Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 15.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu Sa (Süd antizyklonal)
Zunehmend antizyklonal geprägte Hochrandlage ohne besondere Highlights.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... verbringt Deutschland unter einer vergleichsweise lustlosen südwestlichen Höhenströmung, die sich vorderseitig eines derzeit noch sehr breit aufgestellten Höhentrogs über dem nahen Atlantik eingestellt hat. Etwas Abwechslung bringt ein in die Strömung eingelagerter KW-Trog, der den Vorhersageraum unter allmählichem Konturverlust ost-nordostwärts überquert. Dabei arbeitet er anfangs noch mit der Warmfront eines namenlosen Doppeltiefs süd- und südwestlich von Island zusammen, bevor sich Front und Trog am Nachmittag zunehmend aus den Augen verlieren. Die Hebungsimpulse (wenig WLA, etwas mehr PVA), die heute Morgen und am Vormittag noch geliefert werden, drücken sich in Form überwiegend schwacher Regenfälle (nur vereinzelt Stundensummen von 2 oder 3 l/m²) aus, die sich über die Mitte hinweg unter Abschwächung ost-nordostwärts verlagern. Am Nachmittag sind dann kaum noch Niederschlagsimpulse zu erwarten, sieht man mal von ein paar marginalen Tropfen im Osten ab. Ob es zum Abend hin auch im Grenzbereich zu Benelux sowie an der Nordsee für etwas Regen reicht, ist derzeit noch fraglich. Die Kaltfront (der Determinans "Kalt" ist angesichts fehlender Baroklinität mehr als euphemistisch), die auf die nordostwärts abziehende Warmfront folgt, ist nur wenig progressiv, weil sie weitgehend höhenströmungsparallel exponiert ist und zudem noch von einer stabilen, von der Biskaya gen Südengland ziehenden Welle ausgebremst wird.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die niedertroposphärische Erwärmung nur langsame Fortschritte macht. So steigt T850 gerade mal von 0 bis 4°C heute früh auf 1 bis 6°C am Abend mit den höchsten Werten im Süden. Zumindest im Nordosten, insbesondere in MV und dem nördlichen BB sowie in Teilen Ostbayerns färbt das auch auf die 2m-Temperatur ab, die in den genannten Regionen Schwierigkeiten hat, die 5°C-Marke zu erreichen. Ganz anders dagegen der Westen und Süden, aber auch große Teile der Mitte, wo es nicht selten in die Zweistelligkeit geht, am Oberrhein mit Sonnenunterstützung vielleicht bis zu 14 oder gar 15°C - Willkommen im Frühling 2026. Apropos Sonne, die zeigt sich heute vornehmlich in den beiden südlichen Bundesländern, wo die tiefe Bewölkung vielerorts verschwindet, aber noch Reste hoher und mittelhoher Wolken unterwegs sind. Chancen auf einige Auflockerungen gibt es im Tagesverlauf auch in der Mitte, konkret im Lee der zentralen Mittelgebirge, wo der schwache bis mäßige Südost- bis Ostwind für orografische Effekte sorgt. So richtig spürbar ist der Wind aber nur auf freien Kämmen und Kuppen einiger Mittelgebirgen mit Böen 7, Brocken 8 Bft.
In der Nacht zum Freitag erweitert der Trog über dem nahen Atlantik seine Amplitude auf Kosten der Wellenlänge. Dabei verlagert sich der eine Kern des o.e. Doppeltiefs unter leichter Intensivierung (Kerndruck zwischen 990 und 985 hPa) ins Seegebiet westlich von Irland, was für uns aber nur von akademischen Interesse ist. Hier dreht die weiterhin nur flaue südwestliche Höhenströmung etwas zurück, was es der Kaltfront schwer macht, bei uns Fuß zu fassen. Da nutzt es auch nur wenig, dass die stabile Welle über die Nordsee nordwärts abzieht, die Front bekommt einfach keinen richtigen Push. So lässt sich auch erklären, dass uns die Numerik eine weitgehend niederschlagsfreie Nacht offeriert, die teils wolkig bis bedeckt, teils aufgelockert bis klar über die Bühne geht. Dabei ist man sich modellübergreifend weitgehend einig, dass sich die Lücke bei der tiefen Bewölkung von Süden und von der Mitte her immer weiter nach Norden frisst. Vornehmlich entlang der Donau, Richtung Bodensee sowie in Ostbayern bildet sich Nebel mit Sichtweiten stellenweise unter 150 m. Frost tritt relativ verbreitet in Bayern und in Württemberg und eher punktuell (bei Aufklaren) zwischen Thüringer Wald/Erzgebirge und MV auf, Glätte durch gefrierende Nässe/Feuchtigkeit inklusive. Regelrecht mollig dagegen Teile Westdeutschlands, wo das Thermometer nicht unter 8 oder 9°C sinkt. Bliebe nur noch der Wind, der aus südlichen Richtungen kommend auf dem Brocken Sturmstärke 9 Bft und in der Deutschen Bucht einschließlich der Inseln (Gradientverschärfung vorderseitig der nordwärts ziehenden Welle) Böen 7-8 Bft erreicht. Anspringen tun auch die Höhen- und Leelagen der westlichen Mittelgebirge und des Harzes, so dass dort ab Mittag eine kleine Windwarnung "Böen 7, Haken 8" fällig wird.
Freitag... setzen sich die Amplifizierung und Verschlankung des Troges über dem nahen Atlantik fort, was bei uns ein weiteres Rückdrehen der Höhenströmung auf fast glatt Süd zur Folge hat. Trotz dieser widrigen Umstände schafft es die Kaltfront, insbesondere im Norden etwas landeinwärts nach Osten voranzukommen. Helfen tut dabei die Tatsache, dass die Welle dicht vor der südnorwegischen Westküste den Status eines kleinen abgeschlossenen Tiefs erlangt, was den Wind über der Nordsee und dem küstennahen Binnenland für kurze Zeit auf Südwest rechtdrehen lässt. Das genügt, um der Front einen kleinen Impuls zu geben und T850 im westlichen NDS auf rund 0°C sinken zu lassen. Weiter südlich wird die Front nach wie vor zurückgehalten, wobei sie von blau auf rot wechselt. Meint, die Kalt- geht in die Warmfront eines bis zur Iberischen Halbinsel reichenden Bodentrogs über, der den Fortsatz des o.e. Tiefs westlich von Irland markiert.
Wettermäßig präsentiert sich der morgige Freitag zumindest in der Südosthälfte des Landes häufiger von seiner hellen Seite. Konkret, trotz weiterhin vorhandener hoher und mittelhoher Wolkenfelder zeigt sich vielerorts die Sonne. Haken könnte es etwas oder auch etwas mehr - typisch für solche Lagen - am Bodensee, an der Donau sowie in Ostbayern, wo sich zäher Nebel/Hochnebel hält oder aber mit dem Ostwind von Tschechien her importiert wird. Im Westen und Norden macht sich mal mehr, mal weniger frontale Bewölkung bemerkbar, vor allem im Grenzbereich zu Benelux sowie allgemein in Küstennähe dürfte die weitgehend Wolkendecke weitgehend geschlossen bleiben. Nennenswerter Regen steht allerdings nicht auf der Karte, lediglich ein paar Tropfen sind zwischen Saarland und Emsland möglich. Der Wind auf und an der Nordsee lässt am Vormittag bereits wieder nach und dreht zum Nachmittag zurück auf Süd bis Südost. Dann setzt der Südwestwind nur noch auf dem Brocken Akzente, immerhin mit Böen 9 Bft, vielleicht auch mal 10 Bft. Außerdem könnte in Sachsen der Böhmische Wind ein wenig Fahrt aufnehmen mit ersten 7er-Böen.
Thermisch wird weiterhin eher geklotzt als gekleckert, meint Tageshöchsttemperaturen von verbreitet 7 bis 12, am Oberrhein lokal bis zu 14°C. Nur der Nordosten hinkt noch etwas hinterher, auch wenn 5°C meistens erreicht oder gar knapp überschritten werden. Das Schlusslicht bilden naturgemäß die Regionen im Süden mit hartnäckigem Dauergrau, wo wenige Grad über dem Gefrierpunkt, vereinzelt sogar nur 0°C erreicht werden.
In der Nacht zum Samstag ändert sich nur wenig an der Gesamtkonstellation. Mit Blick auf das Wochenende sowie den darauffolgenden Mittelfristzeitraum sei an dieser Stelle aber kurz das kräftige Hoch über Russland erwähnt, das sich in seinem Westteil deutlich verstärkt, was auch für den korrespondierenden, etwas nach Westen versetzten Höhenrücken gilt. Damit wird das für uns relevante Setup endgültig auf Blockade gestellt, die - wer weiß das schon - möglicherweise bis Sankt-Nimmerlein andauert (mehr dazu in der Synoptischen Übersicht Mittelfrist, Ausgabe später Vormittag). Es versteht sich fast von selbst, dass angesichts solcher Strömungen die weiterhin über dem Norden und Westen liegende Front (nunmehr komplett als Warmfront, was aber nur eine Formalie ist) keinen Kilometer mehr nach Osten vorankommt. Naja, und besonders wetterwirksam ist sie auch nicht (war sie zumindest bei uns noch nie), sprich, Wolken ja, Regen so gut wie nein.
Der Osten und Süden präsentieren sich vielfach gering bewölkt oder klar, allerdings auch mit erhöhter Anfälligkeit für Nebel und Hochnebel (mehr als in der Vornacht). Auch die Flächen mit Nachtfrost werden wieder größer, wobei im Süden punktuell sogar mäßiger Frost auf dem Zettel steht. Frostfrei hingegen weite Landstriche Westdeutschlands, aber auch im Norden sowie in Höhenlagen, die innerhalb der sich weiter aufbauenden Inversion befinden, klappt es nicht immer mit dem Minuszeichen. Thema Wind, der im Süden Sachsens in Böhmischem Gewand unterwegs bleibt und dabei einige steife Böen 7 Bft zustande bringt. Auf dem Brocken hingegen wird der Sturm voraussichtlich merklich ausgebremst.
Samstag... präsentiert sich der Trog über dem nahen Atlantik nur noch als Strich in der Landschaft. Und so kommt es wie es kommen muss angesichts der zunehmenden Potenz des kontinentalen Blocks, der Trog tropft in seinem Südteil aus. Das ist für die Regionen um das westliche und zentrale Mittelmeer herum übrigens keine gute Nachricht, setzt der Cut-Off doch eine veritable Zyklogenese in Gang, die in den nächsten Tagen für teils kräftige Niederschläge und stürmischen Wind verantwortlich zeichnet.
Ganz anders die Situation bei uns, wo wir mehr und mehr in die inversionsbestimmte Grundschichtbräsigkeit deutscher Winter hineinschlittern. Zwar lässt sich die noch immer präsente Front nicht so leicht totkriegen (siehe Vorhersagekarte T+60h), ihre zusehends kritisch gesehene Daseinsberechtigung rekrutiert sie aber eigentlich nur noch aus einem frontal anmutenden Wolkenband, aus dem zwischen Wangerooge und Meppen, vielleicht aber auch nur zwischen Borkum und Lingen ein paar wenige Tropfen fallen.
Im großen Rest des Landes dürfte es weitgehend trocken (vereinzelt Nieselregen nicht ausgeschlossen) bleiben bei allerdings unterschiedlichen Bewölkungsverhältnissen. Vor allem im Nordosten deutet sich ganztägig geschlossene Bewölkung an, während sonst die bei Meteorologen so beliebte "Teils-teils-Formel" zur Anwendung kommt. Teils bleibt es neblig trüb oder bedeckt durch Stratus respektive Hochnebel respektive beides, teils scheint die Sonne, wenn auch wahrscheinlich selten lupenrein. Zum einen sind weiterhin hohe oder mittelhohe Wolken am Start, zum anderen könnten auch Kleinstpartikel nordafrikanischer Herkunft, gemeinhin unter dem Begriff Saharastaub bekannt, für gewisse Trübungseffekte gut sein. Auf alle Fälle stehen die Chancen, ein gewisses Quantum solarer Strahlung abzubekommen, in und an den Alpen, in den Hochlagen der Mittelgebirge sowie den Leegebieten der westlichen und zentralen Mittelgebirge am besten. Windtechnisch hält sich der Ost- bis Südostwind allgemein zurück, lediglich an Erz- und Zittauer Gebirge könnte sich der BW noch längere Zeit halten.
Die Temperatur tritt insgesamt leichte Rückzugsgefechte an, heißt für die Osthälfte 0 bis 6°C (im Süden vereinzelt sogar Dauerfrost, dafür an den Alpen etwas milder). Nach Westen hin stehen 4 bis 9, in NRW bis zu 11°C auf dem Programm.
In der Nacht zum Sonntag steigen Potenzial und Luftdruck von Osten her etwas an, was das Absinken und die Abtrocknung von oben weiter forciert und die Inversion verstärkt. Spätestens jetzt ist die Front nicht mehr zu halten, zumindest nicht im Vorhersageraum. Nebel und Hochnebel breiten sich aus bzw. bilden sich neu, es gibt aber auch Lücken wie z.B. in Teilen Westdeutschlands und der Mitte sowie natürlich in höheren Lagen inkl. dem südlichen Alpenvorland. Frostfrei bleibt es gebietsweise im Westen und Norden sowie in Lagen, die sich mitten in der Inversion befinden. In Sachsen köchelt wahrscheinlich noch immer der BW sein Süppchen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die beschriebene Entwicklung im Kern ist unstrittig, kleine Unterschiede betreffen im Wesentlichen die Grenzschichtphysik (Nebel/Hochnebel). Gut möglich, dass in der kommenden Nacht im Osten Frost - Aufklaren vorausgesetzt - doch etwas häufiger auftritt als von MOS vorgesehen. Trotz Warmfrontpassage wird die kalte Grundschicht nur bedingt ausgeräumt bzw. abgemildert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 14.01.2026 um 10.30 UTC
Retrogrades Russlandhoch => ereignisarme Blockierung mit Inversion und winterlicher Grundschichtmeteorologie. Tagsüber mäßig kalt bis mild, nachts leichter Frost.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 21.01.2026
So spannend, abwechslungsreich und dynamisch die erste Januardekade war, das Pulver ist verschossen. Die (Schnee- und Glatteis)Kanonen sind leer, jetzt steht uns einmal mehr eine eher dröge und langweilige Blockierungslage mit dem wintertypischen Grundschichtgedöns bevor, wie wir sie noch aus dem zurückliegenden Dezember kennen: oben mild und tendenziell blau, unten mäßig kalt bis mild (mit Nachtfrost) und tendenziell grau; trocken bis auf lokalen Nieselregen aus Hochnebel. Braucht keiner, gibt´s aber. Jammern hilft nix, also ran an den Speck.
Beginnen tun wir am kommenden Samstag, dem offiziellen Beginn der Mittelfrist, der von einer stark gestörten Zirkulation geprägt ist. Auf der einen Seite ein langgetreckter, kurz vorm Abtropfen (Iberische Halbinsel) stehender Trog über Westeuropa respektive dem nahen Atlantik, der mit einer nicht minder langgestreckten Tiefdruckzone korrespondiert. Als Gegenspieler fungiert ein dickes, fettes Russlandhoch, das ganz klar retrograde Tendenzen aufweist und seinen Schwerpunkt mit etwas über 1045 hPa im Laufe des Wochenendes Richtung Belarus und nördliche Ukraine verlagert. Gestützt wird das Hoch von einem potenten Rücken, der vom zentralen Mittelmeer bis in Westen Russlands reicht. Dabei keilt er sichtbar nach Westen aus, wo er den durch das Abtropfen freiwerdenden Platz einnimmt. Gleichzeitig erstickt der Höhenkeil jegliche Ambitionen atlantischer Frontensysteme, bei uns nennenswerte Duftmarken zu setzen, im Keim. Das Setup im Vorhersagegebiet ist also ganz klar antizyklonal geprägt, wobei die untere Troposphäre immer milder wird (Absinken + Advektion durch leichte Südströmung => Inversion). Bis Sonntag steigt T850 auf etwa 5 bis 8°C mit den höchsten Werten im Süden, wo von den Alpen her eine leichte Föhntendenz erkennbar ist. Unterhalb der Inversion etabliert sich eine feuchte und tagsüber mäßig kalte bis milde, im Verlauf leicht abkühlende Grundschicht, in der es häufig bedeckt oder neblig trüb bleibt. Nachts gibt es verbreitet leichten, nur vereinzelt mäßigen Frost. Wer die Sonne den winterlichen Grautönen vorzieht, muss entweder ins höhere Bergland ausweichen (Mittelgebirge, Alpen + höheres Vorland) oder sich ins Lee der westlichen, zentralen und östlichen Mittelgebirge begeben. Dort sorgt der mitunter leicht auflebende Ost- bis Südostwind gebietsweise für Auflockern oder sogar gänzliches Auflösen lästiger Stratusbewölkung.
Von Montag bis Mittwoch ändert sich im Grunde nicht viel an der beschriebenen Konstellation. Zwar schwächt sich das Hoch ein wenig ab und verlagert sein Zentrum etwas nach Süden. Die Blockierung bleibt aber bestehen, zumal der korrespondierende Rücken weiterhin eine prominente Präsenz an den Tag legt. Gut möglich, dass die Inversion in Teilen so weit nach unten gedrückt wird, dass die Grundschicht mehr oder weniger getilgt wird und sich trockene Luft von oben durchsetzt (=> höhere Sonnenanteile). Die Musik spielt auf alle Fälle woanders, z.B. über dem nahen Atlantik inkl. UK/Irland, wo es immer mal wieder Anläufe potenter Tiefs aus dem Raum Neufundland/Labrador gibt, die dann aber nicht richtig weiterkommen. Sehr ungemütlich wird´s auch rund ums westliche Mittelmeer bis nach NW-Afrika rein, wo das Cut-Off-Tief nicht nur kräftige Regenfälle und Gewitter, sondern zudem noch einen sehr lebhaften, teils stürmischen Ostwind generiert.
Ob dann im Verlauf der zweiten Wochenhälfte (erweiterte Mittelfrist) eine Portion der nicht weit über Nord- und Nordosteuropa lauernden Kaltluft den Weg zu uns findet (inkl. eines kleinen Kaltlufttropfens), bleibt abzuwarten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des IFS-Modells vom ECMF kann als gut bezeichnet werden. Kleinere Unschärfen/Abweichungen liegen im handelsüblichen Rahmen mittelfristiger Vorhersagen. Demnach steht uns nicht zum ersten Mal im laufenden Winter eine ruhige und unspektakuläre Blockierungslage bevor. Das kräftige Hoch über dem nahen Osteuropa wehrt sämtliche Versuche atlantischer Systeme, bei uns einen Fuß in die Tür zu bekommen, erfolgreich ab.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Grundsatz verfolgen die an dieser Stelle üblicherweise auf dem Prüfstand stehenden Globalmodelle (ICON, GFS, GEM, UK10) keine wirklich anderen Ziele. Die Zeichen stehen klar auf Blockade, auch wenn jedes Modell seine individuellen "Macken" hat. So lässt z.B. GFS schon am Montag einen klitzekleinen Kaltlufttropfen (KLT) über die Nordhälfte zur Nordsee ziehen. UK10 präsentiert uns am Dienstag/Mittwoch von Südosten her einen etwas größeren KLT. Ein substanzieller Impact beispielsweise in Form von großartigen Niederschlägen geht davon in beiden Fällen nicht aus.
In der erweiterten Mittelfrist tun sich die beiden nordamerikanischen Modelle GFS und GEM schwerer als IFS, die nordosteuropäische Kaltluft anzuzapfen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte von IFS-EPS zeigen bis weit in die nächste Woche hinein einen vergleichsweise eng gebündelten Verlauf. Erst nach hinten raus beginnen die Ensembles etwas stärker zu streuen, wobei sowohl beim Potenzial 500 hPa als auch bei der Temperatur 850 hPa ein grundsätzlicher, aber nicht besonders steiler Trend nach unten offeriert wird. Der Hauptlauf (HRES) nimmt dabei eine Position im unteren Bereich der Kurvenscharen ein. Auffallend sind die sehr geringen bis nicht vorhandenen Niederschlagssignale. Zwar ist insbesondere im Westen (Referenz Essen) ein schwaches Grundrauschen zu erkennen, das möglicherweise auf das Übergreifen abgehalfterter Tiefausläufer hindeutet. Viel Niederschlag kommt dabei aber nicht heraus, wenn überhaupt.
Die heutige Clustergeschichte ist in einem einigen Satz erzählt. Alle drei Zeiträume bis Ende nächster Woche (T+72...96h. T+120...168h, T+192...240h) werden mit jeweils nur einem einzigen Cluster versehen, die alle dem Klimaregime "Blockierung" zugeordnet sind.
FAZIT:
Nolens volens steuern wir straight ahead auf eine neuerliche, abermals ereignisarme Blockierungslage mit Inversion und dem üblichen Grundschichtgedöns zu. Das numerische Fundament - deterministisch und probabilistisch - ist breit und fundiert aufgestellt, so dass keine Zweifel aufkommen können. Ob dann Richtung übernächstes Wochenende nord- bzw. nordosteuropäische Kaltluft den Weg zu uns findet, bleibt abzuwarten.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Es bedarf keiner näheren Erläuterung, dass auf dem Feld signifikanter Wettererscheinungen aus dieser Lage nichts herauszuholen ist.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





