Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 21.04.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Im Hochschwarzwald kommende Nacht und am Mittwoch stürmische Böen (Feldberg: Sturmböen), ansonsten unter Hochdruckeinfluss keine markanten Wettererscheinungen. Nachts weiterhin Frostgefahr.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Aktuell ... hat für uns beim kurzen Blick auf die Bodenkarte das umfangreiche Hochdruckgebiet "ULI" mit Zentrum (über 1040 hPa) knapp westlich von Island in Form eines breiten und sehr robusten Keils, der nicht nur nach Skandinavien reicht, sondern auch weite Teile Mitteleuropas und somit mehr oder weniger das gesamte Vorhersagegebiet überdeckt, wettertechnisch das Zepter in der Hand. Dennoch hat sich der Wetterablauf hierzulande nicht ganz störungsfrei gestaltet. Schuld daran ist ein vom Höhentrog über Nordosteuropa ausgehender, zonal ausgerichteter und sichelförmiger Randtrog, dessen Achse aktuell noch über Süddeutschland hinweg westnordwestwärts bis zum Ostausgang des Ärmelkanals reicht. Dieser korrespondierte heute tagsüber noch mit dem Feuchtefeld einer ehemals sehr wetteraktiven Okklusion bzw. Tiefdruckrinne, die vorgestern bzw. in der Nacht zu gestern noch für die ergiebigen Regenfälle im Osten und Nordosten Deutschlands verantwortlich war, aktuell aber nur noch ein Schatten ihrer selbst darstellt und als Rinne im Bodenfeld nicht mehr auszumachen ist. Immerhin hat es in der leidlich labil geschichteten Luftmasse (Labilitätsfläche bis knapp über 700 hPa) in der Mitte und im Süden Deutschlands mit dem Tagesgang, trotz des zunehmenden Entrainments trockener Festlandsluft polaren Ursprungs von Nordosten her, noch zu hochreichender Quellbewölkung und in erster Linie über Bayern auch für einzelne unergiebige Schauer gereicht. Während sich auch im Nordosten und Südwesten noch flache Quellwolken ausbilden konnten, schien dagegen im Norden und Nordwesten die Sonne von einem überwiegend wolkenlosen Himmel. Mit der Einstrahlung, aber auch aufgrund leichten Absinkens konnte sich die advehierte Luftmasse niedertroposphärisch immerhin auf 850 hPa-Temperaturen zwischen -2 und +1 Grad erwärmen, bei zeitweise böig auffrischendem, aber nicht mehr warnrelevantem Nordost- bis Ostwind reichte das immerhin für Höchstwerte zwischen 9 Grad an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bzw. bei weniger Sonne in einigen Gegenden im Südosten und 15/16, vielleicht sogar knapp 17 Grad entlang des Rheins.
Im Laufe der kommenden Nacht schwenkt am Südrand der Höhenantizyklone ein Höhenkeil von Südskandinavien zur Nordsee, wodurch der Randtrog über Süddeutschland langsam nach Süden gedrückt wird und Mittwochfrüh mit seiner Achse den Alpennordrand erreicht. Rückseitig verstärkt sich ein von Hoch "ULI" über die Nordsee südostwärts bis ins Vorhersagegebiet gerichteter Bodenhochkeil deutlich, dessen Divergenzachse (morgens 1030 hPa über der Deutschen Bucht, 1025 hPa über Südostbayern) erstreckt sich morgens von Ostfriesland bis zum Bayerwald. Nordöstlich davon dreht der Wind allmählich auf Nordwest, wodurch langsam die Advektion bodennah etwas feuchterer Luft einsetzt, was aber vorerst keine Auswirkungen hat. Im Westen und Süden bleibt es hingegen bei Bodenwinden aus Ost bis Nordost. Vor allem im Südwesten verschärft sich der Gradient und es stellt sich Bise ein. Orographisch getriggert kann es im Hochschwarzwald zu ersten stürmischen Böen, auf dem Feldberg eventuell auch zu Sturmböen (Bft 8 bis 9) kommen.
Ansonsten verläuft die Nacht störungsfrei. Die Quellwolken in der Mitte und im Süden lösen sich rasch auf, lediglich ganz im Süden vom Bodensee/Hochrhein über Oberschwaben bis ins zumindest südliche Alpenvorland kann sich bei gegen die Alpen gerichtetem Wind und unterhalb einer sich verstärkenden Absinkinversion eine dichte hochnebelartige Wolkendecke ausbreiten. Im Rest des Landes bleibt es überwiegend wolkenlos oder gering bewölkt. Innerhalb der trockenen Luftmasse sinkt die Temperatur rasch in den Keller und es gibt (mal abgesehen von den Niederungen West- und Südwestdeutschlands) vielerorts leichten Frost, in einigen höher gelegenen Mittelgebirgstälern (z.B. Erzgebirge, Bayerwald) sowie in Bodennähe kann es auch mäßigen Frost geben.
Mittwoch ... schwenkt der Randtrog über die Alpen südwärts, hängt aber nach Nordwesten zurück, was für die Wetterentwicklung bei uns allerdings kaum von Bedeutung ist. Rückseitig erfolgt ein weiterer Geopotenzialanstieg, vor allem über der Nordsee und Benelux, unsere Höhenantizyklone erstreckt sich somit zu Tagesende bogenförmig von der Irmingersee bzw. Südgrönland über Island und die Norwegische See bis zur Nordsee.
Das umfangreiche Bodenhoch "ULI" wird zwar etwas abgebaut, ändert sich in Lage und Ausrichtung aber kaum, dessen Achse erstreckt sich nach wie vor in etwa vom nordwestlichen Niedersachsen bis zum ostbayerischen Mittelgebirgsraum. Südwestlich davon bleibt vor allem über dem Süden BaWüs ein relativ scharfer Gradient aufrecht, der erst zu Tagesende beginnt, langsam aufzuweichen. Somit bleibt es dort bei der Bisenlage, und mit dem Tagesgang frischt nun auch in den Niederungen der Wind auf. Vor allem vom westlichen Oberallgäu über Oberschwaben und dem Bodensee bis zum Hochrhein kann es einzelne steife Böen aus Ost bis Nordost geben, im Hochschwarzwald weiterhin stürmische Böen, exponiert Sturmböen. Zum Abend flaut der Wind dann langsam ab. Ansonsten steht aber einem überwiegend sonnigen Tag nichts im Wege. Die hochnebelartige Bewölkung im Alpenvorland dürfte sich langsam auflösen bzw. flacher Quellbewölkung weichen, die es auch im übrigen Mittelgebirgsraum geben kann. Mit der sich etwas verstärkenden bodennahen nordwestlichen Strömung driftet am Nachmittag bzw. Abend allerdings von der Nordsee her ein Stratusfeld über die Deutsche Bucht südwärts und dürfte spätnachmittags Nordfriesland, abends eventuell auch die Ostfriesischen Inseln erfassen. Mit der nahezu ungehinderten Einstrahlung und durch dynamisches Absinken kann sich die Luftmasse auch niedertroposphärisch erwärmen auf 0 bis +5 Grad in 850 hPa bis zum Abend. Das reicht für Höchstwerte zwischen 14 und 19 Grad, im südlichen Oberrheingraben auch um 20 Grad. Etwas frischer bleibt es eventuell im höheren südlichen Alpenvorland, vor allem aber auch bei auflandigem Wind auf einigen Nordseeinseln.
In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich das Zentrum von "ULI" mit knapp 1035 hPa langsam Richtung nordwestliche Nordsee. Die Achse des nach Mitteleuropa gerichteten Keils verlagert sich ein klein wenig südwestwärts (morgens Niederrhein-Oberbayern), wodurch der Gradient im Südwesten des Landes weiter aufweicht. Durch nächtliche lokale Low Level Jets kann es im Hochschwarzwald allerdings noch einzelne stürmische Böen aus Nordost geben. Dafür verschärft sich allerdings der Gradient über dem Norden und Osten des Landes etwas. An der Nordsee frischt der Wind böig aus Nordwest auf, eventuell reicht es morgens für einzelne steife Böen (Bft 7) rund um Sylt, auf dem Brocken und dem Fichtelberg kann es stürmische Böen geben. Der auffrischende Wind hat einen weiteren, deutlicher spürbaren Effekt: Der Nordseestratus kann sich unterhalb der in etwa bei 950 hPa gelegenen scharfen Absinkinversion rasch landeinwärts in die Norddeutsche Tiefebene ausbreiten, morgens etwa bis zu einer Linie Westmünsterland-Berlin. Nördlich davon bleibt es überwiegend bedeckt, eventuell lockern durch Skandenföhn die Wolken ausgangs der Nacht in Vorpommern von Norden her wieder auf.
Im Rest des Landes bleibt es dagegen wolkenlos bzw. gering bewölkt. Somit kann es in einigen Regionen auch wieder leichten Frost, verbreitet aber Bodenfrost geben. Ausgespart davon bleiben der Norden und Nordosten (wegen der dichten Wolken) und die meisten tiefen Lagen Westdeutschlands.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Substanzielles mehr hinzuzufügen. Den "Nordseestratus" haben die Modelle im Detail nicht so wirklich im Griff, ansonsten ändert sich ja gegenüber dem Vortag - sieht man mal vom auffrischenden Nordwestwind an der Nordsee und in den Mittelgebirgen ab - kaum etwas. Unterhalb der Bewölkung im Norden bleibt es wohl etwas frischer als am Vortag, bei Sonnenschein kann sich die Luftmasse aber weiter erwärmen und vor allem vom Westen/Südwesten bis nach Unter- und Mittelfranken werden die 20 Grad vielerorts überschritten.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Prognose der tiefen Bewölkung ist noch gewissen Unsicherheiten unterworfen, ansonsten fahren die Modelle aber einen einheitlichen Kurs.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 21.04.2026 um 10.30 UTC
Hochdruckeinfluss. Erst langsame Erwärmung, ab dem Wochenende wieder kälter.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 28.04.2026
Am Freitag liegt ein blockierendes Hoch über dem Nordostatlantik, gestützt von einem Höhenrücken, der von Südwesteuropa bis Grönland reicht. Im Randbereich zum Hoch liegt ein Bodenhochkeil von Nordwest nach Südost über Mitteleuropa. Die Frontalzone verläuft östlich davon vom Nordmeer zum Schwarzen Meer. Die trocken-kühle Luftmasse über Mitteleuropa erwärmt sich durch kräftige Einstrahlung und bringt es tagsüber auf mehr als 20°C im Südwesten, in den Nächten gibt es zumindest gebietsweise Frost in Bodennähe. Im Randbereich zur Frontalzone frischt der Nordwestwind an den Küsten zeitweise auf, auch mal mit warnwürdigen Böen an der Nordsee.
Am Samstag trogt es von Skandinavien südwärts aus. Das davor befindliche Tief zieht unter Verstärkung zum Baltikum, wobei auf dessen Rückseite die Kaltfront auf Norddeutschland übergreift. Postfrontal erreicht ein Schwall frischer, trocken-kalter Luft auch Mitteleuropa. Antizyklonal überlagert fällt dabei kaum Regen, lediglich der West bis Nordwestwind frischt in Norddeutschland kräftig auf. Präfrontal werden es in der erwärmten Luftmasse mehr als 20°C, dahinter werden teilweise kaum 15°C erreicht.
Am Sonntag zieht die Kaltfront nach Südosten ab, gefolgt von einem Trogvorstoß über Osteuropa. Bei uns gelangt die einfließende kalte Luft unter den Einfluss einer umfangreichen Hochdruckzone mit Schwerpunkt über der Nordsee. Dabei scheint häufig die Sonne, bei 0 bis -5°C in 850 hPa hält sich der Temperaturanstieg in Grenzen. In den Nächten nimmt die Frostgefahr wieder zu. Am Montag und Dienstag überwiegt nach wie vor antizyklonaler Einfluss. Das Bodenhochdruckgebiet kann sich dabei aber über Nordeuropa nach Osten ausweiten. Die Zufuhr trocken-kühler Luftmassen setzt sich fort. Ob zum Ende und in der erweiterten Mittelfrist der Trog über Osteuropa etwas wetteraktivere Randtröge nach Deutschland steuert ist unsicher. Wahrscheinlich bleibt es zumindest niederschlagsarm und für die Jahreszeit sehr kühl.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der Kaltluftvorstoß nach Mitteleuropa wurde in den letzten Läufen mal weiter östlich, mal westlicher gesehen. Der neue Lauf favorisiert die letztgenannte Variante, nach der die kalte Luft uns am Wochenende besser treffen würde. Das Ganze wird überlagert von Hochdruckeinfluss, sodass es dabei kaum nennenswerte Niederschläge geben soll. Lediglich der Wind frischt zeitweise kräftig auf. Bei den letzten beiden Punkten herrscht dann wieder Konsens in den letzten Läufen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Globalmodelle zeigen abweichende Lösungen. Nicht was die antizyklonale Dominanz angeht, die ist in der Modellwelt unangetastet. Vielmehr zeigen ICON, GFS und besonders UKMO die kalte Luft auf östlicherer Spur und belassen es bei einem Streifschuss. Vor allem im Westen/Südwesten bekäme man nach diesen Lösungen nicht viel vom Temperaturrückgang mit. "Viel Wetter", vor allem irgendwelche markanten Entwicklungen bringen damit die anderen Modelle nicht ins Spiel, wenn man mal davon absieht, dass die Frostgefahr Ende April auch eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Während die Geopotentialkurven ziemlich konstant auf hohem Niveau verlaufen, fächern die Kurven der 850 Temperatur in den Rauchfahnen am nächsten Wochenende stark auf. Auch aus Sicht der ENS ist der Kaltluftvorstoß unsicher. Während nach Osten hin die kalten Lösungen überwiegen, sind ansonsten auch mildere Varianten vorhanden und der Kontrolllauf zählt zu den kälteren Lösungen. Niederschlagssignale sind nur sporadisch vorhanden. Das und die vorherrschenden Winde aus Nord bis Ost zeigen das das Blocking anhält.
Die Clusterung sortiert die Wetterlagen im ersten Zeitschritt und dann bis +168h ins Muster "atlantic ridge", was aber auch passt, nur mit dem Blocking etwas westlicher. Für den Zeitraum bis +168h gibt es nur einen Cluster. Das trifft auch danach - in der erweiterten Mittelfrist - zu, dann soll sich die Höhenströmung aber zyklonaler gestalten. Das dann möglicherweise etwas unbeständigere Wetter, wäre aber mit ziemlich kühlen Luftmassen verbunden.
Fazit: Mittelfristig bleibt es bei Hochdruckeinfluss, der keine signifikanten Entwicklungen zulässt. Östlich des blockierenden Hochs kommt es zu einem Kaltluftvorstoß am kommenden Wochenende. IFS zeigt ihn aktuell wieder stärker nach Mitteleuropa gerichtet, die anderen Modelle und die ENS ziehen nicht, oder nur bedingt mit. Die Frostgefahr würde dabei wieder zunehmen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der Wind frischt mit Passage der Kaltfront am Wochenende zeitweise stärker auf. Vor allem an den Küsten und im östlichen Bergland könnte es vorübergehend stürmisch werden mit Böen 7 bis 8 Bft, exponiert Sturmböen 9 Bft aus Nordwest. Die Nachtfrostgefahr nimmt in der frischen Kaltluft wieder zu.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mos, IFS und ENS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner





