Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 18.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
N z
Heute über dem Süden und Mitte einzelne kräftige Gewitter, vereinzelte Unwetter nicht ausgeschlossen. Am Sonntag im Nord- und Südosten einzelne kräftige Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag... ist ein Höhentrog über Skandinavien angekommen, an dessen breiter Südflanke wir in Deutschland unter einer zyklonalen westlichen Höhenströmung liegen. Das entsprechende Tief im Bodendruckfeld befindet sich über der Ostsee, von wo aus die Kaltfront diagonal über Deutschland liegt und nur langsam, weil etwas schleifend, südwärts vorankommt.
Die instabilste Luft ist inzwischen aus Deutschland nach Südosten abgedrängt und die Luftmasse präfrontal über Süddeutschland wurde durch Entrainment trockener Luft und leichte Kaltluftadvektion einigermaßen entschärft. Die noch vorhandene Labilität und etwas Hebung durch Randtröge führen schon am Morgen zu einzelnen Gewittern im Süden. Diese lassen jetzt, am Vormittag, zwar nach, leben aber schon ab zum Mittag wieder auf. Bei MU Cape bis 1000 J/kg und PPW um 25 mm sowie etwas Scherung bilden sind einzelne teils kräftige Gewitter mit Starkregen und Hagel. Auch stürmische Böen oder Sturmböen sind möglich, da die Luft in der Grenzschicht trockener geworden ist (inverted V). Meist dürfte es sich um markante Entwicklungen handeln. Vereinzelte Unwetter, vor allem durch Starkregen und größeren Hagel, sind aber nicht ganz ausgeschlossen.
Mit Annäherung eines weiteres Randtroges über die Nordsee dreht die Strömung zurück. Die aufkommende Hebung und etwas Labilität lassen dann auch über der Mitte, etwa von Hessen bis Sachsen, zum Abend einzelne, teils kräftige Schauer und Gewitter möglich erscheinen.
Im Norden ist stabilere und trockene Luft eingeflossen, hier macht sich aber der Druckgradient zum Tief bemerkbar und bringt von den Küsten bis ins norddeutsche Binnenland teilweise steife, an der Nordsee stürmische Böen aus West bis Nordwest.
Hinter der Kaltfront ist in den Norden und Nordwesten eine gemäßigte Luftmasse eingeflossen, die Maxima von 18 bis 24°C zulässt, in der Grenzschicht aber auch feucht ist und viel Sc/Cu Bewölkung mit sich führt. In einer etwas erweiterten SE Hälfte scheint gebietswiese längere Zeit die Sonne bei Höchstwerten von 24 bis 28°C und teilweise leichter Schwüle.
In der Nacht zum Sonntag wird die Kaltfront über der Mitte/Süden durch den hereinschwenkenden Höhentrog aktiviert und mit einer flachen Welle kommt sich über der östlichen Mitte wieder leicht nach Norden voran. Dabei muss im frontalen Bereich, etwa vom Badischen bis nach Sachsen mit schauerartigen Regenfällen gerechnet werden, in den einzelne Gewitter mit Starkregen eingelagert sein können. Auch aus den Alpen heraus greifen einzelne Gewitter nach Südbayern aus.
Die nächste konvektive Baustelle wird der Nordwesten. Im Trogbereich labilisiert dort die Schichtung wieder (+6 in 850 hPa, -21 in 500 hPa) und von der Nordsee breiten sich Schauer und einzelne Gewitter (eher gelb als ocker) ins westliche Niedersachsen aus.
Vom Westen in den Nordosten und in Teilen des Südostens passiert nichts, bei 16 bis 10°C. Der Wind im Norden hat schon ab den Abendstunden unter die Warnschwellen nachgelassen, lediglich an der See sind noch warnrelevante Böen (W/NW) dabei.
Sonntag... schwenkt die Haupttrogachse, die sich im Gegensatz zum Vortag durch den Randtrog wieder deutlicher abzeichnet, über Deutschland langsam nach Osten. Der Kern des Höhentiefs zieht derweil von Jütland in die westliche Ostsee, wo in etwa auch das Tief im Bodendruckfeld liegen dürfte.
Die Kaltfront schleift zunächst über dem Süden und Südosten Deutschlands, wird im Tagesverlauf aber langsam südostwärts abgedrängt. Der Luftmassenwechsel dort tut sich demnach zunächst schwer und entsprechend halten sich dort noch Reste der instabilen Luft. Auch von den Küsten bis zum östlichen Mittelgebirgsraum ist die Schichtung leicht labil mit einigen hundert J/kg MU Cape, ähnlich wie im Süden.
Das sind dann auch die Regionen wo sich im Tagesverlauf Schauer und einzelne Gewitter bilden. Obwohl im Süden zunehmend Scherung hinzukommt, werden die Entwicklungen nicht allzu heftig, weil der Luftmasse das Potential fehlt. Es bleibt oft bei schwächeren bis markanten Gewittern. Starkregen, kleinerer Hagel und stürmische Böen sind am ehesten möglich.
Auch postfrontal sind im Südosten nachmittags und abends noch einzelne Gewitter möglich, die durch einen nachfolgenden KW Trog ausgelöst werden und weil die Labilität nicht sofort abgebaut wird.
Sehr trockene Luft schiebt sich in den Westen, Südwesten bis Franken. Dort scheint meist die Sonne und es bleibt trocken.
Der Wind frischt im Tagesverlauf vor allem an der Ostsee kräftig auf mit 7er bis 8er Böen aus West bis Nordwest. Im norddeutschen Binnenland pendelt die Böenstärke zeitweise um die Warnschwellen, Bft 6 bis 7. Ob dort Warnungen nötig werden, entscheidet sich vielleicht erst im Nowcasting.
Die Zufuhr einer gemäßigteren Luftmasse über die Nordsee lässt noch Temperaturen von 18 bis 20°C an der Nordsee und bis 25°C im Südwesten zu.
In der Nacht zum Montag dreht sich das Tief unweit der vorpommerschen Ostseeküste ein. Dabei treten im Nordosten weitere Schauer und vereinzelte Gewitter auf und an der Ostsee sind am Rand des Tiefs teils stürmische Böen zu erwarten. Je nach Lage des Tiefs und des möglichen Einschubs von warmer Luft um das Tief herum ist in Vorpommern mehrstündiger, nichtgewittriger Starkregen nicht ausgeschlossen. An der Nordsee sind noch steife Böen aus NW möglich, in den anderen Landesteilen geht die Nacht ruhiger über die Bühne, da sich vom Hoch über dem Nordatlantik ein Keil in die SW Hälfte ausdehnt. Eventuell mit dem ein oder anderen flachen Nebelfeld im gradientschwachen Süden.
Die Temperatur geht auf 15°C an der Nordsee und bis 7°C regional über Süddeutschland und im Mittelgebirgsraum zurück.
Montag... entfernt sich der Trog nur langsam nach Osten. Das Drehzentrum soll abends etwa NE Polen, bzw. das Baltikum erreichen. Auch das Bodentief zieht entlang der polnischen Ostseeküste nur zögernd ab und es bleibt eine in den NE Deutschlands gerichtete Rinne erhalten.
Von der Ostseeküste bis zur Lausitz überwiegen die Wolken und es fällt teils schauerartiger Regen, anfangs mit einzelnen Gewittern. Der Regen lässt im Tagesverlauf nach. Dazu sorgt der Druckgradient für steife Böen nordöstlich der Elbe und für teils stürmische Böen an der vorpommerschen Ostseeküste. Ansonsten sind über Norddeutschland sowie am Alpenrand einzelne Schauer zu erwarten, für viel mehr reicht es trotz zyklonaler Höhenströmung aus Nordwesten, aber in trockener Luft wohl nicht.
Während im Süden meist die Sonne scheint, ebenso wie in Teilen des Nordwesten, zeigt sich der Himmel über Norddeutschland oft mit Sc und Cu bewölkt.
Die Maxima pendeln sich zwischen 18°C im Nordosten, je nach Bewölkung, und 25°C im Süden und Südwesten ein.
In der Nacht zum Dienstag verstärkt sich von Westen her Hochdruckeinfluss langsam weiter, sodass es bei oft gering bewölktem oder klarem Himmel trocken bleibt. Die letzten Schauer im Nordosten ziehen ab und auch der Wind an den Küsten lässt unter die Warnschwellen nach. Dazu kühlt es auf 15 bis 7°C ab.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die großräumige Entwicklung ähnlich. Unsicherheiten beschränken sich im Wesentlichen auf Details. Das Potential der Luftmasse hat soweit abgenommen, dass die Gewitter oft noch markanten Kriterien genügen und Unwetter unwahrscheinlicher geworden sind, aber lokal eben auch nicht ausgeschlossen. Die Lage des kleinen Tiefs über der Ostsee für Sonntag und Montag ist noch unsicher.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 18.07.2026 um 10.30 UTC
Zunächst mäßig warm, ab Freitag wieder ansteigende Temperaturen. Leicht unbeständig und gebietsweise etwas Regen.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 25.07.2026
Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am kommenden Dienstag liegt Deutschland zunächst am Rande eines Höhentroges, der vom Norden Skandinaviens über das Baltikum hinweg bis nach Südosteuropa reicht. In dessen Einflussbereich kommt es vor allem von der Nordsee bis zum Erzgebirge vereinzelt zu Schauern. In den weiteren Landesteilen dominiert der Einfluss eines umfangreichen Hochs mit Schwerpunkt nordwestlich der Britischen Inseln, von dem aus ein Keil Richtung Deutschland gerichtet ist. Entsprechend bleibt es dort trocken und die Sonne kommt häufiger zum Vorschein. Mit der nordwestlichen Strömung gelangt eine mäßig warme Luftmasse zu uns und die Höchstwerte liegen meist zwischen 19 und 24 Grad, im Südwesten sind bei mehr Sonnenschein bis 27 Grad zu erwarten.
Am Mittwoch wird der Haupttrog durch einen rückseitig vorstoßenden Kurzwellentrog regeneriert. Er verlagert sich vom Süden Skandinaviens in Richtung Nord-/Nordostdeutschland. Ein zugehöriges flaches Bodentief zieht vom Skagerrak in die südliche Ostsee. Dessen Ausläufer greift tagsüber mit schauerartigem Regen und einzelnen Gewittern (maximal markante Warnstufe) zunächst auf die Nordhälfte über und erreicht in der Nacht zum Donnerstag schließlich auch den Süden des Landes. Dabei kann es gebietsweise 10 bis 20 mm Regen in 24 Stunden geben (Schwerpunkte noch unsicher), meist liegen die Mengen aber unter 5 mm, im Südwesten kann es stellenweise auch gänzlich trocken bleiben. Zudem frischt der Nordwestwind insbesondere an der Nordsee teils stürmisch auf.
Am Donnerstag schwenkt der Trog weiter südostwärts und verliert allmählich Einfluss auf unser Wetter. Zuvor kommt es aber vor allem im Norden und Osten zu weiteren Schauern. Auch im äußersten Süden sorgen die Reste des Tiefausläufers noch für Regen. Die Temperatur liegt an beiden Tagen allgemein zwischen 18 und 24 Grad.
Von Südwesten nähert sich ein flacher Rücken und es setzt Druckanstieg ein, der sich am Freitag ostwärts fortsetzt. Entsprechend nimmt die Niederschlagsneigung auch im Norden und Osten ab. Die Luftmasse kann sich wieder etwas erwärmen und erreicht meist Höchstwerte zwischen 20 und 25 Grad, im Südwesten bis 27 Grad.
Am Wochenende setzt sich die Erwärmung weiter fort und mit Ausnahme des Nordens werden wieder sommerliche Werte zwischen 25 und 29 Grad erreicht. Höchstwerte bis 30 Grad sind voraussichtlich nur sehr lokal im äußersten Südwesten zu erwarten. Mit Annäherung eines weiteren Randtroges gestaltet sich das Wetter am Wochenende und in die erweiterte Mittelfrist hinein eher leicht unbeständig. Allerdings greifen Tiefausläufer nur in abgeschwächter Form über. Eine wirkliche Linderung der extremen Trockenheit ist also weiter nicht in Sicht.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des EZMW Modells kann bis Freitag als gut bezeichnet werden. Ab Sonntag lässt die Konsistenz nach. Unsicher ist noch, wie der neuerliche Randtrog sich verhält, der mal rascher, mal langsamer von Westen übergreift. Entsprechend unsicher ist auch noch die Niederschlagsentwicklung am Wochenende und zu Beginn der neuen Woche.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Entwicklung der Wetterlage wird zunächst recht ähnlich gezeigt. Einzig ICON lässt den Randtrog am Mittwoch und Donnerstag über Deutschland weiter nach Westen ausgreifen als die anderen Globalmodelle. Entsprechend sind die Niederschlagsschwerpunkte bei ICON eher in der Westhälfte und im Süden zu finden, während sich die anderen Modelle vor allem auf den Norden und Osten des Landes konzentrieren.
Auch der neuerliche Randtrog am Wochenende wird noch unterschiedlich ausgeprägt und positioniert vorhergesagt und somit auch die Niederschlagsentwicklung.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen des EZMW für ausgewählte Stationen in Deutschland stützen die Aussagen auf Basis des Hauptlaufs. So ist der Spread sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotential bis einschließlich Freitag gering und nimmt ab dem Wochenende etwas zu. Niederschlagssignale sind Richtung Westen und Süden nur sporadisch vorhanden, Richtung Norden und Osten häufiger. Insgesamt bleiben die Mengen aber gering.
Die Clusterung des EZMW zeigt für den Zeitraum +72 bis 96 Stunden drei Cluster, die aber für Mitteleuropa keine signifikanten Unterschiede zeigen. Für den darauffolgenden Zeitraum gibt es vier Cluster, die alle dem Regime "Atlantic Ridge" zugeordnet werden. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 1, in dem auch die meisten Member enthalten sind. Die anderen Cluster zeigen ähnlich zum Modellvergleich noch unterschiedliche Positionen des Randtroges zum kommenden Wochenende hin.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Mittwoch sind vor allem in der Nordhälfte, am Donnerstag im Osten und äußersten Süden einzelne Gewitter in Verbindung mit Starkregen um 15 l/qm in einer Stunde und stürmischen Böen Bft 8 gering wahrscheinlich. Zudem weht am Mittwoch an der Nordsee teils stürmischer Nordwestwind (Bft 8).
Sonst sind keine signifikanten Wettererscheinungen zu erwarten.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





