Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 07.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrW (Trog Westeuropa) mit Übergang zu Wz (West zyklonal)
FELICIA und das Ende des Spätsommers - ab der kommenden Nacht signifikanter und facettenreicher Wetter-/Luftmassenwechsel.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... Sollte sich jemand aus der geneigten Leserschaft dieses Bulletins mit dem Gedanken tragen, ein für heute geplantes Outdoor-Event - sei es Radfahren, Wandern, Sporteln, Barbecue (mittags), Garten aufräumen oder was weiß ich - zu verschieben oder gar zu prokrastinieren - don´t do that. Carpe diem lautet das Motto, steht uns doch heute der (vorerst??) letzte Frühherbsttag mit markant spätsommerlichen Zügen in Haus, den es zu nutzen gilt. Danach wird´s erstmal ungemütlicher, aber auch abwechslungsreicher, was dem Hoffmann gut gefällt. Tagtäglich Synoptische Übersichten über BM (Brücke Mitteleuropa) zu schreiben, wird schnell sehr langweilig. Allein von daher ist es gut, dass sich jetzt mal was tut in der Atmosphäre und uns der Atlantik ins Gedächtnis ruft, dass er auch noch da ist und ein Wörtchen bei der Wetterentwicklung mitzureden hat. Dass dabei u.a. auch ein Kollateraleffekt wie Regen auftritt, ist mehr als erfreulich. Aber der Reihe nach.
Aktuell ist die Weichenstellung des bevorstehenden Wetterumschwungs bereits in vollem Gange. So hat sich über UK/Irland ein fescher Randtrog formiert, der bis morgen noch an Schärfe zulegt, um uns dann von West nach Ost zu überqueren. Zudem wäre der Druckfall über Westeuropa zu nennen, der eine vom westlichen Mittelmeer über Frankreich bis hoch an die südliche Norwegensee reichende Rinne namens FELICIA geschaffen hat. Noch ist die Druckverteilung flach, aber Trog und Rinne setzen ab der kommenden Nacht zu einer äußerst fruchtbaren Interaktion an (Intensivierung des Druckfalls durch trogvorderseitiges PVA-Maximum), woraus schlussendlich ein veritabler Wirbel am Rande zu einem Sturmtief resultiert, der am Donnerstag über Norddeutschland zur Ostsee zieht. Es versteht sich von selbst, dass dieses Tief (es wird weiterhin FELICIA heißen) eine Kaltfront aufzubeiten hat, welche uns ebenfalls passiert und damit einen markanten Luftmassenwechsel von xSp (gealterte Subtropikluft) hin zu mP (maritime Polarluft) einleitet.
Nun greife ich aber schon wieder auf den Donnerstag vor, dabei gebieten es die Höflichkeit und die Regeln zeitlich korrekter Chronologie, erst noch den heutigen Mittwoch zu würdigen. Den verbringen wir nämlich am Rande des Hochs DIETER über dem östlichen Mittel- respektive Südosteuropa unter einer noch antizyklonal konturierten südwestlichen Höhenströmung. Diese weist eine nicht zu übersehende Anomalie in Form eines kleinen Höhentiefs auf, das heute Morgen über Altbayern liegt, von wo aus es in den nächsten Stunden weiter nach Tschechien geht. Bei dem Tief handelt es sich übrigens um einen alten Bekannten, der als Kaltlufttropfen am Montagfrüh über Südwestdeutschland Richtung Alpen gezogen ist (wir erinnern uns, knapp über 50 l/m² in Meßstetten-Appental innert weniger Stunden), diese überquert hat, um jetzt wieder mit allerdings deutlichen Verlusten in der körpereigenen Substanz zurückzukehren. Vereinzelt reicht es noch für einen schwachen Schauer im Süden und Südosten, ansonsten beschränkt sich sein Impact auf wenige Wolkenfelder.
Die wird es etwas dichterer Natur auch hoch im Norden geben, teils als Hochnebelreste, teils durch eine Warmfront induziert, die quasi den Fortsatz der o.e. Kaltfront auf der Westflanke der Rinne markiert. Im größten Teil des Landes aber gibt die Sonne trotz einiger meist lockerer Wolken nochmal ordentlich Gas, was verbreitet Nachmittagstemperaturen zwischen 20 und 24, in der Südhälfte nicht selten gar 25, 26 oder am im südlichen Oberrheingraben vielleicht sogar 27°C zur Folge hat. Das schreit nach T-Shirt und kurzen Hosen, bevor´s dann morgen mit einem regelrechten Temperatursturz mächtig was auf die Glocke gibt. In den Alpen wird es leicht föhnig (Innsbruck-Bozen immerhin mit 6 hPa in der Spitze), vielleicht gibt es oben die ein oder andere Böe 8 Bft.
Interessant wird es zum Abend hin im äußersten Westen und Südwesten, wo mit der süd-südwestlichen Strömung nicht nur eben warme, sondern auch zunehmend feuchte (PPW um oder über 30 mm) und leidlich labil geschichtete Luft advehiert wird. Einige Wochen zurück, und wir müssten uns heute früh ernsthafte Gedanken über eine ausgewachsene Unwetterlage mit Schwergewittern machen. Der Imperativ der Jahreszeit - nota bene, wir schreiben Herbst - ist mittlerweile aber so eindeutig, dass uns das ganz große Tamtam erspart bleibt. Nichtsdestotrotz, neben Schauern dürften durchaus auch einzelne Gewitter ins Rennen gehen, die zwar ziehen, lokal aber trotzdem Starkregen der Größenordnung 15 bis 25 l/m² innert kurzer Zeit neben Böen 7-8 Bft zustande bringen können.
In der Nacht zum Donnerstag zieht das sich kontinuierlich vertiefende Tief in den Raum Hamburg, wo es am Morgen mit etwa 1000 hPa im Kern aufschlägt. Der stromauf folgende, mittlerweile messerscharf geschnittene Randtrog bleibt bis zum Frühstück noch knapp außen vor, was auf die baroklin sehr gut aufgestellte Kaltfront nicht zutrifft. Eingebettet in einen wunderbar ausgeprägten Bodentrog greift sie auf die westlichen Landesteile über, was mehrere Konsequenzen nach sich zieht: Erstens, es fängt in der Westhälfte an zu regnen und das nicht zu knapp. So gibt es Hinweise, dass bevorzugt im westlichen Mittelgebirgsraum lokal die ein- oder mehrstündige Starkregenschwelle gerissen wird. Ob sich das warntechnisch adäquat abbilden lässt, bleibt abzuwarten. Haarspaltereien (in dem Sinne, wenn wir uns nur an der Schwelle zum formalen Starkregen befinden) sollten wir angesichts der trockenen Vorgeschichte besser vermeiden. Zweitens, die einzelnen präfrontalen Gewitter weiten sich ost-nordostwärts aus mit im Laufe der Nacht abnehmender Auftrittswahrscheinlichkeit. Drittens, mit Passage der Front frischt der Wind nicht nur böig auf, er legt auch eine signifikante Drehung von Süd auf Nordwest bis Nord hin. Vereinzelt, im Bergland häufiger muss mit steifen Böen 7 Bft, in exponierten Hochlagen mit stürmischen Böen 8 Bft (Brocken 9 Bft) gerechnet werden. Richtig stürmisch mit Spitzen 8-9 Bft wird es auf und an der Nordsee (Nordwest bis Nord), während es der Süd-Südostwind vor dem Tief an der Ostsee deutlich gemächlicher angehen lässt.
Der Osten und Südosten der Republik bleiben von den zyklonalen Geschehnissen des Westens noch weitgehend verschont. Zwar wird es peu a peu wolkiger, der große Regen bleibt aber noch ebenso aus wie nennenswerter Wind (außer auf den Bergen). Außerdem wird dort die Nacht im deutschlandinternen Vergleich am frischesten. Örtlich kühlt es nochmal auf 7°C oder gar etwas darunter ab, wohingegen weiter westlich meist zweistellige Tiefstwerte bis zu 16°C auf der Karte stehen
Donnerstag... erreicht nun auch der Trog den Vorhersageraum, um ihn im Tagesverlauf und ein Stück weit auch noch in der Folgenacht ostwärts zu passieren. Mittlerweile ist die Wellenlänge so kurz und die Amplitude so lang, dass es knapp südlich der Alpen zum Cut-Off mit gleichzeitiger Zyklogenese über Oberitalien kommt. Das wiederum hat zur Folge, dass die Kaltfront des über Dänemark ost-nordostwärts ziehenden Tiefs im Süden etwas in ihrer Progression gebremst wird. Mit dem Resultat, dass es dort (insbesondere südlich der Donau sowie in Niederbayern) etwas längere Zeit skalig regnet wie in anderen Regionen. Der meiste Niederschlag dürfte an und in den Alpen runterkommen, wo sich postfrontal vorübergehend eine Stauphase einstellt, welche die Hebungsprozesse forciert. Akkumuliert bis Freitagfrüh 06 UTC sind im Alpenstau durchaus 30 bis 40, lokal vielleicht bis 50 l/m² drin, wobei der Schwerpunkt im westlichen Bereich zu finden ist. Auch das Wort "Schnee" findet nun wieder Einzug in die Wetterberichte. So sinkt die Schneefallgrenze in den Alpen in der Nacht zum Freitag auf unter 1500 m. Allerdings gilt einmal mehr, wenn die Kaltluft so richtig ankommt (und die Schneefallgrenze noch weiter nach unten drücken würde), hört der Niederschlag auf. Aber gut, oberhalb 1500 m wird am Freitagmorgen wohl eine wenige Zentimeter dünne Neuschneedecke die Landschaft schmücken.
Was gibt es sonst noch an diesem Donnerstag, den 8. Oktober. Nun, bis zum Abend wird das ganze Land von frischer maritimer Polarluft geflutet (mP), in der T850 auf unter 5°C, im Norden teils auf 0°C zurückgeht. Dabei stellt sich nach dem frontalen Regen wechselhaftes Schauerwetter ein, bei dem im Nordwesten ein kurzes Graupelgewitter mit Böen 7-8 Bft nicht ausgeschlossen ist. Einzelne markante Gewitter (Böen, SR) sind durchaus auch im Südosten möglich, dort allerdings an der Front mit Hilfe des letzten Rests Warmluft, die kurz danach getilgt wird. Weiterhin ein Thema bleibt der Wind, der sowohl bei Frontpassage, aber auch dahinter (klassische Kaltluftböigkeit) merklich auffrischen kann mit Böen 6-7 Bft, in exponierten Hochlagen darüber (8-9 Bft). Warntechnisch ist das Ganze eine undankbare Angelegenheit, weil es erstens meist nur für kurze Zeit und zweitens nicht flächendeckend aufbrist. Einfacher wird´s an der See sowie im küstennahen Binnenland, wo der nun auch an der Ostsee auf Nordwest drehende Wind in Böen Stärke 7-8 Bft, an der Nordsee anfangs bis 9 Bft.
Wie bereits weiter oben schon erwähnt, gilt es morgen einen satten Temperatursturz auszuhalten, der im Süden und Südwesten z.T. rund 10 Kelvin beträgt. Mit anderen Worten, 13 bis 19°C sind das Maß der Dinge, nur zwischen dem östlichen Oberbayern über Sachsen bis hoch in die Mark Brandenburg werden nochmal 20°C oder etwas mehr erreicht.
In der Nacht zum Freitag verabschiedet sich der Randtrog gen Osten. Rückseitig setzt Druck- und Potenzialanstieg ein, der aber zur Zwischenhochcharakter hat. Bei Island steht mit GABRIELA schon das nächste Tief parat, einzig und allein mit dem Ziel, uns die nächste Watschn zu verpassen. Bevor das passiert, beruhigt sich die Szenerie bei uns aber für ein paar Stunden. Heißt, sich in die Alpen zurückziehende Niederschläge, nachlassende Schauer (mit Ausnahme der Küste, wo noch ein paar Huschen unterwegs sind) und auch nachlassender Wind (an der Küste aber noch längere Zeit warnwürdig, vor allem auf Ostseeseite im Schlepptau der Richtung Finnischer Meerbusen abziehenden FELICIA). Ansonsten lockert die Bewölkung auf und in der frischen, nicht allzu feuchten Polarluft kühlt es außer direkt an der See auf 9 bis 3°C ab.
Freitag... stellt sich eine Zweiteilung des Wetters bei uns ein. Während sich nach Süden und Südosten hin der Zwischenhocheinfluss als einigermaßen resilient entpuppt (=> Sonne und Wolken, meist trocken), wird der Rest des Landes vom neuen Tief attackiert. Wobei das nicht ganz richtig ist, ist es doch weniger die GABRIELE selbst, die nur langsam den Raum Island Richtung nördliche Nordsee verlässt als das zugehörige Frontensystem, das klaren Kurs Nordwestdeutschland fährt. Ausgestattet ist das System mit einer gut definierten Warmfront, in deren Vorfeld kräftige WLA generiert wird. Es verwundert also nicht, dass bereits am frühen Morgen stratiformer Regen von der Nordsee und den Niederlanden übergreift, der bis Mittag große Teile West- und Norddeutschlands erfasst haben dürfte, um danach abschwächend auch noch den Osten und Süden in Angriff zu nehmen. Vor der Warmfront bzw. im Warmsektor frischt der auf Südwest rückdrehende Wind mitunter auf, was aufgrund der stabilen Schichtung vor allem in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen sowie an der See zu spüren sein wird (7-8, Brocken bis 10, in der Nacht evtl. sogar bis 11 Bft). Im Nordwesten sind aber auch in tiefen Lagen einige Böen 7 Bft möglich, zumal man dort ja auch alsbald auf die Vorderseite der nachfolgenden Kaltfront gelangt. Dabei geht der skalige Regen in schauerartigen Regen und einzelne Gewitter (vor allem Nordseenähe) mit Böen bis 8 Bft über. Thermisch sind aus dieser Lage nicht mehr als 12 bis 17°C rauszuholen, was für Oktober aber immer noch als mild gilt. Na dann...
Modellvergleich und -einschätzung
Die bevorstehende Umstellung haben die Modelle unisono im Programm. Dass dabei aufgrund der Vielfältigkeit (Niederschlag, Gewitter, Wind) gewisse Unschärfen bzw. kleine Diskrepanzen auftreten, liegt in der Natur der Sache. Aus warntechnischer Perspektive dürfte wie oben schon erwähnt die Windentwicklung die größte Herausforderung werden (außer den der Küste, wo die Angelegenheit ziemlich klar ist). Unklar ist auch noch, ober Der Schwarzwald morgen eine Stark-, eine Dauerregen- oder überhaupt keine Regenwarnung braucht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 06.10.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig, im Küstenumfeld teils starke Gewitter, windig, im höheren Bergland und an der See stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 13.10.2026
Der Blick auf das IFS-EPS lässt zumindest von Freitag bis Sonntag bei einer dominierenden Wetterlage West zyklonal nichts anderes als eine wechselhafte Witterungsperiode zu. Nur wenige Member geben dem EPS mit Wetterlagen wie Brücke Mitteleuropa oder West antizyklonal einen ruhigeren Touch. Der deterministische Lauf des IFS stützt die Mehrheit der Member im EPS, indem er einen breiten Langwellentrog über Nordwest, Nord-, West- und Mitteleuropa zeigt, dessen Achse langsam ostwärts über Deutschland hinwegschwenkt. Gleichzeitig verlagert sich das korrelierende Bodentief vom Seegebiet südlich von Island, an Schottland vorbei in die Nordsee, um dann nach Südschweden weiterzuziehen. Auf seinem Weg hat es zudem ein Frontensystem im Schlepptau, welches am Samstag auf den Norden Deutschlands übergreift. Vor allem am Freitag und Samstag ist zusätzlich Randtiefs mit von der Partie, die sich über der Ostsee und Skandinavien tummeln und ebenfalls einen Frontenzug bis nach Deutschland schieben. Am Freitag sind demnach die Niederschläge vor allem im Norden sowie im Verlauf im Umfeld der Front zu verzeichnen. Aufgrund fehlender Unterstützung aus der Höhe sind diese überwiegend skaliger Natur. Am Samstag verlagert sich der Frontenzug über die Mitte zu den Alpen. Gleichzeitig sorgt PVA zusammen mit frontogenetischen Prozessen ausgehend vom Nordseeumfeld erneut für schauerartige, teils gewittrige Niederschläge. Am Sonntag sorgen de Reste der Kaltfront an den Alpen und im Südosten noch für etwas Niederschlag. Ansonsten sind auf der Trogrückseite mit nordwestlichen Winden Schauer und Gewitter im Nordseeumfeld bis ins angrenzende Binnenland möglich.
Am Montag und Dienstag nehmen im IFS-EPS die antizyklonalen Wetterlagen wieder deutlich zu. Vor allem die Wetterlagen Brücke Mitteleuropa und Südwest antizyklonal können rund zweidrittel der Member unter sich vereinen. Die zuvor dominierende Wetterlage West zyklonal wird zu einer Minderheit zusammengestutzt.
Der det. IFS-Lauf weist über die beiden Tage hinweg einen kräftigen Rücken auf, dessen Achse sich von Südwesteuropa bis nach Norwegen erstreckt und im Verlauf langsam ostwärts über Deutschland hinweg schwenkt. Bodennah korreliert der Rücken mit einem Hoch, welches am Montag weite Teile Deutschland überdeckt und am Dienstag seinen Schwerpunkt in den Alpenraum bzw. Polen verlagert. An beiden Tagen verbleibt allenfalls das Küstenumfeld im Bereich der Frontalzone. Am Dienstag sind im Westen, Nordwesten und Norden auf der Trogvorderseite zusammen mit frontogenetischen Prozessen einer teils okkludierten Kaltfront erneut schauerartige, teils gewittrige Niederschläge möglich.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckstrukturen werden von den vergangenen Läufen recht konsistent wiedergegeben. Vor allem zum gestrigen 12 UTC-Lauf besteht eine gute Konsistenz. Größere Abweichungen sind dagegen zeitweise zum gestrigen 00 UTC-Lauf zu verzeichnen.
Am Freitag zum Start in den mittelfristigen Zeitraum gibt es kleine Unterschiede bei der räumlichen Einordnung des Cut-Off-Tiefs über Italien sowie bei der ostwärtigen Verlagerung eines Kurzwellentroges über Mitteleuropa. Während der gestrige 00 UTC-Lauf den Kurzwellentrog etwas langsamer abziehen ließ und somit hierzulande noch stärker zyklonale Bedingungen produzierte, weist vor allem der neuste Lauf recht zonale Strömungsverhältnisse auf. Entsprechend kann ein neues System von Westen geringfügig schneller auf Deutschland übergreifen.
Am Samstag besteht die offene Frage, inwieweit der Cut-Off wieder an die Höhenströmung andocken kann. Dies sah der gestrige 00 UTC-Lauf nicht, während der gestrige 12 UTC-Lauf das Einfangen zuließ. Der aktuelle Lauf zeigt einen Mittelweg. Dieser Prozess hat aber Einfluss auf die Strömungsbedingungen von Mitteleuropa ostwärts. Die neusten Läufe weisen diesbezüglich über Osteuropa eine Trogvorderseite mit südwestlichen Winde auf, während der gestrige 00 UTC-Lauf dort eher flacheren Westwinde bevorzugte. Insgesamt ist demnach die genaue räumliche Einordnung potentieller Niederschläge über der Südhälfte Deutschlands noch verhältnismäßig unsicher.
Am Sonntag liegen weite Teile Europa im Bereich eines Langwellentroges. Das Cut-Off-Tief wurde bei allen Läufen eingefangen und ist bei gestrigen 12 UTC-Lauf überhaupt nicht mehr vorhanden. Die 00 UTC-Laufe weisen das Randtief über Südosteuropa auf. Über Mitteleuropa gibt es im Trogbereich allenfalls Unterschiede bei der Phase und Verlagerungsgeschwindigkeit von Kurzwellentrögen bzw. kurzwelligen Anteilen. Entsprechend werden die Niederschläge zwischen den betrachteten Läufen räumlich, zeitlich und in deren Intensität leicht abweichend simuliert.
Am Montag kann sich konsistent von Südwesteuropa bis nach Norwegen ein Rücken aufbäumen. Unterschiede sind dabei vor allem bei der Phase und somit der Verlagerungsgeschwindigkeit der Achse sowie vor allem bezüglich des gestrigen 00 UTC-Laufes bei der Amplitude zu verzeichnen. Bei den neusten beiden Läufen wird der nachfolgende Trog markanter gerechnet, sodass die größere WLA eine etwas stärkere Amplifizierung stützt. Je nach Stärke des Rückens, kommt die übergreifende Warmfront schwächer oder eben etwas stärker daher.
Auch am Dienstag weisen die neusten Berechnungen größere Amplituden der Strukturen auf. Der gestrige 00 UTC-Lauf konnte entsprechend der flacheren Strukturen Frontensysteme und resultierende Niederschläge rascher ostwärts schieben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch andere Globalmodelle (ICON, UK10, GFS) zeigen eine zum IFS vergleichbare Geopotential- und Luftdruckentwicklung. Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums bis einschließlich Samstag weisen die Modelle vor allem zum gestrigen 12 UTC-Lauf des IFS eine recht gute Konsistenz auf. Ab Sonntag weichen alle Modelle von den Vorgaben des IFS mehr oder weniger ab, haben aber auch untereinander wenig Konsistenz. Das IFS zeigt im Vergleich die geringsten Amplitude und somit die größte Verlagerungsgeschwindigkeit der Systeme. Am ehesten liegt das UK10 noch nahe an den Berechnungen des IFS, wenngleich es etwas langsamer verlagert. Beim GFS kann sich ein Höhentief über Ostpolen und Weißrussland festsetzen und die Verlagerung somit ausbremsen. Das ICON beschreibt insgesamt die langsamste ostwärtige Verlagerung der Trog-Rücken-Trog Struktur. Resultierend ergeben sich teils deutliche Unterschiede bei der zeitlichen und räumliche Einordnung der potentiellen Niederschläge. Entsprechend kann man bezüglich des Modellvergleichs bis Sonntag noch von einer recht guten Vorhersagegüte sprechen, ab Montag sind zwar die großskaligen Entwicklungen vergleichbar, der genaue Wetterablauf jedoch unsicher.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland weisen bezüglich der Temperatur in 850 hPa bis einschließlich Sonntag bei einem geringen Spread eine hohe Vorhersagegüte des IFS-EPS auf. Beim Geopotential in 500 hPa zeugen geringe Abweichungen im IFS-EPS bis einschließlich Samstag sowie am Montag von einer hohen Güte. Am Sonntag spannen die Unsicherheiten der Intensität des Troges das EPS des Geopotentials auf. Ab Dienstag beim Geopotentiel schließlich ein markantes und stetiges Aufspannen des EPS zu verzeichnen, sodass die Prognosegüte deutlich abnimmt. Bei der Temperatur sind die Prognosen ab Montag schon sehr unsicher. Bei einem Spread von rund 15 Grad und nur einem schwach definierten Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten ist eine seriöse Vorhersage kaum möglich.
Bei der Einordnung der EPS-Member in Grundmuster werden für den Zeitraum von +72h bis +96h vier Lösungen nötig, um alle Unsicherheiten ausreichend zu beschreiben. Alle Lösungen werden dabei dem Schema einer pos. NAO zugeschrieben. Der Kontrolllauf befindet sich zusammenmit 18 anderen Mitgliedern im ersten Cluster. Die wesentlichen Unterschiede betreffen das Cut-Off-Tief über Südeuropa sowie dessen Entwicklung. Je nach Stärke und Lage nimmt es Einfluss auf den Langwellentrog über Nordwest und Mitteleuropa. Resultierend kommt es zu Phasenverschiebungen zwischen den ablaufenden Kurzwellentrögen bzw. kurzwelligen Anteilen. Das zweite Cluster zeigt dabei die zonalsten Strukturen, die letzten beiden Lösungen weisen dagegen die größten Amplituden auf. Im Zeitraum von erklären sechs Cluster die Unsicherheiten innerhalb des IFS-EPS. Die ersten vier Lösungen starten im Schema eines atlantischen Rückens. Die ersten beiden Cluster wechseln in der Folge früher oder später wieder zur pos. NAO, das dritte Cluster wechselt zum Blocking und die vierte Lösung nimmt den Umweg über die pos. NAO zum Blocking. Die letzten beiden Lösungen verbleiben komplett im Schema einer pos. NAO. Der Kontrolllauf befindet sich erneut im ersten Cluster. Abgesehen von den letzten beiden Lösungen mit stark zonalen Verhältnissen weist auch das erste Cluster noch recht flache Strukturen auf. Die Cluster 2 bis 4 dämpfen oder blockieren dagegen bei großen Amplituden die Verlagerung. Bei diesen Lösungen würde über weite Teile Deutschlands hoher Luftdruck dominieren. Ansonsten sind durchziehende Frontensysteme Trumpf. Insgesamt stützt demnach ein kleine Mehrheit im IFS-EPS erneut eher ruhigere Wetterbedingungen.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h werden fünf Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten im EPS ausreichend zu beschreiben. Alle Cluster starten im Schema einer pos. NAO, die erste und die vierte Lösung wechseln im weiteren verlauf zum Blocking. Der Kontrolllauf wird nun der dritten Lösung zugeordnet. Dieses Cluster zeichnet große Amplituden aus, wobei ein Trog auf Mitteleuropa übergreift. Die zweite Lösung zeigt dagegen recht zonale Bedingungen mit einer recht weit nach Norden geschobenen Frontalzone und somit hohem Gepotential über weiten Teilen Mitteleuropas. Beim ersten Cluster wird ein Trog nur ansatzweise gezeigt. Ansonsten dominiert hohes Geopotential, wobei die Störung auch Einfluss auf das Wetter in Deutschland haben kann. Cluster 4 präsentiert einen kräftigen Rücken über Deutschland und Cluster 5 einen mächtigen Trog über Westeuropa mit Trogvorderseite hierzulande.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND/STURM:
Über den gesamten mittelfristigen Zeitraum weisen die EPS-Verfahren mehr oder weniger windige Verhältnisse aus. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem in der Nordhälfte und ist zeitlich am Freitag und Samstag eingeordnet. Vor allem im Küstenumfeld und im höheren Bergland stützen Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 80% stürmische Böen oder Sturmböen. Am Samstag sind mit Werten von 5 bis 15% auch im Nordwesten und der nördlichen Mitte stürmische Böen gering wahrscheinlich. Der EFI des ECMWF stützt über beide Tage lokal leicht überdurchschnittliche Windspitzen in den genannten Regionen.
Von Sonntag bis Dienstag sind bei Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40% vor allem an der See und in einzelne Hochlagen weitere stürmische Böen oder Sturmböen möglich.
GEWITTER/STARKREGEN/DAUERREGEN:
Am Freitag sind vor allem auf Basis der Deterministik verschiedener Modelle in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge Dauerregenmengen über 30 l/qm in 24 Stunden nicht auszuschließen.
Am Samstag und Sonntag ist im Küstenumfeld und dort vor allem im Nordseebereich eine rege Gewitteraktivität wahrscheinlich. Neben Sturmböen ist gebietsweise auch mehrstündiger Starkregen möglich. Dieser wird von einzelnen prob. Verfahren mit Wahrscheinlichkeiten (RR6h) von rund 10% gestützt. Akkumuliert über 24 Stunden ist gebietsweise auch das Überschreiten der Dauerregenschwelle von 30 l/qm möglich. Dies weisen vor allem die det. Modelle mit Werten von 20 bis 40 l/qm aus. Aber auch der EFI zeigt an beiden Tagen vor allem im Nordseeumfeld bezüglich des Modellklimas leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Am Montag sind im Küstenumfeld, teils bis weit ins Binnenland ausgreifend weitere Gewitter mit stürmischen Böen möglich, mehrstündiger Starkregen ist aber nur noch gering wahrscheinlich.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, bis Samstag auch det. IFS/ICON, für TT auch MosMix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





