Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 07.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu NEa (Nordost antizyklonal)
Zunehmend leichter Hochdruckeinfluss (XERI) mit kleinen Schönheitsfehlern.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... sind die Bayern raus aus der CL und auch auf dem atmosphärischen Sportplatz steht das Ausscheiden der bisher wetterbestimmenden Tiefdruckrinne unmittelbar bevor. Nun gut, die beiden Damen ANNE und BABETTE - so die Namen der Rinne - haben ja auch ordentlich Wasser gelassen in den letzten Tagen. Nicht überall, dafür stellenweise mal etwas drüber sowie ein ums andere Mal begleitet von einem konvektiven Feuerwerk, das nun sein Pulver aber auch erstmal verschossen hat - weitgehend zumindest. Auf alle Fälle steigt der Luftdruck und von Norden her setzt sich zunehmend das Hochdruckgebiet XERI in Szene. Mit etwas über 1015 hPa kein Kraftpaket seiner Zunft, dafür aber ausgestattet mit trockener Luft polarer Herkunft (xP) und gestützt von einem soliden Potenzialrücken. Der äußersten Norden und Nordwesten stehen übrigens schon seit Tagen unter der Ägide von XERI und haben von den ganzen Regenfällen und Gewittern im Rest des Landes gar nicht mitbekommen. Im Tagesverlauf weitet sich das Hoch keilförmig von Skandinavien respektive der Nordsee langsam südwärts aus und verdrängt damit die heute Morgen noch zonal über der Mitte positionierte Rinne langsam ostwärts bzw. füllt diese mehr und mehr auf.
Nichtsdestotrotz steht der heutige Donnerstag in Teilen noch unter einem zyklonalen Stern, was im Wesentlichen einem scharf geschnittenen, kurz vorm Cut-Off befindlichen KW-Trog geschuldet ist, welcher sich bis zum Abend von BaWü bis in den Erzgebirgsraum vorarbeitet. Das alles vollkommen undynamisch und pomadig, weshalb die aktuell im Südwesten und in der Mitte noch auftretenden, schauerartig verstärkten Regenfälle sich nur sehr zögerlich verlagern und vor allem auch noch länger andauern. Zwar nimmt die anfängliche Starkregengefahr, die gebietsweise in der östlichen Mitte noch gegeben ist, kontinuierlich ab. Dafür kann es von Franken über Thüringen und Sachsen-Anhalt bis hinüber nach Sachsen und das südliche BB bis zum Abend immer mal wieder oder eben auch länger andauernd regnen, wobei bis zum Abend gebietsweise nochmal 10 bis 15 l/m² dazukommen können. Im Süden verlagert sich der Regen unter Intensitätsverlust von BaWü rüber auf die bajuwarische Seite. Es folgen noch einzelne Schauer nach, während die Gewitterwahrscheinlichkeit deutlich in den Keller geht. Im Vergleich zu den letzten Tagen wirkt die Luftmasse ausgelutscht, ein Stück weit kraft- und energielos. Ist ja auch kein Wunder, wurde doch in den letzten Tage ordentlich Gas gegeben, was - nicht anders als beim Autofahren - Energie kostet. Außerdem sorgen der westliche (südlich der Rinne) und nordöstliche Wind (nördlich der Rinne) für ein stetiges Einmischen trockenerer Luft. Egal welchen Marker man sich anschaut, das Blutbild hat sich in Bezug auf potenzielle Konvektion verschlechtert: weniger Wasserdampf, weniger Labilität, weniger CAPE, keine Scherung und, und, und. Vielleicht reicht es mit Mühe am Alpenrand und auch über dem Erzgebirgskamm für ein, zwei Überentwicklungen, die - sofern sie überhaupt auftreten - nur ein kurzes Leben haben und lediglich in der vierten Liga spielen ("gelbe" Gewitter).
Was bliebe sonst noch zu erzählen? Nun, im Norden, etwa vom Emsland bis hinüber nach Vorpommern, scheint überwiegend die Sonne, wobei in MV erst noch die nächtliche Bewölkung final deinstalliert werden muss. Ansonsten aber überwiegt der wolkige bis bedeckte Charakter. Wenn´s mal irgendwo aufgeht, was durchaus passieren kann (teils schon aus der Nacht heraus), quillt es aus der feuchten Grundschicht heraus alsbald wieder zu. Thermisch sind heute keine großen Sprünge zu erwarten. Gerade mal rund 10°C sind es in der chronisch bedeckten und regnerischen Mitte. Sonst stehen 12 bis 18°C auf der Karte mit den höchsten Werten in Südostbayern.
In der Nacht zum Freitag zieht der KW-Trog bzw. das Cut-Off-Tief nach Polen ab. Rückseitig steigt das Potenzial an, was sich in einem flachen Höhenkeil widerspiegelt. Am Boden kräftig sich das Hoch insbesondere über Skandinavien und dem deutschen Küstenraum, wo das Überschreiten der 1020-hPa-Schwelle gefeiert werden kann. Im Rest des Vorhersageraums breitet sich der Keil soweit aus, dass das Setup nun im ganzen Land auf antizyklonal gestellt ist. Gleichwohl fällt in der östlichen Mitte gebietsweise noch leichter Regen/Nieselregen, der z.T. erst in den frühen Morgenstunden zum Stillstand kommt. Ansonsten macht die Abtrocknung der Luftmasse weitere Fortschritte, allerdings mehr in der mittleren als in der unteren Troposphäre. In der etwa bis 800/750 hPa hinaufreichenden Grundschicht ist mit Ausnahme Norddeutschlands (wo von vorneherein ja eine andere Luftmasse Trumpf war) durch die Niederschläge der vergangenen Tage ´ne Menge Wasserdampf "gefangen", der entweder in Hochnebel oder aber teils dichten Strahlungsnebel transformiert wird. Im klaren und trockenen Norden hingegen kühlt die Luft ordentlich ab in die Nähe des Gefrierpunkts, an der ein oder anderen Stelle (vornehmlich zwischen SH und MV) sogar etwas darunter. Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit bietet sich die Ausgabe einer kleinen Frostwarnung an, zumal man Frost in Bodennähe gleich mitnimmt, auch wenn das rein formal nicht vorgesehen ist.
Freitag... stellt sich eine Hochrandlage mit schwachen bis mäßigen östlichen Winden ein. Der Schwerpunkt des Hochs - mittlerweile sind es mehr als 1025 hPa - verlagert sich langsam von Schweden hinüber in den Süden Finnlands. Verlagern tut sich auch der o.e. flache Höhenkeil über dem Vorhersageraum und zwar ebenfalls gen Osten. Das gibt einem weiteren KW-Trog die Möglichkeit, im Tagesverlauf von Nordfrankreich und Benelux her auf Westdeutschland überzugreifen. Der Impact hält sich allerdings in Grenzen, was im Wesentlichen der untauglichen, weil entweder zu stabilen oder zu trockenen (oder beides) Luftmasse geschuldet ist. Außerdem ist da auch noch die Absinkinversion zwischen 800 und 750 hPa, die nach Westen hin lediglich etwas angehoben, aber nicht gänzlich getilgt wird. Nur im Süden, wo die Inversion nicht vorhanden oder nur schwach ausgeprägt ist, nimmt die Gewitterneigung gegenüber heute wieder etwas zu. Zumal sich auch die Luftmasse etwas "erholt", sprich, wieder labiler wird (bis ca. 600 hPa hinauf) und sich etwas CAPE aufbauen kann. Es wird aber der treuen Mithilfe topografischer Anomalien bedürfen, um einzelne Überentwicklungen zu generieren. Im Fokus dabei die üblichen Verdächtigen wie Schwarzwald, Schwäbische Alb und Alpenrand. Groß organisiert dürften die Zellen nicht sein, dafür aber kaum ziehen, was die Gefahr von Starkregen von knapp über 15 l/m² innert kurzer Zeit etwas erhöht.
Und sonst so? - Stellt sich im Süden und im Westen nach Nebelauflösung eine Mischung aus Sonnenschein und Quellungen ein. Gut möglich, dass es zum Abend hin in den westlichen Landesteilen für vereinzelte Schauer reicht. Die sind auch in einem etwa vom Münsterland/südlichem Emsland bis hinüber zur Lausitz bzw. nach Sachsen reichenden Korridor nicht ganz ausgeschlossen. Dort hält sich vor allem nach Osten hin zunächst noch starke Bewölkung bzw. Hochnebel, die später tagesgangbedingt in relativ dichte Quellwolken übergehen. Da bei maximal 750 hPa Schluss ist, kann die Eisphase nicht zur Tröpfchenbildung herangezogen werden, so dass eher von koaleszenz-getriggerten "Nieselregenschauern" auszugehen ist. Gänzlich über jeden Zweifel erhaben ist man nach wie vor im hohen Norden des Landes, wo die Sonne von einem teils wolkenlosen Himmel scheint und die Temperatur auf 15 bis 18°C ansteigt (direkt an der See bei auflandigem Wind weniger). Ansonsten stehen je nach Sonnenanteil 14 bis 20, im Süden bis zu 22°C auf dem Zettel.
In der Nacht zum Samstag überquert der vor allem im 300-hPa-Niveau erkennbare KW-Trog Deutschland ostwärts, ohne dass wir großartig was davon merken. Klar, die meisten von uns werden schlafen, aber auch diejenigen, die das aus unterschiedlichen Gründen nicht tun können, werden nicht groß was davon mitkriegen. So werden kaum Hebungsimpulse ausgelöst und auch die Zusammenarbeit mit der vor Ort befindlichen Luftmasse funktioniert überhaupt nicht. So wird die überschaubare Abendkonvektion schon bald zusammenfallen und es bleibt eine Mischung aus klarem Himmel und einigen Wolken übrig. In der Mitte bildet sich gebietsweise Hochnebel, lokal (aber weniger als in der Vornacht) auch Strahlungsnebel. Über dem Norden und Osten hängt weiterhin stellenweise das Damoklesschwert potenziellen Nachtfrosts. Wenn nicht in der Luft, dann zumindest in Bodennähe.
Samstag... ändert sich wenig an der flauen Druck- und Potenzialverteilung. Mit etwas Wohlwollen können wir noch von Hochrandlage sprechen, auch wenn sich das Hoch immer weiter nach Nordosteuropa zurückzieht. Auf der anderen Seite kommen wir gleichzeitig an den Rand eines hochreichenden und nahezu stationären Tiefs knapp westlich der Iberischen Halbinsel, so dass sich unter dem Strich eine Pattsituation ergibt. Fast interessanter, vor allem im Hinblick auf die mittelfristige Entwicklung, ist die Tatsache, dass sich über Nordwesteuropa ein Pärchen gefunden hat (Tief Norwegische See, Hoch südwestlich von Island), welches Kaltluft aus dem grönländischen Raum südwärts steuert. Dem gegenüber steht besagtes Tief westlich von Portugal, das Warmluft nordwärts pumpt. Summa summarum und mit etwas meteorologischer Fantasie ein frontogenetisches Viererdruckfeld mit allerdings ganz schwachem Hoch im Südostquadranten.
Egal, hier und jetzt interessiert erstmal die Frage, was am Samstag wettertechnisch geht. Nun, nach Auflösung von Nebel/Hochnebel wird es in weiten Landesteilen ein sonniger bis locker bewölkter Tag werden. Nach wie vor etwas mehr Quellungen, die sich z.T. auch ausbreiten (Inversion bei 800 hPa) dürfte es vom westlichen NDS bis hinüber in die östlichen Landesteile geben. Für Niederschlag reicht das sehr wahrscheinlich nicht mehr, weil die Grundschicht inzwischen etwas trockener daherkommt als noch am Vortag. Schauer und einzelne Gewitter stehen hingegen im Süden auf der Karte, wo die Luftmasse noch etwas labiler wird als am Freitag, was entsprechend auch etwas mehr CAPE zur Folge hat. Gerade am Alpenrand sowie über dem Schwarzwald werden teilweise um oder etwas über 500 J/kg MU-CAPE angezeigt, die natürlich Verwendung finden wollen. Und tatsächlich nimmt die Wahrscheinlichkeit orografisch getriggerter Gewitter zu (die Schwäbische Alb und der Bayerische Wald könnten ebenfalls als Startrampe dienen), genauso wie die Wahrscheinlichkeit für markanten Starkregen als begleitender Parameter zunimmt.
Während in der Nordosthälfte Höchstwerte zwischen 16 und 21°C erwartet werden (direkt an der See bei auflandigem Wind von Ost-Nordost kühler), sind es weiter südwestlich 19 bis 25°C.
Kurz noch die Nacht zum Sonntag, in der Schauer und Gewitter rasch wieder zusammenfallen. Dafür kommt von der Nordsee Bewölkung nach NDS und SH rein, aus der hier und da ein paar Tropfen fallen können. Die Frostgefahr nimmt ab - vorübergehend wohlbemerkt.
Modellvergleich und -einschätzung
Im Großen und Ganzen simulieren die Modelle ähnlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 07.05.2026 um 10.30 UTC
Vor allem im Süden ab Sonntagabend und am Montag starke Gewitter, in der Mitte ab der Nacht zum Sonntag bis Montagmittag markanter Dauerregen möglich. Nach vorübergehender Erwärmung am Sonntag nächste Woche deutlich kühler und weiterhin sehr unbeständig.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 14.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag erinnert die großräumige Geopotenzialverteilung an ein Viererdruckfeld mit einem Sattelpunkt über dem Ärmelkanal. Vorderseitig eines Tiefs westlich von Portugal sowie eines weiteren über der Biskaya wird von Südwesten weiterhin warme, feuchte und labile Luft in den Süden und Südwesten Deutschlands geführt. Im Norden dominiert hingegen Hochdruckeinfluss, die Luftmasse ist dort weiterhin trocken und deutlich kühler. Zudem erreicht die Kaltfront eines Tiefs über dem Nordmeer, das mit dem nordeuropäischen Trog verbunden ist, den Norden. Die 850-hPa-Temperatur liegt dabei zwischen 2 °C in Flensburg und 14 °C am Alpenrand. Im Süden und Südwesten entwickeln sich im Tagesverlauf bei nur schwachen Druckgegensätzen einzelne Schauer und Gewitter. Die feuchte Luftmasse und geringe Verlagerungsgeschwindigkeiten bergen ein erhöhtes Starkregenpotenzial, lokal ist heftiger Starkregen wahrscheinlich.
In der Nacht zum Montag nähert sich der nordeuropäische Trog und verbindet sich mit dem Höhentief bei Portugal. Die Kaltfront greift auf die Mitte über und wird in der zuvor eingeflossenen wärmeren Luft aktiviert. Dabei bildet sich eine Tiefdruckrinne, die gebietsweise für kräftige Regenfälle sorgt. Vom Saarland über Rheinland-Pfalz bis nach Hessen sind Mengen zwischen 30 und 50 l/qm in 12 bis 24 Stunden möglich. Südlich des Mains treten in der wärmeren Luft zusätzlich gewittrig durchsetzte Regenfälle auf, dabei besteht weiterhin Starkregengefahr.
Am Montag schwenkt der Trog aus Skandinavien südwärts und führt dazu, dass die Rinne als Kaltfront die Alpen erreicht. Im Vorfeld können sich in der warm-feuchten und labil geschichteten Luft kräftige Gewitter entwickeln. Bei ausreichender Scherung und moderaten CAPE-Werten ist eine gute Organisation der Gewitter möglich, sodass Hagel und schwere Sturmböen wahrscheinlich sind. Abseits der Gewitter frischt der Wind im Süden auf, dabei sind starke bis stürmische Böen, im Bergland auch Sturmböen möglich. Die anhaltenden Regenfälle auf der kälteren Seite lassen nach. Der Norden liegt bereits rückseitig der Kaltfront im Trogbereich, in dem in der höhenkalten Luft ebenfalls Schauer und kurze Gewitter auftreten können.
In der Nacht zum Dienstag liegt die Kaltfront an den Alpen und sorgt dort noch für anhaltende Niederschläge. Markante Mengen sind eher unwahrscheinlich. Ansonsten beruhigt sich das Wetter, da sich bodennah ein Hoch mit Schwerpunkt über den Benelux-Staaten ausbildet.
Am Dienstag liegt Deutschland unter schwachem Hochdruckeinfluss in einer nordwestlichen, antizyklonal konturierten Strömung. Abgesehen von flachen Quellwolken, die sich an der Absinkinversion ausbreiten, bleibt es deutschlandweit trocken. Lediglich der Norden gerät später unter den Einfluss der Wolkenfelder einer Warmfront, die zu einem Tief über dem Nordmeer gehört. Auch der nächste Trog macht sich bereits bemerkbar. Im Vergleich zum Vortag ist es auch im Süden deutlich kühler.
In der Nacht zum Mittwoch erreichen der Trog und die Ausläufer des Tiefs den Norden Deutschlands mit zeitweiligen Niederschlägen, die Mengen bleiben jedoch überschaubar. Im übrigen Land verläuft die Nacht ruhig.
Am Mittwoch liegt der Norden im Einflussbereich des Troges, dessen okkludierendes Frontensystem bis in die Mitte des Landes vorankommt. Lediglich der Süden verbleibt unter schwachem Hochdruckeinfluss, der eine Brücke zwischen einem Azorenkeil und einem Hoch über Osteuropa bildet.
Am Donnerstag liegt die Trogachse westlich von Deutschland und schwenkt nicht nach Osten, sondern trogt weiter nach Süd bis Südwesten aus. Dadurch stellt sich die Strömung über Deutschland auf und der Südosten gelangt erneut in wärmere Luft. Über Oberitalien bildet sich ein Tief, das im Zusammenspiel mit dem Trog für kräftigere Aufgleitniederschläge in Südostbayern sorgen kann. Ansonsten treten im Trogbereich schauerartige, meist unorganisierte Niederschläge auf, vereinzelt sind auch kurze Gewitter dabei.
In der erweiterten Mittelfrist stößt der Trog über den Britischen Inseln weit nach Süden über Westeuropa vor. Vor allem der Süden und Osten Deutschlands verbleiben auf der Vorderseite, wo länger anhaltende Niederschläge möglich sind. Ein markanter Witterungsabschnitt ist durchaus denkbar, für Details ist es jedoch noch zu früh, da diese stark von der genauen Entwicklung und Position des Troges abhängen. Der Nordwesten verbleibt hingegen im Trogbereich in einer kühleren Luftmasse.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der Modelllösungen ist insgesamt gut. Die großräumige Zirkulationsstruktur wird weitgehend übereinstimmend simuliert. Deutschland gerät dabei auf die Vorderseite eines Troges über Nordwesteuropa sowie eines Tiefs westlich von Portugal.
Die genaue Abfolge eingelagerter Randtröge wird jedoch unterschiedlich berechnet. Ab Mittwoch nehmen die Unsicherheiten deutlich zu. Insbesondere Zeitpunkt und Art des Übergreifens des Troges über Nordwesteuropa auf Deutschland variieren zwischen den Lösungen.
Je nach Lage der Austrogung, weiter westlich oder weiter östlich, ergeben sich unterschiedliche Wetterentwicklungen: Eine westlichere Austrogung begünstigt das Einfließen wärmerer Luftmassen und damit potenziell höhere Niederschlagssummen. Eine östlichere Austrogung führt hingegen zu rascherer Abkühlung und tendenziell geringeren Niederschlägen.
Insgesamt bleibt die Witterung jedoch unbeständig und eher kühl. Abgesehen vom ersten markanten Ereignis am Sonntag/Montag, bei dem in der Mitte und im Süden mit kräftigeren Niederschlägen zu rechnen ist, sind detaillierte Aussagen für den weiteren Wochenverlauf derzeit noch nicht belastbar.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Globalmodelle stützen im Wesentlichen die Entwicklung des IFS. Hinsichtlich der Entwicklung am Sonntag/Montag besteht weitgehend Konsens, die Unterschiede sind gering. Für den weiteren Verlauf ergeben sich jedoch Unterschiede bezüglich der Position des nächsten Trogvorstoßes ab der Mitte der kommenden Woche. Diese ist für die weitere Wetterentwicklung entscheidend. Fest steht, dass es unbeständig und nass bleibt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen verschiedener Städte sind bis Montag eng gebündelt. Auch im weiteren Verlauf liegt der Hauptlauf nahe am Ensemblemittel, mit nur wenigen Ausreißern nach oben oder unten. Temperaturseitig zeigt sich nach einem Anstieg - im Süden ausgeprägter - ein deutlicher Rückgang, besonders im Norden (bis etwa -6 °C in der Nacht zum Dienstag in 850 hPa), gefolgt von einer nur zögerlichen Erholung auf niedrigerem Niveau.
Auch das Geopotenzial geht ab Montag zurück und erreicht nach einem kurzen Zwischenanstieg am Dienstag sein Minimum am Donnerstag/Freitag im Zusammenhang mit dem Trogeinfluss. Niederschlagssignale sind durchgehend vorhanden, mit Schwerpunkten in der Mitte am Sonntag/Montag sowie im Südosten gegen Donnerstag/Freitag.
CLUSTER:
Im Zeitraum t+72 bis t+96 h werden zwei Cluster berechnet (zunächst Blocking, später NAO-), wobei Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1 liegen. Das Blocking über dem Nordatlantik begünstigt ein südwärts gerichtetes Vorstoßen des Troges über dem Nordmeer, der sich mit dem Höhentief bei Portugal verbindet.
Für den Zeitraum t+120 bis t+168 h werden drei Cluster simuliert, der Hauptlauf gehört zu Cluster 1. Alle Lösungen zeigen einen atlantischen Rücken sowie einen über Mitteleuropa liegenden Trog, der nach Süden hin negativ geneigt ist und mit dem Cut-Off über Portugal korrespondiert.
Im Zeitraum t+192 bis t+240 h ergeben sich ebenfalls drei Cluster, wobei Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 2 liegen. Die großräumige Struktur über Mitteleuropa bleibt weitgehend erhalten, der Trog persistiert. Über dem Atlantik wird der Rücken jedoch zunehmend abgebaut bzw. flacht ab, sodass sich eine westliche bis nordwestliche Strömung einstellt.
FAZIT:
Es steht eine sehr unbeständige Mittelfrist bevor. Markante Wetterereignisse sind vor allem am Sonntag/Montag sowie möglicherweise erneut am Donnerstag/Freitag zu erwarten. Insgesamt geht die Temperatur deutlich zurück.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Am Montag zeigt das EFI ein schwaches Signal für ein Windereignis im Süden mit geringen bis mäßigen Wahrscheinlichkeiten für Böen der Stärke Bft 7 sowie sehr geringen Wahrscheinlichkeiten für Bft 8.
NIEDERSCHLAG:
Das EFI weist auf ein schwaches Signal für ein Niederschlagsereignis am Montag im Südwesten sowie in der Nacht zum Dienstag im Alpenraum hin. Das EPS zeigt insbesondere am Montag geringe Wahrscheinlichkeiten für Mengen über 30 mm in 24 Stunden.
GEWITTER:
Vor allem im Südwesten und Süden treten ab Sonntagabend und am Montag kräftige Gewitter auf, die örtlich mit Starkregen um 20 l/qm in wenigen Stunden einhergehen können. Dabei sind am Montag auch schwere Sturmböen bis Bft 10 nicht ausgeschlossen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, IFS, IFS-EPS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





