Synoptische Übersicht

Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

SXEU31 DWAV 151800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 15.10.2019 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
In der Nacht zum Mittwoch im Norden gebietsweise teils gewittriger Starkregen. Im Süden vorübergehend auffrischender Wind.
In den nächsten Tagen milde aber wechselhafte Südwestlage.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell ... weist die großräumige Potenzialverteilung weiterhin ein stark mäandrierendes Muster auf. Dabei fällt ein Hauptdarsteller ins Auge, der auf das hiesige Wettergeschehen bisher noch keinen nennenswerten Einfluss hat. Es handelt sich um keinen Geringeren als das hochreichende Sturmtief THILO, das seine Zelte über dem Seegebiet süd-südwestlich von Island aufgeschlagen hat. Wie es sich für ein steuerndes Zentraltief gehört (Kerndruck am Abend übrigens um 970 hPa) halten sich seine Ambitionen, sich vom Fleck wegzubewegen, sehr in Grenzen; kurzum, das Tief verlagert sich bis Mittwochfrüh nur geringfügig ostwärts.
Als Konterpart zum Zentraltief fungiert ein breiter Höhenrücken, der schwerpunktmäßig über Südosteuropa respektive dem Schwarzen Meer liegt, von wo aus er seine Fühler bis nach Südskandinavien und dem Europäischen Nordmeer bzw. dem westlichen Mitteleuropa aussteckt. Damit wäre auch schon die Erklärung für das heute in weiten Teilen des Landes noch mal sonnenscheinreiche und relativ hochtemperierte Spätsommerwetter gefunden (erneut wurden einige Sommertage mit mehr als 25°C registriert).
Für den Verlauf in naher Zukunft sind allerdings Systeme von Bedeutung, die bisher noch nicht erwähnt wurden. Da wäre zuerst ein negativ geneigter Randtrog mit gut ausgeprägter Amplitude zu nennen, der sich ausgehend vom hochreichenden Atlantiktief in südöstliche Richtung erstreckt. Heute Abend 18 UTC reicht seine Achse in 300 hPa etwa von Mittelengland über Frankreich bis hinunter zum Löwengolf. Er wird im Laufe der Nacht nordostwärts schwenken und damit den Vorhersageraum erreichen. Der Trog ist zwar nicht besonders flott unterwegs, dafür ist er ein recht kraftvoll aufgestellter Geselle, was u.a. an der IPV-Anomalie erkennbar ist. Auf seiner Vorderseite findet sich ein gut ausgeprägtes, sehr hebungsförderndes PVA-Maximum, das allerdings durch KLA teilkompensiert wird.
Neben dem Trog ist eine Kaltfront zu nennen, die zu einem flachen Tief über der nördlichen Nordsee gehört. Es handelt sich um eine klassische, zur Wellenbildung neigende Anafront, die Teile West- und Südwestdeutschlands bereits hinter sich gelassen hat. Sie trennt für Mitte Oktober außergewöhnlich warme Subtropikluft im Osten (T850 13 bis 17°C) von erwärmter Meeresluft subpolaren Ursprungs im Westen (Rückgang T850 auf 8 bis 3°C).
Um den Kohl nun noch richtig fett zu machen, sei noch ein flaches, teils thermisch induziertes, teils durch den alpinen Südföhn entstandenes Tief erwähnt (inzwischen konnte schon eine bis in die Mitte reichende Rinne analysiert werden), das sich in den nächsten Stunden in Richtung Ost- und Nordostdeutschland und von dort weiter gen Ostsee auf den Weg macht. Jetzt endlich natürlich die alles entscheidende Frage, wir wird denn nun das Wetter? - Zunächst mal kommen Kaltfront nebst postfrontalem Regengebiet langsam aber sicher ostwärts voran, wobei die Front durch die negative Achsneigung des nachstoßenden Randtrogs im Süden schneller vorankommt als im Norden. Apropos nachstoßender Randtrog, der Abstand zwischen eben diesem und der vorlaufenden Kaltfront verringert sich sukzessive, was wiederum eine wachsende Interaktion der beiden zur Folge hat. Gute Zusammenarbeit trägt Früchte, so auch in diesem Fall, wo die Niederschlagsintensität im Norden deutlich zunimmt. Hinzu kommt eine andauernde Feuchteflusskonvergenz, die durch die Nordverlagerung des thermischen Tiefs noch etwas verschärft wird. Spezifische Grundschichtfeuchte von rund 10 g/kg und PPWs über 30 mm lassen durchaus höhere Regenmengen zu, die von den Modellen mit 20 bis 30 mm, punktuell um 40 mm innert weniger Stunden veranschlagt werden. Wahrscheinlich bildet sich in den Abendstunden irgendwo im Bereich Nordhessen/Ostwestfalen ein teils gewittriger Cluster, der im weiteren Verlauf über Niedersachsen in Richtung SH/Mecklenburg zieht. Apropos Gewitter, diese können nicht nur im Bereich des Starkregenclusters, sondern als diskrete Zellen allgemein im Frontbereich (und somit am Vorderrand des Regengebiets) auftreten, vor allem im Norden und in der Mitte. Die Luftmasse ist leicht labil geschichtet und abgehobenes MU-CAPE (einige 100 J/kg) ist zumindest in der ersten Nachthälfte vorhanden. Wenn Gewitter auftreten, dann müssen Starkregen und/oder Böen 7-8 Bft ins Kalkül gezogen werden. In Süddeutschland ist die Gewitterwahrscheinlichkeit deutlich niedriger als weiter nördlich. Auch regnet es wegen der geringeren dynamischen Unterstützung weniger, gleichwohl reicht es an den Alpen für rund 10 mm/12 h. Dabei sinkt die Schneefallgrenze auf etwa 1800 m, inneralpin sogar noch etwas darunter. Thema Wind, der frischt im Süden von West nach Ost vorübergehend böig auf (7-8 Bft, Hochlagen exponiert 9 Bft) mit einer krassen Winddrehung von Ost auf westliche Richtungen. Ursache ist die Passage einer markanten Druckwelle nach Abzug des Föhntiefs, die zum Aufbau eines von Schweiz bis nach Süddeutschland reichenden Hochkeils führt. Auch in den mittleren Landesteilen verschärft sich der Gradient zwischen dem abziehenden Tief und dem Hochkeil so weit, dass die eine oder andere 7er-Böe (im höheren Bergland auch 8 Bft) dabei herausspringt. Der Chronistenpflicht halber sei noch erwähnt, dass sich Richtung Oder, wo es bis zum Morgen noch trocken und wolkenarm bleibt, einige Nebelfelder bilden können.

Mittwoch ... schwenkt der Randtrog nordostwärts durch, was im Süden ziemlich flott, im Norden hingegen eher widerwillig vonstattengeht. Folglich tut sich auch die Kaltfront schwer, den Norden oder besser Nordosten zu verlassen, ist ja auch ´ne schöne Gegend dort. Mittlerweile hat sich die Front dem sich über der Ostsee intensivierenden ehemaligen Föhntief angeschlossen, während das ursprüngliche "Muttertief" SEBASTIEN irgendwo im Übergangsbereich von Nordsee zum Nordmeer sein Leben aushaucht (kurze Anmerkung: die Namensgebung der FU Berlin sieht in dem Tief über der Ostsee SEBASTIEN, was de facto aber nicht richtig ist; hier hätte man einen neuen Namen vergeben müssen). Nun sind Namen nur Schall und Rauch, entscheidend ist, was auf dem Parkett wirklich abgeht. Und da lässt sich konstatieren, dass es im Nordosten noch längere Zeit schauerartig verstärkt regnet, am längsten (bis weit in den Nachmittag) in Vorpommern. Akkumuliert über 12 h können dabei noch mal 5 bis 15 mm zusammenkommen, die von GFS (00- und 06-UTC-Läufe) angebotenen Peaks von 30-40 mm haben Alleinstellungsmerkmal).
Hinter dem abziehenden Randtrog schiebt sich ein flacher Rücken über den Vorhersageraum, der für schwachen Zwischenhocheinfluss sorgt. So lockert die Bewölkung nach Abzug des Regens zwischen Nordsee und Sachsen, später auch weiter nordöstlich vorübergehend mal auf, und in weiten Teilen Bayerns und BWs zeichnet sich sogar ein sonniger bis locker bewölkter Tag ab. Ansonsten wurde das Attribut "schwach" beim Zwischenhocheinfluss bewusst gewählt, wird doch der flache Rücken einmal mehr von WLA überlaufen, die von Westen her nicht nur reichlich mehrschichtige Bewölkung über die Mitte ost-nordostwärts verfrachtet, sondern am Nachmittag und Abend gebietsweise auch leichten Regen bringt. Dann wäre da noch der Wind, der aus Süd bis Südwest kommend in den mittleren Landesteilen zeitweise böig auffrischt mit Böen 7 Bft in freien Lagen (und im Lee der Mittelgebirge) und Böen 8 Bft in exponierten Hochlagen (die treten am Vormittag auch noch in den Hochlagen Süddeutschlands auf). Auf dem Brocken schwingt sich der Wind in Böen sogar bis in den 9/10er-Bereich auf, was dort aber nichts Besonderes ist.
In der frisch eingeflossenen erwärmten subpolaren Meeresluft werden immer noch Höchstwerte zwischen 16 und 21°C erreicht (am wärmsten der südliche Oberrheingraben und der Hochrhein), lediglich im Dauerregen Nordostdeutschlands wird es wohl nix werden mit dem Überschreiten der 15°C-Marke.

In der Nacht zum Donnerstag hat sich das hochreichende Zentraltief THILO inzwischen dichter an Irland herangemogelt. Die zugehörige Okklusion verläuft im Bogen über die Nordsee und Frankreich hinweg nach Südwesten, ohne dabei den ganz großen Zugriff auf den Vorhersageraum zu bekommen. Trotzdem steht der Nordwesthälfte eine wolkenreiche Nacht mit zeitweiligen leichten, im Bergland auch mal mäßigen Regenfällen bevor. Die nötigen Hebungsimpulse liefern schwache WLA sowie in der südwestlichen Höhenströmung nordostwärts ablaufende kurze Wellen.
Nach Südosten hin bleibt die Szenerie leicht antizyklonal geprägt, meint trocken, vielfach wolkenarm, teilweise sogar klar. In den Flussniederungen (vor allem an Donau), vielleicht auch im Alpenvorland bildet sich gebietsweise Nebel, außerdem besteht im Südosten Bayerns Bodenfrostgefahr. Der auf südliche Richtungen rückdrehende Wind bleibt in exponierten Hochlagen frisch, in Böen teils stürmisch, auf dem Brocken auch sehr stürmisch.

Donnerstag ... verbleibt Deutschland unter der südwestlichen, leicht diffluent geprägten Höhenströmung vorderseitig des sich nun noch dichter an Irland annähernden, sich etwas auffüllenden Zentraltiefs. In dieser SW-Strömung ziehen weiterhin kurzwellige Troganteile nordostwärts über den Vorhersageraum hinweg, die die allmählich von Nordwesten übergreifende Okklusion in ihren Bemühungen, Wetter zu produzieren, tapfer unterstützen. Kurzum, im Westen, im Norden sowie in weiten Teilen der Mitte präsentiert sich der Donnerstag wolkenverhangen und vielfach regnerisch, auch wenn unter dem Strich gar nicht so viel Regen fällt. Bis zum Abend sind es meist weniger als 5 mm/12 h, der Wettercharakter wird dadurch aber nicht wesentlich freundlicher.
Wer es auf Sonnenschein abgesehen hat, sollte sich gen Süd- und Ostbayern orientieren, wo leichter Hochdruckeinfluss wolkenauflösend wirkt und es am Alpenrand sogar etwas föhnig wird. Dort wird es mit rund 20°C auch am wärmsten, aber auch sonst wird es in Deutschland mit Maxima zwischen 14 und 19°C alles andere als kalt. Windmäßig wird der Tag auch nicht in die Annalen besonderer meteorologischer Ereignisse gehen, einzig im Bergland reicht es hier und da für Böen 7-8 Bft, je nach Exposition.

In der Nacht zum Freitag kommt die Okklusion geringfügig ost-südostwärts voran, was auch für den zugehörigen Regen gilt. Die Mengen bleiben aber überschaubar fernab jedweder Warnrelevanz. Hin und wieder gibt es ohnehin auch mal niederschlagsfreie Phasen und im äußersten Südosten bleibt es wahrscheinlich ganz trocken (=> Nebelfelder).
Eine besondere Würdigung geht in Richtung Nordwesten, also in die postfrontale Area, wo ein kleiner Schluck Höhenkaltluft hineingespült wird, die wiederum eine leichte Labilisierung der einfließenden erwärmten Meereskaltluft initiiert. Die Folge sind konvektive Umlagerungen bis hin zu vereinzelten Gewittern, vor allem in Teilen NRWs und NDSs.

Freitag ... erreicht das Zentraltief endlich die "Grüne Insel", wo es sich weiter auffüllt. Wir bleiben im Genuss der aufgrund ihrer strömungsparallelen Exposition schleifenden, weitgehend stationären Okklusion. Wo sich dieses Exemplar genau aufhalten wird, ist noch nicht ganz sicher. Auflockerungen sind präfrontal im Osten und Südosten sowie postfrontal im Nordwesten am wahrscheinlichsten, insgesamt gilt es aber, sich auf einen wolkenreichen und wechselhaften Tag mit zeitweiligen, vereinzelt gewittrigen Regenfällen einzustellen. Bei weiterhin milden 14 bis 20°C Höchsttemperatur frischt der Süd-Südwestwind in der Mitte sowie im Westen und Nordwesten mitunter auf mit Böen 7 Bft, Hochlagen 8 Bft (Brocken mehr), auf der Nordsee später 8-9 Bft.

Modellvergleich und -einschätzung

An der grundlegenden Entwicklung bestehen keine Zweifel. Mit Unsicherheiten behaftet sind immer noch der genaue Windablauf im Süden sowie der Starkregen/Gewitter im Norden. Inzwischen liegen Hinweise vor, dass die Druckwelle im Süden doch nicht so kräftig ausfällt wie ursprünglich simuliert. Für den Starkregen/Gewitter wurde sich auf ein vergleichsweises kurzfristiges, entwicklungsabhängiges In-situ-Warnmanagement geeinigt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

Synoptische Übersicht Mittelfrist

Synoptische Übersicht Mittelfrist

ausgegeben am Dienstag, den 15.10.2019 um 10.30 UTC

Unbeständig mit wellenden Frontensystemen, dabei zeitweilig geringe Gefahr von Stark-/Dauerregen. Vor allem in Hochlagen zeitweise Sturmböen.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 22.10.2019

Am Freitag, zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes, liegt Deutschland nach IFS auf der Vorderseite eines breiten Troges über Westeuropa und dem nahen Ostatlantik in einer moderaten südwestlichen Höhenströmung. Sein Drehzentrum befindet sich nordwestlich Irlands. Dort ist auch der Kern des korrespondierenden Zentraltiefs situiert, dessen wellendes Frontensystem sich über Deutschland befindet. Dabei kann man aufgrund der Felder des IFS durchaus von einer wellenden Kaltfront ausgehen. Zu Beginn des Tages liegt ein Teiltief über der Kieler Bucht (dort befindet sich auch der Okklusionspunkt), von dem aus sich die Kaltfront über den Osten und die Mitte Deutschlands bis nach Frankreich und zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Über dem Westen Deutschlands deutet sich schon wieder die nächste Wellenbildung an, die alsbald zur Deutschen Bucht zieht und bedingt, dass die Luftmassengrenze zum Mittagstermin nun wieder über der Westhälfte Deutschlands verläuft. Am Okklusionspunkt bildet sich am Abend über den Forties ein Randtief. Die Kaltfront kommt indes vor allem in ihrem Nordteil weiter nach Osten voran, hingegen hängt sie über dem Süden Deutschlands zurück. Mit dem Vorankommen der Kaltfront werden auch allmählich die Reste der Warmluft aus dem Südosten verdrängt - mittags sollen dort im 850-hPa-Niveau noch Temperaturen von knapp über 10 °C herrschen. Im äußersten Nordwesten sind es hingegen nur noch Temperaturen um 5 °C, die im Tagesverlauf auf die gesamte Nordwesthälfte ausdehnen. An der Luftmassengrenze kommt es zeitweilig zu meist leichten bis mäßigen, teilweise auch mal schauerartig verstärkten Regenfällen.

Am Samstag ändert sich an der Lage nicht viel: Der Trog über Westeuropa weitet sich etwas weiter nach Süden aus, auch sein Drehzentrum erreicht gerade einmal den Südosten Irlands. Über dem Süden Deutschlands setzt die nächste Welle an, die bis zum Tageswechsel in den Nordosten Deutschlands zieht. Dabei regnet es vor allem auf deren kalten Seite, zum Abend und in der Nacht zum Sonntag "befeuert" durch kurzwellige Troganteile streifenweise auch mal kräftiger. Lokal werden dabei knapp an die 20 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden gezeigt.

Am Sonntag verabschiedet sich die Welle alsbald zur Ostsee und schließlich nach Südschweden, die Luftmassengrenze verläuft in einem weiten Bogen über Polen und Tschechien nach Süddeutschland und von dort aus weiter zum Zentralmassiv. An den Alpen setzt mit der infolge der allmählichen Wellenlängenverkürzung und Amplitudenvergrößerung des Troges noch etwas mehr auf Südsüdwest drehenden Höhenströmung leichter Föhn ein, sodass sich auf der Alpennordseite ein Leetief bildet. Die Luftmassengrenze liegt aber wohl etwas weiter nördlich und befindet sich zum Tageswechsel diagonal von Südwest nach Nordost über Deutschland. Mit Niederschlagssignalen indes geizt das IFS: Abgesehen vom abziehenden Regen im Nordosten, ein wenig Niederschlag im Umfeld der Luftmassengrenze und einzelnen schwachen Schauern im Nordwesten findet man derlei kaum.

Am Montag schnürt sich der Trog über Westeuropa weiter ein und tropft abends schließlich auch ab, das Drehzentrum befindet sich dann über Spanien. Dadurch dreht die Höhenströmung vollends auf Süd. Die weiterhin wellende Luftmassengrenze befindet sich noch diagonal von Südwest nach Nordost über Deutschland. Vorübergehend wird im Zusammenspiel mit der drehenden Höhenströmung niedertroposphärisch etwas wärmere Luft in den Osten und Südosten geführt (Anstieg der T850 auf oder knapp über 10 °C) Dabei regnet es auf ihrer kalten Seite, strichweise sogar mal kräftiger, sodass ein Überschreiten von Starkregenwarnschwellen nicht ausgeschlossen ist. Auch das ein oder andere Gewitter ist bei moderater Labilität denkbar. Am Abend verabschiedet sich die Luftmassengrenze mit einem nach Ostpolen ziehenden Tief aus weiten Teilen Deutschlands, im Südosten lässt sie sich allerdings noch finden. Dort setzen vor allem südlich der Donau wieder mäßige Regenfälle ein. Auch im Norden regnet es dann an der rückgebundenen Okklusion leicht.

Am Dienstag macht die Luftmassengrenze wieder etwas Raum nach Norden gut und liegt zonal relativ genau über der Mitte Deutschlands. Anfänglich regnet es im Südosten noch mäßig, im weiteren Tagesverlauf halten sich die Niederschläge allerdings in Grenzen, da sich das abgetropfte Höhentief zu den Balearen verlagert und sich über Deutschland ein Höhenrücken etabliert. Der Norden profitiert zudem von einer schmalen und relativ schwachen (weil durchaus gestörten) Hochdruckzone, die von den Azoren über die Kanalanrainer und das nördliche Mitteleuropa bis nach Zentralasien reicht, sodass es dort vor allem in der zweiten Tageshälfte größere Auflockerungen geben kann. Insgesamt dreht die bodennahe Strömung auf Ost, im Süden ist der Gradient auch etwas stärker ausgeprägt - aus jetziger Sicht kommt es aber wahrscheinlich nicht zu warnwürdigen Böen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen Laufes des IFS ist über nahezu den gesamten mittelfristigen Zeitraum hoch, signifikante Unterschiede hinsichtlich der großräumigen synoptischen Strukturen ergeben sich nicht. Einzig am Dienstag zeigt sich im neuesten Lauf ein stärkerer antizyklonaler Einfluss als in den Vorläufen.
Verteilung und das Timing der Niederschläge werden zwar von Lauf zu Lauf etwas unterschiedlich gerechnet, in der Akkumulation wird aber konsistent deutlich, dass das Gros der Niederschläge in der Westhälfte fallen wird (gebietsweise 40 bis 50 mm), während von Brandenburg bis in den Südosten Bayerns nur um 10 mm zusammenkommen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Wesentlichen zeigen die anderen Globalmodelle zunächst ähnliche Szenarien. Unterschiede gibt es primär im Timing: GFS lässt die wellenden Fronten am zügigsten nach Osten durchziehen, ICON ist deutlich langsamer, IFS liegt in etwa in der Mitte. In der neuen Woche - vor allem am Dienstag - zeigen sich dann doch größere Unterschiede: Statt des Rückens zeigt vor allem GFS einen scharfen Trog (als nördliches Residuum des ehemaligen Troges), dessen Wetterwirksamkeit allerdings - trotz hochreichend kalter Luft - sehr limitiert sein soll. Auch ICON hat einen ähnlich scharfen Trog im Angebot, lässt diesen aber zügig nach Osten abziehen. Zudem verläuft die Bodenantizyklone weiter südlich, was für den Norden eine eher westliche und somit feuchtere Strömung bedeuten würde.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für eine repräsentative Auswahl deutscher Städte zeigt bis Montag einen meist relativ gebündelten Verlauf der Kurvenschar. Dabei erkennt man den ganz allmählichen Temperaturrückgang im 850-hPa-Niveau. Die Ausnahme bildet dabei der Südosten (München, teilweise auch Leipzig), wo die Kurven schon am Wochenende auseinanderlaufen, da nicht ganz sicher ist, inwiefern sich dort nochmals wärmere Luft durchsetzt. Ansonsten spricht das zunehmende Aufspreizen der Kurvenschar am Dienstag für die steigenden Unsicherheiten. Haupt- und Kontrolllauf liegen sowohl bei der T850 als auch beim 500-hPa-Geopotenzial in etwa mittig.

Beim Clustering gibt es für den Zeitraum von Freitag bis Samstag (T+72...96h) drei Cluster, die mit 22, 18 und elf Membern besetzt sind. Der Kontrolllauf lässt sich dem ersten, der deterministische Lauf dem dritten Cluster zuordnen. Für Mitteleuropa gibt es allerdings keine signifikanten Unterschiede in den Strukturen. Auch für den Zeitraum von Sonntag bis Dienstag (T+120...168h) gibt es drei Cluster mit der gleichen Zuordnung von Haupt- und Kontrolllauf. Sogar die Besetzung mit 23, 18 und zehn Membern ist ähnlich verteilt. Für Sonntag und Montag gibt es erneut keine wesentlichen Unterschiede mit Auswirkung auf unser Vorhersagegebiet (abgesehen davon, dass beim Cluster II der Trog etwas weiter nach Osten vorankommt). Am Dienstag jedoch sind die Unterschiede bedeutend größer. Bei Cluster II liegt nämlich der abgetropfte Trog weiter östlich über Frankreich und die Zone hohen Geopotenzials läuft weiter nördlich über Südskandinavien. Zudem wäre das Wettergeschehen nach dieser Variante auch im Bodenniveau zyklonaler geprägt. Cluster I lässt zwar den Trog nur geringfügig weiter östlich abtropfen als Cluster III (zur Erinnerung: der deterministische Lauf lässt sich diesem Cluster zuordnen), allerdings kommt es nicht zum Aufbau der Potenzialbrücke über Deutschland. Vielmehr findet man ähnlich wie beim ICON und GFS einen Trog, der über den Norden Deutschlands hinwegschwenkt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Stark-/Dauerregen:
Seitens der Ensembles gibt es nur ausgesprochen geringe Hinweise auf Stark- bzw. Dauerregenereignisse am Samstag und Montag. Von der Deterministik her sind diese zumindest strichweise denkbar.

stürmische Böen/Sturmböen:
Am Freitag gibt es beim IFS-EPS schwache Signale für stürmische Böen an exponierten Abschnitten der Nordseeküste (v.a. Helgoland, Sylt) und in der Eifel. Am Sonntag zeigen sich beim IFS-EPS erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen auf den Alpengipfeln.

Basis für Mittelfristvorhersage

IFS, IFS-EPS, EZ-MOS

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Stefan Bach

Boden Analyse DWD

Quelle: © Deutscher Wetterdienst, Offenbach

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