Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 09.04.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Mehrere Frontpassagen bringen zeitweise wechselhaftes Wetter, inklusive einzelner Gewitter. Im Nordosten trocken, aber frostige Nächte. Küsten zeitweise böiger Ostwind.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell ... gestaltet sich das Wetter über Deutschland meist frühlingshaft und arm an Warnungen. Der Nachmittag und Abend bleiben im gesamten Osten sonnig bzw. wolkenlos und auch im Süden überwiegt der Sonnenschein, wenngleich hier auch ausgedehnte hohe Wolkenfelder südwärts driften.
Etwas labiler gestaltet sich das Wetter im Nordwesten, wo peripher einer abgehobenen Mischungsschicht entkoppelte Konvektion im RGB Wolkenkomposit auszumachen ist, teils im vereisten Zustand. Lokale Webcams stützen dies mit ersten (optischen) Vereisungen und Virga. Diese Konvektion kann sich bis zum Abend in NRW und in Richtung Emsland durch einige Schauer äußern, wobei der Niederschlag jeweils auch erst einmal den Boden erreichen muss.
Die abendlichen Werte liegen im Westen um 20 Grad und gehen nach Osten auf 10 bis 14 Grad zurück. In Mecklenburg-Vorpommern wird es mit 4 bis 9 Grad gar ungemütlich kalt (kein Wunder bei Taupunkten von -5 bis -11 Grad). Der schwache Wind aus Ost bis Nordost frischt im Umfeld der Küsten weiterhin etwas auf und erreich peripher der Deutschen Bucht und entlang der holsteinischen Küste wiederholt die Bft 7.
In der Nacht zum Freitag erfasst die teilokkludierte Kaltfront des Islandtiefs SASKIA den Westen der Republik (inklusive einer eher wetterinaktiven und schwachen Warmfront). Dabei interagiert die Kaltfront inklusive erhöhter niedertroposphärischer Feuchte mit der abgehobenen Mischungsschicht, sodass entkoppelt in rund 1.5-2 km AGL etwas MUCAPE in rege Schauer- und lokale Gewittertätigkeit umgesetzt wird. Die vergleichsweise höchste Gewitterwahrscheinlichkeit ergibt sich vom östlichen NRW Bergland/Rheinland-Pfalz bis nach Hessen und Unterfranken/das westliche Thüringen und entlang des Schwarzwaldes. Meist treten dabei aber nur einzelne Böen und etwas Graupel auf, inklusive einem kräftigen "Regenplatscher".
Neben den Niederschlägen sei noch der Wind erwähnt. Die Front wird von einem recht scharf konturierten Bodentrog begleitet, dessen isallobarischer Gradient postfrontal für einige Bft 7 Böen in NRW gut ist, in Richtung Niederrhein/Eifel kann auch eine lokale Bft 8 nicht ausgeschlossen werden. Eine regionale/zeitlich begrenzte Windwarnung kann hier nicht ausgeschlossen werden.
Derweilen kommt die teilokkludierte Kaltfront bis nach Süddeutschland und im Osten in etwa bis zur Elbe voran. Gleichzeitig arbeitet sich der Okklusionspunkt bis zu den östlichen zentralen Mittelgebirgen vor, wobei dies innerhalb der Numerik noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Daher streuen die Modelle auch mit optionalen Niederschlagsschwerpunkten, die z.B. bei GFS peripher des Okklusionspunktes mit rund 10 l/qm/12h in Hessen und Franken zu finden sind. Warnrelevant fallen die Mengen nicht aus.
Interessant ist allerdings die östliche Flanke des Niederschlags, die über dem Osten der Republik auf eine kühle und vor allem extrem trockene Luftmasse trifft. 12Z Aufstiege von Berlin zeigen PW Werten um 3 mm (was sehr nahe am absoluten Monatsminimum liegt bzw. sub-1% Werte bei den Perzentilen aufweist). Der hier eintreffende Niederschlag wird erstmal ordentlich verdunsten, was in Vorhersagesoundings zwischen H7 (H7 entspricht 700 hPa) und H9 mit einer nahezu isothermen Schichtung etwas unter 0 Grad quittiert wird. Die Frage wird sein, wie agil die Okklusion hier Niederschlag produziert und wie effektiv die Luftmasse angefeuchtet werden kann. Besonders EZ/Swiss_MRF heben einen Steifen von Schleswig/Lübeck bis nach Anhalt hervor, wo es ausgangs der Nacht Nassschneefall geben könnte (im EZ-EPS gar im Median 1 oder 2 cm Neuschnee), während das Gros der Modelle nur regional/zeitweise etwas Schneeregen zulässt. Man wird die Nacht über die Wetteraktivität entlang der Front sowie das Ausmaß präfrontaler Niederschläge beobachten müssen, um letztendlich eine Trendabschätzung geben zu können. Schneeakkumulationen erscheinen aber eher unwahrscheinlich, können allerdings besonders zwischen Schleswig und Lübeck dank der Nähe zum Trog und entsprechend höheren Niederschlagsraten nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
Der Wind kommt im Osten meist schwach aus Ost, im Westen mäßig bis frisch aus West (besonders postfrontal). Peripher der Deutschen Bucht sowie entlang der holsteinischen Küsten treten wiederholt Bft 7/8 Böen aus Südost auf, auf Sylt ausgangs der Nacht dann auch aus West.
Die Minima liegen im frontalen Einfluss zwischen 8 und 4 Grad, sinken im Osten in der sehr trockenen Luftmasse aber deutlich in den Frostbereich ab (0 bis lokal -5 Grad Luftfrost und bodennah besonders im östlichen Brandenburg und in Richtung Lausitz bis -9 Grad.
Freitag ... verläuft dann mit Frontpassage im Süden und Osten erstmal bedeckt und mit wiederholten Niederschlägen, wobei entlang der Oder die ersten Tropfen wohl erst zum Abend fallen. Meist sind es nur wenige Liter auf den Quadratmeter, doch im östlichen Alpenstau sieht das mit 10 bis 20 L/qm in 12h deutlich nasser aus (im Berchtesgadener Land teils auch darüber). Die Schneefallgrenze bleibt entlang der Alpen meist über 1500 m.
Schnee/Schneeregen bleiben in Richtung Mecklenburg sowie entlang des Erzgebirges bis in den Vormittag regional weiterhin ein Thema (meist aber Regen), wenngleich nur im Erzgebirge etwas Neuschnee vorstellbar ist (besonders wenn sich die Okklusionspunktpassage bewahrheitet). Nachfolgend fällt hier nur noch zeitweise etwas Regen.
Ansonsten setzt sich postfrontal von Westen das nächste Bodenhoch bei uns fest und sorgt für eine rasche und durchgreifende Wetterberuhigung. Die dichte Wolkendecke vom Vormittag lockert im Tagesverlauf von Westen immer weiter auf, sodass am Nachmittag vielerorts die Sonne von einem locker bewölkten Himmel scheint. Einzelne Schauer können im Norden/Nordwesten nicht ausgeschlossen werden, vielleicht reicht es im Norden auch für ein kurzes Gewitter. Meist bleibt es aber trocken.
Die Maxima liegen zwischen 10 und 16 Grad (am wärmsten den Oberrhein entlang), während es im Nordosten (Rügen bis in die Lausitz) mit 7 bis 10 Grad kälter bleibt. Der Wind kommt mäßig bis frisch aus Nordwest, im Nordosten schwach bis mäßig aus Süd (im Nachmittagsverlauf unter Abschwächung auf West drehend).
In der Nacht zum Samstag steht unter Hochdruckeinfluss eine überwiegend klare Nacht ins Haus, regional mit etwas Nebel (besonders im Norden und Osten) und Minima, die im Westen zwischen 6 und 2 Grad und im Osten zwischen +1 und -6 Grad verweilen. Bodennah muss im Norden und Osten durchweg mit Frost in Bodennähe gerechnet werden, der im Osten auch mäßig ausfallen kann (bis -9 Grad).
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... ergeben sich keine größeren Abweichungen zur Frühübersicht.
Der Tag beginnt deutschlandweit freundlich bis sonnig, bevor im Nachmittagsverlauf von Westen eine teilokkludierte Kaltfront dichte Bewölkung bringt, in Richtung Saarland-Niederrhein kann es zum Abend auch konvektiv verstärkt und teils gewittrig regnen. Sonst bleibt es aber trocken bei Maxima, die mit Blick auf Deutschland eine große Spanne aufweisen: 8 Grad auf Rügen und 25 Grad entlang des Oberrheins.
Der Wind kommt mäßig bis frisch aus Ost bis Südost mit Bft 7/8 Böen über der Deutschen Bucht und entlang der holsteinischen Küste.
In der Nacht zum Sonntag kommt die Front mit einigen Litern Regen auf den Quadratmeter bis zur Mitte und den Südwesten voran, anfangs im Südwesten auch noch lokal von Blitz und Donner begleitet. Warnrelevant fallen die Mengen aber nicht aus. Im Osten bleibt es trocken, wenngleich sich auch hier die Bewölkung im Verlauf der Nacht verdichtet.
Die Minima liegen zwischen 8 und 4 Grad, im Nordosten zwischen 4 und 1 Grad (bodennah im Nordosten weiterhin mit leichtem Frost bis -4 Grad).
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik hat die synoptische Entwicklung gut im Griff. Kleinigkeiten, die sich u.a. auf die Niederschlagsverteilung auswirken wurden im Text angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 09.04.2026 um 10.30 UTC
Nicht störungsfrei, aber warnarm
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 16.04.2026
Das Fazit vorweg (erspart viel Leserei): Bis Sonntag ist die Lage klar. Ab Montag kann es so oder so ausgehen. Es ist weder ein Sturmtief noch ein Dauerhoch in Sicht. Markante Warnungen sind voraussichtlich nicht nötig.
Die Mittelfrist startet am Sonntag mit einem Tief bei den Britischen Inseln und einem über dem Mittelmeer, sowie mit einem Hoch über Nordosteuropa und einem über dem Atlantik. Deutschland liegt dazwischen in schwacher Hochdruckbrücke und unter einem Keil, der von Libyen über die Alpen bis nach Südschweden reicht. Flankiert wird der Keil von tiefem Geopotential sowohl über West- als auch über Osteuropa. Ein zum Tief bei den Britischen Inseln gehörendes und zunehmend okkludierendes Frontensystem zieht schon in den sehr frühen Morgenstunden von Westen ins Land. Da es im Osten gegen den hohen Druck läuft, ist es a) sehr träge und wird b) ab der Mitte eher retrograd gen Südwesten geführt. In der Nacht zum Montag liegt die Front wahrscheinlich auf einer Höhe Kiel - Thüringer Wald und zieht dann nach Südwesten Richtung Vogesen. Im Süden macht sich das Tief über dem Mittelmeer bemerkbar, das sich über die Alpen hinweg ausdehnen möchte. Der Osten verleibt unter trocken-antizyklonaler Strömung, der Rest ist feucht-zyklonal. Die Luft ist im Süden recht warm mit 5 bis 8 Grad in 850 hPa. Sonst ist es mit +2 bis -1 Grad recht frisch.
Am Montag schwächelt die Hochdruckbrücke, das Tief über dem Mittelmeer dehnt seinen Einfluss bis an den Main aus. Zwischen ihm und dem Tief bei den Britischen Inseln bildet sich eine schmale Rinne, die von einem Höhentrog gestützt wird. Die Frontalzone wird davon ebenfalls befeuert, was sie dazu veranlasst, es sich im Westen und Südwesten Deutschlands bequem zu machen. Unser Wetter ist also zweigeteilt: Während die Südwesthälfte unter dem Einfluss von Tiefdruckgebieten und feuchter Luft liegt, sorgt in der Nordosthälfte hoher Luftdruck und trockene Luft für ruhiges Wetter.
Am Dienstag gerät der Keil zunehmend unter den Druck des Höhentiefs über Osteuropa. Der Trog über Westeuropa schnalzt nach dem Abtropfen eines Tiefs über dem westlichen Mittelmeer zunehmend nordwärts zurück, das Bodentief wird vom nächsten Tief auf dem Nordatlantik nordwärts geschoben. Übrig bleibt das Bodenhoch, das so langsam wieder Verbindung mit dem Hoch auf dem Atlantik aufzunehmen versucht. Dabei muss es über die Frontalzone hinweg, was diese ausquetscht und zur Auflösung anregt.
Am Mittwoch liegen im Westen und Süden Deutschlands noch Feuchtereste der Okklusion beziehungsweise des Tiefs über dem Mittelmeer. Das Höhentief, das sich inzwischen von der Ukraine bis nach Polen vorgearbeitet hat, setzt sich allmählich am Boden durch und versorgt den Nordosten und Osten mit etwas Feuchtigkeit. Dazwischen herrscht trockene Luft vor. Das neue Tief über dem Nordatlantik startet einen Vorstoß feuchter und instabiler Luft, die aber erst Donnerstagfrüh bei uns ankommt. Derweil verlagert sich das Tief von Polen über die Ostsee Richtung Schweden. Am Donnerstag liegen wir unter feuchter und relativ kalter Luft in der Höhe. Ausgehend vom Höhentief über der Ostsee bildet sich ein Trog, dessen zunehmende Amplifizierung am Freitagmorgen für eine Ausdehnung von Südschweden über die Osthälfte Deutschlands bis nach Norditalien sorgt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Am Sonntag ist der aktuelle IFS-Lauf noch konsistent zu den Vorgängern. Ab Montag gewinnt im aktuellen Lauf (mal wieder) ein Höhentief über Osteuropa die Vorherrschaft, statt des gestern noch propagierten Troges über Westeuropa. Entsprechend trockener ist die Luft, der Einfluss des Hochs über Nordosteuropa größer. Ob es aber tatsächlich so kommt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Guckt man sich nur einzelne Tage und Zeiten an, gibt es keine Einigkeit unter den verschiedenen Modellen. Betrachtet man den grundsätzlichen Verlauf, so steht es 50:50 beim Wetterregime. ICON und GFS simulieren einen Trog über Westeuropa, allerdings mit unterschiedlicher Amplitude und Stärke. Der Abtropfprozess eines Höhentiefs findet bei ICON auf Dienstag in den Löwengolf, bei GFS auf Mittwoch in den Golf von Genua statt.
UK10 hat wie IFS das Höhentief über Osteuropa dominanter drin. Lage und Stärke sind aber unterschiedlich.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluster im ersten Zeitschritt liefern drei Lösungen. Dabei simulieren Lösung eins und drei (für Mitteleuropa sind die Unterschiede gering) durchweg Blocking. Lösung zwei schwenkt ab Sonntagnachmittag auf NAO+, allerdings ist der Grat schmal, denn der Keil noch ansatzweise vorhanden.
Zeitschritt zwei liefert einen Mono-Cluster und durchweg Blocking. Der Trog im Westen hat fast keine Bedeutung, das Höhentief ist zwar erkennbar, aber etwas östlicher.
Auch Zeitschritt drei liefert nur eine Lösung mit blockierendem Hoch. Allerdings ist hier ein Höhentief östlich von Deutschland deutlicher in der Simulation. So oder so scheint IFS eher auf der Hochdruckschiene zu liegen.
Die Rauchfahnen haben einen gehörigen Spread. Der Hauptlauf ist dabei ziemlich mittig. Erst ab Wochenmitte liegt er unter der Mehrheit der Ensembles sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotential. Der Trend ist ebenfalls klar: Nach vergleichsweise warmem Samstag folgt am Sonntag ein deutlicher Rückgang im Süden und Westen, im Norden und Osten ist der Fall nicht ganz so tief, das Hoch aber auch nicht berauschend.
Die Niederschläge sind im Norden und Osten nicht so aussagekräftig. Es gibt leichte Signale an jedem Tag. Nach Süden und Westen hin sind die Ausschläge deutlicher. Insgesamt ist der Hauptlauf des IFS aber trocken gen Osten und Norden.
Die Ensembles anderer Modelle sehen nicht groß anders aus. Der Trend für Temperatur und Geopotential ist der gleiche. Beim Niederschlag spielt der Tiefdruckeinfluss von ICON und GFS allerdings eine deutliche Rolle - es gibt deutlich mehr Signale.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist bietet zwar kein störungsfreies Wetter, aber es sind voraussichtlich keine markanten Warnungen nötig.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn





