Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 12.10.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
SWa
Hochdruckeinfluss mit Grenzschichtproblematik, am Dienstag vorübergehend gestört durch eine Frontenpassage mit unergiebigem Regen und leichter Windauffrischung.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag... schickt sich der für unser Wochenendwetter verantwortliche Langwellentrog im Zuge der schleichenden Progression der Höhenströmung an, allmählich aus unserem Einflussbereich nach Osten herauszuziehen. Ihm folgt ein vom Nordostatlantik bis weit ins Nordmeer aufragender Rücken, der aufgrund der nördlichen Extension eigentlich blockierende Wirkung entfalten könnte. Eigentlich, wäre da nicht ein weiterer Langwellentrog, der gefüttert mit Kaltluft aus der Labradorsee mit Schwung in Richtung Britischen Inseln schwenkt und mit Hilfe des weiterhin nur langsam nach Osten sich verlagernden Langwellentrogs östlich von uns die Wellenlänge des Rückens rasch verkürzt. Bodennah sorgt der Rücken heute allerdings für Unterstützung des Hochs ELMAR mit Schwerpunkt über dem Alpenraum und einem Kerndruck knapp über 1020 hPa. Bis zum Abend wandert der Schwerpunkt in Richtung westliches Tschechien, wobei der Kerndruck bis nahe 1025 hPa steigt.
Aus diesem Gemisch resultiert heute unter dominierendem Absinken vielfach ein locker bewölkter bis heiterer Tag. Es lassen sich aber 3 Zonen herausarbeiten, in denen mehr Bewölkung vorhanden sein wird. Erstens betrifft das den Südwesten, der Nebel bzw. Reste einer Stratusdecke abbekommt, die sich erst im Tagesverlauf allmählich auflöst. Zumindest vormittags ist daraus unterhalb der Sperrschicht bei etwa 850 hPa örtlich geringer Sprühregen möglich, bevor die Wolkendecke nachmittags durch Absinken immer größere Löcher bekommt. Zweitens gibt es von der Deutschen Bucht bis etwa zum Erzgebirge teils dichtere Bewölkung in einem Streifen erhöhter Feuchtigkeit, die der Trog in der nordwestlichen Strömung hinterlassen hat. Darin finden sich heute Morgen einige Schauer mit allerdings meist nur geringen Mengen, die sich im Laufe des Tages mehr und mehr Richtung Thüringen, Sachsen und dem Erzgebirge zurückziehen. Am Nachmittag simulieren ICON-D2 bzw. ICON-D5 lokal bis etwa 5 l/qm in kurzer Zeit. Für Gewitter reicht es wahrscheinlich nicht (Deckel bei rund 750 hPa). Drittens ist ein Bereich von Vorpommern bis zur Uckermark betroffen. Dort kommt es in der Nähe zum Trog bei etwas WLA zu Quellwolken und einzelnen Schauern, die aber mangels ML-CAPE und einem Deckel bei rund 800 hPa ebenfalls wohl unelektrisch bleiben. In diesen drei Gebieten liegt die relative Sonnenscheindauer bei 30 bis 50% (3 bis 5 Stunden), während sonst 60 bis 90% (6 bis 9 Stunden) zu erwarten sind. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss schwächt sich auch der Gradient ab. An der vorpommerschen Ostseeküste sind bis etwa zum frühen Nachmittag noch einzelne steife Böen bis 60 km/h (Bft 7) aus Nordwest möglich. Ansonsten weht der Wind schwach, nach Osten hin teils mäßig aus unterschiedlichen Richtungen. Die Temperaturen steigen in der sich erwärmenden Meereskaltluft mit T850 hPa zwischen 0 Grad im Osten und 5 Grad im Südwesten in 2 Metern auf 12 Grad an der Ostsee und bis 20 Grad am Oberrhein.

In der Nacht zum Dienstag erreicht die Achse des weiterhin langsam nach Osten ziehenden Rückens eine Linie Nord-Norwegen - Dänemark - Benelux - Iberische Halbinsel. Bodenhoch ELMAR wandert dadurch ins östliche Österreich. Weite Teile des Landes liegen folglich unter Absinken bei geringer Bewölkung, in der sich Nebel und Hochnebel ausbreiten können. Im Westen allerdings zieht in der zweiten Nachthälfte mit dem Rücken auflaufender WLA mehrschichtige Bewölkung auf, die die Ankunft eines Frontensystems ankündigt. Dieses gehört zu einem Tief mit Zentrum im südwestlichen Nordmeer am Dienstagmorgen, wobei das Tief aus dem von Grönland kommenden Trog genährt wird. Zum Morgen hin bringt die Warmfront im Westen und Nordwesten erste leichte Regenfälle mit unergiebigen Mengen. Der Wind weht nur schwach, zum Morgen hin im äußersten Westen mäßig. Auf den Nordseeinseln sind erste starke Böen um 45 km/h (Bft 6) zu erwarten. Die Temperaturen sinken im Westen unter Wolken auf 10 bis 2, bei Aufklaren sonst auf 4 bis -3 Grad. Empfindliche Pflanzen sollten nun geschützt werden.

Dienstag... schwenkt ein Randtrog des Langwellentrogs nordöstlich von uns in die Nordsee. Das zugehörige Bodentief zieht derweil vom südwestlichen ins nördliche Nordmeer, während im Lee des Skandinavischen Gebirges eine Zyklogenese am Frontensystem ausgelöst wird. Das Frontensystem überquert damit langsam Deutschland, wobei die Warmfront mit zunehmender Bewölkung und Regenmengen von 0,5 bis vereinzelt 7 l/qm in wenigen Stunden bis abends bis auf eine Linie Vorpommern - Thüringen - Nordbayern - Bodensee/Allgäu vorankommt. In der Lausitz sowie im südöstlichen Bayern bleibt es meist noch trocken mit letzten Auflockerungen bis zum Abend. Postfrontal fällt im Warmsektor nur hier und da geringer Regen, Auflockerungen bleiben allerdings auch selten. In den späten Nachmittagsstunden erreicht die Kaltfront mit neuen schauerartigen Regenfällen den Nordwesten. Direkt an der Küste kann mit dem warmen Meer und der Küstenreibung vereinzelt auch ein Gewitter dabei sein. Der Wind weht in der Südhälfte häufig nur schwach, in der Nordhälfte bei leichter Gradientverschärfung teils mäßig, an der Nordsee und der westlichen Ostsee sowie auf dem Brocken in Böen steif bis 60 km/h (Bft 7) aus südlichen Richtungen.
Die Temperaturen steigen auf 13 Grad in den Mittelgebirgen und bis 20 Grad am Oberrhein.

In der Nacht zum Mittwoch amplifiziert der Randtrog von der Nordsee nach Südschweden und treibt das nahezu achsensenkrecht darunterliegende Leetief ebenfalls dorthin. Es hat entsprechend seine Entwicklung überschritten, das okkludierende Frontensystem verlagert sich im Nachtverlauf aber über den Osten hinweg und kommt an den Alpen ins Schleifen. Gebietsweise regnet es also, mit Mengen von 0,5 bis 8 l/qm in 12 Stunden bleiben die Mengen weiterhin überschaubar. Etwas mehr Regen ist staubedingt am Alpenrand zu erwarten, vereinzelt können dort 10 bis 20 l/qm zusammenkommen, ohne dass Warnschwellen tangiert werden. Vereinzelte Gewitter bleiben auf die Küste und dabei vorrangig auf die Nordsee beschränkt.
Postfrontal lockern die Wolken zum Teil auf, bis zum Morgen hin gilt das für die meisten Landesteile außer dem Alpenrand. Gebietsweise bildet sich dann allerdings wieder Nebel oder Hochnebel, vornehmlich im Westen. Der Wind weht schwach, in der Nordosthälfte teils mäßig, an der See und auf dem Brocken sowie dem Fichtelberg in Böen steif bis stürmisch (Bft 7 bis 8). Es kühlt sich auf 12 Grad an der See bis 5 Grad in einigen Mittelgebirgstälern ab.

Mittwoch... wölbt sich von den Britischen Inseln kommend ein neuer Rücken in die Nordsee auf. Über Frankreich baut sich deshalb ein neues Hoch auf, dessen Schwerpunkt sich bis zum Abend nach Süddeutschland verlagert. Damit klingen die Niederschläge auch am Alpenrand bis zum Nachmittag ab. Gebietsweise gibt es dann Aufheiterungen und es bleibt trocken. Die Sonnenscheindauer beträgt etwa 4 bis 7 Stunden.
Der Wind weht im Südwesten meist nur schwach aus unterschiedlichen Richtungen, in der Nordosthälfte teils mäßig, an den Küsten sowie anfangs auf dem Brocken und dem Fichtelberg in Böen steif (Bft 7), an der Ostsee exponiert auch noch vereinzelt stürmisch (Bft 8) aus Nordwest.
Mit dem Absinken und der Strömungsdrehung auf Südwest steigen die T850 hPa auf 2 Grad im Osten bis 8 Grad im Westen, was sich in 2 Metern in Höchstwerten von 15 bis 21 Grad niederschlägt.

In der Nacht zum Donnerstag wird das mittlerweile über Polen abgetropfte Randtief als Höhentief ein wenig retrograd und verhindert so ein Vorankommen des Rückens nach Osten. Die Achse des Rückens liegt entsprechend ausgangs der Nacht auf einer Linie Südschweden - Benelux - Iberische Halbinsel. Das Bodenhoch steuert derweil das westliche Tschechien an und sorgt für großräumiges Absinken über Deutschland. Gebietsweise stellen sich folglich Auflockerungen ein, die bei schwacher Windbewegung erneut Grenzschichtprozesse auf den Plan rufen. Nebel und Hochnebel dürfen also gebietsweise mitmischen, die stärksten Signale sind von der Mitte bis in den Süden vorhanden. Die Tiefstwerte liegen zwischen 12 Grad an der Küste und bis 1 Grad in einigen höheren Mittelgebirgen.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Am Dienstag bestehen leichte Timingunterschiede beim Frontensystem, die aber hinsichtlich der Warnlage nicht relevant sind. Bei einzelnen Modellen sind in der zum Mittwoch etwas höhere Regenmengen am Alpenrand vorhanden. Sie liegen allerdings noch jenseits der Warnschwellen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler