Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 30.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEa (Südost antizyklonal)
Andauer der Pattsituation mit Fennoskandienhoch DANIEL und zahlreichen zyklonalen "Damen" auf dem Atlantik und dem Mittelmeer (NORMA, OPIKA, PATRICIA + Ableger) - im Nordosten kalt und am Wochenende noch kälter, im Südwesten mild und am Wochenende noch milder. Dazu vor allem im Westen und Südwesten mitunter schwache Niederschläge jedweder Couleur.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... Manchmal muss man mit einem 1:1 zufrieden sein - diese Erkenntnis aus dem Sport lässt sich, 1:1 sozusagen, auch auf die derzeit stattfindende Challenge in der Atmosphäre projizieren. Zumindest wenn man sich auf unseren Raum bezieht - und um den geht es in der Regel ja in diesem Bulletin - sind die Kräfteverhältnisse aktuell grob gesprochen gleichverteilt. Auf der einen Seite will uns jemand permanent mit kontinental geprägter Kaltluft versorgen, auf der anderen Seite steht eine "Wärmepumpe", deren Interesse - nomen est omen - darin liegt, milde, überwiegend maritim geprägte Luftmassen im Vorhersageraum unterzubringen. Beide Systeme, ich gehe gleich genauer drauf ein, um wen und was es sich eigentlich handelt, können Teilerfolge bei uns verbuchen, also Unentschieden, womit sich der kleine Kreis schließt.
Fangen wir mit dem kalten Part an, einem mit knapp unter 1030 hPa im Zentrum gar nicht mal so wuchtigen, sich am Wochenende aber verstärkenden Hoch über Fennoskandien, das den Namen DANIEL trägt. In seinem Westteil wird DANIEL von einem Höhenrücken gestützt, während er nach Osten hin rein thermischer Natur (fette Kaltluft) ist. Wie das so ist zu dieser Jahreszeit bei einer solchen Konstellation, zapft das Hoch kalte Luft sibirischer Herkunft an, die bei uns, genau genommen im Norden und Osten des Landes (immer schön das Unentschieden im Hinterkopf behalten) modifiziert, weil erwärmt ankommen. Z.T. streicht die Luft über die Ostsee, dann sind Teile Polens (Westen/Süden) schneearm bis schneefrei, alles Mitgründe, warum die Temperatur bei Ankunft nichts mehr mit den sehr kalten Ausgangswerten zu tun hat. Aber immerhin, für unsere Verhältnisse ist die Luftmasse einigermaßen kalt und hat durch die Ostkomponente nix mit atlantischen Einflüssen zu tun.
Das sieht Richtung Westen und Süden bzw. Südwesten ganz anders aus. Dort zeichnet OPIKA für das Wettergeschehen verantwortlich, von Beruf Tiefdruckgebiet und "Wärmepumpe", Kerndruck unter 975 hPa, Standort Seegebiet knapp westlich von Irland. Korrespondierend befindet sich über OPIKA ein breiter Potenzialtrog mit integriertem Höhentief, von dem aus sich ein stark negativ geneigter Randtrog über Benelux bis hinüber zum Balkan erstreckt. Dabei kommt es bei uns, ausgelöst durch kleine Randtröge und/oder schwache WLA, manchmal ergänzt durch abgeschwächte Fronten, immer mal wieder zu Hebungsimpulsen, die sich in Niederschlägen überwiegend schwacher Intensität widerspiegeln. Darüber hinaus versucht OPIKA - standesgemäß möchte man hinzufügen - auf ihrer Vorderseite milde Luftmassen bei uns zu platzieren, was ihr wie gesagt im Westen und Südwesten, bedingt auch im Süden durchaus erfolgreich gelingt.
Kommen wir zu den Details, wo es trotz blockierender Wirkung vom kalten DANIEL tatsächlich ein Schneefallgebiet bis in den Norden und Osten geschafft hat. Es handelt sich um die spärlichen Reste des gestern weiter südlich aktiven, bei der Akkumulation aber nicht überall erfolgreichen Schneefalls. Die Intensität ist eher gering, dafür lässt sich eine gewisse Ausdauer attestieren. Kurzum, in einem relativ schmalen Korridor, der von SH (später nur noch Ost-SH) bis hinunter zur Oberlausitz reicht, kann es heute immer mal wieder leicht flöckeln, Tendenz am Nachmittag und Abend bei leichter Nordostverlagerung weiter nachlassend, aber nicht gänzlich versiegend. Die Neuschneemengen sind gering, z.T. nicht wirklich messbar, trotzdem kann es bei Temperaturen nahe am Gefrierpunkt respektive leichtem Dauerfrost glatt werden. Wenn wir schon mal im Norden sind, sei auf den supergeostrophisch verstärkten Ost-Südostwind am Rande des Hochs hingewiesen, der vor allem an der See sowie im küstennahen Binnenland zügig und böig unterwegs ist. Vornehmlich, aber nicht ausschließlich sind es die Küstenabschnitte mit auflandiger Windkomponente, die in den "Genuss" von steifen Böen 7 Bft, exponiert sogar stürmischen Böen 8 Bft kommen.
Weg vom Norden und Osten in die Südwesthälfte, wo niederschlagstechnisch aktuell Ruhe eingekehrt ist. Das bleibt aber nicht so, da im Tagesverlauf die Okklusion der Kollegin OPIKA nebst kleinem Randtrog von Frankreich her übergreift. Beginnend in Südbaden kommt es bis zum Abend zwischen der Eifelregion und Oberschwaben zu leichten Niederschlägen, die in tiefen Lagen überwiegend als Regen fallen, unkritisch, weil positive Luft- und Belagstemperaturen. Oberhalb 600 bis 900 m fällt etwas Schnee, nur wenige Zentimeter wenn überhaupt, im höheren Südschwarzwald vielleicht bis zu 5 cm. Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass gerade in NRW im Lee der westlichen Mittelgebirge zeitweise die Sonne scheint, was auch für den Alpenrand und die Topps im Bayerischen Wald gilt. Dafür bleibt es in den Niederungen häufig bedeckt oder auch neblig trüb (in der Nacht hat sich gerade im Süden ganz schön viel Nebel gebildet). Wahrscheinlich, dass sich im Süden gebietsweise Dauerfrost hält, so dass die Gefahr von gefrierender Nässe oder sogar gefrierendem Nieselregen (wenn nämlich leichte Hebung einsetzt) auch tagsüber nicht negiert werden kann. Häufig geht die Temperatur in der SW-Hälfte aber hoch auf Werte zwischen +1 und +7°C, während in der NO-Hälfte -3 bis +1°C auf der Karte stehen.
In der Nacht zum Samstag kommen die Niederschläge aus dem SW noch etwas bis zur Mitte voran, schwächen sich dabei aber deutlich ab. Der Nachschub lässt sich aber nicht lange bitten, weil bereits der nächste okkludierte Ausläufer bei uns auf- und das erste System quasi einholt. Absender ist ein kleines Rand-/Tochtertief (PATRICIA) der sich zunehmend auffüllenden OPIKA, das von SW-England in die Irische See zieht. Es lohnt sich halt, frühzeitig für Nachwuchs zu sorgen, wenn man den Familienstammbaum fortsetzen möchte. Das aber nur am Rande. Neues System, neue Niederschläge, die grob ab Mitternacht die Grenze zu Frankreich und BeLux überqueren und bis zum Morgen etwa die Gebiete zwischen Nieder- und Hochrhein erfassen. Bei 850-hPa-Temperaturen handelt es sich überwiegend um Regen, nur lokal in höheren Lagen etwas Schnee. In tiefen Lage sollte der Regen in Bezug auf Glätte/Glatteis unkritisch sein. Aufgepasst heißt es im zentralen Mittelgebirgsraum sowie in Teilen Süddeutschlands, wo noch Frost vorhanden ist bzw. es zuvor wieder abgekühlt hat. Teilweise sind es die Reste der ersten Okklusion, teilweise gehobener Nebel/Hochnebel, die stellenweise gefrierenden Nieselregen, nach Betrachtung der Prognosetemps zumindest theoretisch kein oder kaum Schneegriesel zustande bringen. Es empfiehlt sich, prophylaktisch mit einer breit aufgestellten gelben Basis-Glättewarnung zu hantieren, auf die bei Bedarf und genauer Kenntnis der regionalen Verteilung eine markante Glättewarnung draufgesetzt wird. Vereinzelt bildet oder verdichtet sich vorhandener Nebel mit Sichtweiten unter 150 m.
Darüber hinaus sei noch erwähnt, dass es zwischen Ostholstein/Mecklenburg und Niederlausitz hin und wieder noch leicht flöckeln kann, allerdings ohne nennenswerte Neuschneeakkumulation, wohl aber mit Glätte. Zumal die Nacht wie in vielen anderen Gebieten auch Frost bringt, im Osten und Süden (Alpenrand teils klar) stellenweise sogar mäßig bis etwa -7°C. Frostfrei bleibt es im Westen und Südwesten am und um den Rhein herum sowie westlich davon.
Samstag... ändert sich an der großräumigen Konstellation herzlich wenig, sieht man mal davon ab, dass schon in der Nacht über dem Löwengolf beginnend eine Zyklogenese in Gang gesetzt wird. Das resultierende Tief zieht rasch ostwärts, erreicht am Mittag Sardinien, um von dort das Ionische Meer anzusteuern. Angesichts dieser Zugbahn wird schnell deutlich, dass wir mit diesem Tief nur wenig am Hut haben. Bei uns bleibt es bei der Pattsituation Nordost vs. Südwest, DANIEL vs. Familie OPIKA/PATRICIA. Die Mutter hat zwar schwer zu kämpfen, ihre Akkreditierung auf den Wetterkarten zu behalten. Weitere Spießgesellinnen stehen weiter draußen auf dem Atlantik aber schon parat, um die Nachfolge anzutreten. Und ob man es glaubt oder nicht, trotz der schwächelnden Tiefs verschärft sich der Temperaturgradient in Deutschland weiter. Mit den Okklusionen wurde nämlich ein Schwall noch milderer Meeresluft in den Südwesten bugsiert, während gleichzeitig der kalte DANIEL auch noch etwas draufsattelt. Satte 15 Kelvin Unterschied könnte es am Ende werden zwischen -5°C Höchstwert an der Oder und bis zu 10°C plus am Rhein und westlich davon.
Und was geht beim Wetter? - Dort verlagern sich die Niederschläge aus dem Südwesten und Westen unter Abschwächung allmählich nordwärts Richtung Ostwestfalen, westliches NDS und schlussendlich zur Nordsee, wo voraussichtlich aber nicht mehr allzu viel ankommt. Als diffizil entpuppt sich nach wie vor die Phasenbestimmung. Es zeichnet sich aber ab, dass Regen überwiegt, anfangs z.T. noch gefrierend, bevor mit Tagesgang Entspannung einsetzt. Bei T850 von 0°C oder geringfügig darunter kann auch Schnee im höheren Bergland (isotherme Schichtung) nicht ganz ausgeschlossen werden, viel wird es aber nicht werden. Ob dann am Abend im Emsland und bei den Ostfriesen noch ein paar Flocken ankommen, wie u.a. von ICON avisiert, hängt von vielen Faktoren ab (u.a. Intensität, thermische Vorgeschichte), was hier aufgrund der Geringfügigkeit aber nicht vertieft werden soll. Tatsache ist, dass an den Alpen die Sonne scheint, während sich sonst Auflockerungen am ehesten in einigen Leelagen der Mittelgebirge die Ehre geben. An der See weht weiterhin ein flotter und böiger "Ost-Südost" mit Spitzen 7-8 Bft.
In der Nacht zum Sonntag kommt es im Norden an der inzwischen doch stark ausgelaugten Okklusion stellenweise noch zu leichten Niederschlägen, die nun aber weitestgehend als Schnee fallen. Viel wird´s nicht sein, lokal vielleicht 1-2 cm, meist wahrscheinlich weniger. Etwas Regen oder Schnee (Bergland) könnte auch im äußersten Westen aufschlagen, wo ein neuerlicher KW-Trog etwas Hebung generiert. Ansonsten bleibt es abgesehen von vereinzeltem Nieselregen oder Schneegriesel aus gesättigter Grundschicht zwar niederschlagsfrei, aber auch überwiegend bedeckt. Dort, wo sich doch mal eine Lücke auftut, bildet sich z.T. dichter Strahlungsnebel. Zudem können sich Nebelreste vom Tag wieder verdichten. Nicht der Fall sein wird das im äußersten Nordosten, wo von Polen her trockenere Luft advehiert wird. Die zunehmenden Auflockerungen, die damit einhergehen und den meisten Menschen in ihrem Schlaf des Gerechten wenig bis nichts nützen, erkauft man sich mit mäßigem, punktuell (Odernähe) vielleicht sogar strengem Frost. Auch sonst ist leichter, im Osten häufig, im Süden örtlich mäßiger Frost wieder ein Thema, gefrierende Nässe inklusive. Außen vor bleiben die tiefen Lagen West- und Südwestdeutschlands, wo nach wie vor ein Plus vor den nächtlichen Minima steht. Der frische Ost-Südostwind an der Küste mit Böen 7, exponiert 8 Bft ist und bleibt eine verlässliche Konstante.
Sonntag... gibt es nicht viel Neues zu berichten. Hoch DANIEL meldet Besitzansprüche an, die er durch Auskeilen in Richtung Südnorwegen sowie Rumänien/Bulgarien zum Ausdruck bringt. Derweil herrscht über dem Atlantik (weit draußen stärker als im nahen Bereich) weiterhin eine ausgeprägte Tiefdrucktätigkeit. Das Mittelmeertief - so viel zur Chronistenpflicht - zieht weiter gen Griechenland und Türkei. Bei uns ist die Sonntagsgeschichte rasch erzählt: Nordosten kalt (Höchstwert trotz sonniger Abschnitte nur noch -8 bis -5°C!), West-Südwesten mild mit 6 bis 10°C, dazwischen ein breiter Übergangsstreifen mit von N-NO nach S-SW -5 bis +5°C. Dazu im Westen gelegentlich geringfügiger Niederschlag (alle Phasen denkbar), sonst häufig bedeckt oder trüb. Sonne neben dem äußersten Nordosten am ehesten in Leelagen der Mittelgebirge sowie mit Garantie an den Alpen inkl. des höheren Vorlands. Naja, und der Wind an der Küste, ihr wisst schon, nosig (no significant change).
Erwähnenswert in der Nacht zum Montag ist die Frostverschärfung im Nordosten, wo die -10°C-Isotherme (strenger Frost) bis etwa nach Mecklenburg, der Altmark und der Niederlausitz vorankommt. Nordöstlich davon kühlt es z.T. auf -12 oder -13°C ab. Frostfrei dagegen weiterhin die Niederungen und Flusstäler West- und Südwestdeutschlands. Unentschieden halt...
Modellvergleich und -einschätzung
Die beschriebene Entwicklung als solche ist unstrittig. Dass jedes Modell die Randtröge nebst resultierender Schwachniederschläge geringfügig anders positioniert, ist handelsüblich. Auch die Phase der Niederschläge ist noch nicht bis zum Letzen durchdekliniert. Hier bleibt noch eine gewisse Restunsicherheit, die z.T. erst sehr kurzfristig gelöst werden kann.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 30.01.2026 um 10.30 UTC
Im Nordosten anfangs markanter Dauer- und strenger Nachtfrost. Zeit- und gebietsweise gefrierender Regen, teils auch Schnee. An den Küsten und auf den Bergen teils stürmisch. Auf den Alpen Föhnsturmintermezzo.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 06.02.2026
Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Montag, liegen wir im Einflussbereich eines negativ geneigten Troges, der sich ausgehend von einem Höhentief über den Britischen Inseln über uns hinweg erstreckt. Über Nordwestrussland befindet sich ein kräftiges, hochreichendes Tief, das in der dort vorherrschenden arktischen Luftmasse (T850 zum Teil deutlich unter -20 Grad) für Schneefälle sorgt. Aber wie dem auch sei: Zwischen den beiden (Höhen-)Tiefs existiert eine schwache Potenzialbrücke, die sich vom östlichen Mitteleuropa bis weit ins Nordmeer hinein erstreckt und somit weiterhin "unser" blockierendes Bodenhoch über Fennoskandien stützt.
Über dem Atlantik ist derweil eine massive Austrogung im Gange, auf dessen Vorderseite sich dank kräftige WLA ein Rücken aufwölbt, der Deutschland am Dienstag nordostwärts überquert. In der Folge bleibt es am Montag weitgehend trocken, höchstens im äußersten Westen und Südwesten kann es bedingt durch den schwachen Trog ein paar Tropfen geben. Lokales Glatteispotenzial im Bergland kann dabei in den Frühstunden nicht ausgeschlossen werden. Bemerkenswert sind hauptsächlich die Temperaturgegensätze: Während am Oberrhein die 10-Grad-Marke zum Greifen nah ist, herrscht östlich der Elbe mäßiger Dauerfrost, in Vorpommern ist zum Teil sogar schon bei -8 Grad Schluss mit der "Erwärmung". Vor allem dort sind in der Nacht zum Dienstag auch Tiefstwerte unter -10 Grad zu erwarten.
Mit Voranschreiten des Atlantiktroges nähert sich auch der korrespondierende Bodentiefkomplex den Britischen Inseln. Dadurch nimmt der Gradient zu, sodass an den Küsten die ein oder andere stürmische Böe aus Ost zu erwarten ist (v.a. exponiert).
Am Dienstag greift die okkludierte Front des Britischen Tiefs von Südwesten her auf uns mit feucht-milder Luft über. In der zunehmend auf Südwest bis Süd drehenden Höhenströmung läuft ein Kurzwellentrog nordwärts über Deutschland hinweg ab. In der Folge ziehen bereits in den Frühstunden im Südwesten Niederschläge auf, die sich nach Norden und Nordosten ausweiten (wie weit ist noch unklar, östlich der Elbe bleibt es aber wohl noch trocken). T850 macht einen ordentlichen Satz nach oben und liegt abends nur noch östlich der Elbe im negativen Bereich (-6 Grad in Vorpommern). Im Süden steigt sie vorübergehend auf +8 Grad an, was auch dem (wohl schon in der Nacht zum Dienstag) einsetzenden Föhn zu verdanken ist (auf den Gipfeln Bft 9-10 und eventuell sogar Durchbruch in die Föhntäler). Die Niederschläge fallen daher überwiegend als Regen, der vor allem im Bergland und bei Übergreifen auf die Nordosthälfte (Dauerfrost) gefrierender Natur sein dürfte und regional auch Unwetterpotenzial besitzen könnte.
Am Mittwoch schwenkt der Haupttrog heran, kippt dabei aber mehr und mehr ins Negative und verläuft letztlich vom Atlantik ost-/südostwärts bis ins zentrale und östliche Mittelmeer. Im zentralen Mittelmeerraum kommt eine Zyklogenese in Gang, die sich Richtung Ostalpen aufmacht und feuchte Luft im Schlepptau hat. Am deutschen, östlichen Alpenrand löst sich ein Föhntief ab und verlagert sich nordwärts. Kurzum: Von Südosten und Osten greifen Niederschläge über, die teils als Schnee (vor allem in den östlichen Landesteilen), teils als (gefrierender) Regen fallen. Nach Lesart des IFS-Hauptlaufs soll davon nur der Südwesten ausgespart bleiben. Dass diese Entwicklung aber noch sehr unsicher ist, zeigt der unten folgende Modellvergleich.
Diese potentielle Vb-Entwicklung zieht sich auch noch durch den Donnerstag. Über dem Atlantik positioniert sich ein neues hochreichendes Tief, von dem ausgehend sich der Trog über uns hinweg bis zum Schwarzen Meer und ins östliche Mittelmeer erstreckt. Die Frontalzone verläuft in der Folge sehr weit südlich. Die Blockadelage über dem Nordmeer hält weiter an. Das diesem Muster ändert sich auch am Freitag nichts.
In der erweiterten Mittelfrist kommt es zur nächsten atlantischen Austrogung und einem erneuten Aufsteilen der Höhenströmung über West-/Südwesteuropa. Dem steht ein massiver Kaltluftvorstoß über Nordosteuropa gegenüber. Nach Ausbildung einer über uns liegenden wetteraktiven Luftmassengrenze sieht es laut Hauptlauf aber nicht aus.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des aktuellen 00-UTC-IFS-Laufs kann, was die großräumigen Strukturen und Strömungsmuster angeht, als gut bezeichnet werden. Demnach setzt sich der atlantische Tiefdruckeinfluss gegen den Nordeuropäischen Hochdruck langsam bundesweit durch und aus Süden ziehen immer wieder Niederschlagsgebiete in nördliche Richtungen. Wie die Niederschlagsentwicklung im Detail aussieht ist weiterhin unsicher, sowohl was die räumliche Verteilung, die Intensität als auch die Art betrifft. Tendenziell wird das Übergreifen der Niederschläge am Dienstag wie auch am Mittwoch etwas später gesehen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Beim Blick auf andere Globalmodelle (ICON, GFS, UK10) fällt auf, dass ICON und UK10 ebenfalls eine Vb-artige Entwicklung zeigen. Beide beschränken sich bei den Niederschlägen aber maximal auf die Osthälfte und UK10 lässt die Niederschläge erst am Donnerstag übergreifen. GFS hat dieses Szenario überhaupt nicht auf dem Zettel, sondern lässt den Trog über dem zentralen Mittelmeerraum abtropfen. Das korrespondierende Mittelmeertief bleibt mit seiner feuchten Luft in der Folge also über dem Mittelmeer. Abseits davon sehen die großräumigen Strukturen im Vergleich zum IFS-Hauptlauf aber recht ähnlich aus.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte zeigen zunächst einen sehr engen und geradlinigen, sprich horizontalen Temperaturverlauf (850 hPa). Ab Montag kommt dann die sich einstellende südwestliche Höhenströmung zur Geltung und es geht kurzzeitig bundesweit nach oben. Gleichzeitig nimmt der Spread zu (in der Nordosthälfte mehr, in der Südwesthälfte weniger), was darauf zurückzuführen ist, dass sich das Ensemble immer noch nicht so richtig einig ist, wie stark die Milderung wirklich ist und wie weit sie tatsächlich nach Nordosten vorankommt. Bereits einen Tag später (Dienstag/Mittwoch) sinken die Kurven schon wieder etwas aber, ehe sie erneut eine eher geradlinige Bahn einnehmen und das in etwa auf dem Niveau vor der Milderung. Während es an Niederschlagssignalen im Westen und Südwesten über den gesamten Zeitraum nicht mangelt (wenn auch keine großen Mengen), sind sie ab Dienstag/Mittwoch auch vermehrt in der Nordosthälfte zu sehen.
Beim Clustering ergeben sich für den Zeitraum von Mittwoch bis Freitag 00 UTC drei Gruppierungen, die durchweg dem Regime NAO- zugeordnet wurden mit Blockadehoch über dem Nordmeer und sehr weit südlich verlaufender Frontalzone. Cluster 1 beinhaltet 21 Member, Cluster 2 17 (inkl. Haupt- und Kontrolllauf) und Cluster 3 13. Prognoserelevante Unterschiede oder signifikant neue Erkenntnisse für unser Wetter sind aber nicht zu erkennen.
Für den Zeitraum von Samstag bis Montag 00 UTC (erweiterte Mittelfrist) liegen ebenfalls drei NAO-negativ-Cluster vor (C1: 19, C2: 17 inkl. Haupt- und Kontrolllauf, C3: 15). Sie unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich der Lage des Blockadehochs und des damit verbundenen Kaltluftvorstoßes über Nordosteuropa. C1 ist in Sachen Blockade im wahrsten Sinne am breitesten aufgestellt. Das hohe Geopotenzial erstreckt sich von Neufundland bis nach Nordwestrussland. Der Trog-/Kaltluftvorstoß tangiert uns faktisch nicht. C2 verschiebt das Hoch etwas weiter nach Westen ins Europäische Nordmeer. Richtig bis zu uns durchsetzen kann sich der Trog stromab aber auch nicht. Das wäre dann aber in C3 der Fall, wo das Hoch am weitesten nach Westen abgedrängt wird und die Kaltluft mit nördlicher Höhenströmung den direkten Weg zu uns findet.
FAZIT:
An der gestrigen Aussage, dass sich langsam aber sicher der Tiefdruckeinfluss bundesweit mit Niederschlägen und etwas milderer Luft durchsetzt, hat sich nichts geändert. Auch die Folgerung, dass es den Warnmeteorologen in den kommenden Tagen angesichts des erwarteten bunten Phasenmix aus Regen, gefrierendem Regen und Schnee nicht langweilig werden wird, hat Bestand. Wie das alles im Detail abläuft und ob am Dienstag vielleicht sogar wirklich die rote Karte in Sachen gefrierender Regen gezogen werden muss, ist jedoch weiterhin sehr unsicher.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Was uns über nahezu den gesamten mittelfristigen Zeitraum begleiten wird, sind einerseits stürmische Böen aus Ost an überwiegend exponierten Küstenabschnitten der Ost- und Nordsee (an der schleswig-holsteinischen Ostsee und auf Arkona auch einzelne Sturmböen) und andererseits der gefrierende Regen. Letztere wird zunächst nur vereinzelt im west- und südwestdeutschen Mittelgebirgsraum ein Thema sein, ab Dienstag wird er dann aber eine größere Rolle spielen. Wie das alles im Detail abläuft ist aber noch sehr unsicher.
Als kleinere Nebenbaustellen wären noch der strenge Frost im äußersten Nordosten in der Nacht zum Dienstag zu nennen (samt markantem Dauerfrost), wie auch einzelne stürmische Böen auf den Gipfeln mancher Mittelgebirge am Dienstag. Föhnbedingt sind zudem auf den Alpen am Montag/Dienstag (Höhepunkt wohl aktuell Nacht zum Dienstag) Sturmböen, exponiert auch schwere Sturmböen (Bft 9-10) zu erwarten.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS, UK10, MOSIMX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz





