Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 19.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Blockade und Ostereier im Herbst - zunächst noch High (GERHARD) über Lows (Höhentiefs), aber Ende in Sicht.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... präsentiert sich das großräumige Strömungsmuster so stark gestört respektive blockiert, dass man es kaum glauben mag, was uns die Modelle schon ab Donnerstag, vor allem aber für das kommende Wochenende offerieren: unbeständig, windig/stürmisch und mild, so die Kurzformel frei nach dem Motto "das Imperium (in diesem Fall der Atlantik) schlägt zurück". Eine derart krasse Umstellung binnen weniger Tage, Hut ab. Nun liegt das bevorstehende Wochenende Stand heute genauso außerhalb des in diesem Bulletin üblicherweise behandelten Kurzfristzeitraums wie der kommende Donnerstag, so dass ich allen Interessenten die "Synoptische Übersicht Mittelfrist" von heute Mittag ans Herz lege. Was in der kommenden Nacht und am morgigen Dienstag auf der Agenda steht, erfahrt ihr im Folgenden.
Stichwort "gestört" respektive "blockiert", ein Protagonist der aktuellen Wetterkarte befindet sich über Fennoskandien mit Kontakten nach Westrussland sowie Richtung Nordsee. Die Rede ist von GERHARD, seines Zeichens langgezogenes 1040+X-hPa-Hochdruckgebiet mit gewaltiger Potenzialstütze in der Höhe. In der Spitze erreicht das Geopotenzial Werte zwischen 585 und 588 gpdam, was im Bereich der Rekordwerte bezogen auf das Modellklima für den aktuellen und morgigen Tag liegt. Am Rande des Hochs wird bodennah eine östliche Strömung generiert, mit der eine vergleichsweise trockene, kontinental geprägte Luftmasse in den Vorhersageraum gelangt. Eine besonders trockene Schliere mit Taupunkten unter 5°C erreichte heute Nachmittag von Polen her Teile Ost- und Nordostdeutschlands, was dort gebietsweise wolkenlose Bedingungen zur Folge hatte. Ähnlich sah es in Teilen Niederbayerns und Frankens aus, während im großen Rest des Landes mal mehr, mal weniger Bewölkung unterschiedlicher Dicke, Höhe und Genese bilanziert werden konnte.
Während sich das Bodendruckfeld also noch einigermaßen aufgeräumt präsentiert, lässt sich das von der Höhenkarte nicht wirklich behaupten. Grund sind gleich mehrere Tiefs, die nicht alle entsprechende Pendants am Boden aufweisen und somit teilweise die Rolle eines Kaltlufttropfens (KLT) einnehmen. Eines dieser Exemplare befindet sich heute Abend elliptisch konfiguriert zwischen Irland und der Iberischen Halbinsel. Auf seiner zunehmend diffluenten Vorderseite wird ordentlich Hebung generiert, die gerade über Südfrankreich auf fruchtbaren Boden stößt. Gemeint ist eine feucht-gesättigte, mediterran geprägte Luftmasse, die bis zum Letzten "ausgequetscht" wird. Bis zu 150, lokal vielleicht 200 l/m² Regen sollen dabei bis Dienstagabend fallen. Kollateral fällt über Frankreich der Luftdruck, wo sich eine Art Rinne ausbildet, die peripher auch auf Deutschland abfärbt. So nimmt der Gradient zwischen der Rinne und dem fennoskandischen Hoch etwas zu, was den Ost-Südostwind schwerpunktmäßig über der Deutschen Bucht spürbar aufleben lässt. Dort und somit auch auf Deutschlands einziger "Hochseeinsel" Helgoland stehen Böen 7-8 Bft auf der Karte, während die anderen Nordseeinseln (vor allem die Nordfriesen + Halligen) bei dieser Windrichtung nicht so anfällig sind. An und über der Ostsee nimmt der Wind tendenziell eher ab, gleichwohl sind auch an der schleswig-holsteinischen Küste anfangs noch ein paar 7er-Böen möglich.
Kommen wir noch zu Exemplar #2, einem reinen KLT, der von Polen her rübermacht, um über den Großraum Berlin hinweg die Altmark anzusteuern. Während die o.e. trockene Schliere auf das Konto der vorderseitigen KLA ging, setzt nun von Polen her die klassische Rückseiten-WLA ein. Diese überkompensiert die ebenfalls präsente NVA, was sich in dichter, über den Nordosten westwärts ausbreitender Bewölkung widerspiegelt. Hier und da, insbesondere Richtung Rügen/Usedom, werden sogar ein paar zaghafte Tropfen abgeworfen, während es sonst weitgehend trocken bleibt.
Ansonsten bleibt nur noch festzuhalten, dass die Nebelneigung in der recht trockenen Luft gering bleibt. Dafür halten sich besonders im äußersten Süden/Südwesten sowie in Teilen Thüringens/Frankens Hochnebelreste vom Tage respektive breiten sich diese noch etwas aus. Dort hingegen, wo es in der Mitte längere Zeit klar bleibt, kühlt es lokal in Gefrierpunktnähe oder etwas darunter ab.
Dienstag ... verbleiben wir im Bodendruckfeld am Rande des Kollegen GERHARD, der über Westrussland weiterhin stolz sein etwas über 1040 hPa mächtiges Zentrum präsentieren darf. Auf der Gegenseite etabliert sich west- und südwestlich von uns eine gut ausgeprägte Rinne, die von UK über Frankreich bis hinunter zum westlichen Mittelmeer reicht und dabei einige regionale Kerne aufzuweisen hat. Zudem übt die Rinne eine frontogenetische Wirkung aus, indem rückseitig ein Schwall maritimer Polarluft (mP) südwärts gesteuert wird, während auf der Vorderseite gleichzeitig feuchte Mittelmeerluft (mSp/xSp)nord-nordostwärts strömt. Dort trifft diese wiederum auf die aus dem Hoch ausfließende Kontientalluft (cPs). In der Analyse bietet sich dann die Einführung einer Warmfront an, während innerhalb der Rinne eine wellende Kaltfront das Mittel der Wahl ist.
Es zeichnet sich ab, dass das beschriebene Muster eine wenn auch nur leichte Progression an den Tag legt, indem Rinne und eingelagerte Fronten langsam Boden nach Osten bzw. Nordosten hin gutmachen. Unterstützt werden sie dabei von den Resten des o.e. elliptischen KLTs (Exemplar #1), das mittlerweile zu einem schmalen Randtrog eines kurz dahinter folgenden zweiten Trogs über dem nahen Atlantik mutiert ist. Kurzum, im Westen und Südwesten nimmt mit Übergreifen der Warmfront die Bewölkung kontinuierlich zu und am Nachmittag/Abend fällt gebietsweise etwas Regen oder Nieselregen, voraussichtlich bis nach Hessen hinein.
Gänzlich gegen den Trend läuft unser KLT-Exemplar #2 im Nordosten, wobei der Begriff "laufen" weit übertrieben ist. Eher in bräsig-schleimiger Kriechbewegung peilt der KLT erst einen Nordwestkurs an, um danach einen Nordhaken zu schlagen und am Abend irgendwo im oder knapp außerhalb des Dreiecks Schwerin-Boizenburg-Lüchow zu landen (wer weiß das bei diesen Dingern schon so genau). Auf alle Fälle wird der gesamte Nordosten mit reichlich Bewölkung versorgt, aus der aber nur wenig oder gar kein Regen fällt. Dazu ist die Luftmasse nicht durchgängig angefeuchtet (verschiedene Trockeneinschübe im Vertikalprofil), vor allem nach oben hin nicht, wo der KLT die größte Wirkung ausübt. Auf der Nordsee bleibt der "Ost-Südost" prominent unterwegs mit Böen 7-8 Bft.
Zwischen den beiden Baustellen im Südwesten und Nordosten tut sich ein breiter Korridor auf, in dem nichts passiert und mal mehr, mal weniger die Sonne zum Zuge kommt. Insbesondere vom Rheinland bis ins westliche NDS lässt sich Klärchen nicht lumpen, bevor später von Süden her die Wolken der Warmfront aufziehen. Aber auch in und an den Alpen sowie im Bereich des Bayerischen Walds wird ein überdurchschnittliches Quantum solarer Direktstrahlung erwartet. Mitverantwortlich dafür zeichnen Föhn- respektive Leeeffekte der jeweiligen Gebirge. So baut sich in den Alpen zwar kein überbordender, aber letztlich doch solider Südföhn auf (Drucküberschuss Bozen-Innsbruck etwa 6 hPa). Auf deutscher Seite springt vielleicht die anfällige Station in Mittenwald an mit Böen 7 Bft, ansonsten dürften sich Böen 7-8 Bft aber eher auf höhere Gipfellagen beschränken. Immerhin, bei T850 von 14/15°C könnte es mit etwas föhniger Durchmischung und etwas Fortuna (aber nicht der aus Düsseldorf) am Alpenrand für knapp 20°C reichen. Ansonsten stehen Höchstwerte von 10 bis 15, in den wolkenreichen Arealen des Nordens und Ostens z.T. nur 7, 8 oder 9°C auf dem Zettel.
In der Nacht zum Mittwoch erobern die Tiefdruckrinne und das eingelagerte Frontensystem immer größere Anteile des Vorhersageraums. Kein Wunder, baut doch die Blockade in ihrem West-Südwestteil (Südskandinavien/baltischer Raum) langsam aber sicher ab. Außerdem bekommt die Rinne von hinten Druck, wobei hier weniger der Luftdruck gemeint ist. Die Rede ist vielmehr von einer weiteren Kaltfront, die in einen scharfen Bodentrog eingebettet ist (mit Druckminimum JELLA) und vom weiter oben schon ins Spiel gebrachten zweiten Höhentrog begleitet wird. Dieser kann mit Fug und Recht als der Weichensteller schlechthin (neudeutsch würde man wahrscheinlich von einem Gamechanger sprechen) für die eingangs des Bulletins erwähnte markante Umstellung der Wetterlage.
Zunächst aber fungiert der Trog nur als vermittelnder Antreiber für das vorgelagerte System, das nicht nur mehr Spielanteile in Deutschland bekommt, sondern auch seine Intensität erhöht. Bedeutet konkret, dass sich der Regen auf große Teile West- und Südwestdeutschlands einschließlich der westlichen Mitte sowie den Nordwesten ausbreitet und gebietsweise (insbesondere dort, wo Mittelgebirge sind) von leicht auf mäßig hochschaltet. Von Warnschwellen allerdings bleiben wir weit entfernt und auch der Vergleich zu den Extremregenfällen südlich der Alpen hievt den hiesigen Niederschlag auf das Level eines gutartigen Kindergeburtstags.
Derweil verabschiedet sich der KLT im Norden via Darß/Rügen/Usedom in Richtung Ostsee, nicht ohne über Vorpommern noch ein paar Regentropfen zu spendieren. In den Alpen bricht der Föhn zusammen und auch auf der Nordsee deutet sich eine allmähliche Windabnahme an. Tiefstwerte 10 bis 4°C.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... wird auf die Frühübersichten von heute oder morgen oder beide verwiesen.
Modellvergleich und -einschätzung
Es ist allgemein bekannt, dass Höhentiefs launische Gesellen sind, deren genaue Vita im Vorhinein schwer zu lesen ist. Von daher sollte gerade die im Text formulierte Zugbahn des nordöstlichen KLTs mit entsprechender Toleranz aufgenommen werden. Ein nachhaltiger Impact auf die Vorhersage, schon gar nicht aber auf das Warnmanagement ist allerdings nicht zu erwarten. Das könnte in ein paar Wochen schon anders aussehen, wenn bei ähnlicher Konfiguration, aber Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt irgendwelche Fuddelniederschläge in Form gefrierenden Nieselregens erzeugt werden und die allseits beliebten Glättediskussionen in Gang kommen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 19.10.2026 um 10.30 UTC
Zyklonal geprägter, windiger Witterungsabschnitt (Freitag bis Sonntag auch stürmisch) mit häufigen Niederschlägen, aber auch noch mit großen Modelldifferenzen.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 26.10.2026
Zum Auftakt des Mittelfristzeitraumes, am Donnerstag, ist die Umstellung hin zu einem sehr zyklonalen Witterungsabschnitt bereits in vollem Gange. Unser Blockadehoch "GERHARD" hat sich inzwischen weit nach Nordosteuropa zurückgezogen und macht über Mitteleuropa den Weg frei für eine erste Trogpassage von Westen her. Bis Freitagfrüh hat der in mindestens zwei Teiltröge gesplittete Höhentrog das Vorhersagegebiet überquert.
Die korrespondierende teilokkludierte Kaltfront eines von der mittleren Nordsee zum Nordmeer ziehenden Tiefs ist bereits in der Vornacht Richtung Polen abgezogen und somit steht am Donnerstag bei Zustrom maritim erwärmter Polarluft (T850 hPa 0 bis 3 Grad) klassisches Rückseitenwetter auf der Agenda mit einzelnen Schauern, eventuell auch kurzen Gewittern vor allem in der Nordwesthälfte des Landes. Dazu gibt es über der Nordsee und in Gipfellagen stürmische Böen aus West bis Südwest.
Bereits am Donnerstag tagsüber kommt es dann am linken Ausgang eines Jets südwestlich von Irland zu einer Sturmtiefentwicklung. In der Nacht zum Freitag überquert das Sturmtief den Nordwesten Frankreichs und füllt sich auch über Land nur langsam auf. Freitagmittag greift es nach Lesart des IFS auf den Westen Deutschlands über, schlägt dann einen Nordkurs ein und zieht bis Samstagfrüh ins Seegebiet knapp nördlich der Deutschen Bucht.
Das zugehörige Frontensystem überquert das Vorhersagegebiet rasch nordostwärts, vor allem in Staulagen reicht es eventuell kleinräumig für warnrelevante Regenmengen, die aber kaum einen Impact haben dürften, im Lee der Berge, vor allem nach Osten und Süden zu, kommen kaum nennenswerte Mengen zusammen. Spannend gestaltet sich hingegen die Windentwicklung: Aufgrund der südlichen Zugbahn des Tiefs überquert das Sturmfeld vor allem den Südwesten und Westen bzw. die Mitte des Vorhersagegebietes, in der Nacht zum Samstag und Samstagvormittag dann den Nordwesten bzw. Norden. Dort muss auch im Tief- bzw. Binnenland mit stürmischen Böen, vereinzelt sogar mit Sturmböen gerechnet werden, in Gipfellagen und Samstagfrüh bzw. -vormittag im Nordseeumfeld mit schweren Sturmböen.
Am Samstag überquert der mit dem sich nur langsam auffüllenden und zur nördlichen Nordsee ziehenden Tiefdruckgebiet interagierende Höhentrog das Vorhersagegebiet nordostwärts mit Schauern und auch einzelnen kurzen Gewittern. Dabei bleibt es vor allem im Nordseeumfeld stürmisch, auch in einigen Gipfellagen kann es noch Sturmböen geben. Die Temperatur in 850 hPa sinkt auf etwa 0 Grad, in den Hochlagen der Alpen fällt somit etwas Schnee.
Bereits in der Nacht zum Sonntag entwickelt sich vorderseitig eines Richtung Nordsee vorstoßenden Troges unterhalb eines linken Jetausgangs das nächste Sturmtief über dem Ärmelkanal und zieht am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag über die Mitte und die Osthälfte Deutschlands hinweg ostnordostwärts. Das Sturmfeld überquert somit nach Lesart des IFS insbesondere die Südhälfte, Teile der Mitte und in der Nacht zum Montag dann auch die Osthälfte des Landes. Erneut kann es bis in tiefe Lagen stürmische Böen, exponiert eventuell auch Sturmböen aus Südwest bis West geben, in den Gipfellagen schwere Sturm- bis Orkanböen. Mit Passage des Frontensystems bzw. des Tiefs fällt verbreitet Regen, Warnschwellen für Dauerregen werden aber lediglich kleinräumig im Stau einiger Mittelgebirge erreicht, wenn überhaupt.
Das Sturmtief erreicht nach Lesart des IFS Montagfrüh in etwa die Odermündung und füllt sich weiter auf. Es kommt aber nur sehr langsam ostnordostwärts voran, da der zugehörige Höhentrog nach Passage des Vorhersagegebietes durch den nach wie vor blockierenden kräftigen Höhenrücken über Ost- und Nordosteuropa und durch einen von Westen her bis Dienstagfrüh auf den Westen Deutschlands übergreifenden kräftigen Höhenkeil in die Zange genommen wird, kaum mehr nach Osten vorankommt und zum Abtropfen neigt.
Somit kann es an dessen Südwestflanke über dem Nordosten Deutschlands noch längere Zeit kräftig regnen, eventuell reicht es dort für Dauerregen, zudem gibt es in der Osthälfte bis in die Niederungen tagsüber weiterhin stürmische Böen. Im Rest des Landes stellt sich alsbald eine Wetterberuhigung ein mit nur noch einzelnen Schauern, im Westen und Süden bleibt es meist trocken mit längeren sonnigen Abschnitten.
In der erweiterten Mittelfrist simuliert das IFS dann zwischen einem Tiefdruckkomplex über Island bzw. dem Nordmeer und einer von den Azoren über Frankreich und Süddeutschland bis nach Südeuropa reichenden Hochdruckzone eine insgesamt eher wieder antizyklonal geprägte West- bis Südwestlage über dem Vorhersagegebiet, wobei atlantische Frontensysteme aber immer wieder den Nordwesten und Norden des Landes überqueren und zwar auch mal weiter nach Süden ausgreifen können, allerdings nur deutlich abgeschwächt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Den zyklonalen Witterungsabschnitt bis mindestens zu Beginn kommender Woche haben auch die beiden gestrigen IFS-Läufe im Programm, dennoch gibt es vor allem bzgl. der Entwicklung und Zugbahn der beiden Sturmtiefs von Freitag bis Montag noch größere Differenzen.
Diese Unterschiede setzen bereits am Donnerstag mit der Geometrie des das Vorhersagegebiet überquerenden ersten Höhentroges und mit Zugbahn bzw. Entwicklung des zugehörigen kleinen Tiefdruckgebietes ein. Der aktuelle Lauf und der gestrige 00 UTC-Lauf simulieren Trog und Tief etwas ausgeprägter und die Trogpassage entsprechend weniger progressiv als der gestrige 12 UTC-Lauf. Das bleibt nicht ohne Auswirkung des nachfolgenden Troges und der dazugehörigen Sturmtiefentwicklung. Sowohl Trog als auch Bodentief werden durch das verzögerte Abziehen des vorlaufenden Höhentroges auf südlicherer Zugbahn simuliert als im gestrigen 12 UTC-Lauf. Dieser simuliert das Sturmtief, statt über Nordwestdeutschland bzw. der Deutschen Bucht, über der mittleren Nordsee und lässt es dann Richtung Skagerrak ziehen. Das Sturmfeld an dessen Südflanke wird sogar etwas markanter simuliert, greift aber nicht so weit nach Süden aus wie in den 00 UTC-Läufen.
Noch größer sind die Modelldifferenzen dann bzgl. der nächsten Entwicklung am Samstag und Sonntag. Die beiden gestrigen Läufe simulieren einen kräftigen Kaltluftvorstoß aus dem grönländischen Raum Richtung Island und entsprechend eine Sturmtiefentwicklung über dem Seegebiet zwischen Island und Schottland. Das Sturmtief zieht dann bis zur Nacht zum Montag nach Lesart beider Läufe zur südlichen Norwegischen See, wobei das Sturmfeld am Sonntag vor allem Nordwest- und Norddeutschland (nach Lesart des gestrigen 00 UTC-Laufes auch noch den Südwesten und die Mitte) erfassen würde mit Böen Bft 8, vereinzelt Bft 9 insbesondere mit der Kaltfrontpassage. Bis Montag zieht das Tief über der Norwegischen See langsam nordwärts und füllt sich allmählich auf. Im gestrigen 00 UTC-Lauf herrscht dann am Montag mit der Passage des zugehörigen Höhentroges typisches Rückseitenwetter mit Schauern, einzelnen Gewittern und nachfolgender Wetterberuhigung. Der gestrige 12 UTC-Lauf simuliert dagegen ein am Montag über die mittlere Nordsee nach Südskandinavien ziehendes Wellentief mit Regenfällen über dem Norden und der Mitte Deutschlands und nach wie vor stürmischen Böen über dem äußersten Norden, insbesondere an den Küsten. Ganz anders der aktuelle 00 UTC-Lauf, nach dessen Lesart die Sturmtiefentwicklung, wie weiter oben beschrieben, deutlich weiter südlich erfolgt, nämlich südwestlich von Irland, was natürlich erhebliche Konsequenzen auf die Niederschlags- und Windprognosen hat.
In der erweiterten Mittelfrist dauert auch nach Lesart der gestrigen Läufe die West- bis Südwestlage an, wird vor allem im gestrigen 12 UTC-Lauf aber insgesamt etwas zyklonaler geprägt simuliert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch beim Vergleich mit anderen vorliegenden Globalmodellen sticht die südlichere Zugbahn beider Sturmtiefs deutlich ins Auge. Während das Sturmtief am Freitag und Samstag auch vom GEM und UK10 recht weit südlich simuliert wird, steht das IFS mit der Entwicklung am Sonntag/Montag jedoch alleine auf weiter Flur, selbst, wenn man die KI-Modelle des IFS und des GFS mit zu Rate zieht. Das ICON hat dann ebenfalls eine südlichere Zugbahn als die anderen Modelle auf der Agenda und lässt das Tief über die mittlere Nordsee und das Kattegat nach Südskandinavien ziehen. Das Sturmfeld würde quasi das gesamte Vorhersagegebiet betreffen, vor allem an den Küsten sowie im angrenzenden norddeutschen Binnenland simuliert das Modell sogar schwere Sturm- bis orkanartige Böen, an der Nordsee und in den Gipfellagen in der Nacht zum Montag volle Orkanböen. Auch im Binnenland sind dann mit Passage der aktiven Kaltfront schwere Sturmböen möglich.
In der erweiterten Mittelfrist ist das GFS eher etwas zyklonaler (Wz bzw. SWz), das GEM dagegen ein wenig antizyklonaler (BM) aufgestellt als das IFS.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Eingangs der Mittelfrist, im Zeitraum 72 bis 96 Stunden, verteilen sich die 51 ENS-Member auf 5 Cluster, die allesamt zwar nach wie vor das blockierende Hoch über Nordosteuropa auf der Agenda haben, aber ebenso den Trogvorstoß von West- auf Mitteleuropa (Großwetterlagenregime Übergang von Blocking auf NAO positiv). Die Geometrie des von West- Richtung Mitteleuropa gerichteten Troges sowie das kleinräumige Sturmtief am Freitag werden bereits mit kleineren Differenzen simuliert, je nach Blockadewirkung des Hochs.
Die Differenzen werden größer im nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden), obwohl sich die Member dann auf lediglich drei Cluster verteilen. CL 1 (26 Member) ähnelt der vom Hauptlauf simulierten Entwicklung noch am ehesten mit einem weit nach Süden ansetzenden Trogvorstoß über Westeuropa und der südlichen Zugbahn des Sturmtiefs am Sonntag, wobei der Hauptlauf eine noch südlichere Variante auf der Agenda hat. Das Potenzial für stürmische Böen bzw. Sturmböen im Vorhersagegebiet wäre nach dieser Variante noch am höchsten. CL 2 (14 Member) und vor allem CL 3 (11 Member) zeigen das zentralsteuernde Tief am Sonntag und Montag weiter nördlich (CL 2 über Schottland/Färöer, CL 3 über dem Raum Island), so dass sich die Windentwicklung im Vorhersagegebiet etwas "entspannter" gestalten würde.
Die erweiterte Mittelfrist hat dann vier Cluster auf der Agenda: CL 1 und CL 2 (jeweils 14 Member) sind dem Großwetterlagenregime "NAO positiv" zugeordnet mit nach wie vor zentralsteuernden Tiefs über Nordwesteuropa und Südwest- bzw. Westlagen über Mitteleuropa, wobei CL 1 für unseren Vorhersagebereich etwas antizyklonaler aufgestellt ist als CL 2. Dennoch bleibt es nach Lesart beider Cluster unbeständig, wobei die Frontenpassagen über Norddeutschland wetterwirksamer ausfallen als über der Südhälfte. Insgesamt bleibt es relativ mild und auch zeitweise windig mit stürmischen Böen aber lediglich an den Küsten, maximal noch in Norddeutschland.
CL 3 und 4 (12 bzw. 11 Member) schwenken dagegen wieder zu einem ausgeprägten Blocking über Ost- und Mitteleuropa. Atlantische Frontensysteme würden nach Lesart beider Cluster lediglich den Nordwesten und Norden Deutschlands passieren, in der Mitte und im Süden dominiert Hochdruckeinfluss.
Der Spread der Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der Einzelmember verschiedener Rauchfahnen im Vorhersagegebiet ist generell aufgrund der Unsicherheiten der Zugbahnen der Tiefdruckgebiete und damit auch der Frontpassagen im gesamten Zeitraum hoch. Generell steigt der Median der 850 hPa-Temperatur nach Durchschwenken der Tröge zu Beginn kommender Woche mit Umstellung auf milde Südwest- und Westlagen aber mehr oder weniger deutlich an. Ausschläge nach unten sind dagegen keine auszumachen, nur selten geht es in einigen Einzelläufen im Zeitraum Freitag bis Sonntag mal auf unter 0 Grad. Vor allem am Wochenende zeigen die Rauchfahnen deutliche Niederschlagssignale für mehr oder weniger alle vorliegenden Gitterpunkte.
FAZIT:
Unbeständig und windig, von Freitag bis zur Nacht zum Montag zeit- und gebietsweise auch in den Niederungen bzw. im Tiefland stürmisch. Auch, wenn die vom ICON-Lauf gezeigte Variante für den Sonntag bzw. vor allem für die Nacht zum Montag eine durchaus markante und gefährliche Sturmlage aktuell Alleinstellungsmerkmal hat, sollte man diese nicht komplett unter den Tisch fallen lassen.
Wichtiger ist nach der Vorgeschichte sowieso die Niederschlagsentwicklung. Das noch vorhandene Defizit in weiten Teilen des Landes kann sicherlich nicht ausgeglichen werden, dennoch stehen von Freitag bis Montag einigermaßen flächendeckende Niederschläge ins Haus.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Fokus der signifikanten Wettererscheinungen steht insbesondere ab Freitag bis Montag der Wind. EFI hat insbesondere am Freitag, weniger am Sonntag Signale für eine außergewöhnliche Windentwicklung auf der Agenda, allerdings eher über dem Süden der Britischen Inseln und über Frankreich/Belgien, wobei der Westen Deutschlands dabei nur am Rande tangiert wird. Böen Bft 7 bis 8, vereinzelt Bft 9 sind für das Vorhersagegebiet Mitte/Ende Oktober nun mal nicht mehr so außergewöhnlich. Die Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 8 fallen nach Lesart der EPS-Verfahren im Binnen- bzw. Tiefland West- und Norddeutschlands sowieso nicht allzu hoch aus. Fazit: Windig wird's, in einigen Regionen reicht es sicherlich auch für stürmische Böen, vor allem in Verbindung mit eventuellen Gewittern, Böen in Sturmstärke beschränken sich aber wohl hauptsächlich auf die Küsten und die Gipfellagen.
Die Windentwicklung am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag wird vom ICON noch am markantesten simuliert. Diese Einzellösung wird allerdings nicht von den EPS-Verfahren gestützt. Erneut werden abseits der Küsten und Gipfellagen lediglich leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 simuliert, Bft 9 taucht am ehesten vielleicht noch im ICON-EPS im Nordwesten auf. Dennoch erscheint auch die ICON-Variante, die eine flächendeckende Sturmlage am Sonntag und in der Nacht zum Montag zur Folge hätte mit Orkanböen an der Nordsee, nicht unbedingt unrealistisch.
Des Weiteren kann es in den Staulagen einiger Mittelgebirge vor allem am Freitag und Sonntag Dauerregen geben. Dieser weist aber nur wenig Impact auf und steht nicht wirklich im Fokus.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





