Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 20.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Nz
Im Norden wechselhaft und mäßig warm, besonders küstennah zeitweise windig und im Nordosten auch mit einzelnen Gewittern. Im Südwesten trocken und besonders den Oberrhein entlang meist sommerlich warm.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... bis Mittwoch intensiviert sich über dem Nordostatlantik eine umfangreiche und blockierende Antizyklone, die entlang ihrer Ostflanke von tiefem Geopotenzial über Skandinavien und Nordosteuropa flankiert wird. Diese Geopotenzialgeometrie stützt über Mitteleuropa eine ausgeprägte nördliche Anströmung, in der modifizierte polare Luftmassen bei uns für einen mäßig warmen Witterungsabschnitt sorgen. Derweilen wird im Mittelmeer die dort lagernde sehr heiße Luftmasse südwärts abgedrängt, was besonders am morgigen Dienstag über dem zentralen Mittelmeer mit teils extremer Unwettergefahr einhergehen wird.
Bei uns in Deutschland gestaltet sich das Wetter deutlich ruhiger. Der über Nordpolen liegende und ostwärts driftende Langwellentrog geht eine Verbindung mit einem stationären Höhentief vor der Biskaya in Form einer umfangreichen Rinne ein. Heute schwenkt dabei ein kräftiger Randtrog von Norden südwärts und erreicht bis zum Abend die östliche Mitte Deutschlands. Dabei wird die Rinne nochmals verstärkt, bevor sie zum Dienstag mit Geopotenzialanstieg über der Biskaya in ein ostwärts schwenkendes Residuum und ein Höhentief vor der Iberischen Halbinsel aufgeteilt wird.
Der Tag gestaltet sich somit nördlich der zentralen Mittelgebirge meist wolkenverhangen, mit einer im Tagesverlauf recht verbreitet auflebenden (im Nordosten bereits ausgangs der Nacht anhaltenden) Schaueraktivität. Im gesamten Nordosten sind zudem zahlreiche Gewitter zu erwarten, die jedoch bei überschaubarerer Labilität und Scherung recht unorganisiert daherkommen. Graupel und Böen Bft 7 aus Nordwest sind aber einzuplanen. Bei Mehrfachtreffern von kräftigen Schauern und Gewittern kann auch mal mehrstündig das Starkregenkriterium gerissen werden, was im Ensemble mit leicht erhöhten Wahrscheinlichkeiten in Richtung Uckermark/Oderbruch gezeigt wird. Im Nachmittagsverlauf klingen die Schauer rückseitig des Troges von Norden her ab und die Wolken lockern stärker auf.
Im gesamten Süden verläuft der Montag sonnig, später freundlich (dank lockerer Quellbewölkung) und niederschlagsfrei. Dazu steuert auch das Hochdruckgebiet MORITZ über Nordwesteuropa bei, das im Tagesverlauf den Bodendruck von Westen weiter steigen lässt.
Zwischen MORITZ und dem über Nordpolen ostwärts ziehenden Bodentief CERRYII dauert die nördliche Anströmung weiter an, sodass im Norden die Maxima bei mäßig warmen 18 bis 22 Grad verbleiben, während diese im Süden zwischen 20 und 26 Grad liegen. Sommerliche Werte werden aber wohl nur entlang des Oberrheins und in Richtung Markgräfler Land/Hegau erwartet.
Der Wind kommt meist schwach bis mäßig, im Norden und Osten mäßig bis frisch aus Nord bis Nordwest und frischt im Umfeld der Küsten sowie im Nordosten in Schauernähe zeitweise stark böig auf (Bft 7).
In der Nacht zum Dienstag weitet MORITZ seinen Einfluss weiter nach Deutschland aus, sodass die Schauer und letzten Gewitter vom Tag eingangs der Nacht meist rasch in sich zusammenfallen. Dabei klart es häufig auf. Einzig im Umfeld der zentralen Mittelgebirge sowie peripher der Oder bleibt die dichte Bewölkung und ein geringes Schauerrisiko bestehen.
Die Minima liegen zwischen 13 und 6 Grad, entlang der Küsten um 16 Grad.
Dienstag... herrscht deutschlandweit Hochdruckeinfluss, der in der Höhe (im Nordosten) jedoch noch von einer südostwärts durchschwenkenden Trogachse (inklusive thermischem Trog) beeinflusst wird. Von daher beginnt der Tag meist sonnig, nur im Süden und Osten auch mit ausgedehnten Wolkenfeldern. Ab der Mittagszeit quillt es dann über der Mitte und dem gesamten Osten kräftiger und es entwickeln sich bei einem Gleichgewichtsniveau um 650 hPa zahlreiche Schauer, die zum Abend meist wieder in sich zusammenfallen. Im gesamten Westen und Süden bleibt es trocken.
Die Höchstwerte liegen bei mehr Sonnenschein deutschlandweit zwischen 20 und 26 Grad, mit den sommerlichen Werten den Oberrhein entlang. Im Bergland bleibt es mit 14 bis 18 Grad frischer. Der Nordwestwind weht dem Tagesgang folgend schwach bis mäßig, im Nordosten auch frisch.
In der Nacht zum Mittwoch wandert ein Keil südwärts nach Deutschland und sorgt für eine störungsfreie Nacht. Eingangs der Nacht lockert sich die teils noch dichte Schauerbewölkung vom Tage im Osten und Südosten der Republik allmählich auf, sonst verläuft die Nacht meist klar. Allerdings kommt nach Mitternacht von Norden dichte Aufgleitbewölkung auf, die das Nahen eines teilokkludierten Frontensystems andeutet. Ob es ausgangs der Nacht im Norden für etwas Nass reicht ist noch ungewiss.
Die Minima liegen von Nord nach Süd zwischen 14 und 7 Grad, küstennah um 16 Grad.
Mittwoch... erneuert sich der Langwellentrog über Skandinavien erneut in Form eines von Norwegen zur südlichen Ostsee ziehenden Randtroges. Dieser wird bodennah von einem ebenfalls zur südlichen Ostsee ziehenden Bodentief begleitet, das eine teilokkludierte Kaltfront von Norden nach Deutschland lenkt.
Somit erwarte uns am Mittwoch eine Kopie des Wetters zu heute: Im Norden wechselhaft und wolkenverhangen mit zahlreichen Schauern, im Nordosten (besonders im Umfeld der Ostsee) auch mit einigen Gewittern. Im gesamten Süden bleibt es freundlich und trocken und im Südwesten gar richtig sonnig.
Während die Maxima im Norden und Osten unverändert zwischen 20 und 24 Grad verbleiben, steigen sie im gesamten Südwesten auf sommerliche 25 bis 28 Grad an. Der nordwestliche Wind frischt im gesamten Norden (besonders in Schauernähe) wiederholt stark böig auf (Bft 6 bis 7), mit einigen stürmischen Böen entlang der Küsten. Auf dem Brocken werden Sturmböen (Bft 9) erwartet. Im Südwesten spielt der Wind aus Nordwest keine Rolle und verbleibt deutlich unter jeglicher Warnschwelle.
In der Nacht zum Donnerstag dauert die rege Schauertätigkeit im gesamten Nordosten weiter an und die Schauer bzw. einzelnen Gewitter können im Umfeld der Ostsee auch kräftig ausfallen (Starkregen um 15 l/qm/h und Graupel bzw. mit stürmischen Böen Bft 8). Ansonsten schwächen sich die Schauer im Norden und Südosten allmählich ab, entlang des östlichen Alpenrands kann es anfangs (staubedingt) auch für längere Zeit noch leicht regnen. Im Südwesten verläuft die Nacht meist klar und trocken.
Die Minima liegen im durchmischten Nordosten um 14 Grad und sonst zwischen 12 und 8 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik hat die Entwicklung während dieser Kurzfrist insgesamt gut im Griff, sodass es zu keinen nennenswerten Unterschieden bzw. Unsicherheiten kommt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 19.07.2026 um 10.30 UTC
In der Osthälfte zeitweise Gewitter, im Westen und Südwesten Fortbestand der Trockenheit, am Wochenende deutlich wärmer.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 26.07.2026
Mit Beginn der Mittelfrist am Mittwoch befindet sich Deutschland am Westrand eines Langwellentroges über Mittel- und Osteuropa. Ein flacher Höhenkeil läuft über Deutschland nach Südosten ab. Von Nordwesten stößt ein neuer Troganteil nach Südosten vor und erreicht Norddeutschland. Ein Tief im Lee des Skandinavischen Gebirges zieht zur südlichen Ostsee. An den Küsten kommt es zu einer deutlichen Windauffrischung. Der West- bis Nordwestwind erreicht in Böen Windstärke 8, im norddeutschen Binnenland gebietsweise Bft 7. Sein Ausläufer erreicht den Norden Deutschlands und führt dort zu Niederschlägen, die im Nordosten teils gewittrig sind. Die eingeflossene Meeresluft kann sich im Süden unter dem Keil auf bis zu 13 Grad in 850 hPa erwärmen, im Norden liegen die Temperaturen auf diesem Niveau zwischen 5 und 8 Grad.
Am Donnerstag schwenkt der Trog nach Südosten, von Nordwesten erreicht in der Nacht ein Keil Deutschland. Das Tief über der südlichen Ostsee zieht unter Abschwächung ostwärts. Vor allem im Osten kommt es unter der höhenkältesten Luft (bis zu -20 Grad in 500 hPa) zu Schauern und Gewittern, sonst überwiegt unter Hochdruckeinfluss freundliches Wetter.
Am Freitag liegt Deutschland unter einem Höhenkeil. Am Boden herrscht ebenfalls Hochdruckeinfluss, die Druckgegensätze sind gering. Im Nordosten können sich flache Schauer entwickeln. Sonst bleibt es trocken und vor allem im Südwesten ist es sonnig. Die Einstrahlung sorgt für eine Erwärmung der eingeflossenen Meeresluft - im Süden auf bis zu 16 Grad, im Norden auf 6 bis 10 Grad in 850 hPa.
Am Samstag stößt die Frontalzone wieder nach Mitteleuropa vor. Unter allmählichem Abbau des Geopotenzials nähert sich von Nordwesteuropa ein Trog. Noch verbleibt Deutschland auf dessen Vorderseite in einer südwestlichen bis westlichen Höhenströmung. Randtröge gestalten das Wetter im Nordseeumfeld zunehmend unbeständig. Sonst herrscht noch Hochdruckeinfluss. Statt eines Nordost-Südwest-Gradienten der Temperatur stellt sich ein Nordwest-Südost-Gefälle ein: um 8 Grad in 850 hPa an der Nordsee und bis zu 19 Grad am Alpenrand. Über den Alpen wird die Luft feuchter und damit instabiler. Örtlich sind dort kräftige Gewitter wahrscheinlich. Ein Höhentief nordwestlich von Portugal zieht zum Nordwestteil der Iberischen Halbinsel und wird vorerst nicht vom Trog über Nordwesteuropa eingefangen.
Am Sonntag amplifiziert der Trog über Westeuropa. Die Höhenströmung über Mitteleuropa steilt auf. Ein Kurzwellentrog schwenkt über den Nordwesten Deutschlands nordostwärts. Die Temperaturunterschiede über Deutschland sind groß. In 850 hPa liegt die Temperatur zwischen 9 Grad an der Nordsee und 20 Grad am östlichen Alpenrand. Der Trog über Westeuropa stellt eine Verbindung zum Höhentief über Spanien her; es wird allmählich eingegliedert.
Am Montag und Dienstag schwenkt der Trog langsam nach Deutschland. Von Westen kommt es zu einem markanten Luftmassenwechsel. Am Dienstag strömt mäßig warme Meeresluft nach Deutschland. Das Ganze geschieht nicht ohne kräftige Konvektion. Sich Details anzuschauen, ergibt angesichts der zeitlichen Entfernung keinen Sinn.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch ist die Konsistenz zu den Vorläufen gut. Einheitlich wird ein Trog über Mitteleuropa und ein flacher Keil über Deutschland simuliert. Ein Tief liegt über Westrussland, ein umfangreiches Hoch über dem Ostatlantik. Ein Randtrog schwenkt von der Norwegischen See südostwärts und löst eine Zyklogenese im Lee des Skandinavisches Gebirges aus. Das Tief zieht bis Donnerstag nach Nordpolen. Der Trog über Mitteleuropa verstärkt sich. Die Konsistenz ist weiterhin gut. An den Folgetagen schwenkt der Trog nach Osteuropa, von Westen folgt ein Keil des Atlantikhochs nach. Dies geschieht etwas schneller als im gestrigen Morgenlauf. Am Wochenende nehmen die Unterschiede zu. Nach den beiden neuesten Modellläufen greift das Frontensystem eines Skandinavientiefs auf Deutschland über. Ein Tief bei Portugal wird anders als in den Vorläufen nicht nach Frankreich geführt und nimmt so keinen Einfluss auf das Wetter in Deutschland.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle simulieren die Entwicklung zunächst sehr ähnlich. Größere Unterschiede ergeben sich ab Samstag: Zum einen in der Frage, inwieweit von Nordwesten Frontensysteme auf Deutschland übergreifen - ICON ist da deutlich schneller und kräftiger in der Entwicklung - zum anderen wird bei GFS und UKMO das Tief bei Portugal eingefangen und nach Frankreich geführt, bei ICON und IFS nicht.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
CLUSTERUNG:
Für Mittwoch und Donnerstag gibt es vier Cluster, die alle dem Regime "Atlantic Ridge" angehören. Die Unterschiede für Deutschland sind gering.
Für Freitag bis Sonntag gibt es drei Cluster. Das Regime wechselt bei allen von "Atlantic Ridge" auf "NAO positiv". Die Unterschiede nehmen ab Samstag deutlich zu. Die Ausweitung des Troges über Nordwesteuropa nach Süden wird unterschiedlich simuliert, ebenso wird das Höhentief bei Portugal unterschiedlich schnell eingefangen. Für Deutschland steht aber in jedem Cluster eine zyklonale Vorderseite am Wochenende an.
Für den Wochenanfang gibt es weiterhin drei Cluster, die weiterhin fast ausschließlich dem Regime "NAO positiv" zugeordnet. Deutliche Unterschiede ergeben sich in der Struktur des Westeuropatroges und in der Verlagerungsgeschwindigkeit nach Osten. Auch eine anhaltende Trogvorderseite wird gezeigt.
RAUCHFAHNEN:
Für das Geopotenzial in 500 hPa zeigt sich zu Beginn am Mittwoch und Donnerstag ein Minimum mit dem Trogdurchgang. Nachfolgend ergibt sich ein Anstieg, der deutschlandweit vom Ensemble gezeigt wird. Ab Freitag sinkt das Geopotenzial, die Unsicherheit in Stärke und Geschwindigkeit der Abnahme ist jedoch groß.
Die Temperatur in 850 hPa steigt von relativ niedrigem Niveau bis zum Wochenende deutlich an, wobei der Anstieg im Süden stärker ist. Das erreichte Niveau ist deutlich höher als im Norden. Ab dem Wochenwechsel sinkt das Ensemblemittel deutschlandweit wieder. Die Streuung nimmt ab dem Wochenende zu und ist Anfang kommender Woche groß.
Niederschläge sind im Südwesten und Westen weiter Mangelware, erst ab Sonntag nehmen dort die Signale zu.
FAZIT:
Zur Wochenmitte erreicht ein neuer Schwall kühler Meeresluft den Norden und Osten, an den Küsten gibt es das nächste Windereignis, im Osten Kaltluftgewitter. Der Südwesten wartet dagegen weiter auf Regen. Zum Wochenende gelangt Deutschland auf die Trogvorderseite, sodass in den Süden und Osten sehr warme bis heiße Luftmasssen geführt werden. Ab Sonntag sorgt der sich nähernde Trog zunehmend für Schauer und Gewitter.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
EFI:
WIND:
Am Mittwoch gibt es für den im Norden, vor allem Schleswig-Holstein, Hinweise auf ein Ereignis am oberen Ende des Modellklimas.
EPS:
Am Mittwoch geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 an der Nordsee, abschnittsweise geringe Wahrscheinlichkeiten an der Ostsee.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





