Synoptische Übersicht

Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 17.07.2018 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
HF z, Übergang zu Tr W
Heute im Südwesten, Süden und im zentralen Mittelgebirgsraum einzelne Gewitter, Unwetter durch heftigen Starkregen wenig wahrscheinlich. Außerdem in Oder- und Neißenähe von Polen her übergreifend Regen, in der Nacht zum Mittwoch andauernd.

Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag in Oder- und Neißenähe teils länger andauernder Regen, vorübergehend schauerartig verstärkt, Starkregen nicht ausgeschlossen. Sonst nur ganz im Süden noch geringe Gewitterneigung. Am Donnerstag wahrscheinlich keine markant zu bewarnenden Wetterereignisse.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC

Dienstag... liegt Deutschland zwischen einem blockierenden Höhenhoch über Fennoskandien und einen vom westlichen Mittelmeer nach Ostfrankreich gerichteten Höhenkeil. Dieser Struktur steht ein Trog über Westeuropa und ein Höhentiefkomplex über der Ukraine und dem Wolga-Don-Gebiet gegenüber, so dass sich ein Viererdruckfeld ergibt. Dieser Zirkulationstyp erweist sich in der Regel als relativ stabil.
Über Mitteleuropa ergeben sich kaum dynamische Antriebe, so dass sich die eingeflossene labil geschichtete Luftmasse im Wesentlichen selbst überlassen ist. Um hoch reichende Konvektion auszulösen, bedarf es der Hilfe durch die Orografie. Die Luft ist dort am labilsten, wo am wenigsten Feuchte vorhanden ist. Ein Gehalt an niederschlagbarem Wasser zwischen 20 und etwas über 25 mm spricht nicht unbedingt für Gewitter mit heftigem Starkregen bis weit in den Unwetterbereich hinein. Da sich die Gewitterzellen aber nur wenig verlagern, können die Unwetterschwellen vor allem über dem Bergland kleinräumig und eng begrenzt gerissen werden.
Etwas mehr Aufmerksamkeit ist der Entwicklung im Nordosten zu widmen. Von dem osteuropäischen Höhentiefkomplex ist ein Trog westwärts gerichtet, der, nach Süden schwenkend, auch den Nordosten Deutschlands streift. Dieser liefert einen Hebungsantrieb, der zum einen aus positiver Vorticityadvektion, zum anderen aus Warmluftadvektion resultiert. Dies lässt mit einer östlichen Strömung Niederschläge auf die Oder-Neiße-Region übergreifen. Die Schichtung ist stabil, so dass die Gefahr von Warmluft-Einschubgewittern nicht besteht. Allerdings kann der Niederschlag schauerartig verstärkt sein, ohne dass Warnschwellen erreicht werden.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen je nach Sonnenscheindauer 27 bis 33 Grad. In Küstennähe und im Bergland sind 21 bis 26 Grad zu erwarten. In der Nacht zum Mittwoch schwenkt ein Teiltrog des westeuropäischen Troges in die Nordsee. Weiter westlich, d.h. vor der Biskaya, regeneriert sich dieser Trog wieder. Der von dem osteuropäischen Höhentiefkomplex ausgehende Trog erreicht derweil Tschechien. Somit können die Niederschläge aus der Oder-Neiße-Region kaum noch weiter nach Westen ausgreifen. Allerdings nimmt dort die Gefahr von Starkregen etwas zu. Ansonsten überwiegt antizyklonaler Einfluss, so dass es meist aufklart. Dabei bleibt die Nebelneigung gering.

Mittwoch... läuft ein weiterer Kurzwellentrog über den äußersten Osten Deutschlands hinweg nach Süden ab. Im Vergleich zum vorherigen Kurzwellentrog verbleibt die kräftigste Hebung weiter östlich. Dennoch ist ein erneutes Übergreifen der Niederschläge nach Westen, vielleicht sogar bis in den Berliner Raum hinein, nicht ganz auszuschließen. Warnschwellen für Starkregen werden, falls überhaupt, allenfalls in Oder- und Neißenähe erreicht. Die Schichtung ist weiterhin stabil, so dass die Gefahr eingelagerter Gewitter kaum besteht. Ansonsten hält sich schwacher antizyklonaler Einfluss, der aus dem über den Britischen Inseln und der Nordsee liegenden breiten Hochkeil resultiert. Von Nordwesten her sickert dann nicht ganz so warme Luft ein. Großräumiges Absinken lässt kaum konvektive Umlagerungen zu; allenfalls an und in den Alpen können sich im späteren Tagesverlauf einzelne Wärmegewitter entwickeln. Dort ist die Schichtung auch am labilsten. Bei meist nahezu ungehinderter Einstrahlung steigt die Temperatur auf 26 bis 31 Grad. In Küstennähe und im Bergland werden 20 bis 25 Grad erreicht.
In der Nacht zum Donnerstag macht sich der Trog über Westeuropa zusehends bemerkbar. Aus diesem läuft ein kurzwelliger Anteil heraus, der den Nordwesten Deutschlands streift, aber aufgrund der Tageszeit und der Trockenheit der Luftmasse nicht viel ausrichten kann. Daher dominiert antizyklonaler Einfluss, wodurch es, abgesehen vielleicht von den Gebieten zwischen Vorpommern und der Lausitz und dem Erzgebirge, erneut verbreitet aufklart.

Donnerstag... kräftigt sich der antizyklonale Einfluss. Zum einen verbleibt der Trog über Westeuropa, zum anderen verlagert sich der osteuropäische Höhentiefkomplex ein wenig weiter ostwärts, so dass sich über Mitteleuropa ein leichter Geopotentialanstieg ergibt. Allerdings wird der Nordosten noch von Wolkenfeldern gestreift, aber dort sind allenfalls nur noch geringe Niederschläge zu erwarten (falls überhaupt welche auftreten). Im Bodendruckfeld hält sich der Einfluss des von der Nordsee zu den Ostalpen gerichteten schwachen Keils, wodurch das großräumige Absinken andauert. Konvektive Umlagerungen sind daher eher unwahrscheinlich; selbst an und in den Alpen ist die Gewittergefahr gering. Nahezu ungehinderte Einstrahlung lässt daher die Temperaturen wieder auf 28 bis 33 Grad steigen. In Küstennähe und im Bergland bewegen sich die Temperaturen zwischen 22 und 27 Grad.
In der Nacht zum Freitag rückt der über Westeuropa liegende Trog etwas näher, ohne dass sich am oben beschriebenen antizyklonalen Einfluss etwas ändert. Im Westen und Südwesten wird die Luftmasse zusehends labil, aber dynamische Antriebe fehlen, so dass keine hochreichende Konvektion in Gang kommt. Somit lässt sich nur eine Alterung der Luftmasse beschreiben.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle zeigen eine weitgehend ähnliche Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten.
Etwas näher sollen hier die Niederschläge betrachtet werden, die auf die Oder-Neiße-Region übergreifen. Übereinstimmend belassen alle deterministischen Modelle wie auch probabilistische Verfahren das Niederschlagsmaximum weit östlich über Polen. Lediglich ICON-EPS und COSMO-DE EPS zeigen Signale, dass warnrelevante Niederschläge auf die Oder-Neiße-Region übergreifen. Nach den anderen Verfahren werden Warnschwellen erst weiter östlich überschritten. Bemerkenswert ist, dass ICON-EU eine Überschreitung von Warnschwellen in Bezug auf Starkregen in der Oder- und Neißeregion nicht mehr sieht und gegenüber den weiter zurückliegenden Modelläufen eher eine Angleichung zu den anderen Modellen vollzogen hat. Allerdings zeigt EURO4 bei diesem Niederschlagsgebiet eine vorlaufende Struktur, an welcher Starkniederschläge nicht ganz auszuschließen sind.
Im Vergleich zu den aktuellen Beobachtungen traten deutlich geringere Niederschlagssummen auf, als von ICON-EU und auch von COSMO-DE bisher erwartet wurden. Daher auch anhand der Radarbeobachtungen erst einmal wenig Niederschlag ansteht, ist zumindest vorerst, d.h. bis in die Nacht zum Mittwoch hinein, die Gefahr von Niederschlägen oberhalb der Warnschwellen vorerst nicht gegeben.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

Synoptische Übersicht Mittelfrist

Synoptische Übersicht Mittelfrist

ausgegeben am Montag, den 16.07.2018 um 10.30 UTC

Durchweg sommerlich-warm, zum Teil auch heiß. Am Wochenende Schauer und Gewitter mit lokalem Starkregenpotenzial nach Süden hin.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 23.07.2018

Auch am heutigen Montag stellt sich wieder die Frage, ob das Wetter im Mittelfristzeitraum ab Donnerstag einen signifikanten Beitrag gegen die in vielen Teilen Deutschlands seit Wochen anhaltende Trockenheit leisten kann (obwohl es daran ja eigentlich auch schuld ist). Allerdings offenbart bereits der erste Blick auf die Vorhersagekarten, dass die Niederschlagssignale dürftig bleiben und so die Trockenheit im wahrsten Sinne des Wortes weiter "befeuert" wird. Eher scheint sich das Wetter weiterhin an der von dem possierlichen Tierchen namens Siebenschläfer Anfang des Monats ausgegebene Parole mit sieben Wochen Sonnenschein und kaum Regen orientieren zu wollen.

Die Ausgangslage bildet dabei ab Donnerstag eine an ein Omega erinnernde Form des Geopotenzials in der mittleren Troposphäre. Einem Höhenrücken über Mitteleuropa stehen Tröge westlich bzw. östlich davon gegenüber. Die Achse des westlichen Trogs reicht von der Biskaya bis nach Schottland, während sich die Achse des östlichen Troges von Weißrussland bis zum Schwarzen Meer erstreckt. Einen "Schönheitsfehler" kann man bezüglich des Omegas herausarbeiten: Während nördlich des westlichen Trogs tiefes Geopotenzial vorherrscht, ist nördlich des östlichen Trogs ein Höhenhoch auszumachen. Am Boden spiegelt sich die Situation in der Höhe durch ein zu dem Rücken korrespondierenden Bodenhoch mit Zentrum über der Nordsee wider. Tiefdruckgebiete tummeln sich dagegen bei Island, über Wales und über der Ukraine. Die 850 hPa-Temperaturen liegen zwischen 7 Grad im Norden - dort zieht am Vortag eine schwache, kaum wetteraktive Kaltfront durch - und bis 16 Grad in Süddeutschland.

Ab Freitag schwenkt der westliche Trog langsam auf Mitteleuropa zu bzw. am Wochenende auch über uns hinweg. Der südliche Teil des Trogs zeigt dabei Auffüllungstendenzen, während der nördliche Teil eine leichte Verschärfung erfährt. Mit dem Durchschwenken des Trogs sind am Wochenende konvektive Umlagerungen zu erwarten. Insbesondere im Süden weist die Numerik Signale für lokalen Starkregen auf, die einer langsamen Verlagerung der Zellen bei nur schwachen Luftdruck- bzw. Geopotenzialgegensätzen und dem höheren Feuchteangebot geschuldet sein dürften. Erwähnt sei auch noch, dass durch Zufuhr warmer bis heißer Luft aus dem Süden bzw. Südwesten die T850 hPa deutschlandweit zwischen 10 und 17 Grad liegen. Die Schwüle nimmt jedoch auch etwas zu und Schauer und Gewitter dämpfen die Temperaturentwicklung am Boden.

Zum Wochenbeginn zieht der Trogkomplex nach Osten ab, sodass sich vom Atlantik kommend ein neuer Höhenrücken über Mitteleuropa aufwölben kann. Dessen Achse nimmt am Montagabend eine Linie Südschweden - Löwengolf ein. Der Rücken stützt ein neues Hoch über der Nordsee.

Rücken und Bodenhoch bleiben auch in der erweiterten Mittelfrist ab Dienstag wetterbestimmend. Die T850 hPa-Temperaturen steigen sogar noch etwas an und liegen landesweit zwischen 15 und 18 Grad. Damit würde es verbreitet heiß werden. Die oben erwähnten bzw. erwünschten Niederschläge blieben dagegen weitgehend aus. Das voraussichtlich hochsommerliche Wetter spielt also weiter fleißig auf der Klaviatur des Mittelmeerambientes, leider wohl auch mit den negativen Folgen der Dürre und mit zunehmender Wärmebelastung.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Grundsätzlich kann dem aktuellen EZMW-Lauf von 00 UTC eine gute Konsistenz zu seinen beiden Vorläufen bescheinigt werden, finden sich die grundlegenden Muster auch heute wieder. Allerdings gibt es in den Details dann doch Unterschiede, die durchaus relevant sind für das Wetter in Deutschland. Vor allem die Behandlung des westlich von uns gelegenen Trogs erfährt in den jüngsten Läufen Modifizierungen. Mit der neuesten Variante zieht dieser Trog am Wochenende unter Auffüllung im südlichen Teil und einem leicht verschärftem Residuum weiter nördlich nach Osten durch. Konvektive Prozesse werden dadurch im Vergleich zum gestrigen 00 UTC-Lauf gehemmt, da weniger Dynamik aus der Höhe zu erwarten ist. Dem alten Lauf zufolge hätte sich über Frankreich ein Höhentief gebildet, dessen PVA insbesondere den Westen und Süden Deutschlands erfasst und dadurch kräftige Schauer und Gewitter ausgelöst hätte. Zum Wochenbeginn wäre dieses Höhentief in das zentrale Mittelmeer gezogen und hätte noch Süddeutschland beeinflusst. Der neueste Lauf zeigt nun wieder den Aufbau eines Rückens und zunehmenden Hochdruckeinfluss auch im Süden. Der gestrige 12 UTC-Lauf schlug bereits den Weg des heutigen 00 UTC-Laufs ein, das nördliche Trogresiduum war aber noch kräftiger ausgeprägt, was vor allem die Konvektion in der Nordhälfte angefacht hätte.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

GFS und ICON weisen grundsätzlich keine wesentlich anderen Strukturen auf als das EZMW. Allerdings wird der westliche Trog jeweils etwas anders behandelt. Beim GFS wird das Trogresiduum ein wenig schärfer simuliert, was die Schauer- und Gewittertätigkeit forcieren würde. Auch zieht das Residuum langsamer durch. ICON ist etwa gleich schnell wie das EZWM, das Trogresiduum wird jedoch geringfügig stärker simuliert. GEM hingegen ist noch auf der Linie des gestrigen 00 UTC-Laufs des EZMW (Höhentief über Frankreich am Wochenende). NAVGEM ist dem ICON ziemlich ähnlich, CMA noch dem GFS am ähnlichsten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte suggerieren eine recht hohe Vorhersagegüte. So liegen Haupt- und Kontrolllauf gut eingebettet im meist engen Median der Streuung. Der Spread öffnet sich zum Ende hin zwar ein wenig, vor allem beim Geopotenzial, das hohe Temperatur- und Geopotenzialniveau bleibt allerdings erhalten. So liegen die T850 hPa durchweg zwischen 9 und 18 Grad. Der nochmalige leichte Anstieg der Temperaturen im erweiterten Mittelfristzeitraum wird durch die Rauchfahnen bestätigt, sodass eine Hitzewelle mit Temperaturen von verbreitet über 30 Grad möglich erscheint. Niederschlagssignale treten jedoch nur sporadisch hervor, was den konvektiven Charakter unterstreicht und eben nur auf örtlichen und nicht flächigen Regen hindeutet.

Die Clusteranalyse liefert für Freitag bis Sonntag nur einen Cluster, was die Vorhersagesicherheit zwar erhöht, die für uns relevanten Details aber wegrechnet. Von Montag bis Mittwoch gibt es drei Cluster, alle zeigen den von Nordwesten hereinkommenden Rücken, der die Weichen neuerlich auf Sommerwetter mit nur wenigen Niederschlägen und hohen Temperaturen stellt.

Als Fazit lässt sich sagen, dass es bis zum Freitag sommerlich-warm oder nach Süden hin auch heiß bei nur geringer Niederschlagsneigung ist. Am Wochenende bleibt es warm, dann kommen jedoch recht verbreitet Schauer und Gewitter auf. Über deren Ausmaß ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Tendenziell scheint es nach Süden hin kräftigere Gewitter zu geben als nach Norden hin. Zum Wochenbeginn setzt sich neuerlich Hochdruckeinfluss durch und die Temperaturen steigen noch etwas an. Nicht wenig deutet darauf hin, dass es zu einer Hitzewelle mit Temperaturen von häufig über 30 Grad kommt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Schwerpunkt für signifikante Wettererscheinungen sind die Gewitter am Wochenende und dabei vor allem der Starkregen. Am Samstag gibt es im Süden vom SOT schwache Signale, während EFI dort nicht präsent ist. Nach EZMW-EPS sind an diesem Tag immerhin bis zu 20% Wahrscheinlichkeit für mehr als 25 mm in 12 Stunden im äußersten Süden vorhanden, sodass dort markanter Starkregen ein- oder mehrstündig denkbar ist, der lokal unwetterartig werden könnte.

Basis für Mittelfristvorhersage

MOSMIX, EZMW-EPS, EZMW-MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler

Boden Analyse DWD

Quelle: © Deutscher Wetterdienst, Offenbach

Höhenkarten 200-850 hPa

Höhenkarte 850 hPa

Höhenkarte 700 hPa

Höhenkarte 500 hPa

Höhenkarte 400 hPa

Höhenkarte 300 hPa

Höhenkarte 200 hPa