Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 04.05.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Mitte und Süden wiederholt kräftige Schauer und Gewitter, teils mehrstündiger Starkregen. Höchste überregionale Unwettergefahr durch Starkregen in der Nacht zum Mittwoch über der östlichen Mitte.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... und den Rest der Kurzfrist ergeben sich keine größeren Diskrepanzen zur Frühübersicht, sodass hier nur auf die Schwerpunkte eingegangen wird.
Heute Nachmittag und Abend passiert eine Kurzwelle Westdeutschland nordwärts. In deren diffluenter Höhenströmung entwickeln sich im Westen/Nordwesten zahlreiche kräftige Schauer und Gewitter, die bei 10 bis 15 m/s hochreichender Scherung, aber nur geringer Labilität rasch verclustern/pulsieren und kurzzeitig kleinkörnigen Hagel bzw. Böen hervorrufen können. Der Hauptparameter heute dürfte aber der Starkregen bei leicht über dem numerischen Klimamittel zu verorteten Feuchtewerten sein. Punktuell ist Starkregen um 20 l/qm/h wahrscheinlich, lokal auch höhere Mengen vorstellbar. Zwei Regionen mit erhöhter Starkregengefahr kristallisieren sich aktuell heraus.
Einerseits peripher des Wellenscheitels im Bereich fokussierter Massenflusskonvergenz, die noch den westlichen Niederrhein und das südliche Emsland tangiert. Hier wird mit wiederholter Zellentwicklung gerechnet, die teils auch ungewittrig stündlichen bzw. mehrstündlichen Starkregen bringt. Kurzzeitig sind Mengen um 25 l/qm in kurzer Zeit möglich, mehrstündig können in der Fläche 15 bis 25 l/qm, punktuell bis 40 l/qm Nass fallen. Dieser Bereich weitet sich im Nachtverlauf ostwärts in Richtung nördliches NRW aus mit langsam zurückgehenden Mengen.
Ein zweiter Schwerpunkt scheint sich im Bereich Siegerland/Sauerland bis ins nordhessische Bergland für den späten Nachmittag/Abend herauszukristallisieren. Einerseits nähert sich im Nachmittagsverlauf von Südwesten verclusternde Konvektion, andererseits entwickeln sich stromab dieser Konvektion über dem Bergland bereits erste Zellen, die recht stationär das Erreichen der Gewitter von Südwesten abwarten (bevor sie per outflow übernommen werden). Diese recht langsam ziehenden Zellen bergen das Potential für heftigen stündlichen Starkregen von 20 bis 30 l/qm in kurzer Zeit.
Ein weiteres Gebiet für lokale Auslöse erstreckt sich im Alpenvorland, wo es dank guter Labilität zum späten Nachmittag/Abend einzelnen abgehobenen Zellen gelingen dürfte nordostwärts zu ziehen. Das Hauptpotenzial dieser Zellen wären markante Böen Bft 8/9 und anfangs auch mal etwas Hagel. Diese Auslöse ist aber insgesamt sehr unsicher und nur örtlich zu erwarten.
Abseits dieser Bereiche bleibt es heute über Norddeutschland peripher der schleifenden Front meist freundlich und trocken mit einigen Schauern (vielleicht mit einem kurzen Gewitter).
Die abendlichen Werte liegen zwischen 20 und 25 Grad im Osten (mit den höchsten Werten Richtung Niederbayern) und sonst niederschlagsabhängigen 12 bis 20 Grad. Abseits von Konvektionsböen weht ein schwacher bis mäßiger, im Nordosten auch böig auffrischender Wind aus West bis Nordwest.
In der Nacht zum Dienstag abseits der anfänglichen Starkregengefahr in Richtung nördliches NRW/westliches Niedersachsen regnet es im Norden teils länger anhaltend mit 5 bis 10 l/qm/12h, bei konvektiver Verstärkung punktuell auch mehr. Ganz im Norden bleibt es trocken und dies ist auch im Süden der Fall, nachdem die einzelnen abendlichen Gewitter unter Nordostverlagerung abgeklungen sind. Über der Mitte bleibt es bewölkt mit einigen Schauern.
Die Minima liegen zwischen 12 und 8 Grad, in Richtung Schleswig-Holstein auch um 2 Grad (dort leichter Frost in Bodennähe nicht ausgeschlossen).
Dienstag ... Fortdauer der wetterbestimmenden Rinne, die quer über Deutschland liegt. An deren Nordrand regnet es besonders im Nordosten noch bis weit in den Tag leicht (4 bis 8 l/qm/12h), im Nordwesten lockert die Bewölkung auf und es bleibt trocken.
Sonst entwickeln sich über der Mitte und dem Süden ab dem frühen Nachmittag im Zuge einer weiteren Kurzwellenpassage zahlreiche kräftige Schauer und Gewitter. Diese entstehen einerseits üppig entlang der Orografie, andererseits im Südwesten zunehmend entlang einer sich organisierenden Bodentiefdruckrinne/Massenflusskonvergenz.
Wenngleich besonders über der östlichen Mitte lokal Hagel/markante Böen bei MUCAPE um 700 J/kg und adäquater Scherung nicht ausgeschlossen werden können, bestimmt doch der Starkregen das Hauptgeschehen dank geringer Zellverlagerung und einer Zunahme der Feuchte innerhalb der Rinne. Markante bis punktuell unwetterartige Niederschlagsmengen sind zu erwarten (Schwerpunkt über der breiten Mitte). Ein moderater Spread innerhalb der Grenzschicht erlaubt wohl im Verlauf eine Verclusterung der Zellen mit temporärem Böenpotenzial (Bft 7 bis 8). Das höchste Böenpotenzial etabliert sich voraussichtlich in Richtung bzw. südlich der Donau, wo sich einzelne Zellen vom westlichen Alpenrand lösen und im Zuge einer nordostwärts verlagernden Druckwelle bei höheren DCAPE-Werten mit Böen nach Nordost ziehen (und im Verlauf aus dem CAPE-Bereich herausziehen und sich dann auch abschwächen).
Die Maxima liegen im Norden zwischen 12 und 16 Grad, sonst zwischen 16 und 26 Grad, mit den höchsten Werten in Richtung Niederbayern. Abseits konvektiver Böen weht ein mäßiger Wind aus West bis Nord (im Umfeld der Rinne).
In der Nacht zum Mittwoch ist entscheidend, wie genau die Geometrie des Bodendruckfeldes innerhalb der Bodentiefdruckrinne ausfällt. Hier dauern die Diskrepanzen weiter an (inklusive der Frage, ob es regional für eine geschlossene Bodentiefzirkulation reicht).
Dennoch wird deutlich, dass die Konvektion vom Tage besonders über der (östlichen) Mitte (Nordhessen/Thüringen bis Brandenburg) unter zögernder Abschwächung und verclusternd entlang der Rinne nach Nordost gedrückt wird (dank persistentem isentropem Aufgleiten auf die normal ausgerichtete Frontfläche). Konvektiv verstärkter Starkregen ist wahrscheinlich mit markanten bis unwetterartige Mengen (ID2 EPS 6 std. mit einem Schwerpunkt von Nordhessen bis Thüringen), die gut und gerne in der Fläche 25 bis 45 l/qm betragen können, punktuell auch deutlich mehr. Sobald sich der Schwerpunkt weiter erhärtet wird die Ausgabe einer Vorabinformation erwägenswert. Diese Wahrscheinlichkeiten weiten sich unter Abschwächung im Verlauf der Nacht nordostwärts in Richtung Sachsen-Anhalt und südliches Brandenburg/Sachsen aus mit einer Fortdauer markanter bis unwetterartiger Mengen innerhalb weniger Stunden.
Über dem Westen regnet es anhaltend, hier aber mit nur geringer konvektiver Verstärkung und 12 std. Mengen von 10 bis 20 l/qm, punktuell auch bis in den markanten Bereich vorstoßend.
Im Norden bleibt es trocken, im Süden klingen die Gewitter rasch, die Schauer zögern ab und nachfolgend verläuft die Nacht regional klar mit geringer Nebelneigung.
Die Minima liegen zwischen 12 und 7 Grad, in Schleswig-Holstein um 4 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... Fortdauer der Unsicherheiten bezüglich der exakten Bodendruckgeometrie innerhalb der sich ostwärts verlagernden Rinne.
Der Nordrand der Rinne bringt Norddeutschland einen Tag mit vielen Wolken und anhaltendem Regen bei 12-std. Mengen von 10 bis 20 l/qm. Der recht stabile Gesamtcharakter sollte konvektive Umlagerungen unwahrscheinlich werden lassen, sodass mit keinen größeren Mengenabweichungen zu rechnen ist.
Südlich davon (die Mitte, den Süden und Osten betreffend) beginnt der Tag freundlich mit zahlreichen Schauern und Gewittern. Diese weisen über der Mitte erneut einen eher langsam ziehenden Charakter auf (lokal markanter Starkregen), während in Richtung Alpenrand bis zum Bayerischen Wald das gesamte Setup organisierte Konvektion fördern würde (hochreichende Scherung bis 20 m/s und lange sowie leicht gekrümmte Hodographen). Multizellen bzw. einzelne Superzellen wären hier mit Hagel und markanten Böen zu erwarten.
Die Höchstwerte liegen im Norden um 14 Grad, im Süden zwischen 17 und 23 Grad und das bei einem mäßigen Westwind im Süden und Nordostwind im Norden.
In der Nacht zum Donnerstag viele Wolken mit zahlreichen Schauern und Gewittern. Feinheiten können jetzt noch nicht beantwortet werden, doch stellt sich u.a. die Frage, ob sich eine weitere geschlossene Bodentiefzirkulation über Süddeutschland entwickelt, die sich ostwärts verlagert (ICON/GFS). In dem Fall wäre peripher der Zirkulation (West- und Nordrand) Starkregen (teils mehrstündig) wahrscheinlich, was die östliche Mitte betreffen könnte (z.B. Erzgebirge und Umfeld). Die Unsicherheiten sind diesbezüglich aber noch sehr groß.
Im Nordosten bleibt es trocken. Die Minima liegen zwischen 10 und 5 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik hat die grobe Entwicklung gut im Griff. Allerdings nehmen die Unsicherheiten mit den Kurzwellenpassagen im Verlauf der Kurzfrist zu und gipfeln in der Frage, wie genau sich das Bodendruckfeld entlang der Bodentiefdruckrinne ausbilden wird. Dies wiederum wird teils durch die zu erwartende Konvektion selbst beeinflusst, sodass diesbezüglich noch keine Aussagen getroffen werden können.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 04.05.2026 um 10.30 UTC
Am Donnerstag noch wechselhaft und kühl. Freitag und Samstag Wetterberuhigung und wieder wärmer. Ab Sonntag noch meist warm, aber von Frankreich und Benelux her wieder zunehmende Gewittergefahr.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 11.05.2026
Am Donnerstag verlagert sich in der schwachen südwestlichen Höhenströmung ein flacher Höhentrog von Deutschland nach Polen. Von der osteuropäischen Tiefdruckrinne reicht ein Bodentrog nebst schwachem Tiefausläufer bis zur Mitte Deutschlands und verlagert sich langsam südostwärts. Dabei sickert von Norden kühlere Luft ein mit Temperaturen in 850 hPa zwischen 1 Grad an der Nordsee und 6 Grad im Alpenvorland.
Ein von Südwesten nach Skandinavien schwenkender Höhenkeil sorgt dort am Freitag für die Verstärkung des Hochdruckgebietes und sein Keil reicht bis Nordostdeutschland. Gleichzeitig sinkt über Frankreich durch einen von Spanien heranschwenkenden Randtrog der Luftdruck, so dass der Ost- bis Nordostwind etwas zunimmt. Die eingeströmte kühle Luft kann sich allmählich erwärmen.
Am Samstag tropft aus dem Höhentrog über dem Nordostatlantik ein Höhentief zum Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel ab und am Boden dehnt sich das Tief bis nach Südwestfrankreich aus. In der unteren Troposphäre dreht über Mitteleuropa die Strömung auf Südost und damit gelangt sehr warme Luft nach Deutschland, so dass bis zum Abend die Temperatur in 850 hPa auf 7 Grad an der Küste und 14 Grad im Alpenvorland ansteigt. Eine Warmfront sorgt dabei in Nordwestdeutschland für Regen, während sonst der nach Deutschland schwenkende Höhenkeil längere sonnige Abschnitte zulässt.
Am Sonntag schwenkt der Höhenkeil von Deutschland nach Polen und rückseitig zieht in der aufkommenden Südwestströmung ein Kurzwellentrog heran. In der eingeströmten sehr warmen und feuchten Luft werden damit im Westen und Südwesten Schauer und einzelne Gewitter ausgelöst.
Auf der Vorderseite des hochreichenden Tiefkomplexes über Südwesteuropa bleibt über Mitteleuropa am Montag die südwestliche Höhenströmung erhalten, wobei ein Höhenkeil nach Südwestdeutschland schwenkt. Gleichzeitig entwickelt sich im Küstenbereich an der Warmfront eine flache Tiefdruckrinne. In der Mitte und im Süden bleibt die eingeströmte warme bis sehr warme Luft wetterbestimmend.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der neue Modelllauf vom IFS simuliert die synoptischen Basisfelder bis Samstag sehr ähnlich. Am Sonntag ergeben sich kleinere Differenzen, die sich am Montag vergrößern.
Im alten Lauf von gestern, 00 UTC, soll eine Kaltfront am Sonntag Nordwestdeutschland überqueren und eine Abkühlung bringen (Rückgang der Temperatur in 850 hPa auf 5 Grad und weniger). In den beiden letzten Läufen bleibt über Deutschland der ´Tiefdrucksumpf´ erhalten und im Nordwesten bleibt es deutlich wärmer (in 850 hPa um 10 Grad).
Am Montag verlagert sich im Lauf von gestern, 00 UTC, die Kaltfront zu den Alpen und rückseitig sorgt ein Hochkeil im Westen und Norden bereits für eine Wetterberuhigung.
In den aktuellen Läufen bleibt auch am Montag noch deutlich wärmere Luft wirksam, wobei im Norden noch eine Luftmassengrenze liegt. Im Mittagslauf von gestern sorgt ein kleines Tief im Westen örtlich für kräftigen Regen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zu GFS und ICON bestehen keine großen Differenzen.
Bei GEM (Kanada) befindet sich die Luftmassengrenze bereits am Sonntag über der südlichen Mitte Deutschlands und ein eingelagertes Tief zieht am Montag nach Polen, so dass von Nordwesten kühle Luft nach Deutschland strömt. Auch beim japanischen Modell gelangt bereits am Sonntag kühle Luft nach Westdeutschland und am Montag nach ganz Deutschland.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluteranalyse des IFS berechnet heute nur 2 Cluster, wobei operationeller Lauf und Kontrolllauf in den mit 31 Mitgliedern belegten 1. Cluster fallen. In beiden Clustern liegt über Südwesteuropa ein Cut-Off-Tief. Im 2. Cluster schwenkt aber der Resttrog bereits am Montag über Norddeutschland hinweg nach Osten und Rückseitig würde am Montag die kühle Luft weite Teile Deutschlands erreichen, denn über den Britischen Inseln steigt auf der Rückseite des Troges der Druck.
In der Rauchfahne von Offenbach erkennt man in 850 hPa bis Donnerstag einen Temperaturrückgang auf 5 Grad oder weniger. Anschließend steigt die Temperatur wieder kräftig an auf Temperaturen um 10 Grad. Am Montag laufen die Temperaturkurven deutlich auseinander, da es ja die Unterschiede gibt, die im oberen Text bei den Clustern beschrieben wurden.
Die Regenwahrscheinlichkeit ist bis Donnerstag recht hoch und nach einer Wetterberuhigung am Freitag und Samstag steigt sie am Sonntag von Westen wieder an und auch das Geopotential beginnt nach einem Hochpunkt am Sonntag wieder langsam zu sinken.
Das spiegelt sich auch in den Temperaturen wieder: Nach einem kühlen Donnerstag erholen sich die 2-Meter-Temperaturen bis zum Wochenende wieder auf frühsommerliche Werte zwischen 21 und 26 Grad in weiten Teilen Deutschlands. Am Montag nimmt aber die Schwankungsbreite zu, da einige Läufe ja von Norden schon die Abkühlung simulieren.
Im Küstenbereich wird die Erwärmung durch kühlenden Ostwind gedämpft.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen (teils mit Blitz und Donner) ist am Donnerstag in der östlichen Mitte und im Südosten noch leicht erhöht. Nach einer Wetterberuhigung am Freitag und Samstag nimmt ab Sonntag die Gewittergefahr von Westen her wieder zu, wobei erneut Starkregen möglich ist.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, operationelle Modelle.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden





