Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 06.09.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Zunehmend leicht unbeständig, lokal Gewitter mit Starkregen möglich, an der Nordsee zunehmend windig bis stürmisch, im Süden nochmals heiß!
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... induziert ein Rücken über Westeuropa ein Hoch über Deutschland. Nachfolgend sorgt absinken zu Abtrocknung und somit vielfach sonniges Wetter. Dabei stehen am Abend Taupunkte von 6 bis 12 Grad Temperaturen in 2 m von 18 bis 30 Grad gegenüber. Die vom Radar gezeigten schwachen Echos im Nordwesten verdunsten dabei auf dem Weg zum Boden und bringen somit bisher keinen messbaren Eintrag.
Montag ... wird vom IFS-EPS weiter komplett der Wetterlage Südwest antizyklonal zugesprochen. Ausschlaggebend dafür ist der Rücken, der mit seiner Achse ostwärts schwenkt und somit über Deutschland hinweg wandert. Korrelierend verschiebt sich aber auch das Bodenhoch nach Osten und liegt mit Schwerpunkt dann schon über der Slowakei und Ungarn. Hierzulande macht sich dann schon die Trogvorderseite bemerkbar. Die stärksten Hebungsimpulse induzieren einen Bodentrog, der sich im Verlauf zu einer Art Rinne entwickelt. Während die Kaltfront des steuernden Tiefs nördlich von Schottland nur langsam dem Nordwesten Deutschlands nähert, kommt die KLA rasch voran und überläuft die Front. Dafür hat ein über die südliche Mitte hinwegrauschender Kurzwellentrog die Finger im Wetterspiel. Zudem scheint auch eine Konvergenz gewisse Aktien zu haben. Was bedeutet dies für das Wetter in Deutschland? Da der erste Kurzwellentrog allenfalls mit einer labilen Schichtung harmoniert. Sind die Hebungsimpulse noch limitiert, könnten aber im Süden sowie vom Erzgebirge bis zur Neiße einzelne Schauer oder etwas Regen auslösen. Ein weiterer kurzwelliger Anteil korreliert dann schon besser mit der potentiellen Konvergenz und sorgt vor allem von NRW über Teile Hessens und Rheinland-Pfalz bis in den Südwesten für Hebung, die mit teils ungedeckelten Cape-Werten von 350 bis 1000 J/kg einhergeht. Resultierend gibt es einige, inhomogen verteilte und konvektiv geprägte Hinweise für schauerartige Regenfälle vom Nordwesten über die Mitte hinweg in den Südwesten. Kann das HKN in rund 850 bis 800 hPa erreicht werden, steht ausreichend Energie zur Verfügung, sodass auch Gewitter wahrscheinlich werden. Bei PPWs um 30 mm ist resultierend lokal auch Starkregen nicht auszuschließen. Für stärker organisierte Systeme fehlt es aber an hochreichender Scherung. Als großer Gegenspieler steht das trockene Entrainment bereit. Demnach wird keine verbreitete Auslöse erwartet. Bevorzugt im Umfeld der Mittelgebirge könnten sich aber durchaus teils kräftige Gewitter ausbilden. In der Nacht soll dann getriggert von PVA die Kaltfront aktiviert werden, wenngleich diese weiter gegen die vorlaufende KLA kämpft. Dennoch zeigt vor allem das europäische IFS vom Westen in den Nordosten Regenfälle. Zudem reicht wohl PVA des Troges auch im Nordseeumfeld aus, schauerartige Niederschläge auszulösen.
Der Wind spielt am Montag und in der Nacht zum Dienstag allenfalls im Nordseeumfeld eine Rolle, wo dieser stark böig daherkommt und vor allem nachts im Küstenumfeld mit steifen Böen einhergehen kann. Die Temperaturen in 850 hPa können sich auf der Trogvorderseite und somit Advektion aus Südwesteuropa nochmals ordentlich klettern und schließlich Werte von 11 bis 19 Grad produzieren. In Bodennähe korrelieren diese mit Höchstwerten von 23 Grad an der Ostsee und bis 33 Grad am Oberrhein.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... liegt Deutschland weiter auf der Trogvorderseite des Troges, der kaum ostwärts vorankommt und sich stattdessen eher südwestwärts amplifiziert. Das hochreichende Tief macht dabei über dem Nordosten Schottland Halt und dessen Kaltfront legt sich weiter in die hochreichend südwestliche Grundströmung einmal quer über Deutschland. Während somit in der Südosthälfte weiter die subtropische Luft vorherrschend ist, dringt in den Nordwesten schon kühlere Atlantikluft ein. Vor allem südlich der Donau ist dabei auch eine antizyklonale Höhenströmung zu verzeichnen, sodass trotz labiler Schichtung die Hebungsimpulse kaum ausreichen sollten, um verbreitet Schauer und Gewitter auszulösen. Dennoch können örtlich die diabatischen Impulse von der Orografie unterstützt werden und Konvektion auslösen. Den Cape-Werten von 300 bis 700 J/kg steht jedoch ein Deckel von 20 bis 100 J/kg CIN entgegen. Bei Auslöse muss bei PPWs von 23 bis 30 mm auch der Starkregen berücksichtigt werden. Modellübergreifend stärkere und signifikante Hebungsimpulse, die vorwiegend PVA getriggert sind, stehen im Nordwesten zur Verfügung und sorgen dort voraussichtlich für schauerartig verstärkten Regen. Übrig bleibt die große Unbekannte, die Kaltfront. An dieser scheiden sich weiter die Modellgeister. Während ICON, UK10 und GFS nur sanfte Hinweise auf konvektiv geprägte Niederschläge im Programm haben, simuliert das IFS weiter stärkere Niederschlaqsintensitäten vom Westen in den Osten. In der Nacht zum Mittwoch soll der Trog mit seiner Achse dann deutlich an das Land heranrücken, sodass vor allem den Westen und Südwesten PVA indiziert stärkere Hebungsimpulse erreichen, die dann auch mit den frontogenetischen Prozessen interagieren. Im Süden und Südosten sind dann einzelne Schauer und Gewitter möglich, während vom Westen und Südwesten über die Mitte hinweg in den Norden und Nordosten Regenfälle auftreten sollen, die im Südwesten auch kräftiger ausfallen könnten. Der Wind bleibt weiter an der Nordsee spürbar und weht dort in Böen stark bis stürmisch. Ansonsten könnte der heranrückende Jet auch in einzelnen gipfellagen stürmische Böen oder Sturmböen bringen. Bei den Temperaturen ergibt sich zunehmend ein starkes Nordwest-Südost-Gefälle mit Werten zwischen 5 bis 21 Grad. Bodennah resultierend Höchstwerte von 19 Grad an der Nordsee und bis 33 Grad im Südosten.
Modellvergleich und -einschätzung
Aufgrund von geringen Unterschieden in der Ausprägung der Kurzwellentröge bzw. kurzwelligen Anteilen sowie deren genauen Zugbahn wird die Intensität und genaue räumliche Einordnung von potentiellen Niederschlägen am Montag von den Modellen noch etwas abweichend simuliert. Auch die Aktivierung der Kaltfront in der Nacht zum Dienstag und am Dienstag sehen die Modelle unterschiedlich. Während das IFS die größte Intensität zeigt, haben ICON und GFS fast keine Hinweise für signifikante Niederschläge im Programm. Das UK10 simuliert zwar etwas Regen, bleibt aber ebenfalls deutlich hinter den Vorgaben des IFS zurück. Zudem wird die Windstärke im Nordseeumfeld von den Modellen meist 1 Bft abweichend abgebildet.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 06.09.2026 um 10.30 UTC
Nach Durchzug einer Kaltfront mit kräftigen Stauniederschlägen an den Alpen unbeständiges und frühherbstliches Wetter mit Niederschlägen und trockenen Abschnitten im Wechsel.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 13.09.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Mittwoch befinden wir uns auf der Vorderseite eines Trogs, dessen Achse sich von Spitzbergen bis zur Nordsee erstreckt. Am Boden liegt ein Tief über der westlichen Nordsee, das unter Auffüllung zu den Niederlanden zieht. Eine Kaltfront, die zu einem weiteren Tief über Nordskandinavien gehört, verdrängt im Laufe des Tages auch im Südosten die feuchtwarme Luft, sodass ganz Deutschland mit kühlerer Meeresluft geflutet wird. Mit nur noch 18 bis 22 Grad wird es deutlich kühler als zuvor. In Verbindung mit dem Stau an den Alpen muss mit teils kräftigem Regen gerechnet werden, der vom südlichen Alpenvorland bis zu den Alpen wohl warnwürdig werden wird. In Nordseenähe sind im Umfeld des erwähnten Tiefs Schauer und Gewitter mit Sturmböen zu erwarten.
Am Donnerstag schwenkt die Trogachse über Deutschland hinweg und nachfolgend steigt von Westen her das Geopotential wieder an. Am Boden schiebt sich ein Ableger des Azorenhochs zu uns herein. Somit kommt es zu einer Wetterberuhigung. In der Nordhälfte sind zwar noch ein paar Schauer unterwegs, im Süden ist es hingegen nach Abzug des Dauerregens an den Alpen trocken und es scheint landesweit wieder häufiger die Sonne. In der kühlen Meeresluft werden allerdings nur Höchstwerte zwischen 17 und 22 Grad erreicht.
Am Freitag dominiert zunächst noch schwacher Hochdruckeinfluss. Am Nachmittag greift dann allerdings das Frontensystem eines Tiefs bei Island auf den Westen mit neuen Niederschlägen über. Sie liegt sowohl am Boden in einer Tiefdruckrinne als auch im Bereich eines Randtrogs in der Höhe, sodass genug Hebung für großflächige Niederschläge gegeben sind. An den Temperaturen ändert sich wenig.
In der Nacht zum und am Samstag ziehen Front, Boden- und Höhentrog allmählich über Deutschland hinweg. Nachfolgend steigt von Westen her erneut das Geopotential an und ein weiterer Ableger den Höhenhochs erreicht Mitteleuropa. Dieser Zwischenhocheinfluss ist nach dem aktuellen IFS-Lauf aber nur von kurzer Dauer, denn schon in der Nacht zum Sonntag zieht ein Tief nach Großbritannien. Ob das so kommt, muss abgewartet werden. Auffällig ist aber ein umfangreicher Tiefkomplex, der sich von Grönland über den nördlichen Nordatlantik bis nach Fennoskandien erstreckt und mehrere Tiefzentren beinhaltet. Dadurch bleibt uns mit der dadurch bedingten Westwinddrift der Zustrom kühler Meeresluft erhalten.
Am Sonntag sollen wir dann im Einfluss des Tiefs liegen, das weiter zur Nordsee ziehen soll. Allerdings ist die Vorhersage eines solch kleinen Tiefs am Ende der Mittelfrist mit Vorsicht zu genießen. Doch auch wenn es anders kommt, macht der beschriebene umfangreiche Tiefkomplex wenig Hoffnung auf stabiles Wetter, denn die etwas nach Norden verschobene Westwinddrift mit Tiefs und Kurzwellentrögen ist weiterhin recht agil. Zudem wird von den meisten Modellen ein Trogresiduum über Mitteleuropa simuliert, das seinen Ursprung im angesprochenen Tief hat. Somit ist auch am Sonntag mit wechselhaftem und eher frühherbstlich kühlem Wetter zu rechnen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz kann über den gesamten Zeitraum hinweg als recht gut eingestuft werden. Der Übergang zu frühherbstlichem und unbeständigem Wetter scheint sicher zu sein. Zwar gibt es bei den Randtrögen und Tiefs noch Phasenunterschiede und Unsicherheiten in Ausprägung und Zugbahnen. Das liegt aber alles im Bereich normaler Prognoseunsicherheiten. Grundlegend andere Strömungskonfigurationen sind nicht zu erkennen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Modelle simulieren den Umstieg der Wetterlage konsistent. Am herbstlich kühlen und wechselhaften Wetter gibt es also wenig zu rütteln. Größere Unsicherheiten gibt es aber noch bei den Stauniederschlägen am Mittwoch (und in der Nacht zum Donnerstag) im Süden. Während das ICON ordentlich auf den Putz haut mit großflächig unwetterartigen Mengen über 50 l/qm im südlichen Alpenvorland, werden von den anderen Modellen in den Hauptläufen deutlich geringere Mengen simuliert. Die Wahrscheinlichkeiten für markanten Dauerregen sind aber sowohl bei ICON als auch bei IFS nicht zu vernachlässigen. Zum Ende der Vorhersage wird die Westwinddrift bei GFS noch klarer simuliert als bei IFS und ICON, da das Trogresiduum dort fehlt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-Rauchfahnen liegen zum Ausgabezeitpunkt nicht vor.
Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h zwei Cluster angeboten mit 28 Members in Cluster 1 und 23 Members (inklusive Kontrolllauf) in Cluster 2. Während bei Cluster 1 zu Beginn das Regime einer positiven NAO vorherrscht, wird bei Cluster 2 das Blocking-Regime bemüht. Allerdings handelt es sich auch hier um kein klassisches Blocking, da auch hier eine rege Tiefdrucktätigkeit über dem nördlichen Nordatlantik gezeigt wird.
In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden sogar fünf Cluster angezeigt, die entweder dem Blocking-Regime oder dem Atlantic-Ridge zugeordnet sind. Allzu kräftig ist der atlantische Rücken bzw. das Blocking aber weiterhin nicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
Am Mittwoch kommt es in Küstennähe und später im Nordwesten auch etwas landeinwärts einzelne Gewitter, die vor allem wegen stürmischen Böen oder Sturmböen markant ausfallen könnten. Starkregen oder Hagel sind weniger ein Thema.
DAUERREGEN:
Die Kaltfront erreicht in der Nacht zum Dienstag die Alpen und kommt am Mittwoch ins Schleifen. Durch Staueffekte kommt es zu länger anhaltenden und teils kräftigen Regenfällen, die erst in der Nacht zum Donnerstag von Westen her abklingen. Wie bereits erwähnt, werden die Mengen noch recht unterschiedlich simuliert. Vor allem ICON simuliert im 00UTC-Lauf unwetterartige Mengen (>50 l/qm/24h) im südlichen Alpenvorland und an den Alpen, während die Hauptläufe von IFS, GFS und UK10 deutlich defensiver ausfallen, teils mit nicht einmal markanten Mengen. Da die Wahrscheinlichkeiten bei ICON für markanten Dauerregen bei 40 bis 70% und bei IFS immerhin bei 20 bis 40% liegen, werden gebietsweise warnwürdige Mengen aus heutiger Sicht als wahrscheinlich angesehen. Ob diese (zumindest bezüglich der DWD-Warnschwellen) auch unwetterartig werden, muss abgewartet werden. Allzu hoch sind hierfür die Wahrscheinlichkeiten nicht (<15% bei ICON, <10% bei IFS). Vom Impact her werden sie wohl ohnehin nicht unwetterartig sein.
Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, ICON-EPS, IFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel





