Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 22.06.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM
In der Südwesthälfte Andauer der Hitzewelle, im Norden und Osten zumindest heute und am Dienstag angenehmer.
Dazu heute vom zentralen Mittelgebirgsraum bis nach Süddeutschland erneut einzelne kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial, am Dienstag und Mittwoch lediglich ganz im Süden noch vereinzelte Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag... dauert die Hitzewelle zumindest in der Südwesthälfte Deutschlands (vor allem aber auch in weiten Teilen Südwest- und Westeuropas) weiter an. Der dafür verantwortliche breite Höhenrücken wird vor allem gestützt durch WLA vorderseitig eines quasistationären Höhentiefs westlich der Iberischen Halbinsel und überdeckt weite Teile West- und Südwesteuropas. Nach wie vor bleibt dessen Achse knapp westlich von uns, wodurch eine flache nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet resultiert und großräumig Absinken dominiert. Derweil läuft die Frontalzone auf weit nördlicher Bahn über den mittleren Nordatlantik und das Nordmeer bis nach Skandinavien, so das atlantische Frontensysteme einen weiten Bogen um Mitteleuropa schlagen. Entsprechend konnte sich ein durch den Rücken gestütztes Hochdruckgebiet ("HARTMUT") mit Schwerpunkt über der Nordsee in der vergangenen Nacht weiter verstärken, weist eine 1030 hPa-Kernisobare auf und weitet sich im Tagesverlauf noch ein wenig nach Osten, Richtung Süd- und Mittelskandinavien aus. Ein Keil reicht auch bis in den Norden des Vorhersagegebietes. An dessen Ostflanke gelangt von Norden her bodennah und niedertroposphärisch eine trockene und "nur" noch mäßig warme, stabile Luftmasse nach Nord- und Nordostdeutschland mit T850 hPa zwischen 10 und 14 Grad (im Tagesverlauf durch die nahezu ungehinderte Einstrahlung etwas ansteigend). Mit vorübergehender Advektion etwas feuchterer Nordseeluft innerhalb der Grundschicht hat sich über Teilen der Norddeutschen Tiefebene sogar Stratus- bzw. Stratocumulusbewölkung ausgebreitet, die sich aber alsbald auflösen sollte. Ansonsten steht aber im Norden und Nordosten des Landes ein recht sonniger Tag ins Haus mit nur wenigen flachen Quellwolken und im Tagesverlauf etwas auflebendem Nordost- bis Nordwind. Somit erreichen die Temperaturen an den Küstenabschnitten mit auflandigem Wind Höchstwerte von kaum mehr als 20 Grad, weiter landeinwärts wird es aber rasch wärmer mit 23 bis 28 Grad, Richtung zentraler und östlicher Mittelgebirge auch knapp 30 Grad. Das sind Maxima von denen man im Westen/Südwesten und Süden nur träumen kann. Diese Regionen verbleiben im Einflussbereich einer heißen, relativ feuchten und vor allem nach Südwesten zu hochreichend labil geschichteten Luftmasse tropischen Ursprungs. Den zunehmend "verwaschenen" Übergangsbereich markiert ein Frontensystem über der Mitte des Landes, welches aber im insgesamt sehr antizyklonalen Umfeld deutliche Auflösungstendenzen aufweist. Die Instabilitätsparameter innerhalb dieser Luftmasse sind nach wie vor sehr hoch; vor allem in einem Bogen über die Mitte bis in den Südosten des Landes betragen die Werte niederschlagbaren Wassers (PPW) 30 bis 35 mm, im Bereich lokaler Feuchteflusskonvergenzen auch mehr. Die Luftmasse ist nur wenig "gedeckelt" und mit der Einstrahlung können bis mittags/zum frühen Nachmittag rasch 1000 bis 2000 J/kg ML-Cape generiert werden, lokal nach Lesart des I-D2 sogar an die 3000 J/kg. Lediglich von Südbaden bis zum Alpenvorland ist die Grundschicht etwas trockener mit geringeren PPWs und weniger Cape, dafür weisen diese Regionen die steilsten Lapse Rates auf.
Summa summarum: Wir haben es in diesen Regionen durchaus mit einer "explosiven" Luftmasse zu tun; was fehlt, ist einmal mehr ein dynamischer Trigger zur Auslöse. Also müssen mal wieder die Orographie und die "Überreste" ehemaliger Gewitter (bzw. deren Outflow Boundaries) herhalten. Mangels Deckel geht es heute nach überwiegend ruhiger Nacht allerdings schon recht früh los. Bereits aktuell gibt es in Unter- bzw. Oberfranken (Raum Schweinfurt bis Bamberg) ein erstes, als eine Art Linie organisiertes Multizellensystem, dass sich zudem strömungsparallel verlagert, also südostwärts zieht, von Nordwesten her immer wieder neu anbaut und dabei insgesamt nur wenig nach Süden vorankommt. Gut möglich, dass bereits am Vormittag die "rote Karte" gezogen werden muss, andererseits läuft es ins tageszeitliche Minimum, so dass diesem System bald auch schon wieder der Stecker gezogen werden könnte. Wie auch immer - die Schwerpunktsregionen der heutigen Gewitteraktivität dürften etwa vom zentralen Mittelgebirgsraum bis nach Süddeutschland reichen. Weiter nördlich, also in weiten Teilen der Mitte dämpft bereits das Entrainment trockenerer Luftmassen von Norden her die Gewitteraktivität deutlich, und auch im Westen/Südwesten sind wohl eher nur sehr kleinräumige Einzelentwicklungen zu erwarten.
Mangels Scherung (lediglich die Orographie könnte kleinräumig und bodennah für bessere Scherungsbedingungen sorgen) handelt es sich meist um Einzelzellen, die im Anfangsstadium aufgrund des hohen Energiegehaltes der Luftmasse durchaus kräftig ausfallen, bevor sich dann recht unorganisierte Multizellen entwickeln. Als Begleiterscheinungen stehen vor allem im Anfangsstadium, aber auch bei "günstigen" Zellmergings der Hagel im Fokus, 2 cm, vereinzelt 3 bis 4 cm (Unwetter) sind möglich. Dann aber eher der Starkregen, durchaus lokal eng begrenzt mit Unwetterpotenzial (deutlich über 25 l/m² in kurzer Zeit, auch extrem ist bei Mehrfachtreffern nicht ausgeschlossen). Systeme mit einem größeren Cold Pool können durchaus auch von Sturmböen begleitet werden, am ehesten im Südwesten und im Alpenvorland (bei aufgrund der trockenen Grundschicht höherer D-Cape) sind auch schwere Sturmböen nicht ganz ausgeschlossen.
Insgesamt geht die Gewitteraktivität mit gegenüber gestern bereits etwas "gebremsten Schaum" einher, vor allem, was deren räumliche Ausdehnung angeht. Eine Vorabinformation drängt sich somit eher nicht auf. I2-EPS hat die höchsten Wahrscheinlichkeiten für Unwetter im nördlichen Unterfranken auf der Agenda, aber auch im Bayerwald und in Teilen Mittelfrankens gibt es (eher schwache) Signale für WU.
Weiter beschäftigen, in erster Linie natürlich die Kollegen der Medizinmeteorologie in Freiburg, wird uns aber die Hitze. T850 hPa erreicht im Süden und Westen Werte zwischen 16 und 21, vielleicht knapp 22 Grad, die höchsten über Südbaden. Entsprechend sind in der Mitte und im Süden Maxima zwischen 30 und 36 Grad zu erwarten, in den Niederungen Südwestdeutschlands bis zu 38 Grad.

In der Nacht zum Dienstag ändert sich kaum etwas an der Gemengelage. Der Höhenrücken zieht sich geringfügig zurück, die Frontalzone stößt nördlich von Schottland Richtung Norwegische See vor. Unser Bodenhoch wird zwar ein wenig abgebaut. Überdeckt aber weiterhin weite Teile Mitteleuropas mit Schwerpunkt nun eher über der südlichen Nordsee. Auch im Vorhersagegebiet kann es seinen Einfluss noch ein wenig nach Süden ausweiten, die stabilere Luftmasse sickert zunehmend auch in die mittleren Landesteile.
Die Gewitter im Süden und Südosten klingen eingangs der Nacht mehr oder weniger rasch ab, Richtung Niederbayern/Oberpfalz und östliches Oberbayern dauert es wohl noch am längsten. Ansonsten steht eine wettertechnisch ruhige Nacht ins Haus. Oft ist es gering bewölkt oder klar, am ehesten in der Mitte und im Südosten hält sich noch Restbewölkung, in Norddeutschland kann sich gebietsweise wieder Stratus bzw. Stratocumulus ausbreiten. Dort wird es angenehm frisch mit teils einstelligen Minima im Binnenland Schleswig-Holsteins und Vorpommerns. In der Mitte und im Süden fällt die Nacht dagegen vor allem in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen wieder unangenehm warm aus mit Minima zwischen 23 und 19 Grad, selbst in Senken- und Muldenlagen liegen die Minima oft noch über 15 Grad.

Dienstag... beginnt sich der Höhenrücken über Westeuropa (Frankreich) wieder zu verstärken und weitet sich ein wenig nach Norden aus. Die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt dadurch etwas auf, ein flacher Randtrog überquert Nord- und Ostdeutschland, weist aber angesichts der trockenen und stabilen Luftmasse dort keinerlei Wetterwirkung auf.
Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nun mehr und mehr Richtung Mitteleuropa und entsprechend wird die instabile Luftmasse über dem Vorhersagegebiet noch ein wenig nach Süden abgedrängt. T850 hPa erreicht am Nachmittag/Abend Werte zwischen 12 Grad über Ostvorpommern und knapp 21 Grad im Südwesten. Mit dem Entrainment der etwas trockeneren Luft von Norden her werden auch in der Mitte und im Süden nicht mehr ganz die hohen PPWs (25 bis knapp über 30 mm) und Cape (1000 bis 1500 J/kg, punktuell mehr) erreicht wie am Vortag, auch die Werte der spezifischen Feuchte innerhalb der Grundschicht gehen zurück. Dennoch bleibt die Luftmasse zumindest in Ost- und Südbayern sowie im Süden Baden-Württembergs hinreichend "potent" für Gewitter und bereits am Vormittag beginnt es - wohl ausgehend vom Bergland (Südschwarzwald, Bayerwald, Alpen) - wieder zu "brodeln". Die Begleiterscheinungen spielen sich überwiegend im markanten Bereich ab, die Unwettergefahr dürfte geringer als heute ausfallen, wenngleich vor allem bzgl. Starkregen damit sehr kleinräumig durchaus wieder zu rechnen ist.
Im Rest des Landes scheint bei meist lockerer Bewölkung die Sonne, teilweise ist es auch wolkenlos, vor allem im Südwesten. Die in den Norden und Osten einströmende Luftmasse ist auch bodennah angenehm, während es im Südwesten und Süden vielerorts unangenehm schwül bleibt. Der Wind dreht im Norden mehr auf östliche Richtungen, so dass es weniger Küstenabschnitte mit auflandigem Wind gibt es und es insgesamt auch dort wieder etwas wärmer wird. Ansonsten ändern sich die Maxima gegenüber dem Vortag landesweit nur wenig: 24 bis 29, vielleicht knapp 30 Grad im Norden und Osten, 29 bis 34 Grad ab der Mitte bzw. dem Westen südwärts, im Südwesten auch wieder knapp über 35 Grad.

Die Nacht zum Mittwoch verläuft wettertechnisch ruhig, etwaige Gewitter im Süden klingen in der ersten Nachthälfte rasch ab. Nach Durchschwenken des flachen Troges weitet sich - ausgehend vom Höhenrücken bzw. Höhenhoch über Frankreich - ein Höhenkeil über das Vorhersagegebiet hinweg ostnordostwärts aus, was der Gemengelage noch einen zusätzlichen antizyklonalen Touch verleiht. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nun langsam über das Vorhersagegebiet hinweg Richtung Polen und Tschechien, was bedeutet, dass die tropische Luftmasse über Westeuropa und Südwestdeutschland nun allmählich wieder etwas nordostwärts schwappen kann. Somit fällt die Nacht auch in Norddeutschland wieder ein wenig milder als die Vornacht aus, wenngleich gegenüber dem Südwesten noch sehr angenehm mit Minima zwischen 16 und 12 Grad (ganz vereinzelt im Nordosten auch darunter). Die gegenüber den Vortagen etwas abgetrocknete Luftmasse beschert allerdings auch dem Südwesten eine um vielleicht 1 bis 2 K weniger warme Nacht als davor, was aber nicht wirklich zur Abkühlung der aufgeheizten Gebäude beiträgt.

Mittwoch... verlagert sich der Schwerpunkt des Höhenhochs über Frankreich noch ein wenig nach Norden und weist nun ein sehr hohes Geopotenzial von über 590 gpdam auf bei einer Temperatur in 500 hPa von über -10 Grad auch über Mitteleuropa. Ein von ihm ausgehender kräftiger Höhenkeil schwenkt langsam über das Vorhersagegebiet hinweg südwärts, dahinter bleibt die nordwestliche Höhenströmung antizyklonal konturiert. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt mehr und mehr nach Südosten, über Schottland und der Nordsee baut sich ein neues Bodenhoch auf, während sich dazwischen eine flache Tiefdruckrinne von Benelux bzw. Frankreich her nach West- und Norddeutschland schiebt. T850 hPa steigt wieder auf Werte zwischen 15 Grad ganz im Nordosten und 22 Grad im äußersten Westen/Südwesten. Mit der Rinne kann sich die durch eine sehr hohe Instabilität auszeichnende, sehr schwüle Luftmasse langsam auch wieder nach Nordwestdeutschland bzw. in Teile der norddeutschen Tiefebene ausbreiten mit PPWs teils über 35 mm und über 2000 J/kg Cape, während sie im Südwesten und Süden dagegen eher etwas abtrocknet. Die durchaus explosive Luftmasse über dem Westen und Nordwesten ist aber unterm Rücken und durch Absinken gedeckelt, Trigger zur Auslöse sind dynamisch somit nicht vorhanden und auch die Orographie dürfte nicht ausreichen.
Somit steht erneut ein wettertechnisch ruhiger Tag ins Haus. Vielleicht reicht es Richtung Alpen mal für ein/zwei Gewitter, auch für den Südschwarzwald und den Bayerwald lässt sich das nicht ganz ausschließen. Ansonsten scheint aber die Sonne bei meist nur wenigen Wolken. Die Maxima erreichen nur ganz im Norden, im Bereich der Küstenregionen, im nördlichen Schleswig-Holstein und in Ostvorpommern, wohl noch keine 30 Grad, sonst sind es im Norden, Osten und Südosten 30 bis 35 Grad, im Westen und Südwesten nimmt die Hitzewelle wieder so richtig an Fahrt auf mit 34 bis 38 Grad, eventuell sogar 39 Grad. Vielleicht werden auch schon erste Monatsrekorde erreicht, wahrscheinlicher wird das aber an den zwei/drei Folgetagen (siehe Mittelfrist).

Die Nacht zum Donnerstag verläuft überwiegend wolkenlos und störungsfrei. Dabei werden an den "Hot Spots" im Westen und Südwesten vereinzelt die 25 Grad nur noch geringfügig unterschritten, während es im Norden, Osten und Süden noch verhältnismäßig angenehm bleibt.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs. Heute dürfte die Unwetterschwelle im Süden noch häufiger überschritten werden, für eine Vorabinformation ist das aber zu kleinräumig und zu wenig.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff