Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 13.07.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Zunehmend HNz (Hoch Nordmeer zyklonal)

Auch zu Beginn der neuen Woche sehr warm bis heiß und meist trocken. Im Norden aber erste konvektive Störungen. Am Dienstag in der Mitte und im Süden vermehrt teils kräftige Gewitter mit Unwettergefahr durch (extremen?) Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag... ... neue Woche, neues Glück, neues Wetter, das ist hier die Frage. Und damit einen schönen guten Morgen zu einer neuerlichen Ausgabe dieses kostenlosen, weltweit in dieser Form wahrscheinlich einzigartigen Fachmagazins zum Thema "Synoptische Meteorologie". Die für gewöhnlich gut informierte Leserschaft dieses Bulletins hat es natürlich mitbekommen, dass nach einigen Tagen trockener Hitze DAS Zauberwort der Meteorologie schlechthin in den diversen Wetterberichten auftaucht - Gewitter! Und ja, es ist was dran, es tut sich tatsächlich was in der Atmosphäre, was aber nicht bedeutet, dass Hitze, anhaltende Dürre und hohe Waldbrandgefahr mit einem Schlag eliminiert und Geschichte werden. So schnell schießen die Preußen nicht. Aber immerhin, ein Anfang wird bereits heute gemacht und mit Blick auf die Mittelfrist in Richtung nächstes Wochenende deutet sich sogar eine substanzielle Umstellung der GWL mit zurückgehenden Temperaturen usw. an (mehr dazu heute Mittag im weltweit einmaligen Fachmagazin über Synoptische Mittelfristmeteorologie).

Nun aber erstmal zur allgemeinen Lage, die Deutschland nach wie vor auf der Südostflanke des prominenten Hochdruckgebiets LAURENT mit 1030+X-hPa-Zentrum über der nördlichen Nordsee bzw. der südlichen Norwegischen See sieht. Davon ausgehend reicht ein wuchtiger Keil bis zu den Alpen bzw. noch etwas darüber hinaus. Weiterhin mit von der Partie auch der der korrespondierende Potenzialrücken, der sich von NW-Afrika bis hoch in den Raum Island erstreckt, wo er deutliche Fühlung zu einem weiteren Rücken über dem mittleren Nordatlantik aufgenommen hat. So potent der Rücken auf den ersten Blick wirkt - und in der Realität ist er das ja auch -, auch er hat Schwachstellen und diese werden in der Natur, man kennts aus der Tierwelt - in der Regel gnadenlos ausgenutzt. Im vorliegenden Fall ist die Rede von einem kleinen aber feinen Höhentief (HT), das als "Abfallprodukt" eines Cut-Offs über Nordeuropa den Weg zur Kimbrischen Halbinsel und den dänischen Inseln gefunden hat. Um von dort gaaaanz langsam südwärts zu ziehen. Mal abgesehen von der Labilisierung, die das HT bewirkt, ist die gealterte Subtropikluft (xSp) im Norden mittlerweile auch leidlich angefeuchtet (PPW 25 bis 30 mm, spezifische Grundschichtfeuchte bis 10 g/kg), so dass mit Hilfe solarer Einstrahlung gebietsweise bis zu 1500 bis 2000 J/kg CAPE zur Verfügung stehen. Nahezu ungehindert zur Verfügung stehen, sollte man vielleicht ergänzen, denn die Deckelung in der Vertikalsondierung ist relativ schwach. Zumindest ist anhand der Nachtaufstiege keine klar definierte Absinkinversion erkennbar, die es zu überwinden gilt.

Kurzum, mit Erreichen der Auslösetemperatur um 28°C bilden sich im Norden und der nördlichen Mitte nicht nur einige mächtige Quellungen. Es stehen auch einzelne Schauer oder Gewitter auf der Karte, wobei das Areal einzelner potenzieller Überentwicklungen in Form pulsierender Einzelzellen bei aller noch gegebenen Unschärfe etwa von SH/Westmecklenburg bis hinunter nach Ostwestfalen reicht. Der Vektor der mittleren Verlagerungsgeschwindigkeit ist sehr kurz, weshalb markanter Starkregen der Primus unter den begleitenden Parameter ist. Nicht ausgeschlossen, dass vereinzelt sogar das Unwetterkriterium >25 mm innert kurzer Zeit gerissen wird. Aufgrund der inversen V-Struktur in der unteren Troposphäre sind trotz fehlender Dynamik auch stürmische Böen 8 Bft, worst case Sturmböen 9 Bft möglich. Auch Hagel kann am Start sein, allerdings nicht allzu groß (die Zellen sind nicht gut genug organisiert) und am wahrscheinlichsten im Anfangsstadium.

Ansonsten bliebe zu konstatieren, dass ein Großteil des Landes einen trockenen, sonnenscheinreichen und sehr warmen bis heißen Montag erlebt. Anfänglich von Polen herüberdriftende Hochnebelfelder werden ebenso wie die im äußersten Norden und Nordwesten entweder von der gnadenlosen Sonne weggebruzzelt oder in flache Cum hum überführt. Auch die von Frankreich in den Westen und Südwesten ziehenden Wolkenfelder - Abgesandte der über dem Nachbarland auftretenden Gewitteraktivität - sorgen kaum mal für nennenswerte Schattenmomente. So steigt die Temperatur einmal mehr verbreitet auf 30 bis 35°C mit den höchsten Werten den Rhein entlang. Für den Südwesten und Westen wurde gebietsweise eine Hitzewarnung ausgegeben. Weniger aufgrund der Schwüle, die sich angesichts weiterhin niedriger Taupunkte sehr in Grenzen hält, sondern vielmehr wegen der anhaltend hohen Temperaturen, die sich freilich auch auf die Raumklimate auswirken. Etwas moderater der Norden und Nordosten mit 25 bis 29°C und noch moderater Küstenabschnitte mit auflandiger Windkomponente - 19 bis 24°C.

In der Nacht zum Dienstag kommt es nicht zur sonst häufig beobachteten Wetterberuhigung, auch wenn weite Landesteile freilich eine ruhige Nacht erleben werden. Nichtsdestotrotz tun sich zwei Baustellen auf, über die es zu reden respektive zu schreiben gilt. Bleiben wir zunächst im Norden bzw. in der Mitte, wo das kleine "Höhenei" nach Osten in Richtung MV abbiegt. Es sorgt dafür, dass auf seiner Südflanke weitere einzelne Schauer und Gewitter in Form abgehobener Konvektion generiert werden. Dabei ist weiterhin die Gefahr von Starkregen gegeben.

Baustelle #2 befindet sich in Süddeutschland, wo etwa gegen Mitternacht erste Gewitter bzw. gewittrige Regenfälle aus Frankreich in Empfang genommen werden. Sie stehen in Zusammenhang mit einer zonal exponierten Tiefdruckrinne, die sich langsam aber sicher bis zu uns ausweitet. Noch steht die genaue Struktur der Importgewitter/-regenfälle zwar nicht fest. Es deutet sich aber an, dass sich das Geschehen vom Oberrhein und dem Südschwarzwald ostwärts bis zum Alpenrand respektive dem südlichen Alpenvorland ausweitet, wobei eine zunehmende Verclusterung wahrscheinlich ist. Dabei steht ganz klar der Starkregen im Fokus, nicht großflächig, nicht zwingend gewittrig und wohl auch nur auf kurze Zeit fokussiert.

Während vielen West- und Südwestdeutschen gerade in den Ballungszentren oder aber in mittleren Hanglagen eine Tropennacht mit 20, 21 oder gar 22°C Minimum nicht erspart bleibt, geht die Temperatur im großen Rest der Republik auf 19 bis 13°C zurück. Am kühlsten dabei das nordostdeutsche Binnenland sowie die östlichen Mittelgebirge.

Dienstag... verbleibt das HT mit seinem Drehzentrum über dem Grenzbereich von Vorpommern zu Polen. Dabei zeigt es Expansionsbestrebungen sowohl nach Osten, vor allem aber nach Westen. Das geht soweit, dass der Rücken in seinem mittleren Teil erheblichen Schaden nimmt. Oder anders ausgedrückt, der vom HT westwärts abgehende Trog nimmt Verbindung zu einem weiteren, westlich der Biskaya positionierten Höhentief auf, was spätestens am Mittwoch die Abspaltung einer eigenständigen Höhenantizyklone über der nördlichen Nordsee/südlichem Nordmeer vom Südteil des Rückens zur Folge hat. Mit dieser Liaison wird nicht nur das Strömungssetup in der Höhe zyklonaler. Auch die weiter alternde Subtropikluft wird immer feuchter (PPW über 30, teils über 35 mm) und labiler, was weiten Landesteile ein ordentliches Quantum nahezu ungedeckelten ML-CAPEs beschert (verbreitet um 1500 J/kg). Einzig in den Norden wird am Rande des zwar etwas schwächelnden, aber weiter präsenten Bodenhoch mit Nordostwind deutlich trockenere und damit konvektiv untaugliche Luft eingesteuert. Dort scheint abgesehen von einigen lockeren Wolken die Sonne bei 25 bis 30°C, an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind etwas darunter.

Ansonsten steht morgen nach längerer Zeit mal wieder ein unruhiger Tag auf der Agenda, auch wenn die letzten Feinheiten noch nicht abschließend geklärt sind. Zunächst mal deutet Vieles darauf hin, dass die nächtlichen Aktivitäten am Morgen sowie am Vormittag in eine Minimumphase treten, sprich, sich Regenfälle und Gewitter abschwächen oder ganz zum Erliegen kommen. Lange wird diese Erholungsphase aber nicht dauern, bevor es wohl erst in der Mitte, mit nur leichter Verzögerung dann auch im Süden losgeht mit den konvektiven Umlagerungen. Die meisten Impulse dürften dabei vom Bergland ausgehen, aber auch konfluente Windstrukturen in der ansonsten eher amorph anmutenden Rinne über der Südhälfte sowie Outflows bestehender Systeme können den entscheidenden Kick geben. Insgesamt sieht es nach langsam ziehenden Einzel- und Multizellen aus, die durchaus das Potenzial für Mehrfachtreffer bzw. rückwärtigen Anbau haben, was sie gefährlich für Starkregen macht. Und tatsächlich sind die Signale für unwetterartigen Starkregen (25-40 l/m² innert kurzer Zeit) gerade von ICON-D2-EPS schwerpunktmäßig von der Harzregion bis hinüber nach Ostsachsen recht deutlich, dass genau das passiert. Sogar extreme Unwetter (<40 l/m²) sind stellenweise möglich, insbesondere im Bergland, wenn´s mit dem Gewitter/den Gewittern nicht vor und zurück geht. Angesichts der noch immer gegebenen inversen V-Struktur im unteren Bereich der vertikalen Zustandskurven soll und darf auch das Thema Wind/Sturm nicht außer Acht gelassen werden. Auch wenn die Dynamik fehlt, sind doch thermisch induzierte Böen 8-9 Bft gut und schwere Sturmböen 10 Bft nicht unmöglich. Hagelkörner sollten den Durchmesser von 2-3 cm nicht überschreiten, dafür sind lokale Hagelansammlungen ins Kalkül zu ziehen.

Schauer hin, Gewitter her, nicht zuletzt im Zuge zeitweiliger Einstrahlung wird es gerade im Westen und Südwesten wieder ein heißer Tag mit 30 bis 35°C.

In der Nacht zum Mittwoch ändert sich nicht viel an der GWL, sieht man mal davon ab, dass das HT etwas nach Süden rutscht und möglichweise einen zweiten Kern bildet Die Schauer und Gewitter jedenfalls verclustern zusehends und ziehen sich als gewittriger Starkregen Richtung Alpenrand bzw. östliche Mitte zurück. Vor allem die Starkregengefahr bleibt bestehen und nimmt bis in die Frühstunden nur langsam ab. Ansonsten präsentiert sich die Nacht teils wolkig oder gering bewölkt, teils klar. Dort, wo es tagsüber geregnet hat und längere Zeit aufklart, kann sich (flacher) Nebel bilden. Tiefsttemperatur in der SW-Hälfte 21 bis 15°C, sonst 17 bis 12°C, direkt am Meer darüber.

Mittwoch... verbleibt Deutschland unter einer Potenzialrinne zwischen dem kleinen Höhentief im deutsch-polnischen Grenzbereich (so ganz weiß das Tief noch nicht, wohin es sich orientieren soll) und dem Tief westlich der Biskaya. Auch bodennah bleiben die Druckgegensätze gering. Der Norden setzt weiter auf Hochrandlage mit trockener Nordostströmung, was sonniges Wetter bei 25 bis 30°C (Küste etwas darunter) zur Folge hat. Ansonsten kommt es insbesondere südlich der Donau bzw. im Raum Südschwarzwald sowie in der östlichen Mitte zu weiteren Gewittern respektive schauerartigen Regenfällen mit eingelagerten Gewittern. Zu viele Details verbieten sich an dieser Stelle, da die Vita des Höhenstiefs noch leicht erratisch daherkommt, was übrigens ganz normal ist. Auf alle Fälle zeichnet sich durch die vorherigen und auch am Mittwoch noch andauernden Hebungsprozesse eine Abnahme der 850-hPa-Temperatur auf rund 10°C im Norden und bis zu 16°C im Süden ab, so dass auch das Areal mit 30+X°C im 2m-Niveau kleiner wird. Vor allem nach Westen hin sind aber noch mal bis zu 32°C drin, während sonst weite Landesteile auf 24 bis 30°C kommen.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Grunde ist alles beschrieben inklusive der Unsicherheiten. Da meiste der bevorstehenden Konvektion wird sicherlich im Nowcasting abgearbeitet werden. Ob für morgen Dienstag evtl. eine Vorabinformation ausgegeben wird (aus jetziger Sicht würden sich Teile der östlichen Mitte anbieten, wo die Signale für (extremen) Starkregen am deutlichsten sind), kann in der Abendkonferenz noch diskutiert werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann