Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 04.06.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
In der Nacht zum Freitag Wetterberuhigung. Tagsüber leicht wechselhaft.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell ... ..., wir sprechen von Donnerstagabend, ist das Wetter gerade dabei, sich langsam zu beruhigen. Was eine Wuhling heute Nachmittag in der NW-Hälfte mit zahlreichen Schauern und Gewittern, nicht selten gut organisiert, rotierend, aber auch bogen- respektive linienförmig angeordnet. Viel Arbeit für das warnende Personal, wobei die Radarsignaturen inkl. der Detektionsalgorithmen an der ein oder anderen Stelle "das Schlimmste" befürchten ließen. Mesozyklonen, Hook-Echos, Vertikalüberhänge usw. Stand früher Donnerstagabend scheint es aber nicht so heftig gekommen zu sein wie zuvor angenommen wurde (zumindest reginal eng begrenzt). Weder liegen entsprechende Messungen (z.B. Böen 10 Bft oder mehr, außer Brocken, der zählt nicht) noch größere Schadensmeldungen vor. Verschiedene Nutzermeldungen über mögliche Tornados müssen im Nachgang noch untersucht werden. Aber auch diesbezüglich sind bisher mögliche Schadensmeldungen ausgeblieben.
In der nun folgenden Nacht zum Freitag schiebt sich der wetterbestimmende, leicht negativ geneigte Potenzialtrog immer weiter zu uns rein, wodurch der über die Vorderseite verlaufende Jetstreak via Ostsee nach Schweden rausgedrückt wird. Mit anderen Worten, das dynamische Setup vom Tage büßt merklich an Substanz ein und auch der Tagesgang leistet seinen Beitrag, so dass sich das konvektive Geschehen und ganz nebenbei auch der böige südwestliche Wind deutlich abschwächen (nur an der Nordsee bis zum Morgen noch einige Böen 7 Bft). Zwar deutet sich an, dass im Achsbereich des Troges sowohl im Nord- als auch im Südwesten noch ein paar Schauer und vielleicht auch ein Gewitter auftreten. Mit den Kalibern von heute Nachmittag können diese aber nicht konkurrieren.
Bliebe noch zu erwähnen, dass die ebenfalls am Wettergeschehen beteiligte PEGGY - ihres Zeichens Sommersturmtief und heute Mittag noch mit etwas unter 985 hPa Kerndruck unweit der Färöers gesichtet - unter Abschwächung zur Norwegischen See abdriftet. Die zugehöriges Kaltfront, heute Mittag diagonal über Deutschland positioniert, verlagert sich nach Österreich, Tschechien und Polen, wodurch das ganze Land mit erwärmter Meeresluft subpolaren Ursprungs (mPs; T850 um 5°C) geflutet wird. Auf der kalten Seite der Anafront (Front liegt direkt unter der trogvorderseitigen südwestlichen Höhenströmung) kommt es im Süden und Südosten noch zu länger andauernden stratiformen Regenfällen Marke "Landregen". Akkumuliert bis Freitagfrüh können dabei im Süden und Osten Bayerns sowie in Ostsachsen 10 bis 15, am Alpenrand punktuell bis zu 25 l/m² zusammenkommen. In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze vorübergehend auf 2000 m oder etwas darunter, so dass im Hochgebirge bis zu 20 cm Neuschnee abgeladen werden.
Tiefsttemperatur 14 bis 8°C, in den Mittelgebirgen stellenweise noch etwas kühler.
Freitag ... schwenkt der Trog ost-nordostwärts durch. Nachfolgend greift aber nicht etwa ein Rücken über, vielmehr beginnt die Höhenströmung leicht flatternd zu zonalisieren. Dadurch sowie mit Hilfe des Tagesgangs wird die subpolare Meeresluft aktiviert, was wechselnde Bewölkung mit Schauern und einzelnen Gewittern zur Folge hat. Da nutzt es auch nur bedingt was, dass sich im Süden ein schlanker Azorenhochkeil von Frankreich hereinschiebt, der bei den Berlinern sogar einen Namen erhascht hat - DJAMSCHID. Im Grunde kann es morgen jeden treffen mit einem Schauer, auch wenn im Lee der west-südwestlich angeströmten Mittelgebirge sowie im Südwesten ein Minimum in den numerischen Outputs zu erkennen ist. Gerade im Südwesten deutet sich am Nachmittag nicht nur eine Stabilisierung der Schichtung an (leichte Sperrschicht zwischen 700 und 650 hPa). Gleichzeitig beginnt es abzutrocknen, sowohl in der Grundschicht als auch in der Mitteltroposphäre.
Die Gewitterwahrscheinlichkeit wiederum ist im Norden und Nordwesten sowie im östlichen Mittelgebirgsraum (vor allem Erzgebirge) am höchsten, wobei wir in der Basis von einfachen Überentwicklungen Marke "Gelb" reden. Nur in Einzelfällen genügen die Gewitter auch mal markanten Kriterien Böen 8 Bft, Starkregen etwas über 15 l/m² innert kurzer Zeit und/oder kleinkörnigem Hagel.
Höchsttemperatur 16 bis 22°C.
In der Nacht zum Samstag setzt sich leichter Zwischenhocheinfluss durch, bevor es tagsüber von Westen her wieder zyklonaler wird. Schauer und Gewitter hören auf, die Bewölkung bildet sich zurück oder löst sich ganz auf. Dadurch wird´s eine frische Nacht mit verbreitet einstelligen Tiefstwerten oder um 10°C.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... siehe Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle schreiben für morgen eine sehr ähnliche Geschichte.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 04.06.2026 um 10.30 UTC
Weiter wechselhaft und mäßig-warm, dabei nur lokal kräftige Gewitter. Zum Ende der Mittelfrist im Süden Sommercomeback möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 11.06.2026
Der sommerlich-warme bis heiß endende Mai hat mit Beginn der meteorologischen Sommers am 1. Juni eine Kehrtwende eingelegt zu wechselhaftem Wetter bei für die Jahreszeit angemessenen Temperaturen im mäßig-warmen Bereich. Das "Freibadwetter" macht also Pause, dafür bereiten Schauer und Gewitter den Meteorologen einige Arbeit. Bleibt das so oder gibt es einen neuen Sommerwetteranlauf?
Für die Antwort liefert der erste Tag der Mittelfrist am Sonntag eine Trogvorderseite für Deutschland, in dem ein Sekundärtrog nach Osten abläuft und noch für Konvektion und etwas Wind sorgt. Der Langwellentrog selber befindet sich zwischen Grönland und dem Seegebiet nordwestlich der Britischen Inseln, was ihn zunächst nicht ausreichend für die Großwetterlage TrW qualifiziert. Vielmehr ist BM der Auftragsgeber, wobei die Brücke mit einem flachen, dem Sekundärtrog folgenden Rücken gebaut wird. Von Südwesten kündigt sich daher auch Zwischenhocheinfluss an, wobei die auf Südwest rückdrehende Strömung die T850 hPa auf 5 bis 10 Grad steigen lässt.
Am Montag dringt der Trog bis zu den Britischen Inseln vor und treibt die Ausläufer eines steuernden Tiefs bei Island Richtung europäischen Kontinent und Deutschland. Gegen Abend werden sie den Südwesten mit schauerartigen und teils gewittrigen Niederschlägen erreichen und die Brücke schon wieder abbauen. Damit übernimmt TrW die Großwetterlage BM. Zuvor werden bei auf Süd drehender Strömung warme Luftmassen subtropischer Natur mit T850 hPa von 10 bis 15 Grad zu uns verfrachtet.
Am Dienstag läuft aus dem Trog ein Randtrog in die Nordsee und nach Norddeutschland. Folglich überqueren die Ausläufer des Islandtiefs mit Randtief vor Norwegen Deutschland von West nach Ost mit schauerartigen und teils gewittrigen Regenfällen. Die T850 hPa sinken postfrontal mit westlicher Strömung unter Zufuhr kühlerer Atlantikluft auf 3 bis 8 Grad.
Am Mittwoch weitet sich der Trog bis in die Ostsee und nach Südskandinavien aus, während er durch einen neuen Randtrog bei den Britischen Inseln regeneriert wird. Mit postfrontal etwas steigendem Druck am Boden kehrt erneut schwacher Hochdruckeinfluss ein, sodass nur geringe Konvektion zu erwarten ist.
Am Donnerstag schwenkt der Randtrog über Teilen Deutschlands hinweg von den Britischen Inseln in die Nordsee und weiter nach Südskandinavien, gleichzeitig wird ein sich auflösendes Bodentief dorthin geführt. Dessen Ausläufer überqueren von Nordwesten her mit neuen, aber eher nur schwachen Niederschlägen Deutschland. Die T850 hPa steigen bei postfrontal auf Südwest drehender Strömung auf 5 bis 10 Grad.
In der erweiterten Mittelfrist ab kommender Woche Freitag zonalisiert die Strömung allmählich, womit der Norden Deutschlands leicht zyklonal, der Süden dagegen mit einer neuen Hochdruckbrücke (BM) eher leicht antizyklonal geprägt wird. Dabei stellt sich ein thermischer Gradient ein: Im Norden T850 hPa von 4 bis 9 Grad (kühlere Meeresluft), im Süden T850 hPa von 10 bis 16 Grad (Anzapfen subtropischer Luftmassen).
Die eingangs gestellte Frage kann also mit "Weiter so!" beantwortet werden. In der erweiterten Mittelfrist gibt es für Süddeutschland aber zusätzlich diese Antwort: "Sommerwetter zum Ende der nächsten Woche in Reichweite!".
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des EZMW-Modells ist in den letzten 3 Läufen bis zum Dienstag hoch, danach aber auch noch gut. Die wesentlichen Muster werden beibehalten, im Detail fällt allerdings ein kräftigerer Trog am Mittwoch auf (mehr Niederschläge), der darüber hinaus zusammen mit einem weiteren Trog über den Britischen Inseln am Freitag kommender Woche die Zonalisierung um rund 36 Stunden verzögert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
UK10 präsentiert bis zum Ende seines Vorhersagehorizonts am Mittwoch eine dem EZMW stark gleichende Lösung. Das gilt zunächst auch für ICON, am Donnerstag (letzter Vorhersagetag) ist das Modell allerdings rund 12 Stunden schneller mit dem Abzug des Troges über uns (schneller trocken). Beim GFS treten ab Dienstag größere Abweichungen auf: am Dienstag rascherer Trogabzug, am Mittwoch vorübergehende Zonalisierung, am Donnerstag ähnlich dem EZMW erneute Trogvorderseite. Das Temperaturniveau wäre dabei früher höher, im Süden wären am Donnerstag sogar 20 Grad in T850 hPa möglich. AIFS ist dem IFS in weiten Teilen sehr nahe, zum Ende hin ist die Zonalisierung aber auch im Süden tiefdrucklastiger.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles zeigen bis Dienstag einen engen Verlauf, was die Vorhersagesicherheit untermauert. Am Mittwoch öffnen sich die Kurven, obwohl dann immer noch ein recht guter Median mit integriertem Hauptlauf zu erkennen ist. Das Muster des Hauptlaufs (Tröge/Keile im Wechsel) findet somit Anklang bei der Mehrheit der Member. Niederschlagssignale gibt es vornehmlich am Sonntag, Dienstag und Donnerstag, in der erweiterten Mittelfrist werden sie bei steigendem Geopotenzial seltener.
CLUSTER:
Im zweiten Zeitschritt zwischen Dienstag 0 UTC und Donnerstag 0 UTC sind 2 Cluster vorhanden, wobei sich der Hauptlauf in C1 mit 29 Mitgliedern befindet. In diesem wird der Trog etwas stärker betont als in C2, der eine raschere Zonalisierung bevorzugt (im Süden früher Hochdruckeinfluss). Im dritten Zeitschritt zwischen Freitag 0 UTC und Sonntag 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) werden 3 Cluster analysiert, wobei der Hauptlauf erneut in C1 mit 29 Membern landet. Dort wird die Zonalisierung gezeigt, die aber von einem kleinen Sekundartrog über der Nordsee am Sonntag begleitet wird. Das bestätigt die Zyklonalität im Norden. In C3 (6 Mitglieder) ist dieser Trog viel deutlicher und schwingt bis zu den Alpen aus, womit es überall zyklonal wäre. C2 (16 Mitglieder) dagegen favorisiert eine sehr warme bis heiße Trogvorderseite.
FAZIT:
"Nichts Neues von der Front!" könnte das Motto beim heutigen Mittelfrist-Wetter lauten. So geben sich weiterhin Tröge, Tiefs und Zwischenhocheinfluss bei meist mäßig-warmen Temperaturen die Klinke in die Hand. Gewitterpotenzial ist zwar vorhanden, meist reicht es aber nur für maximal markante Exemplare. In der erweiterten Mittelfrist zum Ende der kommenden Woche gibt es zumindest für den Süden Optionen für eine Sommerwetter-Rückkehr.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
EFI CAPE, EFI CAPESHEAR, EFI Wind und EFI Precipitation zeigen keine Signale für die Mittelfrist. Bei ML-CAPE-Werten von teilweise bis rund 800 J/kg sind aber dennoch lokal zumindest markante Gewitter denkbar, vornehmlich am Montag im äußersten Süden und Südwesten und am Dienstag im Osten und Südosten. Vereinzelte Unwetter insbesondere bezüglich lokalem Starkregen sind bei langsam ziehenden Zellen zwar immer einzukalkulieren, eine Schwergewitterlage zeichnet sich derzeit allerdings nicht ab.
WIND:
Am Dienstag mit geringer Wahrscheinlichkeit an den Küsten stürmische Böen Bft 8 aus westlichen Richtungen.
Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler





