Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 13.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Heute Nachmittag und Abend kräftige Gewitter mit Unwetterpotential im Norden. Am Dienstag verbreitet auftretende Gewitter mit erhöhtem Unwetterpotential wegen Starkregens!
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... beschäftigt uns ein Höhentief über Norddeutschland. Dieses sorgt für Labilisierung der dort liegenden feuchten, maritimen Luftmasse. Dabei stehen immerhin über 1000 J/kg CAPE zur Verfügung, die sich in Form einzelner Gewitter entladen. Die Hebung des Höhentiefs alleine reicht dafür aber nicht aus. Vielmehr benötigt es noch einzelne mesoskalige Forcingmechanismen, um die Konvektion in Gang zu bringen. Im Falle der zum Zeitpunkt des Verfassens existierenden Zellen waren dies vor allem lokale, küstennahe Konvergenzlinien. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Umgebungsbedingungen durchaus geeignet sind, relativ rasch unwetterträchtige Zellen zu produzieren. Hauptschwierigkeit ist hierbei die geringe bis nicht vorhandene Zuggeschwindigkeit (storm motion = Null). Das führt bei starken Aufwinden und PPW-Werten von über 30 mm zu unwetterartigem Starkregen und Hagel sowie zu einzelnen, lokal auftretenden Sturmböen durch thermische Grenzschichteffekte (Fallwinde, im worst case bis hin zum Downburst).
Bis zum Abend muss die Entwicklung dieser und weiterer Zellen im Auge behalten werden. Nach den Zellen in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern zeigt die Nowcasting-NWV noch weitere Entwicklungen im nördlichen Niedersachsen.
Kurzer Blick noch in den Rest des Landes. Vielfach scheint die Sonne, oft im Mix mit etwas Quellbewölkung. Aus Richtung Frankreich machen sich bereits erste Ausläufer eines dort befindlichen Tiefdruckkomplexes bemerkbar. Das äußert sich in Form hoher bis mittelhoher Bewölkung im Südwesten.
Dieser Tiefdruckkomplex über Frankreich hält in der kommenden Nacht den Süden auf Trab. Entlang des Jura bilden sich in einer bodennahen Tiefdruckrinne Schauer und Gewitter, die rasch verclustern und in der zweiten Nachthälfte nach Deutschland ziehen. So richtig einig ist sich die Numerik aber in dieser Hinsicht nicht. Externe Modelle wie SuperHD wollen von nächtlicher Konvektion gar nichts wissen, während ICON-D2 ein recht organisiertes Cluster durchrauschen lässt. ICON-RUC lässt immerhin noch einzelne kräftigere Gewitter übrig. Angesichts der doch recht guten Umgebungsbedingungen erscheinen zumindest einige Entwicklungen doch recht wahrscheinlich. Mit diesen muss zumindest lokal mit markantem Starkregen gerechnet werden. Sollte ein MCS-artiges Cluster entstehen, sollte auch auf die Entwicklung etwaiger Sturmböen geachtet werden. Das Höhentief hingegen verlagert sich ganz langsam Richtung Odermündung und Haff. An dessen Südwestflanke werden dabei im Laufe der Nacht neue Schauer und Gewitter unter Mithilfe der orografischen Gegebenheiten entlang von Harz und Thüringer Wald ausgelöst. Auch hierbei besteht zumindest ein geringes Starkregenrisiko.
Insgesamt bleibt es zumindest wechselnd, teils auch stark bewölkt, sodass die nächtlichen Minima äußerst mild ausfallen. Entlang von Rhein, Main und Neckar erwartet uns mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Tropennacht.
Dienstag ... setzt sich das Konvektionsgeschehen rege fort. Es etabliert sich, induziert durch das nun langsam südwärts wandernde Höhentief, eine Bodentiefrinne, die einmal quer über die Mitte des Landes von West nach Ost reicht. In dieser Rinne liefert die zugehörige Konvergenz den Antrieb für die Bildung zahlreicher Schauer und Gewitter, die schnell die Unwetterschwelle erreichen können. Sehr feuchte Luftmasse mit PPW-Werten um 35 mm und sehr langsame Zuggeschwindigkeiten liefern das Rezept für räumlich eng begrenzt schnell eskalierende Niederschlagsmengen von bis zu 40 mm binnen kürzerer Zeit. Auch Potential für extreme Starkregenereignisse von 50 bis 60 mm in einer Stunde können nicht ausgeschlossen werden. Bei erneuten CAPE-Werten von wenigstens 1000 bis 1500 J/kg ist mitunter auch größerer Hagel mit von der Partie. Zum Vergleich: Die heutigen Zellen waren immerhin in der Lage, Steine von 3 cm Größe zu produzieren. Auch thermische Windeffekte durch die anfangs noch trockene Grundschicht sind nicht außer Acht zu lassen. Einzelne Sturmböen durch Fallwinde sind durchaus denkbar.
Abseits davon regnet es an den Alpen aus der Nacht heraus weiterhin noch teils kräftig. Im Tagesverlauf lässt der Regen vorübergehend nach, bevor sich gegen Abend Schauer und Gewitter aus Richtung Norden bis zum Alpenrand hin ausbreiten. Nur im Norden bleibt es zunehmend störungsfrei. Dort setzt sich von der Ostsee her eine kühlere, stabile Luftmasse durch, die im Tagesverlauf wieder für zunehmend freundlicheres Wetter sorgt.
Insgesamt sorgt das Geschehen auch dafür, dass die prognostizierten Höchstwerte nicht mehr ganz so heiß ausfallen, wie zuvor noch gedacht. Zwar ist vor allem im Südwesten mit hoher Wärmebelastung zu rechnen, insgesamt steigt die Temperatur aber nur noch im äußersten Südwesten auf 34 bis 35°C, sonst bleibt es bei 26 bis 33°C. Vor allem der Osten ist beim Erreichen der 30°C-Marke nun außen vor.
In der Nacht zum Mittwoch verlagern sich die Schauer und Gewitter gen Südosten mit Schwerpunkt in Bayern. Dabei nehmen sie zunehmend clusterartigen Charakter an. Insgesamt lässt die Intensität im Zuge des Tagesgangs an, aber völlig ausschließen lassen sich auch hier unwetterartige Starkregenfälle binnen einer oder mehrerer Stunden nicht. Auffällig ist, dass konvektionsparametrisierende Modelle wie ICON-EU die Niederschlagsintensitäten erheblich dämpfen. Das deutet auf erhöhte Unsicherheiten sowohl bezüglich der Auslöseprozesse hin als auch auf die Ungenauigkeiten in der synoptischen Prognose; sprich: Entwicklung und Verlagerung von Höhentief und Bodendruckrinne. Es ist aber kaum vorstellbar, dass sich die Gewitterentwicklung zum Abend hin derart rasch abschwächen soll, da zum einen weiterhin labile Luftmasse vorhanden ist (abgehobene Konvektion) und zum anderen das synoptische Forcing ebenfalls vorhanden ist. Im Rest des Landes ebben die Niederschläge ab. Von Norden her stabilisiert es zusehends, sodass sich auch bis Mittwochfrüh von dort Auflockerungen bis in die Mitte durchsetzen. Dann werden auch die Temperaturen wieder angenehmer zum nächtlichen Durchlüften.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... weitet sich das Höhentief gen Westen aus, verharrt aber weiter an Ort und Stelle. Dafür nimmt es Kontakt auf zum bestehenden Tiefdruckkomplex auf dem nahen Atlantik und bricht so die bestehende Hochdruckbrücke zwischen Nordmeer und Südeuropa auf. Die Wetterlage gestaltet sich damit weiterhin eher zyklonal. In der Folge stehen auch weitere Schauer und Gewitter auf der Speisekarte. Außerdem wird ein Bodentief über Polen und Tschechien simuliert, das in den östlichsten Landesteilen für ergiebige Regenfälle sorgen könnte. Diese gesamte Entwicklung ist aber noch derart unsicher, dass hier an dieser Stelle noch nicht genauer darauf eingegangen wird. Etwaige Ausführungen dazu sind zudem der Frühübersicht vom Kollegen Hoffmann zu entnehmen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle tun sich mit der aktuellen Lage sehr schwer. Eine gradientschwache Lage in Verbindung mit einem Höhentief und viel mesoskaligem Geschehen stellt die Numerik vor größere Herausforderungen. Auf die wesentlichen dieser Unterschiede wurde im Text bereits eingegangen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
M.Sc. Felix Dietzsch
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 13.07.2026 um 10.30 UTC
Zunächst gebietsweise kräftige Gewitter, lokal Unwetter und teils starke Wärmebelastung, am Wochenende deutlich kühler. Nachfolgend von Westen antizyklonaler.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 20.07.2026
Am Donnerstag, dem Beginn der Mittelfrist, liegt ein Höhentief über Norddeutschland und zieht langsam Richtung Nordsee. Am Boden liegt im Süden eine Tiefdruckrinne mit feuchtwarmer Luft. Rückseitig des Höhentiefs wird in den Nordosten ebenfalls feuchtwarme und labile Luft geführt. In 850 hPa liegt die Temperatur zwischen 10 Grad unter dem Höhentief und bis zu 17 Grad im äußersten Süden. In der Nacht zum Freitag zieht ein flaches Tief von Frankreich her in die Mitte Deutschlands. In feuchtwarmer und labiler Luft kommt es gebietsweise zu gewittrigem Regen.
Am Freitag stößt über der Norwegischen See ein Trog südwärts und fängt das Höhentief über dem Südteil der Nordsee ein. Das Bodentief über der Mitte Deutschlands gelangt auf die entwicklungsgünstige Vorderseite des Troges und vertieft sich auf seinem Weg zur Südlichen Ostsee. Verbreitet kommt es zu schauerartigen und gewittrigen Niederschlägen, die vor allem im Feld des Tiefs im Nordosten kräftig ausfallen können. Die Temperaturverteilung in 850 hPa ändert sich zum Vortag kaum und reicht von 10 Grad im Nordwesten bis zu 17 Grad im Südosten Bayerns.
Am Samstag erreicht das Tief (an der Schwelle zum Sturmtief) mit einem Kerndruck nahe 995 hPa die Südöstliche Ostsee. Zwischen einem umfangreichen Hoch mit fast 1035 hPa nordwestlich von Irland baut sich ein veritabler Druckgradient auf. Der Trog über Deutschland schwenkt und leichter Verstärkung langsam ostwärts. Mit einer deutlich auffrischen nordwestlichen Strömung (Bft 8 an der Nordsee) fließt allmählich kühlere Meeresluft nach Deutschland. Die Temperatur in 850 hPa liegt zwischen 6 und 13 Grad, mit den tiefsten Werten im Westen. Schwerpunkte der Konvektion liegen im Bereich eines Randtroges im Nordosten Deutschlands und im Süden Deutschlands, wo sich die feuchtwarme Luft noch halten kann. An den Alpen kommt eine Staukomponente dazu.
Am Sonntag schwenkt der Trog nach Westpolen. Deutschland liegt rückseitig in einer nordwestlichen Strömung. Zwischen dem nach Finnland weitergezogenen Tief und dem sich kaum verändernden Hoch über dem Atlantik weht der Wind an der Küste anfangs frisch bis stark. Es wird mäßig warme Meeresluft (Temperatur in 850 hPa um 8 Grad) herangeführt. Vor allem in der Osthälfte und an den Alpen kommt es zu Schauern und Gewittern bzw. an den Alpen auch zu mehrstündigem Regen.
Zu Beginn der kommenden Woche verschieben sich die Druckgebilde, sowohl der Trog über dem östlichen Mitteleuropa als auch das Höhenhoch über dem Atlantik langsam ostwärts. Das Bodenhoch kommt bis Mittwoch zum Ostteil der Nordsee voran. Über Osteuropa entwickelt sich trogvorderseitig ein Tief. Randtröge beeinflussen die Osthälfte Deutschlands. Dort kommt es tagsüber zu Schauern und einzelnen Gewittern. Die Mengen sind aber in der Fläche gering. Im Westen dominiert aufgrund des Hochs Absinken. In 850 hPa liegen die Temperaturen meist zwischen 6 und 10 Grad, im äußersten Süden auch knapp über der 10-Grad-Marke.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag liegt ein Höhentief über Deutschland. Dieses ist gegenüber den Vorläufen etwas markanter aufgeprägt. Am Boden dominiert ein umfangreiches Hoch über dem Nordostatlantik, dessen Keil bis nach Norddeutschland reicht. Über Süddeutschland liegt eine Tiefdruckrinne mit feuchter Luft. Am Freitag wandert das Höhentief zur Nordsee und wird dort am Samstag von einem über die Norwegische See südwärts vorstoßenden Trog eingefangen. Der Trog schwenkt in der Folge am Wochenende über Deutschland ostwärts. Rückseitig wird zwischen einem Tief über dem Baltikum und dem Hoch über dem Ostatlantik mäßig warme Meeresluft nach Deutschland geführt. Die Vorläufe hatten den Trog nicht so weit südwärts ausgreifen lassen und im gestrigen 00-UTC-Lauf wurde das Höhentief nicht eingefangen. Der gestrige 00-UTC-Lauf hatte dementsprechend auch keinen über Mitteleuropa ostwärts schwenkenden Trog, sondern eine Hochdruckbrücke in der Höhe und eine Tiefdruckrinne am Boden mit feuchtwarmer Luft. Die Konsistenz ist grundsätzlich zum gestrigen 12-UTC-Lauf deutlich besser als zu gestrigen 00-UTC-Lauf. Die Konsistenz zum gestrigen 00-UTC-Lauf ist allenfalls anfangs noch gut und ab Samstag schlecht.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
ICON lässt das Höhentief statt zur Nordsee Richtung westliche Ostsee ziehen. Im Laufe des Wochenendes greift auch bei ICON der Trog von Nordwesten her über und nachfolgend strömt deutlich kühlere Meeresluft ein. GFS UND UKMO zeigen den Trog deutlich schwächer, aber auch bei den beiden Modellen dreht die Strömung großräumig auf Nordwest. Die advehierten Luftmassen sind aber nicht ganz so kühl wie bei ICON und IFS.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Deutschlandweit zeigen die Ensembles für das Geopotenzial in 500 hPa einen deutlichen Rückgang bis zum Wochenende und im Anschluss eine zögerliche Erholung. Die Unsicherheit nimmt ab Sonntag allerdings deutlich zu.
Die Temperatur in 850 hPa zeigt ein ähnliches Muster. Nach einem Maximum zu Beginn der Mittelfrist zwischen 14 und 18 Grad, wird am Wochenende ein Minimum um 8 Grad erreicht. Im Anschluss steigt die Temperatur in den meisten Läufen leicht an. Hitze ist auch dann unwahrscheinlich.
Die Niederschlagssignale nehmen ab Sonntag deutlich ab und sind in der kommenden Woche kaum vorhanden.
CLUSTER:
Für Donnerstag und Freitag ergeben sich sechs Cluster, die alle dem Regime "Blocking" zugeordnet werden. Der Hauptlauf gehört dem mitgliederstärksten Cluster an. Für Deutschland ergeben sich Unterschiede im Hinblick auf den Abbau des hohen Geopotenzials. Cluster 1 nimmt dabei eine mittlere Rolle ein.
Für Samstag bis Montag gibt es fünf Cluster. Es findet ein Wechsel hin zum Regime "Mittelatlantischer Rücken" statt. Allen Clustern ist der Rücken über dem Ostatlantik und der bis nach Mitteleuropa reichende Trog über Skandinavien gemein. Die Ausprägung des Troges wird unterschiedlich simuliert. Wobei das Cluster des Hauptlaufs einen eher stärkeren Trog zeigt.
Für Dienstag bis Donnerstag nehmen die Unterschiede zwischen den Clustern deutlich zu. Sie bieten die Regime "Blocking" und "Mittelatlantischer Rücken" an. Unterschiede für Deutschland ergeben sich in der Frage, inwieweit der Rücken ostwärts vorankommt bzw. die Strömung zonalisiert. Die mitgliederstärksten Cluster zeigen die Variante des Hauptlaufs, andere Cluster sind zyklonaler aufgestellt.
FAZIT:
Nach einem gewittrigen Beginn der Mittelfrist (Fokus Nacht zum Freitag und Freitag) vollzieht sich zum Wochenende ein markanter Wetterwechsel. Mit einer hochreichenden nordwestlichen Strömung flutet mäßig warme bis warme Meeresluft das gesamte Land. Im Westen dominiert rasch wieder Hochdruckeinfluss, im Osten dauert dies länger. Ein rasches Aufflammen der Hitze ist sehr unwahrscheinlich.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
EFI:
CAPE&shear:
Am Freitag im Süden deutliche Hinweise auf ungewöhnlich hohe Werte. EFI um 0,7, SoT über 0.
WIND:
Für Samstag und Sonntag geringe Hinweise an der Nordsee für ein Ereignis am oberen Ende des Klimas.
EPS:
WIND:
Von Samstag bis Montag geringe Wahrscheinlichkeit für Bft 8 an der Nordseeküste.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





