Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 06.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
BM, Übergang zu TrW
Heute am Alpenrand geringes Risiko für Gewitter mit Starkregen.
Ab Mittwochabend von Südwesten und Westen, in der Nacht und am Donnerstag aufs ganze Land ausgreifend teils kräftige und gewittrige Niederschläge, in mittleren und höheren Lagen der Alpen in der Nacht zum Freitag in Schnee übergehend. In Staulagen 15 bis 25 l/qm, an den Alpen 30 bis 40 l/qm, lokal auch mehr.
Auflebender Wind mit Sturmböen in Gewittern, auf den Bergen und an den Küsten.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... dominiert in weiten Teilen Deutschland Hochdruck das Wetter, wenngleich sich im Westen schon andeutet, dass sich die Wetterlage umstellt. Die wetterbestimmende Hochdruckzone hat ihre Schwerpunkte aktuell über Südosteuropa, erstreckt sich aber nach Westen noch bis nach Nordfrankreich, wo der Druck noch über 1020 hPa beträgt, im Lauf des Tages aber deutlich sinkt, so dass dort am Abend nur noch gut 1015 hPa gemessen werden sollten, was auch für Benelux UND DEN Westen Deutschlands gilt. Gestützt wird das Hoch noch von einem breiten Rücken, wobei mehr als 576 gpdm noch von Frankreich bis nach Rumänien und in den Westen der Ukraine zu verzeichnen sind, allerdings ergeht es dem Rücken wie dem Bodenhoch, er wird an seiner Westflanke abgebaut und wandert somit insgesamt nach Osten. Da in den Rücken ein kleines Höhentief eingelagert ist, welches im Tagesverlauf von der Poebene nordwärts zieht und zum Abend etwa das Werdenfelser Land erreicht, labilisiert dort die Atmosphäre zusehends. Durch die Sonneneinstrahlung wird etwas CAPE aufgebaut (knapp 100 J/kg ML-CAPE nach ICON-EU), und die LAPS-Rates erreichen Werte um -0,7 K/100m. Mit PPW-Werten um 20 mm ist die Atmosphäre nicht allzu feucht, sollten sich aber Gewitter entwickeln, was die meisten Modelle andeuten, könnte u. U. Starkregen mit von der Partie sein. Ansonsten präsentieren sich die Mitte und der Süden sehr freundlich. Da der Restrücken nördlich des Höhentiefs im Bereich des Mains noch einen Keil nach Westen schiebt, sollten dort die Sonnenanteile am größten (am allergrößten!) sein, aber auch in den übrigen Gebieten, die südlich der Mittelgebirgsschwelle liegen, dominiert der Sonnenschein und es zeigen sich nur wenige Wolken. Im Norden ist dies anders, da an der Nordflanke des Rückens die Frontalzone ansetzt und über Dänemark zonal orientiert die schleifende Front eines mächtigen Tiefs nordöstlich der Kola-Halbinsel verläuft. Damit werden in den Norden dichtere Wolken hereingedrückt, die im Tagesverlauf auch etwas Regen bringen und das Temperaturpotential limitieren. Mahr als 18 oder 19°C werden es an den Küsten nicht werden. Anders im Süden. Die in der Südhälfte weiterhin über 10°C liegenden 850er Temperaturen verhelfen im Zusammenspiel mit der Sonne zu 20 bis 24°C, am Oberrhein mögen es auch lokal 25°C werden. Der Wind weht dabei schwach aus unterschiedlichen Richtungen, im Norden frischt er mitunter mäßig auf aus Südwest bis West.
In der Nacht zum Mittwoch klingen die Gewitter am Alpenrand rasch ab, allenfalls einzelne Schauer sind dann im Südosten noch möglich, insbesondere im Bereich der Zugbahn des kleinräumigen Höhentiefs, welches sich in Richtung Oberpfalz bewegt. Von Westen greift ein Langwellentrog unter deutlicher Amplifizierung auf Westeuropa über, der auch den Höhenrücken weiter nach Osten abdrängt. Auf seiner Vorderseite fällt der Druck, so dass ein großräumiges Tiefdruckgebiet, das schon am Abend weite Teile der Iberischen Halbinsel und Frankreichs überdeckt, sich in der Nacht nicht nur zur Nordsee und in den Westen Deutschlands ausweiten kann, sondern sich dazu auch noch vertieft. Bis zum Morgen sinkt der Druck über der nördlichen Biskaya und der Bretagne so auf etwa 1008 hPa. Die geschilderten Entwicklungen haben auf das Wetter in Deutschland aber in der Nacht nur geringe Auswirkungen. Neben den erwähnten nicht ausgeschlossenen schwachen Schauern im Südosten bringt auch die Front im Norden weitere geringe Niederschläge. Immerhin verhindern dort die Wolken eine stärkere Ausstrahlung, so dass die nächtlichen Minima an den Küsten und im angrenzenden Binnenland nicht unter 13 bis 10°C sinken. Im übrigen Land sind es 9 bis 5°C, in einzelnen ungünstigen Mittelgebirgslagen eventuell auch nur 4 oder 3°C. Der Wind bleibt schwach, er dreht aber auf Süd bis Südost und kann die Bildung einzelner Nebelfelder nicht verhindern.
Mittwoch... greift der Langwellentrog über Westeuropa noch etwas nach Süden aus, er bleibt dabei sehr scharf geschnitten und auf seinem Weg nach Osten (seine Achse, am Morgen über der Bretagne gelegen, kommt bis nach Paris, weiter nördlich bis zur westlichen Nordsee voran) bindet er auf seiner Vorderseite den Kaltlufttropfen in sein Strömungsmuster mit ein, so dass dieser nurmehr als Kurzwellentrog Polen erreicht. Im Bodendruckfeld bildet sich eine klar konturierte Tiefdruckrinne aus, zum Abend erstreckt sich diese von den Pyrenäen bis in den Süden Skandinaviens mit Zentren über den Niederlanden und Dänemark. Eine Bodenanalysekarte dürfte auf einen langgestreckten Frontenzug setzen, der von Russland kommend über Belarus und das südliche Baltikum bis zur Ostsee verläuft. Dort dürfte dieser dann nach Südwesten in die Tiefdruckrinne abbiegen, um von dort bis zur Iberischen Halbinsel weiter zu laufen. Eine solche Sichtweise vernachlässigt aber die Tatsache, dass im großen Warmsektor des Tiefs die Advektion von subtropischer Luft nach Deutschland andauert. Mit anderen Worten: Man könnte durchaus auch geneigt sein eine Warmfront zu konstruieren, die im Tagesverlauf auf den Südwesten Deutschlands übergreift. Dabei dürfte man von dieser zumindest anfangs nicht zu viel an Hebung erwarten, dies auch deswegen, weil die Höhenströmung zwischen dem nach Polen abziehenden Kaltlufttropfen/Trog und dem Trog im Westen über uns leicht antizyklonal aussieht und die Luft erst allmählich von Südwesten her angefeuchtet wird. Dann bildet sich aber auch etwas CAPE mit niedrigen dreistelligen Werten. Summa summarum dauert es wohl bis zum späten Nachtmittag oder zum Abend, bis im Westen schauerartiger Regen einsetzt. Dabei sind vereinzelte Gewitter, eventuell mit Starkregen, nicht ausgeschlossen. Auch ganz im Norden und Nordwesten sind nahe des skizzierten Frontenzuges ein paar Tropfen möglich. Da der Frontenzug mit seinen Wolken auf der Ostflanke der Tiefdruckrinne und damit über Südskandinavien etwas nach Norden gedrückt wird, steigen die Sonnenanteile im Süden der Norddeutschen Tiefebene. An den Küsten zeigt sich die Sonne aber weiterhin selten. Und im Südwesten sinken die Sonnenanteile im Vergleich zum Vortag etwas ab. Für den weit überwiegenden Teil des Landes gilt aber, dass sich am freundlichen, nach Nebel recht sonnigen Wetter in großen Landesteilen erstmal nichts ändert. Die Temperatur steigt auf maximal 20 bis 25°C, ganz im Norden gebietsweise etwas weniger, im Süden im Bereich der Warmluftadvektion eventuell sogar auf 26°C. Der schwache vorübergehend auch mal mäßig auffrischende, meist südöstliche Wind spielt im Hinblick auf Warnungen keine Rolle.
In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich die Rinne nach Deutschland, wobei das südliche lokale Tiefdruckzentrum über das Emsland hinweg bis ins südliche Schleswig-Holstein vorankommt. Auf ihrer Rückseite stößt kalte Meeresluft nach Süden vor, ausgangs der Nacht klopfen die 3°C in 850 hPa schon im äußersten Westen an. Dem stehen im äußersten Südosten immer noch 850er Temperaturen von 14°C gegenüber. Die Luftmassengrenze bildet eine markante Kaltfront, die ausgangs der Nacht etwa von Fehmarn bis nach Baden verläuft und die sich neben dem Temperaturgradienten auch noch durch einen bemerkenswerten Windsprung von Süd auf Nordwest auszeichnet. Damit verbunden breitet sich schauerartiger Regen aus, der Donnerstagfrüh wohl nur die Gebiete von der Lausitz bis zu den Alpen ausspart. In den Regen können vereinzelte Gewitter eingelagert sein, die auch Starkregen bringen können. Auch mehrstündiger, nicht gewittriger Starkregen um 20 l/qm ist nicht ausgeschlossen und wird im ICON sowie in Teilen der Probabilistik leicht angedeutet, beispielsweise in den ICON-EU-EPSen mit knapp 30% von der Eifel bis ins Rothaargebirge oder auch am Schwarzwald. Mit der Winddrehung ist auch ein
stark böiges auffrischen des Windes verbunden. Im Bergland und an der Nordsee sind steife Böen, exponiert stürmische Böen möglich. Ob davon auch schon die schleswig-holsteinische Nordseeküste betroffen sein wird, hängt von der Verlagerungsgeschwindigkeit ab, die die Modelle noch unterschiedlich einschätzen. ICON-EU sieht für die Nordsee sogar die volle Sturmstärke als möglich an, und auch in Gewittern sind, bei Höhenwinden in 850 hPa von bis zu 35 kn, stürmische Böen denkbar. Nebel ist auch in den ruhigen Ecken des Südostens wohl kein Thema mehr, dort sinkt die Temperatur bei oft klarem Himmel auf Werte um 10°C. Ansonsten pendeln sich die Minima bei naturgemäß sehr guter Durchmischung und vielen Wolken bei 16 bis 11°C ein.
Donnerstag... und in der Nacht zum Freitag überquert uns die Trogachse vollständig, sie ist Ausgangs der Nacht schon über Zentralpolen anzutreffen. Dabei wird insbesondere in der ersten Nachthälfte die im Trog eingebettete Höhenkaltluft von um -26°C über den Nordosten geführt. Mit den 850er Temperaturen in dieser Region von etwa 1°C ergibt sich entsprechend ein veritabler vertikaler Temperaturgradient, der mit dynamischer Unterstützung für das eine oder andere Gewitter ausreichend sein sollte - was in der zweiten Tageshälfte auch schon für die erweiterte Nordseeküste gilt. Die Kaltfront überquert uns am Tage rasch von Nordwest nach Südost, auf ihrer Rückseite zeigen sich im Westen und Nordwesten zunehmend Wolkenlücken, wobei einzelne Schauer weiterhin nicht ausgeschlossen werden können. Vom Nordosten bis in den Süden regnet es am Tage verbreitet recht kräftig, teils gewittrig bzw. schauerartig verstärkt. Dies liegt weniger am CAPE (das sich durch viele Wolken nicht aufbauen kann) oder dem vertikalen Temperaturgradienten als an recht guten Scherungsbedingungen, die letztendlich mit einer sich auf der Rückseite der Front und vorderseitig des Troges vorübergehend etablierenden Gegenstromlage Hand in Hand gehen. Damit ist ein gewisser Organisationsgrad der Gewitter möglich, was dann auch Starkregen, aber auch Sturmböen zur Folge haben könnte. Neben den punktuellen konvektiven Niederschlagsmaxima scheinen sich auch staubedingte abzuzeichnen, insbesondere nach der Winddrehung auf Nordwest, so z. B. im Schwarzwald, auf der Alb und am Erzgebirge, aber auch an den Alpen, wo die Front an Abend ins Schleifen gerät und auch über die Nacht hinweg noch Regen produziert. Dabei dürfte die Schneefallgrenze auf 1300 bis 1500 Meter absinken, was eine erste winterlichen Duftmarke bedeuten sollte. Während sich an den Alpen 30 bis 40 l/qm akkumulieren können, lokal auch etwas mehr, sind es in den anderen genannten Staulegen eher 15 bis 25 l/qm. Wie sich die Schwerpunkte am Ende genau herauskristallisieren werden, bleibt abzuwarten. Dazu ist der Wind recht flott unterwegs, im Bergland, an den Küsten und in Gewittern reicht es für eine Bft 8, eventuell auch für eine Bft 9, die Bft 7 ist wohl im norddeutschen Binnenland häufiger anzutreffen. Abgesehen von den angesprochenen Sonnenlücken im Nordwesten zeigt sich die Sonne selten. Die Höchstwerte liegen im Südosten nochmal bei bis zu 19°C, im Nordwesten teils nur um 14°C. Die Tiefstwerte decken eine Spanne von 10 bis 4°C ab.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Abläufe werden grundsätzlich recht ähnlich simuliert. Erste größere Unterschiede zeigen sich am morgigen Mittwoch bei der Frage, wie schnell die Front und die Tiefdruckrinne nach Osten vorankommen. Daraus ergeben sich mehr als üblich die Fragen nach der Verteilung und Intensität der Niederschläge, aber auch die von der Druckverteilung abhängige Frage nach dem Wind. Die Fragestellungen wurden im Text schon angerissen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 06.10.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig, im Küstenumfeld teils starke Gewitter, windig, im höheren Bergland und an der See stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 13.10.2026
Der Blick auf das IFS-EPS lässt zumindest von Freitag bis Sonntag bei einer dominierenden Wetterlage West zyklonal nichts anderes als eine wechselhafte Witterungsperiode zu. Nur wenige Member geben dem EPS mit Wetterlagen wie Brücke Mitteleuropa oder West antizyklonal einen ruhigeren Touch. Der deterministische Lauf des IFS stützt die Mehrheit der Member im EPS, indem er einen breiten Langwellentrog über Nordwest, Nord-, West- und Mitteleuropa zeigt, dessen Achse langsam ostwärts über Deutschland hinwegschwenkt. Gleichzeitig verlagert sich das korrelierende Bodentief vom Seegebiet südlich von Island, an Schottland vorbei in die Nordsee, um dann nach Südschweden weiterzuziehen. Auf seinem Weg hat es zudem ein Frontensystem im Schlepptau, welches am Samstag auf den Norden Deutschlands übergreift. Vor allem am Freitag und Samstag ist zusätzlich Randtiefs mit von der Partie, die sich über der Ostsee und Skandinavien tummeln und ebenfalls einen Frontenzug bis nach Deutschland schieben. Am Freitag sind demnach die Niederschläge vor allem im Norden sowie im Verlauf im Umfeld der Front zu verzeichnen. Aufgrund fehlender Unterstützung aus der Höhe sind diese überwiegend skaliger Natur. Am Samstag verlagert sich der Frontenzug über die Mitte zu den Alpen. Gleichzeitig sorgt PVA zusammen mit frontogenetischen Prozessen ausgehend vom Nordseeumfeld erneut für schauerartige, teils gewittrige Niederschläge. Am Sonntag sorgen de Reste der Kaltfront an den Alpen und im Südosten noch für etwas Niederschlag. Ansonsten sind auf der Trogrückseite mit nordwestlichen Winden Schauer und Gewitter im Nordseeumfeld bis ins angrenzende Binnenland möglich.
Am Montag und Dienstag nehmen im IFS-EPS die antizyklonalen Wetterlagen wieder deutlich zu. Vor allem die Wetterlagen Brücke Mitteleuropa und Südwest antizyklonal können rund zweidrittel der Member unter sich vereinen. Die zuvor dominierende Wetterlage West zyklonal wird zu einer Minderheit zusammengestutzt.
Der det. IFS-Lauf weist über die beiden Tage hinweg einen kräftigen Rücken auf, dessen Achse sich von Südwesteuropa bis nach Norwegen erstreckt und im Verlauf langsam ostwärts über Deutschland hinweg schwenkt. Bodennah korreliert der Rücken mit einem Hoch, welches am Montag weite Teile Deutschland überdeckt und am Dienstag seinen Schwerpunkt in den Alpenraum bzw. Polen verlagert. An beiden Tagen verbleibt allenfalls das Küstenumfeld im Bereich der Frontalzone. Am Dienstag sind im Westen, Nordwesten und Norden auf der Trogvorderseite zusammen mit frontogenetischen Prozessen einer teils okkludierten Kaltfront erneut schauerartige, teils gewittrige Niederschläge möglich.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckstrukturen werden von den vergangenen Läufen recht konsistent wiedergegeben. Vor allem zum gestrigen 12 UTC-Lauf besteht eine gute Konsistenz. Größere Abweichungen sind dagegen zeitweise zum gestrigen 00 UTC-Lauf zu verzeichnen.
Am Freitag zum Start in den mittelfristigen Zeitraum gibt es kleine Unterschiede bei der räumlichen Einordnung des Cut-Off-Tiefs über Italien sowie bei der ostwärtigen Verlagerung eines Kurzwellentroges über Mitteleuropa. Während der gestrige 00 UTC-Lauf den Kurzwellentrog etwas langsamer abziehen ließ und somit hierzulande noch stärker zyklonale Bedingungen produzierte, weist vor allem der neuste Lauf recht zonale Strömungsverhältnisse auf. Entsprechend kann ein neues System von Westen geringfügig schneller auf Deutschland übergreifen.
Am Samstag besteht die offene Frage, inwieweit der Cut-Off wieder an die Höhenströmung andocken kann. Dies sah der gestrige 00 UTC-Lauf nicht, während der gestrige 12 UTC-Lauf das Einfangen zuließ. Der aktuelle Lauf zeigt einen Mittelweg. Dieser Prozess hat aber Einfluss auf die Strömungsbedingungen von Mitteleuropa ostwärts. Die neusten Läufe weisen diesbezüglich über Osteuropa eine Trogvorderseite mit südwestlichen Winde auf, während der gestrige 00 UTC-Lauf dort eher flacheren Westwinde bevorzugte. Insgesamt ist demnach die genaue räumliche Einordnung potentieller Niederschläge über der Südhälfte Deutschlands noch verhältnismäßig unsicher.
Am Sonntag liegen weite Teile Europa im Bereich eines Langwellentroges. Das Cut-Off-Tief wurde bei allen Läufen eingefangen und ist bei gestrigen 12 UTC-Lauf überhaupt nicht mehr vorhanden. Die 00 UTC-Laufe weisen das Randtief über Südosteuropa auf. Über Mitteleuropa gibt es im Trogbereich allenfalls Unterschiede bei der Phase und Verlagerungsgeschwindigkeit von Kurzwellentrögen bzw. kurzwelligen Anteilen. Entsprechend werden die Niederschläge zwischen den betrachteten Läufen räumlich, zeitlich und in deren Intensität leicht abweichend simuliert.
Am Montag kann sich konsistent von Südwesteuropa bis nach Norwegen ein Rücken aufbäumen. Unterschiede sind dabei vor allem bei der Phase und somit der Verlagerungsgeschwindigkeit der Achse sowie vor allem bezüglich des gestrigen 00 UTC-Laufes bei der Amplitude zu verzeichnen. Bei den neusten beiden Läufen wird der nachfolgende Trog markanter gerechnet, sodass die größere WLA eine etwas stärkere Amplifizierung stützt. Je nach Stärke des Rückens, kommt die übergreifende Warmfront schwächer oder eben etwas stärker daher.
Auch am Dienstag weisen die neusten Berechnungen größere Amplituden der Strukturen auf. Der gestrige 00 UTC-Lauf konnte entsprechend der flacheren Strukturen Frontensysteme und resultierende Niederschläge rascher ostwärts schieben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch andere Globalmodelle (ICON, UK10, GFS) zeigen eine zum IFS vergleichbare Geopotential- und Luftdruckentwicklung. Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums bis einschließlich Samstag weisen die Modelle vor allem zum gestrigen 12 UTC-Lauf des IFS eine recht gute Konsistenz auf. Ab Sonntag weichen alle Modelle von den Vorgaben des IFS mehr oder weniger ab, haben aber auch untereinander wenig Konsistenz. Das IFS zeigt im Vergleich die geringsten Amplitude und somit die größte Verlagerungsgeschwindigkeit der Systeme. Am ehesten liegt das UK10 noch nahe an den Berechnungen des IFS, wenngleich es etwas langsamer verlagert. Beim GFS kann sich ein Höhentief über Ostpolen und Weißrussland festsetzen und die Verlagerung somit ausbremsen. Das ICON beschreibt insgesamt die langsamste ostwärtige Verlagerung der Trog-Rücken-Trog Struktur. Resultierend ergeben sich teils deutliche Unterschiede bei der zeitlichen und räumliche Einordnung der potentiellen Niederschläge. Entsprechend kann man bezüglich des Modellvergleichs bis Sonntag noch von einer recht guten Vorhersagegüte sprechen, ab Montag sind zwar die großskaligen Entwicklungen vergleichbar, der genaue Wetterablauf jedoch unsicher.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland weisen bezüglich der Temperatur in 850 hPa bis einschließlich Sonntag bei einem geringen Spread eine hohe Vorhersagegüte des IFS-EPS auf. Beim Geopotential in 500 hPa zeugen geringe Abweichungen im IFS-EPS bis einschließlich Samstag sowie am Montag von einer hohen Güte. Am Sonntag spannen die Unsicherheiten der Intensität des Troges das EPS des Geopotentials auf. Ab Dienstag beim Geopotentiel schließlich ein markantes und stetiges Aufspannen des EPS zu verzeichnen, sodass die Prognosegüte deutlich abnimmt. Bei der Temperatur sind die Prognosen ab Montag schon sehr unsicher. Bei einem Spread von rund 15 Grad und nur einem schwach definierten Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten ist eine seriöse Vorhersage kaum möglich.
Bei der Einordnung der EPS-Member in Grundmuster werden für den Zeitraum von +72h bis +96h vier Lösungen nötig, um alle Unsicherheiten ausreichend zu beschreiben. Alle Lösungen werden dabei dem Schema einer pos. NAO zugeschrieben. Der Kontrolllauf befindet sich zusammenmit 18 anderen Mitgliedern im ersten Cluster. Die wesentlichen Unterschiede betreffen das Cut-Off-Tief über Südeuropa sowie dessen Entwicklung. Je nach Stärke und Lage nimmt es Einfluss auf den Langwellentrog über Nordwest und Mitteleuropa. Resultierend kommt es zu Phasenverschiebungen zwischen den ablaufenden Kurzwellentrögen bzw. kurzwelligen Anteilen. Das zweite Cluster zeigt dabei die zonalsten Strukturen, die letzten beiden Lösungen weisen dagegen die größten Amplituden auf. Im Zeitraum von erklären sechs Cluster die Unsicherheiten innerhalb des IFS-EPS. Die ersten vier Lösungen starten im Schema eines atlantischen Rückens. Die ersten beiden Cluster wechseln in der Folge früher oder später wieder zur pos. NAO, das dritte Cluster wechselt zum Blocking und die vierte Lösung nimmt den Umweg über die pos. NAO zum Blocking. Die letzten beiden Lösungen verbleiben komplett im Schema einer pos. NAO. Der Kontrolllauf befindet sich erneut im ersten Cluster. Abgesehen von den letzten beiden Lösungen mit stark zonalen Verhältnissen weist auch das erste Cluster noch recht flache Strukturen auf. Die Cluster 2 bis 4 dämpfen oder blockieren dagegen bei großen Amplituden die Verlagerung. Bei diesen Lösungen würde über weite Teile Deutschlands hoher Luftdruck dominieren. Ansonsten sind durchziehende Frontensysteme Trumpf. Insgesamt stützt demnach ein kleine Mehrheit im IFS-EPS erneut eher ruhigere Wetterbedingungen.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h werden fünf Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten im EPS ausreichend zu beschreiben. Alle Cluster starten im Schema einer pos. NAO, die erste und die vierte Lösung wechseln im weiteren verlauf zum Blocking. Der Kontrolllauf wird nun der dritten Lösung zugeordnet. Dieses Cluster zeichnet große Amplituden aus, wobei ein Trog auf Mitteleuropa übergreift. Die zweite Lösung zeigt dagegen recht zonale Bedingungen mit einer recht weit nach Norden geschobenen Frontalzone und somit hohem Gepotential über weiten Teilen Mitteleuropas. Beim ersten Cluster wird ein Trog nur ansatzweise gezeigt. Ansonsten dominiert hohes Geopotential, wobei die Störung auch Einfluss auf das Wetter in Deutschland haben kann. Cluster 4 präsentiert einen kräftigen Rücken über Deutschland und Cluster 5 einen mächtigen Trog über Westeuropa mit Trogvorderseite hierzulande.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND/STURM:
Über den gesamten mittelfristigen Zeitraum weisen die EPS-Verfahren mehr oder weniger windige Verhältnisse aus. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem in der Nordhälfte und ist zeitlich am Freitag und Samstag eingeordnet. Vor allem im Küstenumfeld und im höheren Bergland stützen Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 80% stürmische Böen oder Sturmböen. Am Samstag sind mit Werten von 5 bis 15% auch im Nordwesten und der nördlichen Mitte stürmische Böen gering wahrscheinlich. Der EFI des ECMWF stützt über beide Tage lokal leicht überdurchschnittliche Windspitzen in den genannten Regionen.
Von Sonntag bis Dienstag sind bei Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40% vor allem an der See und in einzelne Hochlagen weitere stürmische Böen oder Sturmböen möglich.
GEWITTER/STARKREGEN/DAUERREGEN:
Am Freitag sind vor allem auf Basis der Deterministik verschiedener Modelle in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge Dauerregenmengen über 30 l/qm in 24 Stunden nicht auszuschließen.
Am Samstag und Sonntag ist im Küstenumfeld und dort vor allem im Nordseebereich eine rege Gewitteraktivität wahrscheinlich. Neben Sturmböen ist gebietsweise auch mehrstündiger Starkregen möglich. Dieser wird von einzelnen prob. Verfahren mit Wahrscheinlichkeiten (RR6h) von rund 10% gestützt. Akkumuliert über 24 Stunden ist gebietsweise auch das Überschreiten der Dauerregenschwelle von 30 l/qm möglich. Dies weisen vor allem die det. Modelle mit Werten von 20 bis 40 l/qm aus. Aber auch der EFI zeigt an beiden Tagen vor allem im Nordseeumfeld bezüglich des Modellklimas leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Am Montag sind im Küstenumfeld, teils bis weit ins Binnenland ausgreifend weitere Gewitter mit stürmischen Böen möglich, mehrstündiger Starkregen ist aber nur noch gering wahrscheinlich.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, bis Samstag auch det. IFS/ICON, für TT auch MosMix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





