Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 08.05.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Zunächst ruhiges Wochenende mit einzelnen Gewittern im südlichen Bergland. Ab Sonntagabend zyklonaler, in der Mitte Stark- oder Dauerregen möglich.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Aktuell ... kehrt nach teils turbulenten Wettertagen vorerst Ruhe ein in der Atmosphäre über Deutschland, bevor sich das zum Ende des Wochenendes wieder deutlich ändert.
Dynamisch betrachtet liegen wir in einer flauen südwestlichen Höhenströmung, die sich auf der Vorderseite eines umfangreichen Trogs mit mehreren Zentren zwischen dem Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel, dem Nordmeer und Nordwestrussland ergibt. Darin eingelagert hat ein Randtrog bereits Polen erreicht und dreht sich nun über dem Baltikum ein. Für uns relevanter ist jedoch die leicht antizyklonal geprägte Höhenströmung auf der Rückseite davon. Zusammen mit einem Rücken über Skandinavien wird Bodenhoch XERI II mit Schwerpunkt über Finnland gestützt (Growetterlage NEa). Für Deutschland ergibt sich eine Hochdruckrandlage an der südwestlichen Flanke des Hochs. Der Keil des Hochs weitet sich in der Nacht zum Samstag noch etwas weiter südwestlich aus, womit Absinken dominant wird und Hebung kaum noch zu finden ist. So fallen letzte Schauer oder Gewitter im südlichen Bergland rasch wieder zusammen. Die Wolken lockern dann vielfach auf, vor allem in der Mitte können sich aber unterhalb der Absinkinversion bei rund 800 hPa in der feuchten Grundschicht teils noch dichtere Wolken länger halten oder Nebel bilden. Der tagsüber darin befindliche örtliche Sprühregen lässt in der Nacht größtenteils nach.
Der Wind weht schwach bis mäßig um Ost.
Die T850 hPa liegen in der alternden maritimen Polarluft bei 8 Grad im Süden und 0 Grad im Norden, was in 2 m Tiefsttemperaturen zwischen 10 Grad im Südwesten und 1 Grad im Nordosten bedeutet. In den höheren Mittelgebirgen und im Norden ist gebietsweise Bodenfrost zu erwarten.
Samstag ... bleibt die amorphe Geopotenzialverteilung mit eher antizyklonalem Anstrich in der Höhe erhalten. Allerdings lenkt das nunmehr als Höhentief fungierende Drehzentrum westlich der Iberischen Halbinsel ein Bodentief in die Biskaya. Das sorgt mit allmählich aufkommender WLA über Deutschland für Druckfall von Südwesten her, womit der Keil von Hoch XERI bei uns zurückweichen muss. Zudem verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt in das nordwestliche Russland.
Mit der südwestlichen Strömung gelangt wieder etwas mildere, in den Süden und Südwesten auch feuchtere Luft zu uns.
Diese Anfeuchtung lässt eine etwas höhere Gewitterbereitschaft als heute erwarten, das Absinken des Keils wirkt aber noch limitierend dagegen. Sollte es zur Zellbildung kommen, die sich prädestiniert durch Orographie im Schwarzwald, an der Alb, in den Alpen und im Bayerischen Wald entwickeln könnte, steht bei geringer Zuggeschwindigkeit der Zellen und PPWs von 15 bis 20 mm der Starkregen im Fokus. Nach ICON-D2 ist lokaler Starkregen zwischen 15 und 25 l/m2 in kurzer Zeit wahrscheinlich und heftiger Starkregen über 25 l/m2 in kurzer Zeit nicht ausgeschlossen. Wind könnte bei DCAPE-Werten um 500 J/kg an den Alpen eine Rolle spielen, die Scherung lässt aber zu wünschen übrig, sodass auch die Modelle nicht anspringen. Bei ML-CAPE von rund 1000 J/kg in der Spitze ist kleinkörniger Hagel möglich.
Ansonsten ist viel Sonnenschein zu erwarten, der in einem Streifen zwischen dem Emsland und der Lausitz ein wenig kürzer ausfällt. Dort stören noch Wolken aus der Nacht heraus und die kaum von 800 hPa weiter absinkende Inversion vermag die Wolken auch nicht überall aufzulösen.
Der Wind weht schwach bis mäßig, meist aus Ost bis Nordost, im Süden teils etwas auffrischend.
Die Temperaturen steigen auf 16 bis 20 Grad in der Nordosthälfte und auf 18 bis 25 Grad sonst. An den Küsten ist es bei auflandigem Wind leicht kühler.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Rücken über Deutschland hinweg, gleichzeitig weitet sich der Trog über dem Nordmeer in Richtung Nordsee aus. Er wird zudem von einem kleinen Randtrog begleitet. An den Trog gekoppelt ist ein Bodentief vor der norwegischen Küste, dessen Kaltfront ausgangs der Nacht den Nordwesten touchiert und dort dichtere Wolken und zum Morgen hin ein paar Tropfen heranführt.
Im Süden bleibt die feuchte Luft zwar erhalten, kann sich aber mangels Dynamik und Tagesgang nicht weiter entfalten, womit Schauer und Gewitter alsbald wieder zusammenfallen.
Im Rest des Landes dominiert weiterhin Absinken, die zu einer locker bewölkten bis klaren Nacht führt.
Der Wind weht schwach bis mäßig aus Nordost, im Südwesten dreht er aber auf Südwest.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 11 Grad im Südwesten und 2 Grad im Osten. Im Osten gibt es gebietsweise erneut Bodenfrost.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... ändert sich im Vergleich zur Frühübersicht nicht Wesentliches: Im Westen und Südwesten weiter zunehmende Feuchtigkeit und ab dem Nachmittag von Südwesten Schauer und Gewitter mit Aufbau einer Tiefdruckrinne im Süden, die sich in der Nacht zum Montag bis in die Mitte ausbreitet. Im neuesten 12 UTC-Lauf von ICON13 lässt sich eine Verlagerung des Streifens mit den höchsten Niederschlagsmengen um etwa 80 km nach Süden feststellen, sodass nun vor allem ein Bereich zwischen dem Saarland und dem nördlichen Baden-Württemberg betroffen wäre. Die Mengen bleiben mit bis zu 25 l/ m2 bzw. lokal auch deutlich mehr allerdings ähnlich. Im Norden Durchzug einer schwachen Kaltfront mit eher geringen Niederschlägen. Mehr Details in der ausführlichen Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren ähnlich. Bezüglich der Niederschläge in der Nacht zum Montag bestehen größere Differenzen insbesondere in der Räumlichkeit. So bleiben EZWM, GFS und UK10 mit dem Niederschlagsschwerpunkt weiter nördlich, GFS ist mit der nördlichsten Variante sogar komplett noch in NRW. Diesbezüglich müssen also weitere Modellläufe abgewartet werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 08.05.2026 um 10.30 UTC
Turbulenter Montag, insgesamt meist kühl und unbeständig
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 15.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Montag liegt der Süden Deutschlands anfangs noch auf der Vorderseite eines Höhentiefs über der Biskaya. Entscheidend wird aber Ein Trog über Norwegen, der bis zum Südteil der Nordsee reicht und bis Dienstagfrüh unter Abtropfung nach Westpolen schwenkt (in 500 hPa bis -32 Grad). Ein Tief über der östlichen Mitte zieht in dieser Zeit zum Baltikum, in der Nacht zum Dienstag weitet sich der Keil eines Atlantikhochs nach Süddeutschland aus. Eine markante Kaltfront reicht Montagfrüh von NRW nach Mecklenburg-Vorpommern und überquert bis Montagnacht ganz Deutschland südostwärts. Vor der Kaltfront werden im Südosten noch +8 Grad in 850 hPa erreicht, nachfolgend strömt polare Meeresluft ein mit Werten zwischen -3 und -6 Grad. In der feuchtwarmen Luft entstehen im Süden und Südosten tagsüber teils kräftige Gewitter. Der Südwest- bis Westwind frischt im Süden präfontal kräftig auf mit Böen Bft 7 (exp. Bft 8), im Alpenvorland treten Bft 8 bis 9 wahrscheinlich gehäuft auf. Schauer/Gewitter und die Kaltfront bringen gebietsweise größere Regenmengen, die besonders im Schwarzwald die Warnschwellen überschreiten könnten. Rückseitig kann in der Nacht zum Dienstag bis in mittlere Lagen Schauern die feste Phase auftreten. Zudem besteht in ungünstigen Lagen in der Mitte Luftfrostgefahr.
Am Dienstag zieht das Höhentief über Westpolen südostwärts. Es folgt ein flacher Keil von Nordwesten nach, ehe sich in der Nacht zum Mittwoch sich der nächste Trog von der Nordsee annähert. Am Boden macht sich vorübergehend Zwischenhocheinfluss bemerkbar, der im Süden stärker als im Norden ausgeprägt ist. Dennoch kommt es vor allem im Südosten und Osten zu Schauern. Die Luftmasse in 850 hPa erwärmt sich allmählich auf Werte um 0 Grad. Die Nacht zum Mittwoch verläuft im Süden oft gering bewölkt, in Senken und Tallagen besteht örtlich Luftfrostgefahr. Im Norden zieht eine Okklusion mit dichter Bewölkung und Regen auf.
Am Mittwoch weitet sich der Trog über der Nordsee langsam südostwärts aus. Donnerstagfrüh liegt seine Achse über Westdeutschland (im Nordwesten um -30 Grad in 500 hPa). Eine Okklusion schwenkt über Deutschland hinweg, nachfolgend erreicht erneut ein Schwall polarer Meeresluft Deutschland mit Werten um 0 Grad in 850 hPa.
Am Donnerstag verbleibt der Trog unter leichter Abschwächung über Deutschland. An der Westflanke des Troges über Westeuropa kommt es zu einem Kaltluftvorstoß. Ein Tief, eingebettet in die Frontalzone zieht von Nordwesten nach Frankreich und verstärkt sich dabei bis Freitag auf unter 990 hPa. Das Windfeld des Tiefs befindet sich auf dessen Westseite und tangiert Deutschland nicht, Aufgleitniederschläge ziehen im Südwesten des Landes auf. Tagsüber kommt es in der hochreichenden Kaltluft zu zahlreichen Schauern und örtlichen Gewittern, teils mit Graupel. Nachts lässt die Schauertätigkeit weitgehend nach.
Am Freitag stößt der Trog über Westeuropa bis zum nordwestlichen Mittelmeer vor und zeigt Abtropfungstendenzen. Deutschland liegt knapp östlich der Trogachse. Das Tief über Frankreich füllt sich auf, über Oberitalien kommt es zu einer Zyklogenese. Über den Alpen kommt vorübergehend Südföhn auf. Die Temperatur in 850 hPa liegt zwischen +1 Grad im Westen und +6 Grad im Osten, an den Alpen vorübergehend bei bis zu +10 Grad.
Im Westen und Süden (eher nachts) kommt es durch die beiden angesprochenen Tiefs gebietsweise zu länger anhaltenden Regenfällen.
In der erweiterten Mittelfrist tropft der Trog über Oberitlaien endgültig ab und das Höhentief zieht nach Südosteuropa. Das Tief über Oberitalien zieht ostwärts. Zwischen einer beginnenden Austrogung über dem Ostatlantik steigen Geopotenzial und Luftdruck allmählich. Die Luftmasse kann sich erwärmen. Anfangs kommt es vor allem an den Alpen noch zu länger anhaltenden Niederschlägen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Montag ist die Konsistenz von IFS zu den Vorläufen gut. Eine Kaltfront liegt über Deutschland und schwenkt rasch südostwärts. Nachfolgend strömt polare Meeresluft ein, die am Dienstag im Süden unter Hochdruckeinfluss gerät. In den Nächten zum Montag und Dienstag besteht in der Mitte bzw. im Süden örtlich Nachtfrostgefahr. Am Mittwoch greift ein Trog von Nordwesten schneller als in den Vorläufen auf Deutschland über. Am Donnerstag erreicht ein kräftiges und umfangreiches Tief Frankreich. Die Entwicklung weicht nun zunehmend von den Vorläufen ab. Grundsätzlich verläuft die zweite Wochenhälfte unter Tiefdruckeinfluss unbeständig und eher kühl.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle zeigen die Entwicklung ähnlich, wobei ab Donnerstag größere Unterschiede hinsichtlich der Tiefdruckentwicklungen über West- und Mitteleuropa entstehen. Unbeständig und eher kühl ist aber die einheitliche Tendenz.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Das Geopotenzial in 500 hPa zeigt deutschlandweit ein Minimum am Montag/Dienstag bevor eine vorübergehende Erholung einsetzt. Übereinstimmend wird dann ein erneuter Rückgang gezeigt, der insbesondere im Süden zu tieferen Werten führt als beim ersten Trog. Zum Wochenende gibt es Hinweise auf eine Erholung des Geopotenzials. Die grundlegende Wellenbewegung wird vom gesamten Ensemble gezeigt. Die Stärke der Erholung bzw. des zweiten Minimums weichen teils stark voneinander ab.
Die Temperatur in 850 hPa zeigt ebenfalls ein Minimum am Montag/Dienstag im Bereich von -3 bis -6 Grad bevor eine Erholung auf Werte knapp über 0 Grad einsetzt. Anders als im Geopotenzial findet kein erneuter Rückgang, zumindest im Mittel, mit dem zweiten Trogvorstoß statt.
Über die gesamte Mittelfrist zeigen sich deutliche Niederschlagssignale mit einem Minimum im Süden am Mittwoch.
CLUSTERUNG:
Für Montag und Dienstag zeigen sich drei Cluster des Regimes "Mittelatlantischer Rücken". Der Hauptlauf liegt im größten Cluster mit etwa 50% der Member. Die Unterschiede für Deutschland sind minimal.
Für Mittwoch bis Freitag gibt es vier Cluster, ebenfalls alle des Typs "Mittelatlantischer Rücken". Unterschiede ergeben sich in der Struktur des Troges über Mittel- und Westeuropa. Übereinstimmend wird der neue Trogvorstoß über Westeuropa gezeigt und Deutschland östlich der Haupttrogachse liegt.
Für das Wochenende gibt es drei Cluster. Von anfänglich "Mittelatlantischer Rücken" findet ein Übergang zu "NAO-" oder "Blocking" statt. Unterschiede ergeben sich bei der Behandlung des Troges über Westeuropa. Das Cluster des Hauptlaufs zeigt eher eine Vorderseite, die anderen Cluster sind diesbezüglich indifferent.
Fazit:
Turbulenter Wochenstart mit markantem Kaltfrontdurchgang. Kräftige Gewitter im Süden, diesmal mit Dynamik, Dauerregen im Schwarzwald und im Allgäu wahrscheinlich sowie Sturm im Alpenvorland und an der Nordsee. Nachfolgend kühles Rückseitenwetter mit Nachtfrostgefahr. Nach kurzem Zwischenhocheinfluss zur Wochenmitte folgt von Nordwesten ein neuer Trogvorstoß nach West- und Mitteleuropa. Die Regionen mit Trockenheit werden kleiner werden. Sommertage sind erstmal nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
NIEDERSCHLAG:
Im Süden und insbesondere im Südwesten gibt es Signale für ein ungewöhnliches Niederschlagsereignis.
Das EPS zeigt gebietsweise im Südwesten, besonders für den Schwarzwald, geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30 mm in 24 Stunden.
STURM:
Es finden sich deutliche Hinweise im EFI auf ein ungewöhnliches Sturmereignis im Alpenvorland und im Umfeld des Bodensees.
Das EPS reagiert eher verhalten. Es zeigt geringe bis mittlere (westliches Alpenvorland) Wahrscheinlichkeiten für Bft 8, unter 10% für Bft 9. Ähnlich hohe Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 bzw. 9 werden für die nordfriesische Küste simuliert.
TEMPERATUR:
Es gibt Hinweise auf deutlich unterdurchschnittliche Temperaturen im Nordwesten (Montag) und Osten (Dienstag).
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, IFS, IFS-EPS
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





