Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 01.07.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von TrW (Trog Westeuropa) zu NWa (Nordwest antizyklonal.

Heute noch gebietsweise Gewitter und (Stark)Regen. Ab Donnerstag vor allem an den Küsten, am Freitag bis in nord- und ostdeutsche Binnenland ausgreifend windig bis stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC

Mittwoch... starten wir in das zweite Drittel eines bisher äußerst schlagzeilenträchtigen meteorologischen Sommers und tun das mit ordentlich Tamtam. Zu viel Tamtam, so die Ausführungen der soeben in den wohlverdienten Feierabend entlassenen Nachtdienste, die ´ne Menge konvektive Ballerei zu verwalten hatten. Gleich mehrere Multizellensysteme sind im Grunde seit gestern Nachmittag von Süd-Südwest in Richtung Nord-Nordost unterwegs, die sich in den mittleren Landesteilen inzwischen zu einem großräumigen Cluster vereinigt haben. Dieser weist am frühen Morgen zwar noch mehre Gewitterherde auf, präsentiert sich in Teilen aber schon ungewittrig, gleichwohl aber noch starkregenlastig. Von Süden folgen noch ein paar nicht zu vernachlässigende "Nachgeburten", von denen es vor allem das System aus der Schweiz bzw. dem Vorarlberg zu beachten gilt. Aber auch sonst hat der heutige 1. Juli noch ein paar konvektive Überraschungen parat, bevor sich für ein paar Tage eine Nordwestlage mit nach Norden hin durchaus frühherbstlichem Touch (Wind) einstellt.

Bevor wie darauf zu sprechen kommen, erstmal zur die Lage von heute. Prägendes Gebilde ist ein gut definierter, weil scharf geschnittener KW-Trog, dessen Achse gerade dabei ist, die westlichen Grenzen des Vorhersageraums zu übertreten. Bis zum Abend erreicht der Trog die Mitte des Landes, wobei er im Süden, genauer gesagt südlich der Alpen eine Abtropfung anstrebt. Wichtiger als das ist aber die Tatsache, dass die hebungsfreudige (PVA, weniger WLA) Vorderseite im Süden und Osten mit einer nicht überbordend labilen, aber sehr feuchten (PPWs bis 40 mm) Subtropikluft (xS) sowie der Kaltfront des flachen Tiefs YUNA über den Nordwesten Polens interagiert. Das erklärt die o.e. Gewittersysteme, die nun in den folgenden Stunden aber unterschiedliche Laufbahnen einschlagen. So schwächt sich der große Regenkuchen aus der Mitte (Blitze treten kaum noch auf) auf seinem Weg in Richtung Nord-Nordost alsbald ab, was vornehmlich der nachlassenden PVA zuzuschreiben ist. Wahrscheinlich tritt anfangs regional begrenzt noch nicht-elektrischer Starkregen auf, der bis zum Mittag aber ebenfalls immer schwächer wird.

Anders die Situation bei dem System, das sich gerade im äußersten Süden formiert respektive die Grenze überschritten hat und nun in den nächsten Stunden via Oberschwaben/bayerisch Schwaben und Ober- Richtung Niederbayern zieht. Hier bilden ein PVA-Maximum im Bereich der Trogspitze, Gegenstrom (bis etwa 600 hPa Nordwest, darüber Süd) sowie eine hochreichend gesättigte, in den Lapse-Rates gar nicht mal so steile Luftmasse einen harmonischen Dreiklang, der mit Hilfe von etwas Scherung der ungünstigen Tageszeit trotzt. Im Vordergrund steht dabei der Starkregen (nicht zwingend durchweg gewittrig), teils auch mehrstündig mit Unwettergefahr (> 25 l/m² innert kurzer Zeit bzw. 35 bis 60 l/m² innert weniger Stunden). Hagel (nicht allzu groß) kann ebenso nicht ausgeschlossen werden wie Böen 7-8 Bft, worst case 9 Bft.

Nachdem sich die gesamte Szenerie bis Mittag bzw. in der Mittagszeit etwas beruhigt hat, erfolgt am Nachmittag bis in den Abend hinein noch mal ein konvektives Aufflackern. Zwar ist die von Nordwesten einströmende Meeresluft (Tmax 19 bis 26°C) nicht mehr ganz so pitschefeucht wie die Luftmasse zuvor. Dafür nimmt im Trogbereich die Labilität etwas zu, so dass mit Hilfe des Tagesgangs ein paar Überentwicklungen gezündet werden können. Insbesondere im Norden (außer Nordosten) können einige hundert Joule pro Kilogramm CAPE aufgebaut werden, welches sich in Gewitter umwandeln lässt. Aber auch die östliche Mitte sowie der äußersten Süden stehen im Fokus, wobei wir hier über pulsierende Einzelzellen der Marke "markant" reden: Starkregen, Hagel und Böen bis 8 Bft. Das Damoklesschwert "Unwetter" schwebt aber auch bei diesen Zellen über uns, weil 25 l/m² eben mal relativ schnell erreicht bzw. überschritten werden können.

Am trockensten und sonnigsten und wärmsten (25 bis 29°C) wird es heute im breiten Westen inkl. der westlichen Mitte, wo hinter der Trogachse nicht nur eine ganz andere Luftmasse Fuß fasst (PPWs teils unter 20 mm). Es macht sich zudem ein Keil des nach Osten verschobenen Azorenhochs bemerkbar (Gott zum Gruße IMMANUELL), der die Abtrocknung der Luftmasse forciert und zudem bei etwa 700 hPa eine Sperrschicht einzieht.

In der Nacht zum Donnerstag tropft der Trog über Oberitalien ab, während sich gleichzeitig das nördliche Residuum in Richtung Polen, Tschechien und Österreich verabschiedet. Rückseitig steigt das Potenzial zwar an, so ein richtiger Rücken will uns aber nicht beehren. Vielmehr stellt sich eine antizyklonal konturierte west-nordwestliche Höhenströmung ein, die im Norden von WLA überlaufen wird. Absender ist das Tief ZOE, ein kleiner 1005+X-hPa-Wirbel, der - angetrieben von der über dem mittleren Nordatlantik durchaus gut formierten Frontalzone - Schottland von den Hebriden her in Richtung Südrand Norwegische See überquert. Das zugehörige okkludierende Frontensystem nähert sich von Nordwesten her, wird Deutschland aber noch nicht erreichen. Nichtsdestotrotz nimmt die mehrschichtige Bewölkung über und an der Nordsee sowie im Grenzbereich zu Benelux bis zum Morgen zu und vielleicht fallen zwischen Sylt und Borkum bei aufbrisendem Südwestwind schon die ersten Tropfen.

Ansonsten lässt sich konstatieren, dass sich mit Abzug des Troges sowie dem Tagesgang die Szenerie bereits im Laufe der ersten Nachthälfte beruhigt. Am längsten regnet es noch am Alpenrand sowie im südöstlichen Bayern, allerdings mit abnehmenden und aus Warnperspektive unkritischen Raten. Darüber hinaus weitet sich der Hochkeil unter Kräftigung nach Osten aus, was eine weitere Abtrocknung und großräumige Rückbildung respektive Auflösung der Bewölkung zur Folge hat. Etwas weniger umständlich könnte man auch formulieren, dass es vielerorts aufklart (=> flache Nebelfelder), was insofern eine gute Nachricht ist, als dass es mal wieder anständig abkühlt. 16 bis 10°C Minimum sind die realistischen Zielvorgaben, in einigen Mittelgebirgssenken und -tälern sogar einstellig. Lediglich direkt an der See bleibt es stellenweise etwas milder. Also los Freunde, Türen und Fenster sperrangelweit auf und Luft austauschen.

Donnerstag... macht sich der nächste Trog auf den Weg zu uns, der aber merklich flacher konfiguriert ist als sein Vorgänger. Tief ZOE steuert die norwegische Westküste unweit von Svinöy an, um am Nachmittag Landgang mit Zellsplitting zu machen. Während der eine Kern küstennah nordostwärts zieht und das Interesse an Deutschland gänzlich verliert, steuert das südliche Druckminimum den Oslofjord an (Freitag 00 UTC). Von ihm wird auch am Freitag noch die Rede sein, doch eins nach dem anderen.

Da rückt am morgigen Donnerstag zunächst mal das okkludierende Frontensystem in den Blickpunkt, das ganz uncharmant von der Nordsee und Benelux her übergreift und vor allem den Norden und Nordwesten, am Nachmittag dann etwas abgeschwächt auch Teile von NRW, Hessen und RP mit stratiformen Regenfällen leichter Intensität versorgt (Tagessumme meist unter 5 l/m²). Mit Ankunft des Potenzialtrogs sowie der Okklusion etwa gegen Mittag nimmt die Labilität im Norden und Nordwesten etwas zu, was aus skaligem Regen Schauer und vielleicht sogar einzelne Gewitter macht. Viel CAPE steht allerdings nicht zur Verfügung, dafür ist die frische einfließende subpolare Meeresluft (mPs; Rückgang T850 auf Werte um 8°C) sehr gut geschert. Kurzum, wenn Gewitter, dann mit kleinem Hagel und Böen bis 8 Bft, die aber auch in Schauern auftreten können. Ohnehin muss man notieren, dass der Wind morgen rein aus dem Gradienten angetrieben erst an der Nord-, später dann auch etwas schwächer an der Ostsee inkl. dem küstennahen Binnenland sowie in weiten Teilen SHs spürbar auffrischt. Dabei stehen Böen 7 bis 8 Bft, zum Abend hin an der Nordsee mit Drehung von SW-W auf NW auch einzelne Sturmböen 9 Bft auf der Karte, während an der Ostsee (SW-W-Wind) bei vereinzelten "8ern" Schluss ist. Dass auch der Harzer Brocken (nicht zu verwechseln mit dem Harten Brocken, einer Krimiserie aus Sankt Andreasberg) mit stürmischen Böen 8 Bft aufwartet, überrascht nicht wirklich.

Je weiter wir in den Süden des Landes gehen, desto antizyklonaler das Geschehen. Trog zu flach (sogar Ansätze von einem Höhenkeil sind erkennbar), dazu Fortbestand des Azorenhochkeils. Das reicht, um bis in die östliche Mitte einen locker bewölkten bis sonnigen und trockenen 2.Juli zu garantieren. Warm wird´s auch mit 24 bis 29°C (am Oberrhein sowie im Rhein-Neckar-Raum lokal 30°C nicht ausgeschlossen). Nur ganz im Norden und Nordwesten muss/darf man sich mit 20 bis 24°C begnügen.

In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog ost-südostwärts über den Norden und die Mitte hinweg. Vorgeschaltet die teilokkludierte Kaltfront, die mit ganz leichtem Regen bis nach Süddeutschland vorankommt und dort für kurze Zeit den guten IMMANUEL etwas piesackt. Rückseitig strömt subpolare Meeresluft ein, in der T850 auf 10°C an der Grenze zu CH/A und 5°C fast in der gesamten Nordhälfte zurückgeht. Derweil steuert das zugehörige Tief südschwedisches Festland an und sorgt an der See für eine sehr windige bis stürmische Nacht. Vor allem in Nachthälfte zwo, wenn der Keil im SW wieder zulegt (Druckanstieg ca. 6 hPa) und der Gradient im Norden anzieht, muss an Nord- und Ostsee neben vereinzelten Schauern/Gewittern vermehrt mit Böen 8-9 Bft aus West bis Nordwest gerechnet werden.

Auf thermischer Seite kommen wieder erfreuliche Nachrichten aus dem Ticker, kühlt es doch in weiten Teilen auf 15 bis 9°C ab. Milder bleibt es lediglich unter der frontalen Bewölkung in Süddeutschland sowie in unmittelbarere Nähe der inzwischen schon hochdekorierten Nord- und Ostsee.

Freitag... wird´s ein Stück weit frühherbstlich in Teilen Norddeutschlands. Vor allem der West-Nordwestwind legt für sommerliche Verhältnisse ´ne flotte Sohle aufs Parkett - nicht nur an der Küste nebst küstennahem Binnenland, wo Böen 8-9 Bft auf dem Zettel stehen. Bis weit ins nord- und ostdeutsche Binnenland wird der Wind deutlich spürbar sein mit Spitzen 7-8 Bft. Kein Wunder, wenn unser Freund IMMANUEL am Oberrhein rund 1026 hPa aufs Barometer bringt, während die in Richtung Gotland und später zum Baltikum abdriftende ZOE zur Mittagszeit in Vorpommern rund 1015 hPa generiert.

Der o.e. Trog verlagert sich zum östlichen Mitteleuropa, was hier eine im Norden und Osten zyklonale, sonst eher indifferente nordwestliche Höhenströmung zur Folge hat. Weiterhin bestimmt subpolare, im Süden und Südwesten antizyklonal modifizierte Meeresluft das Geschehen, was im Norden und Osten bei wechselnder Bewölkung und maximal 19 bis 24°C vereinzelte Schauer, häufig aber auch trockene Verhältnisse zur Folge hat. Sonniger und wärmer mit bis zu 27°C geht es im Süden und Südwesten zu mit einer Ausnahme. Im Grenzbereich zur Schweiz, im südlichen Alpenvorland sowie direkt an den Alpen machen sich die Reste der Kaltfront sowie Staueffekte mit dichter Bewölkung, teils andauernden Regenfällen und niedrigeren Temperaturen bemerkbar.

Die Nacht zum Samstag im Telegramm: Ausweitung des Bodenhochkeils, leichte Potenzialgewinn in der Höhe => langsam abnehmender Wind im NO, Ostsee bis zum Morgen noch stürmisch. Teils wolkig, teils klar, 14 bis 7°C (Mittelgebirge am kühlsten), Küste milder.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Großen und Ganzen simulieren die Modelle ähnlich. Heute noch mal ´ne Hucke konvektives Nowcasting, danach skalige Windprophylaxe.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann