Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 15.03.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Am Montag Front- und Trogpassage mit labil geschichteter polarer Meeresluft => windiges und wechselhaftes Aprilwetter.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... nähert sich ein Sonntag dem Ende entgegen, der aus meteorologischer Sicht nicht viel zu bieten hatte. Leichter Zwischenhocheinfluss, viel Bewölkung, im Norden und Westen aber auch sonnige Phasen, dazu eher durchschnittliche Temperaturen. Nun beginnt der Druck von Westen her aber schon wieder zu fallen, wodurch sich das nächste Tief nebst zyklonaler Entourage anmeldet. Namentlich handelt es sich um das Sturmtief HEDDA, das unter allmählicher Abschwächung knapp südlich an Island vorbei die Norwegische See ansteuert. Das zugehörige okkludierende Frontensystem sowie ein unmittelbar nachfolgender Höhentrog wählen einen anderen Weg, sie haben sich Mitteleuropa respektive Deutschland als Ziel auserkoren. Und so dauert es wohl nicht mal mehr bis Mitternacht, bis es von der Nordsee und den Niederlanden her auch bei uns anfängt zu regnen. Bis zum Morgen kommt der Niederschlag etwa bis zu einer Linie Westmecklenburg-Harz-Unterfranken voran. Oberhalb 500 bis 600 m fällt etwas Schnee, so dass es dort glatt werden kann durch Schneematsch oder etwas Neuschnee.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass der frontale Niederschlag recht fragil auftritt und von Westen her quasi nahtlos in Schauer übergeht, weil besagter Trog mit fetter Höhenkaltluft (im Nordwesten T500 um -33°C, T850 um -3°C) schneller als die Polizei erlaubt die Westhälfte erreicht. Nicht ausgeschlossen, dass in den frühen Morgenstunden im Grenzbereich zu BeNe ein kurzes Graupelgewitter den obligaten Wecker auf dem Nachtschrank ersetzt. Darüber hinaus frischt der Süd- bis Südwestwind unmittelbar präfrontal böig auf (Gradient + Low-Level-Jet). Zwar werden die durchaus imposanten Höhenwinde (850 hPa bis 50 Kt, 925 hPa bis 45 Kt) mangels ausreichend Labilität (die steilsten Lapse-Rates treten erst in der postfrontal einströmenden maritimen Polarluft mP auf) nur sehr eingeschränkt runtergemischt. Es reicht aber, um an der Nordsee, im äußersten Westen sowie in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen inkl. Leelagen Böen 7 Bft, auf dem Brocken 8-9 Bft zu generieren.
Im Osten und Süden bleibt es abgesehen von einigen Resttropfen/-flocken (Nachwirkungen eines nur zögerlich abziehenden KW-Troges) trocken, vorübergehend lockert die Wolkendecke sogar auf. Dadurch kühlt es gebietsweise auf Gefrierpunktnähe, teils auch in den leichten Frostbereich ab.
Montag ... starten wir mit vorgezogenem Aprilwetter in die neue Woche. Die Front wird rasch nach Osten durchgereicht und auch der nachfolgende Trog hat es sehr eilig, den Vorhersageraum zu überqueren. Damit kann sich die labile, aber nicht überbordend feuchte Meeresluft polaren Ursprungs (mP) bei uns ausbreiten. Mit Unterstützung des Tagesgangs entwickeln sich bei wechselnder Bewölkung wiederholt Regen- und Graupel-, im höheren Bergland auch Schneeschauer, teils begleitet von Blitz und Donner. Die Hauptlabilität ist direkt unter dem Trog zu finden, der mit bis zu -35°C kalter Luft (500 hPa) gefüllt ist. Von daher muss im Norden mit den meisten Schauern gerechnet werden, gefolgt von der Mitte. Die geringste konvektive Aktivität findet im Südwesten statt, wo Trog und Labilität keinen richtigen Zugriff bekommen und zudem der Druck von Frankreich her rasch ansteigt (Azorenhochkeil LUKAS). Im Falle von Schnee- und Graupelschauern bzw. -gewittern kann es kurzzeitig mal etwas glitschig auf Straßen und Wegen werden, eine nachhaltige Akkumulation von Schnee oder Eis ist aber nicht zu erwarten.
Über die Schauer hinaus steht der Wind im Blickpunkt des Geschehens. Zwar wird der o.e. LLJ mit Verlagerung der Front rasch nach Osten weggedrückt und auch der postfrontale Gradient haut jetzt keinen Meteorologen aus dem Sattel. Er reicht aber aus, um im Verbund mit der Labilität und den konvektiven Umlagerungen einen böigen und spürbaren, auf westliche Richtungen drehenden Wind zu initiieren. Scannt man die riesige Palette numerischer Verfahren dahingehend ab, in welchen Regionen das Erreichen oder Überschreiten der unteren Warnschwelle (Stärke 7 Bft) wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich ist, bekommt man ein recht heterogenes Bild geliefert. Vor diesem Hintergrund sind die heute Abend ausgegebenen Windwarnungen als offensives Produkt der Marke "vor allem in Schauernähe" zu verstehen, was ein Stück weit den Eindruck des Überwarnens erweckt und mal wieder die Diskussion anregt, ob Böen 7 Bft überhaupt gewarnt werden sollten. Auflösung dazu erfolgt an anderer Stelle. Einigkeit herrscht dahingehend, dass der Nordosten und Südwesten am wenigsten in der Verlosung sind und warntechnisch somit vorerst außen vor gelassen werden.
Blieben abschließend nur noch die Temperaturen, die sich in der Spitze - höhere Lagen mal ausgenommen - meist zwischen 7 und 12°C wiederfinden.
In der Nacht zum Dienstag steigen Potenzial und Luftdruck von Westen an, was zu einer Stabilisierung sowohl im Hinblick auf die Schauer als auch auf den Wind führt. Gleichwohl kommt es im südlichen und südöstlichen Bayern, teils durch Staueffekte, noch zu leichten Niederschlägen, die oberhalb 700 bis 1000 m als Schnee fallen. Ansonsten lockert die Bewölkung gebietsweise auf, hier und da bildet sich Nebel (Westen/Südwesten). Schon bald zieht im Nordwesten allerdings wieder mehrschichtige Bewölkung auf, aus der in der zweiten Nachthälfte etwas Regen fällt. Absender ist die Warmfront des nächsten Sturmtiefs namens KATIE, das auf ähnlicher Spur wie ihre Vorgängerin HEDDA knapp südlich an Island vorbei in Richtung Norwegische See zieht. Auf der Nordflanke der Bodenhochparzelle schwenkt die Warmfront über die Nordsee hinweg ostwärts und tangiert mit ihrer präfrontalen WLA dabei vor allem die nördlichen Landesteile (nicht vergessen, vorderseitig eines sich knapp westlich von uns aufwölbenden Potenzialrückens baut sich über uns eine recht steile nord-nordwestliche Höhenströmung auf, mit der die WLA recht weit nach Süden ausgreifen kann - spielt auch Dienstag tagsüber eine Rolle).
Leichter Frost tritt vornehmlich im Osten und Südosten sowie in höheren Lagen auf.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... präsentiert sich die Wetterlage de jure zwar weitgehend antizyklonal. De facto wird man das aber mitnichten überall spüren. Vor allem im Norden sorgt die Warmfrontpassage, auch wenn sie bodennah nur peripher erfolgt, für dichtes Gewölk mit z.T. tiefen Untergrenzen sowie mitunter leichten Regen oder Nieselregen. Die Chancen auf größere Sonnenfenster sind am höchsten ganz im Osten (Osterzgebirge bis hoch nach Ostvorpommern) sowie ganz im Südwesten (vor allem Südbaden, bedingt Oberschwaben). Den Rhein entlang werden es 15 oder 16°C, sonst stehen 8 bis 14°C auf dem Zettel. Warntechnisch ist tagsüber nichts aus der Wetterlage rauszuholen.
Modellvergleich und -einschätzung
Über das morgige Windgeschehen und dessen warntechnische Abwicklung wurde im Text bereits ausreichend fabuliert. Ansonsten kann die allgemeine Entwicklung der Wetterlage als unstrittig angesehen werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 15.03.2026 um 10.30 UTC
Blockierungslage mit Kaltlufttropfenpassage. Kaum markante Wettererscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 22.03.2026
In der bevorstehenden Mittelfrist wird über Europa ein durchgreifender Wechsel der Strömungskonfiguration eingeleitet, was uns wieder in eine blockierungsfreudigere Ausgangslage bringt. Dies wird im Folgenden (nach einem kurzen Rückblick auf den Februar 26) in einem etwas technischeren Part der Mittelfrist betrachtet. Dieser kann gerne zum Abschnitt "Mittelfrist" übersprungen werden, wo sich der Fokus auf unsere (eher ruhige) Mittelfrist richtet.
Kurzübersicht aktuell:
MJO: mit schwacher bis mäßiger Amplitude von Phase 7 zu 8 wandernd (Real-time multivariate, RMM)
NAO: positiv zu negativ wechselnd
AO: positiv zu negativ wechselnd
Zunächst werfen wir einen kurzen Blick auf die vergangene Trendabschätzung, die am 20. Januar für den Februar gegeben wurde. Hier nochmal die wichtigsten Eckpunkte von damals:
"Grundsätzlich sollte zum Monatswechsel der Nachhall der SPV Störung vom November 2025 endgültig nachlassen und eine temporäre Kopplung von SPV/TPV steht im Raum, was bei der Zonalwindvorhersage in 100 hPa auch mit einer Zunahme (allerdings mit immenser Streuung) honoriert wird. [...] Etliche Member zeigen beständig eine deutliche Abschwächung [des Polarwirbels in der Stratosphäre], was auch im Einklang mit den wiederholt erwähnten anfälligeren Hintergrundbedingungen (QBO) steht. [...] Optionale Kopplung, nachlassender top-down support und (zugegeben eher spekulativ) ein hochbaroklines Umfeld peripher eines optionalen (selbst
induzierten) Kaltluftreservoirs über Skandinavien würden insgesamt aber eher eine polwärtige Verschiebung der Frontalzone und bei uns einen zunehmenden Atlantikeinfluss wahrscheinlicher machen. Bei Rückseitenwetterlagen sind dadurch aber weiterhin markante Kaltluftvorstöße denkbar."
Was trat nun ein? Die Kopplung zwischen dem Polarwirbel in der Stratosphäre (SPV) und der Troposphäre (TPV) erfolgt nach der Reanalyse in etwa ab dem 10. Februar, wobei die NAO ab der Monatsmitte das Vorzeichen dauerhaft (ins Positive) wechselte. Auch die AO arbeitete sich aus dem stark negativen in den neutralen Bereich hervor, was auch mit einer deutlichen Intensivierung des TPV (auf überdurchschnittliche Werte) einherging. Somit erfolgte auch die allmähliche polwärtige Verschiebung des Höhenjets, der zum Monatsbeginn zunächst noch ins Mittelmeer gerichtet war (positive 300 hPa Zonalwindanomalie zwischen dem 1. und 15. Februar über Portugal nach Griechenland gerichtet), bevor die Anomalie in der 2. Monatshälfte rund 10 Grad nach Norden rutschte. Diese insgesamt zonale Ausrichtung des Höhenwindes sorgte auch für eine Zweiteilung der Temperaturanomalien mit einem zu kalten Skandinavien und einem zu warmen Mittelmeerraum. Dadurch ergab sich den Monat über eine deutlich negative Bodendruckanomalie über dem östlichen Nordatlantik, über weiten Bereichen Mitteleuropas und dem Mittelmeer mit leicht positiven Anomalien über Skandinavien. Die Anomalie über Skandinavien ist auch der Parameter, der in der Erwartung überschätzt wurde und insgesamt schwächer ausfiel, was dem Atlantikeinfluss weniger Widerstand entgegensetzte, sodass die angedachte gute Ausgangslage für Luftmassengrenzen über Deutschland nicht vollumfänglich ausgeschöpft wurde. Mit einem vorläufig analysierten monatlichen 850 hPa Temperaturanomaliegradienten von rund 5 Kelvin zwischen Südschweden und Süddeutschland fanden entlang dieser baroklinen Zone zwar wiederholt Bodentiefpassagen statt, die allerdings in einem gradientarmen Höhenbereich über Mittel- und besonders Osteuropa überschaubare Intensivierungstendenzen aufwiesen und die unzähligen Glatteislagen bei uns dank überschaubarer Durchmischung stützen.
Den Februar über wurde der SPV besonders zur Monatsmitte wiederholt gestört, was letztendlich Anfang März in eine zonal gemittelte Zonalwindumkehr in 10 hPa mündete. Diese fiel von Dauer und Intensität überschaubar aus und eine weitere Umkehr wird erneut zum Monatsende (Ende März) angedeutet, dann allerdings mit Unsicherheiten, ob dies nicht in eine finale Erwärmung mündet.
Abseits dieser Unsicherheiten stellt sich nun die Frage, inwieweit diese Störung/Störungen Auswirkungen hat/haben auf den TPV und ob es noch zu einer Kopplung zwischen SPV und TPV kommt. Rein von der Jahreszeit und auch mit einer deutlich positiven NAM/NAO startend erscheint ein direkter (vor allem nennenswerter) Einfluss vorerst zwar weniger wahrscheinlich, kann aber im Verlauf des Aprils weiterhin nicht ausgeschlossen werden, zumal der SPV nun insgesamt geschwächt die Wintersaison beendet. Zusätzlich wird eine optionale bottom-up Kopplung zum Monatswechsel gefördert, sodass die weitere Entwicklung noch mit großen Unsicherheiten behaftet ist.
Wie gerade erwähnt ist die Entwicklung innerhalb der Troposphäre interessant und wird in der Folge kurz skizziert.
Grund hierfür sind mehrere imposante downstream development Ereignisse, ausgelöst durch ein beständiges und intensives Konatief vor Hawaii (siehe auch: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2015/12/7.html). Der dadurch ausgelöste Hawaiiexpress (ein in den Nordwesten der USA gerichteter Atmosphärenfluss) mit anhaltendem und üppigen diabatischem Input (und hoher feuchter statischer Energie, MSE) in eine Antizyklone über dem Westen der USA sorgen dort für eine klassische "diabatisch forcierte" Keilaufwölbung mit top-down gerichteter adiabatischer Erwärmung, deren Auswirkung überregional wohl für diese Jahreszeit als bemerkenswert bis rekordverdächtig angesehen werden darf. Per downstream development wird dadurch eine umfangreiche positive Geopotenzialanomalie über dem Nordatlantik induziert, die uns wiederum zunehmend von der Westwinddrift abkoppelt. Im Zusammenspiel mit einer durch Phase 7 zu 8 wandernden MJO (mit zunehmend mäßiger Amplitude) wird zusätzlich eine blockierende Antizyklone über Skandinavien gestützt. Deren Tendenz zur weiteren retrograden Verlagerung im Zusammenspiel mit einer günstigen Teilwirbel-Positionierung des SPV könnte dann zum Monatswechsel den Weg frei machen für eine nordanfällige Strömungskonfigurationen (Ost- und ggf. auch Mitteleuropa betreffend). Deren Ausmaß (vor allem abhängig von der Position und Standhaftigkeit der Blockierung über Skandinavien) ist aber noch unsicher und u.a. abhängig vom top-down Einfluss aus der Stratosphäre sowie der weiter anhaltenden regen nordhemisphärischen Wellenaktivität und dem zunehmend als komplex anzusehenden Geopotenzialmuster in Europa in einer förderlichen Umgebung für die Bildung mehrerer Kaltlufttropfen. Grundsätzlich sollten Gärtner aber noch Vorsicht walten lassen und die weitere Entwicklung bezüglich anhaltender Nachtfrostgefahr weiter verfolgen.
Wie sieht nun die anstehende Mittelfrist vom Mittwoch, den 18. März bis Sonntag, den 22. März aus?
Am Mittwoch dominiert eine Bodenhochdruckbrücke, die sich vom Azorenhoch bis zum Ural erstreckt und uns einen sonnigen Tag und eine meist klare Nacht beschert. Einzig im Norden/Nordosten ziehen wiederholt dünne/ausgedehnte hohe Wolkenfelder durch.
Am Donnerstag schwächt sich die Hochdruckbrücke rasch ab und macht einem Trog Platz, der die Antizyklone über Nordwesteuropa umrundend von Schweden nach Ostdeutschland zieht. Diese Entwicklung geht mit einer Kaltfrontpassage einher, die tagsüber den Norden und in der Nacht zum Freitag die Mitte mit Regen und dichter Bewölkung betrifft. Tagsüber verläuft das Wettergeschehen im Süden noch sonnig und auch in der Nacht zum Freitag starten wir dort anfangs noch meist klar, bevor sich nachfolgend die Bewölkung ohne Niederschlagsaktivität von Norden verdichtet. Gleichzeitig lockert die Bewölkung im Norden postfrontal auf, wobei die Schneefallgrenze (bei gleichzeitig abklingenden Niederschlägen) im Norden auf 800 bis 600 m zurückgeht. Im oberen Bergland der östlichen zentralen Mittelgebirge kann somit etwas Neuschnee auftreten. Insgesamt muss aber noch abgewartet werden, inwieweit sich dieser Trog eher zahnlos zeigt, oder (wie z.B. von EZ/GFS hervorgehoben) mit einem markanten Vorticity-Maximum einhergeht, das mit kräftigeren Niederschlägen aufwarten würde (GFS mit 10-15 l/qm/24h im Nordosten).
Der Freitag wird geprägt von der Kaltlufttropfenpassage, die von Ost- über Süddeutschland in Richtung Vogesen erfolgt und mit Aufgleitniederschlägen einhergeht, die besonders die Mitte und den Osten betreffen (EZ/GFS mit 5-10 l/qm/24h über der östlichen Mitte). Die Schneefallgrenze pendelt im Aufgleitbereich um 700 m, sodass die östlichen Mittelgebirge besonders in Staulagen etwas Neuschnee erhalten können.
In der Folge verbleiben wir das Wochenende über rückseitig des westwärts abziehenden Kaltluftkörpers in einer östlichen (bodennah südöstlichen) Grundströmung, wobei in der Höhe das Geopotenzial von Süd nach Nord ansteigt (dank der anhaltenden Dominanz der Antizyklone über dem südlichen Norwegen/Schweden). Abgesehen von einzelnen schwachen Schauern dominiert an beiden Tagen freundliches Wetter, wobei sich am Samstag hochnebelartige Bewölkung regional noch längere Zeit halten kann (abhängig von der exakten Zugbahn des Kaltlufttropfens und der daran angeknüpften ostwärts zurückhängenden Feuchteschleppe).
Die Mittefrist beginnt mit Maxima von 15 bis 19 Grad sehr mild (etwas kühler am Mittwoch im Südosten und am Donnerstag im Norden), bevor postfrontal der Kaltfront ab Freitag die Maxima auf 9 bis 15 Grad zurückgehen (meist mildes Niveau).
Die Nächte verlaufen im Nordwesten meist frostfrei, sonst pendeln sie sich je nach Bewölkungsverteilung zwischen +3 und -3 Grad ein (2m Temperatur). Bodennah muss aber durchweg mit leichtem bis mäßigem Frost gerechnet werden.
Der Ostwind erreicht am Mittwoch/Nacht zum Donnerstag im Hochschwarzwald/Bayerischen Wald inversionsabhängig immer wieder Sturmstärke und weht sonst im Bergland durchweg frisch bis stark, im Tiefland mäßig bis frisch aus Nordost. Es wird aber mit keiner nennenswerten Windlage gerechnet.
In der erweiterten Mittelfrist ändert sich vorerst wenig an der antizyklonal geprägten östlich/südöstlichen Grundströmung, wobei die genau Lage der Hochdruckzentren über die thermische Qualität der Luftmasse entscheiden. Natürlich muss auch der noch unvorhersehbare Einfluss weiterer Kaltlufttropfen als potenzieller Störfaktor berücksichtigt werden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis einschließlich Freitag sind die jüngsten Modellläufe von EZ recht homogen und heben eine sehr antizyklonal geprägte Mittelfrist hervor. Dabei ergeben sich in den letzten 6 Läufen nur geringe Diskrepanzen bezüglich Intensität und Lage der großräumigen Druckgebilde, wie der Antizyklone über Skandinavien und den negativen Geopotenzialanomalien über dem Mittelmeer und vor Portugal.
In der Folge dauert der Trend zu einem umfangreichen Abtropfvorgang über Mitteleuropa weiter an, wobei der daraus hervorgehende Kaltlufttropfen am Wochenende über Süddeutschland nach Frankreich geführt wird. Mit dem jüngsten Modelllauf würde eine weitere Passage eines Kaltlufttropfens zum Ende der Mittelfrist erfolgen (erneut über Süddeutschland westwärts ziehend). Zudem festigt sich auch der modellinterne Trend einer retrograden Verlagerung der skandinavischen Antizyklone, die zum kommenden Sonntag über Norwegen/Schweden liegen würde.
Insgesamt weist die Modellperformance eine gute Stabilität auf. Störfaktoren sind die Kaltlufttropfen, deren Zugbahn und Intensität sicher noch Änderungen unterworfen sein werden. Dies ändert aber aus aktueller Sicht wenig an der insgesamt antizyklonal geprägten Mittelfrist, die sehr mild beginnt und nach einer überschaubaren Abkühlung ab Freitag mild weitergeht. Abseits einer recht wetterinaktiven Kaltfrontpassage zum Freitag mit etwas Niederschlag (besonders in Staulagen) bleibt es sonst meist trocken und auch beim Wind ergeben sich nur supergeostrophisch forcierte markante Windspitzen im Inversionsbereich des Berglands (z.B. Hochschwarzwald). Luft- und vor allem leichter (regional auch mäßiger) Nachtfrost in Bodennähe bleiben durchweg ein Thema.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bei den anderen globalen Modellen ergeben sich keine neuen Erkenntnisse. Insgesamt wird die synoptisch-skalige Entwicklung sehr homogen gezeigt, einzig bei der Zugbahn und Intensität des/der Kaltlufttropfen nehmen die Unsicherheiten ab Freitag zu. Der spread zwischen ICON und EZ beim Kaltlufttropfen beträgt am Freitag knapp 500 km, wobei sich ICON jedoch eher als Außenseiter herauskristallisiert (GFS und UK10 liegen eher auf der EZ-Schiene). Zum Ende der Mittelfrist ergeben sich Unsicherheiten bei der Platzierung der Antizyklone über Skandinavien, die nach EZ westlicher berechnet wird als bei GFS.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt am Mittwoch mit einem blockierungsfreudigen klimat. Regime und 5 Clustern, wobei wir dabei unstrittig bei allen Lösungen unter antizyklonalem Einfluss verbleiben.
Von Donnerstag bis Samstag werden zwei Cluster (Blockierung) berechnet, beide mit einer markanten positiven Geopotenzialanomalie über Skandinavien. Selbst die Zugbahn des Kaltlufttropfens zum Ende der Woche von Mittel- nach Westeuropa wird recht ähnlich gezeigt, wenngleich mit deutlicheren Intensitätsunterschieden. Die etablierte Ostströmung wird aber solide hervorgehoben.
Zum Ende der Mittelfrist (Sonntag und in den Beginn der erweiterten Mittelfrist gehend) zeigen 5 Cluster weiterhin eine blockierungsfreudige Umgebung (zusätzlich hier und da "Atlantikrücken"). Hier scheinen die Unsicherheiten aus den variablen Faktoren hervorzugehen, die die Blockierung stützen. Dominiert eher der wellende Anteil vom Atlantik (dann teils "Atlantikrücken"), oder eher die (ggf. MJO/SPV forcierte?) Blockierung über Skandinavien. Je nach geometrischer Ausrichtung wäre der Zustrom nördlicher/polarer Luftmassen ebenso vorstellbar, wie die Fortdauer der modifizierten milden östlich/südöstlichen Grundströmung. Da sich in der Folge bei zwei Clustern aber insgesamt die retrograde Haltung der Antizyklone über Skandinavien (in Richtung Island/Grönland) deutlich zeigt, sollte man weiterhin einen Ausbruch polarer Luftmasse nach Ost- und ggf. auch Mitteleuropa zum Monatswechsel im Kalkül haben.
Die Meteogramme heben deutschlandweit die insgesamt trockene Witterung hervor (abgesehen von den Niederschlägen zum Freitag/Samstag) bei einem deutlichen Tagesgang und das alles bei eng gebündelten T850/H5 Rauchfahnen, die sich erst zum Ende der Mittelfrist aufweiten. Der Kontrolllauf liegt am Freitag bei der Temperatur in 850 hPa am unteren Ende, was auf die Unsicherheit hindeutet, in welcher strukturellen Verfassung der Trog bzw. der sich bildende Kaltlufttropfen bei uns durchzieht.
GEFS zeigt keine nennenswerten Diskrepanzen auf.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Markante Begleiterscheinungen beschränken sich auf einzelne markante Böen im oberen Bergland (besonders den Hochschwarzwald betreffend). Auch der EFI hebt keine nennenswerten Anomalien hervor.
Abseits der Warnfarbe bleibt weiterhin der (gelb bewarnte) Nachtfrost (regional leichter Luftfrost und vor allem verbreitet ein leichter bis mäßiger Frost in Bodennähe) ein nennenswerter Warnparameter.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





