Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 28.09.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Sa (Süd antizyklonal)
Spätsommer par excellence - ARNO und BORCHERT mit warmem bis sehr warmem Septemberausklang.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... starten wir weiterhin mit einer fetten Blockierung in die neue Woche und gleichzeitig letzten Septembertage, die noch träger und inspirationsloser ist als das das pomadige Spiel der Kloppo-Kicker vs. Hellas. Sa (Süd antizyklonal) als GWL-Muster sagt eigentlich alles. Abgetrocknete Subtropikluft (xSp/xS) sowie ein antizyklonales Strömungssetup sorgen insbesondere wegen der hohen Temperaturen für einen durchaus als außergewöhnlich zu bezeichnenden Spätsommer. 31,6°C wurden gestern in Müllheim am Oberrhein gemessen, an einem 27. September. Zwar kein Allzeitrekord für die letzte Dekade, aber einer von vielen Stationsdekadenrekorden. Auch die Frühtemperaturen von heute Morgen sind erwähnenswert. So wurden bei Dienstübergabe in Wernigerode im Ostharz satte 20,2°C gemessen (danach ist die Temperatur bis 6 UTC noch auf 13,1°C abgesackt), während es gleichzeitig in Teilen Ober- und Niederbayerns nur rund 4°C waren. Solch großen Spannen kommen meist dann zustande, wenn Föhn- respektive Überströmungseffekte greifen (in Barsinghausen west-südwestlich von Hannover beispielsweise war es mit 19,2°C ebenfalls alles andere als kalt - hier war der berühmte Deisterföhn am Werk, wie er schon in den 1980iger-Jahren vom legendären Professor Rainer Roth am Meteorologischen Institut der Uni Hannover gelehrt wurde).
Doch zurück zum Hier und Jetzt und damit zur Großwetterlage, die ganz vereinfacht gesprochen von zwei Hauptprotagonisten bestimmt wird. Auf der einen, der Atlantikseite ein zur Zeit noch sehr breitgelatschter Potenzialtrog, der in den nächsten Tagen seine Wellenlänge aber deutlich verkürzt. Korrespondierend dazu lässt sich in der Bodendruckverteilung eine mit diversen Kernen gespickte Tiefdruckzone ausmachen, die vom Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel über das Nord- bis hoch zum Polarmeer reicht. Aus diesem Konglomerat wird sich bis Mittwoch ein außergewöhnliches Sturm- bzw. Orkantief entwickeln, das im Kern der 950-hPa-Marke sehr nahekommt.
Auf der anderen, der kontinentalen Seite notieren wir das krasse Gegenteil: ein sich von NO-Europa bis zum zentralen Mittelmeer erstreckendes Hoch (ARNO der Große), das von einem ausladenden Rücken gestützt wird. Unterstützt wird ARNO von BORCHERT, der sich als "Randhoch" über UK/Irland und der Nordsee entwickelt, um von dort in den nächsten Tagen nach Nordeuropa zu wandern und sich dem Zentrum von ARNO anzuschließen.
Die kleine Schwachstelle in diesem ansonsten hochgradig antizyklonal dominierten Konstrukt befindet sich über Nordwestdeutschland nebst Anrainern, wo sich am warmen Rand der Frontalzone (die den vorderen Rand des o.e. Troges markiert) eine Rinne mit eingelagerter, zur Wellenbildung neigenden Kaltfront eingenistet hat. Angebunden ist die Front an ein Nordmeertief namens DAPHNE, das heute der südwestlichen Höhenströmung folgend an Spitzbergen vorbei in die Polgegend verschwindet. Im Frontalbereich ziehen immer wieder mehrschichtige Wolken über den Westen und Nordwesten hinweg, aus denen vor allem im Nordseeumfeld, aber auch ein kleines Stück landeinwärts mitunter ein paar Tropfen fallen. Es gibt sogar leichte Andeutungen, dass es auch mal rumsen kann. Feucht genug ist die Luftmasse in den genannten Regionen mit über 30 mm PPW allemal, aber reicht die Labilität? Die Prognosesoundings von heute Nachmittag weisen zwischen 800 und 750 hPa eine leichte Sperrschicht auf, die angesichts der nur schwach vorhandenen Hebungsimpulse schwer zu sprengen sein dürfte.
Im größten Teil des Landes scheint heute abgesehen von durchziehenden Schleierwolken oder wenigen AC-Schollen die Sonne, die die Luft kräftig erwärmt auf verbreitet 24 bis 30°C, im Südwesten punktuell sogar darüber. Lediglich im bewölkten Nordwesten sowie im Küstenumfeld wird es nicht ganz so warm, aber mitnichten kalt (Höchstwerte meist über 20°C). Vom Wind gibt es eigentlich nur die Vielfalt der Richtungen zu berichten. Mal kommt er aus Osten oder Südosten (Osten/Süden), mal aus westlichen Richtungen (Nordwesten/Norden), mal ist er umlaufend, aber nie besonders flott.
In der Nacht zum Dienstag verlagert das Randhoch BORCHERT seinen Schwerpunkt nach Südskandinavien. Allgemein steigt der Luftdruck bei uns, aber auch in der Nachbarschaft noch etwas an, was es der wellenden Kaltfront schwermacht, sich auf den Karten zu behaupten. Gerade in ihrem Südteil dürfte sie kurz vor der Auflösung stehen, während sie weiter nördlich als Warmfront allmählich Richtung Deutsche Bucht und Dänemark gesteuert wird.
Wettertechnisch bedeutet das für den Nordwesten und Teile Norddeutschlands einen stark bewölkten bis bedeckten Nachthimmel. Vom Niederrhein bis hinüber nach SH regnet es zeitweise (meist unter 5 l/m², nur lokal etwas mehr) und selbst das Thema "Gewitter" ist nicht vollkommen vom Tisch. Wenn, dann dürfte es aber nur zu kurzen Zuckungen reichen. Ansonsten verläuft die Nacht überwiegend gering bewölkt oder klar. Nebel bleibt weiterhin unterrepräsentiert, weil die Luft einfach zu trocken ist. Vielleicht reicht es im Übergangsbereich von der feuchten Luft im Nordwesten zur Mitte hin für ein paar Nebelfelder oder aber - flach - im Süden und Südosten. Weiterhin heterogen präsentieren sich die Nachttemperaturen. So kann es im klaren Südosten in entkoppelter Grundschicht und "günstiger" Topografie auf unter 5°C abkühlen. Bedingt durch die scharfe und tiefliegende Inversion können aber wenige Dekameter Höhengewinn schon ausreichen, um deutlich höhere Temperaturen zu generieren respektive es nicht soweit abkühlen zu lassen. Mild bleibt die Nacht auf alle Fälle im Westen und Norden, häufig bedingt durch die Bewölkung. Teils kühlt es nicht unter 16 oder 17°C ab und in einigen Hanglagen sind gar noch höhere Werte nicht ausgeschlossen.
Dienstag... verkürzt der atlantische Trog spürbar seine Wellenlänge bei gleichzeitig stark meridionaler Ausrichtung seiner Hauptachse. Auf der diffluenten Vorderseite wird west-nordwestlich der Grünen Insel die meiste Höhendivergenz erzeugt, was kräftiges Auspumpen sprich Druckfall zur Folge hat. Zum Ende des Tages hat sich ein veritables Sturmtief gebildet, das im Kern auf schlagzeilenträchtige 960 hPa kommt. Derweil orientiert sich Hoch BORCHERT gen Schweden, wo er seinem "Ziehvater" ARNO (Grenzbereich Baltikum/Belarus) allmählich näherkommt. Getrennt werden die beiden durch die o.e. Warmfront, die sich mit der süd-südwestlichen Höhenströmung langsam über die Nord- und Ostsee gen Südskandinavien verlagert. Damit geht die ohnehin nicht überbordend ausgeprägte Regenwahrscheinlichkeit im Norden deutlich zurück und auch bewölkungstechnisch wird es von Süden her weniger. Zumindest die tiefen Wolken dürften am Nachmittag weitgehend verschwunden sein, wohingegen das hohe und mittelhohe Stockwerk noch solide bedient wird.
Ansonsten bietet der vorletzte Septembertag Spätsommer aus dem obersten Regal. Zwar ist der Himmel mitnichten allerorten blankgeputzt (vor allem hohe, gebietsweise auch mittelhohe Wolken; am wenigsten Wolken werden im Südosten etwa von der Lausitz bis hinunter nach Oberbayern erwartet). Dafür geht´s thermisch noch mal in die Vollen, auch wenn die 30°C-Marke in der nun allgemein auf östliche Richtungen drehenden und bisweilen etwas auflebenden Strömung wohl nicht mehr überschritten wird. 23 bis knapp 30°C sind aber immer noch aller Ehren wert, einig ganz im Norden werden etwas kleinere Brötchen gebacken.
In der Nacht zum Mittwoch tut sich weiterhin wenig beim Wetter. Zwischen dem Orkantief west-nordwestlich von Irland und dem hohen Druck über Skandinavien bzw. dem nahen Osteuropa verbleiben wir in einer geostrophisch südlichen, ageostrophisch südöstlichen bis östlichen Strömung. Im Erzgebirge frischt der Südostwind spürbar, in exponierten Hochlagen wahrscheinlich sogar stürmisch auf und auch über der freien Nordsee legt der "Ost-Südost" ´ne Schippe drauf mit einzelnen 7er-Böen am Morgen auf Helgoland.
Ansonsten bleibt lediglich zu konstatieren, dass weiterhin meist hohe Wolken durchziehen, die Nebelwahrscheinlichkeit gering und die Spanne der Tiefsttemperatur hoch bleibt. Während es im Westen stellenweise nicht unter mollige 18/19°C abkühlt, stehen im bzw. am Fuße des Bayerischen Walds z.T. nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt auf der Karte.
Mittwoch... erreicht das Orkantief auf dem Atlantik seinen Höhepunkt mit rund 950 hPa Kerndruck, wobei es einen Nordkurs in Richtung Island einschlägt. Vorderseitig wird mächtig Warmluft nach Norden gepumpt, was dem über weiten Teilen Mitteleuropas thronenden Höhenrücken guttut und ihn am Leben hält. Nichtsdestotrotz, die süd-südwestliche Höhenströmung über dem Vorhersageraum wird allmählich zyklonaler und auch die Kaltfront des Sturm-/Orkantiefs kommt dem Westrand des europäischen Kontinents spürbar näher. Das führt dazu, dass die Bewölkung im Westen im Tagesverlauf zunimmt (WLA oberhalb etwa 600 hPa, erste flache Randtröge in der diffluenten Höhenströmung) und am Nachmittag im Grenzbereich zu Benelux erste Tropfen möglich sind.
Ansonsten stehen wir trotz aller Bemühungen auch am letzten Tag dieses Septembers unter der Knute des umfangreichen Hochs östlich von uns, das einen neuen Schwerpunkt von 1035+X hPa über dem Bottnischen Meerbusen und Finnland ausbildet. Viel Sonne, durchziehende Cirrus- oder Altocumuluswolken (je weiter im Südosten, desto weniger Bewölkung), andauernde Trockenheit und überdurchschnittliche Temperaturen geben den Ton an. Am wärmsten wird es trotz Wolken im Westen und Südwesten mit bis zu 28, vereinzelt vielleicht 29°C. Sonst sind es 23 bis 27°C, an den Küsten sowie im Nordosten und Südosten auch darunter (aus dem Hoch strömt nicht ganz so warme Luft in den NO und im SO mangelt es an Durchmischung bei gleichzeitig niedrigen Startwerten). Insbesondere im Norden und Osten lebt der Südostwind mitunter böig auf, ohne dabei aber aufs Warntableau zu kommen. Selbst draußen in der Deutschen Bucht nimmt der Wind bis zum Abend wieder ab. Genau wie die tagesgangbedingte Durchmischung im Erzgebirge den nächtlichen Low-Level-Effekt frisst, was ebenfalls eine Windabnahme zur Folge hat.
Kurz noch die Nacht zum Donnerstag (1. Oktober), in der die Kaltfront in den westlichen Landesteilen ernstmacht. Aus den anfänglichen wenigen Tropfen wird erst schauerartiger, dann vielleicht (noch divergieren die Modelle) "richtiger" Regen, der sich in Form eines frontalen Regenbands organisiert. Wie gesagt, noch liegen von Seiten der Numerik einige Unschärfen vor. Darunter auch die Frage, wie progressiv der Regen bis zum Morgen ostwärts vorankommt und wie viel bis dahin runterkommt. Der 00-UTC-Lauf von ICON nimmt dabei die offensivste Rolle ein (demnach könnten Ostwestfalen und Westhessen auf Regen hoffen), während die Externen etwas zurückhaltender agieren.
Fakt ist, dass das mittlere und östliche Drittel des Landes (in Längsrichtung, also nord-süd-orientiert betrachtet) noch nicht von den frontalen Prozessen traktiert werden (abgesehen von hohen und mittelhohen Wolken). Während die Temperatur in der Osthälfte nicht selten auf einstellige Werte zurückgeht, bleibt es nach Westen hin mild bis sehr mild.
Modellvergleich und -einschätzung
Im Großen und Ganzen simulieren die Modelle sehr ähnlich. Gewisse Unschärfen, darunter z.B. Kaltfront und Regen in der Nacht zum Donnerstag, wurden im Text angerissen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 27.09.2026 um 10.30 UTC
Ab Donnerstag in der Westhälfte zeitweilige Regenfälle und einzelne Gewitter. Nach Osten hin voraussichtlich weiterhin trocken. Zurückgehende Temperaturen, aber nicht kalt.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 04.10.2026
Es sind nur noch wenige Tage, bis ein (wieder mal) zu warmer (gemessen an der Referenz 1991-2020) und vor allem trockener Monat zu Ende geht. Lediglich in Schleswig-Holstein und dem erweiterten Küstenraum sowie gebietsweise in der östlichen Mitte (u.a. Zittauer Gebirge, Erzgebirgsvorland) hat es im September durchschnittlich oder überdurchschnittlich viel geregnet. Dagegen gibt es im Südwesten Stationen, die noch nicht mal auf 5, geschweige denn auf 10 mm kommen. Oder anders ausgedrückt, dort hat es den ganzen Monat so gut wie nicht geregnet. Spaßvögel könnten jetzt einwenden, naja, es bleiben ja noch drei, mit heute vier Tage, um die Bilanz dort aufzupeppen. Forget it, nix is´, Blockierung und Trockenheit bleiben erhalten, wobei die Temperatur im Westen und Südwesten in den nächsten Tagen immer mal wieder an der 30°C kratzt oder sie sogar überschreitet, was an einzelnen Orten Dekadenrekorde zur Folge haben dürfte.
Erst am Donnerstag, dem 1. Oktober und Tag 2 des offiziellen Mittelfristzeitraums, scheint sich was zu tun in der Atmosphäre. Zwar bleibt uns das bis dato blockierende Hoch mit dem zugehörigen umfangreichen Rücken über Nordost-, dem nahen Ost- bzw. dem östlichen Mitteleuropa erhalten (Zentrum mit 1040+x hPa und fast 590 gpdam über dem Baltikum und Karelien), jedoch hat sich auf dem Ostatlantik ein wuchtig aussehender Gegenspieler auf die Bühne gehievt. Die Rede ist von einem fetten Sturm- respektive Orkantief, das am Mittwoch seinen Kerndruck in die Nähe von 950 hPa bringt (man beachte den gewaltigen Gradienten zum Hoch) und auf der Wetterkarte dem klassischen Vergleich mit einer Vinylschallplatte standhält. Nun ist es aber keinesfalls so, dass ein solcher Kraftprotz mir nichts, dir nichts die Blockade auflöst und bei uns binnen kürzester Zeit das Wetter auf links dreht. Dazu mangelt es an Zonalität, denn trotz dieser zyklonalen Wuchtbrumme bleibt das großräumige Zirkulationsmuster stark gestört mit besagtem Rücken östlich und ausgeprägtem Potenzialtrog westlich von uns.
Kurzum, bereits in der Nacht zum Donnerstag beginnend, vor allem dann aber am Donnerstag selbst greift die schleifende und zur Wellenbildung neigende, teilokkludierte Kaltfront des Sturmtiefs mit zugehörigen, teils schauerartig verstärkten und mit einzelnen Gewittern durchsetzten (oder vorgelagerten) Regenfällen auf die westlichen Landesteile über. Profiteure dürften das westliche NDS, NRW ohne Ostwestfalen, RP und Saarland sowie (vielleicht) der Oberrheingraben und der Schwarzwald sein. Wie viel Regen am Ende runterkommt, steht derzeit noch in den Sternen. Gerade bei Blockierungslagen gehen die Simulationen mit Näherrücken des Ereignisses gerne mal zurück und tatsächlich weist auch der heutige 00-UTC-Lauf Intensitätsverluste gegenüber seinen jüngsten Vorgängern auf.
Bis Freitagfrüh sollen sich Front und Niederschlag noch etwas ostwärts voranquälen, weite Teile der Osthälfte dürften aber außen vor bleiben. Dort steht ein sonniger und warmer Oktoberstart mit punktuell um oder etwas über 25°C Höchsttemperatur ins Haus (T850 um 14°C ließe noch mehr zu, doch mangelt es an Durchmischung und auch der inzwischen niedrigere Sonnenstand macht sich bemerkbar). Kalt wird es trotz Wolken und Regen aber auch im Westen nicht, meist wird die 20°C-Marke noch überschritten.
Am Freitag bekommt die Front zunehmend Schwierigkeiten, der Entwicklung ihren Stempel aufzudrücken. Vorne (als im Osten) die andauernde Blockade, von hinten (also von Westen) rasch einsetzender Druckanstieg und aus der Höhe kaum Support, weil der Trog nicht mitspielt (keinerlei Progression) und gerade in seinem Südteil allmählich aufgefüllt wird. Berücksichtigt man nun noch, dass das vormals so stolze Sturmtief über der Dänemarkstraße so gerade noch 1000 hPa auf die barische Waage bringt, versteht man recht schnell, warum das gesamte Strömungsmuster bereits wieder stark antizyklonal konturierte Züge annimmt.
Okay, ganz tilgen lässt sich unsere Front dann aber trotz frontolytischer Zangentechnik doch nicht. Irgendwo über der Mitte (vielleicht von SH bis hinunter nach Oberschwaben, vielleicht etwas weiter östlich) wird sie mit meridionaler Ausrichtung weder richtig vor- noch zurückkommen und dabei ein paar Liter kostbaren Regens ablassen. Ob es auch noch für Gewitter reicht, ist zweifelhaft.
Im Laufe des Wochenendes - der Tag der Deutschen Einheit fällt dieses Jahr auf einen Samstag - schlittern wir zunehmend in eine Hochrandlage. Ausgehend vom weiterhin im Großraum Baltikum positionierten Zentralhoch baut sich eine bis zum Ostatlantik reichende, brückenartige Hochdruckzone auf, an deren Südflanke wir in eine östliche Grundströmung gelangen. Während sich die Reste der Front am Samstag noch als widerborstig zu entpuppen scheinen - in der Westhälfte werden zeit- und gebietsweise meist leichte Regenfälle angeboten -, soll die Abtrocknung am Sonntag soweit greifen, dass keine Niederschläge mehr auftreten. Daran werden sehr wahrscheinlich weder die Reste des über dem nahen Atlantik weiterhin schlummernden Höhentrogs noch das ausladende, kaltlufttropfenähnliche Höhentief über dem Balkan was ändern. Was sich allerdings ändert, ist die Temperatur. So bringt es die von Osten einfließende Kontinentalluft nur noch auf rund 6°C auf 850 hPa (Sonntag 12 UTC), was sich freilich auch auf 2-m-Niveau niederschlägt. 25°C werden nicht mehr erreicht, je nach Sonne dürfte sich eine Spanne zwischen 18 und 22°C, im Südwesten lokal etwas darüber, Richtung Küsten eher etwas darunter, einstellen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Summa summarum kann dem IFS (ECMF) eine gute Konsistenz attestiert werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass innerhalb der jüngsten Modellläufe kleinere Diskrepanzen erkennbar sind. Am groben Fahrplan - und um den geht´s in der Mittelfrist vornehmlich - ändert sich kaum was. Heißt, nach einem antizyklonalen und warmen bis heißen Start versucht ab Donnerstag eine atlantische Störung die Blockierung aufzubrechen. Die Erfolge sind überschaubar und konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Westhälfte, vielleicht auch noch auf Teile der Mitte. Dort kommt es zu Regenfällen und einzelnen Gewitter, wobei die Regenmengen im neuesten Modelllauf von 00 UTC zurückgerechnet wurden. Im Laufe des Wochenendes deutet sich dann eine Hochrandlage mit Abtrocknung und östlicher Strömung auf nicht mehr so hohem Temperaturniveau wie in der ersten Wochenhälfte an. Da gab es vorher auch andere Szenarien, so dass hier die Konsistenz etwas schwächelt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Gänzlich neue Ideen gegenüber den oben beschriebenen Abläufen haben auch die an dieser Stelle für gewöhnlich gescannten Globalmodelle (ICON, GFS, GEM, UK10) nicht zu bieten. Alle lassen zum Donnerstag hin die schleifende/wellende Kaltfront mit Regenfällen (+ einzelnen Gewittern) übergreifen und bei allen Modellen bekommt die Front danach existenzielle Schwierigkeiten. Bezogen auf den Freitag traut GFS (heutiger 00-UTC-Lauf) der Front noch am meisten zu, weil sie im Westen und Nordwesten von einer aktiven Welle animiert wird. Zwischen Elbmündung und Eifel werden in einem vergleichsweise schmalen Korridor 12-stündige RR-Mengen zwischen 10 und 30 l/m², stellenweise noch mehr angeboten - so viel, wie in keinem anderen Modell. Sagen wir so, schön und nötig wärs, allein der Glaube fehlt. Einigkeit herrscht dahingehend, dass weite Teile des Ostens, der östlichen Mitte und des Südostens sehr wahrscheinlich trocken bleiben.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen anfangs einen sehr eng gebündelten Verlauf mit ganz seicht steigender Tendenz (T850 und Pot500). Ab Donnerstag laufen dann vor allem die Temperatur-, bedingt aber auch die Potenzialkurven tendenziell nach unten bei gleichzeitig ganz allmählich zunehmender, aber geordneter (keine vogelwilden Ausschläge) Spreizung der Kurvenscharen. Auch treten nun Niederschlagssignale auf den Plan, die an westlich gelegenen Stationen (hier Essen, Offenbach, Freiburg) am Donnerstag ein Maximum ausweisen. Ansonsten hauen einen die apostrophierten Niederschlagspeaks nicht aus dem Sattel, weder von ihrer Anzahl noch von ihrer Intensität her. Vor allem im Osten sieht es diesbezüglich ziemlich düster aus.
Von den Fahnen zu den Clustern, die am Mittwoch und Donnerstag (T+72...96h) zwar mit drei Angeboten aufwarten, welche aber alle drei sehr ähnlich sind (ausgeprägte Trog-Rücken-Struktur im Regime "Blockierung"). Von Freitag bis Sonntag (T+120...168h) erhöht sich Zahl der Cluster auf vier, wobei das Regime "Blockierung" aber unisono erhalten bleibt. Die ersten drei Cluster (insgesamt 42 Mitglieder + Kontrolllauf) simulieren dabei eine mehr oder weniger antizyklonal bestimmte Hochrandlage (die Achse der großräumigen Hochdruckzone liegt mal etwas nördlicher, mal etwas südlicher), ähnlich dem HRES. Einen gewissen Charme versprüht CL4 (9 Athleten), das von Osten her ein Höhentief respektive Kaltlufttropfen auf den Vorhersageraum übergreifen lässt - offensichtlich das Szenario, welches das leichte Grundrauschen des Niederschlags in den Rauchfahnen generiert.
Bliebe noch das Zeitfenster T+192...240h (Montag bis Mittwoch), das ebenfalls vier Cluster feilbietet. Während CL1 (20 Mitglieder) alles beim Alten lässt (Südflanke Hochdruckzone knapp nördlich von uns), versuchen uns CL2 und CL3 (13+9+CTRL) jeweils ein Höhentief oder KLT aufs Auge zu drücken. CL4 (9) wiederum hat die Nase voll von Blockade und versucht´s mal mit "Atlantischer Rücken". Im Bodendruckfeld würde dabei eine zonal exponierte West-Nordwestströmung für den Vorhersageraum herausspringen. Unterstützung bekommt diese Variante von AIFS, das zumindest ein ähnliches Muster anbietet.
FAZIT:
Nach einem trockenen und (sehr) warmen, im Westen und Südwesten z.T. sogar heißen Anfang wird die Blockade am Donnerstag von Westen her "angeknabbert". Bedeutet bis einschließlich Freitag vornehmlich in der Westhälfte Regenfälle und einzelne Gewitter. Insgesamt scheinen die simulierten RR-Intensitäten aber schon wieder rückläufig und der Osten bekommt sehr wahrscheinlich ohnehin nichts davon ab. Zum Wochenende deutet sich eine Hochrandlage mit relativ trockener östlicher Grundströmung auf dann nicht mehr so hohem Temperaturniveau an.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die mittelfristige Entwicklung bietet nicht allzu viele Flanken in Sachen "signifikante Wettererscheinungen". Im Grunde muss man sogar konstatieren, dass Regenarmut und andauernde Trockenheit das Hauptproblem sind. Dass es ab Donnerstag in der Westhälfte zu Regenfällen kommen soll, ist zwar sehr erfreulich, dürfte aber bei weitem nicht ausreichen, um irgendwelche Bilanzen auch nur ansatzweise auszugleichen. Und sollte in einem Gewitter oder Schauer irgendwo mal die formale! Starkregenschwelle überschritten werden (gestern war auch noch von potenziellem Dauerregen die Rede, was aber unwahrscheinlicher geworden ist), so what. Seien wir froh, dass es endlich mal wieder regnet.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit Modell-Mix und IFS-EPS.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





