Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 18.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Hoch Fennoskandien antizyklonal (HFa), Übergang zu Hoch Nordmeer-Fennoskandien zyklonal (HNFz)
Wetter: Anfangs noch warm, einzelne Gewitter, ab der Nacht zunehmend schauerartige Regenfälle, teils stark und Gewitter. Am Sonntag im Süden teils starke Gewitter. Vorübergehend windig. Deutliche Abkühlung.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Am heutigen Samstag... liegt Deutschland noch unter einem Höhenrücken, dessen Achse langsam nach Osten schwenkt. Über Osteuropa liegt ein weit nach Süden ausgreifender Langwellentrog. Ein weiterer, nicht so weit südwärts ausgreifender Trog nähert sich über den Britischen Inseln, so dass wir im Laufe des Tages schon auf dessen diffluente Vorderseite gelangen. Zudem ist mit Herannahen des Troges auch schon eine leichte Temperaturabnahme in der mittleren Troposphäre zu erwarten, die bei uns die Schichtung etwas labilisiert.
Bodennah dominieren zwei Hochdruckgebiete. Eines über Nordskandinavien und ein weiteres mit Schwerpunkt zwischen den Britischen Inseln und den Azoren. Diese sind quasi über Eck über Mitteleuropa miteinander verbunden, so dass bei uns noch recht hoher Luftdruck herrscht, der aber langsam abgebaut wird. Die Kaltfront eines Tiefs nordwestlich von Schottland erreicht heute am frühen Nachmittag den Nordwesten und zieht bis zum Abend in den Nordwesten herein. Vorderseitig dieser Kaltfront befindet sich über Deutschland eine sehr milde (T850 zwischen +4°C im Norden und +10°C an den Alpen) Luftmasse, die auch etwas mit Feuchte angereichert ist.
Folglich bildet sich im Tagesverlauf zusätzlich zu den bereits reichlich vorhandenen mittelhohen und hohen Wolken auch einiges an Quellbewölkung, mit Schwerpunkt über den Mittelgebirgen und den mittleren Landesteilen. Vor allem vom zentralen bis zum östlichen Bergland stehen am Nachmittag wenige hundert J/kg CAPE zu Verfügung, als Auslösemechanismus stehen zunächst die Mittelgebirge zur Verfügung, so dass es zu einigen Schauern und auch einzelnen Gewittern kommen kann. Diese können sich bei meist geringer Scherung allenfalls zu langsam ziehenden Multizellen verclustern. Zu Beginn wird man die Zellen wohl meist "gelb" bewarnen können, allerdings besteht bei Verclusterung durchaus die Gefahr von Starkregen um 20 l/qm in kürzerer Zeit, so dass Ocker-Warnungen wohl nicht ausbleiben werden. ICON-D2-EPS zeigt hierfür deutliche Signale vor allem über Thüringen. Der Wind sollte wohl nicht die größte Rolle spielen, da wird wohl die Bft 7 meist reichen, eine einzelne Bft 8 kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Bei stärkeren Zellen kann auch mal kleinkörniger Hagel mit von der Partie sein, so dass man auch darauf achten sollte.
Mit der Kaltfront kommen am Nachmittag auch im Nordwesten nicht allzu starke schauerartige Regenfälle auf. Auch dort ist es leicht labil, zusammen mit der zunehmenden Hebung an der Trogvorderseite mag auch dort ein kurzes Gewitter nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt erscheint dort die Gefahr aber geringer und auch zu markanten Gewittern dürfte es kaum reichen.
Am meisten Sonne gibt es zweifellos im Süden und ganz im Osten, die Temperaturen steigen in weiten Teilen des Landes noch einmal auf warme 20 bis 24°C. Im Nordwesten und Norden bleibt es dagegen mit 17 bis 20°C etwas kühler, an den noch kalten Meeren kann es bei auflandigem Wind teils unter 15°C kühl bleiben. À propos Wind: Dieser weht anfangs oftmals aus unterschiedlichen Richtungen, dreht aber im Tagesverlauf bei leichtem Auffrischen meist auf westliche Richtungen.
In der Nacht zum Sonntag wird der Höhenrücken, dessen Achse sich schon östlich unseres Landes befindet, abgebaut. Dafür greift der Trog von Nordwesten her immer weiter ostwärts, aber auch südwärts aus. In der Folge kommt es zu einer weiteren Labilisierung der unteren Troposphäre, aber auch zu zunehmender PVA. Diese erreicht in den Frühstunden mit dem Herannahen einer Trogspitze von Westen her ihr Maximum.
Im Bodendruckfeld zeigt sich zunehmend eine flache Tiefdruckrinne östlich unseres Landes, die die beiden Hochs trennt. Bei uns ist an der Ostflanke des westlichen Hochs, dessen Schwerpunkt Irland erreicht, Wind aus Nordwest vorherrschend. Dieser lässt auch die Kaltfront vorankommen, die in ihrem Nordteil Deutschland recht rasch überquert, dabei nur recht schwache Regenfälle und Schauer bringt und in die Rinne über Polen hineinläuft. Nach Süden kommt die Kaltfront dagegen nur langsam voran und gerät auf der Vorderseite der Trogspitze ins Schleifen. Sie kommt dann in etwa zur Mainlinie und zum Erzgebirge voran. Mit dem Vordringen in eine etwas labilere Luftmasse kann es auch in den Nachtstunden einzelne Gewitter geben, die Starkregengefahr nimmt dabei aber ab. Böen und Hagel sollten kein Thema mehr sein. Mit dem Herannahen der Trogspitze und starker PVA intensivieren sich aber die Regenfälle in den späteren Nachtstunden von Rheinland-Pfalz her deutlich. Vor allem im nördlichen Rheinland-Pfalz, im südlichen NRW und im westlichen Hessen können nach der deutschen Modellkette teils 10 bis 20 l/m² fallen. Andere Modelle sind teils zurückhaltender und simulieren die Maxima auch etwas anders. Nach ICON-D2-EPS können vor allem im nördlichen Rheinland-Pfalz teils mehr als 20 l/m² innert 6 Stunden fallen. Allerdings dürfte es schwierig werden, im Vorfeld eine Warnung auszugeben. Der Impact des Ereignisses sollte sich aber auch in Grenzen halten bzw. meist positiver Natur sein.
Im Süden des Landes bleibt es meist noch trocken, wenn auch viele Wolken über den Himmel ziehen. Die Tiefstwerte liegen in der Nacht meist bei 11 bis 7°C, im Nordwesten auf der Rückseite der Kaltfront kann es bis 5°C runtergehen.
Am Sonntag... tropft aus dem wetterbestimmenden Trog ein Höhentief ab, welches sich im Bereich der östlichen Nordsee und Dänemark eindreht. Es verbindet sich dabei zunehmend mit einem weiteren Höhentief über Westrussland, das zu dem osteuropäischen Langwellentrog gehört. Das Tief über dem Nordmeer schwächt sich immer mehr ab, so dass sich die beiden Hochs nördlich unseres Landes allmählich verbinden. Dazwischen bleibt aber noch eine Rinne eingebettet, die sich von Norwegen über Dänemark und Polen bis nach Österreich erstreckt. In dieser Rinne soll sich im Tagesverlauf über Tschechien ein kleines Tief bilden, das weiter ins westliche Polen zieht. Auslöser dafür ist die kräftige Hebung an der Trogspitze, die im Tagesverlauf vor allem über die mittleren Landesteile Deutschlands ostwärts schwenkt.
Der Wind lebt dabei allgemein aus nordwestlicher Richtung etwas auf, vor allem von Bayern bis Sachsen kommen wir einer Warnung nahe, vor allem nach der deutschen Modellkette, die das Ereignis vergleichsweise stark simuliert. Zumindest im Bergland, vor allem im Erzgebirge, möglicherweise aber auch im Bayerischen Wald und im (östlichen) Alpengebiet könnte es etwas ruppig werden und es riecht nach einer Warnung: Bft 7, höhere Lagen Bft 8 bis 9.
Ebenso spannend bleibt die Niederschlagssituation an der Trogspitze. Im Tagesverlauf sollen recht kräftige schauerartige und teils gewittrige Regenfälle von der Landesmitte Richtung Osten und Nordosten ziehen, wobei dort regional 10 bis 20 l/m² fallen können. Die genaue Zugbahn ist noch nicht ganz klar, selbst innerhalb der deutschen Modellkette gibt es noch Unterschiede. Es sieht aber nach allen Modellen so aus, dass zumindest kleinräumig auch mal mehr als 20 l/m² innert 6 Stunden fallen können, was wiederum, wie schon in der Nacht, warnwürdig wäre, schwer im Vorfeld zu bewarnen sein dürfte und vom Impact meist positiv bewertet werden dürfte, so dass sich die Ausgabe von Warnungen zumindest im Vorfeld nicht aufdrängt.
Auch abseits der kräftigen Regenfälle kann es im Norden und Süden Schauer und Gewitter geben. Letztere dürften im Norden gelb bleiben, im Süden stehen allerdings wieder einige hundert J/kg CAPE zur Verfügung, das Ganze bei zunehmend mäßiger Scherung. Somit sollten dort auch stärkere Entwicklungen in Betracht gezogen werden, wie z.B. organisierte Gewitterlinien mit eingelagerten einzelnen Superzellen oder auch einzelne Superzellen abseits. Dies lässt sich auch in den Prognosen des ICON-D2 finden. Starkregen, stürmische Böen und kleinkörniger Hagel sollten also zumindest im Alpenvorland in Betracht gezogen werden. Bei Superzellen wären sicherlich auch noch stärkere Böen vorstellbar, diese sind aber aktuell in den Simulationen noch sehr verhalten simuliert.
Am meisten Sonne gibt es am Sonntag in den westlichen Landesteilen, wo es nach Abzug des kräftigen Regens meist trocken bleibt. In der einfließenden kühleren Luftmasse (nur noch um 0°C in 850 hPa) wird es bei weitem nicht mehr so mild wie am Vortag mit meist nur noch 12 bis 17°C, im Südwesten noch einmal bis 19°C. An der See werden bei auflandigem Wind nur noch um 10°C erreicht.
In der Nacht zum Montag verlagert das mehrkernige Höhentief seinen Schwerpunkt zunehmend südwärts nach Deutschland. Das Bodentief zieht sich in die Westukraine zurück, es bleibt aber eine markante westnordwestwärts sich erstreckende Rinne bis in den Norden Deutschlands. Nördlich davon schließen sich die beiden Hochs zu einer markanten blockierenden Hochdruckzone über dem Nordmeer und Skandinavien zusammen (schöne HNFz-Lage).
Im Bereich der Rinne kommt es auch in den Nachtstunden regional zu recht kräftigen Regenfällen, wobei 10 bis 20, lokal auch 30 l/m² weiter wahrscheinlich erscheinen. Allerdings ist nicht ganz klar, ob die Regenrinne den Westen Polens bewässert, oder ob, wie vor allem die externen Modelle zeigen, der äußerste Osten Deutschlands und Mecklenburg-Vorpommern auch etwas davon abbekommen. Ansonsten kann es insbesondere im Norden noch etwas schauern, die restlichen Landesteile bleiben dagegen überwiegend trocken und vor allem in der Südhälfte kann es auch größere Auflockerungen geben. Nur an den Alpen regnet es noch ein bisschen mit auf 1500 m sinkender Schneefallgrenze.
Der Wind weht im Nordosten noch mäßig aus Nordwest, insbesondere im Erzgebirge kann der Wind noch länger recht stark bleiben. Ansonsten schwächt sich der nordwestliche bis nördliche Wind langsam ab, was insbesondere im Süden auch für etwas Nebelneigung sorgt.
Die Tiefstwerte liegen meist bei 6 bis 1°C, insbesondere im Süden und im westlichen Bergland kann es etwas Frost in Bodennähe geben.
Am Montag... bleibt und das mehrkernige Höhentief als noch etwas nach Süden sich verlagernde Potentialrinne erhalten, deren Achse über dem nördlichen Deutschland liegt. Im Raum Island verstärkt sich ein monumentales Höhenhoch, dort liegt dann auch der Schwerpunkt des kräftigen Bodenhochs, das sich ostwärts bis Skandinavien erstreckt. Die bodennahe Tiefdruckrinne wird dagegen schwächer und zieht sich etwas zurück, so dass der Wind allgemein mehr auf Nord, im Norden auf Nordost dreht. Er weht tagsüber durchaus mäßig und soll vor allem im Ostseeraum stark böig aus Nordost auffrischen, mit stürmischen Böen an den exponierten Küstenabschnitten. Nach ICON und UK10 sind an der Ostküste Rügens und auf Usedom auch Sturmböen vorstellbar.
Die Regenfälle sollen von Nordosten wieder Richtung nördliche Mitte schwenken, allerdings ihren schauerartigen Charakter verlieren und sich deutlich abschwächen. Trotzdem bestehen in Teilen Norddeutschlands gute Chancen auf einige Millimeter Regen. Auch an den Alpen soll es - staubedingt - etwas regnen, in höheren Lagen schneien, wobei die Stärke noch sehr unterschiedlich simuliert wird.
Größere Wolkenauflockerungen und einiges an Sonne darf vom Westen bis in den Südosten erwartet werden und im Tagesverlauf auch von Norden her, wo eine recht kühle (unter -2°C in 850 hPa) und sehr trockene Luftmasse aus Skandinavien einsickert. Im Nordosten werden dann auch nur noch 8 bis 11°C erreicht, im Südwesten noch einmal 15 bis 18°C.
In der Nacht zum Dienstag ändert sich an der Wetterlage nicht mehr sehr viel. Die Rinne schwächt sich weiter ab und verlagert sich nach Süden, so dass im Norden der Gradient wieder auffächert und der Wind an der See langsam nachlässt. An nordostexponierten Küstenabschnitten kann es aber noch steife Böen geben. Ansonsten weht der Wind in der Nacht schwach bis mäßig aus Nord bis Nordost.
Die Regenfälle verlagern sich aus der nördlichen Mitte noch etwas südwärts, werden aber immer schwächer. Dort und ganz im Süden bleiben noch dichte Wolken, ansonsten klart es vielfach auf. Meist kühlt es auf 4 bis 0°C ab, bei klarem Himmel ist aber in allen Landesteilen örtlich leichter Frost möglich. Frost in Bodennähe kann auch etwas verbreiteter auftreten.
Modellvergleich und -einschätzung
Die genaue Lage der Tiefdruckrinne und die damit verbundene Entwicklung der Windfelder, vor allem aber die Lage und Zugbahn der stärkeren Regenfälle ist noch mit Unsicherheiten behaftet. Recht unstrittig ist aber, dass kleinräumig die Warnschwellen von 20 l/m² innert 6 Stunden gerissen wird.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 18.04.2026 um 10.30 UTC
Ruhiges Hochdruckwetter wird Ende kommender Woche von einem in seiner Intensität noch nicht näher zu bestimmendem Kaltlufteinbruch abgelöst. Ingesamt viel Sonne und (zu) wenig Niederschlag. Nachts stellenweise weiterhin Frost möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 25.04.2026
Leserinnen und Leser, die die Synoptische Übersicht für den Mittelfristzeitraum bereits in den vergangenen Tagen genossen haben, wissen mittlerweile bereits, welche Lage uns im Laufe der kommenden Woche erwartet, denn an der Ausgangslage hat sich nicht wesentliches geändert.
Kurz und bündig vorne weg: Zunächst dominiert Blocking in Form von Hochdruck über den Britischen Inseln, anschließend steht am nächsten Wochenende der nächste markantere Kaltlufteinbruch ins Haus.
Nun aber das Ganze im Detail, beginnend mit dem Dienstag:
Eine umfangreiche Hochdruckzone erstreckt sich ausgehend vom Druckzentrum über dem Nordatlantik über die Britischen Inseln und Deutschland hinweg bis in den Mittelmeerraum und mündet dort in eine barotrope, nahezu gradientlose Umgebung. Gegenspieler sind zwei Tiefdruckkomplexe: Einer über dem mittleren Atlantik etwa auf Höhe der Azoren sowie ein zweiter über Osteuropa, der vor allem auf russischem Gebiet für anhaltend winterliche Verhältnisse sorgt. Ein Trogrest erstreckt sich dabei zunächst von Osten noch nach Deutschland und als Rinne weiter Richtung Atlantik. Diese schwache Höhenstörung - mit Kaltluft von T850 um -2°C aufgefüllt - sorgt dabei trotz bodennahen Hochdrucks anfangs noch für schwache Niederschläge in Form von Sprühregen aus tiefer Bewölkung bevorzugt über der Mitte Deutschlands. Am Hochdruckrand weht dazu gradientbedingt vorübergehend recht kräftiger (geostrophischer) Nordostwind, der in Höhenlagen für die ein oder andere 7er-Böe sorgt. Nördlich davon überwiegt bereits Absinken, sodass es dort bereits aufklart und die Sonne zum Zuge kommt. Mit weiterem Druckanstieg am Boden und damit auch zunehmendem Geopotential wird die "störende" Rinne in der Höhe aber rasch ausgeräumt, sodass eine klare und recht kühle Nacht ansteht, in der die Temperaturen lokal unter den Gefrierpunkt sinken können.
Mittwoch und Donnerstag stehen anschließend im Zeichen von nur wenigen, meist hohen Wolken und sehr viel Sonnenschein. Dabei verstetigt sich das Blocking immer weiter. Durch viel WLA weiter westlich manifestiert sich nun auch in der Höhe ein kräftiger Rücken, der - je nach Modell - omegaartige Züge annimmt. Die beiden anliegenden Tiefdruckgebiete vertiefen sich ebenfalls immer weiter, bis es schließlich am Donnerstag zu einer deutlichen Verschärfung des Temperaturgradients quer über den europäischen Kontinent kommt. In T850 stehen teils föhngestützten +18°C über Südfrankreich kontinentalpolare Luftmassen über dem Baltikum mit Temperaturen um -6°C gegenüber. Deutschland liegt dabei genau in einer noch ereignisarmen Zone genau zwischen den Stühlen im Bereich einer mäßig temperierten Luftmasse (T850 um +4°C). Der Hochdruckeinfluss überwiegt, macht aber vor allem am Donnerstag allmählich einen Rückzieher Richtung Nordsee.
Dieses Geschehen spielt für den Freitag eine durchaus gewichtige Rolle. Die Statik der Großwetterlage führt nun zu erheblicher Amplifizierung sämtlicher relevanter Rücken und Tröge. Der blockierende Höhenrücken verlagert sich dabei retrograd wieder nach Westen über den nahen Atlantik und die Britischen Inseln. Dadurch löst sich wiederum östlich von uns die kontinentale Kaltluftblase von der überhaupt nur noch spärlich vorhandenen Frontalzone ab und wird um das Blocking herum südwärts geführt. Es bildet sich ein eigenständiges Höhentief heraus, das hochreichend mit polarer Kaltluft gefüllt ist; in 500 hPa geht es bis fast an die -40°C-Marke heran.
Mit nun zunehmend kräftiger meridionaler Strömungskonfiguration werden nun Deutschland und generell große Teile Mitteleuropas zum kommenden Wochenende mit der Kaltluft geflutet. Angesichts der noch immer überwiegend antizyklonalen Bodendruckkonstellation deutet sich dabei ein von Nord nach Süd verlaufender Kaltfrontdurchgang ohne nennenswerte signifikante Wettererscheinungen an. Allenfalls reicht es wahrscheinlich höchstens im Osten für einige Regentropfen bis hin zu wenigen Litern Niederschlag. Anzunehmen ist auch, dass zumindest an der Küste der Wind mit Drehung auf Nord deutlich auffrischt und dabei auch Warnkriterien erreicht. Insgesamt ist der Umfang des Kaltlufteinbruchs auch noch relativ unklar, vergleichsweise sicher ist aber, dass er in irgendeiner Form stattfindet. Entscheidend dafür ist unter anderem, wie sich etwaige Randtiefentwicklungen im Zuge des Kaltluftvorstoßes auswirken. Sollte es anschließend wieder zu Druckanstieg und klaren Nächten kommen, ist angesichts der Luftmasse stellenweise Luftfrost denkbar, der dann schon erheblichen Einfluss hätte angesichts der mittlerweile fortgeschrittenen Jahreszeit.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die letzten IFS-Läufe sind vergleichsweise konsistent zueinander. Zunehmende Unsicherheiten gibt es erst ab Tag 5-7, also Ende kommender Woche. Diese bestehen vor allem im Zusammenhang mit zunehmender Zyklonalität über Nordosteuropa und dem im vorstehenden Text beschriebenen Kaltluftausbruch, welcher an und für sich ebenfalls konsistent gerechnet wird. Nur dessen Ausprägung ist noch nicht klar.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Andere Globalmodelle stützen die Entwicklung im Wesentlichen. Unterschiede bestehen auch hier vor allem gegen Ende des Prognosezeitraumes im Zusammenhang mit der Austrogung über Osteuropa und dem zu erwartenden Kaltlufteinbruch über Mitteleuropa. Es besteht Potential für relevante Randtiefentwicklungen (z.B. südwärts ziehendes Leetief Norwegen), die wegen der numerischen Unschärfen heute noch nicht abwägbar sind.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ECMWF-Rauchfahnen zeigen sich bis Ende der kommenden Woche recht konsistent, danach nimmt etwa ab Folgetag 5-6 (Do/Fr) die Streubreite zu. Eine Minderheit an ENS-Membern schwächt den Kaltlufteinbruch Ende kommender Woche deutlich ab, was Stand heute aber als unwahrscheinlich zu erachten ist. Auffällig ist gegen Ende die hohe Streubreite des Geopotentials nach unten, die ebenfalls mögliches Randtiefpotential signalisiert.
GEFS tendiert in eine ähnliche Richtung. Die große Mehrheit der Member signalisiert den Kaltlufteinbruch, aber einige Lösungen neigen zu schneller Erwärmung danach.
Die Clusterrechnung des ECMWF verdeutlicht die Unsicherheiten vor allem gegen Ende der Mittelfrist ebenfalls. Für t+168h werden insgesamt 6 Cluster gezeigt, die alle verschiedene Formen der kontinentaleuropäischen Tiefdruckentwicklung abbilden, während die positive Geopotentialanomalie über dem Atlantik, die teils erhebliche Ausmaße erreicht, überall simuliert wird. Das Blocking erscheint also auch hier gesichert.
Dies ist auch insofern relevant, als dass sich Bemerkenswertes in der erweiterten Mittelfrist bis t+240 abspielt. Der 00Z-Lauf simuliert hier nur noch ein einziges(!) Cluster, d.h. sämtliche Member des ENS zeigen das gleiche Muster. Und dieses besteht aus weiter anhaltendem Blocking in Form eines atlantischen Rückens, während wir an dessen östlicher Flanke in den Genuss tiefen Geopotentials mit entsprechender Kaltluftzufuhr kommen. Es geht also wohl auf absehbare (und auch nichtabsehbare?) Zeit ziemlich unterkühlt weiter...
Fazit:
Erst einmal die kurzzeitigen Turbulenzen im Kurzfristzeitraum überstehen - dann heißt es erstmal: Sonne genießen. Eine blockierende Hochdrucklage bestimmt dann bis auf Weiteres unser Wettergeschehen. Allerdings bleibt es dabei auch weiterhin (zu) trocken. Am kommenden Wochenende kühlt es dann vorübergehend deutlich ab; nachts muss hier und da auch nochmal mit leichtem Frost gerechnet werden. Wie es anschließend weitergeht, ist noch nicht klar, aber die Zeichen stehen aktuell bis Monatsende auf Blocking und Strömung aus Norden - es riecht nach einem vergleichsweise kühlen April.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikantes Wetter ist in nächster Zeit nicht zu erwarten. Nachdem die Turbulenzen im Kurzfristzeitraum ausklingen, dominiert Hochdruck. Entsprechend gering ist das Potential für warnwürdiges Geschehen.
Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF(-ENS), ICON(-ENS), GEFS
VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch





