Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 11.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
HN a
Hochsommerlich heiß in großen Landesteilen. Montag im Norden Schauer und Gewitter, teils stark.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag... liegt ein blockierendes Hoch mit Schwerpunkt nordwestlich von Schottland und einem von da aus nach Deutschland gerichteten Keil. Gestützt wird es von einem Höhenkeil über Westeuropa, was uns unter eine nördliche bis nordwestliche Höhenströmung bringt, die nach Osten einen leicht zyklonalen Anstrich hat. Das hochreichende Tief über Osteuropa entfernt sich aber etwas. Von Skandinavien stößt ein neuer Kurzwellentrog nach Süden vor, erreicht uns aber noch nicht.
Die heißeste Luftmasse bleibt über SW Europa, mit bis 39°C in Frankreich. Allerdings steigt auch bei uns die Temperatur an. In der Südwesthälfte werden bei anhaltendem Sonnenschein verbreitet 30 bis 35°C erwartet. In der Nordosthälfte 26 bis 30°C, See nach wie vor etwas gemäßigter. Im Nordosten bilden sich einige Quellwolken, deren vertikale Ausdehnung wohl nicht für Schauer reicht (Tops nur knapp unter 0°C). Ein bisschen flacher Sc/St kann aus der Nacht heraus zunächst im Nordwesten unterwegs sein. Dieser löst sich, ebenso wie der Frühnebel über S-H aber rasch auf.
Die Luftmasse im Süden ist nach wie vor instabiler, aber auch trocken. Ein bisschen Cape (wenige hundert J/kg) wird für den Südschwarzwald und den Alpenrand simuliert, Hebungsantriebe sind freilich nicht vorhanden. Auch mit Hilfe
der Orografie reicht es wahrscheinlich nicht für Schauer oder Gewitter. Die sind eher Richtung Südalpen ein Thema.
Die Nacht zum Sonntag geht bei wenig Änderung in der Strömung sehr ruhig über die Bühne. Im Südwesten ist sie teilweise wieder warm, um 20°C in einigen Regionen, sonst mit 18 bis 12°C angenehmer. Seitens signifikanter Wettererscheinungen gibt es nichts.
Sonntag... dauert die eingefahrene Wetterlage an. Der Höhenrücken über Westeuropa stützt das nunmehr eher über dem Nordmeer liegende Bodenhochdruckgebiet. Es weitet sich ein bisschen nach Skandinavien aus. Westlich der Biskaya zieht derweil ein hochreichendes Tief seine Kreise, während der Trog über Osteuropa mit langsamem Rückzug nach Osten glänzt. Aus dem skandinavischen KW-Trog ist zudem ein Kaltlufttropfen entstanden, der in den Bereich Seeland/westliche Ostsee zieht. Die sehr warme bis heiße und oft trockene Luftmasse bleibt uns in Mitteleuropa erhalten.
Dabei labilisiert die Schichtung im Norden gebietsweise uns es bilden sich in einer Feuchteschliere mit etwas Cape, von der Ostsee im Bogen nach NRW, einige Quellwolken, die nach aktuellem Stand zwar für vereinzelte Schauer gut sein können, nicht aber für Gewitter. Diese werden erst weiter nördlich über Dänemark angeboten.
Meist scheint dort, wie sonst verbreitet weiter südlich, die Sonne und der Bereich mit 30°C + weitet sich nach Norddeutschland aus. Die Spitzenwerte im Südwesten liegen aber wahrscheinlich etwas unter denen des Vortags. An den Küsten und exponiert im höheren Bergland bleibt es kühler. Der Wind lebt tagsüber teilweise kräftig auf, Böen 6 bis 7 Bft sind an der Nordsee aus Nordwest möglich, im Südwesten sind exponiert solche Böen aus Nordost nicht ausgeschlossen. Für Warnungen reicht das aber nicht.
In der Nacht zum Montag wird der Höhenrücken durch den KLT über Dänemark und das Tief bei der Biskaya in die Zange genommen und schwächt sich vor allem über GB und dem Ärmelkanal ab. Das ändert aber nichts daran, dass die Nacht in weiten Teile wieder klar wird, ohne signifikantes Wetter. Nur im Nordwesten kann sich in der feuchteren Grundschicht regional Nebel bilden; an und über der Ostsee sind durch die Labilisierung im Bereich des Höhentiefs Schauer und vereinzelte Gewitter möglich. Die Luft kühlt im Südwesten stellenweise nur bis um 20°C ab, über Bayern und der norddeutschen Tiefebene sind gebietsweise knapp über 10°C möglich.
Montag... hält das Hoch über dem Nordmeer die Stellung, der Höhenrücken über Frankreich flacht aber ab, durch das sich westwärts ausweitende Höhentief über Dänemark. Dessen Kern liegt etwa über Lolland/Falster.
In großen Landesteilen dauert derweil aber das heiße und sonnige Wetter unter Hochdruckeinfluss an. Die 30°C werden bis nach Norddeutschland hin erreicht, im Südwesten sind stellenweise um 35°C möglich. Dabei scheint verbreitet und anhaltend die Sonne.
Etwas anders sieht es in Teilen des Nordens und Nordostens aus. Etwa von Schleswig-Holstein bis nach Vorpommern, eventuell ins nördliche Brandenburg labilisiert die Schichtung durch das Höhentief. Die Feuchteanreicherung geht bis PPW 30 mm und tagsüber kann sich MU Cape bis 1000 J/kg aufbauen. Scherung ist kaum gegeben, was eher Einzelzellen entstehen lässt. Schon morgens können Schauer und vereinzelte Gewitter unterwegs sein, die sich nachmittags intensivieren. Dabei sind neben Starkregen, kleinkörniger Hagel und stürmische Böen möglich. Nicht ausgeschlossen ist, dass in den langsam ziehenden Zellen gerade wegen Starkregen auch unwetterartige Entwicklungen auftreten. Die ebenfalls über Mitte zu erkennende Labilisierung bringt in trockenerer Luft wahrscheinlich keine hochreichende Konvektion.
In der Nacht zum Dienstag lassen sich Schauer und Gewitter im Norden nach. Dafür umrunden schwache PVA Gebiete den abgeflachten Rücken über Süddeutschland, etwas WLA in der unteren Troposphäre hält die abgehobene Labilität aufrecht, sodass von Frankreich her einzelne Schauer und Gewitter auf den Südwesten und Süden (Saarland, südliches BaWü bis bayerisch Schwaben) übergreifen können.
Ansonsten ziehen zunehmende hohe, dünne Wolken durch, wettertechnisch passiert aber nichts. Die Minima liegen meist zwischen 22 und 15°C.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren zunächst ähnlich. Unsicherheiten ergeben sich ab Montag, wenn der Höhentrog von Norden übergreift. Der Kaltlufttropfen und die daran gebundene Konvektion wird mit Unschärfen simuliert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 11.07.2026 um 10.30 UTC
Zunächst anhaltende Hitze mit nur wenigen Gewittern. Ab Freitag zunehmend schwül mit teils starken Gewittern, nachfolgend Abkühlung möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 18.07.2026
Hitze, Trockenheit, Wald- und Sonnenbrandgefahr, das alles sind negative Begleiterscheinungen seit Mitte Juni, die scheinbar nicht enden wollen oder höchstens kurze Pause machen. Besteht denn Hoffnung in der Mittelfrist? Oder bleibt der Sommer auf Kurs "Mediterran"?
Zum Beginn der Mittelfrist am kommenden Dienstag jedenfalls bleibt alles beim Alten. Großräumig hohes Geopotenzial mit Blockierung über weiten Teilen Europas wird unterlaufen von einem etwas umfangreicheren Höhentief nordwestlich der Iberischen Halbinsel und einem Trog über dem östlichen Skandinavien und dem westlichen Russland, der sich bis ins östliche Mittelmeer erstreckt. Dazwischen befindet sich ein Rücken, der mit einem Höhenhoch knapp nördlich der Britischen Inseln in Verbindung steht. Dieses Höhenhoch wird von einem Bodenhoch an ähnlicher Stelle begleitet (HNFa). In der südlichen Strömung wird dabei sehr warme bis heiße Subtropikluft nach Deutschland verfrachtet, sodass die T850 hPa bei 11 Grad im Norden bis 20 Grad im Süden liegen.
Bis Donnerstag bringen dann zwei weitere Faktoren zumindest etwas Spannung in die Wetterküche. Da wäre zum einen ein kleines Höhentief, das vom Baltikum über dem westlichen Polen südwärts läuft und dem Osten ein paar Schauer oder Gewitter spendieren könnte. Zum anderen nähert sich langsam auch mit dem Höhentief westlich von uns verbundene Tiefdruckzone Deutschland an und schleust vor allem im äußersten Süden/Südwesten ein wenig Feuchtigkeit ein. Dort wird allerdings mangels Hebung häufig die Orografie benötigt, um konvektive Umlagerungen zu generieren.
Zum Ende der kommenden Woche wird das Höhenhoch zum Baltikum gedrängt, weil sich von Grönland kommend ein neuer Langwellentrog südostwärts ausweitet. Er fängt das mittlerweile zur Biskaya gewanderte Höhentief ein und platziert sich zunächst über den Britischen Inseln, ab Sonntag über der Nordsee (TrW). Damit greift der Tiefdruckeinfluss mit feuchter Luft und Hebung (diffluente Trogvorderseite) mehr und mehr auf Deutschland über und facht die Konvektion an. Folglich sind ab Freitag vermehrt konvektive Umlagerungen zu erwarten. Die T850 hPa ändern sich auf der Trogvorderseite zunächst noch nicht, da kein Luftmassenwechsel erfolgt. Erst am Montag deutet sich mit weiterer Verlagerung des Troges nach Skandinavien zumindest für den Nordwesten ein Kaltfrontdurchgang an. Soviel zyklonales Geschehen gibt es am Mittelmeer in dieser Jahreszeit übrigens selten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der drei jüngsten Läufe des EZMW ist einigermaßen hoch, selbst das kleine über dem westlichen Polen südwärts ziehende Höhentief wird relativ ähnlich simuliert. Das Übergreifen zyklonalen Geschehens ab Freitag wird ebenfalls konstant beibehalten, auch wenn es in der Geometrie des Trogs westlich/nordwestlich von uns Unterschiede in den Läufen gibt. Ein möglicher Kaltfrontdurchgang zum Anfang übernächster Woche (erweiterte Mittelfrist) war in den Vorläufen weniger stark ausgeprägt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Nicht unüblich ist, dass kleine Höhentiefs in anderen Modellen etwas anders vorhergesagt werden. So soll es nach GFS und ICON deutlich östlicher nach Süden ablaufen, als es das EZMW zeigt. Damit würden Schauer oder Gewitter im Osten Deutschlands Mangelware bleiben. Bei UK10 hingegen wandert das Höhentief auf EZMW-Pfaden. Darüber hinaus zeigen alle anderen Modelle unisono die zunehmende Zyklonalität ab Freitag. Beim GFS ist sogar auch wie beim EZMW der Kaltfrontdurchgang ab Montag übernächster Woche im Programm.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte verlaufen bis Donnerstag meist eng gebündelt mit gut im Median eingebetteten Kontrolllauf, der somit den Hauptlauf bestätigt und weiterhin die Hitzewelle propagiert. Ab Freitag öffnen sich die Kurven zwar allmählich, Kontrolllauf und Median zeigen aber mit dem Median einen Abfall. Zyklonaleres Wetter und leicht sinkende Temperaturen haben damit eine Mehrheit und bestätigen ebenfalls den Hauptlauf. Niederschlagssignale gibt es insbesondere ab Freitag.
CLUSTER:
Für den zweiten Zeitschritt von Donnerstag 0 bis Samstag 0 UTC werden 5 Cluster ausgegeben (mehrheitlich mit Blockierung). Während C1 bis C3 ähnliche Muster wie der Hauptlauf zeigen, erreicht das Höhentief in C4 und C5 bereits in der Nacht zum Samstag Deutschland. Große Auswirkungen hat das auf unser Wetter allerdings nicht, nach allen Varianten nimmt die Zyklonalität zu. Im dritten Zeitschritt von Sonntag 0 UTC bis Dienstag 0 UT (erweiterte Mittelfrist) sind 3 Cluster (Atlantischer Rücken dominant) vorhanden. C1 entspricht dem Hauptlauf. In C2 schwenkt der Trog langsamer, in C3 schneller durch, sodass die Frage, wann erneut Hochdruckeinfluss aufkommt, noch nicht abschließend zu klären ist.
FAZIT:
An der neuerlichen Hitzewelle bestehen keine Zweifel. Mögliche kleine Störfaktoren in Form von lokalen Schauern und Gewitter bleiben bis Donnerstag auf den Osten und Süden/Südwesten beschränkt. Ab Freitag nimmt mit schon recht großer Sicherheit das Gewitterpotenzial von Südwesten her deutlich zu, wobei die Temperaturen zwar etwas zurückgehen, es aber zunehmend schwül wird.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
EFI weist bis Freitag keine Signale für erhöhtes CAPE oder CAPE SHEAR auf. Dennoch sind bis Donnerstag im äußersten Süden und Südwesten sowie im Osten einzelne starke Gewitter nicht ausgeschlossen. Insbesondere bei orographischem Support können angesichts der Luftmasse lokal auch unwetterartigen Entwicklungen nicht ganz ausgeschlossen werden.
Das gilt erst recht ab Freitag, wenn von Südwesten her die Gewitterneigung überall deutlich zunimmt.
HITZE:
EFI zeigt für alle Tage Signale für überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Vor allem im Süden und Südwesten ist daher eine starke Wärmebelastung zu erwarten, zumal auch die Nächte zunehmend mild bleiben. Darüber hinaus nimmt in der zweiten Wochenhälfte die Schwüle zu.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler





