Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 08.03.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
In einem insgesamt noch antizyklonalen Umfeld weiterhin sehr mild, von Westen aber allmählich etwas feuchter mit ersten konvektiven "Nadelstichen" im Südwesten (Montag) und im Westen/Nordwesten (Dienstag).
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland im Einflussbereich eines umfangreichen Höhenrückens, der weite Teile Mittel- und Osteuropa überdeckt und zwei Schwerpunkte - einerseits über Westdeutschland, andererseits über dem Baltikum - aufweist. Während der östliche Part mit Passage eines markanten Kurzwellentroges über Südnorwegen zur mittleren Ostsee nach Süden abgedrängt wird, schwächt sich der westliche Teil mit Annäherung eines abtropfenden Randtroges, der morgens das Seegebiet westlich der Biskaya erreicht, im Laufe der Nacht ab, bleibt aber nahezu ortsfest.
Das mit dem Höhenrücken korrespondierende Bodenhoch "KONRAD" hat sich inzwischen weit nach Ost- bzw. Osteuropa zurückgezogen, der von ihm ausgehende bis nach Mitteleuropa reichende Hochkeil bleibt aber robust und schwächt sich nur langsam ab. Somit bleibt eine "Melange" aus sehr trockener Festlandsluft und warmer Subtropikluft (T850 hPa in den Mittagsaufstiegen meist zwischen 4 und 8 Grad) wetterbestimmend mit Taupunkten von vielerorts unter 5 Grad, lediglich im Südwesten, im äußersten Westen sowie im Nordseeumfeld ist die Luftmasse etwas feuchter. Verbreitet schien tagsüber die Sonne, teilweise durch hohe Wolkenfelder bzw. getrübt durch noch Saharastaubreste. Etwas dichter bewölkt bliebt es allerdings zunächst im Nordwesten und Norden. Einerseits durch den Einfluss des weiter nördlich abziehenden Kurzwellentroges, andererseits aber vor allem an der Nordsee auch durch dichten Seenebel.
An den Küsten hatte zudem das noch im Vergleich zur außergewöhnlich milden Luftmasse kalte Meerwasser deutlichen Einfluss auf den Temperaturverlauf. So erreichten die Höchsttemperaturen an Abschnitten mit auflandigem Wind bzw. länger anhaltendem Seenebel mancherorts kaum 10 Grad. Im Rest des Landes wurde es nach vielerorts kalter, teils sogar frostiger Nacht aber wieder sehr mild bis warm mit 13 bis 18 Grad, im Westen gebietsweise um 20 Grad. In der kommenden Nacht ändert sich gegenüber der Vornacht somit nur wenig. Im Norden und Nordwesten bleibt es nun aber auch überwiegend gering bewölkt, der leicht auflebende und tendenziell auf Südost drehende Wind dürfte den heute Früh noch dichten Seenebel wohl von den Ostfriesischen Inseln weitgehend fernhalten. Allerdings können sich im Süden und in der Mitte erneut gebietsweise dichte Bodennebelfelder ausbreiten. Im Rest des Landes bleibt es gering bewölkt (überwiegend durch hohes WLA-Gewölk) bzw. wolkenlos. Vor allem in der Osthälfte verschärft sich der Gradient ein wenig und zusammen mit orographischen Effekten (Low Level Jets) frischt insbesondere im Osterzgebirge, im Zittauer Bergland und im Ostelbtal am Montagfrüh und -vormittag der Wind aus Südost auf. Warnrelevant dürfte der aber nur in exponierten Lagen werden. Frost gibt es erneut vor allem in den Niederungen im Osten, Süden sowie in den mittleren Landesteilen, in klassischen "Kältelöchern" Ost- und Nordostbayerns auch bis nahe -5 Grad.
Montag ... vollzieht sich der Cut-Off-Prozess über dem Nordwesten der Iberischen Halbinsel, das nördliche Trogresiduum kommt nur noch langsam nach Osten voran. Im Zuge dieser Prozesse kommt es auch über dem Vorhersagegebiet zu einem weiteren Geopotenzialverlust, das insgesamt antizyklonale Muster bleibt aber noch erhalten.
Auch im Bodenfeld setzt sich der schwache Druckfall weiter fort, wobei der Gradient über der Osthälfte wieder langsam aufweicht und sich der Wind am östlichen Bergland zum Nachmittag/Abend hin wieder abschwächt. In den Süden und Westen sickern allmählich etwas feuchtere Luftmassen aus Südwesteuropa mit PPWs über 10 mm, örtlich auch etwas über 15 mm. Dazu ist die Luftmasse mit der diabatischen Erwärmung und leicht sinkenden Temperaturen in der mittleren Troposphäre quasi landesweit zunehmend labil geschichtet. Im Großen und Ganzen fehlt allerdings im antizklonalen Umfeld ein Trigger für Konvektion. Somit muss die Orographie herhalten, was am ehesten wohl im Südwesten (Südschwarzwald, Schwäbische Alb), eventuell aber auch im Westen (Eifel) gelingt. Dort entwickeln sich am Nachmittag einzelne Schauer, vereinzelt können auch kurze Gewitter dabei sein. Aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit kann bei PPWs um 15 mm und ML-Cape von etwa 100 bis 200 J/kg dann lokal eng begrenzt ein Starkregenereignis nicht ganz ausgeschlossen werden.
Ansonsten ändert sich aber nur wenig gegenüber dem Vortag. Die Nebelfelder lösen sich am Vormittag meist rasch auf, lediglich im nördlichen Alpenvorland deuten einige Modelle bis in den Nachmittag hinein noch Hochnebel an. Mit Winddrehung auf West kann am späten Nachmittag bzw. Abend eventuell auch ein Seenebelfeld auf den Westteil der Deutschen Bucht übergreifen und erfasst dann zumindest auch die westlichen Ostfriesischen Inseln. Sonst scheint bei nach wie vor überwiegend geringer Bewölkung und einzelnen Quellwolken meist die Sonne. Die Höchsttemperaturen erreichen erneut Werte zwischen 14 und 19 Grad, im Westen örtlich um 20 Grad, an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es deutlich kühler mit kaum 10 Grad.
In der Nacht zum Dienstag kommt der flache Höhentrog über den Britischen Inseln nach wie vor kaum nach Osten voran, dennoch setzt sich der Geopotenzialverlust über Deutschland weiter fort und vom Westteil der ehemaligen Höhenantizyklone bleibt nur noch ein flacher kurzwelliger Höhenkeil über Westdeutschland zurück, flankiert von einer Potenzialrinne, die von Südschweden über die Osthälfte Deutschlands bis nach Tschechien bzw. Nordösterreich reicht. Im Bodenfeld schwenkt ein flacher Trog über Norddeutschland hinweg ostwärts, dahinter kann sich mit auf West bis Nordwest drehenden Bodenwinden der Seenebel von der Nordsee her als dichter Stratus landeinwärts auf weite Teile der Nordwesthälfte ausweiten. Vor allem im Nordseeumfeld sinken die Sichtweiten vielerorts auf unter 150 m.
Die Schauer im Südwesten und Westen kommen noch etwas nach Osten voran, mit Übergreifen der Potenzialrinne reicht es vielleicht auch noch in den ostbayerischen und östlichen Mittelgebirgen für einige Tropfen, lösen sich dann aber alsbald auf. Auch die Quellwolken fallen rasch in sich zusammen bzw. gehen in Stratocumulusbewölkung über. Ansonsten bleibt es aber meist gering bewölkt, örtlich breitet sich wieder Nebelfelder aus. Insgesamt fällt die Nacht etwas milder als die Vornacht aus, für Frost reicht es wohl auch im Osten und Süden nur noch in ungünstigen Lagen.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Substanzielles hinzuzufügen. Mit Annäherung des flachen Troges über Westeuropa feuchtet die Luftmasse vor allem in der Westhälfte des Vorhersagegebietes weiter an, bleibt labil geschichtet und bei ML-Cape von 100 bis 300 J/kg, PPWs über 15 mm sowie etwas dynamischer bzw. frontaler Hebung unmittelbar vor einer schwachen Kaltfront, die nachmittags auf den äußersten Westen übergreift gibt es ab den Mittagsstunden dort etwas verbreiteter Schauer sowie kurze Gewitter, die auch noch auf die mittleren Landesteile übergreifen. Nach wie vor bleibt das Starkregenrisiko eher gering.
Im Rest des Landes ist es locker bewölkt mit sonnigen Abschnitten vor allem im Osten und Süden und auch an den Temperaturen ändert sich nur wenig. Lediglich im Westen bleibt es tendenziell etwas kühler.
In der Nacht zum Mittwoch kommt die Kaltfront langsam ostnordostwärts voran, weist aber deutliche Auflösungstendenzen auf. Somit kommen die Schauer unter Abschwächung über die Mitte4 nach osten voran, im Osten und Südosten bleibt es aber wohl noch weitgehend trocken, ebenso wie postfrontal im Nordwesten. Frost ist dann lediglich in den ostbayerischen Mittelgebirgen und in einigen Alpentälern möglich.
Modellvergleich und -einschätzung
Anhand der Modelle lassen sich keine warn- und prognoserelevanten Unterschiede ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 08.03.2026 um 10.30 UTC
Zunehmend unbeständig, im Süden vereinzelte Gewitter, im Nordwesten und Norden teils windig, im Bergland auch stürmisch, nicht mehr so warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 15.03.2026
Zur Wochenmitte steht zumindest vorübergehend eine Umstellung der Wetterlage an. Zum Start in den mittelfristigen Zeitraums soll nach dem IFS-EPS noch die Wetterlage SWa, als eine antizyklonale geprägte Südwestströmung, vorherrschen und das gesamte EPS vereinen. Im weiteren Verlauf des mittelfristigen Zeitraums soll dann vor allem die Wetterlage Trog Westeuropa im EPS an Einfluss gewinnen. Aber auch Süd zyklonal kann mit seinen zahlreichen Unterstützern ein Wörtchen mitreden. Ab Montag ist die Vielfalt an potentiellen Wetterlagen so groß, dass eine prägende Struktur nur schwierig zu finden ist. Es kann aber festgehalten werden, dass ab Donnerstag aufgrund des zyklonalen Einflusses erst einmal etwas unbeständigere Witterungsbedingungen anbrechen.
Im Detail startet der mittelfristige Zeitraum am Mittwoch nach dem IFS mit tiefem Geopotential über dem Nordatlantik sowie Nordwest- und Teilen Nordeuropas. Entgegen steht hohes Geopotential vom Ostatlantik über den nördlichen Mittelmeerraum und dem Balkan hinweg bis zum Schwarzen Meer und Südrussland. Entsprechend kann vor allem über dem Atlantik eine deutliche Zonalisierung beobachtet werden. Über Europa ist diese anfangs aufgrund schwacher Luftdruckgegensätze sowie eines Kaltlufttropfens über Marokko und Höhentiefs bei Griechenland noch nicht so stark ausgeprägt. In die Westströmung ist ausgehend von den Britischen Inseln ein Kurzwellentrog eingebettet, der sich mit seiner Achse südwärts bis zur Biskaya erstreckt. Bodennah korreliert der Trog mit einem Bodentrog über der Nordsee und Nordwestfrankreich, in welchem ein Frontensystem eingelagert ist. Auf der Trogvorderseite sowie mithilfe kurzwelliger Anteile wird wiederholt PVA generiert, sodass schon vor der Front im Süden, Westen und Nordwesten sowie in Teilen des Ostens Deutschlands Schauer möglich sind. Die Temperaturen in 850 hPa liegen dabei zwischen 0 und +6 Grad. Mit dem auflebenden Südwestwind sind vor allem im westlichen Bergland sowie vom Niederrhein bis zum Emsland einzelne steife, exponiert auch stürmische Böen zu erwarten.
Am Donnerstag soll sich aus dem markanten Kurzwellentrog ein eigenständiges, kleines Höhentief abspalten und bis Freitagabend nach Mittelitalien wandern. Während das Höhentief am Donnerstag vor allem in der Südhälfte noch ausreichend Hebung generiert, um schauerartige Niederschläge auszulösen, würden diese mit Abzug des Tiefs über die Alpen hinweg am Freitag ebenfalls das Land verlassen bzw. abklingen und bei kompensierendem Absinken vorübergehend Zwischenhocheinfluss einläuten. Gleichzeitig beginnt sich der Trog über Nordwesteuropa stark südwärts zu amplifizieren. Am Samstag soll sich nach IFS dessen Achse von der nördlichen Nordsee über England und Nordwestfrankreich hinweg bis zu den Pyrenäen erstrecken. Resultierend würde Deutschland auf der Vorderseite in einer sich stark aufsteilenden Südwest- bis Südströmung liegen. In diese ist bodennah schließlich ein quasi Strömungsparalleler Frontenzug eingelagert, der von Samstag bis Montag vom Nordosten bis in den Südwesten Deutschlands verläuft und teilweise durch PVA verstärkt bzw. intensiviert wird. Zudem besteht die Option eines Leetiefs am Alpenrand, welches eine Gegenstromlage in Kraft setzen resultierend zu kräftigeren Niederschlägen im Südwesten führen könnte. Die Luftmassengrenze trennt dabei die erwärmte Polarluft von warmer Subtropikluft. Während die Temperaturen in der Nordwesthälfte am Samstag bei 0 bis -4 Grad liegen sollen, wären es nach Südosten zu 0 bis +7 Grad.
Ab Montag sieht das IFS eine Art Viererdruckfeld mit Trog über dem Nordostatlantik und dem Cut-Off über dem zentralen Mittelmeerraum sowie dem hohen Geopotential über Südwest- und Osteuropa. Entsprechend würde die Luftmassengrenze hierzulande weiter bestand haben, sich aber abhängig von den Hebungsimpulsen gegeben falls abschwächen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung wird von den vergangenen IFS-Läufen vergleichbar simuliert. Dennoch gibt es im Detail doch signifikante Unterschiede.
Schon zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Mittwoch wird der von Westen auf Mitteleuropa und somit auch Deutschland übergreifende Kurzwellentrog in Amplitude und beim Timing abweichend prognostiziert. Der neuste Lauf weist dabei die größte Amplitude auf. Zudem umfasst der Trog zwei kurzwellige Anteile. Der gestrige 00 UTC-Lauf hatte die geringste Amplitude. Der korrelierende Bodentrog wies dagegen kaum Unterschiede auf, allenfalls beschreibt der neuste Lauf auch bodennah die größte Amplitude und eine geringfügig raschere Verlagerung. Beim dort eingebetteten Frontensystem geht die Tendenz insgesamt zu einer etwas schnelleren Verlagerung. Somit würden auch die schauerartigen Niederschläge schon am Mittwoch auf die Nordwesthälfte übergreifen. Am Donnerstag simuliert der neste Lauf über Benelux sogar ein kleines Höhenrandtief, welches nachfolgend bis Samstag nach Mittelitalien wandern soll. Diese Entwicklung zeigte auch der gestrige 00 UTC-Lauf in ähnlicher Form, während der gestrige 12 UTC-Lauf eher eine ostwärtige Verlagerung des Höhentiefs aufwies. Den am Freitag startenden und am Sonntag weitgehend abgeschlossenen Abschnürrrungsprozess über Westeuropa haben allgemein alle Läufe im Programm. Während die gestrigen Läufe am Sonntag jedoch einen Cut-Off über Südspanien bzw. Gibraltar bevorzugten, sieht der aktuelle Lauf keine komplette Abkopplung mit einem Höhentief über dem Golf von Genua. Diese abweichende Entwicklung steht somit konträr zu den gestrigen Läufen und hat auch auf das Wetter hierzulande deutliche Auswirkungen. Während nach den gestrigen Interpretationen die stärksten Hebungsimpulse durch PVA und frontogenetischen Prozessen allenfalls den Nordwesten streiften und eher über Frankreich und Benelux zu finden waren, würde die Front nun am Sonntag und Montag einmal quer über Deutschland etwa von Mecklenburg bis zu den Vogesen liegen.
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass das IFS-Modell derzeit trotz großskaliger Übereinstimmung im Detail bei signifikanten Abweichungen nur eine geringe Konsistenz aufweist.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zum Start in den mittelfristigen Zeitraum am Mittwoch weisen alle betrachteten Modelle (ICON, GFS, Uk10) eine vergleichbare Geopotential- und Luftdruckverteilung auf. Auffällig ist dabei, dass keines der anderen Modelle den Kurzwellentrog über England und Nordwestfrankreich so stark und nach Westen verschoben im Programm haben wie IFS.
Ebenfalls sind ICON, GFS und Uk10 auch bei der Entwicklung des kleinen markanten Höhentiefs am Donnerstag passiver unterwegs. Zwar lassen auch ICON, GFS und Uk10 eine Vergrößerung von Wellenlänge und Amplitude zu, bleiben aber weniger markant und lassen den Trog sich grundsätzlich nach Osten verschoben amplifizieren. Entsprechend würden bei diesen Modellen die Niederschläge rascher südostwärts abziehen und Donnerstag anfangs allenfalls im Südosten noch vereinzelte schauerartige Niederschläge zulassen. Gleichzeitig kann sich aber der Frontenzug von der Nordsee und Benelux etwas rascher annähern und den Wind im Nordwesten früher aufleben lassen.
Auch bei den Entwicklungen von Freitag bis Montag mit dem Abschnürrrungsprozess und dem abschließenden Cut-Off beschreibt der aktuelle IFS-Lauf eine Außenseitersicht. Alle anderen Modellen stützen weiter den gestrigen IFS-Lauf mit einer Amplifizierung über Westeuropa und dem resultierenden Cut-Off über der Iberischen Halbinsel. Entsprechend bleibt der Rücken samt korrelierendem Bodenhoch stabiler, sodass nach ICON, GFS und Uk10 potentielle frontogenetische Niederschläge erst ab Freitagabend langsam auf den Nordwesten übergreifen. Vor allem GFS und ICON bleiben auch danach auf einer Linie und lassen den Frontenzug auch am Samstag und Sonntag über Nordwest und Teilen Westdeutschlands wo er im Verlauf schließlich zerbröselt. Beim UK10 sorgt die Entwicklung eines weiteren markanten Troges mit Höhentief über Südengland, welcher sich ostwärts schiebt, dafür, dass der Frontenzug analog zum IFS in die Mitte Deutschlands verlagert und etwa in einem Streifen Mecklenburg-Saarland hängen bleibt. Am Montag nähert sich GFS den IFS-Vorgaben an, wenngleich die Luftmassengrenze signifikant schwächer ausfällt.
Fazit Modellvergleich: Der neuste IFS-Lauf eine Einzellösung dar. ICON, GFS und UK10 stützen eher die IFS-Vorläufe mit einem westlicherem Abschnürrurngsprozess und somit keinem oder kaum übergreifenden Frontenzug. Entsprechend würde für weite Teile Deutschland nach unbeständigem Dienstag und Mittwoch ab Donnerstag wieder eher ruhiges und trockenes Wetter vorherrschen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zeigen bis einschließlich Mittwoch bei einem geringen Spread von Temperatur in 850 hPa und Geopotential in 500 hPa sowie einem definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeit eine hohe Vorhersagegüte.
Ab Donnerstag wird der ENS-Raum stark aufgespannt. Der Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten weist zwar einen Trend auf, fällt aber insgesamt schwammig aus. Auch wenn der EPS-Raum überwiegend durch wenige Member gespreizt wird, kann bei einem Spread von 8 bis 12 Grad oder 40 bis 50 hPa nur von einer geringen Vorhersagegüte gesprochen werden.
Bei der Einordnung des IFS-EPS in übergeordnete Muster werden im Zeitraum von +72 bis +96h zwei Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu beschreiben. Beide Cluster werden dabei dem Schema einer pos. NAO zugewiesen. Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind insgesamt auch als gering anzusehen. Abweichungen gibt es vor allem beim Kurzwellentrog über den Britischen Insel sowie dessen ostwärtigen Verlagerung. Das erste Cluster stützt den IFS-Hauptlauf, während das zweite Cluster eher den Vorgaben von ICON, GFS und UK10 näher kommt.
Im Zeitraum von +120 bis +168h zeigen sich die stark zunehmenden Unsicherheiten in insgesamt fünf übergeordneten Mustern. Bis auf Cluster 3, welcher am Ende zum Blocking wechselt, verbleiben alle anderen Lösungen im Schema einer pos. NAO. Der Haupt- und Kontrolllauf befinden sich dabei im vierten Cluster. Bei Betrachtung der größten und wesentlichsten Abweichungen steht der Trog sowie dessen Abschnürrrungsprozess im Fokus. Das dritte Cluster stützt die anderen Modelle wie ICON und GFS. Die ersten beiden Lösungen sind dem IFS-Hauptlauf näher als den anderen Modellen. Beide weisen einen mehr oder weniger starken Cut-Off über dem nördlichen Mittelmeerraum auf und haben entgegen des Cluster 4 mit dem Hauptlauf den Abschnürrrungsprozess abgeschlossen. Allerdings kommt das Trog-Residuum entgegen der anderen Modelle ähnlich weit wie bei Hauptlauf ostwärts voran, sodass sich die Luftmassengrenze bei diesen Lösungen ebenfalls wahrscheinlich über Deutschland befindet. Da aber über Deutschland gleichzeitig ein Brücke hohem Geopotential zu verzeichnen ist, welches bodennah hohen Luftdruck stützt, dürfte die Luftmassengrenze hierzulande eher schwach bis kaum existent sein und seine Schwerpunkte im Norden/Nordosten und äußersten Süden haben. Das letzte Cluster beschreibt einen ganz anderen Weg, indem dort kein Abschnürrrungsprozess stattfindet und die Kurzwellentröge einfach über die Nordsee hinweg ostwärts gesteuert werden. In diesem Fall würden im Norden unbeständige Zeiten anbrechen, während im Süden weiter Hochdruckeinfluss Trumpf wäre.
In der erweiterten Mittelfrist im Zeitraum von +192 bis +240h erklären zwei Lösungen die Unsicherheiten im EPS-Raum. Während die erste Lösung weiter dem Schema einer pos. NAO zugeschrieben wird, zeigt das zweite Cluster ein Blocking. Für das Wetter hierzulande haben beide Cluster jedoch Tröge im Programm, was auf einen unbeständige Charakter hindeutet. Be Cluster 1 sind jedoch stärkere Hebungsimpulse zu erwarten, während beim zweiten Muster regional durchaus höherer Luftdruck mitmischt.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Mittwoch sind im Warmsektor auf der Vorderseite des Troges über Westeuropa bevorzugt im Schwarzwald und am Alpenrand vereinzelt Gewitter nicht ausgeschlossen. Aufgrund der niedrigen Feuchte und PPW ist Starkregen aber gering wahrscheinlich, wenngleich durch die langsame Verlagerung bzw. stehende Zellen im Bereich des Möglichen.
Am Donnerstag lebt der Wind im Bergland sowie im Nordseeumfeld auf. Wahrscheinlichkeiten von 5 bis 20, an der Nordsee örtlich bis 50% lassen dort vereinzelte stürmische Böen, auf dem Brocken auch Sturmböen zu.
Am Freitag stützen im Westen und Nordwesten sowie Teilen der Mitte 5 bis 35, gebietsweise bis 50% einzelne stürmische Böen, auf dem Brocken sind Sturmböen wahrscheinlich, einzelne schwere Sturmböen möglich.
Von Samstag auf Sonntag nach IFS im Südwesten längere anhaltender und teils kräftiger Regen. Aufgrund der Modellinternen Unsicherheiten sind aber hierzulande (Vogesen bis 5%) noch keine Wahrscheinlichkeiten für das Überschreiten der Dauerregenschwelle zu verzeichnen. Zudem beschreibt das IFS derzeit eine Außenseiterlösung.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, für TT auch MosMix, det. Läufe wohl allenfalls anfangs
nutzbar.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





