Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 19.06.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Weiterhin heiß mit starker, teils extremer Wärmebelastung. Lediglich im Norden vor allem am Sonntag Entspannung.
Dazu meist nur vereinzelte, dann aber kräftige Gewitter, durchaus auch mit Unwetterpotenzial. In der kommenden Nacht im Nordwesten Durchzug eines "kompetenteren" Gewittersystems (MCS) mit eventuell noch erhöhtem Unwetterpotenzial (das meiste spielt sich aber westlich von uns ab).
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland nach wie vor unter einem breiten, vom westlichen Mittelmeerraum bis nach Skandinavien reichenden Höhenrücken. Flankiert wird dieser von einem umfangreichen Langwellentrog über Nordwesteuropa bzw. dem Ostatlantik mit Drehzentrum bei Island. Beständige WLA auf der Vorderseite des Troges stützt unseren Rücken und sorgt für weiteren Geopotenzialaufbau, wobei dessen Achse - wohl ein wenig gepusht durch ein oder zwei sehr flache kurzwellige Troganteile, die im Laufe der Nacht von Frankreich und Benelux her auf den Westen Deutschlands übergreifen - bis Samstagfrüh tatsächlich etwas an Boden nach Osten gut macht und dann etwa über dem deutsch-polnischen Grenzgebiet aufschlägt.
Insgesamt ist die Höhenströmung über uns zunächst noch antizyklonal konturiert, dynamische Trigger für Hebung sind kaum auszumachen. Entsprechend bleibt die Druckverteilung im Bodenfeld über Mitteleuropa auch sehr flach. Der Rücken stützt nach wie vor das Bodenhoch "GORGIAS", welches seinen Schwerpunkt inzwischen weit nach Osteuropa verlagert hat. An dessen Westflanke strömt nach wie vor außergewöhnlich heiße Subtropikluft aus Südwesteuropa ins Vorhersagegebiet. Die Temperatur in 850 hPa ist aktuell auf Werte zwischen 16 Grad über dem Nordosten und 22 Grad über Baden-Württemberg gestiegen, wobei sich die Luftmasse bodennah bei, außer ganz im Norden und Nordosten (dazu später mehr), vielfach ungehinderter Einstrahlung auf Maxima zwischen 32 und 38 (Kitzingen sogar 39 Grad) erwärmen konnte und auch einige Dekaden- und auch Monatsrekorde aufgestellt wurden.
Entsprechend ihrem Ursprung weist die Luftmasse außerordentlich hohe Instabilitätswerte auf und zeichnet sich aufgrund der kräftigen niedertroposphärischen Erwärmung bei gleichbleibenden Temperaturen in 500 hPa durch zunehmend steile Lapse Rates aus. Dabei war heute im Süden und teilweise auch in der Mitte noch eine einigermaßen funktionierende vertikale Durchmischung gegeben, die dort für verhältnismäßig angenehme Taupunkte (vor allem im Südwesten oft unter 15 Grad) sorgte, wohingegen die Luftmasse im Norden, insbesondere im Nordwesten nach nächtlicher/morgendlicher Konvektion stärker gedeckelt blieb. Dort erreichten die Taupunkte vielerorts Werte von deutlich über 20 Grad. Entsprechend simulieren die Konvektion auflösenden Modelle gebietsweise MU-Cape bis 3000 J/kg, punktuell auch darüber bei PPWs zwischen 30 und 40 mm. Weiter südlich ist die Cape mangels Deckel etwas geringer, im Bereich lokaler, durch die Orographie bzw. durch Outflow Boundaries älterer Gewittersysteme getriggerter Feuchteflusskonvergenzen können bzw. konnten kleinräumig aber durchaus ebenfalls 1500 bis 2000 J/kg generiert werden. Es handelt sich also um eine durchaus "explosive Luftmasse. Trigger für Auslöse lassen sich dagegen kaum ausmachen. Dennoch hat es hier und da bereits "gezündet", was einerseits der Orographie geschuldet ist (vor allem Bodensee/Allgäu, südwestdeutsche Mittelgebirge, Odenwald, Nordrand des Pfälzer Waldes und Taunus), andererseits aber auch der Outflow Boundaries zweier Gewittersysteme, die aus der vergangenen Nacht heraus über Norddeutschland ostwärts gezogen sind und sich inzwischen Richtung Polen verabschiedet haben (von Ostthüringen bis zur Lausitz). Vor allem im Südwesten entwickelten sich aus starken Einzelzellen rasch outflowdominante Multizellen, die im Anfangsstadium bzgl. Hagel, in weiterer Folge dann bzgl. Starkregen vereinzelt und punktuell Unwetterpotenzial aufweisen, innerhalb der trockenen Grundschicht mit hoher D-Cape sind sicherlich kleinräumig auch mal schwere Sturmböen möglich. Während sich die eher schwächeren Gewitter in der Osthälfte am Abend rasch abschwächen, kann es grade im Südwesten und Süden noch etwas dauern, bis auch dort die Gewitteraktivität langsam in die Knie geht. Ansonsten gilt es aber den Blick gen Westen zu richten. Dort fallen zwei Gewitterkomplexe ins Auge. Das östlichere hat von Belgien bereits auf den Norden von Rheinland-Pfalz und den Süden von NRW übergegriffen. Es handelt sich um einen Multizellencluster mit allerdings durchaus starken Einzelentwicklungen an der Südostflanke, die kleinräumig auch mal Unwetterpotenzial aufweisen können. ICON-RUC simuliert daraus einen MCS, das über Hessen, das Ruhrgebiet und Ostwestfalen ostnordostwärts ziehen soll mit verbreiteten Sturmböen, vereinzelt auch mit Sturmböen und Starkregen kleinräumig bis in den Unwetterbereich, anfangs dürfte auch noch Hagel mit von der Partie sein. Erst nach Mitternacht schwächt sich das MCS auf seinem Weg Richtung Niedersachsen, Thüringen und Unterfranken langsam ab, bleibt aber bis in die Frühstunden noch durchaus recht kräftig. Ganz anders ICON-D2: Nach dessen Lesart soll sich das System bereits in der ersten Nachthälfte deutlich abschwächen und letztendlich in einzelne Schauer und Gewitter zerfallen, die kaum mehr markante Warnkriterien aufweisen dürften. Die Wahrheit wird sich wohl irgendwo in der Mitte abspielen, Nowcasting ist also gefragt. Die EPS sprechen aber eher gegen verbreitete Unwetter, punktuell ist aber durchaus möglich, vor allem in der ersten Nachthälfte. Das zweite System befindet sich derzeit über der Normandie und dürfte sich im Laufe der Nacht über Belgien und die Niederlande nordostwärts verlagern. Nach Lesart des I-D2 soll es gegen 23 Uhr, nach I-RUC gegen 1 Uhr irgendwo im Bereich Emsland/Westmünsterland aufschlagen. Dieses System wird dynamisch durch die angesprochenen Randtröge zumindest ein wenig gestützt, eine Organisation zu einem ausgeprägten MCS ist möglich bis wahrscheinlich, weshalb mit zumindest markanten Begleiterscheinungen zu rechnen ist, Unwetter nicht ausgeschlossen. Im Fokus stehen dabei - je nach Eintreffzeitpunkt - der Wind (Sturmböen, vereinzelt schwere Sturmböen, orkanartige Böen dagegen nach den aktuellen Läufen nur noch gering wahrscheinlich) und der Starkregen. Im laufe der Nacht zieht das MCS über Teile Niedersachsens und den Hamburger Raum nach Schleswig-Holstein, wobei bis zum Morgen zumindest mit markanten Begleiterscheinungen (Starkregen, Sturm) zu rechnen ist.
Im übrigen Land passiert nach Abklingen der Konvektion (was, wie bereits erwähnt, durchaus lange dauern kann) wenig bis gar nichts. Es bleibt unangenehm mild bis warm mit Minima zwischen 22 und 16 Grad. In einigen Ballungszentren sowie in mittleren Höhenlagen kann es sogar noch wärmer bleiben.
Samstag ... schwenken ein/zwei, wohl durch die Gewittersysteme induzierten flachen kurzwelligen Troganteile entlang der Westflanke des Höhenrückens langsam über das Vorhersagegebiet hinweg nordostwärts. Rückseitig deutet sich sogar wieder ein leichtes Aufwölben der Höhenströmung an, so dass wohl über weite Teile des Tages hinweg schwaches Absinken über dem Vorhersagegebiet dominiert und zu einer Wetterberuhigung führt.
Zunächst beschäftigen uns aber noch die konvektiven Systeme aus der Nacht. Diese ziehen im Tagesverlauf langsam über den Norden und Osten hinweg ostnordostwärts, aber zunächst einmal in die übliche vormittägliche Depression. Dabei ist noch unklar, wann und in welcher Form sie die Grenze zu Polen erreichen. In einem wenig dynamischen, aber mit nach wie vor verhältnismäßig extremen Instabilitätswerten ausgestatteten Umfeld dürften eventuelle MCS morgens eher zerfallen bzw. bereits zerfallen sein. Mit dem Tagesgang ist dann in deren Peripherie bzw. an Outflow Boundaries erneut mit kräftigeren Entwicklungen zu rechnen, die - je nachdem, wann die Grenze zu Polen erreicht wird - auch alsbald zumindest kleinräumig Unwetterpotenzial bzgl. Starkregen, anfangs auch bzgl. Hagel erreichen können. I-D2-EPS hat erhöhte Wahrscheinlichkeiten dafür ab dem späten Vormittag/Mittag über Brandenburg, Sachsen und dem ostbayerischen Mittelgebirgsraum auf der Agenda. Allerdings bieten die Modelle durchaus auch alternative Lösungen an: I-RUC lässt die Gewitter z.B. schneller Richtung Polen abziehen, so dass kaum mehr mit unwetterartigen Entwicklungen zu rechnen ist. Rückseitig dürfte sich dann aber tatsächlich erst einmal aus oben genannten Gründen wenig tun. Erst am späten Nachmittag und Abend deuten die Konvektion erlaubenden Modelle erste konvektive Entwicklungen insbesondere im Umfeld der südwest- und westdeutschen, vereinzelt auch der zentralen Mittelgebirge an. PPW und Cape ändern sich gegenüber dem Vortag kaum, sie Luftmasse ist tagsüber wieder hochreichend labil geschichtet, somit sind kleinräumig auch immer wieder unwetterartige Entwicklungen, insbesondere bzgl. Starkregen und Hagel möglich. Im Großteil des Landes bleibt es aber wohl trocken und - außer im Nordosten und Osten - auch überwiegend sonnig.
Auch im Bodenfeld steigt der Druck im Tagesverlauf sogar ein wenig an, wobei sich über GB und dem Ärmelkanal sowie der südlichen Nordsee ein flaches Bodenhoch etabliert. An dessen Ostflanke dreht die Bodenströmung im Nordwesten langsam auf Nordwest bis Nord. Damit kann von der Nordsee her eine bodennah kühlere und deutlich stabilere Luftmasse einsickern. Die Grenze zu der labilen Luftmasse weiter südlich bildet nun eine flache Rinne, innerhalb derer die höchsten Instabilitätswerte simuliert werden und die abends in etwa von NRW über das mittlere Niedersachsen bis nach Vorpommern reicht. I-D2 simuliert teilweise mehr als 2500 J/kg ML-Cape bei PPWs zwischen 35 und 40 mm. Von den Konvektion erlaubenden Modellen hat allerdings lediglich das SuperHD dort Gewitter auf der Agenda, es fehlt einfach ein Trigger für Auslöse. Sollte es dennoch reichen, ist natürlich ebenfalls kleinräumig von unwetterartigen Entwicklungen auszugehen. An den Höchstwerten ändert sich gegenüber heute nur wenig, lediglich im Nordwesten und an der Ostsee werden die 30 Grad wohl nicht mehr erreicht. Ansonsten bleibt es außergewöhnlich heiß mit im Mittel vielleicht 0,5 bis 1 K niedrigeren Maxima als heute.
In der Nacht zum Sonntag verstärkt sich das Hochdruckgebiet über der Nordsee und GB und auch im Vorhersagegebiet steigt der Druck noch etwas an. Die flache Rinne mit der instabilsten Luftmasse wird dadurch bis Sonntagfrüh noch etwas nach Südosten gedrückt und befindet sich irgendwo im Bereich der Landesmitte. Nördlich davon strömt bodennah von norden her eine deutlich stabilere und nicht mehr so heiße Luftmasse, auch die 850 hPa-Temperatur sinkt dort auf ca. 10 bis 14 Grad.
Somit bleibt es im Norden und Nordwesten aufgelockert, teils auch gering bewölkt und es kühlt auf angenehme 18 bis 14 Grad ab, in Schleswig-Holstein im Binnenland vielleicht auch etwas darunter.
Der Rest des Landes verbleibt um Einflussbereich der schwülen Subtropikluft, so dass erneut eine unangenehme Nacht ins Haus steht mit Minima zwischen 23 und 17 Grad. Nach Lesart des ICON-EU und auch des I-D2 nähert sich von Westen her ein flacher Kurzwellentrog an, der die Luftmassengrenze vor allem im Westen aktivieren könnte, entsprechend simuliert I-D2 einen Gewittercluster, der in der zweiten Nachthälfte bzw. morgens von Belgien her auf NRW übergreift. Auch SuperHD hat ein sehr ähnliches Szenario auf der Agenda. Ansonsten bleibt die Nacht aber vielerorts ruhig, wobei die Gewitter vom Tage sich noch lange halten können, teilweise vielleicht auch bis in die zweite Nachthälfte.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... hat sich innerhalb der Modellwelt gegenüber den Ausführungen in der Frühübersicht kaum etwas geändert: Es bleibt bei der markanten Luftmassengrenze irgendwo über der Mitte des Landes mit schwüler und teils extremer Hitze im Süden und angenehm sommerlicher Wärme im Norden. Vor allem im Bereich der Luftmassengrenze, aber auch weiter südlich sind nach wie vor kräftige Gewitter - auch mit Unwetterpotenzial - möglich. Eine genauere Regionalisierung ist aber nach aktuellem Stand der Dinge nicht möglich.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Problematik bzgl. der Entwicklung der Gewittersysteme und MCS in der kommenden Nacht und die teils krassen Modelldifferenzen wurden im Text bereits angesprochen.
Von einer Vorabinformation wurde abgesehen, da der dafür verantwortliche MCS auf einer westlicheren Zugbahn gen Norden verlagert und zudem erst recht spät in der Nacht auf den Nordwesten übergreift. Darauf haben nicht nur die Einzelläufe von I-D2 und I-RUC reagiert, sondern auch die probabilistischen Verfahren mit abnehmenden Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 10 und mehr bzw. unwetterartigem Starkregen. Kleinräumig sind aber bis weit in die Nacht hinein unwetterartige Entwicklungen möglich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 19.06.2026 um 10.30 UTC
Anfangs Schwergewitter. Im Südwesten Fortsetzung der Hitze.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 26.06.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Montag wölbt sich ein Rücken von Nordafrika über Frankreich und Großbritannien in Richtung Europäisches Nordmeer auf, während über dem Norden Norwegens und Grönland tiefer Luftdruck dominiert. Vom Westen Russlands über die Schwarzmeeregion bis ins östliche Mittelmeer und die Türkei erstreckt sich ebenfalls tiefer Luftdruck. Und auch vor der Iberischen Halbinsel ist ein Tief zu finden. Auf dessen Vorderseite wird neben kontinentaler Tropikluft auch Saharastaub nach Nordwest- und Mitteleuropa gesteuert. Am Boden stützt der Höhenrücken eine Antizyklone, die sich vom südlichen Norwegischen See bis nach Nordostdeutschland und Polen erstreckt. Ausgehend von einem Tief über der Barentssee liegt eine Luftmassengrenze über dem Baltikum und Polen, verläuft über Deutschland rückläufig und geht in ein Tief auf dem Nordostatlantik über. Diese trennt maritim erwärmte Subpolarluft im Nordosten Deutschlands mit 850 hPa-Temperaturen um 12 Grad von heißer Subtropikluft im Südwesten mit 850 hPa-Temperaturen nahe 21 Grad. Insbesondere vom Westen über die Mitte bis in den Südosten des Landes befindet sich präfrontal eine sehr energiereiche Luftmasse mit CAPE-Werten zwischen 1500 und 2500 J/kg, die bei geringen CIN-Werten nur leicht gedeckelt sind. Somit muss im Tagesverlauf mit kräftigen Schauern und teils schweren Gewittern gerechnet werden, die bezüglich Starkregen lokal bis in den extremen Unwetterbereich reichen können. Aufgrund der vorhandenen CAPE-Werte ist zudem größerer Hagel bis in den Unwetterbereich möglich. Das Potenzial für organisierte Sturm- oder Orkanböen erscheint derzeit begrenzt, lokal sind jedoch kräftige Fallböen möglich, die in ihrer Stärke aufgrund des vorhandenen trockenen Fußes nicht unterschätzt werden sollten.
Am Dienstag zieht ein Randtrog über Island hinweg, der das Nordostatlantiktief stützt, das sich bis Mittwochfrüh in die Norwegische See verlagert. Vor der Iberischen Halbinsel befindet sich nach wie vor das quasistationäre Tief, welches auf seiner Vorderseite weiterhin heiße Luft nach Nordwesteuropa schaufelt. Zwischen den beiden Tiefs wölbt sich weiterhin der breite Rücken auf, der jedoch ein wenig an Amplitude einbüßt. Am Boden dominiert von Großbritannien und dem Südwesten Deutschlands bis ins Mittelmeer hoher Luftdruck. Ausgehend von dem in die Norwegische See ziehenden Tief liegt eine Kaltfront über der Nordsee und Großbritannien, die nur wenig Wetter bringt. Auf ihrer Vorderseite wird allerdings nochmals heiße Luft in den Nordosten Deutschlands advehiert, wobei das Nordost-Südwest-Gefälle bei der Temperatur unverändert erhalten bleibt (14 bis 20 Grad in 850 hPa). Auch am Dienstag muss gebietsweise mit teils schweren Gewittern und ähnlichen Begleiterscheinungen gerechnet werden. Die größte Unsicherheit wird wahrscheinlich der aufziehende Saharastaub sein, der sowohl die Höchsttemperatur als auch die Auslösung der Konvektion dämpfen könnte.
Von Mittwoch bis Freitag stellt sich dann eine Omega-Lage ein: Von der Norwegischen See zieht das Randtief bis zur Ukraine, dabei kann sich auch das zugehörige Bodentief noch etwas vertiefen. Gleichzeitig macht das Tief von der Iberischen Halbinsel ein wenig Boden nach Norden gut. Zwischen beiden Tiefs erstreckt sich eine Luftmassengrenze quer über Deutschland, die jedoch aufgrund des dominanten Hochdruckeinflusses kaum wetterwirksam sein wird. Diese kommt Donnerstag bis zu den Alpen voran, nördlich davon fließt trockenere Luft ein. Schwere Gewitter stehen so lediglich noch am Mittwoch auf dem Plan, am Donnerstag und Freitag sind allenfalls am Alpenrand noch einzelne kräftige Entwicklungen möglich. Das Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur bleibt über Deutschland weiterhin erhalten. Im Nordosten schwanken die 850 hPa-Temperaturen um 12 Grad, im Südwesten gehen die Temperaturen auf bis zu 19 Grad zurück.
In der erweiterten Mittelfrist von Samstag bis Montag bleibt die Omega-Lage bestehen, wenngleich sich der Schwerpunkt des Höhenhochs über die Mitte Deutschlands verlagert. Dadurch besteht die Chance, dass der Westen Deutschlands bereits in den Einflussbereich einer Tiefdruckrinne über Frankreich gelangt. Damit würde das Potenzial für schwere Gewitter im äußersten Westen wieder zunehmen. Das Temperaturgefälle erstreckt sich zunehmend von West nach Ost und verschärft sich noch ein wenig. Im Osten treten zeitweise 850 hPa-Temperaturen um 10 Grad auf, während im Westen möglicherweise Temperaturen bis 23 Grad vorherrschen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis Freitag ist die Konsistenz des IFS-Modells beim Vergleich des aktuellen Laufs mit den beiden gestrigen Vorläufen recht hoch. Abweichungen ergeben sich meist nur bei der räumlichen Ausdehnung der Konvektion.
In der erweiterten Mittelfrist zeigen die gestrigen Vorläufe eine langsamere Ost-Verlagerung des Höhenhochs. Damit würden die Temperaturen im Westen etwas geringer ausfallen und auch die Tiefdruckrinne würde zunächst noch außen vorbleiben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Vergleicht man den aktuellen IFS-Lauf mit dem 00-UTC-ICON-Lauf fallen die höheren Temperaturen zu Beginn der Mittelfrist im Südwesten auf. ICON lässt am Dienstag sogar 25 Grad in 850 hPa in den Südwesten Deutschlands zu. Damit wären bei ausreichender Durchmischung lokal Höchstwerte um 40 Grad denkbar. Auch das UK10 sowie das GEM zeigen Werte bis 24 Grad, allerdings erst zum Mittwoch. GFS ist mit 20 Grad kühler. Was die Höchstwerte am Boden aber voraussichtlich dämpfen wird, ist der aufziehende Saharastaub.
Dafür betont ICON als einziges Modell zum Donnerstag das nordöstlich von Deutschland durchziehende Tief etwas stärker, weswegen die Temperaturen im Nordosten nach der ICON-Variante etwas niedriger ausfallen würden.
In der erweiterten Mittelfrist baut GFS den hohen Luftdruck über Deutschland rasch ab und bereits am Samstag zieht eine Kaltfront auf, die deutlich kühlere Temperaturen mit sich bringt. GEM stützt hingegen die IFS-Variante mit den höheren Temperaturen und der Tiefdruckrinne im äußersten Westen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse macht es heute recht einfach: Sowohl für den Zeitschritt von Mittwoch bis Freitag (+120 h bis +168h), als auch für Samstag bis Montag (+192 h bis +240h) wurden die verschiedenen Mitglieder lediglich einem einzigen Cluster zugeordnet. Dabei wird die Ausbildung der Omegalage ersichtlich. Das vorherrschende klimatologische Regime ist - wenig verwunderlich - "Blocking".
Die Rauchfahnen sind etwas weniger deutlich, hier werden die noch bestehenden Unsicherheiten deutlich. Insbesondere der Spread der Temperatur nimmt im Laufe der Mittelfrist deutlich zu. Dabei wird ein Höhepunkt ersichtlich, der im Norden und Nordosten zum Dienstag auftritt, im Süden und Westen erst zum Mittwoch. Die 25 Grad ist nach dem IFS-ENS in 850 hPa nicht ersichtlich. Höhere Mitglieder des Ensembles erreichen 23/24 Grad, das Mittel ist eher bei Werten um 21 Grad zu finden.
Anschließend geht das Mittel etwas zurück, was mit dem Durchzug der Luftmassengrenze in Zusammenhang steht. Demnach ist die vorübergehend einfließende kühlere Luft noch mit Unsicherheiten behaftet. Dennoch bleiben uns Temperaturen von 30 bis 34 Grad im Südwesten voraussichtlich erhalten. Der Hauptlauf entspricht weitgehend dem Mittel der Verteilung, der Luftmassendurchzug zur Mitte der Woche erfolgt nach dem Hauptlauf geringfügig später.
In der erweiterten Mittelfrist deutet das Mittel wieder leicht nach oben. Auch im Norden und Nordosten Deutschlands können dann wieder 30 Grad erreicht werden.
Die Niederschlagssignale folgen dem oben bereits genannten Szenario. Bis Mittwoch gibt es durchaus gewisse Signale, die für Schauer und Gewitter sprechen, Donnerstag und Freitag sind nur geringe Signale vorhanden. Ab Samstag nehmen einzelne Signale wieder etwas zu, wenngleich hierbei noch größere Unsicherheiten bestehen.
Das Geopotenzial verbleibt bis zum Ende der Mittelfrist auf hohem Niveau. Lediglich einzelne Ensemblemitglieder zeigen zum Ende des Vorhersagezeitraums niedrigere Werte.
FAZIT:
Die Hitzewelle geht in der Mittelfrist in die Fortsetzung. Dazu besteht zu Beginn ein erhöhtes Potenzial für teils schwere Gewitter. Im Wochenverlauf nimmt der Hochdruckeinfluss zu, sodass Gewitter seltener werden, während insbesondere im Südwesten die Wärmebelastung anhält. Die Ensemblevorhersagen stützen diesen Wetterablauf insgesamt gut, wenngleich in der erweiterten Mittelfrist noch Unsicherheiten bei Temperaturentwicklung und Gewitterpotenzial bestehen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER (UNWETTER):
Insbesondere von Montag bis Mittwoch muss gebietsweise mit teils schweren Gewittern gerechnet werden, wenngleich die räumliche Einordnung noch schwierig erscheint. Als Begleiterscheinung ist vor allem Starkregen ein Thema, der lokal eng begrenzt sogar bis in den extremen Unwetterbereich reichen kann. Hagel kann aufgrund hoher CAPE-Werte ebenfalls unwetterartig ausfallen. Das Böenpotenzial beschränkt sich vermutlich auf sehr kleinräumige Fallböen, die aber punktuell nicht zu unterschätzen sind.
Am Donnerstag und Freitag scheint die Gewittergefahr in der einfließenden trockeneren Luft deutlich zu sinken. Lediglich am Alpenrand und im Südschwarzwald besteht noch eine erhöhtes Gewitterpotenzial. In der erweiterten Mittelfrist kann die Gewittergefahr im äußersten Westen erneut ansteigen.
HITZE:
Die Hitzewelle setzt sich bei uns in der Mittelfrist insbesondere im Westen und Süden fort. Der EFI liefert hier durchweg entsprechende Signale. Sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch sind Temperaturen bis 39 Grad im Südwesten wahrscheinlich. Allerdings kann aus heutiger Sicht auch die 40 Grad nicht ganz ausgeschlossen werden. Tropische Nächte sind insbesondere in den Ballungszentren der Südwesthälfte ein Thema. Mit der trockeneren Luft im Laufe der Woche gehen die Taupunkte jedoch etwas zurück, sodass auch die nächtlichen Temperaturen ab der Nacht zum Donnerstag in der Südwesthälfte mit wenigen Ausnahmen wieder unter die 20 Grad Marke absinken können.
Abseits von Schauern und Gewittern dürfte die Trockenheit und auch die Waldbrandgefahr im Laufe der Woche weiter zunehmen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / M.Sc.-Met. Sebastian Schappert





