Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 30.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von BM (Brücke Mitteleuropa) zu Nea (Nordost antizyklonal)
Typisch herbstlicher Hochdruckeinfluss mit Schwachstellen im Südosten (Samstag/Sonntag) und im Nordwesten (ab Sonntagabend).
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... ist die Großwetterlage eindeutig: wuchtiger und langgezogener Potenzialrücken von SW-Europa hoch bis Spitzbergen/Framstraße, korrespondierend dazu ein nicht minder wuchtiges Bodenhoch (JURIJ) mit 1030+X-hPa-Zentrum Norddeutschland/Nordsee. Das ist Blockade pur und steht somit diametral entgegengesetzt zu der Wetterlage, die wir vor Wochenfrist beackern durften. Kurzer Reminder, die hybride LUISE (Sturmtief mit warmem Kern) war gerade auf dem Weg vom Ärmelkanal in Richtung Niederlande, um danach die Deutsche Bucht anzusteuern - alles Geschichte. Das Hier und Jetzt wird geprägt durch konstant herbstliche Trägheit, so dass man fast auf den Gedanken kommen könnte, die zyklonalen Systeme auf der Wetterkarte wegzulassen und gar nicht zu erwähnen. Im Falle des LW-Trogs über dem mittleren Nordatlantik mit alterndem Sturmtief über der westlichen Irminger See mag das seine Berechtigung haben. Der schlanke, inzwischen schon einmal abgetropfte Höhentrog, der von der Barentssee über das östliche Mitteleuropa bis hinunter zum zentralen Mittelmeer reicht, gehört aber auf alle Fälle auf den Zettel wie wir später noch sehen werden.
Momentan allerdings ist alles so, wie man sich das der Lage entsprechend vorstellt: verbreitet teils dichter Nebel, z.T. aber auch "nur" Stratus/Hochnebel. Dazu im Süden und in der Mitte einige offenen Stellen, nicht nur auf höhere Lagen beschränkt. Dort, wo die Nacht längere Zeit oder durchweg klar war, gab es stellenweise leichten Frost. Dass der Norden nahezu durchweg bedeckt oder neblig daherkommt, liegt auch an der Vorgeschichte. So ist dort gestern eine feuchte subpolare Luftmasse (mPs) eingeflossen, auf die nun der absinkbedingte Deckel draufgemacht wird. Noch ist das vertikale Temperaturprofil etwas erratisch (mehrere kleine Inversionen). Im Tagesverlauf soll sich aber bei 950 bis 900 hPa eine recht klare Sperrschicht etablieren, welche die feuchte Grund- von der trockneren Oberschicht trennt. Die wenigen hundert Meter bis 950/900 hPa, überwiegend schwache Windverhältnisse sowie gerade im Nordosten permanente Feuchtzufuhr von der Ostsee her (leichter NW-Wind) reichen aus, um die Grautöne in weiten Teilen des norddeutschen Tieflands zu konservieren, wobei der Nebel freilich überwiegend zu Hochnebel mutiert. Aufhellungen, Auflockerungen oder gar "richtige" Sonne sind eher selten, wobei die Chancen dafür an der Nordsee sowie im Norden von SH am besten stehen.
Deutlich mehr Sonne dürfte auf alle Fälle im Westen und Süden zu erhaschen sein, wo es entweder von Vornherein offen ist oder aber Nebel/Hochnebel sich auflösen. Sicherlich nicht überall und bisweilen auch sehr pomadig, aber immerhin. Ist halt von Vorteil, wenn man südlich respektive südwestlich der Divergenzachse des Hochs liegt. Bleibt noch die Temperatur, die heute in den meisten Fällen auf 9 bis 14°C steigt. In den Regionen der Südhälfte allerdings, wo es mit der Tilgung des Dauergraus nicht so recht klappen will, gestaltet sich der Tag naturgemäß frischer. Z.T. steigt die Temperatur nur wenig über 5°C an. Ach ja, nicht zu vergessen die Kuppen des Hochschwarzwalds, wo die Bise einige flotte, vor allem auf dem Feldberg sogar stürmische Böen oder Sturmböen 8-9 Bft aus Osten induziert. Ansonsten spielt der Wind keine Rolle.
In der Nacht zum Samstag tut sich herzlich wenig an der Gesamtkonstellation. Es sind eher Marginalien, die keinen nennenswerten Impact auf das Geschehen vor Ort ausüben. Mit Blick auf die weitere Entwicklung könnte oder besser sollte lediglich erwähnt werden, dass sich aus dem Baltikum heraus ein Richtung Ostpolen gerichteter Abtropfprozess andeutet. Ansonsten ist die Gute-Nacht-Geschichte rasch erzählt: Bildung, Ausbreitung und Verdichtung von Nebel und Hochnebel, wobei laut WarnMOS in NDS und SH die höchsten Wahrscheinlichkeiten für Sichtweiten unter 150 m auftreten. Wir dürfen aber gewiss sein, dass es auch weiter südlich hier und da pottendicht einnebelt. Am östlichen Erzgebirgsrand/Zittauer Gebirge kann es etwas nieseln. Bei längerem Aufklaren kühlt es auf nahe 0°C oder etwas darunter ab, wobei die Frostgefahr im Alpenvorland sowie in einigen Mittelgebirgstälern/-senken am größten ist. Sonst stehen Minima von 9 bis 2°C, direkt an der See etwas über 10°C auf dem Zettel. Im Hochschwarzwald nimmt der Ost-Nordostwind noch etwas zu (Böen 8-9 Bft).
Samstag... passiert auf den ersten Blick nicht viel. Im Grunde nimmt der Hochdruckeinfluss sogar noch etwas zu, weil der Luftdruck über dem Ostatlantik mittlerweile rasant angestiegen ist (Willkommen KLAUS). Somit konstatieren wir eine monumentale, brückenartige Hochdruckzone, die sich eben vom Ostatlantik über Teile Mitteleuropas und Südskandinavien bis in die Weiten Russlands erstreckt. Gestützt wird die Zone zumindest in ihrem westlichen Teil vom o.e. Rücken, der inzwischen etwas im Uhrzeigersinn abgekippt ist und im Norden nun bis zur Barentssee reicht. Nichtsdestotrotz, auch wenn die Wetterkarte scheinbar HPI (High Pressure Influence) bis zum Anschlag aufweist, zeigt sich doch eine kleine Schwachstelle, womit wir beim bereits angedeuteten Abtropfen wären. Tatsächlich kommt es über Ostpolen zu einem Cut-Off, aus dem ein lupenreiner Kaltlufttropfen (KLT) resultiert. Dieser schlägt einen Südwestkurs ein und erreicht gegen Mitternacht den Grenzbereich Tschechien/Slowakei. Vorderseitig hebungsfördernde PVA konkurriert mit absinkaffiner KLA, wobei am Ende die PVA die Nase etwas vorn hat. Heißt, von Osten her greifen leichte Hebungsprozesse über, welche ausreichen, die feuchte Grundschicht auf 800 bis 700 hPa zu strecken. T850 geht auf 0 bis -1°C zurück. Damit auch etwas Niederschlag abgesondert wird, bedarf es der Mithilfe der Orografie. Mit anderen Worten, insbesondere am Nordrand der östlichen Mittelgebirge wird es immer wieder nieseln.
Im großen Rest der Republik präsentiert sich der Samstag häufig bedeckt oder neblig trüb. Die sonnigen Fenster ziehen sich mehr und mehr in den Westen und Südwesten bzw. in die Hochlagen der Alpen zurück. Im Hochschwarzwald bleibt der östliche Wind flott unterwegs mit Spitzen 8 Bft, anfangs vielleicht 9 Bft. Die Spanne der Höchsttemperatur reicht von etwa 6°C im Südosten bis zu 13°C im Nordwesten.
In der Nacht zum Sonntag marschiert der KLT weiter gen Südwesten, wodurch sich die zugehörigen Hebungsprozesse auch auf Teile Deutschlands ausweiten. Betroffen davon sind der Süden und Südosten und dort wiederum der Alpenrand, wo es wunderbar anstaut. T850 sinkt noch etwas ab auf -2 oder gar -3°C, was ein Absinken der Schneefallgrenze auf 1000 m, bei entsprechender Intensität (gerade ICON zeigt sich nicht zimperlich mit 10 bis 15 mm innert 12 h am östlichen Alpenrand) noch darunter zur Folge hat. Mal sehen, was am Ende davon übrigbleibt (die Externen sind ja defensiver aufgestellt), aber für einige Zentimeter Neuschnee (in den Berchtesgadener Alpen im Fall der Fälle gar 10 cm oder mehr) wird es schon reichen. In tieferen Lagen fällt mitunter etwas Regen oder Nieselregen.
Richtung Norden und Westen verbleibt man unter antizyklonaler Vorherrschaft und somit beim leidigen Thema Nebel und Hochnebel. Wo es schlussendlich richtig zusuppt und wo eher der Hochnebel regiert, bleibt noch etwas abzuarten. Aus numerischer Sicht deutet sich an, dass die Anteile von "richtigem" und vor allem dichtem Nebel gegenüber den Vornächten abnehmen. Abnehmen tut auf ganz Deutschland bezogen auch die Frostgefahr, wobei die ja vorher auch alles andere als erdrückend war. Es zeichnet sich jedenfalls ab, dass offene Stellen (Aufklaren) weniger werden, was automatisch weniger Frost bedeutet. Ach ja, wo wir schon mal beim Abnehmen sind. Auch der lebhafte Ostwind im Hochschwarzwald zeigt allmählich Rückzugstendenzen, wobei man hier vorsichtig sein sollte (LLJ).
Sonntag... zieht der KLT weiter nach Italien respektive zum Tyrrhenischen Meer. Dadurch verliert er sukzessive an Einfluss auf unser Geschehen, was im Süden und Südosten nachlassende bzw. endende Niederschläge zur Folge hat. Am längsten dürfte es noch am Alpenrand regnen oder schneien, bevor am Nachmittag auch dort Schluss ist. Dafür gilt es nun seine Äuglein in Richtung Nordwesten zu richten, genauer zur Nordsee hin, wo sich die nächste Schwachstelle der weiterhin präsenten Hochdruckzone öffnet. "Schuld" daran ist das Hoch selbst. So hat sich der gute KLAUS derart aufgebrezelt (oder fettgefressen), dass er in seinem knapp nordwestlich von Irland positionierten Zentrum auf etwas über 1040 hPa kommt (12 UTC). Damit ist er ausreichend potent genug, eine über der Nordsee liegende Kaltfront mitanzuschieben, die zu einem kleinen Randtief über Südskandinavien gehört. Zwar erreicht die Front noch nicht deutsches Territorium, zum Abend hin werden die Wolken im Nordwesten aber immer dichter (oder besser hochreichender, weil sie durch den Hochnebel ja vorher auch schon weitgehend dicht sind) und es fängt hier und da leicht an zu regnen.
Ansonsten verläuft der Sonntag trocken, teils wolkig mit Lücken und Anteilen solarer Direktstrahlung, teils bedeckt oder trüb. Thermisch bleibt es in etwa bei einer Range von 6 bis 13°C maximal.
In der Nacht zum Montag erreicht besagte Kaltfront mit einem frontalen Regenband den Nordwesten. Viel soll´s nicht regnen, vielleicht wenige Millimeter in der Spitze. Dafür frischt der auf Nord drehende Wind über der Deutschen Bucht soweit auf, dass auch die ein oder andere steife Böe begrüßt werden kann. Zur Mitte und nach Süden gilt es hingegen die übliche Frost-Nebel-Hochnebel-Chose zu managen, was hier und heute noch nicht weiter vertieft werden soll.
Modellvergleich und -einschätzung
Der beschriebene Kurs wird modellübergreifend geteilt, inkl. der üblichen Probleme bei der Grundschichtsimulation. Auch das an den KLT gebundene Niederschlagsereignis im Süden ist noch nicht final eingetütet. Vor allem die Schneefallrate am Alpenrand ist mit Fragezeichen versehen (siehe oben).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2026 um 10.30 UTC
Hochdruckrandlage. Leicht wechselhaft und mild, im Süden teils mäßig kalt.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 05.11.2026
Die anstehende Mittelfrist verläuft insgesamt ruhig und ohne markante Wettererscheinungen. Nutzen wir die Zeit und schauen uns mal die Hintergrundbedingungen an. Sollte nur die uns betreffende Mittelfrist von Interesse sein, so kann der folgende Abschnitt gerne bis zur AKTUELLEN MITTELFRIST übersprungen werden.
Bei der ENSO ergeben sich keine gröberen Abweichungen bei der Entwicklung mit einer beeindruckenden Vorhersage von rund 83 Prozent für ein historisches Ereignis mit Blick auf den RONI bei einer dreimonatigen Mittelung für den Zeitraum Oktober-Dezember (neues Update Anfang November wohl noch aggressiver). So nebenbei wird hier unterschlagen, dass unterschiedliche, selektiv gewählte Parameter bereist historisch ausfallen.
Normalerweise wird mit einem El Nino und einhergehender reger tropischer Konvektion ein Rossby-Wellenzug initiiert, der häufig (nicht immer) eine Tendenz in Richtung "Pazifiktrog" bzw. zu einem gestärkten Aleuten Tief aufweist. Allerdings muss jedes El Nino Ereignis für sich betrachtet werden, da diese u.a. mit Blick auf die jeweiligen Schwerpunkte der zonalen SST Anomalie Diskrepanzen aufweisen. In diesem Fall handelt es sich um ein östliches El Nino Ereignis und hier könnten wir uns ebenfalls im Bereich eines Rekords befinden (nach abschließender Verifikation). Auch das hat Auswirkungen auf die Platzierung der Wellenzüge und könnte im vergangenen Monat für eine Verschiebungen der Geopotenzialanomalien im Nordpazifik verantwortlich sein. Anstatt eines stärkeren Signals für einen Pazifiktrog ergab sich ein deutliches Signal für einen Pazifik-Keil, was vor allem zur Monatsmitte ausgeprägt war und was für erste verstärkte vertikale Wellenflüsse sorgte.
Dies fiel zum Monatsende (also aktuell) mit anhaltend positiven Geopotenzialabweichungen über Asien zusammen, was nun innerhalb dieser Mittelfrist für ungewöhnlich intensive vertikale Wellenflüsse gut ist, die entlang (vertikal) westwärts geneigter Rossby-Wellen besonders vom asiatischen Sektor in Richtung des Polarwirbels in der Stratosphäre (SPW) transferiert werden, aber auch abgeschwächt vom Nordatlantik gestützt werden, wo sich nun ebenfalls eine intensive Blockierung entwickelt.
Die Folgen dieser kräftigen vertikal gerichteten Wellenflüsse ist ein effektiver Angriff auf den SPW, der nun zeitnah beginnend dramatisch an Intensität einbüßt und die Werte der zonal gemittelten Zonalwinde (60 Grad Nord, 10 hPa) auf ein Rekordniveau drückt. In fact, es wäre gar eine Zonalwindumkehr vorstellbar (vom IFS-ENS deutlicher gestützt als vom GEFS, wobei EZ von Lauf zu Lauf immer deutlicher eine Windumkehr favorisiert hat mit einer (im Ensemble hinterlegten) Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 %).
Die Auswirkungen dieser Störung sind vorerst weniger von Interesse, sondern mehr die Erkenntnis, dass sich hier ggf. ein Abdruck des ggf. historischen El Nino herauslesen lässt, der den statistisch gesehen eher zu erwartenden Ablauf recht kräftig durcheinanderbringt. AO/NAO (auch in subsaisonaler Vorhersage) sinken deutlich in den negativen Bereich ab und die Frage wird nun sein, inwieweit sich dieses Muster (der förderlichen vertikalen Wellenflüsse) im Verlauf dieses Winters aufrechterhalten lässt. Ganz plakativ gesagt ändert sich an der Lokalität der ENSO Heizquelle wenig, sodass weitere/frühe Angriffe auf den SPW denkbar wären.
Beim aktuellen Ereignis deutet sich eine bis in den Grenzbereich Stratosphäre/Troposphäre entwickelnde Störung der Zonalwinde an mit einer imposanten positiven NAM Anomalie. Noch unsicher ist, wie stark dieses Ereignis reflektiert und sich somit mehr auf die Entwicklung über Nordamerika auswirkt und wie entkoppelt in der Folge der SPW und der Polarwirbel in der Troposphäre (TPW) weitergeführt werden (denn eine Änderung der Rossbywellenplatzierung über Asien/Nordpazifik dürfte Mitte November für eine Stärkung des SPW gut sein). Wenn der TPW entkoppelt agiert, könnten wir die nun anstehende induzierte Abschwächung lange weiterführen.
Diese Unsicherheiten wirken sich auch auf die Vorhersage der Wetter Regimes im Nordatlantik aus. Nach einem anfänglichen "peak" beim "Atlantikrücken" bzw. "Skandiblockierung" sticht eine stark streuende negative NAO zunehmend ins Auge, wenngleich die det. und EPS/ENS Verfahren hier teils noch stark streuen (IFS west-lastiger als GEFS, allerdings mit Pattsituation im IFS-ENS). Es wird die kommenden Tage spannend sein, diese historische Entwicklung zu verfolgen - welches Modell erfasst die Störung wie gut (auch deren Andauer) bzw. sind Auswirkungen bei der subsaisonalen Vorhersage zu erwarten?
Für uns vorerst von Interesse ist eine umfangreiche Blockierung über dem Nordatlantik, die während dieser Mittelfrist über den Färöer für (monatliche) Rekordwerte beim Geopotenzial gut sein dürfte. Diese Entwicklung kann als Resultat der einsetzenden Störung beim TPW mit einem über Neufundland (weit südlich versetztem und nahe am Monatsrekord befindlichen) Teilwirbel des TPW gesehen werden, der sich in der Folge allmählich abschwächt.
AKTUELLE MITTELFRIST:
Doch wie sieht denn die Entwicklung während dieser Mittelfrist aus, die sich vom Sonntag, den 1. November bis zum Donnerstag, den 5. November 2026 erstreckt?
Grundsätzlich dominiert an allen Tagen der Mittelfrist eine beständige und kräftige, blockierende Antizyklone über West-, im weiteren Verlauf über Nordwesteuropa, wobei wir an deren östlichen Flanke verweilen.
Am Sonntag passiert ein kräftiger Kaltlufttropfen Tschechien in Richtung Norditalien und bringt dem Südosten Deutschland etwas Nass, wobei sich der Niederschlag an die Alpen legt und dort 24 std. für rund 10 l/qm Nass gut sein könnte (oberhalb von 1000 m mit etwas Neuschnee). Die Schneefallgrenze kann jedoch auch weiter absinken, was vor allem bei stärkeren Niederschlagsraten der Fall wäre (und teils von anderen Modellen so gezeigt wird). Ansonsten dominiert hoher Luftdruck bodennah und besonders über West und Norddeutschland auch hohes Geopotenzial in Form eines Keils in der Höhe. Das heißt zu dieser Jahreszeit für den Großteil des Tages meist trübes Wetter durch Hochnebel, bis in den Vormittag auch durch teils dichten Bodennebel. Zwar lockert der Hochnebel zum Nachmittag etwas auf, gleichzeitig zieht von Nordwesten präfrontal einer von der Nordsee nahenden Kaltfront mehrschichtige Bewölkung auf, die abends im Umfeld der Deutschen Bucht auch für etwas Nass gut ist. Diese Front passiert in der Nacht zum Montag den Norden Deutschlands ostwärts und kommt auch dort zum Liegen. Sie bringt dort flächig etwas Nass. Im Süden klingen letzte Niederschläge am Alpenrand ab und nachfolgend verläuft die Nacht teils klar (Südwesten), teils hochnebelartig bedeckt.
Am Montag ist der kräftige Kaltlufttropfen zwar abgezogen und bildet sich zu einem umfangreichen Mittelmeertief um (Unwetterpotenzial am zentralen/östlichen Mittelmeer), der Keil vom Sonntag ist aber bereits wieder Geschichte und es macht sich niedriges Geopotenzial über Deutschland breit (Entwicklung einer umfangreichen Rossby-Welle über Skandinavien bis zum zentralen Mittelmeer reichend und per downstream-development stromab der blockierenden Antizyklone über Nordwesteuropa initiiert). In diesen umfangreichen Trog eingebettet wird nach heutiger Leseart ein weiterer, kleiner Kaltlufttropfen über Norddeutschland südwestwärts geführt. Allerdings wird dieses Szenario zum ersten Mal gezeigt, sodass die Zuversicht diesbzeüglich noch gering ist. Die Folge wäre eine Kaltlufttropfenpassage über der in Norddeutschland liegenden Kaltfront, sodass insgesamt im Norden und Westen ein bedeckter und wechselhafter Tag zu erwarten wäre, während über der Mitte und im Süden Hochnebel und regionale Auflockerungen zu erwarten wären (Alpenrand bedeckt, Mitte durch kompensatorisches Absinken zeitweise Auflockerungen).
Von Dienstag bis Donnerstag sollte sich das umfangreiche Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa sukzessive nach Mitteleuropa ausdehnen, sodass das Ende der Mittelfrist recht stabil und mit dem klassischen "grau bis blau" über die Bühne geht. Wieviel Sonne wir sehen werden hängt allerdings von der bodennah herangeführten Luftmasse ab. Stand heute wäre die Divergenzachse des Keils über Norddeutschland zu finden. Entlang dieser und östlich davon mit viel "grau", im Süden und über der Mitte doch recht häufig mit "blau". Nennenswerte Niederschläge sind keine zu erwarten, vielleicht fällt im Umfeld der Divergenzachse etwas Sprühregen aus dem dichten und vertikal recht mächtigen Hochnebel.
Die Höchstwerte liegen meist bei milden 7 bis 11 Grad, unter hartnäckigem Hochnebel, im Nebel oder anfangs bei mehr Niederschlag im Alpenstau sind aber auch Maxima von um oder etwas unter 5 Grad zu erwarten.
Die Minima liegen zwischen +8 und -4 Grad, wobei auch hier die Bewölkung entscheidet, wie mild/kalt es jeweils wird (frostig am ehesten im Süden und über der östlichen Mitte).
Der von Nord auf Nordost drehende Wind bleibt meist schwach und frischt erst ab Dienstag im Bergland böig aus Ost auf (dank des von Norden steigenden Bodendrucks).
Zum Beginn der erweiterten Mittelfrist ergeben sich keine größeren Änderungen, wenngleich es von Norden allmählich kälter wird.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Entwicklung auf der synoptischen Skala wird innerhalb der jüngsten 5 Modellläufe recht einheitlich gesehen, wenngleich es bei den jeweiligen Protagonisten geringe zeitliche/regionale Diskrepanzen gibt.
Zusammengefasst dominiert eine blockierende Antizyklone über West-, später Nordwesteuropa, die sich im Verlauf dieser Mittelfrist nach Mitteleuropa ausweitet.
So wird ein Kaltlufttropfen zum Beginn der Mittelfrist von Lauf zu Lauf zügiger von Tschechien nach Norditalien gebracht, sodass deren Niederschläge innerhalb dieser Mittelfrist ggf. weiter rückläufig werden. Die noch leicht variable Translation sorgt teils für run-to-run Diskrepanzen von rund 50-80 m bei der Schichtdicke über Südostdeutschland (ggf. neben der Niederschlagsrate auch für die Schneefallgrenze von Interesse).
Ein weiterer, kleinräumiger Kaltlufttropfen über Norddeutschland (Montag zu Dienstag) wird erst seit dem jüngsten Modelllauf in der Ausprägung gezeigt, sodass hier noch von keiner Modellkonsistenz gesprochen werden kann. Der ab Dienstag nachfolgende Geopotenzialanstieg von Nordwesten wird wiederum sehr homogen gezeigt.
AIFS ist im Vergleich zum IFS etwas langsamer mit dem kräftigen Kaltlufttropfen zum Beginn der Mittelfrist und möchte vom nachfolgenden Kaltlufttropfen (Montag/Dienstag) wenig wissen, bevor sich nachfolgend auch hier beide Modelle anpassen. Selbiges ist auch beim Abgleich der Deterministik mit dem IFS-ENS herauszulesen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Beim Blick in die Tiefen der internationalen Modellwelt wird das grobe synoptische Muster ohne Überraschung sehr homogen gezeigt, dominiert doch in allen Modelllösungen die umfangreiche und kräftige blockierende Antizyklone über West-, und später Nordwesteuropa.
Dennoch ergeben sich z.B. bei der Handhabe des Kaltlufttropfens zum Beginn der Mittelfrist (Tschechien-Norditalien ziehend) teils erhebliche Diskrepanzen. EZ ist deutlich schneller als UK10/GFS, liegt allerdings mit ICON auf einer Schiene (in der Spitze rund 700 km Unterschied zwischen beiden Lagern). Das hat natürlich Auswirkungen auf die Niederschlagsmengen am Montag im Südosten (und indirekt auch auf deren Phase im Bergland). Beim Abgleich EZ-GFS ergibt sich gar ein kräftiger Geopotenzialdipol, was in etwa der Diskrepanz von einer Wellenlänge entspricht.
Selbiges gilt für den Kaltlufttropfen von Montag zu Dienstag über Norddeutschland, der von ICON/EZ gezeigt wird, aber nicht von GFS/UK10 (bzw. erfolgt dieser abgeschwächt rund 24h früher).
Die Auswirkungen auf das Wettergeschehen halten sich aber in Grenzen, sodass meist nur die Frage offenbleibt, wo und wann etwas Niederschlag (besonders im Norden und Südosten der Republik) zu erwarten ist.
Nachfolgend passen sich die Modelle wieder an und dies wird z.B. im EZ-GFS Abgleich durch einen deutlichen Rückgang der Diskrepanzen bei der Schichtdicke hervorgehoben.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt mit zwei Clustern und dem einheitlichen klimat. Regime der Blockierung. Beide heben am Sonntag eine umfangreiche Blockierung hervor, die sich vom Nordostatlantik mit Brückenbildung bis zum Ural erstreckt. Südlich davon baut sich eine kräftige Zyklone über dem zentralen Mittelmeer auf und Deutschland verbleibt im Übergangsbereich (allerdings im deutlich antizyklonalen Einfluss).
Von Montag bis Mittwoch dominiert ein Cluster (Blockierung) und es entwickelt sich eine sehr intensive Antizyklone über dem Europäischen Nordmeer (ggf. auf Rekordniveau für diese Jahreszeit). Wir verbleiben an deren Ostflanke zwar im insgesamt antizyklonal geprägten Einfluss, allerdings ist diese Lage besonders zum Beginn auch anfällig für Störungen, wie kleinräumige Kaltlufttropfen, wobei auch dieses Potenzial ab der Wochenmitte mit weiterem Geopotenzialanstieg nachlässt.
Auch im Übergangsbereich der Mittelfrist zur erweiterten Mittelfrist dominiert noch die Blockierung (entsprechend auch das klimat. Regime) mit Zentrum über dem Europäischen Nordmeer, wenngleich diese sukzessive abgeschwächt wird. Mit fallendem Geopotenzial über dem Nordatlantik könnte sich daraus zum kommenden Wochenende eine Omega-Lage entwickeln mit Keileinfluss für West- und Mitteleuropa.
Dieses Szenario wird in der tieferen erweiterten Mittelfrist vom ersten Cluster gezeigt (dominant blockierend), während ein ähnlich stark besetzter zweiter Cluster davon wenig wissen möchte und zunehmenden Trogeinfluss bis nach Mitteleuropa andeutet.
Die Meteogramme zeigen einen geringen Abkühlungstrend bei leicht wechselhafter Witterung, allerdings mit hohem Memberspread dank der noch vorhandenen Restunsicherheit beim Thema "Kaltlufttropfen".
Die Rauchfahnen bei der 850 hPa Temperatur und beim 500 hPa Geopotenzial sind vergleichsweise gut gebündelt mit einem gut eingebetteten Kontrolllauf, der erst in der erweiterten Mittelfrist ans untere Ende der Memberschar wechselt.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist verläuft ohne markante Wettererscheinungen, was auch vom EFI gestützt wird.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-ENS, GEFS, IFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





