Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 26.09.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Ruhiges und ungewöhnlich warmes Herbstwetter, im Südwesten lokal in Rekordnähe mit über 30°C.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell ... wölbt sich vor einem atlantischen Trog über Mitteleuropa ein zunächst flacher, gestützt durch intensivierende WLA über UK und der Nordsee amplifizierender Höhenrücken auf. Die sich am Boden befindliche schmale Kaltfront in einem Streifen quer über der nördlichen Mitte zwischen Rheinland und Oderbruch löst sich dadurch immer mehr auf, der Druck steigt in deren Umfeld kontinuierlich - wenn auch nur leicht - an. Bodennah verbleibt lediglich noch eine schwache Rinne über Benelux, die ebenfalls weitgehend inaktiv ist. Da sich der Schwerpunkt des Bodenhochs nach Osten verschiebt dreht die Strömung oberhalb der Reibungsschicht auf Süd bis Südost (bodennah: Ost).
Außer etwas Restbewölkung über Teilen Nord- und Mitteldeutschlands bleibt vom Tiefausläufer nicht mehr viel übrig. Immerhin gab es nach dessen Passage niedertroposphärisch aber einen gewissen Feuchteeintrag, der sich in aktuellen Taupunkten von 10 bis 14°C über Norddeutschland widerspiegelt. So reagiert dann auch WarnMos für die Nachtstunden mit erhöhten Nebelwahrscheinlichkeiten von Vorpommern bis nach Nordfriesland (>50% für < 150 m Sicht in Teilen MV's). Bei 5 bis 10 kt Mittelwind ist aber eine Variante mit nur lokalen Feldern und eher ein paar Hochnebelpatches wahrscheinlicher. Über Nordpolen sieht das im Bereich der windschwachen Divergenzachse des Hochs schon anders aus. Eventuell geht in den frühen Morgen- und Vormittagsstunden Richtung Oderhaff auch advektiv was. Durch die Restbewölkung sowie leebedingt durch die Überströmung des Sauerlandes bleibt es Richtung Ruhrgebiet sowie direkt an der See dann auch am mildesten mit 15 bis 10°C.
Ansonsten kühlt es im teils gering bewölkten oder klaren Rest des Landes deutlich mehr ab auf 9 bis 2°C mit den tiefsten Werten in Muldenlagen Bayerns. Regional tritt erneut Bodenfrost auf, Luftfrost ist wohl selbst exponiert aber kein Thema mehr. Die Absinkinversion ist dabei sehr weit nach unten gedrückt, weshalb Berg- und Hanglagen in der abgesunkenen Luft teilweise viel milder als in den Vornächten herausstechen und für eine noch inhomogenere Verteilung der Temperaturen sorgen (neben Stadt-/Landeffekten etc.). Örtlich bilden sich im Süden vor allem in Gewässernähe einzelne flache Nebelfelder aus, die sich am Vormittag rasch auflösen.
Sonntag ... meridionalisiert die Strömung weiter. Ein Langwellentrog schwenkt vor die europäischen Küsten. Stromab wölbt sich der Höhenrücken ausgehend vom westlichen Mittelmeer bis Nordskandinavien auf. Wir liegen dabei am Rand einer Hochdruckzone über Osteuropa unter einer südlichen Strömung. Vor einer breiten Tiefdruckrinne über England mit eingelagerten Tiefausläufern verstärkt sich die Advektion sehr warmer Luftmassen aus Südeuropa nach Deutschland. Die Ausläufer beeinflussen uns nicht direkt, lediglich die Warmluftadvektion macht sich mit hohen und mittelhohen Wolken besonders im Westen und Nordwesten bemerkbar. Allenfalls zum Abend hin bringen diese ganz vereinzelt auch mal ein paar Tropfen, in der Regel bleibt es aber trocken.
Ansonsten scheint wieder meist die Sonne. Die warme Luft mit mehr als 15°C in 850 hPa, die bis zum Abend die Südhälfte des Landes flutet, bringt Maxima von gebietsweise mehr als 25°C. Am Oberrhein sind sogar 31/32°C möglich, was nahe an den Bereich der Rekorde für die letzten Septembertage herankommt (32.2°C in Garsebach bei Meißen in Sachsen aus dem Jahr 2018). Am Samstag waren es immerhin schon 29.3°C in Müllheim und 29.2°C in Saarbrücken-Burbach (jeweils Dekadenrekorde für die jeweilige Station).
Im Norden und Osten wird es nicht ganz so warm, aber immer noch sehr angenehm mit 20 bis 24°C. Zwischen dem Hoch, das sich über dem Baltikum auf mehr als 1030 hPa kräftigt, und der Rinne über Westeuropa verstärkt sich der Druckgradient über Norddeutschland. Der auffrischende Südostwind kann über der Nordsee und an der westlichen Ostsee in Böen 7 Bft erreichen. Prädestinierte Kandidaten dafür wären Kap Arkona, die Flensburger Förde sowie Helgoland und Sylt.
In der Nacht zum Montag hält sich in den meisten Landesteilen der Hochdruckeinfluss mit meist lockerer Bewölkung in hohen oder mittelhohen Niveaus. Wenngleich die Frontalzone insgesamt sehr strömungsparallel und damit stark schleifend eingebettet ist, rückt sie doch von Nordwesten ein wenig heran, was dann im Laufe der Nacht vor allem im Nordseeumfeld doch hier und da mal zu etwas Regen führt. Dort geht der Druckgradient raus und fokussiert sich stärker auf die Ostsee. Aufgrund der ablandigen Windkomponente bleibt es aber wohl lediglich an der Nordspitze Rügens bei einzelnen 7er Böen aus SE.
Sonst bleibt die Nebelneigung in der trockenen Luftmasse und aufgrund der Abschattung der mittelhohen Wolkenfelder gering. Am ehesten sind wieder die Donau und einige Nebenflüsse vorstellbar. Dort kühlt es zuvor dann auch wieder am kräftigsten ab mit Werten um die 5°C. Bodenfrost tritt aber nur noch ganz sporadisch auf. Sonst bleibt es mit 16 bis 10°C deutlich milder. In den Hochlagen des Schwarzwaldes, im Weinbiet (Pfalz) oder an den Nordrändern des Harzes könnte man zum Start in die neue Arbeitswoche lokal gar mit knapp 20°C aufwachen!
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... wird der Nordwesten von schwachen Tiefausläufern beeinflusst, die aber aufgrund der Nähe zum Höhenkeil, nicht viel "Wetter" bringen.
Ansonsten hält sich der Hochdruckeinfluss mit viel Sonnenschein und ungewöhnlich hohen Temperaturen. Im Norden und Osten liegen die Maxima bei 20 bis 27°C, vor allem an der Nordsee mit Nordwind auch etwas darunter. Ansonsten werden 25 bis 30°C erwartet, im Südwesten lokal knapp darüber.
Keine Änderungen zur Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden 12 UTC Läufe unterschiedlichster Modelle schätzen die Entwicklung in der Kurzfrist sehr übereinstimmend als hochdrucklastig und ruhig ein.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 26.09.2026 um 10.30 UTC
Erst ruhiges und teils sehr warmes Spätsommerwetter, am Donnerstag im Westen und Nordwesten Dauerregen gering wahrscheinlich und weniger warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 03.10.2026
Die Mittelfrist startet am Dienstag mit einem schmalen Keil, der von Nordafrika bis nach Polen verläuft. Er wird flankiert von niedrigem Geopotential, das über dem nahen Atlantik ein ausgedehntes Bodentief (Kerndruck ca. 990 hPa) stützt. Über Osteuropa herrscht bodennah hingegen Hochdruck (>1030 hPa) vor. Deutschland liegt zwischen den Gebilden im Zustrom milder (14 bis 18 Grad in 850 hPa) Luft. Es gibt noch einmal vom Südwesten bis zur Mitte und in den Westen verbreitet einen Sommertag (>25 Grad), lokal sind 30 Grad nicht ausgeschlossen. Im Norden, Osten und Südosten ist es mit über 20 Grad noch mäßig warm. Bei großflächigem Absinken ist die Luft auch relativ trocken. Jedoch sorgen Randtröge des Tiefs über dem Ärmelkanal für Hebung und teils auch kräftige Niederschläge, deren Ausläufer am Nordrand des Keils auch die Nordseeumgebung erfassen können. Bei recht flacher Druckverteilung und der Tendenz zu Hochdruck ist der Wind vernachlässigbar.
Am Mittwoch ändert sich noch nicht viel. Der Hochdruck über Osteuropa verstärkt sich (>1035 hPa), jedoch schiebt sich das Tiefdruckgebiet vom Atlantik in Richtung Britische Inseln. Die zugehörige Kaltfront passiert Großbritannien im Tagesverlauf ostwärts, was in zunehmender Bewölkung im Westen Deutschlands und am späteren Abend auch ersten Regenfällen resultiert. Mit 13 bis 16 Grad in 850 hPa liegen wir immer noch im Zustrom milder Luftmassen.
Am Donnerstag liegt die Kaltfront von den Nordfriesischen Inseln über den Westen bis an die Saar in Deutschland. Sie wird vom Höhenkeil aufgehalten, der von Nordafrika bis ins Baltikum reicht. So kommt es im Nordwesten und Westen zu länger andauernden und teils kräftigen Regenfällen, die mitunter vom Niederrhein bis ins Saarland gewittrig verstärkt sein können (CAPE bis 800 J/kg). Über 24 Stunden aufsummiert werden von der Nordsee bis an die Mosel verbreitet Mengen zwischen 10 und 20 l/qm erwartet. Strichweise können die Mengen zwischen 30 und 40, lokal bis zu 50 l/qm erreichen. Entsprechend regnet sich die Front in den nordwestlichen und westlichen Regionen Deutschlands aus, während in der Osthälfte unter Hochdruckeinfluss noch sonniges und trockenes Wetter herrscht. Die Temperatur in der Höhe geht nur langsam zurück, was verbreitet in Maxima über 20 Grad resultiert.
Am Freitag kommt die Kaltfront unter Abschwächungstendenzen nur langsam ostwärts voran. Das Hoch über Osteuropa steht ihr wie ein Bollwerk gegenüber. Der Höhenkeil bricht auf und zieht sich nach Südwesteuropa zurück. Über dem Baltikum und Polen spaltet sich ein Höhenhoch ab. Über Frankreich bildet sich derweil ein neues Bodenhochzentrum, das sich im Tagesverlauf ausdehnt und am Abend auch den Westen und Nordwesten Deutschlands einnimmt. Die Front dazwischen wird praktisch ausgequetscht, was leicht erhöhten Niederschlagsmengen im Südwesten führt. Die Luft kühlt deutlich ab, am Abend gibt es noch 6 bis 10 Grad in 850 hPa.
Am Wochenende etabliert sich das Bodenhoch über Deutschland. Der Kerndruck liegt über 1030 hPa. Gestützt wird es von hohem Geopotential, das weite Teile Europas vereinnahmt. Tiefdruckeinfluss und höhenkalte Luft findet man im Norden und Nordosten Europas. In relativ trockener und für Anfang Oktober auch milder Luft, gestaltet sich das Wetter weitgehend ruhig. Vereinzelt kann es am Hochrand etwas nieseln oder leicht regnen. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit für Nebel an.
Die erweiterte Mittelfrist ist offen. IFS hält am Hochdruck fest. Zudem soll wieder mildere Luft ins Land strömen. Andere Modelle sehen eher zunehmenden Tiefdruckeinfluss von Nordwesten her.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn ist die Konsistenz der IFS-Läufe hoch. Der Trog über Westeuropa am Donnerstag wurde bereits gestern Mittag deutlich schmaler und weniger amplifiziert, das sich abspaltende Höhentief raus gerechnet. Große Unterschiede ergeben sich ab Samstag: Gestern früh wurde Hochdruckeinfluss simuliert, heute schiebt sich ein abgeschlossenes Hoch von Westen herein, das bis in die neue Woche von hohem Geopotential in der Höhe gestützt wird. Gestern Mittag war das Hoch noch langsamer mit weniger Höhenunterstützung.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Vergleich mit anderen Modellen ergibt keine Ausreißer. GFS lässt den Trog über Westeuropa am Ende der Woche nach Deutschland schwenken. Der Hochdruckeinfluss (abgeschlossenes Tief) von Westen setzt sich deutlich später durch. ICON, UK10 und IFS sind sich in der Potentialverteilung einig, wenngleich ICON Potentiallöcher (Höhentiefs) simuliert, die für Überraschungen sorgen können. Zudem lässt ICON (wie IFS gestern früh) das Hoch aus Westen vom Hoch über Osteuropa aufnehmen, was zu Beginn der Folgewoche mehr Spielraum für ein neues Tief samt Trog aus Nordwesteuropa bietet.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse ergibt über die gesamte Mittelfrist ein Wetterregime: Blockierendes Hoch. Das hohe Geopotential erstreckt sich dabei über weite Teile Mittel-, Ost- und Nordeuropas. In allen 5 Clustern lässt sich am Donnerstag der Trog über Westeuropa ausmachen, der die Kaltfront zu uns schickt. Anschließend dehnt sich das hohe Geopotential wieder aus. Kurzum: Viel kann nicht passieren und das soll es nach aktuellem Lauf ja auch nicht.
Die Temperaturensembles weisen bis Mittwoch einen linearen und recht hohen (deutlich über dem langjährigen Mittel) Trend aus. Die Wärme zu Beginn der Woche scheint also sicher. Anschließend geht es bergab, wobei die Varianz der Member deutlich zunimmt und der operationelle Lauf teils unter der Ensemblemitte liegt. Beim Geopotential ergibt sich ein ähnliches Muster, wenngleich der Abstieg langsamer vonstattengeht und der Hauptlauf meist mittig liegt. Auffällig sind die Niederschlagssignale, die ab Donnerstag bundesweit und im Westen und Norden auch deutlich zunehmen. Der operationelle Lauf reagiert verhaltener.
Die Ensembles des GFS und ICON weisen in allen Parametern ein ähnliches Muster auf. Auch hier geht der operationelle Lauf der Temperatur jeweils unter die Ensemblemehrheit. Im Oktober nähern wir uns temperaturtechnisch dem langjährigen Mittel wieder an. Allerdings sind die Niederschlagssignale eher gering.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Mit geringer Wahrscheinlichkeit tritt am Donnerstag im Nordwesten und Westen Dauerregen auf, der strichweise die markante Schwelle von 30 l/qm in 24 Stunden überschreiten kann. Auch der EFI springt mit geringen Signalen an. Etwas deutlicher sind die EFI-Signale bei der Maximumtemperatur. Höchstwerte nahe 30 Grad sind an den letzten Septembertagen nicht der Regelfall. Abgesehen davon ist nicht mit markantem Wetter zu rechnen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS, Ensemble IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn





