Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 12.02.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Ws, Übergang zu TrM
Heute nur im äußersten Norden recht kalt und etwas Schnee, sonst sehr mild und feucht.
Bis Freitagvormittag in einigen Mittelgebirgsregionen Südwest- und Süddeutschlands noch Dauerregen bzw. Tauwetter.
Heute in der Südhälfte exponiert stürmische Böen, in Gipfellagen Sturm- bis orkanartige Böen, kommende Nacht langsam abnehmend. Ab Freitag von Norden allgemein kälter, vor allem ab Samstagabend an den Alpen teilweise markante Neuschneemengen.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... reicht die Frontalzone nach wie vor auf recht südlicher Position über den Bereich der Azoren und die Iberische Halbinsel hinweg bis in den westlichen Mittelmeerraum bzw. nach Nordafrika. An deren Nordflanke hat sich über dem Vorhersagegebiet eine südliche Westlage eingestellt, wobei eine von den Britischen Inseln über Norddeutschland bis nach Nordostpolen recht kalte Luft aus Nordeuropa, die nach wie vor auch für den äußersten Norden und Nordosten Deutschlands wetterbestimmend ist, von sehr milder und feuchter Atlantikluft trennt, die von Westen her in den Großteil des Vorhersagegebietes gelangt. Dabei gelangte bereits am gestrigen späten Nachmittag/Abend das Bodentief "ULRIKE" unter dem linken Ausgangsbereich des Jetstreams auf die entwicklungstechnisch günstige Vorderseite eines sich von Westen annähernden markanten Kurzwellentroges und konnte sich zu einem ausgewachsenen Sturmwirbel entwickeln. Den Höhepunkt seiner Entwicklung erreichte es im Laufe der zweiten Hälfte der vergangenen Nacht mit einem Kerndruck von etwa 972 hPa über dem äußersten Norden/Nordwesten Frankreichs, befindet sich aktuell bereits über dem belgisch-deutschen Grenzgebiet und zieht von dort aus über die Mitte des Landes ostnordostwärts Richtung Tiefdruckrinne, die dadurch ein wenig nach Süden gedrückt wird. Abends erreicht das Tief Brandenburg, wobei es sich nach wie vor nur langsam auffüllt.
Gekoppelt an einen scharfen Bodentrog, hat an dessen Südwestflanke ein ausgeprägtes Sturmfeld Südwest- und Südfrankreich in der vergangenen Nacht voll erfasst, dort gab es verbreitet schwere Sturm- bis Orkanböen. Hierzulande geht es glücklicherweise deutlich ruhiger vonstatten, da inzwischen mit dem Vorstoß des Kurzwellentroges ins westliche Mittelmeer über dem Golf von Genua eine Zyklogenese eingeleitet wurde. Dieses Tief ("ULRIKE II") zieht bis zum Abend weiter Richtung Adria, und mit dieser Entwicklung ging bzw. geht auch eine Auffächerung des Gradienten an der Südflanke von "ULRIKE I" einher. Somit erreicht das Wind- bzw. Sturmfeld im Tagesverlauf die Südhälfte Deutschlands in nur noch deutlich abgeschwächter Form. In den Niederungen gibt es im Tagesverlauf von West nach Ost verbreitet steife, in freien Lagen stürmische Böen aus West bis Südwest, exponiert, vor allem im südlichen Alpenvorland (durch den Leitplankeneffekt), können auch Sturmböen auftreten. In den Kamm- und Gipfellagen muss mit Sturmböen gerechnet werden, auf den Schwarzwald- und höheren Alpengipfeln mit schweren Sturm- bis Orkanböen. Im Laufe des späten Nachmittags, des Abends und eingangs der Nacht erfasst das Windfeld dann auch noch die östliche Mitte und greift von dort aus etwas weiter nach Norden aus, ehe der Wind dann von Westen her wieder abflaut.
Im Vorfeld des Tiefs hat ein okkludiertes Frontensystem mit vor allem präfrontal auftretenden Regenfällen inzwischen den Süden und Westen des Landes überquert und kommt nur noch langsam nordostwärts voran, wobei die Front in eine vorlaufende, in die Tiefdruckrinne eingebettete Warmfront über Norddeutschland läuft. Somit kommen die Niederschläge rasch auch bis in den äußersten Norden des Landes voran. Während südlich der Tiefdruckrinne bei 850 hPa-Temperaturen zwischen 0 und 3 Grad nach wie vor milde Atlantikluft in den Großteil des Landes gelangt, bleiben der äußerste Norden und Nordosten nach wie vor im Zustrom kälterer Luftmassen aus Nordeuropa. Zwar kommt die milde Luft mit Passage des Tiefs kurzzeitig noch ein wenig nach Norden voran, dennoch fallen die Niederschläge zumindest im Norden und Nordosten Schleswig-Holsteins durchwegs als Schnee, zum Abend hin geht der Regen dann auch etwas weiter südlich, bis ins nördliche Vorpommern in Schnee über. Die Mengen bleiben übersichtlich, dennoch können bei Temperaturen um den Gefrierpunkt einige Zentimeter Neuschnee fallen, bei vorübergehend stärkerer Intensität vielleicht auch um die 5 cm oder knapp darüber, am ehesten wohl von der Flensburger Börde bis nach Eckernförde. Ansonsten fällt Regen, und südlich der Luftmassengrenze taut es nach wie vor bis in die höchsten Mittelgebirgslagen. Vor allem mit Durchschwenken des Bodentroges geht zudem noch eine vorübergehende Intensivierung der schauerartigen Niederschläge einher, für kurze Gewitter dürfte es aber wohl nicht reichen. Auch in der Nacht regnet es noch vielerorts weiter, dann allerdings mit abnehmender Intensität. Während im Lee der Mittelgebirge bis Freitagfrüh kaum mehr als 5 l/m² zusammenkommen, fallen sonst 5 bis 15 l/m², in einigen Staulagen bis 25 l/m², im Südschwarzwald in exponierten Staulagen nochmals bis an die 40 l/m². Zusammen mit der noch abtauenden Restschneedecke werden somit in einigen Mittelgebirgen die Warnschwellen für Dauerregen bzw. Tauwetter nach wie vor überschritten, wobei mehr oder weniger nur noch Warnungen vor Dauerregen Sinn machen, da, außer vielleicht im Bayerwald, der Schnee inzwischen weitgehend abgeschmolzen ist.
Während die Temperaturen im Norden und Nordosten Maxima zwischen 0 und +4 Grad erreichen, bleibt es im Rest des Landes mild bis sehr mild mit Höchstwerten zwischen 7 und 12, stellenweise 13 Grad.
Anzusprechen bleibt noch der Wind an der Nordflanke der Rinne. Dort weht er aus Ost bis Nordost, frischt noch etwas auf und erreicht an windexponierten Küstenabschnitten in Böen warnrelevante Bft 7.
In der Nacht zum Freitag überquert der Kurzwellentrog den Norden und die Mitte Deutschland ostwärts und unmittelbar vorderseitig zieht Tief "ULRIKE" bis Freitagfrüh nach Nordostpolen, wobei es sich nur langsam auffüllt. Auf deren Rückseite kommt die Tiefdruckrinne über Norddeutschland zwar etwas nach Süden voran, wird aber durch ein weiteres Tief, das sich morgens in etwa vor der walisischen Küste befindet, in ihrer Südverlagerung eingebremst. Morgens reicht sie in etwa vom Westmünsterland bis zur Uckermark. Nördlich davon verstärkt sich niedertroposphärisch die Kaltluftadvektion deutlich, die Temperatur in 850 hPa sinkt auf Werte zwischen -7 Grad an der dänischen grenze und -3 Grad im Bereich der Rinne. Somit gehen die Niederschläge in der Norddeutschen Tiefebene von Nord nach Süd in Schnee über, klingen allerdings auch langsam ab. Somit kommen wohl kaum mehr als 1 bis 5 cm Neuschnee zusammen, teilweise reicht es auch nur für Glätte durch Schneematsch.
Im Rest des Landes fällt, wie bereits weiter oben erwähnt, allgemein Regen, wobei es vor allem im Lee einiger Mittelgebirge zunehmend abtrocknet. Die 850 hPa-Temperatur geht nach Passage des Troges auch in der Mitte und im Süden auf knapp unter 0 Grad zurück, so dass auf den höchsten Mittelgebirgsgipfeln und an den Alpen oberhalb von etwa 1000 bis 1200 m wieder Schnee fällt. Anzusprechen bleibt noch der Wind. Der schwächt sich in der Südhälfte nur langsam von Westen her ab, in freien Lagen kann es noch bis weit in die Nacht hinein steife Böen aus West geben, in den Gipfellagen gibt es weiterhin Sturm- und schwere Sturmböen, exponiert auch orkanartige Böen. An den Küsten von Nord- und Ostsee muss mit steifen Böen aus Nordost gerechnet werden. Im Norden sinkt die Temperatur vielerorts in den leichten Frostbereich und neben etwas Neuschnee kann dort auch Glätte durch Überfrieren auftreten. Sonst bleibt es noch frostfrei mit Minima zwischen 7 und 2 Grad.
Freitag... schwenkt ein weiterer Randtrog Richtung Frankreich, Iberische Halbinsel und westliches Mittelmeer, darin eingebettet, erreicht ein kurzwelliger Troganteil abends den Westausgang des Ärmelkanals bzw. die Bretagne. Somit stellt sich über dem Vorhersagegebiet eine leicht flatternde westliche Höhenströmung ein.
Tief "ULRIKE" zieht weiter Richtung Baltikum, während sich das Bodentief vor der walisischen Küste - eigentlich ist es ein Dipol mit weiterem Kern westlich der Biskaya - bis zum Abend nach Zentralfrankreich verlagert. Somit kann nun auch die Tiefdruckrinne über dem Vorhersagegebiet langsam weiter nach Süden vorankommen, füllt sich zwar langsam auf und erreicht abends aber noch die südliche Mitte (etwa Saarland-Main-Erzgebirge). Rückseitig folgt die Kaltluft aus Nordeuropa mit -3 bis -7 Grad in 850 hPa, während über Süddeutschland die 850 hPa-Temperatur vorderseitig des nach Frankreich ziehenden Tiefs wieder auf knapp über 0 Grad steigt.
Zwischen dem abziehenden Tief über dem Baltikum und dem sich nähernden Tief über Frankreich verliert die Luftmassengrenze vorübergehend an Wetteraktivität und die Niederschläge klingen weiter ab. In der kalten Luft über Norddeutschland bleibt es im Tagesverlauf meist trocken, in der Mitte gehen die leichten Regenfälle in Schnee über, wobei es vor allem vom südwestlichen über das mittlere Niedersachsen und das nördliche NRW bis nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg hier und da etwas Neuschnee geben kann, meist aber weniger als 5 cm, lediglich im Weserbergland und im Harz können es etwas mehr sein. Auch weiter südlich kommt nicht mehr viel an Regen zusammen, so dass die Dauerregenwarnungen vormittags auslaufen können. Vor allem an den Alpen und im Alpenvorland bleibt es meist trocken und dort kann sich auch zeitweise die Sonne durchsetzen, ebenso vielleicht am Nachmittag auch an der Ostsee. Der Wind flaut weiter ab und ist im Tagesverlauf auch in den Gipfellagen nicht mehr warnrelevant.
Während die Höchsttemperaturen in der Nordhälfte meist Werte zwischen 0 und 3 Grad erreichen und auch in der Mitte im Tagesverlauf auf unter 5 Grad sinken, wird es vor allem südlich von Main und Mosel nochmals sehr mild mit Maxima zwischen 7 und 12 Grad.
In der Nacht zum Samstag kommt der Kurzwellentrog über Frankreich südostwärts voran und tropft schließlich über dem Löwengolf bzw. Golf von Genua ab. Im Zuge dieses Prozesses entwickelt sich irgendwo im Bereich Sardinien bzw. Korsika erneut ein veritables Sturmtief, es bleibt also bis auf Weiteres sehr unruhig im Mittelmeerraum.
Das nördliche Trogresiduum kommt allmählich Richtung Vorhersagegebiet voran. Das Bodentief über Frankreich füllt sich im Zuge der Zyklogenese weiter südlich zwar langsam auf, zieht aber noch Richtung Westalpen. Somit kommt auch die Luftmassengrenze über dem Vorhersagegebiet zunächst nicht weiter nach Süden voran. An deren Nordflanke fällt in der Mitte und in der Osthälfte noch etwas Schnee, mehr als 1 bis 5 cm kommen aber kaum zusammen, im Norden und Westen bleibt es weitestgehend trocken. An der Nordflanke des zu den Westalpen ziehenden Tiefs greifen allerdings weitere Niederschläge auf den äußersten Westen des Landes über (am ehesten Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordbaden), die dort auch teilweise bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Die räumliche Verteilung und Intensität der Niederschläge sind aber noch unsicher. Ansonsten bleibt es aber im Süden und Südosten überwiegend trocken und vor allem im Südosten Bayerns auch aufgelockert, teils gering bewölkt. Dort kann sich dann örtlich Nebel bilden und auch leichten Frost geben. Verbreitet frostig wird es dagegen in der Mitte und im Norden, bei aufgelockerter Bewölkung kann es ganz im Norden auch mäßigen Frost geben. Im Südwesten bis in die südliche Mitte bleibt es dagegen frostfrei. Der Wind legt zwar mit dem in die Westalpen ziehenden Tief vor allem in der Mitte aus Nordost wieder zu, erreicht aber höchstens in einigen Gipfellagen in Böen Bft 8.
Samstag... wird das weiterhin nur langsam auf Mitteleuropa übergreifende Höhentrogresiduum durch rückseitig einlaufende Höhenkaltluft bzw. kurzwellige Troganteile wieder regeneriert. Die Trogachse erfasst abends grade so den Westen und Norden Deutschlands, somit bleiben der Süden und Südosten vorderseitig unterhalb einer südwestlichen Höhenströmung, die sich noch etwas verstärken kann.
Das Bodentief über den Westalpen füllt sich vollends auf, das Sturmtief bei Sardinien zieht allmählich Richtung Mittelitalien und gleichzeitig kann sich ein von der Biskaya über das westliche Mitteleuropa und die Nordsee bis nach Südschweden reichender flacher Bodenhochkeil etwas verstärken. Entsprechend stellt sich an dessen Südostflanke vor allem über dem Süden und Osten des Vorhersagegebietes eine recht veritable Gegenstromlage mit nordöstlicher Bodenströmung ein, wobei es in einigen Mittelgebirgskammlagen dort für steife, auf den Alpengipfeln später eventuell für stürmische Böen reicht. Die kalte Luft sickert bodennah nun rasch Richtung Südostbayern und Alpenrand, wobei sich die Kaltluftadvektion niedertroposphärisch noch verstärkt. Abends liegen die 850 hPa-Werte lediglich über Bayern und dem südöstlichen BaWü noch über -5 Grad, sonst verbreitet zwischen -5 und -10 Grad. Durch den Gegenstrom und Aufgleiten setzen zudem im Südwesten und in der Mitte des Landes verbreitet Niederschläge ein, die, abgesehen von den tiefen Lagen Bayerns und vielleicht auch vom Oberrhein, Hochrhein und Bodensee allgemein in Schnee übergehen. Im Schwarzwald werden dabei 5 bis über 10 l/m² simuliert, so dass dort bis zum Abend gebietsweise um 10 cm oder mehr Neuschnee zusammenkommen, sonst sind es meist 1 bis 5 cm und nur stellenweise mehr.
Im Norden und Westen bleibt es dagegen trocken und aufgelockert bewölkt, im Nordseeumfeld auch länger sonnig. Vielerorts gibt es dort leichten Dauerfrost, ebenso wie im Bergland, während im Süden nochmals Höchstwerte von teilweise über 5 Grad erreicht werden.
In der Nacht zum Sonntag zieht der Höhentrog mit seiner Achse langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts. Der Bodenhochkeil kann sich - gestützt durch einen nachfolgenden kurzwelligen Höhenkeil, der morgens die Nordsee erreicht, noch etwas verstärken und erstreckt sich morgens über die Landesmitte hinweg nordostwärts. Somit ziehen sich die Niederschläge in den Südosten des Landes zurück und gehen auch dort allgemein in Schnee über. Vor allem an den Alpen und im Alpenvorland fallen markante Mengen von über 10 cm, teilweise um 15 cm in 12 Stunden, sonst bleibt es zumeist bei eher geringen Mengen zwischen 1 und 5 cm, stellenweise mehr.
Im Norden und Westen sowie in den mittleren Landesteilen bleibt es dagegen trocken und die Wolken lockern weiter auf. Verbreitet gibt es dort leichten bis mäßigen, bei Aufklaren im Nordosten kleinräumig eventuell sogar strengen Frost. Auch im Südosten sinken die Temperaturen in den Frostbereich.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs. Kleinere Differenzen gibt es bzgl. der simulierten Niederschläge, die aber teilweise auch der Modellauflösung geschuldet sind. Die Warnungen für Dauerregen laufen erst einmal weiter, die Tauwetter-Unwetterwarnung für den Südschwarzwald kann heute Mittag auslaufen, auch für die Tauwetterwarnungen in Franken empfiehlt sich mangels Schnee eine vorzeitige Aufhebung bereits am Nachmittag/Abend.
Etwas größer werden die Differenzen bzgl. der Niederschläge dann am Samstag/Nacht zum Sonntag.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 12.02.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig, mit wiederholten teils länger andauernden Niederschlägen, im Norden nasskalt, im Süden zeitweise milder
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 19.02.2026
Im ab Sonntag beginnenden Mittelfristzeitraum dominiert ein Langwellentrog über dem Nordostatlantik und Skandinavien das Wettergeschehen in Mitteleuropa. An seiner Südflanke laufen Randtröge südostwärts nach Ost- und Südosteuropa. In Deutschland dominiert Tiefdruckeinfluss, Hochdruckeinfluss findet allenfalls in der Form von Zwischenhochs statt.
Am Sonntag verlässt ein Randtrog Deutschland rasch ostwärts. Es folgt ein flacher Rücken nach, der am Boden ein Hochdruckgebiet stützt, das bis zum Abend seinen Schwerpunkt bereits nach Nordostpolen verlagert. Dann kommt Deutschland auf die Vorderseite eines Troges über den Britischen Inseln, der Montagfrüh Westdeutschland erreicht. Die zuvor eingeflossene polare Meereskaltluft mit -6 bis -14 Grad in 850 hPa wird in der Nacht zum Montag ostwärts verdrängt und durch mildere Meeresluft (-1 bis -7 Grad) größtenteils ersetzt. Schneefälle im Süden ziehen sich an die Alpen zurück und klingen ab. Neue Niederschläge im Zusammenhang mit einer Okklusion eines Tiefs bei Schottland erreichen am Abend den äußersten Westen Deutschlands und breiten sich in der Nacht zum Montag ostwärts. Im Nordosten und Osten bleibt es noch trocken. Anfangs fällt verbreitet Schnee, dieser geht im Westen und Südwesten in Regen über.
Am Montag und in der Nacht zum Dienstag schwenkt der Trog unter Verlängerung seiner Amplitude ostwärts und erstreckt sich Dienstagfrüh von der Nordsee bis zur Adria. Das angesprochene Tief bei Schottland zieht zum Nordteil der Nordsee, die dazugehörige Okklusion kommt über dem Süden relativ rasch, nach Norden dagegen nur langsam ost- bzw. nordostwärts voran. Die Temperaturen in 850 hPa liegen anfangs zwischen -7 Grad im Nordosten und -1 Grad im Südwesten Deutschlands. Bis Dienstagfrüh liegen sie verbreitet um -5 Grad. Bodennah wird vorderseitig der Okklusion im Norden und Osten mit östlicher Strömung Kaltluft advehiert. Niederschläge fallen dort überwiegend in der festen Phase. Im Süden und Westen dominiert in tiefen Lagen die flüssige Phase. Im Übergangsbreich kann gefrierender Regen nicht ausgeschlossen werden. Durch die Labilisierung des Troges sind im Südwesten einzelne Gewitter, teils mit Graupel wahrscheinlich. Zudem frischt im süddeutschen Bergland der westliche Wind kräftig bis stürmisch auf.
Am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch schwenkt der Trog vor allem im Südteil ostwärts und erstreckt sich Mittwochfrüh von der Nordsee nach Rumänien. Die Strömung über Deutschland wird zunehmend zonal. Gleichzeitig verlagert sich das Nordseetief nach Dänemark. Die Okklusion kommt damit zögernd bis zur Ostsee voran und löst sich auf. Über dem Südwesten Deutschlands stützt ein flacher Rücken ein schwaches Bodenhoch, das rasch ostwärts wandert. Ein an die Frontalzone gekoppeltes Tief erreicht in der Nacht zum Mittwoch Frankreich und zieht Mittwochfrüh zu den Vogesen. In 850 hPa liegen die Temperaturen zwischen -7 und -4, im Südwesten steigen bis Mittwochfrüh auf Werte um 0 Grad. Verbreitet kommt es mit nachlassender Tendenz zu Niederschlägen. Ab mittleren Lagen und im Nordosten fallen diese meist als Schnee. In der Südwesthälfte setzen mit dem Frankreichtief mäßige, skalige Niederschläge ein, die teils als Schnee teils als Regen niedergehen.
Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag ist die Strömung in 500 hPa stark zonal geprägt. Der Jet in 300 hPa verläuft über Süddeutschland. Das Tief über Dänemark zieht unter Abschwächung langsam ostwärts. Das Tief bei den Vogesen zieht unter Abschwächung rasch ostwärts. In der Nacht zum Donnerstag erreicht ein neues Tief von Westen die Bretagne, Deutschland gelangt zunehmend auf dessen Vorderseite. Im Norden liegt die Temperatur in 850 hPa zwischen -8 und -5, im Süden um 0 Grad. Im Norden gibt es örtlich Schauer, meist in fester Phase. In der Südhälfte gibt es länger andauernde, teils mäßige Niederschläge, meist als Regen, am Nordrand des Niederschlagsgebiets teils bis in tiefe Lagen als Schnee. Im Süden frischt der südwestliche Wind im Bergland teils stürmisch auf.
Am Donnerstag bleibt die Strömung in der Höhe über Deutschland sehr zonal geprägt. Das Tief über Frankreich zieht über die Mitte Deutschlands ostwärts. Dementsprechend bleibt der Norden Deutschlands in polarer Meereskaltluft zwischen -10 und -5 Grad in 850 hPa, währen der Süden mit milder Meeresluft zwischen 0 und +3 Grad geflutet wird. Rückseitig fließt in der Nacht zum Freitag auch im Süden die polare Meereskaltluft aus Norden ein. Bis auf Teile des Nordens kommt es zu teils anhaltenden Niederschlägen. Im Süden fällt bis in höhere Lagen Regen, in der Mitte und im Norden im Übergang zur Kaltluft dagegen bis in tiefe Lagen Schnee.
Für die erweiterte Mittelfrist, sprich die zweite Wochenhälfte zeigt EZMW winterliches Wetter. In dieser Ausprägung ist der Hauptlauf aber ein Ausreißer.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist stimmt der aktuelle IFS-Lauf absolut mit dem gestrigen 0 UTC Lauf überein. Zum 12 UTC Lauf gibt es keine Konsistenz und mit der ist es ab Dienstag auch zum 0 UTC Lauf vorbei. So rechnet IFS nun ein kräftiges Tief über der Nordsee bzw. Dänemark statt eines einfachen (Rand-)Troges. Dafür ist das Tief, das sich auf die Britischen Inseln zu bewegt nun sehr viel schwächer und spaltet frühzeitig eine Zyklone über Frankreich ab. Dadurch ergibt sich in der Temperaturverteilung wieder ein Südwest-Nordost-Gefälle über Deutschland. Am Mittwoch wird die Strömung zonal, bevor am Donnerstag ein weiteres Tief Kurs auf Frankreich nimmt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Vergleich mit anderen Modellen ergibt ab Dienstag auch kein einheitliches Bild. Die Lage, Stärke und Zugbahn der Tiefdruckgebiete wird sehr unterschiedlich berechnet. Damit sind weder Temperatur, Niederschlagsmenge und -phase sowie Wind eindeutig prognostizierbar. Fest steht nur, dass Tiefdruckeinfluss die Mittelfrist bestimmt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Rauchfahnen:
Bis einschließlich Dienstag kommender Woche ist die Bündelung in 850 hPa noch recht eng. Nach einem Minimum am Sonntag findet deutschlandweit ein Anstieg um etwa 5 Grad zum Montag hin statt. Im Anschluss deutet sich eine leichte Abnahme der Temperatur an. Ab Dienstag nimmt die Streuung massiv zu, der Hauptlauf ist ab Freitag einer der kältesten des gesamten Ensembles.
Das Geopotenzial in 500 hPa zeigt bezüglich der Streuung ein ähnliches Bild. Ab Dienstag nehmen die Unsicherheiten deutlich zu. Wobei das Potenzial im Norden sehr wahrscheinlich niedriger bleibt als im Süden. Bis dahin gibt es am Sonntag ein Maximum und zu Wochenbeginn ein Minium, bevor vor allem im Süden ein leichter Anstieg zur Wochenmitte wahrscheinlich ist.
Die Ensembles von GFS schlagen in eine ähnliche Kerbe. Insbesondere ab Dienstag/Mittwoch nimmt die Unsicherheit deutlich zu.
Cluster:
Zu Beginn der Mittelfrist bis +96h (Montag 00 UTC) gibt es drei Cluster mit je 21, 20 und 10 Mitgliedern. Alle drei Cluster werden dem NAO+ Regime zugeordnet. Für Deutschland ergeben sich allerdings keine großen Unterschiede. Der Trogeinfluss ist in allen drei Clustern stark ausgeprägt.
Im Zeitraum bis +168 (Donnerstag 00 UTC) ergeben sich mit 6 Clustern die maximal mögliche Anzahl. Die Anzahl der Mitglieder reicht von 3 bis 11. Etwa zwei Drittel der Cluster gehören weiterhin dem NAO+ Regime an, etwa ein Drittel dem NAO- Regime. Trotz der vielen Cluster ergeben sich für Deutschlands nur Lösungen mit starkem Trogeinfluss. Unterschiede ergeben sich vor allem im Hinblick auf die Konturierung des Troges und die Frage ob und wie stark er nach Südosteuropa ausgreift.
Im Zeitraum bis +240h (Sonntag 00 UTC) ergeben sich dann drei etwa gleichgroße Cluster, die den Regimen NAO+, NAO- und Atlantischer Rücken zugeordnet sind. Neben der unterschiedlichen Stärke des Rückens westlich der Iberischen Halbinsel ergeben sich für Mitteleuropa vor allem Unterschiede in der Positionierung eines Troges über West- oder/und Mitteleuropa.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Das EFI zeigt am Montag für die Südhälfte teils deutliche Signale für den Parameter Niederschlag, in der Mitte und im Süden ebenfalls teils deutliche Signale für den Parameter Schneefall. An den Nachfolgenden Tagen werden die Signale jeweils schwächer.
Das EPS des EZMW zeigt gebietsweise schwache Signale für mehr als 10 l/qm als Schnee für Montag/Nacht zum Dienstag im Süden. Für das Allgäu zeigt das EPS hohe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 15 l/qm als Schnee in 24 Stunden und geringe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30 l/qm.
Im Schwarzwald gibt es geringe Signale für den gleichen Zeitraum für mehr als 30 l/qm Niederschlag.
Für die nachfolgenden Tage "verschmieren die Signale" zunehmend. Eine Aussage wird zunehmend schwierig, es gibt aber weiterhin schwache Signale für den Parameter Schnee und Niederschlag.
Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-MOS, zum Ende eher MOSMIX.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn / Thore Hansen





