Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 17.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu SWa
Heute im Südosten einzelne markante Gewitter nicht ausgeschlossen und noch angenehm temperiert, lediglich im Südwesten um oder knapp über 30 Grad. Ab morgen von Südwesten heiß mit rasch zunehmender Wärmebelastung. Am Freitag zunächst im Nordwesten/Norden, später auch im Westen sowie im südwestdeutschen Bergland und an den Alpen vereinzelte Gewitter mit Unwetterpotenzial (v.a. wegen Hagel und Starkregen).
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... steht ein ruhiger Wettertag ins Haus. Verantwortlich dafür ist ein Höhenrücken, der, eingebettet zwischen umfangreichen Langwellentrögen über Nordost- bzw. Osteuropa und dem mittleren Nordatlantik (Drehzentrum südlich von Island) langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts wandert. Im Bodenfeld stützt der Rücken eine von den Azoren über Frankreich und Mitteleuropa bis nach Südosteuropa reichende Hochdruckzone ("GORGIAS"), die sich vor allem über dem Süden Deutschlands noch ein wenig verstärken, aber lediglich im Südwesten auch ihre volle Wirkung entfalten kann. Dort beginnt der Tag bereits überwiegend sonnig und auch im Tagesverlauf zeigen sich nur lockere, meist mittelhohe Wolkenfelder.
Ansonsten wird der Rücken überlaufen von WLA, die diesen aber wiederum stützt, wodurch er in weiterer Folge über Frankreich regeneriert. Klassischerweise geht die WLA im Bodenfeld mit der Passage einer Warmfront des Tiefs "TARA" südlich von Island einher, die bis zum Abend, abgesehen vom äußersten Osten, den gesamten Norden bzw. die Mitte des Landes überquert hat. Bereits im Vorfeld machen sich dichtere Wolkenfelder vor allem vom Nordwesten bis zur Mitte bemerkbar, hier und da, insbesondere im nördlichen Niedersachsen, regnet es dann im Warmsektor auch leicht (dort 1 bis 3 l/m² bis zum Abend, sonst sind es meist nur wenige Tropfen bis 0,5 l/m²).
Die Kaltfront des Tiefs wird durch den sich wieder regenerierenden und aufwölbenden Rücken über der Nordsee blockiert, verwellt dort und wird uns bis auf Weiteres nicht tangieren. Somit kann sich landesweit warme, aber auch eine mit einem hohen Gehalt an niederschlagbarem Wasser ausgestattete Luftmasse aus dem Raum der Biskaya durchsetzen. Vor allem im Nordwesten zeigen die Prognose eine zeitweise bis 600 hPa hochreichend nahezu feuchtegesättigte Luftmasse, die PPWs steigen im Warmsektor im Nordwesten und in der Mitte auf 35 bis nahe 40 mm. Etwas weniger feucht ist die Luftmasse im Südwesten, wo das Absinken unterm Rücken dämpfend wirkt.
Somit stehen heute fast im gesamten Land keine warnrelevanten Wetterereignisse auf der Agenda. Eine Ausnahme gibt es dennoch: Im äußersten Süden und Südosten ist die Luftmasse im Tagesverlauf hochreichend labil geschichtet, dabei kann mit der hoffentlich noch stattfindenden Einstrahlung (aktuell halten sich dort noch dichtere Wolkenfelder) im südlichen Alpenvorland, an den Alpen und auch im Bayerwald (dort scheint bereits die Sonne) mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden. Auch, wenn die Konvektion erlaubenden Modelle (I-D2, insbesondere aber auch die I-RUC-Läufe) dort aktuell sehr defensiv aufgestellt6 sind, können mit Hilfe der Orographie einzelne Gewitter mit Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen am Nachmittag und Abend nicht ausgeschlossen werden. Der sich verstärkende Rücken wirkt dem allerdings natürlich auch dort entgegen. Im Südwesten bekommt die Luftmasse bereits einen zunehmend subtropischen "Touch", die Temperatur in 850 hPa steigt dort bis zum Abend auf 16/17 Grad. Nach Nordosten zu werden es immer weniger, in Vorpommern und in Ostbrandenburg bleibt es noch unter 10 Grad. Entsprechend ergeben sich Maxima zwischen 21 und 24 Grad unter den dichteren Wolken im Norden und Osten (an den Küsten teils auch darunter), sonst zwischen 24 und 29 Grad, in Südbaden und im Oberrheingraben werden die 30 Grad dagegen bereits überschritten.
In der Nacht zum Donnerstag setzt sich die Regenerierung des Rückens über Frankreich weiter fort, was auch über dem Vorhersagegebiet mit einem Geopotenzialgewinn einhergeht. Entsprechend kann sich die Hochdruckzone weiter verstärken und nach Norden ausweiten, über dem Alpenraum bildet "GORGIAS" vorübergehend eine eigenständige Hochdruckparzelle aus mit einer 1025 hPa-Isobare.
Die Warmfront von Tief "TARA" überquert nun auch rasch die Osthälfte mit ein paar Regentropfen und nachdem spätestens am Abend auch die eventuellen Schauer/Gewitter im Südosten Geschichte sind, bleibt es in der zweiten Nachthälfte wohl landesweit trocken. Dennoch trocknet die Luftmasse durch das Absinken unter dem sich verstärkenden Rücken vor allem im Norden und Osten nur langsam ab, so dass es dort vielerorts wolkig bis stark bewölkt bleibt. Im Südwesten und Süden klart es hingegen zunehmend auf, im Übergangsbereich zur feuchteren Luft kann sich am ehesten in der Mitte auch gebietsweise Nebel bilden.
Die Nacht fällt nochmals halbwegs angenehm temperiert aus. Bei klarem Himmel kühlt es im Südosten und Süden auf 15 bis 10 Grad ab. Sonst, auch an Hoch- und Oberrhein, liegen die Minima meist zwischen 19 und 14 Grad.
Donnerstag... kommt der Höhenrücken nur wenig nach Osten voran und wölbt sich sogar noch etwas auf, so dass landesweit Absinken dominiert. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt langsam nach Ost- bzw. Südosteuropa und wird ein wenig abgebaut, so dass wir an dessen "heiße" Westflanke geraten. Somit wird der Weg frei für Subtropikluft aus Südwesteuropa. Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa auf Werte zwischen 12 Grad über Rügen und 21 Grad ganz im Südwesten. Vor allem über der Südwesthälfte geht diese Erwärmung mit einer deutlichen Labilisierung der Luftmasse einher, dennoch ist sie unterm Rücken durch das Absinken so stark gedeckelt, dass es auch im Schwarzwald und an den Alpen kaum für Konvektion reichen dürfte. Falls (dann sehr überraschend aus aktueller Sicht) doch, gehen die Gewitter mit Starkregen und Hagel einher, sollten aber noch markanten Warnkriterien genügen. Während es im Norden und Nordosten durch die WLA noch gebietsweise bewölkt bleibt, scheint ansonsten häufig die Sonne, im Südwesten auch von einem wolkenlosen Himmel.
Durch die Überhitzung etabliert sich über Frankreich bereits eine flache Tiefdruckrinne, die sich Richtung Ärmelkanal und Belgien ausweitet. I-D2 und auch das französische AROME simulieren dort am Nachmittag und Abend auch Auslöse, was durchaus wahrscheinlich ist, zumal eine hauptsächlich im IPV-Feld auszumachende flache Störung dort zum Abend hin auch für einen geringen dynamischen Hebungsinput sorgen dürfte. Bei durchaus günstigen Scherungsbedingungen, 500 bis über 1000 J/kg Cape und PPWs um 40 mm sind auch Superzellen nicht ausgeschlossen und in weiterer Folge die Organisation zu einem MCS. Dieses sollte bis zum Abend das Vorhersagegebiet aber noch nicht tangieren.
Somit stehen die Temperaturen eindeutig im Fokus, die nun vor allem auch in der Mitte und im Norden einen deutlichen Sprung nach oben machen. 23 bis 28 Grad stehen in Norddeutschland wohl auf der Karte, an den wenigen Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es etwas frischer. In der Mitte sind es 28 bis 32 Grad, in der großen Südhälfte heiße 30 bis 35 Grad, am Oberrhein auch knapp 36 Grad.
In der Nacht zum Freitag umläuft die oben angesprochene schwache Störung bzw. das IPV-Maximum den Rücken und überquert den Nordwesten und Norden Deutschlands ostwärts. Der Druckfall über dem Vorhersagegebiet setzt sich abgeschwächt weiter fort, von Benelux her weitet sich die Bodenrinne noch ein wenig Richtung West- und Nordwestdeutschland aus.
Somit kommen auch das MCS - sollte es denn eines geben - bzw. die Gewitter über Benelux nach Osten voran und dürften zumindest noch den Nordwesten Deutschlands erfassen. Genügend MU-Cape (um 500 J/kg) steht dort noch zur Verfügung, zudem dürfte ein MCS auch eine gewisse Eigendynamik entwickeln und bis weit in die Nacht bzw. bis in die Frühstunden überleben. AROME und SuperHD haben dieses Szenario tatsächlich auf der Agenda, I-D2 simuliert nur schwache Niederschlagssignale und lässt die Gewitteraktivität westlich von uns über Belgien und den südlichen Niederlanden.
Wie auch immer - im Falle des Falles steht vor allem der Starkregen als Begleiterscheinung auf der Agenda, durchaus auch bis in den Unwetterbereich angesichts der PPWs von über 35 mm. Hagel kann natürlich auch mit von der Partie sein - für größeren Hagel fehlt es an Scherung und Cape. Angesichts der nächtlichen Stabilisierung der Grundschicht spielt der Wind wohl eine eher untergeordnete Rolle.
Im Rest des Landes verläuft die Nacht dagegen ruhig. Generell bleibt es im Norden bewölkter als im Südwesten und Süden, wo der Himmel vielerorts klar ist. Die Luft wird unter dem starken Deckel insgesamt feuchter, was die Nacht unangenehmer gestaltet. Im Westen und Südwesten werden die 20 Grade vor allem in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen nicht mehr unterschritten, Minima von 22 Grad sind durchaus gebietsweiser möglich. Am angenehmsten wird es noch bei klarem Himmel im Osten und Südosten, wo nochmals die 15 Grad unterschritten werden, in höher gelegenen Mittelgebirgstälern geht es vielleicht auch auf nahe 10 Grad runter. Überall anders pendeln sich die Minima irgendwo dazwischen ein.
Freitag... kann ein erster, etwas kompetenterer Randtrog auf das westliche Mitteleuropa übergreifen, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein wenig aufsteilt, die Rückenachse aber nach wie vor kaum nach Osten vorankommt und das Grundmuster somit antizyklonal bleibt. Im Bodenfeld verstärkt sich die Tiefdruckrinne über Frankreich und Benelux tagesgangbedingt und lässt sich nun auch in den Global- bzw. Regionalmodellen deutlich ausmachen. Im Tagesverlauf weitet sie sich bis ins Vorhersagegebiet aus, was vor allem im Westen und Nordwesten des Landes anhand einer Feuchteflusskonvergenz und deutlich steigender Cape (1000 bis über 2000 J/kg) bzw. PPWs (35 bis 40 mm) bemerkbar macht. Die großräumige Scherung bleibt in Achsennähe nur schwach, mit auf Südost rückdrehenden Bodenwinden kann lediglich erhöhte bodennahe Richtungsscherung generiert werden. Wie der Tag konvektionstechnisch nun im Detail abläuft, hängt natürlich auch von einem eventuellen nächtlichen/morgendlichen MCS und dessen Outflow-Boundaries ab. SuperHD lässt beispielsweise den morgendlichen MCS über Nordwestdeutschland im Tagesverlauf langsam um den Rücken herum ost-, später südostwärts ziehen, wobei er sich zunächst etwas abschwächt, nachmittags/abends aber über Brandenburg wieder verstärkt. An dessen nach Süden auslaufender Outflow Boundary kann dann eventuell mit Hilfe der Orographie neue Konvektion, am ehesten im Bereich der Mittelgebirge, getriggert werden, die aktuell noch nicht in den Modellen auftaucht. Unter der Tiefdruckrinne bleibt die Luftmasse zunächst noch stark gedeckelt, am späten Nachmittag und Abend könnten dann aber von Benelux her ein weiteres MCS bzw. neue Gewitter auf NRW und den Westen Niedersachsens übergreifen.
Als Begleiterscheinungen steht in erster Linie der Starkregen im Fokus, da die Systeme zumeist nur langsam ziehen. Unwetter, selbst bis in den extremen Bereich (über 40 mm in kurzer Zeit) sind möglich. Auch Hagel kann angesichts der hohen Cape vor allem im Westen/Nordwesten Unwetterpotenzial erreichen. Sturmböen, auch schwere sind bei organisierten Systemen denkbar.
Gewitter können sich mit Hilfe der Orographie auch im Schwarzwald und am Alpenrand entwickeln mit ähnlichen Begleiterscheinungen. Punktuell sind somit durchaus Unwetter zu erwarten, eine großräumigere Unwetterlage steht dagegen nicht auf der Agenda. Die meisten Regionen gehen eh leer aus. Die tropisch anmutende Luftmasse mit lokal hohen Taupunkten (in der Nordwesthälfte örtlich um oder knapp über 20 Grad) weitet sich nun landesweit aus mit 850 hPa-Temperaturen zwischen 16 Grad im Nordosten und 21 Grad im Süden/Südwesten. Während es im Norden eher bewölkt bleibt, scheint sonst häufig die Sonne und kann die Luftmasse auf verbreitet 30 bis 35 Grad, vom Südwesten bis in die Mitte örtlich bis auf 37 Grad erwärmen. Etwas angenehmer bleibt es lediglich an den Küsten sowie im Norden Schleswig-Holsteins.
Über die Gewitteraktivität in der Nacht zum Samstag lässt sich - abhängig davon, was tagsüber geht - aktuell nur spekulieren. Die orographisch getriggerte Konvektion im Südwesten und an den Alpen sowie im Bereich einiger Mittelgebirge dürfte aber im Laufe der Nacht langsam zum Erliegen kommen. Anders dagegen im Westen und Nordwesten, die auf die Vorderseite des langsam über Frankreich und Benelux hinwegziehenden flachen Randtroges geraten, morgens erfasst er eventuell bereits den äußersten Westen des Landes. Somit ist davon auszugehen, dass die Gewitteraktivität dort nachts mehr oder weniger andauert und sich vielleicht auch noch etwas nach Osten, in die mittleren Landesteile ausweitet.
Die Scherungsbedingungen verbessern sich nur wenig, allerdings entwickeln die konvektiven Systeme durchaus eine gewisse Eigendynamik und MU-Cape steht sowieso genügend zur Verfügung. Somit sind Begleiterscheinungen bis in den Unwetterbereich nach wie vor denkbar, vor allem in punkto Starkregen, anfangs aber auch Hagel.
Dennoch gehen die meisten Regionen erneut leer aus und somit bleibt die Nacht fast überall, abgesehen vielleicht vom Südosten, unangenehm warm. Vielerorts werden die 20 Grad nicht mehr unterschritten, vor allem nicht in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle fahren bis Freitag einen einheitlichen Kurs. Über den genauen Ablauf der konvektiven Erscheinungen, die punktuell am Freitag durchaus Unwetterpotenzial aufweisen, lässt sich derweil nur spekulieren. Eine großräumige Unwetterlage dürfte dennoch nicht ins Haus stehen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 16.06.2026 um 10.30 UTC
Am Wochenende flächendeckende Hitzewelle, vielerorts starke bis sehr starke Wärmebelastung. Lokal Unwetterpotential durch schwere Gewitter, Details - wie auch eine Abkühlung aus Norden in der neuen Woche noch unsicher!
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 23.06.2026
Im Laufe des Freitags etabliert sich über weiten Teilen Mittel- und Westeuropas eine ausgeprägte südwestliche Höhenströmung. Ursache hierfür ist ein umfangreicher Langwellentrog über dem nahen Ostatlantik und westlich der Britischen Inseln, während sich gleichzeitig ein Höhenrücken vom westlichen Mittelmeerraum über Norditalien bis nach Deutschland und Südskandinavien aufwölbt. Deutschland befindet sich dabei auf der Vorderseite des Atlantiktroges in einer sehr warmen bis heißen und zunehmend feuchten Luftmasse subtropischen Ursprungs.
Am Boden erstreckt sich eine flache Tiefdruckrinne von Westfrankreich über die Beneluxstaaten bis nach Nordwestdeutschland. Die eigentliche Kaltfront des steuernden Atlantiktiefs verbleibt zunächst noch im Bereich der Britischen Inseln und kommt nur langsam ostwärts voran. Damit können sehr warme Luftmassen ungehindert nach Deutschland advehiert werden.
Die Temperatur in 850 hPa steigt verbreitet auf 16 bis 22°C, im Südwesten und Westen zeitweise auch darüber. Gleichzeitig nehmen die Taupunkte in den bodennahen Luftschichten vor allem im Nordwesten auf 16 bis 21°C zu. Die resultierenden Theta-e-Werte liegen auf außergewöhnlich hohem Niveau und führen zu zunehmender Schwüle sowie einer deutlich erhöhten Wärmebelastung. Die Höchsttemperaturen erreichen am Freitag verbreitet 30 bis 36°C, im Westen und Südwesten lokal auch darüber.
Konvektiv betrachtet gestaltet sich die Lage durchaus interessant. Die Luftmasse weist teils MU-CAPE-Werte zwischen 1000 und 2500 J/kg auf, lokal auch darüber. Während die stärkste Instabilität eher über der Westhälfte und im Bereich der Tiefdruckrinne auftritt, nimmt dort gleichzeitig die tiefreichende Scherung auf 15 bis 25 m/s zu. Somit ergibt sich insbesondere vom Nordwesten über Nordrhein-Westfalen bis nach Niedersachsen zeitweise eine günstige Überlappung von CAPE und Windscherung. In diesen Regionen können sich organisierte Gewitterstrukturen wie Multizellencluster, Bowing-Segmente oder vereinzelt Superzellen entwickeln. Die Hauptgefahren liegen in größerem Hagel, schweren Sturmböen und lokal extremem Starkregen.
Weiter südlich und östlich bleibt die Scherung tendenziell geringer. Dort dominieren eher langsam ziehende Einzel- oder Multizellen mit erhöhtem Starkregenpotenzial. Aufgrund von PPW-Werten um oder über 35 mm kann bereits eine geringe Verlagerungsgeschwindigkeit ausreichen, um lokale Unwetter durch heftigen Starkregen auszulösen.
Am Samstag ändert sich an den großräumigen Druckverhältnissen zunächst nur wenig. Der Atlantiktrog verlagert sich nur langsam ostwärts, während sich über Mitteleuropa weiterhin eine leicht antizyklonal gekrümmte südwestliche Höhenströmung behauptet. Gleichzeitig laufen jedoch wiederholt kurzwellige Troganteile über den Rücken hinweg. Diese Störungen sind mesoskalig nur eingeschränkt vorhersagbar, können aber als Auslösemechanismus für teils kräftige Gewitter dienen.
Die Frontalzone verbleibt weiterhin nordwestlich Deutschlands, wodurch die schwül-heiße Luftmasse erhalten bleibt. Die Temperaturen steigen erneut auf 30 bis 38°C, wobei insbesondere in Ballungsräumen sowie im Westen und Südwesten auch tropische Nächte möglich sind. Die Wärmebelastung bleibt hoch bis sehr hoch.
Bezüglich der Gewitter gilt am Samstag weiterhin das Motto "Alles kann, nichts muss". Das Umfeld weist verbreitet ausreichende Instabilität auf, die genaue Auslösung hängt jedoch stark von kleinräumigen Hebungsprozessen, Konvergenzen oder überlaufenden Kurzwellentrögen ab. Das höchste Potenzial für organisierte Gewitter mit Hagel- und Sturmgefahr besteht in der Osthälfte Deutschlands, wo die Überlappung von CAPE und Scherung am günstigsten erscheint. In den übrigen Landesteilen liegt der Schwerpunkt eher auf Starkregen bis hin zu unwetterartigen Mengen.
Am Sonntag steigt das Geopotenzial über Mitteleuropa weiter an und die Höhenströmung wird zunehmend antizyklonal gekrümmt. Dadurch werden großräumige Hebungsprozesse gedämpft und die Gewittertätigkeit insgesamt gehemmt. Am Boden etabliert sich zudem schwacher Hochdruckeinfluss. Eventuelle Gewitter werden daher vor allem durch Orographie oder lokale Konvergenzen ausgelöst. Aufgrund der nur schwachen Höhenströmung verlagern sich die Zellen meist nur langsam oder bleiben nahezu stationär, sodass die Starkregengefahr deutlich erhöht ist. Auch Hagel bleibt aufgrund der hohen Instabilität beziehungsweise der teils hohen CAPE-Werte ein Thema. Im Südwesten erreicht die 21-Grad-Isotherme in 850 hPa Deutschland. Dort wird die 35-Grad-Marke erneut verbreitet überschritten, lokal sind bis zu 38°C möglich.
Zum Montag deutet sich eine allmähliche Progression der Frontalzone an. Der Atlantiktrog gewinnt etwas an Einfluss, während der Höhenrücken über Mitteleuropa zunehmend abgeflacht und nach Osten abgedrängt wird. Kurzwellige Troganteile greifen verstärkt auf die Nordhälfte Deutschlands über.
Dabei könnte eine Kaltfront den Norden und Nordwesten Deutschlands erreichen. Im Vorfeld bleibt die Luftmasse nochmals sehr warm bis heiß und energiereich. Sollte die Front in den Nachmittags- oder Abendstunden auf die aufgeheizte Luft treffen, wären erneut organisierte Gewitterlinien oder größere Cluster mit Unwetterpotenzial denkbar. Allerdings bestehen hinsichtlich Timing, Intensität und räumlicher Ausdehnung derzeit noch erhebliche Unsicherheiten.
In der erweiterten Mittelfrist sprechen die aktuellen IFS-Läufe für eine fortschreitende Zonalisierung über dem Nordatlantik und Europa. Der Höhenrücken wird weiter nach Südosteuropa abgedrängt, während sich wiederholt Tiefausläufer auf Norddeutschland zubewegen können.
Wahrscheinlich ist eine Abschwächung der extremen Hitze zumindest in der Nordhälfte Deutschlands. Im Süden und Südosten könnte sich die warme bis heiße Luft dagegen länger halten. Insgesamt nimmt die Wahrscheinlichkeit für wechselhafteres Wetter mit zeitweiligen Schauern und Gewittern zu. Ob es dabei zu einer nachhaltigen Abkühlung im gesamten Bundesgebiet kommt oder lediglich zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Hitzelage, ist nach den aktuellen Modelllösungen noch offen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der Vergleich der IFS-Modellläufe zeigt insgesamt eine recht gute Übereinstimmung. Die Wetterlage stellt sich um: Mit einer südwestlichen Strömung erreicht bis zum Wochenende die erste flächendeckende Hitzewelle des Jahres auch den Norden Deutschlands.
Ab Freitag werden verbreitet Höchsttemperaturen zwischen 30 und 38 Grad erwartet. Gleichzeitig ist die Luft vielerorts sehr feucht und damit schwül. Dadurch steigt die Wärmebelastung deutlich an.
Noch unsicher ist die Entwicklung bei möglichen Gewittern. Das größte Risiko für örtlich kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial besteht derzeit im Nordwesten sowie in den Bergregionen.
Auch für den Beginn der kommenden Woche gibt es noch Unsicherheiten. Es ist derzeit nicht abschließend absehbar, ob die Hitze im Norden Deutschlands dann zurückgedrängt wird und ob dies mit kräftigen Gewittern verbunden sein wird.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Teufel steckt jedoch auch bei den übrigen Globalmodellen im Detail. Übereinstimmend belassen alle Modelle Deutschland am Wochenende auf der schwül-heißen Seite der Frontalzone und deuten für die neue Woche eine Abkühlung von Norden her an. Diese verläuft insbesondere in der Südwesthälfte unter zunehmendem Hochdruckeinfluss und dürfte dort nur wenig wetterwirksam ausfallen.
Eine endgültige und vor allem nachhaltige Verdrängung der Hitze auch aus dem äußersten Süden und Südwesten des Landes erscheint nach Durchsicht der gängigen Globalmodelle zumindest fraglich.
Noch größer sind die Unsicherheiten hinsichtlich der Gewitterentwicklung. Die höchste Gewitterwahrscheinlichkeit besteht derzeit am Freitag vor allem im Westen und Nordwesten Deutschlands. Am Samstag verlagert sich der Schwerpunkt voraussichtlich eher in die Osthälfte des Landes. Am Sonntag sind aufgrund zunehmenden Hochdruckeinflusses lediglich vereinzelte Gewitter zu erwarten. Zum Montag hin nimmt die Gewitterneigung von Nordwesten her im Zusammenhang mit der Annäherung einer Kaltfront wieder zu.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die kommende Hitzewelle ist in den Ensemblevorhersagen weitgehend unstrittig. Die deutschlandweiten Rauchfahnen verlaufen bis zum Wochenende eng gebündelt oberhalb der 15-Grad-Marke in 850 hPa. Damit sind verbreitet Höchsttemperaturen von über 30°C sehr wahrscheinlich. Im Südwesten, wo die Temperaturen in 850 hPa zeitweise auf etwa 20°C ansteigen, sind lokal auch Höchstwerte um 35°C oder etwas darüber möglich.
Zu Beginn der neuen Woche deutet der Hauptlauf einen allmählichen Temperaturrückgang an. Gleichzeitig nimmt der Spread der Ensembles deutlich zu, was auf zunehmende Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung hinweist. Während ein Teil der Member die Abkühlung des Hauptlaufes unterstützt, halten andere an der sehr warmen bis heißen Luftmasse fest. Die Wahrscheinlichkeit für eine nachhaltige Beendigung der Hitzewelle ist daher noch begrenzt.
Das Geopotenzial steigt bis Sonntag kontinuierlich an und erreicht dann seinen Höhepunkt. In der neuen Woche wird ein allmählicher Rückgang simuliert, was mit der Annäherung der Frontalzone und einer Abschwächung des Höhenrückens korrespondiert.
Die Niederschlagssignale fallen insgesamt eher verhalten aus und zeigen das für sommerliche Konvektionslagen typische Muster. Die Niederschläge konzentrieren sich auf einzelne konvektive Ereignisse, während Hinweise auf flächendeckende und länger anhaltende Niederschlagsereignisse derzeit fehlen.
CLUSTER:
Die Clusteranalyse zeigt im Zeitraum bis +96 h lediglich einen Cluster. Auch im Zeitraum von +120 bis +168 h werden nur zwei Cluster berechnet. Beide Lösungen weisen ein Blocking-Muster über weiten Teilen Europas auf. Deutschland verbleibt dabei in einer südwestlichen Höhenströmung, mit der sehr warme bis heiße Luft subtropischen Ursprungs herangeführt wird.
Im Zeitraum von +192 bis +240 h werden mehrere Cluster simuliert. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt der positiven Geopotenzialanomalien tendenziell etwas nach Westen. Für Deutschland ergibt sich daraus zunehmend eine westliche bis nordwestliche Strömung. Während Norddeutschland dadurch stärker in den Einflussbereich der Frontalzone geraten könnte, verbleibt der Süden und Südwesten voraussichtlich länger unter dem Einfluss des Höhenrückens. Dort dürfte sich die warme bis heiße Luftmasse entsprechend länger halten.
FAZIT:
Die erste flächendeckende Hitzewelle des Jahres steht unmittelbar bevor und dürfte mindestens bis Montag andauern. Danach nehmen die Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung deutlich zu. Tendenziell sprechen die Ensembles für eine Abkühlung von Norden her, deren Ausmaß und Nachhaltigkeit jedoch noch offen sind.
Auch die Gewitterentwicklung ist weiterhin mit großen Unsicherheiten behaftet. Dass es lokal zu unwetterartigen Entwicklungen kommt, erscheint angesichts der feucht-heißen Luftmasse durchaus wahrscheinlich. Ob und in welchem Umfang diese auftreten sowie wo die Schwerpunkte liegen werden, lässt sich derzeit jedoch noch nicht belastbar eingrenzen.
Als relativ sicher kann derzeit gelten, dass bis auf Weiteres keine großflächigen und ergiebigen Niederschlagsereignisse simuliert werden. Vielmehr stehen punktuelle, teils kräftige Gewitter mit lokal hohen Niederschlagsmengen im Vordergrund.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER (UNWETTER):
Die eingeflossene Luftmasse sorgt ab Freitag insbesondere im Nordwesten sowie im Bergland für ein erhöhtes Unwetterpotenzial. Die Modelle reagieren darauf bislang vergleichsweise verhalten, da in dem schwach antizyklonal geprägten Umfeld weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich der konkreten Gewitterauslösung bestehen. Eine mehr oder weniger ausgeprägte Deckelung könnte die Konvektion zeitweise unterdrücken oder zumindest räumlich begrenzen.
Der EFI für CAPE und Scherung zeigt am Freitag und Samstag im Nordwesten Deutschlands leichte positive Signale, was die Einschätzungen aus der synoptischen Analyse grundsätzlich unterstützt. Dort besteht die größte Wahrscheinlichkeit für eine organisierte Gewitterentwicklung, sei es durch lokale Auslöse entlang von Konvergenzen und Tiefdruckrinnen oder durch die Verlagerung von Gewitterclustern beziehungsweise mesoskaligen konvektiven Systemen aus den westlichen Nachbarländern.
Angesichts der feucht-heißen und energiereichen Luftmasse können dabei sämtliche konvektiven Begleiterscheinungen lokal das Unwetterkriterium erreichen oder überschreiten. Neben heftigem Starkregen sind auch größerer Hagel sowie schwere Sturm- oder vereinzelt orkanartige Böen möglich.
Abseits davon besteht vorerst vor allem über den Mittelgebirgen und den Alpen eine punktuelle Unwettergefahr. Aufgrund geringer Zuggeschwindigkeiten können sich dort einzelne Gewitterzellen nur langsam verlagern oder nahezu stationär bleiben. Entsprechend steht in diesen Regionen insbesondere heftiger Starkregen im Vordergrund.
In den EPS-Niederschlagssignalen finden sich derzeit noch keine ausgeprägten Wahrscheinlichkeiten für die Überschreitung relevanter Warnschwellen. Dies unterstreicht die weiterhin hohe Unsicherheit hinsichtlich Ort, Zeitpunkt und Ausmaß möglicher Unwetterentwicklungen.
HITZE:
Die Kollegen aus Freiburg weisen auf hitzewarnungen.de für Freitag und Samstag nahezu deutschlandweit eine starke Wärmebelastung aus. Lediglich die unmittelbaren Küstenregionen bleiben voraussichtlich davon ausgenommen.
Insbesondere in den Ballungsräumen West- und Südwestdeutschlands dürfte sich die Hitzebelastung deutlich verschärfen. Bei Tageshöchsttemperaturen um oder über 35°C sowie nur geringer nächtlicher Abkühlung sind dort regional mehrere Tropennächte in Folge möglich. Dadurch kann sich die Wärmebelastung zusätzlich verstärken, insbesondere für empfindliche Personengruppen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





