Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 24.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Mittelding zwischen HNa (Hoch Nordmeer antizyklonal) und NWa (Nordwest antizyklonal)
Zum Samstag hin kleine, für viele aber kaum bis gar nicht merkliche Schwächephase des Hochs ULI. Vor allem an den Küsten sowie im nordostdeutschen Binnenland vorübergehend sehr windig.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... starten wir mit leichtem Druckfall in den Tag, was uns aber nicht nachhaltig beunruhigen sollte. Okay, ein gewisser Substanzverlust im südlichen Teil der seit Tagen wetterbestimmenden, von Grönland bis zum zentralen Mittelmeer reichenden Hochdruckzone ULI kann nicht negiert werden. Gleiches gilt für den überlagerten, mit Stützfunktion betrauten Potenzialrücken, der sich - wie sein Pendant am Boden auch - zaghaften zyklonale Attacken aus dem nördlichen Nordeuropa erwehren muss. So schießt aus der Polgegend Kaltluft ins nördliche Nordmeer, was dort Potenzialverlust und eine beginnende Austrogung zur Folge hat, die es am morgigen Samstag auch bei uns in Deutschland in die Wetterberichte schafft. Bis es aber soweit ist, bleibt die bis zum nahen Osteuropa verlaufende, nordwest-südost-exponierte Frontalzone noch deutlich auf Distanz, so dass wir uns heute ausschließlich um die "hausgemachten" Probleme kümmern können.
Womit wir bei der ausgedehnten, teils hochnebelartigen Stratus- und Stratocumulusbewölkung wären, die sich im ganzen Norden und bedingt auch in der nördlichen Mitte ausgebreitet hat. Kein Wunder, ist doch von Nordwesten her eine in der untersten Schicht deutlich angefeuchtete Luftmasse mit Taupunkten um +5°C eingeflossen (zum Vergleich, im Süden fast durchweg negative Taupunkte), die unterhalb der scharfen Absinkinversion kondensiert ist. Bis ins Rheinland hat´s die graue Masse heute früh geschafft, in der Mitte bis nach Nordhessen/-thüringen und weiter östlich bis in die Oberlausitz. Immerhin zeigen die Nachtaufstiege (Beispiel Norderney, Schleswig), dass die vertikale Mächtigkeit mit rund 500 m (ca. 970 hPa) Obergrenze geringer ist als es gestern noch in einigen Prognosen vorgesehen war. Das erhöht die Chancen, dass ein Großteil der tiefen Bewölkung mit Hilfe des Tagesgangs zunächst auflockert und sich schlussendlich sogar auflöst. Erfolgsversprechende Ansätze sind bereits jetzt im hochaufgelösten Satellitenbild zu sehen, so z.B. Richtung Ostsee oder aber auch zwischen Emsland und Münsterland/Niederrhein. Wie fast immer, wenn´s um die Vita grundschichtgeprägter Bewölkung geht, nimmt die deutsche Modellkette in Bezug auf deren Tilgung eine recht pessimistische Rolle ein - im Winter häufig zurecht, jetzt im fortgeschrittenen Frühjahr offensichtlich etwas zu träge, wie der Vergleich Prognose von vorgestern auf gestern gezeigt hat. Kurzum, die Bewölkung wird von den Rändern her apern bzw. durch Turbulenz perforiert. Die schlechtesten Karten könnten abermals die Regionen zwischen HH und HB bis hoch an die Mündungen von Weser und Elbe haben.
Ab der Mitte südwärts muss man sich um so profane Dinge wie Wolkenauflösung u.ä. keine Gedanken machen. Abgesehen von einigen transparenten Cirren, die den Weg hier nach Deutschland gefunden haben, scheint in der deutlich abgetrockneten, beinahe kontinental geprägten Luftmasse (xPs/cPs) einmal mehr die Sonne. Interessant dabei die morgendlichen Starttemperaturen: Während es in einigen Mulden, Senken und Löchern mit negativen Werten losging (also Nachtfrost), waren es nur wenig entfernt (horizontal und/oder vertikal) teilweise 6, 7 oder 8°C plus. Grund dafür ist die scharfe, unten aufliegende Inversion, die quasi den Absink- und den Strahlungsanteil vereint. Bedenkt man nun, dass die Temperaturen in der Südwesthälfte auf 18 bis 24°C ansteigen, ergibt sich daraus für manche Orte ein Tagesgang von rund 20 Kelvin oder sogar darüber. So warm wird es in der Nordosthälfte freilich nicht, auch wenn dort, wo der ST/SC früh genug verschwunden ist, durchaus 18°C erreicht werden können. Ansonsten stehen je nach Wolkenauflösung 12 bis 17, an der Nordsee vielfach nur rund 10°C auf dem Zettel.
Ein bisschen Wind gibt es nördlich und östlich der im äußersten Südwesten verlaufenden Divergenzachse auch, angefacht durch einen eher leidlichen Gradienten und den Tagesgang ("Sonnenböigkeit"). "Leicht böig auflebend aus Nordwest" scheint der passende Terminus, an der Nordsee auch mal etwas fetter. Vor allem die Nordfriesischen Inseln und die Halligen sind anfällig für 7er-Böen, während Dithmarschen und noch weniger der niedersächsische Küstenabschnitt nicht ganz so prominent vertreten sind.
In der Nacht zum Samstag setzt über Mittelschweden vorderseitig der o.e. Austrogung eine Zyklogenese ein. Bei genauem Hinsehen erkennt man unweit der Lofoten schon tagsüber ein kleines Tief (YLVI, die Freundin von Wicki), aber der richtige Druckfall setzt erst über Land hinter dem norwegischen Gebirge ein. Bis zum Morgen erreicht das Tief den Süden Finnlands, wo es mit etwas unter 995 hPa aufschlägt. Der Gradient zum kantigen und nicht wirklich weichen wollenden ULI über der Nordsee respektive dem nahen Atlantik nimmt kontinuierlich zu, was auch im Vorhersageraum nicht ohne Konsequenz bleibt. So frischt der West-Nordwestwind nun auch zunehmend an der Ostsee spürbar auf mit Spitzen der Stärke 7 Bft, gegen Morgen vereinzelt 8 Bft. An der Nordsee bleibt der schleswig-holsteinische Küstenstrich inkl. der Elbmündung in der Show (7 Bft), während Ostfriesland zu dicht am Hoch liegen dürfte (geringerer Gradient).
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass sich im gesamten nördlichen Drittel und sogar noch etwas darüber hinaus (ähnlich wie letzte Nacht) Hochnebel bzw. tiefe Bewölkung ausbreiten. Ein Teil der niedertroposphärisch feuchten Luft schafft es sogar bis in die mittleren Landesteile, wo dann statt Hochnebel örtlich Strahlungsnebel mit z.T. schlechten Sichten die Bühne betritt. Noch weiter südlich ist es zu trocken für Nebel, dort verläuft die Nacht klar, da und dort garniert mit ein paar dünnen, in der Dunkelheit kaum zu erkennenden Cirren. Angesichts dieser Rahmenbedingungen verwundert es nicht, dass der Süden und bedingt auch die Mitte erneut anfällig für Frost sind. Was die Luft angeht nicht flächendeckend, sondern beschränkt auf Mulden, Senken, Löcher oder eng geschnittene Täler. Frost in Bodennähe hingegen tritt häufiger auf, im Süden stellenweise sogar mäßig (etwas unter -5°C).
Samstag... bekommt der gute ULI dann doch mal einen kleinen Dämpfer versetzt, zumindest beim Blick auf die Wetterkarte. So zieht er sich ebenso wie der korrespondierende Rücken etwas nach Westen zurück. Faktisch hat das für die meisten von uns aber keine Folgen. Meint, von der Mitte bis in den Süden scheint, nachdem sich die wenigen Nebelfelder aufgelöst haben, die Sonne von einem wolkenlosen, schlechtestenfalls mit einigen transparenten Cirren verzierten Himmel. Thermisch ändert sich auch nicht viel, im Gegenteil, gerade in der Mitte, ein bisschen aber auch im Süden, wird noch etwas draufgepackt. Vielleicht reicht es im Südwesten sogar für ´ne gerundete "25", für einen echten (im Sinne der Definition) Sommertag dürfte es aber schwer werden.
Die meiste Action außerhalb der Stadien an diesem 31. Spieltag der Fußballbundesliga findet im hohen Norden und Nordosten des Landes statt. Dort, wo ganz knapp der sich weiter verschärfende Trog über die westliche Ostsee gen Polen vorbeirauscht. Dort, wo die Kaltfront der nach Karelien abziehenden, sich noch etwas vertiefenden (unter 990 hPa) YLVI auf antizyklonaler Spur reinzieht. Und dort, wo der Gradient noch etwas zulegt, was natürlich nicht spurlos an der Windentwicklung vorbeigeht. Der Wind ist es schlussendlich auch, der neben der wahrscheinlichen Niederlage der Super-Bayern bei den 05ern aus dem Goldischen Meenz die morgigen Schlagzeilen beherrschen wird. Von den Küsten bis ins nordostdeutsche Binnenland frischt er aus Westen bis Nordwesten kommend merklich und böig auf. Steife Böen 7, von der Nordseeküsten SHs über den Norden SHs bis hinüber nach Vorpommern stürmische Böen 8 Bft sind obligatorisch. Nicht ausgeschlossen, dass z.B. auf Fehmarn oder im nördlichen Vorpommern am Nachmittag die ein oder andere Sturmböe 9 Bft das Anemometer ankurbelt. Schaut man sich das apostrophierte vertikale Windprofil im Kontext zum Temperaturprofil an, erkennt man gerade im nördlichsten Vorpommern ein Low-Level-Maximum um 40 Kt bei etwa 980/970 hPa - unterhalb der Inversion (bei rund 900 hPa) und somit innerhalb der labil geschichteten Grenzschicht. Etwas turbulente Durchmischung vorausgesetzt - im Tagesverlauf gerade im Falle von Auflockerungen durchaus möglich - und schon könnte es mit dem vertikalen Impulstransport und ´ner kleinen "9" gerade über Land klappen.
Nun gut, wollen wir hier nicht zu akademisch und theoretisch werden, aber es sollte ja schon eine Begründung geliefert werden, warum beispielsweise ICON-D2-EPS mit Wahrscheinlichkeiten bis zu 70% für Böen 9 Bft aufwartet. Tatsache ist, dass trotz Annäherung der Kaltfront die nächtliche Bewölkung von Süden her deutlich abgefräst wird, wobei der auffischende Wind mit seine Finger im Spiel hat. Wahrscheinlich bleibt am Nachmittag ein mehr oder weniger geschlossener Wolkensteifen übrig, der sich etwa vom nördlichen Emsland und der Nordsee bis hinüber in die Uckermark und nach Vorpommern erstreckt, während es von der Ostsee her dann schon wieder beginnt aufzulockern. Es ist evident, dass die Temperatur im Norden mit den Vorgaben aus dem Süden nicht mithalten können, ein echtes Mismatch. Strahlungsdefizite plus einsetzende KLA belassen die Temperatur ganz im Norden unter 15°C, an der See z.T. sogar nur bei 10 °C.
In der Nacht zum Sonntag trogt es über Polen weiter aus, was bei uns eine weitgehend indifferente nordwestliche Höhenströmung ohne nennenswerte dynamische Impulse zur Folge hat. Die Kaltfront kommt mit ihrem schmalen Wolkenband bis in die Mitte voran, wo sie gerade nach Westen hin anfängt, ganz schwer zu atmen. Zu antizyklonal, zu trocken, zu frontolytisch ist das Umfeld, so dass sich die Front dort sehr wahrscheinlich auflöst. Im Osten lebt sie voraussichtlich etwas länger, ohne aber dabei Bäume auszureißen. Vielleicht ´ne vorübergehende Windauffrischung mit Böen 7, Hochlagen 8 Bft im Erzgebirgsraum und im Thüringer Wald, viel mehr wird es nicht werden. Ansonsten befindet sich der Nordwestwind bereits wieder auf dem absteigenden Aste, weil der Gradient durch den wieder steigenden Luftdruck zusehends aufweicht. Nach Mitternacht dürften nur noch an der den Küsten Vorpommerns und SHs einzelne 7er-Böen auftreten, bevor spätestens am frühen Morgen auch damit Schluss ist. Luftfrost ist sowohl prä- (Luftmasse weiterhin cPs) als auch postfrontal (xP) nur lokal ein Thema, während Bodenfrost gebietsweise auftreten kann (wohl nicht im Osten/Nordosten, weil es dort insgesamt noch zu windig ist).
Sonntag... feiern wir das Comeback von ULI, der nun wieder deutlich und für jeden sichtbar einen wuchtigen Keil über Deutschland legt. Bei aller noch gegebenen Unschärfe im Detail verläuft die Divergenzachse von Nordwest nach Südost und trennt dabei wie eine Front zwei Luftmassen: im Nordosten die frische und trockene Polarluft (T850 -4 bis 0°C), im Südwesten die inzwischen deutlich gealterte Polarluft (T850 0 bis +6, im südlichen BaWü bis +8°C). Bei viel Sonne und nur lockeren Wolken (teils Cirren, teils Reste der frontalen Bewölkung) bedeutet das für die NO-Hälfte eine Tageshöchsttemperatur von 12 bis 17°C, an der See z.T. nur um 10°C bei einem schwachen, maximal mäßigen Nordwestwind. Der Rest kommt auf 17 bis 21°C (im südlichen Oberrheingraben etwas darüber), was gegenüber den Vortagen eine kleine, aber akzeptable Delle bedeutet. Wind hier aus Nordost, ebenfalls schwach bis mäßig.
Die Nacht zum Montag bleibt unter fortwährendem Hochdruckeinfluss gering bewölkt oder klar mit nur sehr geringer Nebelneigung. Wahrscheinlicher ist, dass von der Deutschen Bucht her abermals tiefer Stratus oder Stratocumulus ein Stück landeinwärts reindriftet. Ansonsten werden wir das Thema Nachtfrost einfach nicht los. Wie auch, wenn die Luft polaren Ursprungs und stark abgetrocknet ist, kein Wind weht und die Nacht klar ist. Zwar werden die Zeitfenster, in denen die Temperatur unter dem Gefrierpunkt liegt, immer kürzer. Trotzdem, gerade im Norden und Osten sowie im zentralen Mittelgebirgsraum muss - wenn auch längst nicht überall - mit leichtem Luftfrost gerechnet werden. Frost in Bodennähe kann quasi im ganzen Land auftreten, im Norden und Osten teils mäßig - unschön!
Modellvergleich und -einschätzung
Es ist alles geschrieben, was zu schreiben ist.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 24.04.2026 um 10.30 UTC
Andauernder Hochdruckeinfluss mit ruhigem Wetter, am Dienstag durch einen Randtrog vorübergehend erhöhte Schauerneigung
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 01.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Montag befindet sich ein mit Kaltluft angereichertes hochreiches Tief östlich des Baltikums und dreht sich dort ein. Der von den Azoren ausgehende Höhenrücken wölbt sich in Richtung Nordmeer auf. Ein darin befindliches Höhenhoch wandert vom Seegebiet westlich der Biskaya nordwärts in das Seegebiet westlich von Irland. Eine zweite Achse des Rückens reicht über Frankreich zur Nordsee und schwenkt über Deutschland südwärts. Nach dem aktuellen IFS-Lauf verlagert sich ein Höhentief aus dem Seegebiet zwischen Island und Schottland über die westliche Nordsee in den Ärmelkanal. Neben ein paar dichteren Wolken und einer örtlich leicht ansteigenden Schauerneigung fällt dieser Randtrog aber recht schwach aus. Bodennah befinden wir uns unter Hochdruckeinfluss, der sich vorübergehend aber etwas abschwächt. Vorübergehend fließen in den Südwesten mildere Luftmassen bis 9 Grad Celsius in 850 hPa ein, im Norden und Nordosten wirkt kältere Luft mit einer 850 hPa-Temperatur knapp unter 0 Grad.
Am Dienstag wölbt sich der Höhenrücken noch etwas weiter in Richtung Nordmeer. Das Höhenhoch verlagert sich dabei nach Schottland. Das Höhentief zieht vom Ärmelkanal hinweg und tropft in der Nacht zum Mittwoch schließlich über der Biskaya ab. Gleichzeitig schwenkt von der Ostsee und dem Baltikum ein Höhentrog südwärts nach Ostpolen. Nach dem aktuellen IFS-Lauf ziehen gebietsweise dichtere Wolken auf und die Schauerneigung steigt an. Am Boden befindet sich Deutschland südöstlich einer Hochdruckbrücke, deren Schwerpunkt sich von den Britischen Inseln bis ins Europäische Nordmeer erstreckt. Dabei wird mit einer nördlichen Strömung kältere Luft nach Deutschland geführt. Die 850 hPa-Temperatur liegt im Südwesten bei 9 Grad Celsius, im äußersten Nordosten sinkt die Temperatur in der Nacht zum Mittwoch auf -3 Grad ab. Nach dem IFS-Lauf ist es am Dienstag wechselnd bewölkt mit einer besonders im Süden ausgeprägten Schauerneigung.
Am Mittwoch schwenkt der Trog von Ostpolen südostwärts. Vom Baltikum aus folgt der nächste Trog nach und im Tagesverlauf tropft von dort ein Tief über Litauen zur Tatra ab. Nach Süden schwenkende Kurzwellentröge reichen dabei bis in die Südosthälfte Deutschlands. Das Höhentief über Biskaya dreht sich dort ein und schwächt sich leicht ab. Gleichzeitig verlagert sich ein hochreichendes Hoch von Schottland in die Nordsee und führt zu einer blockierenden Omega-Lage. Entsprechend befinden wir uns zunehmend in einer nordöstlichen bis östlichen Strömung, wobei sich die kalte Luft in der Nordosthälfte ausbreitet. Im Südwesten geht die 850 hPa-Temperatur auf 6 Grad zurück, während sie in der Osthälfte bei -3 Grad liegt. Nach dem IFS-Lauf ist es am Mittwoch wechselnd bewölkt mit einer besonders im Süden etwas höher ausgeprägten Schauerneigung.
Am Donnerstag zieht das Höhentief von der Tatra zum Balkan, ist aber nur wenig wetterwirksam. Das Hoch ändert seinen Schwerpunkt in der Höhe kaum und verlagert sich am Boden Richtung Südskandinavien und Dänemark. Damit fließt bei uns weiterhin kältere Luft von Nordosten her ein. Die 850 hPa-Temperatur liegt zwischen 4 Grad im Westen und -1 Grad im Osten. Nach dem IFS-Lauf ist es am Mittwoch wechselnd bewölkt mit einer besonders im Süden etwas höher ausgeprägten Schauerneigung.
Am Freitag ändert sich die Position des Hochs über der Nordsee kaum. Die Achse des Höhenrückens schwenkt von der Nordsee nach Mittelschweden. Tröge befinden sich weit westlich der Britischen Inseln und vom nahen Osteuropa bis nach Libyen. Am Boden befindet sich ein Hoch mit Schwerpunkt über Dänemark. Die eingeflossene Luftmasse kann sich im 850 hPa-Niveau etwas erwärmen auf 3 Grad in der Osthälfte bis 9 Grad im Westen.
In der erweiterten Mittelfrist von Samstag bis Montag schwächt sich das Höhenhoch ab und verlagert sich über Estland ostwärts. Vom Seegebiet südlich von Island zeiht ein Höhentief mit eingelagerter Kaltluft über die Britischen Inseln in die Nordsee. Die Kaltluft wird nach Südosten abgedrängt und von Südwesten folgen vorübergehend mildere Luftmassen. Zum Montag kühlt es im Nordesten wieder etwas ab.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Am Montag ist die Konsistenz zunächst noch recht gut, wobei es leichte Unterschiede mit dem Ausziehen des Randtiefs von Norden her ergeben. Beide Vorläufe zeigen zwei Randtröge, die südwärts durchschwenken und später abtropfen, wie das im aktuellen Lauf der Fall ist. Der gestrige 00 UTC-Lauf zeigt in der Nacht zum Dienstag einen ein Höhentief über der Nordsee, während der aktuelle Lauf dieses über dem Ärmelkanal rechnet. Nach dem gestrigen 12 UTC-Lauf erreicht der erste Randtrog bereits
am Montagabend den Norden, am Dienstag folgt ein zweiter, schwächer ausgeprägter Randtrog von Norden her. Der neue IFS-Lauf lässt ab Dienstag von Norden her den Einfluss antizyklonaler gestalten. Am Mittwoch ist das Höhentief nun über der Biskaya, in den gestrigen Läufen über Frankreich gerechnet. Zum Donnerstag nimmt die Konsistenz weiter ab. Der heutige 0-UTC-Lauf weist Ähnlichkeiten mit dem gestrigen 0-UTC lauf auf mit einem blockierenden Hoch über der Nordsee. Im gestrigen 12-UTC-Lauf wird ein Trog zwischen Polen und Frankreich simuliert Lauf. Nun kann wärmere Luft wieder zur Nordsee vordringen und bleibt nicht an den Alpen hängen. Am Freitag dominiert nun ein Höhenrücken über Deutschland. In den gestrigen Vorläufen war ein Höhentief über Norditalien bzw. Süddeutschland gerechnet, was nun über dem Balkan liegt.
Die Konsistenz nimmt in der erweiterten Mittelfrist weiter ab. Während im gestrigen 00 UTC-Lauf das abgetropfte Tief nur sehr schwach ausgeprägt ist und ins zentrale Mittelmeer zieht, simuliert der gestrige 12 UTC-Lauf eine deutlich ausgeprägtere Höhenzyklone über Norddeutschland, die nach Südschweden zieht. Der aktuelle IFS-Lauf rechnet zum Wochenende das Überqueren einer Rückachse über Deutschland verbunden mit gutem Wetter. Das Höhentief westlich der Britischen Inseln zieht zum Wochenende ostwärts zu diesen und nicht mehr südwärts wie im gestrigen 12-Uhr-Lauf.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zu Beginn der Mittelfrist stimmen auch die weiteren Mittelfristmodelle mit der IFS-Variante gut überein. Aber wie schon bei den IFS-Vorläufen zeigen sich ab Montag dann bereits Unterschiede der von Norden her übergreifenden Randtröge. Ab Dienstag simuliert ICON den Trog über Deutschland deutlich und belässt das Höhentief über Frankreich. Nachfolgend zieht dieses über die Alpen an die Südflanke des von Polen kommenden Höhentiefs. Deutschland liegt nach ICON in deutlich zyklonalerem Einfluss mit erhöhter Schauerneigung am Dienstag. Bis Freitag wird bei ICON ein Trog bzw. Höhentief im Bereich der Alpen gerechnet mit ansteigender Schauerneigung in Süddeutschland. GFS und UK10 rechnen die Grundstruktur im Wesentlichen wie IFS. In der erweiterten Mittelfrist simuliert GFS ein Samstag ein Kurzwellentrog über der Nordsee bei flacher ausgeprägtem Höhenrücken über Norddeutschland. Ab Sonntag zieht ein umfangreiches Höhentief von Island in den Südteil der Norwegischen See. An seiner Südflanke würde milde Luft nach Deutschland transportiert werden.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen gehen zu Beginn am Montag auseinander. Dabei wird die 850 hPa-Temperaturkurve im Kontrolllauf weitestgehend im unteren Drittel, ab Donnerstag in der unteren Hälfte der Streuung gerechnet. Insbesondere im Norden und Nordosten ist sie negativ und simuliert schön die eingeflossene Kaltluft. Die Niederschlagssignale sind zu Beginn am Montag schwach ausgeprägt, nehmen jedoch ab der Nacht zum Dienstag zu. Der Kontrolllauf rechnet die Niederschlagssignale überwiegend im unteren Drittel. Ab Dienstag werden im Süden und Südosten tendenziell stärkere Niederschlagssignale simuliert als in den übrigen Gebieten, was dort auf eine erhöhte Schauerneigung schließen lässt. Die Streuung der Rauchfahne des Geopotentials geht ab Dienstag auseinander. Zum Mittwoch nimmt die Streuung nochmals zu, was die Unsicherheiten in der Modellprognose unterstreicht. Tendenziell simuliert der Kontrolllauf ein abnehmendes Geopotential, besonders ab Freitag.
Die Clusteranalysen zeigen von Mittwoch bis Freitag (t+120 h bis t+168 h) lediglich ein Cluster, wobei tendenziell über Osteuropa tiefer Luftdruck wirkt und sich ein Höhenrücken vom Seegebiet nördlich der Azoren über Nordwesteuropa erstreckt - klimatologisch ein Blocking-Szenario.
Im Zeitschritt Samstag bis Montag (t+192 h bis t+240 h) sind es dann vier Cluster. Diese unterscheiden sich hauptsächlich im Abtropfprozess über dem nahen Osteuropa und dessen Einfluss auf Deutschland. Haupt- und Kontrolllauf werden dabei dem Cluster 3 mit 11 Mitgliedern zugeordnet werden, das zusammen mit Cluster 2 mit 15 Mitgliedern weiterhin ein Blocking-Szenario zeigt. Cluster 1 mit 17 Mitgliedern zeigt einen Höhentrog hingegen genau über Deutschland und schwenkt um auf atlantischer Rücken. Cluster 4 mit 8 Mitgliedern und Cluster 4 mit 8 Mitgliedern zeigen einen sich abschwächenden atlantischen Höhenrücken und nachfolgend tiefes Geopotential von Nordwest- bis Mitteleuropa. Über Blocking und atlantischer Rücken kommt es hier am letzten Tag zu einem positiven NAO-Szenario.
FAZIT:
Unterm Strich deutet sich eine recht stabile blockierte Lage an: Ein Höhenrücken über Nordwesteuropa hält die atlantischen Tiefs meist auf Abstand, während über Osteuropa eher tiefdruckgeprägte Strukturen rumdümpeln. Für Deutschland heißt das: oft ruhiges, eher trockenes Wetter, aber mit einer spürbaren Zweiteilung - in der Osthälfte kühler, nach Westen zu milder. Zwischendurch können ein paar Randtröge durchrutschen und etwas mehr Wolken oder einzelne Schauer bringen: Dies ist besonders auf den Dienstag bzw. in den Folgetagen auf die Südosthälfte konzentriert.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
In der Mittelfrist zeigen sich aktuell keine markanten Wettergefahren.
Allerdings könnte der leichte Frost in Bodennähe insbesondere für die bereits fortgeschrittene Vegetation ein nicht zu vernachlässigendes Thema sein. Anfangs besteht auch in ungünstigen Lagen der östlichen Mittelgebirge Gefahr von leichtem Luftfrost.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOS-MIX
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Markus Eifried





