Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 20.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu HM (Hoch Mitteleuropa) bzw. BM (Brücke Mitteleuropa)
Erst INGA die Wechselhafte, dann ZENO der Warme - nach heutiger Schauer- und Gewitteraktivität Übergang in den Frühsommer.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... Es mag in der geneigten Leserschaft dieses Bulletins durchaus und aus Sicht des Verfassers vollkommen verständlich Vertreter geben, die sich nicht unbedingt zu den Anhängern großer Wärme bzw. Hitze zählen. Denen Temperaturen von 30°C oder jenseits davon auf den S... gehen, Verzeihung, nicht so gut gefallen oder bekommen. Für all diejenigen habe ich einen guten gemeinten Tipp: Genießt den heutigen, den morgigen und je nach dem wo ihr euch befindet auch noch den übermorgigen Tag oder flüchtet in den hohen Norden des Landes. Alle anderen, die nix gegen hohe Temperaturen haben, die Wärme und Hitze mögen, ja sogar sehnsüchtig darauf warten (bisher war das laufenden Jahr ja eher zurückhaltend, es gab noch keinen einzigen Hitzetag), für die gibt es richtig gute Nachrichten. Ab Freitag geht´s in die Vollen und das nicht nur für ein, zwei Tage. So wie´s aussieht, stellt sich eine stabile, omega-ähnliche Wetterlage ein, bei der reichlich solare Direktstrahlung erzeugt und die sehr warmen bis heißen und weitgehend trockenen Luftmassen für längere Zeit konserviert werden. Mehr dazu in der neuesten Synoptischen Übersicht Mittelfrist, die wie gewohnt in Kürze an den üblichen Stellen konsumiert werden kann.
Nun aber erstmal zur aktuellen Lage, die uns heute die Passage eines flachen und leicht negativ geneigten (also nach SO weisenden) Höhentrogs beschert. Eine flotte Passage muss man sagen, die heute früh beginnt und bereits heute Abend wieder zu den Akten gelegt werden kann. Bedingt durch die limitierte Amplitude ist der Trog zwar nicht gerade bannig kalt. -20 bis -22°C auf 500 hPa reichen aber aus, um die vom Atlantik einströmende subpolare Meeresluft (mPs; T850 4 bis 7°C) soweit zu labilisieren, dass uns eine rege Schauertätigkeit mit elektrischen Elementen gewiss ist. Angeführt wird der Trog von der Okklusion des Tiefs INGA, das aktuell gerade dabei ist, das Seegebiet nordwestlich der Hebriden in Richtung der Färöers zu kreuzen. In der Nachtanalyse konnte noch eine 995-hPa-Kernisobare gefunden werden, was heute Abend nicht mehr der Fall sein wird. Mit anderen Worten, die gute INGA füllt sich auf, weil über dem nahen Ostatlantik bereits das nächste Tief ante portas steht, welches ihr das Wasser abgräbt.
Wichtiger für uns ist aber ohnehin besagte Okklusion, die mit ihrem fragilen und in Teilen schauerartig durchsetzen Regenband die Osthälfte erreicht hat (hängt allerdings im Süden etwas zurück). Dieser Regen wird noch im Laufe des Vormittags ostwärts abziehen und dabei immer schwächer und brüchiger. Einzig in Südostbayern wird es wohl bis in die Mittagsstunden dauern, bis der frontale Regen die Seiten wechselt und unsere österreichischen Nachbarn beehrt. Rückseitig kommt dann das, was kommen muss, wenn ein Trog zu fortgeschrittener Jahreszeit durchschwenkt. Schon heute Morgen lässt sich über Westdeutschland erkennen, was gemeint ist: Schauer, anfangs z.T. noch etwas zusammengeklumpt zu kleinen mesoskaligen Regengebieten, teils aber auch bogenförmig organisiert und mit zunehmender Tageslänge dann auch einzelne Gewitter. Im Grunde kann es heute jeden von uns treffen, keine Region kann wirklich ausgeklammert werden. Aber bitte nicht falsch verstehen. Wenn heute Abend abgerechnet wird, sind die Gewitter ganz klar in der Hinterhand gegenüber den nicht-elektrischen Niederschlägen. Es geht lediglich um das Potenzial, dass ein Gewitter auftreten kann.
Was sich vielleicht herausarbeiten lässt, ist eine etwas bessere Organisation der Überentwicklungen im Norden und Nordosten des Landes (bereits jetzt im Radar erkennbar), wo die Trogvorderseite und der Tagesgang soweit harmonisieren, dass so etwas wie eine Linie oder Bogenelemente entstehen oder aber zumindest eine Häufung von Zellen mit Hang zur Multizelle. Nichtsdestotrotz, die meisten Gewitter dürften in Liga 4 vorstellig werden, meint, unterste Warnstufe ohne großes Brimborium (Böen 7 Bft, kleiner Hagel, kurzer Guss). Zwar ist die Luftmasse mit PPWs zwischen 20 und 25 mm durchaus feucht, was das Auftreten möglichen Starkregens impliziert (ggf. auch bei Mehrfachtreffern). Auf der anderen Seite ist aber auch gewisser Grundwind vorhanden (bis zu 30 Kt auf 850 hPa), so dass die Gewitter ziehen, was wiederum gegen Starkregen spricht. Am Ende bleibt uns nichts anders übrig als den Blaumann anzulegen, den Werkzeugkasten Nowcast auspacken und Spontanwarnungen zu installieren. Konstatieren kann man, dass nach Durchgang der Trogachse spätestens zum Nachmittag hin von Westen her eine allmähliche Stabilisierung und auch Abtrocknung beginnt, die Gewitter immer unwahrscheinlicher und Schauer seltener werden lässt (vor allem im Südwesten). Schaut man sich z.B. Prognosessoundings von 15 UTC zwischen NRW und BaWü an, erkennt man zwischen 700 und 600 hPa eine zaghafte Sperrschicht, die leichter mitteltroposphärischer WLA, aber auch beginnender Subsidenz geschuldet ist.
Bliebe nur noch zu erwähnen, dass der Südwestwind zwischen Tief INGA und Druckanstieg über Frankreich (ZENO) nicht nur konvektiv, sondern auch gradientbedingt etwas zulegt, insbesondere nach Westen hin. Dass dabei auch mal 7er-Böen auftreten, ist wahrscheinlich. Trotzdem bietet sich eine kleine flächige Windwarnung nicht unbedingt an. Ach ja, Temperaturen gibt´s natürlich auch, die pendeln sich zwischen 17 und 23°C, an der Nordsee etwas darunter ein.
In der Nacht zum Donnerstag verabschiedet sich der Trog nach Polen bzw. raus auf die Ostsee. Folgerichtig steigt das Potenzial von Westen her und auch das Bodenhoch ZENO expandiert deutlich in unsere Richtung, so dass der Luftdruck am Morgen mit Ausnahme des äußersten Nordens auf 1025+x hPa ansteigt. Tagesgang und fortschreitende Abtrocknung von oben (Subsidenz) tun das ihrige dazu, was ein rasches Abebben des anfangs in Teilen noch regen konvektiven Geschehens zur Folge hat. Ganz weg bekommt die Atmosphäre die Schauer allerdings nicht. Gerade im äußersten Südosten (an den Alpen etwas Stau), vereinzelt aber auch weiter nördlich retten sich ein paar Exemplare bis in die Morgenstunden.
Ansonsten aber reißt die Bewölkung in Teilen auf oder die Wolken lösen sich ganz auf. Dort, wo es längere Zeit aufklart, kann sich in der feuchten Grundschicht Nebel bilden. Das Ganze bei Tiefsttemperaturen, die zwischen 12 und 6°C liegen - auch nachts geht´s also bergauf.
Donnerstag... markiert einen klassischen Übergangstag, an dem zwar das Hoch und der korrespondierende Höhenrücken schon vor Ort sind, die apostrophierte Warmluft aber noch nicht respektive noch nicht so richtig. Der Prozess kommt aber in Gang, was man daran erkennt, dass T850 von 4 bis 7°C am Morgen auf 5 bis 10°C am Abend (Ostseeseeküste am wenigsten, Südbaden am meisten) steigt. Der Südwesten ist auch die Region, die trotz einiger Tagesquellungen mit den meisten Sonnenstunden aufwartet (da kann allenfalls die vorpommersche Ostseeküste konkurrieren), weil die Abtrocknung sowohl von oben als auch in der Grundschicht im deutschlandweiten Vergleich die größten Fortschritte macht. Es verwundert also auch nicht, dass dort mit rund 25°C die höchsten Temperaturen erwartet werden, während im großen Rest meist 19 bis 24°C, an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind etwas weniger auf der Karte stehen. Der große Rest wird zudem nochmal mit reichlich Cumulusbewölkung beschenkt, die sich bei Auslösetemperaturen unter 20°C recht früh aus der labilen und vielfach noch angefeuchteten Grundschicht heraus entwickeln. Und da die Inversion mit bis zu 700 hPa vergleichsweise hoch liegt (negative Cloud-Top-Temperaturen, aber deutlich über -10°C), können sich aus den Quellungen in der NO-Hälfte sogar einzelne leichte Schauer entwickeln. Dass ICON-D2 in der hausinternen Wetterinterpretation gleich wieder den roten Pinsel rausholt und einige Gewittersymbole feilbietet, scheint doch weit übertrieben. Zum Spätnachmittag/Abend bildet sich die Bewölkung allmählich zurück.
In der Nacht zum Freitag ändert sich nicht viel an der Großwetterlage: Hoch über Mitteleuropa respektive Deutschland, darüber der Rücken, der sich von NW-Afrika/SW-Europa bis zur Nordsee bzw. zum östlichen Mitteleuropa erstreckt. Ganz im Norden bleiben noch ein paar Wolkenfelder übrig, ohne aber Flüssigkeit abzusondern. Sonst klart es vielerorts auf, stellenweise bildet sich Nebel. Die Temperatur geht auf 13 bis 6°C, in einigen Mittelgebirgssenken/-mulden bis 4°C zurück.
Freitag... setzt sich der Hochdruckeinfluss fort, wobei der Schwerpunkt des Hochs mit knapp 1030 hPa beginnt, ganz allmählich via Ostdeutschland zum östlichen Mitteleuropa abzuwandern. Während sich advektive Prozesse (Zufuhr subtropischer Luftmassen aus SW-Europa) noch in Grenzen halten, verstärkt sich auf der anderen Seite das Absinken. Deutlich wird das u.a. an der Inversion, die bis auf 800 hPa oder sogar etwas darunter absinkt. Auch die weitere, aber moderate Erwärmung der unteren Troposphäre (T850 am Morgen 7 bis 10°C, am Abend 9 bis 13°C) ist ein klares Indiz für Subsidenz. Wäre stärkere Advektion beteiligt, würden wir wahrscheinlich ruck-zuck die 15°C-Isotherme oder noch mehr bei uns begrüßen, die ja über Frankreich (Westhälfte) nicht allzu weit entfernt ist.
Wie auch immer, thermisch geht´s auch ohne "die Fünfzehner" mächtig bergauf und die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir irgendwo im tiefen Südwesten - favorisiert ist wie so oft der Oberrheingraben - punktuell den ersten heißen Tag des Jahres 2026 begrüßen dürfen (30,x°C). Aber auch sonst wird nicht gegeizt auf dem Sektor fühlbarer Energie. 24 bis 29°C lautet die großräumige Spanne. Etwas dahinter der Norden und Nordosten, wo man sich mit 21 bis 25°C, an der Küste bei Seewind mit noch weniger begnügen muss/darf. Die Gründe dafür sind evident: 1.) die niedrigsten 850-hPa-Temperaturen, 2.) tagsüber noch zahlreiche Quellwolken, 3.) die noch ziemlich frischen Oberflächentemperaturen von Nord- und Ostsee. Je weiter wir uns dem Südwesten der Republik nähern, desto höher die Sonnenausbeute. Vom Rheinland bis hinunter nach BaWü und weiter bis nach Oberbayern wird sich der Himmel bei östlichem Wind z.T. sogar wolkenlos oder mit nur wenigen transparenten Cirren präsentieren.
Die Nacht zum Samstag bringt verbreitet einen klaren Himmel. Auch die Wolken im Norden/Nordosten lösen sich auf. Allerdings können im Nordwesten einige Cirren aufziehen (erweiterte Vorboten eines Frontenzugs mit KW-Trog über UK/Irland). Die Grundschicht ist mittlerweile soweit abgetrocknet, dass kaum noch Nebel auftritt. Tiefsttemperatur 16 bis 8°C, in einigen Mittelgebirgssenken etwas darunter.
Modellvergleich und -einschätzung
Es ist alles geschrieben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 19.05.2026 um 10.30 UTC
Sommerwetter mit möglichem Dämpfer am Pfingstwochenende. Gebietsweise Hitze möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 26.05.2026
Am heutigen Dienstag stellt sich die Frage: Kann die gestrige Sommervorhersage für Pfingsten bestätigt werden und kommt tatsächlich sogar die erste Hitze des Jahres? Oder wirbelt das gestern gefundene Höhentief am Wochenende die Prognose komplett durcheinander? Kurze Antwort: Das Höhentief ändert tatsächlich seinen Kurs, dämpft das Temperaturniveau am Wochenende etwas und soll gebietsweise für Schauer und Gewitter sorgen!
Die lange Antwort findet man in den Details. So zeigt sich zum Beginn der Mittelfrist am Freitag ein von Nordwestafrika über die Iberische Halbinsel bis nach Westdeutschland aufwölbender Rücken mit positiver Achsneigung. Dieser stützt ein Bodenhoch mit Schwerpunkt über Deutschland und einen Kerndruck knapp über 1028 hPa. Aus dem Südwesten strömt warme und trockene Subtropikluft (mT) ein, wobei die T850 hPa auf 6 Grad im Osten bis 12 Grad im Südwesten steigen. Über der Nordosthälfte liegt aber teils noch feuchte Luft eines aufgelösten Frontensystems eines Tiefs bei Island, sodass es hier und da noch für schwache Konvektion reichen könnte.
Am Samstag entwachsen aus einem schmalen Randtrog knapp westlich der Britischen Inseln zwei Höhentiefs. Das eine zieht in den Nordwesten Spaniens, das andere in die Nordsee und zum Abend hin nach Norddeutschland, sodass dort Schauer und Gewitter aufkommen. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nach Tschechien. Die T850 hPa steigen vor Ankunft des Höhentiefs bei unverminderter Zufuhr von Subtropikluft auf 10 Grad im Norden bis 15 Grad im Süden.
Am Pfingstsonntag wandert das Höhentief unter Auffüllung über Deutschland hinweg zu den Alpen, im Schlepptau etwas kühlere subpolare Meeresluft (mP) mit T850 hPa von 6 bis 10 Grad sowie regional kräftiger PVA und damit teils kräftiger Konvektion. Das Bodenhoch weicht Richtung Slowakei aus. Über den Britischen Inseln wölbt sich derweil wieder der Rücken auf und induziert dort ein neues Hoch mit einem Kerndruck knapp über 1030 hPa. Nach Abzug des Höhentiefs stabilisiert sich das Wetter von Norden her rasch wieder.
Am Pfingstmontag und Dienstag kapselt sich aus dem Rücken ein eigenständiges Höhenhoch über dem Ärmelkanal ab. Der Schwerpunkt der Bodenhochs verlagert sich folglich nach Schottland, wobei es mit einem Kerndruck von 1035 hPa noch etwas kräftiger wird. Um das Hoch wird nun zunächst wieder trockene Subtropikluft nach Deutschland geführt, sodass die T850 hPa auf 10 bis 15, am Dienstag im Südwesten teils bis auf 17 Grad steigen.
In der erweiterten Mittelfrist ab kommende Woche Mittwoch läuft an der Nordostflanke des Höhenhochs ein Trog über Skandinavien und dem Baltikum zum Schwarzen Meer. Die kaum wetteraktive Kaltfront des zugehörigen Bodentiefs dringt in die Nordosthälfte mit subpolarer Meeresluft ein und sorgt dort in nordwestlicher Strömung vorübergehend für zurückgehende Temperaturen, sodass die T850 hPa "nur noch" bei 5 bis 10 Grad liegen. Im Südwesten bleibt die Warmluft allerdings erhalten. Das Bodenhoch ist dann in der Nordsee zu finden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der drei jüngsten Läufe des EZMW ist heute nicht ganz so hoch, was vornehmlich am Höhentief am Pfingstwochenende liegt. Statt aus einem Randtrog ein kräftiges Exemplar über Frankreich auszubilden gibt es nun 2 kleine Höhentiefs, wovon das für uns relevante über die Nordsee nach Deutschland und bis Sonntagabend zu den Alpen zieht. Das dämpft das Temperaturniveau am Wochenende im Vergleich zum gestrigen 0 UTC-Lauf vorübergehend um etwa 5 Kelvin und sorgt zudem gebietsweise für Schauer und Gewitter, die lokal kräftig ausfallen können. Beim gestrigen 12 UTC-Lauf gab es zwar auch 2 kleine Höhentiefs, diese sollten aber westlich von uns bleiben und hätten keinen Einfluss auf das Wetter bei uns. Den nachfolgenden Hochdruckeinfluss auf hohem Temperaturniveau zeigen dann wieder alle 3 Läufe. In der erweiterten Mittelfrist ab kommender Woche Mittwoch ist eine kaum wetteraktive Kaltfront neu im Programm, die aber lediglich die Temperaturen in der Nordosthälfte um erneut rund 5 Kelvin senkt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Das Pfingstwochenende-Höhentief ist auch der Kasus Knacksus in den anderen Modellen. Entweder tritt es kaum in Erscheinung (UK10, AIFS) oder ist noch dem gestrigen 0 UTC-Lauf (ICON) oder dem gestrigen 12 UTC-Lauf (GFS) des EZMW ähnlich. Es ist nicht unüblich, dass EZMW den Vorreiter für andere globale Modelle spielt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen des EZMW spiegeln die Unsicherheiten mit dem Höhentief am Pfingstwochenende wider. So macht der Kontrolllauf am Sonntag einen vorübergehenden Knick nach unten zu den Ausreißern des Ensembles, der Median bleibt aber konstant auf hohem Niveau (bei T850 hPa und bei Geopot 500 hPa). Von daher ist das Höhentief noch deutlichen Unsicherheiten unterworfen. Danach verlaufen Kontrolllauf und Median auf hohem Niveau weiter, mit noch einzelnen Ausreißern nach unten, die die Kurven öffnen. In der erweiterten Mittelfrist bestätigt sich durch einen gut definierten Median mit Kontrolllauf darin für den Nordosten die leichte Abkühlung, für den Südwesten die Wärme/Hitze. Niederschlagssignale sind allgemein spärlich gesät, mit einem Peak am Samstag/Sonntag für Teile Deutschlands, dem aber nur wenige Member folgen (daher ebenfalls unsicher).
CLUSTER:
Im zweiten Zeitschritt zwischen Sonntag 0 UTC und Dienstag 0 UTC sind 4 Cluster mit Blockierung vorhanden. Das für uns relevante Höhentief ist nur in C1 und C3 als Randtrog über Nordostdeutschland zu sehen, in C2 und C4 ist es gar nicht dabei. Vermutlich wird es durch die Clusteranalyse unterschlagen, weil die Strukturen zu klein sind. Dennoch sind auch von dieser Seite Zweifel am Höhentief angebracht.
Im dritten Zeitschritt zwischen Mittwoch 0 UTC und Freitag 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) gibt es ebenfalls 4 Cluster, wobei 2 von Blockierung zu Regime Atlantischer Rücken wechseln. Die Hauptfrage wird sein, was der Trog nordöstlich von uns macht. C1 mit 16 Membern und dem Kontrolllauf ist dem Hauptlauf ähnlich, in C2 (13 Member) verläuft er weiter nordöstlich. In C3 (12 Member) ist er noch weiter weg und spaltet ein Höhentief zum östlichen Mittelmeer ab. In C4 (10 Member) formiert sich über der Ukraine ein größeres Höhentief daraus, das zum Balkan zieht, wobei wir dann in dessen Peripherie geraten würden. Das offenbart größere Unsicherheiten auch für diesen Zeitraum.
FAZIT:
Das sommerliche bis teils heiße Wetter kommt zwar, erhält mit dem heutigen 0 UTC-Lauf des EZMW am Pfingstwochenende allerdings einen Dämpfer durch ein über Deutschland nach Süden ablaufendes kleines Höhentief. Dann sind bei vorübergehend etwas kühlerer Luft Schauer und teils kräftige Gewitter möglich. Allerdings offenbaren Rauchfahnen, Cluster und andere Modelle größere Vorhersageunsicherheiten bezüglich dieses Höhentiefs. Danach geht es warm bis heiß und trocken weiter. Ob es in der erweiterten Mittelfrist ohne große Wetteraktivität im Nordosten wieder ein wenig abkühlt, ist unsicher.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
Am Wochenende besteht durch das nun über Deutschland ziehende kleine Höhentief ein Gewitterrisiko, wobei MU-CAPE bis zu 2000 J/kg erreichen kann. Damit sind trotz fehlendem EFI-Signal am Samstagabend im Nordwesten, am Sonntag von der Mitte bis in den Süden teils kräftige Gewitter mit lokalem Starkregen, Sturmböen und Hagel möglich und bei durchaus vorhandener Scherung örtlich unwetterartige Entwicklungen nicht auszuschließen. Einschränkend muss aber erwähnt werden, dass die Vorhersage des kleinen Höhentiefs wie so oft unsicher ist und im nächsten Lauf vielleicht schon wieder ganz anders aussieht.
TEMPERATUREN:
Der EFI gibt ab Freitag Hinweise für überdurchschnittlich hohe Temperaturen, die sich am Wochenende in den Süden zurückziehen. Bei noch ausreichender nächtlicher Abkühlung und nicht zu hohen Taupunkten hält sich die Wärmebelastung aber vermutlich noch in Grenzen.
Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler





