Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 19.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Leicht unbeständige und teils windige Nord- bis Nordwestlage mit Schauern, Gewitter und Starkregen anfangs im Nordosten möglich, mäßig warm bis warm.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... wird es bezüglich des Warnmanagements ruhiger. Die letzten Reste der hoch energetischen Luft wurde nun südostwärts aus Deutschland herausgeschoben. Somit übernimmt nun eine weniger warme und deutlich trockenere Luft das Wettergeschehen. Am heutigen Abend sind demnach insgesamt noch drei Baustellen mit zwei verschiedenen Parametern zu verzeichnen. Der Grund für das anhaltende warnwürdige Wetter mit geringerer Intensität ist ein breiter Trog, der langsam ostwärts über Deutschland hinwegschwenkt und bodennah mit einem Tief über der westlichen Ostsee einhergeht. Resultieren liegen hochreichend zyklonale Bedingungen vor. Gleichermaßen ist die Luft über der Osthälfte des Landes weiter leicht labil geschichtet. Den Unterschied, ob es einzelne Schauer oder Gewitter gibt oder weitgehend ruhig bleibt machen meist kurzwellige Anteile im Trogbereich. Diese sorgen über dem Nordosten und Südosten durch PVA für zusätzliche Hebung. Während im Nordosten bei nahezu keiner Scherung zahlreich Gewitter aufpoppen und nach kurzer Lebensdauer wieder zusammenfallen, dafür aber insgesamt einen verclusterten Gewitterkuchen abbilden, sind die Gewitter im Südosten bei relevanter Scherung linienförmig organisiert und länger lebend. Ohne nennenswerten Höhenwind und durch eine gewisse Zuggeschwindigkeit reichen im Süden aber 15 bis 20 mm PPW meist nicht für eine markante Warnung vor Starkregen aus. Im Nordosten sind die PPWs etwas höher, die Zuggeschwindigkeit niedriger und das Risiko für Mehrfachtreffer gegeben, sodass dort durchaus die Starkregenschwelle überschritten wird. Während mit Abzug des kurzwelligen Anteils sowie weiterer Abtrocknung im Süden schon in der Nacht die Luft raus ist und die Gewitter Geschichte, bleibt die konvektive Aktivität im Nordosten und Osten erhalten. Dort kann sich das hochreichende Tief, welches langsam entlang der polnischen Ostseeküste ostwärts wandert noch direkt auswirken und zusammen mit etwas PVA ausreichend Hebung induzieren. Während im Umfeld der Ostseeküste auch einzelne Gewitter möglich sind, sollte es sich weiter ins Binnenland bis nach Brandenburg aber meist nur um Schauer bzw. schauerartigen Regen handeln. Ansonsten sind auch ausgehend von der Nordsee durch den auflandigen Wind schauerartige Niederschläge zu erwarten, die sich unter Abschwächung südostwärts über Niedersachsen ausdehnen können. Warnwürdig bleiben dabei aber wohl nur die Gewitter sowie potentieller Starkregen. Diese beiden Parameter sind dabei unabhängig voneinander zu betrachten, da durch mögliche Schauerstraßen vor allem in MV auch ohne Gewitter Starkregen nicht auszuschließen ist.
Der dritte Parameter im Bunde wäre der Wind. Aufgrund des hochreichenden Tiefs kam und kommt es zu einer Gradientverschärfung, die vor allem im Küstenumfeld zu steifen, exponiert auch stürmischen Böen führt. Weiter im Binnenland sind einzelne niedrige steife Böen bevorzugt in Schauernähe ebenfalls möglich, eine großräumige Bewarnung würde aber zu einer deutlichen Überwarnung führen, sodass davon abgesehen wurde und wird.
Montag ... verlagert sich das hochreichende Tief zwar entlang der Ostseeküste weiter zum Baltikum, dessen Einflussbereich reicht aber weiter bis in die Nordosthälfte Deutschland. Herumgeholte Warmluft labilisiert die Schichtung und ist auch mit ordentlich Feuchte angereichert. Gleichermaßen spielen zeitweise auch wieder kurzwellige Anteile mit, welche die Hebung zusätzlich anheizen. Resultierend sind in der Nordosthälfte des Landes schauerartige Niederschläge zu erwarten, die örtlich mit einzelnen Gewittern garniert werden. Gebietsweise kann bei PPWs von 24 bis 30 mm in kurzer Zeit oder mehrstündig Starkregen auftreten. Im Nordwesten und Teilen der Mitte sind einzelne Schauer ebenfalls nicht ausgeschlossen. In der Nacht zum Dienstag klingen die Niederschläge ab bzw. ziehen nach Polen und Tschechien raus. Im Süden und Südwesten sorgt dagegen schon ein Hochkeil für Absinken und trockene Bedingungen. Allenfalls an den Alpen können sich orografisch bedingt Wolken aufbäumen und vielleicht auch etwas Regen abladen. Neben den Gewittern als Warnparameter bleibt auch der Wind ein Thema. Im Ostseeumfeld sowie der schleswig-holsteinischen Nordseeküste sind weiter steife, exponiert stürmische Böen zu erwarten. Zudem gibt es Hinweise, dass auch von MV bis nach Brandenburg Konvektion getriggert steife Böen möglich sind. Ob die Signifikanz für eine größere Windwarnung ausreicht, müssen die Frühdienste am Montag klären.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... sind vor allem im Süden und Osten durch den ostwärts verlagernden Trog weiter zyklonale Strömungsbedingungen zu verzeichnen, während der Westen und Norden zunehmend antizyklonal gekrümmt daherkommen. Bodennah kann sich korrelierend zum Rücken über dem Nordatlantik und Nordwesteuropa ein Hoch aufplustern und schon über weitere Teile West- und Mitteleuropas ausdehnen. Entsprechend halten sich bevorzugt von Bayern bis nach Mitteldeutschland noch dichtere Wolkenfelder, die lokal begrenzt auch noch ein paar Spritzer Regen bringen können. Ansonsten überwiegt schon Absinken und Abtrocknung. Auch der Wind legt tagsüber eine Verschnaufpause ein und sollte nicht mehr wanrwürdig ausfallen.
In der Nacht zum Mittwoch kommt dann aber schon wieder ein neues Tief auf das Spielfeld. Gekoppelt an einen markanten Kurzwellentrog über Norwegen/Schweden kann ein Bodentief über dem Skagerrak wirbeln und auf seiner Westflanke einen Frontenzug südwärts schieben. Einhergehend nehmen auch über Norddeutschland die Hebungsimpulse zu, sodass vor allem im Küstenumfeld und dem angrenzenden Binnenland erste schauerartige, nicht warnwürdige Niederschläge auftreten können. Mit der Tiefentwicklung verschärft sich aber auch der Gradient wieder, sodass der Wind wieder spürbar zulegen kann. Im Nordseeumfeld sind resultierend steife bis stürmische Böen, auf den nordfriesischen Inseln auch Sturmböen möglich. An der Ostsee weht der Wind noch überwiegend Küstenparallel, sodass dort wohl nur gebietsweise schon steife Böen auftreten sollten.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die großskaligen Geopotential- und Luftdruckmuster vergleichbar. Auch bei der räumlichen Einordnung potentieller Niederschläge sind kaum Unterschiede zu verzeichnen. Geringe Abweichungen sind allenfalls bei möglichen Schauerstraßen mit potentiellem Starkregen in der Nacht zum Montag zu erkennen. Zudem simulieren die externen Modelle den Wind etwas schwächer als die deutsche Modellkette.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 19.07.2026 um 10.30 UTC
In der Osthälfte zeitweise Gewitter, im Westen und Südwesten Fortbestand der Trockenheit, am Wochenende deutlich wärmer.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 26.07.2026
Mit Beginn der Mittelfrist am Mittwoch befindet sich Deutschland am Westrand eines Langwellentroges über Mittel- und Osteuropa. Ein flacher Höhenkeil läuft über Deutschland nach Südosten ab. Von Nordwesten stößt ein neuer Troganteil nach Südosten vor und erreicht Norddeutschland. Ein Tief im Lee des Skandinavischen Gebirges zieht zur südlichen Ostsee. An den Küsten kommt es zu einer deutlichen Windauffrischung. Der West- bis Nordwestwind erreicht in Böen Windstärke 8, im norddeutschen Binnenland gebietsweise Bft 7. Sein Ausläufer erreicht den Norden Deutschlands und führt dort zu Niederschlägen, die im Nordosten teils gewittrig sind. Die eingeflossene Meeresluft kann sich im Süden unter dem Keil auf bis zu 13 Grad in 850 hPa erwärmen, im Norden liegen die Temperaturen auf diesem Niveau zwischen 5 und 8 Grad.
Am Donnerstag schwenkt der Trog nach Südosten, von Nordwesten erreicht in der Nacht ein Keil Deutschland. Das Tief über der südlichen Ostsee zieht unter Abschwächung ostwärts. Vor allem im Osten kommt es unter der höhenkältesten Luft (bis zu -20 Grad in 500 hPa) zu Schauern und Gewittern, sonst überwiegt unter Hochdruckeinfluss freundliches Wetter.
Am Freitag liegt Deutschland unter einem Höhenkeil. Am Boden herrscht ebenfalls Hochdruckeinfluss, die Druckgegensätze sind gering. Im Nordosten können sich flache Schauer entwickeln. Sonst bleibt es trocken und vor allem im Südwesten ist es sonnig. Die Einstrahlung sorgt für eine Erwärmung der eingeflossenen Meeresluft - im Süden auf bis zu 16 Grad, im Norden auf 6 bis 10 Grad in 850 hPa.
Am Samstag stößt die Frontalzone wieder nach Mitteleuropa vor. Unter allmählichem Abbau des Geopotenzials nähert sich von Nordwesteuropa ein Trog. Noch verbleibt Deutschland auf dessen Vorderseite in einer südwestlichen bis westlichen Höhenströmung. Randtröge gestalten das Wetter im Nordseeumfeld zunehmend unbeständig. Sonst herrscht noch Hochdruckeinfluss. Statt eines Nordost-Südwest-Gradienten der Temperatur stellt sich ein Nordwest-Südost-Gefälle ein: um 8 Grad in 850 hPa an der Nordsee und bis zu 19 Grad am Alpenrand. Über den Alpen wird die Luft feuchter und damit instabiler. Örtlich sind dort kräftige Gewitter wahrscheinlich. Ein Höhentief nordwestlich von Portugal zieht zum Nordwestteil der Iberischen Halbinsel und wird vorerst nicht vom Trog über Nordwesteuropa eingefangen.
Am Sonntag amplifiziert der Trog über Westeuropa. Die Höhenströmung über Mitteleuropa steilt auf. Ein Kurzwellentrog schwenkt über den Nordwesten Deutschlands nordostwärts. Die Temperaturunterschiede über Deutschland sind groß. In 850 hPa liegt die Temperatur zwischen 9 Grad an der Nordsee und 20 Grad am östlichen Alpenrand. Der Trog über Westeuropa stellt eine Verbindung zum Höhentief über Spanien her; es wird allmählich eingegliedert.
Am Montag und Dienstag schwenkt der Trog langsam nach Deutschland. Von Westen kommt es zu einem markanten Luftmassenwechsel. Am Dienstag strömt mäßig warme Meeresluft nach Deutschland. Das Ganze geschieht nicht ohne kräftige Konvektion. Sich Details anzuschauen, ergibt angesichts der zeitlichen Entfernung keinen Sinn.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch ist die Konsistenz zu den Vorläufen gut. Einheitlich wird ein Trog über Mitteleuropa und ein flacher Keil über Deutschland simuliert. Ein Tief liegt über Westrussland, ein umfangreiches Hoch über dem Ostatlantik. Ein Randtrog schwenkt von der Norwegischen See südostwärts und löst eine Zyklogenese im Lee des Skandinavisches Gebirges aus. Das Tief zieht bis Donnerstag nach Nordpolen. Der Trog über Mitteleuropa verstärkt sich. Die Konsistenz ist weiterhin gut. An den Folgetagen schwenkt der Trog nach Osteuropa, von Westen folgt ein Keil des Atlantikhochs nach. Dies geschieht etwas schneller als im gestrigen Morgenlauf. Am Wochenende nehmen die Unterschiede zu. Nach den beiden neuesten Modellläufen greift das Frontensystem eines Skandinavientiefs auf Deutschland über. Ein Tief bei Portugal wird anders als in den Vorläufen nicht nach Frankreich geführt und nimmt so keinen Einfluss auf das Wetter in Deutschland.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle simulieren die Entwicklung zunächst sehr ähnlich. Größere Unterschiede ergeben sich ab Samstag: Zum einen in der Frage, inwieweit von Nordwesten Frontensysteme auf Deutschland übergreifen - ICON ist da deutlich schneller und kräftiger in der Entwicklung - zum anderen wird bei GFS und UKMO das Tief bei Portugal eingefangen und nach Frankreich geführt, bei ICON und IFS nicht.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
CLUSTERUNG:
Für Mittwoch und Donnerstag gibt es vier Cluster, die alle dem Regime "Atlantic Ridge" angehören. Die Unterschiede für Deutschland sind gering.
Für Freitag bis Sonntag gibt es drei Cluster. Das Regime wechselt bei allen von "Atlantic Ridge" auf "NAO positiv". Die Unterschiede nehmen ab Samstag deutlich zu. Die Ausweitung des Troges über Nordwesteuropa nach Süden wird unterschiedlich simuliert, ebenso wird das Höhentief bei Portugal unterschiedlich schnell eingefangen. Für Deutschland steht aber in jedem Cluster eine zyklonale Vorderseite am Wochenende an.
Für den Wochenanfang gibt es weiterhin drei Cluster, die weiterhin fast ausschließlich dem Regime "NAO positiv" zugeordnet. Deutliche Unterschiede ergeben sich in der Struktur des Westeuropatroges und in der Verlagerungsgeschwindigkeit nach Osten. Auch eine anhaltende Trogvorderseite wird gezeigt.
RAUCHFAHNEN:
Für das Geopotenzial in 500 hPa zeigt sich zu Beginn am Mittwoch und Donnerstag ein Minimum mit dem Trogdurchgang. Nachfolgend ergibt sich ein Anstieg, der deutschlandweit vom Ensemble gezeigt wird. Ab Freitag sinkt das Geopotenzial, die Unsicherheit in Stärke und Geschwindigkeit der Abnahme ist jedoch groß.
Die Temperatur in 850 hPa steigt von relativ niedrigem Niveau bis zum Wochenende deutlich an, wobei der Anstieg im Süden stärker ist. Das erreichte Niveau ist deutlich höher als im Norden. Ab dem Wochenwechsel sinkt das Ensemblemittel deutschlandweit wieder. Die Streuung nimmt ab dem Wochenende zu und ist Anfang kommender Woche groß.
Niederschläge sind im Südwesten und Westen weiter Mangelware, erst ab Sonntag nehmen dort die Signale zu.
FAZIT:
Zur Wochenmitte erreicht ein neuer Schwall kühler Meeresluft den Norden und Osten, an den Küsten gibt es das nächste Windereignis, im Osten Kaltluftgewitter. Der Südwesten wartet dagegen weiter auf Regen. Zum Wochenende gelangt Deutschland auf die Trogvorderseite, sodass in den Süden und Osten sehr warme bis heiße Luftmasssen geführt werden. Ab Sonntag sorgt der sich nähernde Trog zunehmend für Schauer und Gewitter.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
EFI:
WIND:
Am Mittwoch gibt es für den im Norden, vor allem Schleswig-Holstein, Hinweise auf ein Ereignis am oberen Ende des Modellklimas.
EPS:
Am Mittwoch geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 an der Nordsee, abschnittsweise geringe Wahrscheinlichkeiten an der Ostsee.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





