Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 22.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Windig bis stürmisch, wechselhaft und mild. Voller Sturm im Bergland, morgen Abend auch im äußersten Westen und Nordwesten. Besonders ab der Nacht zum Sonntag von Westen reichlich Regen und neues Windmaximum.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell ... dauert die vergleichsweise warnarme Witterung noch weiter an, bevor sie am morgigen Freitag von mehr Dynamik aus Westen abgelöst wird.
Heute Nachmittag passiert ein Trog Norddeutschland ostwärts und bringt dem Westen und Norden einige Schauer, diabatisch verschärft über der Deutschen Bucht bzw. über dem Westen von Niedersachsen auch einige Gewitter (teils organisiert dank kräftiger Scherung im low CAPE/high shear setup). Das den Trog begleitende niedertroposphärische Windfeld mit rund 35-40 kt in 950 hPa sorgt bei kräftiger Konvektion peripher der Deutschen Bucht für steife bis stürmische Böen aus Südwest, offshore und im direkten Küstenumfeld sind auch einzelne Bft 9 Böen nicht ausgeschlossen. Zum Abend verlieren Konvektion und Gradientwind an Intensität, sodass entsprechende Warnungen eingangs der Nacht planmäßig auslaufen können. Dies gilt auch für die regional ausgegebenen Windböenwarnung im Westen (steife Böen um Bft 7, exponiert auch stürmisch) bei einer abendlich einsetzenden deutlichen Windabschwächung.
Den Süden und Osten erwartet ein freundlicher, streckenweise auch sonniger Tagesausklang, wobei den Osten zum Abend dichte Wolkenfelder von Westen erfassen.
Die abendliche Werte liegen zwischen 12 und 7 Grad, bei schwachem bis mäßigem Wind aus West bis Südwest.
Die Nacht zum Freitag über wirkt sich ein von Westen nahender, flacher Keil wetterberuhigend über Deutschland aus.
Zum Verständnis dieser Keilaufwölbung machen wir einen Schritt zurück und springen in die Vergangenheit. Initiiert durch rege Konvektion peripher der INVEST AL93 vor der Ostküste der USA (nun als Subtropensturm JOSEPHINE bekannt) wurde die vergangenen Tage eine Art diabatische Rossbywelle initiiert (im Grenzbereich der Klassifikation), die in der Folge ostwärts ziehend mit einem Höhentrog über dem Nordostatlantik interagierte und heute (Donnerstag) südwestlich vor Irland die intensive Sturmzyklone LUISE (int. AUSTEN) initiiert hat. Diese verbleibt aber bezüglich der Intensivierungsrate mit rund 20 hPa/24h knapp unter einem Bergeron (Breitengrad korrigiert), der bei rund 53 Grad Nord bei rund 22 hPa liegt. Aktuelle remote sensing Daten zeigen eine klassische (und auch im IPV Feld erkenntliche) treble clef Signatur mit einem in Zentrumsnähe gerichteten, signifikanten dry slot und einem intensiven Wolkenkopf, der in Form eines imposanten cold jets den Trockeneinschub schneidet. Zwar sind temporäre Ansätze bandartiger Signaturen im Spitzenbereich des cold jets erkennbar, was auf geneigte Energiefreisetzung (CSI) hindeutet, überzeugend mit Blick auf ein sting jet Ereignis waren diese aber weder von der Ausprägung und Dauer. Auch deuten cross sections aktuell kein der herumgeholten Kaltluft vorgelagertes Starkwindfeld an. Diese Mischphase macht sich auch bei der Klassifikation der Zyklone bemerkbar, sind doch Hinweise für eine Shapiro-Keyser (SK) Zyklogenese vorhanden (wie konfluentes Höhenwindfeld stromab), allerdings auch nur mit einem schwache Frontenbruch innerhalb der 850 hPa Frontogenese-Analyse (eher kräftige split front mit agiler Konvektion nahe der Bodenkaltfront: Stand 16Z).
Hier besonders hervorgehoben wird aber die sich entwickelnde warm seclusion, die in Phasendiagrammvorhersagen zeitweise eine moderate und symmetrische warme Kernanomalie aufweist.
Diese Zyklone durchquerte in der vergangenen Nacht den Höhenjet polwärts, wobei kräftige rotationsfreie Höhenwinde stromab mit PV Abbau das sich entwickelnde warme Förderband hervorgehoben haben, was wiederum den angesprochenen seichten Keil nach Mitteleuropa aufspannen soll.
Viel Dynamik westlich von uns, aber eben noch ruhiges Nachtwetter unter dem Keil, wenngleich nach Mitternacht von Westen Wolkenaufzug und nachfolgend auch Niederschlag stromab der von Westen nahenden Warmfront auf den Westen Deutschlands übergreifen (meist nur geringe Mengen, im Eifelstau um 5 mm/12h).
Der Südwind weht im Westen und Norden schwach bis mäßig, während dieser im Süden und Osten entkoppelt kaum nennenswert aus dominant südlicher Richtung daherkommt.
Die Nachtwerte liegen je nach Entkopplung im Bereich von 9 bis 5 Grad im Westen und Norden und sonst zwischen +4 und -2 Grad, wobei sich der Luftfrost auf den Süden/Südosten von Bayern beschränken sollte (bodennah allerdings bis in die Lausitz ausgreifend).
Freitag ... steht dann ganz im Zeichen der sich von Westen nähernden LUISE.
Zwar verliert LUISE rasch den Kontakt zum dynamischen Antrieb aus der Höhe, indem sie recht zentrumsnah unter den Höhentrog wandert und dabei zögernd auffüllt. Allerdings hebelt die kräftige warme Kernanomalie mit verschärftem niedertroposphärischem Druckgradienten den reibungsinduzierten Auffüllungsprozess von LUISE effektiv aus, sodass nur mit einem allmählichen Anstieg des Kerndrucks zu rechnen ist.
Die Zugbahn wird mittlerweile recht homogen mit einer West-Ost Passage über den Ärmelkanal in Richtung Belgien/Niederlande gezeigt, allerdings leider mit einem zunehmenden Spread im Ensemble (z.B. IFS-ENS). Allerdings liegen die stärksten Optionen am Südrand der Memberwolke, sodass die beschriebene Zugbahn aktuell favorisiert wird.
Erschwerend fällt dabei die Frontenanalyse aus, was vor allem die kaum noch erkennbare Kaltfront betrifft, die bis zum Abend wohl nur noch den Südwesten als eine solche erkennbar ostwärts passiert. Inwieweit dies als ein Frontenbruch in Verbindung mit einer SK Zyklone interpretiert werden darf ist fraglich und wohl eher der Reibung und fehlender Feuchte geschuldet, zumal die Frontogenese weiterhin besonders über Südwestdeutschland anschlägt. In der Tat dürfte eine abgesetzte Kaltfront Sinn machen, was aber in dem Fall eher der atypischen Entwicklung des Bodentiefs geschuldet ist.
Für den Großteil der Republik und des Tages macht LUISE zwar mal mehr, mal weniger Wind, aber im breiten/diffusen Warmsektor bedeutet das vorerst nur im Westen, später auch über der Mitte, dass der Südwind sukzessive an Intensität zulegt bei 950 hPa Winden, die am späten Nachmittag im Westen meist zwischen 30 und 40 kt liegen. Normalerweise könnte man nun auf die stabilisieren/abfedernde Wirkung im Warmsektor setzen, in diesem speziellen Fall aber bedeckt der thermische Keil nur den Süden/Osten der Republik, sodass die Winde insgesamt besser herabgemischt werden können. Darauf weist z.B. auch das ID2-EPS mit einem Bft 7/8 Gemenge hin, wobei markante Böen exponiert, aber auch geführt entlang der Orografie auftreten können (exponiert sind im Bergland auch einzelne Bft 9 Böen zu erwarten). Zudem muss man peripher von Schauern und ggf. einzelnen Gewittern z.B. im Südwesten mit markanten Böen bis Bft 9 rechnen. Auch eine Druckwelle ist abends am Alpenrand nicht ausgeschlossen, wird innerhalb der Numerik aber noch stark streuend vorhergesagt.
Im Bergland muss man je nach Höhenlage mit Bft 9 bis 12 Böen rechnen.
Spannend wird es dann im Verlauf des späten Nachmittag/Abend im Westen, wenn die zu dem Zeitpunkt weiterhin imposante warme Kernanomalie Belgien/die Niederlande erreicht, wobei am Südrand dieser Anomalie der kalte jet Windspitzen um 55-60 kt in 950 hPa bzw. 70 kt in 850 hPa aufweist. Dieses kompakte Windfeld erreicht den Bereich Eifel-Niederrhein-Emsland und sorgt zum Abend verbreitet für markante Böen Bft 8 bis 9, konvektiv verstärkt sind auch einzelne Bft 10 Böen nicht ausgeschlossen.
Davon abgesetzt weht der Wind im gesamten Osten der Republik mäßig bis frisch aus südlicher Richtung.
Erwähnt werde sollte noch der Niederschlag, der zwar (abseits vom Osten) verbreitet auftritt, jedoch mengenmäßig keine nennenswerten Spitzen aufweist (in Staulagen regional bis 15 mm/12h). Im Südwesten könnte es zum Nachmittag und Abend auch zu einzelnen Gewittern mit markanten Böen Bft 8 reichen.
Die Maxima liegen im Südwesten zwischen 14 und 17 Grad und sonst zwischen 11 und 14 Grad, im Bergland etwas darunter.
In der Nacht zum Samstag zieht LUISE von Belgien über Holland bis zur Deutschen Bucht und füllt sich dabei langsam weiter auf. Gleichzeitig verliert die warme Kernanomalie sukzessive an Bedeutung, was sich auch durch ein insgesamt abschwächendes, kernnahes Windfeld äußert. Bis Mitternacht liegen die Windgeschwindigkeiten in 950 hPa und 850 hPa dennoch weiterhin zwischen 50 und 60 kt, sodass sich der Bereich mit verbreitet auftretenden markanten Böen Bft 8 bis 9, lokal Bft 10 von der Eifel bis ins westliche Niedersachsen ausweitet, dabei aber nach Mitternacht sukzessive an den absoluten Windspitzen einbüßt (2. Nachthälfte dann meist nur noch Bft 7 bis 8, strichweise Bft 9).
Auch abseits dieses Windmaximums bleibt der Wind im gesamten Westen bis zur Mitte ausgreifend ein Thema. Vom Gradienten heraus ist es im Tiefland ein Bft 7 bis 8 Ereignis, im exponierten Bergland, bei durch die Orografie geführten Winden und peripher von konvektiven Segmenten sind aber auch bis ins Tiefland kurzzeitig Böen Bft 9 vorstellbar, exponiert im Bergland je nach Höhenlage Bft 9 bis 12 (letzteres z.B. auf dem Brocken). Ein Augenmerk liegt nach Mitternacht auch auf den exponierten Berglagen der östlichen zentralen Mittelgebirge, wo eine leicht stabile Schichtung im Gipfelniveau bei kräftigem Südwestwind für ein temporäres Böenmaximum bis Bft 10 gut sein kann (z.B. Thüringer Wald).
Im gesamten Osten und Nordosten weht der Wind mäßig bis frisch aus Süd bis Südwest.
Abseits vom Wind treten im gesamten Osten nur einzelne Schauer auf, hier bleibt es meist trocken, während die Konvektion im Westen recht agil aufgestellt ist. Meist fallen die 12.-std. Mengen allerdings unbedeutend aus. Anders sieht es in der Nähe von LUSIE über dem Nordwesten aus, wo teils länger anhaltender und konvektiv verstärkter Regen 12 std. Mengen von 10 bis 20 mm bringt, strichweise und auch in Staulage der westlichen Mittelgebirge lokal bis 30 mm (ggf. markante Warnung für Bergisches Land/Siegerland/Westerwald). In den Alpen fällt oberhalb von rund 1200-1500 m etwas Neuschnee.
Die Minima liegen zwischen 10 und 2 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... erfolgt durch die konvektionsträchtige und mit einer überschaubaren Geschwindigkeit nordostwärts ziehenden JOSEPHINE vor der Ostküste der USA eine Wiederholung der Ereignisse. Eine neuerlich induzierte diabatische Rossbywelle interagiert und durchquert über dem Nordostatlantik einen deftigen 150 kt Höhenjet. Dieses Bodentief ist definitiv im Bereich einer rapiden Zyklogenese zu finden, nach EZ gar um 2 bergeron (auf rund 945 hPa) vertiefend mit enger IFS-ENS Clusterung westlich vor Schottland zum 12Z Termin.
Über unserem Bereich baut sich derweilen dank markantem Geopotenzialabbau in Richtung Italien gerichtet ein umfangreicher Langwellentrog auf, der zum Sonntag (in Richtung Mittelfrist) gen Italien/Adria abtropft.
Somit gestaltet sich das Wetter bei uns wechselhaft, wobei der Großteil der Niederschläge peripher der über Schleswig-Holstein nordwärts driftenden LUSIE (Achtung: hoher spread bei der Zugbahn) und somit über Norddeutschland auftreten soll (12 std. 5 bis 10 mm). Sonst fallen die Mengen deutlich geringer aus und im Süden könnte es gar meist trocken bleiben.
Zum Abend verdichtet sich die Bewölkung im Westen im Vorfeld der von Frankreich nahenden Warmfront und erste Tropfen sind nicht ausgeschlossen.
Der niedertroposphärische Wind bleibt im Norden recht hoch mit 45 bis 55 kt in 950/850 hPa, sodass besonders im Norden ein windiger Tag (Bft 7/8) zu erwarten ist. Weiter südlich sind dann meist nur noch die exponierten Lagen bzw. durch die Orografie geführte Winde von Warnrelevanz (je nach Höhenlage Bft 9 bis 11 mit den höchsten Spitzen auf dem Brocken). Im Süden weht der Wind frisch bis stark aus Südwest bis West.
Die Maxima liegen zwischen 9 und 15 Grad.
Die Nacht zum Sonntag soll nur noch kurz behandelt werden, verdient aber in späteren Übersichten sicherlich ebenfalls eine genauere Analyse.
Intensive Warmfrontpassage aus West, in cross sections hochreichend frontogenetisch aktiv und mit Advektion einer sehr feuchten subtropischen Luftmasse zieht (endlich und seit Monaten ersehnt) eine in der Fläche recht regenreiche Warmfront ostwärts nach Deutschland. Dabei fallen im Westen 10 bis 25 mm/12h, in Staulagen lokal auch über 40 mm, wobei Schwerpunkte noch später herausgearbeitet werden müssen und ggf. auch markante Dauerregenwarnungen nach sich ziehen. Im Süden und Osten fallen die Mengen deutlich geringer aus.
Zudem weht ein imposanter warmer Jet mit 70 bis 85 kt in 850 hPa, im Nordwesten auch mit rund 60 kt in 950 hPa, sodass der Wind im Nachtverlauf von Westen wieder deutlich anzieht (Tiefland im Westen und Norden verbreitet Bft 7 bis 8, im Umfeld der Deutschen Bucht auch Bft 9 bis 10 und im Bergland je nach Höhenlage sowie offshore über der Deutschen Bucht Bft 10 bis Bft 12). Im Süden und Osten kommt dieser meist nur schwach bis mäßig daher und das bei Minima zwischen 10 und -1 Grad (leichter Frost im entkoppelten Niederbayern). Feinheiten diesbezüglich sind dann aber morgen nachzulesen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik erfasst das Sturmtief LUISE mittlerweile recht gut und lässt dieses in der kommenden Nacht und am Freitag über den Ärmelkanal ostwärts in Richtung Belgien/Niederlande ziehen. Der Kern von LUISE ist ungewöhnlich mild, sodass auch die gedämpfte Abschwächung des Bodentiefs homogen erfasst wird. Leider ergeben sich am Freitag über Benelux weiterhin geringe Diskrepanzen bei der Lage des Bodentiefs (100-150 km), sodass auch die Lage des stärksten Windfelds in Verbindung mit dem cold jet am Südrand der warmen Kernanomalie geringe zonale Diskrepanzen aufweist. Dennoch reicht das Bild erstmal aus, um die allgemeinen gelben und markanten Grundwarnungen auszugeben.
Morgen müssen dann u.a. die potenzielle Entwicklung einer Druckwelle am Alpenrand und der cold jet (Eifel bis Emsland) im Auge behalten werden - ggf. mit einer regionalen Verschärfung der Windwarnung.
Zum Ende der Kurzfrist wird auch die Orkantiefentwicklung vor Irland/Schottland recht gut erfasst, sodass deren (regenreiche und windige) Auswirkungen ab der Nacht zum Sonntag zuversichtlich zeitlich/räumlich vorhergesagt werden können.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 22.10.2026 um 10.30 UTC
Turbulenter Sonntag mit schwerem Sturm an der Nordsee. Danach zunächst weiter wechselhaft, aber zahmer. Ab Wochenmitte zunehmender Hochdruckeinfluss.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 29.10.2026
Wie sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet hat, startet die Mittelfrist am kommenden Sonntag mit einem echten Paukenschlag. Nachdem mit LUISE (int. Austen) schon im Laufe des morgigen Freitags ein erster knackiger Wirbel bei uns vorbeischaut (mehr dazu wie üblich in der Synoptischen Übersicht Kurzfrist), rauscht am Wochenende die nächste Granate vom Atlantik heran. Die Rede ist von MANJA, die mal ganz nonchalant eine rapide Zyklogenese im Seegebiet südlich Islands aufs Parkett legt, um danach die nördliche Nordsee (Viking/Nord-Utsira) anzusteuern. So zumindest der Plan nach IFS. Sonntagmittag 12 UTC soll MANJA mit rund 955 hPa im Kern die Färöers und Shetlands bereits hinter sich haben und knapp unterhalb von Svinöy anlanden. Der Gradient, der von dem Tief ausgeht, ist gewaltig und erfasst auch den Vorhersageraum, schwerpunktmäßig aber die Nordsee. Dort droht ein schwerer Südwest- bis Weststurm mit Orkanböen, von dem auch die deutsche Nordseeküste plus vorgelagerter Inseln/Halligen ordentlich was abbekommen (wenn auch voraussichtlich nicht die maximale Dröhnung in Form von 12er-Böen). Im Rest des Landes wird der Tag nach der Zeitumstellung zwar nicht ganz so garstig wie auf und rund um die Deutsche Bucht. Ungemütlich wird´s trotzdem, sehr ungemütlich sogar, gesellt sich zu dem durchaus lebhaften und in Böen stürmischen Wind auch noch die Passage eines okkludierenden Frontensystems. Schon beginnend in der Nacht von Samstag auf Sonntag zieht ein äußerst veritables Regengebiet ost-südostwärts über den Vorhersageraum hinweg, das vor allem den westlichen und südwestlichen Mittelgebirgen sowie dem Allgäu markante Mengen bringen kann. Im Laufe des Tages zieht sich der Regen in die Gebiete südlich der Donau bzw. zum Alpenrand zurück. In der postfrontal einfließenden maritimen Polarluft (mP; T850 Rückgang auf 4 bis 0°C) entwickeln sich aber in Verbindung mit einem ostwärts durchschwenkenden Trog (inkl. eines thermischen Trogs) insbesondere vom Norden bis in die Mitte Schauer und einzelne Gewitter mit Sturmböen.
Zu Beginn der neuen und gleichzeitig letzten Oktoberwoche beruhigt sich die Szenerie, ohne aber dass gleich alles auf Null gestellt wird. Das Sturmtief zieht knapp westlich der norwegischen Küste in Richtung Lofoten, während sich westlich von Irland schon der nächste Brummer in Stellung begibt. Der - so viel sei an dieser Stelle schon verraten - dreht wahrscheinlich eher nach Norden ab als seine Vorgänger und dürfte Deutschland am Ende wohl nur abgeschwächt tangieren. Auf alle Fälle wölbt sich westlich von uns (West-/Südwesteuropa) ein Höhenrücken auf, der den Luftdruck vor allem in Süddeutschland spürbar ansteigen lässt. Der Norden hingegen hängt ein Stück weit noch am Rockzipfel der scheidenden MANJA. Die Folge sind Schauer und Wind, wenn auch nicht mehr in der Liga vom Sonntag. Am meisten schauert und bläst es an den Küsten, wo der Südwest- bis Westwind in Böen zumindest Stärke 8, in der ersten Tageshälfte sogar 9 Bft erreicht. Am Nachmittag, vielleicht auch erst am Abend greift dann die weit nach Osten ausgreifende WLA über, welche die Warmfront des o.e. Brummers ankündigt. Die Wolken verdichten sich von Benelux her und es setzt leichter Regen ein, der sich bis Dienstagfrüh auf weite Teile des Landes ausbreiten soll.
Am Dienstag gelangen wir in den sehr weit geöffneten Warmsektor, der stark antizyklonal konturiert ist. Grund ist der in seiner Wellenlänge inzwischen stark zusammengestauchte Rücken, der über Deutschland ostwärts wandert. Die nächtlichen Regenfälle ziehen ost-südostwärts ab, wahrscheinlich bleibt aber ´ne Menge tiefer Bewölkung übrig, so dass die Sonne nur bedingt Akzente setzen kann (noch unsicher). Fakt ist, dass T850 deutlich ansteigt auf verbreitet zweistellige Werte, ganz im Süden bei leicht föhniger Tendenz auf rund 15°C.
Am Mittwoch zieht das Tief knapp östlich an Island vorbei zum Europäischen Nordmeer. Über dem Skagerrak soll sich dabei eine Rand- bzw. Teiltief bilden, das uns mit einem Bodentrog, aber auch einem KW-Trog in der Höhe einen nochmaligen wechselhaften Tag bescheren würde. Danach deutet sich ein wuchtiges, nicht nur für einen Tag präsentes und somit in die erweiterte Mittelfrist reichendes Hoch an.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz von IFS (ECMF) ist nicht schlecht, weist aber trotzdem "Mängel" auf. Vor allem Timing und räumliche Ausdehnung sowie Intensität der wetterbestimmenden Systeme wechseln derzeit noch von Lauf zu Lauf, was aber nicht ungewöhnlich ist. Schließlich sprechen wir hier von einer West- respektive Südwestwetterlage, bei der das mitteleuropäische Geschehen stark vom Atlantik geprägt ist. Was man guten Gewissens festhalten kann, dass die Hauptaktivität in Sachen Niederschlag und Wind/Sturm in der Kurzfrist sowie am Sonntag (schwerer Sturm Nordsee, Binnenland stürmisch) abgeht. Danach beruhigt sich die Szenerie, es bleibt aber wechselhaft. Erst in der zweiten Hälfte der kommenden Woche deutet sich dann verstärkt Hochdruckeinfluss an, der über Eintagsfliegenstatus hinausgeht.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Es verwundert nicht wirklich, dass jedes der anderen Globalmodelle (die Rede ist hier von den üblichen Platzhirschen ICON, GFS, GEM und UK10) angesichts der Großwetterlage die Detailabläufe jeweils etwas anders sieht. Als Beispiel sei hier die Warmfront von Montag auf Dienstag genannt, deren Regen bei IFS und UK10 weit nach Süden ausgreift, während ICON und GFS lediglich auf nördlichem Trip unterwegs sind (das kanadische GEM bietet salomonisch eine Zwischenlösung an). Wie auch immer, das grobe Gerüst steht und die Kernaussagen halten auch dem Modellvergleich stand: der meiste Regen/Wind zu Beginn (Sonntag), nach hinten raus Hochdruckeinfluss.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte spiegeln im Grunde das bisher Geschriebene sehr gut wider: am Sonntag Front- und Trogdurchgang mit deutlichem RR-Maximum. Danach bei zunehmender, sich vor allem auf das Timing beziehender Streuung zunächst weiterhin wechselhaft (mit allerdings schwächeren RR-Peaks) und oszillierender Temperaturkurve (Montag runter, Dienstag rauf, Mittwoch runter, dann wieder rauf). Und ab Wochenmitte deutliche Abtrocknung bei gleichzeitig hohem Geopotenzial (Median im Bereich von 580 gpdam).
Bei den Clustern wartet das erste Zeitfenster T+72...96h (Sonntag/Montag) mit drei Angeboten auf, die sich bezogen auf Deutschland aber sehr ähneln und alle dem Klimaregime NAO+ zugeordnet sind. Von Dienstag bis Donnerstag (T+120...168h) bleibt es bei drei Clustern, die am letzten Tag alle auf "Blockierung" wechseln. Der Weg dorthin ist leicht unterschiedlich, was sich mit den weiter oben getroffenen Aussagen zur Unschärfe der Detailabläufe deckt. Ab Freitag (T+192...240h) bleiben die Cluster der Zahl Drei treu, wobei alle auf Hochdruckeinfluss und Blockierung setzen. Die Frage ist nur, wie sich Hochschwerpunkt und korrespondierender Rücken genau positionieren. Das "brüchigste" Szenario zeigt CL 3 (immerhin 16 Fälle), wo wir rasch auf die Westflanke des Hochs gelangen, was atlantischen Störungen den Weg zumindest in die westlichen Landesteile ermöglichen würde (man beachte den Konjunktiv).
FAZIT:
Bis einschließlich Sonntag ist uns eine sehr abwechslungsreiche und windige bis stürmische Kurzfrist mit teils kräftigen Regenfällen gewiss. Danach geht es zunächst zwar wechselhaft, aber 1-2 Stufen weniger intensiv weiter, wobei bei den Detailabläufen noch Unschärfen vorhanden sind. Nach Wochenmitte deutet sich dann zunehmender Hochdruckeinfluss an.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Wie bereits erwähnt ist der Sonntag der Tag in der Mittelfrist, aus dem am meisten Wetter herauszuholen ist. Das betrifft sowohl den Wind/Sturm als auch den Regen/Gewitter.
WIND/STURM:
Das verantwortliche Sturm-/Orkantief wird in Bezug auf Position und Kerndruck modellübergreifend sehr ähnlich simuliert. Das ist zwar kein Garant, aber ein gewichtiges Indiz dafür, dass die Windprognose für Sonntag ziemlich belastbar ist. Sicherlich wird es in den Details noch Änderungen geben, aber der grobe Fahrplan steht: verbreitet Böen 8-9 Bft an der Kaltfront/Okklusion sowie nach einer Pause auch postfrontal, in exponierten Hochlagen mehr (10 bis 12 Bft). Etwas in der Hinterhand aus heutiger Sicht Teile des Ostens und Südostens, wo die Wahrscheinlichkeit für Sturm abgesehen vom höheren Bergland geringer ist als im Norden und Westen. An und auf der Nordsee hingegen droht ein schwerer Sturm, zunächst aus Süd, tagsüber dann auf Südwest bis West drehend. Auf freier See sind Böen in voller Orkanstärke 12 Bft, an der Küste (+ Inseln/Halligen) schwere Sturmböen 10 Bft wahrscheinlich. Orkanartige Böen 11 Bft können nicht ausgeschlossen werden.
Zu Beginn der neuen Woche beruhigt sich das Geschehen zwar, an der See sowie in einigen exponierten Hochlagen bleibt es aber zunächst noch stürmisch (wohl aber nur noch 8-9 Bft). An den Folgetagen könnte der Mittwoch nochmal etwas aufmucken mit Stand heute einer geringen Wahrscheinlichkeit für Böen 8 Bft aus westlichen Richtungen an der See sowie im norddeutschen Binnenland.
REGEN/GEWITTER:
Mit Durchzug des okkludierenden Frontensystems von Samstag auf Sonntag kommt es gebietsweise zu erklecklichen Regenfällen. Herausstechen tun dabei die orografisch "begünstigten" Lagen der westlichen und südwestlichen Mittelgebirge (mit geringer Wahrscheinlichkeit sind auch noch einige zentrale Mittelgebirge wie z.B. der Thüringer Wald am Start) sowie das Allgäu, wo innert 12 Stunden oder etwas weniger zwischen 25 und 40, lokal um 50 l/m² zusammenkommen können. Das reicht dicke für eine markante Dauerregenwarnung. Ob es irgendwo sogar rot wird, bleibt abzuwarten.
Postfrontal entwickeln sich bevorzugt vom Norden bis in die Mitte einzelne Graupelgewitter, die mit Böen 8-9 Bft, an der Küste auch noch höher einhergehen können.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





