Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 02.08.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag... befindet sich ein hochreichendes Tief über dem Nordmeer, während über dem Süden Europas hohes Geopotential zu finden ist. Damit befinden wir uns in einer nicht allzu starken westlichen bis südwestlichen Höhenströmung. Diese ist ganz im Norden generell leicht zyklonal konturiert, über die Mitte des Landes läuft heute ein flacher Kurzwellentrog ostwärts. Dieser entfacht aber keine Wetteraktivität, sondern macht sich nur mit einigen mittelhohen Wolkenfeldern bemerkbar, die über die Mitte des Landes hinweg ostwärts ziehen.

Bodennah wird das Wetter von einem flachen Hoch dominiert, dessen Schwerpunkt über dem Nordosten des Landes und der Nordsee liegt. Damit ist der Wind im Norden generell recht schwach, während er in der Südwesthälfte tagsüber mäßig auflebt.

Die Temperaturen weisen einen erheblichen Gradient über Deutschland auf. Ganz im Norden liegen wir in 850 hPa nur bei etwa 6°C (xP-Luftmasse), während es an den Alpen am Mittag etwa 18°C (xS-Luftmasse) sind. Eine markante Front ist aber nicht auszumachen. Dabei ist die Luftmasse in den meisten Landesteilen recht trocken, verbreitet werden heute Nachmittag Taupunkt zwischen 7 und 13 Grad erwartet. Zudem hat sich eine teils markante Absinkinversion meist zwischen 800 und 700 hPa gebildet, so dass heute die Gewitter Pause haben. Lediglich unterhalb der Inversion kann sich oftmals lockere, vorübergehend und regional aber auch mal stärkere Quellbewölkung bilden.

Eine Ausnahme stellt der äußerste Süden dar. Dort ist die feuchte Luft noch nicht ausgeräumt und bei Taupunkten um 17°C und Grenzschichtfeuchten um 12 g/kg kann sich insbesondere an den Alpen auch nennenswertes CAPE über 1000 J/kg aufbauen. Der Plan ist, dass sich über den Alpen schnell Quellbewölkung bildet, aus der sich am Nachmittag einige Gewitter bilden, die sich vornehmlich auf den Alpenraum beschränken oder maximal ins südliche Vorland (vor allem östlich des Inns) ziehen. Dort ist die Scherung gering, auch die Zuggeschwindigkeiten sollten meist nur um 10 km/h liegen, so dass in der feuchte Luftmasse (ppw's über 30 l/qm) vor allem Starkregenbomben entstehen. Diesbezüglich können auch einige unwetterartige Entwicklungen um 40 l/qm in kurzer Zeit auch nicht ausgeschlossen werden. Ansonsten sollte sich die Begleiterscheinungen auf Böen bis Sturmstärke und kleinkörnigen Hagel beschränken.

Die Höchsttemperaturen weisen heute eine große Spanne auf, zwischen 23°C im Norden (in Seenähe noch etwas weniger) und 32°C im Süden, am südlichen Oberrhein bis 34°C.

In der Nacht zum Montag nähert sich vom Atlantik ein langwelliger Trog der Biskaya. Damit steilt bei uns die Strömung etwas auf Südwest auf und wird vorübergehend antizyklonal. Das Bodenhoch zieht sich etwas nach Nordosten zurück, während über Frankreich der Druck fällt. Landesweit weht damit der Wind schwach um Ost. In 850 hPa haben wir dagegen eine schwache Südströmung, mit der heiße und feuchte Luft wieder deutlich nach Norden vorankommt.

Die Konvektion an den Alpen sollte in den Abendstunden rasch zusammenfallen. Auch in der sich wieder nach Norden ausweitenden feuchte und sehr warmen Luft sollte es in der Nacht keine konvektiven Umlagerungen geben, da keine nennenswerten Hebungsantriebe auszumachen sind und die Luftmasse auch zunächst gedeckelt ist. Allerdings sollen mit der südwestlichen Höhenströmung einige mittelhohe und hohe Wolkenfelder übers Land ziehen, im Nordwesten mehr als im Südosten.

In der Nordosthälfte darf man sich noch einmal auf eine recht kühle Nacht mit Tiefstwerten zwischen 14 und 10°C freuen, in der Südwesthälfte werden es dagegen meist laue 19 bis 15°C.

Montag... verlagert sich der atlantische Trog weiter ostwärts und erreicht die Biskayaküste Frankreichs, wobei sich über dem Baskenland allmählich ein Höhentief abschnürt. Bei uns kommt die Strömung weiterhin aus Südwest und ist noch leichte antizyklonal konturiert, wobei ein leichtes Flattern der Strömung wahrscheinlich ist. Mit weiterhin südlichen Winden in 850 hPa kommt die feuchte und heiße Luft weiter nach Norden voran. Bis zum Abend soll die 20°C-Isotherme in 850 hPa die nördlichen Mittelgebirge erreichen, über dem Süden sind es dann allgemein 22 bis 24°C. Ganz im Norden bleibt es noch bei moderaten 12°C.

Dort hält sich auch noch eine trockene Luftmasse, die zudem noch recht stabil geschichtet ist, so dass sich nördlich einer Linie Emsland-Oderbruch ruhiges Wetter einstellt. Südlich davon weitet sich dagegen feuchtere Luft aus mit Taupunkten meist zwischen 13 und 18°C, Grenzschichtfeuchten von meist 9 bis 13 g/kg und ppw's zwischen 30 und 40 l/qm. Dabei soll sich insbesondere im Bereich der nördlichen Mitte eine Schliere sehr feuchter Luft bilden. Dies hängt wohl damit zusammen, dass über der Südwesthälfte Deutschlands der Wind eher auf Süd drehen soll, während er im Norden, am Rande des sich weiter zurückziehenden und abschwächenden Hochs, weiter aus Ost kommt. Damit kommt es in der beschriebenen Region zu Feuchteflusskonvergenz.

Das Tief im Westen wandert tagsüber langsam Richtung Nordfrankreich und England.

In der feuchten Luftmasse sollen tagsüber meist zwischen 500 und 1000 J/kg CAPE aufgebaut werden, in der Feuchteschliere auch bis 1500 J/kg. Diese sind mitunter noch etwas gedeckelt, der Deckel sollte sich aber tagsüber allmählich abschwächen. Ganz im Südosten ist die Luftmasse etwas trockener, dort liegen die Wolkenbasen über 3000 m, dort sollten sich keine Gewitter bilden. In den übrigen Regionen ist die Prognose schwierig, was an fehlenden deutlichen Hebungsantreiben liegt. Das bestätigen auch die konvektionserlaubenden Modelle. Insbesondere ICON-D2 ist sehr zurückhaltend, SuperHD und Arome sind etwas offensiver. Innerhalb der Schliere sind alle Modelle noch etwas zurückhaltend, weil dort wohl der Deckel stärker ist. Recht wahrscheinlich ist dagegen, dass am späteren Nachmittag und Abend im Westen (Rheinland-Pfalz, NRW) von Gewitter betroffen sein wird. In den übrigen Regionen (Südwesten über Mitte bis Osten) besteht dagegen sehr große Unsicherheit bezüglich etwaiger Gewitter. Klar ist aber: Wo Gewitter entstehen wird es schnell heftig. In der Mitte ist die hochreichende Scherung durchaus bis 15 m/s vorhanden, dort kann es auch einzelne Superzellen mit größerem Hagel und orkanartigen Böen geben. Auch im Süden kann es bei nennenswertem D-CAPE, aber schwächerer Scherung orkanartige Böen geben. Starkregen steht bei der Luftmasse sowieso auf der Agenda und kann bei recht langsamen Zuggeschwindigkeiten um 15 km/h auch schnell ein Unwetterkriterium erreichen. Signale seitens ICON-D2 sind mangels Auslöse kaum zu sehen, allerdings immerhin am Abend im Westen.

Dort könnte sich am Abend und in der Nacht auch durchaus ein Cluster bilden und nordostwärts ziehen, aber nichts Genaues weiß man (noch) nicht. Ansonsten sollten sich weniger organisierte Gewitter in der Nacht eher wieder auflösen, da die Strömung antizyklonal bleibt. Das oben erwähnte Höhentief (nur in 300 hPa zu sehen) zieht nämlich nur langsam nördlich der Pyrenäen ostwärts und das nördliche Residuum ist sehr schwach und kommt ebenfalls nur langsam voran.

Ansonsten sollen in der Nacht vor allem im Nordwesten viele Wolkenfelder über den Himmel ziehen, während es über dem Südosten oftmals klar bleibt.

Tagsüber steigen die Temperaturen meist auf 30 bis 36°C, im Südwesten auch bis 38°C, im Norden meist auf 26 bis 30°C. In der Nacht ist dann dagegen nur wenig Abkühlung zu erwarten. Vielfach liegen die Tiefstwerte dann zwischen 22°C in den westlichen Großstädten und 17°C. Etwas kühle, bis etwa 15°C kann es noch im Nordosten und örtlich im Alpenvorland abkühlen.

Dienstag... zieht das Höhentief weiter in Richtung Seealpen. Bei uns bleibt dagegen die Höhenströmung weiterhin leicht antizyklonal südwestlich, wobei die Strömung in 500 hPa weniger antizyklonal geprägt ist als in 300 hPa. Zudem kann die Strömung leicht flattern, so dass kleine Kurzwellentröge, die Gewittercluster/MCS nordostwärts steuern, durchaus möglich erscheinen. Bodennah schwächt sich unser Hoch, jetzt über dem Osten Europas, weiter ab und ein nach Schottland ziehendes Tief bestimmt das Wetter. Der Wind dreht in der Folge von Südwesten her immer mehr in Richtung Südwest, später teils sogar West. Lediglich ganz im Norden können noch östliche Windkomponenten verbleiben, so dass im Norden auch eine sehr schwache Rinne bzw. eine Feuchteflusskonvergenz zu liegen kommen kann.

Dies spiegelt sich auch darin wider, dass die feuchteste Luft im Norden, vor allem im Nordosten erwartet wird. Dort sollen die Grenzschichtfeuchten bis 15 g/kg steigen und die ppw's auf 45 l/qm. Deutlich trockener ist es dagegen im Süden mit Grenzschichtfeuchten um 10 g/kg und ppw's zwischen 30 und 35 l/qm. Meist soll sich CAPE zwischen 500 und 1000 J/kg aufbauen, im Nordosten auch bis zu 2000 J/kg, das aber dort stärker gedeckelt sein soll.

Da derzeit nicht genau zu sehen ist, ob sich irgendwo stärkere Hebungsgebiete ausbilden können, was ja auch von der ebenso unsicheren Vorgeschichte abhängt, machte eine genauere Diagnose der Gewitterlage kaum Sinn. Richtung Südosten dürfte sich bei Untergrenzen um 3000 m wieder ein Minimum einstellen, ansonsten besteht überall Gewitterpotential. Auch wenn stärkere Scherung nur ganz im Norden zu finden ist, können nirgends Superzellen ganz ausgeschlossen werden und bei der feuchtheißen Luftmasse kann es bezüglich aller Parameter in den Unwetterbereich gehen. Dies gilt insbesondere für den Starkregen, der im Norden von den hohen ppw's getriggert wird, im Süden eher von den sehr langsam Zuggeschwindigkeiten.

Thermisch wird der Tag ein Fest für Tropenfans: Am Mittag werden abgesehen vom äußersten Norden und Westen über dem ganzen Land 18 bis 22°C in 850 hPa erwartet, an den Alpen sogar bis 24°C. Am Nachmittag sickert dann in den Westen wieder etwas weniger heiße Luft ein. Abgesehen vom äußersten Norden und Nordosten werden dann über 30° erreicht, südöstlich einer Linie Pfalz-Berlin auch oftmals über 35°C mit Spitzen von wahrscheinlich 38 oder 39°C (MOS erscheint etwas zögerlich) im Raum Kraichgau-Mainfranken-Oberpfalz. Unmittelbar an der See werden es wohl teils nur um 25°C.

In der Nacht zum Dienstag zieht das Höhentief zum Golf von Genua und bei uns wird die Höhenströmung etwas zyklonaler. Damit verbunden sickert von Westen allmählich etwas weniger heiße Luft ins Land, ob damit auch eine deutliche Kaltfront mit einem markanten Temperaturrückgang und einer Gewitterlinie verbunden sein wird, wird sich zeigen, aber zumindest im Nordwesten und Norden ist dies angedeutet. Dort ist von ICON auch ein Bodentrog mit Windsprung simuliert. Auf jeden Fall besteht vor allem im Nordwesten und Norden das Potential für organisierte Gewitter, aber auch in den übrigen Regionen kann es Gewitter geben. Nur der Südosten bleibt wahrscheinlich weiterhin außen vor.

Die Tiefstwerte liegen landesweit zwischen 22 und 17°C, wobei dieses Mal das Potential für Tropennächte eher Richtung Brandenburg am höchsten ist.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Felder**

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. **