Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 14.09.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von Brücke Mitteleuropa (BM) zu West zyklonal (Wz).
Wetter: Heute ruhiges Wetter, kommende Nacht gebietsweise Nebel. Morgen noch einmal sommerlich, ab dem Abend von Nordwesten starke Gewitter. Am Mittwoch unbeständig und vor allem im Südosten Gewittergefahr. An den Alpen Dauerregen.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Am heutigen Montag... bestimmt ein Höhenrücken das Wettergeschehen, der sich von Südwesteuropa her bis zur Nordsee erstreckt. Dieser verlagert sich relativ flott ostwärts, so dass seine Achse am Abend schon Südschweden und die Ostsee erreicht. Die über uns liegende stark antizyklonale Höhenströmung dreht dabei von Nord auf westliche Richtungen. Bodennah ist eine Hochdruckzelle (Xanthos) mit Schwerpunkt über dem Alpengebiet zu finden, die sich nur langsam nach Osten verlagert. Diese ist stark nach Norden ausgeweitet, so dass der Gradient über Deutschland schwach ist und der Wind überwiegend schwach aus westlichen Richtungen weht.
Aus dem Alpengebiet zieht noch die Kaltfront des Tiefs Ylva II über dem Nordosten Europas südostwärts ab. Diese hat eine kühlere Luftmasse (mPs) in den Nordosten des Landes gebracht, wo "nur" um 8°C in 850 hPa gemessen werden. Weiter im Südwesten hat sich die mildere mS-Luftmasse mit 12°C in 850 hPa gehalten. Heute nähert sich im Tagesverlauf schon die Warmfront des Tiefs Zuri (über Island) an und sorgt insbesondere im Norden des Landes für Warmluftadvektion.
Damit ist der Aufzug von hoher und mittelhoher Bewölkung verbunden. Ansonsten herrscht unterhalb einer Absinkinversion, die ganz im Süden um 700 hPa liegt, im Norden dagegen um 900 hPa, teils stärkere, teils lockere Quellbewölkung. Etwas Regen gibt es staubedingt noch an den Alpen, ansonsten bleibt es überwiegend niederschlagsfrei. Die größten Sonnenanteile dürfen im Südwesten und in der südlichen Norddeutschen Tiefebene erwartet werden. Die Höchstwerte der Temperatur in 2 m weisen einen wesentlich größeren Gradienten auf als in 850 hPa, was daran liegt, dass im kühleren Nordosten die Inversion unter 850 hPa liegt. Dort bleibt es heute bei recht kühlen 17 bis 20°C. Dagegen werden in den Niederungen des Südwestens sommerliche 25 bis 28°C erreicht.
In der Nacht zum Dienstag wandert der Höhenrücken weiter ostwärts und Deutschland gerät unter seine Achse. Auch der Schwerpunkt des Bodenhochs verlagert sich etwas nach Osten und ist am frühen Morgen dann über der Steiermark zu finden. Ein Randtief von Tief Zuri zieht bis zum Morgen in die nördliche Nordsee, was im Nordwesten Deutschlands für einen etwas zunehmenden Gradienten sorgt und damit den südwestlichen Wind vor allem im Nordseebereich etwas zunehmen lässt. Insbesondere über dem Osten des Landes ist das Hoch aber weiterhin weit nordwärts ausgeweitet, so dass es über weiten Teilen des Landes schwachwindig bleibt.
Über dem Norden des Landes herrscht weiterhin Warmluftadvektion, die Warmfront von Zuri zieht dabei über den Norden Deutschlands und bringt reichlich Bewölkung, aber keinen nennenswerten Niederschlag - ein paar Tröpfchen sind nicht ausgeschlossen. Mehr Wolkenauflockerungen gibt es dabei im Süden des Landes. Das bleibt bei dem schwachen Wind nicht ohne Folgen: So können sich in der zweiten Nachthälfte vor allem im Süden, aber auch bis in die Mitte hinein Nebelfelder bilden und Täler und Becken füllen. Die Temperatur geht dabei im Osten bei längerem Aufklaren bis auf 7°C zurück. Ganz im Westen in der wieder einfließenden milderen Luft und bei etwas auffrischendem Wind geht die Temperatur dagegen nur auf milde 16 oder 17°C zurück.
Am Dienstag... schwenkt die Achse des Höhenrückens nach Südosten über Deutschland hinweg, so dass unser Land im Tagesverlauf von Westen her in den Bereich einen südwestlichen Höhenströmung gerät, die zum Abend zunehmend zyklonale Tendenzen aufweist. Die Achse des nächsten Troges erreicht dabei schon Südengland und die westliche Biskaya. Unser Bodenhoch Xanthos verabschiedet sich in den Südosten Europas, während sich das oben erwähnte Randtief zunehmend zum steuernden Tief entwickelt und von der Nordsee nach Mittelnorwegen zieht. Es besitzt einen noch recht weit aufgespannten Warmsektor, so dass nach Abzug der Warmfront im Norden ganz Deutschland darin liegt. Die zugehörige Kaltfront erreicht dabei am Abend die Nordsee, liegt aber zum Sonnenuntergang noch außerhalb Deutschlands.
Über den Norden ziehen den ganzen Tag über immer wieder dichte Wolkenfelder, während es im Süden nach Auflösung der Nebelfelder im Laufe des Vormittages recht sonnig werden kann, auch wenn dort tagsüber dann einige Quellwolken den Himmel zieren. Die vom MOS im Süden des Landes angebotenen 60 bis 90 % Sonnenanteile erscheinen aber angesichts einer gewissen Zeit, die es zur Nebelauflösung braucht und der zu erwartenden Quellwolken vielleicht etwas optimistisch. Für alle Regionen gilt: Es bleibt niederschlagsfrei. Allerdings braut sich im Nordwesten des Landes etwas zusammen. Unter nachlassendem Absinken bzw. am Nachmittag wieder einsetzender Hebung wird die Schichtung wieder labiler, zudem fließt feuchte Luft in der Grenzschicht ein (um 12 g/kg spezifische Feuchte). Damit kann sich regional durchaus um 500 J/kg CAPE aufbauen, zur Auslösung kommt es aber tagsüber (noch) nicht. Im Süden des Landes ist dagegen unter noch anhaltendem Absinken die Luftmasse stabiler geschichtet und auch trockener.
Zuletzt noch ein Wort zum Wind: Zwischen dem Tief im Nordwesten und dem abziehenden Hoch verstärkt sich der Gradient nur wenig, so dass der südwestliche Wind insbesondere nach Südosten hin noch schwach bleibt, im Nordwesten weht er dagegen tagsüber mäßig. Bezüglich der Temperaturen wird es noch einmal für alle sommerlich bei 11 bis 16°C in 850 hPa. Dies resultiert in Höchstwerten zwischen 21°C an der Nordsee und bis örtlich 31°C am südlichen Oberrhein.
Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch zieht der Höhenrücken weiter ab und die Achse des Troges rückt näher heran. Damit gelangt nach und nach ein großer Teil Deutschlands auf die zyklonale Trogvorderseite mit entsprechender Hebung. Das Bodentief zieht über dem mittleren Skandinavien weiter ostwärts und seine Kaltfront erreicht Deutschland, wobei diese bis zum Morgen schon auf eine Linie von Vorpommern bis zum Oberrhein zieht.
Spannend wird es in den späteren Abendstunden im Vorfeld der Kaltfront im Nordwesten des Landes. Dort können in der sehr feuchten und labilen Luftmasse Gewitter ausgelöst werden, wobei dort bis zu 30 m/s Scherung zwischen 0 und 6 km vorhanden sind. Bei wohl abgehobener Konvektion stehen diese zwar nicht vollständig zur Verfügung, dennoch simulieren die konvektionserlaubenden Modelle einige Superzellen. Dann kann es - trotz abgehobener Konvektion - für einige Sturmböen reichen, wenngleich die Hinweise aus den Modellen noch spärlich sind. ICON-D2-EPS liefert aber durchaus Hinweise auf markanten Starkregen und auch kleinkörniger Hagel sollte auf dem Zettel stehen. Im Verlauf der Nacht sollte die Kaltfront die vorlaufende Konvektion allmählich einholen, so dass die stärkeren Gewitter nachlassen. An der Kaltfront, die auch unter PVA liegt, gibt es aber reichlich Hebung, so dass an dieser teils kräftiger (wenn auch nicht lang anhaltender) Regen fällt und weiterhin einzelne Gewitter auftreten können. Vereinzelt ist auch Starkregen nicht ausgeschlossen, dies wird aber im Verlauf der Nacht weiter zur Mitte und zum Osten des Landes hin immer unwahrscheinlicher.
Im Südosten des Landes ziehen immer wieder Wolken über den Himmel, es bleibt aber noch trocken. Der Wind dreht mit der Kaltfront von Süd bis Südwest auf West bis Nordwest. Die nächtlichen Minima liegen überall im milden Bereich zwischen 16 und 9°C mit den tiefsten Werten im Süden. Nebel sollte bei generell etwas auffrischendem Wind auch im Süden kein großes Thema mehr sein.
Am Mittwoch... schwenkt der sehr scharf ausgeprägte und weit nach Süden ausgreifende Höhentrog zu uns. Seine Achse erreicht am Abend den Nordwesten des Landes. Das Bodentief zieht nach Nordskandinavien und seine Kaltfront kommt in der trogvorderseitigen südwestlichen Höhenströmung etwas langsamer nach Südosten voran, soll aber am Spätnachmittag das Berchtesgadener Land erreichen. Der Wind dreht auf der Rückseite überall auf West bis Nordwest, aber bei einem nicht allzu starken Gradienten bleibt es meist bei mäßigem Wind, lediglich im Nordwesten kann der Wind auch mal frisch wehen.
An der Kaltfront kommt es zu nach Südosten ziehenden Regenfällen, die weiterhin konvektiv verstärkt sind und auch mal kurze Gewitter mit Starkregen hervorbringen können. Nicht ganz ausgeschlossen ist auch, dass es im Vorfeld im Südosten noch einmal stärker einstrahlt, so dass sich dort etwas mehr CAPE (vielleicht bis 500 J/kg) aufbauen kann, das dann in Verbindung mit kräftiger hochreichender Scherung noch einmal zu kräftigeren Gewittern führen kann.
Ansonsten lockern rückseitig der Kaltfront von Nordwesten die Wolken auf, es bildet sich aber auch rasch wieder recht viel Quellbewölkung, so dass in den meisten Regionen die Sonnenanteile nicht so groß sein werden. Zum Spätnachmittag setzt im Nordwesten im Trogbereich wieder Labilisierung ein, dann kann es dort zu Schauern und einzelnen Gewittern kommen. Bei nur schwacher Scherung und in nicht allzu feuchter Luftmasse sollten aber die Begleiterscheinungen nicht allzu intensiv ausfallen.
Das Temperaturniveau geht im Vergleich zum Vortag deutlich zurück. Im Nordwesten sollen es nur noch 18 bis 21°C werden, zwischen Inn und Salzach können es noch einmal bis zu 25°C werden.
In der Nacht zum Donnerstag schwenkt der scharf ausgeprägte Trog über Deutschland ostwärts. Er erreicht bis zum Morgen den Osten und Süden. In seinem Bereich kommt es noch zu einzelnen Schauern, Gewitter werden im Nachtverlauf immer seltener. Rückseitig schiebt sich bei leichter Kaltluftadvektion ein schwacher Zwischenhochkeil zu uns. In der zweiten Nachthälfte macht sich aber schon wieder die Annäherung eines neuen Sturmtiefs bei Island mit Gradientverschärfung im Nordwesten bemerkbar. An der Nordsee kann es am Donnerstagmorgen schon die ersten steifen Böen aus Südwest geben.
Im Süden ist es in der Nacht dagegen tendenziell schwachwindig. Vorübergehend dreht der Wind dort mal auf Nordwest, was an den Alpen für Stau sorgt und in Verbindung mit immer noch teils kräftiger Hebung an der Trogvorderseite in starken Regenfällen resultiert. Dabei sind die Modelle recht einhellig der Meinung, dass zwischen dem Spätnachmittag und der zweiten Nachthälfte 30 bis 50 l/qm innert 12 Stunden fallen könnten. Auch die Ensembles liefern deutliche Hinweise auf Dauerregen, COSMO-LEPS auch erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Unwetter (mehr als 40 l/qm in 12 Stunden). Da zudem auch die Schneefallgrenze unter 2500 m fällt, dürften die höchsten Gipfel Deutschlands weiß werden.
Im übrigen Land lockern die Wolken abseits der Schauer auch mal auf und vor allem im Süden kann es bei dem schwachen Wind auch einzelne Nebelfelder geben. Die Tiefstwerte liegen überwiegend bei 12 bis 7°C, nur ganz im Nordwesten bleibt es milder.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle zeigen eine einheitliche synoptische Entwicklung. Etwas spannend bleibt es am Mittwochnachmittag im Südosten, wo insbesondere SuperHD mit kräftigen Gewittern aufwartet (auch in Sachsen). Die Dauerregenlage an den Alpen erscheint aus aktueller Sicht schon in trockenen Tüchern.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 14.09.2026 um 10.30 UTC
Anfangs wechselhaft, in der Folge von Südwesten Wetterberuhigung. Kaum nennenswerte Niederschlagsmengen zur Linderung der Trockenheit. Mäßig warm, im Südwesten zunehmend spätsommerlich warm. Küsten böiger Westwind.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 21.09.2026
Die anstehende Mittelfrist kann insgesamt als leicht wechselhaft zusammengefasst werden, mit einer allmählichen Beruhigung von Südwesten.
Bevor wir auf unsere Mittelfrist schauen, betrachten wir kurz die Ausgangslage. Dieser etwas technischere Teil der Mittelfrist kann gerne bis zur AKTUELLEN MITTELFRIST übersprungen werden.
Aktuell findet beim Blick auf die Nordhemisphäre ein Schwung Energieeintrag in die Troposphäre statt. Dies wird ersichtlich beim Blick auf die in 60 Grad Nord gemittelten Zonalwinde in 150 hPa, die vom Median nun teils bis zum 90-iger Perzentil der Hintergrundklimatologie vorstoßen. Es findet gleichzeitig aber auch ein Eintrag von Energie aus dem tropischen Sektor statt, wahrscheinlich durch die positive ENSO forciert. Das äußert sich in der Breitengradverteilung mit in subtropische Bereiche vorstoßende positive u-Anomalien in 200 hPa. Die Vermutung der Einflussnahme des El Nino wird auch durch die 200 hPa Windanomalien bestätigt, die sich in Form positiver Anomalien ausgehend vom kräftigen aufsteigenden Ast der Walker Zirkulation ostwärts über die Karibik in Richtung Marokko/Algerien ausweiten.
Diese klassische "double jet" Konfiguration sorgt dazwischen für ein breites Band mit einem Windminimum, was sich vom Süden der USA bis zum zentralen Nordatlantik erstreckt und grundsätzlich günstig für die Ausbildung blockierender Antizyklone ist. Diese sind bereits vorhanden und weisen bis zum Beginn dieser Mittelfrist rekordverdächtige Geopotentialanomalien über dem Südosten der USA und nördlich der Azoren auf. Diese Konfiguration, mit einem deutlichen Minium der 200 hPa Zonalwinde, verschiebt sich im Verlauf dieser Mittelfrist nach Südwesteuropa und hebt dort neben abnehmendem Geschwindigkeitspotenzial (divergente Komponente des horiz. Windes) die zunehmend günstigen Hintergrundbedingungen für eine Blockierungslage über Südwest-/Westeuropa hervor.
Den sehr kräftigen subtropischen Antizyklonen im Nordatlantik steht tiefes Geopotenzial über Grönland und Ostkanada/Neufundland gegenüber, ausgelöst durch eine temporäre Südverlagerung des Polarwirbels in der Troposphäre in Richtung Grönland. Dessen Intensität ist zwar nicht rekordverdächtig, weist aber doch niedrige Perzentilwerte beim 500 hPa Geopotenzial auf.
Die aus dieser Konstellation hervorgehende imposante Frontalzone wird zum Beginn dieser Mittelfrist als ein zonal ausgerichteter, ostwärts ausgedehnter Höhenjet mit hohen u-Wind-Anomalien innerhalb der Numerik gezeigt, der in der Folge bei beginnendem Rossby-Wellenbrechen über Europa im supergeostrophischen Part auf über 150 kt in 300 hPa angefacht wird. Neben der dynamischen Komponente wird weiterhin eine sehr feucht-labile Luftmasse vom östlichen Pazifik/tropischen Atlantik in diese Frontalzone gesteuert, wobei hierfür eine "Rex Blockierung" über dem nordöstlichen Pazifik verantwortlich war/ist (die den Subtropenjet weiter anfachte). Diese Blockierung schwächt sich nun aber ab.
Die genannte Dynamik zum Beginn dieser Mittelfrist gipfelt in ein ausgeprägtes antizyklonales Wellenbrechen über Europa, wobei dieses noch bezüglich der Platzierung größere Unsicherheiten aufweist. Nach EZ verschiebt sich die Wahrscheinlichkeit für einen umfangreichen Abtropfprozess sukzessive nach Osteuropa, bevor in der Folge bei noch unveränderten Hintergrundbedingungen erneut eine dynamische Westströmung initiiert werden könnte. Die Unsicherheiten des Brechens werden im IFS-ENS auch noch mit umfangreichen und sehr hohen Anomalienwerten bei der (normalisierten) Standardabweichung des 500 hPa Geopotenzials hervorgehoben.
Diese Entwicklung deutet im Übergangsbereich zu erweiterten Mittelfrist besonders für Spanien eine neue Hitzewelle an, wobei dies im subsaisonalen Bereich mit 2m Temperaturabweichungen des Wochenmittels hervorgehoben wird, die am oberen Ende der Klimatologie liegen.
Interessant wird auch zu verfolgen sein, ob die in den Saisonalvorhersagen (SEAS5 und C3S) weiterhin anvisierten positiven Druck- und Geopotenzialanomalien über Skandinavien (im häufigen Einklang mit diesem ENSO Ablauf stehend) zum Oktober in der Tat umgesetzt werden können, oder ob die rekordverdächtige Dynamik des El Nino andere Pläne hat.
AKTUELLE MITTELFRIST:
Wie gestaltet sich nun die Mittelfrist vom Donnerstag, den 17. September bis zum Montag, den 21. September?
Am Donnerstag liegen wir im Einflussbereich eines umfangreichen Langwellentroges, dessen Zentrum sich über dem Europäischen Nordmeer / Skandinavien befindet. Wir verbleiben in einer wechselhaften westlichen Grundströmung.
Dabei hat uns das Frontensystem einer teilokkludierten Kaltfront ostwärts verlassen und unter schwachem Hochdruckeinfluss beruhigt sich das Wetter. Somit klingen am östlichen Alpenrand letzte Regenfälle zögernd ab und in der Folge lockert die anfangs dichte Bewölkung immer weiter auf. Bereits ab der Mittagszeit nähert sich von Nordwesten bereits das nächste Frontensystem mit dichter Bewölkung und nachfolgend etwas Regen, der sich in der Nacht zum Freitag bis zur Mitte voran arbeitet.
Am Freitag sorgen diese zögernd ostwärts driftende Front und eine Trogpassage über Norddeutschland für insgesamt wechselhaftes Wetter, ohne jedoch nennenswerte Niederschlagsmengen zu erzeugen (Ausnahme peripher der zu warmen Deutschen Bucht, wo IFS 24std. Mengen um 20 l/qm andeutet). Die kräftigsten Schauer betreffen Norddeutschland, während sonst nur einzelne schwache Schauer durchziehen. Dazwischen bleibt es auch längere Zeit trocken und freundlich.
Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag verbleiben wir in einer westlichen Grundströmung, in der eine Welle eingebettet über Dänemark ostwärts zieht. Eine daran gekoppelte Kaltfront wird sukzessive südostwärts über Deutschland geführt.
Somit gestaltet sich der Tag im Norden/Westen meist wolkenverhangen mit nur kurzen Auflockerungen, während diese im Süden/Osten umfangreicher ausfallen. Es treten besonders im Norden/Nordwesten zahlreiche Schauer auf, sonst bleibt es (abgesehen von einzelnen schwachen Schauern) meist trocken. Anders sieht es in der Nacht zum Sonntag aus, wo auch im Süden mit Durchschwenken der Front schwache Niederschläge zu erwarten sind, nur im Alpenvorland bleibt es trocken.
Zum Sonntag und Montag weitet sich ein umfangreicher Keil über Südwesteuropa sukzessive ostwärts aus. An dessen Ostflanke gelegen erwarten uns weitere Frontpassage, die jedoch unter steigendem Geopotenzial sehr inaktiv ablaufen und nur regional etwas Nass bringen. Im Südwesten bleibt es freundlich oder sonnig und trocken.
Die Höchstwerte liegen meist im mäßig-warmen Bereich zwischen 17 und 23 Grad (abhängig vom Sonnenanteil), wobei es in Richtung Oberrheingraben ab Samstag auch wieder sommerliche Werte um 25 Grad geben sollte.
Die Minima liegen zwischen 13 und 7 Grad, gehen zum Ende der Mittelfrist aber insgesamt etwas zurück.
Entlang der Frontalzone weht der Wind aus Südwest bis West besonders im Küstenumfeld sowie im exponierten Bergland durchweg böig, zeitweise auch stürmisch. Einzelne stärkere Windmaxima sind je nach Trogpassage nicht ausgeschlossen (Bft 9, Brocken auch mal Bft 10). Im Binnenland kommt dieser ohne Warnrelevanz dem Tagesgang folgend meist mäßig bis frisch, im Süden schwach bis mäßig daher.
In der erweiterten Mittelfrist gelangen wir immer mehr unter den umfangreichen Keil, sodass meist ruhiges und besonders im Süden auch sonniges Spätsommerwetter zu erwarten ist (mit regionaler Nebelproblematik). Im Norden bringen wiederholte Frontpassagen zeitweise etwas Nass, ohne jedoch nennenswerte Mengen zu erzeugen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Mittelfrist beginnt in den jüngsten Modellläufen des EZ sehr homogen und weist keine nennenswerten Diskrepanzen auf.
Dies ändert sich sukzessive im Verlauf der Mittelfrist, dank der zonalen/progressive Hintergrundströmung mit effektivem Fehlerwachstum. Diese Unsicherheiten betreffen nicht das synoptisch-skalige Druckmuster, sondern werden erst mit der Zeit bei der zeitlich und räumlich versetzten Passage von Trögen/Keilen immer deutlicher. Spannend ist dabei, dass sich die Läufe von vorgestern 12Z und gestern 12Z sehr ähnelten, während der gestrige 00Z Lauf mit einer recht eigenständigen Entwicklung daherkam (z.B. am kommenden Sonntag statt zyklonal West mit einem umfangreichen Trog Mitteleuropa). Das Fehlerwachstum ist bis nach Kanada zurückzuführen, wo eine Welle im 00Z Lauf zu schwach erfasst wurde.
Da auch der jüngste 00Z Lauf vom 14. September den beiden 12Z Vorläufen ähnelt, wird der gestrige 00Z Lauf als Außenseiterlösung angesehen. Dennoch bleiben auch bei diesen Läufen mit der Zeit nennenswerte Phasenverschiebungen beim Trog-Keilmuster bestehen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Aussagen von der EZ Konsistenz behalten auch beim Abgleich der internationalen Modelle ihre Gültigkeit. Nach anfänglicher Harmonie driften die Modelle zum kommenden Wochenende rasch auseinander, sodass z.B. am kommenden Sonntag GFS den Hochdruckkeil bereits bis auf weite Bereiche Deutschlands ausgedehnt hat, während IFS einen Trog über Deutschland platziert. Das Aufschaukeln der Unsicherheiten ist bei solch einer progressiven Hintergrundströmung allerdings nichts Ungewöhnliches.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt wenig überraschend mit dem Regime "positive NAO" in 3 Clustern mit einer Trogpassage, sodass in Deutschland wechselhaftes Wetter zu erwarten ist. Geringe Unterschiede bei der Amplitude des Troges sind vorhanden und können von Interesse sein, inwieweit eine Leezyklone südlich der Alpen induziert wird.
Von Freitag bis Sonntag sind 6 Cluster vorhanden, deren Regime von "NAO +" zu "Atlantikrücken/Blockierung" wechselt. Dies ist der Beginn des über Europa einsetzenden, markanten Wellenbrechens in für Blockierungslagen günstiger Umgebung (über Südwesteuropa). Dass dieser dynamische Prozess mit hohen Unsicherheiten einhergeht verwundert nicht, was sich vor allem durch die variable Geometrie des Keils äußert. Der im ersten Cluster zu findende Kontrolllauf hebt ein recht scharfes Wellenbrechen mit einem Abtropfprozess über Osteuropa hervor, während andere die Strömung insgesamt glatter/zonaler sehen. Grundsätzlich deuten aber alle bei uns einen zunehmenden Einfluss der Antizyklone an, sodass Fronten (wenn überhaupt) nur noch abgeschwächt auf Deutschland übergreifen können.
Zum Ende der Mittelfrist (Montag) bis in die erweiterte Mittelfrist (Dienstag/Mittwoch) baut sich bei 4 Clustern über Westeuropa eine intensive/umfangreiche blockierende Antizyklone auf. Gleichzeitig entwickelt sich auch im Bereich des Urals eine positive Geopotenzialanomalie. Besonders Cluster 1,2 und 4 versuchen eine Brückenbildung zwischen beiden positiven Anomalien, während der dritte Cluster dies nicht anvisiert. Deutschland verbleibt beim Großteil der Cluster in einer Keilrandlage, während der am schwächsten besetzte vierte Cluster einen für Mittel-/Südosteuropa recht regenträchtigen Abtropfprozess andeutet.
Die Unsicherheiten nehmen in der Folge weiter zu.
Die Meteogramme unterstützen die Erwartung einer leicht wechselhaften und meist nur mäßig warmen Mittelfrist, ohne dass es beim Wind/Regen irgendwelche nennenswerten Spitzen/Anomalien gibt.
Die (noch veralterten) Rauchfahnen beginnen beim Geopotenzial in 500 hPa und bei der Temperatur in 850 hPa gut gebündelt mit einem schön eingebetteten Kontrolllauf in die Memberschar, bevor zum Ende der Mittelfrist das anvisierte Brechen der Rossby-Welle für ein chaotisches Auseinanderdriften der Member sorgt.
GFS/GEFS sehen die Entwicklung bis zum Ende dieser Mittelfrist recht ähnlich, allerdings mit dann rasch zunehmenden Diskrepanzen im Übergangsbereich zur erweiterte Mittelfrist.
AIFS/GCGFS gehen in der Mittelfrist soweit konform, deuten in der Folge aber ein deutlich westlicheres Brechen der Rossby-Welle an, was uns mehr in den zyklonalen Bereich bringen würde.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist verläuft meist ruhig. Einzig der Wind aus Südwest bis West frischt im Umfeld der Küsten und im exponierten Bergland zeitweise stark böig/stürmisch auf (Bft 7/8). Eine regionale Verschärfung der Windlage kann je nach Passage der Tröge an den Küsten und auf dem Brocken nicht ausgeschlossen werden (Bft 9, Brocken auch mal die Bft 10).
Basis für Mittelfristvorhersage
GEFS, IFS-ENS, MOSMIX, IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





