Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 22.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL SWz
Am Freitag markantes Sturmtief mit teils kräftigen Gewittern vom Südwesten bis zur Mitte und Potential für schwere Sturmböen vom Niederrhein bis Emsland. Ab der Nacht auf Sonntag neues Sturmtief, dann auch mit Dauerniederschlägen.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... überquert der sich abschwächende Haupttrog Deutschland nordostwärts und schiebt damit das aktuell noch im Osten und Südosten liegende Niederschlagsgebiet aus Deutschland heraus. Bevorzugt im Süden macht sich dann ein flacher Rücken bemerkbar, der für reichlich Sonne sorgt. Aber auch im Lee (SSO-Wind) der östlichen Mittelgebirge kann sich im Dreiländereck Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen häufiger die Sonne zeigen. Von Westen nähert sich ein neuer Randtrog, der zunehmend die Funktion des Haupttroges übernimmt. Die konvektiv verstärkten Niederschläge, die sich derzeit noch über dem Ärmelkanal befinden, greifen damit ab dem späten Vormittag auf den Westen und Nordwesten über und breiten sich bis zum Abend bis in die mittleren Landesteile aus. Vornehmlich handelt es sich dabei um Schauer, die auch nicht sonderlich kräftig aussehen. Im Nordwesten (vom unteren Niederrhein bis zur Nordsee), wo der Trog schärfer ausgeprägt ist, wird am Nachmittag auch etwas CAPE simuliert. Die einzelnen Gewitter können bei guter Scherung im unteren Troposphärenbereich auch mal recht zackig unterwegs sein. Dies erkennt man auch an den Vorticity-Spuren der hochaufgelösten Modelle. Für UH-Tracks (im mittleren Troposphärenbereich) ist die Konvektion zu flach. Stürmische Böen sollten bei den Gewittern eingeplant werden.
Auch sonst legt der Wind im Tagesverlauf zu. An der Nordsee gibt es schon jetzt teils stürmische Böen aus Süd bis Südwest. Im Laufe des Tages sind über der freien See auch Sturmböen möglich (Bft 9). Im weiteren Tagesverlauf sind ganz allgemein im Westen und Nordwesten einzelne Windböen zu erwarten (Bft 7), vor allem in der Nähe von Schauern. Im höheren Bergland sind Windböen, auf den Bergen Sturmböen zu erwarten. Am Abend lässt der Wind rasch nach. In der Nacht auf Freitag zieht ein flacher Rücken nordostwärts über Deutschland und sorgt für eine ruhige Nacht. Der südliche Wind spielt zunächst keine Rolle mehr, frischt aber ausgangs der Nacht im Bergland und in einigen Leelagen im Westen bereits wieder böig auf.
Im Westen wird der Rücken bereits von WLA überlaufen. Aufgleitniederschläge greifen damit in der zweiten Nachthälfte auf die westlichen Landesteile über. Bevorzugt im Südosten kann sich bei windschwachen Verhältnissen das eine oder andere Nebelfeld in den Flussniederungen bilden.
Freitag... verlagert sich ein kräftiges Höhentief mit korrespondierendem Bodentief (warmer Kern, Shapiro-Keyser) vom Ärmelkanal bis zu den Niederlanden. Im weiteren Verlauf, also in der Nacht auf Samstag, zieht es in den Norden Deutschlands, füllt sich aber rasch wieder auf. Das Tief wird auf seiner Südseite von einem Jetmaximum in 300 hPa flankiert. Der linke Ausgang des Jetmaximums stützt einen vorgelagerten kurzwelligen Troganteil. Damit kann sich von Südwesten bis zur Mitte in einer Umgebung mit sehr guter Scherung etwas CAPE aufbauen, sodass ab den Mittagsstunden bis in den Nachmittag einzelne kräftige Gewitter entstehen können. Diese lassen sich auch gut in den LPI-Tracks finden. Auch die UH-Tracks zeigen, dass diese Gewitter durchaus recht knackig ausfallen können. Die Hodographen zeigen knapp 50 kn in etwa 1,5 km Höhe. Man sollte also durchaus Sturmböen einplanen. Selbst Bft 10 kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Im weiteren Nachmittagsverlauf schwächen sich die Schauer und Gewitter bei ihrer Verlagerung nach Nordosten ab. Ganz allgemein breiten sich unabhängig vom konvektiven Anteil Aufgleitniederschläge über ganz Deutschland aus, die je nach Lage (Lee vs. Luv) mal mehr, mal weniger intensiv ausfallen. Der Wind nimmt mit dem zunehmenden Gradienten ganz allgemein zu, sodass auf der Südflanke des Tiefs verbreitet mit starken bis stürmischen Böen aus Süd bis Südwest zu rechnen ist (Bft 7/8). Aufgrund der abseits des kurzwelligen Troganteils eher wieder stabilen Schichtung hängt die Stärke der Böen ebenso von der Lee-Luv-Situation ab. Richtig interessant wird es dann noch einmal am Abend und in der ersten Nachthälfte, wenn der Bodentiefkern von Westen her übergreift. Unmittelbar an der Südflanke lässt sich im ICON-Modell ein Windmaximum in 850 hPa mit rund 70 kn ausmachen. Allerdings ist die Schichtung zunächst weiterhin recht stabil. Die Frage ist, ob sich im Verlauf eine Art Cold Jet ausbilden kann, der die Höhenwinde nach unten mischt. Zumindest die deutsche Modellkette ist dabei äußerst aggressiv und simuliert vom unteren Niederrhein bis zum Emsland durchaus einen Streifen mit Böen der Stärke Bft 10. Selbst Bft 11 wäre demnach im Grenzbereich zu den Niederlanden nicht auszuschließen. Was die genaue Zugbahn und Stärke des Tiefs betrifft, gibt es allerdings noch Unsicherheiten. EZ hatte das Tief im gestrigen 12-UTC-Lauf noch auf einer südlicheren Zugbahn und schwächer simuliert. Im neuesten Lauf ist EZ nun aber ähnlich wie ICON, wenngleich der Kerndruck etwas höher und die Windböen etwas schwächer berechnet werden. AROME ist ähnlich aggressiv wie ICON. Der Rest der Modellwelt fällt dagegen eher etwas gedämpfter aus. Die genaue Ausprägung des Windmaximums lässt sich nur im Nowcasting bestimmen. Wird der Höhenwind nach unten gemischt, sind schnell Bft 10 und einzelne Böen der Stärke Bft 11 mit dabei. Wenn nicht, bleibt es bei Bft 8/9. Demnach wäre eine großräumige markante Grundwarnung ratsam, die dann im Nowcasting gegebenenfalls für ein paar Stunden aufgestockt werden müsste. Im höheren Bergland gibt es allgemein Sturm, auf den Gipfeln je nach Exponiertheit Bft 10 bis Bft 11. An der Nordsee wird Südostwind der Stärke Bft 7/8 prognostiziert, der auf der freien See bis Bft 10 zunehmen kann. Im Südosten und äußersten Osten bleibt der Wind eher schwach. Mit etwas Sonne ist es dort auch recht freundlich.
In der Nacht auf Samstag füllt sich das Tief wie angesprochen über dem Norden Deutschlands rasch auf. Der Gradient auf der Südflanke bleibt kräftig, und das Windmaximum verlagert sich in die nördliche Mitte. Dort sind weiterhin Sturmböen möglich. Sonst lässt der Wind im Tiefland in der zweiten Nachthälfte allgemein nach. Auf den Bergen und an der Nordsee bleibt es stürmisch, an der Ostsee gibt es Windböen.
Mit Auflockerungen fallen die Temperaturen nachts in den unteren einstelligen Bereich, auf den Bergen kann es leichten Frost geben.
Samstag... verlagert sich ein kräftiges Höhentief mit korrespondierendem Bodentief vom Ärmelkanal bis zu den Niederlanden. Im weiteren Verlauf, also in der Nacht auf Samstag, zieht es in den Norden Deutschlands, füllt sich aber rasch wieder auf. Das Tief wird auf seiner Südseite von einem Jetmaximum in 300 hPa flankiert.
Der linke Ausgang des Jetmaximums stützt einen vorgelagerten kurzwelligen Troganteil. Damit kann sich von Südwesten bis zur Mitte in einer Umgebung mit sehr guter Scherung etwas CAPE aufbauen, sodass ab den Mittagsstunden bis in den Nachmittag einzelne kräftige Gewitter entstehen können. Diese lassen sich auch gut in den LPI-Tracks finden. Auch die UH-Tracks zeigen, dass diese Gewitter durchaus recht knackig ausfallen können. Die Hodographen zeigen knapp 50 kn in etwa 1,5 km Höhe. Man sollte also durchaus Sturmböen einplanen. Selbst Bft 10 kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Im weiteren Nachmittagsverlauf schwächen sich die Schauer und Gewitter bei ihrer Verlagerung nach Nordosten ab. Ganz allgemein breiten sich unabhängig vom konvektiven Anteil Aufgleitniederschläge über ganz Deutschland aus, die je nach Lage (Lee vs. Luv) mal mehr, mal weniger intensiv ausfallen. Der Wind nimmt mit dem zunehmenden Gradienten ganz allgemein zu, sodass auf der Südflanke des Tiefs verbreitet mit starken bis stürmischen Böen aus Süd bis Südwest zu rechnen ist (Bft 7/8). Aufgrund der abseits des kurzwelligen Troganteils eher wieder stabilen Schichtung hängt die Stärke der Böen ebenso von der Lee-Luv-Situation ab. Richtig interessant wird es dann noch einmal am Abend und in der ersten Nachthälfte, wenn der Bodentiefkern von Westen her übergreift. Unmittelbar an der Südflanke lässt sich im ICON-Modell ein Windmaximum in 850 hPa mit rund 70 kn ausmachen. Allerdings ist die Schichtung zunächst weiterhin recht stabil. Die Frage ist, ob sich im Verlauf eine Art Cold Jet ausbilden kann, der die Höhenwinde nach unten mischt. Zumindest die deutsche Modellkette ist dabei äußerst aggressiv und simuliert vom unteren Niederrhein bis zum Emsland durchaus einen Streifen mit Böen der Stärke Bft 10. Selbst Bft 11 wäre demnach im Grenzbereich zu den Niederlanden nicht auszuschließen. Was die genaue Zugbahn und Stärke des Tiefs betrifft, gibt es allerdings noch Unsicherheiten. EZ hatte das Tief im gestrigen 12-UTC-Lauf noch auf einer südlicheren Zugbahn und schwächer simuliert. Im neuesten Lauf ist EZ nun aber ähnlich wie ICON, wenngleich der Kerndruck etwas höher und die Windböen etwas schwächer berechnet werden. AROME ist ähnlich aggressiv wie ICON. Der Rest der Modellwelt fällt dagegen eher etwas gedämpfter aus. Die genaue Ausprägung des Windmaximums lässt sich nur im Nowcasting bestimmen. Wird der Höhenwind nach unten gemischt, sind schnell Bft 10 und einzelne Böen der Stärke Bft 11 mit dabei. Wenn nicht, bleibt es bei Bft 8/9. Demnach wäre eine großräumige markante Grundwarnung ratsam, die dann im Nowcasting gegebenenfalls für ein paar Stunden aufgestockt werden müsste. Im höheren Bergland gibt es allgemein Sturm, auf den Gipfeln je nach Exponiertheit Bft 10 bis Bft 11. An der Nordsee wird Südostwind der Stärke Bft 7/8 prognostiziert, der auf der freien See bis Bft 10 zunehmen kann. Im Südosten und äußersten Osten bleibt der Wind eher schwach. Mit etwas Sonne ist es dort auch recht freundlich.
In der Nacht auf Samstag füllt sich das Tief wie angesprochen über dem Norden Deutschlands rasch auf. Der Gradient auf der Südflanke bleibt kräftig, und das Windmaximum verlagert sich in die nördliche Mitte. Dort sind weiterhin Sturmböen möglich. Sonst lässt der Wind im Tiefland in der zweiten Nachthälfte allgemein nach. Auf den Bergen und an der Nordsee bleibt es stürmisch, an der Ostsee gibt es Windböen.
Mit Auflockerungen fallen die Temperaturen nachts in den unteren einstelligen Bereich, auf den Bergen kann es leichten Frost geben.
Modellvergleich und -einschätzung
Die noch bestehenden Detailunsicherheiten wurden im Haupttext beschrieben. Die grundlegende Entwicklung wird recht ähnlich simuliert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 22.10.2026 um 10.30 UTC
Turbulenter Sonntag mit schwerem Sturm an der Nordsee. Danach zunächst weiter wechselhaft, aber zahmer. Ab Wochenmitte zunehmender Hochdruckeinfluss.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 29.10.2026
Wie sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet hat, startet die Mittelfrist am kommenden Sonntag mit einem echten Paukenschlag. Nachdem mit LUISE (int. Austen) schon im Laufe des morgigen Freitags ein erster knackiger Wirbel bei uns vorbeischaut (mehr dazu wie üblich in der Synoptischen Übersicht Kurzfrist), rauscht am Wochenende die nächste Granate vom Atlantik heran. Die Rede ist von MANJA, die mal ganz nonchalant eine rapide Zyklogenese im Seegebiet südlich Islands aufs Parkett legt, um danach die nördliche Nordsee (Viking/Nord-Utsira) anzusteuern. So zumindest der Plan nach IFS. Sonntagmittag 12 UTC soll MANJA mit rund 955 hPa im Kern die Färöers und Shetlands bereits hinter sich haben und knapp unterhalb von Svinöy anlanden. Der Gradient, der von dem Tief ausgeht, ist gewaltig und erfasst auch den Vorhersageraum, schwerpunktmäßig aber die Nordsee. Dort droht ein schwerer Südwest- bis Weststurm mit Orkanböen, von dem auch die deutsche Nordseeküste plus vorgelagerter Inseln/Halligen ordentlich was abbekommen (wenn auch voraussichtlich nicht die maximale Dröhnung in Form von 12er-Böen). Im Rest des Landes wird der Tag nach der Zeitumstellung zwar nicht ganz so garstig wie auf und rund um die Deutsche Bucht. Ungemütlich wird´s trotzdem, sehr ungemütlich sogar, gesellt sich zu dem durchaus lebhaften und in Böen stürmischen Wind auch noch die Passage eines okkludierenden Frontensystems. Schon beginnend in der Nacht von Samstag auf Sonntag zieht ein äußerst veritables Regengebiet ost-südostwärts über den Vorhersageraum hinweg, das vor allem den westlichen und südwestlichen Mittelgebirgen sowie dem Allgäu markante Mengen bringen kann. Im Laufe des Tages zieht sich der Regen in die Gebiete südlich der Donau bzw. zum Alpenrand zurück. In der postfrontal einfließenden maritimen Polarluft (mP; T850 Rückgang auf 4 bis 0°C) entwickeln sich aber in Verbindung mit einem ostwärts durchschwenkenden Trog (inkl. eines thermischen Trogs) insbesondere vom Norden bis in die Mitte Schauer und einzelne Gewitter mit Sturmböen.
Zu Beginn der neuen und gleichzeitig letzten Oktoberwoche beruhigt sich die Szenerie, ohne aber dass gleich alles auf Null gestellt wird. Das Sturmtief zieht knapp westlich der norwegischen Küste in Richtung Lofoten, während sich westlich von Irland schon der nächste Brummer in Stellung begibt. Der - so viel sei an dieser Stelle schon verraten - dreht wahrscheinlich eher nach Norden ab als seine Vorgänger und dürfte Deutschland am Ende wohl nur abgeschwächt tangieren. Auf alle Fälle wölbt sich westlich von uns (West-/Südwesteuropa) ein Höhenrücken auf, der den Luftdruck vor allem in Süddeutschland spürbar ansteigen lässt. Der Norden hingegen hängt ein Stück weit noch am Rockzipfel der scheidenden MANJA. Die Folge sind Schauer und Wind, wenn auch nicht mehr in der Liga vom Sonntag. Am meisten schauert und bläst es an den Küsten, wo der Südwest- bis Westwind in Böen zumindest Stärke 8, in der ersten Tageshälfte sogar 9 Bft erreicht. Am Nachmittag, vielleicht auch erst am Abend greift dann die weit nach Osten ausgreifende WLA über, welche die Warmfront des o.e. Brummers ankündigt. Die Wolken verdichten sich von Benelux her und es setzt leichter Regen ein, der sich bis Dienstagfrüh auf weite Teile des Landes ausbreiten soll.
Am Dienstag gelangen wir in den sehr weit geöffneten Warmsektor, der stark antizyklonal konturiert ist. Grund ist der in seiner Wellenlänge inzwischen stark zusammengestauchte Rücken, der über Deutschland ostwärts wandert. Die nächtlichen Regenfälle ziehen ost-südostwärts ab, wahrscheinlich bleibt aber ´ne Menge tiefer Bewölkung übrig, so dass die Sonne nur bedingt Akzente setzen kann (noch unsicher). Fakt ist, dass T850 deutlich ansteigt auf verbreitet zweistellige Werte, ganz im Süden bei leicht föhniger Tendenz auf rund 15°C.
Am Mittwoch zieht das Tief knapp östlich an Island vorbei zum Europäischen Nordmeer. Über dem Skagerrak soll sich dabei eine Rand- bzw. Teiltief bilden, das uns mit einem Bodentrog, aber auch einem KW-Trog in der Höhe einen nochmaligen wechselhaften Tag bescheren würde. Danach deutet sich ein wuchtiges, nicht nur für einen Tag präsentes und somit in die erweiterte Mittelfrist reichendes Hoch an.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz von IFS (ECMF) ist nicht schlecht, weist aber trotzdem "Mängel" auf. Vor allem Timing und räumliche Ausdehnung sowie Intensität der wetterbestimmenden Systeme wechseln derzeit noch von Lauf zu Lauf, was aber nicht ungewöhnlich ist. Schließlich sprechen wir hier von einer West- respektive Südwestwetterlage, bei der das mitteleuropäische Geschehen stark vom Atlantik geprägt ist. Was man guten Gewissens festhalten kann, dass die Hauptaktivität in Sachen Niederschlag und Wind/Sturm in der Kurzfrist sowie am Sonntag (schwerer Sturm Nordsee, Binnenland stürmisch) abgeht. Danach beruhigt sich die Szenerie, es bleibt aber wechselhaft. Erst in der zweiten Hälfte der kommenden Woche deutet sich dann verstärkt Hochdruckeinfluss an, der über Eintagsfliegenstatus hinausgeht.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Es verwundert nicht wirklich, dass jedes der anderen Globalmodelle (die Rede ist hier von den üblichen Platzhirschen ICON, GFS, GEM und UK10) angesichts der Großwetterlage die Detailabläufe jeweils etwas anders sieht. Als Beispiel sei hier die Warmfront von Montag auf Dienstag genannt, deren Regen bei IFS und UK10 weit nach Süden ausgreift, während ICON und GFS lediglich auf nördlichem Trip unterwegs sind (das kanadische GEM bietet salomonisch eine Zwischenlösung an). Wie auch immer, das grobe Gerüst steht und die Kernaussagen halten auch dem Modellvergleich stand: der meiste Regen/Wind zu Beginn (Sonntag), nach hinten raus Hochdruckeinfluss.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte spiegeln im Grunde das bisher Geschriebene sehr gut wider: am Sonntag Front- und Trogdurchgang mit deutlichem RR-Maximum. Danach bei zunehmender, sich vor allem auf das Timing beziehender Streuung zunächst weiterhin wechselhaft (mit allerdings schwächeren RR-Peaks) und oszillierender Temperaturkurve (Montag runter, Dienstag rauf, Mittwoch runter, dann wieder rauf). Und ab Wochenmitte deutliche Abtrocknung bei gleichzeitig hohem Geopotenzial (Median im Bereich von 580 gpdam).
Bei den Clustern wartet das erste Zeitfenster T+72...96h (Sonntag/Montag) mit drei Angeboten auf, die sich bezogen auf Deutschland aber sehr ähneln und alle dem Klimaregime NAO+ zugeordnet sind. Von Dienstag bis Donnerstag (T+120...168h) bleibt es bei drei Clustern, die am letzten Tag alle auf "Blockierung" wechseln. Der Weg dorthin ist leicht unterschiedlich, was sich mit den weiter oben getroffenen Aussagen zur Unschärfe der Detailabläufe deckt. Ab Freitag (T+192...240h) bleiben die Cluster der Zahl Drei treu, wobei alle auf Hochdruckeinfluss und Blockierung setzen. Die Frage ist nur, wie sich Hochschwerpunkt und korrespondierender Rücken genau positionieren. Das "brüchigste" Szenario zeigt CL 3 (immerhin 16 Fälle), wo wir rasch auf die Westflanke des Hochs gelangen, was atlantischen Störungen den Weg zumindest in die westlichen Landesteile ermöglichen würde (man beachte den Konjunktiv).
FAZIT:
Bis einschließlich Sonntag ist uns eine sehr abwechslungsreiche und windige bis stürmische Kurzfrist mit teils kräftigen Regenfällen gewiss. Danach geht es zunächst zwar wechselhaft, aber 1-2 Stufen weniger intensiv weiter, wobei bei den Detailabläufen noch Unschärfen vorhanden sind. Nach Wochenmitte deutet sich dann zunehmender Hochdruckeinfluss an.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Wie bereits erwähnt ist der Sonntag der Tag in der Mittelfrist, aus dem am meisten Wetter herauszuholen ist. Das betrifft sowohl den Wind/Sturm als auch den Regen/Gewitter.
WIND/STURM:
Das verantwortliche Sturm-/Orkantief wird in Bezug auf Position und Kerndruck modellübergreifend sehr ähnlich simuliert. Das ist zwar kein Garant, aber ein gewichtiges Indiz dafür, dass die Windprognose für Sonntag ziemlich belastbar ist. Sicherlich wird es in den Details noch Änderungen geben, aber der grobe Fahrplan steht: verbreitet Böen 8-9 Bft an der Kaltfront/Okklusion sowie nach einer Pause auch postfrontal, in exponierten Hochlagen mehr (10 bis 12 Bft). Etwas in der Hinterhand aus heutiger Sicht Teile des Ostens und Südostens, wo die Wahrscheinlichkeit für Sturm abgesehen vom höheren Bergland geringer ist als im Norden und Westen. An und auf der Nordsee hingegen droht ein schwerer Sturm, zunächst aus Süd, tagsüber dann auf Südwest bis West drehend. Auf freier See sind Böen in voller Orkanstärke 12 Bft, an der Küste (+ Inseln/Halligen) schwere Sturmböen 10 Bft wahrscheinlich. Orkanartige Böen 11 Bft können nicht ausgeschlossen werden.
Zu Beginn der neuen Woche beruhigt sich das Geschehen zwar, an der See sowie in einigen exponierten Hochlagen bleibt es aber zunächst noch stürmisch (wohl aber nur noch 8-9 Bft). An den Folgetagen könnte der Mittwoch nochmal etwas aufmucken mit Stand heute einer geringen Wahrscheinlichkeit für Böen 8 Bft aus westlichen Richtungen an der See sowie im norddeutschen Binnenland.
REGEN/GEWITTER:
Mit Durchzug des okkludierenden Frontensystems von Samstag auf Sonntag kommt es gebietsweise zu erklecklichen Regenfällen. Herausstechen tun dabei die orografisch "begünstigten" Lagen der westlichen und südwestlichen Mittelgebirge (mit geringer Wahrscheinlichkeit sind auch noch einige zentrale Mittelgebirge wie z.B. der Thüringer Wald am Start) sowie das Allgäu, wo innert 12 Stunden oder etwas weniger zwischen 25 und 40, lokal um 50 l/m² zusammenkommen können. Das reicht dicke für eine markante Dauerregenwarnung. Ob es irgendwo sogar rot wird, bleibt abzuwarten.
Postfrontal entwickeln sich bevorzugt vom Norden bis in die Mitte einzelne Graupelgewitter, die mit Böen 8-9 Bft, an der Küste auch noch höher einhergehen können.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





