Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 04.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM (Hoch Mitteleuropa), Tendenz Richtung Wochenende SEa (Südost antizyklonal)
Frühlingshaftes Hochdruckwetter mit leicht herbstlichem Touch und großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... setzt sich das frühlingshafte, von großen Tagesgängen der Temperatur geprägte Hochdruckwetter in Deutschland nahtlos fort. Nach wie vor befinden wir uns inmitten einer umfangreichen Hochdruckzone bestehend aus den Herren JANNIS und IACKL, die sich von der Nordsee bis zum Balkan und sogar noch darüber hinaus bis zum östlichen Mittelmeer erstreckt. Darüber spannt sich ein breiter Potenzialrücken auf, dessen Hauptamplitude bis hoch zum Europäischen Nordmeer reicht. Gefüllt ist die Hochdruckzone weitgehend mit einer abgetrockneten, teils kontinental anmutenden Subtropikluft (cSp, xS). Nur in den Norden und Osten ist gestern und vergangene Nacht eine Portion ebenfalls abgetrockneter maritimer Polarluft eingeflossen (mP), die dort heute für etwas gedämpftere, aber immer noch überdurchschnittliche Tagestemperaturen sorgt. Summa summarum ein Setup, das keine Zweifel aufkommen lässt, wo wir uns wettertechnisch derzeit befinden, nämlich fernab jedweder markanter Unbilden, sei es Niederschlag, sei es Sturm oder sonst etwas aus dieser Kategorie. Stattdessen hat das Ganze ein bisschen was von Herbst, was aber gar nicht so verwunderlich ist bei einem Sonnenstand wie in der ersten Oktoberdekade.
Apropos Sonne, die scheint auch heute wieder - nachdem sich Nebel und Hochnebel im Süden (Donau bis weit ins Alpenvorland) und etwas weniger flächig auch knapp nördlich der zentralen Mittelgebirgsschwelle sowie in SH unterschiedlich schnell aufgelöst haben - die Sonne von einem blankgeputzten oder nur locker bewölkten (Cirren, flache Quellungen) Himmel. Die Kaltfront, welche die Polarluft in den Norden und Osten geschafft hat, löst sich mangels ausreichend thermischer Gegensätze (Wetter ist sowieso nicht dran) auf bzw. zieht sich ins östliche Mitteleuropa zurück. Über Austria befindet sich derzeit noch ein kleines Höhentief, das es wie auch immer geschafft hat, tief ins Innere des Rückens einzudringen und vor allem inneralpin für etwas Konvektion zu sorgen. Bis zum Abend zieht das Tief über das Burgenland nach Ungarn ab, nicht ohne zuvor noch ein paar Quellungen in Teilen Bayerns zu hinterlassen.
Bei schwachem bis mäßigem Nord- bis Ostwind steigt die Temperatur im Norden und Osten, aber auch in großen Teilen Süddeutschlands auf 10 bis 15°C. An Küstenabschnitten mit auflandigem Wind sowie auf den meisten Inseln stehen häufig nur einstellige Höchstwerte auf dem Zettel. Milder mit 14 bis 19°C wird´s hingegen im gesamten Westen bis hinunter in den Oberrheingraben sowie in Teilen der Mitte.
In der Nacht zum Donnerstag tut sich wenig bis nichts an der vorherrschenden Großwetterlage, zumindest nicht in unseren Gefilden. Erwähnenswert ist vielleicht, auch wenn es keinen direkten Einfluss auf den Vorhersageraum hat, dass der Luftdruck zwischen UK/Irland und der Iberischen Halbinsel bereits tagsüber beginnt leicht zu fallen. Daraus resultiert eine meridional exponierte Rinne, welche die bis dato existierende Verbindung der kontinentalen Hochdruckzone mit dem Azorenhoch kappt. Der wellende Frontenzug, der etwa den Westrand der Rinne markiert, groovt sich über UK/Irland respektive dem nahen Atlantik ein, ohne nennenswert Boden nach Osten hin gutzumachen.
So bleibt bei uns alles beim Alten, sprich, entweder präsentiert sich die Nacht sternenklar mit langsam abnehmendem, aber noch recht vollem Mond. Oder es bildet sich wieder Nebel/Hochnebel, vornehmlich im Süden (ähnliches Muster wie vergangene Nacht), bedingt aber auch in der Mitte und im Osten. Dazu kühlt es vielerorts in den leichten, im Osten gebietsweise gar mäßigen Frostbereich ab, wobei man sagen muss, dass Minus und Plus nicht selten dicht beieinander liegen. Dort, wo sich früh Nebel oder Hochnebel bildet, wird´s schwer, in den Frostbereich zu kommen. Und dann sind da natürlich noch die klassisch topografischen Features (Mulden, Senken kalt, Hänge oder Kuppen mild) in Verbindung mit einer sehr flach aufliegenden Inversion. Warntechnisch ist das kaum abbildbar, so dass man eine erhöhte FAR billigend in Kauf nehmen muss.
Donnerstag... verbleiben wir unter dem Potenzialrücken, der zwar seine Wellenlänge verkürzt, aber immer noch so positioniert ist, dass er den Vorhersageraum voll im Griff hat. Der Schwerpunkt des korrespondierenden Bodenhochs verschiebt sich mit etwas über 1025 hPa nach Polen bzw. zum nördlichen Balkan. Zwischen dem Hoch und der geringfügig ostwärts vorankommenden Rinne im Westen stellt sich bei uns eine niedertroposphärische Süd-Südostströmung ein, während bodennah ageostrophisch getriggert Ost- (im Süden) bis Südostwind (sonst) vorherrscht. Sowohl advektiv als auch absinkbedingt steigt T850 bis zum Abend auf rund 5°C zwischen Erzgebirge und Ostsee bis zu 9°C in Oberschwaben und Südbaden (zum Vergleich, heute Abend liegt die Spanne zwischen 1 und 5°C). Die Grundschicht trocknet weiter ab, so dass sich Nebel und Hochnebel von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (Teile der oberen Donau wären hier zu nennen) bis Mittag aufgelöst haben sollten. Dann steht einer vollen Dröhnung kurzwelliger Solarstrahlung nichts mehr oder sagen wir fast nichts mehr im Weg. Für flache Kumulanten reicht es kaum, Gleiches gilt für Cirren. Bedingt durch die weit nach Süden ausholende Austrogung über Westeuropa könnte allerdings etwas Saharastaub in den Südwesten gelangen. Für eine wirksame Trübung dürfte die Konzentration aber nicht ausreichen. So kann sich Deutschland auf verbreitet 14 bis 19°C freuen, wobei der Westen und Südwesten weiterhin in der Vorhand sind. Nicht ausgeschlossen, dass der in den westlichen Mittelgebirgen etwas auflebende Südostwind die Temperatur an den Nordrändern lokal auf 20°C oder ein paar Zehntel drüber hochjagt. Der Nordosten sowie die küstennahen Landstriche dagegen hinken mit 11 bis 15°C noch immer etwas hinterher. Dort, wo der Wind von der See her weht (bei Südost am ehesten die Ostseeküste SHs sowie bedingt auch die vorpommersche Küste) bleibt es teils einstellig.
In der Nacht zum Freitag bedienen wir uns schlicht und einfach eines Begriffes aus der Flugmeteorologie: NOSIG (No SIGnificant change, auch wenn dieser Trend streng genommen nur für 2 Stunden gilt). Die Nebel- bzw. Hochnebelneigung nimmt gegenüber den Vornächten ab, dafür können im Südwesten einige Cirren quasi als stille Botschafter der west-südwestlich von uns stattfindenden Ereignisse auf der Bildfläche erscheinen. Ansonsten gerade im Osten und Süden sowie in Teilen der Mitte wieder leichter, in Ostsachsen sowie dem südlichen BB auch mäßiger Luftfrost. In Bodennähe muss in der Südosthälfte häufiger mit Abstürzen bis zu -7 oder -8, im Grenzbereich zu Polen vielleicht sogar bis zu -10°C gerechnet werden.
Freitag... tropft der Trog über dem Süden der Iberischen Halbinsel ab, was den Rücken bei uns eher noch etwas stärkt. Von Norditalien über die Alpen hinweg bis nach Benelux etabliert sich eine abgeschlossene 568-gpdam-Isohypse, an deren Nordrand ein klitzekleiner Sekundärtrog den Weg nach Norddeutschland findet. Die Wirkung ist aber nahe null, weil erstens die Höhenströmung und mithin die Advektion zu schwach ist. Zweitens bleiben der Rücken und die davon ausgehende Subsidenz das prägende System. Und drittens kann der Trog mit der sehr trockenen Luftmasse rein gar nichts anfangen. So scheint einmal mehr die Sonne von einem wolkenlosen, in der Westhälfte teils von hohen Wolken überzogenen oder auch nur garnierten Himmel. Bei weiterhin schwachem bis mäßigem Wind aus Ost bis Südost gleichen die Tagestemperaturen denen von heute mit dem Zusatz, dass es nun auch im Nordosten milder wird mit stellenweise bis zu 16 oder gar 17°C. Derweil wird im Westen, vereinzelt aber auch im Oberrheingraben wieder mit der 20°C-Marke gespielt - herzlich Willkommen im Frühling 2026.
Auch die Nacht zum Samstag bringt nicht viel Neues: weiterhin HPI (High Pressure Influence) mit vergleichsweise geringer Nebelneigung, einigen hohen Wolken und weiterhin Frost (im Westen und Nordwesten weniger, sonst auf engem Raum immer mal wieder größere Unterschiede).
Modellvergleich und -einschätzung
Mehr gibt es zu dieser Wetterlage nicht zu sagen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 04.03.2026 um 10.30 UTC
Vielerorts Fortdauer des hochdruckdominanten Frühlingswetters. Kommende Woche in der Westhälfte langsam etwas wechselhafter.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 11.03.2026
Am Wochenende hält der Hochdruckeinfluss aus der Kurzfrist noch an, fängt allerdings schon langsam an zu bröckeln, da sich der Schwerpunkt des Höhenhochs zunehmend nach Skandinavien und zum Baltikum verlagert. Aus einer kompakten und stabilen Omegalage entwickelt sich somit eine schwache High over (Mini-)Low Lage, bei der ein kleines Höhentief den Rücken im Uhrzeigersinn umläuft und sich nach Norddeutschland verlagert. Wenn man so will, fungiert es am Sonntag als schwacher Kaltlufttropfen, kann aber mit der bodennah aus Osten einfließenden trockenen Kontinentalluft kaum vielversprechend interagieren, womit außer ein paar mittelhohen Wolkenfeldern nicht allzu viel davon übrig bleibt. Teils zähe Nebelfelder gibt es vor allem noch an Donau und Nebenflüssen sowie in Küstennähe. Die Tagesgänge sind nach wie vor groß mit nächtlichem lokalem Frost vor allem in der Südosthälfte sowie 15 bis 20°C in den Nachmittagsstunden, entlang des Rheins lokal knapp darüber.
In der neuen Woche scheint sich die festgefahrene Wetterlage dann doch sukzessive hin zu wechselhafterem Wetter umzustellen. Anfangs ist zwar noch ein Cut-Off über der westlichen Biskaya vorhanden, dessen Warmluftreserven auf der Vorderseite sind aber ziemlich aufgezerrt und zudem tropft dieser weiter südwärts ab. So findet kaum noch nennenswerte WLA statt, die den Rücken stabilisieren würde.
Im Gegenteil: Er wird im Gegenzug durch kräftige KLA, die von Ostgrönland Richtung Nordkap ausgreift aus Norden eher abgeflacht und ostwärts abgedrängt. So etabliert sich unterm Strich in der neuen Woche immer mehr eine zyklonale Südwestströmung in der Höhe mit eingelagerten Randtrögen. Nennenswerte organisierte Strukturen oder gar Fronten bleiben aber zunächst noch weitgehend außen vor, weshalb die Umstellung sehr zögernd vorangeht mit ersten zaghaften Schauern und vielleicht sogar kurzen Gewittern, die allmählich von Westen übergreifen. Flächendeckende Niederschläge bringen die bei weitem noch nicht.
Das Temperaturniveau ändert sich insgesamt kaum, durch die zögernde Anfeuchtung aus Westen nimmt die Frostgefahr aber alles in allem etwas ab, mit Übergang in die erweiterte Mittelfrist möglicherweise auch im äußersten Osten und Südosten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistent des IFS ist insgesamt positiv zu bewerten. Kleinere Unschärfen beim Höhentief am Sonntag spielen nur eine untergeordnete Rolle, da sich die Wetteraktivität ohnehin in Grenzen hält.
Tempo und Konfiguration der Umstellung der Wetterlage in der kommenden Woche sind noch mit größeren Unsicherheiten verbunden. Der generelle Trend dazu setzt sich aber laufübergreifend fort. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass frontale Geschehnisse und nennenswerte Niederschläge auch in der Osthälfte frühestens in der erweiterten Mittelfrist sprich in der 2. Hälfte der kommenden Woche ein Thema sind.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Grundidee und der entsprechend geschilderte Wetterablauf sind allesamt ähnlich. Leicht unterschiedlich simulierte (konvektive) Niederschlagsschwerpunkte in der kommenden Woche sind handelsüblich - fokussieren sich dennoch modellübergreifend eher auf die Westhälfte.
Interessant ist die unterschiedliche Intensität und Verlagerung des Cut-Offs von der Biskaya Richtung Iberische Halbinsel. Gerade wenn man UK10 einmal weiterspinnt, könnte sich durchaus auch die Option bieten, dass die sich regenerierende Frontalzone über dem Atlantik südwärts in den vorgefertigten Trog hinein ausbricht und sich somit der Rücken über Mitteleuropa doch nach kurzer Schwächephase wieder stabilisieren könnte. Entsprechend steht die Umstellung an sich und erst recht deren Ausprägungsgrad noch auf sehr wackligen Füßen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Ein schlapper Kaltfrontstreifschuss öffnet den Spread in den Temperaturkurven über Norddeutschland am Sonntag ein wenig. Sonst sind die Rauchfahnen der Temperatur in 850 hPa eng gebündelt mit einem leichten Abwärtstrend in der kommenden Woche von etwa +7 auf +4°C im Deutschlandmittel.
Gleiches gilt für die Geopotentialverteilungen. Ein wirklicher Absturz in Sphären der Polarfront (525 gpdm) ist selbst ganz im Westen bis zum Ende der erweiterten Mittelfrist nicht zu erkennen - eher ein kontinuierlicher leichter Rückgang von 570 gen 550 gpdm.
Gleichzeitig nehmen die Niederschlagssignale vor allem in der Westhälfte in der kommenden Woche etwas zu. Wie bei konvektiven Lagen üblich bewegen sich die Raten im EPS aber meist im deutlich einstelligen Bereich binnen 24h, meist sogar bei nur 1-2 mm.
CLUSTER:
Im Zeitraum +96h-120h (Mo-Mi) sind sämtliche 3 Cluster noch dem Blockingregime zugeordnet, das zumindest in der Osthälfte Deutschlands weiterhin bestimmend bleibt. Der Westen gerät derweil immer mehr auf die Vorderseite des Cut-Offs über der Biskaya respektive der Iberischen Halbinsel in ein schwach zyklonales Umfeld.
Im Folgezeitraum ist es ein Wechselspiel der 2 Cluster zwischen Süd antizyklonal und Südwest zyklonal. Dabei wird ersichtlich, dass die Osthälfte stark hochdruckdominiert bleibt. Auch wieviel letztlich im Westen ankommt, bleibt abzuwarten. Die Mehrheit des zyklonaleren Clusters 1 ist mit 27 (inklusive HL) zu 24 Membern marginal.
FAZIT:
Ja, der Hochdruckeinfluss bröckelt. Ja, es wird schrittweise aus Westen etwas wechselhafter. Aber wirklich nur in homöopathischer Dosis. Inwiefern flächendeckende Niederschläge übergreifen und dann auch die Osthälfte erreichen, bleibt äußerst fraglich und ist frühestens in der erweiterten Mittelfrist ein Thema. Bei den Temperaturen tut sich wenig.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
FROST:
Solange kein Luftmassenwechsel stattfindet und die Nächte klar bleiben, ist zumindest in der Südosthälfte gebietsweise mit weiteren leichten Nachtfrösten zu rechnen.
GEWITTER:
Zutaten und Vorhersagetemps sind prinzipiell in der kommenden Woche über der Westhälfte gewittererlaubend. Die große Nummer wird das aber voraussichtlich nicht, meist unterhalb markanter Schwellen und damit in der Kategorie gelb. Wenn's dumm läuft, gibt's an einer stehenden Zelle über dem Bergland mal an die 15 mm/h und eine stürmische Böe (Bft 8).
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen





