Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 15.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang zu HNz (Hoch Nordmeer zyklonal)
Tagtäglich und nachtnächtlich konvektive Bambule teils bis zum Anschlag - tückisches Höhentief gibt keine Ruhe. Heute vor allem im äußersten Süden erhöhte Unwettergefahr, vor allem, aber nicht ausschließlich durch Großhagel.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... findet die durchaus als perfide zu bezeichnende Wetterlage ihre Fortsetzung. Auf den ersten Blick sieht eigentlich alles ziemlich harmlos aus: dickes und hochreichendes Hoch über der Nordsee bzw. der Norwegischen See (LAURENT), breiter, bis nach Frankreich reichender Potenzialrücken über dem westlichen Mittelmeer. Was soll da groß passieren? Nun, die Antwort ist klar und deutlich - ´ne Menge. Was waren das teilweise für üble Geschütze die vergangenen beiden Tage und Nächte. Starkregen, Großhagel, Hagelansammlungen mit Landschaften wie im Winter, Böen bis Orkanstärke - die Klaviatur konvektiver Begleiterscheinungen wurde in sämtlichen Oktaven in Cis-Moll durchgenudelt. Sehr zum Leidwesen der Betroffenen, aber auch der ganzen Belegschaft vorhersagender Meteorologen und Berater. Keine Frage, es gibt schönere und harmonischere Konzerte, auch wenn Chaser oder Vollwetterfans sicherlich auf Cis-Moll stehen.
Der Grund für die teils schweren Gewitter (in Einzelfällen musste ins höchste Regal, sprich, extremes Unwetter gegriffen werden) mutet zunächst etwas unscheinbar an. Eine relativ kleines Höhentief, "Abfallprodukt" eines Cut-Offs über Skandinavien hatte am Montag den Weg zu uns gefunden und ist dabei auf eine dankbare, weil potenziell instabile Luftmasse mit hohem latenten Energieanteil getroffen. Hinzu kamen noch konfluente Windstrukturen (z.B. durch Küsteneffekte oder Orografie) sowie diverse Wechselwirkungen alter und neuer Systeme, als die Maschinerie erstmal in Gang gekommen war. In der numerischen Mathematik oder theoretischen Physik würde man von einem komplexen, nicht-linearen Gleichungssystem sprechen, das - wie jeder weiß, der mal etwas tiefer in Mathe und Physik eingetaucht ist - mitnichten trivial zu lösen ist. Vor diesem Hintergrund verwundert es dann auch nicht, dass die hochauflösenden Modelle sagen wir eine nicht immer ganz glückliche Figur abgegeben haben, was kein Vorwurf sein soll, sondern reiner Tatbestand. Die Sache soll an dieser Stelle auch gar nicht weiter vertieft werden, das passiert an anderer Stelle. Mitnehmen sollten wir nur, dass wir bei der Entwicklung von heute und der nächsten Tage nicht jede numerisch angebotene Zelle für bare Münze nehmen sollten, was freilich auch für die Begleiterscheinungen gilt. Potenzialabschätzung auch mit den Erfahrungen der letzten Tage und dann ins Nowcasting, so das Mittel der Wahl.
Zur Lage, die unser Höhentief heute Morgen mit Drehzentrum unweit von Berlin sieht (500 hPa), stark elliptisch geformt mit deutlicher Austrogung nach Westen, wo es eine Rinne zu einem weiteren Höhentief westlich der Biskaya "gräbt" bzw. schon "gegraben" hat. Im Tagesverlauf wird die Potenzialrinne über der Nordhälfte des Landes weitgehend unangetastet bleiben, wobei sich das Hauptdrehzentrum ganz langsam gen Westen orientiert. Bodennah zeigt sich das Druckfeld nach wie vor gradientschwach, wobei in der Nordhälfte wenigstens die Struktur "Hochrandlage" erkennbar ist. Dort strömt mit leichtem Wind aus dem Sektor Nord bis Ost mindestens bis zum Mittelgebirgsnordrand eine trockene und vergleichsweise stabile Luftmasse ein, die etwa zwischen 850 hPa und 750 hPa durch eine Inversion gedeckelt ist. Entsprechend tut sich heute nicht allzu viel beim Wetter. Trotz einiger Wolken scheint überwiegend die Sonne bei maximal 25 bis 30°C, direkt an der See bei auflandigem Wind etwas darunter. Erst im Laufe des Nachmittags wird auf der NO-Flanke des Tiefs bzw. der Rinne von Polen her wieder feuchtere Luft angezapft, die zum Abend hin im östlichen BB/Berliner Raum etwas Regen und mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit ein Gewitter bringt.
Deutlich unstrukturierter bis hin zum ausgewachsenen Amorphismus zeigt sich das Druckfeld im Süden, wo nur mit sehr viel Fantasie eine Art Rinne auszumachen ist. Ist letztlich aber auch egal. Wichtiger scheint die Tatsache, dass die vorhandene Luftmasse deutlich feuchter ist als weiter im Norden (PPW um 35 mm, spez. F. teils um 13 g/kg). Potenziell instabil ist sie ebenfalls, außerdem mit DLS bis zu 30 m/s zumindest hochreichend sehr gut geschert und gut überlappt mit der energiereichsten Luft. Auch weiter unten lassen sich beim Betrachten der Hodographen einige nicht unattraktive Krümmungen im unteren Troposphärensegment finden. Fraglich ist nur noch, wie viel Energie bis zum Nachmittag zur Verfügung steht. Aktuell ziehen ja noch einige Gewitter bzw. gewittrige Regenfälle gen Alpen (Starkregengefahr durch Stau an den westlichen Alpen) und es ist stark bewölkt. Später soll es aber auflockern, dass ausreichen solare Strahlung durchkommt, um die Luft energetisch aufzupeppen. Südlich der Donau sowie im südlichen BaWü sollen dabei gebietsweise bis zu 1500 J/kg ML-CAPE generiert werden, während weiter nördlich - auch durch Entrainment trockenerer Luft - ein rascher Energieabfall erkennbar ist.
Kurzum, nach dem Abebben der aktuellen Konvektion im Laufe des Vormittags dauert es vielleicht bis Mittag oder dem frühen Nachmittag, bis wieder gezündelt wird. Zum Teil aus dem Bergland heraus oder initiiert durch regionale Windkonvergenzen oder als Importware aus der benachbarten schweiz-österreichischen Grenzregion entwickeln sich einzelne, aber durchaus knackige und organisierte Superzellen, die als Einzelkämpfer mit Split- und Ausscherpotenzial unterwegs sein dürften. Die Hodographen zeigen z.T. sehr lineare Verläufe, was Zellsplitting forciert. Dabei könnten sogar 1-2 Left-Mover auftreten, was ICON-D2 sogar 1:1 simuliert. Das hauptsächlich betroffene Gebiet soll von Südbaden über Oberschwaben bis nach bayerisch Schwaben reichen (hier wurde eine Vorabinfo ausgegeben), aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste (siehe oben). Die Gewitter sind zunächst mal durch markante Begleiterscheinungen geprägt, dürften aber ganz schnell in die Unwetterkategorie aufsteigen. Starkregen um 30 l/m² innert kurzer Zeit, Großhagel um oder sogar über 5 cm!!, größere Hagelansammlungen (die den Winterdienst auf den Plan rufen) sowie Böen 10 bis 12 Bft wären keine Überraschung - wie gesagt räumlich eng begrenzt, nicht flächig. Über die Donau nach Norden heraus können sich zwar auch einzelne Überentwicklungen bilden, Intensität und Häufigkeit sind aber geringer als weiter südlich.
Vor allem im Westen und Südwesten wird auch heute wieder die 30°C-Marke überschritten (bis 32°C), während sonst 24 bis 30°C auf dem Zettel stehen.
In der Nacht zum Donnerstag nähert sich das Drehzentrum des Höhenstiefs dem Nordwesten des Vorhersageraums. Auf der NO-Flanke wickelt sich von Polen her ein vergleichsweise schmaler Regenstreifen in den Nordosten, in den auch einzelne abgehobene Gewitter eingelagert sein können. Insgesamt besteht aber nur geringe Starkregengefahr, weil die Gewitter west-nordwestwärts ziehen respektive sich der Regenstreifen in Richtung SH verlagert. Deswegen geht unser Blick rasch in den Süden, wo die abendlichen Gewitter weiter gen Osten ziehen und dabei zunehmend Verclusterungsallüren mit lokalem Starkregenpotenzial zeigen. Gleichwohl, gerade in Ostbayern können bis weit in die Nacht auch noch ein paar Einzelzellen unterwegs sein und bei der Bewertung der Begleitparameter sollte man nach den jüngsten Erfahrungen vorsichtig sein (von wegen nächtliche Abschwächung und so). Fraglich ist derzeit noch, ob in Nachthälfte zwei ein größerer Gewittercluster der Marke MCS von der Schweiz und dem französischen Jura auf den Süden BaWüs sowie das südwestliche Bayern übergreift, wie es die ICON-Kette favorisiert. Externe Modelle sind da deutlich zurückhaltender, also Abwarten und Tee trinken.
Zwischen den Wetterzonen im Nordosten und Süden passiert nix, häufig klart es auf. Tiefsttemperatur landesweit 19 bis 10°C.
Donnerstag... verlagert sich das Zentrum des Höhentiefs bis zum Abend raus auf die Nordsee, wobei die Westfriesischen Inseln wohl den Vorzug vor den Ostfriesischen Inseln bekommen. Um das Tief herum laufen in der Höhe schwache Advektionsprozesse ab, die das Wetter am Laufen halten. Bodennah bleibt die Angelegenheit extrem gradientarm. Es sind aber klare Tendenzen erkennbar, dass sich der Schwerpunkt des Hochs mehr und mehr ins Seegebiet südlich Islands zurückzieht, was nicht ganz unwichtig für die Entwicklung der nächsten Tage ist (Stichwort Wetter- und Luftmassenwechsel). Grob gesprochen stellen sich bei uns morgen bei aller noch gebotenen Prognoseunsicherheit zwei Aktivzonen ein: eine im Norden, die andere im Südwesten/südliche Mitte.
Fangen wir im Norden an, wo zunächst mal die Reste der nächtlichen Aktivität in Richtung Nordsee/nördliches NDS ziehen. Dabei sind am Morgen und am Vormittag durchaus vereinzelte elektrische Entladungen vorstellbar. Insgesamt sollte die Szenerie aber noch vergleichsweise beschaulich daherkommen. Zum Nachmittag hin könnten in der dann energetisch etwas günstigeren Luftmasse (viel CAPE steht nicht zur Verfügung, aber es reicht) aber doch ein paar promintente Überentwicklungen nach oben schießen. In der Basis markant, vor allem wegen Starkregen (langsam ziehende Einzelzellen), vereinzeltes WU ebenfalls wegen Starkregen nicht ausgeschlossen.
Weiter südlich, wir nennen es mal die nördliche Mitte mit aller in der Vorhersagemeteorologie gerne genommenen Unschärfe, wo genau die Grenzen der nördlichen Mitte denn liegen, präsentiert sich das Wetter weitgehend inaktiv mit viel Sonnenschein, ein paar flachen Quellungen oder Cirren und einer sehr geringen Schauer-/Gewitterneigung (am ehesten noch im Erzgebirgsraum). Zu trocken die Luft, keine oder kaum Antriebe, da dürfte nicht viel gehen. Noch weiter südlich, also grob vom zentralen Mittelgebirgsraum abwärts, sieht´s dann schon wieder anders aus, was vor allem dem höheren Wasserdampfgehalt der Luftmasse geschuldet ist. Zunächst mal gilt es ganz im Süden die Reste des nächtlichen Clusters abzuwickeln, sofern er denn überhaupt auftritt. Später entwickeln sich dann wieder vermehrt kräftige Zellen, wobei sich gegenüber heute eine etwas nach Norden versetzte Zone herauszukristallisieren scheint (grob zwischen Donau und Main/Mosel). Auch dabei werden ziemlich sicher wieder Superzellen und Unwetter auftreten, allerdings ist der Energiegehalt der Luft gerade nach Norden hin kleiner als heute (zumindest ML-CAPE, die MU-Werte bleiben sehr hoch) und auch die Überlappung der Zutaten (z.B. zur Scherung) ist nicht mehr ganz so gut. Also, die Wahrscheinlichkeit für ganz großen Hagel und ganz fette Böen (10-12 Bft) geht rein aus konzeptionellen Überlegungen heraus etwas nach unten, nichtsdestotrotz gilt auch hier das alte Sprichwort "Vorsicht ist die Mutter...", zumal ICON-D2-EPS z.B. mehr Böen 10 Bft simuliert als heute. Es wäre jedenfalls keine große Überraschung, wenn auch morgen wieder eine Vorabinfo ausgegeben wird. Nix Genaues weiß man nicht, was übrigens auch für die Regionen südlich der Donau gilt, die morgen sehr passiv von der Numerik behandelt werden. Möglicherweise sorgt die aufkommende südwestliche Höhenströmung und damit verbundene Überströmung der Alpen für eine vertikale Abtrocknung und damit Dämpfung des konvektiven Geschehens.
Thermisch gibt es noch mal ein Aufbegehren der Hitze mit verbreitet Höchstwerten um oder über 30°C (bis 33°C). Einzig im Norden geht´s nicht ganz so hoch, in Küstennähe sogar unter 25°C.
In der Nacht zum Freitag beruhigt sich das Wetter keinesfalls und die Prognosen werden immer unschärfer. So soll sich auf der SO-Flanke des quasistationären Höhentiefs ein kleines Bodentief über NW-Deutschland bilden, das am Freitag Frontogenese induziert. Die Auswirkungen in der Nacht sind noch unsicher, aber einzelne Schauer und Gewitter sind schon möglich im Norden und Nordwesten. Von der Mitte ab südwärts muss ebenfalls mit weiteren Gewittern gerechnet werden, wobei ganz im Süden/Südwesten von Frankreich und der Schweiz her möglicherweise ein neuer MCS den Weg zu uns findet. Vor allem SuperHD haut mal richtig einen raus mit Orkanböen und allen Schikanaten - ruhige Nächte sehen anders aus, wobei sich numerisch sicherlich noch einiges tut bis dahin. Tiefstwerte 20 bis 14°C.
Freitag... wird der nächste unruhige Tag, so viel lässt sich schon mal sagen. Ansonsten bleiben noch einige Fragen offen, weshalb die Beschreibung hier nur in Kurzform und recht allgemein erfolgt. Das Höhentief erzeugt bei uns eine hebungsfreundliche, diffluent konturierte südwestliche Höhenströmung, die auf eine labile und sehr feuchte (PPW bis 40 mm) trifft. Dazu kommt das kleine Bodentief, das über Norddeutschland ostwärts zieht. Sieht man mal vom Westen (NRW/südliches NDS) ab, wo südlich des Kerns trockene und stabilere Luft von Westen bzw. von oben eingemischt wird, muss quasi im ganze Land mit teils kräftigen Gewittern bis hin zu Unwettern gerechnet werden. Die Gefahr von "Wasserbomben" nimmt wieder zu, das Potenzial extremen Starkregens ist zumindest lokal gegeben, vor allem im Norden. Wie es ansonsten um die Begleitparameter bestellt ist, wie wo wann, dazu in den nächsten Übersichten mehr. Fakt ist, dass es nicht mehr so heiß wird, die Spanne der Höchstwerte dürfte sich zwischen 24 und 29°C einstellen (allerdings teils sehr schwül), direkt am Meer weniger.
Modellvergleich und -einschätzung
Während die Grundmuster modellübergreifend sehr ähnlich gerechnet werden, gilt das bei den Auswirkungen mitnichten. Das meiste davon wurde oben angesprochen. Wir dürfen sehr gespannt sein auf die nächsten Tage und Nächte, weitere Schlagzeilen aus der Kategorie "Wetter" sind gewiss.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 15.07.2026 um 10.30 UTC
Zyklonal, später zunehmend antizyklonal Nord- bis Nordwest; vor allem im Nordosten unbeständig und teils kühl, im Südwesten mäßig warm bis warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 22.07.2026
Am Wochenende ist es soweit: Nach vor allem im Südwesten wochenlanger Sommerhitze hat sich die Wetterlage nun komplett umgestellt und wir bekommen es mit Luftmassen zu tun, deren Ursprungsgebiet sich eher in polaren Regionen befindet, die sich aber auf ihrem relativ langen Weg zu uns über die Norwegischen See bzw. die Nordsee hinweg immerhin ein wenig erwärmen können (klassisch: maritim erwärmte Polarluft).
Diese Umstellung wurde bzw. wird bereits in der Kurzfrist eingeleitet - wie so oft nicht ohne teilweise unwetterartige konvektive Begleiterscheinungen.
Doch wie kommt es überhaupt zu diesem Wetterumschwung? Dazu ein kurzer Blick auf die Kurzfrist (eine ausführliche Abhandlung findet man in der syn. Übersicht Kurzfrist):
Vorweggenommen sei, dass sich an der generellen Blockadesituation erst einmal nichts ändern wird. Aktuell befindet sich unser Blockadehoch allerdings ziemlich genau über der Norwegischen See mit Ablegern nach Skandinavien und zur Nordsee. Es wird am heutigen Mittwoch und auch noch am Donnerstag allerdings quasi "unterlaufen" von einem Höhentief, das sich langsam über die Mitte und den Nordwesten Deutschlands Richtung Nordsee verlagert (mit teils schweren Gewittern an dessen Südflanke über Süd- und Südwestdeutschland). Im Laufe des Freitags kommt es derweil über dem Nordmeer und der Norwegischen See zu einem markanten Trogvorstoß. Der entstehende Langwellentrog amplifiziert rasch Richtung Mitteleuropa und fängt unser Höhentief über der Nordsee in der Nacht zum Samstag quasi ein, welches nun als kräftiger Randtrog fungiert, der Samstagfrüh mit seinem Drehzentrum Südschweden erreicht.
Während das bisher wetterbestimmende Blockadehoch mit dem Trogvorstoß rasch nach Osteuropa abgedrängt wird, baut sich eine neue kräftige Höhenantizyklone über dem mittleren Nordatlantik auf, das korrespondierende Bodenhoch befindet sich mit seinem Schwerpunkt (nahe 1035 hPa) über dem Seegebiet südwestlich von Island.
Aus dieser Konstellation resultiert eine recht kräftige und zyklonale nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet, darin eingebettet, überquert ein markanter Randtrog am Samstag und Sonntag die Nordsee und das Vorhersagegebiet südostwärts.
Das dem Trogvorstoß geschuldete Bodentief befindet sich bereits am Samstag über Südschweden. Mit Annäherung des erwähnten Randtroges kommt es zunächst nur wenig nach Nordosten voran und entwickelt sich über dem Raum Südostschweden/Gotland bis Sonntagvormittag zu einem regelrechten Sommersturm (Kerndruck unter 995 hPa), ehe es sich danach beginnt, langsam aufzufüllen. An dessen Ostflanke flutet am Wochenende von Nordwesten her maritime Polarluft nahezu das gesamte Vorhersagegebiet. Während ein dorthin reichender Hochkeil die Wetterwirksamkeit dieser Luftmasse im Südwesten des Landes etwas dämpft und dort nur wenige Niederschläge zu erwarten sind, gibt es vor allem im Norden und Osten häufig Schauer und auch einzelne Gewitter, die mangels Energiegehalts der Luftmasse nicht mehr unwetterartig ausfallen, dennoch von Graupel bzw. kleinkörnigem Hagel, eventuell noch von Starkregen und einzelnen stürmischen Böen begleitet werden können.
Apropos stürmisch: Vor allem im Nordseeumfeld reicht der Gradient am Samstag und in der Nacht zum Sonntag auch außerhalb der Schauer für stürmische Böen aus Nordwest, eventuell sind auch Sturmböen möglich. Ob das auch am Sonntag bzw. an der Ostseeküste der Fall sein wird, ist noch unklar. Die Temperatur in 850 hPa sinkt bis Sonntag auf Werte zwischen 4 Grad im Nordwesten und 10 Grad am Alpenrand. Somit werden im Nordwesten/Norden/Küsten keine bzw. kaum mehr 20 Grad erreicht und auch im Südwesten reicht es am Sonntag höchstens grade so noch für einen Sommertag.
Am Montag tropft der Trog vor der Baltischen Küste ab und zieht dann bis Mittwoch über dem Baltikum und über dem Finnischen Meerbusen seine Kreise. An dessen Westflanke überquert am Montag und in der Nacht zum Dienstag ein weiterer Randtrog Deutschland allmählich südsüdostwärts. Gleichzeitig bleibt das Höhenhoch westlich der Britischen Inseln nahezu ortsfest, korrespondierend dazu verstärkt sich das Bodenhoch auf über 1035 hPa. Dabei schwenkt ein breiter, aber flacher Rücken Richtung Nordmeer, so dass die Höhenströmung nach Passage des Randtroges am Dienstag etwas mehr auf nördliche Richtungen dreht und insgesamt antizyklonaler aufgestellt ist.
Auch im Bodenfeld setzt leichter Druckanstieg ein und bis Dienstag schiebt sich ein Hochkeil nach West- und Süddeutschland.
An dessen Ostflanke gelangt von Nordwesten her nach wie vor relativ kühle bzw. nur mäßig warme Luft vor allem in den Norden und Osten des Landes. An beiden Tagen bleibt es dort unbeständig mit einzelnen Schauern, kurze Gewitter nicht ausgeschlossen; bei T850 hPa zwischen 5 und 9 Grad (am Montag vielleicht noch 1 K weniger) schwanken die Höchstwerte meist um 20 Grad (an den Küsten darunter, im Binnenland darüber). Im Südwesten und Süden dürfte sich im Einflussbereich des Hochkeils die Sonne häufiger zeigen. Schauer gibt es dort nur vereinzelt und bei T850 um 10 Grad reicht es in den Niederungen Südwestdeutschlands wieder verbreitet für 25 Grad, eventuell auch etwas mehr. Hitze ist aber nicht in Sicht und auch die Nächte fallen angenehm frisch aus.
Am Mittwoch ändert sich an der Gesamtkonstellation nur wenig, insgesamt bekommt das Muster aber mit Annäherung eines flachen kurzwelligen Troganteils, der in der Nacht zum Donnerstag die westliche Ostsee erreicht, einen leicht zyklonaleren Touch. Dadurch zieht sich der Bodenkeil etwas nach Südwesten zurück und vor allem in der Nacht zum Donnerstag kommt die etwas kühlere Luft ein wenig weiter nach Süden voran. Dennoch bleibt der Südwesten gegenüber dem Norden und Osten bevorzugt; dort gibt es kaum Schauer, es bleibt oft trocken und angenehm warm, während sich im Norden und Osten nur wenig ändert und die mittleren bzw. westlichen Landesteile eventuell auch noch in den Genuss einzelner Schauer kommen.
In der erweiterten Mittelfrist schwenkt dann der flache Trog am Donnerstag mit einzelnen Schauern durch, gefolgt von einem breiten Rücken, der am Freitag wieder für Wetterberuhigung sorgt. Dann allerdings deutet sich erneut ein Trogvorstoß über dem Nordmeer an, der insgesamt weiter westlich als vorher erfolgt, so dass die Wetterberuhigung eher kurz ausfallen dürfte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Den letzten IFS-Läufen kann eine gute Konsistenz bescheinigt werden. Den nach Mitteleuropa gerichteten Trogvorstoß am Wochenende sowie das Cut-Off über dem Baltikum bzw. dem Finnischen Meerbusen zeigen alle Läufe. Kleinere Unterschiede ergeben sich lediglich bzgl. der Wetterwirksamkeit der Randtröge, die an der Westflanke des Troges bzw. Höhentiefs über das Vorhersagegebiet hinwegschwenken. Dabei war der gestrige 12 UTC-Lauf vor allem am Mittwoch etwas zyklonaler aufgestellt als die beiden 00 UTC-Läufe.
Grundsätzlich verfolgen aber alle Läufe auch bis in die erweiterte Mittelfrist ein ähnliches Muster.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnliches gilt auch für die vorliegenden Globalmodelle: Alle zeigen den Trogvorstoß. Unterschiede ergeben sich dann vor allem ab Montag/Dienstag: So hat das ICON keinen Cut-Off auf der Agenda, GFS dagegen weiter südlich, über Ostpolen und Weißrussland. Die an deren Westflanke das Vorhersagegebiet passierenden Randtröge werden somit bzgl. der zeitlichen Abfolge und deren Geometrie mit kleineren Differenzen simuliert, was aber am grundsätzlichen Wettercharakter (Norden/Osten unbeständiger und kühler als Westen/Süden) bis in die erweiterte Mittelfrist nichts ändert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Läufe des IFS auf vier Cluster, die allesamt dem Großwetterlagenregime "Blocking" bzw. (ab 84 Stunden) "Atlantic Ridge" zugeordnet sind und sich für Mitteleuropa nicht nennenswert unterscheiden.
Diese Modelleinigkeit manifestiert sich dann im nächstfolgenden Zeitraum (T+120 bis 168 Stunden) mit nur einem Cluster, der die vom Hauptlauf apostrophierte Entwicklung gut widerspiegelt (Großwetterlagenregime "Atlantic Ridge").
Erst zum Ende der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) tauchen dann vermehrt Alternativlösungen auf (insgesamt 6 Cluster). Generell auffällig ist aber nach wie vor ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet über dem mittleren Nordatlantik. Nach Lesart der Cluster 1 (13 Member), 5 (7 Member) und 6 (4 Member) zieht sich das Hoch aber so weit nach Westen zurück, dass hierzulande zyklonale Lösungen dominieren, nach CL 1 und 5 auch mit eher normal temperierten bzw. leicht zu kühlen Luftmassen, nach CL 6 dagegen eher Süd zyklonal. CL 2, 3 und 4 (jeweils 12, 8 und 7 Member) belassen es dagegen eher bei meist antizyklonalen Nordwestlagen mit einem nach Mitteleuropa gerichteten Hochkeil.
Anhand der Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der ENS-Member in den Rauchfahnen einzelner Gitterpunkte im Vorhersagegebiet lässt sich der Vorstoß maritim erwärmter Polarluft nach Mitteleuropa sehr gut nachvollziehen. Der Temperaturrückgang und auch die weitere Temperaturentwicklung bis Mitte kommender Woche erfolgt in einem relativ engen Spread. Niederschlagssignale sind vor allem im Westen und Süden eher rar gesät und halten sich mengenmäßig auch im Norden und Osten sehr in Grenzen.
Ab der zweiten Hälfte der kommenden Woche gehen die Einzellösungen dann aber deutlich auseinander. Member mit T850 hPa nahe 5 Grad tauchen ebenso auf wie Member mit über 15, im Südwesten bis nahe 20 Grad.
FAZIT:
Die generelle Wetterentwicklung bis Mitte kommender Woche steht: Im Norden und Osten eher unbeständig und nur mäßig warm, an den Küsten sogar eher kühl (Tmax 18 bis 23 Grad), im Süden und Südwesten dagegen angenehmes Sommerwetter (Tmax meist 22 bis 26 Grad) mit höchstens vereinzelten Schauern und frischen Nächten. Hitze ist vorerst weit und breit nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen halten sich im gesamten Mittelfristzeitraum in Grenzen. Die Luftmasse ist gemäßigter Natur, so dass es vor allem von Samstag bis Montag und bevorzugt in der Nordosthälfte zu einzelnen kurzen Gewittern kommen kann, deren Begleiterscheinungen fallen aber maximal markant aus (stürmische Böen, Graupel/kleinkörniger Hagel, eventuell auch Starkregen).
Der Wind spielt warntechnisch vor allem an den Küsten eine Rolle. Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag reicht der Gradient insbesondere im Nordseeumfeld für stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen aus Nordwest; ob das auch an der Ostsee der Fall ist (dann auch eher in der Nacht zum und am Sonntag), ist noch unklar. Ebenso kann es auf exponierten Gipfeln (Brocken, Fichtelberg) einzelne Sturmböen geben.
Danach fächert der Gradient aber generell weiter auf.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





