Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 17.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu SWa
Heute im Südosten einzelne markante Gewitter nicht ausgeschlossen und noch angenehm temperiert, lediglich im Südwesten um oder knapp über 30 Grad. Ab morgen von Südwesten heiß mit rasch zunehmender Wärmebelastung. Am Freitag zunächst im Nordwesten/Norden, später auch im Westen sowie im südwestdeutschen Bergland und an den Alpen vereinzelte Gewitter mit Unwetterpotenzial (v.a. wegen Hagel und Starkregen).
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... steht ein ruhiger Wettertag ins Haus. Verantwortlich dafür ist ein Höhenrücken, der, eingebettet zwischen umfangreichen Langwellentrögen über Nordost- bzw. Osteuropa und dem mittleren Nordatlantik (Drehzentrum südlich von Island) langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts wandert. Im Bodenfeld stützt der Rücken eine von den Azoren über Frankreich und Mitteleuropa bis nach Südosteuropa reichende Hochdruckzone ("GORGIAS"), die sich vor allem über dem Süden Deutschlands noch ein wenig verstärken, aber lediglich im Südwesten auch ihre volle Wirkung entfalten kann. Dort beginnt der Tag bereits überwiegend sonnig und auch im Tagesverlauf zeigen sich nur lockere, meist mittelhohe Wolkenfelder.
Ansonsten wird der Rücken überlaufen von WLA, die diesen aber wiederum stützt, wodurch er in weiterer Folge über Frankreich regeneriert. Klassischerweise geht die WLA im Bodenfeld mit der Passage einer Warmfront des Tiefs "TARA" südlich von Island einher, die bis zum Abend, abgesehen vom äußersten Osten, den gesamten Norden bzw. die Mitte des Landes überquert hat. Bereits im Vorfeld machen sich dichtere Wolkenfelder vor allem vom Nordwesten bis zur Mitte bemerkbar, hier und da, insbesondere im nördlichen Niedersachsen, regnet es dann im Warmsektor auch leicht (dort 1 bis 3 l/m² bis zum Abend, sonst sind es meist nur wenige Tropfen bis 0,5 l/m²).
Die Kaltfront des Tiefs wird durch den sich wieder regenerierenden und aufwölbenden Rücken über der Nordsee blockiert, verwellt dort und wird uns bis auf Weiteres nicht tangieren. Somit kann sich landesweit warme, aber auch eine mit einem hohen Gehalt an niederschlagbarem Wasser ausgestattete Luftmasse aus dem Raum der Biskaya durchsetzen. Vor allem im Nordwesten zeigen die Prognose eine zeitweise bis 600 hPa hochreichend nahezu feuchtegesättigte Luftmasse, die PPWs steigen im Warmsektor im Nordwesten und in der Mitte auf 35 bis nahe 40 mm. Etwas weniger feucht ist die Luftmasse im Südwesten, wo das Absinken unterm Rücken dämpfend wirkt.
Somit stehen heute fast im gesamten Land keine warnrelevanten Wetterereignisse auf der Agenda. Eine Ausnahme gibt es dennoch: Im äußersten Süden und Südosten ist die Luftmasse im Tagesverlauf hochreichend labil geschichtet, dabei kann mit der hoffentlich noch stattfindenden Einstrahlung (aktuell halten sich dort noch dichtere Wolkenfelder) im südlichen Alpenvorland, an den Alpen und auch im Bayerwald (dort scheint bereits die Sonne) mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden. Auch, wenn die Konvektion erlaubenden Modelle (I-D2, insbesondere aber auch die I-RUC-Läufe) dort aktuell sehr defensiv aufgestellt6 sind, können mit Hilfe der Orographie einzelne Gewitter mit Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen am Nachmittag und Abend nicht ausgeschlossen werden. Der sich verstärkende Rücken wirkt dem allerdings natürlich auch dort entgegen. Im Südwesten bekommt die Luftmasse bereits einen zunehmend subtropischen "Touch", die Temperatur in 850 hPa steigt dort bis zum Abend auf 16/17 Grad. Nach Nordosten zu werden es immer weniger, in Vorpommern und in Ostbrandenburg bleibt es noch unter 10 Grad. Entsprechend ergeben sich Maxima zwischen 21 und 24 Grad unter den dichteren Wolken im Norden und Osten (an den Küsten teils auch darunter), sonst zwischen 24 und 29 Grad, in Südbaden und im Oberrheingraben werden die 30 Grad dagegen bereits überschritten.
In der Nacht zum Donnerstag setzt sich die Regenerierung des Rückens über Frankreich weiter fort, was auch über dem Vorhersagegebiet mit einem Geopotenzialgewinn einhergeht. Entsprechend kann sich die Hochdruckzone weiter verstärken und nach Norden ausweiten, über dem Alpenraum bildet "GORGIAS" vorübergehend eine eigenständige Hochdruckparzelle aus mit einer 1025 hPa-Isobare.
Die Warmfront von Tief "TARA" überquert nun auch rasch die Osthälfte mit ein paar Regentropfen und nachdem spätestens am Abend auch die eventuellen Schauer/Gewitter im Südosten Geschichte sind, bleibt es in der zweiten Nachthälfte wohl landesweit trocken. Dennoch trocknet die Luftmasse durch das Absinken unter dem sich verstärkenden Rücken vor allem im Norden und Osten nur langsam ab, so dass es dort vielerorts wolkig bis stark bewölkt bleibt. Im Südwesten und Süden klart es hingegen zunehmend auf, im Übergangsbereich zur feuchteren Luft kann sich am ehesten in der Mitte auch gebietsweise Nebel bilden.
Die Nacht fällt nochmals halbwegs angenehm temperiert aus. Bei klarem Himmel kühlt es im Südosten und Süden auf 15 bis 10 Grad ab. Sonst, auch an Hoch- und Oberrhein, liegen die Minima meist zwischen 19 und 14 Grad.
Donnerstag... kommt der Höhenrücken nur wenig nach Osten voran und wölbt sich sogar noch etwas auf, so dass landesweit Absinken dominiert. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt langsam nach Ost- bzw. Südosteuropa und wird ein wenig abgebaut, so dass wir an dessen "heiße" Westflanke geraten. Somit wird der Weg frei für Subtropikluft aus Südwesteuropa. Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa auf Werte zwischen 12 Grad über Rügen und 21 Grad ganz im Südwesten. Vor allem über der Südwesthälfte geht diese Erwärmung mit einer deutlichen Labilisierung der Luftmasse einher, dennoch ist sie unterm Rücken durch das Absinken so stark gedeckelt, dass es auch im Schwarzwald und an den Alpen kaum für Konvektion reichen dürfte. Falls (dann sehr überraschend aus aktueller Sicht) doch, gehen die Gewitter mit Starkregen und Hagel einher, sollten aber noch markanten Warnkriterien genügen. Während es im Norden und Nordosten durch die WLA noch gebietsweise bewölkt bleibt, scheint ansonsten häufig die Sonne, im Südwesten auch von einem wolkenlosen Himmel.
Durch die Überhitzung etabliert sich über Frankreich bereits eine flache Tiefdruckrinne, die sich Richtung Ärmelkanal und Belgien ausweitet. I-D2 und auch das französische AROME simulieren dort am Nachmittag und Abend auch Auslöse, was durchaus wahrscheinlich ist, zumal eine hauptsächlich im IPV-Feld auszumachende flache Störung dort zum Abend hin auch für einen geringen dynamischen Hebungsinput sorgen dürfte. Bei durchaus günstigen Scherungsbedingungen, 500 bis über 1000 J/kg Cape und PPWs um 40 mm sind auch Superzellen nicht ausgeschlossen und in weiterer Folge die Organisation zu einem MCS. Dieses sollte bis zum Abend das Vorhersagegebiet aber noch nicht tangieren.
Somit stehen die Temperaturen eindeutig im Fokus, die nun vor allem auch in der Mitte und im Norden einen deutlichen Sprung nach oben machen. 23 bis 28 Grad stehen in Norddeutschland wohl auf der Karte, an den wenigen Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es etwas frischer. In der Mitte sind es 28 bis 32 Grad, in der großen Südhälfte heiße 30 bis 35 Grad, am Oberrhein auch knapp 36 Grad.
In der Nacht zum Freitag umläuft die oben angesprochene schwache Störung bzw. das IPV-Maximum den Rücken und überquert den Nordwesten und Norden Deutschlands ostwärts. Der Druckfall über dem Vorhersagegebiet setzt sich abgeschwächt weiter fort, von Benelux her weitet sich die Bodenrinne noch ein wenig Richtung West- und Nordwestdeutschland aus.
Somit kommen auch das MCS - sollte es denn eines geben - bzw. die Gewitter über Benelux nach Osten voran und dürften zumindest noch den Nordwesten Deutschlands erfassen. Genügend MU-Cape (um 500 J/kg) steht dort noch zur Verfügung, zudem dürfte ein MCS auch eine gewisse Eigendynamik entwickeln und bis weit in die Nacht bzw. bis in die Frühstunden überleben. AROME und SuperHD haben dieses Szenario tatsächlich auf der Agenda, I-D2 simuliert nur schwache Niederschlagssignale und lässt die Gewitteraktivität westlich von uns über Belgien und den südlichen Niederlanden.
Wie auch immer - im Falle des Falles steht vor allem der Starkregen als Begleiterscheinung auf der Agenda, durchaus auch bis in den Unwetterbereich angesichts der PPWs von über 35 mm. Hagel kann natürlich auch mit von der Partie sein - für größeren Hagel fehlt es an Scherung und Cape. Angesichts der nächtlichen Stabilisierung der Grundschicht spielt der Wind wohl eine eher untergeordnete Rolle.
Im Rest des Landes verläuft die Nacht dagegen ruhig. Generell bleibt es im Norden bewölkter als im Südwesten und Süden, wo der Himmel vielerorts klar ist. Die Luft wird unter dem starken Deckel insgesamt feuchter, was die Nacht unangenehmer gestaltet. Im Westen und Südwesten werden die 20 Grade vor allem in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen nicht mehr unterschritten, Minima von 22 Grad sind durchaus gebietsweiser möglich. Am angenehmsten wird es noch bei klarem Himmel im Osten und Südosten, wo nochmals die 15 Grad unterschritten werden, in höher gelegenen Mittelgebirgstälern geht es vielleicht auch auf nahe 10 Grad runter. Überall anders pendeln sich die Minima irgendwo dazwischen ein.
Freitag... kann ein erster, etwas kompetenterer Randtrog auf das westliche Mitteleuropa übergreifen, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein wenig aufsteilt, die Rückenachse aber nach wie vor kaum nach Osten vorankommt und das Grundmuster somit antizyklonal bleibt. Im Bodenfeld verstärkt sich die Tiefdruckrinne über Frankreich und Benelux tagesgangbedingt und lässt sich nun auch in den Global- bzw. Regionalmodellen deutlich ausmachen. Im Tagesverlauf weitet sie sich bis ins Vorhersagegebiet aus, was vor allem im Westen und Nordwesten des Landes anhand einer Feuchteflusskonvergenz und deutlich steigender Cape (1000 bis über 2000 J/kg) bzw. PPWs (35 bis 40 mm) bemerkbar macht. Die großräumige Scherung bleibt in Achsennähe nur schwach, mit auf Südost rückdrehenden Bodenwinden kann lediglich erhöhte bodennahe Richtungsscherung generiert werden. Wie der Tag konvektionstechnisch nun im Detail abläuft, hängt natürlich auch von einem eventuellen nächtlichen/morgendlichen MCS und dessen Outflow-Boundaries ab. SuperHD lässt beispielsweise den morgendlichen MCS über Nordwestdeutschland im Tagesverlauf langsam um den Rücken herum ost-, später südostwärts ziehen, wobei er sich zunächst etwas abschwächt, nachmittags/abends aber über Brandenburg wieder verstärkt. An dessen nach Süden auslaufender Outflow Boundary kann dann eventuell mit Hilfe der Orographie neue Konvektion, am ehesten im Bereich der Mittelgebirge, getriggert werden, die aktuell noch nicht in den Modellen auftaucht. Unter der Tiefdruckrinne bleibt die Luftmasse zunächst noch stark gedeckelt, am späten Nachmittag und Abend könnten dann aber von Benelux her ein weiteres MCS bzw. neue Gewitter auf NRW und den Westen Niedersachsens übergreifen.
Als Begleiterscheinungen steht in erster Linie der Starkregen im Fokus, da die Systeme zumeist nur langsam ziehen. Unwetter, selbst bis in den extremen Bereich (über 40 mm in kurzer Zeit) sind möglich. Auch Hagel kann angesichts der hohen Cape vor allem im Westen/Nordwesten Unwetterpotenzial erreichen. Sturmböen, auch schwere sind bei organisierten Systemen denkbar.
Gewitter können sich mit Hilfe der Orographie auch im Schwarzwald und am Alpenrand entwickeln mit ähnlichen Begleiterscheinungen. Punktuell sind somit durchaus Unwetter zu erwarten, eine großräumigere Unwetterlage steht dagegen nicht auf der Agenda. Die meisten Regionen gehen eh leer aus. Die tropisch anmutende Luftmasse mit lokal hohen Taupunkten (in der Nordwesthälfte örtlich um oder knapp über 20 Grad) weitet sich nun landesweit aus mit 850 hPa-Temperaturen zwischen 16 Grad im Nordosten und 21 Grad im Süden/Südwesten. Während es im Norden eher bewölkt bleibt, scheint sonst häufig die Sonne und kann die Luftmasse auf verbreitet 30 bis 35 Grad, vom Südwesten bis in die Mitte örtlich bis auf 37 Grad erwärmen. Etwas angenehmer bleibt es lediglich an den Küsten sowie im Norden Schleswig-Holsteins.
Über die Gewitteraktivität in der Nacht zum Samstag lässt sich - abhängig davon, was tagsüber geht - aktuell nur spekulieren. Die orographisch getriggerte Konvektion im Südwesten und an den Alpen sowie im Bereich einiger Mittelgebirge dürfte aber im Laufe der Nacht langsam zum Erliegen kommen. Anders dagegen im Westen und Nordwesten, die auf die Vorderseite des langsam über Frankreich und Benelux hinwegziehenden flachen Randtroges geraten, morgens erfasst er eventuell bereits den äußersten Westen des Landes. Somit ist davon auszugehen, dass die Gewitteraktivität dort nachts mehr oder weniger andauert und sich vielleicht auch noch etwas nach Osten, in die mittleren Landesteile ausweitet.
Die Scherungsbedingungen verbessern sich nur wenig, allerdings entwickeln die konvektiven Systeme durchaus eine gewisse Eigendynamik und MU-Cape steht sowieso genügend zur Verfügung. Somit sind Begleiterscheinungen bis in den Unwetterbereich nach wie vor denkbar, vor allem in punkto Starkregen, anfangs aber auch Hagel.
Dennoch gehen die meisten Regionen erneut leer aus und somit bleibt die Nacht fast überall, abgesehen vielleicht vom Südosten, unangenehm warm. Vielerorts werden die 20 Grad nicht mehr unterschritten, vor allem nicht in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle fahren bis Freitag einen einheitlichen Kurs. Über den genauen Ablauf der konvektiven Erscheinungen, die punktuell am Freitag durchaus Unwetterpotenzial aufweisen, lässt sich derweil nur spekulieren. Eine großräumige Unwetterlage dürfte dennoch nicht ins Haus stehen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 17.06.2026 um 10.30 UTC
Hitze und Gewitter - heißes Frühlingsende bzw. Sommerstart (Sonntag, 21. Juni kalendarischer Beginn).
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 24.06.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Samstag hat uns die südwesteuropäische respektive nordwestafrikanische Hitze mit voller Wucht Protest. Anlass für den aus Norddeutschland kommenden Verfasser, schon 1-2 Tage nach Beginn der Hitzewelle die weiße Fahne zu hissen und um Gnade in Form von Abkühlung zu bitten. 35+X°C im RMG, aber auch anderswo, liebe Freunde, muss das sein? Jawoll Hoffmann, muss es, genau darauf haben wir gewartet. Wird Zeit, dass es endlich richtig warm bzw. heiß wird, mussten jetzt lang genug bei "schmalen" Temperaturen darben - so sicherlich der Einwand der Hitzefans unter der geneigten Leserschaft dieses Bulletins. Andere wiederum, die "Hitzeallergiker" werden zustimmen und sich ebenfalls eine baldige Trendwende wünschen. Tja, liebe Leut´, so ist das nun mal beim Wetter: die einen so, die anderen so. Wünsch dir was ist allerdings woanders, nur beim Wetter nicht. Also ran an den Speck, die Fakten.
Einsteigen tun wir mit einem veritablen Trog-Rücken-Muster, das den nahen Atlantik inkl. UK/Irland und große Teile des westlichen europäischen Kontinents überdeckt. Am Samstag befindet sich Deutschland knapp hinter der in Richtung Skandinavien weisenden Rückenachse und mithin auf der Vorderseite des westlich von uns positionierten Troges. Trogvorderseite, leicht zyklonale und möglicherweise flatternde südwestliche Höhenströmung, da heißt es als Meteorologe Aufhorchen und in Hab-Acht-Stellung begeben, insbesondere im Sommer, wenn wie am Samstag eine hochenergetische und potenziell instabile Luftmasse subtropischen Ursprungs bei uns Fuß gefasst hat (T850 16 bis 21°C). Und außerdem sich das bisher bestimmende Bodenhoch nach Osten verlagert hat und vor dem nächsten Hoch eine Tiefdruckrinne unser Land erfasst. Ich erspare mir an dieser Stelle, die Ingredienzien der Konvektionsfavoriten inkl. Überlappung usw. rauf und runter zu beten, weil die Detailentwicklung von unendlich vielen Faktoren abhängt und in den nächsten Modellläufen (insbesondere dann, wenn die Hochauflösenden einsteigen) sowieso noch mehrfach umgekrempelt wird. Nur so viel an dieser Stelle: neben der fetten Hitze mit verbreitet über 30°C, im Südwesten bis zu 37, vereinzelt vielleicht 38°C (etwas erträglicher nur die Küste und die Inseln bei Seewind) drohen zudem kräftige Gewitter bis hin zu Unwettern mit den bekannten Begleiterscheinungen.
Am Sonntag regeneriert sich der Höhenrücken, weil ordentlich Warmluft in seinen Westteil gepumpt wird, so dass er scheinbar retrograd wird. Gleichzeitig wandert das o.e. neue Hoch mit seinem Zentrum von etwas über 1030 hPa zur Nordsee. Kurzum, das gesamte Setup bei uns wird wieder antizyklonaler, doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auf der Süd-Südostflanke des Hochs schickt sich nämlich eine in den Prognosekarten recht unscheinbar daherkommende Kaltfront an, von der Küste etwas landeinwärts voranzukommen. Rückseitig gelangt trockenen Fußes eine Portion nicht mehr so heißer Luft in den äußersten Norden (Tmax 25 bis 30°C, an der See unter 25°C). Doch was passiert präfrontal zwischen nördlicher Mitte und Süddeutschland? Zwar beginnt auch dort der (schwache) Wind auf Nordwest bis Nord zu drehen. Trotzdem, ein richtiger Luftmassenwechsel findet nicht statt, bestenfalls eine leichte Modifizierung, die aber weder ausreicht, die Hitze nennenswert zu dämpfen noch das erneute Auslösen von kräftigen Gewittern zu verhindern.
An den ersten Tagen der neuen Woche flacht der Rücken zusehend ab, was uns auf die warme Seite der zonal exponierten, leicht flatternden Frontalzone bringt. Ins Auge fällt dabei ein ausgewiesener Kurzwellentrog, der uns am Dienstag ost-südostwärts passiert. Dabei stößt er schon am Montag über Südengland/Ärmelkanal eine Zyklogenese an, auf deren Rückseite (das Tief zieht via Nord- und Ostsee zum Baltikum) eine neue Kaltfront von Nordwesten nach Südosten schwenkt. Nicht geräuschlos, aber relativ geräuscharm, so die Lesart von IFS. Heißt Gewitter ja, das ganz große, flächendeckende Spektakel eher nein. Hinzu kommt ein allgemeiner Temperaturrückgang, dessen quantitative Bewertung aber noch unscharf ist. Reicht es, die Hitze gänzlich auszuräumen oder lediglich zu dämpfen. Es spricht einiges dafür, dass die Norddeutschen die Hauptprofiteure des Luftmassenwechsels sein werden. Ob im Süden ein Rückgang von 35, 36 oder 37°C auf 31, 32 oder 33°C die große Wende ist, mag ein jeder selbst beurteilen. Aber nochmal, es gibt noch Spielraum, der wohl erst in den nächsten Tagen mit Substanz gefüllt wird.
Kurz noch ein Blick in die erweiterte Mittelfrist, die uns voraussichtlich den nächsten Rücken und eine Regeneration der Warm- bzw. Heißluft beschert. Ob von Dauer oder nur kurzzeitig - who know´s?
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Es ist vollkommen unstrittig, dass der Beginn der Mittelfrist am kommenden Samstag mit landesweiter Hitze und einigen kräftigen Gewittern aufwartet. Auch wenn die Details der Gewitterei bei Weitem noch nicht in trockenen Tüchern sind (was übrigens vollkommen normal ist), wird damit der Kurs der gestrigen Prognose fortgesetzt. Das gilt im Großen und Ganzen auch für die Folgetage, auch wenn gerade über dem Thema "Gewitter" nach wie vor Fragezeichen schweben (wann, wo, wie stark usw.).
Noch nicht geklärt ist die Frage - und jetzt nimmt die Modellkonsistenz von IFS (ECMF) allmählich ab -, wie der für nächste Woche von Nord-Nordwest apostrophierte Temperaturrückgang vonstattengeht? Eher mit Pauken und Trompeten (kräftige Gewitter), eher ruhig und gediegen. Oder irgendwas dazwischen. Und vor allem, wie stark fällt die Abkühlung in den jeweiligen Regionen des Landes aus? Wie geht´s weiter? Ein komplexes Gleichungssystem mit X Randbedingungen, an dem in den nächsten Tagen numerisch noch reichlich Kärrnerarbeit zu leisten ist, um belastbare Ergebnisse zu bekommen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Da helfen auch die anderen für gewöhnlich auf dem Prüfstand stehenden Globalmodelle (ICON, GFS, GEM, UK10) nur bedingt weiter. Immerhin, sie alle versuchen ebenfalls, die Temperatur in den nächsten Woche nach unten zu korrigieren. Auf die o.e. Zyklogenese wird dabei verzichtet (Alleinstellungsmerkmal IFS). Stattdessen wird tendenziell eher auf Hochrandlage mit östlicher Grundströmung gesetzt, bei der der Süden zwar nicht mehr ganz so heiß wie zuvor, aber immer noch heiß und auch gewitteranfällig daherkäme.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Grunde spiegeln die Rauchfahnen von IFS-EPS verschiedener deutscher Städte die auf Basis der Determinsistik gemachten Aussagen wider. Besonders deutlich wird das am stark zunehmenden Temperaturspread (850 hPa) im Laufe der nächsten Woche, der im Prinzip keine seriösen Aussagen zulässt. Beispiel gefällig? Mittwoch, 24. Juni, Standort Offenbach, wärmste Lösung bei 23°C, kälteste Lösung bei 4°C. Immerhin lässt sich extrahieren, dass sich das Gros der Ensembles am Dienstag/Mittwoch nach unten orientiert, um Richtung nächste Wochenende wieder einen Anlauf nach oben zu nehmen. Wie gesagt, das alles bei hohem Spread. Nicht ganz so heterogen präsentiert sich das Bild beim Geopotenzial 500 hPa. Die o.e. Trogpassage am Dienstag wird im Norden von sehr vielen Ensembles gestützt, während im Süden die Mehrheit seitwärts auf hohem Niveau verbleibt. Begleitet wird das Ganze von einigen kräftigen, aber zahlenmäßig nicht überlaufenden RR-Peaks, aus der keine Systematik herauszulesen ist. Klassisch für Lagen mit nicht-dynamischem Konvektionspotenzial.
Die Cluster starten mit nur einem einzigen Cluster (T+72...96h, Samstag/Sonntag) in ihre Präsentation, was ungewöhnlich ist. Aber gut, wollen wir´s nicht überinterpretieren. Von Montag bis Mittwoch (T+120...168h) werden zwei Schubladen aufgemacht, beide unter dem Regime "Blockierung". Während CL 2 (20 Fälle + HRES) in etwa die vom Hauptlauf simulierte Tief- bzw. Trogpassage wiedergibt, setzt CL 1 (31 Fälle) auf ein insgesamt antizyklonaleres Muster über Deutschland. T+192...240h (Donnerstag bis Samstag) hat ebenfalls 2 Varianten im Angebot. CL 1 (27 Fälle) sieht Deutschland auf der Vorderseite eines sich aufwölbenden Höhenrückens knapp westlich von uns (=> nordwestliche Höhenströmung). CL 2 (24 Fälle) bevorzugt es, den Rücken flach bei uns durchzuschleusen, was uns unter eine seichte, leicht antizyklonal konturierte südwestliche Höhenströmung bringt (Regime "NAO+"). In beiden Szenarien wäre Hochdruckeinfluss Trumpf, allerdings nicht ganz störungsfrei. Unterschidlich wäre das thermische Niveau: CL 1 zwar warm bis sehr warm, aber eher gemäßigt, CL 2 eher sehr warm bis heiß.
FAZIT:
Die Hitze am Wochenende ist gewiss, auch wenn es am Sonntag im Norden ein wenig Entspannung gibt. Kräftige Gewitter bis hin zu Unwettern sind ebenfalls gewiss. Die Frage ist nur wann wo genau. Im Laufe der nächsten Woche deutet sich auf unterschiedlichen Wegen ein Temperaturrückgang an. Wie stark dieser ausfällt und mit welchen Begleiterscheinungen, ist derzeit noch offen. Man wird allerdings das Gefühl nicht los, dass zumindest der Süden trotz ein paar Grad weniger nicht so richtig aus dem Hitzekäfig entkommt. Ob es Richtung nächstes Wochenende einen neuen Anlauf gibt oder sich nur warme bis sehr warme Verhältnisse einstellen, ist z.Zt. noch völlig offen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Grund wurde schon alles geschrieben. Zwei Komponenten stehen in dieser Rubrik im Fokus: Hitze und Gewitter. Während bei der Temperatur im ersten Teil der Mittelfrist noch seriöse Aussagen möglich sind, ist das bei den Gewittern nicht der Fall - zumindest wenn man den Anspruch verfolgt, deren Vita nicht nur mit Allgemeinplätzen zu beschreiben. Lassen wir uns also überraschen, was da so kommt.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit Modell-Mix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





