Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 22.04.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
ULI der Keiler und die "Wurst" - Fortdauer der trockenen und sonnenscheinreichen Witterung mit Einschränkungen insbesondere im Norden (Nordsee-Stratocumulus). Tagsüber wärmer, nachts weiterhin Frostgefahr, wenn auch nicht überall.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der Ostabdachung eines bogenförmigen Potenzialrückens, der sich von NW-Afrika über Westeuropa und die Nordsee nordwärts erstreckt, um dann über der Norwegischen See nach Westen abzubiegen. Mit Rücken hat das Gebilde rein optisch betrachtet eigentlich nicht viel zu tun, erinnert es doch äußerlich eher eine klassisch gekrümmte Wurst. Bevor das Ganze hier aber ins Kullinarische abgleitet, schnell zurück zur Meteorologie. Flankiert wird die "Wurst" von einem hochreichenden quasistationären Tief mehrere hundert Kilometer west-südwestlich von Irland sowie einem ausladenden, ebenfalls gekrümmten Trog, der von der Barentssee bis zum Balkan reicht, von wo aus er nach Westen Richtung Frankreich abknickt. Summa summarum also eine Blockierungslage erster Güte, die natürlich auch im Bodendruckfeld zum Ausdruck kommt.
Das für uns relevante System ist dabei der schlanke, aber äußerst potente ULI, seines Zeichens Hochdruckgebiet, welches das gesamte Gebiet von Südgrönland respektive der Irminger See über die Nordsee und weite Teile Mitteleuropas bis zum Schwarzen Meer überdeckt. Der höchste Luftdruck mit etwas über 1030 hPa befindet sich über dem Meer, während sich das Hoch bei uns in Form eines kräftigen Keils bemerkbar macht. Die gut definierte Divergenzachse verläuft heute Abend etwa von den Westfriesischen Inseln bzw. dem Dollart bis zum Vogtland und verschiebt sich bis zum Frühstück nur geringfügig nach Südwesten. Nordöstlich der Achse kommt der Wind aus dem Nordwestsektor, ansonsten aus Ost bis Nordost (orografisch geführt manchmal auch aus Südost). Während die Bise im Südwesten ihre Maschinerie im Laufe der Nacht deutlich nach unten fährt (Ausnahme die Schwarzwaldhöhen, wo z.B. RUC und auch ICON-D2 eine LLJ-bedingte Intensivierung simulieren), frischt der NW-Wind an der nordfriesischen Küste vornehmlich auf den Inseln inkl. der Halligen auf mit Böen 6-7 Bft.
Sonst bliebe noch zu konstatieren, dass sich von der Deutschen Bucht her tiefe Bewölkung bis ins norddeutsche Tiefland ausbreitet. Schaut man sich die Wolkenstruktur über der Nordsee an, scheint es sich nicht um einen durchweg geschlossenen Stratus, sondern vielmehr um perforierten Stratocumulus zu handeln, was hier aber eher von akademischer Bedeutung ist. Fakt ist, dass die reinziehende Bewölkung ebenso den Frostverhinderer spielt wie der NW-Wind im Osten, der dort nämlich nicht gänzlich zur Ruhe kommt. Ansonsten aber muss in der abgetrockneten Polarluft (xP) verbreitet mit leichtem Luft- und gebietsweise mäßigem Frost in Bodennähe gerechnet werden. Davon ausgenommen die Ballungszentren und großen Flusstäler West- bzw. Südwestdeutschlands, wo nicht nur Asphalt und Beton, sondern auch die z.T. relativ hohen Tagestemperaturen (um 18°C) ein Abdriften in den Minusbereich verhindern.
Donnerstag ... tut sich nicht allzu viel an der großräumigen Konstellation. ULI und die "Wurst" sind weiterhin Trumpf. Das Zentrum des Bodenhochs wandert langsam aber sicher zur westlichen Nordsee, wobei die führende 1030-hPa-Isobare eine immer kleiner werdende Fläche umschließt. Dieser vermeintliche Substanzverlust ist aber eine Täuschung, sowohl der ULI selbst als auch sein weiterhin gen Südosten gerichteter Keil bleiben kräftig genug, um das Wetter vor Ort sonnenscheinreich und trocken zu gestalten.
Einspruch euer Ehren kommt an dieser Stelle verständlicherweise aus Norddeutschland, aber auch aus der östlichen Mitte. Gerade nach Osten hin zieht nämlich die tiefe Bewölkung am Morgen und am Vormittag noch etwas nach Süden, bevor Tagesgang und steigender Sonnenstand mit ihrer erodierenden Wirkung beginnen, diese mehr und mehr aufzulockern respektive ganz zu tilgen. Womit wir übrigens bei DER Frage aller Fragen angelangt wären, was die morgige Entwicklung im Norden betrifft. Wie lange braucht´s, bis die tiefen Wolken von der Bildfläche verschwunden sind? Lösen sie sich überhaupt überall auf? Scannt man bei der Suche auf Antworten die zahlreichen Modelle ab, lässt sich ein Sachverhalt ganz klar extrahieren: Die Deutschen sind Pessimisten! Inwieweit diese Aussage auf das momentane Alltagsleben unsere Gesellschaft zutrifft, soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden. Gemeint sind in diesem Fall die deutschen Modelle, die mit Nachdruck die Zähigkeit der Nordseebewölkung betonen. So soll diese sich in einem von der Deutschen Bucht südostwärts exponierten Korridor z.T. überhaupt nicht auflösen bzw. nur sehr schleppend auflockern, was schon arg pessimistisch ist. Immerhin sind die Tage Ende April ziemlich lang, so dass die Sonne viel Zeit hat, die Bewölkung zu bearbeiten. Hinzu kommen die geringe vertikale Mächtigkeit (bis maximal 700 m über Grund) sowie die teils perforierte Struktur. Kurzum, es ist gut vorstellbar und das wird auch von einigen Externen geteilt, dass sich in Ostfriesland sowie den Landstrichen zwischen unterer Weser und unterer Elbe die dichte SC-/ST-Bewölkung bis in den Nachmittag hält, während sonst aber die Chancen für Auflockerung/Auflösung nicht schlecht stehen.
Kurz noch die Themen Wind und Temperatur. So frischt der Nordwestwind an der Nordsee bis in die Nacht zum Freitag hinein immer mal wieder böig auf. Böen 7 Bft sind an der nordfriesischen Küste am wahrscheinlichsten, gefolgt in der Reihenfolge von Dithmarschen über das Wurster Land inkl. Wesermündung bis schlussendlich Ostfriesland. Auch der Brocken und der Fichtelberg springen mitunter an, eine Warnung drängt sich angesichts von Spitzen der Stärke 7-8 Bft aber nicht unbedingt auf. Bei der Temperatur gibt es zu vermelden, dass nach vier Tagen Abstinenz die 20°C-Marke mal wieder überschritten wird und zwar im südlichen und mittleren Drittel des Landes. Am wärmsten mit bis zu 23°C wird es dabei am Oberrhein und seinen Nebenflüssen, während sonst 16 bis 21°C auf der Karte stehen. Den letzten Platz im thermischen Ranking belegt das nördliche Drittel, wo es aus genannten Gründen mit der Energiezufuhr durch direkte Solarstrahlung mehr oder weniger hapert. 10 bis 16°C lautet die Range mit den tiefsten Werten an Küstenabschnitten (inkl. Inseln) mit auflandigem Wind.
In der Nacht zum Freitag breiten sich erneut tiefe Bewölkung bzw. Hochnebel in weiten Teilen Norddeutschland aus. Z.T. simulieren die Modelle das Gewölk bis an den Nordrand des zentralen Mittelgebirgsraums. Südlich davon präsentiert sich der Himmel gering bewölkt (transparente Cirren) oder klar mit der Gefahr von Luftfrost (gebietsweise) und Bodenfrost (verbreitet, teils mäßig).
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... wird auf die Übersicht von heute früh verwiesen. Oder auf die von morgen früh (selber Verfasser wie heute früh). So spannend ist es ja derzeit nicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Es ist alles geschrieben. Etwaige Unschärfen (vorne an die tiefe Bewölkung im Norden und Osten) wurden im Text ausführlich seziert und dürfen morgen gerne evaluiert werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 22.04.2026 um 10.30 UTC
Hochdruckeinfluss. Samstag im Nordosten Bft 8 aus Nordwest wahrscheinlich. Im Nordosten kühl mit Nachtfrostgefahr.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 29.04.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag reicht ein breiter Keil vom westlichen Mittelmeer zur Grönlandsee und stützt ein Bodenhoch mit Zentrum östlich von Island. Ein Keil reicht über die Britischen Inseln nach Deutschland. Ein Trog über Norwegen schwenkt unter Verlängerung seiner Amplitude bis Sonntagfrüh südostwärts nach Ostpolen. Eine kaum wetteraktive Kaltfront eines Tiefs über dem Bottnischen Meerbusen erreicht Samstagabend Norddeutschland und reicht Sonntagfrüh von Bayern nach NRW. Anfangs liegt die Temperatur in 850 hPa um +5 Grad, bis Sonntagfrüh sinkt sie im Nordosten auf -5 Grad. Der nordwestliche Wind weht im Küstenumfeld und in Höhenlagen der zentralen und östlichen Mittelgebirge teils stark mit stürmischen Böen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Gipfellagen.
Am Sonntag und in der Nacht zum Montag verstärkt sich der Rücken über dem nahen Ostatlantik. Am Boden bildet sich über den Britischen Inseln ein neues Zentrum aus, davon ausgehend reicht ein Keil nach Deutschland. Der Trog über Ostpolen kommt noch etwas ostwärts voran. Ein umfangreiches Tief im Raum St. Petersburg zieht etwas ostwärts. Die Temperaturgegensätze über Deutschland in 850 hPa sind groß: -5 Grad über Rügen und +8 Grad über Freiburg. Am Boden machen sich die Unterschiede dank fast ungehindertem Strahlungswetters ebenso bemerkbar. In der folgenden Strahlungsnacht zum Montag besteht vor allem im Norden, im Osten und in der Mitte zumindest örtlich die Gefahr von Luftfrost.
Am Montag ändert sich am Keil mit Bodenhoch über den Britischen Inseln kaum etwas. Auch das umfangreiche Tief über Nordosteuropa ist nahezu stationär. Über Deutschland weist die großräumige Konfiguration aber allmählich etwas zyklonalere Strukturen auf. In der Nacht zum Dienstag erreicht den Norden um das Hoch herumgeführte feuchtere Luft in Form von tiefer Bewölkung. Die Temperaturunterschiede zwischen dem Nordosten und dem Südwesten schwächen sich etwas ab (Dienstagfrüh: -2 Grad über Rügen und +6 Grad über Freiburg).
Am Dienstag und Mittwoch wird aus dem Keil über den Britischen Inseln ein blockierendes Höhenhoch, das "Omega-Strukturen" aufweist. Ausgehend davon schwenkt ein Keil bis Mittwoch nach Nordskandinavien. Am Boden findet sich weiterhin ein kräftiges Hoch an dieser Stelle. Auch der Gegenspieler, der Trog über Nordost- und Osteuropa, findet zur "Eigenständigkeit" als abgetropftes Höhentief, das sich zunehmend Richtung Südwesten nach Polen und Tschechien ausweitet. Am Boden schwächt sich das anfangs kräftige Tief über Westrussland ab, verlagert sich aber kaum. Die Zufuhr kühler bis sehr kühler Luftmassen verstärkt sich durch die zunehmend nordöstliche Anströmung noch. In 850 hPa liegen die Temperaturen Mittwochmittag zwischen -4 Grad auf Rügen und +2 Grad über Freiburg. Etwaige Niederschläge sind nur schwach.
In der erweiterten Mittelfrist verlagern sich die beiden dominierenden Druckgebilde langsam ostwärts. Die Strömung dreht von Nordost auf Nord. Die Zufuhr kühler Luftmassen bleibt erhalten. Der Wettercharakter ist zunehmend und antizyklonal geprägt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz zu den Vorläufen ist gut. Der Kaltluftvorstoß am Wochenende wird im aktuellen Lauf etwas östlicher und damit für Deutschland schwächer und antizyklonaler simuliert. In der Folge sind die Unterschiede weiterhin gering. Es dominiert Hochdruckeinfluss ohne signifikante Wettererscheinungen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Unterschiede von IFS zu GFS und ICON sind gering. Die großräumigen Strukturen sind ähnlich und die Auswirkungen von Änderungen auf das signifikante Wetter in Deutschland bleiben gering.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Das Geopotenzial verbleibt zunächst auf hohem Niveau und bei niedriger Streuung. Ab Montag und Dienstag nehmen die Unsicherheiten deutlich zu, wobei die Mehrzahl der Member weiterhin hohes Geopotenzial zeigt. Der Hauptlauf zeigt etwas niedrigeres Geopotenzial als das Mittel bzw. der Median, ist aber kein Ausreißer.
Die Temperatur in 850 hPa zeigt im Norden und Nordosten am Samstag/Nacht zum Sonntag eine deutliche und rasche Abnahme im Zuge des Kaltfrontdurchgangs. Diese Abnahme ist für Offenbach und München schwächer und eher kontinuierlich bis Mittwoch zu sehen. Die Unsicherheiten nehmen in der kommenden Woche zwar zu, das Gros zeigt aber eine Abnahme bzw. im Norden ein Verbleib auf niedrigem Niveau. Niederschlagssignale sind kaum vorhanden, am ehesten ist am Dienstag und Mittwoch mit leichten Niederschlägen zu rechnen.
Der Wind kommt vorherrschend aus nördlicher bis nordöstlicher Richtung. Das Ensemble des GFS weicht von IFS nicht signifikant ab.
Fazit: Fortdauer des hochdruckgeprägten Wetters. Samstag/Nacht zum Sonntag kaum wetteraktiver Kaltfrontdurchgang. Zuvor im Nordosten windig bis stürmisch. Nachfolgend große Temperaturunterschiede von Nordost nach Südwest. Im Nordosten vor allem in der Nacht zum Montag Frostgefahr. Niederschläge und signifikantes Wetter bleiben Mangelware.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Das EFI zeigt für Samstag im Nordosten deutliche Signale für eine ungewöhnliche Windentwicklung. Das EPS des IFS zeigt mittlere Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 tagsüber am Samstag.
Ansonsten gibt es vom EFI für keinen Zeitraum und keinen Parameter Hinweise auf ungewöhnliches Wetter.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mos, IFS und ENS
VBZ Offenbach / M. Sc. Met. Thore Hansen





