Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 03.09.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Eine Prise Vollwetter mit Welle VILJA am Freitag: Gebietsweise Starkregen, Wind und teils kräftige Gewitter. Am Wochenende allmähliche Wetterberuhigung.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell ... heißt das Zauberwort der aktuellen Wetterlage Wz, also West zyklonal. Dabei finden sich auf der einen Seite zwei Tröge mit Zentren nahe Island und über dem Bottnischen Meerbusen sowie auf der anderen Seite hohes Geopotenzial vor allem über Südwesteuropa. Dazwischen ergibt sich eine recht glatte westliche Strömung, die auch noch am Boden wiederzufinden ist. Die Tröge korrespondieren dort mit einem Tiefkomplex über Skandinavien (ohne Namen) und dem Tief URSEL mit Zentrum in den Abendstunden nordwestlich der Britischen Inseln. Beide Tiefdruckgebiete sind über ein Frontensystem verbunden, dessen Kaltfront bis zur Mitte des Landes vordringt und in der Nacht gelegentlich leichte Regenfälle bringt.
In der zweiten Nachthälfte wird die Kaltfront durch die Welle VILJA über den Britischen Inseln wieder rückläufig und geht in die nach Norden wandernde Warmfront über. Folglich setzen zum Morgen hin von der Nordsee neue Regenfälle ein.
Darüber hinaus hat sich tagsüber ein Regengebiet mit eingelagerten Gewittern über der Mitte etabliert, das sich in der leicht flatternden Strömung vermutlich an einer Kurzwelle gebildet hat und sich vornehmlich aus WLA speist. In der ersten Nachthälfte zieht es über dem Osten Bayerns hinweg südostwärts ab mit noch leichtem Regen, Gewitter sollten kaum noch auftreten. In der zweiten Nachthälfte bleibt es dort wie auch sonst im Süden bei vorherrschendem Hochdruckeinfluss meist trocken und die Wolken lockern gebietsweise auf. Der tagsüber teils kräftige West- bis Südwestwind lässt aufgrund des fehlenden Tagesgangs rasch wieder nach, nur an der See weht er in Böen noch steif (Bft 7) bzw. im exponierten Bergland (Fichtelberg/Erzgebirge und Brocken/Harz) noch mit stürmischen Böen (Bft 8) oder mit Sturmböen (Bft 9). Ansonsten ist im Süden schwacher, von der Mitte bis in den Norden schwacher bis mäßiger Wind zu erwarten.
Die Temperaturen gehen auf 19 Grad unter Wolken bis 11 Grad bei größeren Auflockerungen im Süden zurück.
Freitag ... überquert Welle VILJA den Norden von Deutschland mit teils kräftigen Regenfällen. Vor allem rund um den Scheitelpunkt weisen die Modelle Regenmengen von 20 bis 35 l/qm in 6 Stunden auf, mit geringer Wahrscheinlichkeit auch mehr. Die Modelle haben mit den neuesten Läufen den Schwerpunkt der Niederschläge geringfügig nach Norden verschoben, womit sich ein Bereich zwischen dem nördlichen Emsland, Hamburg und Mecklenburg herauskristallisiert. Weil dieser Bereich aber recht schmal ist, können geringe Änderungen in den Modellen noch größere Auswirkungen haben, sodass für eventuelle Warnungen weitere Modellläufe zu begutachten sind und vielleicht sogar erst das Nowcasting kurz vorher Aufschluss geben kann.
Interessant wird dann im Nachmittagsverlauf auch die Kaltfront, die von Nordwesten hereinschwenkt, sich südostwärts verlagert und dem Regengebiet Labilität verleiht. Die PPWs sind dabei mit 35 bis 42 mm sehr hoch, ML-CAPE mit bis zu 300 J/kg aber mau. SRH und Hebung sind wiederum ordentlich vorhanden. Die Scherung weist sogar sehr hohe Werte auf, sowohl zwischen 0 und 1, als auch zwischen 1 und 6 km. Diese dürfte allerdings den Hodographen zufolge vornehmlich aus Geschwindigkeitsscherung resultieren, da die Kurven wenig rund, dafür aber ziemlich lang geradlinig verlaufen. Dämpfend könnte sich zudem die Front überlaufende KLA auswirken.
Was kann man bei einer solchen Ausgangslage erwarten? Die Modelle zeigen nur geringes Potenzial für Starkregen (zu hohe Zuggeschwindigkeit). Für Sturmböen (Bft 9) liegen jedoch erhöhte Wahrscheinlichkeiten vor, bei stärkerer Organisation sind schwere Sturmböen (Bft 10) nicht ganz ausgeschlossen. Hagel ist ebenfalls möglich. Angesichts niedriger HKN könnte man auch noch auf die Idee für Tornados kommen, die Hodographen mit ihren geraden Verläufen sprechen jedoch dagegen.
Bis zum Abend erreichen die Niederschläge der Welle einen Bereich bis zur Eifel und Nordhessen sowie Nordthüringen, Süd-Sachsen-Anhalt und Nordsachsen. Bei AROME dringt der Niederschlag noch nicht ganz so weit südwärts vor. Im Norden geht der Regen derweil in Schauer über.
Südlich der Niederschläge überwiegt noch der Hochdruckeinfluss, sodass meist die Sonne scheint und es trocken bleibt.
Neben dem Regen ist der Wind ein weiteres großes Thema. Im Warmsektor südlich des über den Norden sich ostwärts bewegenden Scheitels werden im Warmsektor steife bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8) simuliert, vereinzelt auch Sturmböen (Bft 9). Noch stärkere Böen sollten der Konvektion vorbehalten sein, wobei ICON-D2 beispielsweise eine Region zwischen Ostwestfalen und dem Harz mit geringen Wahrscheinlichkeiten für schwere Sturmböen (Bft 10) zeigt. Das Hauptwindfeld erfasst vom Scheitel südwärts die Gebiete bis ins Saarland und der Pfalz sowie bis in den Norden Baden-Württembergs und Bayerns. Am stärksten sind die Winde allerdings direkt südlich angrenzend zum Scheitel. Im Bergland reicht die Palette von Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen (Bft 11) auf dem Brocken. Ganz im Süden weht der Wind überwiegend nur mäßig, in Böen ab und an frisch. Die erwärmt sich in der Nordhälfte auf 18 bis 24, in der Südhälfte auf 26 bis 33 Grad.
In der Nacht zum Samstag zieht der Wellenscheitel bereits ostwärts ab, wobei sich die Kaltfront von der Mitte in den Süden verlagert. An ihr sind neben den Regenfällen anfangs noch letzte kräftige Gewitter möglich, nachfolgend regnet es meist nur noch skalig. Die Regenmengen betragen 5 bis 15, lokal bis 20 l/qm in wenigen Stunden. Warnschwellen werden dann höchstens noch angekratzt. Abseits des nach Süden wandernden Regens ist es locker bewölkt und trocken, an den Küsten kommen aber mit einem flachen Randtrog etwas PVA und neue Schauer oder sogar einzelne Gewitter auf.
Daneben schwächt sich mit Abzug der Welle bzw. dem Herausdriften des Warmsektors sowie dem nachlassenden Tagesgang auch der Wind bald wieder ab. An den Küsten und im Bergland bleibt es aber noch windig mit steifen bis stürmischen Böen (Bft 7 bis 8), auf dem Fichtelberg noch mit Sturmböen (Bft 9) bzw. auf dem Brocken mit schweren Sturmböen (Bft 10).
Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 18 Grad im Südwesten und 12 Grad im Norden.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... Im Vergleich zur Frühübersicht liefert der neueste Lauf von ICON 12 UTC keine grundlegend neuen Erkenntnisse. So sind im Südosten bis zum Nachmittag noch Regenfälle zu erwarten, im Norden und Nordosten bis in die erste Nachthälfte Schauer und einzelne Gewitter. Dazwischen ist es meist heiter und trocken. Im Nordosten ist es tagsüber erneut windig, an der Küste stürmisch. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber zwischen 19 Grad im Norden und 29 Grad im Süden. In der Nacht zum Sonntag kühlt es auf 14 Grad an den Küsten und bis 7 Grad bei längerem Aufklaren ab.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle liegen schon recht gut auf einer Linie. Beim sehr schmalen Starkregenstreifen über dem Norden Deutschlands am Freitag sind die Modelle in Lage und Intensität erstaunlich ähnlich, haben zuletzt aber eine kleine Nordverlagerung offenbart. Das könnte sich in weiteren Läufen erneut ändern, sodass eine prophylaktische Warnung nach wie vor schwierig ist.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 03.09.2026 um 10.30 UTC
Unbeständiger, im Norden teils windiger Witterungsabschnitt, regional mit Stark-/Dauerregen, örtlich Gewitter, im Südwesten vorübergehend heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 10.09.2026
Der mittelfristige Zeitraum wird beim IFS davon geprägt, wie ein Rücken mit seiner Achse über Deutschland ostwärts hinweg wandert, ein Kurzwellentrog mitmischt und schließlich eine Troglage übernimmt. Dieser Ablauf ist auch im IFS-EPS zu erkennen, wo am Sonntag und Montag mit den Wetterlagen SWa bzw. NWa oder Wa ausschließlich antizyklonale Bedingungen dominieren. Ab Dienstag wäre dann die Wetterlage West zyklonal Trumpf, mit zunehmenden Anteilen von Trog Mitteleuropa. Ebenfalls Aktien im Wetterpuzzle haben Hoch Britische Inseln, Nordwest zyklonal und Hoch Nordmeer antizyklonal. Dafür verschwinden recht rasch die Lagen SWa und Wa.
Dies bedeutet im Detail, dass zum Start in den mittelfristigen Zeitraum ein Rücken wetterbestimmend ist, der bodennah ein Hoch über Deutschland induziert und demnach allenfalls im Nordosten mit einer Nordwestströmung von der Ostsee her mit Einfluss des Troges über Osteuropa noch einzelne Schauer zulässt. Der Wind spielt keine Rolle, und weht allenfalls im Nordosten noch stark böig. Die Temperaturen weisen ein starkes Nordost nach Südwest Gefälle auf und liegen in 850 hPa zwischen 3 und 15 Grad.
Zum Wochenstart wandert die Achse des Rückens schon ostwärts ab, sodass Deutschland zunehmend auf die Vorderseite eines zunächst noch wenig amplifizierten Troges über Nordwesteuropa gelangt. Am Montag ist jedoch der Blick auf einen Kurzwellentrog gerichtet, der von Benelux und Ostfrankreich über die Mitte und den Süden des Landes hinwegziehen soll, bodennah mit einem Bodentrog samt schwachen Randtief einhergeht und schließlich schauerartige Regefälle induziert, vereinzelt sind auch kurze Gewitter möglich. Der Wind nimmt zwar vor allem im Küstenumfeld und Nordwesten zu, sollte aber noch keine wanrwürdigen Schwellen reißen. Mit WLA auf der Vorderseite des Troges steigt die Temperatur in 850 hPa auf 12 bis 20 Grad an. Bodennah sind im Südwesten nochmals bis 33 Grad möglich. Am Dienstag liegt das Land dann auf der diffluenten Vorderseite des Troges, welche bodennah zunehmend Tiefdruckeinfluss generiert. Mit im Spiel sind dann auch flache Bodentiefs. Zunächst sind vor allem im Süden, Westen und Teilen der Mitte teils schauerartige Niederschläge zu verzeichnen, mit Übergreifen des Haupttroges ab Dienstagabend verstärkten sich die Regenfälle in der gesamten Nordwesthälfte. Mit Übergreifen des Troges verlagert sich auch ein Bodentief von England über die Nordsee nach Dänemark, welches auf dessen Südflanke eine Kaltfront im Schlepptau hat. Insgesamt können als PVA und frontogenetische Hebung gut harmonieren. Je nach Stärke der Hebungsimpulse sind vor allem im Nordseeumfeld einzelne Gewitter nicht auszuschließen. Südlich der Donau und dort vor allem an den Alpen setzen länger anhaltende Regenfälle ein. Mit dem Bodentief kommt es auch zu einer Gradienverschärfung, sodass der Wind spürbar auffrischt und im Nordseeumfeld Sturmböen, an der Ostsee und in Hochlagen stürmische Böen sowie allgemein im Norden sowie im Bergland steife Böen bringt. Zudem strömt zunehmend etwas kühlere Atlantikluft ein, sodass die Temperaturen in 850 hPa nur noch zwischen 7 und 19 Grad liegen. Im Südosten könnte einhergehend nochmals an der 30 Grad Marke gekratzt werden.
Am Mittwoch wirbelt das Höhentief über Südnorwegen den Trog über Deutschland hinweg nach Osten. Insgesamt bleibt aber eine zyklonal geprägte Westströmung bestehen, die vor allem im Norden für schauerartige, an den Alpen teils noch zu länger anhaltenden Niederschlägen führt. Ansonsten kann sich über der Mitte und dem Südwesten Zwischenhocheinfluss durchsetzen, der mit einem doch sehr schwachen Rücken über Westeuropa zusammenhängt. Im Norden bleibt auch der Wind ein Thema. An der See und in einzelnen Gipfellagen sind demnach stürmische Böen, exponiert auch Sturmböen zu erwarten, ansonsten können bevorzugt im Nordwesten steife Böen auftreten. Mit dem auf Nordwest drehenden Wind wird schließlich deutlich kühlere Luft advehiert. Resultierend sinken die Temperaturen in 850 hPa auf 4 bis 11 Grad, was bodennah Höchstwerte von nur noch 17 bis 24 Grad bedeutet.
Am Donnerstag ist weiter die hochreichende Troglage festzuhalten, die vor allem das Wetter in der Nordhälfte Deutschlands beeinflusst. Demnach sind weitere schauerartig verstärkte Regenfälle zu erwarten, die im Küstenumfeld auch kräftiger ausfallen können. Nach Süden zu nimmt die Niederschlagsneigung deutlich ab. Der Wind weht im Norden weiter stark böig und erreicht im Küstenumfeld stürmische Böen oder Sturmböen. Bei den Temperaturen bleib das niedrige Niveau vom Vortag bestehen. Die Temperaturen in 850 hPa von 4 bis 10 Grad korrelieren am Boden mit Höchstwerten von 16 bis 23 Grad.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckmuster werden von den vergangenen Läufen überwiegend vergleichbar wiedergegeben.
Am Montag gibt es geringe Abweichungen bezüglich eines Kurzwellentroges, der über die Mitte und den Süden Deutschlands hinwegschwenkt und mit konvektiven Niederschlägen einhergehen kann. Allerdings ist die räumliche Einordnung dieser durch eine abweichende Amplitude sowie einer leichten Phasenverschiebung etwas unterschiedlich.
Am Dienstag und Mittwoch gelangt Deutschland auf die Vorderseite eines Troges über Westeuropa. Der neuste Lauf weist dabei eine vergleichbare Amplitude wie der gestrige 00-UTC-Lauf auf, ist von der Verlagerungsgeschwindigkeit aber zwischen den gestrigen Läufen angesiedelt, sodass dessen Achse ab etwa Mittwochmittag auf Deutschland übergreift. Der gestrige 00 UTC-Lauf hatte zudem zwei markante kurzwellige Anteil im Programm, die nun nicht mehr geführt werden. Der gestrige 12 UTC-Lauf verfügte über eine größere Amplitude und ließ die Achse schon am Mittwoch rasch über Deutschland hinweg ostwärts wandern. Zusammenfassend führen die geringen wenngleich signifikanten Unterschiede für eine abweichende Verlagerungsgeschwindigkeit der Niederschlagsfelder.
Ab Donnerstag gehen die letzten beiden Berechnungen ähnliche Wege und zeigen eine kräftige westliche bis nordwestliche und leicht zyklonal geprägte Grundströmung. Der gestrige 00 UTC-Lauf hatte noch eine starke Amplifizierung nach Süden auf der Agenda und wies über Nordostitalien ein eigenständiges Höhentief auf. Bodennah hätte sich demnach getriggert durch einen schwachen Rücken hierzulande schon wieder hoher Luftdruck von Westen durchgesetzt, während die neusten Läufe dies aber komplett verworfen haben.
Insgesamt ist auf der kleineren Skala daher über den mittelfristigen Zeitraum hinweg eher eine mäßige Konsistenz festzuhalten.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Andere Globalmodelle (ICON, GFS, UK10) stützen überwiegend die Vorgaben des IFS.
Am Montag hat auch das GFS den Kurzwellentrog im Programm, ICON deutet diesen nur an und UK10 verzichtet auf diesen.
Von Dienstag bis Donnerstag unterscheiden sich die Modellprognosen meist nur darin, dass die Amplitude des Troges leicht abweichend gesehen wird. Zudem ist das ICON den anderen Modellen bei einer etwas geringeren Wellenlänge vorlaufend. Des Weiteren weisen die Modelle kurzwellige Anteile auf, die jedoch in Anzahl und Phase nicht übereinstimmen.
Insgesamt haben die Unterschiede aber nur geringen Einfluss auf die räumliche Einordnung der Niederschläge sowie deren Intensität.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland weisen bis einschließlich Montag bei einem geringen Spread der Temperatur in 850 hPa und des Geopotentials in 500 hPa sowie einem jeweils stark definierten Bereichs hoher Auftrittswahrscheinlichkeiten ein hohe Vorhersagegüte auf. Ab Dienstag wird der EPS-Raum jedoch rasch stark gespreizt. Auch der Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten ist kaum noch signifikant zu erkennen. Spreads von 14 bis 16 Grad bzw. 30 bis 40 hPa lassen kaum eine seriöse Prognose auf Basis des IFS-EPS zu.
Bei der Einordnung des IFS-EPS in Grundmuster werden im Zeitraum von +72 bis +96h zwar sechs Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten im Europa-/Atlantikraum zu erklären, alle Cluster werden aber zunächst dem Schema eines atlantischen Rückens zugeordnet und wechselnd bis auf die letzte Lösung zum Ende in das Schema einer pos. NAO. Für das Wetter hierzulande sind die Unterschiede eher gering. Allenfalls die Stärke des Rückens sowie die Amplitude des nachstoßenden Troges weist zwischen den Lösungen etwas Spielraum auf. Der Kontrolllauf stützt das erste Cluster.
Im Zeitraum von +120 bis +168h reichen vier Lösungen, um alle Unsicherheiten des EPS-Raums zu beschreiben. Während die erste und die letzte Lösung im Schema einer pos. NAO verbleiben, wechselt das Cluster 2 früher und das Cluster 3 später zurück zum Schema eines atlantischen Rückens. Der Kontrolllauf bleibt der ersten Lösung treu. Insgesamt werden gerade für Mitteleuropa nun größere Unterschiede gezeigt. Demnach steht der Trog mit seiner Amplitude, Wellenlänge und Ausprägung im Fokus. Cluster 2 kommt dabei der ICON-Lösung sehr nahe. Cluster 3 sieht zwar ein schwächeres Höhentief, lässt aber gleichzeitig auch nur einen schwächeren Rücken über dem Atlantik zu, sodass die Geopotentialgegensätze im Vergleich schwächer ausfallen. Bei Cluster 4 kommt das Höhentief durchaus stark daher, ist aber im Vergleich signifikant nordwärts verschoben zu Hause. Je nach Amplitude und Intensität fallen hierzulande auch die Niederschläge stärker oder schwächer und vor allem räumlich etwas abweichend aus. In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h werden wieder sechs Cluster benötigt, um alle Unsicherheiten zu berücksichtigen. Die Cluster 3, 5 und 6 fallen dabei ins Schema Blocking. Die erste Lösung starten noch im Schema eines atlantischen Rückens was sich mit der Verlagerung des Systems zum Blocking wandelt. Das vierte Cluster startet mit einer neg. NAO bevor es ebenfalls das Blocking bevorzugt. Was das Schema betrifft, sind sich demnach die Lösungen früher oder später einig. Doch wo sich das Blocking befindet zeigen die Cluster doch sehr unterschiedlich. Die zweite Lösung lässt es weiter über dem Atlantik, sodass dort das Schema eines atlantischen Rückens durchgehend bestand hat. Dieses Cluster wird auch vom Kontrolllauf gestützt. Bei diesem Szenario wäre hierzulande weiter eine unbeständige Troglage zu verzeichnen. Aber auch bei Cluster 1 mit dem Blocking über dem Nordostatlantik und teilen Westeuropas würde ein Höhentief bei der Wetterlotterie stark mitmischen. Bei Cluster 3 wäre das Hauptblocking sogar östlich von Neufundland zu finden. Allerdings kann sich vom westlichen und zentralen Mittelmeer nach Nordwestrussland ein weiteres, wenngleich auch schwächeres Blocking aufbauen. Bei dieser Lösung würde die Nordwesthälfte wohl noch von unbeständigem Wetter heimgesucht, während nach Südosten zu Wetterberuhigung einsetzen würde. Bei Cluster 5 wäre Hochdruckeinfluss Trumpf. Cluster 6 scheint die intensivere Variante von der dritten Lösung zu sein.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI auf Basis des IFS zeigt am Sonntag im Nordosten leicht überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten, die in der Probabilistik aber nur von Wahrscheinlichkeiten von rund 20% für markante Böen im Umfeld von Rügen gestützt werden. Für steife Böen werden im Nordosten je nach Modell wenig signifikante Werte von 5 bis 50% angeboten.
Am Montag weist der EFI im Westen und Südwesten nur leicht überdurchschnittliche Temperaturen aus. Erwähnenswerte Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen um 10% gibt es nur in Nordfriesland. Steife Böen werden dort aber von 40 bis 70% gestützt. Ansonsten können im Südwesten und Süden vereinzelt starke Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmische Böen auftreten.
Am Dienstag hat der EFI im Süden weiterhin noch überdurchschnittliche Temperaturen im Programm. Von der Probabilistik gibt es zudem geringe Hinweise von 20 bis 60% für stürmische Böe oder Sturmböen im Nordseeumfeld. Zudem gibt es vom IFS-EPS Wahrscheinlichkeiten bis 15% für Dauerregen an den Alpen.
Am Mittwoch springt auch der EFI beim Wind wieder an und zeigt im Nordwesten und Westen überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten. Die Probabilistik stützt stürmische Böen in der Nordwesthälfte des Landes mit 40 bis 60%, an der See bis 80%. Für Dauerregen an den Alpen und deren Vorland sprechen sich rund 10 bis 30% der EPS-Member aus.
Am Donnerstag weisen im direkten Küstenumfeld weiter 40 bis 60% des IFS-EPS stürmisch Böen aus.
Basis für Mittelfristvorhersage
Anfangs auch det. ICON/IFS, später nur IFS-EPS und ICON-EPS, für TT MosMix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





