Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 15.09.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang zu W z (West zyklonal)
In der Nacht zum Mittwoch und Mittwoch tagsüber Kaltfrontpassage mit Gewittern und Starkregen (meist markant, nur lokal Unwetter).
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... liegt Deutschland zunächst noch unter einem Höhenrücken, der von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien reicht. Derweil hat ein Langwellentrog auf die Britischen Inseln übergegriffen. Im Tagesverlauf kommt dieser mit seiner Achse bis zur Nordsee voran und weitet sich zunehmend nach Süden bis zur Biskaya aus. Der Rücken wird dabei nach Südosten verdrängt, sodass Deutschland in eine südwestliche Höhenströmung gelangt, die nach Nordwesten zu allmähliche auch zyklonale Konturen annimmt. Niedertroposphärisch kommt Deutschland in den Warmsektor des mit dem Trog verbundenen Doppeltiefs "Zuri I+II" über dem Nordmeer, die Hochdruckzone "Xanthos" wird nach Südosten verdrängt und liegt mit ihrem Schwerpunkt später über dem Balkan. In der dabei von Südwesten advehierten maritimen Subtropikluft steigen die Temperaturen auf 850 hPa auf 11 bis 16 Grad, mit den höheren Werten im Südwesten. In der Mitte und im Südosten hält sich bei schwacher Strömung in Mulden- und Tallagen noch längere Zeit eine feucht-kühle Grundschicht, in der sich Nebelfelder teils nur zögerlich auflösen und die Temperaturentwicklung etwas dämpfen. Ansonsten erwartet uns mit zunächst viel Sonnenschein bei zunehmend guter Durchmischung durch teils mäßigen Südwestwind ein warmer bis sehr warmer Septembertag. Die Höchsttemperaturen erreichen verbreitet Werte von 25 bis 29 Grad, am Oberrhein gar bis 30 oder 31 Grad. Ebenfalls etwas gedämpfter sind die Temperaturen im äußersten Norden und Nordosten, wo sich bereits der zyklonale Einfluss (einsetzende PVA) und die Nähe zur Frontalzone bemerkbar macht. Zunächst bringt die Warmfront ein paar Spritzer Regen, später beginnt es im Vorfeld der über der Nordsee nahenden Kaltfront von Nordwesten schauerartig zu regnen. Die vor der Kaltfront herangeführte Luftmasse ist sehr feucht und zumindest mäßig instabil, sodass auch etwas CAPE (wenige Hundert J/kg) aufgebaut werden kann. Zur Auslöse kommt es bis zum Abend aber wahrscheinlich noch nicht.
In der Nacht zum Mittwoch änderts sich dies. Die Kaltfront greift auf den Nordwesten über und erreicht bis zum Morgen eine Linie Münsterland-Vorpommern. Während sie an Wetterwirksamkeit einbüßt, kommt es entlang der der Kaltfront vorgelagerten Konvergenz verbreitet zur Auslöse von Schauern und Gewittern. Da die Scherung sowohl hoch- als auch niedertroposphärisch deutlich anzieht (DLS 25-30 m/s, LLS 5-10 m/s), können sich die Zellen zu Multi- und einzelnen Superzellen organisieren. Allerdings sind die Zellen tageszeitbedingt von der sich bereits abkühlenden Grundschicht abgekoppelt, was das Gefahrenpotenzial stark limitiert, insbesondere was die Böen betrifft. Dennoch sollte man neben kleinem Hagel zumindest stürmische Böen ins Kalkül ziehen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit dafür nicht allzu hoch ist. Starkregen tritt natürlich trotzdem auf; bei PPWs über 35 mm sowie aufgrund von rascher Verclusterung und schleifenden Frontcharakters sind lokal auch Unwetter durch heftigen Starkregen (insbesondere mehrstündig durch "Doppeltreffer") nicht ausgeschlossen. Die Gewitter ziehen im Laufe der Nacht über die Nordhälfte ostwärts. In der Südhälfte verläuft die Nacht noch ruhig, vor allem im Südosten ist es auch noch länger klar oder gering bewölkt. Dort kann sich auch nochmal lokal dichter Nebel bilden.
Ein schmales Starkwindband in der unteren Troposphäre vor der Kaltfront macht sich eventuell in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge bemerkbar, Böen 7-8 Bft müssen aber nicht zwingend eine Warnung nach sich ziehen (Einzelfall). Die Nacht bleibt mild bei Tiefstwerten zwischen 17 und 12 Grad, nur im Südosten kühlt es lokal auf einstellige Minima ab.
Mittwoch... verlagert sich der recht scharfe und sich zunehmend amplifizierende Höhentrog langsam weiter ostwärts und erreicht bis zum Abend auch den äußersten Westen Deutschlands. Das damit verbundene Tief "Zuri" zieht nach Skandinavien. Die gewittrigen Starkniederschläge aus der Nacht ziehen im Vormittagsverlauf über den Osten nach Polen ab. Übrig bleibt ein Band mit schauerartigen Regenfällen, das vom Südwesten über die Mitte bis in den Osten reicht, sich langsam südostwärts verlagert und nunmehr in etwa die Kaltfront markiert. Der Südosten liegt damit noch in der feucht-warmen und mäßig instabil geschichteten maritimen Subtropikluft. Sollte es nochmal etwas einstrahlen, was aber fraglich ist, könnte nochmal einige Hundert J/kg ML-CAPE aufgebaut werden, was die Auslöse kräftiger Gewitter ermöglichen würde. Da zudem die Scherung wieder durchaus signifikante Werte aufweist (DLS ~20 m/s), wäre auch ein gewisser Organisationsgrad zu erwarten (Multizellen, einzelne Superzellen). Dann könnte es Hagel (~2 cm) und Sturmböen geben. Im Fokus steht bei hohen PPWs (~35 mm) und rascher Verclusterung aber wieder der Starkregen (lokal auch wieder bis in den Unwetterbereich).
Im übrigen Land setzt sich maritime Subpolarluft durch (T850 5 bis 8 Grad), die durch den hereinschwenkenden Trog leicht labilisiert wird. In der Nordwesthälfte wird etwas CAPE aufgebaut (100-300 J/kg), sodass es zu Schauern und einzelnen Gewittern kommt. Die Scherung nimmt deutlich ab, sodass es sich eher kurzlebige, unorganisierte Konvektion handelt. Ein kleinräumiges Starkregenereignis oder eine stürmische Böe sind zwar nicht ausgeschlossen, im Wesentlichen sollten es aber "gelbe Gewitter" sein.
Zeitweise Sonnenschein gibt es am ehesten in der schmalen Subsidenzzone, die vom Südwesten bis in den Nordosten reicht.
Die Höchsttemperaturen liegen von Nordwest nach Südost zwischen 18 und 25 Grad.
In der Nacht zum Donnerstag tropft der Trog über Spanien ab, das Residuum schwenkt beschleunigt über Deutschland ostwärts. Zwischen dem abziehenden Trog und einem neuen hochreichenden Tief bei Island nähert sich von Westen ein schmaler Höhenrücken, der im Bodenfeld einen bis nach Süddeutschland vorstoßenden Hochkeil stützt.
Die Kaltfront zieht rasch südostwärts ab und damit auch die letzten, kräftigen Gewitter vom Tage. Eine echte Staulage stellt sich durch den rasch vorstoßenden Keil an den Alpen zwar nicht ein, allerdings hält eine trogvorderseitige Gegenstromdynamik Hebungs- und Niederschlagsprozesse dort weiter aufrecht. 30 bis 40 mm im 12-stündigen Zeitraum geben die meisten Modell her, von den sehr hohen Mengen bis in den Unwetterbereich in manchem Globalmodell (GFS) sollte man sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen; vieles davon ist noch den Gewittern zuzuschlagen.
Die an den Trog gekoppelten Schauer und Gewitter im übrigen Land lassen tagesgangbedingt etwas nach - mit Ausnahme des Nordseeumfeldes. Gebietsweise klart es auf, allerdings kann sich dann im Verlauf gebietsweise Nebel oder Hochnebel bilden.
Mit Annäherung des nächsten Frontensystems zieht der Gradient im Nordwesten langsam an, sodass der wieder auf Südwest drehende Wind auffrischt. Zumindest über der Nordsee sind erste steife Böen wahrscheinlich. Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 12 und 6 Grad, mit den tieferen Werten im Süden und Südwesten.
Donnerstag... schwenkt zunächst der flache Rücken ostwärts, später gelangt Deutschland auf die Vorderseite des nächsten, zur Nordsee schwenkenden Troges. Das vorgelagerte, okkludierte Frontensystems des Tiefs südlich Island greift am Nachmittag auf den Nordwesten über.
Damit gehen die Schauer im Nordwesten zunehmend in Regen über. Auch der Wind frischt weiter auf mit steifen an der See, exponiert über der freien Nordsee eventuell stürmischen Böen. Auch die nördlichen Mittelgebirge werden vom Starkwindfeld beeinflusst (Brocken Sturmböen).
Die Gegenstromlage an den Alpen bzw. im äußersten Südosten geht zu Ende und der Regen lässt am Vormittag nach. Dann scheint dort wie in einem breiten Streifen vom Südwesten bis in den Osten längere Zeit die Sonne und es bleibt trocken. Die Luft erwärmt sich auf 17 bis 24 Grad, mit den höchsten Werten am Oberrhein.
In der Nacht zum Freitag kommt die Okklusion bis zur Mitte und in den Osten voran, die Niederschläge fallen aber schwach aus. Von Nordwesten folgt mit Übergreifen des Troges wieder ein Schwall etwas höhenkälterer Luft, die Schauertätigkeit konzentriert sich aber auf den Küstenbereich. Im Rest des Landes bleibt es trocken und gebietsweise gering bewölkt. Der Gradient fächert postfrontal auf, sodass an der See nur noch exponiert steife Böen auftreten. Auf dem Brocken bleibt es stürmisch.
Die Luft kühlt ab auf 15 Grad an der Nordsee und örtlich 6 Grad im süddeutschen Mittelgebirgsraum.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die Großwetterlage übersteinstimmend, selbst die Starkregen- und Gewitterlage in der Nacht zum Mittwoch und am Mittwoch wird erstaunlich kongruent gerechnet. Lediglich bezüglich der Regenmengen an den Alpen bzw. in Südostbayern ab Mittwochabend (mögliche Dauerregenlage), gibt teilweise noch größere Diskrepanzen (siehe Text).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 15.09.2026 um 10.30 UTC
Im Norden oft frischer Wind, sonst leicht wechselhaftes und eher mildes Wetter.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 22.09.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Freitag befindet sich Mitteleuropa auf der Vorderseite eines Langwellentrogs, der sich von Island bis nach Nordwestafrika erstreckt. Dieser greift im Laufe des Tages auf Deutschland über, wobei eine dazugehörige Frontalzone bereits Freitagvormittag diagonal von Südwesten bis Nordosten über Deutschland liegt und für etwas Regen sorgt. Gleichzeitig stärkt sich der Druckgradient, so dass vor allem im Norden ein lebhafter Wind weht. An der Küste und auf den Mittelgebirgen treten auch stürmische Böen aus westlichen Richtungen auf.
Der Trog verlagert sich weiter ostwärts, wobei über dem Mittelmeer ein Abtropfprozess in Gang kommt und die Trogachse im Süden nur langsam nach Osten vorrankommt. Je nach dem wie sich der Abtropfprozess gestaltet, könnte es auch zu anhaltenden Regen im südöstlichen Alpenrand kommen. Im aktuellen IFS Lauf sollte der Regen aber bereits in der Nacht zu Samstag nach Osten abgezogen sein.
Vom Atlantik her regeneriert sich der Trog und es stellt sich eine zonale westliche Strömung ein. Ausgehend von einem weiteren Randtrog greift ausgangs der Nacht zu Samstag ein neues teilokkludiertes und zu Wellen neigendes Frontensystem auf Deutschland über.
Am Samstag greift der neue atlantische Randtrog auf Deutschland über, wobei wieder etwas mildere Luftmassen herangeführt werden. Es kommt zu leichten Regen, jedoch verstärkt sich erneut der Druckgradient. Im Norden muss daher gebietsweise mit starken Böen, an der Küste und auf den Mittelgebirgen auch mit Sturmböen aus West gerechnet werden. Die Tagesmaxima liegen zwischen 18 und 23 Grad.
Von den Azoren her wölbt sich dabei ein Höhenrücken nach Norden auf und sorgt dafür, dass die zugehörige Kaltfront nicht weit nach Süden vorstoßen kann. Die zonale Westanströmung bleibt, wenn nicht ganz störungsfrei erhalten.
Am Sonntag wölbt sich das Azorenhoch in Richtung Grönland auf, dabei kann der Trog weiter nach Süden vorstoßen und greift mit ein schwall kühler und trockenerer Polarluft auf Mitteleuropa über. Die Kaltfront kann nun Raum nach Süden machen, entlang der Kaltfront kommt es zu teils kräftigen Regenfällen. Vor der Kaltfront liegen die 850 hPa Temperaturen bis 12 Grad, hinter ihr sinken sie auf Werte um 4 Grad.
In der Nacht zu Montag kann die Kaltfront bis an die Alpen vorstoßen, gleichzeitig wölbt sich das Azorenhoch in Richtung Westeuropa auf, wobei Deutschland zwischen dem kräftigen Hochkeil über dem Atlantik und dem Langwellentrog über Nordosteuropa in eine eher kühle nordwestliche Anströmung gelangt.
Am Montag und Dienstag ändert sich im Gro nicht viel an dieser Konstellation. Der Langwellentrog im Osten kann Raum bis zum Schwarzen Meer gut machen, während das Hoch weiterhin für eher ruhiges Wetter im West- und Mitteleuropa sorgt. Deutschland liegt also zwischen den Stühlen, wobei immer wieder schwache Tiefausläufer vorallem im Norden und Nordwesten für starke Bewölkung und etwas Regen sorgen.
In der erweiterten Mittelfrist soll das Hoch auf Mitteleuropa ganz übergreifen und wieder recht warme Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen bis 15 Grad nach Deutschland einfließen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der IFS Läufe ist recht gut.
Es gibt durchaus Varianzen bei der genauen Trogkonfiguration, so dass der Abtropfprozess über Südeuropa jeweils etwas anders vonstattengeht. Die Frontenabfolge und die damit verbundenen Wetterwechsel simulieren die IFS-Läufe mit kleineren Unterschieden im zeitlichen Ablauf aber ähnlich. Gerade der Ablauf des sich stärkenden Azorenhochs am Ende des Mittelfristzeitraums und der gleichzeitige kräftige Kaltlufteinschub an der Rückseite eines umfangreichen Langwellentroges simulieren alle IFS Läufe sehr kongruent, aber mit gewissen unterschieden in der Stärke und im Timing.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Den Abtropfprozess über Südeuropa am Freitag simulieren alle Globalmodelle jeweils etwas anders und auch die Interaktion des Azorenhochs mit dem atlantischen Langwellentrog ist noch unsicher. Wann bzw. wie die Kaltfront auf Mitteleuropa vorstoßen kann, wird immer etwas anders simuliert. Die Stärkung des Azorenhochs simulieren aber alle Globalmodelle ähnlich, jedoch wie stark der Einfluss des Hochs ab nächster Woche auf Deutschland ist bzw. des Troges, wird ebenfalls jeweils etwas anders simuliert.
Wir sitzen sprichwörtlich zwischen den Stühlen und zwischen zwei recht unterschiedlichen Wetterregimen. Welches gewinnt, ist aktuell unklar.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Bis Sonntag ist der Spread des Ensembles sehr eng, wenn am Sonntag der Wechsel von der eher zonalen Anströmung auf fast meridionale Anströmung ansteht, gibt aber einige Unsicherheiten. Befinden wir uns eher auf der kalten oder milden Seite, ist aktuell völlig unsicher. Ab Sonntag öffnet sich der Spread im 850 hPa Temperaturfeld, aber auch im 500 hPa Geopotentialfeld sehr stark.
In der Clusteranalyse gibt es 5 Cluster, alle haben zu Beginn die positive NAO und zum Schluss ein kräftiges Blocking anzubieten. Dazwischen bleibt es ungewiss.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Mittelfristzeitraum bleibt der Druckgradient meist kräftig, vor allem im Norden kann es an den Küsten und auf den Mittelgebirgen immer wieder zu stürmischen Böen oder Sturmböen kommen.
Ansonsten werden keine markanten Wetterfahren erwartet.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher





