Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 28.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HNFa
Anfangs über der Mitte, im weiteren Verlauf im Süden/Südwesten böiger, exponiert auch stürmisch auffrischender Ostwind. Besonders in der Nacht zum Mittwoch und Donnerstag im Osten verbreitet Luftfrost, bodennah durchweg und nahezu deutschlandweit ein Thema. Besonders im Süden hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... dominiert weiterhin eine blockierende Antizyklone das Geschehen, bodennah vom Hoch WINFRIED begleitet. Das Hochdruckgebiet wird über der Nordsee analysiert und sollte sich noch etwas verstärkt. Derweilen wird ein zarter Höhenrücken über Mitteleuropa aufgespannt, der mit einer subtropischen Hochdruckzelle über Nordafrika interagiert. Ein über dem Ärmelkanal west-südwestwärts ziehender Kaltlufttropfen interagiert mit einem Höhentief vor Portugal, wobei dessen rasche Abschwächung einen klassischen Fujiwhara-Effekt verhindert. Beide Systeme liegen eingebettet in einer Rinne geringeren Geopotenzials und fungieren somit als ein stark positiv geneigter Langwellentrog. Mit der retrograden Verlagerung des Kaltlufttropfens kann sich der kräftige Höhenkeil über Nordeuropa im Verlauf der Kurzfrist zunehmend nach Mitteleuropa ausweiten, wobei WINFRIED direkt nach Norddeutschland wandert. Die Folge ist eine insgesamt sehr ruhige Kurzfrist, leider auch weiterhin ohne Niederschläge.
Heute zeigt sich das Wetter in Deutschland zweigeteilt. Im Süden und Westen driften wiederholt ausgedehnte hohe Wolkenfelder vorüber, die die Sonne zeitweise auch etwas eintrüben. Diese werden durch den nach Westen abziehenden Kaltlufttropfen bzw. durch an der Ostflanke des Langwellentroges nordost- bis ostwärts ablaufende Kurzwellen hervorgerufen. Während die Bewölkung über der Mitte im Tagesverlauf weiter auflockert, muss man im Süden zum späten Nachmittag und Abend gar mit einer Bewölkungsverdichtung aus Süden rechnen. Im Zuge der südwestlichen Anströmung schwappt eine leicht labile Luftmasse an die Alpen. Gewitter sollten jedoch nur inneralpin entstehen, einzelne Schauer sind allerdings am direkten Alpenrand sowie im Hochschwarzwald/Hotzenwald nicht ganz ausgeschlossen.
Anders sieht es im Norden/Nordosten der Republik aus. Ein für die Jahreszeit beachtlicher Kaltluftvorstoß über Skandinavien/Nordosteuropa tangiert mit modifizierter kontinentaler Polarluft besonders den Nordosten (H85 bis -2 oder -3 Grad), wobei PWs auf unter 10 mm zurückgehen. Vorhersagesoundings heben eine durchmischte Schicht bis grob 800 hPa hervor, sodass zum Nachmittag entlang der Inversion lockere Kumuli besonders von Vorpommern bis ins nördliche Brandenburg auftreten. Abseits dieser Wolken verläuft der Tag aber meist wolkenlos und ja: trocken.
Erwähnenswert ist der Wind aus Ost bis Nordost, der besonders über der Mitte bei einem Gradienten von 8hPa/300 km im exponierten Bergland stark böig auffrischt (Thüringer Wald auch stürmisch, Bft8) und auch im Umfeld der Eifel bis zum Niederrhein treten am Nachmittag bei guter Durchmischung wiederholt Böen Bft 6 bis 7 auf. Im Norden und Süden verbleibt der Wind dank eines auffächernden Gradienten unterhalb der Warnschwelle (dem Tagesgang folgend mäßig bis frisch).
Die Maxima liegen im Zustrom der polaren Luftmasse zwischen 10 und 14 Grad, direkt an der Ostsee dank auflandiger Windkomponente meist um 9 Grad. Im Binnenland nimmt die Temperatur jedoch von Nordost nach Südwest rasch zu und erreicht Spitzen von 15 bis 24 Grad - die höchsten Werte entlang des Oberrheins.
In der Nacht zum Mittwoch kommt die modifizierte polare Luftmasse bis in den Süden der Republik voran. Daher verläuft die Nacht meist klar und trocken, wobei dank effektiver Ausstrahlung die Minima erneut weit zurückgehen. Besonders im Norden und Osten schläft der Wind im Verlauf der Nacht ein, sodass recht verbreitet mit leichtem Luftfrost zwischen 0 und -3 Grad zu rechnen ist. Bodennah dehnt sich die Frostluft bis zu den zentralen Mittelgebirgen aus, wobei im gesamten Osten auch mäßiger Frost in Bodennähe (bis -7 Grad) auftreten kann. Frostfrei bleibt es nur im äußersten Westen.
Im Süden dominiert dichte Bewölkung den Nachthimmel und am direkten Alpenrand kann es auch einige Tropfen Nass geben. Ansonsten schützt die Wolkendecke vor einer nachhaltigen Abkühlung, sodass auch hier die Nacht durchweg frostfrei verläuft (9 bis 4 Grad in 2 m Höhe).
Mittwoch... steigen das Geopotenzial und der Bodendruck von Norden weiter an, sodass deutschlandweit ein sonniger Tag zu erwarten ist. Die Ausnahme ist etwas Restbewölkung am direkten Alpenrand, sowie lockere Wolkenfelder im Nordosten. Niederschlag fällt keiner.
Am Südrand der Antizyklone gelegen verbleiben wir in einem recht ausgeprägten Bodendruckgradienten (12 hPa/450 km), sodass der Ost- bis Nordostwind im gesamten Süden und Südwesten im Tagesverlauf teils stark böig auffrischt (Bft 6 bis 7). PWs um 6 mm, ein T-Td spread von teils über 20 Kelvin und eine bis knapp 800 hPa durchmischte Grenzschicht sind bei einer Waldbrandstufe 3 bis 4 im Süden ein Hinweis, das bei Brandentwicklung mit rascher Ausbreitung zu rechnen ist. Im exponierten Bergland (Thüringer Wald, Hochschwarzwald) treten zudem wiederholt markante Böen (Bft 8) aus Ost auf. Im Norden weicht der Gradient rasch auf und dort kommt der Wind meist nur mäßig aus Nordost. Zum Abend kommt es im Tiefland zu einer raschen Entkopplung und Windabschwächung, während sonst der Wind weiterhin böig aus Ost weht.
Zudem wird am Südrand der Antizyklone nochmals kältere Luft in den Osten/Nordosten der Republik geführt, wo die Temperaturwerte in 850 hPa auf -2 bis -5 Grad zurückgehen (entspricht sub-10% Perzentilwerten zur Hintergrundklimatologie). Dies drückt die Maxima im Nordosten auf kühle bis milde Werte (10 bis 15 Grad), wobei die Deterministik deutlich unter den MOS-Verfahren liegt. Im Süden und Westen bleibt es mit 17 bis 23 Grad mild bis sehr mild.
Die Nacht zum Donnerstag hat nicht viel Neues zu bieten. Klar, trocken und kalt.
Dabei fokussiert sich aus heutiger Sicht die beste Ausgangslage für effektive Auskühlung auf den (verlängerten) Ast der Divergenzachse, die in Richtung Sachsen/Brandenburg gerichtet ist. Langwellige Ausstrahlung, eine polare Luftmasse und eine schwache Windbewegung ergeben verbreitet leichten bis lokal mäßigen Luftfrost (0 bis -5 Grad), bodennah möchte man in Richtung Lausitz gar vereinzelt strengen Frost bis -10 Grad nicht gänzlich ausschließen. Mäßiger Frost in Bodennähe ist im gesamten Osten ein Thema. Etwas unsicher gestaltet sich die Abkühlungsrate im Nordosten (Vorpommern bis Uckermark), die zunehmend auf die Nordflanke der Divergenzachse und somit in den Zustrom höhenmilder Luft gelangen. Zudem breitet sich in 850-750 hPa von der Ostsee eine feuchte Luftmasse süd- bis südwestwärts aus, die im Verlauf der 2. Nachthälfte auch den Nordosten in Form von dichter mittelhoher Bewölkung und Hochnebel erreichen kann. Dies könnte die Abkühlung dann bremsen. Dennoch muss je nach zeitlichem und räumlichem Eintreffen der feuchten Luftmasse mit Minima zwischen +3 und -1 Grad gerechnet werden, bodennah durchweg mit leichtem Frost bis -4 Grad.
Der Luftfrost betrifft auch die östlichen und zentralen Mittelgebirge, den Bayerischen Wald und das Alpenvorland, während es im Südwesten und Westen mit 7 bis 2 Grad in 2m Höhe frostfrei bleibt. Bodennah muss allerdings beinahe deutschlandweit mit leichtem Frost gerechnet werden.
Donnerstag... dominiert Hochdruckeinfluss. Im Osten ziehen anfangs noch dichte Wolkenfelder vorüber, die im Tagesverlauf rasch auflockern. Sonst scheint die Sonne ganztags bei Maxima zwischen 14 und 23 Grad (im östlichen Bergland sowie peripher der Ostsee etwas kälter). Die unveränderte Temperaturspanne bei den Höchstwerten haben wir der Lage des Bodenhochs zu verdanken, das nun über Norddeutschland liegt, sodass wir auch am Donnerstag noch auf dessen kalten Südflanke mit 850 hPa Temperaturwerte zwischen -2 bis +8 Grad (Ost nach West) verbleiben (von Westen rasch erwärmend).
Der Ostwind bleibt besonders im Südwesten ein Thema, wo dem Tagesgang folgend erneut ein böig auffrischender Wind zu erwarten ist (Bft 6 bis 7, exponiert Bft 8, im Hochschwarzwald auch mal die Bft 9). Erneut sei auf die sehr hohe Waldbrandgefahr hingewiesen (mittlerweile Stufe 4 bis 5 im Süden), wobei der Wind eine rasche Ausbreitung ermöglichen dürfte. Im Norden und Osten kommt dieser schwach bis mäßig aus Nordost bis Nord.
Für die Nacht zum Freitag kann man sich die Worte eigentlich sparen. Klar, trocken, mit örtlich auftretendem Luftfrost im Süden/Südosten. Sonst 2m Minima zwischen 9 und 1 Grad. Bodennah abseits vom Westen erneut leichter, im Osten/Südosten auch mäßiger Frost. Die Kammlagen der süddeutschen Berge weiterhin böiger Ostwind, Hochschwarzwald stürmisch.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle haben die Kurzfrist sehr gut erfasst, sodass es zu keinen größeren Abweichungen kommt. Einzig die Ausbreitung der Bewölkung in der Nacht zum Donnerstag im Nordosten wird noch recht variabel gezeigt. Allerdings erscheint ein Übergreifen der Bewölkung zumindest bis nach Vorpommern/Oderumfeld recht plausibel.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 27.04.2026 um 10.30 UTC
Erst ungestörter Hochdruckeinfluss. Ab Samstag von Westen etwas wechselhafter.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 04.05.2026
Heute soll die Mittelfrist dank der aktuell sehr ruhigen Ausgangslage mit einem kurzen Rückblick auf den vergangenen Winter 2025/26 beginnen, bevor Anfang Mai dann ein kleiner Ausblick auf den kommenden Sommer 2026 erfolgt.
Der Rückblick auf den Winter fußt auf den Ausführungen, die im entsprechenden Thema des Tages Mitte November vorgestellt wurden ( https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/11/16.html ). In der Folge richten wir unseren Fokus natürlich wieder auf die aktuelle Mittelfrist, zu der man auch direkt gelangt, in dem man zum Absatz "Aktuelle Mittelfrist" springt.
Der Sinn dieses kurzen Rückblicks ist der, den Nutzen der telekonnektiven Verfahren anzuschauen, deren Einflüsse über diverse Pfade aus den Tropen, Außertropen und der Stratosphäre auch zu uns gelangen. Zur Erinnerung, diese Tendenzabschätzungen beruhen nur auf Wahrscheinlichkeitsaussagen und geben einem Vorhersager im besten Fall eine Art "roten Faden" zur Hand, mit welchen vorherrschenden Druck-/Geopotenzialanomalien man vornehmlich zu rechnen hat. Aber genug der Worte. Wollen wir nun schauen, ob dieser "rote Faden" in diesem Winter gegeben war. Die Ausgangsbedingungen eingangs des Winters 2025/26 wurden im Thema des Tages vorgestellt und darauf aufbauend wurden folgende Aussagen getroffen.
"Fassen wir also zusammen: Einige der genannten Bausteine sehen im Vergleich zu den letzten Jahren günstiger aus für winterliche Intermezzi ab Mitte Dezember bis in den Januar hinein. [...] Es wird im Verlauf des Dezembers (Mitte/Ende Dezember) ein ansteigendes Potenzial für eine blockierende Antizyklone entweder im grönländischen oder skandinavischen Sektor hervorgehoben."
Diese Abschätzung beruhte auf der damals in Richtung Polarwirbel der Stratosphäre (SPW) vorhergesagten Wellendynamik, die eine Abschwächung des SPW erwarten ließ. In der Tat setzte sich Ende Dezember dieses Signal in Form einer absinkenden positiven Geopotenzialanomalie innerhalb der Troposphäre durch, wobei dieses Signal Anfang Januar durch eine konstruktiv interferierende "bottom-up" Entwicklung (bezüglich der Blockierung) gestützt wurde. Dies lies den gesamten Monat Januar sehr blockierungsfreudig dastehen mit einem deutlich negativen monatlichen AO Wert (der niedrigste seit Dezember 2022). Die Folge laut DWD Pressemitteilung vom 30.12.2025: "Pünktlich zu Weihnachten, das vielerorts das kälteste Fest seit 15 Jahren war, stellte sich eine östliche Strömung ein." Sowie die Mitteilung vom 30.01.2026: "Im Nordwesten Deutschlands war es, gemessen an der Zahl der Schneedeckentage, der schneereichste Januar seit 2010." Auch die NAO, die den Herbst 2025 über bereits in negativen Gefilden verlief erhielt nochmals einen Dämpfer und wies normalisiert Anfang Januar deutlich negative Anomaliewerte auf. Die u.a. durch die Entwicklung beim SPW hervorgerufene kräftige/blockierende Antizyklone wurde in der Reanalyse im Januar 2026 über das Europäische Nordmeer gelegt, allerdings erfassten die positiven Anomalien auch Grönland und Skandinavien. Was unterschätzt wurde war, wie umfangreich die negative Geopotenzialanomalie über Südwesteuropa ausfiel, die sich auch bei uns in Deutschland besonders im Westen und Süden mildernd auswirkte.
"Statistisch gesehen wirkt sich die periodisch wechselnde und sich nun in der östlichen Phase befindende QBO abschwächend auf den SPW aus."
Diese Tendenz eines schwächelnden SPW zog sich durch den Winter, sodass dessen Intensität in 10 hPa meist unter dem klimatologischen Mittel verblieb mit signifikanten Abschwächungsphasen vor allem Ende November und in Richtung Ende Februar. Etwas, was aber nicht abgeschätzt werden konnte war die Entwicklung des Polarwirbels in der Troposphäre (TPW), der ebenfalls sehr starke Abschwächungsphasen aufwies, die teils konträr zur Entwicklung des SPW verliefen und z.B. großen Einfluss auf die Amplitude der Blockierung im Januar hatte. Auch bei der flächenhaften Ausdehnung des SPW ergab sich bis weit in den Januar 2026 ein Wert nahe des absoluten Minimums. Einzig die Abschnitte "Anfang Januar" sowie "Ende Januar bis Mitte Februar" wiesen zum klimatologischen Mittel vergleichsweise normale Werte auf.
"Im Verlauf der jeweiligen Winter (ab dem Februar) erkennt man jedoch eine sich immer weiter ausweitende negative Bodendruckanomalie im Bereich des Nordpols, was sich auch mit einem stetig verstärkenden SPW deckt. Die Stärkung des SPW würde durch ein La Nina Ereignis gestützt werden, das einen kräftigeren und stabilen Polarwirbel (statistisch) fördert, der allerdings durch die östliche QBO immer wieder angegriffen werden kann."
Bei den u.a. auf den Ergebnissen von Gray et. al. (2004) erstellten Bodendruckanomalien im Vergleich mit den jeweiligen monatlichen Reanalysen stimmten die Abschätzungen für Dezember und Januar sowie für den März insgesamt sehr gut überein. Z.B. für den Januar ergab sich ein nahezu deckungsgleiches Bild zwischen der erwarteten und innerhalb der Reanalyse ermittelten Bodendruckanomalie mit Blick auf die Nordhemisphäre, was u.a. den in der Konstellation nicht selten eintretenden frühen Störungen beim SPW geschuldet ist.
Die Abschätzung klappte allerdings im Februar nicht, denn der normalerweise (bei dieser Konstellation der treibenden Kräfte) einsetzende Druckfall in Nordpolnähe fand in diesem Monat noch nicht statt. Diese Entwicklung wurde durch die top-down und vor allem kräftige bottom-up Entwicklung der positiven Geopotenzialanomalien verzögert und griff erst im März so richtig durch (mit einem kräftigeren negativen Dipol über Grönland). Somit dominierte im Norden Deutschlands bis weit in den Februar der kühlende Einfluss der high-latitude Blockierung, bevor sich dann im März die Milderung (mit temporären Abstrichen) besser durchsetzen konnte. Konträr zur Erwartung fiel die Intensität des SPW zum Ende des Winters schwächer aus, sodass der Wechsel zur positiven NAO erst im Übergang Februar/März nachhaltig etabliert werden konnte und der "Westdrang" im März (weiterhin gebremst) in Schwung kam.
Durch diese stark gestörte Zirkulation wurde eine deutlich nach Süden versetzte Frontalzone analysiert, die dem Westen und Süden von Europa einen sehr nassen Februar 2026 bescherte (Rekordnässe in Frankreich mit umfangreichen Überschwemmungen in Spanien, Portugal und Nordafrika, wobei in Marokko aber dadurch auch eine mehrjährige Dürre abgemildert wurde.) In Spanien war es der nasseste Januar/Februar Abschnitt seit 1996 und in Portugal war es der nasseste Februar seit mindesten 47 Jahren. Wir hier in Deutschland, die südlich eines zu trockenen Skandinaviens und dem nassen Südeuropa "zwischen den Stühlen" lagen, hatten eher mit wiederholt auftretende gefrierenden Niederschlagsereignisse zu kämpfen, die abwechselnd unterschiedliche Regionen betrafen. Dieser zeitliche Abschnitt zeigt, wie wichtig es ist solch anormalen Strömungsverhältnisse so früh wie möglich abschätzen zu können, was in dem Fall aber weniger im Voraus, sondern erst während der Entwicklung des Ereignisses absehbar war. Die Vorhersagen vom C3S (Multi-System Produkt von Copernicus) vom Dezember 2025 und Januar 2026 fielen für Februar 2026 z.B. in Richtung Südwesteuropa gar noch etwas zu trocken aus (aus probabilistischer Sicht).
Zuletzt sei noch der damals angehängte Hinweis bezüglich der Entwicklung in Kanada/Alaska erwähnt, da sich hier die Entwicklung des SPW nicht selten direkt auswirkt.
"[...] Wellenreflexionen entlang des SPV. Letztere würden den Bodendruck im Bereich der Aleuten ebenfalls tendenziell erhöhen. Kanada, am Ostrand dieser positiven Druckanomalie gelegen, wäre daher gut positioniert für wiederholt auftretende, intensive Kaltluftausbrüche."
Beinahe durchweg war der Bodendruck innerhalb der Reanalyse im Bereich der Aleuten erhöht (im Februar gar bis weit auf den Nordpazifik ausgreifend). Wiederholte und kräftige Kaltluftausbrüche waren im Hochwinter die Folge, was z.B. dem Staat Alaska den kältesten Februar seit 2021 und den viert kältesten in den letzten 25 Jahren bescherte (ERA5). Ansonsten allerdings dominierte z.B. in Kanada aber auch der Einfluss einer sich abschwächenden La Nina mit teils extremen Schneefällen z.B. in Neufundland und Toronto, während Vancouver einen nahezu schneefreien Winter erlebte.
Zusammengefasst kann man sagen, dass einen die Hinweise der Telekonnektion in der Tat recht gut durch die Entwicklung des Winters geführt haben. Natürlich kam es zu teils gröberen Abweichungen und Unschärfen, vor allem durch die dynamischen Entwicklungen innerhalb der Stratosphäre hervorgerufen, aber auch solche Störungen lassen sich im Kontext eines vorherrschenden Gesamtbildes leichter einordnen.
AKTUELLE MITTELFRIST (Donnerstag, der 30.04. bis Montag, der 04.05.2026)
Machen wir nun den Sprung in Richtung "aktuelle Mittelfrist", so erkennt man, dass die Nachwirkungen des (im März) gestörten SPW nun mittlerweile nachlassen, allerdings noch weiter nachhallen. Das bedeutet nun einen recht undankbaren Ist-Zustand innerhalb der Numerik, wo einerseits ein Durchbruch von West versucht wird, die Numerik aber immer wieder restliche blockierungsfreudige Signale des SPW bis weit in den Mai richtig verarbeiten muss. Die Folge ist ein recht volatiles Verhalten innerhalb der subsaisonalen Vorhersagen (z.B. innerhalb der Häufigkeitsverteilung der zu erwartenden Wetter-Regime, die im Vorlauf noch NAO+ lastig waren und nun Ende Mai wieder in Richtung "Blockierung" abdriften). Die Folge ist eine erhöhte Unsicherheit, wobei hier zunehmend "auf Sicht" gefahren werden muss. Auf jeden Fall sollten weitere "high-latitude" Blockierungslagen mit teils cross-polarer Strömung bis weit in den Mai nicht verwundern, wenngleich die Jahreszeit hier mildernd eingreifen dürfte. Auch die in der Fläche anormal feuchten subsaisonalen Vorhersagen für Skandinavien im Mai sollten dadurch (in der Fläche) zumindest hinterfragt werden.
Auf synoptischer Bühne starten wir mit einer kräftigen und blockierenden Antizyklone, die im Verlauf der Mittelfrist unter Abschwächung nach Südost wandert und einem Trog über Nordwesteuropa mehr Spielraum gewährt (ggf. auf Deutschland übergreifend). Diesbezüglich gibt es aber noch erhebliche Unsicherheiten, die im Abschnitt "IFS-Konsistenz" beschrieben wurden.
Am Donnerstag und Freitag dominiert daher weiterhin störungsfreies Hochdruckwetter. Der Höhenkeil wandert südostwärts und liegt zum Freitag vollumfänglich über Deutschland, während bodennah die Antizyklone unter Abschwächung von Norddeutschland nach Südosten wandert. Die vorhandene und alternde subpolare Luftmasse in Verbindung mit kräftigem Absinken und insgesamt niedrigen Feuchtewerte innerhalb der Troposphäre sorgen für zwei sonnige Tage mit nur wenigen lockeren Wolkenfeldern im Nordosten und peripher des Bayerischen Waldes. Über Niederschlag muss nicht gesprochen werden.
In der Folge wandert der Keil unter kontinuierlicher Abschwächung nach Südosten weiter, während stromauf über Nordwesteuropa Druck und Geopotenzial stärker fallen. Dies würde uns nach längerer Zeit mal wieder auf eine Art Trogvorderseite bringen, in der feucht-labile Luftmassen nach Deutschland strömen, deren Trajektorien aber über die Iberische Halbinsel/Westeuropa führend eher auf mäßige Feuchtewerte hinweisen. Das würde sich ebenfalls dämpfend auf die Labilität auswirken. Markante Gewitter sind aber regional sicherlich vorstellbar (Regen und Wind).
Der Wind startet am Donnerstag noch aus der Antizyklone ausfließend über Süd-/Südwestdeutschland stark böig, exponiert mit stürmischen Böen und im Hochschwarzwald entlang der Inversion auch mit Sturmböen (Bft 9) aus Ost. In der Folge schwächt sich der Ostwind ab und dreht zunehmend auf Südwest, wobei dann abseits der Konvektion mit keinen warnrelevanten Böen zu rechnen ist.
Die Temperaturwerte steigen von Donnerstag (17 bis 22 Grad, mild bis sehr mild) bis Samstag (20 bis 26 Grad, mäßig warm bis warm) mit zunehmender WLA an, bevor es zum kommenden Wochenbeginn wieder auf mäßig warme Werte von 17 bis 22 Grad abkühlt.
Die Nacht zum Freitag wird erneut sehr frisch (örtlich Luftfrost im Süden und Osten, allerdings verbreitet leichter, im Osten auch mäßiger Frost in Bodennähe), bevor es in der Folge zu einer deutlichen Frostabschwächung kommt. In der Nacht zum Sonntag sollte nur noch im Süden/Südosten regional leichter Frost in Bodennähe auftreten, in der Folge bleibt es dann vorerst frostfrei (2m Minima dann zwischen 10 und 7 Grad).
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Das grundsätzliche Trog-Keil-Trog-Muster über Europa wird recht einheitlich berechnet, was besonders für den Keil über Mitteleuropa und den Langwellentrog über Osteuropa zutrifft. Während sich der Keil sukzessive abschwächt, wandelt sich der Trog über Osteuropa in ein umfangreiches Höhentief um, wenngleich noch unsicher ist, inwieweit ein vollständiger Abtropfprozess eingeleitet wird und wie stationär dieser über Südosteuropa liegen bleibt, oder in Richtung Schwarzes Meer weiterzieht.
Größere Diskrepanzen ergeben sich bei dem sich strukturierenden Langwellentrog über Nordwesteuropa. Zum Beginn dieser Mittelfrist erfolgt vor Irland das Einbinden eines Tiefdruckgebietes in einen polseitig ostwärts schwenkenden Island-Trog, nun aber etwas östlicher als in den Vorläufen berechnet. Dadurch wird mehr Energie in den Trog eingebunden, sodass dieser deutlich östlicher vorankommt und ausgangs der Mittelfrist mit seiner Achse über Deutschland zu verorten ist. Dies wird auch durch rascheren Geopotenzialabbau des Höhenkeils über Mitteleuropa gestützt.
Vergleicht man diese Lösung mit den vorherigen, ergibt sich ein recht durchwachsenes Bild bezüglich der Geopotenzialentwicklung. Wenngleich die Unsicherheiten im IFS-ENS z.B. beim Geopotenzial peripher dieses Troges insgesamt nachgelassen haben, so ergeben sich noch nennenswerte Diskrepanzen beim entscheidenden Einbindungsprozess des genannten Tiefs in den Trog mit maximalen (Geopotenzial)Unsicherheiten in dessen Südostquadranten. Da deutet auf ein möglicherweise eher verzögertes Einbinden hin und hätte doch ein weniger progressives Vorankommen zur Folge. Dies wird mittlerweile auch im neuen Modelllauf vom 27. April (00Z) übernommen. Dabei tropft der Trog vor Mitteleuropa erneut ab, was eine quer über Deutschland liegende aktive/niederschlagsreiche Luftmassengrenze zur Folge hätte. Es müssen nun noch die nächsten Modellläufe abgewartet werden, bevor ein kohärentes Bild entsteht.
AIFS schert den nach Deutschland ziehenden Trog ebenfalls stark mit dem Resultat einer wellenden Luftmassengrenze über Deutschland, während ein Teil der Energie nach Südwesten abtropft.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Mit Blick auf die anderen Globalmodelle ergeben sich bezüglich des Ablaufs und der fokussierten Unsicherheiten keine größeren Abweichungen. Sprich: Die Abschwächung des Keils, wie auch die Annäherung eines Troges von Westen sind in allen Modellen vorhanden, allerdings mit nennenswerten Intensitäts- und Platzierungsdiskrepanzen. Dies verwundert aber nicht, stellt sich doch die bis dato blockierungsfreudige Strömung nun erstmal etwas um. Die größten Auswirkungen dieser Unsicherheiten könnten sich auf den Samstag auswirken, der je nach Progressivität des Troges und der begleitenden Front stabiler oder labiler über die Bühne gehen kann (besonders den Osten der Republik betreffend).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Unsicherheiten mit dem Übergreifen des Troges zum Wochenende/kommenden Wochenbeginn noch als erheblich anzusehen sind, zumal die Geopotenzialgradienten insgesamt deutlich aufweichen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Analyse der Cluster vom IFS-ENS beginnt mit 4 Clustern und dem einheitlichen Regime der "Blockierung". Für Deutschland ergeben sich dabei keine nennenswerten Diskrepanzen.
In der Folge (Freitag bis Sonntag) heben drei Cluster einen raschen Wechsel bei der klimat. Regimevorhersage von "Blockierung" zu "positiver NAO" hervor. Dabei ergeben sich noch nennenswerte Unsicherheiten bei der Intensität des Keils, der zunehmend von Süd- nach Osteuropa gerichtet ist sowie beim Einbinden des Tiefs in den Island-Trog (im Ensemble eh zu stark geglättet und abgeschwächt). Grundsätzlich sollte es nicht überraschen, wenn der Trog eher zu einem "Streifschuss" abgeschwächt wird mit höherem Geopotenzial im Süden und Osten der Republik. Dennoch kann nach allen Lösungen am Westrand des Keils eine feuchtere/labiler geschichtete Luftmasse nach Deutschland advehiert werden, was uns etwas vom dringend benötigten Regen in Form von Konvektion bringen sollte - natürlich mit den typischen regionalen Niederschlagsgradienten und fragwürdigen Gesamtmengen.
Zum Ende der Mittelfrist und dem Beginn der erweiterten Mittelfrist (Montag bis Mittwoch) weichen die Geopotenzialgradienten in dem einzigen vorgeschlagenen Cluster weiter auf und Deutschland befindet sich peripher eines diffusen Sattelpunktes innerhalb eines Viererdruckfeldes mit zunehmender Blockierungstendenz über dem östlichen Europa. Trotz seichten Geopotenzialanstiegs könnte eine bei uns liegende Front in Verbindung mit der feucht-labilen Luftmasse für weiter Niederschläge gut sein.
Die Unsicherheiten nehmen in der Folge weiter zu und brauchen hier nicht weiter beleuchtet zu werden.
Die Meteogramme in Deutschland heben das Ende der wolkenarmen und trockenen Phase hervor, wobei besonders am Sonntag deutschlandweit konvektive Signale vorhanden sind (von Nord nach Süd zunehmend). Da die konvektive Natur und ggf. frontale Verstärkung eher regional für mehr Nass gut sein dürften, wird mit Sicherheit nicht überall mit einer Linderung der trockenen Verhältnisse zu rechnen sein. Bezüglich der Höchstwerte sollte das kommende Wochenende zunehmend sommerliche Maxima bieten, die je nach Lage des Troges und der Front von West nach Ost mehr oder weniger aggressiv angeknabbert werden.
Die Rauchfahnen bei der H85 Temperatur und beim H5 Geopotenzial laufen gebündelt mit einem recht gut eingebetteten Kontrolllauf. Allerdings fällt zum Ende der Mittelfrist auf, dass der Kontrolllauf bei beiden Parametern teils deutlich am unteren Ende der Memberschar verläuft und somit eine wärmere/antizyklonaler geprägte Witterung innerhalb vom ENS als wahrscheinlicher angesehen wird. Ein Signal, dass sich natürlich auch noch weiter hemmend auf die Niederschlagsprognose für diesen Abschnitt auswirken kann.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI hebt während dieser Mittelfrist nur den anfangs böigen Ostwind hervor (Bft 7, exponiert Bft 8 und im Hochschwarzwald auch die Bft 9), der jedoch in der Folge rasch nachlässt. Nachfolgend wird nur die etwas zu warme Luftmasse mit erhöhten EFI Werten über weiten Bereichen Deutschlands abgebildet.
Bezüglich der ab dem Wochenende zunehmenden Gewittergefahr sind markante Entwicklungen natürlich vor allem bezüglich lokalen Starkregens und der Böen hier und da vorstellbar. Allerdings sorgen die vom westlichen Mittelmeer über die Iberische Halbinsel und Frankreich verlaufenden Trajektorien für einen überschaubaren Feuchtetransport, der sich auch mäßigend auf die Labilität auswirkt. EFI Hinweise diesbezüglich sind nur sehr schwach vorhanden.
Hinweis: Besonders in der Nacht zum Freitag droht nahezu deutschlandweit, in der Nacht zum Samstag im Süden und Osten nochmals leichter Frost in Bodennähe, der in der Nacht zum Freitag lokal auch mäßig ausfallen kann. Aber der Nacht zum Sonntag tritt dann nur noch im Süden lokal leichter Frost in Bodennähe auf, der in der Folge endgültig abklingt.
Basis für Mittelfristvorhersage
GEFS, IFS-ENS, IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





