Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 15.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Im Süden nachts zögernd abklingende Gewitter, morgen im Süden und Südwesten neue Unwettergefahr durch teils schwere Gewitter mit Böen bis Orkanstärke, heftigem Starkregen und größerem Hagel!
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Aktuell ... befinden wir uns weiterhin in einer Hochdruckrandlage (fettes abgeschlossenes Höhenhoch über Südskandinavien, Bodenhoch LAURENT bei den Färöer), die allerdings von einem elliptisch langgestreckten Höhentief, das von der Themsemündung über die nördliche Mitte Deutschlands hinweg bis zu den Sudeten reicht, konterkariert wird. Das Wettergeschehen in Deutschland ist dabei in den kommenden Stunden dreigeteilt:
Hauptfokus liegt weiterhin im Süden des Landes, insbesondere südlich der Donau, wo weiterhin eine feucht-labil, schwül-warme Luftmasse in einem moderat bis stark gescherten Umfeld lagert. Diese ist zwar energetisch durch zahlreiche Überentwicklungen des Nachmittags bereits ein Stück weit verbraucht, andererseits erfolgen neue Impulse in Form schwacher Randtröge aus der Höhe sowie "Importware" aus Ostfrankreich und der Schweiz. Ein in den Vorläufen angedachter fetter MCS in der zweiten Nachthälfte wurde inzwischen eher entschärft bzw. weiter südwärts mehr auf Schweizer Seite verschoben, das muss aber final noch nichts heißen! Weitergehende Handlungen in Form der Verlängerung der bestehenden Vorabinformation hat das aber nicht zur Folge. So dürfte die Aktivität zwar insgesamt tagesgangbedingt etwas nachlassen und sich die Intensität der Zellen abschwächen, von einer ruhigen störungsfreien Nacht sind wir im Süden aber in jedem Falle weit entfernt. Lokal kann es weiterhin einzelne Entwicklungen bis in den Unwetterbereich geben.
Interessant ist auch die Entwicklung im Nordosten des Landes (Uckermark über die Seenplatte bis nach Ostholstein), wo um den östlichen Dipolkern eine feuchte, wenngleich kaum labil (selbst im MU CAPE so gut wie nix) geschichtete Luftmasse aus Polen zu uns gesteuert wird. Thermische Gegensätze und nennenswerte Hebungsimpulse sucht man jedoch vergeblich, so dass sich die Niederschlagsraten insgesamt wohl deutlich in Grenzen halten. Auch das Entrainment trockener Luft in der Grundschicht mit dem Nordostwind von der Ostsee sollte man nicht unterschätzen. Selbst im ICON-D2 EPS lassen sich keine Wahrscheinlichkeiten für > 20 mm in 6h ausmachen und das, wo die Deutsche Modellkette noch die offensivste Variante in den deterministischen Läufen liefert. Externe Modelle haben kaum nennenswerte Regensummen im Programm. So bleibt es in weiten Teilen bei allenfalls wenigen Litern pro Quadratmeter.
In den restlichen Landesteilen kann das Höhentief mit der in Teilen zu trockenen Luftmasse nicht wirklich etwas anfangen und es klart vielfach auf. Die Temperaturen gehen auf 19 bis 10 Grad zurück.
Donnerstag ... verlagert sich das Zentrum des Höhentiefs bis zum Abend raus auf die Nordsee zum Westteil der Deutschen Bucht. Um das Tief herum laufen in der Höhe schwache Advektionsprozesse ab. Mehrheitlich ist dabei leichte WLA aktiv, die sich aber auf die unteren Troposphärenschichten konzentriert und damit der Labilität unterm Strich etwas zuträglich ist. Angelegenheit extrem gradientarm, insgesamt hält aber auch in Norddeutschland leichter Druckfall Einzug, womit der Einfluss des Schottlandhochs weiter abnimmt. Mehr noch: Das Hoch zieht sich nach Abspaltung eines Keils über der östlichen Ostsee mit seinem eigentlichen Zentrum mehr und mehr ins Seegebiet südlich Islands zurück, was nicht ganz unwichtig für die Entwicklung der nächsten Tage (Stichwort: Wetter- und Luftmassenwechsel) ist.
Grob gesprochen stellen sich bei uns morgen bei aller noch gebotenen Prognoseunsicherheit zwei Aktivzonen ein: Eine im Norden, die andere im Südwesten.
Fangen wir im Norden an, wo zunächst mal die Reste der nächtlichen Aktivität in Richtung Nordsee/nördliches NDS ziehen. Dabei sind am Morgen und am Vormittag durchaus vereinzelte elektrische Entladungen vorstellbar. Insgesamt sollte die Szenerie aber noch vergleichsweise beschaulich daherkommen. Zum Nachmittag hin wird die Luftmasse mit Energiewerten über 1000 J/kg an ML CAPE aufbereitet werden können, sobald die anfangs noch kompakte, mehrschichtige Wolkenschliere (vergleichbar mit einer weit rumgeholten Okklusion) immer mehr Lücken bekommt. Auch etwas Scherung ist durchaus vorhanden (sowohl Richtung als auch Geschwindigkeit), wobei unklar ist, inwieweit noch die Einmischung trockenerer Luft von der Ostsee stattfindet und landeinwärts ausgreift, da diese doch sehr stark abgedrängt wird und die ohnehin nur schwachen Bodenwinde immer häufiger eine Ost-Südost-Komponente aufweisen. In der Basis dürften markante Warnungen, vor allem wegen Starkregens (langsam ziehende Einzel-/Multizellen), aber örtlich auch wegen kleinkörnigen Hagels und stürmischen Böen ausreichen. Gleichwohl kann ein vereinzeltes WU wegen heftigen Starkregens bei PPW's um oder knapp über 30 mm nicht ausgeschlossen werden.
Weiter südlich kann man es kurz halten. MU CAPE findet man nahezu überall in Spuren in Deutschland, wobei der Trockeneinschub in der Landesmitte am stärksten und entsprechend auch die Wolkenbasis am höchsten ausfällt. Einzelne Überentwicklungen in Form von Schauern und Gewittern sind zwar möglich, aber äußerst vereinzelt anzutreffen und meist "nur" unter Zuhilfenahme der Orographie möglich. Vielfach passiert bei einem freundlichen Mix aus viel Sonne und nur lockeren Quellwolken wenig bis nix.
Im Südwesten und Süden schauts dagegen schon anders aus, was vor allem dem höheren Wasserdampfgehalt der Luftmasse geschuldet ist. Zunächst mal gilt es ganz im Süden die Reste eventuell noch vorhandener nächtlicher Gewitter abzuwickeln, wobei die Tendenz dort wie gesagt in den jüngsten Läufen arg rückläufig ist. Beste Voraussetzungen also, dass nach sonnigem Tagesbeginn am Nachmittag erneut die Entwicklung teils kräftiger Zellen startet, wobei sich der Schwerpunkt vor allem zwischen Mosel und Neckar abzeichnet. Dort sind die Bedingungen ähnlich gut wie heute, teils mit > 2000 J/kg und moderater bis starker Scherung mit rund 25 m/s DLS und lokal 10-15 m/s LLS. So kann man wohl zur besten Tageszeit erneut die ein oder andere langlebige Superzelle bestaunen, deren sämtliche Begleiterscheinungen bis in den Unwetterbereich vorstoßen kann (heftiger Starkregen, Großhagel, Böen bis Orkanstärke). Es wäre jedenfalls keine große Überraschung, wenn auch morgen wieder eine Vorabinfo ausgegeben wird.
Nix Genaues weiß man nicht, was übrigens auch für die Regionen südlich der Donau gilt, die morgen sehr passiv von der Numerik behandelt werden. Möglicherweise sorgt die aufkommende südwestliche und vorübergehend leicht antizyklonal konturierte Höhenströmung und damit verbundene Überströmung der Alpen für eine vertikale Abtrocknung und damit Dämpfung des konvektiven Geschehens.
Thermisch gibt es noch mal ein Aufbegehren der Hitze mit verbreitet Höchstwerten um oder über 30 Grad (bis 33 Grad). Einzig im Norden geht's nicht ganz so hoch, in Küstennähe sind meist um die 24 Grad.
In der Nacht zum Freitag beruhigt sich das Wetter keinesfalls und die Prognosen werden immer unschärfer. So soll sich an der Südostflanke des quasistationären Höhentiefs ein kleines Bodentief über NW-Deutschland bilden, das am Freitag Frontogenese induziert.
Die Auswirkungen in der Nacht sind noch unsicher, aber einzelne Schauer und Gewitter sind gebietsweise schon sehr wahrscheinlich, vor allem wohl in der Nähe des Tiefkerns sowie die nur langsam unter Abschwächung begriffene Konvektion vom Tage im Süden und Südwesten. Nicht ausgeschlossen, dass bei nur kleinster Beteiligung eines etwas schärferen Randtroges in der Höhe das Übergreifen eines MCS aus Ostfrankreich drohen würde. Die bis dahin zur Verfügung stehenden konvektionserlaubenden Modelle sind aktuell diesbezüglich aber eher defensiver aufgestellt.
Tiefstwerte 20 bis 14 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... droht aus warntechnischer Sicht ein sogenannter "Großkampftag" zu werden. Das Höhentief zieht wenig weiter nördlich Richtung Fischer und hat längst Kontakt zum Cut-Off über der Biskaya aufgenommen, dass es nun in der Folge als breit angelegten Trog "hinter sich herzieht". Weitere kurzwellige Randtröge sind in der flatternden südwestlichen Höhenströmung über Deutschland ohnehin schon eingelagert, wobei genaue Details zur Ausprägung und Timing noch schwer fallen.
Klar aber ist, dass das Bodentief entwicklungsgünstig auf der Trogvorderseite liegt, die (glücklicherweise) kaum großartige Diffluenzen aufweist. Dennoch plustert es sich im Tagesverlauf auf unter 1010 hPa im Raum Hamburg auf und entwickelt dabei klare frontale Strukturen. Nahezu ganz Deutschland liegt dabei im Warmsektor, bevor zum Nachmittag mit Drehung auf West bis Nordwest in den Westen des Landes "kühlere" (T850 immer noch > 10 Grad), stabilere und trockenere Luft einfließt. So bleibt vor allem wohl NRW von größerem Ungemach verschont, bekommt wohl auch kaum Niederschläge ab.
Für den großen Rest des Landes sieht es nach zahlreichen Schauern und Gewittern aus. Die Scherungsbedingungen und damit die Superzellengefahr ist vor allem noch im Süden erhöht, sonst liegt der Fokus klar auf dem Starkregen bei spezifischer Feuchte bis 15 g/kg und PPW's an die 40 mm. Gerade im Randbereich des Tiefkerns, also etwa von Sachsen über BB, Sachsen-Anhalt bis nach MV und SH muss auch lokal extrem heftiger Starkregen mit über 40 l/qm pro Stunde ins Kalkül gezogen werden. Dazu werden extrem schwüle 24 bis 29 Grad erreicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Basisfelder sind zwar allesamt ähnlich simuliert, was anhand der vorherrschenden Gewitterlage im Süden auch nicht viel hilft. Vieles bleibt Nowcasting, eine überraschende Entwicklung kann in der Folge vor allem im Süden und Südwesten für ein komplett neues Warnmanagement sorgen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 15.07.2026 um 10.30 UTC
Zyklonal, später zunehmend antizyklonal Nord- bis Nordwest; vor allem im Nordosten unbeständig und teils kühl, im Südwesten mäßig warm bis warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 22.07.2026
Am Wochenende ist es soweit: Nach vor allem im Südwesten wochenlanger Sommerhitze hat sich die Wetterlage nun komplett umgestellt und wir bekommen es mit Luftmassen zu tun, deren Ursprungsgebiet sich eher in polaren Regionen befindet, die sich aber auf ihrem relativ langen Weg zu uns über die Norwegischen See bzw. die Nordsee hinweg immerhin ein wenig erwärmen können (klassisch: maritim erwärmte Polarluft).
Diese Umstellung wurde bzw. wird bereits in der Kurzfrist eingeleitet - wie so oft nicht ohne teilweise unwetterartige konvektive Begleiterscheinungen.
Doch wie kommt es überhaupt zu diesem Wetterumschwung? Dazu ein kurzer Blick auf die Kurzfrist (eine ausführliche Abhandlung findet man in der syn. Übersicht Kurzfrist):
Vorweggenommen sei, dass sich an der generellen Blockadesituation erst einmal nichts ändern wird. Aktuell befindet sich unser Blockadehoch allerdings ziemlich genau über der Norwegischen See mit Ablegern nach Skandinavien und zur Nordsee. Es wird am heutigen Mittwoch und auch noch am Donnerstag allerdings quasi "unterlaufen" von einem Höhentief, das sich langsam über die Mitte und den Nordwesten Deutschlands Richtung Nordsee verlagert (mit teils schweren Gewittern an dessen Südflanke über Süd- und Südwestdeutschland). Im Laufe des Freitags kommt es derweil über dem Nordmeer und der Norwegischen See zu einem markanten Trogvorstoß. Der entstehende Langwellentrog amplifiziert rasch Richtung Mitteleuropa und fängt unser Höhentief über der Nordsee in der Nacht zum Samstag quasi ein, welches nun als kräftiger Randtrog fungiert, der Samstagfrüh mit seinem Drehzentrum Südschweden erreicht.
Während das bisher wetterbestimmende Blockadehoch mit dem Trogvorstoß rasch nach Osteuropa abgedrängt wird, baut sich eine neue kräftige Höhenantizyklone über dem mittleren Nordatlantik auf, das korrespondierende Bodenhoch befindet sich mit seinem Schwerpunkt (nahe 1035 hPa) über dem Seegebiet südwestlich von Island.
Aus dieser Konstellation resultiert eine recht kräftige und zyklonale nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet, darin eingebettet, überquert ein markanter Randtrog am Samstag und Sonntag die Nordsee und das Vorhersagegebiet südostwärts.
Das dem Trogvorstoß geschuldete Bodentief befindet sich bereits am Samstag über Südschweden. Mit Annäherung des erwähnten Randtroges kommt es zunächst nur wenig nach Nordosten voran und entwickelt sich über dem Raum Südostschweden/Gotland bis Sonntagvormittag zu einem regelrechten Sommersturm (Kerndruck unter 995 hPa), ehe es sich danach beginnt, langsam aufzufüllen. An dessen Ostflanke flutet am Wochenende von Nordwesten her maritime Polarluft nahezu das gesamte Vorhersagegebiet. Während ein dorthin reichender Hochkeil die Wetterwirksamkeit dieser Luftmasse im Südwesten des Landes etwas dämpft und dort nur wenige Niederschläge zu erwarten sind, gibt es vor allem im Norden und Osten häufig Schauer und auch einzelne Gewitter, die mangels Energiegehalts der Luftmasse nicht mehr unwetterartig ausfallen, dennoch von Graupel bzw. kleinkörnigem Hagel, eventuell noch von Starkregen und einzelnen stürmischen Böen begleitet werden können.
Apropos stürmisch: Vor allem im Nordseeumfeld reicht der Gradient am Samstag und in der Nacht zum Sonntag auch außerhalb der Schauer für stürmische Böen aus Nordwest, eventuell sind auch Sturmböen möglich. Ob das auch am Sonntag bzw. an der Ostseeküste der Fall sein wird, ist noch unklar. Die Temperatur in 850 hPa sinkt bis Sonntag auf Werte zwischen 4 Grad im Nordwesten und 10 Grad am Alpenrand. Somit werden im Nordwesten/Norden/Küsten keine bzw. kaum mehr 20 Grad erreicht und auch im Südwesten reicht es am Sonntag höchstens grade so noch für einen Sommertag.
Am Montag tropft der Trog vor der Baltischen Küste ab und zieht dann bis Mittwoch über dem Baltikum und über dem Finnischen Meerbusen seine Kreise. An dessen Westflanke überquert am Montag und in der Nacht zum Dienstag ein weiterer Randtrog Deutschland allmählich südsüdostwärts. Gleichzeitig bleibt das Höhenhoch westlich der Britischen Inseln nahezu ortsfest, korrespondierend dazu verstärkt sich das Bodenhoch auf über 1035 hPa. Dabei schwenkt ein breiter, aber flacher Rücken Richtung Nordmeer, so dass die Höhenströmung nach Passage des Randtroges am Dienstag etwas mehr auf nördliche Richtungen dreht und insgesamt antizyklonaler aufgestellt ist.
Auch im Bodenfeld setzt leichter Druckanstieg ein und bis Dienstag schiebt sich ein Hochkeil nach West- und Süddeutschland.
An dessen Ostflanke gelangt von Nordwesten her nach wie vor relativ kühle bzw. nur mäßig warme Luft vor allem in den Norden und Osten des Landes. An beiden Tagen bleibt es dort unbeständig mit einzelnen Schauern, kurze Gewitter nicht ausgeschlossen; bei T850 hPa zwischen 5 und 9 Grad (am Montag vielleicht noch 1 K weniger) schwanken die Höchstwerte meist um 20 Grad (an den Küsten darunter, im Binnenland darüber). Im Südwesten und Süden dürfte sich im Einflussbereich des Hochkeils die Sonne häufiger zeigen. Schauer gibt es dort nur vereinzelt und bei T850 um 10 Grad reicht es in den Niederungen Südwestdeutschlands wieder verbreitet für 25 Grad, eventuell auch etwas mehr. Hitze ist aber nicht in Sicht und auch die Nächte fallen angenehm frisch aus.
Am Mittwoch ändert sich an der Gesamtkonstellation nur wenig, insgesamt bekommt das Muster aber mit Annäherung eines flachen kurzwelligen Troganteils, der in der Nacht zum Donnerstag die westliche Ostsee erreicht, einen leicht zyklonaleren Touch. Dadurch zieht sich der Bodenkeil etwas nach Südwesten zurück und vor allem in der Nacht zum Donnerstag kommt die etwas kühlere Luft ein wenig weiter nach Süden voran. Dennoch bleibt der Südwesten gegenüber dem Norden und Osten bevorzugt; dort gibt es kaum Schauer, es bleibt oft trocken und angenehm warm, während sich im Norden und Osten nur wenig ändert und die mittleren bzw. westlichen Landesteile eventuell auch noch in den Genuss einzelner Schauer kommen.
In der erweiterten Mittelfrist schwenkt dann der flache Trog am Donnerstag mit einzelnen Schauern durch, gefolgt von einem breiten Rücken, der am Freitag wieder für Wetterberuhigung sorgt. Dann allerdings deutet sich erneut ein Trogvorstoß über dem Nordmeer an, der insgesamt weiter westlich als vorher erfolgt, so dass die Wetterberuhigung eher kurz ausfallen dürfte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Den letzten IFS-Läufen kann eine gute Konsistenz bescheinigt werden. Den nach Mitteleuropa gerichteten Trogvorstoß am Wochenende sowie das Cut-Off über dem Baltikum bzw. dem Finnischen Meerbusen zeigen alle Läufe. Kleinere Unterschiede ergeben sich lediglich bzgl. der Wetterwirksamkeit der Randtröge, die an der Westflanke des Troges bzw. Höhentiefs über das Vorhersagegebiet hinwegschwenken. Dabei war der gestrige 12 UTC-Lauf vor allem am Mittwoch etwas zyklonaler aufgestellt als die beiden 00 UTC-Läufe.
Grundsätzlich verfolgen aber alle Läufe auch bis in die erweiterte Mittelfrist ein ähnliches Muster.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnliches gilt auch für die vorliegenden Globalmodelle: Alle zeigen den Trogvorstoß. Unterschiede ergeben sich dann vor allem ab Montag/Dienstag: So hat das ICON keinen Cut-Off auf der Agenda, GFS dagegen weiter südlich, über Ostpolen und Weißrussland. Die an deren Westflanke das Vorhersagegebiet passierenden Randtröge werden somit bzgl. der zeitlichen Abfolge und deren Geometrie mit kleineren Differenzen simuliert, was aber am grundsätzlichen Wettercharakter (Norden/Osten unbeständiger und kühler als Westen/Süden) bis in die erweiterte Mittelfrist nichts ändert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Läufe des IFS auf vier Cluster, die allesamt dem Großwetterlagenregime "Blocking" bzw. (ab 84 Stunden) "Atlantic Ridge" zugeordnet sind und sich für Mitteleuropa nicht nennenswert unterscheiden.
Diese Modelleinigkeit manifestiert sich dann im nächstfolgenden Zeitraum (T+120 bis 168 Stunden) mit nur einem Cluster, der die vom Hauptlauf apostrophierte Entwicklung gut widerspiegelt (Großwetterlagenregime "Atlantic Ridge").
Erst zum Ende der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) tauchen dann vermehrt Alternativlösungen auf (insgesamt 6 Cluster). Generell auffällig ist aber nach wie vor ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet über dem mittleren Nordatlantik. Nach Lesart der Cluster 1 (13 Member), 5 (7 Member) und 6 (4 Member) zieht sich das Hoch aber so weit nach Westen zurück, dass hierzulande zyklonale Lösungen dominieren, nach CL 1 und 5 auch mit eher normal temperierten bzw. leicht zu kühlen Luftmassen, nach CL 6 dagegen eher Süd zyklonal. CL 2, 3 und 4 (jeweils 12, 8 und 7 Member) belassen es dagegen eher bei meist antizyklonalen Nordwestlagen mit einem nach Mitteleuropa gerichteten Hochkeil.
Anhand der Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der ENS-Member in den Rauchfahnen einzelner Gitterpunkte im Vorhersagegebiet lässt sich der Vorstoß maritim erwärmter Polarluft nach Mitteleuropa sehr gut nachvollziehen. Der Temperaturrückgang und auch die weitere Temperaturentwicklung bis Mitte kommender Woche erfolgt in einem relativ engen Spread. Niederschlagssignale sind vor allem im Westen und Süden eher rar gesät und halten sich mengenmäßig auch im Norden und Osten sehr in Grenzen.
Ab der zweiten Hälfte der kommenden Woche gehen die Einzellösungen dann aber deutlich auseinander. Member mit T850 hPa nahe 5 Grad tauchen ebenso auf wie Member mit über 15, im Südwesten bis nahe 20 Grad.
FAZIT:
Die generelle Wetterentwicklung bis Mitte kommender Woche steht: Im Norden und Osten eher unbeständig und nur mäßig warm, an den Küsten sogar eher kühl (Tmax 18 bis 23 Grad), im Süden und Südwesten dagegen angenehmes Sommerwetter (Tmax meist 22 bis 26 Grad) mit höchstens vereinzelten Schauern und frischen Nächten. Hitze ist vorerst weit und breit nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen halten sich im gesamten Mittelfristzeitraum in Grenzen. Die Luftmasse ist gemäßigter Natur, so dass es vor allem von Samstag bis Montag und bevorzugt in der Nordosthälfte zu einzelnen kurzen Gewittern kommen kann, deren Begleiterscheinungen fallen aber maximal markant aus (stürmische Böen, Graupel/kleinkörniger Hagel, eventuell auch Starkregen).
Der Wind spielt warntechnisch vor allem an den Küsten eine Rolle. Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag reicht der Gradient insbesondere im Nordseeumfeld für stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen aus Nordwest; ob das auch an der Ostsee der Fall ist (dann auch eher in der Nacht zum und am Sonntag), ist noch unklar. Ebenso kann es auf exponierten Gipfeln (Brocken, Fichtelberg) einzelne Sturmböen geben.
Danach fächert der Gradient aber generell weiter auf.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





