Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 17.10.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
NE z

WIND:
An der Ostsee etwa ab Mittag exponiert stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8) aus Nordost. In der Nacht zum Sonntag an den Küsten auflebender Wind aus Nordost. Dabei an der Nordsee exponiert stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8), dort im Verlauf der zweiten Nachthälfte nachlassend. An der Ostsee dagegen verbreitet Wind- bis stürmische Böen zwischen 50 und 70 km/h (Bft 7 bis 8), exponiert auch Sturmböen bis 80 km/h (Bft 9).

STARKREGEN/DAUERREGEN:
Ab dem Vormittag im südwestlichen Baden-Württemberg einsetzender Regen, teils bis zum Sonntagabend und bis in die Nacht zum Montag anhaltend. Vom Hochrhein bis zum oberen Neckar dabei gebietsweise Regensummen von 35 bis 50 l/qm.

Dazu in der Nacht zum Sonntag an der westlichen Ostseeküste mit geringer Wahrscheinlichkeit Starkregen mit 20 bis 30 l/qm innerhalb 6 bis 12 Stunden.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag... liegt Deutschland an der Vorderseite eines Troges, der von der Barents-See über Schweden und die westliche Nordsee hinweg südwestwärts bis nach Portugal reicht. Dieser Trog wird nach Westen hin von einem Höhenkeil über dem nahen Ostatlantik flankiert. Ein breiter Höhenrücken über Westrussland unterbindet eine rasche Verlagerung dieses Troges nach Osten. Als Folge tropft dieser Trog über der Deutschen Bucht aus. Im Bereich des Cut-Off-Tiefs wird die Schichtung merklich labiler, im 500 hPa-Niveau sinkt die Temperatur bis -28 Grad; zudem kann sich im Nordseeumfeld bis ins nördliche NRW hinein etwas CAPE aufbauen. Somit entwickeln sich von der Nordsee auf den Nordwesten Deutschlands übergreifend kurze (Kaltluft)Gewitter, die mit Windböen Bft 7 einhergehen können; markante Entwicklungen sind dabei eher unwahrscheinlich. Die trogvorderseitige Kaltfront arbeitet sich schleifend nur zögernd weiter südostwärts vor, ist aber von Kaltluftadvektion überlaufen und bringt daher nur wenig Niederschlag zustande. Zwar deutet sich über dem Südwesten Deutschlands mit einer leichten Wellenbildung eine Verstärkung der Niederschläge an, aber auch dort verrichtet die Kaltluftadvektion ihr Werk, so dass die Warnschwellen für Dauerregen vorerst selbst im Schwarzwald wahrscheinlich nicht überschritten werden. Die dortigen Niederschlagsmengen sind von den aktuelleren Modellläufen auch merklich reduziert worden, so dass die Warnschwelle für Dauerregen allenfalls nur sehr knapp erreicht werden dürfte. In der trogvorderseitig eingeflossenen relativ warmen Luft entwickelt sich eine flache Tiefdruckrinne, deren Nordteil rasch nach Polen gedrückt wird, wogegen deren südlicher Teil über dem Südosten Deutschlands zu finden ist. Für konvektive Umlagerungen ist in deren Bereich die Schichtung zu stabil, skalige Niederschläge fernab von jeglicher Warnrelevanz sind jedoch vorstellbar. Bedingt durch einen Hochkeil, der sich, gestützt durch Kaltluftadvektion, über die Nordsee hinweg bis nach Südfinnland ausweitet, stellt sich in den bodennahen Schichten rückseitig dieser Rinne eine nördliche Strömung ein, wogegen mitteltroposphärisch noch eine südwestliche Komponente zu finden ist. Infolge der Gegenläufigkeit der Strömung dürften sich die Niederschläge im späteren Tagesverlauf tendenziell verstärken.
Ageostrophisches Ausfließen aus dem mit Schwerpunkt über Schottland liegenden Hoch sorgt an der Küste für ein Auffrischen des Windes. Dies ist zunächst an der Nordsee und etwa ab Mittag dann auch an der Ostsee, jeweils mit Böen Bft 7, der Fall. Zum Abend hin kommen an der Ostsee vermehrt Wind- und auch stürmische Böen aus Nordost auf; an der Nordsee ist dies nur über der offenen See der Fall. Größere Auflockerungen kommen allenfalls im Nordwesten und Westen zustande, was aus der dort vorhandenen Durchmischung resultiert. Auch am Alpenrand ergeben sich noch größere Wolkenlücken. Ansonsten hält sich meist mehrschichtige Bewölkung. Während am Vortag noch einmal Tageshöchsttemperaturen bis 24 Grad gemessen wurden, sind heute nur noch 9 bis 14, in Alpennähe bis 17 Grad zu erwarten.

In der Nacht zum Sonntag wandelt sich das Cut-Off-Tief in einen Kaltluftkörper um und wird über die Benelux-Staaten hinweg nach Nordfrankreich gesteuert. Somit verbleibt Deutschland unter einer südlichen bis südwestlichen Strömung - mit dem Ergebnis, dass die wellende Kaltfront kaum noch nach Osten vorankommt. Kräftige Warmluftadvektion an der Nord- und Ostflanke dieses Kaltluftkörpers aktiviert die Front. Im Zusammenspiel mit der weiter oben beschriebenen gegenläufigen Strömung zeichnet sich vor allem im Norden Deutschlands, d.h. im Nordseeumfeld und in Mecklenburg, eine Verstärkung der Niederschläge ab, wobei vor allem rund um die Lübecker Bucht die Warnschwellen für Dauerregen überschritten werden können und 12-std. Summen bis 30 mm im Bereich des Möglichen liegen. Aber auch über dem Südwesten dürften sich die Niederschläge intensivieren, wobei dort die Niederschlagssummen gegenüber dem Norden nur etwa halb so hoch sind. Somit ist warntechnisch dann eher der Norden Deutschlands im Auge zu behalten. Das betrifft auch den Wind, der an der Ostseeküste eher noch etwas zulegt, so dass dort exponiert auch mit Böen bis Sturmstärke (Bft 9) gerechnet werden muss. An der Nordsee wird dagegen der Wind etwas schwächer; stürmische Böen sollten dort kaum noch auftreten. Dort, wo es längere Zeit aufklart, können sich örtlich Nebelfelder bilden. Dies dürfte am ehesten in den mittleren Regionen sowie im Südosten Deutschlands der Fall sein.

Sonntag... wird der Kaltluftkörper über Nordfrankreich nahezu stationär. Somit ergeben sich gegenüber der Nacht zuvor nur geringe Änderungen. Die kräftigste Warmluftadvektion ist dann über dem Westen Deutschlands zu finden, so dass sich dort und hauptsächlich in den Mittelgebirgen westlich des Rheins das Maximum der Niederschläge mit Mengen bis etwa 10 mm innerhalb von 12 Stunden abzeichnet. Ganz im Norden und auch im Südwesten lassen die Niederschläge nach, in diesen Gebieten reicht es dann nur noch für wenige Millimeter. Druckanstieg über dem Norden Deutschlands lässt den Gradienten etwas aufweichen, so dass der Wind an der Küste etwas schwächer wird. Während bis in den Vormittag hinein an der Ostseeküste in exponierten Lagen noch Sturmböen bis Bft 9 zustande kommen können, reicht es im späteren Tagesverlauf an der gesamten Küste nur noch für Wind- und in exponierten Lagen sowie über der offenen See für einzelne stürmische Böen.
Auflockerungen sind auf die Oder-Neiße-Region sowie auf den äußersten Südosten Deutschlands beschränkt. In diesen Gebieten werden 14 bis 17 Grad erreicht. Ansonsten hält sich mehrschichtige und weitgehend geschlossene Bewölkung. Dabei bleibt es mit 9 bis 13 Grad und Werten um 7 Grad im westlichen Bergland kühl.

In der Nacht zum Montag verlagert sich der o.g. Kaltluftkörper ein wenig westwärts, etwa zur Bretagne. Mit der sich hierdurch abschwächenden Warmluftadvektion lassen auch die Niederschläge im Westen Deutschlands nach. Das Bodenhoch verlagert sich dann mit seinem Schwerpunkt in den Finnischen Meerbusen und weitet sich dabei nach Polen aus. Vielmehr ergibt sich dann eine Hochbrücke, die, ausgehend von diesem Hoch, über Schottland hinweg bis in den mittleren Nordatlantik reicht. Der hieraus resultierende Druckanstieg im Norden Deutschlands zieht den Gradienten auseinander, so dass der Wind Montagfrüh selbst an der Küste wahrscheinlich nicht mehr warnrelevant ist. Im Osten und Südosten Deutschlands sowie in den mittleren Regionen kann es längere Zeit aufklaren, so dass dort Nebel zustande kommen kann.

Montag... verliert der sich weiter westwärts verlagernde Kaltluftkörper vollends seinen Einfluss auf unser Wettergeschehen. Das dann mit seinem Schwerpunkt über Nordwestrussland liegende Bodenhoch wird durch ein abgeschlossenes Höhenhoch über Fennoskandien gestützt, so dass sich eine ausgewachsene Blockierungslage ergibt. An der Südflanke des Höhenhochs wird ein Kaltlufttropfen nach Westpolen gesteuert, der jedoch über dem Vorhersagegebiet noch nicht viel ausrichten kann.

An der Küste kann, bedingt durch ageostrophisches Ausfließen, der Wind mit Böen Bft 7 aus Nordost noch einmal warnrelevant werden. Ansonsten sind Windböen auf exponierte Berggipfel der nördlichen und zentralen Mittelgebirge beschränkt. Gegenüber dem Wochenende kommen vom Westen bis in den östlichen Mittelgebirgsraum sowie im Norden und Nordosten Deutschlands größere Auflockerungen zustande. Dies lässt die Temperatur auf 12 bis 17 Grad und in den Mittelgebirgen auf Werte um 10 Grad ansteigen.

In der Nacht zum Dienstag ändert sich die Druck- und Geopotentialverteilung nur unwesentlich. Der Wind an der Küste flaut weiter ab, an der Ostsee reicht es kaum noch für warnrelevante Böen, an der Nordsee weht der Wind aus Südost und ist ablandig, so dass dort Böen Bft 7 auf die offene See beschränkt sind. Auch wenn es längere Zeit aufklart, so ist aufgrund des vorhandenen Gradienten die Nebelneigung nur gering. Meist stellen sich niedrige einstellige Temperaturminima ein. Im Nordosten sowie in windgeschützten Lagen muss mit leichtem Frost in Bodennähe gerechnet werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich kaum prognoserelevante Unterschiede ableiten. Erst in der Nacht zum Dienstag wird ein sich von Polen ostwärts verlagernder Kaltlufttropfen unterschiedlich behandelt. GFS lässt diesen auf den Nordosten Deutschlands, UK10 auf den Südosten übergreifen, was in den jeweiligen Regionen in Grenznähe ausgangs der Nacht zum Dienstag geringe Niederschläge aufkommen lässt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann