Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 16.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL HFa
Weitgehend ruhiges Frühlingswetter ohne markante Wettergefahren.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... befindet sich Deutschland bodennah unter schwachgradientigen Bedingungen. Die Höhenströmung verläuft nahezu indifferent mit leicht zyklonalen Bereichen. Ein daran gekoppeltes Frontensystem, das zu einem Tief bei Island gehört, befindet sich derzeit im Westen Deutschlands und sorgt für ein paar schwache Schauer.
Im Laufe des Tages kommt diese Front ostwärts voran, ist aber aufgrund fehlender Antriebe kaum wetterwirksam. Abgesehen von gebietsweise dichten Wolkenfeldern kann es im Umfeld der Front ein paar Schauer geben. Die verschiedenen Prognosemodelle zeigen im Vorfeld der Front eine gewisse Feuchteanreicherung (Tendenz zu erhöhter spezifischer Feuchte), die mit einer labilen Schichtung der unteren und mittleren Troposphäre zusammenfällt. Damit ergeben sich auch MLCAPE-Werte von rund 200 J/kg. Allerdings zeigen die Prognosesoundings der deutschen Modellkette eine ziemlich trockene Grundschicht (großer Spread, inverted V), sodass bei der nicht sehr hochreichenden Labilitätsschicht fraglich ist, inwiefern daraus Gewitter ausgelöst werden können. ICON-D2 ist diesbezüglich ebenfalls sehr zurückhaltend und zeigt kaum Signale im EPS beim LPI. Das ein oder andere kurze Gewitter von der Mitte bis in den Nordosten, das vor allem von Windböen begleitet sein kann, muss aber durchaus eingeplant werden (Thüringen bis Sachsen und Brandenburg).
Weiter nach Süden zeigt sich in den Prognosesoundings noch eine kleine Sperrschicht oberhalb von etwa -10 °C, sodass dort trotz etwas CAPE Gewitter nahezu ausgeschlossen sind.
Vielmehr ist für den heutigen Tag nicht zu berichten. Die Maxima liegen je nach Sonnenschein zwischen 17 und 22 Grad, etwas kühler bleibt es an den Küsten und im höheren Bergland. Der Wind ist abgesehen von etwas Tagesgangböigkeit kaum spürbar.
In der Nacht auf Freitag fallen die Schauer in sich zusammen und gebietsweise gibt es größere Auflockerungen. Dies liegt auch daran, dass sich im Westen ein neuer Rücken aufwölben kann, der zu Absinken führt. In der recht trockenen Luft kann die Temperatur wieder weit absinken und vor allem im Norden und Nordosten sowie im Süden ist zumindest Frost in Bodennähe zu erwarten. Im Norden gibt es insbesondere über Schleswig-Holstein starke Signale für warnwürdigen Nebel (z. B. WarnMOS mit >50 % Wahrscheinlichkeit).
Freitag... liegt Deutschland im Einflussbereich des aufgewölbten Rückens und damit unter Absinken. Am Boden bleibt es schwachgradientig. Feuchtereste befinden sich vor allem noch von der Mitte bis in den Südosten, wo Bewölkung unterhalb einer Absinkinversion breitlaufen kann. Schwache Signale für Schauer und ganz vereinzelte Blitze gibt es allenfalls von Thüringen bis nach Südostbayern.
Im Verlauf des Tages kann sich eine Austrogung weiter stromaufwärts bei den Britischen Inseln stärker ausbilden, sodass auch das zugehörige Bodentief zwischen Schottland und Island sich besser formieren kann. Damit wird auch die Luftmassengrenze (Warmfront), die die etwas kühlere Luft im Nordosten vom Rest des Landes trennt, etwas klarer strukturiert (Feuchtezunahme). Bei kaum spürbarem Wind erwartet Deutschland landesweit ein milder Frühlingstag mit Maxima zwischen 19 und 24 Grad. Etwas kühler bleibt es mit 17 bis 20 Grad im Nordosten, nochmals weniger warm sind die Maxima direkt an der See. In der Nacht auf Samstag wandert die schwache Warmfront schleppend nach Nordosten. Die Kaltfront des Tiefs nördlich von Schottland liegt über der Nordsee. Die zugehörigen Feuchtefelder greifen im Nachtverlauf auf den Nordwesten Deutschlands über und führen zu einer Feuchtezunahme. Sonst ist es gebietsweise auch locker oder gering bewölkt, wobei es im Osten und Süden am kältesten wird und wieder Gefahr von Frost in Bodennähe besteht. Signale für Nebel gibt es kaum noch, sodass es bei lokalen (Boden-)Nebelfeldern bleiben dürfte.
Samstag... zieht der Westeuropatrog von den Britischen Inseln zur Nordsee, sodass die Höhenströmung einen südwestlichen Einschlag über Deutschland bekommt. Damit steigt auch die 850-hPa-Temperatur etwas an. Der Samstag wird damit der wärmste Tag der Woche, wobei die Maxima auf bis zu 24 Grad steigen können. In der Südosthälfte gibt es dazu verbreitet länger andauernden Sonnenschein.
Gleichzeitig kommt die Kaltfront des mittlerweile zum Nordmeer gezogenen Tiefs langsam landeinwärts voran und erreicht zum Abend Hamburg. Feuchte- und Wolkenfelder sind der Front vorgelagert und erreichen bis zum Nachmittag bereits die Mitte des Landes. Die Niederschläge folgen zeitlich etwas verzögert und werden in der Verlagerungsgeschwindigkeit noch leicht inkonsistent prognostiziert. In der Warmluft sind schwache Konvektionssignale vor allem über dem Erzgebirge und dem Bayerischen Wald erkennbar. Durch den noch darüber liegenden Höhenrücken sind diese aber sehr gedämpft. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass es für ein orographisch getriggertes Gewitter reichen könnte.
Mit der Bewölkung ist es im Norden und Nordwesten mit 17 bis 21 Grad etwas weniger warm. Der Wind ist nur in Richtung Nordwesten aus westlichen Richtungen spürbar, bleibt ansonsten aber weitgehend schwach.
In der Nacht auf Sonntag kommt die Kaltfront weiter südostwärts voran. Sie richtet sich über dem Süden im weiteren Verlauf zunehmend zonal aus und kommt aufgrund fehlenden Antriebs (der Trog zieht über dem Norden ostwärts) dort kaum noch voran. Mit der Front fällt häufig etwas Regen, der in Staulagen auch mal etwas kräftiger sein kann, aber nicht im warnwürdigen Bereich liegt. Präfrontal kann es im Alpenvorland Schauer und einzelne Gewitter geben.
Bei schwachen Winden liegen die Minima zwischen 10 und 4 Grad. Aufgrund der Wolken besteht keine Bodenfrostgefahr mehr und Nebel dürfte ebenfalls kein Thema sein.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle sind für den kurzfristigen Vorhersagezeitraum in guter Einigkeit. Einzig das Vorankommen der Kaltfrontniederschläge zum Vorhersageende wird noch leicht unterschiedlich prognostiziert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 16.04.2026 um 10.30 UTC
Wechselhafte Zeiten stehen an: Am Sonntag Umstellung auf etwas kühlere Witterung, dabei Gewitter. Anschließend blockierende Wetterlage mit ruhigem Hochdruckwetter im Norden, im Süden Aprilwetter mit Schauern und vielleicht einzelnen Gewittern. Insgesamt recht wackelige Prognose.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 23.04.2026
Die Mittelfrist beginnt heute mit einer Umstellung der Großwetterlage sowie einem Luftmassenwechsel im Laufe des kommenden Sonntags. Dabei zunächst zur Großwetterlage: Über den Britischen Inseln manifestiert sich ein neues Hochdruckgebiet und wird sich in den Folgetagen noch verstärken. Es stellt sich also eine erneute Blockinglage ein, die uns von der Zufuhr atlantischer Luftmassen abschneidet und stattdessen ein meridionales Zirkulationsmuster etabliert. Solche Lagen begünstigen üblicherweise die Zufuhr polarer Luftmassen. So geschieht es auch dieses Mal. Mit dem Hoch dreht die Strömung bereits auf nordwestliche bis nördliche Richtung. Demgegenüber steht noch ein Tiefdruckgebiet, das sich dann wahrscheinlich etwa über Dänemark befindet. Dessen Kaltfront überquert uns südwärts; gleichzeitig verlagert sich dieses Tief unter Abschwächung ebenfalls südwärts Richtung Norddeutschland. Rückseitig fließt nun die bereits beschriebene Polarluft maritimen Charakters ein. Während an den Alpen T850 noch bei Werten um 5°C liegt, sinkt sie über dem Nordwesten Deutschlands bereits auf bis zu -2°C. Der Frontdurchgang verläuft dabei recht dynamisch. Vorderseitig ist die Luftmasse im Warmsektor noch recht labil, teils mit durchmischter Grenzschicht. Neben dem dynamischen Forcing an der Front selbst helfen die Alpen mit der Orografie noch nach - es kommt voraussichtlich bereits im Laufe des Sonntagvormittags zur Bildung einiger Gewitter, deren Begleiterscheinungen sich aber bei etwa 20 kt Scherung zunächst insgesamt in Grenzen halten, am Nachmittag bei zunehmendem Höhenwind aber noch etwas an Fahrt gewinnen könnten. Dann sind Starkregen und örtlich auch kleiner Hagel denkbar.
In der rückseitig eingeflossenen Kaltluftmasse bilden sich ebenfalls einzelne Schauer. Ob es hier ebenfalls zur Gewitterbildung reicht, ist dabei noch unklar; völlig ausschließen kann man es aber nicht.
Bemerkbar macht sich der Luftmassenwechsel auch bei den Temperaturen. Während auf der warmen Vorderseite im Süden noch Werte um 20°C erreicht werden, sind im Norden nur noch Werte von etwa 13 bis 15°C zu erwarten.
Am Montag beschäftigt uns das südwärts ziehende Tiefdruckgebiet weiterhin. Allerdings muss man hier schon mit enormen Prognoseunterschieden in der Numerik kämpfen. Dabei stellt sich die ICON-Lösung mit dem Tief über dem Nordwesten Deutschlands als Ausreißerlösung dar, während alle anderen Modelle den Abzug über den Nordosten hinweg Richtung Polen/Tschechien simulieren. Geht man von der Mehrheitslösung aus, so kommt es im Osten zu durchaus ergiebigeren Niederschlägen von stellenweise bis zu 15 mm binnen sechs Stunden, was angesichts der zuletzt wieder zunehmenden Trockenheit eher zu begrüßen ist. Im weiteren Verlauf dreht anschließend der Wind auf nordöstliche bis östliche Richtung. Mit der herumgeholten Okklusion der Tiefrückseite kommt es anschließend noch zu weiteren, nun schauerartigen Regenfälle. Die ICON-Lösung sieht den Niederschlagsschwerpunkt dagegen eher über dem Westen Deutschlands, hier auch nur in abgeschwächter Form. Mit Nordostwind sind vor allem an den entsprechend anfälligen Küstenabschnitten entlang der Ostsee einige kräftige bis stürmische Windböen nicht ausgeschlossen. Am Ende hängt aber alles an der noch ziemlich unsicheren Tiefdruckentwicklung.
Am Dienstag stellt sich endgültig eine Hochdruckrandlage ein, wobei der antizyklonale Einfluss aus Richtung Nordsee größtenteils überwiegt. Aber Hochdruckrandlagen sind anfällig für "Schönheitsfehler". In diesem Falle wird über der Südhälfte Konvektion in labiler Kaltluftmasse simuliert, die entweder aus einem kleinen Höhentief (ECMWF-IFS) oder einem Wellenrandtief (ICON) herrührt. Dabei käme es dort zu zahlreichen Schauern und möglicherweise auch kurzen (Graupel-)Gewittern. Im Norden kommt dagegen zunehmend die Sonne zum Vorschein, höchstens getrübt von etwas Schleierbewölkung (Cirrus). Die Temperaturen liegen mit Werten von oftmals zwischen 10 und 15°C spürbar unter dem aktuellen Niveau. Auch nachts wird es spürbar frisch mit Werten bis teils nahe an die 0°C. Die Frostgefahr ist aber gering und besteht hauptsächlich in typischen Muldenlagen der Mittelgebirge.
Mittwoch und Donnerstag erwartet uns voraussichtlich viel Sonnenschein bei weiter anhaltender Hochdruckrandlage. Dabei setzt zunehmend Höhenmilderung an, auch die bodennahen Temperaturen steigen etwas an. Je nach Lesart nimmt dabei die Bewölkungsdichte im Norden aufgrund stärkerer WLA deutlich zu. Ansonsten bleibt es wohl eher bei leichter Quellbewölkung im Tagesgang. Nennenswerter Niederschlag bleibt aber nach jetzigem Stand wahrscheinlich Fehlanzeige. Nachts besteht vor allem im Bergland weiterhin lokale Frostgefahr mit Minima knapp unter dem Gefrierpunkt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die letzten IFS-Läufe spiegeln die Unsicherheiten bereits wider. Während das Blocking konsistent gerechnet wird, bereiten die Randgebiete, u.a. bedingt durch Tiefdruckeinfluss Oberitalien der Numerik gehörig Probleme. Das äußert sich anschließend in deutlich abweichenden Lösungen bezüglich möglicher Randtiefentwicklungen. Eine wirklich handfeste Prognose bezüglich der Entwicklung signifikanten Wetters (sprich Niederschlag, Gewitter, ...) lässt sich so nur recht oberflächlich abgeben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die globalen Modelle zeigen ebenfalls große Unsicherheiten. Besonders auffällig ist hier ICON, welches bereits zu Beginn der Mittelfrist eigene Wege geht. Die heutigen 00Z-Läufe zeigen dagegen erhöhte Konsistenz zwischen ECMWF, GFS und auch UK10. Das bedeutet aber nicht, dass das so bleiben muss. Offenbar ist die Numerik für eine gezielte Weichenstellung noch nicht bereit, sodass es heißt: Abwarten, wie sich die Prognosen weiterentwickeln. Der 06Z-Lauf des ICON scheint sich dabei nun den Mehrheitslösungen von ECMWF und GFS anzuschließen (im vorstehenden Text Betrachtung des 00Z-Laufs), sodass diesen zusätzliches Gewicht beikommt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ECMWF-ENS zeigen zumindest bis kommenden Dienstag ein relativ einheitliches Bild, driften danach aber zunehmend auseinander. Spätestens in der erweiterten Mittelfrist zeigen sich anschließend erhebliche Unsicherheiten, wobei der Trend zu anhaltender Blockierung und Dominanz kühler Luftmassen überwiegt. Einiges deutet aber darauf hin, dass dann zunehmend zyklonale Lagen das Geschehen übernehmen und es etwas turbulenter zugehen könnte (Mehrheitlich sinkendes Geopotential, zudem Ausreißer in den Max-Perzentilen für die Windgeschwindigkeit sowie zunehmende Niederschlagssignale).
Das GFS-ENS verschwimmt zusehends mit fortschreitendem Prognosezeitraum. Der Hauptlauf zeigt sich hier als warmer Ausreißer gegenüber den ENS-Membern. Ein eindeutiger Trend lässt sich hier nicht ausmachen und ermöglich so keine eindeutige Aussage.
Die ECMWF-Cluster bis +96h zeigen das Atlantikblocking ziemlich einhellig, allerdings mit zahlreichen nuancierten Unterschieden (insgesamt fünf Cluster). Das Modell hat signifikante Probleme in der Platzierung des Blockings, was sich dementsprechend auf die Prognosen auswirkt. Eine Außenseiterlösung (nur vier Member) zeigt ein Durchbrechen des Blocks und Etablierung eines schmalen Langwellentrogs zwischen zwei Hochdruckzentren östlich Grönlands und Lappland. Dieser Trend setzt sich bis +168h fort, wobei die positive Geopotentialanomalie über dem Nordatlantik erheblich ist. In der erweiterten Mittelfrist scheint sich dieses blockierende Hoch retrograd zu verlagern und über Nord- und Mitteleuropa den Weg freizumachen für einen weiteren, nun zyklonal dominierten Kaltlufteinbruch. Dies wird auch durch den Rauchfahnentrend gestützt (s.o.).
Fazit:
Der Sonntag steht im Zeichen eines Wetterwechsels hin zu etwas kühlerer Witterung. Vor allem im Süden Deutschlands wird dieser wohl auch durch Blitz und Donner begleitet. Danach setzt sich erneut Hochdruck unter Zufuhr maritimer Polarluft durch. Allerdings bleibt es dabei zunächst nicht wirklich ruhig. In diese Hochdruckrandlage mischen sich wahrscheinlich immer wieder numerisch schwer zu fassende Störungen in Form kleiner Höhen- oder Wellentiefs, die in der eingeflossenen potentiell labilen Kaltluft für sprichwörtliches Aprilwetter sorgen können. In der erweiterten Mittelfrist zeigen die Signale eine Zunahme von Tiefdruckaktivität in Verbindung mit weiterhin kühlen, polaren Luftmassen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Sonntag vor allem im Süden Gewitter, vereinzelt mit Starkregen und/oder kleinem Hagel gering wahrscheinlich.
Am Montag vor allem entlang anfälliger Küstenabschnitte entlang der Ostsee stürmische Böen Bft 8 aus Nordost.
Darüber hinaus keine signifikanten Wettererscheinungen.
Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF-IFS und -ENS, ICON mit Abstrichen, GFS und UK10 für Grundsatzvergleich,
MOS
VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch





