Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 25.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
EVELINE und FLOORA mischen auf - im Norden regenreicher Sonntag, teils gewittrig.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell ... fällt der Luftdruck bei uns in Deutschland, was zwar nicht immer, aber häufig ein Zeichen dafür ist, dass sich was tut beim Wetter. Und tatsächlich fällt beim Betrachten der 12-UTC-Analyse auf, dass vom Hochkeil der vergangenen Tage bei uns nicht mehr viel übrig ist. Stattdessen befinden wir uns inmitten eines breiten Bodentrogs, der sich ausgehend vom Nordmeertief EVELINE bis hinunter zu den Alpen erstreckt. Ausgestattet ist die gute EVELINE mit einem vollständigen Frontensystem, das von der Nordsee her Kurs auf den Vorhersageraum nimmt. Man könnte also meinen, dass das heutige Samstagswetter ein eher wechselhaftes, ein wolkenlastiges, vielleicht sogar mit Niederschlägen war und ist.
Dass dem mitnichten so ist, verdanken wir einem vom westlichen Mittelmeer über die Alpen nordwärts gerichteten Potenzialrücken, der noch die Stellung hält und für Absinken sorgt. So schien heute im größten Teil des Landes die Sonne von einem wolkenlosen oder nur locker bewölkten Himmel. Lediglich vom Schwarzwald bis zur schweizer Grenze und von dort bis hinüber zum Alpenrand bzw. dem südlichen Vorland gab es in überhitzter und angefeuchteter Subtropikluft (xSp) einige hochreichende Quellungen nebst einzelnen Schauern zu begutachten. Und auch hoch im Norden/Nordwesten tauchten zum Nachmittag dichtere Wolken auf, wenn man so will Vorboten des o.e. Frontensystems respektive des über dem Nordmeer positionierten Höhentrogs, der seine Fühler langsam gen Süden ausstreckt.
Darüber hinaus gilt es noch zu vermelden, dass heute nach einigen Tagen der Abstinenz die 30°C-Marke mal wieder häufiger überschritten wurde, insbesondere im Süden und Südwesten, bedingt aber auch in der Mitte.
In der nun folgenden Nacht zum Sonntag beginnt der Rücken langsam gen Osten abzuwandern. Den freiwerdenden Platz nimmt von Norden her der Nordmeertrog ein, der dabei gleichzeitig Fühlung zu einem Höhentief über Südfrankreich/Nordspanien aufnimmt. Entscheidender aber ist die Tatsache, dass die teilokkludierte Kaltfront mit ihrem Regenband SH, die gesamte Küste sowie den nördlichen Teil der Norddeutschen Tiefebene erreicht. Bis zum Morgen können dabei punktuell durchaus um 5 l/m² zusammenkommen, was in diesen trockenen Tagen ja schon als Erfolg zu werten ist.
Hin und wieder regnen kann es auch an der Grenze zur Schweiz sowie an den Alpen + dem angrenzenden Vorland. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch ein, zwei Gewitter an den Start gehen, ist gering, aber nicht gleich null. Zwischen den genannten Baustellen bleibt ein breiter Streifen übrig, in dem die Nacht gering bewölkt oder klar und trocken über die Bühne geht. Die Tiefstwerte liegen zwischen 19 und 12°C, in den zentralen und östlichen Mittelgebirgen lokal um 10°C.
Sonntag ... setzt sich der zyklonale Trend von Norden bzw. Nordwesten her fort. Heißt konkret Ausweitung des nordischen Potenzialtrogs südwärts, während die Kaltfront Schwierigkeiten hat, Boden nach Süden hin gutzumachen. Grund ist eine flache Welle (FLOORA), die sich auf der Südwestflanke der stationären EVELINE über dem Osten UKs bzw. der westlichen Nordsee bildet. So geht die Kaltfront in die Warmfront dieser Welle über, wodurch sie in ihrer Progression landeinwärts ausgebremst wird. Trotzdem dehnt sie ihren Wirkungsradius bis in die mittleren Landesteile aus, allerdings mehr durch aufziehende Bewölkung denn durch vor allem nach Westen hin dringend erforderlichen Regen.
Der schlägt dafür im Norden ordentlich zu, wo nicht nur das Schleifen der Front, sondern auch eine leichte Labilisierung durch die Annäherung des Höhenstrogs zum Tragen kommt. Die Regenfälle werden zusehends konvektiver bzw. werden konvektiv verstärkt. Selbst eingelagerte Gewitter sind plausibel, auch wenn mangels Einstrahlung nicht allzu viel an CAPE geboten ist. So oder so, speziell vom nördlichen NDS über den Hamburger Raum und den Süden SHs bis hinüber nach MV zeichnet sich ein Korridor mit erhöhter, von West nach Ost fortschreitender Starkregenwahrscheinlichkeit ab, sei es ein- oder auch mehrstündig.
Anfällig für Schauer und einzelne (markante) Gewitter (SR, kleiner Hagel, Böen bis 8 Bft) bleiben auch der äußerste Süden und Südosten, was zu einem Großteil auf das Konto o.e. Höhentiefs geht. Dieses schließt sich nunmehr als Randtrog dem nördlichen Haupttrog an, so dass morgen quasi das ganze Land unter Trogeinfluss liegt. Trotzdem bleibt zwischen den angesprochenen Aktivzonen eine Art kompensatorischer Streifen übrig, der sich vom Südwesten bis in die östliche Mitte erstreckt. Dort dürften morgen nicht nur die meisten Sonnenstunden verbucht werden, es bleibt auch weitgehend trocken. Dazu frischt der westliche Wind im Tagesverlauf z.T. stark böig auf mit Spitzen bis zu 7 Bft, auf einigen Kämmen und Kuppen der Mittelgebirge 8 Bft (Brocken 9 Bft). Grund ist eine von der Mitte südwärts laufende Druckanstiegswelle, die möglichweise das Resultat einer vorlaufenden, abgesehen vom Wind wetterunwirksamen Splitfront ist.
Während in der NW-Hälfte mit 19 bis 26°C das Ende der thermischen Fahnenstange erreicht ist, stehen sonst 26 bis 32°C auf dem Zettel.
In der Nacht zum Montag zieht die Welle über Südskandinavien ostwärts, wodurch die Kaltfront aus ihrer "Gefangenschaft" entlassen wird und südostwärts vorstoßen kann. Begleitet wird sie vom Nordmeertrog, dessen Hauptachse langsam ostwärts schwenkt. Die schauerartigen, teils gewittrigen Regenfälle aus dem Norden breiten sich unter allmählichem Intensitätsverlust bis in die Mitte und den Osten aus (das RMG geht höchstwahrscheinlich aber leer aus, was bitter ist). Südlich der Donau wird die Druckwelle etwas aktiviert, während sonst Druck- und Potenzialanstieg von Westen her für eine allmähliche Wetterberuhigung sorgen.
Noch zwei, drei Sätze zu Wind und Temperatur. Während der westliche bis nordwestliche Wind im Binnenland mit Ausnahme einiger Hochlagen Substanzverlust anmeldet, frischt er an der Küste (erst Nord-, dann Ostsee) spürbar auf mit Böen 7, an der Ostsee bis 8 Bft (ICON). Thermisch macht sich in der NW-Hälfte die frisch eingeflossene maritime Polarluft (mP; T850 nur noch 8 bis 4°C) bemerkbar mit Minima zwischen 16 und 12°C (Wolken und ein nicht gänzlich einschlafender Wind verhindern eine größere Abkühlungsrate). Ansonsten liegt die Tiefsttemperatur zwischen 20 und 14°C.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... hat die in der Frühübersicht ausführlich beschriebene Diskrepanz zwischen ICON und den externen Modellen - es geht um einen potenziellen, von NRW bis hinüber zur östlichen Mitte reichenden Schauerstreifen - weiter Bestand. Neues dazu im "Wort zum Sonntag", der morgigen Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Es ist alles geschrieben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 25.07.2026 um 10.30 UTC
Ab Mittwoch Beginn neuer intensiver Hitzewelle, allmählich ansteigendes Gewitterpotenzial in energiereicher Luftmasse.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 01.08.2026
Mit Beginn der Mittelfrist am Dienstag liegt Deutschland in einer nordwestlichen Höhenströmung rückseitig eines über Polen ostwärts schwenkenden Troges. Über Westeuropa liegt ein Rücken des südwesteuropäischen Höhenhochs. Dieser schwenkt ebenfalls nach Osten. Am Boden wandert ein Hoch über Frankreich nach Süddeutschland und weiter nach Osten. Im Norden und Osten gibt es noch örtliche Schauer, sonst bleibt es trocken. Von Südwesten her setzt kräftige Warmluftadvektion (WLA) ein. Am Abend liegt die Temperatur in 850 hPa zwischen 9 Grad an der Oder und 19 Grad im Breisgau.
Am Mittwoch schwenkt der Rücken nach Polen, und die kräftige WLA vorderseitig eines Troges über Nordwesteuropa hält an. Bis Mittwochabend erreicht die Temperatur in 850 hPa 14 Grad in Flensburg und 21 Grad in Freiburg. Im Norden liegt feuchtwarme und instabile Luft, es fehlt dort aber am Auslösemechanismus.
Am Donnerstag verstärkt sich die Trogvorderseite über Deutschland. An ihr wird ein nordostwärts laufender Randtrog interessant. Dieser löst im Nordwesten und der westlichen Mitte örtlich Schauer und Gewitter aus; dies gilt auch für die Nacht zum Freitag. Eine verbreitete Auslöse wird allerdings nicht simuliert, da der dynamische Antrieb zu gering ist. Die Erwärmung geht trotz des bereits erreichten hohen Niveaus weiter. Gegen 18 UTC werden in 850 hPa von Nordost nach Südwest 17 bis 24 Grad simuliert.
Am Freitag reicht der Höhenkeil vom westlichen Mittelmeer nach Osteuropa. Der Trog, ausgehend von der Norwegischen See, zieht rasch von den Britischen Inseln nach Schweden. Ihm folgt vom Atlantik ein weiterer Trog nach Irland. Eine Kaltfront schwenkt am Freitag nach Deutschland und erreicht bis zum Abend eine Linie Eifel-Ostsee. Der thermische Gradient über Deutschland ist enorm: Am Abend reicht die Temperaturspanne zwischen knapp 27 Grad im Berchtesgadener Land und 10 Grad über Helgoland, wohlgemerkt im 850-hPa-Niveau. Im Vorfeld der Kaltfront sowie mit der Front selbst kommt es zur Auslöse von kräftigen Gewittern in einer sehr energiereichen Luftmasse. Die Frage der Verteilung scheint noch sehr unsicher.
Am Samstag schwenkt der Trog über Irland noch etwas ostwärts und erneuert den Haupttrog über Nordwesteuropa. Deutschland bleibt auf dessen Vorderseite. Die Kaltfront über Deutschland kommt noch etwas nach Südosten voran, liegt dann strömungsparallel und wird quasistationär. Sie trennt sehr heiße Luft im Südosten (bis zu 25 Grad an der Grenze zu Oberösterreich in 850 hPa) und kühlere Meeresluft im Nordwesten (8 Grad über Sylt). Ein Randtrog aktiviert diese im Tagesverlauf, und es soll von Südwesten nach Nordosten zu einer erstmals verbreiteteren Auslöse von kräftigen Schauern und Gewittern kommen, die bis Sonntagfrüh nach Polen abziehen.
In der erweiterten Mittelfrist am Sonntag und Montag ändert sich an der großräumigen Struktur kaum etwas. Deutschland verbleibt auf der Vorderseite des Troges. Die wellende Front über Deutschland macht kaum Boden in eine Richtung gut. Sie trennt weiterhin sehr heiße Luft im Süden von deutlich kühlerer Meeresluft im Nordwesten. Randtröge sorgen wiederholt für kräftige Gewitter in einem Bereich von Südwest- nach Nordostdeutschland.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag liegt Mitteleuropa unter einer kräftigen nordwestlichen Höhenströmung zwischen einem Höhenhoch über Südwesteuropa und einem Trog über Skandinavien. Ein Keil über Westeuropa schwenkt in der Folge über Mittel- nach Osteuropa. Am Boden wird, auch durch kräftige Warmluftadvektion ein Hoch gestützt. Deutschland gelangt zunehmend auf die Vorderseite eines Troges über Nordwesteuropa. Während der Südosten in heißer Luft und unter Hochdruckeinfluss liegt, wird der Nordwesten von der Frontalzone beeinflusst. Die Konsistenz mit den Vorläufen ist bis Freitagfrüh gut. Nachfolgend lassen die beiden neuesten Läufe eine Kaltfront am Samstag bis in den Süden vorankommen. Der gestrige Morgenlauf war diesbezüglich weniger progressiv. Ab Freitag nimmt die Konsistenz ab.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle simulieren die Entwicklung sehr ähnlich. Unterschiede ergeben sich im Verlauf der Frontalzone und dann vor allem ab Freitag bezüglich der Kaltfront und deren Vordringen nach Südosten. ICON ist am progressivsten und lässt diese bis an die Alpen ziehen. GFS dagegen belässt diese im Nordwesten Deutschlands. Die Lösung von IFS befindet sich dazwischen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Das Geopotenzial in 500 hPa steigt am Dienstag rasch an, um dann auf hohem Niveau zu verweilen und ab Donnerstag/Freitag bei zunehmender Unsicherheit langsam zu sinken, wobei gerade im Süden auch Lösungen mit weiterhin sehr hohem Niveau existieren.
Die Temperatur in 850 hPa erreicht ihr Maximum am Donnerstag/Freitag, bevor eine Abnahme wahrscheinlich ist, die im Norden wahrscheinlich markanter ausfällt als im Süden. Die Unsicherheiten nehmen ab dann auf jeden Fall deutlich zu und sind gerade im Norden groß. Im Süden bleibt das Niveau sehr wahrscheinlich bis zum Ende der Mittelfrist stark überdurchschnittlich. Für Stuttgart tummeln sich die Läufe beispielsweise zwischen 15 und 27 Grad in 850 hPa.
CLUSTERUNG:
Für Dienstag und Mittwoch werden vier Cluster angeboten, die alle anfangs dem Regime "Atlantischer Rücken" und später "NAO positiv" angehören. Die Unterschiede für Deutschland sind sehr gering.
Für Donnerstag bis Samstag gibt es drei Cluster, die alle dem Regime "NAO positiv" angehören. Für Deutschland zeigt sich in allen die ausgeprägte Trogvorderseite und Südwestströmung. Unterschiede ergeben sich in der Konfiguration des Troges über Nordwesteuropa und darin, wie glatt die Strömung über Deutschland hinwegläuft.
Für Sonntag bis Dienstag gibt es drei Cluster, wobei es kein einheitliches Bild bei den Regimen mehr gibt. Die beiden mitgliederstärksten Cluster zeigen die stark ausgeprägte Südwestströmung, beim größten eher zyklonal, beim zweiten eher antizyklonal geprägt. Cluster drei zeigt eine schwächere Südwestströmung, die sehr stark antizyklonal geprägt ist.
FAZIT:
Die Mittelfrist steht im Zeichen einer massiven Hitzewelle (Beginn Mittwoch), deren Fokus im Süden und Südosten liegt. Im Laufe der Mittelfrist bildet sich einer zweiter Fokus, die Gewitter heraus. Besonders am Wochenende deutet sich Ungemach in einer sehr energiereichen Luftmasse an.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
Am Mittwoch am Alpenrand, am Donnerstag und Freitag vom Südwesten bis in den Nordosten einzelne starke Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel wahrscheinlich. Vereinzelt vor allem am Freitag unwetterartige Gewitter mit lokal heftigem Starkregen, großem Hagel und schweren Sturmböen wahrscheinlich.
Temperatur:
EFI:
Ab Mittwoch von Südwesten starke bis extrem starke Signale für ein sehr ungewöhnliches Temperaturereignis. Der EFI ist im Süden für mehrere Tage am oberen Limit und der SOT liegt bei über 2!
Sonst keine Auffälligkeiten in den Wahrscheinlichkeitsprodukten.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / M. Sc. Met. Thore Hansen





