Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 31.10.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
NEa

Nachts häufig Nebel und Hochnebel, dazu in der Mitte und im Süden insbesondere ab der Nacht zum Montag Frost. In der Nacht zum Sonntag und am Sonntag an den Alpen etwas Schneefall.

Schwarzwaldhochlagen Böen Bft 7 bis 8 aus Ost bis Nordost, Nordsee ab der Nacht zum Montag steife Nordböen Bft 7.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag... dominiert über Westeuropa ein hochgradig amplifizierter Höhenrücken, der sich von den Azoren bis in den Norden Skandinaviens und ins Nordmeer erstreckt. Während dieser über Skandinavien nach Osten ausgreifen kann, bleibt seine Achse im Bereich von West- und Südwesteuropa weitgehend ortsfest in einem Bereich, der etwa vom Ärmelkanal bis in den Nordwesten Spaniens verläuft. Der Höhenrücken stützt dabei das Bodenhoch JURIJ, welches weite Teile Deutschlands und auch Südskandinaviens überdeckt und an das sich westlich, getrennt durch eine schwache Luftmassengrenze, das "neue" Hoch Klaus anschließt, dessen Schwerpunkt sich gegen Abend südwestlich von Irland tummeln soll. An der Ostflanke des Höhenrückens läuft ein markantes Höhentief mit Kaltlufttropfencharakter ab, der sich im Tagesverlauf vom Dreiländereck Litauen - Polen - Belarus bis in den Südosten Polens verlagern soll. Damit sinkt auch das Geopotential im Südosten Deutschlands ein wenig, und letztendlich wird auch der niedertroposphärische Hochdruckeinfluss angeknabbert. In der Folge sickert in den Südosten auch etwas kühlere Luft ein, zum Abend liegen die 850er Temperaturen von der Neiße bis zu den Alpen nur noch bei 0°C oder sogar knapp darunter, während es das Nordseeumfeld auf Werte um 8°C bringt. Dazu induziert der Kaltlufttropfen auf seiner Vorderseite standesgemäß etwas Hebung und in der Folge auch (sehr) schwache Niederschläge, die durchweg in der flüssigen Phase fallen sollen. Entsprechend muss in Sachsen, im weiteren Verlauf auch in Nordost- und Ostbayern punktuell mit etwas Regen/Nieselregen gerechnet werden. Da der Wind allgemein auf Nord bis Nordwest dreht, kann sich auch die meist dichte, Hochnebelartige Bewölkung allmählich nach Süden und Südwesten vorschieben - so sie denn nicht schon durchweg vorhanden ist. Die größten Chancen auf Sonne haben - grob gesprochen - die Regionen entlang des Rheins. Noch ein Wort zum Wind: Der anfangs in den Hochlagen des Schwarzwaldes noch lebhafte Ostwind geht aufgrund der Winddrehung und auch aufgrund des Aufweichens der Inversion schon am Vormittag allmählich in die Knie, wenngleich der Feldberg durchaus die ein oder andere Bft 8 bis in den Nachmittag konservieren kann. Die Höchstwerte liegen dabei zwischen 7 und 13 Grad.

In der Nacht zum Sonntag kommt der Kaltlufttropfen rasch nach Süd-Südwest voran, er überquert Tschechien und den Osten Österreichs um ausgangs der Nacht die Nordspitze der Adria zu erreichen. An dessen Rand verstärken sich die Hebungsprozesse etwas und vom Bayerischen Wald bis zu den Alpen kommen Niederschläge auf, wobei es an den Alpen sogar anstaut. Die 850er Temperatur sinkt von Vorpommern bis in den Süden auf unter 0°C ab, im Südosten sind es teils unter -2°C, wodurch sich die Schneefallgrenze in den Alpen und in Ostbayern auf etwa 1000 bis 1100 m einpendelt. Während in ostbayrischen Gipfellagen aufgrund der dort geringen Niederschlagsmengen eher angezuckerte Verhältnisse zu erwarten sind, können an den Alpen bis zum Morgen 1 bis 5, in manchen Staulagen, speziell im Berchtesgadener Land, auch 10 bis 15 cm fallen - mit der grundsätzlichen Prämisse, dass die Niederschläge umso stärker sind, je weiter man nach Osten kommt, was dann natürlich auch für die in tieferen Lagen zu erwartenden, deutlich unter allen Warnschwellen liegenden Regenfälle gilt. Abgesehen vom Südosten bleibt der Hochdruckeinfluss bestimmend, sodass wieder Hochnebel dominiert. Da die Nacht schon überwiegend bedeckt startet, kann sich kaum Bodennebel ausbilden, zumindest kaum bis in den warnwürdigen Bereich mit Sichten unter 150 m. Entsprechend nimmt die Frostgefahr ab und die Tiefstwerte liegen meist zwischen 9 und 1 Grad, in einzelnen Mittelgebirgs-Kältelöchern mag es auch mal bis knapp unter 0°C heruntergehen. Der Wind ist kein Thema, er ist in den Hochlagen zwar spürbar, aber die einzelnen Böen Bft 7 bis 8 auf dem Feldberg im Schwarzwald werden wohl ohne aufkommende Warnerregung durchgewunken werden.

Sonntag... zieht der KLT weiter nach Mittelitalien. Dadurch verliert er sukzessive an Einfluss auf unser Wettergeschehen, was im Süden und Südosten nachlassende bzw. endende Niederschläge zur Folge hat. Am längsten dürfte es noch am Alpenrand regnen oder schneien, bevor am Nachmittag auch dort Schluss ist. Dafür gilt es nun seine Äuglein in Richtung Nordwesten, genauer gesagt zur Nordsee hin zu richten. Dort kommt die schon oben erwähnte Schwachstelle, sprich Luftmassengrenze, zwischen den Hochs JURIJ und KLAUS allmählich näher. "Schuld" daran ist auch Klaus selbst, dessen am Abend knapp nordwestlich von Irland positioniertes Zentrum auf etwas über 1040 hPa kommt und der damit kräftig genug ist, die Luftmassengrenze, die sich von Nordwesten als Kaltfront nähert, mitanzuschieben. Selbige gehört zu einem kleinen Randtief über Südskandinavien, lässt sich aber im weiteren Verlauf auch weiter nach Norden bis zur Kola-Halbinsel verfolgen. Wie auch immer, die Front selbst erreicht uns zwar noch nicht, wohl aber sehr schwache Regenfälle im Vorfeld, die bis ins Emsland und nach Hamburg vordringen können. Die damit verbundene Wolkenverdichtung wird aufgrund des im Tagesverlauf verbreiteten Hochnebels vielleicht sogar unbemerkt bleiben, wobei manche Modelle durchaus einen Streifen von der mecklenburgischen Küste bis in den Südwesten avisieren, in dem zumindest zeitweise mal die Sonne rausschauen kann (insbesondere GFS und UK10, weniger ausgeprägt bei ICON oder IFS). Abgesehen von den frühen Niederschlägen am Alpenrand und den späten Niederschlägen im Nordseeumfeld verläuft der Sonntag trocken, bezüglich der Temperaturen liegt die Range bei 6 bis 12°C maximal, was gut zu den 850er-Werten von zumeist +2 bis -2°C passt. Bleibt auch für den Sonntag noch der Wind: Insgesamt sind die Luftdruckgegensätze gering und der Wind ist schwach, die Hochdruckbrücke zwischen KLAUS und JURIJ verläuft etwa über der nördlichen Mitte Deutschlands, wobei sie im Tagesverlauf etwas nach Süden vorankommt. Damit bleibt auf der Südflanke der Nordostwind erhalten, was bei den Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz sofort Bise-Assoziationen weckt - was für die Schwarzwaldgipfel aber auch wieder die Bft 7 bis 8 auf den Plan ruft. Ob diesbezüglich aber Warnungen ausgegeben werden muss noch ausbaldowert werden.

In der Nacht zum Montag erreicht besagte Kaltfront mit einem frontalen Regenband den Nordwesten (wer ICON, IFS oder GFS beim Wort nimmt kommt beim Durchzählen der Regenbänder sogar auf zwei!). Mecklenburg wird dann ein paar Tropfen abbekommen, ebenso wie weite Teile Niedersachsens und der Niederrhein, wobei sich die Modelle bezüglich des Ausgreifens der Regenfälle nach Südosten noch nicht einig sind. Viel soll´s aber nicht werden, vielleicht wenige Millimeter in der Spitze. Dafür frischt der postfrontal auf Nord drehende Wind über der Deutschen Bucht soweit auf, dass auch die ein oder andere steife Böe auf den Ostfriesischen Inseln begrüßt werden kann. Zur Mitte und nach Süden gilt es hingegen die übliche Frost-Nebel-Hochnebel-Chose zu managen. Da die dort von Nordosten einsickernde Luft tendenziell etwas trockener ist als in der Vornacht, sollte die Nebelneigung leicht zurückgehen. Dafür wird's mit der Ausstrahlung besser, was die Temperaturen weiter in den Keller schickt als noch in der Vornacht, und dann taucht die Nebelproblematik doch wieder auf, nur bei einem anderen Temperaturniveau - und mit dem Vorzeichen, dass es eventuell auch mal gefrierenden Nebel geben könnte. Letzteres deutet schon auf Minusgrade hin. Zusammengefasst liegen die Tiefstwerte im Nordwesten im Frontbereich bei 7 bis 5°C, unmittelbar an der Nordsee auch bei bis zu 10°C. Ansonsten sind es 5 bis 0°C, im zentralen Mittelgebirgsraum regional, im Süden verbreiteter auch 0 bis -3°C. Auch das, neben dem Schnee in den Alpen, erste zaghafte Hinweise auf den nahenden Winter.

Montag... übernimmt Hoch Klaus das Zepter, und da dieser in die nördliche Nordsee wandert, kommt allmählich ganz Deutschland auf seine Süd- bzw. Südostflanke. Damit hält von Osten bzw. Nordosten die Zufuhr mäßig kalter Luftmassen an, die 850er Werte bewegen sich zumeist um 0°C. Die Kaltfront kommt aus dem Nordwesten nur noch sehr langsam nach Südosten voran, das Ziel ist eine Linie von Rügen bis zur Eifel, allerdings macht der Hochdruckeinfluss und das damit verbundene Absinken der Front zu schaffen. Die Niederschlagsintensität, die ja noch nie überbordend war, lässt weiter nach, am Nachmittag sollen es nur noch ein paar Tropfen sein die fallen, einzig IFS prognostiziert im Ostseeumfeld noch Mengen, die über die 1mm-Schwelle in 3 Stunden hinüberkommen. Trocken bleibt es in allen Regionen, die südöstlich einer Linie Stettiner Haff - Mosel liegen und damit sozusagen in der erweiterten Südosthälfte. In diesen Regionen ist es zumindest keine dichte Wolkendecke, die der Sonne im Wege steht, sondern eher wieder Hochnebel. Damit gibt es zumindest Chancen auf zeitweilige Wolkenlücken, am ehesten im Südwestlee der Mittelgebirge, MOSMIX arbeitet diesbezüglich aktuell Baden-Württemberg und die Pfalz heraus, aber ob das bei zukünftigen Modellläufen so bleibt? Fest steht, dass der Wind an der Nordsee und in den Hochlagen des Schwarzwaldes weiterhin lebhaft bleibt mit Bft 7 an der Nordsee (Nord bis Nordwest) und Bft 7 bis 8 (Ost bis Nordost) auf den Schwarzwaldgipfeln. Weniger "fest" sieht es da schon mit möglichem Frost im Süden und der Mitte aus - regional wohl ja, verbreitet eher nein, wo genau weiß niemand nicht, prädestiniert sind aber höhere Senken und Ecken, in denen es länger aufklart. Deutschlandweit bewegen sich die Tiefstwerte in der Nacht bei 7 bis -2°C mit den mildesten Werten im Nordwesten, Tagsüber steigen (oder stiegen schon vorher) die Werte auf 5 bis 13°C, das mit ähnlicher regionaler Max-Min-Verteilung.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Auf die Warnstrategie haben die Modellunterschiede, die vereinzelt auch im Text angesprochen wuirden. keinen Einfluss.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas