Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 17.08.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Bis auf Weiteres wechselhafter Wetterablauf mit Regenfällen, fragt sich nur wo und wie viel.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... lässt sich ganz klar eine Beruhigung der tagsüber zumindest in einigen Landesteilen sehr regen Wetteraktivität konstatieren. Vor allem südlich der Donau sowie in Sachsen hat es z.T. ordentlich geregnet, teils als Gewitter, teils aber auch unelektrisch. Stellenweise kamen 40-50 l/m² oder auch etwas mehr innert weniger Stunden zusammen, gebietsweise lag die Ausbeute meist zwischen 10 und 30 l/m². Eigentlich eine erfreuliche Nachricht angesichts des chronischen Niederschlagsdefizits, aber die Atmosphäre ist ungerecht, sehr ungerecht. Während in den genannten Gebieten wenigstens etwas durchgeatmet werden konnte, gucken andere weiterhin in die Röhre oder wurden gerade mal mit ein paar feuchten "Brosamen" abgespeist. Nun gut, was soll man machen, es ist wie es ist. Immerhin besteht in den nächsten Tagen die berechtigte Hoffnung, dass auch andere Regionen mal etwas mehr Regen abbekommen. Wo und wann genau es wie viel regnet, steht aber bei Weitem noch nicht fest. Diesbezüglich hat die Vorhersage ein hohes Potenzial, in die Hose zu gehen.
Kommen wir nun aber erstmal zur kommenden Nacht auf Dienstag, in der das prägende Potenzialgebilde des heutigen Tages die Segel streicht und nach Osten abzieht. Die Rede ist von einen fesch geschnittenen Randtrog, dessen Hauptachse in den Abendstunden die östlichen Grenzen Richtung Polen, Tschechien und Austria überschreitet. Nachfolgend stellt sich eine glatte, später sogar leicht antizyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung ein, aus der dynamisch nicht viel rauszuholen ist. Dafür setzt in der zweiten Nachthälfte im Westen Warmluftadvektion ein, mit der sich auch was anfangen lässt. Die WLA kündigt die Warmfront eines neuen Tiefs (NORA) knapp südlich von Island an, das durch seine stark elliptisch geformte Geometrie auffällt. Die Längsachse ist nordwest-südost-orientiert und genau so verläuft auch die Warmfront, also parallel zur Höhenströmung und somit ein Stück weit schleifend.
Warmfront, WLA, da hat der geneigte Anhänger atmosphärenphysikalischer Prozesse gewisse Assoziationen, was da wohl passieren könnte. Und richtig, auch wenn sich im Bodendruckfeld ein kleines Zwischenhoch abbildet, zieht im Laufe der Nacht erst im Westen, dann auch im Süden mehrschichtige Bewölkung auf, aus der es nach Mitternacht anfängt skalig zu regnen, leicht zu regnen. Auffällig in den numerischen Prognosen ist ein kleines, weitgehend trockenes Gap zwischen dem Regenanteil im Westen (Schwerpunkt NRW) und einem weiteren Part zwischen Nordbaden und Oberbayern. Die Erklärung dafür liegt nicht gerade auf der Hand. Nur so viel, auch die o.e. WLA ist - warum auch immer - zweigeteilt. Wichtiger als diese eher akademische Betrachtung scheint ohnehin die Frage, wie viel Nass die Warmfront denn so ablädt. Nun, bis zum Frühstück hält sich der Ertrag mit meist um oder unter 5 l/m², teils sogar nur um oder unter 1 l/m² in Grenzen, aber wir sind ja froh über jeden Liter, der den Weg zur Erde findet.
Ansonsten bliebe nur noch zu erwähnen, dass die restlichen Trogniederschläge und Gewitter in der östlichen Mitte sowie im äußersten Süden/Südosten immer weniger werden bzw. ganz aufhören. Gleiches gilt für die Schauer in Norddeutschland, wo es mitunter sogar auflockert und die Temperatur örtlich in die Nähe der 10°C Marke zurückgeht. Ähnlich frisch wird es in den meisten Mittelgebirgen, während es im Süden und Südwesten sowie unmittelbar an der See mit 18 bis 14°C am mildesten bleibt.
Dienstag ... steht ganz im Zeichen der o.e. Warmfront, die wie geschrieben schleifend den Vorhersageraum erfasst. Zwar beginnt die Höhenströmung im Zuge einer über dem nahen Atlantik einsetzenden Austrogung allmählich auf West-Nordwest rückzudrehen, die große Progression erwächst daraus aber noch nicht. Dafür kommt der 995+X-hPa-Tiefkern von NORA südostwärts in Richtung der Hebriden voran, die tagsüber aber noch nicht erreicht werden.
Wie auch immer, Fakt ist, dass sich ein Teil des Regens langsam ost-nordostwärts verlagert, während es im Süden - weiterhin leicht abgesetzt vom nördlichen Part - zeitweise und teils schauerartig weiterregnet. Gerade der südliche Regen ist es, welcher der Numerik noch einiges Kopfzerbrechen bereitet. Zeit, Raum, Intensität lassen alle noch genügend Platz für Spekulation. Ein respektive zwei gemeinsame Nenner lassen sich dann aber doch extrahieren: Der meiste Regen fällt im südöstlichen Oberbayern mit Schwerpunkt östlicher Alpenrand, wo offensichtlich orografischer Support im Spiel ist (Stau). Am wenigsten kommt in Südbaden runter, wo es z.T. sogar gänzlich trocken bleibt. Ansonsten liegt die Tagesrange im Süden etwa zwischen 1 und 10 l/m², im Südosten eher zwischen 10 und 20 l/m², lokal vielleicht noch etwas darüber (ICON und ICON-EPS zeigen für den östlichen Alpenrand sogar Signale für mehrstündigen Starkregen > 20 l/m², was extern aber keine Unterstützung findet). Das nördliche Maximum verläuft bei aller noch gebotenen Unschärfe ungefähr von der Nordsee und den Niederlanden bis hinüber nach Mitteldeutschland, wo gebietsweise 5 bis 10 l/m², lokal etwas mehr innert 12 h runterkommen sollen. Wenig bis kein Regen steht dagegen im Nordosten von der Mark Brandenburg bis hoch nach MV auf der Karte.
Ein gewisser Anteil der Prognoseunschärfe in Bezug auf die Intensität lässt sich darauf zurückführen, dass noch nicht klar ist, wie hoch der konvektive Anteil bei den im Grunde stratiformen Niederschlägen ausfällt. Zwar ist die einfließende Meeresluft nicht überbordend labil, auf der anderen Seite aber auch nicht erzstabil. Es ist durchaus etwas MU-CAPE vorhanden, so dass mindestens von schauerartigen Verstärkungen ausgegangen werden kann. Ob es an der ein oder anderen Stelle auch mal elektrisch wird, wie von einigen Modellen vorgeschlagen, bleibt abzuwarten. Aufdrängen tun sich kurze Gewitter nicht wirklich, zumal es u.a. an Einstrahlung mangelt, ganz ausschließen lassen sie sich aber auch nicht. Tatsache ist, dass der westliche Wind im Warmsektor, also grob in der SW-Hälfte, bisweilen etwas auflebt, wobei die Zunahme am ehesten im (höheren) Bergland zu spüren sein dürfte (Böen 7 Bft).
Am wärmsten wird es morgen im Südwesten, namentlich in Südbaden, wo sich zeitweise sogar die Sonne zeigt und die Temperatur auf bis zu 28°C steigen lässt. Ansonsten werden unter den überwiegend dichten Wolken (Aufhellungen/Auflockerungen am ehesten im äußersten Nordosten) respektive im Regen 18 bis 24°C erwartet.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich die Warmfront immer weiter nordostwärts Richtung Ostsee und NW-Polen. Dahinter greift von Nordwesten her die Kaltfront des okkludierenden Frontensystems über, die mangels Unterstützung sowie bescheidener Baroklinität zunächst aber keine großen Akzente zu setzen vermag. Will heißen, mit der Warmfront zieht der Regen unter Abschwächung ostwärts ab und auch im Süden lassen die Niederschläge nach. Die Kaltfront bringt bis zum Morgen nur wenige Tropfen im Westen und Nordwesten. Ansonsten lockert die Wolkendecke hier und da auf und es bleibt im Großen und Ganzen trocken. Die Temperatur geht verbreitet auf 17 bis 11°C zurück. Im Westen und Südwesten allerdings, wo vor der Kaltfront subtropisch angehauchte Luft Fuß fasst, bleibt es mancherorts milder.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... hat ohne Frage das Zeug für eine satte Fehlvorhersage. So kommt die Kaltfront zunehmend ins Schleifen und soll dabei im Tagesverlauf, vielleicht aber auch erst in der Nacht zum Donnerstag einen schmalen Korridor/Streifen mit erklecklichen Regenfällen generieren. Die Fragen sind nun, wo genau positioniert sich dieser Streifen, wie breit ist er, wie viel Regen fällt, gibt es konvektive Verstärkungen bis hin zu Gewittern. Nicht zu unterschätzen ist die Kaltfront auch in ihrer Rolle als Luftmassengrenze, die sehr warme bis heiße Subtropikluft im Süden (Tmax nahe 30°C) von mäßig warmer bis kühler Subpolarluft im Norden (Tmax an der See teils unter 20°C) trennt. Spannende Kiste, in der einiges drin ist. Was genau, dazu mehr in den nächsten Übersichten.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Grundmuster weichen eigentlich kaum voneinander ab, so dass die grobe Entwicklung gar nicht in Frage steht. Trotzdem, schon am Dienstag wird es unscharf und am Mittwoch noch viel mehr. Schon eine kleine regionale Verschiebung der Frontenlage respektive des zugehörigen Regenstreifens kann in Bezug auf Temperatur und Niederschlag ein großen (und im Sinne der Vorhersage fatalen) Unterschied ausmachen. Es verdichten sich aber ein wenig die Hinweise (Referenz die beiden jüngsten Läufe von ICON), dass der Streifen irgendwo in der Mitte zu liegen kommt
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 17.08.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig mit zeitweiligen Regenfällen, am Donnerstag und Freitag im Süden auch kräftige Gewitter möglich. Mäßig warm bis warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 24.08.2026
Zumindest bis zum kommenden Wochenende dominiert ein unbeständiger Witterungsabschnitt mit zeitweiligen Regenfällen. Diese lindern zwar die Trockenheit in einigen Regionen deutlich, aber aufgrund des konvektiven Charakters der Niederschläge leider bei Weitem nicht überall.
Doch nun zur Entwicklung im Detail:
Am Donnerstag befindet sich Deutschland an der Südflanke eines umfangreichen, von Skandinavien über die Norwegische See und die Britischen Inseln bis zum nahen Ostatlantik reichenden und mit mehreren Drehzentren ausgestatteten Höhentrogkomplexes unterhalb einer relativ glatten südwestlichen Höhenströmung. Im Tagesverlauf und in der Nacht zum Freitag amplifiziert der Trog weiter nach Südwesten bis ins Seegebiet westlich der Biskaya, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet weiter aufsteilt.
Bei einem insgesamt schwachgradientigen Bodendruckfeld befinden sich weite Teile des Landes im Einflussbereich mäßig warmer bis warmer Luftmassen aus dem Raum Biskaya/Frankreich (T850 hPa zwischen 8 und 12 Grad). Lediglich in den Süden und Südosten gelangt mit dem Aufsteilen der Höhenströmung und eines sich etwas nach Norden verlagernden wellenden Frontenzuges ein Schwall sehr warmer und potenziell instabiler Subtropikluft (T850 hPa 14 bis 18 Grad). Bei mäßiger Cape und günstigen Scherungsbedingungen können sich dort kräftige, vereinzelt auch schwere Gewitter (Unwetter) entwickeln. Nördlich des Frontenzuges schließt sich eine von Südwest nach Nordost vor allem über die Mitte des Landes hinweg reichende niederschlagsfreie Zone an mit längeren sonnigen Abschnitten, während es im Nordwesten und Norden mit Passage kurzwelliger Troganteile im Bereich eines Bodentroges Schauer und einzelne Gewitter gibt. Vor allem im Nordseeumfeld können diese auch kräftiger ausfallen, das Unwetterpotenzial bleibt dort aber gering.
Am Freitag kommt der Höhentrogkomplex insgesamt weiterhin kaum nach Südosten voran, sondern amplifiziert über der Biskaya und dem nahen Ostatlantik weiter nach Südwesten. Die Haupttrogachse erreicht in der Nacht zum Samstag so grade die mittlere Nordsee, so dass wir auf dessen Vorderseite unterhalb einer noch etwas aufsteilenden südwestlichen Höhenströmung verbleiben, wobei im Tagesverlauf ein flacher Höhenkeil über das Vorhersagegebiet hinweg nordostwärts schwenkt.
Der Bodentrog über Nordwestdeutschland kommt langsam nach Südosten voran, verliert aber an Kontur, insgesamt bleibt das Druckfeld also sehr schwachgradientig. Mit dem Aufsteilen der Höhenströmung nach Passage des flachen Höhenkeils kommt der über Süddeutschland nach wie vor wellende Frontenzug aber kurzzeitig erneut etwas nach Norden voran, wobei nach Lesart des IFS die Südosthälfte des Landes bis Samstagfrüh von einer flachen Frontalwelle passiert wird.
Vorderseitig können sich im Südosten im Einflussbereich potenziell instabiler Subtropikluft erneut kräftige, teils unwetterartige Gewitter entwickeln. Mit Passage der Welle kann es dann im Süden und Südosten, eventuell auch bis in die Mitte reichend flächendeckender schauerartig regnen. Ob es für warnrelevante Mengen reicht, ist aber noch unklar, zumal die vorliegenden Globalmodelle diesbezüglich noch größere Differenzen aufweisen (dazu später mehr). Nördlich der Frontalwelle dürfte es erneut eine Region geben, in der es nur wenig Niederschläge gibt, während es im Nordwesten, nahe der sich langsam annähernden Trogachse, weitere Schauer, eventuell auch kurze Gewitter gibt.
Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag beginnt der Trog, knapp westlich der Biskaya abzutropfen. Während sich ein weiteres Drehzentrum des Höhentrogkomplexes in etwa über Karelien bzw. der Kola-Halbinsel mehr und mehr auffüllt, verlagert sich ein Höhentief von der Norwegischen See bis zur Nacht zum Sonntag nach Südnorwegen und übernimmt nun mehr und mehr eine zentralsteuernde Funktion. An dessen Südflanke bleibt es über dem Vorhersagegebiet bei einer relativ glatten südwestlichen Höhenströmung, die vor allem über Nordwestdeutschland eine leicht zyklonale Kontur aufweist. Im Bodenfeld kann sich die Frontalwelle östlich des Vorhersagegebietes noch etwas vertiefen, zieht aber rasch über Polen hinweg nach Weißrussland. Währenddessen greift ein Höhenrücken von Nordwesten her auf Irland und Schottland über. Dieser stützt ein kräftiges Hochdruckgebiet über dem Ostatlantik. Davon ausgehend, wietet sich ein kräftiger Keil über die Britischen Inseln und die südliche Nordsee allmählich bis in den Westen, in der Nacht zum Sonntag auch in die Mitte des Vorhersagegebietes aus. Südlich des Keiles wird die potenziell instabile, ehemalige Subtropikluft über Süddeutschland nicht komplett ausgeräumt (T850 hPa zwischen 10 und 13 Grad), so dass sich dort erneut einzelne kräftige Gewitter entwickeln können, das Unwetterpotenzial bleibt aber gering. Ansonsten gelangt von Nordwesten her maritim erwärmte Subpolarluft in den Norden und in die Mitte des Landes (T850 hPa zwischen 4 Grad an der Nordsee und knapp 10 Grad in der Mitte), die nur mäßig labil geschichtet ist und in der sich einzelne Schauer und kurze Gewitter entwickeln können. Diese klingen in der Nacht zum Sonntag mit dem sich verstärkenden Keil rasch ab, ebenso die Schauer und Gewitter im Süden.
Am Sonntag und in der Nacht zum Montag verlagert der Höhentrog sein Drehzentrum langsam von Südnorwegen zur mittleren Ostsee, während sich das Cut-Off über der Biskaya bzw. Nordspanien einnistet. Dazwischen wölbt sich ein Höhenrücken über Frankreich bis nach Südostengland auf.
Dieser wiederum stützt den Bodenhochkeil, der sich über die Mitte des Vorhersagegebietes weiter nach Osten und auch ein wenig nach Norden ausweitet. Nördlich davon gibt es insbesondere an den Küsten bei maximal 20 Grad noch vereinzelt kurze Schauer, während sich über Süddeutschland im Bereich potenziell instabiler Luftmassen und Höchstwerten um bzw. knapp über 25 Grad erneut einzelne kräftige Gewitter entwickeln können, für Unwetter dürfte es aber kaum reichen. Ansonsten dominiert freundliches und trockenes Wetter bei 20 bis 25 Grad.
Am Montag wandert das Höhentief nach Lesart des IFS von der Biskaya nach Westfrankreich. Vorderseitig entwickelt sich über Zentralfrankreich ein Tiefdruckgebiet, von dem ausgehend sich eine flache Rinne mit sehr warmer und potenziell instabiler Luft bis nach Südwest- bzw. Süddeutschland ausweitet. Dort kann es dann eventuell bereits wieder kräftigere Gewitter geben. Im Rest des Landes dominiert aber im Einflussbereich des sich langsam nach Norddeutschland verlagernden Hochkeils (der Schwerpunkt hohen Luftdruckes verlagert sich von den Britischen Inseln ins Nordmeer) ruhiges und trockenes Wetter.
In der erweiterten Mittelfrist wandert das Höhentief von Frankreich her langsam über den Süden bzw. die Mitte Deutschlands hinweg ostwärts. Die sehr warme und potenziell instabile Luftmasse kann dabei vor allem am Dienstag vorübergehend bis zur Landesmitte vordringen, wobei es teils kräftige, auch unwetterartige Gewitter bzw. konvektiv durchsetzte Regenfälle mit durchaus warnrelevanten Mengen geben kann, die am Dienstag kurzzeitig sogar Norddeutschland erfassen. Davor und danach dominiert dort dagegen Hochdruckeinfluss, wobei sich das Höch über dem Nordmeer und Nordskandinavien weiter verstärkt und ein robuster Keil bis zur Nordsee reicht. Zu Wochenmitte weitet dieser Keil seinen Einflussbereich langsam auch wieder zumindest bis zur Landesmitte aus. Im Süden bleibt es wohl leicht unbeständig mit einzelnen Schauern und Gewittern.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großräumige Wetterentwicklung wird von den letzten IFS-Läufen ähnlich simuliert. Im Detail ergeben sich aber durchaus Differenzen, insbesondere, was die räumliche Verteilung und Intensität der Niederschläge angeht. Das beginnt bereits am Freitag; die im aktuellen Lauf den Südosten Deutschlands passierende flache Frontalwelle wird von den beiden gestrigen Läufen schwächer und weiter südöstlich simuliert. Dafür hatte insbesondere der gestrige 00 UTC-Lauf die Wetterwirksamkeit des Bodentroges über dem Nordwesten Deutschlands stärker auf der Agenda mit einer deutlich regeren Schaueraktivität als seine beiden Nachfolger.
Am Wochenende wird der Hochkeil über der Mitte und dem Norden des Landes vor allem vom gestrigen 00 UTC-Lauf deutlich schwächer simuliert, vor allem am Samstag dominiert noch der Einfluss des Troges über Südskandinavien. Das Cut-Off-Tief soll zudem nach dessen Lesart deutlich früher auf Frankreich und bereits am Montag auch auf Süddeutschland übergreifen mit konvektiv durchsetzten, teils ergiebigen Niederschlägen, die sich von Südwesten rasch auf die Landesmitte, in der Nacht zum Dienstag auch auf die Osthälfte ausweiten würden, also mindestens 12 bis 24 Stunden früher als in den beiden aktuellen Läufen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnliche Unterschiede wie bei den IFS-Einzelläufen ergeben sich auch bei Betrachtung der vorliegenden Globalmodelle. Vor allem die vom ICON simulierte Entwicklung am Freitag und auch danach fällt ins Auge. Statt einer flachen Frontalwelle entwickelt sich ab Freitagnachmittag im Alpenlee über Südostbayern ein Tiefdruckgebiet und zieht in der Nacht zum Samstag unter deutlicher Intensivierung rasch über Tschechien nach Nordpolen. An dessen Westflanke werden ab Freitagnachmittag, insbesondere dann aber in der Nacht zum Samstag in einem streifen vom Südwesten (Pfalz) über die Mitte bis in den Osten/Nordosten kräftige, teils konvektiv durchsetzte Regenfälle simuliert, gebietsweise sogar mit unwetterartigen Starkregen-Mengen (Sachsen-Anhalt bis Brandenburg in der Nacht zum Samstag).
GFS simuliert dagegen die Frontalwelle noch weiter südöstlich als das IFS, so dass kräftigere Niederschläge lediglich den Südosten Bayerns betreffen würden, auch die kräftigen, teils unwetterartigen Gewitter im Vorfeld würden sich wohl eher auf den inneralpinen Bereich beschränken und das Vorhersagegebiet kaum betreffen.
Auch in weiterer Folge, insbesondere zum Sonntag hin, schlägt das ICON einen eigenen Weg ein. Der Hochkeil wird schon am Samstag deutlich schwächer und weiter nördlich simuliert als im GFS und IFS und am Sonntag weitet sich nach Lesart des Modells bereits der Tiefdruckeinfluss von Frankreich her bis in den Süden und die Mitte des Vorhersagegebiets aus mit Schauern und teils kräftigen Gewittern. An der Bordflanke der sich über die Mitte bis in die Osthälfte ausweitenden Tiefdruckrinne kann es dann in der Nacht zum Montag selbst in Norddeutschland gebietsweise kräftiger regnen. Nach GFS, IFS und GEM bleibt dagegen auch am Montag noch der Einfluss des Hochkeils über der Mitte bzw. dem Norden des Landes dominant und einzelne Gewitter würden sich lediglich auf die Südhälfte beschränken.
In der erweiterten Mittelfrist lässt das IFS (am Dienstag) als einziges Modell die (konvektiv durchsetzten) Niederschläge vorübergehend auch bis nach Norddeutschland ausgreifen. Nach Lesart des GFS und GEM beschränken sich diese auf die Südhälfte (GFS) und weiten sich maximal (GEM) zur Landesmitte aus.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Member auf 6 Cluster. Allesamt sind - wen wundert es angesichts des kräftigen Hochdruckgebietes über dem mittleren Nordatlantik, der auch bis nach Island reicht - dem Großwetterlagenregime NAO negativ zugeordnet. Die großräumige Konstellation der Geopotenzialgebilde über Kontinentaleuropa ist in allen Clustern ähnlich (von Skandinavien nach Westeuropa reichender Höhentrog), im Detail, insbesondere beim Blick auf das Bodendruckfeld, ergeben sich aber erste Differenzen, die insbesondere die Prognose der Frontalwelle am Freitag/Nacht zum Samstag erschweren.
Diese rückt dann zu Beginn des nächstfolgenden Zeitraumes (120 bis 168 Stunden, 5 Cluster) in den Fokus. CL 2 (13 Member) und CL 5 (8 Member) haben sie immerhin als abgeschlossenes flaches Tiefdruckgebiet auf der Agenda, vielleicht gibt es ein paar wenige Einzelläufe, die eine ähnlich kräftige Tiefdruckentwicklung wie im ICON simulieren.
Die weitaus meisten Member tendieren aber wohl eher Richtung flache Frontalwelle.
Auch der Hochkeil, der sich im hauptlauf am Sonntag/Montag über die Mitte bzw. den Norden des Landes ostwärts ausweitet, wird von den Clustern noch unterschiedlich gezeigt. CL 1 (13 Member) hat diesen gar nicht auf der Agenda, zeigt dagegen sogar eine Trogpassage. Nach CL 2 und CL 4 (8 Member) erweist sich der Keil dagegen als ziemlich robust, während CL 5 (8 Member) statt des Keils ein Hochdruckgebiet über der Nordsee zeigt, an dessen Südflanke bereits am Montag vorderseitig eines Höhentiefs über Frankreich die potenziell instabile Luftmasse zumindest bis zur Landesmitte vorankommen dürfte. Diese Variante tendiert eher Richtung ICON-Lösung.
In der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden, 3 Cluster) bleibt der wechselhafte Witterungscharakter aufrecht. Alle drei Cluster zeigen regen Tiefdruckeinfluss über Westeuropa. Nach CL 1 (22 Member) schwenkt dann ein flacher Rücken zu Wochenmitte langsam über Süddeutschland hinweg ostwärts, wobei sich dann rasch eine vorübergehend warme Vorderseitenlage bei uns einstellen könnte, die aber rasch wieder Tiefdruckeinfluss weicht. CL 2 (16 Member) lässt immer wieder flache Tröge über das Vorhersagegebiet hinwegschwenken, wobei es durchgehend unbeständig und nur mäßig warm bleibt. CL 3 (13 Member) simuliert dagegen den Höhenrücken über dem östlichen Mittteleuropa bzw. Skandinavien robuster, so dass sich hierzulande etwas länger eine warme Vorderseite einstellen könnte.
Diese etwas länger anhaltende "warme Vorderseite" schlägt sich auch in der Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der ENS-Member in den Rauchfahnen verschiedener über das Vorhersagegebiet verteilter Gitterpunkte nieder. Selbst in den norddeutschen Gitterpunkten tauchen Anfang/Mitte kommender Woche Einzelmember mit T850 hPa über 15 Grad auf, während sich der Median dort relativ eng gebündelt eher zwischen 5 und 9 Grad bewegt.
In den süddeutschen Gitterpunkten ist der Spread etwas größer, das Temperaturniveau insgesamt ein wenig höher und es für die Gitterpunkte München und Stuttgart sogar ein/zwei extreme heiße Ausreißer mit T850 hPa nahe 25 Grad. Erfreulicherweise haben alle Rauchfahnen bis in die erweiterte Mittelfrist immer wieder Niederschläge auf der Agenda.
FAZIT:
Es bleibt unbeständig und mäßig warm, im Süden vorübergehend auch noch einmal warm bis sehr warm. Die Niederschläge sind zunächst ziemlich ungleich verteilt, die Prognosen diesbezüglich sehr unsicher. Immerhin ist bis über die erweiterte Mittelfrist hinaus keine längere Trockenperiode mehr in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Fokus signifikanter Wettererscheinungen stehen in erster Linie die zumeist konvektiv durchsetzten Niederschläge. Vor allem in der Südhälfte kann sich am Donnerstag und Freitag noch einmal eine instabile Luftmasse subtropischen Ursprungs durchsetzen. EFI reagiert insbesondere am Donnerstag mit günstiger Cape/Shear-Überlappung im Südosten.
Somit sollten vereinzelt auch unwetterartige Gewitter (Hagel, Starkregen, bei organisierten Entwicklungen auch schwere Sturmböen) in Betracht gezogen werden, nach einer großräumigen Unwetterlage sieht es aktuell aber nicht aus. Dazu gesellen sich Unsicherheiten bzgl. der oben beschriebenen Frontalwelle, die ab Freitagnachmittag bis Samstagvormittag gebietsweise auch zu länger anhaltenden, konvektiv durchsetzten Niederschlägen führen kann. Die Unsicherheiten diesbezüglich wurden im Text angesprochen, ICON-EU-EPS zeigt erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Stark- bzw. Dauerregen am ehesten im Bereich nördliches Oberfranken/Ostthüringen (also weiter südlich als die vom Hauptlauf simulierten höchsten Mengen), IFS-EPS hat generell kaum Signale für Dauerregen auf der Agenda und auch EFI springt nicht an.
Einzelne markante Gewitter mit stürmischen Böen und kleinkörnigem Hagel kann es am Donnerstag und Freitag auch im Nordwesten Deutschlands geben.
Von Samstag bis Montag beschränken sich dann einzelne markante Gewitter wohl auf die Südhälfte, auch dort ist das Unwetterpotenzial dann nur gering.
Die ICON-Variante mit der kräftigen Bodentiefentwicklung lässt vor allem in den Gipfellagen der östlichen Mittelgebirge und der Alpen einzelne Sturmböen zu, ansonsten spielt der Wind warntechnisch (außer in Verbindung mit Konvektion) wohl keine Rolle.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





