Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 28.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HNFa
Anfangs über der Mitte, im weiteren Verlauf im Süden/Südwesten böiger, exponiert auch stürmisch auffrischender Ostwind. Besonders in der Nacht zum Mittwoch und Donnerstag im Osten verbreitet Luftfrost, bodennah durchweg und nahezu deutschlandweit ein Thema. Besonders im Süden hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... dominiert weiterhin eine blockierende Antizyklone das Geschehen, bodennah vom Hoch WINFRIED begleitet. Das Hochdruckgebiet wird über der Nordsee analysiert und sollte sich noch etwas verstärkt. Derweilen wird ein zarter Höhenrücken über Mitteleuropa aufgespannt, der mit einer subtropischen Hochdruckzelle über Nordafrika interagiert. Ein über dem Ärmelkanal west-südwestwärts ziehender Kaltlufttropfen interagiert mit einem Höhentief vor Portugal, wobei dessen rasche Abschwächung einen klassischen Fujiwhara-Effekt verhindert. Beide Systeme liegen eingebettet in einer Rinne geringeren Geopotenzials und fungieren somit als ein stark positiv geneigter Langwellentrog. Mit der retrograden Verlagerung des Kaltlufttropfens kann sich der kräftige Höhenkeil über Nordeuropa im Verlauf der Kurzfrist zunehmend nach Mitteleuropa ausweiten, wobei WINFRIED direkt nach Norddeutschland wandert. Die Folge ist eine insgesamt sehr ruhige Kurzfrist, leider auch weiterhin ohne Niederschläge.
Heute zeigt sich das Wetter in Deutschland zweigeteilt. Im Süden und Westen driften wiederholt ausgedehnte hohe Wolkenfelder vorüber, die die Sonne zeitweise auch etwas eintrüben. Diese werden durch den nach Westen abziehenden Kaltlufttropfen bzw. durch an der Ostflanke des Langwellentroges nordost- bis ostwärts ablaufende Kurzwellen hervorgerufen. Während die Bewölkung über der Mitte im Tagesverlauf weiter auflockert, muss man im Süden zum späten Nachmittag und Abend gar mit einer Bewölkungsverdichtung aus Süden rechnen. Im Zuge der südwestlichen Anströmung schwappt eine leicht labile Luftmasse an die Alpen. Gewitter sollten jedoch nur inneralpin entstehen, einzelne Schauer sind allerdings am direkten Alpenrand sowie im Hochschwarzwald/Hotzenwald nicht ganz ausgeschlossen.
Anders sieht es im Norden/Nordosten der Republik aus. Ein für die Jahreszeit beachtlicher Kaltluftvorstoß über Skandinavien/Nordosteuropa tangiert mit modifizierter kontinentaler Polarluft besonders den Nordosten (H85 bis -2 oder -3 Grad), wobei PWs auf unter 10 mm zurückgehen. Vorhersagesoundings heben eine durchmischte Schicht bis grob 800 hPa hervor, sodass zum Nachmittag entlang der Inversion lockere Kumuli besonders von Vorpommern bis ins nördliche Brandenburg auftreten. Abseits dieser Wolken verläuft der Tag aber meist wolkenlos und ja: trocken.
Erwähnenswert ist der Wind aus Ost bis Nordost, der besonders über der Mitte bei einem Gradienten von 8hPa/300 km im exponierten Bergland stark böig auffrischt (Thüringer Wald auch stürmisch, Bft8) und auch im Umfeld der Eifel bis zum Niederrhein treten am Nachmittag bei guter Durchmischung wiederholt Böen Bft 6 bis 7 auf. Im Norden und Süden verbleibt der Wind dank eines auffächernden Gradienten unterhalb der Warnschwelle (dem Tagesgang folgend mäßig bis frisch).
Die Maxima liegen im Zustrom der polaren Luftmasse zwischen 10 und 14 Grad, direkt an der Ostsee dank auflandiger Windkomponente meist um 9 Grad. Im Binnenland nimmt die Temperatur jedoch von Nordost nach Südwest rasch zu und erreicht Spitzen von 15 bis 24 Grad - die höchsten Werte entlang des Oberrheins.
In der Nacht zum Mittwoch kommt die modifizierte polare Luftmasse bis in den Süden der Republik voran. Daher verläuft die Nacht meist klar und trocken, wobei dank effektiver Ausstrahlung die Minima erneut weit zurückgehen. Besonders im Norden und Osten schläft der Wind im Verlauf der Nacht ein, sodass recht verbreitet mit leichtem Luftfrost zwischen 0 und -3 Grad zu rechnen ist. Bodennah dehnt sich die Frostluft bis zu den zentralen Mittelgebirgen aus, wobei im gesamten Osten auch mäßiger Frost in Bodennähe (bis -7 Grad) auftreten kann. Frostfrei bleibt es nur im äußersten Westen.
Im Süden dominiert dichte Bewölkung den Nachthimmel und am direkten Alpenrand kann es auch einige Tropfen Nass geben. Ansonsten schützt die Wolkendecke vor einer nachhaltigen Abkühlung, sodass auch hier die Nacht durchweg frostfrei verläuft (9 bis 4 Grad in 2 m Höhe).
Mittwoch... steigen das Geopotenzial und der Bodendruck von Norden weiter an, sodass deutschlandweit ein sonniger Tag zu erwarten ist. Die Ausnahme ist etwas Restbewölkung am direkten Alpenrand, sowie lockere Wolkenfelder im Nordosten. Niederschlag fällt keiner.
Am Südrand der Antizyklone gelegen verbleiben wir in einem recht ausgeprägten Bodendruckgradienten (12 hPa/450 km), sodass der Ost- bis Nordostwind im gesamten Süden und Südwesten im Tagesverlauf teils stark böig auffrischt (Bft 6 bis 7). PWs um 6 mm, ein T-Td spread von teils über 20 Kelvin und eine bis knapp 800 hPa durchmischte Grenzschicht sind bei einer Waldbrandstufe 3 bis 4 im Süden ein Hinweis, das bei Brandentwicklung mit rascher Ausbreitung zu rechnen ist. Im exponierten Bergland (Thüringer Wald, Hochschwarzwald) treten zudem wiederholt markante Böen (Bft 8) aus Ost auf. Im Norden weicht der Gradient rasch auf und dort kommt der Wind meist nur mäßig aus Nordost. Zum Abend kommt es im Tiefland zu einer raschen Entkopplung und Windabschwächung, während sonst der Wind weiterhin böig aus Ost weht.
Zudem wird am Südrand der Antizyklone nochmals kältere Luft in den Osten/Nordosten der Republik geführt, wo die Temperaturwerte in 850 hPa auf -2 bis -5 Grad zurückgehen (entspricht sub-10% Perzentilwerten zur Hintergrundklimatologie). Dies drückt die Maxima im Nordosten auf kühle bis milde Werte (10 bis 15 Grad), wobei die Deterministik deutlich unter den MOS-Verfahren liegt. Im Süden und Westen bleibt es mit 17 bis 23 Grad mild bis sehr mild.
Die Nacht zum Donnerstag hat nicht viel Neues zu bieten. Klar, trocken und kalt.
Dabei fokussiert sich aus heutiger Sicht die beste Ausgangslage für effektive Auskühlung auf den (verlängerten) Ast der Divergenzachse, die in Richtung Sachsen/Brandenburg gerichtet ist. Langwellige Ausstrahlung, eine polare Luftmasse und eine schwache Windbewegung ergeben verbreitet leichten bis lokal mäßigen Luftfrost (0 bis -5 Grad), bodennah möchte man in Richtung Lausitz gar vereinzelt strengen Frost bis -10 Grad nicht gänzlich ausschließen. Mäßiger Frost in Bodennähe ist im gesamten Osten ein Thema. Etwas unsicher gestaltet sich die Abkühlungsrate im Nordosten (Vorpommern bis Uckermark), die zunehmend auf die Nordflanke der Divergenzachse und somit in den Zustrom höhenmilder Luft gelangen. Zudem breitet sich in 850-750 hPa von der Ostsee eine feuchte Luftmasse süd- bis südwestwärts aus, die im Verlauf der 2. Nachthälfte auch den Nordosten in Form von dichter mittelhoher Bewölkung und Hochnebel erreichen kann. Dies könnte die Abkühlung dann bremsen. Dennoch muss je nach zeitlichem und räumlichem Eintreffen der feuchten Luftmasse mit Minima zwischen +3 und -1 Grad gerechnet werden, bodennah durchweg mit leichtem Frost bis -4 Grad.
Der Luftfrost betrifft auch die östlichen und zentralen Mittelgebirge, den Bayerischen Wald und das Alpenvorland, während es im Südwesten und Westen mit 7 bis 2 Grad in 2m Höhe frostfrei bleibt. Bodennah muss allerdings beinahe deutschlandweit mit leichtem Frost gerechnet werden.
Donnerstag... dominiert Hochdruckeinfluss. Im Osten ziehen anfangs noch dichte Wolkenfelder vorüber, die im Tagesverlauf rasch auflockern. Sonst scheint die Sonne ganztags bei Maxima zwischen 14 und 23 Grad (im östlichen Bergland sowie peripher der Ostsee etwas kälter). Die unveränderte Temperaturspanne bei den Höchstwerten haben wir der Lage des Bodenhochs zu verdanken, das nun über Norddeutschland liegt, sodass wir auch am Donnerstag noch auf dessen kalten Südflanke mit 850 hPa Temperaturwerte zwischen -2 bis +8 Grad (Ost nach West) verbleiben (von Westen rasch erwärmend).
Der Ostwind bleibt besonders im Südwesten ein Thema, wo dem Tagesgang folgend erneut ein böig auffrischender Wind zu erwarten ist (Bft 6 bis 7, exponiert Bft 8, im Hochschwarzwald auch mal die Bft 9). Erneut sei auf die sehr hohe Waldbrandgefahr hingewiesen (mittlerweile Stufe 4 bis 5 im Süden), wobei der Wind eine rasche Ausbreitung ermöglichen dürfte. Im Norden und Osten kommt dieser schwach bis mäßig aus Nordost bis Nord.
Für die Nacht zum Freitag kann man sich die Worte eigentlich sparen. Klar, trocken, mit örtlich auftretendem Luftfrost im Süden/Südosten. Sonst 2m Minima zwischen 9 und 1 Grad. Bodennah abseits vom Westen erneut leichter, im Osten/Südosten auch mäßiger Frost. Die Kammlagen der süddeutschen Berge weiterhin böiger Ostwind, Hochschwarzwald stürmisch.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle haben die Kurzfrist sehr gut erfasst, sodass es zu keinen größeren Abweichungen kommt. Einzig die Ausbreitung der Bewölkung in der Nacht zum Donnerstag im Nordosten wird noch recht variabel gezeigt. Allerdings erscheint ein Übergreifen der Bewölkung zumindest bis nach Vorpommern/Oderumfeld recht plausibel.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 28.04.2026 um 10.30 UTC
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Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 05.05.2026
Zu Beginn des Mittelfristzeitraums liegt ein nach Süden verschobenes Omega-Blocking über Mitteleuropa. Dabei wird Deutschland von einem Höhenhoch beeinflusst. Das korrespondierende Bodenhoch hat seinen Schwerpunkt über dem östlichen Mitteleuropa. Flankiert wird das Höhenhoch von einem Cut-off-Tief über dem Atlantik und einem Langwellentrog über Osteuropa. Das Blocking bleibt aber nicht stabil, denn das Höhenhoch wird von dem näher rückenden atlantischen Cut-Off-Tief, das Verbindung mit einem Trog über dem Nordmeer aufnimmt, nach Osten verdrängt und wir gelangen zunehmend auf die Vorderseite dieses Langwellentoges, wobei warme und etwas feuchtere Meeresluft herangeführt wird, in der sich am Samstag im Nordwesten, am Sonntag auch in der Mitte wenige 100 J/kg CAPE aufbauen und es dort zu Schauern und Gewittern kommt. Der Rest von Deutschland verbleibt unter Hochdruckeinfluss. Bei 850-hPa-Temperaturen von verbreitet über 10 °C ist am Wochenende bei Höchstwerten von 24 bis 28 °C mit Sommertagen zu rechnen. Bis Mittwoch ändert sich im Wesentlichen nur sehr wenig an der Wetterlage. Der schwache Haupttrog gewinnt nur langsam an Raum nach Osten. Besonders über dem Osten hält die Zufuhr feuchtwarmer Luftmassen an, sodass es bei moderaten CAPE-Werten getriggert durch flache Kurzwellentröge wiederholt zu langsam ziehenden Schauern und Gewittern kommt, die aufgrund der schwachen Höhenströmung nur wenig Dynamik aufweisen.
Im weiteren Verlauf simuliert das IFS die Entwicklung eines neuen Blocks nördlich von Großbritannien, der ins Nordmeer und später nach Skandinavien vorstößt. Der Norden Deutschlands wäre dabei überwiegend antizyklonal geprägt, während im Süden mit südöstlicher Strömung weiterhin feuchtwarme, zu Gewittern neigende Mittelmeerluft herangeführt wird.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
ie Wetterlage ähnelt im Wesentlichen den Vorläufern. Am Wochenende ergeben sich leichte Unterschiede, inwieweit die gewitterträchtige Luft nach Osten vorankommt. In der erweiterten Mittelfrist lag das neue Blocking teilweise anders.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die ICON-Simulation ähnelt der IFS-Simulation, lässt den Trog aber am Dienstag nach Mitteleuropa hereinziehen. Im GFS-Modell wird dieser durch eine neue Hochdruckentwicklung über Südskandinavien zurückgehalten und die Gewitter werden in den Westen verdrängt.
Während AIFS und Pangu Weather ein schnelles Übergreifen des Troges am Dienstag berechnen, bleiben wir bei den anderen AI-Modellen auf der Trogvorderseite. Im weiteren Verlauf zeigt nur GraphCast das Blocking ähnlich wie im IFS. Die anderen AI-Modelle sehen eher einen Trog über West- oder Mitteleuropa.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-Rauchfahnen bestätigen die Hochdruckwetterlage der kommenden Tage einheitlich. Ab Montag tritt dann eine erhebliche Streuung beim Geopotenzial und insbesondere bei der 850-hPa-Temperatur im Osten auf. Der Hauptlauf ordnet sich dabei im oberen Bereich ein. Dies weist auf Unsicherheiten bezüglich einer Vorderseite oder eines Trogdurchgangs hin. Diese Unsicherheiten spiegeln sich ebenfalls in den GFS- und IFS-ENS wider. Nach der Erwärmung ab Freitag ist ab Montag ein Abwärtstrend des Ensemblemittels erkennbar. Gemeinsam haben die Ensembles auch die Zunahme der Niederschlagssignale ab dem Wochenende bzw. ab Montag im Osten.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass uns mit hoher Wahrscheinlichkeit die Hochdruckwetterlage bis Freitag erhalten bleibt, uns ein sommerliches verlängertes Wochenende erwartet, bei dem aber die Gewitterneigung von Westen her zunimmt.
Ab nächster Woche geht es voraussichtlich deutlich unbeständiger weiter, zunächst mit einer Trogvorderseite und Schauern sowie Gewittern. Das Temperaturniveau bleibt deutlich unsicher und hängt vom eventuellen Übergreifen des Troges ab.
Ob sich im weiteren Verlauf ein Blocking durchsetzen kann, ist ungewiss. Die IFS-Cluster-Analysen zeigen in der erweiterten Mittelfrist nur einen Cluster mit einer negativen Geopotenzialanomalie über Skandinavien, was eine zonale Wetterlage bedeuten könnte. Der IFS-Hauptlauf mit dem Blocking wird von den ESN offensichtlich kaum unterstützt.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Ab dem Wochenende nimmt die Gewitterneigung zu. Mit Gewittern besteht vornehmlich die Gefahr von Starkregen, teils bis in den Unwetterbereich.
Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, IFS, MOSMIX, ab Montag IFS-ENS-Mittel.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold





