Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 02.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
NW z
Zeitweise stürmisch, vor allem im Bergland Sturmböen. In Staulagen und in Schauerstraßen kräftige Schneefälle möglich. Im Bergland in Hochlagen Schneeverwehungen. Dazu vor allem im Norden Gewitter mit Graupel und Sturmböen, sowie auch tagsüber Glätte durch Schnee. Insgesamt am Wochenende nachlassender Wind, aber weiter winterlich. Vor allem in der Nacht zum Montag im Süden strenger Frost.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... überdeckt ein Langwellentrog Nord- Mittel- und Osteuropa. Ein steuerndes Tief über der Ostsee füllt sich langsam auf, hat aber immer noch einen Kerndruck von ca. 975 hPa nahe Gotland. An dessen Rand gelangt über die Nordsee labile polare Meeresluft zu uns mit -7°C in 850 hPa und -38°C in 500 hPa. Kurzwellige Tröge lösen darin Hebung aus, die zu schauerartigen Niederschlägen und kurzen Gewittern führt. Dabei fällt auch in tiefen Lagen und im Flachland häufig Schneeregen oder Schauer, bei kräftigen Schauern und Gewittern auch Graupel.
Nicht immer bleibt im Tiefland alles liegen, für vorübergehende Glätte durch Schnee oder Schneematsch reicht es aber gebietsweise. Teils wird eine gelbe Warnung nötig mit 1 bis 5, in Staulagen bis 10 cm (Allgäu bis 15 cm), teils reicht eine Glättewarnung. Bei den heterogen Niederschlagsprognosen und der unsicheren Vorhersage sind die regionalen Details und Mengen im Vorfeld kaum ab zu klären. Schwerpunkte sind über NRW und strichweise im Norden zu finden. Auf jeden Fall ist das Bergland >300m und dort die Staulagen prädestiniert für Neuschnee mit vielleicht auch mal etwas mehr Neuschnee. In Hochlagen einiger Mittelgebirge (Erzgebirge, Oberharz, Bayerischer Wald, Sauerland) muss mit Verwehungen gerechnet werden.
Der üppige Gradient lässt den Südwest- bis Westwind zeitweise kräftig auffrischen, wobei er vor allem im Nordwesten auf Nordwest dreht. Auch dank der Labilität und dem damit verbundenen vertikalen Impulsaustausch treten häufig Böen 7-8 Bft, bei kräftiger Konvektion vereinzelt 9 Bft auf. Höhere Berglagen kommen auf 9-10 Bft, Fichtelberg 11 Bft, Brocken bis 12 Bft. An der Ostsee lässt der Wind mit Abzug eines Randtiefs zunächst nach, während er an der Nordsee mit Annäherung eines Bodentroges und Drehung auf NW bereits am Vormittag zulegt mit Böen 8 bis 9 Bft, Ostfriesland nachmittags bis 10 Bft. Am Nachmittag wird´s dann auch an der Ostsee etwas windiger mit Bft 7, westliche Ostsee einzelne 8 Bft.
Die Höchsttemperatur liegt zwischen 0 bis 4°C, oberhalb etwa 400 bis 600 m gibt es leichten Dauerfrost.
In der Nacht zum Samstag schwenken weitere Tröge durch, was mit einen kleinen Windmaximum an der Ostsee und über der östlichen Mitte mit 7 Bft, Ostsee 8 Bft verbunden sein dürfte. Danach fächert der Gradient auf und vor allem an der Nordsee bricht der Sturm komplett zusammen bis fast zur Windstille. In den Hochlagen des Berglands lässt der Wind ebenfalls etwas nach, trotzdem bleibt es dort noch stürmisch.
Schneetechnisch deutet sich eine abnehmende Tendenz der Niederschlagsaktivität an, mit zwei Ausnahmen. In der 2. Nachthälfte sorgt ein von der Deutschen Bucht reinschwenkender Randtrog für ein Aufleben der Schauer im Nordwesten und Westen bis zur Mitte. Und ganz im Süden zieht abends und in der ersten Nachthälfte eine flache Welle durch, die 1 bis 5, im Stau des Schwarzwalds bis 10, im Allgäu bis zu 15 cm Neuschnee bringt. Damit akkumuliert sich der Neuschnee im Allgäu bis Samstagvormittag auf willkommene 10 bis 20, lokal bis 30 cm, im Schwarzwald etwas weniger. Danach klart der Himmel im Süden teilweise auf.
Die Temperatur sinkt in den leichten, bei Aufklaren sowie allgemein ab mittleren Lagen des Berglands in den mäßigen Frostbereich - Glätte durch Schnee oder gefrierende Nässe tritt ziemlich verbreitet auf.
Samstag... ändert sich an der Gesamtkonstellation nicht viel. Wir bleiben unter Trogeinfluss und unter einer zyklonalen nordwestlichen Strömung. Der Gradient wird aber etwas auseinandergezogen, weil sich das nahezu stationäre Zentraltief auf ca. 985 hPa im Kern über der Ostsee abschwächt. Das blockierende Hoch hält nach wie vor im Raum Island die Stellung.
Das Temperaturniveau in der polaren Luftmasse sinkt noch leicht auf -10°C in 850 hPa und bis -40°C über Norddeutschland in 500 hPa. Bei vor allem nach Norden hin sehr instabiler Schichtung kommt es zu weiteren schauerartigen Schneefälle und kurzen Gewittern. Davon kommt aber im Süden am wenigsten, bzw. fast nichts an.
Der insgesamt zwar abnehmende Südwest- bis Westwind frischt aber tagsüber vor allem über der Mitte und dem Süden gebietsweise nochmal auf mit einigen Böen 7 Bft. Im Bergland je nach Höhenlage Bft 7 bis 8, exponiert 9 bis 10 Bft. Während der Wind an der Ostsee tagsüber nachlässt, anfangs Bft 7 bis 8, exp. 9, frischt er an der Nordsee nachmittags eher auf, was mit der Passage eines kleines Troges und Tiefs (Polar Low, ICON D2) zusammenhängt. Dort sind dann aus nördlicher Richtung stürmische Böen und Sturmböen nicht ausgeschlossen. Ob es tatsächlich am Rand des Tiefs zu Orkanböen kommt, wie bei ICON D2 angedeutet, muss abgewartet werden. Aktuell werden diese jedenfalls knapp westlich von uns simuliert.
Die alles in allem aber nachlassende Durchmischung und etwas niedrigere Temperaturen (Maxima -1 bis +3°C, Bergland >300m leichter Dauerfrost) führen dazu, dass auch im Flachland tagsüber bei Schauerstraßen 1 bis 5 cm Neuschnee möglich sind. Im Bergland je nach Lage auch 5 bis 10, für den Brockenstau werden auch mal 15 cm angedeutet. Dazu sind im höheren Bergland Schneeverwehungen weiter mit dabei. Auch können sich einzelne Graupelgewitter über Norddeutschland entwickeln.
In der Nacht zum Sonntag schiebt sich in den Südwesten und Süden ein schwacher Hochkeil unter dem die Schauer, so denn überhaupt welche unterwegs sind, abklingen. Aber auch sonst nimmt die Schauertätigkeit etwas ab, ohne aber ganz aufzuhören, weil weitere Tröge und das sich abschwächende kleine Tief über uns nach Südosten schwenken.
Anfangs sind im Osten und an den Küsten noch teils steife bis stürmische Böen zu erwarten, im Verlauf der Nacht wird das aber immer weniger, weil der Gradient weiter nachlässt. Exponiert im Bergland gibt es vor allem anfangs Sturmböen mit Schneeverwehungen. Die Temperaturen gehen in den leichten bis mäßigen Frostbereich zurück. Bei längerem Aufklaren ist über Süddeutschland strenger Frost möglich. Dazu wird es recht verbreitet glatt durch etwas Neuschnee und gefrierende Nässe.
Sonntag... dreht die Strömung etwas nach West, weil der Langwellentrog sich etwas über die Nordsee und GB nach Südwesten ausweitet. Das Zentraltief schwächt sich auf knapp unter 1000 hPa ab, es findet sich aber ein Randtief über der Nordsee ein, dass eine Rinne nach Norddeutschland ausbildet.
Die labilste Luft mit unter -10°C in 850 hPa und -40°C in 500 hPa liegt über dem Norden und der Mitte, zieht sich aber eher nach Nordosten zurück. Dabei treten weitere Schnee- und Graupelschauer auf, die von der Intensität aber weniger kräftig sind, als an den Vortagen. Einzelne Gewitter sind am ehesten noch im Nordseeumfeld möglich. Dabei kann auch tagsüber im Tiefland, bei Maxima -2 bis +2°C, etwas Schnee akkumulieren, was dann mit Schneefall oder Glätte abgewarnt werden kann.
Im Bergland sind in Staulagen stellenweise um 5 cm, vereinzelt 10 cm Neuschnee möglich.
Der Gradient wird abgebaut und stärkere Böen von 7 bis 8 Bft aus Südwest bis West sind am ehesten dem Bergland und den Küsten vorbehalten.
Über dem Süden und Südwesten kräftigt sich die Hochdruckzone und sorgt dort für weitgehend niederschlagsfreie Bedingungen und größere Aufheiterungen. In der Nacht zum Montag ziehen sich die Schneeschauer in den Norden zurück und von Süden her klart es häufiger auf. Ob es dann für lokalen Nebel reicht ist unsicher, strenger Frost von -10 bis -15°C ist im Süden auf jeden Fall häufiger zu erwarten. Vereinzelt wird es wohl besonders am Alpenrand sogar noch kälter.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren in den Basisfeldern ähnlich. Es gibt im kleineren Scale (Tröge, Polar Low) und bei den konvektiven Niederschlägen größere Unschärfen. Auch dürfte kaum zu klären sein, ob und wo tagsüber wie viel liegen bleibt. Es bleibt diesbezüglich nur Nowcasting. Mit Glättewarnungen kann im Vorfeld großzügig agiert werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 02.01.2026 um 10.30 UTC
Kalter Witterungsabschnitt mit Dauerfrost und teils strengen Nachtfrösten. Zeit- und gebietsweise Schneefall, Niederschlagsprognose aber sehr unsicher.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 09.01.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Montag liegt Deutschland im Einflussbereich eines umfangreichen und mit Kaltluft angereicherten Langwellentroges, der sich vom Norden Europas bis in den Südwesten Europas erstreckt. Korrespondierend dazu befindet sich im Bodendruckfeld eine umfangreiche Tiefdruckzone mit einem Schwerpunkt über Skandinavien, Nord- und Ostsee und einem weiteren über dem westlichen Mittelmeerraum. Für unser Wetter verantwortlich ist zunächst der nördliche Schwerpunkt, bei dem Randtröge immer wieder für die Ausbildung neuer Tiefdruckzentren sorgen. Dabei ist eine kalte Luftmasse wetterbestimmend mit Temperaturen in 850 hPa um minus 9 Grad. Am Rande der Tiefdruckgebiete gibt es im Norden zeitweise Schneefall. In der Mitte und im Süden ist der Einfluss einer Hochdruckbrücke wirksam, die sich zwischen den beiden Tiefs aufgebaut hat.
Nach einer kalten Nacht mit häufig mäßigem, teils auch strengem Nachtfrost ändert sich am Dienstag wenig an der Wetterlage. Einzig auf den Südosten greifen ausgehend von dem Richtung Italien ziehenden Mittelmeertief Schneefälle von Süden über.
Diese Schneefälle halten dort auch am Mittwoch weiter an. Sonst bleibt der leichte Hochdruckeinfluss erhalten und weitet sich auch auf den Norden aus. Denn der Trog beginnt Richtung Frankeich abzutropfen, sodass ein weiteres vom Nordmeer kommendes Tief nun nicht mehr Kurs Richtung Deutsche Bucht, sondern Richtung Südwesteuropa nimmt.
Am Donnerstag zieht das ehemalige Mittelmeertief über den Südosten Europas ostwärts ab und die Schneefälle im Südosten Deutschlands lassen wieder nach. Sonst bleibt Hochdruckeinfluss wetterwirksam, wobei die Hochdruckzone zum Freitag hin mit Annäherung eines neuen Troges von den Britischen Inseln allmählich südostwärts gedrückt wird. An dessen Trogspitze kann sich ein Randtief zu einem Sturmtief entwickeln, das sich Freitagmittag mit seinem Zentrum und einem Kerndruck unter 980 hPa über England befindet. Von dort aus soll es unter weiterer Intensivierung über die südliche Nordsee Richtung Südskandinavien ziehen. Somit greift dessen Sturmfeld im Laufe des Freitags und in der Nacht zum Samstag auch auf uns über. Das teilokkludierte Frontensystem greift ebenfalls über, überquert uns rasch ostwärts und bringt gebietsweise Schneefälle. Vor allem im Süden kann gebietsweise auch vorübergehend gefrierender Regen auftreten, je nachdem wie kräftig der Warmlufteinschub ausfällt.
Auch in der erweiterten Mittelfrist bleibt es wechselhaft und bei weiterer Kaltluftzufuhr winterlich bei zeitweisen Schneefällen. Zum kommenden Montag hin könnte dann von Westen wieder mildere Luft durchgreifen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bereits ab Mittwoch lässt die Konsistenz des EZMW-Modells nach. Während nach dem gestrigen 00 UTC Lauf von Nordwesten weitere Niederschläge übergreifen sollten, bleiben diese nun durch Abtropfen des Troges weitgehend außen vor und es dominiert in weiten Teilen Deutschlands Hochdruckeinfluss. Das Übergreifen des Sturmtiefs wurde auch in den Vorläufen schon gezeigt, der gestrige 00 UTC Lauf zeigte aber eine schnellere Verlagerung auf einer deutlich südlicheren Zugbahn. Der gestrige 12 UTC Lauf zeigte eine langsamere Verlagerung auf ähnlicher Position wie der heutige 00 UTC Lauf, ließ das Sturmtief aber nicht ostwärts ziehen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die Modellunterschiede nehmen ab Mittwoch deutlich zu. So lässt ICON die Niederschläge des Mittelmeertiefs auf den gesamten Süden und auch auf den Osten übergreifen. GFS zeigt keinen nennenswerten Einfluss des Mittelmeertiefs auf unser Wetter, stattdessen kommen weitere Niederschläge mit einem Sturmtief von Nordwesten auf.
Das Übergreifen des Sturmtiefs zum Freitag und dem Wochenende zeigen die Modelle wiederum alle, wenn auch noch mit unterschiedlicher Position und Intensität. Insofern ist eine zuverlässige Vorhersage vor allem bezüglich der Niederschläge ab Mittwoch nicht möglich.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen bis Donnerstag einen recht einheitlichen Verlauf bei relativ geringem Spread, sowohl bei der T850 hPa als auch beim Geopotential 500 hPa. Auch für Berlin beispielweise sind die Niederschlagssignale zur Wochenmitte sehr gering, sodass die ICON Lösung eher unwahrscheinlich ist.
Ab Donnerstag nimmt der Spread zu, wobei die Mehrheit der Member dem Hauptlauf folgt. Zunehmende Niederschlagssignale und ein Anstieg der Temperatur (im Norden nur leicht, im Süden etwas stärker ausgeprägt) deuten auf das Übergreifen des Sturmtiefs oder zumindest auf wieder zunehmenden Tiefdruckeinfluss hin. Somit basiert die Vorhersage heute überwiegend auf dem IFS.
Die Clusterung des EZMW besitzt für den Zeitraum t+72 bis 96 Stunden nur einen Cluster. Für den nachfolgenden Zeitraum von Mittwoch bis Freitag 00 UTC und auch für die erweiterte Mittelfrist sind es jeweils vier Cluster. Bei den meisten Clustern dominiert zunächst der Hochdruckeinfluss, was bei Cluster 3 und 4 auch am Samstag noch der Fall ist. Dort bleibt das Sturmtief vor Westeuropa liegen. Eine ähnliche Entwicklung zum Hauptlauf zeigen Cluster 1 und 2, in denen auch die meisten Member enthalten sind.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Vorhersagezeitraum herrscht tagsüber vielerorts leichter Dauerfrost, in den Nächten muss im Bergland und im Süden teils mit strengem Frost gerechnet werden. Sonst gibt es zunächst voraussichtlich keine markanten Wettererscheinungen. Einzig im Bergland sind bei auffrischendem Wind ab Donnerstag Schneeverwehungen nicht ausgeschlossen.
Am Freitag und in die erweiterte Mittelfrist hinein könnte es im Norden stürmisch werden mit schweren Sturmböen an der Nordsee. Die aufkommenden Niederschläge können teils markante Neuschneemengen bringen, im Süden ist auch gefrierender Regen nicht ausgeschlossen. Diese Entwicklung ist aber noch sehr unsicher.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOS-EZMW, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





