Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 30.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM, zum Wochenende SWa
Heute und am Maifeiertag sonniges und trockenes Hochdruckwetter; lediglich in einigen Gipfellagen bis in die kommende Nacht noch stürmische Böen. Am Samstag im äußersten Westen/Nordwesten erste markante Gewitter, Unwetter aufgrund von Starkregen nicht ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... schwingt nach wie vor Hoch "WINFRIED" wettertechnisch das Zepter und sorgt nahezu im gesamten Vorhersagegebiet für viel Sonnenschein von einem meist wolkenlosen Himmel.
Die zugehörige Höhenantizyklone befindet sich mit ihrem Schwerpunkt über der Nordsee (südwestlich des Skagerraks) und verlagert sich bis Freitagfrüh tendenziell ein wenig nach Süden. Flankiert wird sie von einem umfangreichen Langwellentrog über Nordost- und Osteuropa sowie von einem Komplex aus mehreren Höhentiefs über dem Atlantik westlich der Biskaya bzw. der Iberischen Halbinsel, ein typisches und zunächst einmal stabiles Omega-Muster also. Somit weist auch unser Bodenhoch im Tagesverlauf nur wenig Verlagerungstendenz auf. Es überdeckt nahezu ganz Mitteleuropa und hat sich inzwischen auch Richtung Osteuropa ausgeweitet, wobei dessen Divergenzachse von der Deutschen Bucht kommend etwa entlang bzw. knapp nordöstlich der Elbe südostwärts reicht. An dessen Süd- bzw. Südwestflanke strömt somit nach wie vor sehr trockene Festlandsluft nach Deutschland, die vor allem in der Osthälfte niedertroposphärich noch relativ frisch daherkommt (aktuell -3 Grad in 850 hPa über der Lausitz, im äußersten Westen des Landes dagegen schon +5 Grad). Somit stand bei klarem Himmel, windschwachen Verhältnissen und nahezu ungehinderter Ausstrahlung vor allem in der Osthälfte eine kalte Nacht ins Haus. Vielerorts gab es leichten Frost, in der Lausitz und in einigen Erzgebirgstälern in ungünstigen Mulden- und Senkenlagen sogar mäßigen Frost bis -6 Grad. Im Westen/Südwesten fiel die Nacht dagegen - ebenso wie an den Küsten - deutlich milder aus. Zwar blieb auch dort der Himmel klar, allerdings verhinderte der spürbare Ostwind eine stärkere Abkühlung der Luftmasse. Verantwortlich für den böigen Ostwind ist der recht scharfe Gradient an der Südwestflanke des Hochs. Warntechnisch spielte das in der vergangenen Nacht in den Niederungen noch keine Rolle - auf den Bergen dort umso mehr. In den Kamm- und Gipfellagen der südwestdeutschen und auch der zentralen Mittelgebirge gab es recht verbreitet steife bis stürmische Böen, auf den höheren Schwarzwaldgipfeln - getriggert durch Low Level Jets - Sturm-, vereinzelt auch schwere Sturmböen (Hornisgrinde).
Mit der turbulenten Durchmischung bis in die Grundschicht durch die diabatische Erwärmung dürfte der Wind im Südwesten und Westen im Tagesverlauf dann auch in den Niederungen deutlich auffrischen und vor allem in freien Lagen reicht es dann für steife Böen aus östlichen Richtungen. In den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge nimmt der Wind dagegen etwas ab, dennoch ist dort nach wie vor auch mit stürmischen Böen zu rechnen, am ehesten im Hochschwarzwald. Ansonsten steht aber nichts Warnrelevantes auf der Agenda - sieht man mal von der hohen Waldbrandgefahr, vor allem in Süddeutschland, ab. Dort wurde stellenweise sogar die höchste Warnstufe ausgegeben, wobei der Wind zusätzlich als Brandbeschleuniger wirken kann.
In den äußersten Osten des Landes (vor allem Ostbrandenburg und Ostsachsen) gelangt von Polen her zeitweise dichtere Bewölkung, die schwacher WLA geschuldet ist, aber im Tagesverlauf zunehmend Lücken bekommt bzw. sich ganz auflöst. Sonst scheint allgemein die Sonne. Die Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf Werte zwischen 1 Grad über der Lausitz und 8 Grad im äußersten Westen. Somit dürften sich die Höchstwerte im Westen und Südwesten mit 19 bis 23 Grad, stellenweise knapp 24 Grad gegenüber gestern kaum ändern, während es im Osten und Nordosten mit 15 bis 19 Grad, rund um Berlin knapp über 20 Grad etwas milder wird. Lediglich an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es etwas frischer.
In der Nacht zum Freitag wird unsere Höhenantizyklone im Zuge eines Trogvorstoßes über dem Nordmeer langsam nach Süden abgedrängt und befindet sich mit ihrem Schwerpunkt in 500 hPa Freitagfrüh über der Deutschen Bucht. Hoch "WINFRIED" bleibt unverändert robust, wird zwar über der Nordsee langsam abgebaut, kann sich aber dagegen Richtung Südosteuropa ausweiten. Dessen Schwerpunkt - markiert durch eine 1030 hPa Kernisobare - befindet sich morgens über der Osthälfte Deutschlands und über Tschechien. An dessen Westflanke dreht die Strömung niedertroposphärisch vor allem über Südwest- und Westdeutschland langsam auf Südsüdost, bodennah weicht der Gradient allmählich auf. In den Niederungen flaut der Wind mit dem Tagesgang ja bereits abends rasch ab, die Entkopplung der Grenzschicht und die dadurch auftretenden Low Level Jets im Bereich der Inversion wirken der Gradientaufweichung aber noch entgegen, so dass es vor allem in den Kamm- und Gipfellagen von Schwarzwald und Alb nochmals stürmische Böen, exponiert Sturmböen geben kann. Ansonsten verläuft die Nacht allgemein gering bewölkt oder wolkenlos. Die Nacht fällt nicht mehr ganz so kalt aus wie die Vornacht, dennoch gibt es in den Tälern der süddeutschen Mittelgebirge, an den Alpen und im südlichen Vorland sowie in der Osthälfte nochmals gebietsweise leichten Frost bis -2 Grad. Im Westen und Nordwesten liegen die Minima dagegen meist zwischen 10 und 5 Grad.
Freitag... steht einem sonnigen und im Westen nun auch sommerlich warmen Maifeiertag nichts im Wege. Der Trogvorstoß über dem Nordmeer setzt sich fort, gleichzeitig nähert sich der Höhentiefkomplex über dem Ostatlantik tendenziell dem Festland bzw. den Britischen Inseln an, während der Osteuropatrog quasistationär bleibt. Insgesamt verschiebt sich der Omega-Block dadurch ein wenig nach Osten und beginnt leicht zu kippen; die Höhenantizyklone wird abgebaut und weicht einem breiten Rücken, dessen Schwerpunkt sich aber nach wie vor ziemlich genau über dem Vorhersagegebiet befindet. Unser Bodenhoch "WINFRIED" nimmt nun eine zunehmend meridionale Ausrichtung an, dessen Divergenzachse kommt tendenziell ein wenig nach Osten voran, was über dem Vorhersagegebiet den Weg frei macht für niedertroposphärisch wärmere Luft von Süden her. Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa in der Westhälfte verbreitet auf etwa 10 Grad, im Südosten/Osten auf 6 bis 9 Grad. Bodennah dauert die Advektion trockener Festlandsluft weiter an, wobei die PPWs und die Taupunkte mit Winddrehung auf Südost bis Ost doch schon ein klein wenig ansteigen (PPW: 8 bis 13 mm). Somit scheint nahezu landesweit die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel. Mit der beginnenden Advektion wärmerer Luftmassen aus Südosteuropa wird es nun teilweise deutlich wärmer als am Vortag; entlang und westlich des Rheins, im Münsterland und im Weser-Ems-Gebiet reicht es recht verbreitet für den (dort) ersten Sommertag des Jahres, am Niederrhein werden Höchstwerte nahe 27 Grad erreicht. Auch sonst werden die 20 Grad verbreitet überschritten, lediglich in mittleren Höhenlagen sowie an den Küsten bleibt es teilweise etwas frischer. Der Wind frischt mit dem Tagesgang vor allem im Südwesten und Westen böig aus Südost auf. In höheren Lagen kann es durchaus noch einmal für steife Böen reichen, ehe er spätnachmittags/abends rasch wieder abnimmt.
In der Nacht zum Samstag kann sich das Höhentiefkonglomerat über dem nahen Ostatlantik besser organisieren und greift Samstagfrüh als Randtrog auf Irland bzw. auf den Nordwesten der Iberischen Halbinsel über. Unser Höhenrücken wird dadurch weiter abgebaut und etwas nach Ostsüdosten gedrückt, bleibt aber robust und dessen Achse reicht morgens vom westlichen Mittelmeerraum über den Süden und Osten des Vorhersagegebietes bis zur südlichen Ostsee. Somit dreht die Höhenströmung über West- und Nordwestdeutschland langsam auf Südwest, ein erster, flacher kurzwelliger Troganteil verlagert sich nachts von Zentral- bzw. Westfrankreich in die südlichen Niederlande.
Unser Bodenhoch hat sich mit seinem Schwerpunkt derweil nach Südosteuropa zurückgezogen, bleibt aber für den Großteil des Landes mit bodennah trockenen Luftmassen wetterbestimmend. Lediglich in den Westen gelangt vorderseitig einer schwachen Kaltfront, die im Laufe der Nacht von den Britischen Inseln auf die Nordsee übergreift, etwas feuchtere und wolkenreichere Luft, es bleibt aber, mit Ausnahme von schwachen Schauern bzw. einigen Regentropfen an der Grenze zu Belgien bzw. zu den Niederlanden, noch trocken. Ansonsten ist der Himmel erneut allgemein klar. Die Nacht fällt noch etwas milder aus als die Vornacht, eventuell reicht es in der Lausitz, in den Erzgebirgstälern sowie an den Alpen nochmals in ungünstigen Lagen für Werte um 0 Grad. Im Westen und Nordwesten bleibt die Nacht dagegen mit Minima zwischen 13 und 8 Grad schon recht mild.
Samstag... greift der Höhentrog allmählich auf die Britischen Inseln über, unser Rücken wird dadurch noch etwas nach Südosten abgedrängt. An dessen Nordwestflanke passiert der in die südwestliche Höhenströmung eingebettete kurzwellige Troganteil im Tagesverlauf die Deutsche Bucht und streift dabei auch Nordwestdeutschland. Rückseitig nimmt die südwestliche Höhenströmung rasch wieder eine eher antizyklonale Kontur an.
Im Bodenfeld setzt nun verstärkt Druckfall über dem Vorhersagegebiet ein und am Nachmittag/Abend greift die Kaltfront von der Nordsee her auf Nordwestdeutschland über. Präfrontal wird eine potenziell instabil geschichtete, warme Luftmasse aus Südwesteuropa ins Vorhersagegebiet advehiert (T850 hPa zwischen 8 Grad im Nordwesten und 13 Grad im Südosten). Während im Osten und Süden noch mit südöstlichen bis östlichen Winden bodennah die trockene Festlandsluft mit PPWs teils deutlich unter 15 mm gegenhält, gelangt in die flache Rinne unmittelbar vor der Kaltfront eine deutlich feuchtere Luftmasse mit PPWs teilweise über 25 mm in den Nordwesten und äußersten Westen des Landes, wobei die sich ausbildende Feuchteflusskonvergenz eine gewichtige Rolle spielt. Zwar scheint die Sonne dort nur noch zeitweise, dennoch können dort gebietsweise mehr als 500 J/kg ML-Cape generiert werden. Der durch die sich nähernde Front generierte dynamische Hebungsantrieb dürfte, trotz ungünstiger Trogkonstellation, zur Auslöse reichen, so dass ab den Nachmittagsstunden - beginnend wohl in der Eifel sowie von den Niederlanden her - etwa vom südlichen NRW bis ins Weser-Ems-Gebiet mit einzelnen, teils kräftigen Gewittern zu rechnen ist. Etwas hochreichende, aber auch ein wenig Low Level-Scherung sind vorhanden, so dass es sich um teilweise linienförmig organisierte Multizellencluster handeln dürfte. Als Begleiterscheinungen kommen maximal (vor allem im Anfangsstadium der Zellen) kleinkörniger Hagel (1 bis 2 cm), Starkregen und bei besserer Organisation auch stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen in Frage. Je nach Organisationsgrad und Zuggeschwindigkeit der Multizellensysteme (bei linienförmiger Organisation eher weniger) kann bzgl. Starkregen auch ein Unwetterereignis mit über 25 l/m² in kurzer Zeit nicht ganz ausgeschlossen werden, die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber als nur sehr gering zu beziffern. Ob es auch im Südwesten orographisch getriggert für Auslöse reicht, ist noch unklar. Auch außerhalb der Gewitter frischt der Wind im Westen/Nordwesten böig aus Südwest auf, vereinzelt kann es dann steife Böen geben. Im Rest des Landes herrscht dagegen nach wie vor eitel Sonnenschein. Die Temperatur macht gegenüber dem Vortag vor allem in der Osthälfte noch einmal einen Sprung nach oben und es steht verbreitet ein Sommertag ins Haus. Inwieweit es aufgrund der Wolken im Nordwesten dazu reicht, ist noch unklar, ansonsten liegen die Höchstwerte in den Niederungen zwischen 25 und 29 Grad; die höchsten Werte werden nun nicht nur im Oberrheingraben erreicht, sondern wohl auch in der Lausitz. Lediglich an den Küsten bleibt es vor allem bei auflandigem Wind teils deutlich frischer.
In der Nacht zum Sonntag kommt die Kaltfront in einem insgesamt antizyklonalen Umfeld über Nordwestdeutschland nicht weiter nach Südosten voran, sondern verlagert sich mit Annäherung einer Frontalwelle (deren Zugbahn von den Modellen noch unterschiedlich simuliert wird) retrograd Richtung Norden, so dass auch der Nordwesten wieder in den Warmsektor gelangt.
Die Schauer und Gewitter im Westen und Nordwesten klingen somit langsam wieder ab, vor allem im Nordwesten fällt aber im Bereich der schleifenden Front noch gebietsweise schauerartiger Regen, Gewitter bzw. lokal eng begrenzter Starkregen nicht ausgeschlossen.
Ansonsten verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig, und im Südosten sowie Osten auch noch meist gering bewölkt oder wolkenlos. Vor allem im Südosten kühlt es nochmals gebietsweise auf Werte um 5 Grad oder knapp darunter ab, sonst verläuft die Nacht mild mit Minima zwischen 13 und 7 Grad, im Westen und Nordwesten gebietsweise um 15 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Bis einschließlich Samstag fahren die Modelle einen einheitlichen Kurs. Ab der Nacht zum Sonntag werden die Differenzen allmählich größer, insbesondere, was die schleifende Front über Nordwestdeutschland bzw. die südliche Nordsee angeht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 30.04.2026 um 10.30 UTC
Ende des sehr sonnigen und trockenen Wetters - ab dem Wochenende von Westen her wechselhafter und feuchter mit Schauern und Gewittern sowie zurückgehenden Tagestemperaturen.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 07.05.2026
Es ist lange her, dass der Verfasser in diesem Bulletin über wechselhaftes Wetter mit Niederschlägen und Gewittern berichten durfte. Nun ist es aber mal wieder soweit und die Weichenstellung für die bevorstehende Umstellung der Großwetterlage wird schon in der Kurzfrist bewerkstelligt (siehe dazu auch Synoptische Übersicht Kurzfrist von heute Morgen). Schon am Samstag dürften im Westen und Nordwesten mit hoher Wahrscheinlichkeit die ersten Schauer und Gewitter auftreten und somit die Ouvertüre zu einer Oper markieren, die vielleicht nicht Wagnersches Monumental-Ausmaß besitzt, uns aber auf alle Fälle Abwechslung garantiert. Wie heißt es so schön in einem alten deutschen Volkslied: "Alles neu macht der Mai". Nun gut, auch wenn der Text des Liedes vielleicht in einem etwas anderen Kontext zu sehen ist, so warten die ersten Maitage tatsächlich mit was Neuem gegenüber den letzten Tagen, ja beinahe Wochen des Aprils auf.
Steigen wir ein in die Materie am kommenden Sonntag, seines Zeichens offizieller Beginn der heutigen Mittelfrist, an dem sich Deutschland zwischen einem leicht positiv geneigten Trog mit integriertem Höhentief über dem nahen Atlantik bzw. UK/Irland und dem aktuell noch wetterbestimmenden, nun aber langsam gen Osten weichenden Höhenrücken befindet. Damit kommt der Wind in der Höhe aus Südwesten, was wir schon lange nicht mehr hatten. Im Südosten ist die Höhenströmung tendenziell noch leicht antizyklonal konturiert, während sie nach Nordwesten zyklonal strukturiert und durch die Passage kurzer Sekundärtröge gekennzeichnet ist. Korrespondierend dazu verläuft im Bodendruckfeld eine langgestreckte Tiefdruckrinne ausgehend von nordeuropäischen Tiefs über die Nordsee und NW-Deutschland, Benelux, Frankreich bis hinunter zur Iberischen Halbinsel. Angefüllt ist die Rinne mit feuchter und zumindest in Teilen labiler Luft, so dass neben Regenfällen (am Sonntag auf deutscher Seite meist in Schauerform) auch Gewitter an den Start gehen. Ohne an dieser Stelle schon zu tief in die Materie "Konvektion" einzusteigen, gilt es dabei vor allem auf den Begleitparameter Starkregen ein Auge zu werfen (was stärkere Böen und/oder kleinen Hagel freilich nicht ausschließt). Je weiter wir gen Osten und Südosten schauen, desto wärmer (hohe "Zwanziger"), desto sonniger und desto trockener der Sonntag. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass irgendwo über dem Bergland mal ein Schauer oder Gewitter ausgelöst wird. Ausreichend instabil ist die Warmluft, nur könnte es noch an genügend Wasserdampf mangeln.
Zu Beginn der neuen Woche verlagert sich das o.e. Höhentief via Biskaya in Richtung Pyrenäen/Südfrankreich, während der zugehörige Trog etwas dichter an den Vorhersageraum heranrückt. Gleichzeitig spannt sich über Nordeuropa ein weiterer, sehr breiter Trog auf, der für uns zunächst aber noch keinen unmittelbaren Einfluss hat. Die Höhenströmung bleibt auf Südwest und trotz Trogannäherung recht antizyklonal aufgestellt, weil der scheidende Rücken etwas nach Westen auskeilt. Nichtsdestotrotz, die Bodenrinne nebst feuchter und labiler Luftmasse breitet sich über die Mitte hinweg (Montag) bis nach Süddeutschland aus. Eingelagert ist eine schleifende Kaltfront, in deren Bereich bei aller noch gebotenen Unschärfe neben den obligaten Schauern und markanten Gewitter gebietsweise auch mehrstündiger Stark- respektive Dauerregen möglich ist. Derweil strömt in den Norden eine frischere und stabilere Nordseeluft ein (T850 unter 0°C, im Süden um +9°C), die unter leichten Hochdruckeinfluss gelangt und dabei deutlich abtrocknet (kaum noch Niederschläge).
Am Mittwoch schießt von Ostgrönland/Island ein KW-Trog in den breiten Haupttrog, der sich amplifiziert und bis zum westlichen Mitteleuropa ausweitet. Dabei wird der Rest vom Höhentief aufgeschnappt und in den Trog eingebaut, der uns dann am Donnerstag ostwärts überquert. Zuvor fällt der Luftdruck und aus der Rinne entwickelt sich voraussichtlich irgendwo in Alpennähe ein eigenständiges Tief, das dann in der erweiterten Mittelfrist auf Vb-artiger Zugbahn via Polen nord-nordostwärts ziehen soll. Rückseitig wird ein weiterer Schwall frisch gezapfter maritimer Polarluft insbesondere in den Norden, mit Abstrichen aber auch in die Mitte und den Süden gespült, die ab Freitag überall unter Hochdruckeinfluss gelangt und rasch abtrocknet. Ob das Hoch dann das ganze Wochenende durchhält, steht derzeit noch in den Sternen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Im Grunde lassen sich die am gestrigen Mittwoch an gleicher Stelle gemachten Aussagen heute wiederholen. Gerade zu Beginn der Mittelfrist erweisen sich die Basisfelder von IFS (ECMF) als sehr konsistent. Schwierigkeiten bereiten nach wie vor die Positionierung und Intensität der prognostizierten Regenfälle/Schauer und Gewitter, die auch im internationalen Modellvergleich ziemlich heterogen simuliert werden. Unter dem Strich lässt sich aber konstatieren, dass sich in der nächsten Woche vorübergehend ein wechselhafter Witterungsabschnitt einstellt mit kontinuierlich sinkenden Tagestemperaturen, dafür aber zumindest in der ersten Wochenhälfte abnehmender Nachtfrostgefahr. Zum Freitag und Samstag hin deutet sich wieder zunehmender Hochdruckeinfluss an.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnlich wie bei der Konsistenz gilt auch beim Modellvergleich (gecheckt werden für gewöhnlich ICON, GFS, GEM und UK10), dass die Kongruenz der Basisfelder zu Beginn der Mittelfrist zwar hoch ist, die Niederschlags- und Konvektionsprognose aber schon recht bald (am Sonntag geht´s noch) ins Trübe abdriftet. Richtung Wochenmitte bzw. zweite Wochenhälfte nehmen dann auch die Unterschiede bei den Basisfeldern zu, gleichwohl lassen sich die grundlegenden Muster (Trogannäherung + -passage, Vertiefung der Rinne, nachfolgend KLA und Hochdruckeinfluss) überall wiederfinden. Das Fundament der Geschichte passt also, Substanz und Ausschmückung müssen sich noch weisen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Sprache der IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte ist relativ eindeutig. Die Idee des Hauptlaufs (HRES) wird geteilt, auch wenn der Spread bei Temperatur 850 hPa und Potenzial 500 hPa im Laufe der nächsten Woche zunimmt. Insgesamt hält sich der Spagat aber in Grenzen und es lässt sich ein klarer Trend extrahieren, der ja auch im HRES inkl. seiner internationalen Mitstreiter erkennbar ist. An der Unschärfe hinsichtlich der detaillierten Niederschlags- und Konvektionsentwicklung ändert das freilich nichts.
Zu den Clustern, die zu Beginn (T+72...96h, Sonntag/Montag) mit drei Varianten aufwarten. Das Grundmuster ist bei allen sehr ähnlich (Regime NAO+), für den Vorhersageraum relevante Differenzen sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Ab Dienstag (T+120...168h) steht nur noch ein einziges Cluster im Schaufenster, der dem HRES wenig verwunderlich sehr ähnelt (Trogpassage mit Aufschnappen des Höhentiefs). Das Strömungsregime wechselt auf "Atlantischer Rücken", der sich im weiteren Verlauf immer weiter in Richtung Grönland verschiebt. Womit wir im dritten Zeitfenster angelangt wären (T+192...240h, Freitag bis Sonntag), das auch nur ein Cluster ins Spiel bringt. Aufgrund der Tatsache, dass sich im Bereich der Biskaya bzw. westlich davon ein Höhentief etabliert, wechselt das Regime erneut und zwar auf NAO-. Im Bodendruckfeld zeigt sich zunächst Hochdruckeinfluss (Azorenhochkeil), der nach hinten raus beginnt zu schwächeln.
FAZIT:
Das Ende der trockenen und sonnenscheinreichen Witterung ist ausgemachte Sache. Am Wochenende beginnt von Westen her die Umstellung, die uns neben wechselhafter Abläufe auch zurückgehende Temperaturen beschert. Wie so oft bei vergleichsweise antriebsarmen Lagen gibt es hinsichtlich der detaillierten Regen- und Gewitterentwicklung (Raum und Zeit, Intensität) noch erhebliche Differenzen unter den Modellen. Richtung Freitag/Samstag deutet sich auf belastbarem Fundament (Modelle, EPS) allerdings schon wieder Hochdruckeinfluss und Abtrocknung an. Mal sehen, für wie lange.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Es wird feuchter und labiler bei relativ geringen Luftdruckgegensätzen und wenig Dynamik. Man könnte auch formulieren "sumpfiger", was im Mai eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für markante Gewitter insbesondere, aber nicht ausschließlich durch Starkregen zur Folge hat. Los geht's am Wochenende im Westen und Norden, bevor sich das Ganze über die Mitte mehr und mehr in die Südhälfte verschiebt. Dabei gibt es durchaus Signale, dass in Verbindung mit der schleifenden Front zumindest gebietsweise auch mal mehrstündiger, nicht zwingend gewittriger Stark- respektive Dauerregen auftritt. Aber nochmal, Details sind nach wie vor unscharf, so dass in den Berichten häufig mit Allgemeinplätzen hantiert werden muss.
Erwähnenswert sei an dieser Stelle, dass zwar die Tagestemperaturen zurückgehen, es aufgrund von Feuchte, Bewölkung usw. nachts milder bleibt und somit die Wahrscheinlichkeit für Nachtfrost sinkt. Ganz ist das Thema aber noch nicht vom Tisch. Mal sehen, wie sich die o.e. frische Polarluft, die zunächst ja nur den Norden traktiert, auswirkt. Möglich, dass zumindest am Boden stellenweise noch das Minuszeichen ausgepackt wird.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS mit MOS-Mix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





