Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 20.05.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Heute Abend noch zahlreiche, teils kräftige Schauer- und Gewitterentwicklungen, die in der Nacht deutlich nachlassen. Morgen deutlich weniger "Action" mit ein paar Schauern im Osten, sonst zunehmendem Hochdruckwetter und (hoch)sommerlichen Temperaturen Richtung Wochenende.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Aktuell ... ziehen die Reste eines geneigten Höhentroges mit Zentrum bei Schottland ostwärts durch. In gut durchmischter Grenzschicht sorgt dies trotz bereits einsetzenden Druckanstiegs am Boden noch für etwas Hebungsantrieb. In der Folge haben wir es im Laufe des Nachmittags bis in den Abend hinein noch mit allerhand Konvektion zu tun, die aber aufgrund von bereits vorhandener Absinkinversion spätestens ab ca. 750 hPa ihre Grenzen erreicht. Da sich die Luftmasse bereits hinreichend erwärmt hat, reicht es kaum noch für das Erreichen der 0°C-, geschweige denn der -10°C-Grenze, sodass elektrische Entladungen eher selten bleiben und nur sporadisch auftreten. Aber auch ohne Blitz entwickeln sich hier und da kräftige Schauer, die mitunter die Schwellen für markanten Starkregen erreichen und mitunter auch Graupel/kleinen Hagel sowie - thermodynamisch bedingt - starke bis stürmische Böen im Gepäck haben. Dieses konvektive Schauspiel verlagert sich gegen Abend mit seinem Schwerpunkt in die Osthälfte, während Druck- und Geopotentialanstieg im Westen für zunehmende Stabilität sorgt, sodass die Zahl der Schauer und Gewitter bereits allmählich nachlässt.
In der kommenden Nacht wird der Trog rasch weiter abgebaut und beeinflusst höchstens noch den Nordosten Deutschlands. Er läuft gegen ein blockierendes Hoch über Russland, gleichzeitig sorgt rückseitig einsetzende WLA am nachfolgenden atlantischen Rücken ebenfalls für den zunehmenden Abbau des Geopotentialminimums. Der atlantische Rücken gewinnt die Oberhand und dominiert nun das Geschehen. Dies manifestiert sich auch durch korrespondierenden Druckanstieg am Boden. Ein recht kräftiges Hoch, zunächst mit Kern über den Westalpen, dehnt sich zunehmend bis in den südwestdeutschen Raum aus. Zunehmende Wetterberuhigung ist dementsprechend die Folge. Anfänglich noch aktive Schauer fallen eingangs der Nacht in sich zusammen, die stärkste Aktivität beschränkt sich voraussichtlich auf den Nordosten sowie die östlichen Alpen vom Chiemgau bis zum Berchtesgadener Land. In der zweiten Nachthälfte lockert es gebietsweise auf, teils hält sich durch den Feuchteeintrag tiefe Bewölkung noch etwas länger, eventuell bildet sich bei hohen einstelligen Temperaturminima stellenweise auch das ein oder andere Nebelfeld.
Donnerstag ... weitet sich der Hochdruckeinfluss weiter aus. Die Achse des atlantischen Rückens liegt knapp westlich von uns, während das zugehörige Bodenhoch ganz langsam ostwärts wandert, und sich dabei eine Brücke von der Iberischen Halbinsel bis nach Westrussland aufbaut. Kleine Schönheitsfehler zeigen sich dabei noch im Nordosten, wo noch letzte Residuen des Höhentroges wirksam sind und ausgehend von Südskandinavien bodennah noch etwas tieferer Luftdruck vorherrscht. Diese äußern sich auch im Wettergeschehen: In der Osthälfte kommt es erneut zu zahlreichen konvektiven Entwicklungen. Allerdings fallen diese nicht mehr so kräftig aus wie am heutigen Nachmittag. Dafür dominiert die Absinkinversion mittlerweile zu deutlich. Für den ein oder anderen kräftigen Schauer dürfte es sicherlich reichen. Blitze sind dagegen ziemlich unwahrscheinlich, dafür ist die Luftmasse mittlerweile zu warm (-10°C-Isotherme bei über 600 hPa, Inversionsgrenze etwa 750 bis 700 hPa). Im Rest des Landes dominiert ein Mix aus Sonne und Wolken; vorhandene Restlabilität in der Grenzschicht wird hier in anfangs noch zahlreiche Cu-Bewölkung umgesetzt, die sich bis zum Abend nach und nach verringert oder sogar ganz auflöst. Dabei gilt: Je Südwesten, desto Sonne. Dementsprechend sind dort morgen auch die höchsten Temperaturen zu erwarten mit 26°C, vereinzelt vielleicht sogar 27°C. Sonst bleibt es meist bei Maxima zwischen 20°C und 25°C.
Die Nacht zum Freitag ist dann auch schnell abgehandelt: In der Südwesthälfte klarer Himmel, in der Nordosthälfte meist noch etwas dichtere Wolkenfelder und vereinzelt Nebel, je nachdem wo sich das Bodenhoch mit seinem Kern genau niederlässt. Bei Tiefstwerten von 5°C wird es regional nochmal recht frisch, vor allem im Norden bei Minima von 10°C aber teils schon deutlich milder als in den vergangenen Tagen und Wochen.
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... steht weiter ganz im Zeichen von Hochdruckwetter und zunehmend sommerlichen Verhältnissen. Am Oberrhein reicht es dann vielleicht sogar für die ersten 30er des Jahres. Viel mehr gibt es dazu nicht zu berichten, deswegen sei für weitere Ausführungen auf die Frühübersicht verwiesen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle sind sich im Wesentlichen einig; die morgige flache Schauerkonvektion wird nur noch von hochauflösenden Modellen erfasst. Im Modellwetter sind dabei auch noch Gewitter hinterlegt, die sich in der Modellphysik aber nicht mehr nachvollziehen lassen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
M.Sc. Felix Dietzsch
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 20.05.2026 um 10.30 UTC
Überwiegend ruhiges Hochdruckwetter. Sehr warm, gebietsweise heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 27.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag wird der von Südwest-/Westeuropa in Richtung westliches Mitteleuropa gerichtete Keil im Norden durch einen Kurzwellentrog abgeflacht. Am Boden ist leichter Hochdruckeinfluss wirksam, das gesamte Hochdruckgebiet erstreckt sich aber über weite Teile Europas, der Schwerpunkt des Hochs liegt dabei zunähst im Bereich Tschechien. Über Nordeuropa befinden sich eher kurzwellige Tröge und tiefer Luftdruck, das Frontensystem eines Tiefs schleift im Zusammenhang mit dem genannten Kurzwellentrog dann auch die nördlichen Landesteile. Mit Durchschwenken des Troges bildet sich ein neuer Hochschwerpunkt im Bereich der Britischen Inseln/südlichen Nordsee. Die Wetterwirksamkeit der genannten Front ist eher gering. Zeitweise ziehen Wolkenfelder durch, mit Ausnahme des Nordens und Nordostens sind das überwiegend hohe Wolkenfelder, im Bergland vielleicht hier und da ein paar harmlose Quellwolken. Vereinzelt kann im Norden oder eventuell auch im östlichen Bergland ein Schauer nicht ausgeschlossen werden, Gewitterrisiko sehr gering. Ein bisschen CAPE wird simuliert, ganz im Norden im KW-Trog-Umfeld etwas Scherung, Auslösetemperatur grenzwertig - meist dürfte es aber an Hebungsimpulsen fehlen und daher meist trocken bleiben. Die eingesickerte subtropische Luftmasse weist 850 hPa-Temperaturen meist zwischen 10 Grad im Norden und knapp 15 Grad im Südwesten auf. Somit stehen mit viel Sonnenschein vor allem in den südwestlichen/westlichen Landesteilen Tageshöchstwerten teils etwas über 30 Grad auf dem Programm.
Am Sonntag dominieren Hochkeil und Bodenhoch das Wettergeschehen im ganzen Land. Etwas Restfeuchte ist noch ganz im Norden und Nordosten und eventuell von der am Samstag angesprochenen "Restfront" von der Mitte bis in Südosten zu finden. Ein paar harmlose Wolkenfelder sind daher nicht ganz ausgeschlossen, aufgrund des dominierenden Absinkens scheint aber insgesamt überwiegend die Sonne. EZ rechnet über der Mitte sogar geringe Niederschläge, die unter dem Hochschwerpunkt aber sehr unwahrscheinlich erscheinen. Das Temperaturniveau mit 850 hPa-Temperaturen und viel Sonnenschein bleibt hoch und teils sommerlich heiß.
Am Montag deutet alles auf störungsfreies Hochdruckwetter. Der Hochschwerpunkt befindet sich bei den Britischen Inseln und der südlichen Nordsee. Abgesehen von ein paar harmlosen Quellwolken über dem südlichen Bergland viel Sonnenschein. Unter Absinken sich noch etwas weiter erwärmende Luftmasse, im Südwesten teils über 15 Grad in 850 hPa. Daher vor allem in der Süd-/Südwesthälfte weiterhin Höchsttemperaturen über 30 Grad.
Am Dienstag und Mittwoch verlagert sich der Hochschwerpunkt leicht nach West-/Nordwest. Durch die Austrogung über Nordosteuropa wird auch die Keilachse allmählich westwärts verschoben. Mit dem Trog dreht die Strömung zunehmend auf nördliche/teils nordöstliche Richtungen, so dass die warmen Luftmassen im Nordosten und Osten zunehmend durch kühlere Luftmassen ersetzt werden. Die 850 hPa-Temperaturen gehen bis Mittwoch über der Mitte auf 5 bis 10 Grad zurück, im Osten teils auch auf 2 bis 5 Grad. Die Höchsttemperaturen dürften daher insbesondere im Osten/Nordosten geringer ausfallen als zuvor, im MOS ist das allerdings noch nicht wirklich zu beobachten. Die von Nordost einströmende Luftmasse ist eher kontinental geprägt und daher recht trocken. In wie weit Hebungsimpulse vorhanden sind, bleibt abzuwarten, theoretisch könnte aber insbesondere der Osten in den Bereich trogvorderseitiger Hebung gelangen (auch der Jet wird über dem Osten bzw. dem angrenzenden Polen simuliert). Das Gewitterrisiko steigt also vor allem im östlichen Bergland und im (östlichen) Alpenraum tendenziell etwas an, als limitierender Faktor deutet sich aber der geringe Feuchtegehalt der Luftmasse an.
In der erweiterten Mittelfrist spricht einiges für ein weiterhin recht hohes Temperaturniveau. Neben weiterhin dominierendem Hochdruckeinfluss (aktuellster IFS-Lauf) gibt es auch Lösungen mit Druckfall und leicht zyklonalem Gepräge (z.B. flache Tiefdruckrinne Osten/Südosten und/oder einem potenziellen Höhentief über Frankreich, gestriger 12 UTC-Lauf). Warten wir es ab...
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz ist zu Beginn der Mittelfrist nicht ganz so gut. Der gestrige 00 UTC-Hauptlauf des EZMW zeigte ein doch recht markantes Höhentief im Laufe des Pfingstwochenendes. Diese Entwicklung war bereits gestern aber alles andere als sicher, auch andere Globalmodelle hatten das nicht im Programm. Die neueren Modellläufe des EZMW rudern diesbezüglich nun wieder zurück. Nachfolgend ist die Konsistenz recht gut. Zum Ende der Mittelfrist und in der erweiterten Mittelfrist werden die Unsicherheiten wieder größer und zeigen ein recht breites Spektrum möglicher Entwicklungen mi tendenziell eher leichtem Druckfall und damit eher leicht ansteigendem Gewitterpotenzial.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch andere Globalmodelle folgen dem aktuellen IFS-Lauf. Das gestern anvisierte Höhentief am Pfingstwochenende ist nicht zu finden, teilweise aber auch der angesprochene, streifende Kurzwellentrog im Norden/Nordosten. Nachfolgend wird allgemein auf Hochdruckeinfluss und sommerliches Temperaturniveau gesetzt. Ab Dienstag/Mittwoch nehmen die Differenzen der aktuellen Läufe zu, UK10 geht eher mit IFS mit und zeigt die Verschiebung der Keilachse nach Westen und damit tendenziell zyklonalen Einfluss sowie zurückgehende Temperaturen im Nordosten und Osten. ICON und GFS hingegen setzen noch weitgehend auf den Fortbestand des hochdruckdominierten Wetters.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag (von Samstag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC, +72 bis + 96 h) zeigt die Clusteranalyse des EZMW einen einzigen Cluster. Daher kann die Entwicklung mit dem durchschwenkenden Kurzwellentrog im Norden und sonst im Wesentlichen störungsfreiem Hochdruckwetter als recht sicher angesehen werden. Die Idee mit dem Höhentief am Sonntag scheint völlig verworfen. Im Folgezeitraum von Montag 00 UTC bis Mittwoch 00 UTC (+120 bis + 168 h) werden drei Cluster gezeigt. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 3 und zeigt die markanteste bzw. westlichste Variante des Nordosteuropa-Höhentroges. Insgesamt werden nahezu alle Cluster und Zeitschritte dem "Blocking" zugeordnet, Cluster 3 mit insgesamt 16 Membern zum Ende hin dem Regime "Atlantic Ridge", da eben die Keilachse westlicher liegt. Eine Fortsetzung des antizyklonal dominierten Wetters ist somit wahrscheinlich. Die erweiterte Mittelfrist ab Donnerstag 00 UTC (+192 h) wartet mit zwei Clustern (27 bzw. 24 Member, Kontrolllauf in Cluster 2) auf. Cluster 1 zeigt das Regime "Atlantic Ridge", Cluster 2 "Blocking". Für die Wetterentwicklung würde Cluster 1 auf zunehmend zyklonalen Einfluss von Nord/Nordost her hindeuten, die Keilachse liegt westlich unseres Vorhersagegebietes. Auch bei Cluster 2 liegt die Achse westlich von uns, allerdings ist die Strömung bei uns weiterhin eher antizyklonal konturiert.
Die Rauchfahnen sind bis einschließlich Sonntag ziemlich gut gebündelt, auf hohem Niveau in puncto Geopotenzial in 500 hPa und Temperatur in 850 hPa. Nachfolgend weitet sich der Spread, die Mehrzahl der Member bleibt aber auf einem eher hohen Geopotenzialniveau, bei der Temperatur ist da Bild diffuser. Niederschlagssignale sind im gesamten Mittelfristzeitraum recht spärlich. Geringe Signale mit dem Kurzwellentrog vor allem am Samstag im Norden, dann ab Dienstag/Mittwoch Signale von Einzelmembern.
Fazit:
Weitgehend hochdruckdominiertes, überwiegend störungsfreies Wetter im gesamten Mittelfristzeitraum. Sommerliches Temperaturniveau. Fortsetzung in der erweiterten Mittelfrist möglich, aber etwas unsicher.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Von den sommerlichen, teils heißen Temperaturen abgesehen, deuten sich zunächst keine markanten Wetterereignisse an. Auch der EFI zeigt hier Signale für eine positive Abweichung der Höchsttemperaturen gegenüber dem langjährigen Mittel.
Zum Ende der Mittelfrist steigt voraussichtlich vor allem im östlichen Bergland bzw. im Alpenraum allmählich das Gewitterrisiko. Aktuell deuten sich aber eher vom Bergland ausgehende, eher lokale Ereignisse an. Wenn überhaupt - siehe oben angesprochener, wahrscheinlich recht geringer Feuchtegehalt der Luftmasse.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger





