Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 16.05.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Trog Mitteleuropa (TrM)

Nur noch amorphe Troglage, nicht mehr so "knackig" wie an den Vortagen. In Nordfriesland stürmische Böen. Kommende Nacht nochmals vielerorts erhöhte Frostgefahr - zumindest in Bodennähe! Sonntag schwacher Zwischenhocheinfluss.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag... werden große Teile Mitteleuropas noch immer von einem Langwellentrog überspannt, der sich in den vergangenen Stunden durch eine Vb-artige Entwicklung über der Adria und dem Balkan nun prinzipiell in zwei Drehzentren aufgespalten hat. Zum einen wäre da das nahezu ortsfeste und achsensenkrechte Drehzentrum DOREEN an der Südspitze Norwegens zu nennen, das erst eingangs der kommenden Nacht durch einen Trogvorstoß von der Irminger See Richtung Schottland durch gegenseitige Interaktion (Fujiwara-Effekt) in Bewegung versetzt wird und nordwestwärts Richtung Färöer abdreht.

Bis dahin "versorgt" es an dessen Südflanke die Nordseeküste bis rüber nach Fehmarn schauerartigen Regenfällen und reichlich Wind. Während der Kern (etwas unter 1000 hPa) über Dänemark noch leicht aufgeweicht ist, befindet sich in der Tat der stärkste Gradient über Nordfriesland, wo mit auflandigem Wind aus Südwest bis West zum Höhepunkt am Mittag und frühen Nachmittag vermehrt Böen zwischen 65 und 75 km/h (Bft 8) auftreten. Rund um Sylt liegt die Wahrscheinlichkeit für einzelne Böen der Stärke 9 immerhin bei rund 20%. Und auch die Globalmodelle bieten recht einheitlich verbreitet stürmische Böen an, weshalb eine vereinzelt Bft 9 nicht ausgeschlossen ist.

Kommen wir nun zum Gegenpart über der Adria, der seine komplette Energie auf die hochgradig barokline Vorderseite aufwendet. Von Albanien, Montenegro und Kroatien bis rauf nach Tschechien, Ungarn und dem östlichen Polen kommt es zu teils kräftigen, mitunter gewittrig durchsetzten Regenfällen mit Mengen gerade im Südteil teils über 50 l/qm binnen weniger Stunden. Davon sind wir hierzulande weit entfernt. Die große Hebung des Aufgleitens griff so richtig erst weiter östlich und so sind es aktuell neben der Trogspitze vor allem noch staubedingte (untere Troposphäre Winde aus Nordwest) Niederschläge, die an den Alpen oberhalb etwa 1200 m noch für etwas Schnee sorgen. Die teilweise bis heute Abend geschalteten Warnungen können aber früher aufgehoben werden, da sich die Niederschläge im Tagesverlauf rasch abschwächen bzw. in Schauer umwandeln mit kaum noch nennenswerten Zuwächsen. Bis dahin sollte es aber oberhalb von 1500 m vielfach für 10, in Staulagen auch für 20 cm gereicht haben.

Der große Rest des Landes hat bezüglich Luftmassenqualität und Labilität inzwischen doch einiges eingebüßt. Bodennah hat sich gar schon ein flacher Keil des Azorenhochs in den Süden und die Mitte des Landes geschoben. Die Temperaturen in 500 hPa liegen gerade noch so bei -25 oder -26°C, in 850 hPa um die 0°C, ein Delta, das einen nicht mehr sonderlich von den Sitzen reißt. Die Obergrenzen liegen bei etwa -20°C auf Höhe der 550 hPa Fläche. Die spezifische Feuchte ist zwischen 0 und 500 m vielfach auf unter 5 g/kg gesunken. Immerhin: Von Westen läuft nochmal ein flacher Randtrog zur Regeneration hinein (gut zu sehen im IPV Feld 300 hPa mit unmittelbarer Auswirkung auf die Tendenz der Lapse Rates), was gut an der erhöhten Schaueraktivität über Benelux und Nordostfrankreich bereits in den Frühstunden zu erkennen ist. Kurz und gut, es steht abermals ein wechselhafter Tag mit Wechsel aus Sonne, Wolken und einzelnen Schauern ins Haus, die aber nicht mehr ganz so zahlreich und intensiv ausfallen wie noch an den Vortagen und relativ kurzlebig sind. Scherung ist quasi nicht vorhanden. Auch für das ein oder andere Gewitter mit Graupel dürfte es wieder reichen, wenngleich selbst das Maximum des Lightning Potential Index EPS recht aufgeräumt daherkommt. Schwerpunkte der konvektiven Aktivität sollte im Süden, dem östlichen Mittelgebirgsraum sowie im Nordwesten, am späten Nachmittag und Abend auch im Westen liegen. Im Osten wird es hingegen viele Regionen, die weitgehend trocken durch den Tag kommen.

Die Höchstwerte liegen meist bei 11 bis 15°C, im Osten bei viel Sonne dank Überadiabaten bei bis zu 18°C. Zum Wind ist bereits alles gesagt. Abseits des Starkwindfeldes im Norden weht er mit Auffrischung durch den Tagesgang meist mäßig und leicht böig, in Schauernähe mit Spitzen bis 6 oder angekratzten 7 Bft.

In der Nacht zum Sonntag tropft der Trog im weiter ostwärts schwenkenden Südteil über Bulgarien ab. Der westlich einlaufende Kurzwellentrog kann gerade noch so für die Aufr3echterhaltung eines schon ziemlich dürftig aussehenden Residuums über Deutschland sorgen. Im Vorfeld eines im weiteren Verlauf die Regie übernehmenden Tiefkomplexes bei den Britischen Inseln ist aber erstmal Potentialanstieg und Zwischenhocheinfluss angesagt. Der Azorenhochkeil kann sich so noch etwas kräftigen und zur Ostsee ausweiten, dessen Verbindung zur "Mutter aller Hochs" wird aber bereits durch eine vom UK-Tief ausgehende, weitgehend okkludierte Front über Frankreich und der südlichen Biskaya gekappt.

Schauer und anfänglich lokale Gewitter klingen bis Mitternacht dann auch im Nordwesten, Westen und Süden allmählich ab und es lockert vielfach auf. Bei nur schwacher Luftbewegung aus meist südlichen Richtungen bildet sich stellenweise Nebel, der - wie wir mancherorts am Beispiel von heute Morgen gesehen haben - zwar flach, aber durchaus bis in die Nähe zur Warnschwelle bei 150 m dicht ausfallen kann. In den Frühstunden erreichen erste dichtere Wolken der bevorstehenden Frontenannäherung den äußersten Westen mit vereinzelt ersten Tropfen.

Zuvor gehen die Temperaturen auf empfindlich kühle 7 bis -2°C zurück. Frostgefahr besteht vor allem in Senken und Mulden, höheren Mittelgebirgstälern sowie über den Sandböden im Osten des Landes. Bodennah tritt leichter Frost mit Ausnahme der unmittelbaren Küsten und des Westens recht verbreitet auf. Für viele Erdbeerbauern heißt es da notgedrungen wieder: Abdecken!

Sonntag... Zwischenhocheinfluss mit Makeln: So könnte man den Tag zusammenfassen. Das Höhentief über den Britischen Inseln kann sich ein Stück weit nach Süden ausweiten (seichte KLA über England, dem Kanal, Frankreich bis zur Iberischen Halbinsel), wodurch die (flaue) Strömung bei uns etwas stärker auf Südwest bis Süd aufsteilt. Eine schwache Brückenkonstellation formiert sich bodennah von Südfrankreich und dem Alpenraum über Ostdeutschland und die Ostsee hinweg bis nach Karelien. Diese wird allerdings im Osten und Südosten Deutschlands noch immer durch ein schwaches Trogresiduum in der Höhe überlagert.

Gemeinsamt mit einem gewissen Maß an Restlabilität, kann es mithilfe der Sonneneinstrahlung und Orographie dann zum Nachmittag lokal für einzelne Schauer reichen. Gewitter sind nur noch sehr gering wahrscheinlich angesichts von Cloud Tops kaum noch unter -10°C. Die Hauptaktivität über den östlichen Mittelgebirgen kann sich bis zum Abend auch in tiefere Lagen Mittel- und Oberfrankens bis etwa zum Fläming ausweiten.

Im Westen unterdessen benötigt die Front mehrere Anläufe, um nennenswert Boden nach Osten gutzumachen. Ein erster flacher Randtrog in der Höhe läuft sich am Vorderrand des Troges tot - alles wartet im Prinzip auf die Ankunft der Haupttrogachse, was sich aber erst für die Frühstunden des Montags ankündigt. So kann am vorderen Rand des Niederschlagsgebiets vom Rheinland bis ins Emsland etwas ML CAPE generiert werden und die (ohnehin nur sehr schwachen Niederschläge < 5l/qm/12h) nehmen im Tagesverlauf ausgehend vom skaligen einen schwach konvektiven Charakter an und vereinzelte Gewitter sind auch hier nicht gänzlich ausgeschlossen.

Ansonsten ist nach vielfach sonnigem Tagesbeginn die Auslösetemperatur mit rund 10°C zwar rasch erreicht, aber die Quellung nicht allzu hochreichend, da sie zwischen 750 und 700 hPa gegen eine flache Absinkinversion stößt. Je weiter es Richtung Abendstunden geht, umso größer werden die Sonnenanteile dann von Osten und Süden bis zur Landesmitte wieder. Durch das überlagerte schwache Absinken und die Süddrehung des Windes kann die Luftmasse ein paar Grad gewinnen und wir hieven uns auf maximal 15 bis 20°C.

In der Nacht zum Montag bricht infolge der Annäherung eines atlantischen Sturmtiefs südlich von Kap Farvel kräftige WLA in die Rückseite des Troges ein, wodurch dieser in seiner Wellenlänge stark eingekürzt wird. Wie erwähnt erreicht er mit seiner Achse in den Frühstunden die westliche Landesgrenze, die Beträge an signifikanter PVA bleiben zunächst ziemlich schwach. Folglich ist es auch mit der Niederschlagsintensität nicht weit her und ist es sind meist durchbrochene, leichte Regenfälle, die lediglich durch etwas MU CAPE örtlich mal schauerartig verstärkt und damit kräftiger ausfallen. Trotz PPW's um 20 mmm ist aber die Starkregengefahr aufgrund mangelnder Hebung auf ein Minimum beschränkt. Bis zum Morgen kommen die Niederschläge etwa bis auf eine Linie Weser-Fulda-Neckar voran.

Östlich davon ist es teils wolkig, teils klar, wobei der klassische Aufgleitschirm in Ermangelung an präfrontal ausgreifender WLA fehlt. Es besteht weiterhin ein latentes Nebel-, aber nur noch sehr geringes Frostrisiko. Für Frost in Bodennähe kann es von der Lausitz bis ins Allgäu aber nochmal reichen. Sonst bleibt es bei 10 bis 4°C schon milder als in den Nächten zuvor.

Montag... finden die Vorgänge aus der Nacht ihre Fortsetzung. Die WLA greift bis zu den Britischen Inseln aus, der Trog wird in der Folge weiter verkürzt, dessen Achse bleibt nahezu ortsfest im Westen hängen und dessen Neigung erhält einen leicht negativen Touch. Bodennah befinden wir uns gewissermaßen im Niemandsland: Ein sumpfiges Umfeld um die 1015 hPa zweier schwacher Hochdruckbrücken (Finnland/Ostsee sowie Azoren/Frankreich), die von einer schmalen Tiefdruckrinne unterbrochen ist. Innerhalb dieser sind auch noch die Reste der Okklusion eingebettet, entlang derer sich der Hauptanteil der Regenfälle konzentriert.

Aufgrund der insgesamt festgefahrenen Situation ist bei lokalen Gewittern, die durch Lücken innerhalb der kompakten Bewölkung im Tagesverlauf doch vereinzelt zu erwarten sind, das Starkregenthema nicht mehr ganz wegzudiskutieren. Es stellt zumindest die größte Gefahr bezüglich der Begleiterscheinungen dar. 15-20 l/qm binnen einer Stunde können durchaus sporadisch mal gerissen werden, zumal auch von Ostfriesland bis nach Ostwestfalen, Hessen und zum Oberrheingraben etwas Scherung DLS um 15 m/s) vorhanden ist bei leicht schwülen 14 bis 19°C.

Östlich der Elbe sowie in Niederbayern passiert wohl noch wenig. In der trockenen, gealterten Meereskaltluft werden bei schwachem Südost- bis Ostwind mithilfe der Einstrahlung angenehme 18 bis 22°C erreicht. Erst zum Abend geht wohl im Süden eine Druckwelle durch mit Winddrehung auf West steigen auch in Niederbayern die Chancen auf Regen deutlich an.

Modellvergleich und -einschätzung

Sieht man einmal von den Konvektionsschwerpunkten ab, so halten sich die modellübergreifenden Unterschiede in den Basisfeldern in Grenzen. Spannend ist, wie weit die Niederschläge am Montag ostwärts ausgreifen, mindestens mal GFS wirkt da zu forsch.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen