Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 02.02.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEz
Kampf der Luftmassen: Im Nordosten bis Wochenmitte frostig kalt, in den Nächten anfangs strenger Frost, aber kaum Niederschläge. Im Übergangsbereich heute Vormittag vereinzelt (v.a. Nordwesten und Südwesten), am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch (Südwesten, Mitte, Nordwesten) häufig Glatteis, Unwetter nicht ausgeschlossen.
An den Küsten und ab Dienstag auch im Bergland stürmische Böen, auf exponierten Gipfeln Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... ändert sich an der nun schon seit einiger Zeit andauernden Blockadelage nur wenig. Verantwortlich dafür ist Hoch "DANIEL" über Skandinavien, welches sich zunächst kaum von der Stelle bewegt und erst einmal jeglichen Vorstößen milder Atlantikluft Richtung Nord- und Ostdeutschland standhält.
Dem Hoch bzw. der ebenfalls blockierenden, sich allerdings abschwächenden Höhenantizyklone über dem Nordmeer und Skandinavien steht ein Langwellentrog über dem nahen Ostatlantik gegenüber, der aufgrund der Blockadewirkung kaum nach Osten vorankommt, stattdessen aber Richtung Iberische Halbinsel amplifiziert, also eine zunehmend negative Achsneigung annimmt. Dieser wiederum schiebt einen Höhenkeil vor sich her, der im Tagesverlauf langsam Frankreich und den westlichen Mittelmeerraum ostnordostwärts überquert. An der Ostflanke dieses Keils schwenkt ein in die dort vorherrschende nordwestliche Höhenströmung eingebetteter kurzwelliger Randtrog aktuell von Belgien nach Westdeutschland, tropft dort ab und zieht bis zum Abend als kleinräumiges Höhentief nach Nordostbayern. PVA an dessen Vorderseite haben, gestützt durch verbreitete mitteltroposphärische WLA, verbreitete, allerdings überwiegend leichte Niederschläge über dem Westen und Südwesten des Landes ausgelöst, die im Tagesverlauf langsam über die südliche Mitte hinweg ostwärts ziehen, sich dabei aber vor allem nachmittags und abends rasch abschwächen. Bei allmählich auf -2 bis +3 Grad steigenden 850 hPa-Temperaturen fallen diese in den Niederungen West- und Südwestdeutschlands als Regen, im Bergland und zur Mitte hin aber als Schnee, wobei nur wenige Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Während sich im Westen die milde Luft auch bodennah durchgesetzt hat und der Tag bereits frostfrei beginnt, ist es in den Niederungen Süddeutschlands noch frostig kalt, so dass vor allem im östlichen Baden-Württemberg trotz teilweisen Überganges der Niederschläge in Schnee auch die gefrierende Phase ins Spiel kommt und zumindest in den kommenden Stunden gebietsweise auch Glatteis auftreten kann. Glatteis durch leichte Niederschläge - teils Regen, teils Schnee - gibt es aktuell auch im Nordwesten örtlich, am ehesten von Ostwestfallen bis ins Weser-Ems-Gebiet. Diese haben sich mit Annäherung des Troges ebenfalls geringfügig intensiviert. Vormittags klingen diese aber wieder ab bzw. fallen dann auch überwiegend als Schnee, so dass sich die Glatteissituation dort entspannt. Während sich die mildere Luftmasse im Westen und Südwesten langsam auch in den Südosten vorarbeitet und auch in Bayern bzw. im östlichen und südöstlichen Baden-Württemberg die Temperaturen - abgesehen von einigen Kältelöchern - langsam über den Gefrierpunkt klettern, dauert die Advektion kalter Festlandsluft von Osten her in den Norden und Osten des Landes an. Etwa nordöstlich einer Linie Westmünsterland-Vogtland bleibt es auch tagsüber bei leichtem, im Nordosten mäßigem Dauerfrost, in Teilen Vorpommerns und Nordostbrandenburgs werden die -10 Grad trotz Sonne kaum überschritten. In den Niederungen West- und Südwestdeutschlands sowie bei aufkommendem Föhn an den Alpen erreichen die Höchsttemperaturen dagegen Werte zwischen 5 und 9 Grad. Vor allem an den Alpen und im südlichen Alpenvorland scheint auch häufig die Sonne, so dass diese Regionen einen wirklich markanten Gegenpol zum eisigen Nordosten bilden, zumal dort auch noch ein kräftiger Ost-- bis Südostwind weht. Stichwort Wind: Auch dieser weist durchaus Warnrelevanz auf. Mit einer sich allmählich über die Biskaya Richtung West- und Südwestfrankreich vorarbeitenden Tiefdruckrinne bleibt ein scharfer Druckgradient zum Skandinavienhoch aufrecht. Insbesondere an den Küsten weht somit ein in Böen steifer bis stürmischer Ost- bis Südostwind, der das Kälteempfinden noch deutlich erhöht (Stichwort: Windchill). So herrschen auf Rügen derzeit Temperaturen zwischen -6 und -10 Grad bei Windgeschwindigkeiten von etwa 60 km/h, was einer gefühlten Temperatur von teils unter -25 Grad entspricht. Auch in einigen Hochlagen frischt der Wind im Tagesverlauf auf, ist aber wohl zunächst kaum warnrelevant. An den Alpen stellt sich leichter Föhn ein.
In der Nacht zum Dienstag füllt sich unser kleines Höhentief über Tschechien endgültig auf. Der Höhentrog über dem Ostatlantik und der Iberischen Halbinsel arbeitet sich langsam Richtung westliches Mittelmeer vor, wobei ein Höhentief westlich der Biskaya abtropft. Im Zuge dieses Prozesses stößt ein markanter kurzwelliger Randtrog im Laufe der Nacht über die Pyrenäen nach West- und Südfrankreich vor. Auf dessen Vorderseite verstärkt sich die WLA vor allem über West- und Süddeutschland weiter, dazu kommt auch PVA-induziert dynamische Hebung auf, wobei die markantesten Hebungsprozesse noch südwestlich von uns bleiben. Im Bodenfeld arbeitet sich die Tiefdruckrinne über Frankreich langsam nordostwärts vor, wird aber nach wie vor durch das Skandinavienhoch blockiert. Dabei etabliert sich ein Teiltief über Zentralfrankreich. Die hauptsächlich aus der WLA resultierenden Niederschläge greifen im Laufe der Nacht auf den Südwesten Deutschlands über. Da sich nun auch niedertroposphärisch die WLA verstärkt und die Temperatur in 850 hPa im Westen und Süden allgemein auf 0 bis +3, nach Süden zu durch den Föhn auf 4 bis 7 Grad steigt (im Norden und Osten verharrt sie dagegen bei -3 bis -9 Grad), fallen diese Niederschläge allgemein als Regen. In den meisten Niederungen ist das mangels Frost unproblematisch, erneut könnte aber vor allem im Osten und Südosten Baden-Württembergs bis ins Unterallgäu, vielleicht auch noch nach Mittelfranken sowie in Teilen der Pfalz (hier am ehesten im Bergland) die Grundschicht in den Frostbereich auskühlen, so dass dort die gefrierende Phase ins Spiel kommt. Die Mengen sind gering, so dass zumeist eine markante Warnung vor Glatteis ausreichen sollte. Komplett kann man aber Unwetter nicht ausschließen.
Im Rest des Landes bleibt es noch trocken, Glätte durch Überfrieren bzw. gefrierendes Nebelnässen ist aber hier und dort nicht ausgeschlossen. Der Wind legt vor allem in den Höhenlagen bei zunehmenden Druckgradienten noch etwas zu und wird in den Kamm- und Gipfellagen vor allem der zentralen und vielleicht auch östlichen Mittelgebirge warnrelevant mit Böen Bft 7 bis 8, vereinzelt Bft 9 aus Ost bis Südost, an den Alpen verstärkt sich der Föhn, an den Küsten ändert sich an der Windsituation dagegen nur wenig.
Mit Ausnahme der Niederungen West- und Südwestdeutschlands gibt es verbreitet leichten bis mäßigen, im Nordosten auch strengen Frost.
Dienstag... schwenkt der kurzwellige Randtrog nach Nordfrankreich und Südwest- bzw. Süddeutschland. Im Bodenfeld arbeitet sich die Tiefdruckrinne nach West- und Süddeutschland vor, so dass sich an den Alpen vorübergehend eine relativ markant5e Föhnlage einstellt. Auch sonst verschärft sich der Druckgradient - außer im Südwesten - weiter, so dass in den Kamm- und Gipfellagen einiger Mittelgebirge häufiger stürmische Böen, exponiert Sturmböen (Bft 8 bis 9) aus Südost auftreten, auf exponierten Alpengipfeln sind auch schwere Sturmböen (Bft 10) möglich.
An den Küsten gibt es ebenfalls vermehrt stürmische Böen bzw. Sturmböen, im angrenzenden Binnenland sowie im einigen Lee-Lagen steife Böen (Bft 7). Die WLA-induzierten Niederschläge im Südwesten kommen noch etwas nach Nordosten voran, schwächen sich aber ab, dafür setzen am Vormittag mit Annäherung der Tiefdruckrinne und einer darin eingebetteten Okklusion im Westen und Südwesten erneut Niederschläge ein, die nun etwas intensiver ausfallen und bis zum Abend auch die mittleren Landesteile erfassen. Diese fallen zunächst allgemein als Regen (mit ausgeprägten "warmen Nasen" in den Prognosetemps), vor allem in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen, je nach Ausgreifen der Niederschläge nach Osten auch im Nordosten von BaWü sowie in Franken kann dieser gefrieren, die Unwettergefahr ist aber eher als gering zu beziffern. Mit Übergreifen der Niederschläge am Nachmittag und Abend auf die mittleren Landesteile gehen diese aber nach Osten zu (Mittelhessen, Thüringen) auch teilweise in Schnee über. Je nach Vorankommen der Niederschläge nach Norden kann zum Abend hin im nördlichen NRW bereits etwas verbreiteter die gefrierende Phase auftreten. Im Norden, Osten und im Südosten kommen die Niederschläge aber (noch) nicht an; dort bleibt es trocken und im Nordosten sowie mit Föhn an den Alpen kann es durchaus auch mal längere sonnige Abschnitte geben. Die Temperaturzweiteilung bleibt erhalten, die Grenze zum Dauerfrost verschiebt sich gegenüber dem Vortag so gut wie gar nicht. Im Nordosten gibt es auch mäßigen Dauerfrost. Im Süden und Westen erreichen die Maxima dagegen (abgesehen von einigen Kältelöchern) milde 2 bis 7 Grad, am Alpenrand mit Föhn sogar frühlingshafte 7 bis 11 Grad.
In der Nacht zum Mittwoch arbeitet sich der Randtrog unter weiterem Konturverlust allmählich Richtung Norddeutschland vor, ebenso die Tiefdruckrinne, die aber aufgrund der Blockadewirkung des sich nun sowohl Richtung Nordmeer als auch nach Osteuropa ausweitenden Hochs eingebremst und vom Trog letztendlich überlaufen wird. Die korrespondierenden Niederschläge kommen somit nordwärts voran, verlieren nach Norden und Osten zu aber rasch an Intensität. Ja nach Vorankommen der Niederschläge - diesbezüglich gibt es noch Modelldifferenzen - kann es nun auch im Norden und Osten etwas schneien, die Mengen bleiben aber gering. Wesentlich spannender gestaltet sich die Situation Übergangsbereich zur milden Luftmasse. Bodennah dürfte sich die Frostgrenze kaum verschieben und bei knapp positiven 850 hPa-Temperaturen zeigen die Prognosetemps vor allem in einem Bogen vom Emsland über Ostwestfalen und das Weserbergland bis in die zentrale Mitte ausgeprägte warme Nasen. Dort kommt also erneut die gefrierende Phase ins Spiel, zumindest ist von markanten Glatteiswarnungen auszugehen, Unwetter ist ebenfalls nicht ausgeschlossen, und die Wahrscheinlichkeit dafür ist aus aktueller Modellsicht auch etwas höher als in der Vornacht.
Südlich der Rinne klingen die Niederschläge dagegen ab und die Wolken lockern auf. Dann kann sich vor allem in der Südhälfte Nebel ausbreiten und bei vielerorts leichtem Frost tritt stellenweise Glätte durch Überfrieren auf. Frostfrei bleibt es wohl in den Niederungen West- und Südwestdeutschlands. Im Nordosten bleibt es dagegen bei mäßigem Frost, strenger Frost tritt aufgrund der dichten Bewölkung aber nur noch ganz vereinzelt auf. Der Wind schwächt sich nach Passage der Rinne in den Mittelgebirgen im Laufe der Nacht von Süd nach Nord wieder ab und ist dann nicht mehr warnrelevant, auch an den Alpen bricht der Föhn bereits am Abend wiede5r zusammen. An den Küsten gibt es dagegen weiterhin steife bis stürmische Böen, exponiert auch Sturmböen aus Ost bis Südost.
Mittwoch... ändert sich an Lage und Ausrichtung der vom Nordmeer über Skandinavien bis nach Osteuropa und nach wie vor blockierenden Hochdruckzone kaum etwas. Somit kommt der Höhentrog über dem nahen Ostatlantik mit eingebetteten Höhentiefs westlich der Britischen Inseln nicht weiter Richtung Mitteleuropa voran, stattdessen weitet er sich über den westlichen Mittelmeerraum nach Italien aus. Daraus resultiert über dem Vorhersagegebiet eine flaue, leicht "flatternde" südliche Höhenströmung. Der kurzwellige Randtrog über Norddeutschland kommt nur noch langsam nach Norden voran und verliert an Kontur, ebenso ergeht es der Tiefdruckrinne, die nordwärts abzieht und später kaum mehr als solche auszumachen ist. Somit ziehen die mit ihr korrespondierenden, nur leichten Niederschläge allmählich nach Norden ab, vor allem im Nordwesten kann es noch längere Zeit gefrierenden Regen und entsprechend Glatteis geben, ob es für Unwetter reicht, ist aber noch unsicher, insgesamt nimmt die Unwettergefahr aber bereits am Vormittag rasch ab. Ansonsten fällt meist Schnee ohne signifikante Neuschneemengen. Mit Abzug der Tiefdruckrinne fächert auch an den Küsten der Gradient ganz allmählich etwas auf, dennoch bleibt der Südost- bis Ostwind zunächst noch meist warnrelevant mit Böen Bft 7, vereinzelt 8. Mit dem Trogvorstoß Richtung Italien und vorderseitigem Druckfall über der Adria bzw. Südosteuropa verschärft sich allerdings der Gradient im Südosten etwas, für warnrelevante Böen durch den auflebenden Böhmischen Wind wird es aber wohl nicht reichen. Ansonsten steht ein wettertechnisch recht ruhiger Tag ins Haus. Die milde Luft gewinnt nur sehr zögerlich nach Nordosten an Raum. Während die Temperatur in 850 hPa zwischen -3 Grad im Nordosten und +3 Grad im Westen schwankt, bleibt es etwa vom Emsland bis zur Lausitz bei Dauerfrost, im Nordosten gebietsweise auch noch mäßig. Mit dem Überströmen der der westlichen Mittelgebirge können in deren Lee in Teilen von NRW dagegen zweistellige Höchstwerte erreicht werden. Im Norden und Osten bleibt es meist bedeckt, im Lee der Mittelgebirge und an den Alpen scheint dagegen ab und zu die Sonne.
In der Nacht zum Donnerstag schwenkt der Trog im zentralen Mittelmeerraum über die Adria Richtung Südosteuropa. Ein korrespondierendes Bodentief zieht zum nördlichen Balkan, an dessen Nordflanke setzen markante Aufgleitprozesse ein, die im Laufe der Nacht von Tschechien her auch den Osten und die Mitte des Vorhersagegebietes erfassen. Dabei kann erneut gebietsweise gefrierender Regen fallen, der dann Unwetterpotenzial aufweisen dürfte, nach Norden und zur Mitte hin fällt dagegen meist Schnee. Welche Regionen von welcher Phase betroffen sind, ist allerdings noch sehr unsicher, in einigen Regionen sind auch markante Schneefälle nicht ausgeschlossen (am ehesten wohl in Teilen Thüringens, Westsachsens und des südlichen Sachsen-Anhalts).
Im Norden, Westen und Südwesten bleibt es dagegen meist trocken. Mit Ausnahme der Niederungen West- und Südwestdeutschlands gibt es leichten, im Nordosten mäßigen Frost und an den Küsten weht weiterhin lebhafter Ostwind, der eventuell warnrelevant bleibt.
Modellvergleich und -einschätzung
Auffällig ist, dass die vergangenen Läufe die Blockadewirkung durch das Skandinavienhoch wohl deutlich unterschätzt haben und auch für die kommende Nacht bereits etwas flächiger bzw. vor allem auch weiter nach Norden ausgreifend Glatteis auf der Agenda hatten.
Diese Unsicherheiten setzen sich in den Folgetagen weiter fort, auch für die Nacht zum Mittwoch ist noch unklar, wie intensiv die Niederschläge noch beim Auftreffen auf die bodennah kalten Luftmassen über Nordwestdeutschland dann noch sind. Die Wahrscheinlichkeiten für unwetterartiges Glatteis sind dann aber wohl etwas höher zu beziffern als für die kommende Nacht, wo das kleinräumig ebenfalls nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Ob es für eine eventuelle Vorabinformation reicht, muss morgen entschieden werden. Noch größer werden die Modelldifferenzen bzgl. Phasen und Mengen dann für die Nacht zum Donnerstag, wenn von Tschechien her Niederschläge auf die Osthälfte und die Mitte des Landes übergreifen. Unwetter-Glatteis ist dann ebenso möglich wie markanter Schneefall.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 01.02.2026 um 10.30 UTC
Zum Donnerstag im Osten und Nordosten teils kräftige Schneefälle. In der Nacht auf Freitag in den westlichen Mittelgebirgen und im Nordwesten Glatteisgefahr, in der Folge auch weiter nordostwärts ausgreifende milder Luftmasse. In der Folgewoche südliche Westlage mit Grenzwetterlage über Deutschland möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 08.02.2026
Im gesamten Mittelfristzeitraum ist Deutschland zweigeteilt: In der Nordosthälfte des Landes wird kontinentale Kaltluft herangeführt, während sich mildere Luft vom Atlantik vor allem in den südwestlichen Landesteilen durchsetzen kann.
Am Mittwoch liegen der Norden und Nordosten noch im Einflussbereich eines Feuchtebandes, das sich am Vortag dorthin geschoben hat. Es fallen noch ein paar Flocken oder gefrierender Sprühregen. Das Sättigungsniveau liegt in den Prognosesoundings häufig oberhalb von -10 °C, sodass Sprühregen in den Dauerfrostregionen nicht unwahrscheinlich ist. Vom Südwesten bis zur Mitte macht sich rückseitig schwaches Absinken bemerkbar, sodass sich zeitweise auch die Sonne zeigen kann und es meist trocken bleibt.
In der Nacht auf Donnerstag zieht ein Tief von Österreich in Richtung Tschechien und Sachsen. Vorderseitiges Aufgleiten sorgt über dem Osten für aufkommende, länger andauernde Schneefälle. Vor allem östlich der Elbe bleibt es dauerfrostig, während am Niederrhein bis zu +11 °C erwartet werden. Am Donnerstag zieht das Tief über dem Osten weiter nordwärts. Der Schwerpunkt der Schneefälle verlagert sich damit im Tagesverlauf in den Nordosten und zieht in der Nacht auf Freitag ab. Im Südwesten macht sich bereits der nächste Tiefausläufer mit aufkommenden Niederschlägen in Form von Regen bemerkbar. Im höheren Bergland besteht aufgrund von Frost erneut Glatteisgefahr. Am Oberrhein werden bis zu +8 °C, im Nordosten bis -4 °C erwartet. Am Freitag schiebt sich das Feuchtefeld mit den milderen Luftmassen über die Mitte bis in den Nordosten, wo es vor allem in der Nacht auf Samstag aktiv ist. Bei positiven Werten in 850 hPa fällt zunächst überwiegend Regen, erst in der Nacht kann der Niederschlag wieder teilweise in Schnee übergehen (Abbau der warmen Nase). Mit dem Übergreifen des Regens in die Frostgebiete besteht erhöhte Glatteisgefahr.
Am Wochenende bleibt das unbeständige Wetter mit vor allem in der Höhe milderen Luftmassen bestehen. Nur ganz im Norden verbleibt T850 im negativen Bereich. Demnach gibt es weitere Niederschläge, die meist in Form von Regen fallen, wobei die Mengen im ECMWF-Modell eher gering ausfallen. Vor allem in Richtung Norden bliebe es teils dauerfrostig, während am Oberrhein Maxima bis in den zweistelligen Bereich möglich sind.
In der erweiterten Mittelfrist wird das Übergreifen neuer Tiefausläufer vorhergesagt. Dabei würde sich eine südliche Westlage einstellen, wobei die Teiltiefs vor allem über die Mitte des Landes ostwärts ziehen. Damit ergäbe sich erneut eine Zweiteilung mit einem dauerfrostigen Norden und einem milden Süden. Vorstellbar ist dabei eine Grenzwetterlage mit teils kräftigen Schneefällen an der Nordflanke sowie Regen nach Süden hin.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist zeigt sich eine gute Konsistenz hinsichtlich der grundsätzlichen Großwetterlage. Im Detail lassen sich jedoch bereits Unterschiede erkennen. Diese betreffen insbesondere die Entwicklung und Verlagerung des Bodentiefs in der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstag, das dem Osten und Nordosten teils kräftige Schneefälle bringen soll. Im gestrigen 00-UTC-Lauf sollten die Feuchtefelder deutlich weiter nach Westen ausgreifen als im aktuellen Lauf, sodass auch die Schneefälle weiter westwärts vorankommen sollten.
Dies führt in der Folge auch zu Differenzen in der Prognose des neuen Feuchtvorstoßes aus Südwesten. Dem gestrigen 00-UTC-Lauf folgend sollte dieser erst am Freitagvormittag erfolgen. Zudem sollten die Niederschläge nur bis etwa zur Mitte vorankommen, während im Norden die Kaltluft dagegenhält. Im neuesten Lauf erfolgt die Verlagerung hingegen deutlich schneller (Übergreifen bereits in der Nacht auf Freitag), und die milde Luft könnte sich bis in den Nordosten vorarbeiten.
Auch im weiteren Verlauf des Wochenendes und zu Beginn der neuen Woche unterscheiden sich die Vorzeichen deutlich. Im gestrigen 00-UTC-Lauf dominierte noch eine östliche Strömung mit kalten Luftmassen (0 °C in 850 hPa bis zu den Alpen), was Schneefälle zur Folge gehabt hätte. Im neuen Lauf kann die milde Südwestströmung hingegen bis über die Mitte hinaus nordostwärts ausgreifen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Mittelfrist startet zunächst mit einer guten Übereinstimmung der verschiedenen Globalmodelle. Mit der Tiefentwicklung in der Nacht auf Donnerstag nehmen die Unterschiede jedoch rasch zu. Das UKMO-Modell lässt die Feuchtefelder - ähnlich dem EZ-Lauf vom Vortag - weiter nach Westen ausgreifen. Demnach besteht im Grenzgebiet zu Polen und Tschechien ebenfalls Glatteisgefahr. Beim ICON-Modell verläuft das Tief mit seinen Niederschlägen dagegen noch weiter östlich und zieht schneller ab als im EZ-Modell.
Damit können bei ICON bereits am Donnerstagnachmittag die Regenfälle von Südwesten her übergreifen. In der Folge kommen diese im Vergleich zum EZ-Modell am Samstag kaum noch bzw. nur schleppend bis in den Nord(ost)en vor, da sie von einem kontinentalen Kaltluftbollwerk ausgebremst werden. Das UKMO-Modell ist ähnlich wie das EZ-Modell rascher im Vorankommen der Warmluft bis in den Nordosten, jedoch etwas langsamer als EZ. Demgegenüber ist das GFS-Modell nochmals aggressiver als das EZ-Modell.
Auch in der Folge zeigt sich das GFS zunächst etwas milder als das ECMWF.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen zeigen insgesamt einen recht gebündelten Verlauf. Zwar nimmt der Spread in der zweiten Wochenhälfte etwas zu, die Mehrzahl der Läufe ist sich jedoch recht einig, und der Hauptlauf verläuft meist im Bereich des Medians. Auffällig ist, dass der Spread nach Norden deutlich größer ist als nach Süden. Dies spricht dafür, dass die größten Unsicherheiten darin liegen, wie weit die Warmluftvorstöße nach Norden vorankommen können und wie stark die kontinentale Kaltluft dagegenhält. Der Hauptlauf liegt im Nordosten eher am unteren Rand des Medians.
Das Clustering des ECMWF zeigt für den Zeitraum +120 h (Fr 00 UTC) bis +168 h (So 00 UTC) nur zwei unterschiedliche Lösungen, die etwa gleich stark besetzt sind. Unterschiede für Mitteleuropa lassen sich jedoch nur schwer herausarbeiten. Cluster 1 zeigt zum Ende hin ein etwas dominanteres Hoch, während Cluster 2 einen etwas stärkeren Tiefdruckeinfluss erkennen lässt. Im Zeitraum +192 bis +240 h wird sogar nur eine Lösung dargestellt, die - wie der Hauptlauf - eine südliche Westlage prognostiziert und damit eine Fortdauer der Zweiteilung über Deutschland.
Das GFS-Ensemble verläuft insgesamt ebenfalls recht gebündelt. Wieder fällt auf, dass der Spread im Norden und Nordosten Deutschlands deutlich größer ist als weiter nach Süden. Im Verlauf der übernächsten Woche zeigt der deterministische Hauptlauf einen deutlichen Temperaturrückgang, vergleichbar mit dem ECMWF, allerdings bei sehr großem Spread.
Fazit:
Winterliche Wettererscheinungen lassen uns weiterhin nicht los. Ab der Nacht auf Donnerstag kann es vor allem im Osten und Nordosten zu länger andauernden und teils kräftigen Schneefällen kommen. Zum Freitag und am Wochenende deutet sich in den neuesten Läufen - anders als noch teilweise am Vortag - an, dass sich vor allem in der Höhe mildere Luft bis in den Norden vorarbeiten könnte. Im Übergangsbereich besteht erneut erhöhte Glatteisgefahr, während es nach Norden und Nordosten hin auch zu Schneefall kommen kann.
Im Verlauf der darauffolgenden Woche deutet sich eine Umstellung auf eine südliche Westlage an, die in allen Ensembles zu finden ist. Zwar ist die Streubreite noch groß, das Clustering des EZ zeigt jedoch nur eine Lösung. Mit einer südlichen Westlage ist eine Grenzwetterlage mit kräftigen Schneefällen auf der kalten (Nord-)Seite sowie gefrierendem Regen im Übergangsbereich wahrscheinlich.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die ganze Zeit über bleibt der Wind im norddeutschen Küstenumfeld lebhaft mit starken bis stürmischen Böen. Dies betrifft vor allem den Beginn der Mittelfrist, während zum Wochenende die Verbreitung und Häufigkeit stürmischer Böen eher abnimmt.
Davon abgesehen prägen vor allem winterliche Parameter das Warnbild. So kommen in der Nacht auf Donnerstag über dem Osten und Nordosten länger andauernde Schneefälle auf, die teils bis in den Donnerstag hinein andauern. Es gibt Signale, dass insbesondere in kürzeren Zeiträumen regional die Schwelle zu markanten Schneefällen erreicht oder überschritten werden könnte. Abhängig von der Zugbahn ist vorübergehend gefrierender Regen an der Grenze zu Polen nicht ausgeschlossen.
Ab Donnerstagnachmittag kommen von Südwesten her Regenfälle auf, die in der Nacht auf Freitag etwa bis zur Mitte vorankommen. Dabei besteht vor allem in höheren Mittelgebirgslagen die Gefahr von Glatteis durch gefrierenden Regen. Wie weit und wie schnell diese auch weiter nach Nord(ost)en vorankommen, ist noch unsicher. Zum Teil besteht dort jedoch ebenfalls eingangs des Wochenendes Glatteisgefahr. Wo und wie schnell nachfolgend ein Phasenübergang stattfindet, ist ebenso unsicher.
Wenn sich in der erweiterten Mittelfrist die südliche Westwetterlage durchsetzt, könnte sich in der neuen Woche eine Grenzwetterlage mit kräftigen Schneefällen an der Nordflanke sowie gefrierendem Regen im Übergangsbereich entwickeln.
Basis für Mittelfristvorhersage
EZ-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marcus Beyer





