Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 14.09.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von Brücke Mitteleuropa (BM) zu West zyklonal (Wz).

Wetter: Heute ruhiges Wetter, kommende Nacht gebietsweise Nebel. Morgen noch einmal sommerlich, ab dem Abend von Nordwesten starke Gewitter. Am Mittwoch unbeständig und vor allem im Südosten Gewittergefahr. An den Alpen Dauerregen.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Am heutigen Montag... bestimmt ein Höhenrücken das Wettergeschehen, der sich von Südwesteuropa her bis zur Nordsee erstreckt. Dieser verlagert sich relativ flott ostwärts, so dass seine Achse am Abend schon Südschweden und die Ostsee erreicht. Die über uns liegende stark antizyklonale Höhenströmung dreht dabei von Nord auf westliche Richtungen. Bodennah ist eine Hochdruckzelle (Xanthos) mit Schwerpunkt über dem Alpengebiet zu finden, die sich nur langsam nach Osten verlagert. Diese ist stark nach Norden ausgeweitet, so dass der Gradient über Deutschland schwach ist und der Wind überwiegend schwach aus westlichen Richtungen weht.

Aus dem Alpengebiet zieht noch die Kaltfront des Tiefs Ylva II über dem Nordosten Europas südostwärts ab. Diese hat eine kühlere Luftmasse (mPs) in den Nordosten des Landes gebracht, wo "nur" um 8°C in 850 hPa gemessen werden. Weiter im Südwesten hat sich die mildere mS-Luftmasse mit 12°C in 850 hPa gehalten. Heute nähert sich im Tagesverlauf schon die Warmfront des Tiefs Zuri (über Island) an und sorgt insbesondere im Norden des Landes für Warmluftadvektion.

Damit ist der Aufzug von hoher und mittelhoher Bewölkung verbunden. Ansonsten herrscht unterhalb einer Absinkinversion, die ganz im Süden um 700 hPa liegt, im Norden dagegen um 900 hPa, teils stärkere, teils lockere Quellbewölkung. Etwas Regen gibt es staubedingt noch an den Alpen, ansonsten bleibt es überwiegend niederschlagsfrei. Die größten Sonnenanteile dürfen im Südwesten und in der südlichen Norddeutschen Tiefebene erwartet werden. Die Höchstwerte der Temperatur in 2 m weisen einen wesentlich größeren Gradienten auf als in 850 hPa, was daran liegt, dass im kühleren Nordosten die Inversion unter 850 hPa liegt. Dort bleibt es heute bei recht kühlen 17 bis 20°C. Dagegen werden in den Niederungen des Südwestens sommerliche 25 bis 28°C erreicht.

In der Nacht zum Dienstag wandert der Höhenrücken weiter ostwärts und Deutschland gerät unter seine Achse. Auch der Schwerpunkt des Bodenhochs verlagert sich etwas nach Osten und ist am frühen Morgen dann über der Steiermark zu finden. Ein Randtief von Tief Zuri zieht bis zum Morgen in die nördliche Nordsee, was im Nordwesten Deutschlands für einen etwas zunehmenden Gradienten sorgt und damit den südwestlichen Wind vor allem im Nordseebereich etwas zunehmen lässt. Insbesondere über dem Osten des Landes ist das Hoch aber weiterhin weit nordwärts ausgeweitet, so dass es über weiten Teilen des Landes schwachwindig bleibt.

Über dem Norden des Landes herrscht weiterhin Warmluftadvektion, die Warmfront von Zuri zieht dabei über den Norden Deutschlands und bringt reichlich Bewölkung, aber keinen nennenswerten Niederschlag - ein paar Tröpfchen sind nicht ausgeschlossen. Mehr Wolkenauflockerungen gibt es dabei im Süden des Landes. Das bleibt bei dem schwachen Wind nicht ohne Folgen: So können sich in der zweiten Nachthälfte vor allem im Süden, aber auch bis in die Mitte hinein Nebelfelder bilden und Täler und Becken füllen. Die Temperatur geht dabei im Osten bei längerem Aufklaren bis auf 7°C zurück. Ganz im Westen in der wieder einfließenden milderen Luft und bei etwas auffrischendem Wind geht die Temperatur dagegen nur auf milde 16 oder 17°C zurück.

Am Dienstag... schwenkt die Achse des Höhenrückens nach Südosten über Deutschland hinweg, so dass unser Land im Tagesverlauf von Westen her in den Bereich einen südwestlichen Höhenströmung gerät, die zum Abend zunehmend zyklonale Tendenzen aufweist. Die Achse des nächsten Troges erreicht dabei schon Südengland und die westliche Biskaya. Unser Bodenhoch Xanthos verabschiedet sich in den Südosten Europas, während sich das oben erwähnte Randtief zunehmend zum steuernden Tief entwickelt und von der Nordsee nach Mittelnorwegen zieht. Es besitzt einen noch recht weit aufgespannten Warmsektor, so dass nach Abzug der Warmfront im Norden ganz Deutschland darin liegt. Die zugehörige Kaltfront erreicht dabei am Abend die Nordsee, liegt aber zum Sonnenuntergang noch außerhalb Deutschlands.

Über den Norden ziehen den ganzen Tag über immer wieder dichte Wolkenfelder, während es im Süden nach Auflösung der Nebelfelder im Laufe des Vormittages recht sonnig werden kann, auch wenn dort tagsüber dann einige Quellwolken den Himmel zieren. Die vom MOS im Süden des Landes angebotenen 60 bis 90 % Sonnenanteile erscheinen aber angesichts einer gewissen Zeit, die es zur Nebelauflösung braucht und der zu erwartenden Quellwolken vielleicht etwas optimistisch. Für alle Regionen gilt: Es bleibt niederschlagsfrei. Allerdings braut sich im Nordwesten des Landes etwas zusammen. Unter nachlassendem Absinken bzw. am Nachmittag wieder einsetzender Hebung wird die Schichtung wieder labiler, zudem fließt feuchte Luft in der Grenzschicht ein (um 12 g/kg spezifische Feuchte). Damit kann sich regional durchaus um 500 J/kg CAPE aufbauen, zur Auslösung kommt es aber tagsüber (noch) nicht. Im Süden des Landes ist dagegen unter noch anhaltendem Absinken die Luftmasse stabiler geschichtet und auch trockener.

Zuletzt noch ein Wort zum Wind: Zwischen dem Tief im Nordwesten und dem abziehenden Hoch verstärkt sich der Gradient nur wenig, so dass der südwestliche Wind insbesondere nach Südosten hin noch schwach bleibt, im Nordwesten weht er dagegen tagsüber mäßig. Bezüglich der Temperaturen wird es noch einmal für alle sommerlich bei 11 bis 16°C in 850 hPa. Dies resultiert in Höchstwerten zwischen 21°C an der Nordsee und bis örtlich 31°C am südlichen Oberrhein.

Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch zieht der Höhenrücken weiter ab und die Achse des Troges rückt näher heran. Damit gelangt nach und nach ein großer Teil Deutschlands auf die zyklonale Trogvorderseite mit entsprechender Hebung. Das Bodentief zieht über dem mittleren Skandinavien weiter ostwärts und seine Kaltfront erreicht Deutschland, wobei diese bis zum Morgen schon auf eine Linie von Vorpommern bis zum Oberrhein zieht.

Spannend wird es in den späteren Abendstunden im Vorfeld der Kaltfront im Nordwesten des Landes. Dort können in der sehr feuchten und labilen Luftmasse Gewitter ausgelöst werden, wobei dort bis zu 30 m/s Scherung zwischen 0 und 6 km vorhanden sind. Bei wohl abgehobener Konvektion stehen diese zwar nicht vollständig zur Verfügung, dennoch simulieren die konvektionserlaubenden Modelle einige Superzellen. Dann kann es - trotz abgehobener Konvektion - für einige Sturmböen reichen, wenngleich die Hinweise aus den Modellen noch spärlich sind. ICON-D2-EPS liefert aber durchaus Hinweise auf markanten Starkregen und auch kleinkörniger Hagel sollte auf dem Zettel stehen. Im Verlauf der Nacht sollte die Kaltfront die vorlaufende Konvektion allmählich einholen, so dass die stärkeren Gewitter nachlassen. An der Kaltfront, die auch unter PVA liegt, gibt es aber reichlich Hebung, so dass an dieser teils kräftiger (wenn auch nicht lang anhaltender) Regen fällt und weiterhin einzelne Gewitter auftreten können. Vereinzelt ist auch Starkregen nicht ausgeschlossen, dies wird aber im Verlauf der Nacht weiter zur Mitte und zum Osten des Landes hin immer unwahrscheinlicher.

Im Südosten des Landes ziehen immer wieder Wolken über den Himmel, es bleibt aber noch trocken. Der Wind dreht mit der Kaltfront von Süd bis Südwest auf West bis Nordwest. Die nächtlichen Minima liegen überall im milden Bereich zwischen 16 und 9°C mit den tiefsten Werten im Süden. Nebel sollte bei generell etwas auffrischendem Wind auch im Süden kein großes Thema mehr sein.

Am Mittwoch... schwenkt der sehr scharf ausgeprägte und weit nach Süden ausgreifende Höhentrog zu uns. Seine Achse erreicht am Abend den Nordwesten des Landes. Das Bodentief zieht nach Nordskandinavien und seine Kaltfront kommt in der trogvorderseitigen südwestlichen Höhenströmung etwas langsamer nach Südosten voran, soll aber am Spätnachmittag das Berchtesgadener Land erreichen. Der Wind dreht auf der Rückseite überall auf West bis Nordwest, aber bei einem nicht allzu starken Gradienten bleibt es meist bei mäßigem Wind, lediglich im Nordwesten kann der Wind auch mal frisch wehen.

An der Kaltfront kommt es zu nach Südosten ziehenden Regenfällen, die weiterhin konvektiv verstärkt sind und auch mal kurze Gewitter mit Starkregen hervorbringen können. Nicht ganz ausgeschlossen ist auch, dass es im Vorfeld im Südosten noch einmal stärker einstrahlt, so dass sich dort etwas mehr CAPE (vielleicht bis 500 J/kg) aufbauen kann, das dann in Verbindung mit kräftiger hochreichender Scherung noch einmal zu kräftigeren Gewittern führen kann.

Ansonsten lockern rückseitig der Kaltfront von Nordwesten die Wolken auf, es bildet sich aber auch rasch wieder recht viel Quellbewölkung, so dass in den meisten Regionen die Sonnenanteile nicht so groß sein werden. Zum Spätnachmittag setzt im Nordwesten im Trogbereich wieder Labilisierung ein, dann kann es dort zu Schauern und einzelnen Gewittern kommen. Bei nur schwacher Scherung und in nicht allzu feuchter Luftmasse sollten aber die Begleiterscheinungen nicht allzu intensiv ausfallen.

Das Temperaturniveau geht im Vergleich zum Vortag deutlich zurück. Im Nordwesten sollen es nur noch 18 bis 21°C werden, zwischen Inn und Salzach können es noch einmal bis zu 25°C werden.

In der Nacht zum Donnerstag schwenkt der scharf ausgeprägte Trog über Deutschland ostwärts. Er erreicht bis zum Morgen den Osten und Süden. In seinem Bereich kommt es noch zu einzelnen Schauern, Gewitter werden im Nachtverlauf immer seltener. Rückseitig schiebt sich bei leichter Kaltluftadvektion ein schwacher Zwischenhochkeil zu uns. In der zweiten Nachthälfte macht sich aber schon wieder die Annäherung eines neuen Sturmtiefs bei Island mit Gradientverschärfung im Nordwesten bemerkbar. An der Nordsee kann es am Donnerstagmorgen schon die ersten steifen Böen aus Südwest geben.

Im Süden ist es in der Nacht dagegen tendenziell schwachwindig. Vorübergehend dreht der Wind dort mal auf Nordwest, was an den Alpen für Stau sorgt und in Verbindung mit immer noch teils kräftiger Hebung an der Trogvorderseite in starken Regenfällen resultiert. Dabei sind die Modelle recht einhellig der Meinung, dass zwischen dem Spätnachmittag und der zweiten Nachthälfte 30 bis 50 l/qm innert 12 Stunden fallen könnten. Auch die Ensembles liefern deutliche Hinweise auf Dauerregen, COSMO-LEPS auch erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Unwetter (mehr als 40 l/qm in 12 Stunden). Da zudem auch die Schneefallgrenze unter 2500 m fällt, dürften die höchsten Gipfel Deutschlands weiß werden.

Im übrigen Land lockern die Wolken abseits der Schauer auch mal auf und vor allem im Süden kann es bei dem schwachen Wind auch einzelne Nebelfelder geben. Die Tiefstwerte liegen überwiegend bei 12 bis 7°C, nur ganz im Nordwesten bleibt es milder.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle zeigen eine einheitliche synoptische Entwicklung. Etwas spannend bleibt es am Mittwochnachmittag im Südosten, wo insbesondere SuperHD mit kräftigen Gewittern aufwartet (auch in Sachsen). Die Dauerregenlage an den Alpen erscheint aus aktueller Sicht schon in trockenen Tüchern.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann