Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 03.08.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWa, Übergang zu SWz
Im Süden und in der Mitte durchgehend, am Dienstag vorübergehend auch im Norden heiß.
Heute vom Südwesten bis zur Mitte einzelne kräftige Gewitter, Unwetter möglich. Am Dienstag fast überall Gewitter möglich, Schwerpunkt (mit erhöhtem Unwetterpotenzial) im Nordosten, am Mittwoch vor allem im Südosten noch Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... befindet sich Deutschland an der Südflanke eines breiten, von der Barentssee über Nordskandinavien südwestwärts bis ins Seegebiet westlich von Schottland reichenden Höhentroges unterhalb einer südwestlichen Höhenströmung. Darin eingebettet, verlagert sich ein kurzwelliger Randtrog langsam über die Biskaya hinweg ostwärts, wobei er gleichzeitig Richtung Pyrenäen amplifiziert und dort letztendlich auch im Laufe der kommenden Nacht als kleines Höhentief abgeschnürt wird. Somit steilt die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein wenig auf und bekommt vorübergehend eine leicht antizyklonale Kontur. Im Bodenfeld dominiert nach wie vor ein schwachgradientiges Druckfeld. Das aktuell für uns wetterbestimmende Hochdruckgebiet "PYTHAGORAS" über Polen und dem Baltikum zieht sich langsam ein wenig nach Nordosten zurück und vorderseitig des Randtroges kann sich von Frankreich her eine flache Tiefdruckrinne in den Westen und Süden Deutschlands ausweiten. Niedertroposphärisch dreht die Strömung mehr auf Süd und macht den Weg frei für heiße Subtropikluft, die bereits den Südwesten des Landes erreicht hat und im Tagesverlauf weiter nordostwärts vorankommt. Bis zum Abend steigt T850 hPa auf Werte zwischen 11 Grad auf Rügen, 20 Grad in der Mitte und bis knapp 24 Grad im äußersten Süden. Entsprechend blieb die vergangene Nacht insbesondere an Ober- und Hochrhein sowie vom Saarland bis zur Pfalz bereits unangenehm warm mit Minima teils deutlich über 20 Grad. Aktuell ziehen über den Südwesten dichtere Wolkenfelder hinweg, die wohl einem ehemaligen Gewittersystem geschuldet sind und aus dem es gebietsweise sogar noch etwas regnet. Im Vormittagsverlauf lockern die Wolken zwar mehr und mehr auf, dennoch könnte sich dieser ehemalige Cluster als "Brutstätte" für erste Neuentwicklungen um die Mittagszeit erweisen. Die Luftmasse ist im Bereich der Tiefdruckrinne zunehmend labil geschichtet, der Gehalt niederschlagbaren Wassers steigt bis in die mittleren Landesteile auf über 30, kleinräumig im Bereich lokaler Feuchteflusskonvergenzen auf über 35 mm und es können 500 bis 1000, kleinräumig auch über 1500 J/kg Cape generiert werden. Die Luftmasse ist nur schwach gedeckelt, und im Tagesverlauf etabliert sich vor allem über Süddeutschland einmal mehr eine bis etwa 700 hPa reichende Mischungsschicht, gut erkennbar auch in den Prognosetemps mit klassischem "inverted-V"-Muster und simulierter D-Cape von gebietsweise über 1000 J/kg am Nachmittag. Ein dynamischer Trigger für Auslöse fehlt, entsprechend muss also wieder die Orographie im Zusammenspiel mit dem ehemaligen Cluster herhalten. Darauf springen auch die Konvektion erlaubenden Modelle an: Sowohl I-D2 als auch I-RUC simulieren die ersten Entwicklungen am frühen Nachmittag im südlichen Baden-Württemberg südlich der Alb. Bei nur schwachen, lediglich durch die Orographie getriggert regional vielleicht auch etwas günstigeren Scherungsbedingungen ist von relativ unorganisierten Multizellensystemen auszugehen, die sich langsam nordostwärts vorarbeiten. Weitere Schwerpunkte konvektiver Aktivität zeigen die Modelle eigentlich recht unisono von Nordostfrankreich auf das Saarland und die Pfalz übergreifend und an den Alpen, insbesondere im Allgäu. Ob es eventuell auch im zentralen Mittelgebirgsraum bis zum Harz zum späten Nachmittag bzw. Abend hin zur Auslöse reicht, ist noch unklar. Dort ist der Deckel ausgeprägter, allerdings simuliert I-D2 einen kurzwelligen Troganteil (inkl. schwachem IPV-Maximum) der dort als Trigger dienen könnte.
Als Begleiterscheinungen stehen vor allem der Starkregen, aber auch der Wind im Fokus. Unwetterschwellen bzgl. des Starkregens werden bei den stärkeren Entwicklungen rasch überschritten. Auch, wenn die vom I-D2 sehr kleinräumig simulierten Böen deutlich über 100 km/h, punktuell sogar über 120 km/h etwas hoch gegriffen erscheinen, angesichts der hohen D-Cape sollte man 100 km/h und vielleicht etwas mehr auf jeden Fall ins Kalkül ziehen, zumindest im Südwesten. Hagel ist natürlich ebenfalls mit von der Partie, bei ganz frischen Entwicklungen vielleicht auch mal mit mehr als 2 cm Korngröße. In den Norden und Osten strömt an der Südflanke des Hochs von Osten her heute nochmals bodennah trockene Festlandsluft, so dass dort ein wettertechnisch ruhiger Tag ins Haus steht. Ob die Gewitter noch den Harz, den Thüringer Wald oder das Westerzgebirge erfassen, ist noch unklar, weiter nordöstlich passiert aber erst einmal nichts. Vor allem über den Nordwesten ziehen aktuell noch hohe/mittelhohe Wolkenfelder hinweg, die der WLA geschuldet sind, ansonsten scheint aber vielerorts die Sonne.
Während die kontinentale Luftmasse dem Norden und Osten mit Maxima zwischen 26 und 31 Grad - an den Küsten bei auflandigem Wind etwas darunter - noch ein angenehmes Temperaturniveau beschert, wird es im Rest des Landes wieder richtig heiß mit Höchstwerten zwischen 32 und 37 Grad. Somit ist im Süden und in der Mitte von einer starken Wärmebelastung auszugehen.
In der Nacht zum Dienstag kommen der flache Randtrog bzw. das kleinräumige Höhentief über Frankreich nach wie vor nur sehr zögerlich nach Osten voran. Die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt vorderseitig noch etwas auf, bleibt aber eher antizyklonal konturiert.
Im Bodenfeld arbeitet sich die feuchte und potenziell instabile Luftmasse recht rasch nordostwärts voran und erreicht nun auch die norddeutsche Tiefebene. Die Gewitter im Südwesten kommen langsam nach Nordosten/Osten voran, schwächen sich tagesgangbedingt im Laufe der Nacht aber mehr und mehr ab. Allerdings greifen vorderseitig des Randtroges alsbald neue Gewitter auf den Südwesten und Westen Deutschlands über und kommen nordnordostwärts voran. Insbesondere die ICON-RUC-Läufe simulieren auch in der zweiten Nachthälfte im Bereich der flachen Rinne vom Nordwesten bis in die mittleren Landesteile noch eine relativ rege Gewittertätigkeit. I-D2 und SuperHD sind diesbezüglich etwas defensiver aufgestellt und auch I-D2-EPS zeigt in der zweiten Nachthälfte nur sehr geringe Signale für Starkregen, am ehesten im Nordwesten. Somit gilt es weiter, die ICON-RUC-Läufe zu monitoren; sollte sich über Frankreich oder Benelux zum Abend hin ein größeres Gewittersystem bzw. ein MCS etablieren, der dann im Laufe der Nacht auf den Westen/Nordwesten Deutschlands übergreift, wäre das ICON-RUC-Szenario denkbar und bzgl. Starkregen kann in einem solchen Fall sogar Unwetter nicht ausgeschlossen werden. Im Rest des Landes passiert Nacht nicht viel, im äußersten Norden, im Osten und im Südosten bleibt es nach Abzug eventueller Gewitter trocken. Quasi landesweit verläuft die Nacht sehr mild bis warm mit Minima zwischen 23 und 16 Grad, lediglich im Nordosten sowie in einigen Mittelgebirgstälern kühlt es teilweise auf unter 15 Grad ab.
Dienstag... kommt der flache Randtrog über Frankreich bei weiterem Konturverlust langsam nach Osten voran, so dass die weiter aufsteilende Höhenströmung von Westen zum Abend hin allmählich eine leicht zyklonale Kontur bekommt. Dynamisch getriggerter Hebungsantrieb ist aber zunächst einmal kaum vorhanden. Das Bodenhoch hat sich inzwischen weit nach Osteuropa zurückgezogen, im Vorhersagegebiet dominieren nun landesweit schwachgradientige Druckverhältnisse mit einer relativ breit angelegten flachen Tiefdruckrinne über Nord- und Nordostdeutschland. Dort sind bei einem großräumig konvergenten Windfeld auch die höchsten PPW-Werte (über 40 mm) zu finden und je nach Einstrahlung können vor allem im Nordosten kleinräumig auch durchaus mehr als 2000 J/kg Cape generiert werden. Die konvektive Entwicklung im Detail abzuschätzen, gestaltet sich aber sehr schwierig und hängt vor allem von den nächtlichen Entwicklungen ab. Die Schauer und Gewitter aus der Nacht im Nordwesten und eventuell auch in den mittleren Landesteilen arbeiten sich innerhalb der Rinne nach Osten bzw. Nordosten vor und schwächen sich im vormittäglichen Konvektionsminimum erst einmal ab. Das dürfte sich aber in etwa ab den frühen Nachmittagsstunden rasch ändern. Vor allem vom Erzgebirge bis nach Vorpommern dürfte es dann - getriggert durch die Outflow-Boundaries - rasch zu kräftigen Neuentwicklungen kommen, die angesichts der Zutaten auch rasch Unwetterpotenzial erreichen, insbesondere den Starkregen und bei frischen Entwicklungen auch den Hagel betreffend. Vor allem im Nordosten können bei moderaten Scherungsbedingungen (DLS um 20 m/s, LLS 0 bis 1 km regional über 10 m/s) auch einzelne Superzellen mit größerem Hagel und Böen über 100 km/h nicht ausgeschlossen werden. Ob sich für diese Regionen eine Vorabinfo anbietet, kann wohl erst nach der morgigen Frühkonferenz beurteilt werden, da vor allem auch abhängig von den Entwicklungen in der kommenden Nacht.
Auch der große Rest des Landes bleibt im Einflussbereich dieser potenziell instabilen heißen Luftmasse (T850 hPa zwischen 18 Grad im Nordwesten und 23 Grad im Süden). Allerdings ist erst einmal kein dynamischer Trigger für Auslöse vorhanden, vor allem in den mittleren Landesteilen und im Südosten ist die Luftmasse dazu noch ziemlich gedeckelt. Somit dürfte es wohl erst im Laufe des späten Nachmittags, ausgehend von den Mittelgebirgen (insbesondere Schwarzwald/Alb) zu ersten Neuentwicklungen kommen. Vor allem bzgl. Starkregen, bei frischen Entwicklungen auch bzgl. Hagel ist nach wie vor ein gewisses Unwetterpotenzial vorhanden.
Im Rest des Landes passiert tagsüber, zumindest bis zum frühen Abend, konvektionstechnisch erst einmal wenig. Nahezu landesweit steht ein heißer, in der Südhälfte sehr heißer Tag ins Haus mit Höchstwerten zwischen 31 und 38 Grad. Lediglich an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind wird es nicht ganz so warm. Eventuell werden auch in einigen Regionen Nordwest- und Norddeutschlands mangels Einstrahlung die 30 Grad nicht ganz erreicht.
So wirklich spannend wird es dann aber erst am Abend, wenn vorderseitig des sich von Frankreich und Belgien annähernden Randtroges der dynamische Hebungsinput im Südwesten/Westen deutlich zunimmt. Im Laufe der Nacht greift dann der Trog auf den Westen und Nordwesten Deutschlands über und kommt rasch nordostwärts voran. Im Bodenfeld erreicht die Kaltfront eines von Schottland zur nordwestlichen Nordsee ziehenden Tiefs eingangs der Nacht den Nordwesten Deutschlands, mit Annäherung des Troges nimmt sie im Verlauf der Nacht an Fahrt auf und erreicht Mittwochfrüh bereits den Osten und Süden des Landes. Präfrontal dürfte die Gewitteraktivität in den Abendstunden von Südwesten her wieder deutlich aufleben. Durchaus möglich sind auch ein oder mehrere MCS, die von Frankreich bzw. Belgien auf das Vorhersagegebiet übergreifen und im Laufe der Nacht über die mittleren Landesteile hinweg nordostwärts ziehen. Vor allem Starkregen steht dann im Fokus, durchaus auch noch in der zweite Nachthälfte bis in den Unwetterbereich. Je nach Organisationsgrad und Eintreffzeitpunkt dieser Systeme sind insbesondere in den Abendstunden auch größerer Hagel und schwere Sturm- bis (sehr kleinräumig) Orkanböen möglich, mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten dafür im Südwesten (bis nach Franken) und im Westen. Verhältnismäßig ruhig verläuft die Nacht noch im Südosten und Osten, wo es wohl weitgehend trocken bleiben dürfte. Auch im Westen und Nordwesten beruhigt sich die Lage nach Abzug der Gewitter rasch wieder. Postfrontal gelangt dorthin auch bereits eine nicht mehr ganz so warme Luftmasse mit T850 hPa zwischen 12 und 15 Grad. Dennoch bleibt es landesweit mit Minima zwischen 23 und 17 Grad unangenehm warm.
Mittwoch... zieht der kurzwellige Randtrog rasch nordostwärts ab, dahinter stellt sich eine relativ glatte, aber leicht "flatternde" südwestliche Höhenströmung ein mit kurzwelligen Troganteilen, die etwas dynamischen Hebungsinput bieten könnten.
Im Bodenfeld wird die Kaltfront rasch vom Trog überlaufen und gerät dann erneut ins Schleifen, so dass die Südosthälfte noch präfrontal im Einflussbereich der heißen und instabilen Subtropikluft verbleibt mit PPWs über 35 mm und 1000 bis 1500 J/kg ML-Cape. Ausgehend von den ost- und süddeutschen Mittelgebirgen bzw. von den Alpen, eventuell auch getriggert durch Outflow-Boundaries der in der Früh und am Vormittag abziehenden nächtlichen Gewittersysteme dürfte es im Laufe des Nachmittags dort zu Neuentwicklungen kommen. Bei nur schwacher Scherung steht insbesondere der Starkregen im Fokus, bei frischen Entwicklungen ist auch größerer Hagel denkbar, insgesamt ist das Unwetterpotenzial aber eher als gering zu beziffern bzw. Unwetter treten nur lokal sehr eng begrenzt auf. Postfrontal gelangt eine etwas gemäßigtere Luftmasse in die Nordwesthälfte des Landes mit T850 hPa zwischen 9 Grad im Nordseeumfeld und 14 Grad in den mittleren Landesteilen. Vor allem im Westen und Südwesten gelangt diese in den Einflussbereich eines flachen Hochkeils, so dass es dort wohl überwiegend trocken bleibt. Ansonsten ist der Luftmasse eine gewisse potenzielle Instabilität nicht abzusprechen, so dass einzelne Schauer oder Gewitter - vor allem im Norden und Nordosten - nicht ausgeschlossen sind. Deren Begleiterscheinungen dürften aber maximal nur markant ausfallen. Die große Hitze mit Maxima von über 35 Grad ist erst einmal weitgehend raus. Dennoch bleibt es mit 29 bis 34 (an der Donau eventuell noch einmal 35 Grad) fast landesweit sehr warm bis heiß. Lediglich im Nordwesten und an der Ostsee liegen die Maxima bei angenehmeren 25 bis 29 Grad, an der Nordsee darunter.
In der Nacht zum Donnerstag schwenkt die Achse eines zu den Britischen Inseln reichenden Randtroges allmählich zur Nordsee. Die südwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt somit wieder etwas auf. Die Bodenkaltfront kommt somit weiterhin nur langsam südostwärts voran und zeigt im Einflussbereich des sich von Frankreich nach Süddeutschland ausweitenden Hochkeils Auflösungserscheinungen. Nichtsdestotrotz kann es in Südostbayern sowie in der Osthälfte noch Schauer und Gewitter geben, an den Alpen auch schauerartige Regenfälle.
Im Rest des Landes bleibt es aber trocken und vor allem in die Nordwesthälfte gelangt nun endlich eine deutlich angenehmer temperierte Luftmasse (unter 10 Grad in 850 hPa) mit Minima oft unter 15 Grad. Aber auch sonst kühlt es fast überall auf unter 20 Grad ab.
Modellvergleich und -einschätzung
Vor allem bzgl. der konvektiven Entwicklungen in der kommenden Nacht und am morgigen Dienstag gibt es noch größere Modelldifferenzen, weshalb über die Ausgabe einer eventuellen Vorabinformation wohl erst morgen entschieden werden kann.
Der grobe Fahrplan steht aber.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 03.08.2026 um 10.30 UTC
Im Norden kühler, im Süden wärmer, teils heiß. Vor allem an den Alpen anfangs teils stärkere Gewitter, zum Wochenende hin aber Wetterberuhigung. Wetterentwicklung der kommenden Woche noch relativ unsicher.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 10.08.2026
Nach einem markanterem Luftmassenwechsel, der bereits am Mittwoch einsetzt, stellt sich mittelfristig wohl wieder eine eher antizyklonal geprägte Großwetterlage ein. Wie diese am Ende aussieht, da ist sich die Numerik allerdings noch nicht so ganz einig. Völlig störungsfrei scheint die Angelegenheit nicht über die Bühne zu gehen. Hier und da pfuschen wohl kleinskalige zyklonale Höhenstrukturen ins Handwerk. Dadurch wird selbiges für den Vorhersagemeteorologen einmal mehr schwer gemacht. Fakt ist aber: Mit der ganz großen Hitze und den Unwettern, die uns in der Kurzfrist noch reichlich beschäftigen werden, ist bald erstmal wieder Schluss.
Am Donnerstag trennt eine Luftmassengrenze die Nordwest- und die Südosthälfte des Landes voneinander. Sie entstammt einem Frontdurchgang, der es zunächst nur bis in die Landesmitte schafft. Dabei wird diese Luftmassengrenze auch von Westen her bereits durch atlantischen Hochdruck überlaufen. Die Wetteraktivität hält sich somit in Grenzen. Vor allem auf der warmen Seite der Luftmassengrenze bleibt es noch unbeständig. Hier ist das Potential für Gewitterentwicklungen weiterhin noch hoch. In meist nur schwach gescherter Umgebung handelt es sich aber eher um die typischen Hitzegewitter, die sich mit orografischer und lokaler Unterstützung (z.B. Alpines Pumpen) vor allem entlang und innerhalb der Berge bilden. Starkregen und Hagel bilden das Hauptrisiko. Im kühleren Nordwesten bleibt es bei einem Sonne-Wolken-Mix. An der Nordsee deutet sich dabei der Durchzug einer sekundären Bodentrogachse an, an die Schauer und anfangs einige Gewitter gekoppelt sind. Voraussichtlich findet das meiste davon aber über See statt und nur noch einzelne Restschauer erreichen gegen Abend die Inseln und die Küste. Die Zweiteilung wurde schon erwähnt: Während in den südlichen Landesteilen nochmals die 30°C-Marke erreicht oder überschritten wird, bleibt es in der Nordwesthälfte bei Werten zwischen 21 und 26°C kühler. Bei recht straffer Nordwestströmung sind einzelne stürmische Böen vor allem in Schauernähe an der Küste nicht ausgeschlossen.
In der Nacht setzt sich der erste Hoch-Ableger über Deutschland fest. Damit kommt die Schauertätigkeit zum Erliegen und es klart weitgehend auf. Die Temperaturen sinken meist auf 16 bis 10°C.
Am Freitag hat sich der Hochdruck endgültig etabliert. Es stellt sich zunächst eine antizyklonale Nordwestlage ein. Dabei bleibt es vor allem bei einem Wechsel aus Sonne und Wolken, wobei der Süden mehr Sonne, der Norden mehr Wolken abbekommt. Mit dem Tagesgang kann sich, unterstützt von feuchterer Nordseeluft, dichtere Cu- oder Sc-Bewölkung etablieren. Einige dieser Wolkenfelder neigen auch noch dazu, ein paar wenige Regentropfen zu produzieren. Insgesamt aber hält sich das Schauerrisiko doch sehr in Grenzen. Gleiches gilt auch für das Gewitterrisiko an den Alpen. Die Luftmasse taugt zwar noch dazu, einige Gewitter innerhalb der Berge zu produzieren, viel mehr dürfte aber nicht zu erwarten sein. Dafür ist es insgesamt am Ende doch bereits zu trocken. Zudem fehlt es an Forcing. Hier muss das Gelände bereits kräftig mithelfen. Die kühlere Luftmasse macht sich dabei auch bis in den Süden bemerkbar, wenngleich in der Höhe schon wieder WLA einsetzt. Die Temperaturen erreichen jedenfalls "nur" noch Werte um 25°C, die 30er-Marke ist erst einmal passé. Auch die Nächte werden wieder etwas frischer bei meist 13 bis 10°C.
Am Samstag und Sonntag verlagert sich der Hochdruckeinfluss etwas ostwärts. Dabei kommt nun auch bodennah wieder WLA in Gang. Wie stark diese ausfällt, wird von den Modellen noch sehr unterschiedlich gehandhabt. Dementsprechend gibt es hier bereits größere Unsicherheiten, was die Temperaturprognose für den Süden betrifft. Abseits davon steht viel Sonnenschein bei nur geringer Bewölkung ins Haus. Nur im Bergland reicht es für ein paar Quellwolken, an der Nordsee sind aus etwas dichterer Bewölkung nochmals ein paar wenige Regentropfen möglich. Meist bleibt es bei Maximalwerten um 25°C, an Rhein und Main geht es tendenziell bis auf 29°C hoch. Am Sonntag sind dort auch wieder erste Werte von knapp über 30°C zu erwarten. Das wird vor allem dadurch gestützt, dass der Potentialrücken am Sonntag abgebaut wird und die Höhenströmung auf Südwest dreht und sich verstärkt. Dabei baut sich eine neue Trogvorderseite auf, die zunächst für Warmluftzufuhr sorgt.
In der Nacht zum Montag erreicht anschließend die Trogachse das Küstenumfeld, und damit auch ein neues Frontensystem. Dieses sorgt zunächst im Nordwesten für etwas Regen und kommt bis Montagmittag weiter bis in die Mitte voran. Allerdings deutet sich an, dass auch diese Luftmassengrenze wieder rasch von nachfolgendem Druckanstieg überlaufen wird und sich die Niederschlagsmengen erneut in Grenzen halten. Allerdings gibt es diesbezüglich noch deutliche Unschärfen in den Modellen. Da Stand jetzt im Süden kein Frontdurchgang erfolgt, erwartet uns auch am Montag in der gesamten Südwesthälfte möglicherweise ein weiterer heißer Tag mit Temperaturen über 30°C.
Im weiteren Verlauf sieht es so aus, als bliebe der Temperaturkontrast Nord-Süd weiter bestehen. Tendenziell zeichnet sich dabei auch ein Umschwung hin zu eher zyklonaler geprägten Wetterlagen ab.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der letzten IFS-Läufe ist schlecht. Die Zyklogenese über NW-Europa wird von der ECMWF-Kette uneinheitlich gehandhabt, mit Folgen für die Temperatur-, Niederschlags- und Konvektionsprognose. Entscheidend ist vor allem ein Warmluftvorstoß über die Alpen am Wochenende. Dieser ist noch mit vielen Fragezeichen versehen und sorgt für große Unsicherheiten insbesondere bezüglich der Temperaturprognosen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen globalen Modelle kommen mit der Entwicklung nach dem Durchgang der Luftmassengrenze bereits ab Freitag nicht gut zurecht. Die Etablierung eines neuen Langwellentroges über NW-Europa bereitet noch ordentlich Probleme. Aufgrund dessen sind die Prognosen spätestens ab dem Wochenende noch mit Vorsicht zu genießen. Alternativ bleibt vor allem im Süden deutlich kühler als prognostiziert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ENS bilden das bereits oben beschriebene ebenfalls ab. Bereits ab Freitag steigt die Streubreite der Rauchfahnen deutlich an. Ab Sonntag nimmt dann die Unsicherheit Temperaturprognose enorm zu. Teilweise umspannen die beiden zentralen Quartile der Verteilung (25-75%) alleine schon bis zu 10K. Sichere Aussagen sind so nicht möglich.
Die Cluster bilden die Unsicherheiten ebenfalls exemplarisch ab, insbesondere im Bereich bis t+196h. Es gibt hier nur zwei verschiedene, die beide auf die Zyklogenese NW-/N-Europa eingehen. Variante 1 zeigt einen scharfen Langwellentrog über den Britischen Inseln mit entsprechender Vorderseite bei uns. Variante 2 simuliert einen umfangreichen Komplex über Nordskandinavien mit Randtiefentwicklung etwa über Südschweden. Darüber hinaus wird generell ein blockierendes Muster noch unklarer Ausprägung gezeigt. Dabei gibt es auch Optionen für eine zyklonal geprägte GWL in unseren Breiten.
Das GEFS zeigt ein ähnliches Verhalten wie das IFS-ENS mit zunehmendem Rauschen ab Tag 4 (Freitag) und keinem klar erkennbaren Verlauf.
Fazit:
Die aktuelle Hitzeperiode findet spätestens zum Freitag ihr Ende, in den meisten Regionen auch schon eher. Es stellt sich eine Zweiteilung zwischen warmem bis heißem Süd(west)en und kühlerem Norden ein. Südlich der Donau, vor allem in Alpennähe, sind anfangs noch einige kräftige Gewitter zu erwarten. Zum Wochenende lässt die Konvektionstätigkeit aber nach. Im Rest des Landes erwartet uns relativ viel Sonne. Signifikante Niederschlagsmengen sind nicht in Sicht. Gleichzeitig ist die Entwicklung in der kommenden Woche noch relativ unsicher und kennzeichnet sich unter anderem durch sehr hohe Spannbreiten in der Temperaturprognose.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Donnerstag und mit Abstrichen am Freitag einige stärkere Gewitterentwicklung vom Südschwarzwald über den Alpenrand hinweg bis nach Niederbayern. Hauptgefahr vor allem Starkregen (bis in den Unwetterbereich) und Hagel, einzelne Sturmböen nicht ausgeschlossen.
Am Donnerstag zudem einzelne stürmische Böen Bft 8 an Nord- und Ostsee gering wahrscheinlich und am ehesten an Schauer gebunden.
Basis für Mittelfristvorhersage
Hauptsächlich IFS in Kompromissfindung mit GFS, ICON.
VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch





