Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 19.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HNF z; Übergang zu HNF a
Heute ruppige Kaltfrontpassage mit Stark- und Dauerniederschlägen (Unwetter im Osten/Nordosten möglich!) sowie einzelnen, teils kräftigen Gewittern. Kommende Woche Wetterberuhigung mit teils frostigen Nächten.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Sonntag... sowie in der kompletten Kurz- und Mittelfrist bleibt die Zirkulation über Europa gestört. Ursache ist ein blockierendes Höhenhoch über dem Norden Skandinaviens. Es bekommt Gesellschafft von einem weiteren Höhenhoch, dass sich über dem Raum Island vom ostatlantischen Rücken abspaltet. Der dazwischenliegende Trog wird zum Abtropfen gezwungen und bildet einen mehrkernigen Höhentiefkomplex mit gedachtem Drehzentrum über der Nordsee. Dieser nimmt langsam Verbindung zu einem Langwellentrog über Osteuropa auf. Der zwischen den beiden Tröge liegende, ins östliche Mitteleuropa wandernde Rücken wird dabei weiter abgebaut. Deutschland gelangt folglich vollends in den Einflussbereich des Höhentiefkomplexes, an dessen Südrand ein markanter Kurzwellentrog über die Mitte nach Osten gesteuert wird.
Im Bodenfeld finden sich zwei Hochdruckgebiete mit Kern über dem Norden Skandinaviens und bei den Britischen Inseln (ULI). Letzteres verlagert sich mit seinem Schwerpunkt dem korrespondierendem Höhenhoch folgend nach Norden zum Raum Island. Das dazwischen liegende, ehemalige Zentraltief (WALTRAUD I) löst sich über der Norwegischen See langsam auf, bleibt aber Teil einer südostwärts bis nach Mitteleuropa gerichteten Tiefdruckrinne. In diese ist ein teil-okkludiertes Frontensystem eingelagert, das heute Morgen diagonal vom Südwesten bis in den Nordosten über Deutschland liegt. Aufgrund des Abtropfprozesses und durch Ausbildung eines Teiltiefs (WALTRAUD II) auf der Vorderseite des Kurzwellentroges wird die Front vor allem in ihrem Nordteil aber immer mehr eingebremst. Bis zum Abend erreicht sie in etwa die Donau und Westpolen. Während die Front in der Nacht zum Montag im Süden über die Alpen hinwegschwenkt, wird sie in ihrem Nordteil über Westpolen wieder rückläufig und greift, eingebettet in einen markanten Bodentrog, wieder auf den Osten und Nordosten über.
Die Front korrespondiert im Radarbild mit einem durchbrochenen Regenband, das an der Spitze des Kurzwellentroges auf der kalten Seite der Frontalzone eine markante Verdickung aufweist. Starke, nur teilweise durch KLA kompensierte PVA sorgt dort für stärkere Hebung und folglich kräftigere, schauerartig und teils auch gewittrig durchsetzte Regenfälle. Dieser "Regenklops" verlagert sich im Tagesverlauf über die Mitte nach Osten. Dabei fallen gebietsweise 10-20 l/qm innerhalb von 3-6 Stunden. Kleinräumig können Starkregenschwellen (20-30 l/qm) gerissen werden, wobei die Wahrscheinlichkeit dafür nach Osten zu durch die immer langsamere Verlagerung tendenziell zunimmt. Am Abend und in der Nacht dreht das mesoskalige Starkregengebiet über dem Osten nach Norden ein und geht in das vorübergehend quasi stationäre, frontale Regenband auf. Dabei wird das Niederschlagsereignis zeitlich gestreckt und geht meist ungewittrig vonstatten, sodass es eher Dauerregencharakter aufweist. Die Modelle rechnen vor allem in der Nordosthälfte Brandenburgs und in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns verbreitet mit Mengen von 25-40 l/qm in 12 Stunden, einige sogar mit deutlich über 50 l/qm. Einzig die genaue Positionierung der Schwerpunkte scheint noch unsicher, was sich auch in eher verwaschenen Wahrscheinlichkeiten für markante (~40-80 %) und unwetterartige Mengen (~10-30%) in den probabilistischen Modellen bemerkbar macht. Dennoch, eine flächige markante Dauerregenwarnung scheint in jedem Fall angebracht - mit der Option auf eine Heraufstufung auf Unwetter!
In der vorgelagerten, leicht labilen Warmluft in der Südosthälfte kommt es schon am Vormittag abgesetzt von den frontalen Geschehnissen zu Schauern und einzelnen Gewittern. Bei 100-200 J/kg MU-CAPE handelt es sich zunächst um abgehobene Konvektion, die bei PPWs um 20 mm am ehesten noch lokalen Starkregen bringt, ansonsten aber eher keine markanten Begleiterscheinungen. Das ändert sich im Tagesverlauf. Vor allem entlang und südlich der Donau, eventuell über Ostbayern bis nach Sachsen und zur Niederlausitz, wo sich auch am Mittag/Nachmittag noch die warme Luft hält, kann - je nach Einstrahlung - auch ML-CAPE von 300-700 J/kg aufgebaut werden, was kräftigere Entwicklungen ermöglicht. Zudem zieht die Scherung an (teils >15 m/s DLS, um 10 m/s LLS), sodass sich die Konvektion zumindest zu Multizellen, eventuell mit kleineren Liniensegmenten oder kurzlebigen Superzellen organisieren kann. Dann muss neben Starkregen auch mit Sturmböen und Hagel gerechnet werden. Die Wahrscheinlichkeit für Unwetter (vor allem durch größeren Hagel und Böen, im Osten durch langsamere Verlagerung und "Backbuildung" auch durch Starkregen) ist aber nur leicht erhöht.
Konvektion gibt es auch im Kernbereich des Troges im Westen und Nordwesten, wo Höhenkaltluft die einfließende polare Meeresluft labilisiert. Es handelt sich dabei um klassische Kaltluftkonvektion (Schauer und vereinzelte Graupelgewitter), die mit Windböen einher gehen kann und in der Fläche gelb abzuwarnen sind.
Zwischen frontalem Wettergeschehen und trogbedingter Konvektion gibt es aber auch einen schmalen Streifen postfrontaler Subsidenz, die mit geringer Niederschlagsneigung und sonnigen Momenten aufwartet.
Zwischen dem sich vor allem über Polen intensivierenden Teiltief und einem vom Westen vorstoßenden breiten Keil baut sich ein moderater Gradient auf, sodass der auf West bis Nordwest drehende Wind bevorzugt im Süden und Osten auffrischt. In der Fläche sind es aber eher Böen Bft 6 und nur ganz vereinzelt Bft 7. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit für Böen Bft 7 über der östlichen Mitte, wo eine thermische Komponente dazu kommt (Druckwelle aus dem Cold Pool des Starkregengebietes). In einige Hochlagen (Alpen, Bayerwald, Erzgebirge) treten neben Wind- einzelne stürmische Böen, exponiert Sturmböen auf.
In der Nacht zum Montag verlagert sich der oval-geformte Höhentiefkomplex nach Norddeutschland und zur südlichen und westlichen Nordsee. Der markante Kurzwellentrog zieht ostwärts und bildet etwa über der Oder-Neiße-Linie ein eingeständiges Höhentief aus. Das Teiltief kann sich auf der Vorderseite des Troges noch etwas intensivieren und dreht sich mit Kern über Polen ein. Die nach Nordwesten gerichtete, in einen Bodentrog eingelagerte Okklusion wird wieder rückläufig und greift von Polen her auf den Osten, Nordosten und Norden über - mit den bereits oben beschriebenen Auswirkungen (nur langsam an Intensität einbüßender Dauerregen).
Die Gewitter im Alpenvorland ziehen ab, nur an den Alpen kommt es staubedingt noch längere Zeit zu schauerartigen Niederschlägen. Auch hier sind um oder über 10 l/qm wahrscheinlich, warnwürdige Mengen aber eher unwahrscheinlich. T850 sinkt dort auf um 1 °C, sodass die Schneefallgrenze unter 2000 m, inneralpin eventuell auch auf rund 1500 m sinken kann.
Auch sonst lassen Schauer tagesgangbedingt nach, klingen aber vor allem in einem Streifen von der Deutschen Bucht über die Mitte bis zum östlichen Mittelgebirgsraum nicht gänzlich ab. Größere Auflockerungen gibt es bevorzugt im Südwesten und abseits der Alpen im Süden. Dann kühlt es bei abnehmendem Wind kräftig ab, teils auf Werte nur wenig über 0 °C, gebietsweise ist Frost in Bodennähe zu erwarten. Örtlich bildet sich Nebel.
Da sich der Gradient zwischen Bodentrog und dem sich kräftigenden Hoch über Skandinavien verschärft, frischt der auf Nordost drehende Wind an der Ostsee eher auf mit steifen bis stürmischen Böen.
Montag... wird das Höhenhoch über Skandinavien von dem sich kräftigenden Hoch bei Island absorbiert. Im Bodenfeld resultiert daraus ein umfangreiches, von Grönland bis nach Skandinavien und zu den Britischen Inseln reichendes Hochdruckgebiet mit Kern über dem Nordmeer. An der Südflanke des Hochs wird der Höhentiefkomplex auseinandergerissen. Der Ostteil schwenkt als Randtrog des osteuropäischen Langwellentrogs über Deutschland zögerlich südwärts, der Westteil zieht zu den Britischen Inseln. Die beiden Aktionszentren sind mit einer Potenzialrinne verbunden. Die in dem an Kontur verlierenden Bodentrog eingelagerte Okklusion schwenkt vom Norden und Osten langsam zur Mitte.
Wettertechnisch ergibt sich bei uns dabei eine Dreiteilung. In einem breiten Streifen vom Nordwesten über die nördliche Mitte bis in den Osten regnet es, allerdings nehmen die Intensitäten durch nachlassende Hebungsimpulse und Entrainment trockener Luft immer mehr ab, sodass keine warnwürdigen Mengen mehr zu erwarten sind.
Ganz im Norden und Nordosten setzt sich trockenere Luft durch und due Bewölkung reißt auf. Vor allem am Nachmittag scheint die Sonne längere Zeit und es bleibt trocken. Allerdings weht der Nordostwind weiterhin stark böig. Vor allem an der Ostsee sind bis ins angrenzende Binnenland hinein stürmische Böen möglich, direkt an der See Sturmböen.
In der Südhälfte entwickeln sich in etwas feuchterer und labiler Luft Quellwolken. Da die Labilitätsfläche nur bis etwa 700 hPa reicht, reicht es nur für einzelne schwache Schauer. Dazwischen gibt es aber auch sonnige Momente.
Im Dauerregen liegen die Höchstwerte nur um 8 Grad, in der kälteren, trockeneren Luft im Norden und Nordosten um 11 Grad, in der Südhälfte bei 12 bis 18 Grad, mit den höchsten Werten am Oberrhein.
In der Nacht zum Dienstag löst sich der Bodentrog und die Okklusion über der Mitte auf, bringt nur noch stellenweise leichten Regen, vor allem nach Osten zu. Die Schauer in der Südhälfte klingen ab, im Norden ist es trocken und verbreitet klar, der Wind lässt langsam nach. Bei längerem Aufklaren ist im Süden und Norden stellenweise leichter Frost möglich, Bodenfrost gibt es verbreitet.
Dienstag... weitet sich der Einfluss des Nordmeerhochs und die trockene Luft immer weiter nach Süden aus. In der Nordhälfte steht ein überwiegend sonniger und trockener Tag ins Haus. In der Mitte und im Süden halten sich noch Reste der feuchten Luft, sodass sich wieder Quellwolken bilden, die vereinzelt Schauer bringen. Der Nordostwind weht böig, aber in der Regel unterhalb der Warnschwellen. Die Höchstwerte liegen zwischen 8 Grad in Vorpommern und 17 Grad am Rhein.
In der Nacht zum Mittwoch klart es auch in der Mitte und im Süden verbreitet auf. Vor allem innerhalb eines Bodenhochkeiles über der Nordosthälfte kann es bei windschwachen Verhältnissen stark abkühlen. Gebietsweise tritt leichter Frost bis -3 Grad, in Bodennähe sogar örtlich mäßiger Frost. Im Süden und Westen drosselt der noch etwas lebhaftere Ostwind die Abkühlung etwas, aber auch hier ist zumindest Bodenfrost wahrscheinlich.
Modellvergleich und -einschätzung
Bezüglich der synoptischen Basisfelder rechnen die Modelle einigermaßen kongruent. Dennoch ergeben sich sowohl hinsichtlich der konvektiven Stark- als auch skaligen Dauerregenfälle warnrelevante Diskrepanzen. Neben GFS rechnen vor allem die hochauflösenden Modelle mitunter deutlich höheren Mengen bis weit in den Unwetterbereich im Osten und Nordosten als die anderen Globalmodelle, teils auch noch mit größerem räumlichem Versatz. Entsprechend verwaschen und eher gering sind noch die Wahrscheinlichkeit für unwetterartige Niederschlagsmengen. Folglich wird zunächst nur eine großflächige markante Dauerregenwarnung als Signal herausgegeben und diese bei Bedarf, sollten sich die Modelle angleichen, kleinräumig auf Unwetter hochgestuft. Die konvektiven Starkniederschläge sowie generell die Gewitter werden zeitnah oder im Nowcast bewarnt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 19.04.2026 um 10.30 UTC
Zur Wochenmitte wieder freundliches und trockenes Wetter, ab Freitag von Norden her erneut unbeständig und kälter, teils windig, an der See stürmisch windig.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 26.04.2026
Bis einschließlich Freitag dominiert ein Rücken über Südwest-, West und Mordwesteuropa, dessen Achse sich bei kaum nenenswerter Verlagerung von Algerien über Ostspanien, de Biskaya und die Bretagne hinweg bis nach Irland erstreckt und schließlich die Verbindung zu einem Höhenhoch nordwestlich von Island herstellt. Bodennah korreliert der Rücken bis Samstag mit einem ausgeprägten Hoch bei Island, dessen Einflussbereich südostwärts über die Britischen Inseln und die Nordsee hinweg bis nach Norditalien und Österreich reicht. Als Gegenpart kann sich über Osteuropa ein Langwellentrog weit nach Süden amplifizieren und sich bis Libyen ausbreiten. Die Achse des Troges verläuft dabei von Westrussland über das Schwarze Meer und Griechenland bis Tunesien. Zwischen dem Rücken und dem Trog verlagern sich mit der nördlichen Grundströmung zudem Kurzwellentröge und kleinere Höhentiefs südwärts. Vor allem am Freitag kann einer dieser Kurzwellentröge im Norden und Osten Deutschland ausreichend Hebung generieren, sodass Niederschläge ausgelöst werden können. Zudem gibt es geringe Hinweise, dass induziert durch die nördliche bis nordwestliche Strömung auch im Nordstau des Erzgebirges etwas Regen fallen kann. Ansonsten hält sich bis einschließlich Freitag unter Hochdruckeinfluss das freundliche und vielfach sonnige Wetter. Da Deutschland im genannten Zeitraum aber überwiegend auf der Ost bis Südflanke des Hoch liegt und somit eher kühlere Luft ins Land einsickern kann, liegen die Temperaturen in 850 hPa am Mittwoch bei -2 bis +5 Grad. Am Donnerstag und Freitag sorgt schließlich erwärmte Meeresluft für einen geringen Anstieg auf +2 bis +10 Grad, bevor schon in den Nacht zum Samstag die Werte von Nordost nach Südwest nur noch zwischen -4 und +6 Grad liegen sollen. Der Wind bleibt durch die Hochrandlage auch ein Thema, wenngleich er zu Beginn des mittelfristigen Zeitraum am Mittwoch und Donnerstag noch nicht ganz die große Nummer ist. Am Mittwoch könnten allenfalls die nordöstlichen Winde im Südwesten die Bise auslösen und resultierend vom Allgäu bis zum Hochrhein sowie im Schwarzwald einzelne steife Böen, in Hochlagen auch stürmische Böen bringen. Am Donnerstag lebt der Wind vor allem auflandig an der Nordsee auf. Dabei kann der Nordwestwind im Nordseeumfeld steife Böen produzieren. Auf den nordfriesischen Inseln sind auch einzelne stürmische Böen möglich. Am Freitag kann sich der Nordwestwind in der gesamte Nordosthälfte auffrischen und häufig mit starken bis steifen Böen einhergehen. Im Nordseeumfeld, Schleswig-Holstein und der Mecklenburg-Vorpommerschen Küste sind auch stürmische Böen zu erwarten. Zudem stechen die Alpengipfel bis stürmischen Böen oder Sturmböen hervor. Die beschriebenen Entwicklungen werden auch vom IFS-EPS gestützt, indem bis einschließlich Freitag fast nur antizyklonale Wettermuster das EPS bestimmen. Erst ab Samstag nimmt der Anteil an zyklonalen Wetterlagen deutlich zu. Die große Vielfalt an potentiellen Mustern zeigt aber gleichermaßen die großen Unsicherheiten.
Im Detail schwächelt ab Samstag der Rücken und driftet zudem leicht westwärts. Gleichzeitig verlagert sich bis Sonntagabend tiefes Geopotential mit mehreren Drehzentren von Skandinavien nach Polen, Weißrussland und den zentralen Ostseeraum und spannt einen breiten Langwellentrog von Benelux bis weit nach Russland hinein auf. Nachfolgend setzen sich über ganz Deutschland zyklonale Strömungsbedingungen durch. Bodennah korreliert das tiefe Geopotential mit einem Tiefdruckkomplex über der Ostsee und der Rücken mit einem Hoch zwischen Island und Schottland, sodass bodennah eine kräftige nördliche Grundströmung zu verzeichnen ist. In diese sind schließlich Bodentröge eingelagert. Zudem ist der Weg für Polarluft frei. Die Vorderseite der kühlen bis kalten Polarluft markiert eine Kaltfront, die bis Sonntagabend die Alpen erreicht und mit ersten schauerartigen Niederschlägen einhergeht. Rückseitig kann in der Nordhälfte des Landes bei Temperaturen in 500 hPa von -30 bis -35 Grad eine gewisse Schauertätigkeit einsetzen, teilweise sind auch Schauerstraßen möglich. Zugleich können auch weitere frontogenetische Impulse (zweite Kaltfront) nicht ausgeschlossen werden. Vom Südwesten bis in die südliche Mitte scheinen nach aktuellem Stand die Hebungsimpulse limitiert, sodass dort nur eine geringe Niederschlagneigung zu erwarten wäre. Die einfließende Polarluft hat auch noch ordentlich Pepp und lässt die Temperaturen in 850 hPa richtig sinken. Am Sonntag weist das IFS nur noch Werte von 0 bis +4 Grad am Alpenrand, sonst verbreitet 0 bis -6 Grad aus. Entsprechend können die Niederschläge in den Hochlagen der östlichen Mittelgebirge auch nochmals als Schnee oder Schneeregen niedergehen. Nachts könnten im Osten örtlich auch bis in tiefe Lagen nochmals nasse Flocken beobachtet werden. Der Wind bleibt weiter in der Nordosthälfte ein Thema und weht voraussichtlich von der Nordsee und Ostsee bis zum Erzgebirge und der Spree mit steifen Böen, im Küstenumfeld sowie exponierten Lagen des Tieflandes auch mit stürmischen Böen. Am Sonntag bleibt es windig, warnwürdige steife Böen werden aber voraussichtlich nur noch im Küstenumfeld und dem angrenzenden Binnenland erwartet. Ansonsten fegen auf den Alpengipfeln auch am Wochenende voraussichtlich Sturmböen hinweg.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckverteilungen werden von den vergangenen IFS-Läufen recht konsistent abgebildet. Bis einschließlich Freitag weist allenfalls der 12z-Lauf des IFS am Donnerstag ein kleines Höhentief auf, welches von Nordsee südostwärts über Deutschland hinweg ziehen soll. Dieses haben die letzten 00-UTC-Läufe so nicht im Programm und lassen allenfalls einen Kurzwellentrog den äußersten Nordosten streifen. Da aber auch beim letzten 12z Lauf nahezu kein Wetter am Höhentief zu verzeichnen ist, kann man diese Entwicklung zunächst mal vernachlässigen.
Ab Samstag gibt es dann im Detail vor allem bezüglich eines Langwellentroges über dem östlichen Mitteleuropa gewisse Unterschiede. Während die gestrigen Läufe den Rücken über den Britischen Inseln noch stärker sahen, was den Einfluss des Troges nach Westen etwas blockierte, schwächelt der Rücken beim neusten IFS-Lauf. Zwar kann sich konsistent eine Kaltfront mit schauerartigen Niederschlägen vom Nordosten südwärts verlagern, der deutlich stärker zyklonale Einfluss im neusten Lauf würde aber auch hinter der Front Hebung induzieren und die Wahrscheinlichkeit für eine gewisse Schauertätigkeit erhöhen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung wird auch von anderen Globalmodellen vergleichbar zum IFS simuliert. Vor allem das ICON kommt den Vorgaben des IFS über den gesamten mittelfristigen Zeitraum sehr nahe. Wenn man das Salz in der Suppe sucht, so könnte man am Freitag z.B. geringe Timingabweichungen beim über Nordostdeutschland durchschwenken Kurzwellentrog erkennen, wobei ICON etwas schneller unterwegs wäre. Zudem hat ICON das Höhentief über der Südukraine etwas kräftiger im Programm und weicht bei der Lage des Drehzentrums auf dem Atlantik geringfügig vom IFS ab. Alle genannten kleinen Unterschiede haben aber keinen Einfluss auf das Wetter hierzulande. Erst am Sonntag weist das ICON im Vergleich zum IFS eine stärkere Amplifizierung des Troges über Osteuropa auf, was auf der Westflanke eine kräftige nördliche Grundströmung zur Folge hätte. Ebenfalls teils bis ins Detail vergleichbar zum IFS zeigt sich bis einschließlich Freitag das UK10. Zum Samstag produziert das UK10 einen markanten Trog, der südwärts über Deutschland hinwegschwenkt und ein Höhentief über Spanien, was ICON und IFS so nicht im Programm haben. Durch den Kurzwellentrog hierzulande wird die Verlagerung des steuernden Höhentiefs ausgebremst. Das GFS ähnelt ebenfalls der Grundstruktur der anderen Modelle und bringt analog zum Uk10 am Freitag sowie am Samstag den markanten Kurzwellentrog ins Spiel. Im Vergleich zum UK10 verlagert er sich aber rascher, sodass eine Phasenverschiebung zu verzeichnen ist. Am Wochenende nähert sich das GFS sogar wieder dem IFS und ICON an. Eine leicht nördlich verschobene Lage des Höhentiefzentrums sowie geringe Abweichungen bei der Ausrichtung der Trogachse führt schließlich hierzulande zu einer nördlichen bis nordöstlichen Grundströmung. Entsprechend würden potentielle Niederschläge analog zum ICON bevorzugt in der Osthälfte auftreten und nicht wie beim IFS in der Nordhälfte.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zum Start in den mittelfristigen Zeitraum bei einem recht geringen Spread und einem klar definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeiten bei der Temperatur in 850 hPa bis einschließlich Mittwoch und beim Geopotential in 500 hPa sogar bis einschließlich Donnerstag eine hohe Vorhersagegüte. Bei der Temperatur sorgen am Donnerstag und Freitag einzelne Ausreißer hin zu teils deutlich tieferen Werten für einen größeren Spread. Da aber der Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeiten weiter sehr gut ausgeprägt ist kann weiter von einer recht hohen Prognosegüte ausgegangen werden. Beim Geopotential sorgt ein stetiges aufspannen des EPS-Raums für Unsicherheiten, die aber bis einschließlich Freitag ebenfalls überschaubar bleiben. Ab Samstag geht sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotential jegliche Struktur verloren. Während beim Geopotential zumindest ein Bereich höherer auftrittswahrscheinlich zu erkennen ist, fehlt bei der Temperatur dieser Hinweis nahezu komplett. Zwar zeigen die Mehrzahl der Member einen Temperaturrückgang, wie stark dieser ausfällt bleibt aber unklar. Ein Spread von 13 bis 16 Grad lässt aber keine seriöse Temperaturaussage zu. Wenngleich beim Geopotential noch eine Mehrzahl der Member einen vergleichbaren Geopotentialverlauf zeigen, sorgt auch bei diesem Parameter ein Spread 35 bis 45 hPa für große Unsicherheiten.
Bei der Einordnung der Geopotential- und Luftdruckverteilung der Member des IFS-EPS in übergeordnete Muster werden im Zeitraum von +72 bis +96h vier Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu erklären. Alle Cluster werden dabei dem Schema eines Blockings zugeordnet. Der Haupt- und der Kontrolllauf sind in der ersten Lösung zusammen mit insgesamt 17 Member zu finden. Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind hauptsächlich bei der Amplifizierung, Ausrichtung und Lage des Troges über Osteuropa sowie potentieller Kurzwellentröge zu beobachten. Allgemein betrachtet sind die Abweichungen jedoch als gering anzusehen.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden fünf Cluster benötigt, um die Unsicherheiten zu beschreiben. Die ersten drei Lösungen werden dabei komplett dem Schema eines atlantischen Rückens zugeordnet. Die Cluster 4 und 5 beginnen mit dem Schema Blocking, bevor sie ebenfalls zum Schema eines atlantischen Rückens wechseln. Der Haupt- und der Kontrolllauf sind der zweiten Lösung zugeordnet. Die ersten vier Cluster sind bei 12 bzw.11 Unterstützern dabei nahezu gleichverteilt. Bezüglich der signifikanten Abweichungen bleibt der Trog über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa im Fokus. Während die Abweichungen am Freitag noch eher gering ausfallen, weisen die Lösungen am Sonntag teils stark unterschiedliche Trogmuster auf.
Die dritte Lösung kommt dabei den Vorgaben des ICON mit einer stärkeren südwärtigen Amplifizierung des Troges sehr nahe. Das erste Cluster zeigt dagegen eine Ausdehnung/Amplifizierung Richtung Schwarzes Meer, sodass hierzulande eine nordwestliche Strömung vorherrschen und der Temperaturrückgang deutlich moderater ausfallen würde. Zudem bleibe der Südwesten von hohem Geopotential beeinflusst. Die letzten beiden Cluster lassen den Rücken anfangs stabiler, sodass sich der/die Tröge erst zeitlich später durchsetzen können. In diesem Fall würde Deutschland noch länger von freundlichem und trockenem Wetter profitieren. Am Sonntag ähnelt das Cluster 6 der Hauptlauflösung, wenngleich räumlich etwas weniger ausgeprägt. Die fünfte Lösung geht einen Sonderweg und lässt das Höhentief ohne nennenswerte südliche Amplifizierung über Skandinavien. Die Cluster spiegeln somit die Unsicherheiten bezüglich des Temperaturabfalls und der Ausdehnung der Niederschläge nach Westen und Südwesten wieder. In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h reicht ein einziges Cluster, um alle Unsicherheiten im IFS-EPS zu beschreiben. Dieses wird komplett dem Schema eines atlantischen Rückens zugeschrieben. Demnach würde nach anfänglichem Tiefdruckeinfluss wieder hoher Luftdruck das Wetterzepter für Mitteleuropa übernehmen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI des ECMWF zeigt allenfalls am Mittwoch im Südwesten sowie am Samstag in Nordfriesland Hinweise für leicht überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten im Vergleich zum Modellklima.
Die Probabilistik stützt steife Böen (Bft 7) am Mittwoch im Schwarzwald sowie der Region bis zum Allgäu mit 10 bis 60%, in Hochlagen bis 100%. Für stürmische Böen (Bft 8) werden nur vom ICON in den Hochlagen Wahrscheinlichkeiten bis 50% gezeigt.
Am Donnerstag gibt es allenfalls im Erzgebirge sowie im Berchtesgadener Land Hinweise von 5 bis 30% für stürmische Böen (Bft 8). Am Freitag weisen die prob. Modelle (IFS/ICON) bevorzugt an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste sowie dem angrenzenden Binnenland Wahrscheinlichkeiten von 1 bis 35% für stürmische Böen aus. IFS zeigt zudem in HH, im Norden NI sowie in Teilen von MV Werte bis 10% für entsprechende Windspitzen.
Am Samstag zeigt das ICON-EPS im gesamten Küstenumfeld und dem angrenzenden Binnenland sowie im Harz und Erzgebirge Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40%, in Nordfriesland bis 60% für stürmische Böen (Bft 8) und einzelne Sturmböen (Bft 9). Beim IFS-EPS sind die Wahrscheinlichkeiten zwar niedriger, dafür lässt es nahezu über der gesamten Nordosthälfte bei Werten von 5 bis 15% vereinzelt stürmische Böen (Bft 8) zu.
Am Sonntag gibt es von beiden prob. Verfahren nur noch direkt an der Nordsee sowie in Hochlagen von Harz und Erzgebirge geringe Hinweise bis 15% für einzelne stürmische Böen (Bft 8).
Bezüglich des Niederschlags gibt es von Seiten der EPS-Verfahren derzeit weder im Stark- noch im Dauerregenbereich Hinweise für das Überschreiten der markanten Warnschwelle.
Als signifikante Wetterbedingung gelten zu dieser Jahreszeit auch der Frost und Bodenfrost. Während der Luftfrost über den gesamten mittelfristigen Zeitraum allenfalls gebietsweise, bevorzugt in den Tälern und Senken einiger Mittelgebirge und der Alpen auftritt, muss fast jede Nacht vielerorts mit Frost in Bodennähe gerechnet werden.
Basis für Mittelfristvorhersage
IF-EPS, ICON-EPS, bis Samstag auch det. ICON/IFS, für TT auch MosMix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





