Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 10.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
SW a - schwächelnder Hochdruckeinfluss.
Heute im Nordwesten und Westen, am Mittwoch im Südosten einzelne kurze Gewitter. Darüber hinaus am Mittwoch sowie in der Nacht zum Freitag auffrischender Südwestwind mit Sturmböen in exponierten Höhenlagen sowie in der Nacht zum Freitag auch an der Nordsee.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... ist das Wettergeschehen durch einen breiten Höhenrücken über Osteuropa noch antizyklonal geprägt. Dieser verlagert sich jedoch zögernd weiter ostwärts, so dass sich über Mitteleuropa allmählich eine südwestliche Strömung durchsetzt. In dieser laufen schwächere Tröge nordostwärts ab. Einer dieser Tröge erreicht bis heute Abend den Westen Deutschlands. Vorderseitig erfolgt ein Einschub feuchterer und leicht labil geschichteter Luft. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser erreicht im Norden und Westen 15 bis (im Nordwesten) um 20 mm; zudem können sich 100 bis etwas über 200 J/kg an MU-CAPE aufbauen. Dank trogvorderseitiger Hebung können sich im Nordwesten und Westen Schauer und auch einzelne kurze Gewitter entwickeln. Da die Geopotentialgegensätze gering sind, kommt auch nicht allzu viel Hebung in Gang, so dass es für Starkregen nicht reichen sollte. Zwar ist etwas niedertroposphärische Scherung vorhanden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Richtungsscherung, der Oberwind im 850 hPa-Niveau sollte für stürmische Böen eher nicht hinreichend sein. Zum Abend hin klingt die Gewittertätigkeit ohnehin rasch ab.
Im Osten ist der Hochdruckleinfluss stärker ausgeprägt, im Süden ist die Labilität zu sehr gedeckelt, so dass in diesen Gebieten konvektiv nicht viel gehen sollte. Dort sind längere sonnige Abschnitte am wahrscheinlichsten. Mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 14 und 19 Grad wird es sehr mild, nur im Küstenbereich ist es mit 8 bis 13 Grad kühler.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich der Trog bis in die Mitte Deutschlands und wird dabei durch kompensierendes Absinken weitgehend zugeschüttet. Über dem Atlantik ist derweil eine Zonalisierung erfolgt. Ein nachfolgender Trog erreicht dann die Britischen Inseln und nimmt Anlauf in Richtung Mitteleuropa. Vorderseitige Warmluftadvektion, die mit dem okkludierenden Frontensystem eines Tiefs nördlich von Schottland in Verbindung steht, erfasst den Nordwesten und Westen Deutschlands, was dort Wolkenaufzug zur Folge hat. Zudem frischt dort der Wind auf, so dass die Bildung von Nebel ausbleibt. Im Osten und Süden klart es dagegen auf, vor allem im Süden können sich ein paar Nebelfelder bilden. In Teilen von Niederbayern sowie im Alpenvorland ist leichter Frost nicht ganz auszuschließen.
Mittwoch... überquert der Trog die Britischen Inseln und rückt unter leichter Ausweitung nach Süden bis nach Ostfrankreich vor. Das Frontensystem, das diesem Trog vorgelagert ist, vielmehr eine Okklusion mit Kaltfrontcharakter, greift auf Deutschland über und erreicht bis zum Abend etwa eine Linie Lübecker Bucht-Basel. Vorderseitig frischt der Wind in freien lagen mit Böen Bft 7 auf. Im Bergland sind stürmische Böen, exponiert (mit Ausnahme der östlichen Mittelgebirge) Böen bis Sturmstärke vorstellbar. Zudem setzt Regen ein, in Staulagen sind aufgrund des leichten Schleifens der Front innerhalb von 12 Stunden 10 bis 20 mm Niederschlag möglich. Da die vorderseitig noch vorhandene leicht labile Luft in diesen Prozess einbezogen wird, sind die Niederschläge zunächst noch schauerartig verstärkt, im Südosten Deutschlands kann es im Tagesverlauf vielleicht noch einmal für ein kurzes Gewitter reichen. Von Nordwesten und Westen her setzt sich alsbald stabilere Luft durch, was die Niederschläge einen stratiformen Charakter annehmen lässt. Zudem lässt durch die Stabilisierung auch die Böigkeit des Windes nach, rückseitig weicht der Gradient auf, so dass zum Abend hin nur noch in exponierten Höhenlagen der Wind warnrelevant ist.
Auflockerungen sind auf die östlichen und südöstlichen Landesteile beschränkt. Dort wird es mit 14 bis 18 Grad noch einmal sehr mild. Ansonsten sind Wolkenlücken eher selten und es werden 9 bis 14 Grad erreicht.
In der Nacht zum Donnerstag überquert der nördliche Teil des Troges weitgehend das Vorhersagegebiet und erreicht das Oderhaff. In seinem südlichen Teil hängt der Trog zurück, wobei sich ein Austropfen zum Golf von Genua hin abzeichnet. Da der nördliche Teil des Troges von Kaltluftadvektion überlaufen wird, schwächt sich nördlich der Mittelgebirgsschwelle die Niederschlagstätigkeit ab. Trogvorderseitige Hebung lässt die Niederschläge komplett auf den Süden und Südosten Deutschlands übergreifen, wo es erneut in Staulagen für 10 bis 15 mm innerhalb von 12 Stunden reichen kann.
Ein nachfolgender schwacher Zwischenhochkeil lässt den Gradienten aufweichen, so dass der Wind dann nicht mehr warnrelevant ist. Von Norden und Westen her klart es gebietsweise auf. Etwas Gradient ist aber weiterhin vorhanden, so dass Nebel eher unwahrscheinlich ist. Daher sollte es auch für leichten Frost wohl eher nicht reichen.
Donnerstag... setzt sich an der Vorderseite eines auf den nahen Ostatlantik übergreifenden breiten Troges erneut eine südwestliche Strömung durch. Das schwache Zwischenhoch wird durch einen von Galizien zur Ostsee reichenden Höhenkeil gestützt, so dass in dessen Bereich vorerst noch Absinken dominiert. Im Tagesverlauf kommt im Nordwesten und ganz im Norden im Bereich der zunehmenden südwestlichen und leicht flatternden südwestlichen Strömung Warmluftadvektion auf, was dort einen erneuten Wolkenaufzug mit sich bringt, ohne dass bereits Niederschlag fällt. Mit einem auf die Nordsee übergreifenden Frontensystem kommt von Nordwesten her Druckfall in Gang, der Gradient legt zu, zum Abend hin kommen an der Nordfriesischen Küste sowie in Höhenlagen der Mittelgebirge westlich des Rheins Windböen Bft 7, auf dem Brockenplateau Sturmböen Bft 8/9 in Gang.
Da es sich rückseitig des vorherigen Frontensystems eingeflossenen Luftmasse um maritime gealterte Polarluft handelt, wird es mit 12 bis 16 Grad (und um 10 Grad an den Küsten) nicht mehr so mild wie bisher.
In der Nacht zum Freitag wird durch den auf die Britischen Inseln übergreifenden und an Schärfe gewinnenden Trog über der Nordsee eine Wellenentwicklung getriggert. Die entstehende Welle hält die Kaltfront zurück, so dass allenfalls in Nordseenähe etwas Regen fällt. Im Bereich des Warmsektors dieser Welle erfolgt eine Gradientverschärfung, so dass im Nordwesten, Westen und bis in die Mitte hinein der Wind zulegt. Im Nordwesten sowie im Lee der nördlichen und westlichen Mittelgebirge kommen Windböen Bft 7, im Emsland und an der Nordsee stürmische Böen auf. In den Höhenlagen der nördlichen und westlichen Mittelgebirge sowie auf der offenen Nordsee muss mit Sturmböen Bft 8/9, auf dem Brockenplateau mit schweren Sturmböen gerechnet werden. Im Osten und Süden Deutschlands klart es auf. Während nördlich des Erzgebirges aufgrund des dort vorhandenen Gradienten Nebel und Frost eher unwahrscheinlich sind, erfolgt im Süden und Südosten eine Abkühlung bis in den Bereich leichten Frostes. Zudem können sich in diesen Gebieten erneut flache Nebelfelder bilden.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten. Das betrifft auch die sich in der Nacht zum Freitag über der Nordsee entwickelnde Welle.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 10.03.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig, dabei für die Jahreszeit durchschnittliche Temperaturen.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 17.03.2026
Zu beginn der Mittelfrist am kommenden Freitag befindet sich über Nordwesteuropa ein mit hochreichender Kaltluft angefüllter Höhentrog. Er schwenkt im Tagesverlauf unter Vergrößerung seiner Amplitude noch ein wenig weiter südostwärts, Deutschland verbleibt aber auf dessen Vorderseite. Er korrespondiert mit einem umfangreichen Tief mit mehreren Kernen über dem Nordmeer. Dessen teilokkludiertes Frontensystem greift mit Regen ab dem Nachmittag langsam und durch Wellenbildung über Südfrankreich schleifend auf den Westen und Norden Deutschlands über. Zudem frischt der Südwestwind im Westen und Nordwesten vorübergehend teils stürmisch auf. Postfrontal gelangt in den Nordwesten ein Schwall Meereskaltluft, in der die 850 hPa Temperatur bis -3 Grad zurückgeht. Präfrontal verbleibt noch eine mildere Luftmasse mit Temperaturen in 850 hPa zwischen 2 und 7 Grad. Dabei bleibt es dort noch trocken und teils länger sonnig.
Am Samstag kommt der Trog durch einen Höhenrücken über Osteuropa nicht weiter voran und durch einen weiteren vom Atlantik Richtung Westeuropa vorstoßenden Höhenrücken beginnt er in Richtung Spanien abzutropfen. Die Front verläuft weiterhin schleifend vom Westen über die mittleren Landesteile hinweg bis in den Nordosten, sodass es dort zu weiteren Niederschlägen kommt, die aber durch das zunehmend antizyklonale Umfeld nur leicht ausfallen. Postfrontal im Nordwesten sind durch die Nähe zum Trog einzelne Schauer möglich, präfrontal im Südosten bleibt es meist trocken mit längeren sonnigen Abschnitten. Auch die Kaltluft kommt zunächst nicht weiter südostwärts voran und es bleibt ein Nordwest-Südostgefälle erhalten. In den Nächten kann sich in den Gipfellagen der zentralen Mittelgebirge etwas Schnee untermischen.
Am Sonntag schwenkt das Trogresiduum über Deutschland hinweg ostwärts, wodurch auch die Front einen Schubs bekommt und die kältere Luft schließlich auch den Südosten Deutschlands allmählich erreicht. Oberhalb von 800 bis 1000 m fällt etwas Schnee.
Dem ersten Trog folgt in der Nacht zum Montag von den Britischen Inseln rasch ein Zweiter nach. Unter weiterer Austrogung Richtung Süden setzt er sich zunächst am Montag über Mitteleuropa fest. Er beginnt aber ebenfalls abzutropfen in Richtung westlicher Mittelmeerraum, wenn ein neuer Höhenrücken von Westeuropa in Richtung Nordsee vorstößt.
Dem Trog vorgelagert ist ein weiteres Frontensystem, das in der Nacht zum Montag ostwärts über uns hinwegzieht und gebietsweise leichten Regen bringt. Auch nachfolgend können sich im Trogbereich einzelne Schauer entwickeln. Evtl. reicht es auch mal für ein kurzes Kaltluftgewitter. Im höheren Bergland ist weiterhin etwas Schneefall möglich.
Gestützt durch den Höhenrücken kann sich im Bodendruckfeld ein Hochdruckgebiet aufbauen, das spätestens ab der Nacht zum Dienstag landesweit für eine Wetterberuhigung sorgt.
Es wird auch am Dienstag und in die erweiterte Mittelfrist hinein wetterbestimmend bleiben. Ob sich dann wieder kleine Höhentiefs einmischen und lokal für Schauer sorgen, bleibt abzuwarten. Das für die Jahreszeit durchschnittliche Temperaturniveau bleibt erhalten. Somit muss in den Nächten je nach Bewölkungsverhältnissen gebietsweise mit Frost gerechnet werden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des EZMW Modells lässt bereits zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Freitag nach. So greift der Tiefausläufer später auf uns über, bzw. kommt deutlich langsamer über uns voran, als in den Vorläufen gezeigt. Diese Phasenverschiebung setzt sich in der Folge fort, sodass der genaue zeitliche Ablauf und die räumliche Verteilung der Niederschläge noch unsicher ist. An dem grundsätzlichen unbeständigen Wettercharakter in der Mittelfrist mit zeitweisen Niederschlägen und für die Jahreszeit durchschnittlichen Temperaturen ändert dies aber wenig.
Auch die Wetterberuhigung zum Ende der Mittelfrist und darüber hinaus ist mit dem heutigen 00 UTC Lauf neu. Die gestrigen Läufe zeigten den vorherigen Trog deutlich länger über Deutschland/Mitteleuropa verharrend.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Entwicklung wird von den anderen Modellen ähnlich prognostiziert. Im Detail gibt es aber auch hier bereits am Freitag bezgl. der Frontpassage erste Unterschiede. So lassen GFS und ICON die Front und somit auch die Kaltluft rascher südostwärts vorankommen. UK10 zeigt eine sehr ähnliche, aber sogar noch etwas langsamere Lage zu IFS.
Bei der zweiten Frontpassage zum Montag hin, sind die Unterschiede deutlich geringer. Allerdings ist der Trog bei GFS flacher ausgeprägt und der nachfolgende Hochdruckeinfluss kann sich etwas früher durchsetzen, als bei den anderen Modellen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen im Zeitraum bis Dienstag insgesamt einen einheitlichen Verlauf und stützen somit die Entwicklung auf Basis des Hauptlaufs. Einzig von der Nacht auf Samstag bis zum Sonntag nimmt der Spread zu. Dabei gibt es je nach Region Member die eine frühere bzw. spätere Frontpassage zeigen. Entsprechend ist noch unsicher, ob und wo es zu Wellenbildungen an der Front kommt. Somit sind aber auch alle Modelllösungen im Ensemble vorhanden.
Die Clusterung des EZMW zeigt bis +96 h zwei Cluster, die sich für Mitteleuropa nur unwesentlich unterscheiden und beide etwa gleich viele Member beinhalten. Für den Zeitraum bis +168 h gibt es vier Cluster. Der Hauptlauf befindet sich in Cluster 3 (13 Member). Cluster 1 (16 Member) zeigt ein ähnliches Szenario mit dem vorstoßenden Höhenrücken zum Dienstag hin. Cluster 2 (14 Member) und Cluster 4 (8 Member) zeigen hingegen noch den Höhentrog über Mitteleuropa, was den gestrigen Läufen des IFS entsprechen würde. Aufgrund der recht ähnlichen Verteilung der Member, ist die Entwicklung diesbezüglich also noch unsicher.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Freitag tritt in der Nordwesthälfte zunächst teils stürmischer Südwestwind mit Böen Bft 8 auf, im höheren Bergland und an der Nordsee auch mit Böen Bft 9. Auf dem Brocken sind auch schwere Sturmböen oder orkanartige Böen Bft 10 bis 11 wahrscheinlich. Am Nachmittag erfolgt bereits wieder eine Windabnahme.
Am Samstag sind voraussichtlich keine signifikanten Wettererscheinungen zu erwarten.
Am Sonntag und Montag sind auf Nordseeinseln sowie im höheren Bergland zeitweise stürmische Böen Bft 8 gering wahrscheinlich. Zudem kann am Montag ein kurzes Gewitter nicht ausgeschlossen werden. Sonst sind keine signifikanten Wettererscheinungen zu erwarten.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





