Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 08.07.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Ereignisarme Hochrandlage (KLAUS) mit nur langsam aufweichenden Temperaturunterschieden zwischen NO- und SW-Hälfte.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Aktuell ... ist die Großwetterlage in großen Teilen Mitteleuropas ziemlich festgefahren. Nachdem das veritable Sommersturmtief BERNADETTE gestern sowie in der Nacht zum Mittwoch mit reichlich Krawall auf dem Sektor der Luftbewegung die Ostsee gekreuzt hat, ist inzwischen weitgehende Ruhe eingekehrt. So hat der Wirbel den Grenzbereich zwischen den baltischen Staaten und Westrussland bzw. Belarus erreicht, wo er heute Abend zwar immer noch auf einen Kerndruck von unter 1000 hPa kommt, tendenziell aber dabei ist, sich aufzufüllen. Dass die BERNADETTE ihre beste Zeit bereits hinter sich hat, ist auch an der nahezu kongruenten Position des überlagerten Höhentiefs erkennbar, was eine quasisenkrechte Vertikalachse impliziert. Kommende Nacht und in den nächsten Tagen wird das Tief keine großen Sprünge mehr machen, sondern sich weiter Altersspeck anfuttern, um Richtung Wochenende von der Wetterkarte zu verschwinden.

Aber nicht nur auf der zyklonalen Seite tut sich in Sachen Mobilität und Bewegung wenig bis nichts. Auch der antizyklonale Widerpart in Form eines von SW-Europa bis zum Europäischen Nordmeer reichenden Potenzialrückens nebst korrespondierender Hochdruckzone (Gott zum Gruße KLAUS) sind eher Bewegungslegastheniker. Zwar gibt es an den Rändern durchaus ernstzunehmende Störgeräusche (z.B. schwacher Trog Iberische Halbinsel oder auch stärkerer Trog von Island ostwärts schwenkend), für den Vorhersageraum sind diese aber nur tangential-peripher. So wird der Rücken für uns das Maß der Dinge, wobei die großen thermischen Gegensätze zwischen Nord-Nordost und Süd-Südwest ab Freitag mehr und mehr abgebaut werden.

In der nun unmittelbar bevorstehenden Nacht zum Donnerstag löst sich die heute Mittag noch diagonal über Deutschland analysierte Kaltfront auf. Damit wird auch das zugehörige Wolkenband immer fragiler und löchriger. Gerade Richtung Alpen (Staukomponente) sowie gebietsweise in NRW und dem südwestlichen NDS bleiben aber noch dichtere Reste übrig, aus denen an den Alpen sogar ein paar Tropfen fallen können. Stratus oder Stratocumulus soll später nach Aussage der meisten Modelle auch von der Nordsee und Dänemark nach Norddeutschland reinziehen. Scrollt man allerdings in der aktuellen Satellitenbildversion nach Norden, findet man über der östlichen Nordsee (Utsira bis Deutsche Bucht) nicht einen Fitzel SC oder ST. Folglich muss sich, damit die Vorhersage einigermaßen stimmt, diese Bewölkung in den nächsten Stunden erst bilden, was bei andauerndem Nordwestwind über die "warme" Nordsee bei tiefer Inversion (900 bis 950 hPa) durchaus möglich ist.

Ansonsten sei nur noch vermerkt, dass der anfänglich an der Küste sportliche West-Nordwestwind mehr und mehr an Saft verliert. Einzig auf wenigen exponierten Kuppen oder Kämmen treten dann noch Böen 7-8 Bft auf (LLJ). Tiefstwerte 18 bis 11°C, in der Oberlausitz bis 9°C.

Donnerstag ... verbleiben wir unter einer nordwestlichen Höhenströmung, die von Westen her aber immer schwächer wird und aus synoptischen Gesichtspunkten keine nennenswerte Relevanz besitzt. Grund der Abschwächung ist der sich in infinitesimalen Schritten nähernde Rücken, der gleichzeitig einen Schwerpunkt des korrespondierenden Bodenhochs vor die Westfriesische Küste verpflanzt. Von dort erstreckt sich ein Keil diagonal über Deutschland Richtung Alpen und noch etwas darüber hinaus. Wenn man so will, übernimmt die Divergenzachse des Keils die Rolle einer Luftmassengrenze, welche die von der Nordsee in den Norden und Osten einfließenden mäßig warmen bis warmen Luftmassen (Tmax 20 bis 25°C) von sehr warmer bis heißer Luft im Süden und Westen (Tmax 25 bis 31°C, an Saar, Mosel und Oberrhein bis zu 33°C) trennt.

Wetter- respektive sonnenscheintechnisch treten ebenfalls noch Ungerechtigkeiten auf. So muss sich ein von der Deutschen Bucht über NDS bis zu den zentralen und östlichen Mittelgebirgen reichender Korridor auf zähes tiefes Gewölk unterhalb der zwischen 900 und 850 hPa positionierten Inversion einstellen (permanenter Feuchtefluss von der Nordsee), das nur sehr schwerfällig auf etwaige Auflockerungsversuche reagiert. Gut möglich, dass vor allem in NDS die Schotten bis zum Abend weitgehend dicht bleiben. Bessere, z.T. sogar deutlich bessere Chancen auf Sonne gibt es einerseits in weiten Teilen West- und Süddeutschlands (vom Saarland bzw. der Südpfalz bis hinunter zur schweizer Grenze vielfach wolkenlos) sowie von der Ostsee bis zur Lausitz/Zittauer Gebirge.

In der Nacht zum Freitag ändert sich kaum was an der Wetterlage. Prägend sind der Tagesgang und die untergehende Sonne, die - welch Überraschung - einen Temperaturrückgang bewirken. Im Südwesten fällt dieser etwas schleppend aus, meint, in einigen Ballungszentren sowie in mittleren Höhenlagen könnte es eng werden mit der Unterschreitung der 20°C-Marke. Ansonsten stehen in der SW-Hälfte 19 bis 12, in den übrigen Landesteilen 16 bis 10°C auf der Karte. Nur direkt am Meer bleibt es etwas milder, während einige Senken und Mulden der östlichen Mittelgebirge hohe einstellige Tiefstwerte anvisieren. Anfällig für tiefe Bewölkung bleiben die Regionen zwischen Nordsee und Thüringer Wald bzw. Erzgebirge, wobei sich das Gewölk gegenüber dem Abend z.T. sogar wieder verdichtet.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... NOSIG (siehe Frühübersicht)

Modellvergleich und -einschätzung

Die größte Unsicherheit bei der Vorhersage ist die tiefe Bewölkung. Wo hält sie sich wie lange, bildet sie sich kommende Nacht und verdichtet sich wieder in der Folgenacht. Ansonsten steht der Fahrplan.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann