Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 08.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Wz
Heute mit Passage einer Kaltfront markanter Wechsel hin zu einem wechselhaften und relativ kühlen Witterungsabschnitt. Dabei an den Küsten zeitweise stürmische Böen in einigen Gipfellagen Sturmböen, auf dem Brocken am Freitag sogar orkanartige Böen.
An den Alpen ab dem Nachmittag bis in die kommende Nacht Dauerregen. Heute im Südosten und Nordwesten vereinzelte, in der Nacht zum und am Samstag im Nordwesten etwas häufigere markante Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... vollzieht sich nun endgültig die bereits seit einigen Tagen angekündigte Umstellung hin zu einer zyklonalen Westlage, die einen deutlichen Kontrast zum vielerorts spätsommerlichen Wetter der vergangenen Tage darstellt. Gestern gab es an zahlreichen Stationen Südwestdeutschlands noch einmal einen Sommertag (Tmax größer/gleich 25,0 Grad); es könnte der letzte eines nicht nur diesbezüglich denkwürdigen Jahres (mehrere Stationen mit über 100 Sommertagen, Rheinfelden gar deren 117!) gewesen sein.
In den kommenden Tagen erwarten uns dagegen der Jahreszeit entsprechende, wenn nicht gar vorübergehend sogar leicht unternormale Temperaturen und - viel wichtiger - zumindest halbwegs flächendeckende Niederschläge, wenngleich deren Mengen bei Weitem noch nicht ausreichen, das in vielen Regionen fast schon dramatische Niederschlagsdefizit deutlich zu mildern, geschweige denn, auszugleichen.
Doch nun zur Entwicklung im Detail:
Die Umstellung vollzieht sich heute mit der Passage eines markanten, aber relativ schmalen Langwellentroges, der von der Nordsee bzw. Benelux her heute Mittag auf den Westen bzw. Nordwesten des Landes übergreift und bis etwa 00 UTC in der kommenden Nacht weite Teile des Landes bereits überquert hat. Dabei tropft er mit seinem Südteil über Frankreich bereits heute im Tagesverlauf ab; das neu entstandene Cut-Off-Tief zieht in der kommenden Nacht in den westlichen Mittelmeerraum und dürfte dort einmal mehr für einiges an Bambule sorgen. Das dem Trog vorgeschaltete und aus einer gestern nur flachen Rinne entstandene Bodentief "FELICIA" weist aktuell noch zwei Kerne mit ca. 1000 hPa (etwa über dem Hamburger Raum und knapp nördlich des Kattegats) auf und kann sich - entwicklungstechnisch günstig auf der diffluenten Trogvorderseite platziert - aufgrund beständiger PVA weiter vertiefen. Es schlägt am Abend mit einem Kerndruck von knapp unter 995 hPa über Südschweden (etwas südwestlich von Stockholm) auf. Die Kaltfront des Tiefs hat inzwischen den Nordwesten und Westen des Landes überquert und kommt zunächst zögernd und schleifend, mit Annäherung des Troges am Mittag und Nachmittag dann recht flott ostsüdostwärts voran, am Abend erreicht sie bereits die Alpen. Sie wird dynamisch zunächst noch gut gestützt (kräftige PVA, die durch zunehmende KLA nur langsam teilkompensiert wird), entsprechend zeichnet sich durch teils kräftige schauerartige Regenfälle insbesondere unmittelbar präfrontal bzw. mit Frontpassage aus. Diese stauen sich vor allem am Vormittag/Mittag insbesondere an den Hängen des Südschwarzwald, so dass dort kleinräumig die Warnschwellen für Starkregen (mehr als 20 l/m² in 6 Stunden) gerissen werden (I-D2-EPS hat sogar geringe Wahrscheinlichkeiten für Unwetter-Starkregen über 35 l/m² auf der Agenda). Die konvektive Aktivität entlang der Front hält sich mangels Höhenkaltluft in Grenzen. Lediglich im Süden und Südosten/Osten Bayerns, am ehesten wohl am Alpenrand bzw. im östlichen Alpenvorland, vielleicht aber auch am Erzgebirge könnte es, vor allem, wenn sich noch ein kleines Sonnenfenster auftut, mittags und am Nachmittag für einzelne Gewitter reichen. Die Luftmasse weist dort bei nur mäßigen Scherungsbedingungen PPWs von 25 bis 28 mm auf, so dass als markante Begleiterscheinungen Starkregen bis 20 l/m² in kurzer Zeit, vielleicht noch kleinkörniger Hagel (etwas Cape vorausgesetzt) und stürmische Böen in Frage kommen.
Mit Frontpassage erfolgt ein markanter Luftmassenwechsel: Während die 850 hPa-Temperatur präfrontal deutlich über 10 Grad liegt (mit etwas Sonne werden in der Lausitz, am Erzgebirgsnordrand und vor allem in Ostbayern nochmals 20 bis 23 Grad erreicht), folgt postfrontal auf dem Fuße maritim erwärmte Polarluft mit T850 hPa zwischen 1 Grad in der Nordwesthälfte und 5 Grad am Alpenrand am Abend. Allerdings strömt diese Luftmasse nur flach ein (unterhalb von etwa 600 bis 700 hPa), so dass sich die Schauertätigkeit einigermaßen in Grenzen hält. Lediglich im Nordwesten und ganz im Norden reicht die Labilitätsfläche etwas höher; durch wiederholte Schauertätigkeit können insbesondere im Nordwesten zwischen Weser und Elbe gebietsweise mehr als 5 l/m² zusammenkommen, sonst sind es weniger, gebietsweise bleibt es (postfrontal wohlgemerkt) auch trocken. Ein gewisses Gewitterrisiko besteht am ehesten im Nordseeumfeld, im nördlichen und westlichen Niedersachsen bis nach NRW und in Schleswig-Holstein. Als Begleiterscheinung kommen dort am ehesten stürmische Böen in Frage. Apropos Wind: Der steht erst einmal im Fokus der Warntätigkeit. Präfrontal spielt er lediglich in einigen Höhenlagen eine Rolle (Bft 7 bis 8, Brocken Bft 9), mit Frontpassage bzw. postfrontal legt er aber mit Winddrehung von Südwest auf Nordwest etwas zu und aktuell gibt es im Nordseeumfeld bereits verbreitet stürmische Böen, exponiert sind im Tagesverlauf auch einzelne Sturmböen nicht ganz ausgeschlossen. Am Nachmittag legt er dann auch entlang der Ostseeküste zu mit ähnlicher Stärke wie an der Nordsee. Gleiches gilt für die Gipfellagen einiger Mittelgebirge (neben dem Brocken später auch für den Schwarzwald und das Erzgebirge). In den Niederungen reicht es gebietsweise für steife Böen (Bft 7), am ehesten im Nordwesten sowie rund um einige Mittelgebirge (Harz, Erzgebirgsvorland) und im Alpenvorland.
Präfrontal zeigt sich vor allem am Vormittag im Südosten noch einmal die Sonne, mittags und nachmittags lockern dann postfrontal im Westen und Nordwesten die Wolken wieder stärker auf. Dabei schwanken die Temperaturen nachmittags postfrontal in gut durchmischter Luftmasse meist zwischen 13 und 17 Grad.
In der Nacht zum Freitag erfolgt mit Annäherung eines flachen Höhenkeils, der sich morgens bereits über der Nordsee befindet, eine rasche, aber nur kurz andauernde Wetterberuhigung. Lediglich an den Alpen regnet es noch längere Zeit, im Stau auch bis weit in die zweite Nachthälfte. Dabei kommen vor allem im Zeitraum von heute Nachmittag bis etwa Mitternacht dort Mengen zwischen 20 und 50 l/m² zusammen, entsprechend läuft eine Dauerregenwarnung. Die maritime Polarluft erreicht eingangs der Nacht die Alpen (T850 hPa dort in Staulagen um 2 Grad), so dass die Schneefallgrenze auf unter 2000 m sinkt. Das passiert aber bereits mit Abklingen der Niederschläge, so dass sich die Neuschneeauflage - abgesehen von Hochlagen über 2500 m - in Grenzen hält. Im Rest des Landes gibt es nachts kaum mehr Niederschläge, lediglich im Nordosten dauert die Schauertätigkeit noch bis in die zweite Nachthälfte an. Dort sind auch einzelne kurze Gewitter nicht ganz ausgeschlossen (I-D2 hat sogar einen schmalen Streifen mit 5 bis 10 l/m² in Ostvorpommern auf der Agenda). Vor allem vom Südwesten bis in die Mitte, später auch in der Osthälfte ist es gebietsweise gering bewölkt, dort steht dann eine frische Nacht ins Haus mit Minima zwischen 7 und 2 Grad und Bodenfrost in ungünstigen Lagen (z.B. Mittelgebirgstäler).
Die Tiefdruckaktivität über dem Nordatlantik bleibt derweil hoch, ein weiterer Höhentrog stößt mit seinem Drehzentrum ins Seegebiet rund um Island vor. Die trogvorderseitige WLA überläuft bereits den Höhenkeil und erfasst auch Nordwestdeutschland im Laufe der Nacht mit dichtem WLA-Gewölk. Vor allem im Nordseeumfeld gehen die anfangs noch schwachen Schauer und gebietsweise auftretenden Regen oder Nieselregen, allerdings mit kaum nennenswerten Mengen über. Die Warmfront des Islandtiefs ("GABRIELA") erreicht morgens bereits die westliche Nordsee.
Der Wind schwächt sich mit Annäherung eines Bodenkeiles fast landesweit rasch ab, auch in den Hochlagen. Lediglich auf dem Brocken bleibt es stürmisch und auch entlang der vorpommerschen Ostseeküste muss noch bis in die Frühstunden mit steifen bis stürmischen Böen aus Nordwest, später West gerechnet werden. An der Nordsee dauert der Nordwestwind mit Böen Bft 7 bis 8 noch bis eingangs der zweiten Nachthälfte an, dann dreht er rück auf Südwest und schwächt sich ab, frischt aber morgens vor der Warmfront bereits über dem Westteil der Deutschen Bucht mit Böen Bft 7 auf.
In der Nordhälfte, aber auch an den Alpen und im Vorland bleibt die Nacht bei meist dichter Bewölkung mit Minima zwischen 9 und 5 Grad, an den Küsten über 10 Grad milder als im Rest des Landes.
Freitag... verlagert sich das hochreichende und zentralsteuernde Tiefdrucksystem bei Island langsam südostwärts. Es weist im Bodenfeld zwei Kerne auf: Einen knapp südlich von Island, einen weiteren vor Kap Svinöy. Das Frontensystem des Tiefs überquert bei fortschreitendem Okklusionsprozess weite Teile der Nordsee ostsüdostwärts; die Warmfront greift vormittags auf das Vorhersagegebiet über und erreicht abends bereits die Osthälfte. Die Kaltfront gerät hingegen über der Nordsee zunehmend ins Schleifen und erreicht erst abends den Nordwesten des Landes. Mit Passage der Warmfront fällt vor allem in Norddeutschland von West nach Ost flächendeckend zwischen 5 und 15 l/m² stratiformer Regen in 12 Stunden, in der Mitte kommen dagegen lediglich im Stau einiger Mittelgebirge um oder etwas über 5 l/m² an, im Südwesten fällt kaum mehr etwas und südlich der Donau sowie in Ostbayern bleibt es bis zum Abend trocken. Vor allem unmittelbar vor der Kaltfront sind die Niederschläge im Nordwesten (Nordseeumfeld) zum Abend hin zunehmend konvektiv durchsetzt, unter Einbeziehung von mehreren 100 J/kg MU-Cape sind bei PPWs knapp über 25 mm sind dort auch einzelne Gewitter mit Starkregen und Böen Bft 8 bis 9 nicht ausgeschlossen.
Während sich vor allem am Vormittag der Druckfall im Nordwesten verstärkt, wird die nach Passage der Kaltfront nach Süddeutschland vorgedrungene Hochdruckbrücke nur langsam abgebaut. Entsprechend verschärft sich der Druckgradient, vor allem über dem Nordwesten, Westen und der Mitte des Landes. Während der aus der Nacht heraus noch böige Wind im Ostseeumfeld und in Vorpommern nach vorübergehendem Auffrischen am Vormittag ab den Mittagsstunden eher abnimmt, frischt er in den genannten Regionen aus Südwest auf. Im Nordseeumfeld gibt es verbreitet steife bis stürmische Böen, über dem Seegebiet der Deutschen Bucht auch einzelne Sturmböen. Ähnliches gilt für die Kamm- und Gipfellagen einiger Mittelgebirge (ausgenommen süddeutsche Mittelgebirge und Alpengipfel). Auf dem Brocken gibt es schwere Sturmböen, zeitweise auch orkanartige Böen (Bft 10 bis 11). Angesichts der stabilen Schichtung reicht es in den Niederungen nicht verbreitet für steife Böen. Am ehesten ist das im Weser-Ems-Gebiet, in Teilen von NRW sowie im Lee der zentralen Mittelgebirge der Fall.
Während es in der Nordwesthälfte bis weit in die Mitte stark bewölkt bis bedeckt bleibt, scheint im Süden, insbesondere entlang und südlich der Donau, für längere Zeit die Sonne. Innerhalb des Warmsektors wird wieder mildere Atlantikluft mit 5 bis 8 Grad advehiert, trotz Sonnenscheins klappt es aber mangels Wind im Süden nicht mehr mit der Durchmischung. Somit liegen die Maxima meist zwischen 12 und 17 Grad, eventuell werden im Alpenvorland gebietsweise 18 bis 19 Grad erreicht.
In der Nacht zum Samstag verlagert das hochreichende Tief sein Drehzentrum langsam südostwärts, der zugehörige breite Höhentrog greift auf die Nordsee und Benelux über. Das zugehörige Bodentief weist mehrere Kerne über der südlichen Norwegischen See und der nördlichen Nordsee auf, wobei sich über dem Skagerrak ein Teiltief entwickelt. Die Kaltfront gewinnt nun etwas an Schub, greift auf das Vorhersagegebiet über und erreicht morgens in etwa die Regionen rund um Mosel und Main. Sie wird nun dynamisch mit zunehmender KLA nicht mehr so gut gestützt und verliert rasch an Wetterwirksamkeit, dennoch reicht es nach wie vor fast überall für schauerartige Niederschläge unmittelbar präfrontal bzw. mit Frontpassage. Bis Samstagfrüh kommen meist 1 bis 5 l/m² zusammen, gebietsweise, vor allem im Weststau einiger Mittelgebirge und in der Osthälfte, auch mehr. Lediglich an den Alpen bleibt es vielerorts noch trocken. Postfrontal lassen die Regenfälle rasch nach und die Wolken lockern auf, lediglich an den Küsten sowie im unmittelbar angrenzenden Binnenland gibt es weitere Schauer, im Nordwesten können auch einzelne Gewitter dabei sein, vor allem über dem relativ warmen Nordseewasser.
Der Wind spielt im Laufe der Nacht in den Niederungen warntechnisch wohl kaum mehr eine Rolle. In den Hochlagen bleibt es aber windig und mit Annäherung der Front frischt der Wind nun auch in den Gipfellagen der süddeutschen Mittelgebirge und der Alpen mit Böen Bft 8 bis 9 auf. Auch an den Küsten bleibt der scharfe Gradient aufrecht und vor allem an der Nordsee muss mit steifen bis stürmischen Böen (Bft 7 bis 8) gerechnet werden. Die Minima liegen meist zwischen 12 und 7 Grad.
Samstag... verlagert sich das Drehzentrum des Troges allmählich zur Südwestküste Norwegens und der breite Trog greift allmählich auf Mitteleuropa über. Die Kaltfront des zugehörigen Tiefdruckkomplexes im Bodenfeld (abends mehrere Drehzentren über der südlichen Norwegischen See, der nördlichen Nordsee und über Südschweden) gerät über dem äußersten Süden bzw. Südwesten Deutschlands in den Einflussbereich des nach wie vor dorthin reichenden Hochkeils, schwächt sich weiter ab und erreicht nur zögerlich die Regionen südlich der Donau. Im Bereich der schleifenden Front regnet es in weiten Teilen Bayerns und Baden-Württembergs vor allem vormittags und mittags meist mit nur leichter, maximaler mäßiger Intensität, nachmittags und abends klingen die Niederschläge auch im Frontbereich schon wieder ab.
Postfrontal bleibt es zunächst trocken und vor allem vom Westen über die mittleren Landesteile bis in die Norddeutsche Tiefebene kommt auch mal länger die Sonne durch. Mit Annäherung und Passage des Troges und der Advektion höhenkalter Luftmassen (-24 bis -27 Grad in 500 hPa bei knapp über 0 Grad in 850 hPa) lebt die Schauertätigkeit - ausgehend vom Nordseeumfeld - im Nordwesten und Norden vor allem nachmittags und abends auf. Kurze Gewitter mit Böen Bft 7 bis 8 können dort ebenfalls mit von der Partie sein und über dem warmen Nordseewasser kann bei wiederholter Schauertätigkeit mehrstündiger Starkregen nicht ausgeschlossen werden, der auch die Küstenregionen erfassen kann. Der Gradient bleibt vor allem im norden und Westen recht scharf, so dass dort bei guter turbulenter Durchmischung recht verbreitet steife Böen, insbesondere im Nordseeumfeld auch stürmische Böen aus West bis Südwest möglich sind. Auch in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge bleibt es windig mit stürmischen Böen, auf exponierten Gipfeln (Brocken) mit Sturmböen. Bei meist dichter Bewölkung liegen die Höchstwerte im Südosten meist knapp unter, sonst um oder knapp über 15 Grad.
In der Nacht zum Sonntag überquert der breite Trog das Vorhersagegebiet nur langsam ostwärts. Die Kaltfront passiert die Alpen südwärts dahinter kann sich der nach Süddeutschland gerichtete zonal ausgerichtete Hochkeil wieder etwas verstärken. Bei kaum mehr nennenswerten Niederschlägen bleibt es dort aber meist stark bewölkt. Auch sonst werden die Wolkenlücken eher weniger, die Schauertätigkeit hält sich im Binnenland aber tagesgangbedingt sehr in Grenzen, nur hier und da reicht es mal für einen kurzen unergiebigen Schauer, am ehesten vielleicht noch in den Mittelgebirgen.
Anders an den Küsten: Die Advektion höhenkalter Luft verstärkt sich sogar noch etwas und über dem warmen Oberflächenwasser von Nord- und Ostsee bleibt eine rege Schauer- und auch Gewittertätigkeit aufrecht. Vor allem im Nordseeumfeld ist mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für gebietsweise auftretenden Starkregen zu rechnen.
Der Wind weht an den Küsten und in einigen Hochlagen weiterhin mit Böen Bft 7 bis 8 aus West bis Südwest, ansonsten ist er aber nicht warnrelevant. Die Tiefsttemperaturen erreichen an den Küsten Werte zwischen 3 und 10, sonst zwischen 10 und 5 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs, Kleinere Diskrepanzen betreffen in erster Linie die Verteilung und Intensität der Niederschläge und sind meist nicht warnrelevant.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 08.10.2026 um 10.30 UTC
Zu Wochenbeginn Wetterberuhigung und allmähliche Abtrocknung. Mild. In der zweiten Wochenhälfte voraussichtlich wieder unbeständiger bei allerdings zunehmenden Prognoseunsicherheiten.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 15.10.2026
Nach dem "atmosphärischen Paradigmenwechsel" am heutigen Donnerstag - Kaltfrontpassage mit REGEN! und Ablösung des bis dato vorherrschenden Spätsommerwetters - sowie der Passage eines weiteren Frontensystems am Freitag/Samstag stellt sich am Wochenende vorübergehend eine Troglage bei uns ein. So steht der Sonntag, der den offiziellen Beginn der Mittelfrist markiert, ganz unter der Knute eines von Skandinavien bis nach Mitteleuropa gerichteten Potenzialtrogs, der mit nicht allzu kalter Polarluft gefüllt ist (T500 über -30°C, T850 um +2°C) und mit einem Bodentief über Südschweden (12 UTC) korrespondiert. Bedeutet unter dem Strich, dass der Sonntag ziemlich wechselhaft über die Bühne geht mit Schauern und kurzen Gewittern, wobei an Nord- und Ostsee nicht nur die meisten, sondern auch die kräftigsten Huschen auftreten. Mit 13 bis 18°C (die höchsten Werte im südlichen Oberrheingraben) ist es für fast Mitte Oktober noch immer ziemlich mild.
Zu Beginn der neunen Woche ziehen sich Trog und Bodentief langsam in Richtung Finnland und Baltikum zurück. Dahinter steigen Luftdruck und Potenzial an, was sich in der Höhe in Form eines von Südwesteuropa bis nach Skandinavien gerichteten Rückens widerspiegelt. Im Bodendruckfeld baut sich ausgehend vom Azorenhoch westlich der Iberischen Halbinsel eine über Deutschland nord-nordostwärts exponierte, brückenartig anmutende Hochdruckzone auf, die am Dienstag bis hoch zur Barentssee bzw. Nowaja Semlja reicht. Folgerichtig trocknet es verbreitet ab (am Montag nach Norden und Osten hin aber noch einzelne Schauer) und das Wetter beruhigt sich in weiten Landesteilen. Im Gegensatz zum Luftdruck steigt die Temperatur nur sehr zögerlich an und in den Nächten tritt der Jahreszeit entsprechend Nebel auf (auch wenn die zuvor eingeflossene Polarluft nicht unbedingt der nebelaffinen Premiumklasse angehört).
Wie so oft bei ähnlich gelagerten Großwetterlagenmustern hat auch diese Hochdruckzone eine Schwachstelle, die voraussichtlich aber erst ab Mittwoch so richtig zum Tragen kommt. Sie befindet sich im Nordwesten der Republik, wo die Ausläufer vom Ostatlantik in die Norwegische See eindrehender Tiefdruckgebiete Akzente zu setzen versuchen. Zunächst nur in Form von Wolkenfeldern und wenigen Tropfen, am Mittwoch und Donnerstag dann mit "richtigem" Regen. Wie viel davon und wo genau die Grenze zum trockenen Wetter weiter östlich und südlich verläuft, ist derzeit noch offen.
Fakt ist, dass der aktuelle 00-UTC-Lauf von IFS (ECMF) zum Freitag hin zu einer Trogpassage mit vorgeschalteter Kaltfront ansetzt (=> Niederschläge, 0°C-Isotherme soll bis zu den Alpen vorankommen), bevor im Laufe des Wochenendes ein neuer Hochkeil vom Atlantik den Weg zu uns findet. Mal sehen, wie das die neuesten Ensembles sehen...
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis etwa Mitte der nächsten Woche bieten die jüngsten Läufe von IFS (ECMF) sehr ähnliche Lösungen an. Die Modellkonsistenz kann bis dahin also als gut bis sehr gut bezeichnet werden. Demnach baut sich nach einem wechselhaften Wochenende eine Hochdruckbrücke bei uns auf, die ein substanzielles Übergreifen atlantischer Störungen verhindert. Lediglich nach Nordwesten hin deuten sich einige "Streifschüsse" an, ab Mittwoch nach Lesart des aktuellen 00-UTC-Laufs auch mal etwas zielgerichteter (Regen).
Ohnehin nimmt die Vielfalt der Modelllösungen in der zweiten Wochenhälfte zu, die Konsistenz entsprechend ab. Ob das Pendel dann eher auf die antizyklonale (also im Wesentlichen hochdruckbestimmte) oder eher auf die zyklonale (also im Wesentlichen tiefdruckbestimmte) Seite ausschlägt oder die Atmosphäre gar einen Hybridzustand (also von beidem was) anstrebt, ist derzeit noch offen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
So gänzlich abweichende Ideen von dem, was IFS heute feilbietet, haben die anderen für gewöhnlich an dieser Stelle gescannten Globalmodelle (ICON, GFS, GEM, UK10) auch nicht zu bieten. Der Höhenrücken und die Bodenhochdruckzone lassen sich in allen Simulationen finden. Unterschiede ergeben sich bei der Robustheit dieses Systems. So lässt beispielweise UK10 schon zum Mittwoch hin eine Front mit Regen sehr weit nach Südosten vordringen, während im Gegensatz dazu GFS die Blockade sehr ernst nimmt und bis Mittwoch selbst im Nordwesten nix anbrennen lässt.
Kurze Bemerkung noch zu erweiterten Mittelfrist ab Freitag: Während das kanadische GEM der IFS-Lösung ähnelt, setzt GFS deutlicher und nachhaltiger auf zyklonal (Höhentief im Raum Frankreich/Deutschland).
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen beim Geopotenzial 500 hPa ab Sonntag einen ganz klaren Aufwärtstrend, dessen Höhepunkt am Dienstag bzw. in der Nacht zum Mittwoch erreicht wird. Danach nimmt die Streuung deutlich zu, wobei die Mehrheit (aber nicht alle) der Lösungen wieder nach unten tendiert.
Bei der Temperatur 850 hPa zeigen die Kurven je nach Region ein bis anderthalb Tage später als Pot500 nach oben. Dort beschreiben sie dann für zwei bis drei Tage einen waagerecht verlaufenden Sockel (Seitwärtsbewegung), bevor es schon am Donnerstag beginnend vogelwild wird. Zwar lässt sich auch hier eine leichte Mehrheit für die Richtung "nach unten" finden, allerdings nicht im Süden, wo kein Trend erkennbar ist. Tatsache ist, dass die Niederschlagssignale nach einem von Montag bis Mittwoch währenden Minimum danach tendenziell wieder zunehmen.
Von den Fahnen zu den Clustern. Los geht´s am Sonntag/Montag (T+72...96h) mit einer einzigen Lösung ("Atlantischer Rücken"), die selbstredend des HRES stützt. Von Dienstag bis Donnerstag (T+120...168h) erhöht sich die Anzahl der Cluster auf drei, die alle den Wechsel zu "NAO+" anzeigen. CL1 und 3 (insgesamt 37 Fälle + Kontrolllauf) simulieren ein ähnliches Muster wie der HRES (Brückenhoch + Höhenrücken), wohingegen CL 2 (14 Fälle) eine nördliche bzw. antizyklonale Westlage (Wa) favorisiert. Drei Schubladen werden auch ab Freitag (T+192...240h) aufgemacht, von denen CL 1 (22 Fälle) eine Westlage, CL 2 (17+CL) High-over-Low mit Cut-Off-Tief über Oberitalien und CL 3 (12) ein leicht progressives, für unseren Raum aber über weite Strecken hochdrucklastiges Keil-Trog-Muster anbieten. Kurzum, in der erweiterten Mittelfrist weiß man nicht so recht, wie´s weitergeht.
FAZIT:
Nach der wechselhaften Kurzfrist (+ Sonntag) beruhigt sich die Szenerie (brückenartige Hochdruckzone + stützender Rücken). Dabei steigt die Temperatur zwar etwas an, spätsommerliche Granatentage wie zuletzt sind aber nicht mehr drin. Die Schwachstelle des Konstrukts liegt im Nordwesten, wo ab Mittwoch möglicherweise ein frontaler Durchbruch erfolgt. Ob und wie und wenn, wie schnell sich dieser auch nach Süden und Osten hin durchsetzt ist ebenso noch offen wie ganz allgemein die erweiterte Mittelfrist.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Es ist unstrittig, dass sich das Gros markanter respektive signifikanter Wettererscheinungen in der Kurzfrist sowie zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag abspielt. Dabei steht zum einen der WIND/STURM, zum anderen STARKREGEN/GEWITTER im Fokus. Von beiden Parametern betroffen sind die küstennahen Gebiete, wo zwar kein ausgewachsener Sturm zu erwarten ist, von wenigen Pausen abgesehen aber flotter und in Böen stürmischer Wind (8 Bft) aus westlichen Richtungen unterwegs ist. Die Wahrscheinlichkeit für Böen 8 Bft ist dabei an der Nordsee größer als an der Ostsee. Zeitweise stürmisch präsentieren sich auch die exponierten Hochlagen des Berglands, wobei der Brocken am Sonntag mit (schweren) Sturmböen 9-10 Bft wie so oft die deutsche Hitliste anführt.
Darüber hinaus kommt es am Sonntag wie zuvor bereits auch schon an den Küsten zu einer hochfrequenten Schaueraktivität mit eingelagerten Gewittern. Küstenkonvergente Effekte im Verbund mit der zu dieser Jahreszeit hohen Zufuhr latenter Wärme (relativ hohe Oberflächentemperatur von Nord- und Ostsee => diabatischer Input) bergen die Gefahr erhöhter Regenmengen. Insbesondere das Überschreiten der mehrstündigen Starkregenschwelle muss dabei im Auge behalten werden.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS mit MOSMix und Modellmix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





