Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 20.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: S/SEa
Ruhige Hochdruckrandlage; trockenkalt mit mäßigen, im Südosten auch strengen Nachtfrösten.
Im Norden auffrischender Ostwind, an exponierten Küstenabschnitten am Donnerstag stürmischer Böen.
Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag im Westen/Nordwesten lokal gefrierender Regen nicht ganz ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... befindet sich Deutschland an der Westflanke eines von der Ägäis bis zur mittleren Ostsee reichenden Höhenrückens. Dieser wiederum stützt unser nun schon seit einiger Zeit wetterbestimmendes Hochdruckgebiet "CHRISTIAN" über Südosteuropa, von dem ausgehend eine Hochdruckzone bzw. besser: Hochdruckbrücke über Weißrussland und das Baltikum bis nach Nordskandinavien reicht. Flankiert wird der Rücken von Höhentrögen über Nordwestrussland und über dem nahen Ostatlantik, wodurch sich eine klassische Blockadesituation ergibt. Somit gelangt unterhalb einer um 900 hPa gelegenen Absinkinversion (darüber, in 850 hPa, herrschen Temperaturen zwischen +2 und +5 Grad) nach wie vor von Südosten her trockene und mäßig kalte Festlandsluft ins Vorhersagegebiet. Lediglich in den Niederungen West- und Südwestdeutschlands konnte die etwas feuchtere Luftmasse mit Taupunkten um bzw. knapp unter 0 Grad noch nicht komplett ersetzt werden, so dass sich dort in der vergangenen Nacht erneut Hochnebel-, bzw. in den Randzonen zu den klaren Regionen auch dichte Bodennebelfelder ausgebreitet haben, die sich auch tagsüber nicht überall auflösen werden.
Ansonsten beginnt der Tag aber gering bewölkt bzw. sonnig. Mit Ausnahme einiger Niederungen West- bzw. Südwestdeutschlands gab es verbreitet leichten, im Südosten auch mäßigen, in einigen "Kältelöchern" dort strengen Nachtfrost. Im Tagesverlauf wird der Höhenrücken sowohl von Westen als auch von Nordosten ein wenig in die Zange genommen, wirkt aber nach wie vor blockierend. Ein kleinräumiges Höhentief (ebenso das zugehörige Bodentief "JAQUELINE") vor der Irischen Westküste kommt allmählich nordwärts voran, der zugehörige, zunehmend scharf konturierte Trog greift auf die Biskaya über. Gleichzeitig verlagert sich an der Westflanke des Höhentroges über Nordwestrussland ein Randtrog südwärts Richtung Baltikum, wodurch der Rücken etwas nach Süden abgedrängt wird. Rückseitig des Troges kann sich durch KLA und Absinken aber über Nordskandinavien bereits wieder eine neue Höhenantizyklone etablieren. Diese Prozesse gehen zwar mit leichtem Geopotenzialverlust bzw. Druckfall im Bodenfeld über dem Vorhersagegebiet einher, dennoch bleibt der Rücken so robust, dass er nach wie vor jeglichen Zugriff atlantischer Frontensysteme auf Kontinentaleuropa vorerst blockiert. Es reicht lediglich für ein paar hohe Wolkenfelder, die über die Westhälfte des Landes hinwegziehen, sonst scheint - abgesehen von einigen Hochnebelfeldern im Westen/Südwesten - allgemein die Sonne. Vor allem an den östlichen Mittelgebirgen weht anfangs noch lebhafter Südostwind, der in den entsprechend anfälligen Tälern und in den Kammlagen warnrelevant ist mit Böen Bft 7, exponiert Bft 8. Im Tagesverlauf nimmt er zwar langsam ab, vor allem im Ostelbtal sowie im Zittauer Bergland kann es aber noch bis in die kommende Nacht hinein für einzelne steife Böen reichen. Trotz Sonnenscheins gibt es im Nordosten sowie im östlichen Bayern gebietsweise leichten Dauerfrost, auch unter dem Hochnebel im Südwesten bleibt es frostig kalt. Sonst liegen die Maxima meist zwischen 0 und 4 Grad, in Teilen von NRW sowie in mittleren Höhenlagen der südwestdeutschen Mittelgebirge und im höheren Alpenvorland werden mildere 4 bis 8 Grad erreicht, örtlich (Hügel im Alpenvorland) vielleicht sogar an die 10 Grad.
In der Nacht zum Mittwoch kommt der Kurzwellentrog über der Biskaya nordost-, später nordwärts Richtung England und Ostausgang des Ärmelkanals voran, während der Randtrog nördlich vom Baltikum Verbindung zu einem Höhentief bzw. Kaltlufttropfen über Südschweden aufnimmt. Dadurch zieht sich der Höhenrücken weiter nach Südosteuropa zurück, während sich das Höhenhoch über Nordskandinavien verstärkt. Beide bleiben in Form einer flachen, über das Vorhersagegebiet hinwegreichenden Potenzialbrücke verbunden. Im Bodenfeld schwächt sich Hoch "CHRISTIAN" weiter ab und zieht sich südostwärts zurück, während der Druck über Skandinavien langsam steigt. Im Vorhersagegebiet setzt sich der leichte Druckfall dagegen vor allem im Westen fort, das okkludierte Frontensystem des Bodentiefs "JAQUELINE" streift noch den Nordwesten Frankreichs bzw. Belgien, ehe es über die südwestliche Nordsee nordwärts zieht. Somit ziehen zwar zeitweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder über den Westen und Nordwesten Deutschlands hinweg, es bleibt aber trocken. Durch den Druckfall kann sich ein Hochnebelfeld über Dänemark eventuell auch bis in den Norden von Schleswig-Holstein ausweiten. Ansonsten bleibt es aber wolkenlos bzw. gering bewölkt, lediglich in den Niederungen Südwest- und Westdeutschlands halten sich Nebel- bzw. Hochnebelfelder und können sich noch etwas ausweiten. Mit dem Druckfall im Westen verschärft sich vor allem über Nordwestdeutschland der Gradient und im Nordseeumfeld frischt der Wind aus Ost bis Südost auf. Morgens reicht es auf Helgoland eventuell für erste steife Böen. Auch Richtung Ostelbtal kann es noch einzelne Böen Bft 7 geben.
Erneut steht eine frostig kalte Nacht ins Haus. Lediglich ganz im Westen, am Niederrhein, und auf den Ostfriesischen Inseln bleibt es teilweise frostfrei. Sonst gibt es leichten bis mäßigen, im Südosten auch relativ verbreitet strengen Frost. Glätte ist angesichts der trockenen Luftmasse kaum Thema, am ehesten kann es noch in den Nebelregionen West- bzw. Südwestdeutschlands durch gefrierende Nässe stellenweise glatt werden.
Mittwoch... schwenkt der Kurzwellentrog über England, Schottland bzw. die westliche Nordsee nordwärts, ein weiterer Trog erreicht am Abend samt Bodentief "KIRSTIN" das Seegebiet südlich von Irland, wodurch der von Südgrönland bis zur Biskaya reichende Langwellentrog regeneriert wird und sich Richtung Iberische Halbinsel ausweiten kann. Der Randtrog über dem Baltikum und Südschweden kann sich noch etwas verstärken und sich ein wenig nach Westen vorarbeiten. Somit setzt sich der Druckfall über dem Vorhersagegebiet weiter fort und über die Mitte des Landes hinweg arbeitet sich eine flache Rinne ostwärts vor. Gleichzeitig dauert der Druckanstieg vor allem über Nordskandinavien an, wodurch sich der Gradient über Norddeutschland weiter verschärft. Über der Nordsee gibt es nun etwas verbreiteter steife Böen aus Ost, eventuell auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.
Atlantische Frontensysteme werden aber nach wie vor blockiert und drehen vor Kontinentaleuropa nordwärts ab, eventuell streift die Okklusion von "JAQUELINE" aber noch den äußersten Westen Deutschlands nicht nur mit dichteren Wolkenfeldern, sondern auch mit etwa Regen im Westen von NRW (nach Lesart des ICON-EU; GFS und IFS lassen es trocken). Auch von Norden her kommt dichte, stratusähnliche Bewölkung etwas weiter nach Süden voran und erfasst neben dem Norden von Schleswig-Holstein eventuell auch noch Rügen. Ansonsten scheint aber erneut überwiegend die Sonne, lediglich in einigen Niederungen West- und Südwestdeutschlands hält sich der Hochnebel. Dort sowie im Nordosten und im östlichen Bayern gibt es Dauerfrost (im Nordosten gewinnt die kalte Grundschicht auch etwas an vertikaler Mächtigkeit), sonst liegen die Höchstwerte meist zwischen 0 und 4 Grad, in Teilen von NRW, in höheren Lagen der südwestdeutschen Mittelgebirge und im höheren Alpenvorland zwischen 4 und 8 Grad.
In der Nacht zum Donnerstag arbeitet sich der Höhentrog südlich von Irland über die Biskaya nach Westfrankreich vor, wird aber nach wie vor blockiert, verliert an Kontur und amplifiziert Richtung westliches Mittelmeer. Die Höhenantizyklone über Nordskandinavien bzw. dem angrenzenden Nordmeer zieht sich ein klein wenig nach Norden zurück, wodurch sich der nach Südschweden gerichtete Randtrog etwas nach Westen ausweiten kann und schließlich in etwa über der Südspitze Schwedens erneut als Kaltlufttropfen austropft.
Über dem Vorhersagegebiet fällt der Bodendruck weiterhin, während das nun vom Ural bis nach Nord- und Mittelskandinavien reichende Hochdruckgebiet unverändert kräftig bleibt. Das führt zu einer weiteren Gradientverschärfung über Norddeutschland, so dass es neben steifen über der offenen Nordsee, also auf Helgoland sowie eventuell auch im Bereich der Ostfriesischen Inseln auch für einzelne stürmische Böen aus Ost bis Südost reicht. Ansonsten ändert sich nur wenig: Über den Westen und Nordwesten des Landes ziehen zeitweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder hinweg, es sollte aber weitestgehend trocken bleiben. Mit dem sich etablierenden Kaltlufttropfen wird die kalte Grundschicht über dem Nordosten weiter angehoben, in 850 hPa sinkt die Temperatur dort auf 0 bis -4 Grad. Somit kann sich die dichte Bewölkung etwas weiter landeinwärts ausweiten und erfasst wahrscheinlich weite Teile Schleswig-Holsteins sowie Vorpommerns. Bis auf etwas Schneegriesel sollte es aber auch dort trocken bleiben. In den Niederungen Südwestdeutschlands hält sich weiterhin der Hochnebel bzw. Nebel, ansonsten zeigt sich der Himmel aber klar bzw. gering bewölkt. Somit ändert sich an den Minima und auch an der entspannten Glättesituation gegenüber der Vornacht kaum etwas, im Südosten gibt es erneut relativ verbreitet strengen Frost.
Donnerstag... kommt der kleine Kaltlufttropfen an der Südflanke der nach wie vor quasistationären Höhenantizyklone nach Lesart des ICON-EU bis zum Abend zur Kimbrischen Halbinsel voran. An dessen Südflanke fallen über dem Norden und Nordwesten Schleswig-Holsteins eventuell ein paar Schneeflocken oder es gibt einzelne Schneeschauer, die Neuschneemengen sind aber nicht weiter nennenswert. Der Höhentrog über Westfrankreich verliert an Kontur und kommt bei weiterer Amplifizierung Richtung Algerien nur noch wenig nach Osten voran. Über Deutschland herrschen somit nur noch schwache Potenzialgegensätze und insgesamt weist das Geopotenzialfeld eine leicht antizyklonale Kontur auf. Im Bodenfeld kann sich die nun über West- nach Süddeutschland reichende flache Tiefdruckrinne noch etwas verstärken, während sich an Lage und Ausrichtung der Hochdruckzone über dem fennoskandischen Raum kaum etwas ändert. Somit nimmt der Wind im Norden noch etwas zu; an den Küsten von Nord- und Ostsee gibt es nun verbreitet steife, über Helgoland und auf den Ostfriesischen Inseln auch stürmische Böen aus Ost.
Mit dem auffrischenden Wind kann sich bodennah nun die kalte Frostluft vor allem über der Norddeutschen Tiefebene weiter nach westen ausbreiten, so dass es von der Osthälfte bis weit nach Niedersachsen hinein wohl für Dauerfrost reicht, auch in Ostbayern gibt es weiterhin Dauerfrost. Sonst liegen die Höchstwerte zwischen 0 und 4 Grad, im Lee der westlichen Mittelgebirge, also vor allem in Teilen von NRW und im höheren Schwarzwald, wird es mit 4 bis 8 Grad milder. Mit Durchschwenken einer schwachen Warmfront bleibt es im Westen und Nordwesten nach wie vor eher bewölkt, ICON-EU simuliert im Emsland sogar ein paar Regentropfen, wobei dann die gefrierende Phase nicht ganz ausgeschlossen ist. Ansonsten ändert sich aber nur wenig: Eventuell hält sich in einigen Niederungen Südwestdeutschland noch beständig der Hochnebel, dann gibt es auch dort leichten Dauerfrost. Auch in die östlichen und ostbayerischen Mittelgebirge kann vom Böhmischen Becken her vielleicht Nebel/Hochnebel schwappen. Vor allem im Süden und Osten sowie in Teilen der Mitte scheint aber die Sonne.
In der Nacht zum Freitag zieht der KLT über die Nordsee hinweg westnordwestwärts und wird schließlich Teil des Langwellentrogkomplexes vor Westeuropa. Dieser wiederum wird durch immer wieder von Nordwesten her einlaufende und abtropfende Randtröge regeneriert, ein kleinräumiges kräftiges Höhentief erreicht samt einer interessanten Sturmtiefentwicklung im Bodenfeld (das Tief weist einen symmetrischen und warmen Kern auf, man könnte meinen, es handelt sich um ein subtropisches Tief) morgens das Seegebiet vor der bretonischen Küste. Über dem Vorhersagegebiet ändert sich dabei an der Gemengelage nur wenig. An den Küsten weht unverändert kräftiger Ostwind, der tendenziell sogar eher noch ein klein wenig zunimmt. Über den Westen und Nordwesten ziehen zeitweise dichte Wolkenfelder, aus denen einige Modelle vom Niederrhein und dem Münsterland bis ins Emsland auch etwas Regen simulieren, der im Falle des Falles auch gefrieren kann. Eine überregionale Glatteisregenlage ist aber keinesfalls in Sicht, zumal es dort gebietsweise auch frostfrei bleibt. In Schleswig-Holstein kann es mit dem abziehenden KLT anfangs vielleicht noch ein paar Schneeflocken geben. Nach Osten und Süden zu bleibt es gering bewölkt bzw. wolkenlos, im Südwesten hält sich gebietsweise Nebel bzw. Hochnebel. Verbreitet gibt es Frost, im Südosten und Osten gebietsweise auch streng.
Modellvergleich und -einschätzung
Mal abgesehen von Kleinigkeiten (eventuell etwas Regen im Westen und Nordwesten am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag) simulieren die Modelle allesamt ein sehr ähnliches Szenario.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 20.01.2026 um 10.30 UTC
Meist stabil, nur zeitweise/regional leicht wechselhaft. Im Westen anfangs mild, sonst mäßig kalt bis kalt. Nächte frostig. Küsten anfangs stürmischer Ostwind.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 27.01.2026
Es steht eine mittelfristige Wetterlage an, die aus Sicht eines Vorhersagers als spannend und komplex einzustufen ist (mit Blick auf Europa). Wir leiten die heutige Mittelfrist mit einem kurzen Rückblick ein, wie wir zur aktuellen Ausgangslage gekommen sind, um darauf aufbauend die neue Mittelfrist aufzuspannen. Wie immer kann dieser Überblick übersprungen werden - unter "Aktuelle Mittelfrist" wird die uns betreffende Mittelfrist beschrieben.
Kurzübersicht aktuell:
MJO: mit mäßiger Amplitude von Phase 6 zu 7 wandernd (Real-time multivariate, RMM)
NAO: negativ. Vorhersage negativ, aber abschwächend mit großer Streuung zu neutral/leicht positiv
AO: deutlich zu negativ und mit großer Streubreite der Member teils noch weiter absinkend
Schauen wir auf die Aussagen der Tendenzabschätzung vom 28.12.2025: "[...] der Weg im Januar wird wohl eine Mischung aus diesen Signalen sein: zunehmender Westdrang (u.a durch einen sich erholenden und besser positionierenden kanadischen TPV), jedoch bei richtig angesetztem Wellenbrechen mit gröberen Störungsimpulsen, die für winterliche Überraschungen gut sein können."
In der Tat gab Anfang Januar ein bis dato die Westdrift blockierender Keil über dem Nordatlantik nach und machte einer schwachen Westdrift Platz, die nach der NAO Analyse wenigstens zeitweise einen neutralen Wert erreichte und uns u.a. die warnaktiven Tiefdruckpassagen von "ELLI" und "GUNDA" bescherte.
Bereits zum Ende der ersten Januarwoche deutete sich für Ende Januar erneut die Tendenz zu einer über Skandinavien ansetzenden blockierungsfreudigeren Ausgangslage an, u.a. dank einer günstigen MJO Passage von Phase 6 zu 7 oder 8. Die Zuversicht für eine Blockierung war höher als üblich, da die Hintergrundbedingungen für die Ausbildung von blockierenden Antizyklonen weiterhin vorhanden waren.
Eine der genannten Hintergrundbedingungen war (und ist auch noch) die von Ende November 2025 weiterhin nachhallende Störung des Polarwirbels in der Stratosphäre (SPV), die (von der Dauer nicht ungewöhnlich) noch weiter absinkt/anhält und den TPV erfasst hat. Diese "top-down" Entwicklung war abzusehen. Unsicher war, inwieweit der weiterhin sehr schwache Polarwirbel in der Troposphäre im Verlauf des Januars zu einer Blockierung hingerissen wird. Bereits Ende der ersten Januarwoche wurde ein günstiges Wellenbrechen für eine Blockierung im Bereich Skandinaviens angedeutet und seitdem beständig innerhalb der Numerik mitgetragen. Diese Beständigkeit ist nicht nur das Resultat einer brechenden Rossbywelle, sondern hebt auch eine mögliche Fernwirkung des MJO Signals hervor, was bei vorherrschenden (abklingenden) La Nina Bedingungen (negative ONI und somit weiterhin gekoppelt) statistisch gestützt wird. Allerdings ist deren Einfluss aktuell etwas unsicher, da die MJO sehr lange stationär in Phase 6 verblieb, wohin gehend ein progressiveres Verhalten für die Ausbildung eines außertropischen Wellenzuges günstiger gewesen wäre (im zonalen Wellenfluss bisher kaum erkennbar, allerdings mit einem deutlichen Einfluss auf den Nordpazifikjet).
Abseits dieses Nachhalls von oben ("top-down" Entwicklung), sorgte nun die konstruktive Interferenz durch die "bottom-up" Entwicklung aus der Troposphäre heraus (u.a. Wellenbrechen) für beeindruckende Signale bezüglich einer kräftigen und weit nördlich ansetzenden Blockierungslage, die sich durch eine sehr tiefe AO und (gemittelt über die nordhemisphärische Troposphäre) anormal hohe positive Geopotenzialabweichungen äußert. Zudem geht die zonal gemittelte Zonalwindgeschwindigkeit im oberen Bereich der Troposphäre weiter zurück und erreicht auch im IFS-ENS Werte nahe des klimatologischen Rekords. Innerhalb von MERRA2 erreichen wir bei den gemittelten Zonalwinden in 100 hPa zeitweise Rekordwerte, während wir in 10 hPa um/über dem Mittel liegen - was kann deutlicher die entkoppelte Natur des Polarwirbels aktuell hervorheben.
Trotz dieser nun überbordenden Signale einer kräftigen Blockierung sind auch hier Feinheiten weiterhin entscheidend. Z.B. war früh zu erkennen, dass die v.a. "bottom-up" induzierte und top-down bzw. ggf. per MJO Fernwirkung forcierte Blockierung über Skandinavien/Grönland Probleme bezüglich ihrer Intensität haben würde, da von einigen cut-offs unterlaufen (was kräftige WAA/WCB und negativen PV Transport mindert). Diese Entwicklung hätte uns (wie zur ersten Monatsdekade in Modellberechnungen für Ende des Monats angedeutet) direkt eisige Luftmassen aus Skandinavien heranführen können. Doch noch vor der Monatsmitte änderte sich die Zuversicht der physikalischen Modelle bezüglich des direkten Einbeziehens dieser gefriertruhentauglichen Luftmassen. Was war geschehen?
Am 12. Januar 2026 war im IFS-ENS auf einmal eine deutliche Zuversicht zu erkennen, dass sich ein gröberes Reflexionsereignis entlang des SPV anbahnen würde. Dieses Signal wurde in den Folgeläufen bestätigt und bezüglich Amplitude und Dauer noch weiter ausgebaut. Statistisch gesehen folgt solch einer Entwicklung eine allgemeine Reduktion des Geopotenzials über dem Nordatlantik mit steigendem über Alaska (was die Reduktion der aktuell vorherrschend positiven PNA Anomalie erklärt, die dadurch retrograd verlagert wird). Eine klassische Folge von dieser Entwicklung ist eisige Kanadaluft im Norden/Osten Nordamerikas (aktuell in der Mache).
Für uns hatte diese Entwicklung besonders innerhalb der physikalisch angetriebenen Modelle die Zunahme des Einflusses vom Nordatlantik zur Folge, wo kräftige Zyklonen immer östlicher an Westeuropa herangetragen wurden. So nebenbei hingen AIFS und Begleitmodelle diesem Wechsel längere Zeit hinterher, was u.a. der (zwar verbesserten, aber) weiterhin schlechten Handhabe der Dynamik innerhalb der Stratosphäre geschuldet sein sollte.
Gleichzeitig wurde zwischen Kanada und Eurasien der planetare Wellenzug sukzessive, aber "ever so slowly" nach Westen gerückt, dank des günstigen Zusammenspiels aus einem erneuten "westerly wind burst" über tropischen (indopazifischen) Gewässern und einem kräftigen und anhaltenden negativen (asiatischen) Gebirgsmoment - beides Entwicklungen, die letztendlich für einen (temporären) Rückzug des Pazifikjets (engl. retraction) bekannt sind und stromab auch Einfluss auf das Wellenmuster nehmen können (u.a. in Form früher ansetzenden Wellenbrechens). Dieser Einfluss blieb aber letztendlich sehr überschaubar, da die temporäre "jet retraction" durch die MJO 6 induzierte Verschärfung des ostasiatischen Jets (per konvektivem Ausfluss in der Höhe) überkompensiert wurde.
Dennoch sind diese Entwicklung entscheidend gewesen, da durch die genannte geringe retrograde Verschiebung des Wellenzugs die Kaltluft nun effektiver in Richtung Nordostatlantik gedrückt wird, während die milde Atlantikluft wiederum durch das Reflexionsereignis der Kaltluft entgegenkam. Unweigerlich bahnte sich (und bahnt sich auch in aktuellen Vorhersagen) eine immer deutlichere Luftmassengrenze in Form einer weit südlich ansetzenden Frontalzone an.
All dies mündet nun in eine (synoptisch gesehen) sehr spannende Entwicklung. Die zonal gesehen mobile Antizyklone verbleibt zwischen Grönland und Skandinavien und stützt wiederholte Kaltluftausbrüche nach Süden in Richtung Skandinavien (forciert durch fallendes Geopotenzial über Skandinavien im Verlauf dieser Mittelfrist).
Gleichzeitig wird der Nordatlantik durch die Entwicklung aus der Stratosphäre heraus gestützt in Form negativer Geopotenzialanomalien über Ostkanada/Neufundland und dem Nordatlantik. Die dank der Blockierung südlich versetzte Frontalzone wird zudem durch die Nähe eines großräumig anormal zu warmen subtropischen Nordatlantiks baroklin (und mit viel Feuchte) weiter angefacht, sodass von einem agilen Wellenzug ausgegangen werden kann, der besonders das südwestliche und südliche Europa betreffen wird. Es bahnt sich grob gesagt über und peripher des Mittelmeers dadurch eine sehr ungemütliche und regional wohl auch brisante Wetterlage an (siehe auch subsaisonale EFI Vorhersagen "Niederschlag"). Zudem sind explosive Zyklogenesen über dem Nordatlantik auf einer südliche Zugbahn zunehmend wahrscheinlich, die ggf. bei richtiger Ausrichtung ins Mittelmeer ziehen können. Mitteleuropa befindet sich hingegen (wenigstens diese Mittelfrist über) zwischen den Stühlen, was auch innerhalb der Wochenvorhersage beim IFS-ENS z.B. bei der 2m Temperatur mit hohen Unsicherheiten im Sinne einer Grenzwetterlage hinterlegt wird.
Bevor wir aber gleich näher auf die Entwicklung bei uns schauen sei noch eine kurze Tendenzabschätzung für den Februar erlaubt. Grundsätzlich sollte zum Monatswechsel der Nachhall der SPV Störung vom November 2025 endgültig nachlassen und eine temporäre Kopplung von SPV/TPV steht im Raum, was bei der Zonalwindvorhersage in 100 hPa auch mit einer Zunahme (allerdings mit immenser Streuung) honoriert wird. Ein weiteres Störfeuer beim SPV Ende Januar dürfte aus heutiger Sicht erstmal wenig Einfluss ausüben. Allerdings muss z.B. der IFS-ENS Vorhersage in 10 hPa dieser Störung nachfolgend eine extreme Unsicherheit innerhalb der Ensemblevorhersage bescheinigt werden. Etliche Member zeigen beständig eine deutliche Abschwächung, was auch im Einklang mit den wiederholt erwähnten anfälligeren Hintergrundbedingungen (QBO) steht und dank der weiter anhaltenden Blockierungszentren auf der Nordhemisphäre nicht unwahrscheinlich erscheint.
Eine Unbekannte wird zusätzlich sein, inwieweit sich über den üppigen Schneeflächen Skandinaviens/Osteuropas und einer überregional zur Ruhe kommenden Kaltluft ein selbst induziertes Hoch aufbauen kann, was die Blockierung kräftiger ausfallen lassen würde und einer zunehmenden Westdrift effektiver entgegenhalten könnte. Im IFS-ENS hallt die Blockierung in hohen Breiten auch noch länger nach, was auch weiterhin die Anfälligkeit des TPV hervorhebt. Optionale Kopplung, nachlassender top-down support und (zugegeben eher spekulativ) ein hochbaroklines Umfeld peripher eines optionalen (selbst induzierten) Kaltluftreservoirs über Skandinavien würden insgesamt aber eher eine polwärtige Verschiebung der Frontalzone und bei uns einen zunehmenden Atlantikeinfluss wahrscheinlicher machen. Bei Rückseitenwetterlagen sind dadurch aber weiterhin markante Kaltluftvorstöße denkbar. Egal wohin man schaut, die jeweiligen Ensemblevorhersagen in den Tropen bis in die Troposphäre/Stratosphäre sind (verständlicher Weise) mit teils enormen Streubreiten behaftet, zumal auch die 2D PDFs weiterhin keine Hinweise auf Zonalität geben (bis Mitte Februar dominant NAO- und BL+). Sollten SPV und TPV koppeln würde die Zuversicht für eine positive NAO deutlich zunehmen. Bis dahin ist aber der extrem schwache TPV auch im Februar für Überraschungen gut, besonders bei der dann vorhandenen Luftmasse über Skandinavien, inklusive Schneebedeckung.
Doch kommen wir nun zur "Aktuellen Mittelfrist".
Wie gestaltet sich das Wetter während der nun anstehenden Mittelfrist vom Freitag, den 23. Januar bis Dienstag, den 27. Januar 2026?
Zum Beginn der Mittelfrist befinden wir uns zwischen den besagten Stühlen der blockierenden Antizyklone über dem Europäischen Nordmeer und dem von Westen nahenden und in der Folge nach Italien abtropfenden Troges, woran sich auch den Rest der Mittelfrist wenig ändern wird.
Dabei herrscht am Freitag in weiten Bereichen der Republik noch eine südliche Strömung vor, in der durch Absinken adiabatisch erhöhte 850hPa Temperaturwerte von 2 bis 7 Grad auftreten, was aber zumeist entkoppelt unterhalb der Inversion fußkaltes Wetter bedeutet (Ausnahme der Südwesten sowie Leelagen). Derweilen dominiert im Norden bereits eine südöstliche Anströmung peripher der Antizyklone, wobei leicht negative 850 hPa Temperaturen vorherrschen. Im Überhangsbereich kann bei mäßiger Massenkonfluenz und den baroklinen Verhältnissen von leicht frontogenetischen Verhältnissen gesprochen werden, sodass im Nordwesen regional etwas (gefrierender) Niederschlag mit Glätte nicht ausgeschlossen wird.
Zum Samstag erfasst eine schwache Front den Westen Deutschlands, was mit leichten Niederschlägen einhergeht, die variable Phasen aufweisen und sich sukzessive unter Abschwächung bis in den Norden voran arbeiten (dort dominiert die Schneephase). Je nach Lage der Front kann sich durch die vorhandene Feuchte peripher der Front und der anhaltenden östlichen Anströmung über der südlichen Ostsee ein Band mit kräftigeren Schneefällen ausbilden, dass besonders den Osten von Schleswig-Holstein betreffen könnte (diabatisch forciert und in Richtung "lake effect" gehend).
Ansonsten sorgt seichter Hochdruckeifluss für ein ruhiges und freundliches Wochenende, bevor ab der Nacht zum Montag optional Aufgleitniederschläge aus Südosten aufziehen, die den Südosten und ggf. Osten mit leichten bis mäßigen Niederschlägen betreffen (dominant Schnee, allerdings regional auch gefrierender Niederschlag nicht ausgeschlossen). Im Westen und Norden bleibt es häufig bedeckt mit nur lokalen Schneeschauern, meist wird ein trockener Tag erwartet. Daran ändert sich auch zum Dienstag wenig, wenngleich die Wolkendecke wieder stärker auflockert. Allerdings sind die Unsicherheiten bezüglich des exakten Wetterablaufs für diesen Vorhersagezeitraum noch sehr groß!
Die Höchstwerte weisen besonders zum Beginn der Mittelfrist (Freitag) ein deutliches Südwest-Nordost-Gefälle auf mit +8 Grad am Niederrhein und -5 bis -7 Grad in Richtung Uckermark/Stettiner Haff. In der Folge breitet sich der zumeist leichte Dauerfrost sukzessive südwärts aus, was einerseits der Advektion, andererseits aber auch der teils entkoppelten Grenzschicht geschuldet ist. Am Samstag bleibt es vom Niederrhein bis zum Alpenrand mit 1 bis 6 Grad noch frostfrei, am Sonntag betrifft das mehr den Westen und die Gebiete entlang des Rheins/Mains, bevor ab Montag nahezu deutschlandweit leichter, in Richtung Erzgebirge/Oder regional auch mäßiger Dauerfrost erwartet wird. Die Minima liegen je nach Bewölkungsverteilung zwischen 0 und -9 Grad, wobei die tiefsten Werte vorzugsweise im Osten sowie im Bergland/entkoppelt in geschützten Muldenlagen erreicht werden. Lokal ist strenger Frost nicht ausgeschlossen.
Der Ostwind weht im Umfeld der Küsten stark böig bis stürmisch (Bft 7 bis 8), exponiert auch immer wieder mit Sturmböen (Bft 9). Dieser Wind schwächt sich bis zum Sonntag allmählich ab, sodass die Wahrscheinlichkeit für markante Böen dann nur lokal erhöht bleiben (meist Bft 6 bis 7) und zum Dienstag kippt der Wind zunehmend auf Südost.
Ansonsten weht der Ostwind schwach bis mäßig, im Bergland zeitweise auch böig auffrischend, dreht zum Sonntag/Montag mehr auf Nordost und zum Dienstag auf Südost. Am Freitag könnten auf exponierten Alpengipfeln vorübergehend markante Böen aus Süd/Südwest ein schwaches Föhnereignis hervorheben (cross-alpiner Druckgradient aus heutiger Sicht kurz bei 6 hPa). Sonst bleibt der Wind (warnmäßig) im Hintergrund.
Ein Hinweis: Der kalte Ostwind, gekoppelt an frostige Temperaturwerte, ist am Freitag im Norden (inklusive Küstenumfeld) für gefühlte Werte im strengen Frostbereich (auch tagsüber) gut.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Grundsätzlich ist die Konsistenz von IFS als gut, ab Sonntag als moderat zu bezeichnen. Die großräumigen Druckgebilde werden bezüglich deren Entwicklung, Lage und Intensität recht homogen gezeigt, allerdings nimmt die Streuung zum Ende des Wochenendes bei schwachen Druck- und Geopotenzialgradienten über Mitteleuropa zu.
Von Freitag zum Sonntag tropft ein über Nordwesteuropa liegender negativ geneigter Trog in Richtung Italien ab und findet in der Folge als diffuser Höhentrog wieder Anschluss an einen Trog, der sich über Skandinavien einnistet. Dabei verbleibt Deutschland am Nordrand dieser Entwicklung in einem druck-/gradientarmen Bereich. Die Unsicherheiten nehmen somit zum Ende der Mittelfrist zu.
Schaut man sich die jüngsten 8 Modellläufe von EZ an, dann werden die blockierende Antizyklone im hohen Norden sowie ein Sturmtief östlich von Neufundland und der Trog über dem Mittelmeer recht konstant bezüglich Lage/Intensität gezeigt. Das Rauschen nimmt allerdings über Mitteleuropa und dem südlichen Skandinavien dank der dortigen Dominanz kurzwelliger Anteile in einer gradientarmen Umgebung zu. Hier dürften auch noch weitere Anpassungen erfolgen, die sich besonders auf optionale schwache Frontpassagen bei uns auswirken.
Die Mittelfrist kann insgesamt als recht stabil bezeichnet werden, sieht man von schwachen Frontpassagen mit etwas Niederschlag ab (Samstag aus Südwest, Montag etwas Aufgleiten aus Südost und am Dienstag eine schwache Kaltfront aus Nord).
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der weiter oben beschriebene Ablauf (Konsistent IFS) gilt auch bei der Betrachtung der weiteren internationalen Modelle. Deutschland verbleibt meist am Nordrand des über Italien ostschwärts schwenkenden Trogs/Bodentiefs. Allerdings ist weiterhin eine große meridionale Streubreite der Zugbahn vorhanden, sodass bei einer nördlicheren Variante (UK10) auch Aufgleitniederschläge aus Südost am Montag ein Thema werden können (bei UK10 gar eine Leezyklogenese am Nordrand der Alpen, die nordostwärts über Deutschland zieht). Dafür muss aber erstmal der Abtropfprozess über Westeuropa vollzogen werden, um über mögliche (neue/Lee-) Tiefentwicklungen zu diskutieren. Diese Option wird natürlich in der Folge weiter im Auge behalten.
Zum Beginn der kommenden Woche ergeben sich im Bodendruck- und Geopotenzialfeld gröbere Diskrepanzen, die aber (abgesehen von UK10) alle polare Kaltluft über Südskandinavien in Richtung Großbritannien bringen, die sukzessive auch nach Deutschland einströmt. Dies würde zum Großteil unter Hochdruckeinfluss stattfinden, allerdings birgt der barokline Randbereich besonders für den Westen und Süden aus heutiger Sicht Überraschungspotenzial (Schnee).
Ein kleiner Zusatz. Eingangs der Mittelfrist (am Freitag) ist vor der Bretagne eine explosive Zyklogenese im vollen Gang, bei der NCEP den Kerndruck teils auf unter 960 hPa schraubt (im IFS-ENS eher um 965 hPa mit einzelnen 960 hPa Membern). Interessant ist, dass zu diesem Zeitpunkt die Zyklone durch eine hochreichend warme Kernanomalie angetrieben wird inklusive eines zunehmend symmetrischen niedertroposphärischen Windfelds peripher des Druckminimums. Im Phasendiagramm sind die Vorhersagen teils deutlich im "symmetrisch und hochreichenden" warmen Kernbereich zu finden und Flächensoundings (über das Tiefzentrum gespannt) heben eine hochreichend feucht-labile Umgebung hervor. Eine Okklusion ist anfangs noch kernnah vorhanden, das Tief kapselt sich aber immer weiter ab, sodass man auf dem Blatt über eine subtropische Form der Zyklogenese nachdenken könnte. Allerdings zeigen cross sections aktuell keine Abkopplung einer isolierten niedertrop. positiven PV Anomalie, überlagert von negativen Werten, sodass wir hier wohl letztendlich eher von einem Prachtexemplar einer intensiven "warm seclusion" sprechen werden. Man darf auf Satellitenbilder gespannt sein.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt am Freitag mit einem Cluster und dem klimatologischen Regime der negativen NAO. Dabei wird die blockierende Antizyklone zwischen Grönland/Norwegen von einem kräftigen Trog unterlaufen, der sich einhergehend mit einer explosiven Zyklogenese über der Biskaya einfindet. Deutschland liegt im Niemandsland zwischen beiden Druckgebilden und man kann dort dank eines schwachen Keils mit ruhigem Wetter rechnen.
Von Samstag bis Montag werden 2 Cluster (negative NAO) aufgespannt, mit dem Kontrolllauf im ersten Cluster. Beide Cluster heben homogen die Grundstruktur hervor (Blockierung Grönland und ein in Richtung Mittelmeer gerichteter Wellenzug). Deutschland verbleibt am Nordrand des zum Mittelmeer ziehenden Troges/Höhentiefs in einem sehr gradientarmen Bereich (bezüglich des Drucks/Geopotenzials). Unsicher ist noch, ob bzw. wo transienten Bodentiefs innerhalb/peripher des Troges initiiert werden, die bei nördlicher Zugbahn u.U. dem Süden/Osten zum Wochenbeginn auch Aufgleitniederschläge aus Südost bescheren könnten. Für Deutschland unterscheiden sich die beiden Cluster aber kaum (bzw. hängt es hier von im Ensemble herausgeglätteten Kurzwellen ab, die ggf. schwache Fronten nach Deutschland drücken können).
Zum Ende der Mittelfrist/Beginn der erweiterten Mittelfrist dominieren weiterhin 2 Cluster mit einer beeindruckenden Blockierungssignatur: Peripher der Antizyklone über Grönland erstreckt sich eine umfangreiche, zonal gen Mittelmeer ausgerichtete Trogrinne. Allerdings sollte man hier wohl die Unsicherheiten insgesamt höher bewerten, da über dem Nordatlantik optionale und explosive Zyklogenesen in deren Umfeld des Geopotenzialfeld nachhaltig beeinflussen werden. Ein Blickfang wäre z.B. WCB induziert eine Keilaufwölbung in Richtung Grönlandhoch. Stand heute würde es über Deutschland (Norden?) eher auf eine Luftmassengrenze hinauslaufen (v.a. dank der weiterhin südlichen Zugbahn der Tiefdruckgebiete).
IFS-ENS geht in der Folge sehr zuversichtlich (over-confident?) in die tiefe erweiterte Mittelfrist mit nur einem Cluster und blockiert mit einer umfangreichen Antizyklone über Osteuropa die Westdrift vom Atlantik. Das Gerangel zwischen milder Atlantikluft und frostiger Kontinentalluft würde weitergehen. Allerdings sollten die Unsicherheiten bereits früher deutlicher zunehmen, als dass es das heutige EPS Cluster uns andeutet.
Die Meteogramme kann man insgesamt als zunehmend winterlich bezeichnen bei Höchstwerten meist um den Gefrierpunkt und besonders im Nordosten bei Dauerfrost (Ausnahme der Westen). Die zunehmende Streubreite (2m Temperatur) im Verlauf der kommenden Woche deutet auf das mögliche Gerangel der unterschiedlichen Luftmassen hin, was auch mit wiederholten Niederschlagssignalen einhergeht, die dabei meist als Schnee fallen würden. Allerdings sind noch einige Optionen vorhanden (Luftmassengrenze, durchschwenkende Tiefdruckgebiete), sodass bezüglich des Niederschlags noch keine Schwerpunkte herausgearbeitet werden können.
Innerhalb der Rauchfahnen startet der Kontrolllauf mal wieder gut eingebettet in der Memberschar und schert in der Folge in den unteren Streubereich der Member aus. Hier spielt sicherlich die zunehmende Dominanz der synoptischen Dynamik (Tiefs) eine Rolle, der es das Anzapfen der eisigen Kaltluft auf der Rückseite ostwärts durchschwenkender Tiefdruckgebiete ermöglichen würde. Die Streubreite kann aber zum Ende der Mittelfrist als sehr groß bezeichnet werden (teils über 15 Kelvin).
Beim 500 hPa Geopotenzial bleiben die Member gebündelter mit einem meist gut eingebetteten Kontrolllauf, die insgesamt ein beständiges Absacken des Geopotenzials zeigen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen bleiben weiterhin sehr überschaubar.
Beim WIND treten am Freitag im Küstenumfeld wiederholt stürmische Böen, exponiert auch Sturmböen (Bft 8 bis 9) aus Ost auf, bevor hier der Wind bis zum Sonntag immer schwächer wird (dann nur noch exponiert, z.B. auf Rügen, hin und wieder eine Bft 8).
Am Freitag sind im exponierten Bereich der Alpen markante Böen aus Süd/Südwest nicht ausgeschlossen (Föhn mit Bft 8 bis 9).
Im Osten tritt je nach Bewölkungsverteilung regional/zeitweise strenger FROST um -10 Grad auf. Dies betrifft mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten besonders den Nordosten in der Nacht zum Samstag.
Beim SCHNEE kann am Sonntag/Montag im Küstenumfeld lokal markanter Neuschnee (lake-effect) nicht ausgeschlossen werden, die Unsicherheiten diesbezüglich sind aber noch sehr groß und können später in LAMs ggf. besser herausgearbeitet werden.
Bei den im Text angesprochenen Niederschlagsereignissen kann regional erhöhte GLÄTTE durch gefrierenden Niederschlag nicht ausgeschlossen werden (Freitag im Nordwesten, Samstag im Südwesten und von Sonntag zu Montag im Südosten). Hierbei handelt es sich aber (wenn überhaupt) um markante Glätte.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS, MOSMIX (mit Anpassungen)
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





