Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 28.08.2025 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Kommende Nacht im Süden, am Freitagvormittag im Osten gebietsweise Starkregen, teils gewittrig.
Freitagnachmittag und -abend in Südostbayern einzelne markante Gewitter (Starkregen) möglich.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines amplifizierenden Langwellentroges über West- bzw. Südwesteuropa. Die Haupttrogachse reicht inzwischen über Zentralfrankreich bis zum Osten der Iberischen Halbinsel, so dass sich über dem Vorhersagegebiet eine recht kräftige, vom westlichen Mittelmeerraum über die Alpen bis ins nördliche Mitteleuropa reichende südwestliche Höhenströmung etablieren konnte. Mit dieser wird sehr warme und feuchte Mittelmeerluft gen Nordosten geführt und sorgt vor allem in den Südalpen und in Norditalien für ordentlich "Bambule", aktuell in Form mehrerer, parallel stratiformer MCS, die dort in den kommenden Stunden einigen Regionen katastrophale Regemengen und dem Norden Italiens (Po-Ebene) sicherlich die ein oder andere fotogene Superzelle inklusive Großhagel bescheren dürfte. Nun denn - bei uns geht es, trotz deutlich zyklonaler "Einschläge", um einiges ruhiger zur Sache. Die instabilste Luftmasse wurde inzwischen nach Osten abgedrängt, und das ist im heutigen Tagesverlauf auch relativ geräuschlos vonstattengegangen. Ein MCS hat sich aus der Nacht hinaus am Vormittag über die mittleren Landesteilen hinweg ostnordostwärts verlagert, führte aber lediglich vom Erfurter Becken bis ins südliche Sachsen-Anhalt zu markanten Regenmengen, an wenigen Stationen wurden auch die Kriterien für Unwetter zumindest knapp gerissen. Mittags und nachmittags zog das System unter deutlicher Abschwächung rasch nordostwärts ab.
In der Frontenanalyse war das MCS an eine Frontalwelle gekoppelt. Die zugehörige, aufgrund höhenströmungsparalleler Exposition weiterhin wellende Kaltfront erreicht aktuell den äußersten Osten und Südosten des Vorhersagegebietes. Im Vorfeld stellte sich in Südostbayern leichter Föhn ein, der aber alsbald zusammenbrach, während die Temperaturen in der Lausitz mit einem größeren Sonnenfenster nochmals auf örtlich über 30 Grad stiegen. Unmittelbar an der Westflanke der (Ana)Front blieb es ganztägig stark bewölkt bis bedeckt und es regnete mit nach Abzug des MCS nur noch meist leichter bis mäßiger Intensität. Die Regenfälle verlagerten sich in der Südhälfte allmählich ostwärts, in der Osthälfte nordnordostwärts.
Niederschläge gibt es auch im Westen/Nordwesten, die inzwischen teilweise auch die mittleren Landesteile erfasst haben. Diese sind allerdings ausschließlich konvektiver Natur und fallen in Form von Schauern und auch einzelnen Gewittern. Ursache für deren Auslöse ist eine leidlich labile Luftmasse maritimen Ursprungs, die mit Einstrahlung ein wenig aufheizen konnte, entsprechend wurden mehrere 100, gebietsweise über 500 J/kg Cape generiert bei PPWs um bzw. knapp über 30 mm. Unterstützend wirken dabei schwacher dynamischer Hebungsantrieb durch diffuse kurzwellige Troganteile auf der Vorderseite des Langwellentroges sowie eine weitere Kaltfront, die inzwischen von Benelux her auf den äußersten Westen des Vorhersagegebietes übergegriffen hat. Aufgrund der recht markanten Scherung traten bzw. treten die Gewitter teils linienförmig organisiert auf, die Begleiterscheinungen spielen sich jedoch im überwiegend markanten Bereich ab.

Im Laufe der kommenden Nacht wird der Langwellentrog durch einen von Nordwesten her einlaufenden kurzwelligen Troganteil über Westfrankreich regeneriert, mit seinem Südteil kommt der Trog nun bis zum westlichen Mittelmeerraum voran. Die ehemalige Haupttrogachse verliert über Frankreich deutlich an Kontur und verlagert sich als Randtrog bis Freitagfrüh nach Westdeutschland. Die Kaltfront über dem Westen des Landes kommt somit zunächst relativ rasch ostwärts voran, verliert dann aber an Schubkomponente und löst sich auf bzw. läuft in die vorgelagerte wellende Front über dem Osten und Südosten des Landes. Diese wird nämlich durch weitere Frontalwellen nach wie vor eingebremst bzw. wird über dem Westalpenraum und Südostfrankreich mit Etablierung eines oder mehrerer MCS, die langsam nordwärts ziehen, sogar wieder etwas nach Norden gedrückt.
Das Verhalten der aktuell bereits vorhandenen mesoskaligen Systeme im Nordwesten Italiens und den Südalpen ist auch so ein wenig Zünglein an der Waage, was die weitere Wetterentwicklung in der kommenden Nacht vor allem im Süden des Landes angeht. Zwar werden die Systeme von den aktuellen Läufen der Konvektion erlaubenden Modelle einigermaßen gut erfasst, im Detail ergeben sich jedoch Unterschiede, vor allem, was die Intensität angeht, wenn die Reste im Laufe der Nacht auf Süddeutschland übergreifen.
ICON-D2 hat aktuell zwei Systeme im Fokus: Eines streift im Laufe der ersten nachthälfte noch das Berchtesgadener Land mit schauerartigen Regenfällen und vereinzelten Gewittern, die aber relativ rasch nordostwärts abziehen. Ob es für ein Überschreiten der Warnschwellen für Starkregen (ein- oder mehrstündig) reicht, ist noch unklar, die Wahrscheinlichkeiten dafür sind aber im aktuellen I-D2-EPS nur gering.
Interessanter ist ein weiteres System, das bereits in den späten Abendstunden von der Schweiz her auf Baden-Württemberg und von dort aus bis Freitagfrüh nach Franken bzw. Südthüringen vorankommt. In dessen Zugbahn hat ICON-D2-EPS vor allem vom Schwarzwald bis nach Mittelfranken erhöhte Wahrscheinlichkeiten für überwiegend mehrstündigen Starkregen auf der Agenda, ebenso später im Raum Bodensee-Allgäu. Der aktuelle ICON-RUC Lauf schlägt in eine ähnliche Kerbe. Insgesamt sollen sich die "konvektiven Einschläge" innerhalb des Regenclusters nach Lesart beider Modelle in Grenzen halten, nur selten und sehr kleinräumig tauchen Regionen mit mehr als 25 l/m² (die dann meist in 1 bis 3 Stunden fallen) in den Lösungen der deterministischen Modelläufe auf. Von Unwettermengen ganz zu schweigen. Anders verhält es sich dagegen beim SuperHD (Lauf von 06 UTC). Das Modell simuliert vor allem in der zweiten Nachthälfte und in Mittel- bzw. Oberfranken bis ins sächsische Vogtland gebietsweise sogar unwetterartige Mengen. Angesichts der Tatsache, dass der Modelllauf schon deutlich älter ist und die aktuelle Entwicklung nicht so gut erfasst haben dürfte, wird bzgl. der Kommunikation der Möglichkeit unwetterartiger Mengen aber aktuell eins ehr defensiver Kurs gefahren.
Noch ein kurzer Blick auf die Schauer und Gewitter in der Nordwesthälfte. Diese kommen noch ein wenig nach Norden und Osten voran, schwächen sich aber im Laufe der Nacht tagesgangbedingt alsbald ab. Leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Starkregen hat I-D2-EPS in der ersten Nachthälfte vor allem in Nordfriesland und im nordöstlichen Niedersachsen auf der Agenda.
Während es im Süden und Osten meist stark bewölkt bis bedeckt bleibt, lockern die Wolken sonst auch mal stärker auf, örtlich bildet sich flacher Nebel. In mäßig warmer Meeresluft (Westhälfte 8 bis 10 Grad in 850 hPa, Osten/Südosten 9 bis 12 Grad) kühlt es in der Westhälfte auf 15 bis 10 Grad, nach Osten zu auf 17 bis 13 Grad ab.

Freitag ... schwenkt die regenerierte Trogachse bis zum Abend von der Biskaya/Südengland nach Zentralfrankreich, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet etwas aufsteilt. Der nur noch flache Randtrog zieht über die Mitte und den Norden des Landes rasch nordostwärts hinweg. Der Regen- und Gewittercluster aus der Nacht dürfte somit rasch über die Osthälfte des Landes nordostwärts ziehen. Nach wie vor hat I-D2 deutlich geringere und auch nicht mehr warnrelevante Mengen auf der Agenda und bereits am Nachmittag bleibt es nach Lesart des Modells - abgesehen vom Nordosten - in weiten Teilen der Osthälfte trocken. Ganz anders nach wie vor SuperHD, aber auch AROME und das ECMWF basierte SwissHD: Vor allem vormittags haben diese Modelle für Teile der Osthälfte noch markante, kleinräumig sogar unwetterartige Mengen auf der Agenda, letzteres Modell sogar noch am Nachmittag. Allen Modellen gemein ist allerdings ein weiterer Cluster, der am Nachmittag aus den Alpen heraus auf den Süden und Südosten Bayerns (Alpenrand, Alpenvorland bis zum Bayerwald) übergreift. Wahrscheinlich geschieht das in Form schauerartiger, teils gewittriger Regenfälle, eventuell entwickeln sich im Vorfeld auch etwas kräftigere Einzelzellen. Die Zutaten sind allerdings nicht berauschend; maximal können wenige 100 J/kg Cape generiert werden bei auf unter 30 mm sinkenden PPWs. Maximal werden dort eventuelle Gewitter von kleinkörnigem Hagel und markantem Starkregen begleitet.
In der Mitte und im Westen beginnt der Tag dagegen überwiegend trocken mit sonnigen Abschnitten. Die sich nähernde Trogachse korrespondiert mit einem markanten Bodentrog und einem kleinen Randtief, das sich bis zum Abend zur südwestlichen Nordsee verlagert. Mit Annäherung des Troges werden die Wolken im Westen allmählich dichter und nachmittags/abends gibt es vom Schwarzwald bis zum zur Deutschen Bucht gebietsweise schauerartigen Regen bzw. einzelne Schauer, kurze Gewitter nicht ganz ausgeschlossen.
Im Einflussbereich mäßig warmer Biskayaluft steigt die 850m hPa-Temperatur am Nachmittag auf 9 Grad im Nordwesten und 10 bis 12 Grad sonst. Somit liegen die Höchstwerte - je nach Sonne - zwischen knapp unter bzw. um 20 Grad bei vielen Wolken an den Alpen bzw. nahe der Grenze zu Polen und knapp 25 Grad mit viel Sonne irgendwo in den mittleren Landesteilen.

In der Nacht zum Samstag kommt die Achse des Langwellentroges bei erneuter deutlicher Amplifizierung nur noch langsam ostwärts voran, erreicht in den Frühstunden aber immerhin den äußersten Westen des Vorhersagegebietes. Der dynamische Hebungsantrieb auf dessen Vorderseite hält sich in Grenzen und resultiert hauptsächlich aus etwas PVA.
Der vorgelagerte Bodentrog überquert samt eingebetteter teilokkludierter Kaltfront das Vorhersagegebiet im Laufe der Nacht ostwärts und erreicht morgens die Osthälfte, entfernt sich aber zu schnell vom Höhentrog und verliert somit an Kontur. Präfrontal bzw. mit Frontpassage gibt es zwar noch einzelne Schauer, das Gewitterrisiko tendiert allerdings gegen Null und in Summe kommen kaum nennenswerte Mengen zusammen. Lediglich im Südosten gerät die Front vorübergehend ins Schleifen, so dass es von der Alb bis ins Alpenvorland gebietsweise auch mehrstündig regnet, ohne das Warnschwellen erreicht werden. Die schauerartigen Regenfälle bzw. einzelnen Gewitter vom Nachmittag/Abend in Südostbayern ziehen im Laufe der Nacht allmählich über Tschechien nordostwärts und streifen dabei auch das Erzgebirge bzw. die Oberlausitz. I-D2 hat vor allem Richtung Zittauer Bergland in der ersten Nachthälfte dabei durchaus warnrelevante Mengen auf der Agenda, UK10 sogar noch weiter nördlich, in Ostbrandenburg.
Mit Frontpassage frischt der Wind aus West auf, bleibt aber voraussichtlich unterhalb der Warnschwellen (Brocken eventuell Bft 8 bis 9). Postfrontal lockern die Wolken zeitweise stärker auf, einzelne Schauer gibt es dann am ehesten noch im Nordseeumfeld. Die Minima liegen meist zwischen 15 und 10 Grad, an den Küsten etwas darüber.

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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Samstag ... hat sich gegenüber den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Relevantes geändert. Der Trog tropft über der Adria ab, das Residuum erreicht abends/eingangs der Nacht unter deutlicher Verkürzung der Wellenlänge und kaum mehr wetterwirksam die Osthälfte Deutschlands.
Der am Vormittag nach Polen abgezogenen Kaltfront folgt ein Schwall erwärmter maritimer Subpolarluft (T850 8 bis 10 Grad), innerhalb derer sich noch einzelne schwacher Schauer, eventuell auch mal ein kurzes Gewitter entwickeln, bevorzugt im Nordseeumfeld, im Süden und Südosten (dort fällt anfangs auch noch etwas Regen).
Ansonsten folgt ein flacher Höhenkeil, der sich durch WLA vorderseitig eines sich neu etablierenden Zentraltiefs mit Kern um 18 UTC knapp westlich der Hebriden über dem westlichen Mitteleuropa aufwölbt. Dieser stützt einen schwachen Bodenhochkeil über Süddeutschland. Somit scheint neben lockeren Quellwolken auch immer wieder mal die Sonne, lediglich im Südosten bleibt es noch länger stark bewölkt bei Höchstwerten zwischen 18 Grad am Alpenrand und 24, vielleicht knapp 25 Grad mit mehr Sonne in Brandenburg.

In der Nacht zum Sonntag bzw. in den Frühstunden erfasst dann das Frontensystem des Zentral- bzw. Sturmtiefs bei den Hebriden, das sich noch etwas verstärken kann, mit leichten schauerartigen Regenfällen den äußersten Westen und Nordwesten des Landes. Sonst bleibt es teils wolkig, teils klar und nach Abklingen der letzten Schauer trocken bei Minima zwischen 17 Grad am Niederrhein und 7 Grad örtlich im Südosten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Problematik bzgl. der Niederschläge in der kommenden Nacht und am Freitagvormittag im Süden und Osten Deutschlands wurden im Text angesprochen. Es wird weiterhin der defensive Kurs gefahren, da I-D2 die aktuellste Entwicklung besser im Griff haben dürfte als die meisten anderen hochauflösenden Modelle. AROME hat im aktuellsten Lauf ebenfalls die Mengen etwas reduziert, dennoch weiterhin höhere RR-Summen als I-D2 bzw. I-RUC auf der Agenda.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff