Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 21.08.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Heute im Süden und Südosten starke Regenfälle und evtl. schwere Gewitter (noch Unsicherheiten). Auch sonst wechselhaft, vor allem zum Sonntag hin aber zunehmender Hochdruckeinfluss.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag... könnte aus synoptischer Perspektive nochmal ein hochinteressanter Tag werden, insbesondere am Alpenrand sowie im Alpenvorland. Die Tatsache, dass hier der Konjunktiv zur Anwendung kommt, zeigt aber, dass selbst bei einem Vorhersagehorizont von vielleicht 9-12 Stunden die Fronten mitnichten vollständig geklärt sind. Wieso und weshalb, dazu im Folgenden mehr.

Zunächst zur allgemeinen Wetterlage, die Deutschland nach wie vor auf der Vorderseite eines umfangreichen Langwellentrogs sieht, welcher von Nordeuropa via UK/Irland bis hinunter zur Biskaya respektive der Iberischen Halbinsel reicht. Knapp westlich des südlichen Trogeils befindet sich noch weiterer Trog, der heute zu einem eigenständigen Höhentief mutiert und dabei das korrespondierende Bodentief mächtig intensiviert. Das aber nur der Chronistenpflicht halber, für uns spielt das bestenfalls mittelbar eine kleine Rolle. Hier gilt es, den Haupttrog im Auge zu behalten, dessen Südteil Anstalten macht, sich Mitteleuropa und somit auch Deutschland zu nähern. Heute wird das aber noch nichts, wenn man mal seine Hauptachse als Referenz nimmt, so dass wir zumindest den Tag, größtenteils wohl aber auch noch die kommende Nacht unter einer sich zunehmend aufsteilenden südwestlichen Höhenströmung verbringen.

Am Boden befinden wir uns inmitten eines langgestreckten Tiefdrucksystems, das mit seinen Hauptkernen ebenfalls über Nordeuropa positioniert ist (MARGARETE, NORA), um von dort bis hinunter in westliche Mittelmeer auszustrahlen. Über Süddeutschland liegt südwest-nordost-exponiert noch immer die schleifende Kaltfront, an der sich in den nächsten Stunden ein äußerst veritables MCS von Frankreich, Italien und der Schweiz her nach Nordosten hangelt. Auf der warmen Seite der Front, namentlich der südöstlichste Teil Bayerns sowie große Teile Österreichs bildet sich in Kürze ein föhnbedingtes Tief, das sich in den Abendstunden von den Alpen löst und via Osttschechien und die Slowakei gen Ostpolen zieht. Auf der "kalten" Seite der Front hat sich landesweit eine erwärmte subpolare Meeresluft (mPS) durchgesetzt, in der sich heute vor allem im Nordwesten und Westen auch ein bisschen was tut.

Doch bleiben wir zunächst im Süden, wo die Entwicklung wohl am prickelndsten vonstattengeht mit den noch oben schon angedeuteten Fragezeichen. Folgendes Szenario bieten die meisten Modelle mehr oder weniger ähnlich derzeit an: Im Laufe des Vormittags Übergreifen des großen Clusters in Form schauerartig verstärkter, vereinzelt gewittriger Regenfälle auf das südliche BaWü sowie das Allgäu, der sich über Mittag und am Nachmittag ost-nordostwärts bis nach Oberbayern, Teile Frankens, der Oberpfalz sowie den NO BaWüs ausbreitet. Dabei kommen gebietsweise 20 bis 40, teils auch 50 l/m² oder mehr innert weniger Stunden zusammen. Auch in kürzeren Zeitintervallen ist Starkregen möglich. Die Frage ist, wie gewittrig dieser Regen tatsächlich ausfällt. Aktuell existiert "nur" eine Starkregenwarnung für einen Teil der betroffenen Regionen. Diese Warnung muss räumlich sehr wahrscheinlich noch etwas angepasst und möglicherweise in eine Unwetterwarnung (nicht überall) überführt werden - nämlich dann, wenn kaum Gewitter auftreten.

Die zweite Baustelle liegt am östlichen, am warmen Rand des MCS respektive auf der Westflanke des Föhntiefs, wo sich am Nachmittag bzw. am frühen Abend ein oder zwei superzelluläre Gewitter entwickeln sollen, die einmal ost-nordostwärts entlang der Alpen und im südlichen Vorland, vielleicht auch noch bis Niederbayern durchziehen sollen. Wenn es so kommen sollte, dann geht´s heftig zur Sache. Zwar strotzt die Luftmasse nicht vor CAPE und Labilität, Scherung und Wasserdampfgehalt sind aber enorm. Die prognostizierten Reflektivitäten zeigen z.T. schöne Bogensegmente, was auf hohe Windgeschwindigkeiten hindeutet. Gerade am Alpenrand sollen laut ICON-D2-EPS schwere Sturm- oder gar Orkanböen 10 bis 12 Bft auftreten, Hagel um 3 cm und Starkregen gratis dazu. Das große Aber kommt nun aber gleich hinterher. Wenn nämlich das Sonnenfenster, dass sich aktuell auftut, nicht lange genug durchhält, weil Wolken/Schirme/Aufzüge benachbarter oder vorlaufender Systeme sowie möglicher inneralpiner Konvektion den Laden wieder dicht machen. In diesem Fall könnte am Ende der entscheidende Kick fehlen, um zumindest solch schwere Gewitter auszulösen. Dann würde es vielleicht "nur" markante Gewitter oder (un)gewittrigen Starkregen geben. Von der Detailentwicklung hängt auch ab, wie sich die von den Modellen apostrophierte Druckanstiegswelle windtechnisch auswirkt. Von schweren Gewitterböen bis nur Windstärke 7-8 Bft scheint noch alles drin zu sein.

Nun aber endlich zum großen Rest der Nation. Da ist zunächst der äußerste Nordwesten von Interesse, wo über der Nordsee eine Schauerlinie zu erkennen ist. Sie markiert eine zweite, teilokkludierte Kaltfront, die an einen Bodentrog gekoppelt ist und nur sehr unwillig Boden ins nordwestdeutsche Binnenland gutmacht. Am Ende kommt es aber doch so, so dass sich nicht nur im Nordwesten, sondern auch im Westen Schauer und einzelne Gewitter entwickeln, welche einfachen bis markanten Kriterien genügen (Starkregen, Böen 7-8 Bft, kleiner Hagel). Nur ganz gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass die 25mm-Starkregenschwelle gerissen wird und die "Rote Karte" gezogen werden muss.

Weitgehend trocken mit längeren sonnigen Phasen bleibt es in Teilen der Mitte und Ost- bzw. Nordostdeutschlands. Auch hinter Kaltfront trocknet es später von der Nordsee ab.

Die Temperatur liegt bei Regen im Südwesten nur bei 17/18°C, erreicht im Osten hingegen bis zu 27°C. Der große Rest verbringt den Tag irgendwo dazwischen.

In der Nacht zum Samstag ist der Spuk im Südosten rasch vorbei. Der Druck steigt, was sich in einem schmalen, von Frankreich ostwärts vorstoßenden Keil zeigt. Weiterhin fraglich ist, ob Ostsachsen und die Lausitz noch etwas vom Starkregen im Schlepptau des nach Polen ziehenden Tiefs, das übrigens den Namen PRISKA erhalten hat, abbekommen. Knappe Kiste, aber nach mehrheitlicher Meinung der Numerik soll der Kelch so gerade vorbeigehen und sich eher in Tschechien und Polen ergießen.

Ansonsten lässt sich konstatieren, dass die Annäherung des Höhentroges großen Einfluss auf das nächtliche Wettergeschehen ausübt, wobei vor allem die breite Mitte betroffen ist. Im Norden trocknet es weiter ab, so dass abgesehen von ein paar Nordseeschauern und vielleicht etwas Regen im deutsch-polnischen Grenzbereich nicht viel passiert. Teilweise klart es bei schwachem Wind sogar auf, was im Binnenland in der frisch eingeflossenen maritimen Polarluft (mP) die Temperatur auf nahe 10°C, lokal sogar etwas darunter zurückgehen lässt. In der Mitte hingegen stellt sich eine rege Schauertätigkeit ein, die in dem ein oder anderen Fall auch mal elektrisch ausfällt. Dabei gibt recht deutliche Hinweise auf Starkregen (nicht nur bei Gewittern), durch "Wiederholungstäter" durchaus auch mehrstündig, lokale Unwetter absolut nicht ausgeschlossen.

Samstag... schwenkt der Trog nur sehr zögerlich über den Vorhersageraum hinweg, weil er in seinem Westteil durch kurzwellige Anteile gespeist und somit ordentlich in die Breite gezogen wird. Im Bodendruckfeld gelangen wir zwischen ein umfangreiches Hoch über dem nahen Atlantik (1025 hPa + X), das einen breiten Keil in Richtung Alpen aussendet und dem ehemaligen Föhntief, das sich ordentlich gemausert hat (Kerndruck um 12 UTC unter 995 hPa) und das Baltikum ansteuert. Daraus resultieren west-nordwestliche Bodenwinde, die vor allem an den Küsten bis zum Abend spürbar zulegen (Böen 7 Bft).

Darüber hinaus gilt es festzuhalten, dass sich das konvektive Geschehen in der Mitte aus der Nacht zunächst fortsetzt, sich dabei aber geringfügig südostwärts ausdehnt. Noch immer ist Starkregengefahr gegeben, nicht zwingend an Gewitter gebunden und vor allem in der östlichen Mitte, wo die Schauer bzw. der schauerartige Regen so richtig in die Mittelgebirge (Thüringer Wald, Erzgebirge) reinlaufen. Am Nachmittag und Abend nimmt die Schauer- und Gewitterwahrscheinlichkeit kontinuierlich ab, weil sich die von der Nordsee einströmende Luftmasse als nicht so geeignet entpuppt und zudem der Trog die Lust verliert, als Antreiber zu fungieren. Das soll aber nicht heißen, dass nicht von der Deutschen Bucht her immer noch mal ein, zwei Schauer den Weg nach Husum, Cuxhaven oder Bremerhaven finden. Den meisten Sonnenschein gibt es im Süden von Südbaden bis nach Oberbayern hinüber, wo die abtrocknende Wirkung des Hochkeils seine höchste Wirkung erzielt.

Thermisch landen wir am morgigen Samstag bei nur noch 17 bis 23°C mit den höchsten Werten im Südwesten und den niedrigsten an der Nordsee.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Potenzialtrog ganz langsam ostwärts, was uns unter eine zyklonal konturierte west-nordwestliche Höhenströmung bringt. Mangelnder energetischer Input, zunehmend trockene Luft sowie weiterer Druckanstieg sorgen aber dafür, dass die Zyklonalität in der Höhe so gut wie keinen Impact mehr erzeugt. Sprich, die am Abend noch auftretenden Restschauer fallen rasch zusammen. Lediglich direkt an der See, wo diabatische Effekte im Spätsommer immer mehr an Bedeutung gewinnen und sich zudem noch ein Bodentrog des Richtung Finnischer Meerbusen ziehenden Tiefs bemerkbar macht, kann mit Schauernachschub gerechnet werden. Insbesondere an der Küste MVs sind auch kurze Gewitter mit Böen 8 Bft möglich. Darüber hinaus weht an den Küsten ein lebhafter West- bis Nordwestwind mit steifen, an der nordfriesischen Küste inkl. der vorgelagerten Inseln und Halligen auch stürmischen Böen 7-8 Bft.

Der große Rest des Land wird eine ruhige und vor allem ziemlich frische Nacht erleben, in der die Luft (T850 im Norden nur 3 oder 4°C) auf 12 bis 6°C abkühlt. In einigen Mittelgebirgen kann es bei längerem Aufklaren noch etwas frischer werden. Zudem muss in der Mitte und im Süden mit Nebel gerechnet werden.

Sonntag... verstärkt sich der Hochdruckeinfluss, auch wenn der Support aus der Höhe mager bleibt. Rückseitig des Troges bleibt nämlich die west-nordwestliche Höhenströmung zyklonal konturiert, während der eigentlich erwartete Potenzialrücken die Briten und Iren erfreut. Egal, der Hochkeil entpuppt sich als wuchtig genug, außerdem rückt das Zentrum des Mutterhochs allmählich dichter an den Kontinent heran. Für die Südhälfte bedeutet das reichlich Sonnenschein, garniert mit einigen Quellungen unterhalb der zwischen 700 und 750 hPa positionierten Inversion.

Nach Norden hin wird das gesamte Setup wolkiger, Richtung Nordosten auch stark bewölkt. Dort zeigt noch immer die nach Karelien ziehende PRISKA ihre Zähne, wenn auch in abgestumpfter Form. Vor allem an der Ostsee sind einzelne Gewitter möglich. Außerdem weht dort wie auch an der Nordseeküste SHs weiterhin ein frischer und böiger West- bis Nordwestwind.

Höchsttemperatur an der Nordsee um 18°C, am Oberrhein bis 25°C.

Modellvergleich und -einschätzung

Die heutige Warnlage ist im Süden und Südosten schwierig, was im Text auch hinreichend beschrieben wurde. Auch die schauerartigen Regenfälle kommende Nacht in der Mitte sind nicht einfach zu handeln. Betrachten wir sie als Geschenk der Natur nach langer Trockenphase.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann