichen Nebelfelder im Laufe des Vormittags aufgelöst haben. Neue Auslöse flacher Quellungen wird noch im Osten (mit Nordwest knapp auf der Vorderseite des Bodenhochs) erreicht und die nahende Front schickt im Tagesverlauf mehrschichtige Bewölkung in den Nordwesten des Landes. Bei den Höchstwerten ändert sich kaum etwas.
In der Nacht zum Donnerstag bestimmt der Trogdurchgang und dessen rasches Vordringen südostwärts das Wettergeschehen. Von Westen rückt nachfolgend ein neuer kräftiger Rücken nach, der ein neues kräftiges Bodenhoch mit über 1025 hPa über England und der südwestlichen Nordsee stützt. Insofern ist relativ sicher, dass in der Südwesthälfte des Landes nicht allzu viel passiert und die Nacht weitgehend ruhig, aufgelockert und trocken verläuft.
Alle weiteren Details sind - so muss man es in aller Deutlichkeit sagen - aktuell für den Kurzfristzeitraum ungewöhnlich unsicher. So wird die genaue Ausgestaltung des Troges (abgeschlossen oder eingebettet?, wie scharf?, wie weit südlich?) noch sehr unterschiedlich bewertet. ICON und UK zeigen dabei die aggressivste und südlichste Variante, bei der sich gar bodennah eine Rinne bis weit zur Landesmitte und ansatzweise gar bis nach Bayern reinbohren würde. Bei IFS und anderen hingegen würde das abgeschlossene Tief eindeutig über Seeland verbleiben und lediglich die Kaltfrontpassage für schauerartige Regenfälle sorgen. Selbst bei ICON ist es aber mit der Labilität in den Nachtstunden auch nicht mehr weit her, so dass eingelagerte Gewitter die Ausnahme bleiben. Zeitweilige Regenfälle bis zur zentralen und östlichen Mittelgebirgsschwelle sind aber recht wahrscheinlich, meist aber in der Größenordnung 1 bis 5 l/qm, punktuell bis 10.
Interessanter ist da fast noch die Windentwicklung, die mit Druckanstieg auf der Rückseite des Tiefs einsetzt. So baut sich ein Sturmfeld auf, das zunächst die Nordsee-, im weiteren Verlauf - zumindest nach IFS-Variante - auch die Ostseeküste erfasst. Auch einige exponierte Gipfellagen springen vorübergehend mit stürmischen Böen an.
Durch Wolken und Wind bleibt es in der Nordhälfte mit 14 bis 9 Grad milder als zuletzt, im Süden geht's lokal bis 4 Grad runter.
Donnerstag... bestimmt das nachrückende Hoch ARNO das Wettergeschehen in der Südwesthälfte Deutschlands mit längerem Sonnenschein und trockenen Bedingungen. Im Prinzip sieht die Konstellation zum Abend ganz ähnlich dem Anfangszustand vom heutigen Dienstag aus nur mit dem Unterschied, dass der südostwärts abziehende Trog vor allem in der ersten Tageshälfte präsenter ist.
So fällt in einem Streifen von Schleswig-Holstein und der Ostsee über Ost- und Mitteldeutschland hinweg bis zu den Alpen noch zeit- und gebietsweise Regen, der zum Nachmittag immer mehr nachlässt. Staubedingt fallen an den Nordrändern von Erzgebirge und Alpen teils auch etwas über 10 l/qm, sonst bleibt es deutlich weniger. Die Schneefallgrenze sinkt in den Alpen bis zum Abend bis auf 2000 m ab.
Der Nordwestwind ist spürbar und stark böig unterwegs, erreichten an den Küsten und im höheren Bergland mit hoher Wahrscheinlichkeit bis in den markanten Bereich hinein (ab Bft 8). Auch über der Norddeutschen Tiefebene sind einzelne steife Böen (Bft 7) zu erwarten.
Die Temperaturen liegen zwischen herbstlich angehauchten 15 bis 18 Grad in weiten Landesteilen, im Südwesten mit Sonnenunterstützung bei bis zu spätsommerlich anmutenden 24 Grad im Breisgau.
In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog im Südosten endgültig Richtung Balkan und Adria ab, die Keilachse folgt nach und das Hoch legt sich mit seinem Schwerpunkt genau über Deutschland.
Demnach rücken erneut grenzschichtgetriebene Prozesse in den Vordergrund mit lokalen Nebelfeldern im Süden und Westen bei einstelligen Temperaturen, teils ausgedehnten Hochnebelfeldern (noch zu viel Wind) im Norden und Osten bei Werten um 10 Grad. Schwache Niederschläge gibt es allenfalls in Ostseenähe sowie an den Nordrändern der östlichen Mittelgebirge.
Modellvergleich und -einschätzung
Die ungewöhnlich großen Modellunterschiede bezüglich des Trogdurchgangs in der Nacht zum Donnerstag sind bereits im Text ausreichend angesprochen worden. Hier müssen einfach noch die nächsten Läufe abgewartet werden. Regenfälle im Südwesten sowie markante Gewitter bis weit in die Nacht hinein sind eher unwahrscheinlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 21.09.2026 um 10.30 UTC
Am Donnerstag Höhentiefpassage mit einzelnen markanten Gewittern im Südosten und stürmischen Böen an der Nordsee. Anschließend vorwiegend antiyzklonal geprägte und milde Witterung ohne markante Wettererscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 28.09.2026
Am Donnerstag erstreckt sich ein stark amplifizierter Höhenrücken von der Iberischen Halbinsel bis zum Nordmeer. Deutschland liegt auf seiner Vorderseite in einer nördlichen Höhenströmung. Zünglein an der Waage für den Tag ist ein Höhentief, das in der nördlichen Strömung südostwärts über Deutschland hinweg läuft und sich dabei allmählich abschwächt. Im aktuellen Modelllauf läuft dieses von der Nordsee über den Osten Deutschlands bis nach Tschechien. WLA auf seiner Rückseite führt zu Aufgleitniederschlägen, die in der zweiten Tageshälfte südostwärts abziehen. Mit dem Höhentief kommt auch ein Schwall Höhenkaltluft mit, die in Verbindung mit Wolken und Regen einen eher kühlen Tag zur Folge hat.
Kaum davon betroffen ist aller Voraussicht nach der Südwesten des Landes, wo bei längerem Sonnenschein Höchstwerte jenseits der 20-Grad-Marke erwartet werden. Am Freitag verlagert sich die Achse des Höhenrückens aufgrund eines kräftigen Höhentiefs (inkl. Orkantief am Boden) über Island. Die Höhenströmung bleibt über Deutschland weiter auf Nord. Am Boden ist die Strömung nur schwachgradientig. Gleichzeitig sorgt etwas WLA über dem Norden für weitere Stabilisierung. Während man nach Westen und Süden vom Höhenrücken profitiert und nach Auflösung nächtlicher Nebelfelder die Sonne häufig scheint, halten sich nach Norden und Osten gedeckelt feuchte Luftmassen und damit tiefer Stratus, aus dem auch ein wenig Regen fallen kann. Auch in höheren Schichten gibt es durch das Aufgleiten dichtere Wolken. Mit 16 Grad auf Rügen und bis 25 Grad im Breisgau gibt es eine ordentliche Temperaturspanne über Deutschland. Im Süden muss in der Nacht mit Bodenfrost gerechnet werden.
Am Samstag flacht der Rücken durch die stromabwärtige Entwicklung des Höhentiefs bei Island deutlich ab, liegt dann aber mit seiner Achse über Deutschland und stützt ein Bodenhoch, das seinen Schwerpunkt über Osteuropa hat. Von Südwesten werden in der nun eher zonal orientierten Strömung warme Luftmassen advehiert, sodass die Maxima im Südwesten teils in den sommerlichen Bereich steigen. Nach Norden gibt es mit der Nähe zur Frontalzone mehr Feuchte und damit Wolkenfelder. Hin und wieder kann daraus auch mal etwas Sprühregen fallen. Die Maxima liegen entsprechend oft um oder unter 20 Grad. Direkt an der Küste sind Windböen um West zu erwarten.
Am Sonntag und Montag setzt sich das ruhige, antizyklonal geprägte Wetter vielfach fort. Bei nur geringen Luftdruckgegensätzen haben es Nebelfelder mancherorts zunehmend schwer, sich aufzulösen. Ist dies geschehen, dominiert freundliches Wetter. Der Rücken beginnt sich wieder zu amplifizieren, wobei seine Achse über Osteuropa zu finden ist. Damit ergibt sich eine südwestliche Strömung und die 850-hPa-Temperatur steigt über die 15-Grad-Marke. Entsprechend sind, wenn die Sonne mitspielt, häufiger Sommertage zu erwarten. In der erweiterten Mittelfrist dominiert weiterhin Antizyklonalität. Zwar kann zu Beginn der neuen Woche mal eine Störung in Form eines sich abschwächenden Höhentrogs Teile Deutschlands beeinflussen. Vielerorts bleibt es aber weiterhin trocken. Anschließend kann sich der Rücken zur Mitte der Woche wieder deutlich kräftigen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Grundkonstellation zu Beginn der Mittelfrist wird recht konsistent simuliert. So lässt sich in allen Modelläufen der stark amplifizierte Rücken von der Iberischen Halbinsel bis zum Nordmeer erkennen. Im Detail ergeben sich aber dann doch Unterschiede, und die betreffen vor allem das Höhentief, das an der Ostflanke am Donnerstag Deutschland überqueren soll. Wie weit im Westen dies der Fall sein wird und wie stark ausgeprägt das Tief sein wird, schwankt noch von Lauf zu Lauf.
Daran gekoppelt sind aber auch die wesentlichen Vorhersageparameter und ihre Regionalisierung (Niederschlag, Sonne, Wind und Temperatur). Im Anschluss zeigen die Modelle konsistent eine vorübergehende Zonalisierung am Wochenende, wobei die Strömung weiterhin antizyklonal geprägt bleibt. Die genaue Lage der Frontalzone ist dabei noch Schwankungen unterlegen, also konkret die Frage, ob es im Norden zeitweise Niederschläge geben wird oder diese weiter nördlich auftreten.
Dies setzt sich auch in der weiteren Entwicklung fort. Alle Modelläufe zeigen konsistent die Entwicklung eines persistenten und stark amplifizierten Höhenrückens, der vom Mittelmeerraum bis nach Osteuropa liegt und auch Deutschland beeinflusst. Unsicher ist nur, inwiefern Störungen in einem Randbereich Deutschland beeinflussen können. Der gestrige 12-UTC-Lauf und der heutige 00-UTC-Lauf sind da insgesamt etwas störungsanfälliger als noch der gestrige 00-UTC-Lauf.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Wie auch IFS-intern gibt es die größte Unsicherheit zu Beginn der Mittelfrist im Modellvergleich bei der Zugbahn des Höhentiefs. ICON zeigt dieses weiter im Nordosten als das IFS und auch weniger intensiv. Das GFS und auch UK10 lassen dieses hingegen deutlich weiter südwestlich über Deutschland ziehen. Das Höhentief ist beim GFS deutlich schwächer als beim UK10. Nachfolgend entwickeln alle Modelle den stark amplifizierten Höhenrücken und lassen seine Achse nach Deutschland ausgreifen. Wie schnell dies geschieht, wird noch leicht unterschiedlich gezeigt. GFS lässt den Nordosten und Osten noch länger im Einflussbereich eines Tiefs über dem Baltikum. UK10, ICON und IFS sind gemeinschaftlich auch dort eher antizyklonal.
Zum Wochenende steigern sich die Unsicherheiten. Die Mehrheit zeigt eine Zonalisierung mit antizyklonalem Einschlag, GFS behält hingegen einen stärker amplifizierten Keil. ICON zeigt einen flachen Randtrog, der am Samstag den Norden beeinflusst und bei IFS nicht so ausgeprägt ist. Auch in der weiteren Folge hat das ICON einen eher zyklonaleren Einschlag der westlichen Strömung als das IFS und andere Globalmodelle.
Auch zur neuen Woche gibt es Unterschiede. Das IFS zeigt eine deutliche Aufsteilung und Drehung der Höhenströmung auf Südwesten, wobei das Höhenhoch nah ist. ICON hingegen hat eine deutlich strammere und weniger aufgesteilte Strömung. Das GFS hat, wie immer wieder, ganz andere Ideen und nähert sich erst zum Ende dem IFS an, wenn es um den Aufbau eines blockierenden Rückens geht. Dieser wird vom GFS aber weiter östlich gesetzt als beim IFS.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen zeigen zunächst einen ziemlich gebündelten Verlauf. Die Unsicherheit am Donnerstag ist anhand einer deutlichen Streubreite bei der T850 als auch beim Niederschlag klar auszumachen.
Nachfolgend sieht man einen deutlichen Anstieg von Geopotential und Temperatur sowie eine Abnahme der Niederschlagssignale. Allerdings sieht man ebenso im Laufe des Wochenendes und darüber hinaus eine Zunahme der Streubreite, vor allem bei der 850-hPa-Temperatur. Die Mehrzahl der Member verläuft zwar weiterhin gebündelt und reiht sich dort ein, es bestehen aber doch Unsicherheiten, und diese sind nicht zuletzt auch daran gekoppelt, wie stark sich der neue blockierende Rücken amplifiziert und wo die Achse zum Liegen kommt. Das Clustering zeigt für den Zeitraum +120 h bis +168 h (Sa00 bis Mo00) zwei Cluster. Beide zeigen den Aufbau einer starken positiven Geopotentialanomalie über Europa und eine negative Anomalie über dem Atlantik bis zum Nordmeer. Unterschiede für Deutschland sind eigentlich nur in der tatsächlichen Ausprägung und Lage der Achse (und damit der resultierenden Höhenströmung) zu sehen. Im Zeitraum +192 h bis +240 h (Di00 bis Do00) gibt es weiterhin zwei Cluster. Bei beiden erstreckt sich eine enorme positive Geopotentialanomalie von Zentraleuropa bis weit nach (Zentral-)Russland, sodass sich die Blockierung fortsetzt. Es gibt aber einen Unterschied darin, wie sehr der umfangreiche atlantische Trog bis nach Europa ausgreifen kann und von Westen auch Störungen auf Deutschland übergreifen können. Durch die trogvorderseitige Lage in beiden Membern setzt sich aber der milde Witterungsabschnitt fort. Das Ensemble des GFS zeigt mit zunehmender Streubreite einen Anstieg von Temperatur und Geopotential im Mittelfristverlauf. Der Hauptlauf ist eher am Oberrand des Temperaturensembles zu finden. Von der Höhentiefstörung zu Beginn abgesehen, gibt es kaum Niederschlagssignale. Erst in Richtung Oktober nehmen die Zuckungen wieder etwas zu.
FAZIT:
Die Mittelfrist startet mit einem Höhentief mit noch unsicherer Zugbahn und Ausprägung am Donnerstag. Anschließend setzt sich das antizyklonal geprägte Wetter fort, wobei die Strömung zum Wochenende vorübergehend zonalisiert. Vor allem nach Norden liegt man nahe an der Frontalzone und ist (mit noch bestehenden Unsicherheiten) zeitweiligen Störungen ausgesetzt. In Richtung Süden gibt es nach Nebel oft Sonnenschein und teils sommerliche Höchstwerte. In der neuen Woche amplifiziert sich die Höhenströmung wieder und ein kräftiger Höhenkeil kann sich entwickeln. Fraglich ist die Achsenlage, die auch darüber entscheidet, ob wir den Einfluss des Atlantiktroges spüren oder die Antizyklonalität standhaft bleibt. Das alles bei einer südwestlichen Grundströmung und damit einem Fortsetzen der milden Witterung. Nach Süden und Südwesten sind weiterhin keine erwähnenswerten Signale für Niederschlag zu sehen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Donnerstag kann es im Vorfeld des Höhentiefs im Südosten Deutschlands einzelne markante Gewitter geben, an der Nordsee sind stürmische Böen möglich. Wie oben beschrieben, gibt es aber noch Unsicherheiten mit der Zugbahn des Höhentiefs, die sich auch auf mögliche Warnparameter auswirken.
Im weiteren Mittelfristverlauf bis weit in den Oktober hinein, gibt es kaum Signale für markante Wettergefahren.
Basis für Mittelfristvorhersage
EZMWF EPS, ICON EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marcus Beyer





