Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 22.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM
In der Südwesthälfte Andauer der Hitzewelle, im Norden und Osten zumindest heute und am Dienstag angenehmer.
Dazu heute vom zentralen Mittelgebirgsraum bis nach Süddeutschland erneut einzelne kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial, am Dienstag und Mittwoch lediglich ganz im Süden noch vereinzelte Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... dauert die Hitzewelle zumindest in der Südwesthälfte Deutschlands (vor allem aber auch in weiten Teilen Südwest- und Westeuropas) weiter an. Der dafür verantwortliche breite Höhenrücken wird vor allem gestützt durch WLA vorderseitig eines quasistationären Höhentiefs westlich der Iberischen Halbinsel und überdeckt weite Teile West- und Südwesteuropas. Nach wie vor bleibt dessen Achse knapp westlich von uns, wodurch eine flache nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet resultiert und großräumig Absinken dominiert. Derweil läuft die Frontalzone auf weit nördlicher Bahn über den mittleren Nordatlantik und das Nordmeer bis nach Skandinavien, so das atlantische Frontensysteme einen weiten Bogen um Mitteleuropa schlagen. Entsprechend konnte sich ein durch den Rücken gestütztes Hochdruckgebiet ("HARTMUT") mit Schwerpunkt über der Nordsee in der vergangenen Nacht weiter verstärken, weist eine 1030 hPa-Kernisobare auf und weitet sich im Tagesverlauf noch ein wenig nach Osten, Richtung Süd- und Mittelskandinavien aus. Ein Keil reicht auch bis in den Norden des Vorhersagegebietes. An dessen Ostflanke gelangt von Norden her bodennah und niedertroposphärisch eine trockene und "nur" noch mäßig warme, stabile Luftmasse nach Nord- und Nordostdeutschland mit T850 hPa zwischen 10 und 14 Grad (im Tagesverlauf durch die nahezu ungehinderte Einstrahlung etwas ansteigend). Mit vorübergehender Advektion etwas feuchterer Nordseeluft innerhalb der Grundschicht hat sich über Teilen der Norddeutschen Tiefebene sogar Stratus- bzw. Stratocumulusbewölkung ausgebreitet, die sich aber alsbald auflösen sollte. Ansonsten steht aber im Norden und Nordosten des Landes ein recht sonniger Tag ins Haus mit nur wenigen flachen Quellwolken und im Tagesverlauf etwas auflebendem Nordost- bis Nordwind. Somit erreichen die Temperaturen an den Küstenabschnitten mit auflandigem Wind Höchstwerte von kaum mehr als 20 Grad, weiter landeinwärts wird es aber rasch wärmer mit 23 bis 28 Grad, Richtung zentraler und östlicher Mittelgebirge auch knapp 30 Grad. Das sind Maxima von denen man im Westen/Südwesten und Süden nur träumen kann. Diese Regionen verbleiben im Einflussbereich einer heißen, relativ feuchten und vor allem nach Südwesten zu hochreichend labil geschichteten Luftmasse tropischen Ursprungs. Den zunehmend "verwaschenen" Übergangsbereich markiert ein Frontensystem über der Mitte des Landes, welches aber im insgesamt sehr antizyklonalen Umfeld deutliche Auflösungstendenzen aufweist. Die Instabilitätsparameter innerhalb dieser Luftmasse sind nach wie vor sehr hoch; vor allem in einem Bogen über die Mitte bis in den Südosten des Landes betragen die Werte niederschlagbaren Wassers (PPW) 30 bis 35 mm, im Bereich lokaler Feuchteflusskonvergenzen auch mehr. Die Luftmasse ist nur wenig "gedeckelt" und mit der Einstrahlung können bis mittags/zum frühen Nachmittag rasch 1000 bis 2000 J/kg ML-Cape generiert werden, lokal nach Lesart des I-D2 sogar an die 3000 J/kg. Lediglich von Südbaden bis zum Alpenvorland ist die Grundschicht etwas trockener mit geringeren PPWs und weniger Cape, dafür weisen diese Regionen die steilsten Lapse Rates auf.
Summa summarum: Wir haben es in diesen Regionen durchaus mit einer "explosiven" Luftmasse zu tun; was fehlt, ist einmal mehr ein dynamischer Trigger zur Auslöse. Also müssen mal wieder die Orographie und die "Überreste" ehemaliger Gewitter (bzw. deren Outflow Boundaries) herhalten. Mangels Deckel geht es heute nach überwiegend ruhiger Nacht allerdings schon recht früh los. Bereits aktuell gibt es in Unter- bzw. Oberfranken (Raum Schweinfurt bis Bamberg) ein erstes, als eine Art Linie organisiertes Multizellensystem, dass sich zudem strömungsparallel verlagert, also südostwärts zieht, von Nordwesten her immer wieder neu anbaut und dabei insgesamt nur wenig nach Süden vorankommt. Gut möglich, dass bereits am Vormittag die "rote Karte" gezogen werden muss, andererseits läuft es ins tageszeitliche Minimum, so dass diesem System bald auch schon wieder der Stecker gezogen werden könnte. Wie auch immer - die Schwerpunktsregionen der heutigen Gewitteraktivität dürften etwa vom zentralen Mittelgebirgsraum bis nach Süddeutschland reichen. Weiter nördlich, also in weiten Teilen der Mitte dämpft bereits das Entrainment trockenerer Luftmassen von Norden her die Gewitteraktivität deutlich, und auch im Westen/Südwesten sind wohl eher nur sehr kleinräumige Einzelentwicklungen zu erwarten.
Mangels Scherung (lediglich die Orographie könnte kleinräumig und bodennah für bessere Scherungsbedingungen sorgen) handelt es sich meist um Einzelzellen, die im Anfangsstadium aufgrund des hohen Energiegehaltes der Luftmasse durchaus kräftig ausfallen, bevor sich dann recht unorganisierte Multizellen entwickeln. Als Begleiterscheinungen stehen vor allem im Anfangsstadium, aber auch bei "günstigen" Zellmergings der Hagel im Fokus, 2 cm, vereinzelt 3 bis 4 cm (Unwetter) sind möglich. Dann aber eher der Starkregen, durchaus lokal eng begrenzt mit Unwetterpotenzial (deutlich über 25 l/m² in kurzer Zeit, auch extrem ist bei Mehrfachtreffern nicht ausgeschlossen). Systeme mit einem größeren Cold Pool können durchaus auch von Sturmböen begleitet werden, am ehesten im Südwesten und im Alpenvorland (bei aufgrund der trockenen Grundschicht höherer D-Cape) sind auch schwere Sturmböen nicht ganz ausgeschlossen.
Insgesamt geht die Gewitteraktivität mit gegenüber gestern bereits etwas "gebremsten Schaum" einher, vor allem, was deren räumliche Ausdehnung angeht. Eine Vorabinformation drängt sich somit eher nicht auf. I2-EPS hat die höchsten Wahrscheinlichkeiten für Unwetter im nördlichen Unterfranken auf der Agenda, aber auch im Bayerwald und in Teilen Mittelfrankens gibt es (eher schwache) Signale für WU.
Weiter beschäftigen, in erster Linie natürlich die Kollegen der Medizinmeteorologie in Freiburg, wird uns aber die Hitze. T850 hPa erreicht im Süden und Westen Werte zwischen 16 und 21, vielleicht knapp 22 Grad, die höchsten über Südbaden. Entsprechend sind in der Mitte und im Süden Maxima zwischen 30 und 36 Grad zu erwarten, in den Niederungen Südwestdeutschlands bis zu 38 Grad.
In der Nacht zum Dienstag ändert sich kaum etwas an der Gemengelage. Der Höhenrücken zieht sich geringfügig zurück, die Frontalzone stößt nördlich von Schottland Richtung Norwegische See vor. Unser Bodenhoch wird zwar ein wenig abgebaut. Überdeckt aber weiterhin weite Teile Mitteleuropas mit Schwerpunkt nun eher über der südlichen Nordsee. Auch im Vorhersagegebiet kann es seinen Einfluss noch ein wenig nach Süden ausweiten, die stabilere Luftmasse sickert zunehmend auch in die mittleren Landesteile.
Die Gewitter im Süden und Südosten klingen eingangs der Nacht mehr oder weniger rasch ab, Richtung Niederbayern/Oberpfalz und östliches Oberbayern dauert es wohl noch am längsten. Ansonsten steht eine wettertechnisch ruhige Nacht ins Haus. Oft ist es gering bewölkt oder klar, am ehesten in der Mitte und im Südosten hält sich noch Restbewölkung, in Norddeutschland kann sich gebietsweise wieder Stratus bzw. Stratocumulus ausbreiten. Dort wird es angenehm frisch mit teils einstelligen Minima im Binnenland Schleswig-Holsteins und Vorpommerns. In der Mitte und im Süden fällt die Nacht dagegen vor allem in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen wieder unangenehm warm aus mit Minima zwischen 23 und 19 Grad, selbst in Senken- und Muldenlagen liegen die Minima oft noch über 15 Grad.
Dienstag... beginnt sich der Höhenrücken über Westeuropa (Frankreich) wieder zu verstärken und weitet sich ein wenig nach Norden aus. Die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt dadurch etwas auf, ein flacher Randtrog überquert Nord- und Ostdeutschland, weist aber angesichts der trockenen und stabilen Luftmasse dort keinerlei Wetterwirkung auf.
Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nun mehr und mehr Richtung Mitteleuropa und entsprechend wird die instabile Luftmasse über dem Vorhersagegebiet noch ein wenig nach Süden abgedrängt. T850 hPa erreicht am Nachmittag/Abend Werte zwischen 12 Grad über Ostvorpommern und knapp 21 Grad im Südwesten. Mit dem Entrainment der etwas trockeneren Luft von Norden her werden auch in der Mitte und im Süden nicht mehr ganz die hohen PPWs (25 bis knapp über 30 mm) und Cape (1000 bis 1500 J/kg, punktuell mehr) erreicht wie am Vortag, auch die Werte der spezifischen Feuchte innerhalb der Grundschicht gehen zurück. Dennoch bleibt die Luftmasse zumindest in Ost- und Südbayern sowie im Süden Baden-Württembergs hinreichend "potent" für Gewitter und bereits am Vormittag beginnt es - wohl ausgehend vom Bergland (Südschwarzwald, Bayerwald, Alpen) - wieder zu "brodeln". Die Begleiterscheinungen spielen sich überwiegend im markanten Bereich ab, die Unwettergefahr dürfte geringer als heute ausfallen, wenngleich vor allem bzgl. Starkregen damit sehr kleinräumig durchaus wieder zu rechnen ist.
Im Rest des Landes scheint bei meist lockerer Bewölkung die Sonne, teilweise ist es auch wolkenlos, vor allem im Südwesten. Die in den Norden und Osten einströmende Luftmasse ist auch bodennah angenehm, während es im Südwesten und Süden vielerorts unangenehm schwül bleibt. Der Wind dreht im Norden mehr auf östliche Richtungen, so dass es weniger Küstenabschnitte mit auflandigem Wind gibt es und es insgesamt auch dort wieder etwas wärmer wird. Ansonsten ändern sich die Maxima gegenüber dem Vortag landesweit nur wenig: 24 bis 29, vielleicht knapp 30 Grad im Norden und Osten, 29 bis 34 Grad ab der Mitte bzw. dem Westen südwärts, im Südwesten auch wieder knapp über 35 Grad.
Die Nacht zum Mittwoch verläuft wettertechnisch ruhig, etwaige Gewitter im Süden klingen in der ersten Nachthälfte rasch ab. Nach Durchschwenken des flachen Troges weitet sich - ausgehend vom Höhenrücken bzw. Höhenhoch über Frankreich - ein Höhenkeil über das Vorhersagegebiet hinweg ostnordostwärts aus, was der Gemengelage noch einen zusätzlichen antizyklonalen Touch verleiht. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nun langsam über das Vorhersagegebiet hinweg Richtung Polen und Tschechien, was bedeutet, dass die tropische Luftmasse über Westeuropa und Südwestdeutschland nun allmählich wieder etwas nordostwärts schwappen kann. Somit fällt die Nacht auch in Norddeutschland wieder ein wenig milder als die Vornacht aus, wenngleich gegenüber dem Südwesten noch sehr angenehm mit Minima zwischen 16 und 12 Grad (ganz vereinzelt im Nordosten auch darunter). Die gegenüber den Vortagen etwas abgetrocknete Luftmasse beschert allerdings auch dem Südwesten eine um vielleicht 1 bis 2 K weniger warme Nacht als davor, was aber nicht wirklich zur Abkühlung der aufgeheizten Gebäude beiträgt.
Mittwoch... verlagert sich der Schwerpunkt des Höhenhochs über Frankreich noch ein wenig nach Norden und weist nun ein sehr hohes Geopotenzial von über 590 gpdam auf bei einer Temperatur in 500 hPa von über -10 Grad auch über Mitteleuropa. Ein von ihm ausgehender kräftiger Höhenkeil schwenkt langsam über das Vorhersagegebiet hinweg südwärts, dahinter bleibt die nordwestliche Höhenströmung antizyklonal konturiert. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt mehr und mehr nach Südosten, über Schottland und der Nordsee baut sich ein neues Bodenhoch auf, während sich dazwischen eine flache Tiefdruckrinne von Benelux bzw. Frankreich her nach West- und Norddeutschland schiebt. T850 hPa steigt wieder auf Werte zwischen 15 Grad ganz im Nordosten und 22 Grad im äußersten Westen/Südwesten. Mit der Rinne kann sich die durch eine sehr hohe Instabilität auszeichnende, sehr schwüle Luftmasse langsam auch wieder nach Nordwestdeutschland bzw. in Teile der norddeutschen Tiefebene ausbreiten mit PPWs teils über 35 mm und über 2000 J/kg Cape, während sie im Südwesten und Süden dagegen eher etwas abtrocknet. Die durchaus explosive Luftmasse über dem Westen und Nordwesten ist aber unterm Rücken und durch Absinken gedeckelt, Trigger zur Auslöse sind dynamisch somit nicht vorhanden und auch die Orographie dürfte nicht ausreichen.
Somit steht erneut ein wettertechnisch ruhiger Tag ins Haus. Vielleicht reicht es Richtung Alpen mal für ein/zwei Gewitter, auch für den Südschwarzwald und den Bayerwald lässt sich das nicht ganz ausschließen. Ansonsten scheint aber die Sonne bei meist nur wenigen Wolken. Die Maxima erreichen nur ganz im Norden, im Bereich der Küstenregionen, im nördlichen Schleswig-Holstein und in Ostvorpommern, wohl noch keine 30 Grad, sonst sind es im Norden, Osten und Südosten 30 bis 35 Grad, im Westen und Südwesten nimmt die Hitzewelle wieder so richtig an Fahrt auf mit 34 bis 38 Grad, eventuell sogar 39 Grad. Vielleicht werden auch schon erste Monatsrekorde erreicht, wahrscheinlicher wird das aber an den zwei/drei Folgetagen (siehe Mittelfrist).
Die Nacht zum Donnerstag verläuft überwiegend wolkenlos und störungsfrei. Dabei werden an den "Hot Spots" im Westen und Südwesten vereinzelt die 25 Grad nur noch geringfügig unterschritten, während es im Norden, Osten und Süden noch verhältnismäßig angenehm bleibt.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs. Heute dürfte die Unwetterschwelle im Süden noch häufiger überschritten werden, für eine Vorabinformation ist das aber zu kleinräumig und zu wenig.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 21.06.2026 um 10.30 UTC
Bis fast zum Monatswechsel anhaltende und sich weiter verschärfende Hitzewelle mit hohem "impact". Zum Wochenende zunehmende Gewitterneigung, lokal mit Unwetterpotenzial.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 28.06.2026
Auch diese Mittelfrist steht die anhaltende Hitzewelle mit großem "impact" weiterhin im Fokus. Zu deren Entstehung und Eigendynamik wurde ja letzte Woche genug geschrieben, sodass nach einem kurzen Überblick zügig in die uns betreffende Mittelfrist eingestiegen werden kann.
Der bis dato vorherrschende, zonale Energietransfers vom Nordpazifik über Nordamerika und nachfolgend in die Antizyklone über Südwesteuropa konvergierend dauert noch weiter an, wenngleich es mittlerweile zu einer Amplifizierung dank eines kräftigen Troges über Kanada/dem Nordosten der USA kam. Interessant ist, dass ein Großteil dieser Energie nicht Richtung Grönland, sondern in Richtung subtropischer Nordatlantik transferiert wurde, sodass sich in diesen Bereichen das Geopotenzial weiter stärken konnte. Diese Entwicklung wiederum könnte für unsere Mittelfrist von Interesse sein, denn mit dem allgemein nahe am monatlichen Rekord analysierten Geopotenzial in 500 hPa über dem subtropischen Nordatlantik ist der Grundstein gelegt, dass sich über dem Nordatlantik ggf. anormal kräftige Antizyklonen aufbauen können, was die Frontalzone etwas "pushen" würde, was wiederum in der leicht positiv tendierenden NAO Vorhersage auszumachen ist. Gleichzeitig würde die wiederholte Regeneration der negativen Geopotenzialanomalie vor der Biskaya/Portugal vorübergehend unterbunden werden, was grundsätzlich den Beginn einer Schwächephase unserer Blockierungslage darstellen würde. Allerdings wird entscheidend sein, wie weit westlich diese Antizyklone über dem Nordatlantik ansetzt, da bei einer westlichen Platzierung erneut tiefes Geopotenzial vor Westeuropa die Folge wäre. Diese Entwicklung würde zum Beginn der erweiterten Mittelfrist (Anfang nächste Woche) greifen.
Es spielt aber nicht nur der dynamische, sondern auch der thermodynamische Antrieb eine Rolle. Zum Beginn dieser Mittelfrist hat sich über Westeuropa ein barotrop strukturierter und mit tropischen Luftmassen gespeister Keil mit negative PV-Werte auf der 320 K isentropen Fläche etabliert, mit für diese Jahreszeit teils rekordverdächtigen Werten beim Geopotenzial in 500 hPa. Wenngleich eine geringe Ostverschiebung der Rossbywellen (v.a. mit Auffüllen des Troges vor der Biskaya) zu erwarten ist, so verbleibt diese Luftmasse wohl in der Folge über Süd-/Osteuropa und kann dort die Blockierung ggf. jederzeit erneut in Gang setzen. Sprich, die von Westen einsetzenden Wellenflüsse können je nach Ausrichtung und Intensität den Abbau des Keils mit Blick auf die erweiterte Mittelfrist verzögern bzw. stark abschwächen, sodass die Unsicherheiten noch sehr groß sind, wie nachhaltig die blockierende Antizyklone bei uns zum kommenden Wochenende abgebaut wird. Sollte sich das Geopotenzial über dem Nordatlantik aber stärker anpassen (Geopotenzialanstieg), dann wäre die Option für einen nachhaltigeren Witterungswechsel gegeben.
Die Hintergrundbedingungen sehen derweilen immer noch sehr förderlich für quasi-stationäre, teils auch retrograd verlagernde Rossbywellen aus, dank einer beim IFS-ENS hinterlegten sehr geringen zonalen Windgeschwindigkeit (gemittelt bei 60 Grad Nord für 150 hPa), was bei der NASA auch mit deutlich unter dem Median vorhergesagten Windgeschwindigkeiten gezeigt wird. Zugleich verbleibt die NAM negativ mit sehr kräftigen, positiven Anomalien des Geopotentials innerhalb der Troposphäre und unteren Stratosphäre.
Auch beim Zeit-Längendiagramm des 500 hPa Geopotenzials (IFS-ENS) ergibt sich vorerst nur eine schwache Energiezufuhr von Westen. Erst zum Monatswechsel deuten IFS und auch NCEP mit einer positiven PNA (Pazifik-Nordamerikamuster) das Potenzial für einen kräftigeren Rossbywellenzug an, der uns Anfang Juli erreichen könnte - dann wird es spannend sein, wo aus diesem Wellenzug eine mögliche kräftige Antizyklone über dem Nordatlantik aufgespannt wird (je westlicher, umso eher mit erneut absinkendem Geopotenzial vor Westeuropa). Stand heue im IFS 00Z wäre die Platzierung über den Azoren zu verorten, was uns zum Ende des Monats erst einmal aus der Hitzewelle drücken würde.
Was erwartet uns nun aber während der AKTUELLEN MITTELFRIST, die sich vom Mittwoch, den 24. Juni bis Sonntag, den 28. Juni 2026 erstreckt?
Die am letzten Donnerstag in der Mittelfrist angedeutete extreme Hitze für den Dienstag und Mittwoch für den Südwesten der Republik wurde dank einer etwas westlicher ansetzenden Advektion der tropischen Luftmassen stromab eines kräftigeren Langwellentroges mehr nach Frankreich/Nordwesteuropa verschoben. Diese Hitze betrifft uns nun dafür aber dank der geringen Ostverschiebung der Rossbywellenzuges während dieser Mittelfrist.
Am Mittwoch liegen wir noch am östlichen Rand des Keils, wobei der Bodenhochdruckschwerpunkt allmählich weiter nach Osten driftet. In der Folge nistet sich dann von Donnerstag bis Sonntag dieser hochreichend mit tropischen Luftmassen gefüllte Keil direkt über Mitteleuropa ein. Einzig den Westen/Nordwesten tangieren zum Ende der Mittelfrist zeitweise Fronten in abgeschwächter Form.
Diese Entwicklung hat für Mittwoch bis Freitag meist freundliches oder sonniges Wetter zur Folge, mit einer Gewitterneigung, die erst zum Freitag von Westen etwas ansteigt und am Wochenende auf ganz Deutschland übergreift. Wie stark die Gewitterneigung ausfällt, hängt aber von der Intensität der Front und der Geometrie des Keils ab. In Verbindung mit Gewittern besteht lokal Unwettergefahr durch Hagel und Starkregen sowie das Potenzial teils schwerer Sturmböen (sehr gut durchmische Grenzschicht).
Das größte Thema ist und bleibt aber die Hitze, die sich die Mittelfrist über weiter steigert. Während die Maxima im Norden mit 27 bis 33 Grad in einem hochsommerlich warmen bis heißen (bei Taupunkten meist über 15 Grad aber auch drückend schwülen) Niveau verharren, wird es sonst mit 33 bis 39 Grad extrem heiß. Hier und da kann man auch die 40 oder 41 Grad nicht ausschließen, was aber stark von der dann vorherrschenden thermischen Schichtung, den sich immer weiter aufheizenden/abtrocknenden Bodenflächen, der Durchmischung und Einstrahlung abhängt. Inwieweit es am kommenden Wochenende im Nordwesten etwas weniger heiß (dafür umso schwüler) wird, hängt maßgeblich von der Gewitterneigung ab. Küstennah bleibt es bei auflandigem Wind deutlich kühler und am Mittwoch/Donnerstag reicht es im äußersten Norden/Nordosten noch nicht für das Überschreiten der 30 Grad-Marke.
Der Staubanteil nimmt zwar weiter zu, allerdings sollte sich dessen wolkenbildende Aktivität mehr auf den direkten Einflussbereich des warmen Förderbandes und dessen Interaktion mit einer über Nordwesteuropa verbleibenden TPW-Anomalie (gesamtes ausfällbares Wasser) von mehr als 200% zur Hintergrundklimatologie beschränken, was die Biskaya und Nordwesteuropa betreffen würde.
Trockenheit und Waldbrandgefahr nehmen während der Mittelfrist weiter zu.
Für die erweiterte Mittelfrist würde sich Stand heute von Westen eine deutlichere und nachhaltige Abkühlung andeuten. Die Folge wären Maxima von 26 bis 32 Grad, bei einer sich weiter intensivierenden Gewitterneigung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die jüngsten Modellläufe von EZ heben eine recht gut vorhergesagte Mittelfrist hervor. Kein Wunder, dominiert doch beinahe durchweg eine kräftige Antizyklone über West- und in der Folge dann auch über Mitteleuropa. Geringe Diskrepanzen ergeben sich nur, wie zügig ein Trog über Nordwesteuropa nach Osten in Richtung Mitteleuropa vorankommt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch beim Vergleich mit den weiteren internationalen Modellen ergibt sich ein sehr homogenes Bild mit einer blockierenden Antizyklone über Westeuropa, die sukzessive ostwärts nach Mitteleuropa wandert.
Es fällt auf, dass in der erweiterten Mittelfrist die AI-Modelle die östlichere Variante der Antizyklone über dem Nordatlantik favorisieren, was uns in gemäßigtere Atlantikluft bringen würde.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt mit zwei Clustern und dem klimatologischen Regime der Blockierung. Über Nordwest- und Mitteleuropa sitzt ein solider Keil, der unser Wetter mit einer sommerlich heißen und trockenen Witterung beeinflusst.
In der Folge (Donnerstag bis Samstag) zeigen vier Cluster durchweg eine Blockierung mit dem Kontrolllauf im ersten Cluster. Deutschland liegt mittig unter der blockierenden Antizyklone und gelangt zunehmend auf die sehr heiße Westflanke.
Im Übergangsbereich zur erweiterten Mittelfrist schwächt sich die blockierende Antizyklone nur sehr zögernd ab, bevor Anfang Juli bei zwei Clustern eine durchgreifende Abschwächung der Antizyklone auszumachen ist. Bei steigendem Geopotenzial westlich/nordwestlich von uns würden wir tendenziell in eine südwestlich bis westlich Strömung gelangen. Die Unsicherheiten mit Blick auf den Abbau dieser Antizyklone sind zum Monatswechsel aber noch als groß zu bezeichnen.
Bei den Meteogrammen in Deutschland ist ein stetiger Temperaturanstieg auszumachen, mit einem Höhepunkt am kommenden Wochenende, wo wir vielerorts Medianwerte um 38 oder 39 Grad im Ensemble entdecken. Dabei geht die zunehmende Hitze erst trocken und zum kommenden Wochenende mit steigendem Gewitterrisiko einher. In der erweiterten Mittelfrist geht der Kontrolllauf dramatisch bis unter den jeweiligen Interdezilbereich zurück, was entweder darauf hindeutet, dass das ENS die dynamische Komponente unterschätzt, oder dass der Kontrolllauf die Stabilität der Antizyklone unterschätzt.
Die bis zum kommenden Wochenende eng gebündelten Rauchfahnen zeigen hohes Geopotenzial und 850 hPa Werte, die zum kommenden Wochenende zwischen 20 und 24 Grad, im Süden vielleicht auch mal bei rund 25 Grad verweilen. In der erweiterten Mittelfrist nimmt die Streuung der Member rasch zu und auch hier fällt auf, dass der Kontrolllauf rasch in den unteren Bereich der Memberschar zurückgeht.
Beim GEFS dauert die Hitzewelle bis zum Ende der Mittelfrist mit einer eng verlaufenden Memberschar mit hoher Gewissheit weiter an, bevor in der Folge bei rasch zunehmender Streuung der Member mit einer (temporären?) Abkühlung gerechnet werden kann. Die Meteogramme heben mit einem zunehmenden Sinusverlauf ein progressiveres Keil-/Trogmuster hervor, allerdings mit tieferem Geopotenzial vor Westeuropa und somit anhaltender Zufuhr schwül-warmer Luftmassen in den jeweils aufgespannten Warmsektor der passierenden Tiefdruckgebiete (gewitterträchtig).
Es verwundert nicht bei der unterschiedlichen Handhabe der Antizyklone über dem Nordatlantik (NCEP westlicher als IFS-ENS), dass die EZ Member Anfang Juli deutlich kühlere Werte aufweisen als die von NCEP. Hier ist noch mit weiteren Anpassungen zu rechnen, je nachdem, wo genau sich die Antizyklone aufbauen wird.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die HITZE intensiviert sich die Mittelfrist über von Westen, was auch beim EFI "Temperatur" durch eine Zunahme der Anomalien und SOT-Werte abgebildet wird. Dasselbe gilt für die Minima. Bei teils rekordverdächtigen Geopotenzialwerten in 500 hPa für Juni und einer tagtäglich zunehmenden Schichtdicke hat das bei Temperaturwerten in 850 hPa von zunehmend über 20 Grad sowie beim aktuellen Sonnenhöchsttand eine teils extreme Hitze zur Folge. Innerhalb der subsaisonalen Vorhersage steigen die wöchentlichen Anomalien der 2m Temperatur in weiten Bereichen Frankreichs und lokal bis in den äußersten Westen Deutschlands reichend teils auf über 10 Kelvin an, was als extrem eingestuft werden darf.
Von Mittwoch bis Freitag breiten sich Maxima jenseits der 35 Grad sukzessive von Südwesten auf ganz Deutschland aus, sodass wir von Freitag bis Sonntag fast deutschlandweit Tageshöchstwerte zwischen 33 und 39 Grad aushalten müssen. Den Oberrhein entlang bedeutet das z.B. Höchstwerte, die während der gesamten Mittelfrist über 35 Grad verweilen. Im Zusammenspiel mit weiterer Abtrocknung und meist windschwachen Verhältnissen sind ab Freitag lokal Maxima um 40 Grad nicht ausgeschlossen. Stand heute kann im Verlauf des Wochenendes im Nordwesten eine allmähliche Abkühlung nicht ausgeschlossen werden. Wie schnell die Abkühlung ostwärts vorankommt ist noch unsicher. Küstennah bleibt es bei auflandigem Wind deutlich kühler und am Mittwoch/Donnerstag sind im äußersten Norden/Nordosten noch Maxima von unter 30 Grad zu erwarten, bevor sich die heiße Luft auch dahin ausbreitet.
Unter dem Strich wird diese Mittelfrist von einer meist hohen bis sehr hohen Wärmebelastung geprägt, was auch durch nächtliche Minima zwischen 24 und 16 Grad gesteigert wird.
GEWITTER sind ab Freitag im Westen und in der Folge deutschlandweit regional ein Thema, wobei deren Verbreitung noch unsicher ist. In Verbindung mit allmählich zunehmender Dynamik und hohen CAPE-Werten besteht dabei lokal/regional Unwettergefahr durch Hagel, Starkregen und (vom impact her) auch durch teils schwere Sturmböen. Eine überregionale Unwetterlage ist, Stand heute, (noch?) nicht auszumachen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS und angepasst das MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





