Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 10.04.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Im Südwesten in der Nacht zum Sonntag und am Sonntag lokal Dauerregen nicht ausgeschlossen. Ob das bei der trockenen Vorgeschichte aber eine Warnung nach sich ziehen wird, ist noch nicht klar. Ansonsten ist abgesehen von einzelnen (!) Böen Bft 8 und Gewittern, die ein gewisses Potential für Starkregen mitbringen, nichts Markantes zu erwarten.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Aktuell ... präsentiert sich die Druckverteilung über Deutschland mit einer Spanne zwischen 1017 und 1019 hPa sehr schwachgradientig, wobei Absinken vorderseitig eines Höhenrückens vorherrscht, der sich vom westlichen Mittelmeer bis zur nördlichen Nordsee erstreckt. Im Laufe der Nacht kommt der Rücken etwas nach Osten voran, seine Achse erreicht dann ausgangs der Nacht den äußersten Westen Deutschlands, wodurch über dem Westen auch der Druck fällt. Unter dem o. e. Absinken löst sich die Kaltfront weitgehend auf, die über dem äußersten Osten Deutschlands ohnehin langsam auf dem Weg nach Polen ist. Reste dieses Frontenzuges sind auch noch über dem äußersten Süden zu finden, wo sie an den Alpen anstauen. Entsprechend kann es dort bis in die Nacht hinein noch ein paar Tropfen Regen geben (es wird wohl kaum mehr als 1 l/qm werden), und Schnee ist ohnehin nur in den höchsten Lagen oberhalb von 2000 m ein Thema. Da mit dem Rücken in die Südwesthälfte und in den Nordwesten Warmluft advehiert wird, zeigen sich dort am nächtlichen Himmel hohe und mittelhohe Wolken, die man gerne als den Aufzug von Warmfrontbewölkung des steuernden Zentraltiefs TAMINA (westlich von Schottland allmählich nach Osten vorankommend, Kerndruck am Morgen laut ICON unter 960 hPa!!!) interpretieren kann. Diese sind bezüglich Niederschlag völlig ungefährlich, sie dämpfen aber die Ausstrahlung, so dass es dort mit 7 bis 1 Grad frostfrei bleibt. Anders verhält es sich von Schleswig-Holstein und der Ostsee bis nach Sachsen und ins ostbayrische Bergland: bei gering bewölktem oder klarem Himmel sinken dort die Werte auf null bis -4 Grad, lokal mag es sogar mal bis in den mäßigen Frostbereich um -5 Grad zurückgehen. Eventuell bilden sich regional auch ein paar Nebelfelder, etwa am Alpenrand, wo es, wie oben schon gesagt, bis in die Nacht hinein ein paar Tropfen gibt und die Grundschicht entsprechend angefeuchtet wird. Eventuell reicht die Grundschichtfeuchte auch in Mitteldeutschland, im Norden und Nordosten oder an der Donau für Nebel.
Samstag ... verlagert sich der Rücken nur langsam über Deutschland ostwärts, seine Achse erreicht bis zum Abend die Mitte unseres Landes, so dass er tagsüber das prägende Geopotentialgebilde bleibt. Im Bodendruckfeld macht sich dagegen mehr und mehr das Sturm- bzw. Orkantief TAMINA bemerkbar, das seine Position westlich von Schottland auch am Samstag nicht verlässt. Allerdings wird es von dem korrespondierenden Höhentrog und dem eingelagerten abgeschlossenen Höhentief eingeholt. Das ist der Entwicklung von TAMINA nicht zuträglich, im Gegenteil: Das Tief beginnt sich zögerlich aufzufüllen, am Abend soll der Kerndruck schon "nur noch" knapp unter 970 hPa liegen. Wie auch immer: Das teilokkludierte Frontensystem von TAMINA greift im Laufe des Nachmittags auf den Westen Deutschlands über, eingebettet in einen scharf geschnittenen Bodentrog, der anfangs bis zur Iberischen Halbinsel, später dann bis zum westlichen Mittelmeer reicht. Auf der Vorderseite des Frontensystems wird massiv (feuchte) Warmluft advehiert, Dabei steigen die 850er Temperaturen am Alpenrand mit föhniger Unterstützung auf bis zu 12 Grad, im äußersten Nordosten bleiben sie dagegen bei knapp unter null Grad hängen. Für das Temperaturniveau bedeutet dies einen warmen Westen und Südwesten mit 20 bis 24, eventuell sogar bis 25 Grad, während das Quecksilber auf Rügen oder Usedom vereinzelt noch nicht mal über die 10-Grad-Marke lugt.
Mit der Verlagerung des Frontensystems kann die aus der Nacht heraus vor allem über der Südwesthälfte vorhandene hohe und Mittelhohe Bewölkung weiter nach Osten und Nordosten ausgreifen. Im Westen folgt am Nachmittag dann erwartbar auch tiefe Bewölkung, aus der es zu regnen beginnt. Der Regen kann bis zum Abend den Rhein überqueren und erreicht u. a. das Münsterland und das südliche Emsland, den Westerwald und den Taunus und wohl auch den Schwarzwald, wobei nicht allzu viel zusammenkommt. Meist werden es bis zum Abend 1 bis 5 l/qm werden, lokal können sich die Modelle (insbesondere im westlichen Bergland) aber auch bis 10 l/qm vorstellen. Das könnte neben der orografischen Komponente aber auch einen konvektiven Aspekt haben. Denn bedingt durch die vornehmlich im Südwesten, in geringerem Maße aber auch im Westen simulierte präfrontale Anfeuchtung und damit auch Labilisierung der niedertroposphärischen Luftmasse wird ein wenig CAPE generiert, was die Modelle dann auch mit einigen kräftigen Schauern, eventuell auch mit einem Gewitter quittieren (Starkregen bei PPW um 25 mm nicht ausgeschlossen, aber auch nicht wirklich wahrscheinlich). Neben diesen nicht wirklich auszuschließenden elektrischen Entladungen lässt sich beim aus Südosten kommenden Wind konstatieren, dass dieser am Nachmittag an und auf der Nordsee, mit Abstrichen und vereinzelt auch im Nordwestquadranten Deutschlands (in den in diesem Fall z. B. der Harz oder auch das Rothaargebirge fallen würden) auflebt mit Böen Bft 6-7.
Der beschriebene Wetterablauf lässt vermuten, dass es im Westen eher am Vormittag etwas Sonne geben sollte, bevor sich die Bewölkung verdichtet. Vom Süden bis an die Ostsee können die hohen und mittelhohen Wolken die Sonne aber nur zum Teil trüben, insofern wird dort ein insgesamt freundlicher, von Sachsen bis nach Vorpommern sogar ein durchweg sonniger Tag erwartet.
In der Nacht zum Sonntag kommt das teilokkludierte Frontensystem mit dem zugehörigen Regengebiet und anfänglich eventuell vereinzelten Gewittern langsam ostwärts voran. Im Süden hängen die Front ebenso wie der Regen aber zurück, weil sie durch großflächigen Druckfall über und rund ums westliche Mittelmeer ausgebremst werden. Auf dieses Ausbremsen und die entsprechend langsamere Verlagerung reagieren die Modelle umgehend mit höheren Regensummen im südlichen Baden-Württemberg. Dort sollen um 10 l/qm in 12 Stunden, lokal sogar bis 20 l/qm fallen, ICON-EU bringt es sogar auf 25 l/qm, was formal das erreichen der 12-stündigen Dauerregenkriterien bedeuten würde. Etwas zurückhaltender bezüglich der Regenmengen ist IFS. Trocken bleibt es laut der Modelle von Ostsachsen bis nach Vorpommern und in Südostbayern, ansonsten sollen meist um 2, gebietsweise auch um 5 Liter den Weg in die Messtöpfe finden. Im Westen und Nordwesten beginnt es in der postfrontal einfließenden subpolaren Meeresluft (mPS) in der zweiten Nachthälfte bereits wieder abzutrocknen, teilweise lockert die Wolkendecke dort sogar auf. Richtung Grenzen zu Polen und Tschechien ist ganz punktuell leichter Luft-, strichweise leichter Bodenfrost nicht ausgeschlossen, sonst bleibt die Nacht frostfrei.
Die Windentwicklung ist recht schnell erzählt: in dem scharfen, rinnenartigen Bodentrog mit eingebetteter Front frischt der Wind auf, vor allem aber an der dahinter einsetzenden Druckanstiegswelle, beides verbunden mit markanter Winddrehung von Südost auf West bis Nordwest. Auf und an der Nordsee sowie im Bereich der westlichen Ostsee frischt der Wind vorübergehend stark, exponiert vereinzelt auch stürmisch auf, um dann in der zweiten Nachthälfte mit auffächern der Rinne und Druckanstieg von Westen rasch einzuknicken. Im Binnenland sorgt die Druckwelle allenfalls im Nordwesten sowie dort, wo eine günstige Interaktion mit der Orografie zustande kommt, für die ein oder andere steife Böe 7 Bft.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... und in der Nacht zum Montag schaffe es TAMINA zwar knapp nördlich an Schottland vorbei in Richtung südliche Norwegische See zu ziehen, dabei füllt sie sich aber zusehends auf. Das Frontensystem erreicht im Norden mit Regen die Oder, dazu auch Sachsen, von dort biegt es sich in den Südwesten, wo es am Tage, vor allem vormittags, auch kräftiger weiterregnet. In der Nacht wird die Front im Bereich Südwestdeutschland nach Norden gedrückt, eventuell bis nach Nordhessen, in den Westerwald und in die Eifel (ICON), eventuell aber auch nur bis in die Pfalz (UK10). Gedanken zu den Ursachen der Modellunterschiede, auch de von IFS gerechneten kräftigen Konfektion präfrontal in der Nacht zum Montag, sind in der Frühübersicht zu finden. Auch im Norden und Nordosten ergeben sich noch einige Fragezeichen bezüglich der Niederschlagsverteilung und Intensität, was an dem blockierenden Hoch QURIN über Nordosteuropa liegt, aber auch an dem uns bekannten Höhenrücken, der am Samstag kaum nach Osten vorangekommen ist und sich nunmehr sogar noch etwas regeneriert. Am freundlichsten präsentiert sich in dieser Gemengelage der Nordwesten, der am meisten Sonne abbekommt. Am schlechtesten in Sachen Sonne steht der Südwesten da, was seinen Grund natürlich in der frontalen Bewölkung hat. Die Höchstwerte liegen zumeist in einer Spanne von 10 bis 17 Grad, im Dauerregen des Südwestens und in höheren Mittelgebirgslagen sind es noch nicht einmal 10 Grad. Nachts sinken die Werte auf meist 7 bis 3 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Bis zum Übergreifen der Front in der Nacht zum Sonntag sind sich die Modelle recht einig. Am Sonntag werden die Modellunterschiede deutlich größer, insbesondere bezüglich der Niederschlagsverteilung, die natürlich mit der Verlagerung der Front zusammenhängt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 10.04.2026 um 10.30 UTC
Anfangs unbeständig, im Wochenverlauf Wetterberuhigung. Keine markanten Entwicklungen.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 17.04.2026
Am Montag, dem ersten Tag des Mittelfristzeitraums, liegt ein blockierendes Hoch über Skandinavien. Dagegen läuft ein Trog vom Atlantik an, der ins westliche Mittelmeer abtropft. Über Mitteleuropa hat sich eine Tiefdruckrinne etabliert, unter deren Einfluss gebietsweise Regen fällt. Zum Teil anhaltend, aber ohne warnwürdige Mengen. Auch einzelne Gewitter sind nicht ausgeschlossen. Am ehesten trocken bleibt es in den östlichen Landesteilen in warmer Luft bei bis zu 20°C, bei Dauergrau und Regen werden es im Südwesten nicht viel mehr als 10°C. Der östliche Wind frischt im Norden und Osten auf, einzelne Böen 7 Bft inklusive, im Westen kommt der weitaus schwächere Wind aus Nordwest. Am Dienstag beginnt sich eine Brücke zu bilden, ausgehend vom Hoch über Skandinavien zu hohem Druck über Südwesteuropa und dem mittleren Nordatlantik. Der Druck steigt dann auch über Deutschland, die Rinne ist aber mitnichten weg und vom Resttrog über der Nordsee in die Rinne ziehen sich Feuchtefelder, die auch noch mit etwas Regen oder Schauer verbunden sein können. Insgesamt lässt die Regenneigung aber wohl nach. Die Temperaturen gleichen sich an und ein paar zaghafte 7er Böen aus Ost sind im Nordosten anzutreffen. Am Mittwoch kräftigt sich die Hochdruckbrücke über Nordwesteuropa, wobei Mitteleuropa unter einer (schwachen) nördlichen Höhenströmung zwischen einem Keil über Frankreich und einem Höhentief über der Ukraine liegt. Von der Rinne bleibt nicht viel mehr als eine leicht zyklonale Kontur der Isobaren über Deutschland übrig. Wolken und etwas Feuchte über Süddeutschland inklusive. Dort ist auch etwas Regen oder es sind Schauer möglich, sonst stellt sich wohl trockenes, recht freundliches Wetter ein.
Am Donnerstag und Freitag schwächt sich der Hochschwerpunkt im Norden wahrscheinlich ab, dafür tritt ein Neuer über Westeuropa auf den Plan. Die antizyklonale Dominanz über Mitteleuropa hält sich wahrscheinlich, auch wenn das nach Ostpolen ziehende Höhentief Ostdeutschland streifen kann und Tiefausläufer in abgeschwächter Form auf den Nordwesten Deutschlands übergreifen können. Einige Schönheitsfehler sollten also einkalkuliert werden, wobei die Abläufe alles andere als sicher sind.
Der ganzen Konjunktive zum Trotz, echt signifikante Wettererscheinungen stehen nicht auf der Karte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der letzten Läufe ist höchstens mäßig. Die großräumigen Muster passen zwar, die Abläufe über Mitteleuropa sind unsicher. Die Vorläufe zeigten das Höhentief über Osteuropa näher an uns dran mit niedrigerem Temperaturniveau über Ostdeutschland und der Resttrog sollte in einem zweiten Abtropfvorgang zur Wochenmitte einen Kaltlufttropfen über Norddeutschland liefern. Dieser ist nun passé. Zudem sind die schwachen Tiefausläufer der zweiten Wochenhälfte von Nordwesten alles andere, als in trockenen Tüchern.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Noch bunter wird die Lösungsmenge schauen wir auf die anderen Globalmodelle wie ICON, GFS und UKMO. Aus dieser Sicht werden die Unsicherheiten noch größer. So simulieren ICON und GFS am Dienstag einen Kaltlufttropfen über Westdeutschland mit Schauern und Gewitter, wobei die Bodenrinne ostwärts abziehen soll. Am Mittwoch tritt in den Lösungen ein buntes Durcheinander von Trögen und Höhentiefs über Deutschland zu Tage, während nach Wochenmitte die anderen Modelle den atlantischen Einfluss von Westen (etwas) stärker betonen als das IFS. Zum Trost auch noch mal an dieser Stelle: Auch die anderen Lösungen deuten keine markanten Warnlagen an.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Kurven der Temperatur in 850 hPa und des Geopotentials in 500 hPa fächern in den Rauchfahnen diverser deutscher Städte rasch auf, als Hinweis auf die bestehenden Unsicherheiten. Für die Temperatur ergibt sich im Median eher eine Seitwärtsbewegung auf mäßig warmen Niveau, das Geopotential steigt leicht an, sodass spätestens ab Wochenmitte höchstens sporadische Niederschlagssignale übrigbleiben. In den 15 Tagen Meteogrammen zeigt die vorherrschende Nord- bis Ostwindkomponente das andauernde Blocking.
Das wird überdeutlich bei der Clusterung, die ausnahmslos Blockinglösungen zeigt. Im ersten zeitschritt bis +96h gibt es 3 Cluster, dann bis +168h Einen. Dieser zeigt eine stark positive Anomalie des Geopotentials über Nord- und über Teilen Mitteleuropas. Daran ändert sich zur erweiterten Mittelfrist nichts.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Es gibt keine Hinweise auf signifikante Entwicklungen in der Mittelfrist.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mos Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner





