Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 01.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von TrW (Trog Westeuropa) zu NWa (Nordwest antizyklonal.
Heute noch gebietsweise Gewitter und (Stark)Regen. Ab Donnerstag vor allem an den Küsten, am Freitag bis in nord- und ostdeutsche Binnenland ausgreifend windig bis stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... starten wir in das zweite Drittel eines bisher äußerst schlagzeilenträchtigen meteorologischen Sommers und tun das mit ordentlich Tamtam. Zu viel Tamtam, so die Ausführungen der soeben in den wohlverdienten Feierabend entlassenen Nachtdienste, die ´ne Menge konvektive Ballerei zu verwalten hatten. Gleich mehrere Multizellensysteme sind im Grunde seit gestern Nachmittag von Süd-Südwest in Richtung Nord-Nordost unterwegs, die sich in den mittleren Landesteilen inzwischen zu einem großräumigen Cluster vereinigt haben. Dieser weist am frühen Morgen zwar noch mehre Gewitterherde auf, präsentiert sich in Teilen aber schon ungewittrig, gleichwohl aber noch starkregenlastig. Von Süden folgen noch ein paar nicht zu vernachlässigende "Nachgeburten", von denen es vor allem das System aus der Schweiz bzw. dem Vorarlberg zu beachten gilt. Aber auch sonst hat der heutige 1. Juli noch ein paar konvektive Überraschungen parat, bevor sich für ein paar Tage eine Nordwestlage mit nach Norden hin durchaus frühherbstlichem Touch (Wind) einstellt.
Bevor wie darauf zu sprechen kommen, erstmal zur die Lage von heute. Prägendes Gebilde ist ein gut definierter, weil scharf geschnittener KW-Trog, dessen Achse gerade dabei ist, die westlichen Grenzen des Vorhersageraums zu übertreten. Bis zum Abend erreicht der Trog die Mitte des Landes, wobei er im Süden, genauer gesagt südlich der Alpen eine Abtropfung anstrebt. Wichtiger als das ist aber die Tatsache, dass die hebungsfreudige (PVA, weniger WLA) Vorderseite im Süden und Osten mit einer nicht überbordend labilen, aber sehr feuchten (PPWs bis 40 mm) Subtropikluft (xS) sowie der Kaltfront des flachen Tiefs YUNA über den Nordwesten Polens interagiert. Das erklärt die o.e. Gewittersysteme, die nun in den folgenden Stunden aber unterschiedliche Laufbahnen einschlagen. So schwächt sich der große Regenkuchen aus der Mitte (Blitze treten kaum noch auf) auf seinem Weg in Richtung Nord-Nordost alsbald ab, was vornehmlich der nachlassenden PVA zuzuschreiben ist. Wahrscheinlich tritt anfangs regional begrenzt noch nicht-elektrischer Starkregen auf, der bis zum Mittag aber ebenfalls immer schwächer wird.
Anders die Situation bei dem System, das sich gerade im äußersten Süden formiert respektive die Grenze überschritten hat und nun in den nächsten Stunden via Oberschwaben/bayerisch Schwaben und Ober- Richtung Niederbayern zieht. Hier bilden ein PVA-Maximum im Bereich der Trogspitze, Gegenstrom (bis etwa 600 hPa Nordwest, darüber Süd) sowie eine hochreichend gesättigte, in den Lapse-Rates gar nicht mal so steile Luftmasse einen harmonischen Dreiklang, der mit Hilfe von etwas Scherung der ungünstigen Tageszeit trotzt. Im Vordergrund steht dabei der Starkregen (nicht zwingend durchweg gewittrig), teils auch mehrstündig mit Unwettergefahr (> 25 l/m² innert kurzer Zeit bzw. 35 bis 60 l/m² innert weniger Stunden). Hagel (nicht allzu groß) kann ebenso nicht ausgeschlossen werden wie Böen 7-8 Bft, worst case 9 Bft.
Nachdem sich die gesamte Szenerie bis Mittag bzw. in der Mittagszeit etwas beruhigt hat, erfolgt am Nachmittag bis in den Abend hinein noch mal ein konvektives Aufflackern. Zwar ist die von Nordwesten einströmende Meeresluft (Tmax 19 bis 26°C) nicht mehr ganz so pitschefeucht wie die Luftmasse zuvor. Dafür nimmt im Trogbereich die Labilität etwas zu, so dass mit Hilfe des Tagesgangs ein paar Überentwicklungen gezündet werden können. Insbesondere im Norden (außer Nordosten) können einige hundert Joule pro Kilogramm CAPE aufgebaut werden, welches sich in Gewitter umwandeln lässt. Aber auch die östliche Mitte sowie der äußersten Süden stehen im Fokus, wobei wir hier über pulsierende Einzelzellen der Marke "markant" reden: Starkregen, Hagel und Böen bis 8 Bft. Das Damoklesschwert "Unwetter" schwebt aber auch bei diesen Zellen über uns, weil 25 l/m² eben mal relativ schnell erreicht bzw. überschritten werden können.
Am trockensten und sonnigsten und wärmsten (25 bis 29°C) wird es heute im breiten Westen inkl. der westlichen Mitte, wo hinter der Trogachse nicht nur eine ganz andere Luftmasse Fuß fasst (PPWs teils unter 20 mm). Es macht sich zudem ein Keil des nach Osten verschobenen Azorenhochs bemerkbar (Gott zum Gruße IMMANUELL), der die Abtrocknung der Luftmasse forciert und zudem bei etwa 700 hPa eine Sperrschicht einzieht.
In der Nacht zum Donnerstag tropft der Trog über Oberitalien ab, während sich gleichzeitig das nördliche Residuum in Richtung Polen, Tschechien und Österreich verabschiedet. Rückseitig steigt das Potenzial zwar an, so ein richtiger Rücken will uns aber nicht beehren. Vielmehr stellt sich eine antizyklonal konturierte west-nordwestliche Höhenströmung ein, die im Norden von WLA überlaufen wird. Absender ist das Tief ZOE, ein kleiner 1005+X-hPa-Wirbel, der - angetrieben von der über dem mittleren Nordatlantik durchaus gut formierten Frontalzone - Schottland von den Hebriden her in Richtung Südrand Norwegische See überquert. Das zugehörige okkludierende Frontensystem nähert sich von Nordwesten her, wird Deutschland aber noch nicht erreichen. Nichtsdestotrotz nimmt die mehrschichtige Bewölkung über und an der Nordsee sowie im Grenzbereich zu Benelux bis zum Morgen zu und vielleicht fallen zwischen Sylt und Borkum bei aufbrisendem Südwestwind schon die ersten Tropfen.
Ansonsten lässt sich konstatieren, dass sich mit Abzug des Troges sowie dem Tagesgang die Szenerie bereits im Laufe der ersten Nachthälfte beruhigt. Am längsten regnet es noch am Alpenrand sowie im südöstlichen Bayern, allerdings mit abnehmenden und aus Warnperspektive unkritischen Raten. Darüber hinaus weitet sich der Hochkeil unter Kräftigung nach Osten aus, was eine weitere Abtrocknung und großräumige Rückbildung respektive Auflösung der Bewölkung zur Folge hat. Etwas weniger umständlich könnte man auch formulieren, dass es vielerorts aufklart (=> flache Nebelfelder), was insofern eine gute Nachricht ist, als dass es mal wieder anständig abkühlt. 16 bis 10°C Minimum sind die realistischen Zielvorgaben, in einigen Mittelgebirgssenken und -tälern sogar einstellig. Lediglich direkt an der See bleibt es stellenweise etwas milder. Also los Freunde, Türen und Fenster sperrangelweit auf und Luft austauschen.
Donnerstag... macht sich der nächste Trog auf den Weg zu uns, der aber merklich flacher konfiguriert ist als sein Vorgänger. Tief ZOE steuert die norwegische Westküste unweit von Svinöy an, um am Nachmittag Landgang mit Zellsplitting zu machen. Während der eine Kern küstennah nordostwärts zieht und das Interesse an Deutschland gänzlich verliert, steuert das südliche Druckminimum den Oslofjord an (Freitag 00 UTC). Von ihm wird auch am Freitag noch die Rede sein, doch eins nach dem anderen.
Da rückt am morgigen Donnerstag zunächst mal das okkludierende Frontensystem in den Blickpunkt, das ganz uncharmant von der Nordsee und Benelux her übergreift und vor allem den Norden und Nordwesten, am Nachmittag dann etwas abgeschwächt auch Teile von NRW, Hessen und RP mit stratiformen Regenfällen leichter Intensität versorgt (Tagessumme meist unter 5 l/m²). Mit Ankunft des Potenzialtrogs sowie der Okklusion etwa gegen Mittag nimmt die Labilität im Norden und Nordwesten etwas zu, was aus skaligem Regen Schauer und vielleicht sogar einzelne Gewitter macht. Viel CAPE steht allerdings nicht zur Verfügung, dafür ist die frische einfließende subpolare Meeresluft (mPs; Rückgang T850 auf Werte um 8°C) sehr gut geschert. Kurzum, wenn Gewitter, dann mit kleinem Hagel und Böen bis 8 Bft, die aber auch in Schauern auftreten können. Ohnehin muss man notieren, dass der Wind morgen rein aus dem Gradienten angetrieben erst an der Nord-, später dann auch etwas schwächer an der Ostsee inkl. dem küstennahen Binnenland sowie in weiten Teilen SHs spürbar auffrischt. Dabei stehen Böen 7 bis 8 Bft, zum Abend hin an der Nordsee mit Drehung von SW-W auf NW auch einzelne Sturmböen 9 Bft auf der Karte, während an der Ostsee (SW-W-Wind) bei vereinzelten "8ern" Schluss ist. Dass auch der Harzer Brocken (nicht zu verwechseln mit dem Harten Brocken, einer Krimiserie aus Sankt Andreasberg) mit stürmischen Böen 8 Bft aufwartet, überrascht nicht wirklich.
Je weiter wir in den Süden des Landes gehen, desto antizyklonaler das Geschehen. Trog zu flach (sogar Ansätze von einem Höhenkeil sind erkennbar), dazu Fortbestand des Azorenhochkeils. Das reicht, um bis in die östliche Mitte einen locker bewölkten bis sonnigen und trockenen 2.Juli zu garantieren. Warm wird´s auch mit 24 bis 29°C (am Oberrhein sowie im Rhein-Neckar-Raum lokal 30°C nicht ausgeschlossen). Nur ganz im Norden und Nordwesten muss/darf man sich mit 20 bis 24°C begnügen.
In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog ost-südostwärts über den Norden und die Mitte hinweg. Vorgeschaltet die teilokkludierte Kaltfront, die mit ganz leichtem Regen bis nach Süddeutschland vorankommt und dort für kurze Zeit den guten IMMANUEL etwas piesackt. Rückseitig strömt subpolare Meeresluft ein, in der T850 auf 10°C an der Grenze zu CH/A und 5°C fast in der gesamten Nordhälfte zurückgeht. Derweil steuert das zugehörige Tief südschwedisches Festland an und sorgt an der See für eine sehr windige bis stürmische Nacht. Vor allem in Nachthälfte zwo, wenn der Keil im SW wieder zulegt (Druckanstieg ca. 6 hPa) und der Gradient im Norden anzieht, muss an Nord- und Ostsee neben vereinzelten Schauern/Gewittern vermehrt mit Böen 8-9 Bft aus West bis Nordwest gerechnet werden.
Auf thermischer Seite kommen wieder erfreuliche Nachrichten aus dem Ticker, kühlt es doch in weiten Teilen auf 15 bis 9°C ab. Milder bleibt es lediglich unter der frontalen Bewölkung in Süddeutschland sowie in unmittelbarere Nähe der inzwischen schon hochdekorierten Nord- und Ostsee.
Freitag... wird´s ein Stück weit frühherbstlich in Teilen Norddeutschlands. Vor allem der West-Nordwestwind legt für sommerliche Verhältnisse ´ne flotte Sohle aufs Parkett - nicht nur an der Küste nebst küstennahem Binnenland, wo Böen 8-9 Bft auf dem Zettel stehen. Bis weit ins nord- und ostdeutsche Binnenland wird der Wind deutlich spürbar sein mit Spitzen 7-8 Bft. Kein Wunder, wenn unser Freund IMMANUEL am Oberrhein rund 1026 hPa aufs Barometer bringt, während die in Richtung Gotland und später zum Baltikum abdriftende ZOE zur Mittagszeit in Vorpommern rund 1015 hPa generiert.
Der o.e. Trog verlagert sich zum östlichen Mitteleuropa, was hier eine im Norden und Osten zyklonale, sonst eher indifferente nordwestliche Höhenströmung zur Folge hat. Weiterhin bestimmt subpolare, im Süden und Südwesten antizyklonal modifizierte Meeresluft das Geschehen, was im Norden und Osten bei wechselnder Bewölkung und maximal 19 bis 24°C vereinzelte Schauer, häufig aber auch trockene Verhältnisse zur Folge hat. Sonniger und wärmer mit bis zu 27°C geht es im Süden und Südwesten zu mit einer Ausnahme. Im Grenzbereich zur Schweiz, im südlichen Alpenvorland sowie direkt an den Alpen machen sich die Reste der Kaltfront sowie Staueffekte mit dichter Bewölkung, teils andauernden Regenfällen und niedrigeren Temperaturen bemerkbar.
Die Nacht zum Samstag im Telegramm: Ausweitung des Bodenhochkeils, leichte Potenzialgewinn in der Höhe => langsam abnehmender Wind im NO, Ostsee bis zum Morgen noch stürmisch. Teils wolkig, teils klar, 14 bis 7°C (Mittelgebirge am kühlsten), Küste milder.
Modellvergleich und -einschätzung
Im Großen und Ganzen simulieren die Modelle ähnlich. Heute noch mal ´ne Hucke konvektives Nowcasting, danach skalige Windprophylaxe.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 01.07.2026 um 10.30 UTC
Im Norden und Osten zumeist wechselhaft, windig und nur mäßig warm, im Südwesten meist freundlich und warm bis sehr warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 08.07.2026
Die gute Nachricht vorweg: Eine Hitzewelle, wie sie medial schon wieder von einigen Seiten ausgerufen wurde, ist zumindest bis Mitte kommender Woche erst einmal nicht in Sicht. Und überhaupt lässt sich konstatieren, dass über den gesamten Mittelfristzeitraum hinweg relativ unspektakuläres Wetter ins Haus steht mit einem zeitweise herbstlichen Touch an den Küsten (Kombi aus Regenschauern und stürmischen Böen bei kaum 20 Grad) und zumeist angenehm temperierten Sommerwetter im Südwesten.
Doch nun zur Entwicklung im Detail:
Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Samstag, kommt es über dem Nordmeer bzw. der Norwegischen See, in der Nacht zum Sonntag dann über Skandinavien von Nordwesten her zu einem recht markanten Trogvorstoß. Damit einhergehend, entwickelt sich ein kleinräumiges Sturmtief und schlägt in der Nacht zum Sonntag über dem Seegebiet knapp nordwestlich der Haltenbank auf. Dem Trog steht ein breiter Höhenrücken über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik gegenüber. Daraus resultiert eine nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet, die mit Durchschwenken eines flachen Rückens landesweit zunächst antizyklonal konturiert ist.
Der Rücken stützt ein kräftiges Hochdruckgebiet südwestlich der Britischen Inseln, von dem ausgehend ein breiter Keil bis nach Mitteleuropa reicht. Mit Annäherung des Frontensystems des oben genannten Tiefs über der Norwegischen See wird dieser von Nordwesten langsam abgebaut und zum Nachmittag/Abend hin streift die Warmfront des Tiefs den Norden und Nordosten des Landes mit dichteren Wolkenfeldern, aus denen aber kaum nennenswerter Regen fällt. Die Kaltfront erreicht ausgangs der Nacht zum Sonntag die Küstenregionen. Ansonsten steht am Samstag ein freundlicher Tag ins Haus mit viel Sonnenschein vor allem im Westen und Süden und insbesondere dort auch sommerlichen Temperaturen zwischen 24 und 29, am Rhein vielleicht 30 Grad, während im Norden und Osten nur 20 bis 24 Grad erreicht werden.
Am Sonntag und Montag nistet sich das Drehzentrum des Höhentroges (nach IFS als Dipol) über dem mittleren Skandinavien quasi ein. An dessen Südwestflanke werden innerhalb der recht kräftigen nordwestlichen Höhenströmung Randtröge bzw. kurzwellige Troganteile südostwärts geführt, die vor allem auch den Norden und Osten Deutschlands überqueren. Das gesamte Muster ist nun auch über dem Vorhersagegebiet deutlich zyklonaler aufgestellt, der Höhenrücken über Südwesteuropa wird nach Süden abgedrängt, allerdings nachfolgend wieder über dem Ostatlantik regeneriert, was zu einem leichten Aufsteilen der Strömung über dem Vorhersagegebiet führt.
Das umfangreiche Bodenhoch bleibt mit seinem Schwerpunkt südwestlich der Britischen Inseln liegen, der nach Mitteleuropa gerichtete Keil schwächt sich aber weiter ab und beeinflusst lediglich noch den Südwesten und äußersten Süden des Vorhersagegebietes. Dort scheint auch am Sonntag und Montag häufig die Sonne und es bleibt sommerlich warm, ob es in den wärmebegünstigten Regionen im Oberrheingraben und in Südbaden an beiden Tagen für 30 Grad reicht, ist aber noch fraglich.
Im Rest des Landes stellt sich dagegen eher wechselhaftes Wetter ein; vor allem im Norden und Osten bis zu den zentralen bzw. östlichen Mittelgebirgen kann es mit den durchschwenkenden Randtrögen immer wieder kurze Schauer geben, vielleicht ist auch mal ein Gewitter dabei, dazu weht lebhafter westlicher bis nordwestlicher Wind mit steifen bis stürmischen Böen an den Küsten. Die maritime Polarluft wird allerdings nicht direkt vom Nordmeer zu uns geführt, sondern in einem recht weiten Bogen über GB und der Nordsee und kommt somit nicht allzu kalt daher (T850 hPa im Norden und Osten meist 6 bis 10 Grad, im Süden und Westen 10 bis 14 Grad). Somit reicht es auch in der Nordosthälfte meist noch für Temperaturen zwischen 20 und 24 Grad, lediglich an den Küsten bleibt es etwas frischer.
Am Dienstag verlagert sich nach Lesart des IFS ein scharfer Randtrog über Südskandinavien und die westliche Ostsee hinweg südostwärts nach Polen, während der Höhenrücken über dem Ostatlantik allmählich Richtung Britische Inseln vorankommt und sich bis ins Nordmeer aufwölbt. Dadurch stellt sich über Deutschland eine kräftige und zunächst noch zyklonal konturierte, später glatte nordnordwestliche Höhenströmung ein.
Im Bodenfeld wird nun auch der nach Südwestdeutschland reichende Hochkeil abgebaut, während sich das Hochdruckgebiet westlich der Britischen Inseln wieder verstärkt. Damit wird der Weg frei für eine Kaltfront, die bis zur Nacht zum Mittwoch das gesamte Vorhersagegebiet südwärts überqueren kann. Der aktuelle IFS-Lauf simuliert entsprechend verbreitet schauerartige Niederschläge, die sich ab Dienstagabend vorübergehend an den Alpen stauen und dort eventuell sogar warnrelevante Mengen bringen könnten. Ansonsten fallen die Mengen - abgesehen von den Nordrändern einiger Mittelgebirge - nicht sonderlich üppig aus. Mit an den Küsten teils stürmischem Nordwestwind (Berge: Sturmböen) gelangt die Polarluft nun auf direkterem Wege vom Nordmeer zu uns, in der Nacht zum Mittwoch sinken die 850 hPa-Temperaturen auf 3 bis 8 Grad, mit den höheren Werten ganz im Westen und Südwesten. Tagsüber bleibt es im Südwesten aber noch recht warm, während im Norden und Osten nach diesem Szenario die 20 Grad nicht mehr drin sein dürften.
Am Mittwoch und an den Folgetagen schwenkt der breite Höhenrücken langsam Richtung Mitteleuropa und Südskandinavien, bleibt aber mit seiner Achse erstmal noch knapp westlich von uns, so dass sich eine schwache, antizyklonale nordnordwestliche Höhenströmung einstellt.
Das Bodenhoch westlich der Britischen Inseln weitet sich als Hochdruckzone über Mitteleuropa nach Osten aus und durch Absinken kann sich die Luftmasse auch über dem Vorhersagegebiet wieder langsam erwärmen.
An der Nordflanke der Hochdruckzone bleibt es im Norden und Osten Deutschlands noch leicht unbeständig mit Wolkenfeldern, aber kaum nennenswerten Niederschlägen, während sich sonst ruhiges Hochdruckwetter einstellt mit ab Donnerstag auch wieder meist sommerlichen Temperaturen. Für 30 Grad und mehr reicht es dann aber allerhöchstens im Südwesten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die letzten IFS-Läufe erweisen sich im Großen und Ganzen als konsistent. Alle zeigen die teils antizyklonale, ab Sonntag vorübergehend eher zyklonal konturierte Nordwestlage. Lediglich bzgl. der Abfolge kleinerer Randtröge und vor allem bzgl. deren Geometrie ergeben sich vor allem ab Beginn kommender Woche Differenzen. Der aktuelle Lauf hat für den Dienstag eine deutlich zyklonalere Variante auf der Agenda als vor allem der gestrige 00 UTC-Lauf, während der gestrige 12 UTC-Lauf an dem Tag zwei Trogpassagen etwas weiter östlich simuliert.
Das hat Einfluss auf die Niederschlags- und Temperaturprognosen, am Dienstag und Mittwoch noch mehr als an den Vortagen.
In der erweiterten Mittelfrist sind dann alle Läufe wieder antizyklonaler aufgestellt und zeigen den breiten Höhenrücken, der sich allmählich dem Vorhersagegebiet annähert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Was für die einzelnen IFS-Läufe gilt, lässt sich ähnlich auch für die Lösungen der externen Globalmodelle konstatieren: Das Grundmuster ist sehr ähnlich, alle tendieren zu einer meist antizyklonal, vorübergehend aber zyklonal konturierten Nordwestlage. Unterschiede ergeben sich bzgl. der raumzeitlichen Abfolge der oft kurzwelligen Randtröge und der Ausprägung der Zyklonalität. Diese kommen vor allem am Dienstag zum Tragen, wobei das GFS eine ähnlich markante Trogpassage wie das IFS auf der Agenda hat, während ICON und GEM teils deutlich antizyklonaler aufgestellt sind.
Bei Betrachtung der erweiterten Mittelfrist fällt auf, dass vor allem GFS den Höhenrücken etwas progressiver simuliert als IFS und GEM. Damit könnte an dessen Westflanke ab Freitag kommender Woche bzw. zum übernächsten Wochenende wieder heiße Luft zumindest nach West- und Südwestdeutschland vordringen mit Maxima über 35 Grad (aber vorerst keiner extremen Hitze). IFS ist diesbezüglich defensiver aufgestellt mit zwar fast landesweit hochsommerlichen Temperaturen ab Ende kommender Woche, aber auch im Südwesten werden die 35 Grad nach Lesart des Modells zunächst noch nicht erreicht.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse zeigt eingangs der Mittelfrist am Wochenende (T+72 bis 96 Stunden) drei Cluster, die allesamt ein hochreichendes Blockadehoch südwestlich der Britischen Inseln und auch ein ausgeprägtes Bodenhoch samt nach Mitteleuropa gerichteten Keil auf der Agenda haben (Großwetterlagenregime: "Blocking" bzw. besser "Atlantic Ridge"). Die gezeigten Unterschiede betreffen eher die Trogentwicklung über dem Nordmeer und Skandinavien und sind für uns prognosetechnisch nicht von Relevanz.
Ähnlich geht es im nächstfolgenden Zeitraum zu Beginn kommender Woche (T+120 bis 168 Stunden) weiter. Alle vier Cluster simulieren den Trogvorstoß nach Skandinavien und einen kräftigen breiten Rücken über dem nahen Ostatlantik (Großwetterlagenregime nach wie vor "Atlantic Ridge"). Die Unterschiede manifestieren sich in der Einflussnahme des Troges auf die Wetterentwicklung in Mitteleuropa. CL 1 und 2 (jeweils 17 und 15 Member) haben eine zumindest für den Süden und Westen des Vorhersagegebietes eher antizyklonale Variante auf der Agenda, während CL 3 und vor allem CL 4 (10 bzw. 9 Member, Kontrolllauf in CL 4), ähnlich wie der Hauptlauf, zyklonaler aufgestellt sind.
In der erweiterten Mittelfrist gehen die ENS-Läufe vor allem Richtung übernächstes Wochenende offensichtlich deutlich auseinander. Vier Cluster bieten Lösungen von West antizyklonal bis hin zu Tief Mitteleuropa, wobei das Blockadehoch über dem Atlantik wohl erhalten bleibt, sich aber vor allem nach CL 1 bis 3 verstärkt wieder ein Blocking über Nordosteuropa aufbaut. Vor allem CL 3 sticht ins Auge mit eben der Lösung Tief Mitteleuropa, was ergiebige Niederschläge im Vorhersagegebiet zur Folge haben könnte, während die anderen Cluster insgesamt eher antizyklonal daherkommen. CL 2 und 4 könnten auch durchaus wieder temperaturtechnisch "heiße" Lösungen im Gepäck haben, wobei der für extreme Hitze klassische Rücken über Südwest- und Mittteleuropa nicht auftaucht.
Die Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der ENS-Member in den Rauchfahnen einzelner im Vorhersagegebiet verteilter Gitterpunkte läuft bis zu Beginn kommender Woche in einem relativ engen Spread, wobei sich der Median für die Gitterpunkte in Norddeutschland meist im Bereich zwischen 6 und 9 Grad befindet, im Süden/Südwesten dagegen auf höherem Temperaturniveau zwischen etwa 12 und 16 Grad mit insgesamt nur wenigen Ausreißern.
Danach, also ab Dienstag, wird der Spread deutlich größer. Die "kalten" Lösungen mit einer ausgeprägten Trogpassage sinken im Norden und Osten auf unter 5 Grad, aber auch im Südwesten gibt es einige Lösungen, die sich um die 5 Grad bündeln. Danach würde es sogar am Oberrhein nicht einmal mehr für einen Sommertag am Di/Mi reichen. Allerdings gibt es vor allem dort aber auch warme Lösungen mit mehr als 15 Grad selbst am Dienstag.
Nach Wochenmitte geht es bei nach wie vor breitem Spread wieder etwas bergauf mit den Temperaturen, die heißesten Lösungen gehen aber lediglich im äußersten Westen, im Südwesten und im Alpenvorland auf 20 Grad oder knapp darüber.
Niederschlagssignale sind generell rar gesät, lediglich am Dienstag/Mittwoch tauchen vermehrt auch stärkere auf, was wohl der vereinzelt angebotenen Modellösung "Tief Mitteleuropa" geschuldet ist.
FAZIT:
Nach der Hitze und den teils schweren Gewittern der vergangenen Tage steht zur Mittelfrist erst einmal ziemlich unspektakuläres Wetter auf der Agenda. In der Südwesthälfte dominiert zumeist freundliches Sommerwetter ohne starke oder gar extreme Hitze, im Norden und Osten ist es eher wechselhaft und nur mäßig warm bis warm, an den Küsten durchaus auch garniert mit einem herbstlichen Touch.
Die vom IFS-Hauptlauf apostrophierte markante Trogpassage am Dienstag steht noch auf sehr wackligen Füßen, könnte aber kurzzeitig sogar aus dem Südwesten die sommerliche Wärme vertreiben.
Die beste Nachricht: Eine Hitzewelle ist vorerst nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen sind über den gesamten Mittelfristzeitraum kaum zu erwarten.
Am ehesten kommen noch stürmische Böen aus West bis Nordwest in Frage, die es - je nach Ausprägung und Abfolge der Trogpasssagen - von Sonntag bis Dienstag vor allem an den Küsten zeitweise geben kann, auf exponierten Gipfeln sind am Dienstag auch Sturmböen möglich.
Auch kurze Gewitter kann es vor allem im Norden und Osten ab und zu mal geben, diese genügen aber kaum markanten Warnkriterien.
Die warnrelevanten Dauerniederschläge, die IFS in der Nacht zum Mittwoch für den Alpenraum simuliert, sind mehr oder weniger eine Ausreißerlösung.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





