Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 27.08.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von HNFa zu SWz

Ab heute Abend aus Westen Gewitterlage mit Unwetterpotential. Am Freitag vor allem im Süden, nachmittags im Südosten starke Gewitter mit örtlichen Unwettern.
Außerdem in Nordwestdeutschland, gegen Abend bis zur Mitte markante Gewitter und vereinzelte Unwetter.

Außerdem an der westlichen Ostsee und im nördlichen Schleswig-Holstein heute steife bis stürmische Böen aus Ost. Morgen im Raum Rügen Böen Bft 7 bis 8. Auf Alpengipfeln ab dem Abend Sturmböen wahrscheinlich, vereinzelt mit Bft 8 in die Täler ausgreifend. Morgen im Tagesverlauf von Westen wieder nachlassender Föhn.

Am Samstag Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag... weite Teile Deutschlands liegen heute noch im Einflussbereich eines Höhenrückens, der vom zentralen Deutschland nach Ostdeutschland schwenkt und bis nach Nordosteuropa reicht, wo das Hoch über Finnland und Nordwestrussland gestützt wird. Nur der Westen Deutschlands kommt bereits auf die Vorderseite eines hochreichenden Tiefdrucksystems über West- und Südwesteuropa. Über Frankreich schwenkt die Kaltfront eines von Westfrankreich nach England ziehenden Randtiefs langsam ostwärts und erreicht zum Abend die belgische Küste und Zentralfrankreich. Davor wird mit südwestlicher bis südlicher Strömung sehr warme bis heiße und labile Luft herangeführt, in der die 850-hPa-Temperatur auf 15°C an der Nordsee und 23°C in Südbayern steigt. Dabei erreicht das niederschlagbare Wasser im Südwesten und Westen sowie in der Mitte 32 bis 40 mm und es entwickelt sich am Nachmittag und Abend Cape-ML zwischen 400 und 1200 J/Kg, wobei aber tagsüber meist ein Deckel besteht und die Auslösetemperatur nicht erreicht wird. Zum Abend driften aber von Frankreich und Benelux einzelne teils gewittrige Schauer nach NRW, Rheinland-Pfalz und nach Südbaden. Die Gefahr von starken Gewittern ist aber vorhanden. Während in der Westhälfte der Sonnenschein durch hohe und mittelhohe Wolkenfelder zeitweise eingeschränkt wird, scheint von Bayern bis zur Ostsee meist die Sonne.
Die Höchstwerte erreichen im Süden und Westen sowie in der Mitte in den Niederungen 30 bis 34°C mit den höchsten Werten am Oberrhein. Im Norden und Osten werden 26 bis 29°C, an der Küste nur 21 bis 25°C erreicht. Der Wind weht schwach bis mäßig, im Nordosten auch frisch aus Ost bis Südost. An der westlichen Ostsee und im nördlichen Schleswig-Holstein sowie auf den Nordfriesischen Inseln gibt es steife, exponiert stürmische Böen.

In der Nacht zum Freitag schwenkt der Höhenkeil nach Westpolen und der westeuropäische Trog, dessen Drehzentrum nach Großbritannien zieht, nähert sich von Frankreich her. Wir liegen damit zunehmend auf seiner diffluenten Trogvorderseite. Zunächst feuchtet sich vor der Kaltfront die Troposphäre weiter an, die PPWs steigen vom Oberrhein bis zum westlichen Niedersachsen teils auf 40 bis 46 mm und durch die flatternde Süd- bis Südwestliche Höhenströmung werden Hebungsimpulse gesetzt. Damit nimmt von Baden bis nach Nordwestdeutschland die Gewittergefahr zu und bei zunehmender Scherung (sowohl Deep-Layer-Shear als auch die Scherung in der unteren Troposphäre) muss auch mit der Bildung von Superzellen gerechnet werden. Das Starkregenpotential nimmt dabei auch nach ICON-D2-EPS etwas zu.

In der zweiten Nachthälfte erreicht die Kaltfront schließlich den äußersten Westen und sorgt dort für eine Beruhigung der Gewitteraktivität. Gleichzeitig erreichen die Gewitter die Mitte und sogar Sachsen-Anhalt sowie Mecklenburg.

Ausgespart von diesen Vorgängen sind der Nordosten Deutschlands sowie weite Teile Bayerns. Die Bewölkung wird sich zwar verdichten, es bleibt aber bis in die Frühstunden häufig trocken. Die Tiefstwerte reichen bundesweit von 19 bis 14 Grad.
An der Ostseeküste und auf den Nordfriesischen Inseln sowie auf Helgoland bleibt der Ost- bis Südostwind kräftig mit steifen bis stürmischen Böen. Auf den Bergen Südwestdeutschlands muss mit Sturmböen aus Südwest gerechnet werden (In den Alpen Föhn).

Freitag... verlagert sich das Drehzentrum des Höhentroges, ebenso wie das Bodentief zur nördlichen Nordsee, während die Trogachse zum Tagesende Westdeutschland erreicht, wobei tagsüber noch ein Kurzwellentrog nordostwärts abläuft. Die vorderseitige Kaltfront überquert den Norden zügiger ostwärts, hängt aber über Bayern schleifend zurück.

Im präfrontalen Südosten liegt noch die instabile Warmluft, die tagsüber mit Einstrahlung wieder aktiviert werden kann. So sind an der Kaltfront ohnehin schauerartige (Stark)Regenfälle möglich über Süddeutschland, im Tagesverlauf im Südosten auch teils schwere Gewitter mit Unwetterpotential, da weiter sehr feuchte Luft mit Cape >1000 J/kg sowie hochreichende Scherung dort überlappen. Vorübergehend wird es am Alpenrand erneut föhnig.

Die postfrontal von SW einströmende Luft hat aber auch einiges Potential. Sie bleibt feucht und labil und gerät auf der Trogvorderseite schließlich auch wieder unter Hebung. Die PPWs sinken unter 37 mm, aber es entwickelt sich ML-Cape zwischen 500 und knapp über 1000 J/Kg bei anfangs noch mäßiger bis starker Scherung. Auch dort sind tagsüber wieder Schauer und teils kräftige Gewitter zu erwarten mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Ebenso sind auch dort kleinräumig Unwetter nicht ausgeschlossen, da weiter gut ausgeprägte Scherung mit der Konvektion überlappt. Zunächst ist der Westen und Nordwesten etwa vom Hunsrück über NRW bis nach Schleswig-Holstein betroffen, am frühen Abend dann zunehemnd die Mitte und auch Mecklenburg-Vorpommern. Wegen der kräftigen Scherung können im Nordwesten und im Südosten Tornados nicht ausgeschlossen werden.

Am wenigsten geht konvektiv wahrscheinlich in einem schmalen Streifen vom mittleren Baden nordostwärts, also zwischen der Aktivitätszone im Südosten und über dem Westen und Norden Deutschlands.

Der Druckgardient am Rand des Tiefs nimmt über dem Westen und Südwesten zu, sodass der Wind dort großflächiger auffrischt mit steifen Böen in exponierten, etwas höheren Lagen, im Bergland stürmischen Böen oder Sturmböen. Auch im Südosten sind auch außerhalb der Gewitter Sturmböen möglich, da eine Druckwelle durchgeht.

In der Osthälfte werden es nochmal 25 bis 31°C, in der Westhälfte 21 bis 25°C.

In der Nacht zum Samstag beruhigt sich das Wetter von Westen her langsam. Die Kaltfront verlässt uns Richtung Osten, der Trog schwenkt ebenfalls über uns nach Osten zur östlichen Mitte. Die Regenfälle und Gewitter über dem Südosten ziehen Richtung Polen, Böhmen und Österreich ab und auch die Gewitter im Norden verlassen uns zur Ostsee nach Dänemark hin. Was bleibt sind schwächere Schauer, die über die Mitte ostwärts ziehen können.

Der Südwestwind, vor allem an den Küsten und im Bergland weht lebhaft mit einigen starken bis stürmischen Böen, auf exponierten Gipfeln mit Sturmböen.

Samstag... Der Höhentrog schwenkt von Deutschland nach Polen und die Kaltfront zieht ostwärts bis südostwärts ab. Der nächste flache Keil erreicht abends bereits Bayern und die westliche Ostsee, so dass auf seiner Rückseite die nächste Trogvorderseite den Westen Deutschlands erreicht. So nimmt im Westen bereits wieder am Nachmittag die Bewölkung zu und gegen Abend fängt es im Westen und Nordwesten an leicht zu regnen. Gewitter sind dann aber dank stabiler Schichtung unwahrscheinlich. Nachdem letzte Tropfen morgens noch in der Nähe der tschechischen Grenze fallen können, kommt in der Osthälfte Deutschlands länger die Sonne zum Vorschein. Im Westen verschwindet die Sonne im Tagesverlauf. In der von Südwesten einströmenden warmen Meeresluft (Temperatur in 850 hPa am Nachmittag meist um oder etwas über 10 Grad) erreichen die Höchstwerte meist 22 Grad an der Nordsee und 27 Grad in Niederbayern.
Der Südwestwind weht zeitweise mäßig, in Böen frisch bis stark. An der Nordsee und in höheren Lagen sind steife bis stürmische Böen möglich. Auf dem Brocken sind Sturmböen wahrscheinlich.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt der nächste Kurzwellentrog über den Westen bis nach Ostdeutschland durch. Die zugehörige Okklusion überquert weite Teile Deutschlands ostwärts, kommt aber im Süden ohne große Wetteraktivität ins Schleifen. In der Nordhälfte muss aber mit schauerartigem Regen und einzelnen Gewittern gerechnet werden. Starkregen ist aber unwahrscheinlich. Es wird eine milde Nacht mit Werten zwischen 17 Grad an der Nordsee und 12 Grad im Bayerischen Wald.
Der Südwestwind bleibt an der Nordsee frisch mit steifen Böen und auf exponierten Bergen muss mit Sturmböen gerechnet werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Updraft-Helicity von ICON-D2-EPS springt heute gegen 18 UTC in Südbaden an. Insofern ist dort bereits am Abend eine kräftige Gewitterentwicklung bis hin zur Superzelle möglich und ICON-D2 zeigt im Westen bereits Aktivität. Im weiteren Verlauf des Abends ist dann Nordbaden, die Pfalz und das nördliche NRW betroffen von hohen Wahrscheinlichkeiten der Updraft Helicity (Superzellen möglich). Morgen Vormittag ist dann der Süden, Nachmittags nur noch Südostbayern betroffen.
Abgesehen davon sind im Bereich des Kurzwellentroges am Freitag im Nordwesten, abends in der Mitte einzelne kräftige Gewitter möglich bis hin zu kleinräumigen Unwetter.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden