Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 12.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu Hoch Fennoskandien zyklonal (HFz) Wechselhaft mit Regenfällen und Saharastaub, morgen im Osten windig und Gewittergefahr. Zum Dienstag von Westen Wetterberuhigung, aber noch mit Unsicherheiten.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Am heutigen Sonntag... wandert ein Höhenrücken über dem östlichen Mitteleuropa nur sehr langsam ostwärts. Dieser hat über den Ostseeraum Verbindung zu einem Höhenhoch über Finnland und Nordwestrussland. Bodennah zeigt sich ein umfangreiches Hoch über großen Teilen Nordwestrusslands und Finnlands, das über eine Brücke über Deutschland hinweg mit dem Azorenhoch verbunden ist. Niedriges Potential ist im Bereich eines umfangreichen Höhentiefs über Osteuropa zu finden, ein Langwellentrog liegt zudem über dem Nordostatlantik und Westeuropa. Das zugehörige Bodentief zieht heute nördlich Schottlands vorbei, ein weiteres Bodentief vertieft sich im Raum Tunesien, getriggert von einem Höhentief in dieser Region. Die ganze Konstellation, man ahnt es schon, zeigt sich insgesamt sehr wenig progressiv.
Dies gilt auch für eine Kaltfront, die in der Nacht größere Teile Deutschlands überquert hat und heute früh auf einer gebogenen Linie von Lübeck nach Freiburg liegt, wobei zu erwähnen ist, dass die Front nur im nördlichen Teil innerhalb einer flachen bodennahen Tiefdruckrinne liegt (die Schwachstelle der Hochdruckbrücke quasi), während im Süden die Front (Temperaturrückgang und Regengebiet) weit zurückliegen, oder mit anderen Worten, die Winddrehung auf West der Front weit vorausgelaufen ist.
Mit weiterem Druckanstieg von Westen her im Bereich der Brücke dreht der Wind in der gesamten Südosthälfte eher auf Nordwest bis Nord, im Nordwesten auf Südwest, später Süd. Dieser ist aber schwach und spielt keine größere Rolle mehr. Mit dem Westwind ist in den Nordwesten eine vergleichsweise kühle (0°C in 850 hPa), recht trockene und stabil geschichtete Luftmasse eingeflossen, die sich auch im Westen und Norden durchsetzt. Im Südosten liegt dagegen noch die deutlich wärmere und etwas labil geschichtete Luftmasse.
Mit dem allmählichen Vorankommen der Front nach Südost wird aber zumindest die Labilität in die Alpen zurückgedrängt, es bleiben aber Reste der warmen Luft im Südosten liegen. Die Regenfälle an der Kaltfront schwächen sich im Tagesverlauf immer mehr ab und erreichen im Norden bis zum Abend wahrscheinlich knapp die Oder. Im Süden bleibt der Südosten Bayerns noch vom Regen verschont. Meist fallen weniger als 5 l/m², nur im Südwesten, wo es jetzt in den Frühstunden recht kräftig regnet, können bis zum Nachmittag noch einmal 5 bis 10 l/m² zusammenkommen. Mit den heute Nacht gefallenen Regenmengen kratzen wir da an den Warnschwellen, die Ausgabe einer Warnung hat sich aber nicht aufgedrängt.
Rückseitig der Front gibt es heute die meiste Sonne, insbesondere im Nordwesten kann sie viele Stunden scheinen. Dort wird es dann teilweise über 15°C mild, im Südosten in der Warmluft noch einmal 15 bis 19°C. Unter den dichten Wolken vom Südwesten über die Mitte bis in den Nordosten werden es dagegen vielfach nur 10 bis 14°C.
In der Nacht zum Montag nähert sich der Langwellentrog von Westen noch etwas an und weitet sich stark nach Süden aus. Seine Achse kommt noch etwa bis zur Biskayaküste Frankreichs voran. Der Rücken weicht dagegen nicht, so dass sich die etwas aufsteilende Südströmung etwas verstärkt und an den Alpen leichter Föhn aufkommt. Dieser unterstützt den Druckfall am Alpenrand, der auch durch die Nordwärtsverlagerung des Tiefs im Süden Richtung Sardinien induziert wird. Die Hochdruckbrücke wird damit wieder geschwächt und am Rande des Hochs im Nordosten dreht dann der Wind meist auf Nordost bis Nord. Er weht aber weiterhin schwach.
Die Front wird immer diffuser, zeichnet sich aber weiter durch dichte Wolken und leichte Regenfälle ab, die weiterhin quer über dem Land liegen. Dabei kommen im Südwesten teilweise noch einmal über 5 l/m² zusammen, sonst weniger. Durch das Aufsteilen der Strömung kommt die Front nicht mehr weiter südostwärts voran, sondern verlagert sich als Warmfront wieder langsam nordwestwärts. Damit bildet sich auf der Vorderseite im Nordwesten Deutschlands auch jede Menge hohe und mittelhohe Bewölkung, so dass dort die Nacht zunehmend bedeckt verläuft. Dies wird durch einfließenden Saharastaub noch verstärkt. Die meisten Wolkenauflockerungen gibt es im Südosten in der Warmluft. Dort ist die Luft auch hinreichend feucht, so dass sich bei schwachen Druckgegensätzen auch einzelne Nebelfelder bilden können. Die nächtlichen Tiefstwerte liegen in vielen Regionen bei 7 bis 4°C, etwas kühler kann es im Nordwesten und Südosten werden, dort im Bergland bis +1°C.
Am Montag... tropft aus dem Langwellentrog westlich unseres Landes ein Höhentief ab und verlagert sich rasch nach Süden. Es erreicht am Nachmittag schon Algerien. Im gleichen Zug verlagert sich der dort ursprünglich liegende Höhentiefkern nach Norden und erreicht Korsika. Damit zieht auch das Mittelmeertief weiter nordwärts, schwächt sich aber etwas ab. Der Föhn über die Alpen hinweg hält weiter an und im Tagesverlauf bildet sich ein Leetief im Bereich Südostbayern/Oberösterreich.
Diese sorgt zusammen mit dem Hoch über dem Nordosten für einen zunehmen starken Gradienten über dem äußersten Osten Deutschlands, wo der Südostwind deutlich auffrischt. Damit kann es vor allem vom südöstlichen Bayerischen Wald bis zur Lausitz einzelne Windböen geben, wobei es noch leichte Modellunterschiede gibt. Vom Lausitzer Bergland bis ins Osterzgebirge lebt der Böhmische Wind (rein dynamisch, nicht durch böhmische Kaltluft unterstützt) etwas auf, so dass in den entsprechend anfälligen Regionen rund um das Elbtal und im Osterzgebirge ebenso 7er Böen geben kann, eine vereinzelte Bft 8 kann je nach genauer Entwicklung auch nicht ausgeschlossen werden. Auch um Rügen kann es eine Bft 7 aus Ost geben. Nach Westen zu kommt der Wind aus Ost bis Nord und weht deutlich schwächer.
Die Front verlagert sich vor allem in ihrem Nordteil noch etwas nach Westen, so dass sie weiter aufsteilt. Bis zum Abend liegt ihr Regengebiet dann in etwa in einem Streifen von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg. Insgesamt fallen in dem Frontstreifen bis zum Abend meist unter 5 l/m².
Im Südosten sorgt der Föhn für eine deutliche Labilisierung der unteren Troposphäre. Zudem gibt es ganz im Osten auch wieder mehr Einstrahlung. In Zusammenhang mit teilweise auch in der Grenzschicht simulierten Feuchte ergibt sich rechnerisch etwas CAPE, was aber wahrscheinlich etwas zu stark gedeckelt ist, so dass die Auslösung von Gewittern eher unwahrscheinlich ist. Ausgeschlossen werden kann es aber nicht. Dann wären in der recht trockenen Luftmasse auch durchaus stürmische Böen drin. Auch weiter nach Westen hin, zur Front, wo generell etwas mehr Feuchte vorhanden ist, ist ein leichter Überlapp von Labilität und Feuchte denkbar, so dass auch dort Schauer und einzelne Gewitter in Betracht gezogen werden müssen.
Sonne gibt es am Montag hauptsächlich im Osten, während es in der Westhälfte weitgehend trüb bleibt. Dies spiegelt sich auch bei den Temperaturen wider, die im westlichen Bergland (in der kühlen Luftmasse) bei 10°C hängen bleiben, während es im Osten in der föhnig erwärmten Luft und bei etwas Sonne von Südostbayern bis ins sächsische Elbtal auch über 20°C mild werden kann.
In der Nacht zum Dienstag schwenkt das Residuum des abgetropften Troges in die Nordsee. Gleichzeitig zieht das Leetief über Tschechien hinweg in den Bereich des Riesengebirges. Damit bekommt der Wind in allen Höhenniveaus wieder eine Westkomponente. Nur an der Ostsee kommt der Wind immer noch aus Ost, rund im Rügen teils noch kräftig mit einer Bft 7 in Böen in exponierten Lagen.
Die Front kommt aber mit dieser Entwicklung wieder etwas ostwärts voran, erreicht die Oder aber noch nicht. Vor allem einem breiten Streifen in der Mitte von Nord bis Süd kann es regnen, meist unter 5 l/m². Etwas mehr kann es im Einflussbereich des Troges ganz im Norden sein, ebenso kann es an den Alpen, wo der Föhn zusammenbricht, teils um 10 l/m² regnen. Auch in der östlichen Mitte kann es, wo die Front auf eine teilweise labilisierte Luftmasse trifft, einige schauerartige Verstärkungen und hier und da ein Gewitter geben, so dass dort punktuell auch mal über 10 l/m² fallen.
Im Westen lockern die Wolken in der zweiten Nachthälfte durch starkes Absinken auf, dort wirken KLA und negative Vorticityadvektion. Bei längeren Auflockerungen und recht schwachem Wind kann es dort örtlich auch mal Nebel geben. Dort kühlt es meist auf 6 bis 2°C ab (mit den niedrigsten Werten in der Eifel, wo es auch Frost in Bodennähe geben kann). Ansonsten werden meist 9 bis 5°C erreicht.
Ein kleines Wort noch zum Saharastaub. Dieser kann mit der südlichen Strömung schubweise zu uns gelangen und ist mitverantwortlich für die teils dichten hohen und mittelhohen Wolken. Insbesondere im Vorfeld der Kaltfront in der Nacht zum Dienstag wird noch einmal ein Schub Staub erwartet, der durch die Regenfälle dann aber nachfolgend ausgewaschen werden sollte. Rückseitig der Front sollte dann die Luft wieder klarer werden.
Am Dienstag... schnürt sich aus dem Trogresiduum ein weiteres Höhentief über Dänemark ab, so dass dort die Progression immer langsamer wird. Zwischen diesem und dem Höhentief über Tunesien liegt der Norden Deutschlands noch in einer zyklonal-westlichen Höhenströmung, der Süden gelangt dagegen in geopotentielles Niemandsland. Bodennah schiebt sich von Westen wieder der Hochdruckkeil herein und die Reste des ehemaligen Tiefs verabschieden sich als Rinne nach Osten. Der meist schwache Wind weht dann aus Nordwest bis Nord.
Auch das Regengebiet der Kaltfront kommt weiter nach Osten voran und zieht weitgehend ab, lediglich im Südosten hält sich noch etwas Regen bis zum Abend. Abgesehen vom Westen können wieder wenige Millimeter Regen fallen, an den Alpen und in Schleswig-Holstein auch 5 bis 10 l/m². Insgesamt darf im Osten und Süden kaum Sonne erwartet werden. Im Westen kann sich zwar tagsüber mal ziemlich viel Quellbewölkung bilden, am Vormittag und Abend ist es aber sonnig.
Somit kann sich die Luft in der kühlen Luftmasse im Westen (T850 bei 0 bis 3°C) vielfach auf 15 bis 18°C erwärmen. Auch ganz im Osten sind solche Werte vor Ankunft des Regens noch möglich. In der Mitte sind es dagegen oftmals nur so 12 bis 14°C.
In der Nacht zum Mittwoch zieht das Höhentief weiter zur westlichen Ostsee. Bodennah weitet sich der Hochkeil zu uns aus und bildet sogar einen kleinen Ableger über Deutschland. Somit herrschen ruhige Windverhältnisse. Die letzten Frontreste am östlichen Alpenrand lösen sich unter Absinken auf, so dass der Regen aufhört. Etwas dichtere Bewölkung bleibt noch ganz im Norden und am Alpenrand zurück.
Über der großen Mitte lockert es dagegen weiter auf und es wird vielfach klar. Bei dem schwachen Wind kann sich aber hier und da ein flaches Nebelfeld bilden. In den wolkenarmen Bereichen kann es auf 4 bis 0°C abkühlen, in einzelnen Tallagen der Mittelgebirge gibt es dann auch leichten Frost. Frost in Bodennähe kann recht verbreitet auftreten. Milder mit etwa 8 bis 4°C bleibt es ganz im Norden und im Süden unter Wolken.
Modellvergleich und -einschätzung
Bis morgen Mittag gibt es keine größeren Modellunterschiede. Das entstehende Leetief wird bezüglich Lage und Stärke noch etwas unterschiedlich simuliert, beim IFS z.B. etwas weiter westlich. Dies impliziert Unsicherheiten bezüglich des auffrischen Windes im Osten. Ebenso unsicher ist, ob es in der unten etwas angefeuchteten Föhnluft im Südosten mal zu einem Gewitter reicht, das dann am Nachmittag auch Potential für einen stürmische Bö hätte. Etwas wahrscheinlicher ist sicherlich das Auftreten einzelner Gewitter, wenn am Abend und in der Nacht die Kaltfront vordringt, diese sollten dann abgehoben sein und meist "gelb" bleiben.
Im weiteren Verlauf werden die Unsicherheiten größer. Die Entwicklung des Höhentiefs ist noch vollkommen unsicher und damit auch, wie schnell der Regen nach Osten abzieht (ICON ist schneller als die Konkurrenz). IFS lässt ein schwaches Höhentief noch länger über Deutschland ziehen, GFS sogar einen ziemlich fetten Brummer. Nach GFS würde es auch zu ergiebigen Regenfällen in Schleswig-Holstein reichen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 12.04.2026 um 10.30 UTC
Bei größeren Unsicherheiten abgesehen von einzelnen Gewittern teils sehr mildes Frühlingswetter.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 19.04.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch liegt ein blockierendes Hoch über dem nordwestlichen Russland. Vom zentralen Mittelmeer erstreckt sich hingegen tiefer Luftdruck über Deutschland hinweg in den Süden Skandinaviens sowie über die Ukraine hinweg nach Asien mit mehreren Tiefkernen. Ein Kern liegt dabei genau über Deutschland, das zugehörige Bodentief befindet sich knapp westlich von uns. Vom Azorenhoch wölbt sich westlich von uns ein Rücken bis zum Ärmelkanal auf, dessen Achse im Verlauf in den Nordwesten Deutschlands schwenkt und dort ein Bodenhoch stützt. Südwestlich von Island liegt hingegen ein hochreichendes Tief auf dem Nordostatlantik. Von diesem ausgehend reicht ein teilokkludiertes Frontensystem über die Britischen Inseln hinweg auf den Atlantik. Dieses kommt im Tagesverlauf etwas ostwärts voran, bis es sich schließlich Donnerstagfrüh vom Europäischen Nordmeer über die Nordsee bis nach Frankreich erstreckt. Bei niedrigen einstelligen Temperaturen in 850 hPa herrscht bei uns meist ruhiges, in der Südosthälfte zu einzelnen Gewittern neigendes Wetter.
Am Donnerstag erstreckt sich die Achse des Höhenrückens von den Kanaren über Frankreich und Deutschland hinweg in den Süden Skandinaviens. Dabei verlagert sich die Tiefdruckrinne weiter ostwärts. Gleichzeitig wird ein Randtrog ausgehend von dem Tief bei Island von Schottland ins Europäische Nordmeer geführt.
Der Islandtief-Ausläufer greift im Tagesverlauf auf Deutschland über, gelangt dabei jedoch unter zunehmenden Hochdruckeinfluss und verliert dabei an Kontur. Dabei liegt die 850 hPa-Temperatur weiterhin zwischen 0 und 5 Grad Celsius. Im Südosten besteht weiterhin eine geringe Gewittergefahr.
Am Freitag läuft sich der Höhenrücken breit und erstreckt sich von den Kanaren bis in den Süden Deutschlands und Kroatien. Die Verbindung zum hohen Luftdruck über Nordwestrussland wird durch eine Tiefdruckrinne gestört, die mit mehreren Kernen von Südskandinavien bis in den Nordosten der Ukraine reicht. Gleichzeitig steuert das Zentraltief nahe Island ein hochreichendes Randtief vom Atlantik knapp nördlich von Schottland.
Der hohen Luftdruck über Deutschland kann durch einzelne kurzwelligen Anteile bei niedrigen einstelligen 850 hPa-Temperaturen gestört werden. Einzelne Gewitter mit Starkregen sind gering wahrscheinlich - besonders nach Südosten zu.
Am Samstag schwächt sich das Randtief bei Schottland auf dem Weg ins Europäische Nordmeer allmählich ab. Gleichzeitig tropft ein weiterer Trog vom Atlantik her knapp nordwestlich von Spanien ab. Dabei kann sich der Höhenrücken regenerieren. Dessen Achse erstreckt sich Sonntagfrüh vom nordwestlichen Afrika über Norditalien bis Finnland und Westrussland.
Der okkludierte Ausläufer des Randtiefs erreicht den Nordwesten Deutschlands, kommt aber aufgrund seiner zunehmend strömungsparallelen Lage nicht weiter ostwärts voran und schwächt sich allmählich unter Hochdruckeinfluss ab. Auf dessen Vorderseite wird etwas mildere Luft in den Südwesten Deutschlands geführt mit 8 Grad Celsius in 850 hPa, im Nordosten liegt weiterhin kältere bei Temperaturen knapp über Null Grad. Tagsüber besteht im Südosten weiterhin eine geringe Gewitterneigung.
Am Sonntag liegt die Achse des Höhenrückens weiterhin über uns. Am Boden stützt dieser ein Hoch über Nordwestrussland, das sich bis in den Nordosten Deutschlands erstreckt. Der Höhenrücken wird aber zum Einen von einem Höhentief über der Ostsee gestört. Zum Anderen zieht das abgetropfte Höhentief von Nordspanien nach Südwestfrankreich. Am Boden wird dabei eine Tiefdruckzone induziert, die bis in den Westen Deutschlands reicht. Dort sind in der Folge einzelne Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel möglich.
In der erweiterten Mittelfrist von Montag bis Mittwoch zieht das Höhentief von Südwestfrankreich bis in den Norden Deutschlands. Die Tiefdruckrinne verlagert ihren Schwerpunkt zusammen mit milderer Luft (T 850 hPa 4 bis 10 Grad Celsius) ebenfalls nach Deutschland. Entsprechend stellt sich wechselhaftes, zu Gewittern neigendes Wetter ein.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz ist bereits zu Beginn der Mittelfrist recht schlecht. Während der gestrige 00 UTC-Lauf ein Höhentief über Ostfrankreich rechnet, liegt es im gestrigen 12 UTC-Lauf über Dänemark. Im aktuelle IFS-Lauf werden zwei Höhentiefs gerechnet, eins über Nordhessen, und eins über dem Skagerrak. Dies hat bereits Auswirkungen auf den nachfolgenden Höhenrücken und dessen Achse, der sich entsprechend sowohl in seiner Amplitude als auch seines zeitlichen Aufzugs unterscheidet.
Am Freitag und Samstag war die Achse des Höhenrückens über Deutschland in den Vorläufen noch etwas besser konturiert, im aktuellen Lauf wird tiefer Luftdruck über der Ostsee stärker betont.
Auch der im Laufe des Wochenendes vom Atlantik nahende Tiefdruckeinfluss scheint von Modellauf zu Modelllauf noch zu springen. Während nach dem gestrigen 00 UTC-Lauf ein eigenständiges, hochreichendes Tief bei den Britischen Inseln abtropfen soll, wurde im gestrigen 12 UTC-Lauf lediglich ein von den Britischen Inseln nach Skandinavien ziehender Randtrog gerechnet. Im aktuellen IFS-Lauf erfolgt der Abtropfprozess hingegen nach Nordspanien. Der Einfluss tiefen Luftdrucks zur neuen Woche scheint also durchaus gegeben zu sein. Die Details sind aber noch äußerst unsicher.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Entsprechend ist es auch nur wenig verwunderlich, dass sich die Konsistenz zwischen den verschiedenen Mittelfristmodellen ebenfalls schlecht gestaltet. Zu Beginn der Mittelfrist wird von allen Modellen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Höhentief gerechnet. Ob dies aber über Schweden (UK10), der Ostsee (ICON), der Lübecker Bucht (GFS) oder Nordhessen (IFS) liegt, ist unklar. Im weiteren Verlauf lassen alle Modelle den tiefen Luftdruck nordöstlich oder östlich von Deutschland. Von Westen her schiebt sich ein Höhenrücken nach Deutschland. Dessen Ausprägung und Timing wird jedoch, wie schon bei den vergangenen IFS-Läufen, unterschiedlich simuliert. ICON simuliert diesen wohl am glattesten. Nach GFS liegt hingegen ein hochreichendes Tief knapp östlich von uns und kann die Osthälfte Deutschlands noch beeinflussen. Der zur neuen Woche voraussichtlich zunehmende Tiefdruckeinfluss ist ebenfalls noch unsicher. ICON rechnet einen Randtrog bis nach Deutschlands. Nach GFS wandert das hochreichende Tief allmählich über Tschechien und Norditalien in den Süden Deutschlands.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Schaut man in die Clusteranalyse, zeigt sich aufgrund der großen Unsicherheiten ab Freitag (t+120h) lediglich ein einziges Cluster. Lediglich im ersten Zeitschritt der Analyse von Mittwoch bis Donnerstag (t+72 bis t+96h) werden 5 verschiedene Cluster angeboten. Bei allen ist der Höhenrücken über Mitteleuropa mehr oder weniger gut ausgeprägt und Störungen in Form etwaiger Höhentiefs werden unterschiedlich verortet und betont. Insgesamt dominiert über alle Zeitschritte der Clusteranalyse hinweg das klimatologische Regime "Blocking", was auf den hohen Luftdruck über Nordosteuropa bzw. Westrussland zurückzuführen ist.
Auch die Rauchfahnen zeigen die erwähnten Unsicherheiten. Bereits zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch ist die Streuung der Temperatur recht groß. Insbesondere nach Norden und Westen zu liegt der Kontrolllauf tendenziell im unteren Drittel der Verteilung. Es besteht also noch die Möglichkeit, dass wir dort wärmer in die Mittelfrist starten. Auch was das Geopotenzial angeht, scheint der Kontrolllauf durchaus etwas niedriger auszufallen als das Mittel der Verteilung.
Nach Süden und Osten zu fällt der Kontrolllauf einigermaßen gut mit dem Mittel der Verteilung zusammen. In der erweiterten Mittelfrist liegt die Temperatur und das Geopotenzial des Kontrolllaufs jedoch zunehmend über dem Mittel. Niederschlagssignale ziehen sich durch die gesamte Mittelfrist. Lediglich zu Beginn scheint die Niederschlagsneigung im Westen gering, am Freitag dann im Nordosten.
FAZIT: In der Mittelfrist zeigt sich die Nichtlinearität der Atmosphäre in ihrer vollen Pracht. Etwaige Höhentiefs lassen sich bereits zu Beginn der Mittelfrist nur bedingt beschreiben. Das bei uns vorherrschende ruhige, teils sehr milde und zeitweise hochdrucklastige Frühlingswetter kann in der Folge von meist schwachen atlantischen Tiefausläufern gestört werden, die über Deutschland verenden. Auch eine Störung von Osten kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Aus warntechnischer Sicht stehen jedoch nur einzelne Gewitter auf dem Programm - vornehmlich in der Südosthälfte.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Frost spielt in der Mittelfrist vermutlich keine große Rolle mehr. Einzig zu Beginn kann in ungünstigen Tallagen des Berglands noch einmal leichter Frost auftreten.
Ansonsten besteht auf der Vorderseite der vom Atlantik aufziehenden Luftmassengrenzen in der warmen Luft im Bereich der Südosthälfte eine geringe Gewittergefahr. Aufgrund mangelnder Dynamik und beschränkter Höhenwinde sollte bei PPWs um 20 mm lediglich lokaler Starkregen eine Rolle spielen. Bei trockenen Fallwinden lässt sich eine vereinzelte stürmische Böe nicht ganz ausschließen. Hagel sollte jedoch kein Thema sein.
Je nach Modell werden auf der Vorderseite eines nach Mitteleuropa schwenkenden Trogs bereits ab der Nacht zum Sonntag im Westen und Nordwesten einzelne Gewitter simuliert. Diese hätten in der Folge etwas mehr Dynamik und könnten mit Starkregen, Sturmböen sowie Hagel einhergehen. Die genaue Entwicklung bleibt aber erst einmal abzuwarten.
Der EFI liefert keine signifikanten Signale.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-MIX
VBZ Offenbach / MSc.-Met. Sebastian Schappert





