Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 25.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Mischung aus TrM (Trog Mitteleuropa) und NWz (Nordwest zyklonal), Richtung Wochenende eher BM (Brücke Mitteleuropa)
Heute aktive Kaltfrontpassage mit markantem Luftmassenwechsel, Wind/Sturm und Temperatursturz. Nachfolgend wechselhafter und im Bergland winterlicher. Am Freitag Zwischenhocheinfluss (OTTO).
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... steht ganz im Zeichen einer aktiven Kaltfrontpassage mit nachfolgendem Luftmassenwechsel, der seinen Namen aber mal so was von verdient hat: arrivederci Subtropikluft (xSp/cSp), benvenuto Polarluft (mP/mA). Es wird zweifelsfrei ein spürbarer Temperatursturz werden, der uns heute bevorsteht. Und so wie es aussieht, ist das Thema Kaltluftzufuhr nicht nur eine Eintagsfliege, sondern wird uns wohl bis weit in die kommende Woche und vielleicht - wer weiß das schon - noch darüber hinaus beschäftigen. Doch zurück zum Hier und Jetzt, wo die Kaltfront (KF) bereits am frühen Morgen den Nordwesten hinter sich gelassen hat (teils gesplittet, wie man schön an der Radarsignatur erkennen kann) und nun straight ahead ohne Umwege und über Los zu gehen mit 1-2 schmalen Regenbändern südostwärts schwenkt. Am Nachmittag erreicht sie Nieder- und Oberbayern, so dass bis zum Abend das ganze Land mit hochreichender und labil geschichteter, aber nicht allzu feuchter (von Nordwesten Rückgang PPW auf unter 10 mm) geflutet ist. Der postfrontal unmittelbar folgende Potenzialtrog korrespondiert mit einem ausgewachsenen thermischen Trog, in dem T500 in der NW-Hälfte bis zum Abend auf Werte um -35°C, während auf 850 hPa -3/-4°C auf dem Zettel stehen. Mithin also steile Lapse Rates, die sich in einer regen, teils staffelartig organisierten Schauertätigkeit mit eingelagerten Graupelgewittern widerspiegelt - ordentlich was los uff de Gass, und da haben wir noch kein Wort über den Wind verloren.
Der spielt heute nämlich die erste Geige, wie man in Teilen des Lands heute früh schon eindrucksvoll spüren konnte. Kein Wunder, sind es doch gleich zwei Tiefs (LIVIA und MARLIES), die beim heutigen Schauspiel die Regie führen. LIVIA, sozusagen die "Mutter" und ihres Zeichens steuerndes 975-hPa-Tief, verbringt den heutigen Tag quasistationär unweit der Lofoten, während "Tochter" MARLIES (entstanden aus einer Welle) am Morgen den Skagerrak gen Südschweden passiert. MARLIES weist auf der kalten Seite einen gut definierten Bodentrog mit Kommastruktur im Radar auf, der bis heute Mittag zügig das norddeutsche Flachland ostwärts überquert. Dabei frischt der von SW auf W bis NW drehende Wind in sehr gut geschertem Umfeld sowie mit Hilfe eines regen Impulstransports von oben (Höhenwinde 925 hPa um 40 Kt, 850 hPa bis zu 50 Kt) vorübergehend stürmisch auf mit Böen 8-9, an den Küsten bis 10, vereinzelt sogar 11 Bft. Hinter dem Bodentrog nimmt der Wind wieder ab, bleibt aber böig und erreicht in Schauern noch Spitzen 7-8 Bft.
Das zweite Windmaximum (die Hochlagen des Berglands, die je nach Exposition auf Böen 8 bis 10, Brocken/Feldberg 11 bis 12 Bft kommen, mal außen vor gelassen) tritt gegen Mittag für ein relativ kurzes Zeitfenster im Süden, grob südlich der Donau auf, wo mit Annäherung der KF der berühmte Leitplankeneffekt greift. Heißt, der westlich Winde frischt dort spürbar auf mit Spitzen 8 Bft, teils sogar 9 Bft, bevor er am Nachmittag schon wieder nachlässt. Für den großen Rest der Nation gilt, dass der auf W bis NW drehende Wind immer mal wieder böig aufbrisen kann mit Böen 7 Bft, vereinzelt 8 Bft. Direkt an der Kaltfront und im Falle eines soliden Graupelgewitters sind sogar glatte Sturmböen 9 Bft nicht abwegig. Auf der anderen Seite soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass der Wind allgemein schon am Nachmittag, vor allem dann aber am Abend merklich nachlässt.
Zurück noch mal zum Niederschlag, wo das Thema "Schnee" mal wieder in den Fokus unseres Interesses rückt. So sinkt die Schneefallgrenze bis zum Abend mit der Kaltluft von NW her ab auf 800 bis 600 m, im Südosten um 1000 m, ganz im Westen etwa bis zu 400 m. Heißt, die Schauer gehen im Bergland entsprechend in Schnee über. Aufgrund der guten Durchmischung sowie der eher warmen Vorgeschichte, dürfte es erstmal nicht für eine nennenswerte Neuschneeakkumulation reichen. Sollte sich allerdings ein Schauer irgendwo im West-Nordweststau festtackern und etwas intensiver Ballast abwerfen, könnte es schon kurzzeitig weiß oder zumindest matschig/rutschig werden. Gleiches gilt übrigens für den Fall eines kräftigen Graupelschauers/-gewitters.
Bliebe abschließend noch die Würdigung der Temperatur, die präfrontal im Osten und Südosten nochmal auf 14 oder 15, in Südostbayern vielleicht bis zu 18°C steigt, bevor es im Tagesverlauf ordentlich was auf die Glocke gibt und wie bereits zuvor in den anderen Regionen nur noch 8 bis 12°C (in Schauern sinkt die Temperatur kurzzeitig noch etwas weiter ab) auf der Karte stehen.
In der Nacht zum Donnerstag weitet sich der Trog über die Alpen hinweg weiter nach Süden aus, wodurch die bereits tagsüber über dem Golf von Genua begonnene Zyklogenese weiter forciert wird. Derweil zieht unsere MARLIES über Schweden dicht an der Bottenbusenküste nach Norden. Zwischen ihr und dem nach Osten verschobenen Azorenhoch stellt sich eine leidliche, durch die Tageszeit aber gedämpfte nordwestliche, im Norden westliche Grundströmung ein, die nur an der See sowie im höheren Bergland noch Böen 7-8, in einigen exponierten Hochlagen 9 Bft zulässt. Ansonsten bleibt die Windgeschwindigkeit unterhalb der unteren Warnschwelle.
Während sich also der Wind gegenüber seinem Tageswerk ganz klar auf dem absteigenden Aste befindet, gilt das für den Niederschlag nur bedingt. Okay, im Osten und Nordosten, in Teilen auch in der Mitte (Leelagen) trocknet es soweit ab, dass nur noch ganz wenige oder gar keine Schauer mehr auftreten. Ansonsten aber bleibt die Labilität im bzw. unter dem Potenzial- sowie dem thermischen Trog erhalten, so dass mit Hilfe der Orografie (Stichwort Stau) vornehmlich im Bergland, aber auch im west-nordwestdeutschen Tiefland zu weiteren Schauern kommt. Für den Alpenrand, wo sich eine Nord-Nordweststaulage einstellt, ist der Begriff "Schauer" eine gehörige Untertreibung, setzen dort doch länger andauernde bis in die Täler reichende Schneefälle ein. Bis zum Morgen können dort oberhalb etwa 800 m 3 bis 10, in Staulagen bis zu 20 cm Neuschnee zusammenkommen. Addiert man die am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag noch auftretenden schauerartigen Schneefälle dazu, könnten in den Alpen oberhalb etwa 1000 m am Ende durchaus 15 bis 30, in exponierten Staulagen bis zu 50 cm ("halber Meter") im Bilanzheft stehen. In lagen darunter ist es weniger, aber immer noch genug, um von einem späten, aber keinesfalls unnormalen Wintereinbruch zu sprechen. Prominentester Vertreter nach den Alpen dürfte der Schwarzwald sein, wo in höheren Lagen bis zum Morgen 5 bis 15 cm, in einigen Staulagen durchaus bis zu 25 cm zusammenkommen können. Auch abseits dieser beiden schillernden Gebirge sind gerade im Süden und Westen, im zentralen Mittelgebirgsraum bis hinüber zum Erzgebirge Schneeschauer bis weit runter möglich - für eine Schneefallwarnung häufig zu wenig, für eine Glättewarnung aber allemal genug, zumal lokal auch noch gefrierende Nässe dazukommen kann. So droht vor allem im Bergland, bei längerem Aufklaren aber auch in tieferen Lagen leichter Frost bis zu -4°C.
Donnerstag... setzt der Trog südlich der Alpen über Italien respektive der Adria zum Cut-Off an, während sich das korrespondierende Bodentief (int. Deborah) via Adria langsam ostwärts in Richtung Balkan orientiert. Wir verbleiben unter dem Trogresiduum, das aber sowohl von Westen als auch von Osten potenzialtechnisch in die Zange genommen wird. Besonders im äußersten Westen ist im Tagesverlauf eine deutliche Stabilisierung erkennbar (Anstieg T500 auf rund -25°C), während uns sonst die Höhenkaltluft noch erhalten bleibt (T850 -4 bis -8°C, T500 -23 bis -36°C). Derweil nimmt das Bodendruckfeld zunehmend antizyklonale Züge an, was vornehmlich dem KLA-bedingten Druckanstieg zu verdanken ist. So scheibt sich von Westen her ein Azorenhochkeil zu uns herein, der den Namen OTTO trägt und sich sogar bis zum östlichen Mitteleuropa vorwagt, um dort quasi das "Adriatief" von der Lappland ansteuernden MARLIES trennt.
Wettertechnisch scheint es morgen am besten der Begriff "Aprilwetter" zu treffen, stellt sich doch landesweit wechselnde Bewölkung ein, aus der sich immer wieder Regen-, Schneeregen-, Graupel-, im Bergland durchweg, im Flachland bei ausreichender Intensität Schneeschauer entwickeln. Kurze Graupelgewitter sind ebenfalls zu erwarten, auch wenn aufgrund der recht trockenen Polarluft (PPW nur 5 bis 8 mm) kaum CAPE vorhanden ist. Nach Osten und Nordosten zu ist die Schaueraktivität u.a. durch Skandenföhn gedämpft, Gleiches gilt für die Leelagen des Bergland. Dafür kann´s gerade im Luv durchaus mal etwas kräftiger zur Sache gehen, auch wenn der Ergiebigkeit durch den geringen Wasserdampfgehalt der Luftmasse natürlich Grenzen gesetzt sind. Am meisten geht diesbezüglich weiterhin an den Alpen, wo immer wieder Schauer gegen die Berge gedrückt werden und in Summe weiter 5 bis 10, in Staulagen bis zu 15, vereinzelt vielleicht 20 cm abladen.
Wind gibt´s auch wieder, wenn auch längst nicht in dem Maße wie heute. Betroffen vor allem die höheren Alpengipfel, wo sich die Nähe zum "Adriatief" bemerkbar macht. Böen 9 bis 10 Bft sind dort keine Seltenheit. Darüber hinaus sind der Norden und Nordwesten betroffen, wo der NW-Wind insbesondere, aber nicht ausschließlich in Schauern spürbar aufmuckt mit Böen 7 bis 8 Bft. Wind hin, Böen her, mit 6 bis 9°C, im Bergland sowie an den Alpen 1 bis 4°C und in höheren Lagen sogar leichtem Dauerfrost wird der morgige Donnerstag ein verdammich kühler Tag, wohl der kühlste der Woche.
In der Nacht zum Freitag steigen Luftdruck und Potenzial weiter an, so dass die eingeflossene Polarluft nicht nur zur Ruhe kommt, sondern auch weiter stabilisiert. Schauer werden immer seltener, lediglich an den Alpen bleiben sie staubedingt als treue Seelen unterwegs, wenn auch mit abnehmender Intensität (5 bis 10, vereinzelt bis 15 cm innert 12 h). Zwar halten sich noch einige Restwolken, gleichwohl lockert bzw. klart es vielerorts auf, was die Temperatur verbreitet in den leichten, stellenweise (nicht nur im Bergland) mäßigen Frostbereich rauschen lässt. Sollten Beläge von den Tagesniederschlägen noch nicht abgetrocknet sein, besteht lokal die Gefahr gefrierender Nässe. Frostfrei bleibt es voraussichtlich nur direkt an den Küsten sowie im nördlichsten norddeutschen Flachland.
Freitag... schlägt der mittlerweile wuchtige Azorenhochkeil eine Brücke zum Hoch über Russland. Und auch in der Höhe wird das Setup immer antizyklonaler, weil das Trogresiduum "zugeschüttet" wird und sich sogar eine zaghafte Potenzialbrücke aufbaut. Die Mitteltroposphäre wird deutlich wärmer (T500 nur noch -20 bis -24°C), während es niedertroposphärisch noch ziemlich kalt bleibt (T850 am Morgen um -7°C, am Abend um -5°C). Etwas milder wird die unterer Troposphäre im Nordwesten, was der Annäherung einer Warmfront geschuldet ist. Sie gehört zu einem Sturmtief (NGA) bei Island und nähert sich von der Nordsee her den Küsten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Dort zieht im Tagesverlauf stratiforme und zunehmend dichte Bewölkung auf, wobei der Begriff "dicht" doppelte Bedeutung besitzt - es bleibt bis zum Abend trocken.
Diese Aussage trifft auch auf den großen Rest der Republik zu, wenn man mal letzte Schneeschauer am Vormittag am Alpenrand in den Skat drückt. Sonst bleibt es im Süden und Südosten noch längere Zeit wolkig, während sonst vielerorts die Sonne scheint. Tagesgangbedingt bilden sich aus der labilen Grundschicht heraus (Inversion zwischen 900 und 800 hPa) einige Quellungen, die hier und da auch mal breitlaufen können. Häufig sprechen wir aber von heiter bis wolkigen Bedingungen mit Tageshöchstwerten zwischen 5 und 10°C, im Westen stellenweise etwas darüber, im Bergland sowie im Alpenvorland mit 1 bis 5°C darunter. Der Wind spielt keine große Rolle, lediglich über der Deutschen Bucht frischt er vor der Warmfront aus Südwesten kommend böig auf. Ob das schlussendlich in eine kleine Warnung mündet (Helgoland, Küste SHs), bleibt abzuwarten.
In der Nacht zum Samstag greift das zunehmend okkludierende Frontensystem von NGA auf den Westen und Norden über. Mit dabei ein stratiformes Niederschlagsgebiet, das überwiegend Regen, beim Erreichen der Mittelgebirge aber auch etwas Schnee bringt. Nicht ausgeschlossen, dass am Vorderrand des Gebietes auch im Tiefland mal ein paar Flocken fallen. Zudem frischt der Südwestwind nun an der Nordsee tatsächlich soweit auf, dass die ein oder andere Böe 7 Bft auftritt. Aber nur für kurze Zeit, denn mit Durchgang der Okklusion und nachfolgender Winddrehung auf Nordwest ist der Spuk auch schon wieder vorbei.
In der SO-Hälfte verläuft die Nacht gering bewölkt oder klar mit leichtem bis mäßigem Frost.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die Lage sehr ähnlich. Kleinere Unterschiede halten sich im Rahmen handelsüblicher Prognoseunschärfen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 25.03.2026 um 10.30 UTC
Wechselhafte und teils kühle Witterung, ab Montag mit kräftigen Schneefällen in den Alpen und vorübergehend auffrischendem Wind.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.04.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag erstreckt sich tiefer Luftdruck vom Europäischen Nordmeer über Grönland bis nach Kanada. Von einem hochreichenden Teiltief zwischen Island und Norwegen ausgehend, schwenkt ein Trog im Tagesverlauf von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien und tropft dabei am Abend über Frankreich ab. Das resultierende Tief zieht in der Folge in den Löwengolf. Ein weiteres Tief liegt im östlichen Mittelmeer und der Balkanhalbinsel mit Kern über Griechenland. Deutschland befindet sich zunächst unter einer Hochdruckbrücke, die sich von einem Hoch nahe der Azoren bis nach Westrussland erstreckt, wird jedoch in der Nacht zum Sonntag vom Trogresiduum erreicht.
Am Boden erkennt man ebenfalls eine Hochdruckbrücke, die von einem Hoch nördlich der Azoren ausgeht und sich über den Süden und Osten Deutschlands bis nach Westrussland erstreckt. Von dem Tief zwischen Island und Norwegen geht eine Kaltfront aus, die bereits in der Nacht zum Samstag den Nordwesten Deutschlands erreicht und im weiteren Verlauf südostwärts durchschwenkt, dabei jedoch zunehmend unter Hochdruckeinfluss gerät. Dieser verstärkt sich ausgehend von den Azoren in der Nacht zum Sonntag. Mit diesem Ausläufer gelangt vorübergehend etwas mildere Luft nach Deutschland (850 hPa-Temperatur um 0 Grad Celsius), prä- und postfrontal ist etwas kältere Luft wirksam (850 hPa-Temperatur bis -6 Grad Celsius). Insbesondere im Südwesten und Süden Deutschlands reicht dies voraussichtlich für etwas Schneefall. Die teilokkludierte Front eines im Verlauf bei Island aufziehenden weiteren Tiefs erreicht ausgangs der Nacht zum Sonntag die Britischen Inseln.
Am Sonntag zieht das Trogresiduum unter Abschwächung weiter in die Ostsee und ins Baltikum. Von den Azoren ausgehend wölbt sich ein kleiner Rücken über Deutschland und Skandinavien hinweg bis ins Europäische Nordmeer. Von Island her intensiviert sich jedoch ein weiteres Tief. Von diesem ausgehend vergrößert ein mit kalter Höhenluft angereicherter Trog seine Amplitude und erstreckt sich Montagfrüh bereits über Skandinavien bis in den DACH-Raum. Dabei wölbt sich ein weiterer breiter Rücken von den Azoren bis nach Island auf. Deutschland liegt zunächst unter Hochdruckeinfluss, wobei der äußerste Südosten anfangs noch von der abziehenden Kaltfront beeinflusst wird, die an den Alpen noch etwas Schnee bringt. Das okkludierte Frontensystem des Islandtiefs, das in einen zweiten Tiefkern über Skandinavien übergeht, erreicht im Nachmittagsverlauf den Nordwesten Deutschlands und kommt bis Montagfrüh in den Osten und Süden voran. Da das Azorenhoch weiterhin recht ortsfest nordöstlich der Azoren liegt, stellt sich rückseitig des Tiefausläufers eine nordwestliche Strömung in Deutschland ein. Gleichzeitig wird der Ausläufer rückläufig und geht über in die Warmfront eines Randtiefs auf dem Nordostatlantik südlich von Island. An den 850 hPa-Temperaturen über Deutschland ändert die Okklusion nur wenig, meist liegen diese bei -1 bis -5 Grad Celsius.
Am Montag zieht der Trog über Deutschland nur langsam ostwärts und vergrößert weiter seine Amplitude bis er schließlich Dienstagfrüh über Österreich Abtropftendenzen zeigt. Die kälteste Höhenluft befindet sich über der Osthälfte Deutschlands. Von Westen schiebt die Vorderseite des vom Azorenhoch ausgehenden Rückens, dessen Achse sich über die Britischen Inseln bis nach Skandinavien erstreckt, mit milderer Luft herein.
Die Okklusion über Deutschland zieht rasch südostwärts ab. Durch die kalte Höhenluft (850 hPa: -2 bis -5 Grad Celsius; 500 hPa: in der Osthälfte um -35 Grad Celsius) bilden sich in einer nordwestlichen Strömung zahlreiche Schauer, die in den Mittelgebirgen und eventuell sogar im Nordosten und Osten auch als Schnee oder Schneeregen fallen können sowie einzelne Graupelgewitter. An den Alpen treten Stauniederschläge auf, wobei die Schneefallgrenze bis Dienstagfrüh voraussichtlich bis in Tallagen absinken kann.
Am Dienstag verlagert sich die höhenkalte Luft weiter nach Osten. Das über Österreich abgetropfte Tief zieht ins zentrale Mittelmeer. Die Achse des vom Azorenhoch ausgehenden Rückens schwenkt bis Mittwochfrüh nach Deutschland und führt einen Schwall milderer Höhenluft zu uns. Gleichzeitig ziehen weitere Tiefkerne von Island in Richtung Skandinavien, wo die kalte Luft in größeren Höhen weiterhin wetterwirksam ist.
In Deutschland macht sich bereits Dienstagfrüh im Nordwesten die Warmfront des nach Südnorwegen ziehenden Randtiefs bemerkbar und überquert Deutschland im weiteren Verlauf. Die zugehörige Kaltfront greift ausgangs der Nacht zum Mittwoch auf den äußersten Norden Deutschlands über. Die zunächst noch recht kalte Luft im Süden Deutschlands (850 hPa-Temperatur um -5 Grad Celsius) wird allmählich ausgeräumt. Im Warmsektor liegt die 850 hPa-Temperatur meist im niedrigen einstelligen Bereich.
Am Mittwoch etablieren sich mehrere Tiefkerne über Skandinavien und dem Baltikum. Die Achse des Rückens über Deutschland wird dabei nach Norditalien abgedrängt. Somit befinden wird uns in einer nordwestlichen Höhenströmung, wobei die kälteste Höhenluft über dem Norden zu finden ist. Am Boden schwenkt die Kaltfront vom Norden bis zur Mitte Deutschlands, kommt dann aber nicht weiter südwärts voran, da sie rückläufig wird und in ein bei Schottland entstandenes Randtief übergeht. Dieses Randtief ist im aktuellen IFS-Lauf recht flott unterwegs und erreicht bereits in der Nacht zum Donnerstag den Nordwesten Deutschlands.
In der erweiterten Mittelfrist von Donnerstag bis Samstag zeigt sich im aktuellen Lauf ein weiterer Trogvorstoß über Osteuropa, gleichzeitig wölbt sich ein Rücken von den Azoren bis ins Europäische Nordmeer. Deutschland liegt dabei in einer nördlichen Strömung unter kalter Höhenluft. Am Boden streift zunächst ein Randtief den Nordosten Deutschlands, bevor zum Wochenende ein Ableger des Azorenhochs seinen Schwerpunkt in den Westen Deutschlands verlagert.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis Montag ist die Konsistenz der neuesten IFS-Modellläufe recht gut. Am Montag selbst gelangt die kalte Höhenluft im aktuellen IFS-Lauf etwas schneller nach Deutschland, als das in den Vorläufen der Fall war. Gleichzeitig ist die Drängung der Linien gleichen Geopotentials des damit verbundenen Höhentroges nicht mehr ganz so eng. Auch am Boden war die Drängung der Isobaren und somit der Gradient über Deutschland im gestrigen 00 UTC-Lauf noch deutlich stärker und wurde im gestrigen 12 UTC-Lauf bereits etwas zurückgerechnet. Somit sollte der Wind am Montag nach IFS nicht mehr so stark ausfallen, wie es in den Vorläufen angekündigt wurde.
Der sich am Dienstag nach Deutschland schiebende Höhenrücken wird im aktuellen Lauf ebenfalls stärker betont. Gleichzeitig fällt der Kaltluftausbruch über Osteuropa schwächer aus, als in den beiden Vorläufen.
In der erweiterten Mittelfrist deutet sich im aktuellen Lauf, wie auch schon in den Vorläufen, ein weiterer Kaltluftvorstoß über Osteuropa an, wobei der aktuelle IFS-Lauf von der räumlichen Ausprägung her etwa in der Mitte zwischen dem gestrigen 00 UTC-Lauf (deutlich massiverer Kaltluftvorstoß, der bis zu den Britischen Inseln reicht) und dem gestrigen 12 UTC-Lauf (schwächste Version) liegt. Allerdings ist die höhenkalte Luft mit -38 Grad Celsius im aktuellen Lauf etwa 2 Kelvin kälter als in den beiden Vorläufen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bis Montag sind sich die Globalmodelle im Großen und Ganzen über die zeitliche und räumliche Entwicklung recht einig. Aber bereits ab Montag laufen die verschiedenen Lösungen deutlich auseinander.
GFS ist dem IFS recht ähnlich, wenngleich sich kleinere Unterschiede zeigen. So ist der Kaltluftausbruch am Montag über Osteuropa etwas stärker. Der nachfolgende Höhenrücken schwenkt etwas langsamer durch und wirkt noch bis weit in den Mittwoch hinein. Entsprechend ist auch die übergreifende Warmfront etwas schwächer ausgeprägt. Der erneute Trogvorstoß über Osteuropa wird dann aber ähnlich gerechnet, wenngleich die GFS-Variante von Norden übergreifende Randtröge stärker betont und die kalte Höhenluft etwas kälter ist. ICON lässt bereits in der Nacht zum Dienstag ein hochreichendes Tief von Südnorwegen nach Deutschland ziehen, das uns bis zum Mittwoch beeinflussen soll.
Das kanadische GEM-Modell simuliert den in der erweiterten Mittelfrist im IFS und GFS sichtbare Kaltluftausbruch schon am Mittwoch.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen der 850 hPa-Temperatur und des Geopotenzials in 500 hPa unterstützen die zur Konsistenz bereits getroffenen Aussagen. Bis Montag liegen die verschiedenen Lösungen eng beieinander. Am Montag nimmt die Streuung etwas zu, wenngleich nach Norden und Osten hin das Geopotenzial deutlich abfällt. Nach Westen und Süden zu erscheint dieser Abfall aber nicht ganz so deutlich. Die vorübergehende Milderung unter höherem Luftdruck am Dienstag bzw. Mittwoch lässt sich in ganz Deutschland erkennen, wenngleich die Streuung sehr groß ist und in dieser Zeit auch weiterhin einige Niederschlagssignale vorhanden sind. In der erweiterten Mittelfrist zeigt sich eine bimodale Verteilung bei der Temperatur in 850 hPa. Nach Norden und Osten hin ist der kältere Zweig der 850 hPa-Temperatur minimal stärker ausgeprägt.
Die Clusteranalyse zeigt im Zeitschritt von +120 h bis +168 h (Montag bis Mittwoch, 00 UTC) insgesamt vier Cluster, die alle recht ähnlich verteilt sind. Cluster 1 (15 Member) und 4 (10 Member) zeigen zum Mittwoch hin einen massiven Trogvorstoß über Osteuropa. In Cluster 2 (13 Member) und 3 (13 Member inklusive Haupt- und Kontrolllauf) fällt der Trog am Dienstag schwächer aus, zum Mittwoch baut sich eine Hochdruckbrücke auf, die in Cluster 2 am stärksten simuliert wird.
Im nächsten Zeitschritt von +192 h bis +240 h (Donnerstag bis Samstag, 00 UTC) zeigen sich nur 2 Cluster mit ähnlicher Verteilung. Cluster 1 mit 27 Member samt Haupt- und Kontrolllauf zeigt den erneuten Kaltluftvorstoß über Osteuropa, während Cluster 2 mit 24 Member den Trog eher über Deutschland mit anschließendem Abtropfen ins Mittelmeer rechnet.
FAZIT:
Über das bevorstehende Wochenende sind sich die Modelle recht einig. Ab Montag nehmen die Unsicherheiten dann deutlich zu. Es bleibt erst einmal wechselhaft und kühl. Am Montag stellt sich vorübergehend windiges, teils stürmisches Aprilwetter mit Schauern in verschiedenen Niederschlagsphasen sowie einzelnen Graupelgewittern ein. Insbesondere die Alpen sehen dann nochmal kräftige Schneefälle. Ein weiterer Kaltluftvorstoß nach Mittel- bzw. Osteuropa in der erweiterten Mittelfrist ist aktuell ebenfalls recht wahrscheinlich, wenngleich die Unsicherheiten des genauen Ablaufs und die Lage die Abschätzung der Auswirkungen auf Deutschland erschweren.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
STURM:
In der Nacht zum Montag insbesondere an der Nordsee, im angrenzenden Binnenland sowie in einigen Gipfellagen stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h (Bft 8-9).
Am Montag dann allgemein auffrischender West- bis Nordwestwind. Bei Schauern und Gewittern, im Bergland sowie in einigen Leelagen und dem Alpenvorland stürmische Böen bis 75 km/h (Bft 8), im höheren Bergland sowie an der Nordsee Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9), auf dem Brocken und dem Feldberg im Schwarzwald teils schwere Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10) wahrscheinlich.
In der Nacht zum Dienstag in tiefen Lagen dann vorübergehend etwas nachlassender Wind, im Bergland und an den Küsten weiterhin stürmisch. Auch am Dienstag an den Küsten und im Bergland noch stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h (Bft 8-9). Windrichtung West bis Nordwest.
SCHNEE:
Am Montag und Dienstag an den Alpen teils bis in tiefe Lagen Schneefälle, in Hochlagen markante Neuschneemengen. In 48 Stunden dort zwischen 20 und 50 cm wahrscheinlich, in einzelnen Staulagen auch Mengen um 60 cm nicht ausgeschlossen.
GEWITTER:
Am Montag gebietsweise einzelne kräftige Graupelgewitter mit stürmischen Böen bis 75 km/h (Bft 8) wahrscheinlich, mit geringer Wahrscheinlichkeit auch einzelne Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9).
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOS
VBZ Offenbach / MSc.-Met. Sebastian Schappert





