Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 09.01.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Langsame Entschärfung der Sturm- und Unwetterlage durch Verwehungen. Allerdings noch zeitweise Schnee, im Schwarzwald ergiebig.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Aktuell ... haben wir den Höhepunkt der winterlichen Unwetterlage in weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands überschritten. Die Warnlage bleibt aber noch angespannt, insbesondere die Verwehungssituation im Norden und Nordwesten entspannt sich nur langsam.

Das verantwortliche Sturmtief ELLI wurde um 12 UTC mit einem Kerndruck von 979 hPa über dem Raum Nijmegen (Süd-Niederlande) analysiert. Vergangene Nacht hatte es im Bereich des Ärmelkanals noch einen minimalen Luftdruck von ca. 969 hPa, hat sich also bereits etwas abgeschwächt. Kein Wunder, denn das Tief wurde vom nachfolgenden Höhentrog bereits eingeholt. In der kommenden Nacht wird sich das Tief unter weiterer, deutlicher Abschwächung zur Mitte Deutschland südostwärts verlagern und nimmt dabei immer mehr eine ovale, fast rinnenartige Struktur an. Der Luftdruckgradient fächert sowohl ab der Nord- als auch an der Südflanke langsam aber sicher auf, womit sich auch der Wind nach und nach abschwächt.

An der Nordflanke weht er über der Nordhälfte natürlich aus östlichen Richtungen und erreicht in Böen anfangs noch recht verbreitet Stärke 6-7 Bft, am längsten im Nordwesten. An exponierten Abschnitten der Ostseeküste, vor allem aber an der Nordsee sowie im angrenzenden Binnenland sind stürmische Böen oder Sturmböen 8-9 Bft möglich, in Ostfriesland auch noch einzelne schwere Sturmböen 10 Bft. Die lockere Schneedecke (es fielen in einem Streifen vom Nordwesten bis in den Osten verbreitet 5-15 cm Neuschnee, lokal auch mehr) kann dadurch weiterhin verwehen, im Nordseeumfeld auch weiter mit unwetterartigen Auswirkungen. An der Südflanke kommt der Wind aus Südwest bis West und bringt vor allem dem Süden und Südwesten gebietsweise steife Böen 7 Bft, in höheren und freien Lagen stürmische Böen 8 Bft, auf Gipfeln je nach Höhenlage Sturm- bis orkanartige Böen (9-11 Bft).

Das frontale Niederschlagsband hat sich bereits vollständig, eigentlich sogar mehrfach um den Tiefkern gewickelt, eine Kaltfront ließ sich, typisch für das "Frontal Fracture" einer Shapiro-Keyser-Zyklone aber nicht mehr analysieren. Folglich kommt es verbreitet zu Niederschlägen, die sich langsam in die Südhälfte zurückziehen und deren Intensitäten sich in der Fläche eher abschwächen. An der Nordflanke des Tiefs fällt in der bodennah sehr kalten, stabil geschichteten Polarluft natürlich durchweg Schnee. Bis zum Morgen geht der Niederschlag auch bis zur Mainlinie bis in tiefe Lagen in Schnee über. Südlich des Tiefs hat zwar auch wieder KLA eingesetzt, die Luftmasse ist aber gut durchmischt, sodass die Schneefallgrenze bei T850 um -5 °C eher bei 300 bis 500 m anzusetzen ist und nur langsam weiter absinkt. In einem schmalen Übergangskorridor (über der Mitte) kann es über die Nacht hinweg immer wieder auch gefrierenden Regen geben, was aber aufgrund der Kleinräumigkeit eher markant zu bewarnen ist. Bezüglich der Neuschneemengen heben sich vor allem die Staulagen der westlichen und südwestlichen Mittelgebirge ab. Dort sind über 10 cm möglich, lokal auch mehr (markante Warnungen). Im Schwarzwald stellt sich gar ergiebiger Schneefall ein (Unwetter), der bis in die Nacht zum Sonntag anhält und zu Mengen von 20 bis 50 cm führt. Ähnliche Mengen sind bis Sonntagvormittag auch im Oberallgäu möglich. Verwehungen sind zumindest in der Nacht aufgrund der noch nicht so mächtigen und eher nassen Schneedecke aber eher noch kein Thema. Im übrigen Land werden meist nur 1-5 cm Neuschnee erwartet, wenn überhaupt, in den tiefsten Lagen im Süden und Südwesten bleibt es sogar teils schneefrei.

Ganz im Norden und Nordosten trocknet es im Nachtverlauf ab, örtlich lockert es auf, lediglich an der Küste sorgt ein schwacher "Lake-Effect" (hochreichende Kaltluft, aber noch zu starke Windscherung) für Schneeschauer und örtlich wenige Zentimeter Neuschnee.

Die Tiefstwerte liegen im Süden und Südwesten bei 4 bis 0 Grad in tiefen Lagen und 0 bis -5 Grad im Bergland. Ansonsten stellt sich (mit Ausnahme der Küsten) überall Frost ein bei Minima zwischen -1 und -7 Grad, im Osten örtlich bis knapp -10 Grad. Neben Schneeglätte kann es vereinzelt auf Glätte durch überfrierende Nässe geben.

Samstag ... verlagert sich das ehemalige Sturmtief ELLI unter weiterer Abschwächung über die südliche Mitte südostwärts. Im Schlepptau hat es einen Bodentrog, der abends den Alpenrand erreicht. Im Vorfeld weht der Wind im Süden und Südwesten (vom Schwarzwald bis zu den Alpen) noch lebhaft aus West mit gebietsweisen steifen Böen 7 Bft, in höheren Lagen stürmischen Böen 8 Bft, auf Gipfeln mit (schweren) Sturmböen 9-10 Bft. Auch an den Küsten muss noch mit steifen, exponiert stürmischen Böen 7-8 Bft aus Ost bis Nordost gerechnet werden. Allerdings zieht der Gradient vor allem im Nordwesten zügig auseinander, sodass der Wind dort nachlässt. Im Ostseeumfeld dauert es noch etwas länger mit der Abschwächung, da der Gradient zwischen einem Tief über Westrussland und einem Hoch über Skandinavien noch aufrechterhalten wird.

Mit dem insgesamt abnehmenden Wind nimmt auch die Verwehungsgefahr im Norden und Nordwesten ab. Die Unwetterwarnungen können schon in den Frühstunden auslaufen. Markanten Warnungen könnten in Verbindung mit Böen ab 6 Bft aber sicher noch bis zum Mittag gebietswiese eine Berechtigung haben.

Die mit dem Tief bzw. Bodentrog in Verbindung stehenden Niederschläge ziehen sich nach und nach in den Süden zurück und gehen dort mit fortschreitender, bodennaher KLA auch in den tiefsten Lagen in Schnee über. Mit Ausnahme des Schwarzwaldes und des Allgäus, wo es zu ergiebigen Stauschneefällen kommt (siehe oben), sind die Intensitäten eher schwach, sodass nicht allzu viel Neuschnee zu erwarten ist. Meist liegen sie im 12 -stündigen Zeitraum bei 1 bis 5 cm, im Bergland und an den Alpen vereinzelt auch mal bei 5 bis 10 cm.

An den Küsten gibt es anfangs einige Schneeschauer (schwacher Lake-Effect), die im Zuge eines kurzwelligen Troges im Tagesverlauf über der Norddeutschen Tiefebene nach Süden gesteuert werden. Aber auch diese bringen kaum nennenswerten Neuschnee, aber immerhin gebietsweise Glätte.

Vor und hinter dem Schauerband kann es über der Nordhälfte gebietsweise auflockern, sodass die Sonne gebietsweise zum Vorschein kommt. Nach Süden zu hat sie keine Chance.

Nördlicher einer Linie Eifel-Vogtland stellt sich Dauerfrost ein (0 bis -7 Grad, nur an der See teils frostfrei), südlich davon liegen die Höchstwerte zwischen 0 und 5 Grad.

In der Nacht zum Sonntag zieht der Langwellentrog nach Osten ab, sodass wir auf die Vorderseite eines Rückens über Westeuropa kommen. Dabei wird ein Zwischenhoch gestützt, dass sich nach Mitteleuropa vorarbeitet und als Brücke zwischen dem Azorenhoch und dem Hoch über Skandinavien fungiert. Der Osten wird allerdings zunächst noch von dem südwärts ziehenden kurzwelligen Troganteil und dem damit verbundenen Schauerband tangiert. Die Neuschneemengen bleiben gering, nur am Erzgebirge sind staubedingt ein paar Zentimeter drin. Auch an den Alpen staut es noch etwas und die Schneefälle halten an. Mit Ausnahme weniger exponierter Staulagen bewegen sich die Neuschneemengen aber im gelben Bereich. Ansonsten sorgt das einsetzende Absinken für nachlassende Niederschläge und zunehmendes Aufklaren. Nur gebietsweise hält sich tiefer Stratus.

Im Osten weht noch ein mäßiger Nord- bis Nordwestwind mit steifen Böen an der vorpommerschen Ostseeküste, ansonsten schläft der Wind mit dem übergreifenden Zwischenhoch ein und es kann kräftig auskühlen. Die Tiefstwerte liegen meist zwischen -6 und -12 Grad, unter klarem Himmel und über Schnee geht es stellenweise runter auf um oder knapp unter -15 Grad. Etwas milder ist es am Oberrhein und unmittelbar an der See.

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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC

Sonntag ... ergeben sich keine signifikanten Änderungen zur Frühübersicht. Während der Sonntag selbst ein Tag zum Durchschnaufen ist (Zwischenhocheinfluss), greift in der Nacht zum Montag das nächste atlantische Frontensystem von Westen her über und leitet die nächste warnintensive Phase ein. Die damit verbundenen Niederschläge gehen bei kräftiger WLA rasch von Schnee in Regen über, fallen aber in die bodennahe Frostluft und können verbreitet für Glatteis sorgen. Es besteht Unwettergefahr! Zudem frischt der auf Süd drehende Wind in Hoch- und Leelagen westlichen Mittelgebirge und an der Nordsee stark bis stürmisch auf. Die Osthälfte bleibt (noch) außen vor, allerdings dürften die Tiefstwerte von verbreitet unter -15, örtlich sogar um -20 Grad ebenfalls für Aufsehen sorgen.

Modellvergleich und -einschätzung

Prognose- und warnrelevanten Unterschiede zeigen sich erst ab der Nacht zum Montag. Es ist noch fraglich, wie schnell der Niederschlag nach Osten vorankommt und wie intensiv dieser ist. Damit steht und fällt natürlich auch die etwaige Unwetterlage durch Glatteis.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm