Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 12.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrM (Trog Mitteleuropa)
Frühling im Pausenmodus - sich stets neu regenerierende Troglage mit labiler Polarluft und einer "Wetter"-FEE => sehr wechselhaft, dazu kühl bis sehr kühl.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... ist es frisch geworden in Deutschland und Umgebung, verdammig frisch. Schon am gestrigen Montag waren es in der Nordwesthälfte nur noch wenig über 10°C. Und auch die letzte Nacht war alles andere als lau: einstellig, nicht selten unter 5°C, im höheren Bergland frostig, so die Kurzbilanz. Ist doch kein Wunder, mag die eine oder der andere jetzt einwerfen, wir haben doch gerade die Eisheiligen zu Besuch. Nun gut möchte der Verfasser an dieser Stelle erwidern, dass mit den Eisheiligen ist so eine Sache. Erstens, nach gregorianischer Kalenderreform sind sie eigentlich ein paar Tage später am Start als im Allgemeinen gerne kolportierten Zeitfenster 11.-15. Mai. Zweitens, es gibt nicht wenige Studien, welche die Eisheiligen als Witterungsregelfall (Singularität), also statistisch signifikante Häufung kühler Witterung mit Nachtfrösten zu genau dieser Zeit, nicht belegen. Im Umkehrschluss heißt das freilich nicht, dass polare Kaltluft nicht trotzdem den Weg zu uns findet, was sie ja nun auch getan hat.
Fangen wir also an, uns die Wetterlage etwas genauer anzuschauen, die heute geprägt ist von einem schmalen Potenzialtrog mit integriertem Höhentief (HT), die heute Morgen - angefüllt mit höhenkalter Luft um -30°C auf 500 hPa im Kernbereich - genau über der Osthälfte des Landes positioniert sind. Heißt, die labilste Luft befindet sich im bzw. unter dem Kernbereich. Dort spielt sich aber nicht das wirkliche Wettergeschehen ab, zumindest nicht heute Morgen. Im Gegenteil, in der Nacht hat es von unten stabilisiert, so dass der Tag vielerorts sonnig und teils wolkenlos gestartet ist. Ganz anders die Lage am Rande der Bande, auf der Westflanke, wo Advektionsprozesse greifen, die sich in schauerartigen Regenfällen widerspiegeln. Einmal von Dänemark über SH, NDS und Ostwestfalen nach Süden (Nordhessen) und dann weiter nach Osten und Südosten, so wie es sich für eine zyklonale Rotation gehört. In den nächsten Stunden werden sich Trog und HT in Richtung Polen verabschieden, allerdings mit gedämpftem Tempo. Hat zur Folge, dass sich die schauerartigen Regenfälle ebenfalls gen Osten verlagern, sprich, in die östliche Mitte und den Osten, wo sie sich mehr und mehr mit tagesganggetriggerter Konvektion vermischen. Die Labilität reicht in der Hauptzone bis etwa 500 hPa hinauf, was hinreichend ist, um etwas CAPE zu generieren, obwohl die polare Luftmasse mP alles andere als feucht ist. Kurzum, neben Schauern (in den höchsten Lagen mit Schnee vermischt) entwickeln sich auch einzelne Kaltluftgewitter mit Graupel und Böen 7, vereinzelt 8 Bft.
Noch weiter westlich greift in der nordwestlichen Höhenströmung bereits jetzt WLA, was nicht nur den Aufbau eines flachen Rückens bedingt, sondern zudem die Schichtung stabilisiert. Allerdings nicht in der Grundschicht, die sich bis etwa 750/700 hPa hält, sondern darüber. Das genügt, um die ganz großen konvektiven Turnübungen im Zaum zu halten. Gleichwohl, der ein oder andere Schauer wird sich bilden, nicht zuletzt, weil die Luft so kalt ist, dass bei 700 hPa schon die -10°C-Marke erreicht wird. Da kann sogar ein kurzer elektrischer Schauer nicht ganz ausgeschlossen werden.
Bliebe noch der Blick in den Süden des Landes, wo heute Morgen zwischen Main und Donau häufig die Sonne scheint. Vor allem nach Südwesten hin wird das abgesehen von einigen Kumulanten auch so bleiben, weil sich von Frankreich her ein KLA-bedingter Hochkeil hereinschiebt. Ansonsten aber wird Quellbewölkung dominieren, aus denen aber nicht viel rauskommt. Die anfänglich am Alpenrand noch auftretenden Niederschläge (bis etwa 800 m herab als Schnee!), Nachwehen der gestrigen Kaltfrontpassage, schwächen sich noch im Laufe des Vormittags ab bzw. hören ganz auf.
Darüber hinaus gilt es nur noch zu konstatieren, dass die apostrophierten Tageshöchsttemperaturen von maximal 8 bis 15°C (höchste Werte Richtung Oberrheingraben) für Mitte Mai das Attribut "sehr kühl" verdient haben. Hinzu kommt ein mitunter auflebender West- bis Nordwestwind, der besonders in einem breiten, von der Nordsee bis nach SO-Bayern reichenden Korridor mit einigen steifen Böen 7 Bft, in Schauernähe sowie in freien Lagen gar stürmischen 8 Bft aufwartet. Dass der Brocken mit einigen glatten Sturmböen 9 Bft die deutschlandweite Pol-Position in der Windchallenge einnimmt, überrascht nicht wirklich.
In der Nacht zum Mittwoch greift das nächste okkludierende Frontensystem auf Norddeutschland über. Absender ist eine "Wetter-Fee", ne Schmarrn, gemeint ist FEE, ihres Zeichens Tiefdruckgebiet mit Doppelkern südöstlich von Island. Während der eine Kern zur Norwegischen See zieht, sich dort aber auffüllt, verlagert sich der andere dicht an Schottland vorbei gen westliche Nordsee. Frontale Bewölkung und leichter Regen breiten sich von der Nordsee und den Niederlanden zunächst im Nordwesten, bis zum Morgen dann auch bis zur Mitte und nach Osten aus. Eingebettet ist die teilokkludierte Kaltfront in einen Bodentrog, der die Deutsche Bucht passiert und den Wind (erst Rückdrehen auf Südwest, später wieder Nordwest) an der Nordseeküste, evtl. kurzzeitig auch an der Ostsee vorübergehend aufbrisen lässt (Böen 7 Bft).
Weiter südlich bleiben der Bodenhochkeil sowie der rasch durchwandernde flache Rücken Trumpf, was größere Auflockerungen auf der einen, dafür aber auch in den Keller rauschende Temperaturen auf der anderen Seite zur Folge hat. Vor allem in geschützten Lagen der höheren Mittelgebirge sowie am Alpenrand steht leichter Frost bis -1°C, in höheren Alpentälern auch etwas darunter auf der Karte. Dagegen bleibt die Nacht im Nordwesten mit 9 bis 6°C fast schon mollig warm.
Mittwoch... erfolgt der nächste Trogvorstoß, gerade rechtzeitig, dass wir nicht auf den dummen Gedanken kommen, der Frühling könnte bereits wieder vor der Tür stehen. Nix ist Freunde, es geht zyklonal und unterkühlt weiter, ohne Rücksicht auf Verluste und Väter, die ja am Donnerstag ihren Ehrentag haben. Über der Nordsee breitet sich ein zunächst recht breitgelatschter Trog aus, der sich erst in der Nacht zum Donnerstag stärker nach Süden amplifiziert. Heißt im Umkehrschluss, dass wir den Tag unterhalb eine zonalen, weitgehend indifferenten Höhenströmung verbringen, aus der heraus nur wenige dynamische Impulse zu erwarten sind. Die braucht´s aber auch gar nicht, sind doch die frisch einfließende erwärmte Meereskaltluft mP und der Tagesgang ganz allein in der Lage, weiten Teilen des Vorhersageraums einen sagen wir mal sehr abwechslungsreichen Mittwoch zu bescheren. Die Luftmasse ist ausreichend labil, gut geschert und auch feuchter als heute, um eine äußerst rege Schauer- und Gewitteraktivität in Gang zu bringen. Diese reicht von Norden über die Mitte bis etwa an die Donau heran und kann durchaus das ein oder andere Gewitter mit höherem Organisationsgrad hervorbringen, bei dem neben Graupel auch Böen 8 Bft auftreten können. Starkregen ist kein großes Thema, trotzdem, akkumuliert man die RR-Summen über den Tag, kommen gebietsweise gerade nach Westen und Nordwesten hin 5 bis 10 l/m², lokal sogar noch mehr (Stau bzw. Mehrfachtreffer) zusammen. Der Südwestwind frischt mitunter böig auf, insbesondere in Verbindung mit Konvektion. Im Tiefland wird es trotzdem schwierig, die neuralgische Schwelle von 6 auf 7 Bft zu überschreiten, während höhere Lagen je nach Höhe und Exposition anfälliger sind, auch für mehr (8 Bft, vereinzelt 9 Bft). Viel Sonne wird´s nicht geben, wenn man mal den äußersten Norden (SH, Ostseeküste ausklammert), wo ein kleiner Trockeneinschub größere Lücken induziert, ausklammert.
Nicht vergessen dürfen wir die Gebiete südlich der Donau, die weiterhin unter leichtem Hochdruckeinfluss liegen und von der Entwicklung weiter nördlich abgekoppelt sind. Heiter bis wolkig und weitgehend trocken - ein Klassiker deutscher Wetterberichtsprosa.
Mit 11 bis 17°C (nur höheres Bergland darunter) geht´s thermisch etwas bergauf gegenüber heute. Am wärmsten dabei das Rheintal und SO-Bayern.
In der Nacht zum Donnerstag beginnt der Höhentrog, sich von der Nordsee nach Süden auszuweiten. Zwar bleibt die Hauptachse ganz knapp westlich von uns. Trotzdem breitet sich die labile "Trogluft" (genau genommen handelt es sich natürlich um eine neue Portion Meeresluft polaren Ursprungs mP) im ganzen Vorhersageraum aus, was weitere Schauer respektive schauerartige Regenfälle zur Folge hat. Was abnimmt, ist die Gewitterwahrscheinlichkeit, gleichwohl kann es hier und da immer noch mal blitzen und donnern. In den Alpen fängt es etwa oberhalb von 1500 m zu schneien. Mit Tiefstwerten zwischen 9 und 3°C bleibt die Nacht frostfrei (zu viele Wolken und ein immer mal wieder leicht böig aufmuckender SW-Wind verhindern eine stärkere Abkühlung).
Donnerstag... ist Himmelfahrt, gerne auch "Vaddertach" genannt und was soll man sagen? Die gestrengen Herren, wie die Eisheiligen gerne auch genannt werden, meinen es nicht gut mit den Herren der Schöpfung (gemeint sind ja eigentlich die Väter, aber Nichtväter saufen auch ganz gerne mit). TrM lautet die Kurzformel, Trog Mitteleuropa, die für Outdoor-Aktivitäten alles andere als eine Offenbarung ist. Nun stellt euch mal nicht so an, könnte jetzt z.B. das weibliche Geschlecht einwenden und womit, mit Recht. Nicht jammern, richtige Kleidung, richtiges Bier und los geht´s. Wettertechnisch macht´s der Hoffmann kurz. Troglage mit Bodentief über Südskandinavien, dazu labile und kühle Polarluft. Macht unter dem Strich wechselnde bis starke Bewölkung mit erneut reger Schauer- und (Graupel)Gewitteraktivität. Dazu ein immer mal wieder böig auflebender (in der Spitze Böen 7 Bft, höhere Lagen darüber) Südwest- bis Westwind und Maximaltemperaturen zwischen 10 und 16°C (in dicken Schauern kann´s kurzzeitig auch mal einstellig werden, was für das höhere Bergland ohnehin gilt). Wer vorhat, höhere Lagen der Alpen anzusteuern, sollte sich bewusst sein, dass es oberhalb ca. 1500 m schneit.
Die Nacht zum Freitag bringt nachlassende Schauer. Nur im Süden und Südwesten gibt es in Verbindung mit einem bevorstehenden Cut-Off des Troges weitere Niederschläge, in höheren Lagen als Schnee. Ansonsten lockert die Wolkendecke teilweise aus. Luftfrost wird schwer, Bodenfrost hingegen lokal wahrscheinlich.
Modellvergleich und -einschätzung
Im Großen und Ganzen steht der Fahrplan. Trotzdem bleiben natürlich Fragen offen in der Detailentwicklung. Als besondere Herausforderung entpuppt sich dabei das Warnmanagement "Wind". Immer, wenn sich die Luftbewegung aus einem gradient- und einem konvektiv-angetriebenen Teilzusammensetzt, wird es tricky. Wählt man eine offensive Strategie und nimmt dabei eine hohe FAR in Kauf. Wählt man eine defensive Variante und bewarnt in situ nur signifikante Konvektion. Baut man eventuell noch Höhenstufen ein. Für heute hat der "Warntrainer" leicht offensiv aufgestellt, für morgen (wenn der Gradient etwas schwächer ist), wird noch abgewartet.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 12.05.2026 um 10.30 UTC
Unterkühlter Start ins Wochenende, zunächst mit Gewittern, dann folgt teils unwetterartiger Dauerregen und -schneefall am nördlichen Alpenrand, bevor es zu kommendem Wochenbeginn wieder gewittert, dann mit Starkregengefahr. Nächste Woche deutlicher Temperaturanstieg.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 19.05.2026
So kühl, wie die aktuelle Kurzfrist daherkommt, geht es zunächst auch noch in der Mittelfrist weiter. Der erfolgte Kaltlufteinbruch setzt sich dabei zunächst noch bis zum kommenden Wochenende fort. Hauptverantwortlich dafür zeichnet ein Langwellentrog über Mitteleuropa, der sich zunächst einmal noch hartnäckig hält und keine Anstalten macht, sich von dannen zu bewegen.
Am Freitag ist der besagte Trog aber bereits deutlich amplifiziert und erstreckt sich ausgehend von Skandinavien direkt nach Süden über Deutschland und den Alpenraum hinweg bis über den westlichen Mittelmeerraum. Bodennah ist dabei ein Bodentief (oder eine Rinne) über der Nordsee wetterwirksam. Dort liegt mit T850 von knapp unter 0°C auch die kühlste Luftmasse. Angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit ist hier aufgrund des hohen Gradienten zwischen T2m und T850 von einer durch Höhenkaltluft labilisierten Luftmasse auszugehen. Tatsächlich wird in der Numerik auch hinreichend verfügbares CAPE gezeigt, teils sogar bis knapp 500 J/kg. Damit kommt es im Tagesverlauf zu zahlreichen Schauern und Gewittern. Der Schwerpunkt zeichnet sich dabei in Verbindung mit der Trogachse im Südwesten Deutschlands ab. An dieser Trogspitze soll es zudem auch zu einer Randtiefbildung kommen. Das hat Konsequenzen, die gleich im Folgetag behandelt werden. Zunächst aber noch zur Nacht zum Samstag: Dort kommt es zunächst von Nordwesten her zu Zwischenhocheinfluss. Das damit verbundene Aufklaren führt zu erheblicher Abkühlung und Minima im tiefen einstelligen Bereich. Bedeutet: Im zentralen Bergland ist örtlich noch immer etwas Luftfrost möglich, Bodenfrost sowieso. Dieser könnte im worst case sogar auch nochmal in den norddeutschen Niederungen auftreten.
Am Samstag, beziehungsweise in der Nacht davor, kommt es trogvorderseitig zu einer Alpenlee-Zyklogenese, aus der sich rasch ein abgeschlossenes Tief mit Zentrum über Oberitalien entwickelt. Mit steigendem Druckgradienten entwickelt sich Nordföhn, der bei uns in einer Nordstaulage an den Alpen resultiert, die zu ergiebigen Niederschlägen. Unterstützt wird diese neben den staubedingten Effekten durch zusätzliches Aufgleiten an der Nordflanke des Tiefs, sodass erhöhte Niederschlagsmengen auch etwas abseits der Berge zu erwarten sind. Die stärksten Niederschläge treten dabei nach jetzigem Stand zwischen Samstagmittag und Sonntagfrüh auf. Binnen 24h sind dabei südlich der Donau 10 bis 30 mm, nahe der Alpen 30 bis 50 mm Regen zu erwarten. In den inneralpinen Staulagen werden auch Mengen um 60 mm (Unwetter) gezeigt. Oberhalb etwa 1500 m fällt in der kühlen Luftmasse zunehmend Schnee; spätestens in Lagen oberhalb 2000 m (das sind auf deutscher Seite allerdings nicht allzu viele...) sind erhebliche Neuschneemengen zu erwarten. Immerhin ist das dem alpinen Wasserhaushalt wohl eher zuträglich, im positiven Sinne.
Kurz noch ein paar Worte abseits des süddeutschen Geschehens: Mit weiter zunehmendem leichten Hochdruckeinfluss bleibt es neben einigen Wolkenfeldern wohl recht freundlich bei zunehmenden Sonnenanteilen; das Thermometer zeigt Werte von immerhin um 15°C. Nur des Nachts bleibt es noch immer sehr frisch, allerdings geht die Frostgefahr wohl etwas zurück.
Am Sonntag ziehen die Niederschläge am Alpenrand ostwärts ab. Unter Einfluss des Höhentrog-Residuums halten sich aber im Tagesverlauf sicherlich noch Restniederschläge. Der Trog tropft ostwärts ab, das entstandene Höhentief liegt dann mit Zentrum über dem Balkan. Bodennah verflacht der Gradient und der antizyklonale Einfluss reduziert sich im Rest des Landes. Der verbliebene Randtrog sorgt für wechselhaftes Wetter und vor allem in der Nordwesthälfte für ein paar Regenschauer. Dementsprechend steigen die Temperaturen am östlichen Alpenrand kaum über 10°C, sonst aber auf meist zwischen 15 und 18°C. Auch die Nacht zum Montag bleibt noch frisch. Erzgebirge und Bayrischer Wald zeichnen sich dabei als allerletzte Frost-Bastionen ab.
Am Montag und Dienstag liegt noch immer der letzte Trogrest über Mitteleuropa. Dieser ist aber a) nur noch schwach ausgeprägt und gradientarm und b) schon deutlich durch steigendes Geopotential über dem nordosteuropäischen Kontinent deformiert. Von Westen nähert sich ebenfalls ein Höhenkeil in Verbindung mit steigendem Geopotential. Bodennah etabliert sich zusehends eine Brücke vom Atlantik bis nach Nordrussland, die aber noch kleine Reststörungen in Form flacher Tiefs enthalten kann (unsicher!). Generell zeichnet sich aber eine sehr flache Druckverteilung ab (der berühmte "Sumpf"). Damit beruhigt sich das Wettergeschehen zunächst und die Luftmasse hat eine Chance, sich diabatisch durch Sonneneinstrahlung zu erwärmen. Dementsprechend deutliche Signale gibt es für TMax von über 20°C in den meisten Landesteilen, abgesehen vom Südosten. Allerdings: Bei der Luftmasse handelt es sich noch immer um zwar gealterte, aber noch immer kühle Polarluft. Bei T850 von teils nur +2 bis +4°C kann man sich ausrechnen, dass es bei den Maxima am Boden zu sehr guter Durchmischung kommt und früher oder später zu neuer Konvektion. Entsprechend hohe Labilitätssignale zeigt u.a. IFS (CAPE bis um 500 J/kg). Angesichts des geringen Gradienten im Geopotential wird diese Konvektion aber wohl der vielgerühmten Kategorie "Schrott" zuzurechnen sein - das bedeutet: keine strukturell ausgeprägten Gewitter, sondern kaum vernünftig vorherzusagende fast-stationäre Einzelzellen oder Cluster, die höchstens lokalen Starkregen und im schlimmsten Falle etwas Hagel produzieren.
Im weiteren Verlauf deutet sich eine neue antizyklonale Nord- bis Nordostlage an (Hoch Nordmeer - Fennoskandien mit nahem Atlantikrücken). Das würde weitere Schauer- und Gewittertätigkeit zunehmend unterdrücken, aber für deutlich sommerlichere Temperaturen sorgen, dann auch häufiger mit Werten von über 25°C.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die letzten IFS-Läufe zeigen sich hinsichtlich der beschriebenen Entwicklung vergleichsweise konsistent. Nennenswert sind am ehesten die Unsicherheiten zum Ende des Prognosezeitraumes, wo es noch Spielraum bezüglich des Abbaues des vorher dominanten Langwellentroges gibt. Vorherige Läufe zeigen ein rascheres Übergreifen steigenden Geopotentials vom Atlantik, was die Konvektionstätigkeit abmildern bis unterdrücken würde. Der gestrige 00z-Lauf lässt zudem die eingeflossene Kaltluft noch länger über Mitteleuropa liegen, sodass auch möglicherweise noch nicht ganz klar ist, wie schnell die Erwärmung letztendlich vonstatten geht. Insgesamt zeichnet sich aber der einhellige Trend zu Verhältnissen ab, die der Jahreszeit namens Spätfrühling deutlich gerechter werden, als es aktuell der Fall ist. Wird ja auch langsam Zeit.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Vergleich verschiedener Globalmodelle zeigt vor allem, dass die markanten bis unwetterartigen Niederschläge am Alpenrand vergleichsweise sicher erscheinen (ausgenommen GFS, aber GFS wird aus mannigfaltigen Gründen wenig Gewicht beigemessen). Bezüglich der genauen Mengen sind noch Unsicherheiten einzukalkulieren. Insbesondere lagen die ENS-Perzentile des 00Z-Laufes IFS noch nicht vor. Die Deterministik zeigt deutlich höhere Mengen als die 90%-Perzentile von gestern 12Z als auch für COSMO-LEPS 00Z. Es ist nicht auszuschließen, dass noch Läufe mit höheren Mengen zu erwarten sind; es scheint aber erstmal so, als bewege sich die Deterministik hier am obersten Rand des Ensembleraums. Darüber hinaus zeigt die Deterministik in trauter Übereinstimmung steigendes Geopotential aus Richtung Atlantik bei damit einhergehender Erwärmung.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ECMWF-Cluster zeigen übereinstimmend den Übergang von Trog Mitteleuropa (Atlantischer Rücken) hin zu erneutem Blocking bis in die erweiterte Mittelfrist. Die Transition dahin geht mit den bereits beschriebenen Unsicherheiten einher, die sich durch eine entsprechend erhöhte Anzahl an Clustern im ENS ausdrückt (drei bis vier, in der erweiterten Mittelfrist nur noch eines).
Die Rauchfahnen des ECMWF-ENS zeigen in erster Linie in eine Richtung: Nach oben. Das entspricht dem bereits erläuterten Trend, der sich auch in der Deterministik entsprechend abbildet. Die Niederschlagssignale weisen zudem auf die Konvektionstätigkeit hin, diese unterliegt naturgemäß größeren Unsicherheiten.
Die GFS-ENS folgen diesem Trend und zeigen ab kommender Woche deutlich zunehmende Temperaturen; sowohl bodennah als auch in der Höhe.
Fazit:
Einem zunächst noch leicht unterkühlten Wochenende mit markantem Dauerregen im Süden und teils erheblichem Schneefall in den Hochalpen folgt zunehmender Hochdruck und deutliche Erwärmung im Laufe der kommenden Woche. Dabei kommt aber einmal mehr die vielgerühmte "Schrottkonvektion" zum Tragen: Wiederholte Gewitter langsamer Zuggeschwindigkeit, die örtlich für Starkregen sorgen. Mit fortschreitendem Wochenverlauf und Druckanstieg sollte die Gewittertätigkeit allmählich zurückgehen. Dafür erwarten uns dann vermehrt sommerliche Temperaturen, nachdem es anfangs erst noch zu Boden- und teils sogar noch Luftfrösten (vor allem im Bergland) kommen kann.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Es ist allerhand los:
Freitag zunächst noch einzelne markante Kaltluftgewitter mit Graupel und einzelnen stürmischen Böen.
Ab Samstag einsetzender Dauerregen am nördlichen Alpenrand, in Nordstaulagen mit teils unwetterartigen Mengen und in Hochlagen in Schneefall übergehend (hier teils unwetterartige Neuschneemengen nicht ausgeschlossen). Am Sonntagvormittag nachlassende und ostwärts abziehende Niederschläge.
Zu Beginn der kommenden Woche dann wieder Gewitter, diesmal vereinzelt mit Starkregen, vor allem in der westlichen Hälfte Deutschlands.
Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, ICON-ENS, IFS, ECMWF-ENS (teils noch Vortag 12Z), GFS-ENS, MOS
VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch





