Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 07.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Zunächst noch NWz (Nordwest zyklonal), bis Donnerstag Übergang zu NWa bzw. Na (Nordwest/Nord antizyklonal)
Brachialer Sommersturm über der Ostsee - Deutschland am Rande mit weiterhin großen, vor allem thermischen Unterschieden zwischen Nordost und Südwest.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... befindet sich Deutschland am südlichen Rand eines mehrkernigen Tiefkomplex über Skandinavien, dem ein recht flacher, dafür breiter Potenzialrücken über den nahen Atlantik respektive Südwesteuropa gegenübersteht. Macht unter dem Strich eine zyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung, unter der heute die mittlerweile doch ziemlich krasse Zweiteilung nicht nur des Wetters, sondern auch der Temperatur erhalten bleibt. Hochsommer im Südwesten, Frühherbst im Nordosten, so die etwas überspitzt formulierte Kurzformel des aktuellen Geschehens. Doch zunächst zurück zum nordeuropäischen Tiefdrucksystem, bei dem der sonst von tropischen Wirbelstürmen bekannte Fujiwara-Effekt zum Tragen kommt. Heute Morgen können im Potenzialfeld drei Kerne ausgemacht werden: #1 Westnorwegen, #2 Nordschweden, #3 Südfinnland. #2 und #3 verschmelzen im Tagesverlauf zu einem Drehzentrum, während #3 südostwärts Richtung Südschweden steuert. Kurzum, die Kerne bewegen sich um eine virtuelle Drehachse gegen den Uhrzeigerinn, beeinflussen sich dabei und am Ende - jetzt sind wir aber schon am morgigen Mittwoch - geht ein Wirbel auf Kosten des anderen als "Sieger" hervor. In diesem Fall wird das die #3, also der südliche Kern sein, der ganz nebenbei auch noch eine veritable Sommerzyklogenese anstößt.
Womit wir bei der Bodendruckverteilung wären. Auch da lassen sich über Skandinavien mehrere Kerne detektieren, von dem wir uns den entscheidenden herausspicken. Heute früh noch als kleines und unscheinbares 1000-hPa-Tief unweit des Oslofjords gelegen, geht es im Tagesverlauf eine äußerst fruchtbare Symbiose mit der #3 ein. Konkret, das Bodentief gelangt unter die entwicklungsgünstige diffluente Vorderseite des Höhentiefs ("left exit") in einen Bereich mit reichlich Höhendivergenz, der kräftigen Druckfall zur Folge hat. So wird sich der BERNADETTE II getaufte Wirbel (BERNADETTE die Erste befindet sich weit weg westlich von Island) auf seinem Weg zum baltischen Ostseeraum bis Datumswechsel auf etwa 985 hPa!! vertiefen und Teilen der Ostsee einen dicken, fetten Sturm bescheren bis hin zu schweren Sturm-, in Verbindung mit Konvektion vielleicht sogar Orkanböen bescheren. Bleibt zu hoffen, dass die im Sommer zahlreichen Segler und Motorbootfahrer früh genug gewarnt sind und sich von den freien Wasserflächen zurückziehen.
Wir hier in Deutschland bleiben freilich nur am Rande des Sturmtiefs, was aber keinesfalls bedeutet, dass hier nur ein laues Lüftchen über die Lande weht. Der Gradient ist auch in der Peripherie des Sturmwirbels noch solide genug aufgestellt, gestützt übrigens durch JOCHEN, seines Zeichens Hochdruckgebiet über Südwesteuropa und dem nahen Atlantik. Drucktechnisch gehört JOCHEN sicherlich nicht zu den Vollathleten seiner Zunft (vielmehr als 1020 hPa lassen sich nicht finden auf der Wetterkarte), trotzdem leistet auch er seinen Beitrag. Vor allem aber beschert er den Süd- und Westdeutschen einen zwar nicht lupenreinen (dazu ziehen immer wieder mal mehr, mal weniger dichte Wolkenfelder durch), aber doch sehr warmen bis heißen Sommertag mit Temperaturspitzen zwischen 28 und 35°C. Je weiter wir jedoch Richtung Norden und Osten blicken, desto mehr Abstriche gilt es zu akzeptieren: die Wolken werden nicht nur immer dichter, sie werden auch inkontinent. Vor allem zwischen Nordsee und Oder bzw. Neiße fällt immer mal wieder etwas Regen oder Nieselregen, wobei am Nachmittag aber eine abnehmende Tendenz erkennbar ist. Dazu nimmt die Temperatur von SW nach NO graduell ab, so dass am Ende der Fahnenstange zwischen Deutscher Bucht und Uckermark gerade mal schlappe 18 bis 20°C als Höchstwert übrigbleiben.
Im Blickpunkt des heutigen Geschehens steht aber eindeutig der Wind, der im Tagesverlauf aus West bis Nordwest kommend Fahrt aufnimmt und weiten Teilen des Landes Spitzen der Stärke 6 bis 7 Bft beschert. Noch mehr gibt es in höheren Lagen sowie an den Küsten, wo Böen 8-9 Bft, auf dem Brocken sogar 10 Bft auf der Karte stehen. Eine 10 Bft ist am Nachmittag auch auf Rügen nicht gänzlich ausgeschlossen, dann nämlich, wenn die Kaltfront auf den Norden des Landes übergreift. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass sich die gestern ausgegebenen Windwarnungen stark an der ICON-DE-EPS Prognose orientiert haben. Externe Modelle, allen voran IFS, sind 0,5 bis 1 Windstärken aggressiver als die deutsche Modellkette, so dass auch größere Flächen Böen 7 Bft abbekommen würden. Es ist bekannt, dass IFS den Impulstransport von Höhenwinden der unteren Troposphäre häufig übertreibt, insbesondere bei stabiler Schichtung. Heute ist die Schichtung relativ stabil, so dass wir gespannt sein dürfen, was am Ende herauskommt - ein guter Tag, um die Modellprognosen zu verifizieren.
In der Nacht zum Mittwoch, im Grunde schon in den Abendstunden beginnt der Luftdruck von Südwesten her langsam zu steigen, was eine beginnende Aufweichung des Gradienten zur Folge hat. Hinzu kommt der Tagesgang, so dass vom tagsüber noch so mobilen Wind nicht allzu viel übrigbleibt. Insbesondere im Binnenland geht´s schnell zu Ende, während die Maschinen an den Küsten deutlich langsamer gestoppt werden können. Zwar verliert der Wind auch dort an Mobilität, an der Ostsee sowie an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste bleiben aber zumindest einiger 7er-, anfangs auch noch 8er-Böen (Vorpommern) bis zum Frühstück am Start.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die Höhenströmung etwas nach rechts dreht (also aufsteilt), weil a) unsere #3 über die Ostsee gen Baltikum schwenkt und b) der Rücken über dem nahen Atlantik an Amplitude gewinnt. Viele Impulse lassen sich nicht ableiten aus der Höhe, so dass die nach Südwesten vorankommende Kaltfront zwar ´ne Menge Wolken, aber nur wenig Regen generiert. Größere Wolkenlücken gibt es präfrontal im äußersten Süden und Südwesten sowie in der postfrontal einfließenden, deutlich abgetrockneten (PPW um oder unter 15 mm) maritimen Polarluft (mP; Rückgang T850 auf 8 bis 5°C).
Mittwoch... bleibt uns die zunehmend indifferent konturierte nordwestliche Höhenströmung erhalten. Nennenswerte Hebungsimpulse sind weiterhin nicht auszumachen, so dass wir unseren geschulten Blick rasch auf die Verhältnisse in der untersten Troposphäre lenken können. Dort nistet sich das Sturmtief über dem baltischen Festland ein, wo es sich langsam aber sicher auffüllt. Der Restgradient an der Südwestflanke reicht aber noch aus, um im Norden und Osten des Vorhersageraums einen mitunter böig auflebenden, mit heute aber nicht mehr vergleichbaren Nordwestwind zu initiieren. Böen 7 Bft fokussieren sich auf einige Küstenabschnitte (vor allem Nordsee SH, Fehmarn, Ostsee Vorpommern) nebst angrenzenden Binnenland sowie auf höhere Lagen oder Leelagen der Mittelgebirge.
Darüber hinaus gilt es die Kaltfront zu erwähnen, die in ihrem Ostteil den Süden erreicht, von dort aber Richtung Deutsche Bucht zurückhängt respektive in die Warmfront eines Tiefdrucksystems über Nordwesteuropa übergeht, in dem auch BERNADETTE I drinhängt. An bzw. in der Peripherie der Front bleibt es längere Zeit stark bewölkt oder gar bedeckt, bevor zum Nachmittag und Abend zunehmende Auflockerungstendenzen sichtbar werden. Hier und da fällt etwas Regen oder Nieselregen, am östlichen Alpenrand (Stau) auch länger und etwas mehr (um 5 l/m²). Dort spukt in einigen Modellen sogar die Idee von einem Gewitter herum, was zwar nicht besonders wahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Eine bei 600 bis 550 hPa vorhandene Sperrschicht, die dort anzutreffenden -7/-8°C sowie die rasche und deutliche Abtrocknung darüber sind alles Argumente, die gegen elektrische Überentwicklungen sprechen. Ansonsten zeigt sich sowohl im äußersten Südwesten (27 bis 32°C) als auch im postfrontalen Nordosten (21 bis 25°C; direkt an der See etwas darunter) zeitweise die Sonne.
In der Nacht zum Donnerstag schiebt sich der Höhenrücken dichter an den Vorhersageraum heran. Im Bodendruckfeld macht sich das kaum bemerkbar, bleibt doch das Niveau auf vergleichsweise bescheidenen 1014 bis 1018 hPa stehen. 4 hPa Unterschied implizieren - und das völlig zu Recht -, dass beim Wind nun auch an den Küsten nicht mehr viel geht. Was natürlich auch daran liegt, dass sich das ehemalige Sturmtief weiter auffüllt. Schwer hat es die Kaltfront, die sich dem Druck des Rückens wird beugen und von der Wetterkarte verschwinden müssen. Bewölkungsrückgang bzw. -auflösung machen weitere Fortschritte, allerdings mit zwei Ausnahmen: Im Süden/Südosten, gerade Richtung Alpen (Stau), bleibt es gebietsweise dicht bewölkt. Am Alpenrand tröpfelt es hier und da sogar noch ein wenig. Zudem ziehen von der Nordsee dichte und ausgedehnte SC-/ST-Felder landeinwärts, wobei noch nicht ganz klar ist, wie weit. Thermisch geht´s deutschlandweit runter auf 17 bis 11°C.
Donnerstag... ist die Wettergeschichte relativ schnell erzählt. Der Rücken rückt noch etwas dichter an Deutschland heran, bleibt mit seiner Achse aber trotzdem noch knapp westlich von uns positioniert. Die inzwischen auf Nord-Nordwest gedrehte Höhenströmung wird immer schwächer und kann bei den synoptischen Betrachtungen vernachlässigt werden. Bodennah gelangen wir in den gradientschwachen Bereich eines wabbeligen, vom nahen Atlantik nach Mitteleuropa gerichteten breiten Hochkeils, der keine 1020 hPa auf die barische Waage bringt. Unter gütiger Mithilfe des Rückens langt das aber, um weite Teile Süd- und Westdeutschlands mit viel Sonne und sommerliche Wärme oder Hitze zu versorgen (Tmax 26 bis 33°C). Lediglich in Ost- und Südostbayern ist der Wolkenanteil etwas höher. Die meisten Wolken allerdings ziehen von der Nordsee bzw. Norddeutschland (wir erinnern uns, in der Nacht ist Stratus und Stratocumulus reingezogen) südostwärts in Richtung Erzgebirge, was typisch für diese Strömungskonstellation ist. Vereinzelt fallen sogar ein paar zaghafte Tropfen. Richtung Ostsee, insbesondere gen Vorpommern und von dort runter bis in den Berliner Raum und die Lausitz nehmen die Sonnenanteile wieder zu. Temperaturen in der NO-Hälfte 20 bis 27°C.
Die Nacht zum Freitag bringt vielerorts gering bewölkte oder klare Verhältnisse. Einzig im besagten Korridor Nordsee-Erzgebirge bleibt es gebietsweise wolkig oder stark bewölkt. Dort, wo es länger aufreißt, kann sich (flacher) Nebel bilden. 19 bis 11°C, in einigen Ballungszentren im Südwesten lokal auch schon mal wieder 20°C.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Basisfelder werden von den Modellen sehr ähnlich gerechnet. Es sind die bekannten Unterschiede, die auftreten. Nimmt man den Vergleich ICON vs. IFS, dann bietet IFS sowohl etwas mehr Wind als auch etwas mehr Niederschlag an. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Gleichwohl wurde sich im Windwarnmanagement etwas mehr ans IFS orientiert und somit das Rundum-Sorglos-Paket gebucht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 07.07.2026 um 10.30 UTC
Blockade ohne Ende - überwiegend ruhiges Hochdruckwetter mit leicht zyklonalen Einschüben allenfalls im Nordosten. Dort warm bis sehr warm, im Südwesten dagegen durchgehend heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 14.07.2026
Im gesamten Mittelfristzeitraum befindet sich Deutschland quasi durchgehend an der Ostflanke eines sich ständig regenerierenden Höhenrückens, der sich in etwa vom westlichen Mittelmeerraum über Frankreich bis zu den Britischen Inseln, in Form von Höhenkeilen zeitweise auch Richtung Skandinavien (anfangs) bzw. Nordmeer (im Verlauf) erstreckt.
Positiv zu bemerken sei an dieser Stelle, dass die Rückenachse voraussichtlich bis in die erweiterte Mittelfrist so weit westlich von uns positioniert bleibt, dass uns die größte Hitze wohl nicht tangiert - dennoch steht vor allem im Südwesten durchaus eine mehrtägige Hitzewelle ins Haus. Nur eben nicht mit Maxima von 35 bis über 40 Grad, sondern im Mittel etwa 5 K weniger. Negativer Aspekt dieser Konstellation ist natürlich die Dürre, die vor allem im Südwesten (der Nordosten bekommt ja zumindest in der Kurzfrist noch einige, wenn auch wenig ergiebige Niederschläge spendiert) Probleme bereiten dürfte.
Nun denn, beginnen wir mit einem Blick auf die Geopotenzialverteilung zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Freitag. Unser Höhenrücken reicht vom westlichen/zentralen Mittelmeerraum über Frankreich und Benelux bis nach England bzw. zur Nordsee, während gleichzeitig ein recht markanter Höhentrog vom Raum Island zum Nordmeer vorstößt. Auf dessen Vorderseite kann sich durch WLA vorübergehend ein kräftiger Höhenkeil nach Skandinavien ausweiten. Rücken und Keil stützen eine von den Azoren bis nach Skandinavien reichende Hochdruckzone, innerhalb derer sich eine eigenständige, vom Seegebiet westlich von Schottland bis zur Norwegischen See reichende Hochdruckparzelle etabliert. Davon ausgehend, reicht ein Hochkeil über die Nordsee hinweg südostwärts und weitet sich langsam Richtung Mitteleuropa aus. An deren Ostflanke gelangt trockene und mäßig warme bis warme Luft aus dem skandinavischen Raum in den Norden und Osten Deutschlands (T850 hPa 10 bis 14 Grad), während sich die ebenfalls recht trockene Luft im Südwesten des Landes durch Absinken in Rückennähe deutlich erwärmen kann auf Werte zwischen 16 und 20 Grad in 850 hPa, im äußersten Südwesten eventuell auch darüber. Dort scheint quasi durchgehend die Sonne, selbst im Schwarzwald und an den Alpen dürfte es kaum mal für einen Schauer oder ein Gewitter reichen. Es wird heiß mit 29 bis 34 Grad. Über den Norden und Osten ziehen dagegen ab und zu mal Wolkenfelder, es sollte aber weitgehend trocken bleiben bei angenehmen 24 bis 28 Grad, an den Küsten bei auflandigem Wind um 20 Grad.
Am Wochenende stößt der Höhentrog vom Nordmeer nach Skandinavien vor, verliert dabei aber an Kontur. Der vorgelagerte Keil wird rasch abgebaut, dafür wird der Rücken über den Britischen Insel regeneriert mit einem am Sonntag bis ins Seegebiet östlich von Island gerichteten Höhenkeil. Die nach wie vor antizyklonale Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet dreht mehr auf Nordwest, wobei ein flacher Randtrog knapp östlich des Vorhersagegebietes, über Polen hinweg, südostwärts geführt wird.
Das Bodenhoch kann sich über dem Seegebiet nördlich von Schottland, über der Norwegischen See und der Nordsee weiter verstärken (nahe 1035 hPa), ebenso wie der ins Vorhersagegebiet gerichtete Keil. Gleichzeitig etabliert sich durch das Überströmen des Norwegischen Küstengebirges ein Bodentrog über Südskandinavien und schwenkt langsam südwärts Richtung Polen und Nordostdeutschland. Mit diesem gelangen zwar zeitweise lockere Wolkenfelder in den Norden und Osten des Landes (am Sonntag mehr als am Samstag), es bleibt aber weitgehend trocken. In den Südwesten und Süden sickert dagegen eine etwas feuchtere und potenziell instabile Luftmasse. An der Ostflanke des Rückens gelegen dominiert aber weiterhin großräumig Absinken, so dass es höchstens an den Alpen bzw. im Schwarzwald eventuell für einzelne Gewitter reicht, die dann kräftig ausfallen können. Meist bleibt es dort aber trocken und sonnig. An der Temperaturverteilung ändert sich an beiden Tagen nur wenig. Nach wie vor bleibt es im Westen und Süden heiß mit 29 bis 34, am Oberrhein vielleicht auch 35 Grad, während im Norden und Osten 24 bis 28 Grad, an den Küsten bei auflandigem Wind etwas mehr als 20 Grad erreicht werden. Wie weit genau die 30 Grad-Isotherme nach Nordosten reicht, ist noch unklar. Die Nächte bleiben im Norden und Osten angenehm frisch. Auch im Süden und Westen fallen sie nicht so flächendeckend warm aus wie bei der letzten Hitzewelle, dazu ist die Luft zu trocken. Dennoch werden dort in mittleren Höhenlagen und in einigen Ballungszentren die 20 Grad kaum unterschritten.
Zu Beginn kommender Woche ändert sich an der großräumigen Konstellation kaum etwas. Insgesamt ist der Höhenrücken über Westeuropa nicht mehr ganz so robust aufgestellt und wird von kurzwelligen Troganteilen bzw. kleinen Höhentiefs quasi umlaufen, ehe er sich zu Wochenmitte über dem Nordmeer und Westeuropa wieder regeneriert. Somit bleibt es bei der überwiegend antizyklonal konturierten nordwestlichen Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet. Auch unser Bodenhoch über der Norwegischen See bzw. nördlich von Schottland zeigt wenig Verlagerungstendenz. Am Dienstag simuliert der aktuelle IFS-Lauf die Passage eines etwas schärfer konturierten Kurzwellentroges über der südlichen Ostsee, der über Polen abtropfen soll. Nach wie vor bleibt der Einfluss dieser Gebilde auf die Wetterentwicklung hierzulande aber gering, außer Wolkenfelder und nicht mehr ganz so warme Luft ist nicht viel zu erwarten, Niederschläge hat kein Modell auf der Agenda.
Allerdings simuliert IFS am Montag und Dienstag im Nordosten vorübergehend 850 hPa-Temperaturen von unter 10 Grad.
Im Südwesten bleibt dagegen alles beim Alten. T850 hPa bleibt dort über 15 Grad, im äußersten Südwesten zeitweise auch um 20 Grad, dazu beschränken sich einzelne kräftige Gewitter - so sie denn überhaupt auftreten - wohl auf den Alpenrand und den Schwarzwald. Ansonsten scheint dort überwiegend die Sonne.
Nichts Neues auch in der erweiterten Mittelfrist. Allerdings zeigen Höhenrücken und Bodenhoch eine leicht retrograde Verlagerungstendenz und nach Lesart des aktuellen IFS-Laufes soll am Donnerstag ein etwas schärfer konturierter Randtrog sogar auf den Nordosten Deutschlands übergreifen. Wirklich nennenswerte Niederschläge hätte aber auch der nicht im Gepäck und für den Rest des Landes wäre der sowieso fast irrelevant.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die letzten IFS-Läufe unterscheiden sich kaum voneinander und bieten bis in die erweiterte Mittelfrist keine Alternativlösungen. Lediglich der zeitliche Ablauf und die Wetterwirksamkeit eventueller Randtröge, die vor allem ab Wochenbeginn meist knapp östlich des Vorhersagegebietes nach Südosten geführt werden, werden mit geringen Differenzen simuliert, die aber kaum Auswirkungen auf die Niederschlagsprognosen haben, sondern eher auf die Wolken- und Temperaturprognosen insbesondere im Norden und Osten des Landes.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die vorliegenden Globalmodelle bieten keine Alternativlösungen und unterscheiden sich bis zu Beginn kommender Woche nur um Nuancen, was die Temperatur- und Wolkenprognosen angeht.
In der erweiterten Mittelfrist ab Mitte kommender Woche werden die Differenzen zwischen GFS, IFS und GEM dann ein wenig größer. Insgesamt sind GEM und GFS dann etwas antizyklonaler aufgestellt als IFS und haben die Passage eines etwas wetterwirksameren Randtroges am Donnerstag - der auch die größte Hitze im Südwesten vorübergehend etwas abdrängen würde, so nicht auf der Agenda. Im Gegenteil - vor allem GFS simuliert im Südwesten/Süden sogar eine Verschärfung der Hitzewelle (bis 25 Grad in 850 hPa) und auch im Norden bzw. Osten etwas höhere 850 hPa-Temperaturen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden sind die ENS-Member erstaunlicherweise in fünf Cluster unterteilt, die allesamt ein sehr ähnliches Muster mit blockierenden Hochs über Nordwesteuropa und einem Trog bzw. Höhentief über Osteuropa aufweisen (Regime: "Blocking"). Für die Wetterentwicklung hierzulande sind die marginalen Unterschiede jedenfalls nicht von Belang.
Der nächstfolgende Zeitraum (120 bis 168 Stunden) hat dagegen erwartungsgemäß nur noch einen Cluster auf der Agenda mit einem dominanten Rücken über West-/Nordwesteuropa und dem dafür klassischen Nordmeerhoch (Regime weiterhin "Blocking").
Wie bereits in den vorherigen Abschnitten besprochen, lassen sich alternative Lösungen zum Hauptlauf erst in der erweiterten Mittelfrist (Zeitraum 192 bis 240 Stunden) finden. 3 Cluster sind dann im Angebot: CL 1 (21 Member) fährt nach wie vor eine eher antizyklonale Variante, wobei sich die Achse des Rückens nun dem Vorhersagegebiet annähert und dem Südwesten starke Hitze (35 Grad und mehr) bescheren könnte, ähnlich wie die GFS-Lösung.
CL 2 (18 Member) zeigt eine deutlich retrograde Verlagerung des blockierenden Rückens (Regime nun sogar "atlantic Ridge") und einen Trogvorstoß Richtung Südskandinavien/südliche Ostsee. Von Nordwesten her würden dann zumindest in den Norden und Osten deutlich kühlere Luftmassen vordringen und auch aus dem Südwesten wird die Hitze zumindest abgemildert. Für wirklich nennenswerte Niederschläge haben diese Luftmassen allerdings einen zu geringen Gehalt an niederschlagbarem Wasser.
CL 3 (12 Member) hat ebenfalls eine leicht retrograde Verlagerung des Rückens auf der Agenda, allerdings bleibt das Grundmuster bei uns eher antizyklonal. Der Hauptlauf lässt sich somit wohl am ehesten zwischen CL 2 und 3 einordnen.
Die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der einzelnen Member in den Rauchfahnen für verschiedene Gitterpunkte verläuft generell bis zum Wochenende in einem engen Spread. Bei vor allem im Norden leicht zurückgehenden Median wird der Spread dann zu Beginn kommender Woche etwas größer und einige Member liefern vor allem im Nordosten (meist allerdings spärliche) Niederschlagssignale. Ab Wochenmitte tauchen dann auch in den süddeutschen Gitterpunkten hier und da mal wenige Niederschläge auf. Vor allem aber wird der Spread der 850 hPa-Temperatur dann deutlich größer. Einige wenige Member haben im Norden und Osten durchaus auch recht kühle Varianten auf der Agenda mit unter 5 Grad in 850 hPa, die meisten Member bündeln sich aber im Bereich zwischen 8 und 12 Grad. Nach Südwesten zu bleibt es wärmer mit sehr heißen Einzellösungen zwischen 20 und 24 Grad, im Median aber meist zwischen 13 und 17 Grad.
FAZIT:
Blockade bleibt Trumpf, wohl auch bis in die erweiterte Mittelfrist. Die anhaltende Trockenheit dürfte vor allem im Westen und Süden problematisch werden, zudem bleibt es dort heiß, wenngleich uns die größte Hitze erspart bleibt.
Im Norden und Osten steht dagegen meist angenehmes Sommerwetter ins Haus, allerdings auch dort wohl ohne nennenswerte Niederschläge.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Mal abgesehen von einer erhöhten Wärmebelastung in der Südwesthälfte stehen kaum signifikante Wettererscheinungen auf der Agenda.
Lediglich am Alpenrand und im Schwarzwald ist zum Wochenende und wohl auch zu Beginn kommender Woche von einer leicht erhöhten Gewitterwahrscheinlichkeit auszugehen. Diese Gewitter fallen dann meist markant aus, bzgl. Hagel und Starkregen sind Unwetter aber nicht ausgeschlossen.
Die anhaltende Trockenheit und die damit einhergehende, hohe, im Südwesten wohl auch extreme Waldbrandgefahr dürfte da eher Probleme bereiten. Ein Ende ist weit und breit nicht in Sicht.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





