Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 20.08.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Wz (West zyklonal), am Wochenende tendenziell eher HB (Hoch Britische Inseln)
Heute Drei-Zonen-Wetter mit Gewittern im Nordwesten und Süden. Am Freitag im Südosten teils kräftige Regenfälle mit regionaler Unwettergefahr (Starkregen. Zum Samstag allmähliche Wetterberuhigung.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... hat sich die Lage nach den z.T. heftigen Turbulenzen des gestrigen Mittwochs inkl. der nachfolgenden Nacht (Tornados, Downbursts, heftige Gewitter) deutlich beruhigt. Und es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich so etwas in ähnlicher Form heute nochmal wiederholt. Was nicht heißt, dass der heutige Donnerstag bräsig und ereignislos über die Bühne geht, aber dann doch eher ein, zwei Ligen drunter.
Zur Lage, die nach wie vor geprägt ist von einem prominenten, mit positiver Achse ausgestatteten Potenzialtrog, der sich von Nordeuropa via UK/Irland bis hinunter zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Gerade über Skandinavien ist der Trog sehr breit aufgestellt mit mehreren Drehzentren, welche mit verschiedenen Bodentiefs (MARGARETE, NORA) korrespondieren. Für uns ergibt sich aus dieser Konstellation eine west-südwestliche Grundströmung, die in der Höhe im Zuge einer leichten Amplifizierung des Troges etwas rückdreht. Das ist insofern von Bedeutung, dass die am gestrigen Geschehen in hohem Maße beteiligte Kaltfront schleifend respektive leicht wellend über Süddeutschland irgendwo zwischen Main und Donau vor sich hin vegetiert, dabei zunächst aber keine Anstalten macht, sich den Alpen zu nähern. Heißt mit anderen Worten aber auch, dass im Süden noch Reste der energiereichen und solide gescherten Subtropikluft (xS; T850 14 bis 17°C) lagern, während der große Rest der Nation mit erwärmter Meeresluft subpolaren Ursprungs (mPs; T850 um 9°C) genährt wird (der Norden und Westen stärker als die mittleren Landesteile, wo eher noch eine gewisse Mischkomponente gegeben ist).
Unter dem Strich lässt sich das heutige Deutschlandwetter in drei Teile teilen mit durchaus stark voneinander abweichenden Charaktereigenschaften. Fangen wir im Nordwesten an, wo bereits am frühen Morgen über der Nordsee Schauer, vor der westfriesischen Küste sogar einzelne Gewitter unterwegs sind. Diese werden sich in der leidlich labil geschichteten Meeresluft mit Unterstützung des Tagesgangs bis ins nordwestdeutsche Binnenland ausweiten, wobei noch nicht ganz ausgelotet ist, wo genau das nordwestdeutsche Binnenland nach Süden und Osten hin endet. Möglich, dass die Schauer/Gewitter bis in den Norden NRWs, die Harzregion und nach Vorpommern ausgreifen. Möglich aber auch, dass alles etwas weiter nordwestlich bleibt. So oder so, die Qualität der auftretenden Gewitter dürften in Liga "Markant" verortet sein, meint Böen bis maximal etwa 80 km/h (9 Bft), kleinerem Hagel sowie Starkregen zwischen 15 und 20 l/m² innert kurzer Zeit. Nicht gänzlich ausgeschlossen, dass über See mal eine Wasserhose gesichtet werden kann.
Von Baustelle #1 erstmal zu Baustelle #3, die ebenfalls mit Wetteraktivität aufwartet. Die Rede ist vom Süden und Südosten, wo die Donau eine zugegeben recht grobe Demarkationslinie markiert. Sowohl im Bereich der Kaltfront (eher auf der zur Warmluft geneigten Seite) als auch südlich davon - schwerpunktmäßig aus der Schweiz oder Österreich heraus - entwickeln einzelne kräftige Gewitter, die in der Basis ebenfalls markant ausfallen dürften. Allerdings sind auch ein, zwei kräftigere Zellen (Unwetter) nicht unwahrscheinlich. Gerade dann, wenn sich bei leicht föhniger Tendenz ein längeres Sonnenfenster auftut, könnte vielleicht doch etwas mehr ML-CAPE produziert werden als die von ICON apostrophierten rund 500 J/kg (max.). Wasserdampf ist auch ausreichend vorhanden (PPW teils um 35 mm), Scherung ebenfalls, so dass stärkere Entwicklungen durchaus mit heftigem Starkregen (> 25 l/m² innert kurzer Zeit), größerem Hagel (3 cm) und sogar schweren Sturmböen 10 Bft einhergehen können.
Bliebe abschließend noch Area #2, die zwischen den Stühlen von kompensatorischem Absinken profitiert (wobei, richtigen Profit würde man eher aus mehrtägigem Landregen ziehen, aber gut, der ist hier nicht in Sicht). In einem breiten, von Südwesten über die Mitte bis hinüber zur polnischen Grenze verlaufenden Streifen bringt der Donnerstag neben einigen Wolken auch längere sonnige Phasen aber keinen Regen. Zwar lebt der West-Südwestwind gerade in der Mitte ebenso wie im Süden mitunter leicht böig auf, für eine Warnung dürfte das aber nicht reichen.
Kurz noch die Temperatur, die im Nordwesten Maxima von 20 bis 24°C, sonst zwischen 24 und 28°C erreicht.
In der Nacht zum Freitag rückt der Höhentrog etwas dichter an den Vorhersageraum heran, wodurch die Strömung geringfügig aufsteilt. Näher heran kommt auch ein über der Nordsee positionierter Bodentrog, der quasi den Wurmfortsatz des wuchtigen nordeuropäischen Tiefdrucksystems darstellt. Er sorgt neben klassisch diabatischen Effekten mit dafür, dass vornehmlich an und über der Deutschen Bucht, bedingt auch auf der Ostsee, die Schauer- und Gewittermaschinerie am Laufen bleibt, während im Binnenland ganz klar der Stecker gezogen wird (Tagesgang). Sowohl Starkregen als auch Böen 8 Bft können auf Nordseeseite in wenigen Einzelfällen nicht ganz ausgeschlossen werden.
Im Süden verlagert sich die Kaltfront nur wenig. Gerade südlich der Donau kommt es zunächst noch zu einzelnen Gewittern, die sich dann aber abschwächen respektive auflösen oder aber in ungewittrigen Regen mit anfänglicher Starkregengefahr übergehen. So ganz einig hinsichtlich der Detailentwicklung sind sich die hochauflösenden Modelle nicht, wird doch u.a. auch eine weitere Frontalwelle aus den Alpen ins Spiel gebracht, die schauerartigen, teils gewittrigen Regen mit örtlichem Starkregenpotenzial bringen würde - Konjunktiv!
Indikativ und damit Fakt ist und bleibt der von Südwest nach Nordost exponierte Korridor, der gegenüber dem Tag an Breite zulegt. Bei unterschiedlicher, teils geringer Bewölkung bleibt es trocken und die Luft kühlt auf 15 bis 10°C in einigen Mittelgebirgen sogar noch etwas darunter ab. Ähnliche Werte werden im Norden und Nordwesten erwartet (direkt an der See etwas milder), während im Süden gebietsweise 16 oder 17°C auf der Karte stehen.
Freitag... macht der südliche Teil des Potenzialtrogs Boden nach Osten hin gut, verbleibt dabei aber noch deutlich westlich des Vorhersageraums. Allerdings steilt die südwestliche Höhenströmung weiter auf, so dass auch die Kaltfront nicht wirklich von uns lassen kann. Im Gegenteil, sie geht mit der hebungsintensiven Trogvorderseite eine fruchtbare Symbiose ein, zu der sich im Südosten auch noch Gegenstrom gesellt (hinter einem Föhntief über Austria etwa bis hoch auf 800-700 hPa Nord bis West, darüber Übergang auf Süd-Südwest). Zwar büßt die Luftmasse gegenüber heute an Labilität ein, der Wasserdampf- und damit der latente Energiegehalt bleiben aber äußerst prominent (PPW teils bei 40 mm). Kurzum, im Tagesverlauf kommt es ausgehend von der schweizer Grenze und dem Alpenrand zu schauerartig verstärkten und mit Gewittern durchsetzen Regenfällen, die sich bis ost- und nordostbayerischen Mittelgebirgen ausbreiten und sich gerade in Tageshälfte 2 deutlich intensivieren. Insbesondere im Süden und Osten des blau-weißen Freistaats ist dann eine erhöhte Starkregenwahrscheinlichkeit sogar bis in den Unwetterbereich gegeben. Der Starkregen kann dabei auch mal etwas länger als nur wenige Minuten oder eine Stunde andauern und ist auch nicht zwingend an Gewitter gebunden. Regional sind jedenfalls 20 bis 40 l/m², punktuell um 50 l/m² in vergleichsweise kurzer Zeit sehr gut möglich. Wie man das Ganze final abwarnt, ob über Gewitter oder ungewittrigen Starkregen mit aufgesattelten Gewitterwarnungen, bleibt noch abzuwarten. Nicht zu vergessen ist die Druckanstiegswelle, die am Nachmittag/Abend nach Abzug des Föhntiefs über SO-Bayern hinwegziehen und dabei abgesetzt von Konvektion möglichweise größeren Windtrouble generieren soll. Allerdings herrscht diesbezüglich noch große Uneinigkeit innerhalb der Modellwelt. Von stürmisch bis Rohrkrepierer scheint noch alles drin.
Darüber hinaus lässt sich konstatieren, dass der Norden vom o.e. Bodentrog erfasst wird, der zwar mit zunehmender Tageslänge an Kontur verliert, dafür aber eine Kaltfront präsentiert, hinter der noch etwas frischere Subpolarluft von der Nordsee einfließt (T850 bis zu 6°C). Zunächst, also am Vormittag beschränkt sich die Schaueraktivität (Gewitter werden anfangs eher selten bis gar nicht vorhanden sein) auf die küstennahen Gebiete. Am Nachmittag, wenn die Kaltfront langsam landeinwärts vorankommt, der Tagesgang seine morgendliche Schwerfälligkeit abgelegt hat und der o.e. Trog näher rückt, muss nicht nur im nordwestdeutschen Binnenland, sondern auch im Westen und Südwesten häufiger mit Schauern und einzelnen Gewittern gerechnet werden. Dabei gilt es den Fokus vor allem auf lokalen Starkregen zu legen, der vereinzelt sogar über 25 l/m² innert kurzer Zeit liegen kann (WU). Ungeachtet dessen sind aber auch kleiner Hagel sowie Böen 7-8 Bft ins Kalkül zu ziehen.
Weitgehend trocken bei einer Mischung aus Sonne und Wolken kommen Teile der Mitte sowie der gesamte Osten und Nordosten über den Tag. Der Osten bzw. die östliche Mitte sind auch die Areale, wo es morgen mit bis zu 26, punktuell vielleicht 27°C am wärmsten wird. Ansonsten stehen 19 bis 25°C auf dem Zettel.
In der Nacht zum Samstag greift der Potenzialtrog zusehends auf Deutschland über. Auf seiner Vorderseite wird das angesprochene Föhntief Vb-artig über den Osten Tschechiens respektive der Slowakei gen Ostpolen gesteuert. Derweil macht es sich über dem nahen Atlantik ein größeres 1025+X-Hochdruckgebiet bequem, was nicht ohne Folgen für das Wochenendwetter bleibt. Zunächst mal aber dreht die bodennahe Strömung landesweit auf West bis Nordwest, wodurch die Kaltfront langsam die Mitte südostwärts überquert. Abgesehen vom Norden und Nordosten kommt es zu Schauern, schauerartigen Regenfällen und einzelnen Gewittern. Dabei besteht - nicht zwingend als Elektrik gebunden - lokale Starkregengefahr. Unsicher ist derzeit noch, ob z.B. Ostsachen und die Lausitz etwas von dem fetten Starkregenkuchen abbekommen, der an das Föhntief gebunden ist. Nach aktueller Lesart der meisten Modelle lautet die Antwort "nein", aber das muss noch nichts heißen. Verläuft die Zugbahn nur wenige Kilometer weiter westlich, würde es schon interessant werden. Landesweit kühlt es auf 14 bis 8°C ab.
Samstag... stellt sich eine leicht ambivalente Wetterlage ein. Auf der einen Seite der Höhentrog, der nur langsam ostwärts schwenkt, ja sogar in seinem Westteil regeneriert wird. Er sorgt für die zyklonale Komponente, während es im Bodendruckfeld langsam antizyklonaler wird. So schiebt sich nach Abzug der Kaltfront ein breiter Keil ausgehend vom atlantischen Hoch bis zu den Alpen vor, der sich zum Sonntag hin noch weiter kräftigt. Die anfänglich noch auftretenden Schauer und Gewitter bzw. schauerartigen Regenfälle werden im Tagesverlauf weniger bzw. hören ganz auf. Das gilt allerdings nicht für einen mittleren, etwa vom Rheinland und der Eifelregion bis hinüber nach Oberfranken und Sachsen reichenden Korridor, in dem auch am Nachmittag und Abend noch einzelne Schauer und Gewitter auftreten. Dabei gilt es vor allem auf Starkregen zu achten.
In den übrigen Regionen trocknet es zusehends ab und gerade im Süden und Südwesten lässt sich für längere Zeit die Sonne blicken. Größere Lichtblicke auch an den Küsten, wo von der Nordsee gerade auf der schleswig-holsteinischen Seite aber noch der ein oder andere Schauer ins Land hereindriften kann. Apropos Nordsee, zwischen dem Atlantikhoch und einem über Südskandinavien positionierten Tief baut sich ein veritabler Gradient auf, der auch an der Ostsee einen frischen West-Nordwestwind mit steifen Böen 7 Bft ankurbelt.
In der frisch eingeflossenen maritimen Polarluft (mP; T850 zur Mittagzeit mit 4 bis 9°C landesweit einstellig! (gab´s gefühlt seit März nicht mehr)) werden Tageshöchstwerte zwischen rund 18°C an der Nordsee bis zu 24°C im Süden erreicht.
Die Nacht zum Sonntag bringt weite Landesteile in den Bereich des Hochkeils. Heißt im Klartext Wolkenrückgang, auch in der Mitte nachlassende Schauer. Einzig ganz im Norden bleibt es nicht nur windig, es stehen auch weitere Schauer oder kurze Gewitter (markant wegen Böen 8 Bft) auf dem Programm.
Tiefsttemperatur nur noch 12 bis 6°C, an der See etwas darüber, in einigen Mittelgebirgssenken bei längerem Aufklaren etwas darunter. Stellenweise (Mitte/Süden) bildet sich Nebel.
Modellvergleich und -einschätzung
Der grobe Fahrplan ist eigentlich unstrittig. Wie so oft liegt der Teufel im Detail, wobei vor allem die morgige Lage mit dem Föhntief ins Auge sticht. Die Unsicherheiten wurden im Text angerissen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 20.08.2026 um 10.30 UTC
Teils unbeständig mit Schauern und Gewittern, teils ruhiges Hochdruckwetter, zunehmend sommerlich warm, teils auch heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 27.08.2026
Der Blick auf das IFS-EPS vom 00 UTC-Lauf liefert zum Start in den mittelfristigen Zeitraum am Sonntag noch die dominierende Wetterlage Hoch Britische Inseln. Zyklonale Wetterlagen waren da im EPS noch Fehlanzeige. Dies bleibt auch zu Beginn der neuen Woche noch so, wenngleich sich nun drei antizyklonal geprägte Wetterlagen nahezu gleichverteilt um die Vormacht kämpfen. Mit im Ring sind demnach Hoch Nordmeer Fennoskandien, Südost antizyklonal und Nordwest antizyklonal. Erst zur Wochenmitte ändert sich die antizyklonale Dominanz, indem sich nun auch einige zyklonale Wetterlagen ins EPS schummeln. Die stärkste Kraft wird dann die Wetterlage Süd zyklonal. Spätestens ab Donnerstag sind antizyklonale Strukturen wohl in der Minderheit.
Der Hauptlauf des IFS startet am Sonntag mit einem Kurzwellentrog über Nordostdeutschland, der im Verlauf nach Osten abwandert. Rückseitig kann sich WLA eines Höhentiefs westlich der Iberischen Halbinsel getriggert vom westlichen Mittelmeer über Westeuropa bis nach Irland ein Rücken aufbäumen. Bodennah induziert der Rücken eine ausgeprägte Hochdruckzone von den Britischen Inseln über Deutschland und den Alpenraum hinweg bis nach Rumänien und Griechenland. Der Trog über Nordostdeutschland ist auch bodennah zu verzeichnen, sodass die hochreichend zyklonalen Strukturen durch PVA Hebung erzeugen und schließlich bevorzugt in der Nordosthälfte des Landes für schauerartige, teils gewittrige Regenfälle generieren. Zudem kann es durch orografisch bedingt auch am östlichen Alpenrand noch etwas regnen. Sonst macht sich in der südhälfte das Hoch mi Absinken bemerkbar. Durch die einsickernde Nordseeluft werden in 850 hPa auch nur Temperaturen von 3 bis 12 Grad erwartet. In 2m Höhe resultieren daraus kühle bis mäßig warme Höchstwerte zwischen 17 Grad auf Sylt und bis 25 Grad am Oberrhein. Der Wind weht im Norden und Osten spürbar und erreicht vor allem an der See steife, exponiert auch stürmische Böen.
Am Montag und Dienstag wird das Wetter hierzulande vorwiegend durch den Rücken bestimmt. Da dieser sich mit seiner Achse aber langsam ostwärts verlagert, kann am Montag ein Ostseetief im Norden und Nordosten noch ein paar Schauer bringen, während am Dienstag der Westen schon wieder auf die Vorderseite des nachfolgenden Troges samt hochreichendem Tief über Nordwestfrankreich gelangt und somit PVA sowie WLA gesteuert im Westen und Südwesten schauerartige, teils gewittrige Niederschläge auftreten können. Mit der auf südliche Richtungen drehenden Strömung gelangt auch wieder wärme Subtropikluft ins Lad, sodass die Temperaturen in 850 hPa von 4 bis 15 Grad am Montag auf 9 bis 17 Grad am Dienstag steigen. Entsprechend werden bodennah Höchstwerte von 20 bis 28 Grad am Montag und 23 bis 28 Grad am Dienst prognostiziert. Der Wind weht meist nur mäßig und allenfalls an der See zeitweise auch mal stark böig.
Am Mittwoch liegt Deutschland überwiegend im Bereich eines kräftigen vom zentralen Mittelmeer bis nach Lappland reichenden Rückens, dessen Achse sich aber schon von Sardinien und Tschechien bis in die Ostsee erstreckt, sodass Deutschland trotz leicht antizyklonaler Strömungsbedingungen schon wieder auf die Vorderseite eines weit nach Süden amplifizierte Troges über West- und Südwesteuropa gelangt. Jener Trog induziert durch kurzwellige Anteile bzw. Kurzwellentröge bodennah kleine Randtiefs, die mit der Strömung nordwärts ziehen. Am Dienstag tangiert eines dieser Tiefs den Nordwesten des Landes. Gleichzeitig reicht das aus der Höhe kommende PVA aus im Nordwesten, Westen und Südwesten einzelne Schauer auszulösen. Am Donnerstag wandert ein Randtief zunächst zu weit westlich nach Norden, sodass Deutschland davon nicht beeinflusst wird. Im Verlauf kann jedoch der Haupttrog näher an das Land heranrücken. In der Folge verstärken sich die Hebungsprozesse und von Südwesten können auf den Westen und die Mitte schauerartige, teils gewittrige Niederschläge auf Deutschland übergreifen. Mit der starken Amplifizierung des Troges westlich von Deutschland steilt sich auch die Grundströmung auf, sodass die Warmluftadvektion zunimmt. Werden am Mittwoch in 850 hPa noch Temperaturen von 10 bis 19 Grad erwartet, sollen es am Donnerstag schon 16 bis 25 Grad sein. Dies macht sich auch bei den Höchstwerten bemerkbar, die abseits der Küste wider landesweit auf Sommerniveau liegen. Während am Mittwoch bevorzugt im Südwesten wieder heiße Werte bis 31 Grad möglich sind, kann am Donnerstag vom Südwesten bis in den Osten die 30 Grad Marke überschritten werden. Der Wind spielt abseits von stärkerer Konvektion keine Rolle und kommt allenfalls in Gipfellagen und an der See zeitweise stark böig daher.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Das IFS des ECMWF zeigt sich von gestern auf den heutigen Donnerstag wenig konsistent. Vor allem vom gestrigen 00 UTC-Lauf zum heutigen 00 UTC-Lauf ergeben sich schon bei den großskaligen Strukturen signifikante Abweichungen. Der gestrige 12 UTC-Lauf zeigt dagegen zum aktuellen Lauf vergleichbare Geopotential- und Luftdruckverteilungen.
Schon zum Start in den mittelfristigen Zeitraum am Sonntag zeigen die neusten Läufe einen Kurzwellentrog über Deutschland ostwärts herausschenkend sowie ein nahezu von der Höhenströmung abgeschnürtes Höhentief westlich der Iberischen Halbinsel. Der gestrige 00 UTC-Lauf wies dagegen nur einen weit nach Süden amplifizierten Trog über dem Ostatlantik und Teilen der Iberischen Halbinsel auf. Durch den in den neusten Berechnungen stärkeren Rücken über West-/Südwesteuropa ist über Mitteleuropa eine zyklonale geprägte westliche Grundströmung zu verzeichnen, während der gestrige 00 UTC-Lauf den Rücken nur schwach im Programm hatte und resultierend ein südwestliche Strömung bevorzugte. Beim Wetter setzen die neusten beiden IFS-Läufe auf schauerartige, teils gewittrige Niederschläge im Norden und Osten sowie am östlichen Alpenrand, der gestrige 00 UTC-Lauf ließ dagegen auch von Südwesten bis in die Mitte schauerartige Niederschläge zu.
Am Montag setzen sich die Abweichungen fort. Alle IFS-Läufe lassen das Höhentief bei der Iberischen Halbinsel samt Trog ostwärts verlagern. Dabei ist der gestrige 00 UTC-Lauf, auch induziert durch einen schwächeren Rücken über Mitteleuropa, weiter vorlaufend. Während somit im gestrigen 00 UTC-Lauf komplett antizyklonale Strömungsbedingungen vorherrschten, die Achse des Rückens aber schon langsam über Deutschlands ostwärts schwenkte, zeigen die neusten beiden Läufe die Achse weiter westlich und daher im Nordosten durch den über Osteuropa liegenden Trog sogar noch eine zyklonal gekrümmte Strömung. Während die aktuellen Läufe somit allenfalls im Norden und Nordosten noch Schauer aufweisen, bestand beim gestrigen 00 UTC-Lauf im Südwesten, Westen und Teilen der Mitte im Verlauf wieder ein höheres Schauerrisiko.
Am Dienstag laufen die Prognosen zwischen dem gestrigen 00 UTC-Lauf und den folgenden Berechnungen weiter konträr. Während der gestrige 00er über Deutschland einen Trog mit zwei kleinen Höhentiefs zeigte, ist nach den neusten Berechnungen ein kurzwelliger Rücken, dessen Achse über Ostdeutschland nach Polen wandert im Programm. Einhergehend würde nach den neusten Berechnungen der Westen und Nordwesten wieder auf die Trogvorderseite gelangen, sodass Hebungsprozesse die Folge wären. Beim gestrigen 00 UTC-Lauf waren in der gesamten Südhälfte des Landes kräftige, teils gewittrige Regenfälle zu verzeichnen, die neusten Läufe zeigen im Verlauf im Westen und Südwesten erste Regenfälle.
Am Mittwoch, siehe da, nähern sich alle Modellläufe wieder an und weisen somit eine höhere Konsistenz als zuvor auf. Allerdings gibt es noch Unterschiede bei der räumlichen Einordnung der Achse des Rückens. Während die neusten beiden Läufe den Rücken schon weiter nach Osten schieben und die Achse von Westpolen nach Sardinien ziehen, liegt diese beim gestrigen 00er Lauf vom zentralen Mittelmeer entlang der Grenzen von Benelux und Deutschland. Die Hebungsprozesse des über Nordwest- und Westeuropa liegenden Langwellentroges erreichen Deutschland bei allen Läufen noch nicht. Dennoch reichen die Impulse bei den neusten Berechnungen aus, etwa westlich der Elbe einzelne Schauer und evtl. auch kurze Gewitter auszulösen. Beim gestrigen 00 UTC-Lauf waren bevorzugt die Regionen südlich von Mosel und Main von einem bestehenden Schauerpotential betroffen.
Am Donnerstag steht sich ein weiter nach Süden amplifizierender Trog über Nordwest-, West- und Südwesteuropa und ein sich weiter nordwärts aufbäumender, markanter Rücken vom zentralen Mittelmeer bis nach Finnland gegenüber. Deutschland würde bei allen vergangenen Läufen somit auf der Vorderseite des Troges liegen, wenngleich es geringe Phasenunterschiede gibt. Der neuste IFS-Lauf zeigt die stärkste Amplifizierung und somit langsamste Verlagerung der Struktur, der gestrige 00 UTC-Lauf ist dagegen etwas vorlaufend unterwegs. Während somit die neuste Berechnung allenfalls im Südwesten ein gewissen Regenrisiko aufweist, hatte der gestrige 00 UTC-Lauf vom Nordwesten über die Mitte in den Südosten eine geringe Regenneigung auf der Agenda.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen betrachteten Globalmodelle (GFS, ICON, UK10) stützen die großskaligen Geopotential- und Luftdruckstrukturen des IFS. Im Verlauf sind auch im Detail nur geringe Unterschiede bei der Phasenverschiebung und der Amplitude von Rücken und Trögen zu verzeichnen. Das GFS liefert dabei grundsätzlich die geringsten Amplituden und somit etwas flacheren Strukturen, sodass dort potentielle Niederschläge rascher vorankommen. Das ICON dagegen weist den am weitesten nach Süden amplifizierten Trog auf, sodass sich auch der Rücken großzügig aufbäumen kann. Dies verlangsamt die Verlagerung gen Osten und somit auch das Übergreifen potentieller Niederschläge. Durch stärkeres Absinken beim ICON wird grundsätzlich auch eine etwas geringere Schauerneigung generiert. Ansonsten ergeben sich keinen nennenswerten Abweichungen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zeigen über den gesamten mittelfristigen Zeitraum nur einen schwachen, gleichmäßigen Anstieg der Spreads der Temperatur in 850 hPa sowie des Geopotentials in 500 hPa. Zudem ist bis auf Montag bei der Temperatur an allen Tagen ein signifikanter Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeiten zu verzeichnen. Der Kontrolllauf liegt dabei überwiegend recht mittig im EPS, allenfalls am Montag ist er bei der Temperatur im oberen Drittel, also hin zu wärmeren Werten zu verzeichnen. Grundsätzlich kann demnach von einer mäßig bis guten Vorhersagegüte des IFS-EPS ausgegangen werden.
Bei der Einordnung des EPS in verschiedene Grundmuster sind im Zeitraum von +72 bis +96h insgesamt sechs Cluster notwendig, um alle Unsicherheiten ausreichend zu beschreiben. Bis auf die sechste und letzte Lösung mit 4 Unterstützern, die komplett dem Schema Blocking zugeschrieben wird, starten alle anderen Lösungen zunächst im Schema eines atlantischen Rückens und wechseln früher oder später hin zu Blocking. Da sich das Blocking bzw. der atlantische Rücken zwischen Grönland und dem amerikanischen Kontinent befindet, ist es für das Wetter hierzulande nur bedingt von Bedeutung. Für das Wetter in Mitteleuropa ist, wie im Hauptlauf beschrieben, eine Trog-Rücken-Trog Kombination wirksam. Analog zur Modell internen Konsistenz oder aber auch im Modellvergleich unterscheiden sich auch die Cluster des IFS-EPS vor allem in Punkto Amplitude der Verteilung sowie einer leichten Phasenverschiebung. Der Kontrolllauf wird dem ersten Muster mit insgesamt 13 Member zugeschrieben.
Im Zeitraum von +120 bis +168h erklären weiter sechs Lösungen die Unsicherheiten im EPS-Raum. Dabei starten alle im Schema Blocking und wechseln früher oder später oder wie Cluster 2 und 3 gar nicht zum Schema einer neg. NAO. Nun liegt das Blocking über Europa und ist somit auch für das Wetter in Deutschland verantwortlich. Je nach Stärke des Rückens kann der recht kräftige Trog früher oder halt später ostwärts schieben und somit auch auf Deutschland übergreifen. Wann und welcher Form dies geschieht ist stark von der Amplitude und der Wellenlänge des Troges über dem Ostatlantik bzw. West- und Südwesteuropa abhängig. Grundsätzlich zeigen die Lösungen 1 und 6, 2 und 3 sowie 4 und 5 vergleichbare Verteilungen. Demnach würden 20 Member, 19 Member im zweiten Fall bzw. 12 in dritten Fall gegenüberstehen. Zwischen längerem Blocking, wärmeren Temperaturen sowie geringerer Niederschlagsneigung und rascherer Zonalisierung, weniger starker Erwärmung und schneller Übergreifenden Niederschlägen besteht somit nahezu ein Patt (20 zu 19).
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h beschreiben noch vier Cluster die Unsicherheiten im EPS-Raum. Die erste Lösung wird dabei komplett dem Schema einer neg. NAO zugeschrieben. Die Lösungen 2 und 3 dagegen verbleiben komplett beim Blocking. Die letzte Lösung wechselt am Ende zur pos. NAO. Da sich das Blocking in den Lösungen 2 und 3 über Osteuropa befindet, kann sich bei diesen Lösungen, die zusammen von 25 Member gestützt wird, über Mitteleuropa ein schwacher Trog durchsetzen. Das erste Cluster mit 14 Member zeigt dagegen ein komplette Zonalisirung mit einer Westdüse und somit einer unbeständigen Witterungsperiode. Im letzten Cluster für Deutschland auf der Trogvorderseite in einer südwestlichen Grundströmung liegen. Bei dieser eher warmen, teils heißen Lösung wüden wohl Schauer und Gewitter im Programm stehen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI des ECMWF weist im Vergleich zum Modellklima für Sonntag im Nordosten leicht überdurchschnittliche Windspitzen aus. Zudem zeigt er für Mittwoch im Westen und Südwesten etwas überdurchschnittliche Temperaturen.
Von Seiten der Probabilistik gibt es für den Niederschlag am Montag bevorzugt vom IFS-EPS bzw. COSMO-Leps geringe Hinweise bis 25% für Stark-/Dauerregen südlich des Mains innerhalb von 12 bis 24 Stunden. Die Deterministik des ICONs und des IFS zeigen von Montagabend bis Dienstagfrüh im Südwesten ebenfalls regional Niederschlagsmengen von 20 bis 40 l/qm in 6 bis 12 Stunden. Bei kräftigen Gewittern sind in der Südwesthälfte auch 15 bis 25 l/qm in kurzer Zeit möglich
Für den Dienstag zeigen jene EPS-Verfahren vor allem am Alpenrand gebietsweise noch geringe Wahrscheinlichkeiten bis 10% für das Überschreiten der Dauerregenschwelle von 30 l/qm/24h. Vor allem im äußersten Westen und südlich der Donau sind bei kräftigen Gewittern aber erneut auch Starkregenfälle von 15 bis 25 l/qm in kurzer Zeit oder mehrstündig möglich. Ansonsten besteht auch am Sonntag bevorzugt ein Teilen Vorpommerns bei der Entwicklung kräftiger Gewitter das Potential von Starkregen um 15 l/qm pro Stunde.
Beim Wind gibt es von der Probanilistik am Sonntag an der nordfriesischen Küste sowie Teilen der Ostseeküste geringe Wahrscheinlichkeiten bis 30% für stürmische Böen. Ansonsten sind voraussichtlich abseits von kräftigen Gewittern keine markanten Windspitzen zu erwarten.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS für TT auch MosMix, die det. Läufe sind aufgrund relativ
schlechter Konsistenz nur bedingt zu empfehlen.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





