Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 16.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Wa (West antizyklonal) mit Trend zu SWa (Südwest antizyklonal)
Heute wechselhaft mit leicht perfidem Gewitterpotenzial. In den Folgetagen von Südwesten her Beginn einer fetten Hitzephase!
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... wirft einige Fragen auf, was die Wetterentwicklung angeht. Dachte man gestern noch, dass heute vor allem in der Mitte einige kräftige, teils superzelluläre Überentwicklungen an den Start gehen, sind heute Morgen Zweifel angebracht. So hat die deutsche Modellkette einen merklichen Rückzieher gemacht und will gar nicht mehr so viel von Gewittern wissen. Ganz vorne das ICON-RUC (det.), das aufgrund seines limitierten Prognosehorizonts allerdings erst vergangene Nacht so richtig in die Vorhersage eingestiegen ist. Wenn´s nach diesem Modell geht, passiert heute so gut wie nix, wobei der neueste Lauf von 07 UTC schon wieder eine andere Meinung hat. Vorsicht ist ohnehin geboten, gibt es doch gerade seitens der externen Numerik noch genügend Interessenten, die heute auf Konvektion setzen, so dass man nicht den Fehler begehen sollte, die Warnlage- und Wetterberichte heute früh schon gänzlich auf links zu drehen. Was haben wir und woran könnte es scheitern - es folgt der Versuch, das komplexe Gleichungssystem zu lösen, zumindest halbwegs.
Aktuell befindet sich Deutschland unterhalb einer ganz leicht flatternden west-nordwestlichen Höhenströmung, die von einem flachen Rücken knapp westlich und einem flachen Trog knapp östlich von uns induziert wird. Eingelagert ist ein nicht minder flacher Sekundärtrog, der in der Isohypsendarstellung durchaus mit dem bloßen Auge erkennbar ist, noch besser aber als IPV-Anomalie sichtbar wird. Dieser KW-Trog greift bereits in den Vormittagsstunden auf den Vorhersageraum über, den er vergleichsweise rasch - wichtig! - südostwärts überqueren soll. Möglicherweise etwas zu schnell, um günstig mit einer energetisch vernünftig aufbereiteten, potenziell instabilen Subtropikluft zu interagieren, die gerade dabei ist, bei uns Fuß zu fassen. Angeführt wird die Warmluft wie es sich gehört von einer Warmfront, die zu dem Frontensystem des Tiefs TARA gehört, welches heute als steuerndes, wenig bewegliches Zentraltief einige hundert Seemeilen west-nordwestlich von Irland thront.
Liest sich im ersten Moment vergleichsweise einfach, ist es aber nicht, was u.a. an der diffizilen und gradientschwachen Druckverteilung liegt. So schiebt sich von Westen her eine diffuse, zonal exponierte Tiefdruckrinne in die Nordhälfte, der über der Nordsee Druckanstieg folgt. Diese Konstellation bewirkt im Norden einen auf Nordwest drehenden Wind, mit dem mitnichten Subtropikluft, sondern stabile und naturgemäß nicht überbordend warme Nordseeluft advehiert wird. Norddeutschland ist also raus, wenn es um konvektive Betrachtungen geht. Hier hat man vor allem nordöstlich von Elbe und Havel erst noch mit ´ner reichlichen Portion Schichtbewölkung zu kämpfen, die mit Hilfe des Tagesgangs aber perforiert wird.
Die interessanteste Luftmasse strömt in die mittleren Landesteile ein. Nicht übermäßig labil (da sieht´s im Süden besser aus), dafür sehr feucht mit PPWs um 30 mm und einer spezifischen Grundschichtfeuchte um 10 g/kg. Auffällig ist, dass daraus vergleichsweise wenig CAPE gebildet wird und das, was gebildet wird, vielfach gedeckelt ist. Das meiste ML-CAPE (gebietsweise 500-750 J(kg) steht nach deutscher Modellkette am Nachmittag in den westlichen Landesteilen zur Verfügung, wo dann aber der KW-Trog schon durch ist und der nachfolgende Rücken erste Akzente setzt. Etwa oberhalb von 600 hPa beginnt es abzutrocknen respektive sich eine Sperrschicht herauszuschälen, die vertikale Auswüchse ins Unendliche erheblich erschwert. Weiter östlich steht weniger CAPE zur Verfügung, was Gründe hat: viel Bewölkung und ein unorganisiert anmutender schauerartiger Regenkuchen, der gerade von Benelux und Frankreich übergreift und ost-südostwärts durchgereicht wird. Möglich, dass vorlaufend (durchbrochene Linie mit Frühgewitter im Taunus) oder in den "Kuchen" eingelagert etwas Elektrik auftritt - abgehoben und angesichts der bevorstehenden vormittäglichen Depression nicht überbordend wahrscheinlich und insbesondere nicht verbreitet. Wichtiger aber ist die Aussage, dass Wolken und Regen die solare Einstrahlung hemmen und somit auch ganz allgemein die Bereitschaft, das große Feuerwerk zu zünden. Dabei wären auch sonst die Bedingungen nicht schlecht angesichts sehr solider Scherung (sowohl LLS als auch DLS) mit teils rechtdrehenden Hodographen im unteren Bereich, was organisierte Strukturen bis hin zu Superzellen forcieren könnte. Auch das T-Wort tauchte bereits in einigen synoptischen Berichten auf und kann auch jetzt nicht gänzlich ignoriert werden. (siehe auch "Modellvergleich").
Wir fassen zusammen: Auf den ersten Blick sieht das Setup in Sachsen Konvektion durchaus verheißungsvoll aus. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber, dass einige Dinge doch nicht so gut passen. Ein möglicherweise etwas zu forscher KW-Trog, dessen dynamischer Hebungsbreitrag die "falsche" Luftmasse trifft (Osten/Südosten noch nicht feucht genug). Vor allem aber die starke Bewölkung mit dem Regen, der zwar die nötige Anfeuchtung der Luftmasse bewirkt, die aber nicht genug Strahlung abbekommt. Trotzdem sollten wir die Flinte noch nicht vollends ins Korn werfen und die Füße zu schnell hochlegen. Gerade in einem Korridor von RP/Saarland + südliches NRW bis hinüber nach Franken bzw. Mitteldeutschland (Thüringen/Sachsen) kann es bei günstigerem Verlauf (z.B. Wolkenlücken mit etwas Einstrahlung) vielleicht doch die ein oder andere Überentwicklung geben. Ob als Unwetter, ist fraglich (aber keinesfalls ausgeschlossen), aber markant allemal (SR über 15 l/m², kleiner Hagel, Böen 8 (9) Bft). Auch im Süden können vereinzelte Gewitter spät am Tage nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die Luft trockener und der Deckel stärker ist als in der Mitte.
Kurz noch die Temperaturen: Ganz im Norden keine 20°C, im Westen und Südwesten 25 bis 29, vielleicht am Oberrhein 30°C, sonst meist 20 bis 25°C.
In der Nacht zum Mittwoch nähert sich von Westen besagter Rücken, der für Stabilisierung sorgt. Die schauerartigen Regenfälle und etwaige Gewitter ziehen südostwärts ab bzw. schwächen sich ab. Am Boden steigt der Luftdruck gering an, was sich in einem schwachen, von Frankreich vorschiebenden Keil bemerkbar macht (GORGIAS). Die Luftmasse bleibt bevorzugt in den mittleren Landesteilen feucht, so dass sich vielfach starke Bewölkung hält. Dort, wo sie sie das nicht so richtig tut, können sich ein paar Nebelfelder bilden. An den Rändern (Norden/Süden) lockert die tiefe Bewölkung nicht selten auf, allerdings sind dort hohe und/oder mittelhohe Wolkenfelder unterwegs, so dass es eigentlich nirgendwo so richtig klar wird. Trotzdem kühlt es im Norden und Nordosten auf einstellige Werte ab, während sonst verbreitet 16 bis 10°C auf der Karte stehen.
Mittwoch... wandert der Höhenrücken langsam über den Vorhersageraum hinweg nach Osten. Dabei stützt er den zunächst etwas kränklich daherkommenden GORGIAS bzw. haucht ihm etwas Lebenselixier ein, was er mit einem Anstieg auf über 1020 hPa dankt. Die größten Interessen des Herrn GORGIAS liegen im Südwesten des Landes, wo er trotz einiger Wolken neben viel Sonnenschein auch mal ganz gepflegt die 30°C-Marke reißt. Gerade an Hoch- und Oberrhein geht´s fett nach oben, auch wenn das gemessen an dem, was in der Folge noch droht, nur die Ouvertüre zu einer Oper Wagnerschen Ausmaßes ist - wohlbemerkt, wir reden hier von 31, 32, lokal vielleicht 33°C. Nicht ausgeschlossen, dass es ganz im Süden des Ländles ebenso wie am bajuwarischen Alpenrand inkl. dem südlichen Vorland mal kracht. Labil genug ist die Luft, etwas CAPE wird auch geboten. Zwar spielt die Dynamik nicht mit (Rücken sind in der Regel alles andere als gewitterfreudig), dafür könnte die Orografie in die Presche springen. Im Fall der Fälle sollten wir von markanten Gewittern ausgehen.
Je weiter wir in den Norden der Republik kommen, desto weniger klappt das mit GORGIAS und seinen antizyklonalen Ambitionen. Vor allem im Nordwesten nicht, wo schon bald die nächste Warmfront von Tief TARA vorstellig wird, welche den Norden ostwärts überquert. Dabei wird eine sehr feuchte (PPW teils deutlich über 30 mm), aber eben auch stabile Luft vom Atlantik eingesteuert, in der es zu zeitweiligem Regen oder Nieselregen kommt, der zum Abend hin die östliche Mitte erreicht. Der Nordosten (MV, nördliches BB/Berlin) dürfte vom regen verschont bleiben und sich sogar einiger Auflockerungen bzw. solarer Inputs erfreuen dürfen.
Höchsttemperatur: Im Norden 18 bis 24°C, sonst 24 bis 30°C, Südwesten darüber (siehe oben).
In der Nacht zum Donnerstag ändert sich gar nicht mal so viel an der Gesamtkonstellation. Der Rücken bleibt uns erhalten, weil er sich von Westen regeneriert. Und auch der mittlerweile eigenständig gewordene GORGIAS (kein Keil mehr, sondern abgeschlossenes Hoch) hat es nicht eilig, das Land zu verlasen. Während es im Süden weiter abtrocknet und die Wolken - so abends noch vorhanden - vielfach aufreißen oder sich auflösen, klappt das nach Norden hin nicht so gut. Kein Wunder, liegt man dort doch nur am Rande des Hochs, wo die Zufuhr feuchter und wolkenreicher Atlantikluft andauert. Mitunter regnet respektive nieselt es sogar, wobei IFS diesbezüglich deutlich forscher simuliert als ICON. Ob Norden oder Süden, es wird eine milde Nacht mit Tiefstwerten zwischen 19 und 12°C - übrigens auch nur die Ouvertüre zu einer Oper, die uns wer weiß wie viele warme Nächte ("Tropennächte" mit über 20° Minimum) beschert.
Donnerstag... gibt es zum ersten Mal über eine größere Fläche eins auf die Glocke. Die Rede ist nicht von Boxen oder um im Genre zu bleiben Gewitter. Die Rede ist von Hitze und das nicht zu knapp. Der Rücken wird leicht retrograd und sorgt für Absinken (und damit Erwärmung von oben). Gleichzeitig verlagert sich der Schwerpunkt des Bodenhochs langsam nach Osten, was uns auf die warme bzw. heiße Flanke bringt. Heißt, auch advektiv wird nun ordentlich Warm-/Heißluft herantransportiert, in der T850 im Südwesten auf über 20°C ansteigt. Das bleibt - logisch - nicht ohne Folgen für die 2m-Temperatur, die in der Mitte und im Süden verbreitet auf über 30°C, lokal sogar auf über 35°C ansteigt. Prost Mahlzeit, liebe Leute, so schnell kann´s gehen. Gestern noch vielerorts unter 20°C, im Süden unter 25°C, übermorgen dann schon jenseits von 30 oder gar 35°C.
Dazu scheint vor allem in der Südwesthälfte häufig die Sonne, im SW teils von einem wolkenlosen Himmel. Nach Norden und Nordosten zu geht es allgemein wolkiger zu, weil dort ein Frontenzug streifend wirksam ist. Die externen Modelle würdigen das sogar mit leichten Regenfällen oder Nieseln, während von deutscher Seite bei schwülen 25 bis 30°C (Küste weniger) wenig bis nichts kommt. Ob am Donnerstag im Süden und Westen irgendwo ein hitzebedingtes Gewitter aufsteigt, ist fraglich. Die Numerik sagt nein, was aufgrund des überlagerten Rückens auch nachvollziehbar ist. Die Orografie müsste schon sehr hart arbeiten, um eine adäquate Rampe zu gewährleisten.
Modellvergleich und -einschätzung
Wie bereits erwähnt, sind die externen Modelle heute gewitterfreudiger als die deutsche Modellkette. Doch auch hier gibt es - wenn auch nur in Form weniger Einzelzellen - nicht zu negierende Hinweise auf rotierende Zellen mit Unwetterpotenzial. Prädestiniert scheint die westliche Mitte (nördliches RP, RMG), wo auch RUC-EPS kontinuierlich deutliche Signale u.a. in der Aufwind-Helicity anbietet. Klassischer Fall von Low Probability High Impact. Es muss alles passen. Wenn´s kracht - es werden nicht viele Zellen sein -, dann richtig, wobei wie gesagt sogar das Auftreten eines Tornados nicht ausgeschlossen werden kann.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 16.06.2026 um 10.30 UTC
Am Wochenende flächendeckende Hitzewelle, vielerorts starke bis sehr starke Wärmebelastung. Lokal Unwetterpotential durch schwere Gewitter, Details - wie auch eine Abkühlung aus Norden in der neuen Woche noch unsicher!
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 23.06.2026
Im Laufe des Freitags etabliert sich über weiten Teilen Mittel- und Westeuropas eine ausgeprägte südwestliche Höhenströmung. Ursache hierfür ist ein umfangreicher Langwellentrog über dem nahen Ostatlantik und westlich der Britischen Inseln, während sich gleichzeitig ein Höhenrücken vom westlichen Mittelmeerraum über Norditalien bis nach Deutschland und Südskandinavien aufwölbt. Deutschland befindet sich dabei auf der Vorderseite des Atlantiktroges in einer sehr warmen bis heißen und zunehmend feuchten Luftmasse subtropischen Ursprungs.
Am Boden erstreckt sich eine flache Tiefdruckrinne von Westfrankreich über die Beneluxstaaten bis nach Nordwestdeutschland. Die eigentliche Kaltfront des steuernden Atlantiktiefs verbleibt zunächst noch im Bereich der Britischen Inseln und kommt nur langsam ostwärts voran. Damit können sehr warme Luftmassen ungehindert nach Deutschland advehiert werden.
Die Temperatur in 850 hPa steigt verbreitet auf 16 bis 22°C, im Südwesten und Westen zeitweise auch darüber. Gleichzeitig nehmen die Taupunkte in den bodennahen Luftschichten vor allem im Nordwesten auf 16 bis 21°C zu. Die resultierenden Theta-e-Werte liegen auf außergewöhnlich hohem Niveau und führen zu zunehmender Schwüle sowie einer deutlich erhöhten Wärmebelastung. Die Höchsttemperaturen erreichen am Freitag verbreitet 30 bis 36°C, im Westen und Südwesten lokal auch darüber.
Konvektiv betrachtet gestaltet sich die Lage durchaus interessant. Die Luftmasse weist teils MU-CAPE-Werte zwischen 1000 und 2500 J/kg auf, lokal auch darüber. Während die stärkste Instabilität eher über der Westhälfte und im Bereich der Tiefdruckrinne auftritt, nimmt dort gleichzeitig die tiefreichende Scherung auf 15 bis 25 m/s zu. Somit ergibt sich insbesondere vom Nordwesten über Nordrhein-Westfalen bis nach Niedersachsen zeitweise eine günstige Überlappung von CAPE und Windscherung. In diesen Regionen können sich organisierte Gewitterstrukturen wie Multizellencluster, Bowing-Segmente oder vereinzelt Superzellen entwickeln. Die Hauptgefahren liegen in größerem Hagel, schweren Sturmböen und lokal extremem Starkregen.
Weiter südlich und östlich bleibt die Scherung tendenziell geringer. Dort dominieren eher langsam ziehende Einzel- oder Multizellen mit erhöhtem Starkregenpotenzial. Aufgrund von PPW-Werten um oder über 35 mm kann bereits eine geringe Verlagerungsgeschwindigkeit ausreichen, um lokale Unwetter durch heftigen Starkregen auszulösen.
Am Samstag ändert sich an den großräumigen Druckverhältnissen zunächst nur wenig. Der Atlantiktrog verlagert sich nur langsam ostwärts, während sich über Mitteleuropa weiterhin eine leicht antizyklonal gekrümmte südwestliche Höhenströmung behauptet. Gleichzeitig laufen jedoch wiederholt kurzwellige Troganteile über den Rücken hinweg. Diese Störungen sind mesoskalig nur eingeschränkt vorhersagbar, können aber als Auslösemechanismus für teils kräftige Gewitter dienen.
Die Frontalzone verbleibt weiterhin nordwestlich Deutschlands, wodurch die schwül-heiße Luftmasse erhalten bleibt. Die Temperaturen steigen erneut auf 30 bis 38°C, wobei insbesondere in Ballungsräumen sowie im Westen und Südwesten auch tropische Nächte möglich sind. Die Wärmebelastung bleibt hoch bis sehr hoch.
Bezüglich der Gewitter gilt am Samstag weiterhin das Motto "Alles kann, nichts muss". Das Umfeld weist verbreitet ausreichende Instabilität auf, die genaue Auslösung hängt jedoch stark von kleinräumigen Hebungsprozessen, Konvergenzen oder überlaufenden Kurzwellentrögen ab. Das höchste Potenzial für organisierte Gewitter mit Hagel- und Sturmgefahr besteht in der Osthälfte Deutschlands, wo die Überlappung von CAPE und Scherung am günstigsten erscheint. In den übrigen Landesteilen liegt der Schwerpunkt eher auf Starkregen bis hin zu unwetterartigen Mengen.
Am Sonntag steigt das Geopotenzial über Mitteleuropa weiter an und die Höhenströmung wird zunehmend antizyklonal gekrümmt. Dadurch werden großräumige Hebungsprozesse gedämpft und die Gewittertätigkeit insgesamt gehemmt. Am Boden etabliert sich zudem schwacher Hochdruckeinfluss. Eventuelle Gewitter werden daher vor allem durch Orographie oder lokale Konvergenzen ausgelöst. Aufgrund der nur schwachen Höhenströmung verlagern sich die Zellen meist nur langsam oder bleiben nahezu stationär, sodass die Starkregengefahr deutlich erhöht ist. Auch Hagel bleibt aufgrund der hohen Instabilität beziehungsweise der teils hohen CAPE-Werte ein Thema. Im Südwesten erreicht die 21-Grad-Isotherme in 850 hPa Deutschland. Dort wird die 35-Grad-Marke erneut verbreitet überschritten, lokal sind bis zu 38°C möglich.
Zum Montag deutet sich eine allmähliche Progression der Frontalzone an. Der Atlantiktrog gewinnt etwas an Einfluss, während der Höhenrücken über Mitteleuropa zunehmend abgeflacht und nach Osten abgedrängt wird. Kurzwellige Troganteile greifen verstärkt auf die Nordhälfte Deutschlands über.
Dabei könnte eine Kaltfront den Norden und Nordwesten Deutschlands erreichen. Im Vorfeld bleibt die Luftmasse nochmals sehr warm bis heiß und energiereich. Sollte die Front in den Nachmittags- oder Abendstunden auf die aufgeheizte Luft treffen, wären erneut organisierte Gewitterlinien oder größere Cluster mit Unwetterpotenzial denkbar. Allerdings bestehen hinsichtlich Timing, Intensität und räumlicher Ausdehnung derzeit noch erhebliche Unsicherheiten.
In der erweiterten Mittelfrist sprechen die aktuellen IFS-Läufe für eine fortschreitende Zonalisierung über dem Nordatlantik und Europa. Der Höhenrücken wird weiter nach Südosteuropa abgedrängt, während sich wiederholt Tiefausläufer auf Norddeutschland zubewegen können.
Wahrscheinlich ist eine Abschwächung der extremen Hitze zumindest in der Nordhälfte Deutschlands. Im Süden und Südosten könnte sich die warme bis heiße Luft dagegen länger halten. Insgesamt nimmt die Wahrscheinlichkeit für wechselhafteres Wetter mit zeitweiligen Schauern und Gewittern zu. Ob es dabei zu einer nachhaltigen Abkühlung im gesamten Bundesgebiet kommt oder lediglich zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Hitzelage, ist nach den aktuellen Modelllösungen noch offen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der Vergleich der IFS-Modellläufe zeigt insgesamt eine recht gute Übereinstimmung. Die Wetterlage stellt sich um: Mit einer südwestlichen Strömung erreicht bis zum Wochenende die erste flächendeckende Hitzewelle des Jahres auch den Norden Deutschlands.
Ab Freitag werden verbreitet Höchsttemperaturen zwischen 30 und 38 Grad erwartet. Gleichzeitig ist die Luft vielerorts sehr feucht und damit schwül. Dadurch steigt die Wärmebelastung deutlich an.
Noch unsicher ist die Entwicklung bei möglichen Gewittern. Das größte Risiko für örtlich kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial besteht derzeit im Nordwesten sowie in den Bergregionen.
Auch für den Beginn der kommenden Woche gibt es noch Unsicherheiten. Es ist derzeit nicht abschließend absehbar, ob die Hitze im Norden Deutschlands dann zurückgedrängt wird und ob dies mit kräftigen Gewittern verbunden sein wird.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Teufel steckt jedoch auch bei den übrigen Globalmodellen im Detail. Übereinstimmend belassen alle Modelle Deutschland am Wochenende auf der schwül-heißen Seite der Frontalzone und deuten für die neue Woche eine Abkühlung von Norden her an. Diese verläuft insbesondere in der Südwesthälfte unter zunehmendem Hochdruckeinfluss und dürfte dort nur wenig wetterwirksam ausfallen.
Eine endgültige und vor allem nachhaltige Verdrängung der Hitze auch aus dem äußersten Süden und Südwesten des Landes erscheint nach Durchsicht der gängigen Globalmodelle zumindest fraglich.
Noch größer sind die Unsicherheiten hinsichtlich der Gewitterentwicklung. Die höchste Gewitterwahrscheinlichkeit besteht derzeit am Freitag vor allem im Westen und Nordwesten Deutschlands. Am Samstag verlagert sich der Schwerpunkt voraussichtlich eher in die Osthälfte des Landes. Am Sonntag sind aufgrund zunehmenden Hochdruckeinflusses lediglich vereinzelte Gewitter zu erwarten. Zum Montag hin nimmt die Gewitterneigung von Nordwesten her im Zusammenhang mit der Annäherung einer Kaltfront wieder zu.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die kommende Hitzewelle ist in den Ensemblevorhersagen weitgehend unstrittig. Die deutschlandweiten Rauchfahnen verlaufen bis zum Wochenende eng gebündelt oberhalb der 15-Grad-Marke in 850 hPa. Damit sind verbreitet Höchsttemperaturen von über 30°C sehr wahrscheinlich. Im Südwesten, wo die Temperaturen in 850 hPa zeitweise auf etwa 20°C ansteigen, sind lokal auch Höchstwerte um 35°C oder etwas darüber möglich.
Zu Beginn der neuen Woche deutet der Hauptlauf einen allmählichen Temperaturrückgang an. Gleichzeitig nimmt der Spread der Ensembles deutlich zu, was auf zunehmende Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung hinweist. Während ein Teil der Member die Abkühlung des Hauptlaufes unterstützt, halten andere an der sehr warmen bis heißen Luftmasse fest. Die Wahrscheinlichkeit für eine nachhaltige Beendigung der Hitzewelle ist daher noch begrenzt.
Das Geopotenzial steigt bis Sonntag kontinuierlich an und erreicht dann seinen Höhepunkt. In der neuen Woche wird ein allmählicher Rückgang simuliert, was mit der Annäherung der Frontalzone und einer Abschwächung des Höhenrückens korrespondiert.
Die Niederschlagssignale fallen insgesamt eher verhalten aus und zeigen das für sommerliche Konvektionslagen typische Muster. Die Niederschläge konzentrieren sich auf einzelne konvektive Ereignisse, während Hinweise auf flächendeckende und länger anhaltende Niederschlagsereignisse derzeit fehlen.
CLUSTER:
Die Clusteranalyse zeigt im Zeitraum bis +96 h lediglich einen Cluster. Auch im Zeitraum von +120 bis +168 h werden nur zwei Cluster berechnet. Beide Lösungen weisen ein Blocking-Muster über weiten Teilen Europas auf. Deutschland verbleibt dabei in einer südwestlichen Höhenströmung, mit der sehr warme bis heiße Luft subtropischen Ursprungs herangeführt wird.
Im Zeitraum von +192 bis +240 h werden mehrere Cluster simuliert. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt der positiven Geopotenzialanomalien tendenziell etwas nach Westen. Für Deutschland ergibt sich daraus zunehmend eine westliche bis nordwestliche Strömung. Während Norddeutschland dadurch stärker in den Einflussbereich der Frontalzone geraten könnte, verbleibt der Süden und Südwesten voraussichtlich länger unter dem Einfluss des Höhenrückens. Dort dürfte sich die warme bis heiße Luftmasse entsprechend länger halten.
FAZIT:
Die erste flächendeckende Hitzewelle des Jahres steht unmittelbar bevor und dürfte mindestens bis Montag andauern. Danach nehmen die Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung deutlich zu. Tendenziell sprechen die Ensembles für eine Abkühlung von Norden her, deren Ausmaß und Nachhaltigkeit jedoch noch offen sind.
Auch die Gewitterentwicklung ist weiterhin mit großen Unsicherheiten behaftet. Dass es lokal zu unwetterartigen Entwicklungen kommt, erscheint angesichts der feucht-heißen Luftmasse durchaus wahrscheinlich. Ob und in welchem Umfang diese auftreten sowie wo die Schwerpunkte liegen werden, lässt sich derzeit jedoch noch nicht belastbar eingrenzen.
Als relativ sicher kann derzeit gelten, dass bis auf Weiteres keine großflächigen und ergiebigen Niederschlagsereignisse simuliert werden. Vielmehr stehen punktuelle, teils kräftige Gewitter mit lokal hohen Niederschlagsmengen im Vordergrund.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER (UNWETTER):
Die eingeflossene Luftmasse sorgt ab Freitag insbesondere im Nordwesten sowie im Bergland für ein erhöhtes Unwetterpotenzial. Die Modelle reagieren darauf bislang vergleichsweise verhalten, da in dem schwach antizyklonal geprägten Umfeld weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich der konkreten Gewitterauslösung bestehen. Eine mehr oder weniger ausgeprägte Deckelung könnte die Konvektion zeitweise unterdrücken oder zumindest räumlich begrenzen.
Der EFI für CAPE und Scherung zeigt am Freitag und Samstag im Nordwesten Deutschlands leichte positive Signale, was die Einschätzungen aus der synoptischen Analyse grundsätzlich unterstützt. Dort besteht die größte Wahrscheinlichkeit für eine organisierte Gewitterentwicklung, sei es durch lokale Auslöse entlang von Konvergenzen und Tiefdruckrinnen oder durch die Verlagerung von Gewitterclustern beziehungsweise mesoskaligen konvektiven Systemen aus den westlichen Nachbarländern.
Angesichts der feucht-heißen und energiereichen Luftmasse können dabei sämtliche konvektiven Begleiterscheinungen lokal das Unwetterkriterium erreichen oder überschreiten. Neben heftigem Starkregen sind auch größerer Hagel sowie schwere Sturm- oder vereinzelt orkanartige Böen möglich.
Abseits davon besteht vorerst vor allem über den Mittelgebirgen und den Alpen eine punktuelle Unwettergefahr. Aufgrund geringer Zuggeschwindigkeiten können sich dort einzelne Gewitterzellen nur langsam verlagern oder nahezu stationär bleiben. Entsprechend steht in diesen Regionen insbesondere heftiger Starkregen im Vordergrund.
In den EPS-Niederschlagssignalen finden sich derzeit noch keine ausgeprägten Wahrscheinlichkeiten für die Überschreitung relevanter Warnschwellen. Dies unterstreicht die weiterhin hohe Unsicherheit hinsichtlich Ort, Zeitpunkt und Ausmaß möglicher Unwetterentwicklungen.
HITZE:
Die Kollegen aus Freiburg weisen auf hitzewarnungen.de für Freitag und Samstag nahezu deutschlandweit eine starke Wärmebelastung aus. Lediglich die unmittelbaren Küstenregionen bleiben voraussichtlich davon ausgenommen.
Insbesondere in den Ballungsräumen West- und Südwestdeutschlands dürfte sich die Hitzebelastung deutlich verschärfen. Bei Tageshöchsttemperaturen um oder über 35°C sowie nur geringer nächtlicher Abkühlung sind dort regional mehrere Tropennächte in Folge möglich. Dadurch kann sich die Wärmebelastung zusätzlich verstärken, insbesondere für empfindliche Personengruppen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





