Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 03.02.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEz
Nach wie vor kaum vorhersagbares "Phasengedöns". Heute vor allem im Westen, nachts im Nordwesten und teilweise auch in der Mitte gefrierender Regen, Unwetter möglich. In der westlichen Mitte heute tagsüber gebietsweiser markante Neuschneemengen.
Nach ruhigerem Mittwoch in der Nacht zum und am Donnerstag von Südosten her über die Mitte und die Osthälfte nordwärts ziehende Niederschläge, Phase unvorhersagbar, am ehesten in der Osthälfte aber Gefahr von gefrierendem Regen bis hin zu Unwetter.
An den Küsten durchgehend lebhafter Ostwind, heute mit stürmischen Böen bzw. Sturmböen, auch in einigen Gipfellagen heute tagsüber Sturmböen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC

Dienstag... dauert die Blockadelage weiter an, bekommt nun aber einen zunehmend zyklonalen "Touch". Nach wie vor befindet sich das Vorhersagegebiet im Randbereich des umfangreichen, nun quasi vom Schwarzen Meer über Skandinavien bis ins Nordmeer reichenden Hochdruckgebietes "Daniel". Dabei strömt von Osten her nach wie vor kontinentale Polarluft in den Nordern, Osten und in die Mitte des Landes, während der Westen und Süden zunehmend in den Einflussbereich milder Atlantikluftmassen gelangen. Verantwortlich dafür ist ein Langwellentrog, der sich vom mittleren Nordatlantik über den Ostatlantik bis zur Iberischen Halbinsel erstreckt, durch die Blockade aber nur langsam Zugriff auf das Wetter in Mitteleuropa findet. An dessen Ostflanke wird von Frankreich her ein kurzwelliger Randtrog im Tagesverlauf nordostwärts nach West- und Süddeutschland geführt.
Die vorderseitig aufgrund von PVA getriggerten, eher schwachen dynamischen Hebungsprozesse werden noch durch WLA gestützt, entsprechend haben inzwischen, gekoppelt an eine flache Tiefdruckrinne, Niederschläge meist leichter Intensität auf den Südwesten und Westen des Landes übergegriffen. An den Alpen hat sich Föhn eingestellt, so dass die dort in die durch den Föhn ausgetrocknete untere Troposphäre fallenden Niederschläge verdunsten und es vom Bodensee bis zu den ostbayerischen Mittelgebirgen weitgehend trocken bleibt. Ansonsten hat sich mit der Rinne im Westen und Südwesten niedertroposphärisch milde Luft durchgesetzt mit 850 hPa-Temperaturen zwischen 0 und 3 Grad, an den Alpen föhnbedingt vorübergehend sogar über 5 Grad, so dass dort allgemein Regen fällt. Während die Niederschläge im Südwesten bereits nachgelassen haben und sich die Glatteislage dort langsam entspannen dürfte, fällt der Regen im Westen vor allem in den dortigen Mittelgebirgstälern und zum Abend hin auch im Münsterland bzw. in Ostwestfalen noch in die kalte Grundschicht, so dass er gefrieren kann und entsprechend mit Glatteis zu rechnen ist. Markante Warnungen vor Glatteis sind aktiv, eventuell muss vormittags/mittags regional vorübergehend noch einmal auf Unwetter hochgestuft werden. Ob es auch nach Osten zu gebietsweise noch für die gefrierende Phase reicht, ist noch absolut unklar. Immerhin steigen die 850 hPa-Temperaturen mit dem Föhn bis nach Nordbayern deutlich in den positiven Bereich. Die Niederschläge erfassen zum Abend hin auch noch Teile Oberfrankens und das Westerzgebirge. Auch dort ist dann die gefrierende Phase möglich.
Im Tagesverlauf kommen die Niederschläge langsam nordwärts voran, weiten sich vor allem aber über die Mitte ostwärts aus. Dabei können die durch die Blockadewirkung nur langsam nordwärts vorankommende Tiefdruckrinne und der sich etwas rascher annähernde kurzwellige Höhentrog vorübergehend günstig interagieren, so dass sich die Hebungsprozesse noch etwas verstärken. Entsprechend werden vormittags vor allem in Teilen von Rheinland-Pfalz, nachmittags dann in West- und Mittelhessen gebietsweise mehr als 5 l/m² in 6 Stunden simuliert. Diese gehen auf den Weg Richtung Nordosten mit dem Auftreffen auf die dort etwas höherreichend kältere Luftmasse wieder in Schnee über. Vor allem vom östlichen Sauerland bis nach West- und Mittelhessen fallen diese durchwegs als Schnee, so dass in diesen Regionen durchaus auch mal mehr als 5 cm in kurzer Zeit bzw. um 10 cm in sechs Stunden zusammenkommen können. Ansonsten liegen die Neuschneemengen in den mittleren Landesteilen meist zwischen 1 und 5 cm, gebietsweise auch etwas darüber.
Bis zum Abend erreichen die Niederschläge in etwa eine Linie südliches Emsland-Vogtland. Nördlich und östlich davon bleibt es trocken. Vor allem im Nordosten, föhnbedingt aber auch an den Alpen scheint länger die Sonne. Warnrelevant ist allerdings der Wind. Mit Annäherung der Rinne hat sich der Gradient zum Blockadehoch verschärft und entsprechend weht vor allem an den Küsten und im angrenzenden Binnenland ein lebhafter Wind aus östlichen Richtungen. Dort gibt es verbreitet steife bis stürmische Böen, exponiert auch Sturmböen. Auch in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge ist mit Böen ähnlicher Stärke aus Südost zu rechnen. Der Föhn an den Alpen dauert zunächst noch an mit Sturmböen aus Süd in den Gipfellagen und steifen Böen in einigen Föhntälern.
An der Temperaturzweiteilung ändert sich gegenüber dem Vortag nur wenig: Im Norden und Osten sowie in teilen der Mitte gibt es leichten, im Nordosten mäßigen Dauerfrost. Im Westen und Süden erreichen die Maxima Werte zwischen 1 und 6 Grad, im Südwesten örtlich bis 8 Grad, an den Alpen mit Föhn örtlich um 10 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch laufen Randtrog und Rinne gegen das Blockadehoch und verlieren über Nordwest- und Norddeutschland deutlich an Kontur. Rückseitig stellt sich an der Nordostflanke des in den westlichen Mittelmeerraum vordringenden Höhentroges eine recht flaue und leicht flatternde, vorübergehend auch antizyklonal konturierte südsüdwestliche Höhenströmung ein. Die Hebungsprozesse klingen somit allmählich ab und die langsam nordwärts vorankommenden Niederschläge verlieren an Intensität. Bis Mittwochfrüh erfassen sie die gesamte norddeutsche Tiefebene, lediglich nordöstlich einer Linie Elbmündung-Uckermark bleibt es trocken. Dabei fällt nach Norden und Osten zu allgemein Schnee, die Neuschneemengen betragen aber meist nur 1 bis 5 cm, örtlich (Harzstau) vielleicht auch etwas mehr.
Während es in diesen Regionen bodennah frostig kalt bleibt, setzt sich niedertroposphärisch allmählich aber die mildere Luftmasse durch, bis zum Morgen steigt die 850 hPa-Temperatur im Norden und in der Mitte auf Werte zwischen -5 Grad an der Ostsee und knapp über 0 Grad an den nördlichen Mittelgebirgen. Entsprechend gehen die Niederschläge vor allem in einem Streifen vom Emsland über das mittlere und südliche Niedersachsen, Ostwestfallen bis nach Nordhessen, Thüringen und dem westlichen und südlichen Sachsen-Anhalt oft in Regen über. Dabei kann erneut Glatteis auftreten, regionale Unwettergefahr diesbezüglich besteht aufgrund der dort etwas höheren Mengen am ehesten Richtung Weser-Ems-Gebiet.
In der Mitte lassen die Niederschläge von Süden her bereits abends wieder nach und vor allem im Südwesten und Süden lockern die Wolken auch mal stärker auf. In der feuchten Luft kann sich dann vielerorts Nebel bilden. Während es in den Niederungen West- und Südwestdeutschlands meist frostfrei bleibt, gibt es sonst - auch im Süden, wo es tagsüber recht mild war - leichten, im Nordosten auch mäßigen, an der Oder nochmals regional strengen Frost. Vor allem in der Mitte und im Süden tritt dabei Glätte durch überfrorene Nässe auf. Der Föhn an den Alpen bricht bereits am späten Nachmittag/Abend zusammen und auch in den Mittelgebirgen lässt der Wind ab den Abendstunden rasch nach. An den Küsten bleibt es dagegen windig mit Böen Bft 7 bis 8, anfangs exponiert auch noch Bft 9 aus Ost bis Südost.

Mittwoch... kommt der Höhentrog über dem westlichen Mittelmeer mit rückseitigem Vorstoß des Jetstreams etwas rascher Richtung Italien voran, ein weiterer flacher Randtrog greift im Tagesverlauf auf Frankreich über. Die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet dreht somit wieder etwas auf Südsüdost zurück. Der Trogvorstoß im westlichen Mittelmeerrau induziert vorderseitig über dem Tyrrhenischen Meer eine Zyklogenese im Bodenfeld, das daraus resultierende Tiefdruckgebiet kommt langsam nordostwärts voran, beeinflusst aber trotz zunehmender mitteltroposphärischer WLA zunächst noch nicht das Vorhersagegebiet.

Somit kommen die aus der sich inzwischen weitgehend aufgelösten Tiefdruckrinne resultierenden Niederschläge über Norddeutschland unter weiterer Abschwächung langsam nordwärts voran und lassen bis zum Nachmittag von Süden her weiter nach. Die Mengen sind gering, an der Ostsee dürfte es, wenn überhaupt, nur für ein paar Flocken reichen, auch sonst fallen am Vormittag maximal nur wenige Zentimeter Neuschnee. Vor allem vom Emsland bis ins mittlere und nördliche Niedersachsen besteht anfangs noch Glatteisgefahr durch gefrierenden Regen, die Lage dürfte sich aber bis zur Mittagszeit entspannen. Im Rest des Landes bleibt es trocken und vor allem an den Nordrändern einiger, vor allem der westlichen Mittelgebirge lockern die Wolken auch stärker auf, während sie im Süden und Südosten mit der zunehmenden WLA schon wieder etwas dichter werden. Dort hält sich gebietsweise auch dichter Nebel oder Hochnebel. Der Wind spielt warntechnisch lediglich an den Küsten weiterhin eine Rolle; auch, wenn der Gradient dort etwas auffächert, ist weiterhin mit steifen, exponiert stürmischen Böen aus Ost bis Südost zu rechnen. Mit dem durch den Trogvorstoß induzierten Druckfall über Südeuropa verschärft er sich nachmittags und abends auch im Südosten, so dass es in den dortigen Mittelgebirgen auch einzelne steife Böen aus Ost bis Nordost geben kann. Niedertroposphärisch tut sich temperaturtechnisch nur wenig (T850 hPa zwischen -3 Grad im Nordosten und +5 Grad an den Alpen), bodennah kommt die mildere Luftmasse aber nur sehr langsam nordostwärts voran. Etwa nördlich und östlich einer Linie südliches Emsland-Ostsachsen bleibt es bei leichtem, an der Oder auch mäßigem Dauerfrost. Sonst steigen die Temperaturen - abgesehen von einigen "Kältelöchern" bei beständigem Hochnebel im Südosten - auf Werte zwischen 1 und 6 Grad, im Westen und Südwesten sowie am Alpenrand auf 4 bis 8 Grad, in Teilen von NRW, vor allem am Nordrand der westlichen Mittelgebirge, örtlich auf über 10 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag greift der Höhentrog auf die Adria über, das korrespondierende Bodentief erreicht morgens den Norden Kroatiens. Gleichzeitig kommt der flache Randtrog über Frankreich langsam nordnordostwärts voran. Aus diesem läuft ein lediglich in der unteren Troposphäre ausgeprägter kurzwelliger Troganteil heraus und greift von Ostfrankreich und Südwestdeutschland auf die mittleren Landesteile über, während er sich gleichzeitig nach Osten ausweitet. Auf dessen Vorderseite setzt vor allem über der Mitte und der Osthälfte markante WLA ein. Entsprechend kommen im Laufe der Nacht von Tschechien her in Sachsen leichte Niederschläge auf, die sich nord- und westwärts ausbreiten und bis Donnerstagfrüh Brandenburg, Sachsen-Anhalt, das südöstliche Niedersachsen sowie noch Nordhessen und Teile Thüringens, eventuell auch noch Ostbayern erfassen. Deren Phase ist noch absolut unsicher, tendenziell setzt sich aber vor allem Richtung Osten niedertroposphärisch mildere Luft mit Werten um oder knapp über 0 Grad in 850 hPa durch, entsprechend weisen die Prognosetemps in den meisten Modellen dort auch die klassischen "warmen Nasen" auf. Am ehesten ist die gefrierende Phase somit in Teilen von Sachsen und Brandenburg sowie in Ostbayern vorstellbar, bei Mengen von gebietsweise mehr als 5 l/m² in 6 Stunden wären dann auch die Unwetterkriterien locker erfüllt. Ansonsten fällt aber wohl eher Schnee mit Mengen zwischen 1 und 5 cm, Gebietsweise auch etwas mehr. Im Rest des Landes bleibt es dagegen trocken und erneut lockern die Wolken am ehesten im Süden stärker auf, wo sich dann wieder Nebel ausbreiten kann. Abgesehen von einigen Niederungen im Westen, Südwesten und in der Mitte gibt es erneut verbreitet leichten, im Nordosten auch mäßigen Frost und gebietsweise Glätte durch Überfrieren.
Der Wind weht an den Küsten weiterhin lebhaft aus östlichen Richtungen und bleibt dort wohl noch warnrelevant. Auch in den ostbayerischen und östlichen Mittelgebirgen kann es anfangs noch einzelne steife Böen aus Südost geben, tendenziell nimmt der Wind dort aber eher ab.

Donnerstag... verlagert sich der flache Randtrog über das Vorhersagegebiet hinweg nordwärts und entsprechend greifen auch die weiterhin meist nur leichten Niederschläge auf den Norden und Nordosten des Landes aus. Während sie in den mittleren Landesteilen alsbald und später auch im Norden von Süden her wieder nachlassen, dauern sie in der Osthälfte, von Sachsen bis nach Vorpommern, auch am Nachmittag und Abend noch an. Im Norden und Nordosten sollte die Schneephase dominieren mit Neuschneemengen von 1 bis 5 cm, in Vorpommern auch mehr in 6 bis 12 Stunden. In der Osthälfte (und auch in Ostbayern) ist die Phase nach wie vor unsicher, auch gefrierender Regen bis hin zu Unwetter kann dort nicht ausgeschlossen werden. Vor allem die höher aufgelösten Modelle (SuperHD, I-D2 bis 06 UTC) und IFS haben das so auf der Agenda, während ICON-EU und GFS rasch die feste Phase dominieren lassen und vor allem nach Lesart des GFS in der Osthälfte es bereits am Nachmittag weitgehend trocken bleibt. Im Rest des Landes bleibt es überwiegend trocken, lediglich nach Lesart des ICON-EU reicht es mit Durchschwenken der Trogachse im Westen für einzelne leichte Regenschauer. Mit der auf Südwest drehenden Höhenströmung setzt sich insbesondere an den Nordrändern der südwestdeutschen Mittelgebirge und am Alpenrand zunehmend die Sonne durch, sonst bleibt es meist stark bewölkt bis bedeckt, im Südosten örtlich auch neblig trüb. In 850 hPa steigt die Temperatur bis zum Abend auf Werte zwischen -3 Grad im Norden und +4 Grad im Südwesten, bodennah kommt die mildere Luftmasse nach wie vor nur sehr zögerlich nach Norden voran. Somit bleibt es in der Norddeutschen Tiefebene sowie in weiten Teilen der Osthälfte bei leichtem Dauerfrost, auch in einigen Hochnebelregionen im Osten Bayerns werden die 0 Grad kaum überschritten. Ansonsten liegen die Höchstwerte zwischen 1 und 6 Grad, im Westen und Südwesten sowie am Alpenrand wird es noch etwas milder, im südlichen Oberrheingraben und in Südbaden können bis zu 10 Grad erreicht werden. An den Küsten bleibt es windig mit Böen Bft 7 aus Ost bis Südost.

In der Nacht zum Freitag kommt der flache Randtrog aufgrund der Blockadewirkung durch die nach wie vor von Osteuropa über Skandinavien bis zum Nordmeer und nunmehr auch bis nach Grönland reichenden Hochdruckzone kaum mehr nach Norden voran, von Frankreich her nähert sich ein weiterer an. Während die leichten Niederschläge im Nordosten und Osten nach Norden abziehen und es wohl lediglich in Vorpommern bis in die Frühstunden noch etwas schneit, kommen ausgangs der Nacht mit Annäherung des Troges eventuell im Westen und Südwesten erneut leichte Regenfälle auf. Sonst bleibt es trocken und die Glatteislage geht erst einmal zu Ende. Gebietsweise bildet sich Nebel, vielerorts kann es Glätte durch Überfrieren geben.
Auch an den Küsten fächert der Gradient nun so weit auf, dass der Wind nicht mehr warnrelevant ist.
Bis auf die Niederungen West- und Südwestdeutschlands gibt es verbreitet leichten, aber auch im Nordosten kaum mehr mäßigen Frost.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Probleme, die die Modelle aktuell mit der Interpretation der Niederschlagsphase haben, wurden im Text ausführlich erläutert. Ansonsten fahren sie aber einen relativ einheitlichen Kurs.
Auf eine Vorabinformation bzgl. Glatteis für die kommende Nacht für Regionen in Nordwestdeutschland wird erst einmal verzichtet, da noch unklar ist, ob und wo wieviel Schnee fällt, bevor die Niederschläge in Regen übergehen. Die Wahrscheinlichkeit für Unwetter ist allerdings im Weser-Ems-Gebiet über den Osnabrücker raum bis nach Ostwestfallen und Südostniedersachsen am größten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff