Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 13.09.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: BM zu SWa
Wechselhafter Beginn. Über der westlichen Mitte tagsüber und am östlichen Alpenrand in der Nacht zum Montag regional mehrstündiger Starkregen und einzelne Gewitter. In der Folge Hochdruckeinfluss und wärmer, im Südwesten am Dienstag sehr warm, lokal am Oberrhein 30 Grad.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Sonntag... erfolgt eine markante Kurzwellenpassage von Nordwest, bevor sich in der Folge erneut ein Höhenkeil bei uns durchsetzt und für eine Wetterberuhigung und Erwärmung sorgt.
Heute tagsüber erwartet uns eine progressive Kurzwellenpassage, die ausgangs der Nacht in den jüngsten WV loops mit einem kräftigen Feuchtegradienten im WV-Kanal über England zu erkennen war. Diese Anomalie ist innerhalb der PV cross section Analyse besonders ab der mittleren Troposphäre aufwärts gut ausgeprägt und wird rückseitig von einem scharfen Windgradienten begleitet (advektiv aus dem supergeostrophisch forcierten Bereich einer Keilaufwölbung stromauf herangeführt). Dies sorgt im Verlauf der Kurzwellenpassage über Deutschland für eine rasche Vergrößerung der Wellenamplitude nach Süden bzw. eine allmähliche Reduktion der Verlagerungsgeschwindigkeit.
Stromab dieser Welle erfolgt heute zudem eine Bodentrogpassage über Norddeutschland ostwärts, die eine Kaltfront südwärts bis in die Mitte der Republik drückt und diese zunehmend strömungsparallel in die Hintergrundströmung ausrichtet. Diese Front wird heute in der Folge von der angesprochenen dynamischen Welle südostwärts überquert und aktiviert.
Ein Wort noch zu den Feuchtewerten innerhalb der unteren/mittleren Troposphäre. Satellitengestützte Abschätzungen des niederschlagbaren Wassers (Gesamtgehalt = TPW) deuten auf eine hervorragende Anbindung in subtropische Gefilde über dem Nordatlantik hin, sodass ungewöhnlich feuchte Luftmassen entlang der über Deutschland liegenden Front von Westen herangeführt werden. Somit beschäftigen uns TPWs um 35 mm, im Westen zeitweise bis 40 mm, was rund 200% Abweichung zur Hintergrundklimatologie entspricht und auch im EFI mit erhöhten Werten dargestellt wird (wobei die Anomalie überschaubar ausfällt, da der advektive Part recht schwach bleibt, was auch durch geringe IVT Werte hervorgehoben wird).
Es erwartet uns besonders im Westen und über der Mitte ein insgesamt nasser Tag und die Nacht zum Montag fällt auch im Süden recht verbreitet mehr oder weniger nass aus.
Heute tagsüber regnet es über der Mitte vom Niederrhein bis zum Erzgebirge entlang der Front zeitweise und teils konvektiv verstärkt, wobei bis zum frühen Nachmittag 5 bis 10 l/qm, strichweise um 15 l/qm Nass fallen sollte. Ab der Mittagszeit greift von Benelux die Welle auf die Mitte über, was mit verstärkter Hebung einhergeht. Im IFS-ENS wird gar die Option einer seichten Zyklogenese hervorgehoben - alles noch entscheidenden Unsicherheiten, ob es irgendwo strichweise für das Erreichen der markanten mehrstündigen Starkregenschwelle reicht. Auf jeden Fall breiten sich teils kräftige/konvektiv verstärkte Regenfälle vom Niederrhein bis zum Abend ins Rhein-Main Gebiet aus. Zusätzlich kommt es rückseitig des Wellenscheitels zu einer Labilisierung der weiterhin sehr feuchten Luftmasse, sodass im Zusammenspiel mit Höhendivergenz (linker Ausgang des in den Trog einlaufenden Höhenjets) agile und teils kräftige Konvektion zu erwarten ist, die abends besonders die westliche Mitte betrifft. Grundsätzlich sind bei der Wellenpassage dank der sehr hohen Feuchte und dank labiler Verhältnisse einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen, was besonders auf die Wellenrückseite zum Abend über der westlichen Mitte und dem Südwesten zutrifft. In Verbindung mit der Konvektion sind dann punktuell solide markante stündliche Regenmengen um 20 l/qm nicht ausgeschlossen und im Umfeld der Eifel sollte man auch im Nowcast schauen, ob es bei sehr guter Scherung und tiefem LCL nicht lokal für einen rotierenden Aufwind mit einem kurzen spin-up reicht. Hierbei wäre etwas Einstrahlung am späten Nachmittag hilfreich.
Aufsummiert über 12h werden in einem Streifen von der Eifel bis nach Oberfranken Niederschlagsmengen von 15 bis 25 l/qm, strichweise um 35 l/qm erwartet. Signale für markanten mehrstündigen Starkregen sind im Ensemble recht diffus und breitgestreut im Westen vorhanden, was mit Blick auf den Feuchtegehalt der Luftmasse schlüssig erscheint. Allerdings sorgt die Wellenpassage für räumlich leicht versetzte Niederschlagsmaxima, die eh nur im Grenzbereich zu einer markanten Warnung liegen, sodass aktuell auf die frühzeitige Ausgabe einer Warnung verzichtet wird. Allerdings kann im Tagesverlauf eine regionale Warnausgabe nicht ausgeschlossen werden.
Abseits der genannten Regionen bleibt es heute im Südwesten bis zum Abend meist freundlich und bis zum frühen Abend auch trocken, während im Norden dank der Trogpassage bei überwiegend starker Bewölkung wiederholt Schauer ostwärts durchziehen.
Die Höchstwerte liegen im Norden und über der Mitte bis in den Südosten je nach Sonnenanteil zwischen 15 und 21 Grad, während es den Oberrhein entlang sommerliche 25 bis 28 Grad werden.
Der westliche Wind weht mäßig bis frisch.
In der Nacht zum Montag zieht die Welle weiter in den Süden der Republik und geht mit länger anhaltenden und konvektiv verstärkten Niederschlägen einher, die besonders im Stau des östlichen Alpenrands auch kräftig ausfallen. Zusätzlich dauert auch rückseitig der Welle weiterhin eine rege Schauertätigkeit mit einzelnen Gewittern bis weit in die Nacht an, was den Westen und die Mitte betrifft. Erst zum Ende der Nacht kommt es von Westen zu einer allmählichen Beruhigung.
12std. aufsummiert fallen somit besonders entlang und südlich der Donau 10 bis 25 l/qm, im Alpenstau 25 bis 40 l/qm (punktuell auch mehr), sodass die Ausgabe einer mehrstündigen markanten Starkregenwarnung besonders für die zweite Nachthälfte Sinn machen dürfte. Über der Mitte fällt meist 5 bis strichweise 15 l/qm Nass in 12h.
Im Norden klingt die Schauertätigkeit bis Mitternacht ab und von Westen klart es immer weiter auf, sodass sich im Nachtverlauf besonders im Nordwesten teils dichte Nebelfelder ausbilden.
Die Minima liegen zwischen 15 und 8 Grad bei einem schwachen Westwind.
Montag... wandert der nächste Keil nach Deutschland und sorgt insgesamt für eine Wetterberuhigung.
Im Nordwesten beginnt der Tag meist neblig-trüb, doch sollte sich das Nebelgrau im Vormittagsverlauf lichten. In der Folge erwartet uns auch hier, wie im Rest der Republik eine Mischung aus dichter Quellbewölkung mit etwas Sonnenschein, besonders in Richtung Sachsen-Anhalt und Schwarzwald kann die Sonne auch mal längere Zeit ungestört scheinen. Es bleibt hier trocken.
Nasser beginnt der Tag noch im Alpenvorland/Alpenstau, wo die Restfeuchte der Front für Regenfälle sorgt, die erst zur Mittagszeit überall im Stau abklingen. In der Folge herrscht am Nachmittag noch ein geringes Schauerrisiko, wobei dieses zum Abend abklingt.
Die Höchstwerte liegen von Nordost nach Südwest zwischen 18 und 27 Grad, bei einem schwachen Wind aus Nord bis Nordwest.
In der Nacht zum Dienstag erwartet uns deutschlandweit eine störungsfreie Strahlungsnacht (klar, trocken, im Verlauf der Nacht besonders über der Mitte und dem Süden teils dichter Nebel). Einzig den Norden passieren zeitweise lockere Wolkenfelder ostwärts.
Die Minima liegen von West nach Ost zwischen 14 und 5 Grad, im Umfeld der Oder kann es bodennah bis 2 Grad abkühlen.
Dienstag... wandert der Keil weiter nach Osten und von Westen nähert sich ein umfangreicher Langwellentrog, der von einer Kaltfront begleitet wird, die zum Abend auf den Nordwesten übergreift.
Nach Nebelauflösung im Vormittagsverlauf scheint die Sonne meist von einem blankgeputzten Himmel. Das trifft besonders auf den Süden und die Mitte der Republik zu. Im Norden ziehen zeitweise ausgedehnte Wolkenfelder vorüber und besonders im Nordwesten überwiegt peripher der Frontalzone dichte Bewölkung. Ob es zum Abend dort für die ersten Schauer und Gewitter reicht ist noch sehr unsicher, wird aber weiterhin genau verfolgt, da die Luftmasse im Nordwesten gute Scherung bei mäßiger Labilität aufweist.
Die Maxima liegen im Norden und Osten zwischen 21 und 25 Grad und sonst zwischen 25 und 30 Grad (höchste Werte den Oberrhein entlang). Der Wind weht schwach bis mäßig, im Nordwesten frisch aus Südwest.
In der Nacht zum Mittwoch greift die Kaltfront weiter südostwärts aus und geht mit teils kräftigen konvektiv verstärkten Niederschlägen einher. Einige kräftige Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel können besonders eingangs der Nacht im Nordwesten nicht ausgeschlossen werden. Diese Niederschläge erfassen zum Ende der Nacht auch Hessen und Vorpommern, sollten aber keine Warnrelevanz aufweisen. Östlich davon bleibt es klar und trocken, im Südosten gebietsweise mit Nebel.
Die Minima liegen zwischen 16 und 10 Grad bei einem schwachen bis mäßigen Wind aus Südwest bis West.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik erfasst die Kurzfrist sehr gut. Allerdings gibt es noch feine Diskrepanzen bei der Zugbahn der Welle heute tagsüber, was sich durch anhaltende Verschiebungen möglicher markanter Niederschlagsspitzen äußert. Daher ist aktuell noch keine Warnausgabe einer mehrstündigen Starkregenwarnung angedacht, wenngleich dies regional im Tagesverlauf (besonders über der westlichen Mitte bis Hessen) nicht ausgeschlossen werden kann. Zudem erscheint bis zum Abend die Ausgabe einer markanten mehrstündigen Starkregenwarnung für den östlichen Alpenrand besonders für die 2. Nachthälfte wahrscheinlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 13.09.2026 um 10.30 UTC
Am Mittwoch mit Kaltfrontpassage in der Südosthälfte teils kräftige Gewitter. Nachfolgend weiterhin unbeständig und an den Küsten teils stürmischer Wind. Dabei mäßig warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 20.09.2026
Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums zeigt sich über Europa eine stark mäandrierende Höhenströmung. Dabei greift am kommenden Mittwoch ein vom Nordmeer bis in den Norden Spaniens reichender Höhentrog zunehmend auch auf Deutschland über, sodass dessen Achse am Abend etwa von Schleswig-Holstein bis nach Rheinland-Pfalz verläuft. Dem Trog vorgelagert ist die Kaltfront eines Tiefs mit Kern über Skandinavien. Sie hat den Norden und Westen Deutschlands bereits weitgehend überquert und erreicht am Mittwoch auch den Osten und Süden des Landes. Dort befindet sich präfrontal noch eine warme und feuchte Luftmasse subtropischen Ursprungs (T850 hPa 11 bis 14 Grad). So kommt es besonders in der Südosthälfte zu schauerartigen Regenfällen mit einzelnen kräftigen Gewittern. Dabei besteht Starkregengefahr, vereinzelt mit Unwetterpotenzial. Am Nachmittag und Abend erreicht die Front die Alpen und dort kommt es bis Donnerstagfrüh staubedingt zu Dauer- und/oder mehrstündigem Starkregen. Postfrontal fließt eine deutlich trockenere und kühlere Meeresluft zu uns ein, sodass T850 auf 5 Grad an der Nordsee und 10 Grad im äußersten Südosten absinkt. Zudem kommt es im Trogbereich im Norden und Nordwesten zu Schauern und einzelnen kurzen Gewittern.
Am Donnerstag hat uns der Höhentrog ostwärts überquert und nachfolgend baut sich ein flacher Höhenrücken auf, der in weiten Teilen des Landes für Zwischenhocheinfluss und somit weitgehend trockenes Wetter sorgt. Allerdings nähert sich von Großbritannien und der Nordsee rasch der nächste Trog an. Damit verbunden ist das Frontensystem eines Tiefs mit Kern nördlich von Schottland, dessen Regengebiet bereits im Laufe des Nachmittags den äußersten Norden und Nordwesten erreicht und in der Nacht zum Freitag mit leichtem Regen weiter landeinwärts vorankommt.
Am Freitag erwartet uns die nächste Troglage. Während uns also die Front südostwärts überquert, kommen im Norden und Westen Schauer auf. Das Bodentief zieht auf einer etwas südlicheren Zugbahn als das Vorherige mit Kurs auf Südnorwegen. Dadurch nimmt der Druckgradient über Deutschland zu und vor allem an den Küsten weht der Wind stürmisch (Bft 8 bis 9) aus Südwest.
An den nachfolgenden Tagen bleibt der stete Wechsel aus Trog- und Keilstrukturen erhalten. Es bleibt also unbeständig mit weiteren Niederschlägen. Gebietsweise kann es aber auch mal längere trockene und mitunter auch sonnige Phasen geben. Dabei bleibt es mäßig warm.
Dieser Wechsel dauert voraussichtlich bis Dienstag an. Nachfolgend könnte ein Hochdruckgebiet für einen ruhigen und oft sonnigen Wechsel in den Frühherbst sorgen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des EZMW-Modells kann bis Freitag als gut bezeichnet werden. Nachfolgend lässt die Konsistenz nach. Während die gestrigen Läufe den zyklonalen Einfluss vor allem für die Nordhälfte zeigten und der Süden weitgehend trocken bleiben sollte, hält das unbeständige Wetter mit weiteren Niederschlägen mit dem heutigen 00 UTC Lauf auch in der Südhälfte weiter an.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bis einschließlich Freitag wird die Entwicklung weitgehend übereinstimmend prognostiziert. Nachfolgend nehmen die Unterschiede zu. Während IFS den zyklonalen Einfluss bis in den Süden des Landes zeigt, verbleiben GFS und ICON sozusagen auf dem gestrigen Kurs des IFS. Sprich im Norden unbeständig, Richtung Süden aber weitgehend trocken und oft sonnig. GFS zeigt den antizyklonalen Einfluss von Südwesten sogar noch kräftiger als ICON.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für verschiedene Stationen in Deutschland stützen den Kontrolllauf. Dabei zeigt sich insbesondere bei der T850 bis einschließlich Samstag ein sehr geringer Spread.
Betrachtet man das Geopotential, so liegt der Kontrolllauf ab Freitag bis in den erweiterten Mittelfristbereich aber am unteren Rand des Ensembles, während die Mehrheit der Member ein höheres Geopotential zeigen. Dies wiederum würde den Lösungen des ICON und GFS entsprechen.
AIFS zeigt den Anstieg des Geopotentials ebenfalls bereits ab Freitag. Somit steht IFS mit der eher zyklonalen Lösung momentan eher alleine da, wenngleich es für die Niederschlagsbilanz die wünschenswertere Lösung wäre.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Mittwoch sind in der Südosthälfte einzelne Gewitter mit lokalem Starkregen um 20 l/qm in einer Stunde und stürmischen Böen um 70 km/h (Bft 8) wahrscheinlich. Lokal können auch Unwetter aufgrund von heftigem Starkregen nicht ausgeschlossen werden. An den Alpen besteht ab dem Nachmittag bis Donnerstagfrüh eine geringe Wahrscheinlichkeit für Dauerregen mit Mengen zwischen 30 und 50 l/qm.
Am Donnerstag sind zunächst nur an der Nordsee stürmische Böen (Bft 8) aus Südwest wahrscheinlich.
Am Freitag und Samstag sind an der Nord- und Ostsee sowie im höheren Bergland zeitweise stürmische Böen (Bft 8), vereinzelt auch Sturmböen (Bft 9) aus Südwest wahrscheinlich.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





