Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 26.02.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Frühlingshaft. Auf dem Brocken Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell ... wird ein Höhenkeil vom Mittelmeer bis Osteuropa noch etwas nach Osten abgedrängt und wir liegen an dessen Nordwestflanke in einer meist antizyklonalen Südwestströmung. Darin zieht ein schwacher Höhentrog über uns nach Osten, in ansonsten stark antizyklonal geprägter Strömung.
Außer einigen Wolkenfeldern ist am Trog nicht viel zu sehen. Ansonsten dauern der Hochdruckeinfluss und das Absinken an. In der etwas auflebenden Strömung am Rand der Hochdruckzone vom Alpenraum und Mittelmeer bis Osteuropa schrumpften die Nebel- und Hochnebelreste über der Mitte am Nachmittag weiter und in großen Landesteilen überwiegt geringe Bewölkung.
In der Nacht zum Freitag greifen die nächsten schleifenden Tiefausläufer auf die südliche Nordsee und Dänemark über, samt Wellentief, dass sich vor einem markanten Höhentrog südwestlich von Cornwall einfindet. Über dem Norden werden die Wolken dichter und Richtung Dänemark regnet es etwas.
Der Süd- bis Südwestwind zieht über der Nordsee und dem Bergland etwas an. Über dem Wasser mit einzelnen steifen Böen, ebenso wie im Bergland. Exponiert auf dem Brocken bringt Mos ausgangs der Nacht Sturmböen, 9 bis 10 Bft ins Spiel.
Schwache Luftbewegung mit entkoppelter Grundschicht ermöglichen Nebelfelder vor allem im Südosten. Sonst ist die Nebelneigung geringer, weil die Luft abtrocknet und zumindest eine gewisse Strömung aufkommt. Auch der leichte Frost zieht sich zum Alpenrand und in den SE Bayerns zurück.
Freitag ... zieht der Trog nach Irland und zur Biskaya, das vorgelagerte Tief nach Südengland. Die Warmfront schleift weiter über der südlichen Nordsee und Dänemark, die Kaltfront des Tiefs greift auf Frankreich, abends auf Benelux über.
Ganz im Nordwesten wird es dadurch zyklonaler und vom Nordseeumfeld bis in die Grenzregionen zu den Niederlanden beginnt es aus starker Bewölkung nachmittags leicht zu regnen. In den Regionen weiter südöstlich hält sich der Hochdruckeinfluss am Rand des Höhenkeils und der Bodenhochdruckzone, jeweils über SE Europa.
Die Nebelfelder im Süden lösen sich wahrscheinlich besser auf, als an den Vortagen, sodass danach in weiten Landesteilen bei lockerer Bewölkung die Sonne scheint. Entsprechend steigt die Temperatur auf 15 bis 23°C. Nur ganz im Norden bleibt es kühler.
Dazu lebt der Süd- bis Südwestwind etwas auf und über der Nordsee, im westlichen Bergland und dessen Leelagen sind einzelne steife Böen 7 Bft nicht ausgeschlossen. Warnungen drängen sich da nicht wirklich auf. Auf dem Brocken sind Sturmböen wahrscheinlich.
In der Nacht zum Samstag liegen wir weiter unter einer südwestlichen Strömung. Die Regenfälle breiten sich etwas nach Südosten aus, weil das Tief in die südwestliche Nordsee zieht und dessen Kaltfront auf Westdeutschland übergreift. Der Regen kann im Laufe der Nacht NRW überdecken und von dort bis Westmecklenburg und SH reichen. Unter den Wolken verläuft die Nacht mit ca. +10°C mild. Weiter nach Südosten nimmt der Einfluss der Hochdruckzone zu und die Wolkenanteile ab. Im Südosten ist es schwachwindig und am ehesten an der Donau sind Nebelfelder im Programm. Dazu leichter Frost besonders südlich der Donau. Der Wind lässt etwas nach, auf dem Brocken gibt es aber nach wie vor Sturmböen aus Südwest.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... zieht das Tief über die Nordsee langsam nach Nordosten. Die Kaltfront überquert einen großen Teil Deutschlands mit Ostkurs, liefert dabei aber nur wenig Regen, weil Kaltluftadvektion die Hebung bremst. Postfrontal fließt eine etwas kühlere, aber immer noch milde Luft in den Westen und Nordwesten, im Osten und Südosten bleibt es freundlich und ungewöhnlich mild mit gebietsweise nahe 20°C.
Am Tiefausläufer frischt der auf West drehende Wind auf und bringt einzelne 7er, im Bergland exponiert 8er Böen. Interessant kann abends ein markanter Bodentrog werden, der auf der Tiefrückseite das Nordseeumfeld, westliches Niedersachsen erfasst und nachts den Nordwesten überquert. Daran wären nach ICON und UKMO stürmische Böen, eventuell an der Nordsee Sturmböen 9 bis 10 Bft nicht ausgeschlossen.
Die Signale darauf sind in der Probabilistik (ICON EU EPS) zunächst aber nur schwach.
In der Nacht zum Sonntag deutet sich an der über dem Süden schleifenden Kaltfront eine Aktivierung durch den nachfolgenden Höhentrog an. Demnach wären dort leichte Regenfälle möglich. Ansonsten passiert - abgesehen vom möglichen Wind/Sturm ganz im Norden - nicht viel, die Nebelneigung und Frostgefahr sind gering.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren ähnlich. An den Tiefausläufern gibt es Detailunterschiede, die nicht groß ins Gewicht fallen. Der Bodentrog Samstagabend im Nordwesten ist unsicher; von GFS und IFS wird er in der Ausprägung nicht gestützt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 26.02.2026 um 10.30 UTC
Sonntag Start in den meteorologischen Frühling - leicht wechselhafter Wetterablauf bei für Anfang März überdurchschnittlichen Tagestemperaturen.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 05.03.2026
Wer vom formell am kommenden Samstag endenden Winter die Nase voll hat (nicht jeder fand´s sch..., aber beim Wetter scheiden sich ja oft die Geister), wird sich über die aktuellen atmosphärischen Schwingungen freuen. Von einigen Ausnahmen abgesehen (z.B. herbstlich anmutende Nebel- und Hochnebelfelder) liegen wir eindeutig auf Frühlingskurs, der sich - wenn auch mit gewissen Störungen - in der nächsten Woche fortsetzt.
Beginnen wir am kommenden Sonntag, der den Beginn der offiziellen Mittelfrist mit dem Start in den meteorologischen Frühling vereint. Die Potenzialverteilung zeigt einen flachen Rücken knapp westlich und einen etwas weniger flachen Rücken knapp östlich von uns. Dazwischen schwenkt ein zunehmend an Kontur einbüßender Trog über Deutschland hinweg, dem eine schwache Kaltfront vorgeschaltet ist. Sie gehört zu einem kleinen, über den Finnischen Meerbusen in Richtung Karelien abziehenden Randtief. In der einfließenden subpolaren Meeresluft (T850 um oder etwas unter 0°C) kann es bei wechselnder Bewölkung hier und da mal etwas regnen, ohne dass dabei aber nennenswerte Mengen zusammenkommen.
Am Montag dehnt sich ein Trog über dem nahen Atlantik deutlich nach Süden aus, wo er spätestens in der Nacht zum Dienstag knapp westlich der Iberischen Halbinsel abtropft. Vorderseitige WLA sorgt für eine Aufwölbung des o.e. flachen Rückens, der sich genau über den Vorhersageraum legt, während sich das korrespondierende Bodenhoch leicht nach Osten versetzt vom zentralen Mittelmeer bis nach Finnland erstreckt. Mit südlicher Strömung wird wieder etwas mildere (T850 1 bis 5°C) und im Süden gleichzeitig labilere Luft herangeführt. Zudem befindet sich über dem Jura sowie den Westalpen ein kleines, bis nach Südwestdeutschland reichendes Höhentief, das man am Rande des fetten Rückens durchaus übersehen kann. Zwar ist die Strahlkraft dieses Tiefs nicht übermäßig prominent ausgeprägt. Mit Hilfe der Orografie könnte es aber trotzdem für einzelne Schauer und vielleicht sogar ein kurzes Gewitter im Süden und Südwesten der Nation reichen.
Während sich das kleine Höhentief bis Mittwoch einmal über die Mitte des Landes hinweg in Richtung Polen quasi durch den Rücken hindurchbohrt und dabei mit Unterstützung des Berglands weitere Schauer oder auch kurze Gewitter generiert, nähert sich von der Nordsee die schwache Kaltfront eines Nordmeersturmtiefs. Die Front arbeitet entfernt mit dem Residuum des abgetropften Troges zusammen, eine richtige Symbiose will aber nicht aufkommen (Front will zu uns, Residuum nach Südskandinavien). Letztlich erreicht sie bis Mittwochfrüh die Norddeutsche Tiefebene, wo sie sich unter dem regenerierenden Rücken und damit verbundenem starken Druckanstieg (Mittwochmittag eine eigenständige 1030-hPa-Parzelle mit Zentrum über den Dänischen Inseln) sehr wahrscheinlich auflöst. Ihre Wetterwirksamkeit beschränkt sich auf etwas frontale Bewölkung, kaum Regen und auch nur geringfügige Abkühlung.
Bis Donnerstag verlagert sich das Bodenhoch nach Belarus bzw. der Ukraine, wohingegen der Rücken nur schleppend hinterhertrottet. Bedeutet für uns einen antizyklonal geprägten, ziemlich milden (T850 3 bis 6°C) Vorfrühlingstag. Erst am Freitag erwischt uns dann von Westen her ein ausgeprägter Randtrog mit einer Kaltfront, bevor danach wieder - evtl. sogar für längere Zeit - auf Hochdruckeinfluss geswitcht wird.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Wenn man den Maßstab nicht allzu pingelig anlegt, kann die Konsistenz von IFS (ECMF) als gut bezeichnet werden. Im Grunde befinden wir uns die ganze Zeit über im Bereich eines Hochs, mal eher am Rand, mal mittendrin. Kleine Störungen sorgen dafür, dass sich ein leicht wechselhafter, aber keinesfalls unfreundlicher Wettercharakter auf frühlingshaftem Temperaturniveau einstellt (tagsüber abseits der Küsten meist zweistellig, nachts mit Ausnahme des Südens sowie einiger Mittelgebirge weitgehend frostfrei). Viel Regen fällt nicht, eher sind es einzelne Schauer oder sogar Gewitter, die für etwas Nass von oben sorgen. Bei unterschiedlicher Bewölkung zeigt sich aber auch immer wieder die Sonne.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Anfangs simulieren die etablierten Globalmodelle (neben IFS noch ICON, GFS, GEM und UK10) die beschriebene Entwicklung sehr ähnlich. Doch schon am Montag gibt es einen ersten kleinen Ausreißer, indem ICON eine Warmfront mit Regen auf Norddeutschland übergreifen lässt. Die nächste "Anomalie" folgt ab Dienstagabend seitens UK10, welches das Trogresiduum deutlich prominenter als die anderen Mitstreiter Deutschland von West nach Ost überqueren lässt. Vor allem der Norden würde dabei kurzzeitig eine fette Portion Höhenkaltluft mit T500 um -35°C (T850 bis -5°C) abbekommen, was nun aber so gar nicht im Interesse der anderen Modelle liegt - Außenseiterlösung.
Letztendlich gilt beim Modellvergleich dasselbe wie bei der Konsistenzbetrachtung: im Grunde Hochdruckeinfluss, allerdings mit Störungen, die mal mehr, mal weniger voneinander abweichen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bis Anfang nächster Woche einen eng gebündelten Verlauf, um danach allmählich zu divergieren. Bis Donnerstag verfolgt das Gros der Lösungen aber einen ähnlichen Kurs mit leicht positiven (bis etwa +6 oder 7°C Maximum) T850 und einem soliden Geopotenzial 500 hPa zwischen 560 und 570 gpdm. Ein paar Ensembles allerdings - eine Handvoll oder etwas mehr - scheren am Dienstag/Mittwoch begleitet von einigen RR-Signalen nach unten aus, was dem UK10-Szenario entsprechen würde. Oder anders ausgedrückt, so ganz klar ist noch nicht, was genau mit dem Trogresiduum passiert. Am Freitag nimmt die Streuung dann noch etwas zu, wobei sich kalte und milde Lösungen etwa die Waage halten - Scheideweg, Momentaufnahme?
Vielleicht liefert die Clusterung eine Antwort. Los geht´s am Sonntag und Montag (T+72...96h) gleich mal mit sechs Clustern, die aber zumindest bezogen auf den Vorhersageraum ein nahezu kongruentes Muster zeigen. Von Dienstag bis Donnerstag (T+120...168h) bleibt es bei sechs Clustern, die die Passage des Trogresiduums in unterschiedlicher Ausprägung, meist aber relativ flach zeigen. Danach regeneriert sich der Rücken wieder, in CL 1, 2 und 6 (insgesamt 32 Lösungen + HRES) ziemlich steil (Klimaregime "Blockierung"), in den anderen drei Clustern (19 Fälle) flacher bzw. leicht nach Osten versetzt (Klimaregime "NAO+"). Bliebe noch das dritte Fenster T+192...240h (Freitag bis Sonntag), das fünfmal vertreten ist. Im Grunde findet man in allen fünf Lösungen einen Höhenrücken mit Bodenhoch oder Brücke über Mitteleuropa. Dieses antizyklonale Setup wird mal mehr, mal weniger von durchziehenden Kurzwellentrögen gestört, die offensichtlich für die kälteren Lösungen in den Rauchfahnen verantwortlich zeichnen. Nichts von Dauer, Vieles spricht für eine immer wiederkehrende Regeneration des Hochdruckeinfluss´.
FAZIT:
Durch kleine Höhentiefs oder Kurzwellentröge zeitweise gestörter Hochdruckeinfluss bei für Anfang März überdurchschnittlichen Temperaturen lautet das Motto für die erste Woche des meteorologischen Frühlings. Der Wetterablauf ist leicht wechselhaft mit einzelnen Schauern, vielleicht ersten kurzen Gewittern, aber auch ausreichend sonnigen oder nur locker bewölkten Anteilen. Punktuell leichter Nachtfrost steht am ehesten noch im Süden und Südosten auf der Karte.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Trotz der angesprochenen Unschärfen ist die Großwetterlage nicht besonders geeignet, um Schlagzeilen auf dem Sektor "signifikante Wettererscheinungen" zu produzieren. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass hier im Text mal das Wort "Gewitter" auftaucht. Wenn solche überhaupt auftreten, was angesichts der Rahmenbedingungen keinesfalls sicher ist, spricht nicht allzu viel dafür, dass sie dabei von signifikanten Wettererscheinungen begleitet werden. Ansonsten drohen weder spätwinterliche Schweinereien, noch kündigt sich irgendein Frühjahrssturm an und auch das Thema Niederschlag kommt über eine unscheinbare Komparsenrolle nicht hinaus.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS mit IFS-EPS und MOS-Mix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





