Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 05.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
TR W
Über der Mitte und dem Süden ab den Mittagsstunden teils kräftige Gewitter. Lokal Unwetter vor allem durch Starkregen. Nachts über der Mitte in teils unwetterartigen Starkregen übergehende Gewitter. An den Folgetagen weitere Gewitter oder Starkregen. Abnehmende Wahrscheinlichkeit für Unwetter.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... liegt eine Luftmassengrenze über Norddeutschland. Nördlich davon fließt in den äußersten Norden und Nordwesten, Emsland bis Schleswig-Holstein, kühle und stabile Meeresluft ein, südlich davon ist eine schwachgradientige Tiefdruckrinne mit feuchter, instabiler und recht warmer Luft wetterbestimmend. Im Südosten wird es trockener, nach Überströmen der Alpen mit einem Leetief über Bayern.
Dabei regnet es im Norden aus starker Bewölkung zunächst an einer Welle leicht bis mäßig, bevor dieser Regen im Tagesverlauf über den Nordosten abzieht, im Nordwesten lockert die Bewölkung auf und es bleibt trocken.
Von einem Höhentief über der Biskaya ausgehend erreicht uns im Tagesverlauf von Frankreich und der Schweiz her ein kurzwelliger Troganteil mit Hebung und schauerartigem Regen. An seiner Vorderseite bilden sich ab den Mittagsstunden Schauer und Gewitter, aber auch abgesetzt davon, schwerpunktmäßig über der Mitte und dem Südosten.
Diese entstehen entlang der Orografie, und an mesoskaligen konvergenten Strukturen durch flache Rinnen.
Wenngleich besonders über der östlichen Mitte lokal Hagel/markante Böen bei MUCAPE um 700 J/kg und adäquater Scherung nicht ausgeschlossen werden können, liegt dank geringer Zellverlagerung und einer Zunahme der Feuchte (nahe 10 g/kg, bzw. PPW >25mm) innerhalb der Rinne der Focus auf dem Starkregen. In der Regel sind markante, punktuell auch unwetterartige Regenmengen möglich.
Ein gewisser Spread in der Grenzschicht erlaubt Zellen mit moderatem Böenpotenzial (Bft 7 bis 8). Das höchste Böenpotenzial ist in Südostbayern vorhanden, wo sich einzelne Zellen abends vom Alpenrand lösen und im Zuge einer nordostwärts verlagernden Druckwelle bei höheren DCAPE-Werten mit Böen 8 bis 9 Bft nach Nordost ziehen.
Die Maxima liegen im Norden zwischen 13 und 16°C, sonst zwischen 16 und 27°C, mit den höchsten Werten in Richtung Niederbayern. Abseits konvektiver Böen weht schwacher bis mäßiger Wind aus unterschiedlichen Richtungen, nördlich der Rinne mäßig aus Nord bis Nordost.
In der Nacht zum Mittwoch tritt die Rinne über der Landesmitte deutlicher in Erscheinung, auch weil das Leetief sich löst und in den östlichen Part der Rinne integriert wird.
Die Konvektion vom Tage wird besonders über der (östlichen) Mitte (Nordhessen/Thüringen bis Sachsen) unter zögernder Abschwächung und verclusternd entlang der Rinne nach Nordosten bis Norden geführt. Dabei setzt isentropes Aufgleiten auf die von Norden einströmende Kaltluft ein. Dabei wird konvektiv verstärkter Starkregen wahrscheinlicher mit markanten bis teils unwetterartige Mengen (ID2 EPS 6 std. mit Schwerpunkt von Nordhessen bis Thüringen, Franken und Westsachsen), die gut und gerne in der Fläche 25 bis 45 l/qm betragen können, punktuell auch deutlich mehr, bis über 60 l/qm.
Diese Wahrscheinlichkeiten weiten sich unter Abschwächung im Verlauf der Nacht nordostwärts nach Sachsen-Anhalt und südliches Brandenburg mit markanten bis (nur noch schwächeren) unwetterartiger Mengen in wenigen Stunden. Nach Westen hin regnet es schwächer, ohne warnwürdige Mengen.
Im Norden bleibt es trocken, im Süden klingen Schauer und Gewitter ab und nachfolgend verläuft die Nacht regional klar mit geringer Nebelneigung.
Die Minima liegen zwischen 12 und 7°C, in Schleswig-Holstein um 4°C.
Mittwoch... liegen wir im Bereich einer flachen Tiefdruckrinne mit Schwerpunkten, die sich Richtung Südosten, Bayern und nach Polen orientieren und mit einer Rinne, die bis in den Südwesten Deutschlands reicht. Die Luftmassengrenze kommt dabei tagsüber nur wenig Richtung nördliche Mitte voran. Durch Aufgleiten an ihr halten die Regenfälle unter Abschwächung im Norden, etwa NRW bis Brandenburg und Vorpommern an, ein gewisses markantes Starkregenpotential ist zunächst im Nordosten zu finden, sonst reicht es wahrscheinlich nicht mehr für warnrelevante Summen.
Weiter trocken mit Aufheiterungen bleibt es ganz im Nordwesten (Ems bis S-H).
Ansonsten baut sich im Tagesverlauf wieder einiges an Cape auf und es bilden sich Schauer und teils kräftige Gewitter, vor allem mit Starkregen und kleinkörnigem Hagel. Die Details sind unsicher. Schwerpunkte sind wahrscheinlich die Rinne über der Landesmitte und der Süden; mit langsam ziehenden Zellen vor allem über der Mitte und teils wiederholten Treffern (Starkregen, loc. WU). Im Süden sind ebenfalls Hinweise auf teils heftigen Starkregen vorhanden, hier erscheinen auch Sturmböen an einer Druckwelle möglich, die nachmittags und abends vor allem über Bayern nach Osten zieht.
Von der Luftmasse her, die etwas weniger warm und feucht ist, erscheint das Potential für Gewitter nicht mehr ganz so ausgeprägt wie heute, am Dienstag.
In der Nacht zum Donnerstag gehen die Schauer und Gewitter an der Tiefdruckrinne über der Mitte (RLP-Hessen-Sachsen) erneut in schauerartige Regenfälle mit Starkregengefahr über. Die Wahrscheinlichkeit für Gewitter nimmt rascher ab, als die für Starkregen. Im Norden klingen die restlichen leichten Regenfälle ab, im Südwesten lockert es auf mit lokalem Nebel, sonst kann es im Südosten anfangs gebietsweise regnen.
Die Luft kühlt auf 11 bis 4°C ab, mit den tiefsten Werten ganz im Norden, wo in S-H auch Bodenfrost möglich erscheint.
Donnerstag... greift der Trog von Frankreich über und ersetzt quasi den Hebungsantrieb, der sich auffüllenden Rinne. Die Luftmassengrenze wird diffuser, ist aber in den thermischen Feldern über der Mitte noch erkennbar.
Die Regenfälle aus der Nacht breiten sich durch den Trog wieder etwas nordwärts aus, in der dort stabileren und kühleren Luftmasse ohne Gewitter oder Starkregen.
Diese sind in der nach wie vor instabilen und feuchten Luftmasse über der Mitte und dem Süden im Tagesverlauf zu erwarten. Mangels Scherung bilden sich Einzel- oder Multizellen mit Starkregen und moderatem Böenpotential und kleinem Hagel. Die Qualität der Luftmasse nimmt weiter ab, sodass Unwetter zwar nicht ausgeschlossen sind, aber unwahrscheinlicher werden.
In der Nacht zum Freitag zieht der Trog ab, folgt von einem Höhenrücken über Frankreich. Die Bodenrinne verliert sich endgültig und die Schauer und Gewitter klingen ab. Übrig sind morgens höchstens schwache Schauer. Regional bildet sich bei geringen Druckunterschieden Nebel.
Es kühlt ab auf 8 bis 3°C, vereinzelt tritt im Norden, aber auch vereinzelt im südlichen Bergland Bodenfrost auf.
Modellvergleich und -einschätzung
Der grundsätzliche Ablauf wird ähnlich simuliert. Die Details sind offen. Die Gewitter am Nachmittag werden im Nowcasting bewarnt, für die Gewitter abends, in Starkregen übergehend, empfiehlt sich die Ausgabe der (Starkregen) Warnungen mit Vorlauf. Angesichts des limitierten Impacts und der verbleibenden Unsicherheiten in Bezug auf Lage und Intensität wird auf Vorabinformationen verzichtet.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 04.05.2026 um 10.30 UTC
Am Donnerstag noch wechselhaft und kühl. Freitag und Samstag Wetterberuhigung und wieder wärmer. Ab Sonntag noch meist warm, aber von Frankreich und Benelux her wieder zunehmende Gewittergefahr.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 11.05.2026
Am Donnerstag verlagert sich in der schwachen südwestlichen Höhenströmung ein flacher Höhentrog von Deutschland nach Polen. Von der osteuropäischen Tiefdruckrinne reicht ein Bodentrog nebst schwachem Tiefausläufer bis zur Mitte Deutschlands und verlagert sich langsam südostwärts. Dabei sickert von Norden kühlere Luft ein mit Temperaturen in 850 hPa zwischen 1 Grad an der Nordsee und 6 Grad im Alpenvorland.
Ein von Südwesten nach Skandinavien schwenkender Höhenkeil sorgt dort am Freitag für die Verstärkung des Hochdruckgebietes und sein Keil reicht bis Nordostdeutschland. Gleichzeitig sinkt über Frankreich durch einen von Spanien heranschwenkenden Randtrog der Luftdruck, so dass der Ost- bis Nordostwind etwas zunimmt. Die eingeströmte kühle Luft kann sich allmählich erwärmen.
Am Samstag tropft aus dem Höhentrog über dem Nordostatlantik ein Höhentief zum Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel ab und am Boden dehnt sich das Tief bis nach Südwestfrankreich aus. In der unteren Troposphäre dreht über Mitteleuropa die Strömung auf Südost und damit gelangt sehr warme Luft nach Deutschland, so dass bis zum Abend die Temperatur in 850 hPa auf 7 Grad an der Küste und 14 Grad im Alpenvorland ansteigt. Eine Warmfront sorgt dabei in Nordwestdeutschland für Regen, während sonst der nach Deutschland schwenkende Höhenkeil längere sonnige Abschnitte zulässt.
Am Sonntag schwenkt der Höhenkeil von Deutschland nach Polen und rückseitig zieht in der aufkommenden Südwestströmung ein Kurzwellentrog heran. In der eingeströmten sehr warmen und feuchten Luft werden damit im Westen und Südwesten Schauer und einzelne Gewitter ausgelöst.
Auf der Vorderseite des hochreichenden Tiefkomplexes über Südwesteuropa bleibt über Mitteleuropa am Montag die südwestliche Höhenströmung erhalten, wobei ein Höhenkeil nach Südwestdeutschland schwenkt. Gleichzeitig entwickelt sich im Küstenbereich an der Warmfront eine flache Tiefdruckrinne. In der Mitte und im Süden bleibt die eingeströmte warme bis sehr warme Luft wetterbestimmend.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der neue Modelllauf vom IFS simuliert die synoptischen Basisfelder bis Samstag sehr ähnlich. Am Sonntag ergeben sich kleinere Differenzen, die sich am Montag vergrößern.
Im alten Lauf von gestern, 00 UTC, soll eine Kaltfront am Sonntag Nordwestdeutschland überqueren und eine Abkühlung bringen (Rückgang der Temperatur in 850 hPa auf 5 Grad und weniger). In den beiden letzten Läufen bleibt über Deutschland der ´Tiefdrucksumpf´ erhalten und im Nordwesten bleibt es deutlich wärmer (in 850 hPa um 10 Grad).
Am Montag verlagert sich im Lauf von gestern, 00 UTC, die Kaltfront zu den Alpen und rückseitig sorgt ein Hochkeil im Westen und Norden bereits für eine Wetterberuhigung.
In den aktuellen Läufen bleibt auch am Montag noch deutlich wärmere Luft wirksam, wobei im Norden noch eine Luftmassengrenze liegt. Im Mittagslauf von gestern sorgt ein kleines Tief im Westen örtlich für kräftigen Regen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zu GFS und ICON bestehen keine großen Differenzen.
Bei GEM (Kanada) befindet sich die Luftmassengrenze bereits am Sonntag über der südlichen Mitte Deutschlands und ein eingelagertes Tief zieht am Montag nach Polen, so dass von Nordwesten kühle Luft nach Deutschland strömt. Auch beim japanischen Modell gelangt bereits am Sonntag kühle Luft nach Westdeutschland und am Montag nach ganz Deutschland.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluteranalyse des IFS berechnet heute nur 2 Cluster, wobei operationeller Lauf und Kontrolllauf in den mit 31 Mitgliedern belegten 1. Cluster fallen. In beiden Clustern liegt über Südwesteuropa ein Cut-Off-Tief. Im 2. Cluster schwenkt aber der Resttrog bereits am Montag über Norddeutschland hinweg nach Osten und Rückseitig würde am Montag die kühle Luft weite Teile Deutschlands erreichen, denn über den Britischen Inseln steigt auf der Rückseite des Troges der Druck.
In der Rauchfahne von Offenbach erkennt man in 850 hPa bis Donnerstag einen Temperaturrückgang auf 5 Grad oder weniger. Anschließend steigt die Temperatur wieder kräftig an auf Temperaturen um 10 Grad. Am Montag laufen die Temperaturkurven deutlich auseinander, da es ja die Unterschiede gibt, die im oberen Text bei den Clustern beschrieben wurden.
Die Regenwahrscheinlichkeit ist bis Donnerstag recht hoch und nach einer Wetterberuhigung am Freitag und Samstag steigt sie am Sonntag von Westen wieder an und auch das Geopotential beginnt nach einem Hochpunkt am Sonntag wieder langsam zu sinken.
Das spiegelt sich auch in den Temperaturen wieder: Nach einem kühlen Donnerstag erholen sich die 2-Meter-Temperaturen bis zum Wochenende wieder auf frühsommerliche Werte zwischen 21 und 26 Grad in weiten Teilen Deutschlands. Am Montag nimmt aber die Schwankungsbreite zu, da einige Läufe ja von Norden schon die Abkühlung simulieren.
Im Küstenbereich wird die Erwärmung durch kühlenden Ostwind gedämpft.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen (teils mit Blitz und Donner) ist am Donnerstag in der östlichen Mitte und im Südosten noch leicht erhöht. Nach einer Wetterberuhigung am Freitag und Samstag nimmt ab Sonntag die Gewittergefahr von Westen her wieder zu, wobei erneut Starkregen möglich ist.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, operationelle Modelle.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden





