Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 27.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
HNF a - Ruhige Hochdruckrandlage ohne markante Wettergefahren. In den Nächten abgesehen vom Nordwesten und Westen sowie größeren Städten und dem Küstenstreifen weiterhin leichter Frost oder zumindest Frost in Bodennähe.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... liegt Deutschland an der Ostflanke eines Höhenrückens, der sich vom Azorenraum östlich an Island vorbei bis nach Ostgrönland erstreckt. Durch diesen wird ein ausgedehntes Bodenhoch gestützt, das vielmehr Bestandteil einer Hochbrücke ist, die vom Seegebiet südlich der Azoren über Schottland und Dänemark hinweg bis in den Schwarzmeerraum reicht. An deren Südflanke gelangt mit einer schwachen nordöstlichen bodennahen Windkomponente trockene und erwärmte Festlands-Polarluft nach Deutschland. Über Westrussland hält sich ein Zentraltief, das blockierend wirkt.
An der Ostflanke des Höhenrückens läuft ein Trog in die Nordsee hinein, der rasch austropft. Hebung, die im Wesentlichen aus positiver Vorticityadvektion resultiert, lässt im Nordwesten mehrschichtige und sonst hohe Wolkenfelder aufziehen, was die Einstrahlung ein wenig dämpft. Niederschläge bleiben jedoch aus. Der Osten und Süden sowie die mittleren Regionen machen sich diese Wolkenfelder jedoch kaum bemerkbar.
Im Norden Deutschlands werden, abhängig von der Entfernung zur Küste, 9 bis 14 Grad erreicht. Ansonsten steigt die Temperatur auf 15 bis 21, in größeren Flusstälern im Westen bis 24 Grad.
In der Nacht zum Dienstag wird das Cut-Off-Tief von der nördlichen Nordsee zum Ostausgang des Ärmelkanals gesteuert. Warmluftadvektion an der Ostflanke dieses Tiefs bewirkt auch im Westen und Süden Wolkenaufzug, so dass in diesen Gebieten Frost ausbleiben dürfte. Zudem macht sich in diesen Gebieten eine etwas zunehmende nordöstliche bodennahe Windkomponente bemerkbar. Im Norden und Osten lässt Absinken den Himmel aufklaren, so dass sich in diesen Gebieten leichter Frost oder zumindest Frost in Bodennähe einstellen dürfte.
Dienstag... überquert das Cut-Off-Tief die Bretagne westwärts und ist somit für unser Wettergeschehen nicht mehr relevant. Kaltluftadvektion sorgt für eine Kräftigung des Bodenhochs, dessen Schwerpunkt über der nördlichen Nordsee liegt und von welchem Keile über Norwegen hinweg bis nach Spitzbergen und in Richtung Schwarzmeerregion gerichtet sind. An der Südflanke dieses Hochs setzt sich mit einer nordöstlichen und etwas zunehmenden bodennahen Strömung die trockenere Luft wieder weiter südwärts durch. Für warnrelevante Böen reicht es sehr wahrscheinlich noch nicht. Lediglich an den Alpen und vielleicht auch im Hochschwarzwald halten sich ein paar Wolkenfelder, ohne dass nennenswerte Niederschläge fallen. Der tagsüber böig auffrischende Nordostwind lässt trotz nahezu ungehinderter Einstrahlung gegenüber heute die Temperaturen nur unwesentlich ansteigen.
In der Nacht zum Mittwoch kräftigt sich der nach Südosteuropa reichende Hochkeil. In dessen Bereich weicht der Gradient über dem Norden und Osten Deutschlands auf, so dass die Luftmasse zur Ruhe kommt. Der Himmel klart auf, so dass sich in diesen Gebieten wieder vermehrt leichter Frost oder zumindest Frost in Bodennähe einstellt.
Im Westen und Süden bleibt die relativ kräftige nordöstliche Windkomponente noch bestehen. In den hierfür anfälligen Höhenlagen sind Wind- und einzelne stürmische Böen nicht ganz auszuschließen. Leichter Frost in Bodennähe ist in diesen Regionen auf einige windgeschützte Tallagen beschränkt.
Mittwoch... hält sich das Bodenhoch, das Schwerpunkte über der nördlichen Nordsee und der Ostsee aufweist. Der in Richtung Spitzbergen reichende Keil wird allmählich abgebaut. Das Höhentief, das aus dem heutigen Cut-Off-Prozess hervorging, ist nach wie vor westlich der Bretagne zu finden. Dieses Tief bezieht ein weiteres, vom nahen Ostatlantik kommendes Höhentief in seine Zirkulation ein, an der Vorderseite dieses Komplexes erfasst Warmluftadvektion Westfrankreich und England. Der hierdurch über Westeuropa einsetzende Druckfall bewirkt eine weitere leichte Gradientzunahme, so dass, gestützt durch den Tagesgang und ageostrophisches Ausfließen, der Wind aus Ost bis Nordost auffrischt. In exponierten Höhenlagen der zentralen, westlichen und süddeutschen Mittelgebirge sind dann warnrelevante Böen wahrscheinlicher als bisher, auf Schwarzwaldgipfeln sind dann auch stürmische Böen vorstellbar. Auch wenn durch einen über Polen hinweg nach Süden ablaufenden Trog ein paar Wolkenfelder in den Nordosten und Osten Deutschlands gelangen, so bleiben Niederschläge aus. Bei ansonsten nahezu ungehinderter Einstrahlung ändern sich die Temperaturen gegenüber den Vortagen nur unwesentlich.
In der Nacht zum Donnerstag hält das blockierende, über der Nordsee liegende Hoch weiterhin frontale Prozesse von Mitteleuropa fern. Absinken, das aus kräftiger Kaltluftadvektion resultiert, sorgt für einen weitgehend sternenklaren Himmel. Im Osten, Süden und größtenteils auch in den mittleren Landesteilen ist erneut verbreitet Frost in Bodennähe und in ungünstigen Lagen auch leichter Frost zu erwarten.
Im Westen und Südwesten bleibt nach wie vor ein relativ kräftiger Gradient bestehen. Frost ist daher in diesen Gebieten eher unwahrscheinlich, leichter Frost in Bodennähe auf windgeschützte Tallagen beschränkt. In den dortigen Höhenlagen muss nach wie vor mit Wind- und exponiert stürmischen Böen um Ost gerechnet werden.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 27.04.2026 um 10.30 UTC
Erst ungestörter Hochdruckeinfluss. Ab Samstag von Westen etwas wechselhafter.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 04.05.2026
Heute soll die Mittelfrist dank der aktuell sehr ruhigen Ausgangslage mit einem kurzen Rückblick auf den vergangenen Winter 2025/26 beginnen, bevor Anfang Mai dann ein kleiner Ausblick auf den kommenden Sommer 2026 erfolgt.
Der Rückblick auf den Winter fußt auf den Ausführungen, die im entsprechenden Thema des Tages Mitte November vorgestellt wurden ( https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/11/16.html ). In der Folge richten wir unseren Fokus natürlich wieder auf die aktuelle Mittelfrist, zu der man auch direkt gelangt, in dem man zum Absatz "Aktuelle Mittelfrist" springt.
Der Sinn dieses kurzen Rückblicks ist der, den Nutzen der telekonnektiven Verfahren anzuschauen, deren Einflüsse über diverse Pfade aus den Tropen, Außertropen und der Stratosphäre auch zu uns gelangen. Zur Erinnerung, diese Tendenzabschätzungen beruhen nur auf Wahrscheinlichkeitsaussagen und geben einem Vorhersager im besten Fall eine Art "roten Faden" zur Hand, mit welchen vorherrschenden Druck-/Geopotenzialanomalien man vornehmlich zu rechnen hat. Aber genug der Worte. Wollen wir nun schauen, ob dieser "rote Faden" in diesem Winter gegeben war. Die Ausgangsbedingungen eingangs des Winters 2025/26 wurden im Thema des Tages vorgestellt und darauf aufbauend wurden folgende Aussagen getroffen.
"Fassen wir also zusammen: Einige der genannten Bausteine sehen im Vergleich zu den letzten Jahren günstiger aus für winterliche Intermezzi ab Mitte Dezember bis in den Januar hinein. [...] Es wird im Verlauf des Dezembers (Mitte/Ende Dezember) ein ansteigendes Potenzial für eine blockierende Antizyklone entweder im grönländischen oder skandinavischen Sektor hervorgehoben."
Diese Abschätzung beruhte auf der damals in Richtung Polarwirbel der Stratosphäre (SPW) vorhergesagten Wellendynamik, die eine Abschwächung des SPW erwarten ließ. In der Tat setzte sich Ende Dezember dieses Signal in Form einer absinkenden positiven Geopotenzialanomalie innerhalb der Troposphäre durch, wobei dieses Signal Anfang Januar durch eine konstruktiv interferierende "bottom-up" Entwicklung (bezüglich der Blockierung) gestützt wurde. Dies lies den gesamten Monat Januar sehr blockierungsfreudig dastehen mit einem deutlich negativen monatlichen AO Wert (der niedrigste seit Dezember 2022). Die Folge laut DWD Pressemitteilung vom 30.12.2025: "Pünktlich zu Weihnachten, das vielerorts das kälteste Fest seit 15 Jahren war, stellte sich eine östliche Strömung ein." Sowie die Mitteilung vom 30.01.2026: "Im Nordwesten Deutschlands war es, gemessen an der Zahl der Schneedeckentage, der schneereichste Januar seit 2010." Auch die NAO, die den Herbst 2025 über bereits in negativen Gefilden verlief erhielt nochmals einen Dämpfer und wies normalisiert Anfang Januar deutlich negative Anomaliewerte auf. Die u.a. durch die Entwicklung beim SPW hervorgerufene kräftige/blockierende Antizyklone wurde in der Reanalyse im Januar 2026 über das Europäische Nordmeer gelegt, allerdings erfassten die positiven Anomalien auch Grönland und Skandinavien. Was unterschätzt wurde war, wie umfangreich die negative Geopotenzialanomalie über Südwesteuropa ausfiel, die sich auch bei uns in Deutschland besonders im Westen und Süden mildernd auswirkte.
"Statistisch gesehen wirkt sich die periodisch wechselnde und sich nun in der östlichen Phase befindende QBO abschwächend auf den SPW aus."
Diese Tendenz eines schwächelnden SPW zog sich durch den Winter, sodass dessen Intensität in 10 hPa meist unter dem klimatologischen Mittel verblieb mit signifikanten Abschwächungsphasen vor allem Ende November und in Richtung Ende Februar. Etwas, was aber nicht abgeschätzt werden konnte war die Entwicklung des Polarwirbels in der Troposphäre (TPW), der ebenfalls sehr starke Abschwächungsphasen aufwies, die teils konträr zur Entwicklung des SPW verliefen und z.B. großen Einfluss auf die Amplitude der Blockierung im Januar hatte. Auch bei der flächenhaften Ausdehnung des SPW ergab sich bis weit in den Januar 2026 ein Wert nahe des absoluten Minimums. Einzig die Abschnitte "Anfang Januar" sowie "Ende Januar bis Mitte Februar" wiesen zum klimatologischen Mittel vergleichsweise normale Werte auf.
"Im Verlauf der jeweiligen Winter (ab dem Februar) erkennt man jedoch eine sich immer weiter ausweitende negative Bodendruckanomalie im Bereich des Nordpols, was sich auch mit einem stetig verstärkenden SPW deckt. Die Stärkung des SPW würde durch ein La Nina Ereignis gestützt werden, das einen kräftigeren und stabilen Polarwirbel (statistisch) fördert, der allerdings durch die östliche QBO immer wieder angegriffen werden kann."
Bei den u.a. auf den Ergebnissen von Gray et. al. (2004) erstellten Bodendruckanomalien im Vergleich mit den jeweiligen monatlichen Reanalysen stimmten die Abschätzungen für Dezember und Januar sowie für den März insgesamt sehr gut überein. Z.B. für den Januar ergab sich ein nahezu deckungsgleiches Bild zwischen der erwarteten und innerhalb der Reanalyse ermittelten Bodendruckanomalie mit Blick auf die Nordhemisphäre, was u.a. den in der Konstellation nicht selten eintretenden frühen Störungen beim SPW geschuldet ist.
Die Abschätzung klappte allerdings im Februar nicht, denn der normalerweise (bei dieser Konstellation der treibenden Kräfte) einsetzende Druckfall in Nordpolnähe fand in diesem Monat noch nicht statt. Diese Entwicklung wurde durch die top-down und vor allem kräftige bottom-up Entwicklung der positiven Geopotenzialanomalien verzögert und griff erst im März so richtig durch (mit einem kräftigeren negativen Dipol über Grönland). Somit dominierte im Norden Deutschlands bis weit in den Februar der kühlende Einfluss der high-latitude Blockierung, bevor sich dann im März die Milderung (mit temporären Abstrichen) besser durchsetzen konnte. Konträr zur Erwartung fiel die Intensität des SPW zum Ende des Winters schwächer aus, sodass der Wechsel zur positiven NAO erst im Übergang Februar/März nachhaltig etabliert werden konnte und der "Westdrang" im März (weiterhin gebremst) in Schwung kam.
Durch diese stark gestörte Zirkulation wurde eine deutlich nach Süden versetzte Frontalzone analysiert, die dem Westen und Süden von Europa einen sehr nassen Februar 2026 bescherte (Rekordnässe in Frankreich mit umfangreichen Überschwemmungen in Spanien, Portugal und Nordafrika, wobei in Marokko aber dadurch auch eine mehrjährige Dürre abgemildert wurde.) In Spanien war es der nasseste Januar/Februar Abschnitt seit 1996 und in Portugal war es der nasseste Februar seit mindesten 47 Jahren. Wir hier in Deutschland, die südlich eines zu trockenen Skandinaviens und dem nassen Südeuropa "zwischen den Stühlen" lagen, hatten eher mit wiederholt auftretende gefrierenden Niederschlagsereignisse zu kämpfen, die abwechselnd unterschiedliche Regionen betrafen. Dieser zeitliche Abschnitt zeigt, wie wichtig es ist solch anormalen Strömungsverhältnisse so früh wie möglich abschätzen zu können, was in dem Fall aber weniger im Voraus, sondern erst während der Entwicklung des Ereignisses absehbar war. Die Vorhersagen vom C3S (Multi-System Produkt von Copernicus) vom Dezember 2025 und Januar 2026 fielen für Februar 2026 z.B. in Richtung Südwesteuropa gar noch etwas zu trocken aus (aus probabilistischer Sicht).
Zuletzt sei noch der damals angehängte Hinweis bezüglich der Entwicklung in Kanada/Alaska erwähnt, da sich hier die Entwicklung des SPW nicht selten direkt auswirkt.
"[...] Wellenreflexionen entlang des SPV. Letztere würden den Bodendruck im Bereich der Aleuten ebenfalls tendenziell erhöhen. Kanada, am Ostrand dieser positiven Druckanomalie gelegen, wäre daher gut positioniert für wiederholt auftretende, intensive Kaltluftausbrüche."
Beinahe durchweg war der Bodendruck innerhalb der Reanalyse im Bereich der Aleuten erhöht (im Februar gar bis weit auf den Nordpazifik ausgreifend). Wiederholte und kräftige Kaltluftausbrüche waren im Hochwinter die Folge, was z.B. dem Staat Alaska den kältesten Februar seit 2021 und den viert kältesten in den letzten 25 Jahren bescherte (ERA5). Ansonsten allerdings dominierte z.B. in Kanada aber auch der Einfluss einer sich abschwächenden La Nina mit teils extremen Schneefällen z.B. in Neufundland und Toronto, während Vancouver einen nahezu schneefreien Winter erlebte.
Zusammengefasst kann man sagen, dass einen die Hinweise der Telekonnektion in der Tat recht gut durch die Entwicklung des Winters geführt haben. Natürlich kam es zu teils gröberen Abweichungen und Unschärfen, vor allem durch die dynamischen Entwicklungen innerhalb der Stratosphäre hervorgerufen, aber auch solche Störungen lassen sich im Kontext eines vorherrschenden Gesamtbildes leichter einordnen.
AKTUELLE MITTELFRIST (Donnerstag, der 30.04. bis Montag, der 04.05.2026)
Machen wir nun den Sprung in Richtung "aktuelle Mittelfrist", so erkennt man, dass die Nachwirkungen des (im März) gestörten SPW nun mittlerweile nachlassen, allerdings noch weiter nachhallen. Das bedeutet nun einen recht undankbaren Ist-Zustand innerhalb der Numerik, wo einerseits ein Durchbruch von West versucht wird, die Numerik aber immer wieder restliche blockierungsfreudige Signale des SPW bis weit in den Mai richtig verarbeiten muss. Die Folge ist ein recht volatiles Verhalten innerhalb der subsaisonalen Vorhersagen (z.B. innerhalb der Häufigkeitsverteilung der zu erwartenden Wetter-Regime, die im Vorlauf noch NAO+ lastig waren und nun Ende Mai wieder in Richtung "Blockierung" abdriften). Die Folge ist eine erhöhte Unsicherheit, wobei hier zunehmend "auf Sicht" gefahren werden muss. Auf jeden Fall sollten weitere "high-latitude" Blockierungslagen mit teils cross-polarer Strömung bis weit in den Mai nicht verwundern, wenngleich die Jahreszeit hier mildernd eingreifen dürfte. Auch die in der Fläche anormal feuchten subsaisonalen Vorhersagen für Skandinavien im Mai sollten dadurch (in der Fläche) zumindest hinterfragt werden.
Auf synoptischer Bühne starten wir mit einer kräftigen und blockierenden Antizyklone, die im Verlauf der Mittelfrist unter Abschwächung nach Südost wandert und einem Trog über Nordwesteuropa mehr Spielraum gewährt (ggf. auf Deutschland übergreifend). Diesbezüglich gibt es aber noch erhebliche Unsicherheiten, die im Abschnitt "IFS-Konsistenz" beschrieben wurden.
Am Donnerstag und Freitag dominiert daher weiterhin störungsfreies Hochdruckwetter. Der Höhenkeil wandert südostwärts und liegt zum Freitag vollumfänglich über Deutschland, während bodennah die Antizyklone unter Abschwächung von Norddeutschland nach Südosten wandert. Die vorhandene und alternde subpolare Luftmasse in Verbindung mit kräftigem Absinken und insgesamt niedrigen Feuchtewerte innerhalb der Troposphäre sorgen für zwei sonnige Tage mit nur wenigen lockeren Wolkenfeldern im Nordosten und peripher des Bayerischen Waldes. Über Niederschlag muss nicht gesprochen werden.
In der Folge wandert der Keil unter kontinuierlicher Abschwächung nach Südosten weiter, während stromauf über Nordwesteuropa Druck und Geopotenzial stärker fallen. Dies würde uns nach längerer Zeit mal wieder auf eine Art Trogvorderseite bringen, in der feucht-labile Luftmassen nach Deutschland strömen, deren Trajektorien aber über die Iberische Halbinsel/Westeuropa führend eher auf mäßige Feuchtewerte hinweisen. Das würde sich ebenfalls dämpfend auf die Labilität auswirken. Markante Gewitter sind aber regional sicherlich vorstellbar (Regen und Wind).
Der Wind startet am Donnerstag noch aus der Antizyklone ausfließend über Süd-/Südwestdeutschland stark böig, exponiert mit stürmischen Böen und im Hochschwarzwald entlang der Inversion auch mit Sturmböen (Bft 9) aus Ost. In der Folge schwächt sich der Ostwind ab und dreht zunehmend auf Südwest, wobei dann abseits der Konvektion mit keinen warnrelevanten Böen zu rechnen ist.
Die Temperaturwerte steigen von Donnerstag (17 bis 22 Grad, mild bis sehr mild) bis Samstag (20 bis 26 Grad, mäßig warm bis warm) mit zunehmender WLA an, bevor es zum kommenden Wochenbeginn wieder auf mäßig warme Werte von 17 bis 22 Grad abkühlt.
Die Nacht zum Freitag wird erneut sehr frisch (örtlich Luftfrost im Süden und Osten, allerdings verbreitet leichter, im Osten auch mäßiger Frost in Bodennähe), bevor es in der Folge zu einer deutlichen Frostabschwächung kommt. In der Nacht zum Sonntag sollte nur noch im Süden/Südosten regional leichter Frost in Bodennähe auftreten, in der Folge bleibt es dann vorerst frostfrei (2m Minima dann zwischen 10 und 7 Grad).
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Das grundsätzliche Trog-Keil-Trog-Muster über Europa wird recht einheitlich berechnet, was besonders für den Keil über Mitteleuropa und den Langwellentrog über Osteuropa zutrifft. Während sich der Keil sukzessive abschwächt, wandelt sich der Trog über Osteuropa in ein umfangreiches Höhentief um, wenngleich noch unsicher ist, inwieweit ein vollständiger Abtropfprozess eingeleitet wird und wie stationär dieser über Südosteuropa liegen bleibt, oder in Richtung Schwarzes Meer weiterzieht.
Größere Diskrepanzen ergeben sich bei dem sich strukturierenden Langwellentrog über Nordwesteuropa. Zum Beginn dieser Mittelfrist erfolgt vor Irland das Einbinden eines Tiefdruckgebietes in einen polseitig ostwärts schwenkenden Island-Trog, nun aber etwas östlicher als in den Vorläufen berechnet. Dadurch wird mehr Energie in den Trog eingebunden, sodass dieser deutlich östlicher vorankommt und ausgangs der Mittelfrist mit seiner Achse über Deutschland zu verorten ist. Dies wird auch durch rascheren Geopotenzialabbau des Höhenkeils über Mitteleuropa gestützt.
Vergleicht man diese Lösung mit den vorherigen, ergibt sich ein recht durchwachsenes Bild bezüglich der Geopotenzialentwicklung. Wenngleich die Unsicherheiten im IFS-ENS z.B. beim Geopotenzial peripher dieses Troges insgesamt nachgelassen haben, so ergeben sich noch nennenswerte Diskrepanzen beim entscheidenden Einbindungsprozess des genannten Tiefs in den Trog mit maximalen (Geopotenzial)Unsicherheiten in dessen Südostquadranten. Da deutet auf ein möglicherweise eher verzögertes Einbinden hin und hätte doch ein weniger progressives Vorankommen zur Folge. Dies wird mittlerweile auch im neuen Modelllauf vom 27. April (00Z) übernommen. Dabei tropft der Trog vor Mitteleuropa erneut ab, was eine quer über Deutschland liegende aktive/niederschlagsreiche Luftmassengrenze zur Folge hätte. Es müssen nun noch die nächsten Modellläufe abgewartet werden, bevor ein kohärentes Bild entsteht.
AIFS schert den nach Deutschland ziehenden Trog ebenfalls stark mit dem Resultat einer wellenden Luftmassengrenze über Deutschland, während ein Teil der Energie nach Südwesten abtropft.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Mit Blick auf die anderen Globalmodelle ergeben sich bezüglich des Ablaufs und der fokussierten Unsicherheiten keine größeren Abweichungen. Sprich: Die Abschwächung des Keils, wie auch die Annäherung eines Troges von Westen sind in allen Modellen vorhanden, allerdings mit nennenswerten Intensitäts- und Platzierungsdiskrepanzen. Dies verwundert aber nicht, stellt sich doch die bis dato blockierungsfreudige Strömung nun erstmal etwas um. Die größten Auswirkungen dieser Unsicherheiten könnten sich auf den Samstag auswirken, der je nach Progressivität des Troges und der begleitenden Front stabiler oder labiler über die Bühne gehen kann (besonders den Osten der Republik betreffend).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Unsicherheiten mit dem Übergreifen des Troges zum Wochenende/kommenden Wochenbeginn noch als erheblich anzusehen sind, zumal die Geopotenzialgradienten insgesamt deutlich aufweichen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Analyse der Cluster vom IFS-ENS beginnt mit 4 Clustern und dem einheitlichen Regime der "Blockierung". Für Deutschland ergeben sich dabei keine nennenswerten Diskrepanzen.
In der Folge (Freitag bis Sonntag) heben drei Cluster einen raschen Wechsel bei der klimat. Regimevorhersage von "Blockierung" zu "positiver NAO" hervor. Dabei ergeben sich noch nennenswerte Unsicherheiten bei der Intensität des Keils, der zunehmend von Süd- nach Osteuropa gerichtet ist sowie beim Einbinden des Tiefs in den Island-Trog (im Ensemble eh zu stark geglättet und abgeschwächt). Grundsätzlich sollte es nicht überraschen, wenn der Trog eher zu einem "Streifschuss" abgeschwächt wird mit höherem Geopotenzial im Süden und Osten der Republik. Dennoch kann nach allen Lösungen am Westrand des Keils eine feuchtere/labiler geschichtete Luftmasse nach Deutschland advehiert werden, was uns etwas vom dringend benötigten Regen in Form von Konvektion bringen sollte - natürlich mit den typischen regionalen Niederschlagsgradienten und fragwürdigen Gesamtmengen.
Zum Ende der Mittelfrist und dem Beginn der erweiterten Mittelfrist (Montag bis Mittwoch) weichen die Geopotenzialgradienten in dem einzigen vorgeschlagenen Cluster weiter auf und Deutschland befindet sich peripher eines diffusen Sattelpunktes innerhalb eines Viererdruckfeldes mit zunehmender Blockierungstendenz über dem östlichen Europa. Trotz seichten Geopotenzialanstiegs könnte eine bei uns liegende Front in Verbindung mit der feucht-labilen Luftmasse für weiter Niederschläge gut sein.
Die Unsicherheiten nehmen in der Folge weiter zu und brauchen hier nicht weiter beleuchtet zu werden.
Die Meteogramme in Deutschland heben das Ende der wolkenarmen und trockenen Phase hervor, wobei besonders am Sonntag deutschlandweit konvektive Signale vorhanden sind (von Nord nach Süd zunehmend). Da die konvektive Natur und ggf. frontale Verstärkung eher regional für mehr Nass gut sein dürften, wird mit Sicherheit nicht überall mit einer Linderung der trockenen Verhältnisse zu rechnen sein. Bezüglich der Höchstwerte sollte das kommende Wochenende zunehmend sommerliche Maxima bieten, die je nach Lage des Troges und der Front von West nach Ost mehr oder weniger aggressiv angeknabbert werden.
Die Rauchfahnen bei der H85 Temperatur und beim H5 Geopotenzial laufen gebündelt mit einem recht gut eingebetteten Kontrolllauf. Allerdings fällt zum Ende der Mittelfrist auf, dass der Kontrolllauf bei beiden Parametern teils deutlich am unteren Ende der Memberschar verläuft und somit eine wärmere/antizyklonaler geprägte Witterung innerhalb vom ENS als wahrscheinlicher angesehen wird. Ein Signal, dass sich natürlich auch noch weiter hemmend auf die Niederschlagsprognose für diesen Abschnitt auswirken kann.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI hebt während dieser Mittelfrist nur den anfangs böigen Ostwind hervor (Bft 7, exponiert Bft 8 und im Hochschwarzwald auch die Bft 9), der jedoch in der Folge rasch nachlässt. Nachfolgend wird nur die etwas zu warme Luftmasse mit erhöhten EFI Werten über weiten Bereichen Deutschlands abgebildet.
Bezüglich der ab dem Wochenende zunehmenden Gewittergefahr sind markante Entwicklungen natürlich vor allem bezüglich lokalen Starkregens und der Böen hier und da vorstellbar. Allerdings sorgen die vom westlichen Mittelmeer über die Iberische Halbinsel und Frankreich verlaufenden Trajektorien für einen überschaubaren Feuchtetransport, der sich auch mäßigend auf die Labilität auswirkt. EFI Hinweise diesbezüglich sind nur sehr schwach vorhanden.
Hinweis: Besonders in der Nacht zum Freitag droht nahezu deutschlandweit, in der Nacht zum Samstag im Süden und Osten nochmals leichter Frost in Bodennähe, der in der Nacht zum Freitag lokal auch mäßig ausfallen kann. Aber der Nacht zum Sonntag tritt dann nur noch im Süden lokal leichter Frost in Bodennähe auf, der in der Folge endgültig abklingt.
Basis für Mittelfristvorhersage
GEFS, IFS-ENS, IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





