Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 21.01.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Bei "gestörter" Zirkulation überwiegend ruhiges Winterwetter. An exponierten Küstenabschnitten zeitweise stürmische Böen aus Ost. In den Nächten im Südosten und lokal im Osten strenger Frost. Ansonsten keine markanten Wetterereignisse.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Aktuell ... befinden wir uns einmal mehr "zwischen den Stühlen"; selbst in hoher Auflösung sind in 500 bzw. 300 hPa-Geopotenzialfeld kaum Isohypsen über dem Vorhersagegebiet auszumachen. Zudem ist den wetterlenkenden Geopotenzialgebilden über dem nordostatlantisch-europäischen Raum eine gewisse Trägheit nicht abzusprechen. Es handelt sich mal wieder um für den deutschen bzw. mitteleuropäischen Winter typisches "Standwetter" und daran wird sich erst einmal auch nicht wirklich viel ändern.
Nun denn, während hierzulande also wettertechnisch nicht wirklich viel passiert, schaut das über West- und vor allem über Südeuropa ganz anders aus. Im zentralen Mittelmeerraum zieht aktuell ein Tief mit dem internationalen Namen "HARRY" seine Kreise und hat dort unter anderem auch wegen seiner geringen Zuggeschwindigkeit (Stichwort "Standwetter") so einiges an Ungemach angerichtet. Vor Westeuropa befindet sich ein mehrkerniger, vom Seegebiet südlich von Grönland über den nahen Ostatlantik bis zur Iberischen Halbinsel reichender Höhentrogkomplex samt eingebettetem hochreichenden Dipol-Tiefdruckgebiet ("JAQUELINE" und "KIRSTIN"). Dieser wird zwar immer wieder gefüttert durch rückseitig vom Atlantik hereinlaufende Troganteile bzw. Höhentiefs, macht aber kaum Anstalten, nach Kontinentaleuropa voranzukommen, sondern amplifiziert stattdessen in Richtung des westlichen Mittelmeerraums. Des Weiteren liegt schon seit längerer Zeigt ein mit hochreichend sehr kalter Luft angefüllter Höhentrog über dem Nordwesten Russlands. Von dort aus reicht ein schmaler Randtrog über das Baltikum und die mittlere Ostsee bis nach Südschweden. Dieser wiederum tropft im Laufe der Nacht vor der südostschwedischen Küste aus und der daraus resultierende Kaltlufttropfen macht sich langsam auf den Weg Richtung Westen. Zu guter Letzt sind noch zu erwähnen ein sich langsam zurückziehender, aber seine Fühler noch bis ins östliche Mitteleuropa austreckender Höhenrücken über Südosteuropa und eine Höhenantizyklone über Nordskandinavien samt fennoskandischem Bodenhoch. Letzteres blockiert nach wie vor das Übergreifen atlantischer Frontensysteme auf Mitteleuropa. Somit gelangt an der Südwestflanke des Hochs von Osten her trockenkalte Festlandsluft in weite Teile des Vorhersagegebietes. Diese erfreut sich allerdings nicht allzu hoher vertikaler Mächtigkeit und reicht meist nur bis etwa 900 hPa, im Nordosten auch darüber. Entsprechend werden über dem Vorhersagegebiet in 850 hPa Werte zwischen 0 Grad im Nordosten und knapp 6 Grad im Westen gemessen. Vor allem im Lee der westlichen Mittelgebirge, aber auch am Nordrand des Harzes hat es die mildere Luftmasse gebietsweise bis ganz nach unten geschafft; dort wurden Höchstwerte zwischen 6 und 11 Grad erreicht, ähnlich mild ist es in den mittleren Höhenlagen der südwestdeutschen Mittelgebirge sowie im höheren Alpenvorland. Ungemütlich kalt blieb es dagegen an unmittelbar unterhalb der Inversion gelegenen Stationen, vor allem auf dem Erzgebirgskamm. In Zinnwald-Georgenfeld wurden bei frischem Südostwind keine -9 Grad erreicht. Dauerfrost gab es auch im Nordosten sowie in Ostbayern, aber auch unter dem Hochnebel am Bodensee und am Oberrhein, ansonsten wurden meist 0 bis 5 Grad erreicht.
Im Laufe der kommenden Nacht kommt das zunehmend okkludierende Frontensystem des Tiefdruckkomplexes über Irland bzw. dem nahen Ostatlantik mit beginnenden Auflösungserscheinungen langsam nach Osten voran, macht sich aber nur mit hohen und später auch mittelhohen Wolkenfeldern über dem Westen des Vorhersagegebietes bemerkbar, die sich in den Frühstunden im Südwesten etwas verdichten. Es bleibt aber allgemein trocken. Im Norden gewinnt mit dem sich annähernden KLT die kalte Grundschicht allmählich an vertikaler Mächtigkeit und ein Stratusfeld über der westlichen bzw. südlichen Ostsee und Dänemark arbeitet sich langsam Richtung Schleswig-Holstein bzw. vorpommersche Ostseeküste vor. Aus diesem fällt vor allem in den Frühstunden hier und da, am ehesten im nördlichen und östlichen S-H, etwas Schneegriesel, eventuell auch unterkühlter Nieselregen, so dass es stellenweise glatt werden kann.
Zudem verschärft sich bei beständigem Druckfall von Westen her im Vorhersagegebiet und leichtem Druckanstieg an der Südflanke des fennoskandischen Hochs der Gradient vor allem über Norddeutschland. Der auffrischende Ostwind wird somit über der Nordsee warnrelevant mit Böen Bft 7, auf Helgoland auch Bft 8, auch an Ostseeküstenabschnitten mit auflandigem Wind in Schleswig-Holstein kann es einzelne Böen Bft 7 geben.
Im Rest des Landes verläuft die Nacht ähnlich wie die Vornacht: Im Südwesten breitet sich der Nebel und Hochnebel wieder ein wenig aus, vor allem bei Nebel bzw. am Rande der Nebelfelder kann es stellenweise auch Glätte geben. In Teilen von NRW (Niederrhein, westliches Ruhrgebiet) sowie in einigen Mittelgebirgshochlagen bleibt es frostfrei, sonst gibt es leichten bis mäßigen, im Südosten recht verbreitet, im Osten stellenweise auch strengen Frost.

Donnerstag ... ändert sich an der Gemengelage nur wenig. Der KLT wird quasi von einem Trog zum anderen durchgereicht und zieht bis zum Abend zur Kimbrischen Halbinsel, wo der dann Teil des Trogkomplexes über West- und Nordwesteuropa wird. An dessen Südflanke gewinnt die kalte Grundschicht weiter an Mächtigkeit; an der Ostsee sinkt die 850 hPa-Temperatur auf -4 bis -5 Grad, auch sonst geht sie allgemein etwas auf Werte zwischen 0 und +3 Grad zurück. Die dichten Wolkenfelder über S-H und Vorpommern kommen aber kaum mehr nach Süden voran, sondern ziehen sich später sogar tendenziell wieder etwas nach Norden zurück. Nach wie vor kann in Schleswig-Holstein örtlich etwas Schnee oder Nieselregen fallen, örtlich kann es dann glatt werden.
Im Westen schafft es ein schmaler Randtrog, sich noch bis zum Ärmelkanal bzw. Zentralfrankreich vorzuarbeiten, die zugehörige Okklusion löst sich aber mehr und mehr auf. Dennoch verdichten sich die Wolken vor allem im Südwesten und Westen weiter und eventuell schaffen es von der Eifel bis zur Pfalz auch ein paar Regentropfen bis zum Boden. Das meiste, auch des geringen Modellniederschlages, dürfte aber auf dem Weg nach unten innerhalb der unmittelbar oberhalb der Inversion liegenden trockenen Schicht verdunsten. Der Bodendruck fällt aber vor allem im Westen und in den mittleren Landesteilen weiter leicht, während sich an Lage und Ausrichtung des fennoskandischen Hochs nichts ändert. Somit legt der Wind an den Küsten noch etwas zu, vor allem auf Helgoland und auf den Ostfriesischen Inseln kann es auch stürmische Böen geben. An der Ostsee reicht es allerdings wohl nur entlang der schleswig-holsteinischen Küste sowie vom Darß bis nach Rügen im Tagesverlauf für einzelne steife Böen aus Ost.
Ansonsten ändert sich gegenüber dem Vortag nur wenig. Erneut kann sich im Südwesten, aber auch im östlichen Bayern sowie an den ostbayerischen und östlichen Mittelgebirgen stellenweise Nebel bzw. Hochnebel halten, vor allem im Osten, Süden und in der Mitte scheint aber vielerorts die Sonne, teils durch dünne hohe Wolkenfelder. Die Frostluft arbeitet sich im Norden weiter nach Osten vor als im Süden und erreicht zumindest noch Teile des westlichen Niedersaschens, während im Süden wohl nur Ost- und Nordbayern im Dauerfrost bleibt. An den ostbayerischen Mittelgebirgen kann es gebietsweise auch mäßigen Dauerfrost geben. Im Nordwesten, Westen und Südwesten werden dagegen nach wie vor Plusgrade erreicht, abgesehen von Regionen mit beständigem Hochnebel im Südwesten/Süden. Am wärmsten dürfte es mit 6 bis 9 Grad wieder am Nordrand der westlichen Mittelgebirge sowie in mittleren Höhenlagen des Schwarzwaldes werden.

In der Nacht zum Freitag verliert der Randtrog knapp westlich von uns auf seinem Weg Richtung Nordost, später eher Nordnordost weiter an Kontur, schafft es aber, auch mit Hilfe einer interessanten und kleinräumigen Sturmtiefentwicklung knapp westlich der bretonischen Küste, die Reste der Okklusion bis in den Westen des Vorhersagegebietes zu drücken. Somit kommen die dichteren Wolkenfelder noch weiter nach Nordosten voran und erfassen auch die mittleren Landesteile. Im Vorfeld können sich durch die schwachen Hebungsprozesse vor allem im Südwesten und in Ostbayern auch etwas großräumigere Hochnebelfelder ausbreiten. Unklar ist noch, ob die Durchfeuchtung der Luftmasse im Frontbereich über Westdeutschland für Niederschläge bis nach ganz unten reicht. Die meisten Modelle haben von Rheinland-Pfalz/Saarland über NRW und das westliche Hessen bis ins Emsland nur gebietsweise geringe Niederschläge auf der Agenda, die als Regen fallen dürfte. Im Westen bleibt es zwar häufig frostfrei, in den Randzonen, könnte der Regen aber in die kalte frostige Grundschicht fallen und örtlich zu Glätte bzw. Glatteis führen, die Hinweise darauf seitens der Modelle sind aber sehr spärlich gesät.
An der Windsituation im Küstenbereich ändert sich im Großen und Ganzen nur wenig, vor allem im Nordseeumfeld bleibt er warnrelevant (Böen Bft 7, exponiert 8), an der Ostsee dagegen nur gebietsweise.
Die Minima ähneln denen der Vornacht. Frostfrei bleibt es gebietswiese im äußersten Westen, strengen Frost gibt es am ehesten in Teilen von Ostbayern und Sachsen, eventuell auch in Thüringen und dem südlichen Sachsen-Anhalt bis in die Harzregion.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Substanzielles hinzuzufügen. Ähnlich, wie in den Vorläufen, schafft es auch das okkludierte Frontensystem des kleinräumigen, langsam Richtung Keltische See ziehenden Sturmtiefs nicht, einen signifikanten Wetterwechsel über dem Vorhersagegebiet einzuleiten. Lediglich die Wahrscheinlichkeit für geringen gefrierenden Regen im Westen steigt am Nachmittag, Abend und in der Nacht zum Samstag gegenüber der Vornacht ein wenig an.
Für den Rest des Landes bleibt mehr oder weniger alles beim Alten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren die Entwicklung ohne signifikante Differenzen. Die Unsicherheiten bzgl. der geringen Niederschläge im Westen ab der Nacht zum Freitag wurden im Text angesprochen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff