Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 23.09.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Ein Höhentief zieht über den Osten mit Schauern und stark böigem Wind. Anschließend Übergang zu Altweibersommer.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Aktuell ... wölbt sich vorderseitig eines atlantischen Sturmtiefs eine Hochdruckzone über Westeuropa auf, deren Schwerpunkt im Bodendruckfeld südwestlich der Britischen Inseln liegt. Währenddessen wird Osteuropa von einem Langwellentrog beeinflusst. Deutschland befindet sich derzeit noch unter einem Höhenkeil in einem schwach gradlinigen Bereich, in dem Absinken vorherrscht. An der Nordostflanke des Hochs schnürt sich über der Nordsee ein Cut-Off-Tief ab, das sich in der Nacht stromabwärts in Richtung Dänemark bewegt und in den Morgenstunden Nordostdeutschland erreicht. Dabei wird das Bodentief vom Höhentief überlaufen und schwächt sich folglich ab. Die zugehörige Kaltfront liegt derzeit über der Nordsee und greift im Laufe der Nacht mit schauerartigem, teils auch gewittrigem Regen (MU-CAPE ~ 400 J/kg) zunächst auf den Nordwesten und später auch auf den Nordosten über. Dabei kann es im Norden zu lokalem Starkregen von über 15 mm in einer Stunde kommen. Gegen Morgen erreicht das Niederschlagsband eine Linie von Vorpommern bis Nordsachsen. Auf der Rückseite erfasst ein Cold-Jet den Norden Deutschlands mit 850 hPa-Winden bis 40 kt, der verbreitet für Starke, vereinzelt auch stürmsiche Böen sorgt. An der Küste gibt es Sturmböen, auf den Nordfriesischen Inseln sogar einzelne schwere Sturmböen.
Ansonsten ziehen immer wieder hohe und mittelhohe Wolkenfelder durch, wobei die Luft auf 10 bis 5 °C abkühlt.
Donnerstag ... zieht das Höhentief rasch weiter über Polen und Tschechien südwärts ab. Das zugehörige Bodentief löst sich dabei weitgehend auf. Ihm folgt ein Hochdruckgebiet, dessen Schwerpunkt sich rasch nach Südwestdeutschland verlagert. Dabei fließt mit einer straffen nordwestlichen Strömung maritime Polarluft ein. Die 850-hPa-Temperatur sinkt dabei in einem breiten Streifen über die Mitte bis nach Südsachsen auf 1 °C. In der hochreichenden Kaltluft kommt es im Bereich des Höhentiefs wiederholt zu Schauern. Dabei bleibt es in einem Streifen über der Mitte bis in den Südosten zunächst noch windig. Im Tagesverlauf schwächt sich der Low-Level-Jet mit Abzug des Troges ab und die Böen lassen nach. Ansonsten setzt sich das Absinken durch, wobei es immer mehr auflockert. Im Westen und Südwesten werden nochmals Werte bis 20 °C erreicht, sonst bleibt es mit 15 bis 18 °C kühler.
In der Nacht zum Donnerstag fließt mit nördlicher Strömung unterhalb der Absinkinversion auf 850 hPa feuchte Nordseeluft in den Osten Deutschlands. Dort bleibt es zumeist dicht bewölkt und die geringe Ausstrahlung verhindert sehr niedrige Nachtwerte. Ansonsten wird die Nacht klar und es kann verbreitet zu Bodenfrost und in Tal- und Muldenlagen vereinzelt auch zu Luftfrost kommen.
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... zeigen die neuen 12z-Modelle keine wesentlichen Unterschiede zu den Vorläufen. Vorderseitig eines kräftigen Islandtiefs wölbt sich ein ausgeprägter Keil von Südwesteuropa bis Mitteleuropa auf. Dabei setzt von Westen her WLA ein. Über dem Osten liegen noch Reste der Kaltluft mit etwas dichterer Grenzschichtbewölkung unter einer Absinkinversion. Diese wird aber von Westen her immer mehr aufgelöst. Ansonsten bleibt es sonnig und warm. Dies stellt den Auftakt einer ausgeprägten Altweibersommerlage dar.
Modellvergleich und -einschätzung
ICON-D2 könnte die Böen im Bereich des Cold Jets in der Nacht und am Donnerstagvormittag etwas unterschätzen. Der 850-hPa-Wert zeigt hingegen ein höheres Potenzial für Windböen, sodass wahrscheinlich eine flächigere Windböenwarnung nötig ist.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 23.09.2026 um 10.30 UTC
Leicht wechselhaft, meist stabiler im Osten und Südosten. Warm, teils sommerlich warm, am Oberrhein zeitweise heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 30.09.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag verlagert sich der zum Ende der Kurzfrist dominierende Keil ost-/südostwärts und verliert damit allmählich seinen Einfluss auf Deutschland. Von Westen kann sich damit de Trogvorderseite langsam nähern. Im Bodenniveau greift von Westen eine tiefdruckrinne über, im Norden streift die Kaltfront eines Tiefs über Skandinavien mit teils schauerartigem Regen. Im Westen steigt im Bereich einer Tiefdruckrinne das Gewitterrisiko etwas - allerdings ist die Luftmasse insbesondere nach Süden hin noch recht trocken. Die Temperaturen in 850 hPa liegen zwischen 7 bis 8 Grad ganz im Norden und bis 15 Grad ganz im Südwesten. Im Süden ist es insgesamt meist gering bewölkt, teils sonnig und es können demnach sommerliche Höchstwerte erwartet werden, im Südwesten teils bis 29 oder knapp 30 Grad. In teils klarer Nacht zum Sonntag vor allem im Südosten niedrige, einstellige Tiefstwerte, gebietsweise auch Nebel.
Am Sonntag amplifiziert der Atlantiktrog etwas, so dass das gesamt Muster nur sehr langsam nach Osten vorankommt. Die Luftmasse wird aber wohl allmählich angefeuchtet, so dass im Westen/Nordwesten wohl im Tagesverlauf einige Quellwolken entstehen und weiterhin ein geringes Schauer-/Gewitterrisiko besteht. Im Norden/Nordosten schleifen noch Frontreste des Skandinavientiefs mit Bewölkung, kaum Regen. Im Süden, vor allem Südosten leichter antizyklonal geprägte Strömung und daher häufig gering bewölkt, teils sonnig, trocken. Die wärmste Luftmasse (850 hPa-Temperatur über 15 Grad) noch etwas nord- und ostwärts ausgreifend. Daher bis in die mittleren Landesteile häufig sommerlich warm mit Werten über 25 Grad, am Oberrhein eventuell um 30 Grad. In der Nacht zum Montag mit Annäherung des Frontensystems von Westen zunehmende Bewölkung, vereinzelt etwas Regen nicht ausgeschlossen.
Am Montag nähert sich ein Frontensystem von Westen allmählich weiter, allerdings wird diesem wohl durch eine markante Tiefentwicklung westlich der Britischen Inseln etwas das Wasser abgegraben. Über Deutschland steilt die Strömung sogar etwas auf und die Warmluftzufuhr verstärkt sich. Die 15-Grad-Isotherme in 850 hPa erreicht etwa die Mainlinie. Mit Ausnahme des Nordens können allgemein sommerliche Temperaturen über 25 Grad erwartet werden, am Oberrhein um 30 Grad. Allerdings wird die Luftmasse von Westen allmählich feuchter und in der Nähe der Trogvorderseite/im Bereich des schwächelnden Tiefausläufers kann es im Westen/Nordwesten örtlich Schauer oder mal ein Gewitter geben. Der Norden liegt sowieso näher an der Frontalzone, eventuell wird der Keil von einem flachen Kurzwellenanteil im Norden umlaufen und schwacher Fronteinfluss sorgt für mehr Bewölkung, eventuell stellenweise auch etwas Regen. das Bodendruckfeld ist relativ gradientschwach, tendenziell leicht zyklonal geprägt.
Am Dienstag zieht das markante Tief unter Intensivierung zu einem Sturmtief knapp westlich der Britischen Inseln nordnordostwärts. Das Windfeld streift Deutschland wahrscheinlich nur sehr peripher im Bereich der Nordsee, eine markante Windentwicklung deutet sich aktuell dabei nicht an. Das Frontensystem erreicht wohl knapp die westlichen Landesteile gegen Abend, wird aber durch eine neue Randtiefentwicklung über den südlichen Britischen Inseln ausgebremst. Die Strömung steilt weiter auf, die Warmluftzufuhr nimmt zum Mittwoch nochmals zu: Die subtropische Luftmasse mit mehr als 15 Grad in 850 hPa liegt über nahezu ganz Deutschland. Dabei gestaltet sich das Wetter zunächst überwiegend freundlich, im Tagesverlauf von Westen Bewölkungszunahme mit geringem Schauer-/Gewitterrisiko über dem westlichen Bergland, abends oder in der Nacht zum Mittwoch im Westen/Nordwesten etwas Regen. Sonst voraussichtlich niederschlagsfrei und von der Mitte bis in den Süden sommerlich warm, im Südwesten erneut um 30 Grad.
Am Mittwoch selbst liegt das Frontensystem wohl knapp westlich, da es durch die weitere Entwicklung des Randtiefs bei den Britischen Inseln in der Verlagerung behindert wird. In der angefeuchteten Luft und unter einer möglichen Tiefdruckrinne können sich im Westen im Tagesverlauf aber möglicherweise örtlich Schauer und Gewitter entwickeln. Erst im Laufe der Nacht zum Donnerstag greift das Frontensystem, genauer die Kaltfront, mit Regen auf den Westen über, da das Randtief dann ostwärts in Richtung Nordsee zieht. Sonst bleibt es meist niederschlagsfrei. Im Osten und Südosten ist es sowohl am Tage als auch noch in der Nacht überwiegend gering bewölkt oder sonnig.
In der erweiterten Mittelfrist zeigen sich sehr unterschiedliche Lösungen, allerdings alle zyklonal dominiert mit Durchgang von Frontensystem und zeitweiligem, eventuell auch nennenswertem Regen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist zunächst ganz gut, erst ab Dienstag nehmen die Unsicherheiten mit größeren Differenzen hinsichtlich der Ausprägung und Position des atlantischen Troges bzw. Höhentiefs und dem korrespondierenden Bodentiefkomplex deutlich zu. Dabei nimmt der aktuellste IFS-Lauf die zyklonalste Variante für unser Vorhersagegebiet ein und simuliert ein sich potenziell entwickelndes Sturmtief am weitesten östlich im Bereich Schottland. Dieses greift voraussichtlich aber nicht auf unser Vorhersagegebiet über, sondern zieht im weiteren Verlauf nordwärts.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bis einschließlich Montag simulieren auch andere Globalmodelle wie ICON und GFS die Wetterentwicklung sehr ähnlich. Mit der Tiefentwicklung über dem Atlantik zum Dienstag nehmen die Differenzen deutlich zu, wobei GFS eine verzögerte und südlichere Tiefentwicklung mit Verlagerung zunächst ostwärts simuliert. ICON zeigt ebenfalls eine Sturmtiefentwicklung, allerdings weiter westlich. Insgesamt ohne Einfluss auf unser Vorhersagegebiet. Vorderseitig dieser Tiefentwicklung wird von allen ein Aufsteilen der Strömung gezeigt, beim ICON am deutlichsten mit Keil direkt über Deutschland.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse des IFS zeigt für den ersten Zeitraum von Samstag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC (+72 bis + 96 h) vier Cluster mit 20, 12, 11 und 8 Membern, Kontrolllauf in Cluster 1. für Mitteleuropa steht dabei die Abschwächung des Hochdruckeinflusses im Fokus, allerdings durchweg ohne zügigen Übergang zu zyklonalem Wettergeschehen (langsame Trogannäherung, aber kein Übergreifen). Daher ergeben sich keine prognoserelevanten Aspekte. Im Folgezeitraum von Montag 00 UTC bis Mittwoch 00 UTC (+120 bis +168 h) sind es zwei Cluster mit 34 bzw. 17 Membern, Kontrolllauf in Cluster 1. Der Hauptunterschied bezieht sich auf die Sturmtiefentwicklung/ Austrogung über dem Ostatlantik. Cluster 1 zeigt diese nördlicher, bei Cluster 2 könnte sich aus der südlicheren Position eventuell ein etwas größerer Einfluss des Windfeldes auf unser Vorhersagegebiet ergeben. Für die erweiterte Mittelfrist ab Donnerstag 00 UTC (+192 h) werden vier, tendenziell zyklonal dominierte Cluster gezeigt. Die Lösungen im Detail sind recht unterschiedlich, bei allen dominiert das Regime "Blocking", allerdings über Ost-/Nordosteuropa.
Die Rauchfahnen zeigen insgesamt ein relativ hohes Temperaturniveau, im Norden etwas weniger markant als in der Mitte und im Süden, vor allem im Süden im gesamten Mittelfristzeitraum mit geringem Spread. Der Spread nimmt zur erweiterten Mittelfrist deutlich zu und zeigt tendenziell ein eher abnehmendes Niveau. Es überwiegend im gesamten Mittelfristzeitraum leichte Niederschlagssignale in der Mitte und vor allem im Norden, im Süden eigentlichen erst zum Übergang in die erweiterte Mittelfrist. Zum Donnerstag/Freitag dann allgemein deutliche Niederschlagssignale. Das Geopotenzial in 500 hPa schwankt leicht, im Norden mehr als im Süden. Geopotenzialfall mit zunehmendem Spread deutet sich erst zur erweiterten Mittelfrist an, im Kontrolllauf allerdings markanter als bei der Mehrzahl der Member.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Insgesamt deuten sich im Mittelfristzeitraum kaum markante Wetterereignisse an. Zum Dienstag streift möglicherweise das Windfeld des Sturmtiefs bei den Britischen Inseln, markante Böen sind dann insbesondere im Bereich der Nordsee möglich, aber aktuell eher unwahrscheinlich. Ein gewisses Gewitterpotenzial besteht vor allem in den westlichen Landesteilen vielleicht am Sonntag, eher aber am Montag und Mittwoch. Die Entwicklung ist aber unsicher und bis dato deuten sich dabei keine markanten Entwicklungen an. Der EFI zeigt ganz geringe Signale für CAPE shear im Westen und Nordwesten am Montag und Dienstag.
Mit Ausnahme von Signalen für eher überdurchschnittliche Temperaturen ab Sonntag gibt es im Prinzip keine EFI-Signale für markante Wetterereignisse.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger





