Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 20.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Über den Gesamtzeitraum erscheint "Hoch Mitteleuropa" (HM) am geeignetsten.
Wetter: Hochsommerlich heiß, teils sehr schwül, von Norden her allmählich leichte Abkühlung. Regional immer wieder teils starke Gewitter mit Unwettergefahr.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Am heutigen Samstag... liegt ein Höhenrücken mit seiner Achse östlich unseres Landes über Polen und Tschechien. Auf der Rückseite dieses Rückens liegen wir in einer nach Norden zu etwas stärkeren südwestlichen Höhenströmung, in der ein Kurzwellentrog heute im Laufe des Tages vom Südwesten in den Osten unseres Landes geführt wird.
Bodennah dominiert aktuell noch ein umfangreiches, aber recht flaches Hoch (Gorgias) über dem Süden und Osten Europas. Im Laufe des Tages entwickelt sich aber ein neuer Hochschwerpunkt (Hartmut) im Bereich der Britischen Inseln, der durch den Anstieg des Geopotentials und das allmähliche Entstehen eines neuen Höhenrückens im Bereich der Biskaya gestützt wird. Zwischen diesen beiden Hochs lieht Deutschland im Bereich etwas niedrigeren Drucks, wo sich immer wieder kleinere Druckminima und damit Konvergenzzonen bilden können. Etwas markanter ist eine flache Rinne, die am Nachmittag im Nordwesten des Landes entstehen soll. Rückseitig dieser Rinne drehen dann die tagsüber meist schwachen Winde aus den unterschiedlichsten Richtungen im Nordwesten Deutschlands einheitlich auf Nordwest.
In praktisch ganz Deutschland ist mittlerweile eine heiße Luftmasse (xT) angekommen, mit Temperaturen in 850 hPa meist zwischen 16 und 20°C. Am Rande des neu entstehenden Hochs nähert sich aber am Nachmittag wieder eine etwas weniger heiße Luftmasse dem Nordwesten, aber nur in Nordseenähe stellt sich schon eine leichte Abkühlung ein. Die Luftmasse ist überall einigermaßen labil geschichtet und vor allem im Norden sehr feucht, insbesondere entlang der entstehenden Rinne werden Grenzschichtfeuchten von 13 bis 15 g/kg erreicht. In dieser Region werden dann teils CAPE-Werte über 2000 J/kg realisiert, teilweise erschwert aber ein kleiner Deckel die Auslöse. Insbesondere im Südwesten ist die Luftmasse deutlich trockener und trotz hoher Labilität werden kaum 500 J/kg CAPE erreicht.
Bezüglich der Gewitter heißt das: Die aktuell bereits vorhandenen Gewitter ziehen langsam weiter nach Osten, gesteuert und getriggert von dem oben erwähnten Kurzwellentrog. Bezüglich der Stärke muss man wohl recht verbreitet mit markanten Entwicklungen rechnen. Die hohen Feuchtigkeiten (ppw's teils 40 l/qm) ermöglichen aber unwetterartigen Starkregen, auch in den extremen Bereich hinein, wie ICON-D2-EPS aktuell über Berlin zeigt. Hagel mit Korngrößen von 2 bis 3 cm sollte aufgrund der hohen CAPE-Werte ins Kalkül gezogen werden, auch wenn die Scherung mau ist. Letzteres limitiert auch den Organisationsgrad der Gewitter und damit die Böen, trotzdem sollte aufgrund von Downbursts zumindest mit schweren Sturmböen lokal gerechnet werden.
Richtung Nordwesten und Südosten muss im Tagesverlauf ebenso mit der Auslösung einzelner Gewitter gerechnet werden, ausgelöst vorwiegend über dem Bergland. Bezüglich der Stärke ergeben sich keine erheblichen Unterschiede zu den Gewittern im Osten.
Weitgehend raus aus den Gewitteraktivitäten sind der äußerste Nordwesten, wenn die aktuell dort noch drüber ziehenden Gewitter abgezogen sind, da dort leichte Stabilisierung einsetzt. Im Südwesten wird es aufgrund der trockenen Luftmasse mit der Auslöse sehr schwierig, allerdings kann es lokal über dem Bergland reichen. Die niedrigen CAPE-Werte limitieren das Unwetterpotential, über lokal unwetterartigen Starkregen sollte man sich aber nicht wundern, zudem kann im Falle der Auslösung das hohe DCAPE sehr kleinräumig schwere Sturmböen oder orkanartige Böen ermöglichen.
Die ausführliche Beschreibung der Gewitter sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es heute verbreitet wieder viel Sonne geben wird (etwas weniger im Nordosten) und knallheiß wird. Abgesehen von der Nordsee steigt die Temperatur landesweit über 30°C, im Südwesten teils wieder auf 35 bis 38°C.
In der Nacht zum Sonntag zieht der Kurzwellentrog nach Osten ab. Der Rücken wölbt sich weiter über Frankreich und Irland auf, so dass über uns eine recht glatte, aber leicht zyklonale Höhenströmung verbleibt, die nach Süden hin sehr schwach ist. In diese ist voraussichtlich ein sehr kleinräumiger Kürzestwellentrog eingelagert, der gegen Morgen den Westen Deutschlands erreicht. Bodennah plustert sich das Hoch Hartmut mit seinem Schwerpunkt über Nordengland weiter auf, bei uns zieht die Rinne langsam nach Osten ab, bzw. füllt sich auf. Damit setzt sich im Norden überall leichter Nordwest- bis Nordwind durch, im Süden ist es schwachwindig bzw. windstill. Mit dem Nordwestwind dringt die recht flach einfließende weniger heiße Luft von der Nordsee her ins nordwestliche Binnenland ein und sorgt dort für Stabilisierung. Hier formiert sich durchaus eine - wenn auch diffuse - Kaltfront.
Die Gewitter im Osten sollen im Nachtverlauf Richtung Osten abziehen bzw. sich abschwächen, die Unwettergefahr sollte ab Mitternacht vorbei sein. Die vereinzelten Gewitter im übrigen Land sind sowieso sehr stark tagesgangsgetriggert und sollten sich rasch auflösen. Auch wenn es aktuell nicht wahrscheinlich erscheint, darf man natürlich bei dieser aufgeheizten Luftmasse nicht ausschließen, dass in der Nacht mal ein (markantes) Gewitter hochschießt.
Etwas wahrscheinlicher ist dagegen, dass mit dem Kurzwellentrog gegen Morgen Gewitter auf den Westen übergreifen, dies wird von ICON-D2, ICON-RUC, SuperHD und Arome am Südrand der Luftmassengrenze, in etwa über dem nördlichen NRW simuliert, wobei auch weiter südlich etwas entstehen könnte. Aufgrund der Tageszeit und einer etwas stabilisierten Grenzschicht, sollte die Böengefahr nicht so groß sein, auch beim Hagel sollten wir eher unter der Unwetterschwelle bleiben, ausschließen kann man aber größeren Hagel nicht. Bezüglich des Starkregens darf man aber durchaus ausgehen, dass es vor allem im NRW in den Frühstunden des Sonntags mal lokal Richtung Unwetter gehen wird.
Mit der Kaltfront dringen etwas mehr Wolken in den Nordwesten Deutschlands ein. Ansonsten dürfte die Nacht abgesehen von den Gewitterregionen oftmals wolkenarm verlaufen. Die Tiefstwerte liegen dann meist zwischen 22 und 17 Grad, stellenweise wird es in Nordseenähe und im südlichen Bergland etwas kühler.
Am Sonntag... zieht der sehr schwache Kürzestwellentrog langsam ostwärts. Die leichte Aufwölbung des Rückens erfolgt weiter westlich im Bereich der Britischen Inseln. Das Bodenhoch verstärkt sich noch etwas auf einen Kerndruck über 1030 hPa und sein Schwerpunkt verlagert sich in die nordwestliche Nordsee. Auch wenn der Gradient über Deutschland weiterhin recht schwach ist, setzen sich dann überall die nördlichen Windkomponenten durch. Wer sich jetzt auf Arktikluft freut, wird gleich enttäuscht werden: Die etwas weniger heiße Luft setzt sich nämlich mit der Kaltfront nur sehr langsam südwärts durch, so dass die 15°C-Isotherme in 850 hPa bis zum Abend gerade die nördlichen Mittelgebirge erreicht. Ganz im Norden geht es in 850 hPa auf 10 bis 12°C herunter. Im Südwesten bleiben uns hingegen 20°C treu.
Bezüglich der Gewitteraktivität kristallisiert sich die Mitte des Landes, vor allem der Mittelgebirgsraum bis in etwa zum Main nach Süden hin, heraus. Dort sollen, durch den kleinen Trog gesteuert, heftige Gewitter von West nach Ost ziehen, also von NRW über Hessen und Thüringen bis nach Sachsen, Nordbayern und Brandenburg. In dieser Region soll sich feuchte Luft akkumulieren mit Grenzschichtfeuchten von 13 bis 15 g/kg und ppw's über 40 l/qm. Damit werden teils wieder über 2000 J/kg CAPE generiert. DLS zwischen 10 und 15 m/s reicht zur Bildung organisierter Strukturen aus, vielleicht sogar für einzelne Superzellen. Alles in allem sieht die Lage danach aus, dass Starkregen, Hagel und Böen den Unwetterbereich erreichen können, beim Hagel könnte man sich durchaus Korngrößen um 5 cm vorstellen und auch beim Starkregen extreme Mengen teils über 50 l/qm in kurzer Zeit.
Auch weiter südlich können sich vor allem über dem Bergland wieder einzelne, durchaus heftige Gewitterzellen bilden, allerdings mit deutlich verminderter Unwettergefahr, dort sind Feuchte, CAPE und Scherung geringer. Dennoch kann es auch dort Hagel um 2 cm und örtlich heftigen Starkregen geben. Böen sollte durch trockene Downbursts zumindest bis Stärke 10 einkalkuliert werden.
Ganz ruhig bleibt es ganz im Norden, wo die Schicht stabil und die Feuchte geringer ist. Dort kommt nach Abzug der Kaltfrontbewölkung nach Süden auch wieder vermehrt die Sonne heraus. Auch im Süden sind die Sonnenanteile hoch, in der Mitte, im Bereich der Kaltfront und knapp südlich davon, etwas geringer.
Bei der Temperatur gibt es im Norden Entspannung mit Höchstwerten zwischen 25 und 30°C, an der See werden es bei auflandigem Wind oft nur noch 20 bis 25°C. In der Mitte werden es schwülheiße 30°C oder etwas darüber, im Südwesten deutlich trockenere 35 bis 38°C.
In der Nacht zum Montag zieht der Kürzestwellentrog nach Osten ab. Der sich westlich unseres Landes weiter langsam aufwölbende Rücken nähert sich uns an, so dass wir in den Bereich einer antizyklonalen Strömung kommen. Der bodennahe Hochschwerpunkt verlagert sich etwas nach Osten, so dass der Wind hierzulande auf Nordost dreht, im Norden sogar bis auf Ost. Im Süden ist er aber insgesamt weiter schwach.
Die Kaltfront kommt nicht mehr weiter nach Süden voran. An ihr verbleibt ein stärker bewölkter Streifen über der nördlichen Mitte Deutschlands. Die heftigen Gewitter des Tages ziehen in der Nacht recht rasch nach Osten ab, bzw. fallen über dem Süden zusammen. Somit wird es abgesehen vom Frontbereich vielerorts klar. Einzelne Gewitterreste oder auch neu entstehende Zellen (vor allem über der Mitte) sollen aber nicht ausgeschlossen bleiben, so dass auch in dieser Nacht ein bisschen auf die Lage aufgepasst werden muss.
Wieder einmal liegen die Tiefstwerte meist zwischen 22 und 15°C, nur im Norden Deutschlands geht es in der kühleren Luftmasse teils bis auf 12°C runter.
Am Montag... entwickelt sich ein abgeschlossenes Höhenhoch über Westfrankreich bzw. der Biskaya. Hier entwickelt sich ein "Heat Dome" mit über 25°C in 850 hPa. Wir liegen am nordöstlichen Rand dieses Höhenhochs, am Montag dann in wirklich antizyklonalem Umfeld, so dass Hebung aus der großskaligen Synoptik heraus wohl weitgehend unterdrückt wird. Der Schwerpunkt des bodennahen Hochs Hartmut liegt über der östlichen Nordsee, so dass Deutschland im Bereich eines recht schwachen Gradienten verbleibt, in dem der Wind überwiegend schwach, tagsüber auch mäßig aus Richtungen um Nordost daherkommt. An dem starken horizontalen Temperaturgradienten ändert sich nicht viel, doch die Lage einer Kaltfront zu identifizieren wird aber schwierig werden. Vielmehr werden wir einen recht konstanten Temperaturgradienten in 850 hPa bekommen mit 10°C über Schleswig-Holstein und 22°C über dem Süden Baden-Württembergs.
Große Teile des Nordens und Nordostens des Landes profitieren von der recht flach eingeflossenen kühleren Luftmasse. Dort stellt sich in Niveaus zwischen 800 und 750 hPa eine recht stabile Schichtung ein, zudem ist die bodennahe Luftmasse nur noch mäßig feucht. Dort darf man am Montag zwar mit ein paar Kumuluswolken und auch hohen Wolkenfeldern rechnen, es bleibt aber gewitterfrei und trocken.
Eine (sehr) feuchte und mäßig instabile Luftmasse soll weiterhin auf einem breiten Streifen vom Westen über die Mitte bis in den Südosten liegen. Dort erwarten uns weiterhin 13 bis 15 g Wasser / kg Luft und ppw's von über 35 l/qm. In dieser Region wird dann auch im Laufe des Tages hohes CAPE mit Werten bis um 2000 J/kg aufgebaut. Da aber der Hebungsantrieb im Vergleich zum Vortag ausfällt, wird es dort wahrscheinlich vor allem vom Bergland ausgehend zunächst einzelne, später verclusternde, aber nicht allzu gut organisierte Gewitter geben. Angesichts der erwähnten Werte sollte es trotz wieder etwas geringerer Scherung bezüglich Starkregen und Hagels in den Unwetterbereich gehen. Böen sollten insbesondere inmitten der feuchten Luftmasse in den Hintergrund treten, da die Grenzschicht nicht mehr so hoch und durchmischt ist. Nach Süden hin sehen die Temps bezüglich Böen etwas besser aus, da könnte man sich eher mal (schwere) Sturmböen vorstellen.
Ganz im Südwesten bleibt uns weiterhin die heißeste und sehr trockene Luftmasse erhalten, teils mit bis 700 hPa hochreichender Mischungsschicht. Bei simulierten Wolkenuntergrenzen von 3 km gibt es wahrscheinlich nur über dem höheren Bergland mal eine vereinzelte Gewitterentwicklung, die aber dann natürlich wie an den Vortrag auch recht kräftig ausfallen könnte.
Bei den Temperaturen stellt sich im Norden Sommerniveau mit Höchstwerten zwischen 25 und 30°C ein, wo der Nordwind vom Wasser her weht meist nur 21 bis 25°C. Sonst werden es wieder über 30°C und im trocken-heißen Südwesten sind es wieder vielfach 35 bis 38°C.
In der Nacht zum Dienstag ändert sich die Lage nur wenig. Die überwiegend tagesgangsgesteuerte Konvektion sollte zusammenfallen und die Wolken sich auflockern. Allerdings wird über der Mitte und dem Norden etwas frische, hereinziehende Bewölkung simuliert. Beim Temperaturniveau der Nacht ändert sich auch nicht viel: Meist werden es 22 bis 15°C, im Norden 15 bis 10°C.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle simulieren die Großwetterlage einheitlich. Auch das Übergreifen der Gewitter in der kommenden Nacht wird von den konvektionserlaubenden Modellen recht einheitlich simuliert. Bei der Entwicklung auf dem Weg nach Osten laufen die Prognosen dann aber auseinander. Für den Montag werden die potentiellen Schwerpunkte der Konvektion wieder recht einheitlich simuliert.
Die morgige Lage schreit nach einer Vorabinformation, für die es aktuell aber noch zu früh ist. Zumindest für den westlichen Teil, wo es schon frühmorgens losgeht, sollte die Ausgabe bis heute Abend erfolgen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 20.06.2026 um 10.30 UTC
In der Mitte und im Süden Fortsetzung der Hitze. Abgesehen von vereinzelten Hitzegewittern vor allem in der Südhälfte, trocken.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 27.06.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag erstreckt sich ein kräftiger Höhenrücken vom westlichen Mittelmeer über Frankreich und Deutschland bis nach Skandinavien. Auf seiner Westseite befindet sich weiterhin ein Höhentief westlich der Iberischen Halbinsel, während über Osteuropa und dem Schwarzmeerraum tieferes Geopotenzial vorherrscht. Im weiteren Verlauf verlagert sich die Achse des Rückens allmählich nach Mitteleuropa und gewinnt dabei noch etwas an Amplitude. Bis zum Ende der Mittelfrist etabliert sich über Frankreich und Deutschland zeitweise sogar ein abgeschlossenes Höhenhoch.
Am Boden korrespondiert dazu eine umfangreiche Hochdruckzone, deren Schwerpunkt zunächst zwischen Deutschland und Schottland liegt. Dadurch kann insbesondere im Norden und Nordosten Deutschlands vorübergehend etwas weniger heiße Luft einfließen, während im Süden und Südwesten weiterhin sehr warme bis heiße Luftmassen vorherrschen. Mit der Verlagerung des Bodenhochschwerpunktes in Richtung Skandinavien gegen Ende nächster Woche dreht die Strömung über Mitteleuropa zunehmend auf Ost bis Südost. Dadurch wird die heiße Festlandsluft erneut nordwärts geführt, sodass sich die Hitze ab Donnerstag wieder auf weite Teile Norddeutschlands ausdehnen kann.
Die Temperatur in 850 hPa liegt zunächst verbreitet zwischen 13 und 20 Grad, im Süden zeitweise auch darüber. Damit werden besonders im Süden und Südwesten verbreitet Höchstwerte zwischen 30 und 35 Grad erreicht; lokal sind auch Werte nahe 40 Grad nicht ausgeschlossen. Die höchsten Temperaturen werden am Dienstag und Mittwoch sowie voraussichtlich erneut gegen Ende nächster Woche erreicht. Erst zum Monatswechsel deuten einzelne Lösungen auf eine leichte Abschwächung der Hitze hin.
Unter anhaltendem Hochdruckeinfluss bleibt die Atmosphäre über weite Strecken stabil geschichtet. Die Gewittertätigkeit wird dadurch insgesamt deutlich gedämpft. Ganz unterdrückt wird die Konvektion jedoch nicht. Vor allem über den Mittelgebirgen und im Alpenraum können sich im Tagesgang einzelne Wärmegewitter entwickeln, die lokal auch unwetterartig ausfallen können. Zwischen Mittwoch und Donnerstag beschränken sich die Gewitter meist auf die Alpen und die südlichen Mittelgebirge. Gegen Ende nächster Woche steigt das Gewitterrisiko im Südwesten und Westen wieder an. Aufgrund der geringen Verlagerungsgeschwindigkeit steht dabei insbesondere heftiger Starkregen im Vordergrund. Flächendeckende Niederschlagsereignisse sind dagegen nicht vorhanden.
Von Donnerstag bis Sonntag verstärkt sich die Blockierung weiter. Über West- und Mitteleuropa etabliert sich eine ausgeprägte Hochdruckbrücke, während die umliegenden Tiefdruckgebiete sowohl über dem Ostatlantik als auch über Osteuropa kaum Einfluss auf das Wettergeschehen in Deutschland nehmen können. Die Temperaturgegensätze innerhalb Deutschlands nehmen dabei vorübergehend etwas ab, da sich die sehr warme bis heiße Luftmasse zunehmend auch nach Norden ausbreitet.
In der erweiterten Mittelfrist von Montag bis Dienstag bleibt die blockierende Großwetterlage nach derzeitigem Stand erhalten. Das Höhenhoch verlagert seinen Schwerpunkt von Deutschland nach Polen. Dadurch gelangt Deutschland an die Vorderseite eines Troges über den Britischen Inseln. Eine Tiefdruckrinne, gefolgt von einer schwachen Kaltfront, sorgt vermehrt für Gewitter, die häufig unwetterartig ausfallen können. Die heiße Witterung setzt sich jedoch fort. Niederschlagssignale beschränken sich dabei weitgehend auf konvektive Ereignisse; flächendeckende Niederschläge sind nicht in Sicht.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der verschiedenen IFS-Läufe ist bis mindestens Samstag nächster Woche recht gut. Die aktuelle Hitzewelle geht sehr wahrscheinlich in die Verlängerung und kann im Süden bis zu sieben Tage andauern, mit Höchstwerten zwischen 35 und 40 Grad. Verantwortlich dafür ist ein Höhenrücken, der sich vom westlichen Mittelmeer bis nach Skandinavien erstreckt. Zunächst liegt die Hochachse noch westlich von uns, im Laufe der nächsten Woche verlagern sich Achse und Schwerpunkt jedoch nach Mitteleuropa. Dann sollte sich sogar ein abgeschlossenes Höhenhoch über Frankreich und später über Deutschland bilden. Der Schwerpunkt des korrespondierenden Bodenhochs liegt zwischen Deutschland und Schottland. Dadurch kann zumindest im Norden zeitweise etwas kühlere Luft einfließen. Mit der Verlagerung des Hochschwerpunkts nach Skandinavien ab Mitte nächster Woche dürfte die Strömung jedoch von Nord auf Ost bis Südost drehen, sodass sich die Hitze wieder nach Norddeutschland ausweiten kann.
Da der Hochdruckeinfluss überwiegt, bleibt die Gewitteraktivität insgesamt gedämpft. Ganz zum Erliegen kommt sie jedoch nicht. Die höchste Wahrscheinlichkeit für Gewitter besteht vor allem in den Mittelgebirgen und Alpen sowie allgemein in der Mitte und im Süden des Landes. Lokal sind dabei auch Unwetter möglich. Flächiger Niederschlag ist weiterhin nicht in Sicht.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Diese großräumige Wetterlage wird auch von den anderen Modellen (ICON, GFS, UK10) sehr ähnlich simuliert, sodass die beschriebene Entwicklung als recht wahrscheinlich angesehen werden kann. Es bleibt heiß bis sehr heiß und, abgesehen von vereinzelten Hitzegewittern, überwiegend trocken.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse macht es heute recht einfach. Bis zum Zeitraum t+120 bis t+168 h gibt es vier beziehungsweise ein Cluster, die alle dasselbe zeigen: ein Blocking beziehungsweise eine Omegalage über Frankreich, die sich langsam nach Osten verlagert. Deutschland bleibt im gesamten Mittelfristzeitraum unter deren Einfluss. Auch in der erweiterten Mittelfrist ist diese Omegalage zu sehen, mit zwei Clustern, die ein ähnliches Muster aufweisen. Erst in der Langfrist ist eine Umstellung der verfahrenen Wetterlage erkennbar, aber das ist noch Zukunftsmusik. Die Hitze ist da und bleibt eine ganze Weile bestehen, vor allem in der Südhälfte des Landes, ohne nennenswerte Niederschläge, abgesehen von vereinzelten Gewitterereignissen, die nicht jeden treffen werden.
Die Rauchfahnen verschiedener Städte sind etwas weniger eindeutig und verdeutlichen die noch bestehenden Unsicherheiten. Insbesondere der Spread der Temperatur nimmt im Laufe der Mittelfrist zu, vor allem im Norden und Osten des Landes, wo vorübergehend etwas kühlere Luft einsickert. Im Südwesten (Freiburg) bleibt die Temperatur in 850 hPa hingegen nahezu konstant bei 20 bis 21 Grad und steigt zwischen Donnerstag und Freitag nächster Woche sogar auf 22 bis 24 Grad an. Der Spread bleibt dort durchweg gering. Niederschlagssignale gibt es kaum, und das Geopotenzial verbleibt auf einem sehr hohen Niveau.
FAZIT:
Die Hitzewelle setzt sich in der Mittelfrist fort, insbesondere in der Mitte und im Süden des Landes, und kehrt gegen Ende nächster Woche auch in den Norden zurück. Gewitter treten nur vereinzelt auf und beschränken sich meist auf die Südhälfte des Landes, später vor allem auf den Südwesten und Westen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER (UNWETTER):
Insbesondere am Dienstag muss vor allem in der Mitte und im Süden vereinzelt mit teils schweren Gewittern gerechnet werden. Als Begleiterscheinung steht vor allem Starkregen im Fokus, der lokal eng begrenzt sogar bis in den extremen Unwetterbereich reichen kann. Aufgrund hoher CAPE-Werte kann auch Hagel unwetterartig ausfallen. Das Böenpotenzial beschränkt sich vermutlich auf sehr kleinräumige Fallböen, die punktuell jedoch nicht zu unterschätzen sind.
Von Mittwoch bis Freitag scheint die Gewittergefahr mit einfließender trockenerer Luft deutlich zurückzugehen. Lediglich am Alpenrand und im Südschwarzwald besteht noch ein erhöhtes Gewitterpotenzial. In der erweiterten Mittelfrist kann die Gewittergefahr im Südwesten und Westen erneut ansteigen.
HITZE:
Die Hitzewelle setzt sich in der Mittelfrist insbesondere im Westen und Süden fort. Der EFI liefert hierfür durchweg entsprechende Signale. Sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch sind im Südwesten Temperaturen bis 39 Grad wahrscheinlich. Allerdings kann aus heutiger Sicht auch die 40-Grad-Marke nicht völlig ausgeschlossen werden. Tropische Nächte sind insbesondere in den Ballungsräumen der Südwesthälfte ein Thema. Mit dem Einfließen trockenerer Luft gehen die Taupunkte im Laufe der Woche jedoch etwas zurück, sodass die nächtlichen Temperaturen ab der Nacht zum Donnerstag in der Südwesthälfte mit wenigen Ausnahmen teilweise unter die 20-Grad-Marke sinken können.
Zum Ende nächster Woche kann sich die Hitze nochmals verschärfen und sich weiter nach Norden ausbreiten. Im Süden hält die Hitze voraussichtlich bis mindestens Ende nächster Woche an, ohne nennenswerte Abkühlung.
Abseits von Schauern und Gewittern dürften Trockenheit und Waldbrandgefahr im Laufe der Woche weiter zunehmen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





