Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 30.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrW, Übergang zu NWz/a
Unbeständig, vor allem heute und kommende Nacht nochmals kräftige Gewitter. Lokal auch Unwetter aufgrund von Hagel und Starkregen, kommende Nacht bis Mittwochvormittag vom Südwesten über die Mitte bis in die Osthälfte auch größere Gewittersysteme mit mehrstündigem unwetterartigem Starkregen. Am Mittwoch vor allem im Norden und Osten weitere, teils kräftige Gewitter, Unwetter nicht ausgeschlossen.
Am Donnerstag im Nordwesten einzelne kurze Gewitter mit Sturmböen nicht ausgeschlossen. An den Küsten stürmische Böen bzw. Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... verläuft bei einem nur schwachgradientigen Druckfeld eine Luftmassengrenze quer über die Mitte Deutschlands hinweg ostnordostwärts. Diese trennt eine sehr warme und feuchte, mäßig labil geschichtete Luftmasse (T850 hPa 13 bis 17 Grad) über dem Süden und Südosten des Landes von nicht ganz so warmer Luft maritimen Ursprungs (T850 hPa zwischen 10 und 13 Grad) über der Nordwesthälfte.
Die Luftmasse über der Südosthälfte (etwa südlich einer Linie Pfalz-Oberlausitz) zeichnet sich nach wie vor durch hohe PPWs zwischen 30 und 40 mm aus und getriggert durch einen kurzwelligen Troganteil hat sich in der vergangenen Nacht ein MCS über den Süden und Osten Bayerns langsam nordostwärts bewegt, wobei es kleinräumig teils extremen Starkregen gab. Inzwischen hat sich dieses System deutlich abgeschwächt, lässt sich aber anhand der Satelliten- und Radarbilder (gebietsweise schauerartiger Regen) noch gut über Oberfranken bzw. dem Westerzgebirge ausmachen.
Ansonsten hat sich vorderseitig eines Höhentroges, der aktuell auf die Britischen Inseln übergreift, vorübergehend eine deutliche Wetterberuhigung eingestellt. Lediglich über dem nördlichen Niedersachsen lässt sich eine schmale Schauerlinie ausmachen, die langsam Richtung Elbe zieht, aber nur geringe Mengen in petto hat.
Im Rest des Landes beginnt der Tag unterschiedlich, gebietsweise auch gering bewölkt. Mit Annäherung des Troges, der nur langsam die Britischen Inseln überquert und beginnender WLA ziehen im Nordwesten allerdings bereits dichtere Wolken auf, die aber zunächst keine nennenswerten Niederschläge bringen. Dafür wird das ehemalige MCS im Laufe des Vormittags und um die Mittagszeit vom Vogtland bis nach Südbrandenburg wieder aktiviert und neben Schauern können auch einzelne Gewitter auftreten, die bis zum Abend langsam Richtung Polen vorankommen. Kleinräumig kann dort Starkregen auftreten, bei frischen Entwicklungen vor allem ab der Mittagszeit und am Nachmittag auch kleinkörniger Hagel und einzelne stürmische Böen, das Unwetterpotenzial ist aber eher gering, da bereits ein gewisses Entrainment der etwas trockeneren Luftmasse weiter nördlich stattfindet und sich die Luftmasse auch nur durch relativ geringe Energiewerte auszeichnet.
Ansonsten gilt es aber, vor allem ab dem Nachmittag den Blick Richtung Westen zu richten. Vorderseitig des Troges wird die WLA nun zunehmend durch PVA-induzierte dynamische Hebung gestützt. Dabei zeichnen sich grob drei Schwerpunkte konvektiver Aktivität ab: Einerseits wird das oben angesprochene schmale Schauerband über dem nördlichen Niedersachsen aktiviert und zieht über den Hamburger Raum bis zum Abend nach Schleswig-Holstein. In diesem Bereich ist die Luftmasse trotz Annäherung des Troges nur mäßig labil geschichtet und es können maximal 200 bis 500 J/kg ML-Cape generiert werden bei PPWs zwischen 25 und 30 mm. Somit sind als Begleiterscheinung Starkregen um 15 l/m², kleinkörniger Hagel und stürmische Böen zu erwarten; und trotz günstiger Scherwerte mit bodennah gekurvten Hodografen bleibt das Unwetterrisiko nur sehr gering, auch, wenn flache, kurzlebige Superzellen mit Sturmböen und einem geringen Potenzial für kurzlebige Tornados nicht ganz ausgeschlossen werden können. Eine zweite Zone konvektiver Aktivität zeichnet sich im Zuge eines IPV-Maximums ab dem späten Nachmittag im Bereich der westlichen und zentralen Mittelgebirge ab. Diese Schauer und Gewitter zeichnen sich zunächst durch ähnliche Begleiterscheinungen wie die weiter nördlich aus und weiten sich ab den Abendstunden rasch nach Nordosten aus. Mit zunehmender dynamischer Hebung beginnen die Multizellensysteme im laufe des Abends und der kommenden Nacht zu ein/zwei kleineren MCS zu verclustern und vor allem von NRW über das nördliche Hessen/das südliche Niedersachsen bis nach Sachsen-Anhalt kann es gebietsweise auch mehrstündigen Starkregen geben, wobei das Unwetterrisiko gering bleibt. Deutlich spannender gestaltet sich hingegen die Entwicklung im Südwesten und in der südlichen Mitte (BaWü bis Oberfranken). Mit Unterstützung durch die Orographie dürfte es im Laufe des (frühen) Nachmittags über den Mittelgebirgen auslösen, die Gewitter kommen zunächst nur relativ langsam nach Nordosten voran. In der Region können gebietsweise mehr als 1000 J/kg ML-Cape generiert werden, und angesichts der hohen PPWs, steht dann schnell der Starkregen im Fokus, der kleinräumig durchaus Unwetterpotenzial erreicht. Mit Annäherung des Troges verbessern sich auch die Scherbedingungen, so dass größerer Hagel um 3 cm (orographisch getriggert, im Schwarzwald und entlang der Alb vielleicht auch mehr) und (schwere) Sturmböen ebenfalls möglich sind. I-D2-EPS simuliert am Nachmittag/Abend vor allem im Bereich Schwarzwald/Alb, aber auch für Teile Unterfrankens die höchsten Wahrscheinlichkeiten für unwetterartigen Starkregen, und auch aus den Alpen heraus können einzelne kräftige Gewitter gegen Abend ins südliche Alpenvorland ziehen. Meist handelt es sich um Einzelzellen, die zunächst zu kleineren Multizellensysteme verclustern. Die Hagelgefahr ist dabei im Anfangsstadium der Zellen am größten, danach dominiert mehr und mehr der Starkregen.
Im äußersten Westen und Nordwesten setzt dann bereits eine gewisse Wetterberuhigung ein, während der Nordosten, aber auch Teile der Mitte gewittertechnisch komplett leer ausgehen.
Während in den äußersten Nordwesten und Norden bodennah von Nordosten her eine "nur" mäßig warme Luftmasse mit Maxima zwischen 20 und 23 Grad gelangt, wird es sonst sommerlich warm mit Höchstwerten zwischen 25 und 30 Grad, im Südwesten und rund um die Donau auch bis 32 Grad. Lediglich in Teilen Sachsens und Südbrandenburgs, wo sich die Sonne kaum zeigen dürfte, reicht es nicht für einen Sommertag.
In der Nacht zum Mittwoch greift der Trog auf die Nordsee und Benelux über. Vorderseitig setzt nun vor allem ab der Mitte ostwärts sowie im Süden verstärkt dynamische Hebung ein. Mit Aufsteilen der südwestlichen Höhenströmung kommt die sehr feuchte und instabile Luftmasse vor allem über der Osthälfte vorübergehend etwas nach Norden voran, wobei sich über Tschechien/Sachsen ein kleinräumiges Bodentief etabliert und bis Mittwochfrüh Richtung Riesengebirge zieht. Rückseitig strömt in die Westhälfte von Nordwesten her bereits eine deutlich trockenere und stabiler geschichtete Luftmasse.
Mit der sich verstärkenden dynamischen Hebung beginnen die Multizellen über dem Südwesten und der südlichen Mitte zunehmend zu ein/zwei größeren MCS zu verclustern und ziehen langsam über Nordbayern hinweg ostnordostwärts. Ein weiteres MCS könnte ausgangs der Nacht von der Schweiz Richtung Oberschwaben/Südbayern ziehen. Dabei steigt das Unwetterpotenzial aufgrund von Starkregen - auch mehrstündig - im Laufe der Nacht weiter an. Angesichts der hohen PPWs sind auch extreme Unwetter mit mehr als 60 l/m² in wenigen Stunden möglich, I-D2-EPS simuliert die höchsten Wahrscheinlichkeiten dafür in Franken, in den Frühstunden dann Richtung Thüringer Wald und Westerzgebirge, eventuell auch noch bis ins südliche Saschen-Anhalt ausweitend sowie ab den Frühstunden in Oberschwaben und rund um den Bodensee. Mit den sich weiter verbessernden Scherbedingungen bleiben wohl auch Hagel und - je nach Organisationsgrad der Systeme - (schwere) Sturmböen mit von der Partie, angesichts der Tageszeit aber mit deutlich geringerer Unwetterwahrscheinlichkeit als der Starkregen. Für diese Regionen bietet sich - bei allen noch gegebenen Unsicherheiten - eventuell auch eine Vorabinformation an. Diese dürfte aber frühestens um die Mittagszeit, eher am Nachmittag erfolgen.
Die verclusterten Gewitter weiter nördlich wurden schon weiter oben angesprochen, bis zum Morgen erreichen sie in etwa Westmecklenburg und das westliche Brandenburg. Im Westen und Nordwesten verläuft die Nacht dagegen überwiegend ruhig und störungsfrei und auch an den Alpen und im Alpenvorland sollte sich die Gewittertätigkeit im Laufe der Nacht rasch abschwächen, ebenso ganz im Südwesten.
Während die Nacht im Westen und Nordwesten recht frisch ausfällt mit Minima zwischen 16 und 12 Grad, bleibt es sonst relativ mild mit 19 bis 15 Grad.
Mittwoch... schwenkt der Höhentrog nur langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts, erreicht aber erst ausgangs der Nacht zum Donnerstag die Grenze zu Polen, da er durch einen Cut-Off-Prozess über der nördlichen Adria deutlich eingebremst wird. Somit bleiben noch lange Zeit weite Teile des Vorhersagegebietes auf dessen Vorderseite, wobei vor allem über der Osthälfte nach wie vor dynamische Hebung generiert wird.
Das Bodentief zieht langsam über Polen hinweg nordnordostwärts und an dessen Westflanke kommen die zwei/drei größeren Gewittersysteme vormittags/mittags ebenfalls sehr zögerlich von Franken Richtung Sachsen und Südbrandenburg bzw. über Südbayern ostwärts voran. Die dynamische Hebung wirkt dem Tagesgang entgegen, somit ist angesichts vorhandener MU-Cape und hoher PPWs nach wie vor mit unwetterartigem Starkregen (kleinräumig extrem) - auch mehrstündig - zu rechnen, Schwerpunkt zumindest nach I-D2 nun wohl vom Vogtland bis zur Lausitz sowie südlich der Donau.
Rückseitig stößt ein Bodenhochkeil von Frankreich her Richtung West- und Südwestdeutschland vor und führt dort zu einer deutlichen Abtrocknung der Luftmasse, wobei sich im Tagesverlauf eine Absinkinversion in etwa 700 hPa etabliert. Somit scheint dort vielerorts bei meist nur flacher Quellbewölkung die Sonne und auch am Nachmittag ist kaum mit Schauern zu rechnen. Zwischen Cluster und der stabilen Zone im Westen und Südwesten bleibt die Luftmasse nach wie vor potenziell instabil geschichtet. Dabei dürfte es mit Unterstützung durch die Orographie und der Outflow Boundaries der Cluster vom Nordwesten/Norden über die Mitte des Landes bis nach Süddeutschland alsbald wieder neu "zünden", wobei die Konvektion erlaubenden Modelle vor allem von Schleswig-Holstein bis nach Sachsen-Anhalt eine flache Tiefdruckrinne und ein entsprechend konvergentes Windfeld simulieren. Diese Region dürfte somit auch den Schwe4rpunkt der Gewitteraktivität ab den Nachmittagsstunden darstellen. Vor dem Einsickern trockenerer Luftmassen von Westen her liegen die PPWs bei etwa 25 bis 30 mm und es können gebietsweise mehr als 500 J/kg ML-Cape generiert werden bei insgesamt schwachen Scherungsbedingungen. Somit dürften die Begleiterscheinungen der Gewitter überwiegend markant ausfallen und es handelt sich meist um zu Multizellen verclusternde Einzelzellen. I-D2-EPS simuliert ein leicht erhöhtes Potenzial für unwetterartigen Starkregen aufgrund der regen Gewitteraktivität im Bereich der oben angesprochenen Rinne, aber auch Richtung Oberschwaben. Im Bergland kann es mit Hilfe der Orographie auch mal für Hagel größer 2 cm reichen.
Ein gewisses Potenzial für Landspouts, also Typ 2-Tornados deutet sich ebenfalls im Bereich der Rinne, insbesondere über Schleswig-Holstein, an. Ganz im Osten und Südosten hingegen verläuft der Nachmittag nach Abzug der Cluster überwiegend ruhig, wobei die Wolken nur langsam auflockern. Von Nordwesten her sickert allmählich maritim erwärmte Subpolarluft ins Vorhersagegebiet mit T850 hPa zwischen 9 Grad im Nordwesten und 13 Grad ganz im Südwesten. Somit bleibt es warm mit Maxima zwischen 22 und 26 Grad, mit viel Sonne im Westen/Südwesten bis 28 Grad. Lediglich an den Küsten sowie im Bereich der abziehenden Cluster bleibt es etwas frischer.
In der Nacht zum Donnerstag greift ein in die kräftige westnordwestliche Höhenströmung eingebetteter breiter Höhentrog auf die Britischen Inseln über, der Jetstream an dessen Südflanke stößt Richtung mittlere Nordsee vor. Ein korrespondierendes Bodentief erreicht Donnerstagfrüh die nördliche Nordsee, dessen rasch okkludierndes Frontensystem befindet sich morgens knapp westlich der Deutschen Bucht.
Der bisher für uns wetterbestimmende Trog erreicht den Westen Polens und wird mehr und mehr zugeschüttet. Das korrespondierende Bodentief zieht Richtung Baltikum und von Westen her weitet sich der Hochkeil über die Mitte Deutschlands Richtung Osthälfte und Westpolen aus. Die Gewitter klingen somit mehr oder weniger rasch ab, zuletzt wohl an den Alpen und am Erzgebirge. Ansonsten lockern die Wolken auf, vor allem in der Mitte und im Südwesten ist es gering bewölkt, stellenweise kann sich Nebel bilden. Im Nordwesten ziehen mit Annäherung des Frontensystems wieder dichtere Wolken auf, es bleibt aber noch überwiegend trocken. Der Wind frischt präfrontal an der Nordsee aus Südwest auf, bleibt aber wohl noch unterhalb der Warnschwellen. Landesweit steht eine angenehm frische Nacht ins Haus mit Minima zwischen 15 und 10 Grad, in einigen Senken und Muldenlagen auch darunter, an der Nordsee bleibt es dagegen etwas milder.
Donnerstag... stellt sich eine vor allem im Norden und Osten zyklonal konturierte Nordwestlager ein. Der Höhentrog überquert die Nordsee rasch ostsüdostwärts und erreicht abends Norddeutschland, der Jetstream stößt Richtung Niederlande/Emsland vor.
Das korrespondierende Bodentief zieht nach Südwestnorwegen, dessen teilokkludierte Kaltfront hat bis zum Abend die Nordwesthälfte mit schauerartigem, aber nicht allzu ergiebigem Regen überquert, der dann bereits den Westen, die (nördliche) Mitte und den Nordosten erfasst. In der Fläche betragen die Mengen meist weniger als 5 mm, wobei einzelne kurze Gewitter nicht ganz ausgeschlossen sind, am ehesten vielleicht noch an den Küsten. Im Fokus steht nun aber zur Abwechslung mal die Windentwicklung. Der nach Südwest- und Süddeutschland gerichtete Hochkeil verstärkt sich weiter, wodurch sich der Gradient vor allem im Nordwesten und Norden verschärft. Im Nordseeumfeld vermitteln die stürmischen Böen - vereinzelt Sturmböen - aus Nordwest einen durchaus herbstlichen Eindruck, nachmittags kann es auch an der Ostsee einzelne stürmische Böen geben. Zumindest im schleswig-holsteinischen und nordwestdeutschen Binnenland sind steife Böen möglich, auf dem Brocken Sturmböen.
Im Süden und Südosten bleibt es im Einflussbereich des Hochkeils dagegen trocken und vor allem in Baden-Württemberg und Bayern sogar vielerorts sonnig. Vor allem in den No4rden gelangt Meeresluft polaren Ursprungs mit T850 hPa zwischen 6 und 9 Grad, während es weiter südlich noch sommerlich warm bleibt (T850 hPa 10 bis 14 Grad). Das mündet in Höchstwerte zwischen 19 und 24 Grad im Norden und zwischen 24 und 29 Grad im Rest des Landes.
Modellvergleich und -einschätzung
Der grobe Fahrplan steht. Die MCS-Problematik für die kommende Nacht und den morgigen Vormittag wurde im Text angesprochen. Eine Vorabinformation sollte aufgrund des hohen und flächigen Unwetterpotenzials erfolgen, dass dürfte aber erst im Laufe des Nachmittags der Fall sein.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 29.06.2026 um 10.30 UTC
Wechselhaft und mäßig warm. Vor allem im Norden und Osten zeitweise sehr windig mit stürmischen Böen, an der See und im Bergland Sturmböen möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 06.07.2026
Die Mittelfrist beginnt am Donnerstag mit einem flachen Höhenkeil über Deutschland, der nach dem Abzug des Troges vorübergehend für Wetterberuhigung sorgt. Vor allem im Süden und Südwesten setzt sich unter Hochdruckeinfluss freundliches und trockenes Wetter durch. Im Norden nähert sich jedoch bereits der nächste Trog. Das zugehörige okkludierende Frontensystem eines Tiefs über dem Nordmeer überquert den Norden Deutschlands mit meist leichten Niederschlägen. Rückseitig folgen einzelne Schauer, an der Nordsee sind auch kurze Gewitter möglich. Gleichzeitig frischt der Nordwestwind deutlich auf. Vor allem an den Küsten treten verbreitet starke bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8), exponiert vereinzelt auch Sturmböen auf. Mit einfließender kühler Meeresluft werden im Norden nur noch Höchstwerte zwischen 20 und 24 Grad erreicht, während im sonnigeren Südwesten nochmals sommerlich warme 27 bis knapp 30 Grad möglich sind. In der Nacht zum Freitag erreicht das Frontensystem die Alpen. Rückseitig macht sich der Keil des Hochs westlich von Frankreich bemerkbar.
Am Freitag und Samstag bleibt Deutschland in einer nordwestlichen Höhenströmung am Nordostrand eines kräftigen Höhenrückens über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik. Im Unterschied zu den gestrigen Modellläufen greift der Höhenrücken jedoch zunächst nicht weiter nach Mitteleuropa über. Stattdessen überqueren mehrere eingelagerte Kurzwellentröge insbesondere den Norden und die Mitte Deutschlands. Dort gestaltet sich das Wetter wechselhaft mit zeitweiligen regen, Schauern, vereinzelt auch kurzen Gewittern. Der Nordwestwind bleibt lebhaft und erreicht vor allem im Küstenumfeld häufig starke bis stürmische Böen, exponiert sind zeitweise auch Sturmböen möglich. Nach Süden und insbesondere in den Südwesten nimmt der Hochdruckeinfluss zu, sodass dort häufiger die Sonne scheint und es überwiegend trocken bleibt. Die Temperaturen steigen jedoch nur verhalten an und erreichen im Südwesten meist 25 bis 29 Grad, während im Norden und Osten mit Höchstwerten zwischen 18 und 24 Grad deutlich kühlere Meeresluft wetterbestimmend bleibt.
Auch am Sonntag setzt sich die nordwestliche Strömung fort. Ein weiterer markanterer Trog sorgt vor allem im Norden und Nordosten für wechselhaftes und windiges Wetter mit Schauern und vereinzelten kurzen gewittern. Dabei treten dort starke bis stürmische, an der See und im Bergland auch Sturmböen auf. Im Süden und Südwesten dominiert dagegen weiterhin Hochdruckeinfluss mit überwiegend trockenem und freundlichem Wetter. Insgesamt verbleiben die Temperaturen auf einem für die Jahreszeit mäßig warmen Niveau.
Zu Beginn der neuen Woche gewinnt der Höhenrücken allmählich auch über Mitteleuropa an Einfluss. Der Hochdruckeinfluss nimmt von Südwesten her zu, wodurch sich das Wetter zunehmend beruhigt und die Niederschlagsneigung weiter zurückgeht. Gleichzeitig steigen die Temperaturen wieder an. Zunächst werden im Südwesten erneut sommerliche Werte um oder etwas über 30 Grad erreicht, während der Norden und Osten noch etwas länger unter dem Einfluss der nordwestlichen Strömung verbleiben.
Im weiteren Verlauf bis Donnerstag deutet das aktuelle IFS darauf hin, dass sich der Höhenrücken langsam nach Mitteleuropa ausdehnt. Damit setzt sich verbreitet ruhiges und überwiegend trockenes Sommerwetter durch. Im Südwesten sind erneut heiße Tage möglich, eine flächendeckende oder länger andauernde Hitzelage wie zu Beginn der Vorwoche wird nach derzeitigem Stand jedoch noch nicht gestützt. Insgesamt bestehen für den Zeitraum ab der neuen Woche weiterhin größere Unsicherheiten hinsichtlich der Stärke des Hochdruckeinflusses und der Persistenz der nordwestlichen Strömung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle IFS-Lauf zeigt bis einschließlich Donnerstag eine hohe Konsistenz zu den Vorläufen. Im Vergleich zum gestrigen 00-UTC-Lauf ergeben sich jedoch ab dem kommenden Wochenende deutliche Unterschiede in der großräumigen Strömung.
Deutschland liegt zunächst am Nordostrand eines mächtigen Höhenrückens mit Schwerpunkt über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik. Daraus resultiert eine nordwestliche Strömung. Am Donnerstag schwenkt ein Kurzwellentrog über Deutschland hinweg. Nach dem gestrigen 00-UTC-Lauf hätte sich der Höhenrücken anschließend rasch nach Mitteleuropa ausgedehnt und für eine nachhaltige Wetterberuhigung gesorgt.
Der aktuelle 00-UTC-Lauf fällt dagegen deutlich zyklonaler aus. Nach Trogdurchgang folgen weitere Kurzwellentröge, sodass sich die nordwestliche Strömung bis in das Wochenende hinein behauptet. Dadurch gestaltet sich das Wetter insbesondere im Norden und in der Mitte wechselhafter, etwas kühler und vor allem windiger als noch in den gestrigen Modellläufen.
Erst zu Beginn der neuen Woche, voraussichtlich ab Dienstag, gewinnt der Höhenrücken von Südwesten her wieder an Einfluss. Damit würde sich der Hochdruckeinfluss verstärken, das Wetter zunehmend beruhigen und die Temperaturen insbesondere im Südwesten wieder ansteigen.
Insgesamt ist die Entwicklung ab dem kommenden Wochenende somit weiterhin mit größeren Unsicherheiten behaftet. Offen bleibt insbesondere, ob sich der antizyklonale Einfluss früher durchsetzt und eine erneute Erwärmung einleitet oder ob sich die zyklonal geprägte nordwestliche Strömung länger behauptet und damit eine eher frische, windige und wechselhafte Witterung anhält.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch im Vergleich mit den anderen Globalmodellen ergibt sich ab dem kommenden Wochenende ein heterogenes Bild. Zwar stimmen die Modelle hinsichtlich der großräumigen Zirkulation weitgehend überein. So etabliert sich ein kräftiger Höhenrücken über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik, während Deutschland an dessen Nordostrand in einer nordwestlichen Strömung verbleibt.
Deutliche Unterschiede bestehen jedoch hinsichtlich der Amplitude des Troges über dem Nordmeer beziehungsweise Skandinavien und damit des Ausmaßes des Hochdruckeinflusses über Mitteleuropa. ICON favorisiert eine deutlich zyklonalere Lösung mit einer stärkeren Austrogung bis nach Osteuropa beziehungsweise in den Baltikumraum. In diesem Szenario würde die nordwestliche Strömung über Deutschland länger bestehen bleiben und entsprechend kühleres, wechselhafteres sowie zeitweise windiges Wetter begünstigen.
Demgegenüber simuliert GFS eine raschere Ausdehnung des Höhenrückens nach Mitteleuropa. Dadurch würde sich der Hochdruckeinfluss früher durchsetzen und eine Wetterberuhigung mit steigenden Temperaturen einleiten.
Damit bleibt die Entwicklung ab dem kommenden Wochenende weiterhin unsicher. Offen ist insbesondere, ob sich die zyklonal geprägte Nordwestlage noch einige Tage behauptet oder der antizyklonale Einfluss rascher die Oberhand gewinnt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse zeigt im ersten Zeitschritt ein blockierendes Hoch über dem nahen Ostatlantik beziehungsweise über Südwesteuropa. Dem steht tiefer Luftdruck über Nordeuropa, etwa zwischen Island und Skandinavien, gegenüber. Für Deutschland ergibt sich daraus eine Randlage am Nordostrand des Höhenrückens unter einer mehr oder weniger zyklonal geprägten nordwestlichen Höhenströmung. Alle fünf Cluster zeigen dabei ein vergleichbares großräumiges Muster.
Im zweiten Zeitschritt wölbt sich der Höhenrücken weiter nach Norden in Richtung Britische Inseln auf. Gleichzeitig kann sich über Skandinavien und dem Baltikum eine Austrogung etablieren. Deutschland liegt damit im Übergangsbereich zwischen antizyklonalem Einfluss von Westen beziehungsweise Südwesten und zyklonalem Einfluss von Nordosten. Je nach genauer Lage und Ausprägung von Rücken und Trog überwiegt entweder ruhigeres, trockeneres und wärmeres Wetter oder eine eher wechselhafte, mäßig warme und zeitweise windige Nordwest- bis Nordströmung. Vier Cluster zeigen hierbei ein ähnliches Grundmuster.
In der erweiterten Mittelfrist verteilen sich die Lösungen auf drei Cluster. Cluster 1 lässt den Höhenrücken abflachen, wodurch die Strömung insgesamt glatter und weniger meridional konturiert wäre. Cluster 2, in dem sich auch der Kontrolllauf befindet, verlagert den Rücken näher nach Mitteleuropa. Damit wäre eine zunehmende Wetterberuhigung sowie eine Rückkehr zu sommerlich warmem bis heißem Wetter wahrscheinlich, ohne dass sich derzeit eine extreme Hitzelage ableiten lässt. Cluster 3 hält den Rücken dagegen weiter westlich. Deutschland läge dann stärker unter dem Einfluss eines Troges über Osteuropa in einer nördlichen Strömung. In diesem Szenario wäre keine Rückkehr der Hitze zu erwarten; vielmehr bliebe es mäßig warm und zeitweise wechselhaft.
Die Rauchfahnen zeigen bis etwa zum Ende der Woche eine vergleichsweise geringe Streuung und damit eine hohe Vorhersagegüte. Sowohl bei der 850-hPa-Temperatur als auch beim Geopotenzial setzt sich zunächst der markante Temperaturrückgang beziehungsweise Geopotenzialabfall bis zum Wochenende robust durch. Dabei fällt der Rückgang im Nordosten aufgrund des stärkeren Einflusses der nordwestlichen Strömung deutlicher aus als im Südwesten.
Ab dem Wochenende nimmt der Ensemble-Spread sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotenzial deutlich zu. Im Nordosten liegt der Hauptlauf zunächst am unteren Rand des Ensembles und zeigt erst ab Dienstag der kommenden Woche wieder einen Temperaturanstieg. Im Südwesten befindet sich der Hauptlauf dagegen am oberen Rand der Ensembleverteilung und lässt die Temperaturen bereits früher wieder ansteigen. Dies spiegelt die Unsicherheit hinsichtlich der Stärke und des zeitlichen Übergreifens des Hochdruckeinflusses nach Mitteleuropa wider.
Die Niederschlagssignale bleiben über den gesamten Zeitraum vorhanden und sprechen insbesondere im Norden und Nordosten für eine anhaltend wechselhafte Witterung. Im Südwesten sind die Signale dagegen deutlich schwächer und stützen die dort überwiegend trockene Wetterentwicklung.
Fazit: Die Abkühlung bis zum Wochenende gilt als gut abgesichert. Danach nimmt die Vorhersageunsicherheit deutlich zu. Während sich im Südwesten der Hochdruckeinfluss mit einer allmählichen Erwärmung voraussichtlich früher durchsetzt, bleibt der Norden und Nordosten zunächst unter dem Einfluss einer zyklonal geprägten nordwestlichen Strömung mit zeitweise wechselhaftem und windigem Wetter. Ob sich in der neuen Woche deutschlandweit wieder sommerlich warmes bis heißes Wetter einstellt oder die kühlere Witterung im Norden länger anhält, ist derzeit noch offen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Als markantes Ereignis in der Mittelfrist ist hauptsächlich der Wind. Vor allem im Norden und Osten treten von Donnerstag bis Sonntag wiederholt mit kurzen Unterbrechungen starke bis stürmischen Böen um 60 km/h (Bft 7), an der See und in den Kammlagen der nördlichen und der östlichen Mittelgebirge und auf den Alpengipfeln Sturmböen um 75 km/h (Bft 9) aus Nordwest auf.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





