Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 27.08.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Nachts und am Freitag Gewitterlage. Zunächst im Westen lokale Unwetter. Freitag im Südosten erhöhtes Unwetterpotential, vor allem im Hinblick auf schweren Sturm!

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Aktuell ... stellt sich die Wetterlage um und der kurze Hitzepeak wird von einer Gewitterlage beendet.
Das Hoch über Nordosteuropa ist zwar noch da, hat sich aber schon soweit zurückgezogen, dass sein Einfluss abklingt und von Frankreich her die Vorderseite eines Troges über Westeuropa übergreift.

Dazu fällt der Druck am Boden und eine Tiefdruckrinne mit schwülwarmer und instabiler Luft hat den Westen erreicht und breitet sich ostwärts über Deutschland aus.

Bei zunehmender Scherung (auch Richtungsscherung) unter einem Jetstreak bringen Feuchtekonvergenzen abends und nachts PPW Werte 40 mm. Bei leicht diffluenter Höhenströmung sorgt eine Kaltfront im Laufe der Nacht für die nötige dynamische Hebung, sodass der Deckel auf der Labilität gesprengt werden dürfte.

Vorlaufend sind in den Abendstunden vereinzelt kräftige Gewitter im Westen möglich mit lokalen Sturmböen, Starkregen und Hagel.

Im Laufe der ersten Nachthälfte greifen dann vermehrt, teils starke Gewitter auf den Westen über, wobei vereinzelt (unwetterartiger) Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen möglich sind. Auch organisierte Strukturen, MCS und Superzellen sind nicht ausgeschlossen.

Im Laufe der Nacht werden Sturm und Hagel unwahrscheinlicher und das Hauptaugenmerk verschiebt sich auf den Starkregen mit/ohne Gewitter. Die Gewitter erfassen dann die gesamte Westhälfte.

An den Küsten bleibt es gradientbedingt windig mit starken Böen aus Ost bis Südost. Zudem kühlt es nicht besonders ab und gebietsweise liegen die Minima um 20°C.
In den Alpen kommt Föhn auf, die exponierten Gipfel sind mit Sturmböen dabei, ob es bis in Täler runtermischt mit steifen Böen ist unsicher.

Freitag ... verlagert sich das Drehzentrum des Troges, ebenso wie das Bodentief zur nördlichen Nordsee, während die Trogachse abends Westdeutschland erreicht. Die vorderseitige Kaltfront überquert den Norden etwas zügiger ostwärts und hängt über Süddeutschland leicht schleifend zurück.

Im präfrontalen Südosten liegt instabile Warmluft, die tagsüber mit Einstrahlung aktiviert werden kann. So sind an der Kaltfront ohnehin schauerartige (Stark)Regenfälle mit vereinzelten Gewittern möglich, im Tagesverlauf bilden sich dann über Süddeutschland frontal und präfrontal teils schwere Gewitter mit Unwetterpotential, da dort sehr feuchte Luft (PPW 40 mm), mit MU Cape >2000 J/kg sowie hochreichende (Richtungs-)Scherung und SRH überlappen. Entsprechend sind Superzellen möglich.

Vorübergehend wird es am Alpenrand föhnig, wobei mit Abzug eines Föhntiefs eine starke Druckwelle mit Sturmböen nicht ausgeschlossen werden kann.

Die postfrontal von SW einströmende Luft hat weiter einiges (Gewitter) Potential. Sie bleibt feucht und labil und gerät unter der Trogvorderseite schließlich unter Hebung.
Auch dort sind rasch, da ungedeckeltes Cape bis 1000 J/kg, Schauer und teils kräftige Gewitter zu erwarten mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Ebenso sind auch dort Unwetter nicht ausgeschlossen, da weiter gut ausgeprägte Scherung mit der Konvektion überlappt. Die Hodographen sind dabei eher gradlinig, was für linienhafte Konvektion mit erheblichem Böenpotential spricht. Der Druckgradient am Rand des Tiefs nimmt über dem Westen und Südwesten zu, sodass der Wind dort großflächiger auffrischt mit steifen, im Bergland stürmischen Böen oder Sturmböen. Auch im Südosten sind nicht unbedingt an Gewitter gebunden nachmittags und abends Sturmböen nicht ausgeschlossen.

In der Osthälfte werden es nochmal 26 bis 31°C, in der Westhälfte 21 bis 25°C.

In der Nacht zum Samstag beruhigt sich das Wetter mit einem Zwischenhoch von Westen her. Die Kaltfront verlässt uns Richtung Osten, der Trog schwenkt ebenfalls ostwärts über Deutschland hinweg.
Die Regenfälle und Gewitter über dem Südosten ziehen Richtung Polen, Böhmen und Österreich ab und auch die Gewitter im Norden verlassen uns zur Ostsee nach Dänemark hin. Was bleibt sind Schauer, die über die Mitte ostwärts ziehen können.

Der Südwestwind weht, vor allem an den Küsten und im Bergland, lebhaft mit einigen starken bis stürmischen Böen, auf exponierten Gipfeln mit Sturmböen.

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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Samstag ... zieht ein flacher Rücken über uns nach Osten, der sich vor allem nach Süden hin mit Absinken und freundlicherem Wetter auswirkt. Der Norden und teilweise auch die Mitte liegen unter einer westlichen Strömung mit der Wolkenfelder und schwächere Schauer durchziehen.

Nachmittags und abends nähert sich über Benelux ein Trog mit vorgelagerter Okklusion. Dabei verdichten sich die Wolken von Westen und nachmittags und abends kommt im Westen schauerartiger Regen auf.

Die Luftmasse bleibt recht warm, vor allem über Norddeutschland und im Bergland weht mäßiger bis frischer Wind aus Südwest.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Unsicherheiten fangen fast schon im Nowcasting an. Die Modellvorgaben für die nächtliche Konvektion, vor allem aber für die Gewitter am Freitag sind sehr heterogen. Den größten Impact könnte die Windentwicklung am Freitag haben, diese wird aber besonders stark abweichend simuliert.

Die deutschen Modelle und deren Anschlussverfahren sind defensiv eingestellt. Sie simulieren am Freitagnachmittag "nur" Sturmböen über Bayern und auch eher konvektionsgebunden, während externe Lösungen fast schon großflächig über SE Bayern Sturmböen bis Orkanböen im Programm haben. Von daher wird am Abend eine Vorabinformation für den SE Bayerns ausgegeben.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner