Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 29.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Von SWa zögernd zu BM
Wechselhaft mit wiederholt auftretenden, teils heftigen Schauern und Gewittern. Unwettergefahr besonders durch Starkregen. Meist sommerlich warm, anfangs regional auch noch heiß.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... starten wir in eine Kurzfrist, die endlich mal nicht mehr von extremer Hitze und Rekordwerten dominiert wird.
Der für die Hitzewelle verantwortliche Höhenkeil liegt mittlerweile über Osteuropa und schwächt sich dort sukzessive ab, nicht aber ohne auch dort die Temperaturen ordentlich in die Höhe zu treiben. Derweilen baut sich während der Kurzfrist vor der Biskaya eine neue umfangreiche Hochdruckzelle auf, die zunehmend das Geschehen auf der europäischen Wetterkarte dominiert. Mitteleuropa gelangt dabei zwischen die Stühle in eine Schwachstelle beim Geopotenzial, wobei dies ein Trog über Nordwesteuropa wahrnimmt und sich sukzessive nach Deutschland heranpirscht. Somit wird eine eher wechselhafte Witterung aufrechterhalten.
Heute tagsüber beschäftigt uns aber erstmal ein Kurzwellentrog, der (geschert) den Nordwesten von Deutschland nordostwärts passiert. Seine Passage sorgt temporär für niedertroposphärische Frontogenese entlang einer der Kaltfront vorgelagerten Windkonvergenz (zum 00Z Termin wurde die eigentliche Kaltfront noch über dem Westen von Benelux verortet). Das Residuum des gescherten Troges liegt in Form einer Kurzwelle über Ostfrankreich und driftet von dort sukzessive nach Süddeutschland.
Von daher wird sich das umfangreiche konvektive Niederschlagsgebiet, das sich im Verlauf der Nacht von Frankreich bis in die Mitte und am Vormittag bis in den Norden der Republik voran gearbeitet hat, weiter nordostwärts ausdehnen. Dabei sorgen eingebettete konvektive Elemente für eine lokale/temporäre Unwettergefahr durch Starkregen mit Mengen von 25 bis lokal 30 l/qm/h. Auch im Osten konnte sich ein Cluster aus der Nacht in Richtung Lausitz retten, lokal ebenfalls mit Unwettergefahr durch Hagel und Starkregen.
Den Vormittag und Mittag über wird der konvektive Niederschlag im Nordosten der Republik dank zunehmender Labilität wieder reaktiviert, wobei bei PWATs von teils über 35 mm der Starkregen bis in den Unwetterbereich im Fokus steht. Dabei betrifft der eigentliche (und an die Konvergenz gekoppelte) Cluster vor allem das südliche und östliche Niedersachsen, wobei hier meist nur markante und eher punktuell mal unwetterartige Mengen zu erwarten sind, zumal sich dieser Cluster zum Mittag allmählich abschwächt. Zugleich richtet sich der Fokus auf die östlicheren Bereiche (Brandenburg/Berlin/Sachsen-Anhalt und Sachsen), wo im Vormittagsverlauf weitere Gewitter entstehen, die teils verclusternd nordostwärts ziehen. Hier können dank zunehmender Labilität punktuell auch Niederschlagsmengen nahe am extremen Unwetter (bis 40 l/qm/h) auftreten. Zum frühen Nachmittag ziehen diese Niederschläge allmählich nach Polen ab und nachfolgend beruhigt sich das Wetter.
Im Südosten beginnt der Tag noch mit viel Sonnenschein, wenngleich es hier und da bereits die ersten Schauer und Gewitter gibt (meist an die Orografie gebunden).
Ab dem Mittag können sich auch im Süden der Republik lokal teils heftige Schauer und Gewitter entwickeln, was vor allem Franken, den Bayerischen Wald, den Alpenrand und ggf. auch die Pfalz betrifft. Hier wird die nach Süddeutschland driftende Kurzwelle erwartet, die sich über Süddeutschland festläuft, aber weiter aktiv bleibt. MUCAPE bis 1500 J/kg und schwache Scherung bei hochreichend feuchter Luftmasse sorgen punktuell für Unwettergefahr durch heftigen Starkregen (um 30 l/qm in kurzer Zeit), Hagel und stürmische Böen (Bft 8). Lokal extremes Unwetter durch sehr heftigen Starkregen kann man nicht ausschließen, was vor allem bei stationärer Konvektion an der Orografie, aber ggf. auch entlang kollidierender Outflow boundaries (Niederbayern) der Fall sein kann. Zudem besteht weiterhin das Potential, dass vorderseitig der Kurzwelle mit etwas Rückdrehen der Winde die Konvektion nordwärts ins Vorland gedrückt wird (im ID2-EPS wird dies besonders im Maximum, kaum im Median und in der Deterministik hinterlegt).
Der Westen und besonders Nordwesten liegen rückseitig der ganzen Konvektion in einer stabilen Schichtung, sodass besonders vom Niederrhein bis zur Ostsee bei steigendem Bodendruck ein freundlicher, zeitweise auch sonniger Tag zu erwarten ist. Dabei passiert den Nordwesten eine wetterinaktive Kaltfront, die in Richtung Niedersachsen und nördliche NRW für einzelne Schauer oder ein kurzes Gewitter gut sein kann - sonst bleibt es aber trocken.
Die Maxima liegen im südlichen Brandenburg/Lausitz sowie in weiten Bereichen Bayerns zwischen 30 und 32 Grad, in Richtung Niederbayern auch um 33 Grad und sonst zwischen 24 und 28 Grad, küstennah um 22 Grad. Schwacher bis mäßiger Wind aus nördlicher Richtung.
In der Nacht zum Dienstag wird bei einem sehr seichten Geopotenzialgradienten und einem vorhandenen schwachen Bodenhoch meist eine vergleichsweise ruhige Nacht erwartet. Letzte Schauer und Gewitter fallen im Süden während der ersten Nachthälfte zögernd in sich zusammen (bei zurückgehendem Unwetterpotenzial) und in Richtung Oberlausitz muss noch geschaut werden, ob ein Gewittercluster von Tschechien kommend auf unseren Bereich übergreift. Allerdings streut die Numerik noch erheblich, wobei besonders Globalmodelle auch nach Mitternacht in Richtung Bayern und Sachsen/südliches Brandenburg weitere Schauer und Gewitter sehen und diese Option sollte auf jeden Fall weiter beobachtet werden, sorgt die über Süddeutschland liegende und sich auffüllende Kurzwelle doch für weitere Hebungsantriebe.
Im Westen und Norden verläuft die Nacht unter seichtem Hochdruckeinfluss teils klar, teils bewölkt und meist trocken.
Die Minima liegen im Süden und Osten zwischen 21 und 17 Grad, im Westen zwischen 17 und 11 Grad und das bei einem schwachen Wind aus Nordost.
Dienstag... nähert sich von Nordwesteuropa der bereits angesprochene markante Trog allmählich an. Vorderseitig sorgt diese Entwicklung mit einem weiteren Rückdrehen der meist schwachen Höhnwinde, dass die über Süddeutschland verweilende Kurzwelle im Tagesverlauf in Form eines "lead impulse" nordostwärts über Ostdeutschland geführt wird und in der Nacht den Norden Polens passiert.
Dabei wird die über Süddeutschland liegende sehr feuchte und labil geschichtete Luftmasse (PWAT um 40 mm und MUCAPE von 1000 bis 2000 J/kg) nordostwärts geführt und teilweise auch vorderseitig in den von Westen nahenden Trog eingespeist.
Im Süden der Republik entwickeln sich nach einem freundlichen, teils auch sonnigen Start im Verlauf des Nachmittags besonders entlang der Orografie teils heftige Schauer und Gewitter, die mit unwetterartigem Starkregen um 30 l/qm/h und teils mit Hagel einhergehen können. Die im EPS angedeutete Option eines umfangreichen und von Österreich nach Tschechien ziehenden Clusters ist mit der Nordostverlagerung der Kurzwelle eine vertretbare Option. Dieser Cluster könnte zum Abend auch den Osten von Sachsen beeinflussen. Ansonsten brodelt es bis zum Abend im Süden immer heftiger mit teils eigenständigen Clustern, die sich erratisch bewegen. Punktuell extremes Unwetter durch Starkregen ist nicht ausgeschlossen, was besonders die Oberpfalz und den Schwarzwald/die Schwäbische Alb betrifft, wo eine auf 15 m/s zunehmende hochreichende Scherung auch für besser strukturierte Cluster gut sein kann (inklusive teils größerem Hagel).
Abgesetzt davon richtet sich der Blick in den Nordwesten der Republik. Hier beginnt der Tag freundlich, doch muss auch hier im Nachmittagsverlauf mit zunehmender snyoptisch-skaliger Hebung aus Westen und mit teils dichter Bewölkung sowie mit einem ansteigenden Schauer- und Gewitterrisiko gerechnet werden. Aus heutiger Sicht findet keine direkte Advektion der labilen/feuchten Luftmasse von Süddeutschland nordwestwärts gerichtet statt. Eher wird hier die stark modifizierte atlantische Luftmasse in Form einer stärkeren Massenflusskonvergenz eingebunden und kann regional etwas MUCAPE unterstützen. Die Scherung per se würde organisierte Konvektion stützen, sodass hier auch einzelne Gewitter durchweg markant, vielleicht lokal auch mal unwetterartig durch Hagel ausfallen können.
Am längsten trocken bleibt es voraussichtlich im äußersten Nordosten.
Die Höchstwerte liegen zwischen 24 und 29 Grad, im Südwesten zwischen 28 und lokal 33 Grad und das bei eine schwachen bis mäßigen Wind aus Nordost.
In der Nacht zum Mittwoch nähert sich der Trog von Westen weiter an, verstärkt die synoptisch-skalige Hebung, die zusätzlich durch Höhendivergenz im rechten Einzug eines nach Skandinavien ziehenden Jet Maximums besonders im Osten der Republik weiter forciert wird. Somit deutet sich für den Süden und Osten eine sehr rege und warnintensive Gewitteraktivität an, bei der der Starkregen nicht nur punktuell, sondern gebietsweise auch regional unwetterartig ausfallen kann (PWAT um 40 mm). Selbst extremes Unwetter ist bei rückseitigem Anbauen der Gewitter oder Zellinteraktionen untereinander/mit der Orografie absolut vorstellbar. Entsprechende Signale sind in den Ensembleverfahren vorhanden, wenngleich noch diffus und recht verstreut. Hier macht die Überlegung einer Vorabinformation Sinn und sollte heute Abend oder morgen Vormittag besprochen werden, wenn auch die Ensembles der höher aufgelösten Modelle den gesamten Zeitraum umfassen.
Im äußersten Westen verläuft die Nacht meist klar und trocken.
Die Minima liegen im Süden zwischen 20 und 17 Grad, im Osten nur etwas darunter und erreichen in Richtung Eifel ausgangs der Nacht erfrischende 11 Grad. Der Wind dreht zunehmend auf west und frischt im Bergland zeitweise auf.
Mittwoch... erfolgt dann in der Höhe die Trogpassage, wobei die energiereiche und sehr feuchte Luftmasse besonders im Süden nur sehr zögernd ausgeräumt wird. Im Süden treten weitere Schauer und Gewitter auf, teils haben sich auch größere Cluster mit länger anhaltendem Regen gebildet, die Stück für Stück in Richtung Österreich und Tschechien driften, wohl aber erst zum Nachmittag endgültig ostwärts abziehen. Starkregen, teils bis in den Unwetterbereich bleibt bis zum Mittag noch wenigstens lokal ein dominantes Thema (einstündig oder mehrstündig).
Im Westen und Norden entwickeln sich unter dem Trog mit einhergehender Abkühlung in der Höhe im Tageverlauf zahlreiche Schauer und Gewitter, die bei nur zögernd auf 25 mm zurückgehendem Wassergehalt in der Troposphäre weiterhin markant und lokal unwetterartig durch Starkregen ausfallen können. Dazwischen zeigt sich aber wenigstens zeitweise die Sonne.
Die Höchstwerte liegen im teils anhaltenden Regen im Südosten/Osten um 20 Grad und erreichen im eher freundlichen Südwesten 24 bis 29 Grad, mit den höchsten Werten den Oberrhein entlang. Der Nordwestwind weht meist mäßig und frischt im Tagesverlauf zeitweise leicht böig auf.
Die Nacht zum Donnerstag über steigt der Bodendruck von Frankreich an und sorgt für eine von West nach Ost rasch durchgreifende Wetterberuhigung, sodass die zweite Nachthälfte meist klar, im Osten auch bewölkt, aber überall trocken verläuft. Die Tiefstwerte liegen im Osten um 16 Grad und sonst zwischen 14 und 8 Grad und das bei einem schwachen Westwind.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik hat die Entwicklung auf der synoptischen Bühne recht gut im Griff. Erhebliche Diskrepanzen ergeben sich aber auf der konvektiven Skala, die sich teils substanziell zwischen Globalmodellen und CAMs unterscheiden. Bei einem zunehmend dynamischen Antrieb wird ein recht großes Gewicht auf die Globalmodelle gelegt, vor allem bei der zu erwartenden Entwicklung umfangreicher Gewittercluster. Das betrifft z.B. die Andauer der nächtlichen Konvektion, die von den Globalmodellen teils stärker gestützt wird.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 29.06.2026 um 10.30 UTC
Wechselhaft und mäßig warm. Vor allem im Norden und Osten zeitweise sehr windig mit stürmischen Böen, an der See und im Bergland Sturmböen möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 06.07.2026
Die Mittelfrist beginnt am Donnerstag mit einem flachen Höhenkeil über Deutschland, der nach dem Abzug des Troges vorübergehend für Wetterberuhigung sorgt. Vor allem im Süden und Südwesten setzt sich unter Hochdruckeinfluss freundliches und trockenes Wetter durch. Im Norden nähert sich jedoch bereits der nächste Trog. Das zugehörige okkludierende Frontensystem eines Tiefs über dem Nordmeer überquert den Norden Deutschlands mit meist leichten Niederschlägen. Rückseitig folgen einzelne Schauer, an der Nordsee sind auch kurze Gewitter möglich. Gleichzeitig frischt der Nordwestwind deutlich auf. Vor allem an den Küsten treten verbreitet starke bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8), exponiert vereinzelt auch Sturmböen auf. Mit einfließender kühler Meeresluft werden im Norden nur noch Höchstwerte zwischen 20 und 24 Grad erreicht, während im sonnigeren Südwesten nochmals sommerlich warme 27 bis knapp 30 Grad möglich sind. In der Nacht zum Freitag erreicht das Frontensystem die Alpen. Rückseitig macht sich der Keil des Hochs westlich von Frankreich bemerkbar.
Am Freitag und Samstag bleibt Deutschland in einer nordwestlichen Höhenströmung am Nordostrand eines kräftigen Höhenrückens über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik. Im Unterschied zu den gestrigen Modellläufen greift der Höhenrücken jedoch zunächst nicht weiter nach Mitteleuropa über. Stattdessen überqueren mehrere eingelagerte Kurzwellentröge insbesondere den Norden und die Mitte Deutschlands. Dort gestaltet sich das Wetter wechselhaft mit zeitweiligen regen, Schauern, vereinzelt auch kurzen Gewittern. Der Nordwestwind bleibt lebhaft und erreicht vor allem im Küstenumfeld häufig starke bis stürmische Böen, exponiert sind zeitweise auch Sturmböen möglich. Nach Süden und insbesondere in den Südwesten nimmt der Hochdruckeinfluss zu, sodass dort häufiger die Sonne scheint und es überwiegend trocken bleibt. Die Temperaturen steigen jedoch nur verhalten an und erreichen im Südwesten meist 25 bis 29 Grad, während im Norden und Osten mit Höchstwerten zwischen 18 und 24 Grad deutlich kühlere Meeresluft wetterbestimmend bleibt.
Auch am Sonntag setzt sich die nordwestliche Strömung fort. Ein weiterer markanterer Trog sorgt vor allem im Norden und Nordosten für wechselhaftes und windiges Wetter mit Schauern und vereinzelten kurzen gewittern. Dabei treten dort starke bis stürmische, an der See und im Bergland auch Sturmböen auf. Im Süden und Südwesten dominiert dagegen weiterhin Hochdruckeinfluss mit überwiegend trockenem und freundlichem Wetter. Insgesamt verbleiben die Temperaturen auf einem für die Jahreszeit mäßig warmen Niveau.
Zu Beginn der neuen Woche gewinnt der Höhenrücken allmählich auch über Mitteleuropa an Einfluss. Der Hochdruckeinfluss nimmt von Südwesten her zu, wodurch sich das Wetter zunehmend beruhigt und die Niederschlagsneigung weiter zurückgeht. Gleichzeitig steigen die Temperaturen wieder an. Zunächst werden im Südwesten erneut sommerliche Werte um oder etwas über 30 Grad erreicht, während der Norden und Osten noch etwas länger unter dem Einfluss der nordwestlichen Strömung verbleiben.
Im weiteren Verlauf bis Donnerstag deutet das aktuelle IFS darauf hin, dass sich der Höhenrücken langsam nach Mitteleuropa ausdehnt. Damit setzt sich verbreitet ruhiges und überwiegend trockenes Sommerwetter durch. Im Südwesten sind erneut heiße Tage möglich, eine flächendeckende oder länger andauernde Hitzelage wie zu Beginn der Vorwoche wird nach derzeitigem Stand jedoch noch nicht gestützt. Insgesamt bestehen für den Zeitraum ab der neuen Woche weiterhin größere Unsicherheiten hinsichtlich der Stärke des Hochdruckeinflusses und der Persistenz der nordwestlichen Strömung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle IFS-Lauf zeigt bis einschließlich Donnerstag eine hohe Konsistenz zu den Vorläufen. Im Vergleich zum gestrigen 00-UTC-Lauf ergeben sich jedoch ab dem kommenden Wochenende deutliche Unterschiede in der großräumigen Strömung.
Deutschland liegt zunächst am Nordostrand eines mächtigen Höhenrückens mit Schwerpunkt über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik. Daraus resultiert eine nordwestliche Strömung. Am Donnerstag schwenkt ein Kurzwellentrog über Deutschland hinweg. Nach dem gestrigen 00-UTC-Lauf hätte sich der Höhenrücken anschließend rasch nach Mitteleuropa ausgedehnt und für eine nachhaltige Wetterberuhigung gesorgt.
Der aktuelle 00-UTC-Lauf fällt dagegen deutlich zyklonaler aus. Nach Trogdurchgang folgen weitere Kurzwellentröge, sodass sich die nordwestliche Strömung bis in das Wochenende hinein behauptet. Dadurch gestaltet sich das Wetter insbesondere im Norden und in der Mitte wechselhafter, etwas kühler und vor allem windiger als noch in den gestrigen Modellläufen.
Erst zu Beginn der neuen Woche, voraussichtlich ab Dienstag, gewinnt der Höhenrücken von Südwesten her wieder an Einfluss. Damit würde sich der Hochdruckeinfluss verstärken, das Wetter zunehmend beruhigen und die Temperaturen insbesondere im Südwesten wieder ansteigen.
Insgesamt ist die Entwicklung ab dem kommenden Wochenende somit weiterhin mit größeren Unsicherheiten behaftet. Offen bleibt insbesondere, ob sich der antizyklonale Einfluss früher durchsetzt und eine erneute Erwärmung einleitet oder ob sich die zyklonal geprägte nordwestliche Strömung länger behauptet und damit eine eher frische, windige und wechselhafte Witterung anhält.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch im Vergleich mit den anderen Globalmodellen ergibt sich ab dem kommenden Wochenende ein heterogenes Bild. Zwar stimmen die Modelle hinsichtlich der großräumigen Zirkulation weitgehend überein. So etabliert sich ein kräftiger Höhenrücken über Südwesteuropa und dem nahen Ostatlantik, während Deutschland an dessen Nordostrand in einer nordwestlichen Strömung verbleibt.
Deutliche Unterschiede bestehen jedoch hinsichtlich der Amplitude des Troges über dem Nordmeer beziehungsweise Skandinavien und damit des Ausmaßes des Hochdruckeinflusses über Mitteleuropa. ICON favorisiert eine deutlich zyklonalere Lösung mit einer stärkeren Austrogung bis nach Osteuropa beziehungsweise in den Baltikumraum. In diesem Szenario würde die nordwestliche Strömung über Deutschland länger bestehen bleiben und entsprechend kühleres, wechselhafteres sowie zeitweise windiges Wetter begünstigen.
Demgegenüber simuliert GFS eine raschere Ausdehnung des Höhenrückens nach Mitteleuropa. Dadurch würde sich der Hochdruckeinfluss früher durchsetzen und eine Wetterberuhigung mit steigenden Temperaturen einleiten.
Damit bleibt die Entwicklung ab dem kommenden Wochenende weiterhin unsicher. Offen ist insbesondere, ob sich die zyklonal geprägte Nordwestlage noch einige Tage behauptet oder der antizyklonale Einfluss rascher die Oberhand gewinnt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse zeigt im ersten Zeitschritt ein blockierendes Hoch über dem nahen Ostatlantik beziehungsweise über Südwesteuropa. Dem steht tiefer Luftdruck über Nordeuropa, etwa zwischen Island und Skandinavien, gegenüber. Für Deutschland ergibt sich daraus eine Randlage am Nordostrand des Höhenrückens unter einer mehr oder weniger zyklonal geprägten nordwestlichen Höhenströmung. Alle fünf Cluster zeigen dabei ein vergleichbares großräumiges Muster.
Im zweiten Zeitschritt wölbt sich der Höhenrücken weiter nach Norden in Richtung Britische Inseln auf. Gleichzeitig kann sich über Skandinavien und dem Baltikum eine Austrogung etablieren. Deutschland liegt damit im Übergangsbereich zwischen antizyklonalem Einfluss von Westen beziehungsweise Südwesten und zyklonalem Einfluss von Nordosten. Je nach genauer Lage und Ausprägung von Rücken und Trog überwiegt entweder ruhigeres, trockeneres und wärmeres Wetter oder eine eher wechselhafte, mäßig warme und zeitweise windige Nordwest- bis Nordströmung. Vier Cluster zeigen hierbei ein ähnliches Grundmuster.
In der erweiterten Mittelfrist verteilen sich die Lösungen auf drei Cluster. Cluster 1 lässt den Höhenrücken abflachen, wodurch die Strömung insgesamt glatter und weniger meridional konturiert wäre. Cluster 2, in dem sich auch der Kontrolllauf befindet, verlagert den Rücken näher nach Mitteleuropa. Damit wäre eine zunehmende Wetterberuhigung sowie eine Rückkehr zu sommerlich warmem bis heißem Wetter wahrscheinlich, ohne dass sich derzeit eine extreme Hitzelage ableiten lässt. Cluster 3 hält den Rücken dagegen weiter westlich. Deutschland läge dann stärker unter dem Einfluss eines Troges über Osteuropa in einer nördlichen Strömung. In diesem Szenario wäre keine Rückkehr der Hitze zu erwarten; vielmehr bliebe es mäßig warm und zeitweise wechselhaft.
Die Rauchfahnen zeigen bis etwa zum Ende der Woche eine vergleichsweise geringe Streuung und damit eine hohe Vorhersagegüte. Sowohl bei der 850-hPa-Temperatur als auch beim Geopotenzial setzt sich zunächst der markante Temperaturrückgang beziehungsweise Geopotenzialabfall bis zum Wochenende robust durch. Dabei fällt der Rückgang im Nordosten aufgrund des stärkeren Einflusses der nordwestlichen Strömung deutlicher aus als im Südwesten.
Ab dem Wochenende nimmt der Ensemble-Spread sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotenzial deutlich zu. Im Nordosten liegt der Hauptlauf zunächst am unteren Rand des Ensembles und zeigt erst ab Dienstag der kommenden Woche wieder einen Temperaturanstieg. Im Südwesten befindet sich der Hauptlauf dagegen am oberen Rand der Ensembleverteilung und lässt die Temperaturen bereits früher wieder ansteigen. Dies spiegelt die Unsicherheit hinsichtlich der Stärke und des zeitlichen Übergreifens des Hochdruckeinflusses nach Mitteleuropa wider.
Die Niederschlagssignale bleiben über den gesamten Zeitraum vorhanden und sprechen insbesondere im Norden und Nordosten für eine anhaltend wechselhafte Witterung. Im Südwesten sind die Signale dagegen deutlich schwächer und stützen die dort überwiegend trockene Wetterentwicklung.
Fazit: Die Abkühlung bis zum Wochenende gilt als gut abgesichert. Danach nimmt die Vorhersageunsicherheit deutlich zu. Während sich im Südwesten der Hochdruckeinfluss mit einer allmählichen Erwärmung voraussichtlich früher durchsetzt, bleibt der Norden und Nordosten zunächst unter dem Einfluss einer zyklonal geprägten nordwestlichen Strömung mit zeitweise wechselhaftem und windigem Wetter. Ob sich in der neuen Woche deutschlandweit wieder sommerlich warmes bis heißes Wetter einstellt oder die kühlere Witterung im Norden länger anhält, ist derzeit noch offen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Als markantes Ereignis in der Mittelfrist ist hauptsächlich der Wind. Vor allem im Norden und Osten treten von Donnerstag bis Sonntag wiederholt mit kurzen Unterbrechungen starke bis stürmischen Böen um 60 km/h (Bft 7), an der See und in den Kammlagen der nördlichen und der östlichen Mittelgebirge und auf den Alpengipfeln Sturmböen um 75 km/h (Bft 9) aus Nordwest auf.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





