Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 27.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Hoch Britische Inseln (HB) Übergang zu Hoch Mitteleuropa (HM) Heute im äußersten Süden lokale Schauer und Gewitter, sonst sonniges Hochdruckwetter. Kommende Nacht im Norden und Osten sehr frisch. Am Freitag potentielle Schwergewitterlage im Nordwesten.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... liegt unser Höhenhoch schon nicht mehr ganz so prominent über dem Kontinent, sondern hat sich schon ein Stück weit nach Südwesten Richtung Pyrenäen zurückgezogen. Es besitzt aber weiterhin einen kräftigen Keil über den Britischen Inseln (ein kleiner Cut-Off dicht westlich der Bretagne stört da kaum), der auch das Bodenhoch BORIS mit über 1030 hPa im Zentrum dicht östlich von Schottland stützt. Verantwortlich für die Verschiebung/Modifizierung der Omegastrukturen ist eine Austrogung über der Ostsee und dem Baltikum unterhalb derer sich eine thermisch recht ordentliche, jedoch so gut wie wetterunwirksame antizyklonal einfließende Kaltfront inzwischen bis nach Berlin und ins Münsterland vorgearbeitet hat - samt Temperaturrückgang um etwa 4 K und einstelligen Taupunkten. Ansatzweise ist noch ein schmales, durchbrochenes Wolkenband in mittleren Niveaus auszumachen. Mit jedem Kilometer Richtung Südwesten wird die Front im Tagesverlauf strömungsparalleler und schließlich rückläufig.
Sie schafft es etwa noch bis zur Eifel und dem Fichtelgebirge, was im Umkehrschluss bedeutet, dass südlich von Main und Mosel erneut ein heißer Tag mit viel Sonnenschein bei maximal 30 bis 34°C ansteht. Eine gewissen Anfeuchtung (Feuchtflusskonvergenz) ist zwar vor allem unmittelbar präfrontal zu verzeichnen, was dann auch in MU CAPE von 500 bis 1000, punktuell sogar bis 1500 J/Kg mündet, das Problem bleiben kleinere Sperrschichtung, das überlagerte Absinken sowie eine zumindest weiterhin sehr trockene mittlere Troposphäre. So geht wohl hinsichtlich konvektiver Umlagerungen erneut nicht viel. Mithilfe orographischer Unterstützung sind im süd- und südwestdeutschen Bergland, vor allem aber am Alpenrand etwas stärkere Anzeichen für einzelne, durchaus markante Gewitter gegeben mit Starkregen, kleinerem Hagel und stürmischen Böen. Dort hilft auch ein ganz flacher Randtrog in 700 hPa, der vom Böhmischen Becken bis zu den Vogesen reicht, mit. Für mehr fehlt es an Scherung und Dynamik. Erste Vorboten in Form hochbasiger elevated castellani sind bereits im Süden vorhanden (08 MESZ zwischen Landshut und Passau gar mit einem kleinen Schauer). Passend dazu reagiert ICON-RUC auch relativ frühzeitig heute bereits mit der bodengestützten Auslöse gegen 12 Uhr mittags.
Postfrontal scheint ebenfalls größtenteils die Sonne. Die Anströmung begünstigt Skandinavienföhn, auch wenn es kaum etwas "wegzuföhnen" gibt oder gab. Lediglich in Nordseenähe sind bei nordwestlicher Anströmung unterhalb der recht flachen Inversion bei rund 600 m die Quellwolken etwas kompakter (bzw. breitgeschmierter). Der Wind bleibt lebhaft, vor allem in Nordfriesland an den Nordspitzen der Ostseeinseln sowie in einigen Hochlagen der östlichen Mittelgebirge angekratzt mit Böen der Stärke 7.
In der eingeflossenen kühleren, gealterten Luftmasse aus Skandinavien gehen die T850 schrittweise auf rund 10, in Vorpommern bis 5°C zurück. Entsprechend bleibt es an der See mit 14 bis 19°C recht frisch, sonst in der Nordhälfte bei 20 bis 25°C angenehm.
In der Nacht zum Donnerstag wird dem Rücken an dessen Rückseite langsam aber sicher die Warmluftzufuhr in der Höhe abgegraben. Davon merken wir derweil noch nix und das Hoch BORIS über der Nordsee bleibt mit seinem Keil, der nach Tschechien und Ungarn gerichtet ist, bei uns wetterbestimmend.
Nördlich der Divergenzachse wird mit einer nordwestlichen Strömung weiterhin bodennah etwas feuchtere Nordseeluft eingesteuert mit teilweise kompakterer Cu/Sc Bewölkung. Innerhalb der windschwachen Achse kann sich vor allem von der Ems über Ostwestfalen bis nach Thüringen gebietsweise Nebel bilden. Sonst ist es vielfach gering bewölkt oder klar und auch lokale Schauer oder Gewitter an den Alpen klingen eingangs der Nacht rasch ab.
Dann heißt es durchlüften, angesichts teils nur 4 oder 5°C in der Lüneburger Heide oder einigen Mittelgebirgstälern aber vielleicht auch nicht zu exzessiv. Rund um Faßberg, Quickborn und Itzehoe, aber auch Richtung Coschen und Deutschneudorf droht sogar nochmal leichter Frost in Bodennähe. Im Süden und Südwesten, wo der Luftmassenwechsel größtenteils ausblieb, bleibt es bei 10 bis 15°, im Oberrheingraben teilweise noch darüber, milder.
Donnerstag... der Einbezug des derzeitigen Cut-Offs westlich der Bretagne, ein Randtief westlich von Irland und ein sich westwärts anschließendes Zentraltief mit unter 990 hPa über dem Atlantik: Die Summe der immer weiter nördlich ansetzenden Tiefs aus Westen setzen unserem einstigen stolzen Omegahoch immer weiter zu und bereiten konkret und zielstrebig dessen Abgesang vor. Zunächst bleibt aber noch der sich im Nordteil immer weiter abflachende Rücken wetterbestimmend, dessen Achse in der Höhe langsam ostwärts schwenkt, aber selbst am Abend noch knapp westlich unserer Landesgrenzen liegt. Das Bodenhoch verlagert sich von Nordsee unter leichter, aber stetiger Abschwächung nach Norddeutschland.
Anfänglich kompaktere Wolken im Norden und Nordwesten lösen sich im Tagesverlauf zunehmend auf, die bodennahe nordwestliche Strömung von der Nordsee wird mit Verlagerung des Hochs südostwärts immer mehr gekappt. Sonst gibt es erneut vielfach Sonne satt. An den Alpen und im Südschwarzwald, sowie ebenfalls Richtung Eifel bleibt ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko bestehen, was aber deutlich schwächer als noch am Vortag ausfällt.
Der permanente, wenngleich advektiv äußerst schwache Zufuhr bodennah kühlerer Luft aus Nord bis Nordost hinterlässt nun auch im äußersten Südwesten des Landes ihre Spuren, wo die 30 Grad Marke nur noch punktuell überschritten wird. Meist werden es angenehme 23 bis 29°C, in Küstennähe um oder knapp unter 20°C.
In der Nacht zum Freitag greift ein erster markanterer Randtrog auf die Britischen Inseln über und schwenkt in der Folge weiter nordostwärts. Vom Bodentief südlich von Island erstreckt sich dabei Bodentrog bis in die Deutsche
Bucht hinein, in den auch eine schwache, weitgehend okkludierte Front eingelagert ist. Je weiter südlich man dabei schaut, desto mehr büßt sie vom Höhenkeil überlagert an Wetterwirksamkeit ein. Außer ein paar vereinzelten Tropfen kommt wohl noch nicht viel an bei uns im äußersten Nordwesten. Das Hoch verabschiedet sich unterdessen allmählich Richtung Hohe Tatra.
Dadurch bleibt es vielerorts noch klar bei rückdrehendem Wind auf Süd bis Südost. Die Tiefstwerte liegen in der Osthälfte bei frischen 4 bis 10°C, im Westen und Südwesten bei 10 bis 16°C.
Freitag... schwenkt die sich weiter abflachende Achse des Rückens ostwärts und reicht am Abend vom Südwesten Deutschlands bis in den Nordosten. Der Westen und Nordwesten gelangt somit immer mehr auf die Vorderseite des atlantischen Langwellentroges. Entscheidend ist nun die Ausprägung der Höhenströmung an der Südflanke eines abgeschlossenen Drehzentrums bei den Färöer. Schwache Vergenzen sind in der leicht flatternden West-Südwestlichen Höhenströmung auszumachen und auch ein schwaches IPV-Maximum erreicht am Abend den Nordwesten Deutschlands. Von diesen Nuancen hängt maßgeblich die Entwicklung der Konvektion im Tagesverlauf ab, weshalb die Modelle auch entsprechend unterschiedlich darauf reagieren.
Die beteiligte Luftmasse nämlich hat es ordentlich in sich! So öffnet sich just über Deutschland schon nochmal ein kleiner Warmsektor dank bodennaher Zufuhr (gewissermaßen Rückkehr) der kaum verdrängten subtropischen Luftmasse von Frankreich und Belgien, die nun nach Norden hin zunehmend durch Hebungsprozesse angefeuchtet und damit schwül-heiß wird. Die PPW's steigen bis zum Abend von 30 bis auf 40 mm an im Nordwesten, ML CAPE zwischen 1500 und 2500 J/kg stehen zur Verfügung in einem zunehmend moderat bis stark gescherten Umfeld. Ein leichter Deckel ist vorhanden, dessen Sprengung aber auch ohne orographische Hebung durch die Höhenkonfiguration früher oder später wahrscheinlich (aber falls später, wie heftig dann noch?). Man kann also guten Gewissens von einer "loaded gun" Lage sprechen, bei der es - sobald die Auslöse erreicht ist - rasch Entwicklungen bis in den Unwetterbereich hinein geben kann.
Das Super HD simuliert dann auch eindrücklich in der Pseudoreflektivität eine gut definierte Squall line und am Südrand auch einzelne Superzellen vor allem über Niedersachsen und NRW. Stand jetzt ist für diese Regionen die Ausgabe einer Vorabinformation durchaus in Betracht zu ziehen, können doch sämtliche Begleiterscheinungen das Unwetterkriterium (heftiger Starkregen, großer Hagel, orkanartige Böen) erreichen.
Auf der Keilvorderseite passiert somit noch wenig und so wird es von der Lausitz bis in den Süden des Landes abermals ein durchweg sonniger und trockener Tag. Dabei werden 27 bis 33°C erreicht, die sich vor allem im Westen und Nordwesten zunehmend schwül anfühlen. Bei überwiegend südlichem Wind dürfte es auch direkt an der See vielfach für einen Sommertag reichen.
In der Nacht zum Samstag zieht das kleine Höhentief mit eigenständigem Drehzentrum ostwärts zum Oslofjord, womit die Höhenströmung über Deutschland auf Nordwest kippt. Über UK schließt sich stromauf bereits ein neuerlich, wenn auch flacher Rücken an. Die Strömung flattert leicht und ist noch immer anfällig und durchlaufende Störungen, die modellübergreifend sehr unterschiedlich simuliert werden.
Mithin schwenkt am Boden auch eine teilokkludierte Kaltfront von Nordwesten zur Landesmitte und gerät dort ins Schleifen. Der gefährdetste Bereich für noch längere Zeit gewittrige Regenfälle erstreckt sich somit quer über der Landesmitte von NRW bis nach Berlin/Brandenburg und Sachsen - einzelne abgehobene Überraschungen auf der unmittelbaren warmen Südseite inklusive. Die Unwettergefahr dürfte dabei mit Einbruch der Nacht deutlich nachlassen. Im EPS gibt es aktuell auch keine Signale für Wahrscheinlichkeiten für mehrstündigen Starkregen, der 25 l/qm binnen 12 Stunden überschreitet. Südlich des Mains dürfte es meist noch trocken bleiben und auch ganz im Norden beruhigt sich das Wetter rasch wieder.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 8 und 14°C mit den tiefsten Werten diesmal im Süden. Über der Mitte werden unter den Wolken in den Gebieten ohne oder nur wenig Regen kaum unter 20°C gemessen.
Modellvergleich und -einschätzung
Signifikante Unterschiede in den Basisfeldern offenbar sich erst im Laufe des Freitags, wo die Konfiguration des beteiligten Höhentroges noch Unschärfen aufweist. Dies hängt maßgeblich vom Schweregrad der zu erwartenden Konvektion bis in den Unwetterbereich ab. ICON06 scheint vor allem nach Süden einen Tick zu antizyklonal aufgestellt zu sein im Vergleich zu den externen Modellen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 27.05.2026 um 10.30 UTC
Übergang zu unbeständigen, anfangs teils zu schweren Gewittern neigendem Wetter, ab Mittwoch mit Westwinden deutlich kühler.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 03.06.2026
Es brodelt in der Wetterküche! Während in der Kurzfrist noch de Hitze hauptsächlich thematisiert wird, verlagert sich im mittelfristigen Zeitraum der Fokus hin zu teils kräftigen Schauern und Gewittern sowie einer Umstellung hin zur Westwetterlage. Aber der Reihe nach.
Der Samstag, zu Beginn des mittelfristigen Zeitraum, kommt mit Blick auf die Höhenstrukturen noch unscheinbar daher. Es dominiert weiter ein Rücken, der sich von der Iberischen Halbinsel nordostwärts bis zu Nord- und Ostsee aufbäumt und auch Deutschland mit antizyklonalen Strömungsbedingungen versorgt. Aus der Höhe können demnach keine Hebungsimpulse erwartet werden. Bodennah stützt der Rücken eine großräumige Hochdruckzone vom Atlantik über West und Südwesteuropa hinweg bis nach Mitteleuropa. Doch vor allem über Mitteleuropa kann sich auf der Vorderseite des Hochschwerpunktes bei schwachen Luftdruckgegensätzen ein signifikanter Temperaturgradient aufbauen. An besagter Luftmassengrenze zwischen trockener und kühlerer Luft aus Norden und sehr warmer und feuchter Subtropikluft im Süden werden ohne eine Advektion durch konvergent Verhältnisse kräftige Hebungsimpulse produziert. Jener Bereich wird durch eine schwache Tiefdruckrinne von Nordfrankreich über die Mitte Deutschlands hinweg bis nach Südpolen und der Slowakei gekennzeichnet und ist mit zahlreichen kleinen Tiefs versehen. Im Umfeld der Luftmassengrenze kann sich viel Feuchte ansammeln, sodass der Flüssigwassergehalt der Luftsäule auf 27 bis 35 mm steigt. Gleichzeitig kann sich ordentlich Cape aufbauen, sodass Werte von 500 bis 1500, lokal bis 2000 J/kg erreicht werden. Die Scherung ist dafür kaum vorhanden. Allenfalls in von Thüringen bis Sachsen sind vor allem in den unteren 1-2 km nennenswerte Werte bis 8 bis 15 m/s zu verzeichnen, was dort wiederum gewisse organisierte Entwicklungen zulässt. Insgesamt steht auf jeden Fall der Starkregen im Fokus. Aufgrund der Wassergehalts, einer recht geringen Verlagerung sowie wiederholt auftretenden Ereignissen sind auch unwetterartige Gewitter mit heftigen Starkregen in kurzer Zeit oder wenigen Stunden wahrscheinlich. Da zudem etwas CIN eine ungeordnete Auslöse behindert und einzelne kräftige Zellen möglich macht, ist bei besagten Cape-Werten auch größerer Hagel möglich. Der Wind spielt dabei eine ungeordnete Rolle, wenngleich potentiell trockene Füße mit einer Downburstgefahr im Hinterkopf bleiben müssen.
Auch am Sonntag bleibt uns in der Höhe der Rücken erhalten, wenngleich er langsam schwächelt und an Amplitude einbüßt. Resultierend bleiben auch bodennah die Strukturen des Vortages nahezu bestehen. Da das Hoch sich von Westen aber etwas stärken kann und sich nachfolgend wieder ostwärts ausdehnt, wird auch die schwache Tiefdruckrinne samt kleiner Tiefs nach Osten gedrückt. Demnach sammelt sich die feuchtlabile Subtropikluft nun vor allem im Süden und der östlichen Mitte (Hessen und Mitteldeutschland). PPWs erneut von 27 bis 35 mm und Cape-Werte zwischen 500 und 1500 j/kg lassen auch ohne Unterstützung aus der Höhe wieder teils kräftige Gewitter zu, die mit Starkregen oder heftigem Starkregen und teils größerem Hagel einhergehen können. Zusätzlich baut sich im Nordwesten etwas Wetterspannung auf, wenn dort ein Kurzwellentrog übergreift und mit PVA Hebung erzeugt. Da dort jedoch die weniger energetische Luftmasse liegt, bleibt es wohl nur schauerartigen Regenfällen und höchstens einzelnen eigelagerten Gewittern. Durch eine signifikante Verlagerungsgeschwindigkeit sollte trotz PPWs von 25 bis 30 mm das Starkregenrisiko als eher gering angesehen werden. Dafür sorgt nennenswerte Scherung für ein Organisationspotential, sodass der auftretende Wind mehr in der Vordergrund rückt.
Am Montag kann sich der Rücken hierzulande sogar wieder regenerieren und an Amplitude gewinnen. Auch bodennah übernimmt von Südwest- und Westeuropa bis zur Ostsee und nach Polen wieder zunehmend hoher Luftdruck das Wetterzepter. Entsprechend fallen auch die Hebungsimpulse in der feuchtwarmen Subtropikluft im Süden schwächer aus und können sich über den Tag hinweg wohl nur im Südosten noch länger halten und dort Schauer und einzelne Gewitter produzieren. Bei weniger Feucht und geringeren Cape-Werten fällt auch das Entwicklungspotential der Konvektion deutlich hinter den Vortagen zurück. Ab dem Abend könnten dann schon wieder die ersten Ausläufer den Nordwesten tangieren. Ausgehend von einem ausgeprägten und hochreichendem Tief nördlich von Schottland nähert sich ein teils okkludiertes Frontensystem Benelux und Nordwestdeutschland an und induziert Hebung, die wiederum erste schauerartige Niederschläge auslösen kann. Ansonsten sorgt Zwischenhocheinfluss vorübergehend für Wetterberuhigung.
Am Dienstag kann sich ausgehend von einem Höhentief bei Island ein Trog über die Britischen Inseln hinweg bis zur Iberischen Halbinsel südwärts amplifizieren. Resultierend steilt sich auch die Strömung auf, welche hierzulande noch meist antizyklonal geprägt ist. Bodennah kann sich korrelierend zum Höhentief und Trog eine Tiefdruckzone über der nördlichen Nordsee und de Nordostatlantik ausbilden, die auf der Südflanke bis nach Nordwestfrankreich, Benelux und Westdeutschland reicht. Da aber das in die Zone eingebettete Tief weiter über Belgien und den Niederlanden verharrt, uns somit Warm und Kaltfront am Übergreifen auf Deutschland hindert, bleibt das Land komplett im Warmsektor. Nach dem IFS wären demnach vor allem im Nordwesten, Westen und Südwesten aufgrund von PVA, diabatischen Prozessen und labiler Schichtung teils kräftige vertikale Umlagerungen zu erwarten, die in der Nacht mit Verlagerung des Tiefs sowie der gekoppelten Tiefdruckrinne mit übergreifender Kaltfront ostwärts ausgreifen. Durch die nicht zu unterschätzende dynamischen Impulse sind auch wieder kräftige Gewitter möglich, die lokal auch Unwetterpotential mitbringen könnten.
Am Mittwoch und der Nacht zum Donnerstag schwenkt der markante Trog unter Verkürzung der Wellenlänge langsam über Deutschland hinweg. Einhergehend verlagern sich auch die kräftigsten vertikalen Umlagerungen den Osten und Südosten Deutschlands, wo PVA, diabatische Prozesse und frontogenetische Impulse am besten interagieren. Ansonsten wird das Land im Verlauf komplett von kühlerer Atlantikluft geflutet. Der Nordwesten bekommt dabei durch den Haupttrog und einem schwächeren Sekundärtrog auch noch ausreichend Hebung ab, sodass dort ebenfalls schauerartige, teils gewittrige Niederschläge auftreten. Vom Südwesten bis nach Mitteldeutschland könnte nach IFS kompensierendes Absinken die Schauertätigkeit reduzieren oder gar zum Abklingen bringen. Da die Trogtätigkeiten den Rücken nun komplett weggeschoben bzw. weggebügelt haben, ist nun der Weg für eine kühlere und leicht unbeständigere Westwetterlage frei. In der Hauptrolle wäre dann wohl eine großräumige und hochreichende Tiefdruckaktivität von Neufundland bis nach Skandinavien.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskalige Geopotential- und Luftdruckstruktur wird über den mittelfristigen Zeitraumeinigermaßen konsistent abgebildet.
Am Samstag und Sonntag, zu Beginn desmittelfristigen Zeitraums, gibt es auch im Detail nur geringe Unterschiede zwischen den vergangenen IFS-Läufen. Für das Wetter ist dabei aber die Ausprägung eines Rückens über Mitteleuropa sowie das Übergreifen eines Kurzwellentroges ab Sonntagnachmittag mitentscheidend. Der neuste IFS-Lauf lässt den Rücken dabei zunächst stärker als die Vorläufe und versieht den Kurzwellentrog auch mit einer geringen Amplitude. Dies wiederum bedeutet, dass die Schauer- und Gewitteraktivität am Wochenende tendenziell schwächer als in den Vorläufen ausfallen würde.
Am Montag soll durch den flacheren Kurzwellentrog schneller als in den Vorläufen schon wieder ein neuer Rücken auf Mitteleuropa übergreifen, der zudem stärker amplifiziert ist. Resultierend würden schauerartige, teils gewittrige Niederschläge den Osten bis zum Mittag verlassen und vorübergehend Wetterberuhigung Platz machen. Diese wird schließlich auch von Hochdruck am Boden gestützt.
Am Dienstag und Mittwoch gelangt Deutschland nach den neusten beiden IFS-Läufen zunehmend auf die Vorderseite eines Troges, der sich entgegen des gestrigen 00 UTC-Laufes signifikant stärker südwärts amplifiziert und somit mit einer deutlichen Aufsteilung der Strömung und stärkerer Warmluftadvektion von Süden einhergeht. Durch die stärkeren meridionalen Strukturen bleibt auch die Verlagerungsgeschwindigkeit des Troges hinter den Vorgaben des gestrigen 00 UTC-Laufes zurück. Entsprechend soll eine Luftmassengrenze, welche an einem Tief bei den Niederlanden gekoppelt ist erst Dienstagnachmittag und nicht schon am Morgen wie noch gestern simuliert auf den Nordwesten übergreifen. Durch den markanteren Trog interagiert die Luftmassengrenze teilweise gut mit stärkerer dynamischer Hebung, sodass ab Dienstagnachmittag kräftige Schauer und Gewitter bis in den Unwetterbereich die Folge wären. Am Mittwoch würde die Trogachse langsamer als im gestrigen 00 UTC-Lauf ostwärts über Deutschland schwenken, sodass die stärkste Schauer- und Gewitteraktivität zunächst noch in der Südosthälfte zu erwarten wäre. Inwieweit der Nordwesten noch von einem Sekundärtrog tangiert wird ist im Konsistenzvergleich noch fraglich.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ab dem Wochenende das ruhige und trockene Hochdruckwetter zu Ende geht, wenngleich der neuste IFS-Lauf den Wetterwechsel etwas ausbremst bzw. abmildert. Nach Zwischenhocheinfluss am Montag scheint ab Dienstag zumindest nach den neusten beiden Läufen die Schauer- und Gewitteraktivität wieder aufzuleben. Ab Mittwoch deutet sich dann endgültig der Durchbruch einer zyklonal geprägten, kühleren Westwetterlage an.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch andere Globalmodelle (ICON, GFS, UK10) zeigen über den mittelfristigen Zeitraum hinweg eine zum IFS vergleichbare Geopotential- und Luftdruckverteilung. Im Detail ergeben sich analog zum Konsistenzvergleich innerhalb des IFS auch im Modellvergleich gewisse Abweichungen.
Der Samstag wird von allen Modellen nahezu identisch abgebildet. Vor allem ICON stützt das IFS mit der Luftmassengrenze über die Mitte hinweg, aber auch die anderen Modelle haben vergleichbare Strukturen im Programm. Allenfalls die genaue Lage des Gewitterschwerpunktes und dessen Ausdehnung weicht etwas voneinander ab.
Am Sonntag weisen die Modelle Phasen- und Amplitudenunterschiede bei Rücken-Trog-Kombination auf. Dabei sind ICON und GFS in Phase wobei ICON aber eine größere Amplitude besitzt. Ebenso ist die Phase von Uk10 und IFS recht gleichgeschaltet, wobei IFS die größere Amplitude besitzt. ICON und IFS simulieren zwar eine leichte Phasenverschiebung, aber dafür eine vergleichbare Amplitude. Demnach verlagert ICON etwas schneller, ist aber bei der Lage und Intensität etwa mit dem IFS übereinstimmend. Das GFS ist stärker und westlicher aufgestellt, das UK10 verlagert schneller und setzt den Schwerpunkt bevorzugt in den äußersten Süden und Südosten.
Am Montag sind bei nur geringen Phasenunterschiede geringe Abweichungen bei der Amplitude des Rückens zu verzeichnen. Während das IFS die größte Amplitude im Programm hat, gefolgt vom ICON, beschreibt das UK10 die flachste Struktur. Analog zur Amplitude kann sich auch korrelierend das Hoch beim IFS am weitesten ausdehnen, während das UK10 das Hoch schon nur noch über dem Süden Deutschlands sieht. Die beschriebenen Abweichungen machen sich auch beim Wetter bemerkbar. Während ICON es bis auf wenig Schauer im Nordwesten trocken lässt, IFS allenfalls im Oderumfeld und im Südosten noch länger Niederschläge zulässt, lässt es GFS z.B. verbreitet leicht unbeständig. Am Dienstag weichen die Modelle deutlicher voneinander ab. Zwar haben alle Interpretationen den Trog über Westeuropa auf der Agenda, den sie zudem auch mit vergleichbarer Amplitude versehen (allenfalls ICON weist eine signifikant flacherer Strömung auf), die Phase unterscheidet sich aber teils stark. Das IFS hinkt dabei allen anderen Modellen hinterher. Die schnellste Verlagerung präsentieren ICON und UK10. Das macht sich schließlich auch dahingehend bemerkbar, dass ICON und UK10 schon zeitig größere Teile Deutschlands mit Konvektion eindecken. GFS kommt etwas, das IFS deutlich später in Gang. Am Mittwoch gehen GFS und IFS vergleichbare Wege, wenngleich GFS eine etwas geringere Amplitude beim Trog ausweist, diesen aber ach dadurch etwas schneller verlagert. Das ICON steht konträr zu diesen und zeigt schon eine recht flache, zonalisierte Strömung. Entsprechend schiebt das ICON die konvektiven Niederschläge schneller ostwärts und setzt einen Schwerpunkt im Nordseeumfeld. IFS und GDS sind langsamer und haben zunächst die Südosthälfte im Fokus und erst zeitlich versetzt den Nordwesten.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen des IFS-EPS diverser Städte in Deutschland zeigen bei der Temperatur in 850 hPa über den gesamten mittelfristigen Zeitraum einen vergleichbaren Spread von 8 bis 10 Grad. Dabei ist in die Mitte des Unsicherheitsbereiches ein Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeit eingebettet. Der Hauptlauf liegt meist an der oberen Kante dieses Bereich höchster Auftrittswahrscheinlichkeit. Demnach zeigen fast alle Member einen identischen Trend, lassen aber abweichend amplifizierte Temperaturverläufe zu. Ab Mittwoch spannt sich der EPS-Raum durch eine gewisse Anzahl an Ausreißern hin zu wärmeren Werten deutlich auf. Bei Geopotential ist eine stetige Zunahme der Prognoseunsicherheit zu verzeichnen. Bis einschließlich Dienstag wird der EPS-Raum dabei meist durch wenige Member hin zu tieferen Geopotentialwerten aufgespannt, während die Mehrzahl eine deutlich definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeit bilden. Ab Mittwoch ist aufgrund der stark ansteigenden Unsicherheiten keine seriöse Aussage mehr möglich.
Bei der Einordnung des IFS-EPS in bestimmte Grundmuster werden im Zeitraum von +72 bis +96h insgesamt drei Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu beschreiben. Während Cluster 1 und 3 komplett dem Schema einer blockierenden Wetterlage zugeordnet werden, wechselt Cluster 2 am Ende zum Schema einer pos. NAO. Die restlichen Lösungen starten mit dem Schema eines atlantischen Rückens, während Cluster 4 dieses Schema beibehält, wechselt Cluster 5 ins Schema einer pos. NAO. Demnach wird schon in diesem Zeitraum deutlich, dass zwar alle Lösungen eine Blockierung im Programm haben, es aber im Verlauf durchaus das Potential zu einem Wechsel hin zonaleren Bedingungen gibt. Die erste Lösung präsentiert dabei den stärksten Rücken und somit auch die stärkste Blockierung über Mitteleuropa. Dies wird schließlich von 18 Membern sowie dem Kontrolllauf gestützt. Zusammen mit Cluster 3 mit nur einem leicht geringerem Blocking und 10 Mitgliedern weist das IFS eine Mehrheit für den Block und somit en Herauszögern einer aufkommende Westlage aus. Theoretisch kann auch Cluster 5 noch hinzugezählt werden, welches die Blockierung über den Britischen Inseln und der Nordsee, also etwas westlicher sieht. Die Lösungen 2 und 5 lassen dagegen schneller flachere, wenig amplifizierte Strukturen zu und fördern somit ein Durchdringen der Westwinde.
Im Zeitraum von +120 bis +168h erklären insgesamt drei Cluster die Unsicherheiten innerhalb des IFS-EPS. Bis auf Cluster 2, welches noch mit dem Schema eines atlantischen Rückens beginnt, ist das Schema pos. NAO Trumpf. Alle Lösungen beschreiben im Verlauf eine fortschreitende Zonalisierung. Unterschiede gibt es vor allem bei der Lage, Verlagerung und Amplitude eingelagerter Kurzwellentröge. Zudem propagiert Cluster 3 entgegen der anderen Lösungen (NW-Strömung) eine westliche bis südwestliche Höhenströmung. Dennoch stehen alle Lösungen für den Übergang hin zu einer unbeständigen, mäßig-warmen bis warmen Westwetterlage.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bi +240h sind erneut drei Lösungen nötig, um alle Unsicherheiten zu beschreiben. Während Cluster 1 zum Ende vom Schema einer pos. nAO wieder zum Blocking wechselt, bleiben die andere Lösungen dem Schema einer pos. NAO treu. Da aber auch Cluster 1 das Blocking über Osteuropa sieht, wären wie bei den anderen Lösungen weiter unbeständige Verhältnisse zu erwarten. Durch die größere Meridionalkomponente würde in Cluster 1 das Potential für eine Gewitterlage bei wärmeren Temperaturen größer sein.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Samstag etwa zwischen einer Linie Ruhr-Harz-Lausitz und der Donau mit dem Schwerpunkt vom südlichen NRW und nördliche Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen und Nordostbayern ab dem Mittag teils kräftige Gewitter mit Unwetterpotential. Dabei sind Starkregen bis 25 l/qm, kleiner Hagel und steife Böen Bft 7 wahrscheinlich, heftiger Starkregen bis 40 l/qm, größerer Hagel bis 4 cm und Sturmböen Bft 8-9 möglich. In mehreren Stunden sind bei stationären oder wiederkehrenden Gewittern auch noch höhere Summen bis 60 l/qm nicht ausgeschlossen.
Am Sonntag im Tagesverlauf vor allem von Mitteldeutschland und Teilen Hessens bis zum Alpenrand erneut stark auflebende Gewittertätigkeit. Dabei ist wieder Starkregen bis 25 l/qm, kleiner Hagel und steife Böen Bft 7 wahrscheinlich, heftiger Starkregen bis 40 l/qm in kurzer Zeit oder wenigen Stunden sowie Hagel um 2 cm möglich. Zudem sind im Nordwesten einzelne Gewitter mit stürmischen Böen Bft 8 möglich, Starkregen um 15 l/qm in kurzer Zeit nicht ausgeschlossen. Im Hochschwarzwald und dem Allgäu kann der Wind lebhaft auffrischen und vereinzelt steife Böen bis 60 km/h (Bft 7), exponiert auch stürmische Böen bis 70 km/h (Bft 8) erreichen.
Am Montag vor allem am östlichen Alpenrand, Niederbayern sowie anfangs im Oderumfeld einzelne Gewitter mit Starkregen und kleinem Hagel nicht ausgeschlossen.
In der Nacht zum Dienstag in der Nordwesthälfte voraussichtlich aufkommende, teils kräftige Gewitter mit starken bis stürmischen Böen (Bft 7-8) sowie lokaler Starkregengefahr.
Am Dienstag regional teils kräftige Gewitter mit Starkregen bis 25 l/qm, kleinem Hagel und stürmischen Böen Bft 8 wahrscheinlich, lokal heftiger starkregen bis 40 l/qm in kurzer Zeit oder wenigen Stunden, Hagel um 2 cm und Sturmböen Bft 9 möglich. Eine genaue räumliche Einordnung der Gewitterschwerpunkte ist aufgrund der Unsicherheiten noch nicht machbar.
Am Mittwoch erneut regional auflebende Gewitteraktivität. Aufgrund der anderen Luftmassen aber mit geringem Unwetterpotential. Als Begleiterscheinung wären wohl Sturmböen Bft 8-9 wahrscheinlich sowie kleiner Hagel und starkregen möglich bzw. nicht ausgeschlossen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, anfangs det. IFS/ICON/UK10, für TT auch MosMix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





