Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 13.06.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Nordwest zyklonal (NWz)

Wetter: Unbeständig mit Schauern vor allem in der Nordosthälfte und einzelnen Gewittern. Dabei sehr windig, allerdings mit nachlassender Tendenz. Meist kühl, nur im Südwesten warm.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Am heutigen Samstag... liegt Deutschland im Bereich einer westnordwestlichen Höhenströmung zwischen einem Höhenhoch über der Iberischen Halbinsel und einem Höhentief über der nördlichen Nordsee. Dabei wird das Wetter von einem Kurzwellentrog beeinflusst, der heute Mittag von der Nordsee heranzieht und dann rasch über den Norden des Landes hinwegschwenkt. Der Süden wird dabei von den Hebungsprozessen nicht erfasst. Bodennah weitet sich ein Tief vom Skagerrak bis nach Südschweden aus, während sich eine Hochdruckzone von den Alpen bis zur Keltischen See erstreckt.

Zwischen diesen beiden Systemen liegt Deutschland im Bereich eines für die Jahreszeit recht kräftigen Druckgradienten (13 hPa zwischen Basel und Rügen), so dass heute mit dem Tagesgang der Westwind recht böig wird und abgesehen vom Südwesten verbreitet steife Böen zu erwarten sind. Vor allem in Verbindung mit Konvektion und an den windexponierten Küsten sind auch stürmische Böen zu erwarten. Der 850 hPa-Wind, der über dem Norden vielfach mit 75 km/h im Mittel unterwegs ist, erlaubt auch eine vereinzelte Sturmböe. Auch auf den höheren Bergen sind Böen in dieser Größenordnung zu spüren.

Zusammen mit dem oben erwähnten Kurzwellentrog gelangt heute Mittag auch eine Kaltfront in den Nordwesten Deutschlands, die den Norden mit der kräftigen Strömung recht rasch überquert, die aber nur langsam nach Süden vorankommt und über der Mitte ins Schleifen gerät. Damit verstärkt sich der thermische Gradient über Deutschland noch: Während in den Norden maritime Polarluft (In 850 hPa 3 bis 4°C) einfließt, hält sich im Süden eine erwärmte Polarluft (mPs) mit 12 bis 14°C in 850 hPa.

Das Wetter gestaltet sich im Süden unter etwas zunehmendem Hochdruckeinfluss zunehmend freundlich. Dort ziehen die letzten Schauer ab und es setzt sich zeitweise die Sonne durch. Zur Mitte hin wird es deutlich wolkiger, aber in recht stabiler Schichtung bleibt es weitegehend trocken. Im Norden wird hingegen durch den Tagesgang und im Bereich des Troges die Schichtung etwas labilisiert, so dass die Schauer wieder zunehmend und insbesondere im Bereich der Kaltfront staffelartig durchziehen können. Rückseitig des Troges stabilisiert aber die Schichtung in der mittleren Troposphäre schon wieder deutlich. Selbst im Trogbereich ist die Schichtung oberhalb 600 hPa recht stabil, so dass die Schauer kaum 5 km Höhe erreichen und damit auch nur etwa -10 bis -15°C, was allenfalls für einzelne Gewitter reicht. Mit hoher Zuggeschwindigkeit, aber auch dem entsprechenden niedertroposphärischen Wind und guter Scherung steht bei den Begleiterscheinungen, wie oben erwähnt, vor allem der Sturm auf der Karte.

Im sonnigen Süden, in Verbindung mit der recht warmen Luftmasse, sind allgemein Höchstwerte zwischen 25 und 27°C zu erwarten, am Oberrhein auch bis 29°C. In der Mitte sind es vielfach um oder über 20°C, während man im Norden mit kühlen 17 bis 20°C vorlieb nehmen muss, an der Nordsee sind es teils nur um 15°C.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt ab Mitternacht ein weiterer Kurzwellentrog über Norddeutschland hinweg. Dabei verlagert sich der Kern des Höhentiefs in die Ostsee. Im Süden fächert der Gradient unter Hochdruckeinfluss etwas auf, so dass dort der Wind deutlich abnimmt. Im Nordosten verstärkt sich der Gradient hingegen noch etwas, allerdings nimmt der Wind tagesgangsbedingt trotzdem deutlich ab, so dass im Binnenland zwar noch mäßiger bis frischer Wind auftreten kann, aber keine warnwürdigen Böen mehr erwartet werden. An den Küsten bleibt es aber bei steifen, in exponierten Lagen stürmischen Böen. Da auch der niedertroposphärische Wind etwas nachlässt, nehmen die Böen auf den etwas Bergen ab.

Nachdem in der ersten Nachthälfte die Schauer im Norden zunächst nachlassen, verstärken sie sich mit dem Aufzug des Troges ab Mitternacht wieder. Vereinzelt können ganz im Norden (dort ist es unter durchschwenkender Höhenkaltluft etwas labiler) einzelne Gewitter auftreten, sonst bleibt es bei Schauern. Viele Wolken ziehen auch über die Mitte hinweg, wo es aber bei stabiler Schichtung weiterhin meist trocken bleibt. Im Süden ziehen ebenso einige Wolken durch, aber zeitweise ist der Himmel auch länger klar.

Die Frühtemperaturen liegen allgemein zwischen 14 und 8°C.

Am Sonntag... zieht das Höhentief weiter Richtung Baltikum. Über Deutschland bleibt bei leichtem Rückgang des Geopotentials die zyklonale Höhenströmung bestehen, es zieht aber tagsüber kein markanter Höhentrog mehr durch. Über den Britischen Inseln liegt ein Höhenkeil. Das oben beschriebene Hoch gliedert sich einem Grönlandhoch an, so dass sich ein markanter Hochkeil von Grönland bis Frankreich erstreckt. Zusammen mit dem Bodentief über dem Baltikum kann damit die maritime Polarluft noch weiter nach Süden vordringen. Die 5°C-Isotherme der 850-hPa-Temperatur erreicht dabei in etwa den Main, am Hochrhein halten sich aber noch wacker 12°C.

Bezüglich der Druckniveaus bleibt es bei dem mittlerweile recht schwachen Gradienten über dem Südwesten, während sich im Nordosten der Gradient nur recht wenig abschwächt. Mit dem Tagesgang kann deswegen in der gesamten Nordosthälfte der westliche Wind wieder deutlich aufleben, so dass dort verbreitet mit steifen Böen zu rechnen ist. In Schauernähe können auch weiterhin stürmische Böen auftreten. Im Südwesten lebt der westnordwestliche Wind ebenso etwas auf, dort liegen aber die Böen um Bereich 5 bis 6 Bft, so dass der Wind dort zwar immer noch spürbar ist, aber nicht warnwürdig. Auch auf den Bergen gibt es teils noch steife, vereinzelt exponiert auch stürmische Böen, die aber wohl nicht mehr bewarnt werden müssen. Der Brocken und der Fichtelberg, wo auch noch Sturmböen möglich sind, sollten aber noch eine Warnung erhalten. Dies trifft auch auf die Alpengipfel zu, die in einer strammen westnordwestlichen Strömung liegen und Sturmböen abbekommen können. Eventuell reicht es auch im höheren Alpenvorland zu einzelnen steifen Böen.

Mit mäßig kalter Luft in der Höhe herrscht im gesamten Nordosten auch leichte Labilität, so dass im Tagesverlauf zahlreiche Schauer auftreten können, allerdings mangels markanter Hebungsantriebe und bei viel weniger Scherung deutlich unorganisierter als am Vortag. Einzelne Gewitter können natürlich auch wieder dabei sein, diese können bei etwas weniger stabiler Schichtung in der mittleren Troposphäre auch höher reichen als am Vortag und vor bei weiterhin flottem Höhenwind einzelne Sturmböen bringen, oder auch kleinkörnigen Hagel. Starkregen ist in der recht kühlen Luftmasse und bei flotten Zuggeschwindigkeiten kein großes Thema.

Auch im Alpenbereich, in der warmen Luftmasse, kann sich im Tagesverlauf CAPE aufbauen und es können sich einzelne Gewitter entladen. Dort ist bei mehr Feuchteangebot auch Starkregen nicht ausgeschlossen. Abgesehen davon, gibt es ganz im Süden auch einen recht sonnigen Streifen, während es zur Mitte hin unter einer markanten Inversion (je nach Region zwischen 750 und 600 hPa) recht viel Quellbewölkung gibt, es aber überwiegend schauerfrei bleibt.

Mit der Temperatur geht es in den meisten Regionen etwas runter: In der gesamten Nordhälfte werden nur 17 bis 19°C erreicht, an der See bleibt es kühler. Im Süden sind es meist knapp über 20°C, die 25°C-Marke wird nur noch am südlichen Oberrhein und Hochrhein überschritten.

In der Nacht zum Montag zieht von der Nordsee her wieder ein markanter Kurzwellentrog herein, der über die Mitte südostwärts schwenkt und am Morgen schon Tschechien erreicht. Mit ihm wird noch einmal etwas Geopotential abgebaut.

Zudem bringt er vorübergehend noch etwas labiler geschichtete Luft bis in die Mitte des Landes. Die Schaueraktivität soll aber im Norden des Landes tagesgangsbedingt nachlassen und auch mit Durchzug des Troges bis in die Mitte und den Süden nur schwach aufleben, so dass es zwar in fast allen Regionen mal einen schwachen Schauer geben kann, aber insgesamt nicht viel Regen vom Himmel fällt.

Überwiegend verläuft die Nacht aber bewölkt, nur ganz im Süden kann es größere Wolkenlücken geben.

Der Wind lässt vor allem tagesgangsbedingt wieder etwas nach und schläft im Süden unter dem Hochkeil fast ganz ein. Auch im Norden braucht es bei mäßigem Wind keine Windwarnungen mehr. Lediglich an den Küsten weht der Wind noch frisch mit starken bis steifen Böen, so dass bei auflandigem Wind noch Warnungen ausgegeben werden müssen. Auf den Bergen schwächt sich der Wind auch wieder ab.

Mit Tiefstwerten zwischen 12 und 6°C wird die Nacht noch etwas kühler als die Vornacht.

Am Montag... schwächt sich das Höhentief über dem Baltikum langsam ab. Von Westen nähert sich der Höhenrücken schon etwas an, seine Achse erreicht am Abend schon die westliche Nordsee. Bodennah schwächt sich sowohl der Hochkeil als auch das Tief über dem Baltikum etwas ab, so dass der Gradient über unserem Land etwas schwächer wird. Insbesondere gerät der gesamte Südwesten des Landes unter den Keil, so dass dort mit tagsüber auflebendem Wind dieser nur noch schwach bis mäßig aus West kommt. Im Nordosten ist dagegen der Gradient noch einmal stark genug, dass es tagsüber zu einzelnen steifen Böen aus Westnordwest kommt. An den Küsten gibt es noch verbreitet steife Böen, in exponierten Lagen (abgesehen vom äußersten Westen) auch noch einzelne stürmische Böen. Auf den Bergen spielt der Wind keine große Rolle mehr.

Schauer können sich bei leichter Labilität noch im Nordosten und an den Alpen bilden, einzelne Gewitter können auch noch dabei sein. Ansonsten trocknet die Luft unter leichtem Absinken etwas ab und zwischen 800 und 700 hPa ist meist eine schwache Inversion zu finden, so dass Schauertätigkeit meist unterdrückt wird.

Die Grenzschicht ist aber noch ausreichend feucht, so dass sich unterhalb der Inversion reichlich Quellbewölkung bildet - wenn nicht eh schon Schichtbewölkung da ist - und damit in vielen Regionen die Sonnenanteile gering bleiben. Nur im Süden und Südwesten wird es wie gehabt etwas freundlicher mit deutlich mehr Sonnenanteilen.

An der Temperaturverteilung ändert sich nicht viel: Die kühle Luftmasse greift weiterhin bis weit in den Süden Deutschlands aus, ganz im Süden hält sich aber noch Warmluft. Die Temperaturen verteilen sich meistens zwischen 17°C im Norden und 23°C im Süden, am südlichen Oberrhein bis 26°C.

In der Nacht zum Dienstag nähert sich von Westen her der Höhenrücken an und das Geopotential steigt deutlich an. Bodennah weitet sich der Einfluss des nunmehr sehr flachen Hochs aus, nach Nordosten hin bleibt aber noch etwas stärkerer Gradient bestehen, so dass dort der Wind noch mäßig aus West weht und an den Küsten noch steife Böen auftreten.

Unter Absinken lockern die Wolken auf und es bleibt trocken. In den Frühstunden nähert sich aber von Westen schon wieder die nächste Warmfront mit mehrschichtiger Bewölkung, westlich des Rheins kann schon erster Regen einsetzen. Meist kühlt es auf 11 bis 5°C ab, nur im Westen bleibt es etwas milder.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle simulieren die Lage weitgehend übereinstimmend. Leichte Unterschiede zeigen sich noch bei dem Kurzwellentrog in der Nacht zum Montag, der je nach Modell unterschiedlich stark simuliert wird und bei IFS z.B. etwas später. Generell gibt es leichte Unterschiede in der Prognose der Ausdehnung der Schauer, was aber nicht warnrelevant ist.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann