Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 27.01.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Atlantische Tiefs und Tiefausläufer kontra kalte Festlandsluft! Der Winter spielt weiter viele Karten aus!

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Aktuell ... liegt Deutschland in der Wetterarena um die Vorherrschaft in Mitteleuropa. Auf der linken und demnach westlichen Seite wirbelt der hochreichende tiefdruckkomplex über dem Nordost- und Ostatlantik. Auf der anderen, östlichen Seite stellt sich ein Hoch in Position. Das alternde Schneetief Leonie geht die Puste aus und verkrümelt sich zusehends. Bevor es in der Arena heiß her geht, konnte sich tagsüber noch korrelierend zu einem Rücken Zwischenhocheinfluss durchsetzen und die Gemüter zunächst besänftigen. Doch die erste Welle des Tiefs bei Irland steuert schon auf Deutschland zu und schickt Aufgleitniederschläge von Westen und Südwesten ins Land. Da diese mit milder Luft daherkommen, hat der Tiefausläufer zunächst leichtes Spiel und lässt es regnen. Aber auf dem Weg nach Osten und Nordosten nimmt der Widerstand der kalten Festlandsluft, die auf der Südostflanke des Hochs nach Mitteleuropa geschickt wird zu. Resultierend gehen die Niederschläge voraussichtlich in einem Streifen vom Emsland und Ostfriesland über dem östlichen Ostwestfalen, dem südlichen Niedersachsen und Nordhessen bis nach Nordostbayern und Westsachsen in Schnee über. Während im Grenzbereich zwischen warmer und kalter Luft zwischen NRW und Niedersachsen wohl überwiegend ein direkter Übergang von Regen zu Schnee zu erwarten ist, sieht es in Teilen Hessen, Bayerns und dem nördlichen sowie östlichen Baden-Württemberg anders aus. Dort nämlich hält sich bodennah teilweise Frostluft oder aber der Frost im Boden kann ohne Einstrahlung in der Nacht wieder herauskriechen und somit gebietsweise für vorübergehenden gefrierenden Regen sorgen. Warum sollte dies zwischen Niedersachsen und NRW nicht passieren? Dies liegt zum einen an der fehlenden bzw. reduzierten Orografie. Zum anderen geben die Soundings keinen Hinweis auf die gefrierende Phase. Bodennah bleiben die Temperaturen um oder unter 0 Grad. In mittleren Höhen liegt eine sehr trockene Schicht vor, die erst einmal angefeuchtet werden muss. Die resultierende Verdunstungsabkühlung zieht demnach die kaum oder nicht vorhandene warme Nase wieder auf die kalte Seite. Entsprechend sind recht isotherme Verhältnisse und somit ein direkter Übergang von Regen in Schnee wahrscheinlich.

Aus Warnsicht stehen heute Abend und kommende Nacht also Schnee und gefrierender Regen im Fokus. Der Frost, die Glätte durch gefrierende Nässe oder auch der wind bzw. Sturm in den Alpen und an der See sollten aber nicht komplett vernachlässigt werden.

Für die Schneephase wurde bis Mittwochmittag vom Nordwesten bis nach Nordostbayern und Westsachsen schon eine Warnung vor leichtem Schneefall vorgelegt. Gleichermaßen ist auch schon verbreitet eine gelbe Glättewarnung vor gefrierende Nässe aber auch geringen/lokalem gefrierenden Regen geschaltet worden. Dies gibt uns einen Puffer für potentielle Glatteisschweinereien. Aufgrund der Unsicherheiten macht es derzeit keinen Sinn schon großräumig eine Okker Glatteiswarnung herauszugeben. Stattdessen muss dies abgestimmt im Nowcasting erfolgen. Derzeit ist zudem davon auszugehen, dass unwetterartiger gefrierender Regen gering wahrscheinlich ist und somit eine absolute Ausnahme darstellt. Neben dem Schnee und der Glätte/Glatteis wurden am Mittag auch schon die Frostwarnungen für die Nacht produziert, die abgesehen vom äußersten Westen und Südwesten das gesamte Land betreffen. Für den wind gibt es zudem Sturmwarnungen für die Alpengipfel, die am Mittwoch aber wohl langsam ein Auslaufmodell sind. Anders sieht es mit den Windwarnungen an der See aus. Da dort der kräftige Ostwind erhalten bleibt, werden dort Wind und vereinzelt auch Sturmwarnungen auch über die kommende Nacht auf der Warnkarte zu sehen sein.

Mittwoch ... kommt schließlich ein Überläufer ins Spiel. Auf der Südflanke des Tiefs westlich bei Irland kann sich ein Randtief entwickeln und vom steuernden tief abkoppeln. Dieses zieht es nachfolgend über den nördlichen Mittelmeerraum nach Italien und in die nördliche Adria. Daei macht es eher mit dem Hoch über Skandinavien und Nordwestrussland gemeinsame Sache anstatt sich weiter vom Tief bei Irland Anweisungen gefallen zu lassen. Diese Entwicklungen sind dann auch für die mitteleuropäische Wetterarena sehr interessant. Mit der geringen Verlagerung des steuernden Tiefs verliert dieses an Einfluss auf Mitteleuropa. Stattdessen schicken der Überläufer und das Hoch von Osten kalte Luft ins Land. Gleichzeitig zapft das Tief über Italien feuchte Mittelmeerluft an und transportiert diese über die Alpen hinweg bis nach Deutschland. Die entsprechenden Aufgleitniederschläge sollen Mittwochnachmittag von Süden her einsetzen und sich im Verlauf etwa auf die gesamte Südhälfte ausbreiten. Mit der von Osten einfließenden kühleren Luft gehen die Niederschläge häufig bis in die Niederungen wieder in Schnee über. Allenfalls im Rhein- und Moselgraben sowie in Südostbayern und dem Süden von Baden-Württemberg bleibt es in der milderen Luft länger bei Regen oder Schneeregen. Dabei können von NRW über Hessen, das südliche Niedersachsen und westliche Rheinland-Pfalz bis nach Thüringen, Westsachsen, Bayern und Baden-Württemberg bis Donnerstagmorgen 1 bis 6, gebietsweise bis 10 cm Neuschnee in 12 bis 18 Stunden fallen. In Oststaulagen der Mittelgebirge sind vereinzelt auch um 15 cm Neuschnee möglich. Entsprechend werden erneut Warnungen vor leichtem, gebietsweise vielleicht auch mäßigem Schneefall nötig. Aufgrund des Timings reicht jedoch eine Ausgabe am Mittwochvormittag, um bisherige Unsicherheiten zu minimieren. Potentiell gefrierender Regen ist vor allem am Mittwochnachmittag und -abend im Süden Bayerns beim Eintreffen der Aufgleitniederschläge nicht auszuschließen. Insgesamt sollte dies aber nur ein vorübergehendes Phänomen sein. Beim Wind bleiben allenfalls die Küstenregionen im Visier. Dort fegt weiter der spürbare Ostwind und produziert steife bis stürmische Böen. Entsprechend sind dort weitere Wind-, auflandig auch Sturmwarnungen nötig. Ansonsten braucht es auch wieder Frost- und Glättewarnungen.

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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... wirbelt der Überläufer mit seinen Kindern über Italien und dem Balkanraum weiter. Gleichzeitig behauptet das steuernde Tief über dem Nordostatlantik seinen Platz. Allerdings haben die atlantischen Frontensysteme kaum eine Chance sich gegen das skandinavische Hoch und seine Kaltluft durchzusetzen. Mit Ausnahme des äußersten Südwestens mit Werten in 850 hPa zwischen -2 und +1 Grad, liegen verbreitet -3 bis -9 Grad vor. Entsprechend fallen die Reste, sich unter Auflösung nach Norden verlagernde Aufgleitniederschläge fast ausschließlich als Schnee. Resultierend müssten von Niedersachsen und NRW bis nach Sachsen und Ostbayern weitere Warnungen vor leichtem Schneefall folgen. Weiter nach Süden reicht für letzte Flocken wohl auch eine Glättewarnung, da sich südlich der Linie Münsterland Fichtelgebirge tagsüber positiv temperierte Luft breit macht und den Schnee rasch schmilzt. Nordöstlich der Linie bleibt es teilweise frostig, sodass auch tagsüber Frostwarnungen zu schalten sind. Nacht dürfte das ganze Land in frostigem gelb erscheinen. Der Wind weht weiter an der See in Böen stark bis steif, exponiert auflandig auch stürmisch.

Modellvergleich und -einschätzung

Die verschiedenen Modelle zeigen über den kurzfristigen Zeitraum eine vergleichbare Geopotential- und Luftdruckverteilung. Geringe Abweichungen, die aber durchaus Einfluss auf das Wetter in Deutschland haben können gibt es bei der Entwicklung und Zugbahn des Randtiefs über Südfrankreich und dem nördlichen Mittelmeerraum hinweg bis ins den Balkanraum. Je nach Verlagerung und Timing kann auch der Haupttrog weniger nahe oder näher an Deutschland heranrücken. Resultierend könnten der Westen und Südwesten stärkere Hebungsimpulse und auch mildere Luft abbekommen. Gleichermaßen hat es Einfluss auf die nördliche Ausbreitung der Aufgleitniederschläge, samt entsprechender Phase.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel