Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 04.04.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Wz Übergang zu HM

Ostersonntag Windlage. Einzelne, Küste und Bergland häufiger stürmische Böen oder Sturmböen. Im Süden einzelne Gewitter mit Sturmböen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag... liegen wir unter einer, durch einen von Westen übergreifenden Höhenrücken, antizyklonalen westlichen Strömung. Vor einem Trog über dem Atlantik entwickelt sich bei Irland und Schottland ein Orkantief (Böen 60 bis 70 kt an den dortigen Küsten), auf dessen Vorderseite besagter Keil nebst Hochdruckzelle nach Mitteleuropa, bzw. in den Alpenraum geführt werden. Sie überlagern die Ausläufer eines Tiefs über Südskandinavien, die über der Mitte Deutschlands ins Schleifen gekommen sind. Im Tagesverlauf setzt sich eine daraus resultierende Warmfront nordwärts in Bewegung. Dabei lässt die Hebung im antizyklonalen Umfeld deutlich nach.

Zunächst halten sich gebietsweise dichten Wolkenfelder, die Regenfälle ziehen sich aber schwerpunktmäßig über Süd- und Südostdeutschland zurück und schwächen sich ab. Im Norden setzt sich postfrontal und der einströmenden Meereskaltluft gebietsweise die Sonne durch, sonst bleiben wenigstens einige Lichtblicke. In Teilen Bayerns überwiegt die Himmelsfarbe grau. Gestützt durch eine Staukomponente an den Alpen kann es vor allem am östlichen Alpenrand kräftiger regnen mit 5 bis 10 l/m² bis zum Abend.

Der Gradient nimmt vorübergehend zu, was ganz im Norden (S-H) und im Nordosten gebietsweise zu Windböen 7 Bft aus West führen dürfte. Auch im Bergland und an den Küsten stehen steife bis stürmische Böen auf der Karte, exponiert auf Gipfel Sturmböen 9 Bft, aus meist Südwest bis West.
Dabei verstärkt sich die Zufuhr relativ milder Meeresluft in den Süden und die Mitte und trotz der Bewölkungsanteile steigt die Temperatur auf 13 bis 18°C. lediglich ganz im Norden und im höheren Bergland liegen die Werte darunter.

Die Nacht zum Ostersonntag geht im Warmsektor unseres zur nördlichen Nordsee (Seegebiet: Viking, Sturmfeld mit 70 bis 80kt Böen) ziehenden Sturms oft ruhig über die Bühne. Erst zum Morgen kommt im Nordwesten die Kaltfront mit Schauern und auffrischendem Südwestwind an. An der Nordsee, im nahen Binnenland sind steife bis vereinzelt stürmische Böen möglich. Ebenso im höheren Bergland. Nur auf dem Brocken langt es schon zu schweren Sturmböen, vielleicht Sonntag früh zu orkanartigen Böen. Frost gibt es nicht, im Westen werden Minima teilweise um 10°C erwartet und die Nebelneigung ist meist gering. Nur in Süddeutschland sind Nebelfelder etwas wahrscheinlicher.

Sonntag... stellt sich windiges, aber auch recht warmes Wetter ein. Unser Sturmtief zieht bei beginnender Abschwächung nach Mittelschweden. Dessen Kaltfront überquert Deutschland nach Südosten und überquert abends den Main. Im Warmsektor gelangt mit dem lebhaften Südwestwind sehr milde Luft zu uns mit Werten in T850 hPa im Süden bis 9°C. So steigt die Temperatur in der Südosthälfte auf 19 bis 23°C an.

Postfrontal im Nordwesten werden in der erneut einfließenden Meereskaltluft nur 10 bis 15°C erreicht.
Dazu regnet es im Bereich der Kaltfront leicht, teils auch konvektiv durchsetzt. Allerdings wird die Wetteraktivität durch überlagerte Kaltluftadvektion gebremst. Die damit verbundene Stabilisierung macht auch die Gewitter, die in diversen Modelloutputs (u.a. I D2) zu finden sind, nicht gerade wahrscheinlich. Vielleicht zündet es wie im Super HD angedeutet östlich von uns über Polen.

Im Süden bleibt es meist trocken, jedenfalls bis zum Abend. Dort ist die Luft zwar am instabilsten (siehe: lapse rates), aber auch trockener, sodass es zunächst nicht zu hochreichender Konvektion kommt. Erst abends, wenn die Luft angefeuchtet wird, sind vom Bodensee und Oberschwaben nach Nordosten ins südliche Bayern (Regionen: siehe u.a. LPI, Modellwetter) Schauer und Gewitter möglich, vielleicht linienhaft. Die werden markant durch mögliche stürmische Böen oder Sturmböen, die bei starker Scherung auch durch die trockene Grundschicht forciert werden.

Der anziehende Druckgradient lässt recht verbreitet Böen Bft 7 aufkommen und einzelne stürmische Böen Bft 8 (exponiert, Frontpassage, Schauer) aufkommen. Im Bergland sind stürmische Böen oder Sturmböen 9 Bft häufiger und auf dem Brocken schwere Sturmböen bis orkanartige Böen Bft 10-11 aus Südwest bis West wahrscheinlich. Nach Passage der Kaltfront fächert der Gradient mit Abzug des Bodentroges und Annäherung eines neuen Hochs von Frankreich wieder auf und der Wind lässt nach.
Viel Sonne gibt es vor allem im Süden. Sonst ist es eher dicht bewölkt, bevor es postfrontal im Norden auflockert.

In der Nacht zum Ostermontag zieht die Kaltfront über Süddeutschland zu den Alpen. Der nachfolgende Höhentrog schwenkt über Deutschland hinweg ostwärts und nachfolgend baut sich über Westeuropa und den Britischen Inseln ein neuer Rücken auf. Er stützt im Bodendruckfeld ein umfangreiches Hoch mit Schwerpunkt über Nordostfrankreich und dem äußersten Westen Deutschlands. In der Mitte und im Süden fällt zunächst gebietsweise leichter Regen, im Norden können im Trogbereich und bei einem Streifschuss höherkalter Luft Schauer und einzelne Gewitter auftreten. Diese sind durchaus mit stürmischen Böen oder Sturmböen (40 kt in 1000m) verbunden. Im Süden sind an der Kaltfront Schauer und Gewitter möglich, teilweise als Linie und ebenfalls mit Potential von kräftiger Windentwicklung.
Der erhöhte Druckgradient bleibt im Norden und Nordosten erhalten, vor allem an den Küsten treten Böen Bft 7 bis 8, vereinzelt 9 Bft um West auf. In den anderen Regionen lässt der Wind rasch weiter nach, im Südwesten und Westen schläft er fast vollständig ein.
In der einfließenden Meereskaltluft lockert die Bewölkung von Norden auf und die Nacht wird wieder kälter. Die Temperatur sinkt auf 6 bis 1°C ab, im Bergland ist vereinzelt wieder leichter Frost möglich. Im äußersten Südosten bleibt es unter dichteren Wolken milder.

Montag... amplifiziert sich der Rücken über Westeuropa stark Richtung Nordmeer. Das geht aber auf Kosten einer Progression nach Osten, die fast zum Erliegen kommt. Das zugehörige Bodenhochdruckgebiet liegt über Deutschland, sodass die in großen Landesteilen eingeflossene Meereskaltluft zur Ruhe kommt. Nur im Norden und Nordosten herrscht ein kräftiger Druckgradient zum Tief über Finnland. Von Nord- und Ostsee bis Ostsachsen treten häufig steife und einzelne stürmische Böen aus West bis Nordwest auf. An den Küsten und in Vorpommern sind Sturmböen 9 Bft möglich.
Zum Abend lässt der Wind langsam nach und in der Nacht zum Dienstag geht der Druckgradient soweit raus, dass auch an der Ostsee die warnwürdigen Böen zum Morgen vorbei sind.

Der Ostermontag wird freundlich, teilweise sonnig, aber wieder kühler. Bei Werten mittags von +5°C in 850 hPa am Oberrhein und -5°C über Norddeutschland liegen die 2m Maxima bei 11 bis 19°C von Nordost nach Südwest. Dazu bilden sich einige Quellwolken, die sich an der Absinkinversion in 800/850 hPa zu Sc Feldern ausbreiten können.

In der Nacht zum Dienstag klart es auf und es tritt gebietsweise leichter Frost auf, stellenweise mäßiger Frost in 5 cm über dem Boden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren ähnlich. MOS suggeriert am Sonntag verbreitet stürmische Böen, was aber wahrscheinlich etwas zu viel ist. Die auftretenden 8er Böen können mit Häkchen in gelben Warnungen, bzw. mit kurzfristigem Aufstocken auf markant abgefangen werden. Gewitter dürften vor allem im Süden möglich sein, dort markant (siehe Text). Für die anderen Regionen sprechen u.a. die Tendenzen von Labilität und Feuchte dagegen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner