Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 30.03.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrM

Heute windiges, im exponierten Bergland teils stürmisches Aprilwetter mit reger Schauertätigkeit, teils auch mit Graupelgewitter. Am Dienstag abschwächend und zum Mittwoch besonders im Norden zunehmender Hochdruckeinfluss. Alpen kräftige Schneefälle und in den Nächten erst nachlassende, im Verlauf der Kurzfrist wieder verschärfende Frostgefahr.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag... beginnt die Woche mit einem ausgeprägten Trog über Mitteleuropa, der im Verlauf der Kurzfrist über Italien abtropft und dort mit einem weiteren Trog interagiert, der auf ungewöhnlich südlicher Bahn (bis unter 10 Grad Nord) weite Bereiche Nordwestafrikas beeinflusst. Somit endet die Kurzfrist am Mittwoch mit einem umfangreichen Höhentief über dem zentralen Mittelmeer, das von hohem Geopotenzial flankiert wird und uns wieder ruhigeres Wetter beschert.

Heute tagsüber sorgen der Höhentrog mit Temperaturwerten in H5 von bis zu -35 Grad und eine durchmischte maritime Polarluft für ein abwechslungsreiches Aprilwetter. Bis zur Mittagszeit überquert eine Okklusion den Süden und Osten der Republik, die von Tief ODILE zu uns geführt wurde. ODILE liegt über dem Europäischen Nordmeer und füllt sich unter Nordostverlagerung weiter auf. Die Frontpassage geht dabei mit länger anhaltenden Niederschlägen einher, die jedoch keine Warnrelevanz aufweisen und in Lagen oberhalb von rund 600 m teils/vorübergehend als Schnee fallen.

Postfrontal lockert die Bewölkung nur kurz auf und nachfolgend breitet sich eine rege und im Tagesverlauf an Intensität gewinnende Schauertätigkeit von West nach Ost über das ganze Land aus. Ein in die zyklonale Nordwestströmung eingebettetes Vorticity-Maximum im Bereich der Trogspitze sorgte im Ruhrgebiet bereits für einen turbulenten Start in den Tag mit markanten Gewittern und Böen im Bft 9 bis strichweise Bft 10 Bereich. Diese Windmaxima sind dank eines postfrontal rasch nachlassenden Druckgradienten im Tagesverlauf zwar nicht mehr zu erwarten, doch bei H85 Winden bis 30 kt können in kräftigen Schauern/Graupelgewittern wiederholt Bft 7/8 Böen aus Nordwest auftreten. Entsprechende geringe und inhomogen verteile Signale ergeben sich u.a. im ID2-EPS. Bei Gewitterpassage muss bis ins Tiefland kurzzeitig mit Glätte durch Graupelansammlungen gerechnet werden und auch sonst sinkt die bei rund 600 m zu verortende Schneefallgrenze in kräftigen Schauern (Schnee, Schneeregen oder Regen) kurzzeitig deutlich ab. Zwischen den Niederschlägen lockert die Bewölkung immer wieder kurz auf und macht der Sonne Platz. Neuschnee in Form weniger Zentimeter sollte es aber eher nur im oberen Bergland geben und das besonders im Hochschwarzwald sowie im östlichen Bergland. Natürlich sollte auch der Alpenrand nicht unerwähnt bleiben, wo mit Frontpassage und nachfolgend reger Schauertätigkeit eine erneute Staulage beginnt, die oberhalb von 800 m für rund 5 cm und oberhalb 1000 m um 10 cm Neuschnee gut ist. Dies ist der Beginn einer anhaltenden Staulage mit kräftigen Schneefällen (siehe bereits gültige markante Schneefallwarnung entlang der Alpen).

Die Maxima liegen zwischen 7 und 12 Grad, am Alpenrand sowie im östlichen Bergland um 4 Grad. Der Wind aus West bis Nordwest weht auch abseits der Konvektion stark bis steif (Bft 6 bis 7), im Nordosten mäßig bis frisch. Über der Deutschen Bucht sowie im Bergland treten wiederholt markante Böen aus Nordwest auf.

In der Nacht zum Dienstag verlagert sich der thermische Trog etwas nach Osten und liegt mit seiner Achse über Ostdeutschland, wobei der Westen dank eines strammen thermischen Gradienten entlang der Westflanke des Troges rasch in höhenmildere Luftmassen gerät (in H5 teils über 12K milder als im Osten der Republik). Gleichzeitig steigt der Bodendruck von Westen allmählich an. All dies sorgt zwar insgesamt für eine geringe Beruhigung der Niederschlagsaktivität, dennoch muss die Nacht über vielerorts mit weiteren Schauern gerechnet werden, wobei die Schneefallgrenze auf rund 400 m zurückgeht. Entsprechend fallen Schnee-, Schneeregen-, Graupel- oder Regenschauer, die allerdings nur im Bergland den einen oder anderen Zentimeter Neuschnee bringen (oberhalb von 700 m). Im Bergland tritt Glätte auf.

Anders sieht es im Alpenstau aus, wo mit zunehmender Nordkomponente der niedertroposphärischen Strömung die Staulage weiter andauert und an Intensität gewinnt. 12 std. Neuschneemengen sollten dabei zwischen 5 und 10 cm, im direkten Stau teils um 15 cm aufweisen (im Stau der Allgäuer Alpen ist somit vom Nachmittag bis in die Nachtstunden um 25 cm Neuschnee zu erwarten).

Die Minima liegen zwischen +4 und -2 Grad (abseits vom Norden meist leichter Frost in Bodennähe). Der Nordwestwind weht besonders in Schauernähe weiterhin böig und sonst mäßig bis frisch, über der Deutschen Bucht zeitweise auch stürmisch.

Dienstag... kommt der Höhentrog kaum noch ostwärts, aber umso mehr südwärts voran (beginnender Abtropfprozess), sodass die Höhenkaltluft weiterhin im Osten und Süden der Republik zu finden ist. Von daher erleben wir einen weiteren Tag mit reger Schauertätigkeit, die im Tagesverlauf an Intensität zulegt und auch die Begleiterscheinungen fallen ähnlich zum Vortag sehr variabel aus (Schneefallgrenze um 600 m). Hier und da kann es erneut für ein kurzes Gewitter reichen. Zum Abend schwächen sich die Schauer wieder ab.

Im Alpenstau dauert die rege Niederschlagstätigkeit weiter an mit 10 bis 15 cm Neuschnee oberhalb von 1000 m und geringeren Mengen darunter.

Dank eines insgesamt sehr überschaubaren Gradienten weht der Nordwestwind meist nur mäßig bis frisch mit einzelnen Bft 7 Böen peripher der kräftigsten Schauer. Davon ausgenommen ist der Norden der Republik, wo bei H85 Winden um 30 kt im Tagesverlauf wiederholt Bft 7 Böen aus Nordwest erwartet werden, die sich dem Tagesgang folgend zum Abend allerdings wieder abschwächen.

Die Maxima liegen zwischen 7 und 12 Grad, im Stau der Alpen deutlich darunter.

Auch die Nacht zum Mittwoch verspricht wenig Änderung. Einzig im Nordern bleibt es meist trocken und dort lockert die Bewölkung im Nachtverlauf auch stärker auf (dann mit teils dichtem Nebel), während sonst die rege Schauertätigkeit bei einer um 500 m pendelnden Schneefallgrenze andauert (Alpenstau erneut mit 5 bis 10 cm Neuschnee). Im Bergland tritt erneut Glätte auf.

Die Minima liegen zwischen +2 und -3 Grad und deutschlandweit tritt leichter, im Süden und Nordosten regional auch mäßiger Frost in Bodennähe auf. Der mäßige, im Nordosten auch schwache Nordwestwind spielt warntechnisch keine Rolle mehr.

Mittwoch... zieht das abgetropfte Höhentief südwärts ab und besonders im Norden steigt das Geopotenzial stetig an. Gleichzeitig etabliert sich auch bodennah eine zarte Hochdruckbrücke über Mitteleuropa.

Von daher beginnt der Tag im Süden noch wolkenverhangen mit einigen Schauern, die zum Nachmittag immer weniger und schwächer werden, sodass auch entlang der Alpen die Staulage endet. Gleichzeitig lockert die Wolkendecke im Verlauf der zweiten Tageshälfte zunehmend auf.

Im Norden beginnt der Tag teils aufgelockert bewölkt, teils neblig-trüb. Insgesamt lockert auch hier die Bewölkung im Tagesverlauf stetig auf, allerding kann es regional bis in den frühen Nachmittag dauern, bis die hochnebelartige Bewölkung den Blick auf die Sonne gewährt. Hier bleibt es aber trocken und besonders im Nordwesten und Richtung Vorpommern könnte es insgesamt ein sehr freundlicher Tag werden.

Die Maxima liegen zwischen 10 und 15 Grad, im Süden unter der meist noch dichten Bewölkung zwischen 6 und 9 Grad.
Der Wind kommt im Süden mäßig bis frisch aus Nordost, sonst schwach aus überwiegend südlicher, im Oderumfeld aus nördlicher Richtung.

Die Nacht zum Donnerstag verläuft unter Hochdruckeinfluss meist klar und trocken, im Nordosten regional mit dichtem Nebel. Ggf. kann es in Richtung Deutscher Bucht im Verlauf der Nacht aus einer sich von Westen verdichtenden Wolkendecke den einen oder anderen Tropfen geben. Meist bleibt es aber auch hier trocken.

Das Spiel sollte ja bereits bekannt: maritime Polarluft, die zur Ruhe kommt kühlt bei effektiver langwelliger Ausstrahlung ordentlich aus, sodass die Minima meist im frostigen Bereich zwischen 0 und -4 Grad liegen, hier und da kann auch mäßiger Luftfrost nicht ausgeschlossen werden. Nur im äußersten Nordwesten/Norden bleibt es meist frostfrei (Luftfrost). Bodennah tritt allerdings deutschlandweit leichter bis mäßiger Frost (bis -8 Grad) auf.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Numerik hat die Kurzfrist gut im Griff, sodass es meist zu keinen nennenswerten Diskrepanzen kommt. Das einzig Auffällige ist bei GFS eine um 3 bis 4 Kelvin kältere Höhenkaltluft am Dienstag/Mittwoch über Süddeutschland, was dort die Schauerintensität und somit auch den alpinen Stau etwas kräftiger ausfallen lassen würde. Weder ICON, IFS noch UK10 stützen allerdings diese offensive Herangehensweise von GFS. Die weitere Entwicklung von GFS wird verfolgt, allerdings ist schon jetzt bei GFS ein modellinterner Abschwächungstrend der Höhenkaltluft von Lauf zu Lauf festzustellen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy