Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 19.04.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Bis Montagvormittag im Bereich einer Tiefdruckrinne über dem Osten und Nordosten Deutschlands noch Dauerregen, kleinräumig auch Unwetter möglich. Im Norden ab der kommenden Nacht windig, an der Ostsee am Montag tagsüber stürmische Böen.
Danach zunehmender Hochdruckeinfluss.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Aktuell ... befindet sich Deutschland im Einflussbereich einer Potenzialrinne, die von der Norwegischen See über die Nordsee und Nordwestdeutschland bis zur Lausitz reicht und mit mehreren Drehzentren ausgestattet ist. Die Rinne ist einem Abtropfprozess geschuldet, welcher wiederum aus dem Aufbau und der sich aktuell noch vollziehenden Verbindung zweier Höhenrücken/Höhenrücken einerseits über dem Ostatlantik/Island, andererseits über Nordskandinavien resultiert. Das neu entstandene Höhenhoch reicht Montagfrüh von Island bis nach Skandinavien (mit Schwerpunkten über Island und Nordschweden) und wirkt bis in die Mittelfrist weiterhin blockierend.
Die Südspitze der Potenzialrinne markiert aktuell noch ein scharf geschnittener, von der Deutschen Bucht bis zum Erzgebirge reichender Kurzwellentrog, der im Laufe der Nacht über der Lausitz austropft und somit deutlich an Kontur verliert. Aktuell bietet auf dessen Vorderseite kräftige PVA noch markanten dynamischen Hebungsantrieb, insbesondere von Ostsachsen über Brandenburg bis nach Vorpommern. Im Bodenfeld konnte sich somit entlang einer wellenden teilokkludierten Kaltfront, die inzwischen nahezu das gesamte Vorhersagegebiet ost- bzw. südwärts passiert hat, im Lee des Zittauer Berglandes bzw. Riesengebirges ein Bodentief etablieren, das in Kürze den Höhepunkt seiner Entwicklung aber bereits erreicht hat und als Rinne langsam nordostwärts vorankommt, sich dabei aber auch nach Westen ausweitet. Morgens reicht diese Rinne in einem Bogen vom südwestlichen Schleswig-Holstein über Nordbrandenburg und Westpolen bis zur Hohen Tatra.
Die Passage der teilokkuldierten Kaltfront konnte nahezu perfekt mit dem Kurzwellentrog interagieren, und somit haben sich unmittelbar präfrontal sowohl im Alpenvorland als auch in Sachsen und Südbrandenburg teils kräftige Gewitter entwickelt, die inzwischen weitgehend der Vergangenheit angehören. Der PVA-induzierte Hebungsantrieb lässt mehr und mehr nach und weicht immer mehr der WLA vorderseitig der Potenzialrinne. Entsprechend hat sich inzwischen über weiten Teilen der Osthälfte (v.a. Brandenburg und Vorpommern) eine veritable Gegenstromlage eingestellt, die nieder- und mitteltroposphärisch warme Luftmasse aus Osten gleitet also über der rückseitig der Bodenrinne aus Nordwest einströmenden maritim erwärmten Polarluftmasse auf. Vor allem in der ersten Nachthälfte fallen dabei gebietsweise 20 bis 30 l/m² in 6 Stunden, anfangs bei konvektiven Verstärkungen kleinräumig auch mehr (Unwetter mit mehr als 35 l/m² lokal eng begrenzt nicht ausgeschlossen). Die probabilistischen Verfahren von I-D2 und ICON-RUC deuten ein Überschreiten der Unwettermengen am ehesten südlich von Berlin und aktuell noch in Nordbrandenburg an (Wittstock-Rote Mühle in Nordbrandenburg bereits 43 l/m² in den letzten 12 Stunden). Aufgrund des geringen Impacts (resultierend aus der trockenen Vorgeschichte) wurde aber vorerst auf eine Unwetterwarnung für diese Region verzichtet, selbst wenn an einigen Stationen die Mengen knapp überschritten werden. In der zweiten Nachthälfte verlagern sich die intensivsten Niederschläge langsam nordostwärts Richtung Mecklenburg, Nordostniedersachen und Ostholstein, verlieren dabei aber auch bereits deutlich an Intensität. Die aktuell ausgegebenen Dauerregenwarnungen überdecken einen langen Zeitraum (bis Montag, 12 Uhr) und wurden entsprechend auch für die Regionen mit den modellübergreifend höchsten Wahrscheinlichkeiten für ein Überschreiten der Warnkriterien ausgegeben. Mit nachlassenden Niederschlägen ist eine vorzeitige Aufhebung in den Früh- bzw. Vormittagsstunden des Montags wahrscheinlich. Im Rest des Landes verläuft die Nacht dagegen wettertechnisch verhältnismäßig ruhig. An den Alpen klingen die letzten Schauer und Gewitter abends ab, danach fällt in der ersten Nachthälfte noch etwas Regen, wobei die Schneefallgrenze auf nahe 1500 m sinkt, die Niederschläge dann aber auch schon aufhören. Im Bereich der Trogachse haben sich insbesondere vom Westen/Nordwesten bis zur Landesmitte einzelne Schauer und Gewitter entwickelt, die abends bzw. eingangs der Nacht ebenfalls rasch abklingen. Vor allem im Westen und Süden können die Wolken örtlich auch mal stärker auflockern. Dann kühlt es rasch ab und in einigen Mittelgebirgstälern bzw. im höheren Alpenvorland liegen die Minima nahe 0 Grad mit Frost in Bodennähe. Ansonsten werden in der einströmenden erwärmten Polarluft (T850 hPa zwischen -3 Grad im Nordwesten und +2 Grad an den Alpen bzw. an der Oder) meist Tiefstwerte zwischen 7 und 3 Grad erreicht. Anzusprechen bleibt noch der Wind. Mit Etablierung der Höhenantizyklone beginnt auch im Bodenfeld über Skandinavien der Druck deutlich zu steigen und Montagfrüh hat sich dort ein Hochdruckgebiet mit einer abgeschlossenen 1030 hPa-Isobare etabliert. Entsprechend verschärft sich der Gradient zwischen Tiefdruckrinne und Bodenhoch. Vor allem an der Ostsee und in Vorpommern legt der Wind im Laufe der Nacht deutlich aus Ost bis Nordost zu und es gibt erste steife, exponiert stürmische Böen.

Montag ... verlagert sich der Schwerpunkt des sich weiter verstärkenden Höhenhochs immer mehr Richtung Island, nach wie vor bleibt aber ein robuster Keil über die Norwegische See und Mittelskandinavien bis nach Finnland und ein weiterer bis nach Südskandinavien gerichtet. Letzterer weitet sich langsam westsüdwestwärts Richtung Nordsee aus, so dass die Potenzialrinne nach Südwesten abgedrängt und schließlich auch auseinandergerissen wird. Der östliche Teil gliedert sich als Randtrog einem Höhentief über Südwestrussland an und reicht abends mit seiner Achse über Tschechien bis in die südliche Mitte des Vorhersagegebietes, während der westliche Part zu den Britischen Inseln zieht. Beide verlieren an Kontur und somit klingen auch die aus WLA bzw. Gegenstromlage resultierenden Aufgleitprozesse ab. Die Bodenrinne langsam nach Süden voran, füllt sich rasch auf und reicht abends etwa von der Lausitz bis zum Emsland. Die an die darin liegende Okklusion gekoppelten Regenfälle verlieren weiter an Intensität und verlagern sich ebenfalls allmählich südwärts, lassen von Norden aber mit dem zunehmenden Entrainment sehr trockener Festlandsluft auch rasch nach. In einem breiten Streifen von der Deutschen Bucht über Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bis nach Sachsen fallen bis zum Abend etwa 3 bis 10 l/m², gebietsweise (mittleres/südöstliches Niedersachsen, Sachsen) auch bis 15 l/m². Nördlich davon setzt sich rasch die Sonne durch. Der Druck vor allem über dem Nordmeer und der Norwegischen See steigt weiter, so dass trotz Auffüllen der Rinne ein scharfer Gradient erhalten bleibt, zusätzlich windverstärkend wirkt vor allem im Binnenland die mit dem Tagesgang wirksame turbulente Durchmischung. Entsprechend gibt es von Vorpommern über Schleswig-Holstein bis ins nördliche Niedersachsen verbreitet steife, vor allem an auflandigen Abschnitten der Ostseeküste häufig stürmische Böen aus Ost bis Nordost, exponiert dort auch einzelne Sturmböen. Auch an der Südflanke der Rinne kann der Wind vor allem vormittags bis zum Nachmittag vorübergehend aus West bis Nordwest auffrischen, am ehesten reicht es im Thüringer Becken und im Erzgebirgsvorland für steife, auf dem Brocken und dem Fichtelberg für stürmische Böen. Bis zum Abend füllt sich die Rinne aber so weit auf bzw. schwenkt dann auch nach Süden, so dass der Wind dort warntechnisch keine Rolle mehr spielt.
Während ganz im Norden/Nordosten bereits die Sonne scheint, bleibt es im Rinnenbereich überwiegend bedeckt. Weiter südlich hingegen, also im Südwesten und Süden des Landes, ist die Luftmasse noch leicht labil geschichtet, die Labilitätsfläche reicht aber auch in Südbayern kaum über 700 hPa, so dass es dort maximal für schwache Schauer reicht, Gewitter sind eher unwahrscheinlich. Ansonsten wechseln sich in der Region Sonne und lockere Quellwolken ab. Die Maxima erreichen mit Sonne im Norden und Nordosten innerhalb der einströmenden recht kalten Luftmasse aus dem skandinavischen Raum (knapp unter 0 Grad in 850 hPa) immerhin noch 10 bis 12 Grad, an den Küsten bei auflandigem Wind eher 8 Grad. Im Bereich der Rinne bleibt es bei bedecktem Himmel bei einstelligen Höchstwerten (6 bis 9 Grad), während weiter südlich in etwas milderer Luftmasse (T850 hPa-1 bis +3 Grad) 11 bis 15 Grad, am Oberrhein und rund um Regensburg bis 17 Grad erreicht werden.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt der Randtrog sehr langsam nach Süddeutschland und verliert weiter an Kontur, die Tiefdruckrinne im Bodenfeld lässt sich ausgangs der Nacht nicht mehr ausmachen. Übrig bleibt das dichte Wolkenband, welches sich langsam über die Mitte des Landes nach Süden verlagert und aus dem vor allem in der ersten Nachthälfte noch etwas Regen fällt, danach aber nur noch nach Osten zu ein paar Tropfen. Weiter nördlich klart der Himmel von Norden her auf und auch im Südwesten ist es aufgelockert bis gering bewölkt. Der Ost- bis Nordostwind im Norden lässt im Binnenland rasch, an den Küsten aber nur langsam nach, ist später aber auch dort nicht mehr warnrelevant. Somit kann es im Norddeutschen Tiefland und auch in Schleswig-Holstein in ungünstigen Lagen leichten Luftfrost, recht verbreitet aber leichten Frost in Bodennähe geben. Auch in einigen Tälern der südwestdeutschen Mittelgebirge ist leichter Frost möglich. Ansonsten liegen die Minima meist zwischen 5 und 1 Grad.

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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Dienstag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Substanzielles hinzuzufügen. In der Südhälfte ist es noch zeitweise bewölkt und im Südosten können sich einzelne Schauer entwickeln, ansonsten scheint aber an der Südflanke des innzwischen weite Teile Nordwesteuropas überdeckenden und bis nach Südskandinavien reichenden Bodenhochs bei Zufuhr trockener Festlandsluft von Osten her vielfach die Sonne.
Ihrem polaren Charakter entsprechend ist die advehierte Luftmassetrocken und recht frisch (+1 bis -2 Grad in 850 hPa), so dass es bei guter Durchmischung und viel Sonnenschein zwar für Maxima zwischen 10 und 15 Grad reicht, ganz im Westen bis nahe 17 Grad, es aber in der Nacht zum Mittwoch etwas verbreiteter zu Luftfrost und fast schon flächendeckend zu Frost in Bodennähe kommen kann.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Stark- bzw. Dauerregenfälle der kommenden Stunden werden noch mit kleineren Differenzen simuliert, im Großen und Ganzen fahren die Modelle aber einen einheitlichen Kurs.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff