Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 20.08.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Wz (West zyklonal), am Wochenende tendenziell eher HB (Hoch Britische Inseln)

Heute Drei-Zonen-Wetter mit Gewittern im Nordwesten und Süden. Am Freitag im Südosten teils kräftige Regenfälle mit regionaler Unwettergefahr (Starkregen. Zum Samstag allmähliche Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag... hat sich die Lage nach den z.T. heftigen Turbulenzen des gestrigen Mittwochs inkl. der nachfolgenden Nacht (Tornados, Downbursts, heftige Gewitter) deutlich beruhigt. Und es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich so etwas in ähnlicher Form heute nochmal wiederholt. Was nicht heißt, dass der heutige Donnerstag bräsig und ereignislos über die Bühne geht, aber dann doch eher ein, zwei Ligen drunter.

Zur Lage, die nach wie vor geprägt ist von einem prominenten, mit positiver Achse ausgestatteten Potenzialtrog, der sich von Nordeuropa via UK/Irland bis hinunter zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Gerade über Skandinavien ist der Trog sehr breit aufgestellt mit mehreren Drehzentren, welche mit verschiedenen Bodentiefs (MARGARETE, NORA) korrespondieren. Für uns ergibt sich aus dieser Konstellation eine west-südwestliche Grundströmung, die in der Höhe im Zuge einer leichten Amplifizierung des Troges etwas rückdreht. Das ist insofern von Bedeutung, dass die am gestrigen Geschehen in hohem Maße beteiligte Kaltfront schleifend respektive leicht wellend über Süddeutschland irgendwo zwischen Main und Donau vor sich hin vegetiert, dabei zunächst aber keine Anstalten macht, sich den Alpen zu nähern. Heißt mit anderen Worten aber auch, dass im Süden noch Reste der energiereichen und solide gescherten Subtropikluft (xS; T850 14 bis 17°C) lagern, während der große Rest der Nation mit erwärmter Meeresluft subpolaren Ursprungs (mPs; T850 um 9°C) genährt wird (der Norden und Westen stärker als die mittleren Landesteile, wo eher noch eine gewisse Mischkomponente gegeben ist).

Unter dem Strich lässt sich das heutige Deutschlandwetter in drei Teile teilen mit durchaus stark voneinander abweichenden Charaktereigenschaften. Fangen wir im Nordwesten an, wo bereits am frühen Morgen über der Nordsee Schauer, vor der westfriesischen Küste sogar einzelne Gewitter unterwegs sind. Diese werden sich in der leidlich labil geschichteten Meeresluft mit Unterstützung des Tagesgangs bis ins nordwestdeutsche Binnenland ausweiten, wobei noch nicht ganz ausgelotet ist, wo genau das nordwestdeutsche Binnenland nach Süden und Osten hin endet. Möglich, dass die Schauer/Gewitter bis in den Norden NRWs, die Harzregion und nach Vorpommern ausgreifen. Möglich aber auch, dass alles etwas weiter nordwestlich bleibt. So oder so, die Qualität der auftretenden Gewitter dürften in Liga "Markant" verortet sein, meint Böen bis maximal etwa 80 km/h (9 Bft), kleinerem Hagel sowie Starkregen zwischen 15 und 20 l/m² innert kurzer Zeit. Nicht gänzlich ausgeschlossen, dass über See mal eine Wasserhose gesichtet werden kann.

Von Baustelle #1 erstmal zu Baustelle #3, die ebenfalls mit Wetteraktivität aufwartet. Die Rede ist vom Süden und Südosten, wo die Donau eine zugegeben recht grobe Demarkationslinie markiert. Sowohl im Bereich der Kaltfront (eher auf der zur Warmluft geneigten Seite) als auch südlich davon - schwerpunktmäßig aus der Schweiz oder Österreich heraus - entwickeln einzelne kräftige Gewitter, die in der Basis ebenfalls markant ausfallen dürften. Allerdings sind auch ein, zwei kräftigere Zellen (Unwetter) nicht unwahrscheinlich. Gerade dann, wenn sich bei leicht föhniger Tendenz ein längeres Sonnenfenster auftut, könnte vielleicht doch etwas mehr ML-CAPE produziert werden als die von ICON apostrophierten rund 500 J/kg (max.). Wasserdampf ist auch ausreichend vorhanden (PPW teils um 35 mm), Scherung ebenfalls, so dass stärkere Entwicklungen durchaus mit heftigem Starkregen (> 25 l/m² innert kurzer Zeit), größerem Hagel (3 cm) und sogar schweren Sturmböen 10 Bft einhergehen können.

Bliebe abschließend noch Area #2, die zwischen den Stühlen von kompensatorischem Absinken profitiert (wobei, richtigen Profit würde man eher aus mehrtägigem Landregen ziehen, aber gut, der ist hier nicht in Sicht). In einem breiten, von Südwesten über die Mitte bis hinüber zur polnischen Grenze verlaufenden Streifen bringt der Donnerstag neben einigen Wolken auch längere sonnige Phasen aber keinen Regen. Zwar lebt der West-Südwestwind gerade in der Mitte ebenso wie im Süden mitunter leicht böig auf, für eine Warnung dürfte das aber nicht reichen.

Kurz noch die Temperatur, die im Nordwesten Maxima von 20 bis 24°C, sonst zwischen 24 und 28°C erreicht.

In der Nacht zum Freitag rückt der Höhentrog etwas dichter an den Vorhersageraum heran, wodurch die Strömung geringfügig aufsteilt. Näher heran kommt auch ein über der Nordsee positionierter Bodentrog, der quasi den Wurmfortsatz des wuchtigen nordeuropäischen Tiefdrucksystems darstellt. Er sorgt neben klassisch diabatischen Effekten mit dafür, dass vornehmlich an und über der Deutschen Bucht, bedingt auch auf der Ostsee, die Schauer- und Gewittermaschinerie am Laufen bleibt, während im Binnenland ganz klar der Stecker gezogen wird (Tagesgang). Sowohl Starkregen als auch Böen 8 Bft können auf Nordseeseite in wenigen Einzelfällen nicht ganz ausgeschlossen werden.

Im Süden verlagert sich die Kaltfront nur wenig. Gerade südlich der Donau kommt es zunächst noch zu einzelnen Gewittern, die sich dann aber abschwächen respektive auflösen oder aber in ungewittrigen Regen mit anfänglicher Starkregengefahr übergehen. So ganz einig hinsichtlich der Detailentwicklung sind sich die hochauflösenden Modelle nicht, wird doch u.a. auch eine weitere Frontalwelle aus den Alpen ins Spiel gebracht, die schauerartigen, teils gewittrigen Regen mit örtlichem Starkregenpotenzial bringen würde - Konjunktiv!

Indikativ und damit Fakt ist und bleibt der von Südwest nach Nordost exponierte Korridor, der gegenüber dem Tag an Breite zulegt. Bei unterschiedlicher, teils geringer Bewölkung bleibt es trocken und die Luft kühlt auf 15 bis 10°C in einigen Mittelgebirgen sogar noch etwas darunter ab. Ähnliche Werte werden im Norden und Nordwesten erwartet (direkt an der See etwas milder), während im Süden gebietsweise 16 oder 17°C auf der Karte stehen.

Freitag... macht der südliche Teil des Potenzialtrogs Boden nach Osten hin gut, verbleibt dabei aber noch deutlich westlich des Vorhersageraums. Allerdings steilt die südwestliche Höhenströmung weiter auf, so dass auch die Kaltfront nicht wirklich von uns lassen kann. Im Gegenteil, sie geht mit der hebungsintensiven Trogvorderseite eine fruchtbare Symbiose ein, zu der sich im Südosten auch noch Gegenstrom gesellt (hinter einem Föhntief über Austria etwa bis hoch auf 800-700 hPa Nord bis West, darüber Übergang auf Süd-Südwest). Zwar büßt die Luftmasse gegenüber heute an Labilität ein, der Wasserdampf- und damit der latente Energiegehalt bleiben aber äußerst prominent (PPW teils bei 40 mm). Kurzum, im Tagesverlauf kommt es ausgehend von der schweizer Grenze und dem Alpenrand zu schauerartig verstärkten und mit Gewittern durchsetzen Regenfällen, die sich bis ost- und nordostbayerischen Mittelgebirgen ausbreiten und sich gerade in Tageshälfte 2 deutlich intensivieren. Insbesondere im Süden und Osten des blau-weißen Freistaats ist dann eine erhöhte Starkregenwahrscheinlichkeit sogar bis in den Unwetterbereich gegeben. Der Starkregen kann dabei auch mal etwas länger als nur wenige Minuten oder eine Stunde andauern und ist auch nicht zwingend an Gewitter gebunden. Regional sind jedenfalls 20 bis 40 l/m², punktuell um 50 l/m² in vergleichsweise kurzer Zeit sehr gut möglich. Wie man das Ganze final abwarnt, ob über Gewitter oder ungewittrigen Starkregen mit aufgesattelten Gewitterwarnungen, bleibt noch abzuwarten. Nicht zu vergessen ist die Druckanstiegswelle, die am Nachmittag/Abend nach Abzug des Föhntiefs über SO-Bayern hinwegziehen und dabei abgesetzt von Konvektion möglichweise größeren Windtrouble generieren soll. Allerdings herrscht diesbezüglich noch große Uneinigkeit innerhalb der Modellwelt. Von stürmisch bis Rohrkrepierer scheint noch alles drin.

Darüber hinaus lässt sich konstatieren, dass der Norden vom o.e. Bodentrog erfasst wird, der zwar mit zunehmender Tageslänge an Kontur verliert, dafür aber eine Kaltfront präsentiert, hinter der noch etwas frischere Subpolarluft von der Nordsee einfließt (T850 bis zu 6°C). Zunächst, also am Vormittag beschränkt sich die Schaueraktivität (Gewitter werden anfangs eher selten bis gar nicht vorhanden sein) auf die küstennahen Gebiete. Am Nachmittag, wenn die Kaltfront langsam landeinwärts vorankommt, der Tagesgang seine morgendliche Schwerfälligkeit abgelegt hat und der o.e. Trog näher rückt, muss nicht nur im nordwestdeutschen Binnenland, sondern auch im Westen und Südwesten häufiger mit Schauern und einzelnen Gewittern gerechnet werden. Dabei gilt es den Fokus vor allem auf lokalen Starkregen zu legen, der vereinzelt sogar über 25 l/m² innert kurzer Zeit liegen kann (WU). Ungeachtet dessen sind aber auch kleiner Hagel sowie Böen 7-8 Bft ins Kalkül zu ziehen.

Weitgehend trocken bei einer Mischung aus Sonne und Wolken kommen Teile der Mitte sowie der gesamte Osten und Nordosten über den Tag. Der Osten bzw. die östliche Mitte sind auch die Areale, wo es morgen mit bis zu 26, punktuell vielleicht 27°C am wärmsten wird. Ansonsten stehen 19 bis 25°C auf dem Zettel.

In der Nacht zum Samstag greift der Potenzialtrog zusehends auf Deutschland über. Auf seiner Vorderseite wird das angesprochene Föhntief Vb-artig über den Osten Tschechiens respektive der Slowakei gen Ostpolen gesteuert. Derweil macht es sich über dem nahen Atlantik ein größeres 1025+X-Hochdruckgebiet bequem, was nicht ohne Folgen für das Wochenendwetter bleibt. Zunächst mal aber dreht die bodennahe Strömung landesweit auf West bis Nordwest, wodurch die Kaltfront langsam die Mitte südostwärts überquert. Abgesehen vom Norden und Nordosten kommt es zu Schauern, schauerartigen Regenfällen und einzelnen Gewittern. Dabei besteht - nicht zwingend als Elektrik gebunden - lokale Starkregengefahr. Unsicher ist derzeit noch, ob z.B. Ostsachen und die Lausitz etwas von dem fetten Starkregenkuchen abbekommen, der an das Föhntief gebunden ist. Nach aktueller Lesart der meisten Modelle lautet die Antwort "nein", aber das muss noch nichts heißen. Verläuft die Zugbahn nur wenige Kilometer weiter westlich, würde es schon interessant werden. Landesweit kühlt es auf 14 bis 8°C ab.

Samstag... stellt sich eine leicht ambivalente Wetterlage ein. Auf der einen Seite der Höhentrog, der nur langsam ostwärts schwenkt, ja sogar in seinem Westteil regeneriert wird. Er sorgt für die zyklonale Komponente, während es im Bodendruckfeld langsam antizyklonaler wird. So schiebt sich nach Abzug der Kaltfront ein breiter Keil ausgehend vom atlantischen Hoch bis zu den Alpen vor, der sich zum Sonntag hin noch weiter kräftigt. Die anfänglich noch auftretenden Schauer und Gewitter bzw. schauerartigen Regenfälle werden im Tagesverlauf weniger bzw. hören ganz auf. Das gilt allerdings nicht für einen mittleren, etwa vom Rheinland und der Eifelregion bis hinüber nach Oberfranken und Sachsen reichenden Korridor, in dem auch am Nachmittag und Abend noch einzelne Schauer und Gewitter auftreten. Dabei gilt es vor allem auf Starkregen zu achten.

In den übrigen Regionen trocknet es zusehends ab und gerade im Süden und Südwesten lässt sich für längere Zeit die Sonne blicken. Größere Lichtblicke auch an den Küsten, wo von der Nordsee gerade auf der schleswig-holsteinischen Seite aber noch der ein oder andere Schauer ins Land hereindriften kann. Apropos Nordsee, zwischen dem Atlantikhoch und einem über Südskandinavien positionierten Tief baut sich ein veritabler Gradient auf, der auch an der Ostsee einen frischen West-Nordwestwind mit steifen Böen 7 Bft ankurbelt.

In der frisch eingeflossenen maritimen Polarluft (mP; T850 zur Mittagzeit mit 4 bis 9°C landesweit einstellig! (gab´s gefühlt seit März nicht mehr)) werden Tageshöchstwerte zwischen rund 18°C an der Nordsee bis zu 24°C im Süden erreicht.

Die Nacht zum Sonntag bringt weite Landesteile in den Bereich des Hochkeils. Heißt im Klartext Wolkenrückgang, auch in der Mitte nachlassende Schauer. Einzig ganz im Norden bleibt es nicht nur windig, es stehen auch weitere Schauer oder kurze Gewitter (markant wegen Böen 8 Bft) auf dem Programm.

Tiefsttemperatur nur noch 12 bis 6°C, an der See etwas darüber, in einigen Mittelgebirgssenken bei längerem Aufklaren etwas darunter. Stellenweise (Mitte/Süden) bildet sich Nebel.

Modellvergleich und -einschätzung

Der grobe Fahrplan ist eigentlich unstrittig. Wie so oft liegt der Teufel im Detail, wobei vor allem die morgige Lage mit dem Föhntief ins Auge sticht. Die Unsicherheiten wurden im Text angerissen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann