Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 17.02.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Kommende Nacht auch in der Mitte und im Süden wieder kälter, aber nur noch wenig Neuschnee.
Morgen von Süden neue Niederschläge, in der Nacht zum und am Donnerstag auf die Mitte übergreifend. Im Südwesten und Süden Übergang in Regen, dabei insbesondere nachts bis Donnerstagvormittag Glatteis bis hin zu Unwetter möglich. Sonst teils bis in tiefe Lagen Schnee, vom Westen über die Mitte bis nach Nordbayern teilweise markante Neuschneemengen, dort gebietsweise unwetterartige Mengen sowie im Bergland bei stürmischen Böen Schneeverwehungen möglich.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland an der Westflanke eines Langwellentroges, der vom Nordmeer über weite Teile Skandinaviens bis ins östliche Mitteleuropa reicht und von dort aus in ein Cut-Off-Tief über dem Balkan bzw. Griechenland mündet, unterhalb einer nordwestlichen Höhenströmung. Darin eingebettet, überquert ein kurzwelliger Troganteil im Laufe der Nacht den Osten und Südosten des Landes südostwärts, gefolgt von einem weiteren Kurzwellentrog, der auf nordöstlicherer Zugbahn morgens auf die westliche Ostsee übergreift. Flankiert wird der Trog von einem Höhenkeil über Westeuropa, der im Laufe der Nacht langsam die Britischen Inseln überquert.
Im Bodenfeld reicht nach wie vor eine nun schon längere Zeit quasistationäre Tiefdruckrinne von der südlichen Nordsee ostsüdostwärts bis nach Südpolen. Diese trennt kalte Festlandsluft über dem Nordosten Deutschlands (T850 hPa zwischen -6 und -9 Grad) von maritim erwärmter, potenziell instabiler, somit also gut durchmischter und recht feuchter Polarluft (T850 hPa um -5 Grad) über dem Rest des Landes. Auf der kalten Seite kommt es über dem Nordosten bei leichtem Dauerfrost durch eine schwache Gegenstromlage aktuell noch zu geringen Schneefällen, die aber mehr und mehr an Intensität einbüßen und keinen nennenswerten Neuschnee mehr bringen. Ansonsten gestaltet sich der Wetterablauf dagegen ziemlich wechselhaft mit Schauern, die vor allem mit Trogpassage bzw. auf dessen Rückseite und insbesondere im Westen und Süden auch von vereinzelten kurzen Graupelgewittern begleitet wurden. Innerhalb der gut durchmischten Luftmasse (Maxima in den Niederungen zwischen 3 und 9 Grad) schwankt die Schneefallgrenze aktuell - je nach Intensität der Schauer - meist zwischen 300 und knapp 800 m, aber auch darüber reicht es nur noch für wenige Zentimeter Neuschnee, lediglich in einigen Staulagen (insbesondere Schwarzwald, Alpen und Bayerwald, meist oberhalb von 1000 m) hat es auch kräftiger geschneit. Die Tiefdruckrinne mündet nach Westen zu in einem nur noch flachen Tiefdruckgebiet ("WALLY III") im Bereich der Ostfriesischen Inseln. Nachdem es vom Trog überlaufen wurde, füllt es sich weiter auf und kommt rasch südostwärts voran, morgens ist es über Polen kaum mehr auszumachen. Entsprechend wird auch die Rinne von Westen her abgebaut, kommt nach Süden voran und erreicht morgens die mittleren Landesteile. Rückseitig des Tiefs verschärft sich in den kommenden Stunden der Gradient zunächst im Westen, später in den mittleren Landesteilen vorübergehend und der Wind frischt mit Böen Bft 7, in den Gipfellagen einiger Mittelgebirge Bft 8 aus West bis Nordwest auf. Später nimmt er aber wieder ab, ebenso wie auf den Alpen- und Schwarzwaldgipfeln, wo es heute tagsüber noch Sturm-, exponiert schwere Sturmböen gab.
Mit Annäherung des Höhenkeils steigt auch im Bodenfeld der Druck und sowohl der Westen, als auch der Süden des Landes geraten in den Einflussbereich eines flachen Bodenkeils. Dort klingen die Schauer im Laufe der Nacht rasch ab und es bleibt, ebenso wie im Nordosten, überwiegend trocken. Sonst gibt es aber noch einzelne Schauer, die mit Vordringen der kälteren Luftmasse von Norden her rückseitig der Rinne allmählich bis in tiefe Lagen in Schnee übergehen. Meist reicht es nur für wenige Zentimeter Neuschnee, oft auch nur für Glätte. In den Staulagen von Harz und Erzgebirge kommen aber nochmals 5 bis 10 cm zusammen. Mit Ausnahme einiger Niederungen im Westen, Südwesten und in der Mitte sinken die Temperaturen nun fast überall in den Frostbereich. Im Nordosten und in einigen Mittelgebirgen bzw. in den Alpentälern gibt es auch mäßigen Frost. Der Höhenkeil wird bereits von WLA überlaufen und bereits im Laufe der Nacht greift eine Warmfront von Südwesten her auf Frankreich über. Vorlaufend ziehen ausgangs der Nacht im Südwesten Deutschlands wieder dichtere Wolken auf, es bleibt aber noch trocken.
Mittwoch ... schwenkt der kurzwellige Troganteil über der westlichen Ostsee rasch südostwärts, streift dabei auch den Nordosten Deutschlands und regeneriert den Haupttrog über Polen. Vor allem am Vormittag kann es somit im Bereich der sich weiter auffüllenden Tiefdruckrinne insbesondere im östlichen Mittelgebirgsraum noch weiter leicht schneien, im Stau des Westerzgebirges kommen bis zum Nachmittag stellenweise nochmals mehr als 5 cm zusammen, sonst sind die Mengen nicht weiter erwähnenswert. Auch an der Ostsee sind vormittags kurze Schneeschauer möglich.
Ansonsten bleibt es im Einflussbereich einer flachen Hochdruckparzelle, die im Tagesverlauf über Norddeutschland Richtung Polen schwenkt, in weiten Teilen des Landes trocken und vor allem im Nordwesten scheint auch länger die Sonne. Dann aber gilt es, den Blick gen Südwesten zu richten. Zwar kommt der Höhenkeilüber Frankreich und der Nordsee noch etwas nach Osten voran und erreicht abends mit seiner Achse den Westen Deutschlands, allerdings wird er einerseits durch den Trog über Skandinavien und Polen blockiert, andererseits überquert an der Südflanke eines auf Irland zusteuernden hochreichenden Tiefs ein markanter Kurzwellentrog die Biskaya und greift bereits abends auf Westfrankreich bzw. den Ärmelkanal über. Somit verliert der Keil an Substanz und wird von markanter WLA überlaufen, die auch den Westen und Süden des Vorhersagegebietes erfasst.
Im Bodenfeld setzt somit im Tagesverlauf von Südwesten her wieder verstärkt Druckfall ein und die Warmfront über Frankreich erreicht am Nachmittag/Abend auch den Südwesten Deutschlands. Im Vorfeld setzen bereits am Vormittag etwa von den Vogesen über den Schwarzwald bis zum Bodensee, eventuell auch bis ins Allgäu Niederschläge ein, die zunächst vielerorts bis in tiefe Lagen als Schnee fallen, vor allem im südlichen Oberrheingraben bzw. vom Hochrhein bis zum Bodensee eventuell aber von Beginn an als Regen. Sollte es dort irgendwo in einem "Kälteloch" noch längere Zeit Frost geben, ist auch die gefrierende Phase denkbar.
Die Niederschläge kommen bis zum Abend langsam nach Nordosten und Osten voran, erfassen weite Teile des Alpenvorlandes, fast ganz BaWü (außer den Nordosten) sowie das Saarland und den Westen und Süden von Rheinland-Pfalz. Dabei gilt es, die an den Kurzwellentrog gekoppelte Bodentiefentwicklung über Westeuropa zu beachten, die noch unsicher ist. Nach Lesart des ICON-D2 und des GFS soll es am Abend mit einem Kerndruck von etwa 985 hPa unmittelbar über der englischen Südküste aufschlagen, ICON-EU und GEM simulieren es etwas schwächer und ein wenig weiter südlich.
Wie auch immer, die WLA-induzierten Hebungsprozesse werden im Tagesverlauf durch das sich verstärkende Tief zunehmend auch frontal gestützt und intensivieren sich. Der Zeitraum der Intensivierung, aber auch die räumliche Ausdehnung der Niederschläge ist aber im Detail noch unklar, ebenso wie die niedertroposphärische Erwärmung und die Schneefallgrenzen. Im Südwesten steigt die 850 hPa-Temperatur aber bereits nachmittags verbreitet auf über 0 Grad und die Schneefallgrenze somit auch bis in die höchsten Lagen des Südschwarzwaldes bzw. am Alpenrand auf über 1000 m. Weiter nördlich schneit es oft bis in tiefe Lagen, lediglich am Oberrhein dürfte alsbald die flüssige Phase überwiegen. Bis zum Abend halten sich die neuschneemengen aber noch allgemein in Grenzen; lediglich im Schwarzwald, auf der Alb und im Allgäu kommen gebietsweise mehr als 5 cm in 6 bis 12 Stunden zusammen.
Während es im Norden und Osten vielerorts leichten Dauerfrost gibt, liegen die Höchstwerte sonst meist zwischen 1 und 5 Grad, an Rhein und Neckar auch knapp darüber.
In der Nacht zum Donnerstag wird der nur noch schmale Keil über dem Vorhersagegebiet weiter in die Zange genommen. Der folgende Kurzwellentrog über dem Westen Frankreichs wird allerdings ebenfalls blockiert und tropft über dem Nordwesten Frankreichs ab, wobei er nach Südfrankreich und in den westlichen Mittelmeerraum amplifiziert. Das Bodentief wird ebenfalls blockiert und kommt über dem Ärmelkanal nur noch wenig nach Osten voran, wobei es sich langsam auffüllt. Die WLA-induzierte Hebung auf dessen Vorderseite wird über dem Südwesten des Vorhersagegebietes nun noch dynamisch gestützt, zudem wirken die sich wieder verschärfenden Luftmassengegensätze im Bereich der Warmfront frontogenetisch (T850 hPa im Südwesten und Süden am Donnerstag, 06 UTC zwischen 0 und +4 Grad, im Norden und Osten dagegen zwischen -3 und -8 Grad), so dass sich die weiterhin nur langsam nach Nordosten vorankommenden Niederschläge intensivieren. Im Südwesten und Süden gehen diese in Regen über, in Teilen Bayerns beginnen diese eventuell sogar als Regen, dabei kann es gebietsweise auch gefrierenden Regen mit Glatteis geben. Unwetterartige Entwicklungen diesbezüglich sind durchaus möglich, aus aktueller Sicht aber noch nicht abschätzbar. Am ehesten kommen wohl die Bereiche Schwäbische Alb, Mittelfranken, Oberpfalz und Niederbayern bzw. das östliche Oberbayern in Frage. In der Mitte fällt oft bis in tiefe Lagen Schnee, und das teilweise nicht zu knapp. Vor allem von NRW über den zentralen Mittelgebirgsraum bis nach Oberfranken kommen mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zumindest gebietsweise markante neuschneemengen von über 5 cm in wenigen Stunden bzw. über 10 cm in sechs bis 12 Stunden zusammen. Auch unwetterartige Mengen sind möglich, insbesondere in den Südoststaulagen einiger Mittelgebirge. I-D2 simulierte im 12 UTC-Lauf im nördlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein sogar mehr als 20 l/m² in 12 Stunden als Schnee, diese Mengen wurden im 15 UTC-Lauf glücklicherweise wieder deutlich reduziert.
Im Norden und Osten, etwa nordöstlich einer Linie südliches Emsland-westliches Erzgebirge bleibt es am Südrand einer sich von Polen bis nach Südskandinavien ausweitenden flachen Hochdruckzone trocken. Dabei verschärft sich der Gradient im Bereich der Front bzw. Luftmassengrenze über den mittleren Landesteilen und in den Kamm- und Gipfellagen der dortigen Mittelgebirge gibt es steife, vereinzelt stürmische Böen, in Gipfellagen eventuell auch Sturmböen aus Südost. Dann sind auch Schneeverwehungen denkbar.
Frostfrei bleibt es wohl in einigen Niederungen West- und Süddeutschlands, sonst gibt es leichten, im Norden und Osten mäßigen, nach Nordosten zu bei teils klarem Himmel über Schnee auch strengen Frost.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... steht das Wichtigste in der Frühübersicht, und auch mit den aktuellen Läufen bleiben die Unsicherheiten bestehen. Für den Norden und Osten sind sich die Modelle einig: Am Südrand der sich etwas verstärkenden Hochdruckzone über Skandinavien bleibt es im Einflussbereich der von Osten einströmenden kalten Festlandsluft trocken und teilweise setzt sich bei recht verbreitetem Dauerfrost die Sonne durch. Ab der Mitte südwärts gibt es weitere Niederschläge, die aber im Tagesverlauf deutlich an Intensität einbüßen. Das Tief über Nordwestfrankreich muss aufgrund der Blockade nach Südosten, Richtung Westalpen ausweichen und in der Nacht zum Freitag kommt das Hoch über Skandinavien südwärts Richtung Polen voran, so dass auch die kalte Festlandsluft an Boden nach Süden gut macht. Im Südwesten und Süden wird es aber zunächst noch bis mittlere Höhenlagen etwas regnen, anfangs vor allem im Südosten teils auch gefrierend. Im Südwesten können sogar wieder Höchstwerte von 5 bis 10 Grad erreicht werden. In der Mitte fällt meist Schnee mit allerdings deutlich abnehmender Intensität.
In der Nacht zum Freitag ziehen sich die Niederschläge dann nach Süddeutschland, später ins Alpenvorland und zu den Alpen zurück und gehen wieder bis in tiefe Lagen in Schnee über. An den Alpen dürfte es dann bis in den Freitag hinein kräftig schneien.
Modellvergleich und -einschätzung
Zwar steht der grobe Fahrplan, im Detail gibt es aber durchaus Modelldifferenzen bzgl. der räumlichen Verteilung, Intensität und Phase der Niederschläge, da es sich insbesondere in der Nacht zum Donnerstag überwiegend um relativ kleinräumige markante bzw. unwetterartige Ereignisse handelt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 17.02.2026 um 10.30 UTC
Winter ade!? - Ab dem Wochenende Durchbruch atlantischer Luftmassen mit deutlicher Milderung. Anfangs im Osten und Norden aber noch Glatteisgefahr!
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 24.02.2026
Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am kommenden Freitag starten wir in Deutschland mit einem klassischen Zwischenhoch, nachdem zuvor noch mal ein Schwall polarer Kaltluft (T850 -2 bis -8°C) bis nach Süddeutschland vorstoßen konnte. Mit abgeschlossener 1025-hPa-Isobare und begleitendem Höhenrücken ist das Zwischenhoch sogar vergleichsweise prominent aufgestellt, was aber genauso wenig an ihrem Interregnum ändert wie die Tatsache, dass es Verbindung zum weit nach Osten Richtung Iberische Halbinsel verschobenen Azorenhoch hält. Die Tiefdruckgebiete über dem Atlantik scharren schon mit den Hufen und auch über Nordeuropa nimmt die Tiefdrucktätigkeit zu, weil sich das in der Kurzfrist noch präsente fennoskandische Hoch in die sibirischen Weiten zurückzieht. Hinzu kommt, dass sich über dem Atlantik die Frontalzone in Stellung bringt, um in Folge auch den europäischen Kontinent zu okkupieren.
Los geht´s bereits in der Nacht zum Samstag, wenn die ersten Störungen von Westen übergreifen (voraussichtlich erst eine Okklusion mit WF-Charakter, dann am Samstag eine "echte" Warmfront) und mit Hilfe eines ost-südostwärts schwenkenden Kurzwellentrogs für reichlich Hebung und entsprechende Niederschläge sorgen, die sich relativ zügig nach Osten ausbreiten. Vor allem im Norden und Osten ist dabei vorübergehend die Gefahr von gefrierendem Regen mit Glatteis gegeben. Auch Schneefall kann zeitweise noch am Start sein. Die Lösungen des komplexen Gleichungssystems "Niederschlagsphase" sind mitnichten schon festgezurrt, kommt es doch auf viele, teils wechselwirkende Faktoren an, die an dieser Stelle noch nicht näher vertieft werden sollen. Interessant sind die von IFS für den Schwarzwald und Teile des Alpenrands apostrophierten Niederschlagsmengen (30-50 l/m² innert 24 h), die auf markanten Dauerregen plus Tauwetter zumindest mal hindeuten.
Am Sonntag greift die relativ weit nördlich positionierte Frontalzone gänzlich auf den Vorhersagraum über. Zwischen hohem Luftdruck über Südwesteuropa und Tiefs über dem nahen Atlantik bzw. Skandinavien stellt sich bei uns eine vergleichsweise flotte West-Südwestströmung ein, die für weitere Fortschritte bei der am Samstag beginnenden Milderung sorgt. Bis zum Abend steigt T850 bei guter Durchmischung auf Werte um +3°C, was natürlich nicht ohne Folgen für die 2m-Temperaturen bleibt. Am Rhein dürfte es in Spitzen für vorfrühlingshafte 14 oder 15°C reichen. Aber auch im Nordosten, wo nur zwei Tage zuvor noch leichter Dauerfrost auf der Karte stand, wirken 6 bis 9°C fast linde. Regnen oder nieseln tut´s am Sonntag auch, wenn wohl auch weniger als tags zuvor.
Der Wochenanfang (Montag/Dienstag) bringt weiterhin wechselhafte und milde Bedingungen mit west-südwestlicher, nach Süden hin tendenziell leicht antizyklonaler Grundströmung, die verbreitet für zweistellige Tagestemperaturen sorgt. Einzig ganz im Norden (und natürlich in höheren Lagen) wird die 10°C-Marke sehr wahrscheinlich nicht erreicht respektive überschritten. Ob dann in der erweiterten Mittelfrist eine Trog- bzw. Tiefpassage (Tief Nordsee) mit sehr milder Vorder- und maritim-kalter Rückseite die Geschicke vor Ort bestimmen wird, wie von IFS gerechnet, bleibt abzuwarten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Wenn man es mit den Details nicht zu genau nimmt - bei mittelfristigen Prognosen quasi ein Grundgesetz -, kann dem IFS (ECMF) eine gute Konsistenz attestiert werden. Dabei wird die Kernaussage bestätigt, die hier gestern schon an selber Stelle in die weite Welt der Wetterinteressenten gestreut wurde: Der Atlantik übernimmt! Oder anders ausgedrückt, die in diesem Winter über weite Strecken andauernde Blockierung löst sich auf, was den Weg für atlantische Systeme inklusive vorwiegend maritim geprägter, milder Luftmassen ebnet - nicht nur im Westen und Südwesten, wo das ja häufiger funktioniert hat. Auch im Norden und Osten wird die Kaltluft beginnend am kommenden Wochenende nachhaltig attackiert und schlussendlich gänzlich ausgeräumt. Es stellt sich ein wechselhafter, zeitweise windiger, an der See mitunter auch stürmischer Witterungsabschnitt ein, in dem es immer wieder zu Niederschlägen mehrheitlich in Form von Regen kommt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Grundsätzlich teilen die an dieser Stelle für gewöhnlich begutachteten Globalmodelle ICON, GFS, GEM und UK10 die Meinung von IFS. Sie alle haben die Nase voll von Blockierung und präferieren allumfänglich atlantische Vorherrschaft. Dass dabei die Individualität der jeweiligen Modelle nicht zu kurz kommen darf, versteht sich von selbst. Will heißen, Phasen- und Timingverschiebungen bei Fronten, Tiefs oder Trögen sind ebenso an der Tagesordnung wie die Möglichkeit postfrontaler, stark maritim geprägter "Winterintermezzi", von denen dann aber wohl nur das höhere Bergland was hat. Interessant in diesem Zusammenhang, dass wie IFS auch GFS die Annäherung eines Höhentroges in der erweiterten Mittelfrist simuliert. Gestern wurde noch eine antizyklonale Südostlage favorisiert, die nun übrigens vom kanadischen GEM übernommen wurde. Wie in der Schule, der eine schreibt vom anderen ab. Ob´s dadurch besser wird, werden wir sehen. "Südost antizyklonal" scheint auf dem Wettmarkt aber eher weiter unten zu stehen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen sowohl beim Potenzial in 500 hPa als auch bei der Temperatur auf 850 hPa einen klaren Aufwärtstrend. Während bei T850 ganz eindeutig die bevorstehende Milderung zum Ausdruck kommt, ist der Anstieg bei Pot500 weniger einem sich bei uns etablierendem Höhenrücken als vielmehr der recht weit nördlich verlaufenden Frontalzone geschuldet. Im Laufe der nächsten Woche lässt sich bei stetig zunehmender Streuung zunächst eine Seitwärtsbewegung erkennen, bevor die Kurven zum Ende hin wieder nach unten tendieren (bei dann allerdings ziemlich hoher Spreizung). Begleitet wird das Ganze von einem deutlich sichtbaren Grundrauschen beim Niederschlag, das je nach Region und Tag mal mehr, mal weniger ausgeprägte Minima oder Maxima aufweist. Typisch für die derzeit noch vorhandenen Prognoseunsicherheiten in Bezug auf Raum, Zeit und Intensität der bestimmenden Systeme.
Zu den Clustern, die im ersten Fenster T+72...96h (Freitag/Samstag) mit drei Fenstern aufwarten. Alle zeigen den o.e. Zwischenhocheinfluss und alle sind dem Regime "NAO+" zugeordnet. Letzteres ändert sich mit dem nächsten Zeitschritt nicht, allerdings werden von Sonntag bis Dienstag (T+120...168h) satte fünf Schubladen aufgemacht. Dabei wird schnell deutlich, dass der Grundcharakter der bevorstehenden Witterung (atlantischer Mildeinfluss) unstrittig ist. Wie bereits erwähnt, sind es die Phasen usw., die noch nicht in trockenen Tüchern sind. Auch in der erweiterten Mittelfrist ab Mittwoch (T+192...240h) werden fünf Lösungen angeboten. Dabei kristallisieren sich gewisse Grundmuster heraus: CL 1 und 2 (insgesamt 30 Ensembles + HRES) bevorzugen die Annäherung des Troges plus Nordseetief. CL 3 (15 Mitglieder) versucht es noch mal mit einer Blockierung (Rücken Mitteleuropa) ähnlich der GEM- respektive der gestrigen GFS-Lösung. Zum Ende hin greift aber auch hier der Trog über, wenn auch deutlich abgeschwächt. CL 4 und 5 (11 Fälle) belassen es bei einer vergleichsweise glatten Höhenströmung (NAO+), bei der die Frontalzone mal recht weit nördlich (CL 4 mit 6 Vertretern), mal weiter südlich (CL 5 mit 5 Vertretern) verläuft. Kurzum, der Spielraum, welches GWL-Muster sich im Laufe der zweiten Wochenhälfte einstellt, ist noch ziemlich groß.
FAZIT:
Die bereits gestern schon für das Wochenende proklamierten Herrschaftsansprüche des Atlantiks nebst substanzieller Milderung werden mit dem heutigen Lauf modellübergreifend und auch probabilistisch bestätigt. Dass dabei hinsichtlich Phase, Timing und Intensität der beteiligten Systeme noch reichlich Luft nach oben ist, liegt im Rahmen mittelfristiger Vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Übergang im Norden und Osten nochmals eine Glatteislage mit sich bringt (Nacht zum Samstag bis in den Vormittag), mögliche Unwetter inklusive.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GLATTEIS:
Mit Übergreifen der ersten Störungen und damit einhergehender Milderung, die sich zunächst vor allem niedertroposphärisch, langsamer bodennah bemerkbar macht, besteht ab der Nacht zum Samstag bis in den Vormittag im Norden und Osten Glatteisgefahr durch gefrierenden Regen. Danach sollte sich das Thema aufgrund der guten Durchmischung (=> bodennahe Milderung) weitgehend erledigt haben.
STRENGER FROST:
In der Nacht zum Samstag besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für strengen Frost etwas unter -10°C insbesondere in den Tälern von Erzgebirge und Bayerischem Wald. Voraussetzung ist längeres Aufklaren, was im Falle eines beschleunigten Übergreifens der Fronten von Westen her gefährdet sein könnte.
WIND/STURM:
Ab dem Wochenende besteht an der See sowie im höheren Bergland durchweg das Potenzial für stürmischen West-Südwestwind mit Spitzen 8 bis 9 Bft. Ob es auch mal für mehr reicht, sprich, für eine überregionale Sturmlage Marke Spätwinter, kann nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die Modelle diesbezüglich noch nicht wirklich was auf dem Schirm haben. Offensichtlich ist die Frontalzone etwas zu weit nördlich positioniert und vielleicht auch nicht ausgeprägt genug bzw. bei uns etwas zu antizyklonal konturiert. Abwarten!
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





