Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 15.05.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
TrM

Voraussichtlich keine markanten Wettererscheinungen. Heute im Tagesverlauf vor allem in der Nordosthälfte einzelne kurze Gewitter, eventuell mit Windböen, am Samstag deutlich reduzierte Gewitterwahrscheinlichkeit. An der Nordsee Windböen, in Nordfriesland eventuell auch einzelne stürmische Böen Bft 8 (und damit dann doch markant). An den Alpen Regen, oberhalb 1500 m Schnee, Schneefallgrenze auf 1000 bis 1200 m absinkend, am Samstag wieder auf 1500 m ansteigend.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag... bestimmt ein Langwellentrog das Wetter in Deutschland, der sich vom Nordmeer über Nordwegen und Dänemark sowie den Westen Deutschlands hinweg bis nach Frankreich und von dort zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Er kommt in seinen nördlichen Bereichen kaum nach Osten voran, im Süden jedoch verlagert er sich deutlicher nach Osten, so dass seine Achse zum Abend die Küstenregionen des westlichen Mittelmeeres anpeilt. Mit dem Trog ist ein kleinräumiges Tiefdruckgebiet gekoppelt, welches heute weitgehend ortsfest vor der Südspitze Norwegens verharrt und sich dabei zögerlich auffüllt. Auf seiner Südflanke ist der Gradient etwas angeschärft, was bei den Nordfriesen im Tagesverlauf für die eine oder andere Böe Bft 7 aus Südwest bis West sorgt, die zum Tagesende aber wieder nachlassen. Wenn es tatsächlich schlecht läuft, mischt sich auch mal eine Bft 8 unter die ansonsten gelben (und auch schon ausgegebenen) Windwarnungen. Innerhalb des Troges ist der vertikale Temperaturgradient durchaus beachtlich. Zu Tagesbeginn zeigen sich in einem Streifen von der westlichen Ostsee bis nach Nordfrankreich noch 500-hPa-Temperaturen von unter -30°C, und auch wenn dort die Temperatur im Tagesverlauf etwas ansteigt, so bleibt bei 850er Temperaturen um 0°C die Labilität über den Tag hinweg hoch. Darauf reagieren die Modelle mit im Tagesverlauf auflebender Schauer- und auch Gewitteraktivität, insbesondere im Süden und in der östlichen Mitte, aber auch im Nordwesten. Diese Regionen sind deckungsgleich mit den Gebieten, in denen eine etwas höhere Feuchte (PPWs knapp unter oder um 15 mm, spez. Feuchte bei 5-6 g/kg) liegen sollen. Hebungsimpulse werden im Nordwesten von einem Bodentrog und einer Küstenkonvergenz geliefert, im Südosten dürfte die Orografie ihre Finger mit im Spiel haben. Dass die genannten Werte keine ausgewachsene Gewitterlage erwarten lassen liegt auf der Hand, für kurze Entladungen, eventuell auch mal mit einer einzelnen Windböe, wird es aber reichen, Letztere müssen aber aus der Dynamik der Gewitter selbst kommen, denn die Oberwinde sind insgesamt sehr schwach aufgestellt. Graupel kann durchaus mit von der Partie sein, aber trotz der langsameren Verlagerung der Zellen bleibt Starkregen in den bei schwacher Scherung meist unorganisierten Zellen unwahrscheinlich. Bleibt noch zu erwähnen, dass ein schwaches Genuatief am Alpenrand im Tagesverlauf erneut Aufgleitregen induziert. Die globalen Modelle wie GFS oder IFS belassen es im Tagesverlauf bei akkumulierten Mengen um 5 l/qm, hochaufgelöste Vertreter wie ICON-D2 bringen es mit viel Wohlwollen und wahrscheinlich konvektiver Durchsetzung auch mal auf 10 l/qm. Dabei liegt die Schneefallgrenze um 1500 m, eventuell auch einen Tick höher, die Neuschneemengen durch den Nassschnee halten sich aber in Grenzen (präziser: mehr als 5 cm Neuschnee sollten es nicht werden). Der Wettercharakter ist in großen Teilen des Landes mit dem Wort "Wechselhaft" gut beschrieben, am längsten zeigt sich die Sonne im Nordosten, die Höchstwerte bewegen sich in einer Spanne von knapp unter 10°C in einzelnen ungünstigen Mittelgebirgslagen und bis zu 17°C in der Lausitz.

In der Nacht zum Samstag lassen die Schauer zumeist rasch nach, was auch einem sich von Westen hereinschiebenden Bodenkeil geschuldet ist. Gebietsweise lockert die Bewölkung stärker auf, teils bleibt sie dichter oder es wird dunstig. Nebelfelder sind zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen - was nicht für den sehr sicher nebelfreien Nordwesten gilt. Letzteres ist dem dort zwar nicht starken, aber doch lebhaften Südwestwind geschuldet. Das Tief an der Südspitze Norwegens füllt sich zwar weiter auf, es greift aber auch etwas weiter nach Süden aus, was die durch den Abschwächungsprozess zu erwartende Windabnahme überkompensiert. Entsprechend lebt der Wind im Nachtverlauf aus West kommend an der Nordsee wieder auf, was erneute Böen Bft 7 auf den Inseln und in Nordfriesland zur Folge hat, begleitet von etwas schauerartigem Regen. Am Alpenrand, eventuell etwas ausgreifend bis ins südliche Vorland, regnet es weiter, zeitweise auch kräftiger, wobei um 10, in Hochlagen auch bis 20 l/qm in 12 Stunden zusammenkommen. Bei auf 1000 bis 1200 m sinkender Schneefallgrenze sind in höheren Lagen so 10 bis 15 cm Neuschnee drin. Da wird dann wohl eine gelbe Schneefallwarnung nötig werden. Die Minima pendeln sich bei 7 bis 1°C ein, in einigen Regionen tritt Bodenfrost auf, ganz lokal (und kaum zu bewarnen) auch mal Luftfrost. .

Samstag... bleibt uns der 500-hPa-Trog erhalten, in seinem nördlichen Teil verlagert er sich kaum (immerhin schafft es ein flacher Rücken auf seiner Rückseite von Irland bis zur Nordsee), vor allem südlich der Alpen kommt er aber deutlich erkennbar nach Osten voran. Dadurch hat schon in der Nacht das Genuatief seine dominierende Rolle südlich der Alpen eingebüßt, nunmehr liegt der tiefste Druck über der Adria und wandert im Tagesverlauf über das ehemalige Jugoslawien hinweg in Richtung Ungarn und Rumänien. In der Folge verschieben sich auch die vom tiefen Luftdruck in dieser Region induzierten Aufgleitniederschläge nach Osten, womit die Intensität ebenjener am deutschen Alpenrand nachlässt. Bis zum Abend fallen nochmals bis 5 l/qm, in Hochlagen auch bis 10 l/qm. Über 24 Stunden akkumuliert erreichen nur (noch) hochaufgelöste Modelle wie ICON-D2 oder AROME Menge von knapp über 30 l/qm in 24 Stunden und damit die Schwellen für eine Dauerregenwarnung, die auch deswegen fraglich ist, weil in den Staulagen ja auch ein nicht unerheblicher Teil der Niederschläge als Schnee fällt (Schneefallgrenze am Samstag von etwa 1200 wieder auf 1500 m ansteigend). Auch die Probabilistik zeigt nur noch geringe Signale für Dauerregen. Damit muss wohl eher über die Verlängerung der Schneefallwarnung als über eine Dauerregenwarnung nachgedacht werden. Im übrigen Land lebt im Verlauf die Schauertätigkeit wieder auf. Bei im Vergleich zum Vortag reduzierten PPW-Werten von allenfalls knapp über 10 mm, wenig CAPE und einer deutlichen Stabilisierung (T 500 kaum unter -25°C) wird es wohl allenfalls vereinzelt für Gewitter reichen, eventuell von Graupel begleitet. Dazu sorgt der von Südwesten her weiter steigende Druck für eine Beruhigung. Von eventuellen Schauern am stärksten Betroffen sind nach jetzigem Stand die Regionen südlich der Donau und der Westen, letzterer aufgrund eines kurzwelligen Troganteils, der auf der Rückseite des Langwellentroges abläuft. Das Südnorwegentief verlieft zwar weiter an Kraft, zusammen mit dem geschilderten Druckanstieg im übrigen Land bleibt der Gradient über dem Norden aber aus der Nacht heraus weitgehend unverändert erhalten. Somit bleibt es auch bei Westböen Bft 7 auf den Nordseeinseln und in Nordfriesland, eventuell mischt sich auch mal eine Bft 8 ins Windfeld. Sollten im Norden Schauer auftreten, so ist bei diesen die Wahrscheinlichkeit für Begleitböen Bft 7 aufgrund des Grundwindes deutlich höher als im Rest des Landes. Bei allem Gesagten bleibt es wechselhaft, die größten Sonnenanteile zeigen sich Richtung Nordosten, die Höchstwerte liegen bei 9 bis 17°C und damit ziemlich genau auf Vortagesniveau.

In der Nacht zum Sonntag wird der Trog zusehends abgebaut, von Westen kann sich ein flacher Rücken hereinschieben, wobei der nachfolgende Trog im Bodendruckfeld wie auch in 500 hPa schon deutlich über den Britischen Inseln zu erkennen ist. Dem weiter ansteigenden Druck hat das immer schwächer werdende und nach Norden abziehende Tief über Norwegen nichts mehr entgegenzusetzen. Entsprechend weicht auch über dem Norden der Gradient auf und der Wind lässt nach. Nachlassen ist auch für die Schauer das Stichwort, die in die Nacht hinein alsbald zusammenfallen. Da auch die Niederschläge an und in den Alpen weiter auf dem absteigenden Ast sind, stellt sich eine insgesamt ruhige Nacht ein. Im Westen ist es oft bewölkt, mit den Wolken macht schon das nächste Frontensystem, welches zu einem Tief zwischen Schottland und Island gehört, auf sich aufmerksam. In den übrigen Gebieten ist es oft gering bewölkt oder sogar klar. Damit kühlt es deutlich ab, lokaler Nebel kann, trotz der trockenen Luftmasse, nicht ausgeschlossen werden. Dazu kommt verbreitet Bodenfrost und im Süden regional auch Luftfrost. Die Temperaturspanne reicht von -2°C in ungünstigen Lagen des Südens bis +8°C an den Küsten.

Sonntag... und in der Nacht zum Montag wird das Wettergeschehen über dem Westen und Nordwesten maßgeblich von einem Trog über Westeuropa geprägt. Da auf dessen Rückseite ein kurzwelliger Anteil abläuft, der den Trog regeneriert, kommt er kaum nach Osten voran. Das gilt auch für die mit dem Trog und dem zunehmend mehrkernigen Tief zwischen Schottland und Island verbunden okkludierte Front. Zwar bringen die entsprechenden Wolken, die in der Nacht schon zu beobachten waren, im Tagesverlauf von der Saar bis zur Nordseeküste etwas an Regen, die große Nummer ist das mit meist um 1 l/qm in 12 Stunden aber wahrlich nicht. In der Nacht zum Montag intensivieren sich die Regelfälle etwas (lokal um 5 l/qm in 12 Stunden) und schaffen es zumindest in die Pfalz, im Norden ist jedoch keine nennenswerte Verlagerung zu erkennen. Im übrigen Land treten Schauer nur noch tagsüber und nur noch vereinzelt auf, die Nacht zum Montag ist abgesehen vom Westen und Nordwesten trocken. Die Luftdruckgegensätze sind ebenso wie der Wind schwach ausgeprägt, die eine oder andere mäßige Böen könnte im Bereich der okkludierten Front auftreten. Da sich die Luftmasse etwas erwärmt, steigen auch die 2m-Temperaturen. 14 bis 19°C sollen es werden, vielleicht wird die 20-°C-Marke auch einmal geknackt. Frost ist in der Nacht kein Thema mehr, vielmehr bewegen sich die Minima zwischen 10 und 1°C.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Größere Unterschiede ergeben sich, insbesondere je nach Modellauflösung, bei den Niederschlagsmengen an den Alpen. Ansonsten sind keine warnrelevanten Unterschiede auszumachen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas