Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 08.01.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Teils unwetterartige Schneefälle und Schneeverwehungen. Im exponierten Bergland im Südwesten Orkanböen und über der Nordsee Orkanböen. Im Südosten teils Unwetterglatteis. Erst im Verlaufe der Wochenendes Entspannung. Nacht auf Sonntag gebietsweise strenge Fröste.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Aktuell ... zieht ein markantes Sturmtief über den Ärmelkanal bis Belgien und in die Niederlande. Das Tief weist Merkmale einer Shapiro-Keyser-Zyklone auf und hat bereits einen Sting Jet entwickelt, der Orkanböen über Nordfrankreich und dem Ärmelkanal bringt. Mit dem weiteren ostwärtigen Vorankommen frischt im Laufe der Nacht zum Freitag auch über Deutschland der Wind spürbar auf. Im Nordwesten werden bis zum Morgen Windböen erwartet. Im Küstenumfeld, ausgreifend bis ins schleswig-holsteinische Binnenland, kommt es zu Sturmböen (Bft 8-9). Exponiert muss an der See auch mit schweren Sturmböen (Bft 10) gerechnet werden. Der Wind weht im Nordwesten aus Ost. Auch im Südwesten erreicht der Wind teils Sturmstärke (Bft 8-9), weht dort auf der Südflanke des Tiefs jedoch aus Südwest. In Hochlagen kann es bis zum Morgen zu ersten schweren Sturmböen kommen, am Feldberg im Schwarzwald sind auch Orkanböen möglich.
Eine große Rolle spielen zudem die Niederschläge. Auf der Vorderseite des Tiefs wird ein Schwall milder und gut durchmischter Atlantikluft von Südwesten bis in die mittleren Landesteile advehiert. Die T850 steigt dabei vielfach, zumindest vorübergehend, in den positiven Bereich. Ganz im Südwesten fällt bei positiven Temperaturen bereits Regen. Aufgrund der kalten Vorgeschichte muss jedoch vor allem im Mittelgebirgsraum, wo die Oberflächenbeläge noch im negativen Bereich liegen, mit markantem Glatteis gerechnet werden. Im Laufe der Nacht kann sich diese Glatteisgefahr mit weiterem Vordringen der milden Luftmassen auch auf den zentralen Mittelgebirgsraum ausdehnen.
Im Südosten gibt es derzeit noch teils kräftige Schneefälle. Im Laufe der Nacht gehen diese jedoch ebenfalls in Regen über, und bei weiterhin negativen Temperaturen muss dann auch dort mit markantem Glatteis gerechnet werden, im Bereich der unteren Donau bis ins Inntal teils auch unwetterartig. In den Morgenstunden ziehen die Niederschläge dort ab, sodass sich die Glättelage bei steigenden Temperaturen allmählich entspannt.
Neben Glatteis stellen auch die Schneefälle einen wichtigen Warnparameter dar. Je weiter die Niederschläge nach Nordosten vorankommen, desto länger halten die Schneefälle an. Dort stellt sich bei kräftigen Niederschlägen Isothermie ein, und die T850 steigt nicht über die 0-Grad-Marke. Von den intensivsten Niederschlägen ist ein Streifen von Ostbayern über die Mitte des Landes bis ins Emsland betroffen, wo verbreitet 5 bis 10 cm, regional auch bis zu 15 cm Schnee zu erwarten sind. Staubedingt sind lokal auch noch höhere Mengen möglich. Problematisch ist vor allem, dass der Großteil des Schnees innerhalb kurzer Zeiträume, oft nur 3 bis 6 Stunden, fällt, wodurch die Auswirkungen regional durchaus unwetterartig ausfallen können.
Abschließend sind auch Schneeverwehungen zu beachten. Mit dem Aufleben des Ostwindes im Laufe der Nacht beginnt der Schnee auf der kalten Seite des Tiefs zunehmend zu verwehen. Zwar fällt vor allem im Westen Niedersachsens bei derzeit noch positiven Temperaturen Regen, im Laufe der Nacht wird jedoch mit Annäherung des Tiefs und einer Winddrehung auf Ost erneut Kaltluft angezapft. Die zu erwartenden Neuschneemengen sind dabei ausreichend, um markante, im Bereich der stärksten Winde auch unwetterartige Schneeverwehungen zu verursachen. Entsprechend beziehen sich die ausgegebenen Unwetterwarnungen auf die Überlappungsbereiche aus höchsten Windgeschwindigkeiten und gleichzeitig hohen Schneehöhen beziehungsweise Neuschneemengen.

Freitag ... verbleibt das Höhentief etwas über dem Niederrhein hängen und kommt unter Auffüllung erst in der Nacht auf Samstag also Bodenrinne südostwärts voran.
Die intensivsten Schneefälle werden knapp südwestlich der Elbe erwartet, etwa von Sachsen über Ostniedersachsen bis nach Bremen. Dort können innerhalb eines Zeitraums von rund 6 Stunden 5 bis 10 cm, regional auch bis zu 15 cm Schnee fallen. Auch am Nachmittag schneit es von der Lausitz bis nach Bremen weiter, die Mengen fallen dann jedoch deutlich geringer aus und liegen meist bei 1 bis 5 cm.
In der Nacht zum Samstag verbleiben die stärksten Schneefälle in einem Streifen von der Lausitz bis nach Ostniedersachsen. Dort können vor allem in der ersten Nachthälfte nochmals 3 bis 5 cm Neuschnee zusammenkommen. Neben der Entwicklung in diesem Streifen wird es auch im Westen interessant. Dort schwenkt die rückgeholte Okklusion herein, und die Temperaturen in 850 hPa sinken teils bis auf -5 °C. Entsprechend gehen die Niederschläge allmählich bis in mittlere Lagen wieder in Schnee über und sinken in der Nacht zum Samstag gebietsweise sogar bis ins Tiefland ab. In tiefen Lagen fallen meist nur wenige Zentimeter Neuschnee, in höheren Lagen sind jedoch teils markante Neuschneemengen von 5 bis 15 l/m² (entsprechend etwa 5-15 cm Schnee) bis Samstagmorgen zu erwarten.
Die Glatteissituation im Südosten entspannt sich mit dem Abzug der Niederschläge weiter.
Der Wind erreicht etwa am Vormittag und zur Mittagszeit seinen Höhepunkt. Dann kommt es vor allem im Nordwesten zu Oststurm, aber auch bis nach Brandenburg können einzelne Böen der Stärke Bft 8 auftreten. An der Nordsee sind schwere Sturmböen zu erwarten, auf exponierten Inselabschnitten sowie über der offenen Nordsee auch orkanartige Böen.
Damit einher gehen Schneeverwehungen, die im Bereich der stärksten Windgeschwindigkeiten auch unwetterartig ausfallen können. Erst in der Nacht zum Samstag lässt der Wind allmählich nach, und die Schneeverwehungen schwächen sich entsprechend ab.
Auch im Südwesten (Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg), ausgreifend bis ins Allgäu, kommt es zu Sturmböen und einzelnen schweren Sturmböen. Aufgrund der Lage auf der Südflanke des Tiefs weht der Wind dort aus Südwest. In exponierten Hochlagen sind orkanartige Böen möglich, am Feldberg im Schwarzwald teils Bft 12.

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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Samstag ... zieht die Bodenrinne im Verlauf über dem Süden in Richtung Alpen ab. Tagsüber schneit es in der Südhälfte, im Bergland teils markant. In der Nacht auf Sonntag ziehen sich die teils markanten Schneefälle an die Alpen zurück.

Anfangs gibt es im Küstenumfeld und im Süden noch Windböen, an der Nordsee Sturmböen. Im Verlauf lässt der Wind nach.

In der Nacht auf Sonntag gibt es bei Aufklaren über Schnee teils strengen Frost zwischen -10 bis -15, örtlich bis -20 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle sind sich bis auf kleinere Differenzen recht einig.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer