Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 16.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL HNz, Übergang zu NZ
Heute und am Freitag zwei Schwergewittertage mit erhöhtem Unwetterpotential, lokal auch extrem. Südlich der Donau am Samstag nochmal markante Gewitter. Sonst Wetterberuhigung, an der See stürmischer Wind.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... befindet sich Deutschland weiterhin im Einflussbereich eines Höhentiefs, dessen Zentrum derzeit über Südniedersachsen liegt und sich im Tagesverlauf Richtung Nordsee verschiebt. Am Boden gibt es hingegen nur schwache Luftdruckgegensätze. Die Luftmasse ist deutschlandweit labil geschichtet, wobei die Grenzschichtfeuchte über der Mitte des Landes ein Minimum aufweist. Dort war es nicht nur in der vergangenen Nacht am kühlsten, auch die Taupunkte sind teils nur einstellig. Entsprechend sind es im Tagesverlauf auch die mittleren Landesteile, wo die Gewittergefahr am Nachmittag am geringsten ist. Einzig im Umfeld des Berglandes können sich einzelne starke Gewitter entwickeln. Zwei Bereiche lassen sich ausfindig machen, in denen ab den Nachmittagsstunden erhöhte Gewitter- und Unwettergefahr besteht. Da wäre zum einen der Norden und Nordosten des Landes. Die spezifische Feuchte ist dort erhöht und in Kombination mit der erhöhten Labilität werden CAPE-Werte von über 1000 J/kg prognostiziert. Die Windscherung ist bis 5 km hinauf eher schwach, sodass insgesamt von keinem größeren Organisationsgrad auszugehen ist. Bei den hohen CAPE-Werten ist dennoch Hagel bis 2 cm möglich. Aufgrund der guten Durchmischung bis 850 hPa hinauf kann es stürmische Böen und Sturmböen geben. Die PPW-Werte liegen etwas über 30 mm. Aufgrund der sich relativ parallel zur Zugrichtung entwickelnden Gewittertätigkeit ist Starkregen lokal bis in den Unwetterbereich denkbar. Deutlich interessanter sieht es südlich des Höhentiefs aus. Der Beginn der Konvektion ist dort aber erst ab dem späten Nachmittag und dem frühen Abend zu erwarten. Die CAPE-Werte erreichen in feuchtlabiler Luft bis zum Abend Werte zwischen 1500 und 2000 J/kg bei gleichzeitig guten Scherbedingungen. Die Werte der hochreichenden Scherung liegen um 20 m/s. Damit besteht das erhöhte Potenzial für die Ausbildung von Superzellen, die dann wie am Vortag die Gefahr von großem Hagel (2 bis 5 cm, lokal auch > 5 cm) bergen und zudem Böen bis in den Orkanbereich bringen können. Unterstützend wirkt dabei auch, dass recht hohe DCAPE-Werte um 500 J/kg zur Verfügung stehen, sodass zu der dynamischen Komponente auch noch der thermodynamische Part hinzukommt. Auch der Starkregen kann lokal bis in den Unwetterbereich hineinreichen, wird so richtig interessant aber erst im weiteren Verlauf.
Am Abend und eingangs der Nacht auf Freitag verlagert sich die Hauptgewitteraktivität über der Südhälfte ostwärts und erfasst zunächst ganz Baden-Württemberg und greift anschließend auch auf Bayern über. Im Laufe der Nacht nimmt dabei das Potenzial für Großhagel ab. Es besteht aber weiterhin die Möglichkeit für Sturm- bis Orkanböen. Letzteres gilt vor allem, wenn sich ein größerer Gewittercluster entwickelt, wie es einige Modelle zeigen. Mit der Verclusterung rückt auch die Begleiterscheinung Starkregen stärker in den Fokus, der dann häufiger auftritt und lokal (vor allem mehrstündig) auch bis in den extremen Bereich hineinreichen kann.
Auch im Rest des Landes gibt es hier und da noch Gewitter, meist markanter Natur, ehe in den Morgenstunden im Südwesten neuer gewittriger Starkregen aufkommt, der lokal auch unwetterartig ausfallen kann. Bei der Durchschau der verschiedenen Modelle/EPS fällt auf, dass das deterministische ICON-D2 fast gar nichts zeigt, was völlig unpassend zu den Zutaten ist. ICON-D2 ist damit nahezu unbrauchbar und sollte nicht berücksichtigt werden. ICON-RUC bietet da eine deutlich realistischere Einschätzung und simuliert einzelne starke Superzellen und anschließende Verclusterung, vor allem über dem mittleren BaWü fortführend bis nach Bayern. Später wird nochmal ein Cluster aus der Schweiz/Bodenseeregion angedeutet. Das SuperHD betont die Entwicklung aus der Schweiz deutlich stärker und lässt den Cluster weiter nordwärts, nachfolgend bis in den Münchner Raum ausgreifen, hat dafür aber die Verclusterung weiter nördlich nicht drin. Welche Region am stärksten betont sein wird, lässt sich vorher nur schwer prognostizieren. Dort, wo diese aber auftritt, muss mit den benannten Begleiterscheinungen gerechnet werden.
Freitag... zieht das Höhentief weiter nordwärts und wird in den Langwellentrog eingebunden, sodass ganz Deutschland unter einer stark amplifizierten zyklonalen Höhenströmung liegt. Diese induziert auch Bodencyklogenese. Das Bodentiefzentrum zieht im Verlauf von Südniedersachsen nordostwärts. Dabei lassen sich eine Warm- und Kaltfront in der Bodenprognosekarte finden. Der Nordwesten bis zum Niederrhein liegt schon postfrontal und die Luft trocknet bereits ab, sodass auch kaum noch CAPE simuliert wird. Im Rest des Landes ist die Luftmasse deutlich feuchter als am Vortag, mit PPW-Werten zwischen 35 und 40 mm. Damit rückt der Starkregen klar stärker in den Fokus.
Die Luftmasse ist nahezu ungedeckelt. Schon aus der Nacht heraus gibt es im Südwesten erste Starkniederschläge, die sich im Verlauf des Tages weiter nordostwärts verlagern und in ihrer Häufigkeit zunehmen. Aufgrund des fehlenden Deckels ist mit einer raschen Verclusterung zu rechnen, sodass neben den stündlichen Mengen auch die mehrstündigen Summen im Auge behalten werden müssen. Die EPS zeigen klare Signale für unwetterartige Niederschlagssummen und auch für extreme Unwetter sind die Signale deutlich erhöht, wobei der Osten und Nordosten nochmals zusätzlich betont werden.
Im Süden gibt es weiterhin gute Scherwerte mit einer 0-6-km-Scherung von teils über 15 m/s. Dort besteht entsprechend erneut hohes Organisationspotenzial und bei gleichzeitig hohen CAPE-Werten (um 1500 J/kg) muss mit lokal großen Hagelkörnern gerechnet werden. Daneben besteht erhöhtes Sturmpotenzial mit Windgeschwindigkeiten örtlich bis in den Orkanbereich. Letzteres gilt bei expliziten Superzellen oder der Entwicklung eines größeren Clusters. So deuten hochauflösende Modelle auch die Entwicklung eines Bogenechos an. Weiter nach Nordosten ist die Scherung deutlich verringert, dennoch werden vom ICON-D2-EPS teils schwere Sturmböen angedeutet. Das erscheint etwas überzogen und wird von externen Modellen (z. B. SuperHD) auch nicht gestützt. Dennoch können thermodynamisch getriggert durchaus Sturmböen auftreten, einerseits durch die hohe Niederschlagslast und andererseits durch einen (relativ gesehen) trockenen Fuß. Letzteres zeigt sich auch anhand der trockenadiabatischen Temperaturabnahme bis 800 hPa hinauf.
In der Nacht auf Samstag überquert die Kaltfront Deutschland und die Gewitteraktivität zieht ostwärts aus Deutschland ab, sodass sich nachfolgend die Unwettergefahr rasch abschwächt.
Samstag... liegt Deutschland unter Trogeinfluss. Rückseitig der südostwärts aus Deutschland abziehenden Kaltfront fließen gemäßigtere und trockenere Luftmassen ein. Einzig südlich der Donau bis zum Bayerischen Wald halten sich noch Reste der feuchtlabilen Luftmasse und es gibt im Tagesverlauf neue Gewitter. Diese sind bei fehlender Scherung oft unorganisiert und neigen zur Verclusterung. Bei PPW-Werten um oder leicht unter 30 mm, aber geringer Zuggeschwindigkeit, muss vor allem mit Starkregen gerechnet werden, lokal bis in den Unwetterbereich. Im Rest des Landes ist es wechselnd, teils stärker bewölkt. Vor allem im Osten und Norden gibt es einzelne Schauer. Der Wind spielt dort eine Rolle mit Windböen, die vor allem im Norden vereinzelt auch im Landesinneren zu erwarten sind. Direkt an der See kann es auch stürmische Böen geben, wobei ICON den Wind aus West und Nordwest deutlich stärker betont als das ECMWF oder UK10. In der Nacht auf Sonntag bewegt sich die Trogachse ostwärts. Vom Südwesten bis zur Mitte kann es gebietsweise schauerartig verstärkt regnen. Rund um Nord- und Ostsee sind Schauer zu erwarten. Direkt an der See kann es weiterhin Windböen und stürmische Böen geben.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle sind bezüglich der Entwicklung der Großwetterlage konsistent. Unsicherheiten ergeben sich bezüglich Details bei der Gewitterentwicklung sowohl heute, als auch am Freitag. Dies wurde aber bereits im Haupttext diskutiert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 16.07.2026 um 10.30 UTC
Zyklonale (im Südwesten antizyklonale) Nord- bis Nordwestlage; im Nordosten unbeständig und mäßig warm (an den Küsten kühl), im Südwesten mehr Sonne und warm. Dabei kaum markante Wettererscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 23.07.2026
Die am Freitag und Samstag eingeleitete Wetterumstellung hat sich zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Sonntag, vollzogen: Einem von der Barentssee über Skandinavien bis nach Mitteleuropa reichenden Höhentrog steht ein breiter Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik gegenüber, der sich mittlerweile über Island bis nach Südgrönland aufwölbt. Um Tagesverlauf passiert dabei ein kräftiger Randtrog von Nordwesten her das Vorhersagegebiet südost- später ostwärts und tropft in der Nacht zum Montag über Polen ab. Rückseitig stellt sich eine zyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung ein, innerhalb derer weitere kurzwellige Troganteile vor allem den Norden und Osten Deutschlands passieren.
Das mit dem Trog korrespondierende Bodentief hat Sonntagfrüh über Südfinnland den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht und zieht langsam Richtung Karelien, wobei es sich allmählich auffüllt. Dessen Kaltfront überquert im Tagesverlauf langsam die Alpen südwärts, so dass es im Süden und Osten Bayerns noch längere Zeit regnet, einzelne Gewitter vor allem an den Alpen und im Vorland nicht ausgeschlossen. Erst nachmittags und abends klingen die Niederschläge dort allmählich ab.
Rückseitig erreicht die maritim erwärmte Polarluft die Alpen, in 850 hPa sinkt die Temperatur auf Werte zwischen 4 Grad im Nordwesten und 10 Grad am Alpenrand. Vor allem im Norden und Osten entwickeln sich innerhalb der labil geschichteten Höhenkaltluft weitere Schauer und auch kurze Gewitter, während sich im Westen und Südwesten sowie zwischen Main und Donau im Einflussbereich eines dorthin vordringenden Hochkeils eine rasche Wetterberuhigung einstellt. Es bleibt dort meist trocken und für längere Zeit scheint auch die Sonne.
Am Montag und in der Nacht zum Dienstag verlagert sich das Cut-Off-Tief weiter zum Baltikum und von Norden her überquert ein weiterer Randtrog mit einem vorgeschalteten, scharf konturierten Bodentrog den Norden und Osten Deutschlands südwärts. Mit dessen Passage frischt der Wind vor allem an der Ostsee vorübergehend stark böig aus Nord bis Nordost auf, nach Lesart des IFS reicht es entlang der vorpommerschen Küste sogar kurzzeitig für stürmische Böen. Zudem muss vor allem im Nordosten recht verbreitet mit schauerartigen Regenfällen gerechnet werden, allerdings ohne, dass Warnschwellen erreicht werden. Ansonsten gibt es nur vereinzelte Schauer, in der Südwesthälfte bleibt es im Einflussbereich eines Bodenhochkeils sogar überwiegend trocken und auch länger sonnig. An den 850 hPa-Temperaturen ändert sich nur wenig; im Norden und Osten werden 18 bis 22 Grad erreicht, im Westen und Süden 21 bis 25 Grad.
Am Dienstag folgt ein in die nordnordwestliche Höhenströmung eingebetteter flacher Höhenkeil und sorgt für eine gewisse Wetterberuhigung, auch im Bodenfeld kann sich ein Keil des kräftigen Hochs westlich der Britischen Inseln (über 1035 hPa) weiter ins Vorhersagegebiet ausweiten.
Innerhalb der von Nordwesten nach Mitteleuropa advehierten maritim erwärmten Polarluft reicht es im Norden und Osten eventuell noch für ein paar schlappe Schauer, am ehesten wohl in den Mittelgebirgen. Zumindest bleibt es vor allem in einem breiten Streifen von der Deutschen Bucht bis zu den östlichen Mittelgebirgen eher bewölkt, während an der Ostsee, vor allem aber im Südwesten häufig die Sonne scheint. Allgemein wird es um etwa 1 bis 2 K wärmer als am Vortag mit Maxima zwischen 19 und 26 Grad,
Am Mittwoch greift im Tagesverlauf von Norden her ein markanter Kurzwellentrog auf den Nordosten Deutschlands über und überquert in der Nacht zum Donnerstag die Osthälfte südwärts. Dahinter dreht die Höhenströmung mehr auf Nord. Trogvorderseitig ist nun fast landesweit mit Schauern und auch einzelnen Gewittern zu rechnen, lediglich der Südwesten bleibt wohl weitgehend ausgespart und auch im Nordosten, insbesondere an der Ostsee, setzt sich rasch wieder die Sonne durch. Dagegen kann es im Südosten, insbesondere an den Alpen, in der Nacht zum Donnerstag bis Donnerstagmittag noch längere Zeit regnen. An den Küsten frischt der Wind vorübergehend aus Nordwest auf, aber wohl ohne Warnschwellen zu erreichen.
Erneut gelangt ein Schwall maritimer Polarluft ins Vorhersagegebiet, in 850 hPa sinkt die Temperatur allgemein auf 5 bis 9 Grad. Somit dürfte es auch im Südwesten, trotz noch häufigeren Sonnenscheins, wohl lediglich im südlichen Oberrheingraben bzw. in Südbaden für knapp 25 Grad reichen.
Am Donnerstag folgt ein flacher Höhenrücken und die Höhenströmung kippt wieder mehr auf Nordwest. Das Hochdruckgebiet westlich der Britischen Inseln zieht sich zwar nach Westen zurück und schwächt sich ab, dennoch reicht ein Keil nach wie vor bis ins Vorhersagegebiet, der sich sogar noch ein wenig verstärkt. Vor allem in den Norden und Osten bis zu den zentralen und östlichen Mittelgebirgen gelangen von Nordwesten her nach wie vor relativ feuchte Luftmassen, innerhalb derer sich aber nur noch vereinzelte Schauer entwickeln. Im Westen und Südwesten sowie an der Ostsee scheint dagegen länger die Sonne und es bleibt trocken. Die Luftmasse kann sich wieder etwas erwärmen, entlang der Oberrheinschiene reicht es wohl etwas verbreiteter für einen Sommertag, während an den Küsten keine 20 Grad erreicht werden.
In der erweiterten Mittelfrist, am Freitag und Samstag, nimmt die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet nach Lesart des IFS eine zunehmend antizyklonale Kontur an, am Samstag wölbt sich vorderseitig eines auf die Biskaya und Westfrankreich übergreifenden Höhentroges sogar ein Rücken über Mitteleuropa auf. Somit bleibt es an beiden Tagen weitgehend störungsfrei bei zunächst nur etwas ansteigendem Temperaturniveau. Am Samstag dreht die Strömung niedertroposphärisch auf Süd und es werden vor allem in die Südwesthälfte subtropische Luftmassen mit 15 bis über 20 Grad in 850 hPa advehiert, die zugleich auch potenziell instabil geschichtet sind, so dass es zu ersten Gewittern kommen könnte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die drei letzten IFS-Läufe erweisen sich als konsistent. Bis in die erweiterte Mittelfrist zeigen die gestrigen Läufe keine Alternativlösungen. Unterschiede ergeben sich lediglich im Detail, in erster Linie die Randtrogentwicklungen sowohl am kommenden Montag als auch und vor allem am Mittwoch betreffend. Für den Montag hat der aktuelle IFS-Lauf den die Osthälfte Deutschlands überquerenden Bodentrog schärfer auf der Agenda als die gestrigen Läufe, ähnliches gilt auch für den kurzwelligen Randtrog am Mittwoch, der im aktuellen Lauf ebenfalls markanter und zudem noch progressiver simuliert wird. In der erweiterten Mittelfrist deutete der gestrige IFS-Lauf von 00 UTC Richtung übernächstes Wochenende eine erneute Austrogung über dem Nordmeer und den Britischen Inseln an, der gestrige 12 UTC-Lauf dagegen eher über der Norwegischen See und Skandinavien, während der aktuelle Lauf für das Vorhersagegebiet insgesamt antizyklonaler aufgestellt ist.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die vorliegenden Globalmodelle ähneln allesamt zumindest bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche dem IFS. Vom Timing her laufen die Randtrogpassagen am Montag und Mittwoch ähnlich ab, allerdings gibt es bzgl. deren Geometrie und somit auch deren Wetterwirksamkeit noch kleinere Differenzen. So hat z.B. der aktuelle UK10-Lauf am Montag eine ähnlich starke Bodentrogentwicklung auf der Agenda wie das IFS, GFS, ICON und GEM sind diesbezüglich deutlich defensiver aufgestellt.
Den kurzwelligen Randtrog am Mittwoch simuliert dagegen das ICON am stärksten und lässt ihn auch weiter nach Westen ausgreifen, so dass es selbst im Südwesten Deutschlands für nennenswerte Niederschläge reichen würde. In der erweiterten Mittelfrist, also am übernächsten Wochenende, simulieren sowohl das GFS als auch das GEM einen nach Südskandinavien gerichteten Trogvorstoß, fahren also beide für das Vorhersagegebiet eine etwas zyklonalere Variante als der aktuelle IFS-Lauf.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die drei Cluster zu Begin der Mittelfrist (T+72 bis 96 Stunden) sind aufgrund des außerordentlich kräftigen Höhenhochs über dem Ostatlantik alle dem Großwetterlagenregime "Atlantic Ridge" zugeordnet und unterscheiden sich für Mitteleuropa kaum.
Auch im Zeitraum T+120 bis 168 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Member auf drei Cluster. Nach wie vor bleibt der Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik eindeutig dominant, flankiert vom Höhentrog über Skandinavien und Osteuropa. Unterschiede gibt es bzgl. eines von Nordwesten Richtung Mitteleuropa schwenkenden Randtroges, der sich nach Lesart des CL 2 (19 Member) und vor allem des CL 3 (13 Member) weiter nach Westen ausweitet als in CL 1 (19 Member) und somit größeren Einfluss auf die Wetterentwicklung auch über Südwestdeutschland nehmen würde. Der Hauptlauf lässt sich da eher CL 1, maximal CL 2 zuordnen, während z.B. der ICON-Hauptlauf von 00 UTC eher der Variante CL 3 entsprechen würde mit verbreiteteren Niederschlägen auch im Südwesten Deutschlands.
Die erweiterte Mittelfrist mit ihren 5 Clustern zeigt dann vor allem am übernächsten Wochenende ein ganzes Potpourri von Lösungsmöglichkeiten auf. Neben mehr oder weniger zyklonal Südwest (CL 1, 19 Member) und zyklonal Nordwest (CL 2 und 3, 12 bzw. 9 Member, wie gehabt, mit Trögen über Skandinavien und Osteuropa) gibt es auch Lösungen mit Trögen über West- und Mitteleuropa (CL 4 und 5, jeweils 7 und 4 Member).
Alles in Allem wohl eher unbeständig, aber nicht übermäßig niederschlagsintensiv auf einem überwiegend gemäßigten, der Jahreszeit entsprechenden Temperaturniveau. Einige Varianten hätten zwar kurze Hitzeeinschübe vor allem nach Südwestdeutschland zur Folge (siehe auch IFS-Hauptlauf zum übernächsten Wochenende), aber diese sind nicht nachhaltig und eine Hitzewelle ist weit und breit nicht in Sicht.
Die Rauchfahnen verschiedener, im Vorhersagegebiet verteilter Gitterpunkte bestätigen diese Aussage. Bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche verläuft die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der einzelnen ENS-Member in einem relativ engen Spread auf einem gemäßigten Temperaturniveau (4 bis 8 Grad für die norddeutschen Gitterpunkte, 7 bis 11 Grad in Süddeutschland) und mit einigen Niederschlagssignalen vor allem am Mittwoch, teilweise auch noch am Donnerstag. Am übernächsten Wochenende geht's dann bei breiter werdendem Spread bergauf mit der Temperatur, dabei gibt es aber nach wie vor Niederschlagssignale und die 20 Grad in 850 hPa zeigen nur wenige versprenkelte Einzelläufe.
FAZIT:
Der Sonntag und die kommende Woche dürften wettertechnisch ziemlich unspektakulär verlaufen mit angenehmen, im Norden vor allem an den Küsten sogar eher kühlen Temperaturen und nur wenigen Niederschlägen, hauptsächlich im Norden und Osten sowie anfangs auch an den Alpen.
Mit einem weit nach Westen ausgreifenden Randtrog kann es dann am Mittwoch/Nacht zu Donnerstag vielleicht auch im Südwesten etwas flächendeckendere Regenfälle geben, die Mengen bleiben allerdings sehr übersichtlich. Ab dem übernächsten Wochenende werden die Prognosen dann deutlich unsicherer. Ein kurzer Hitzeeinschub vor allem nach Südwestdeutschland ist zwar möglich, dieser wird aber im Falle des Falles nicht nachhaltig sein. Eine Hitzewelle ist somit erst einmal weit und breit nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen sind bis auf Weiteres kaum zu erwarten.
Am Sonntag kann es im Norden und Osten sowie an den Alpen zwar einzelne Gewitter geben, markante Begleiterscheinungen (kleinkörniger Hagel, Starkregen, stürmische Böen) sind aber eher die Ausnahme.
Etwas unsicher ist noch die Windentwicklung mit dem Bodentrog am Montag. Nach Lesart des IFS und des UK10 würde es entlang der vorpommerschen Küste vorübergehend für stürmische Böen aus Nord bis Nordost reichen, die anderen Modelle simulieren den Wind insgesamt schwächer.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





