Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 11.03.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
SW a

Exponiert im Bergland Sturmböen. Im Südosten einzelne, meist aber schwächere Gewitter. Stürmische Böen und Starkregen nicht ganz ausgeschlossen. Am Freitag in der NW-Hälfte wieder windig, Bergland und Nordsee stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC

Mittwoch... stellt sich die Wetterlage um, hin zu unbeständigem langsam kälterem Wetter. Als erstes erreichen uns heute die Ausläufer eines Tiefs bei Island, dessen okkludierendes Frontensystem mit einem Regengebiet auf Deutschland übergreift. Die Tiefausläufer erreichen abends den Westen und Norden, das Regengebiet spart dann nur noch den Osten und Südosten aus. Die Mengen zeigen sich moderat mit 2 bis 10, vereinzelt an die 15 l/qm.

Präfrontal wird feuchte und leicht instabile Luft in den Osten und Südosten geführt. Gestützt durch einen kleinen Trog in 500 hPa und dem Tagesgang entwickeln sich Schauer und besonders über Bayern wohl auch einzelne Gewitter. Bei 100 bis 200 J/kg Cape und 15 mm PPW sind diese eher schwächer und nur vereinzelt wird mal die 8 Bft in Böen angekratzt oder es tritt dabei Graupel oder kleiner Hagel auf.

Mit der Gradientverschärfung durch den Tiefausläufer frischt der Südwestwind für ein paar Stunden kräftig auf, bei zumindest anfangs teils labiler Schichtung und einem Low-level-Maximum (auf 850 hPa bis zu 45 Kt). Steife Böen 7 Bft treten bevorzugt im Nordwesten, Westen bis zur Mitte, im Bergland inkl. deren Nordränder (Lee) auf. Exponiert sind einzelne stürmische Böen 8 Bft möglich, auf dem Feldberg sowie dem Brocken (schwere) Sturmböen 9-10 Bft. Bereits im Laufe des Nachmittags nimmt der Wind wieder ab, wenn man mal von wenigen exponierten Hochlagen wie z.B. den Brocken absieht. Der Südosten und Osten kriegen vom Wind nicht viel ab.
Bei trübem Himmel sind im Westen teilweise nur um 10°C zu erwarten, im Osten und Südosten scheint zeitweise die Sonne bei örtlich 18°C.

In der Nacht zum Donnerstag überquert der Tiefausläufer den Norden und die Mitte, während sie im Südosten zunächst schleifend zurückhängt, was an dem positiv geneigten Trog liegt, der dem Tiefausläufer folgt. Postfrontal fließt erwärmte Meereskaltluft ein, in der die Temperatur in 850 hPa auf 0 bis -3°C zurückgeht.
Die Regenfälle breitem sich demnach bis in den Südosten aus und halten im Süden bis in die östliche Mitte postfrontal länger an. Meist kommen wieder 2 bis 10 l/qm zusammen. In Staulagen vom Schwarzwald bis zum Alpenrand sind es teilweise 10 bis 20 l/m², vereinzelt mehr. In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze auf etwa 1000 bis 1200 m mit den entsprechenden Neuschneemengen in Lagen oberhalb.

Ansonsten steigt der Luftdruck in der postfrontal einströmenden subpolaren Meeresluft und es baut sich ein Zwischenhoch auf. Die Wolkendecke lockert teilweise auf, es trocknet ab und kühlt auf unter 5°C, aber meist nicht in den Frostbereich ab. Leichter Frost beschränkt sich wahrscheinlich auf lokale Kältelöcher im Bergland. Der Wind lässt nach.

Donnerstag... steht im Zeichen von Zwischenhocheinfluss. Vor einem Langwellentrog über dem Nordatlantik zieht gestützt durch Warmluftadvektion ein schwacher Hochkeil nach Deutschland. Die Niederschläge auf der Rückseite der abgezogenen Tiefausläufer halten im Südosten staubedingt noch einige Zeit an, sind aber am Nachmittag auch am östlichen Alpenrand im Wesentlichen vorbei. Es fallen am Alpenrand noch mal 2 bis 5 l/m² bis zum Mittag. Ansonsten scheint bei aufgelockerter Bewölkung oft die Sonne und die Luft erwärmt sich in 850 hPa auf etwas über 0°C, in 2m werden Werte von 10 bis 16°C erreicht.
Allerdings nähern sich auch schon die nächsten Tiefausläufer eines kräftigen Sturms, der an Island vorbei ins Nordmeer zieht und es dabei auf einen Kerndruck von knapp über 950 hPa bringt.

Der Druckgradient verschärft sich präfrontal und im Nordwesten Deutschlands kommen steife Böen um 55 km/h aus Südwest auf. An der Nordsee einzelne stürmische Böen und auf dem Brocken Sturmböen.

In der Nacht zum Freitag dehnt sich der Höhentrog südwärts über die Britischen Inseln und Irland zur Biskaya aus. Wir liegen auf der Vorderseite unter einer südwestlichen Strömung, in der das schleifende Frontensystem des Sturms bei Island nur zögern über die Nordsee näher kommen.

Im Nordwesten zieht mehrschichtige Bewölkung auf, erste Regentropfen ausgangs der Nacht sind aber wohl dem Nordseeumfeld vorbehalten. Dazu bleibt es besonders im Nordwesten windig mit steifen, an der Nordsee stürmischen Böen. Die Hauptwindzunahme findet abseits von uns, über der Nordsee statt. Mit der Trogannäherung zieht auch der Wind auf den Bergen wieder an. Einzelne Gipfellagen sind mit stürmischen Böen aus Südwest dabei, der Brocken mit Bft 10 bis 11.

In großen Teilen des Ostens, Südens und der Mitte ist es bis zum Morgen gering bewölkt oder klar und es kühlt vor allem im Süden auf 0 bis -4°C ab. Dazu bildet sich bei schwachem Wind vor allem in der Donauniederung und weiter südlich gebietsweise Nebel.

Freitag... greifen die Tiefausläufer schleifend und unter Wellenbildung auf die Nordwesthälfte unseres Landes über. Der Höhentrog hängt deutlich zurück, sodass wir weiter auf dessen Vorderseite unter der südwestlichen Höhenströmung bleiben. Die zugehörigen Regenfälle breiten sich etwa bis auf eine Linie von Rheinland-Pfalz bis Mecklenburg aus. Sie liefern meist 5 bis 10 l/m² Regen. Im Westen regnet es gebietsweise mehr, aber nicht warnrelevant.

Dazu verschärft sich noch etwas der Gradient und der Südwestwind legt noch leicht zu. Er erreicht in Böen recht verbreitet 7 Bft, und stellenweise exponiert 8 Bft. An der Nordsee und im höheren Bergland sind Sturmböen 9 Bft möglich, Brocken bis Bft 11. Der Süden bis zur Lausitz sind davon weitgehend ausgenommen. Nach Passage der Tiefausläufer im Nordwesten nimmt der auf West bis Nordwest drehende Wind rasch wieder ab. Aber auch sonst nimmt der SW im Laufe des Nachmittags wahrscheinlich schon wieder ab.

In der Südosthälfte scheint meist noch längere Zeit die Sonne, nach dem der lokale Nebel weg ist jedenfalls, und es bleibt niederschlagsfrei. Präfrontal gelangt wieder ein Schwall milder Luft in die Südosthälfte, wo es mit Hilfe der Sonne 16 bis 19°C als Maximum gibt. Sonst sind es unter der frontalen Bewölkung meist 11 bis 15°C, im westlichen Bergland und an der Nordsee teils kaum 10°C.

In der Nacht zum Samstag tut sich der Tiefausläufer mitsamt den Niederschlägen weiter schwer auf dem Weg nach Südosten. Schleifend in der Südwestströmung bleibt der Südosten präfrontal und weitgehend trocken. Ansonsten regnet es zunächst verbreitet, wobei sich der Niederschlag mit Passage einer Welle über die Landesmitte zur Ostsee vorübergehend intensiviert. Die Mengen liegen meist zwischen 5 und 15 l/m², in Staulagen auch mehr. Signale für warnwürdige Mengen sind nur sehr schwach, 12 oder 24h bis Samstag früh.

Postfrontal wird ein Schwall frischer Meereskaltluft herangeführt, in der T 850 auf -1 bis -4°C sinkt. Dabei geht der Regen in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen oberhalb 400 bis 700m in Schnee über, allerdings lassen die Niederschläge mit Abzug der Welle auch schnell nach, sodass sich wahrscheinlich nicht viel akkumuliert.

Mit kräftiger KLA baut sich ein Hochkeil auf, der sich nach Westdeutschland vorarbeitet. Dabei lockert die Bewölkung dort teilweise auf, der Wind lässt überall deutlich nach. Im höheren Bergland sind in der kältere Luft Werte um 0°C zu erwarten. Auch im Südosten Bayerns ist stellenweise leichter Frost möglich.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren ähnlich. Die Konvektion heute sollte sich im Wesentlichen im "gelben" Bereich abspielen. Ein paar Fragezeichen bleiben zum Freitag, wenn der Tiefausläufer mit Passage einer Welle gerechnet wird. Ebenso kann es dabei kräftiger regnen, bis an die Warnschwellen (12h/24h), ob da dann tatsächlich Dauerregenwarnungen nötig werden, ist auch angesichts der trockenen Vorgeschichte fraglich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner