Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 26.06.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Neue Hitzerekorde ante portas, zudem ansteigende Unwettergefahr durch schwere Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Aktuell ... bewegen wir uns schnurstracks auf die ersten Temperaturrekorde zu. Gerade zum Zeitpunkt des Verfassens scheint die Marke von 40.0°C zum ersten Mal geknackt worden zu sein. Spitzenreiter wäre in diesem Moment Saarbrücken. Zunächst sind diese Werte aber noch unter Vorbehalt, außerdem ist noch eine Steigerung im Laufe des Nachmittags zu erwarten. (Update 15 UTC: Saarbrücken-Burbach mit vorläufigen 41,1°C - d.h. es geht dem Allzeitrekord in ganz Deutschland an den Kragen!)
Hitzehoch "Hartmut" liegt in der Höhe mit Kern ziemlich genau über Süddeutschland, während das bodennahe Zentrum schon Richtung Ostsee abgewandert ist. Gleichzeitig formiert sich über Nordfrankreich eine Tiefdruckrinne, die sich im Laufe des Abends Richtung Benelux und Westdeutschland verlagert. Darin eingelagert ist eine Konvergenzlinie, die bereits über Nordfrankreich zur Bildung einer Gewitterlinie geführt hat. ICON-RUC favorisiert allerdings die Bildung eines zweiten Systems südlich von Luxemburg in der Region um Metz. Dieses soll dann später am Abend von Luxemburg her die Moselregion und das Saarland erreichen. Tatsächlich deutet sich bereits im Satellitenbild ein entsprechender Streifen Cu-Bewölkung genau dort an, sodass dessen Entwicklung in den nächsten Stunden genauer beobachtet werden muss. Sollten sich tatsächlich einzelne Gewitter daraus entwickeln, so besteht durchaus Unwetterpotential vor allem durch schwere Sturm- bzw. orkanartige Böen. Die Grenzschicht ist voll durchmischt und erstreckt sich bis zum 700 hPa-Niveau (3 km), sodass durch Niederschlagsverdunstung erhebliches Downburstpotential gegeben ist. Auch Outflow Boundaries, die von den einzelnen Zellen ausgehen, könnten für ziemlich kräftige Böen auch abseits der Konvektion sorgen. Sturmböen von 9 Bft sind durchaus nicht ausgeschlossen. Letztendlich muss man hier aber vollumfänglich auf der Nowcasting-Schiene fahren und kann warntechnisch wohl nur sehr kurzfristig reagieren. Bezüglich der Umgebungsbedingungen ist z.B. noch unklar, welchen Einfluss die bei uns noch recht trockenen oberen Schichten haben und etwaigen Gewitterzellen nicht die Kraft rauben. Auffällig ist z.B., dass die Niederschlagssummen in den verschiedenen Modellen insgesamt recht niedrig sind. Angesichts von PPW-Werten von wenigstens 30 mm erscheint das aktuell noch recht widersprüchlich.
In der Nacht zum Samstag schwächt sich die konvektive Aktivität erst einmal wieder ab. Es fehlt an Antrieb und tagesgangbedingt die Zufuhr an Energie aus der Grenzschicht. Recht interessant scheint die Entwicklung über Nordfrankreich Richtung Westbelgien und Niederlande/Kanal zu werden. Dort zeichnet sich die Entwicklung eines Gewittersystems während der Nachtstunden ab, das dort möglicherweise zu ersten Unwettern führt. Auswirkungen bis auf uns sind begrenzt, aber möglicherweise kommt es zu etwas dichterer Bewölkung im Westen durch den Eisschirm, vielleicht auch zu ein paar kräftigeren Windböen, die als Reste des Outflows vom Cold Pool daherkommen. Mit Sicherheit lässt sich das aber auch nur im Nowcasting prognostizieren. Bezogen auf die zu erwartenden Minimumtemperaturen dürfte auch die kommende Nacht rekordverdächtig werden. Im Westen und Nordwesten dürften die Temperaturen kaum noch unter 22°C sinken, lokal sind auch Tiefstwerte von nur 24 oder 25°C denkbar.
Samstag ... steht weiterhin im Zeichen der Hitzewelle, aber auch zunehmend schwerer Unwetter. Zwar wird das Geschehen in der Höhe weiterhin noch von der Rückseite des Höhenrückens beeinflusst. Bodennah manifestiert sich aber die Tiefdruckrinne über der Nordhälfte Deutschlands, die am Vortag noch über Frankreich wirksam war. Mit der eingelagerten Konvergenzlinie soll es ab den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden zur Auslöse einzelner heftiger Gewitter kommen. Aktuell zeigen die hochauflösenden Modelle eine Auslöse entlang der Elbe mit anschließend ostwärts ziehenden Zellen. Angesichts des Setups mit CAPE um 2000 J/kg und einem bis knapp 700 hPa reichenden Inverted-V-Profils der Grenzschicht ist mit einzelnen heftigen Entwicklungen zu rechnen, die mit schweren bis orkanartigen Böen sowie größerem Hagel von 2-3 cm einhergehen. Eine weitere Baustelle tut sich im Westen auf, wo es schon etwas früher über dem Bergland zünden soll. Auch hier sind die Zutaten ähnlich happiger Natur, sodass auch hier mit größerem Hagel und schweren Sturm- bis orkanartigen Böen gerechnet werden muss. Angesichts der hohen ML, die mitunter noch leicht gedeckelt ist, kann man zunächst von Einzelzellentwicklungen ausgehen (leichte Andeutungen einer Loaded Gun-Situation), die dann später zunehmend verclustern, sich im Osten aber am späten Abend wieder auflösen.
Anders dagegen die Entwicklung im Westen. Dort löst es zunehmend an einer neuen Konvergenzlinie innerhalb der Tiefdruckrinne aus, wobei zunehmend auch die Luftmasse mit dem heftigsten Unwetterpotential angezapft wird. Selbst nachts stehen noch 1000 bis 1500 J/kg MLCAPE zur Verfügung. Die dabei entstehenden Gewitter haben ebenfalls erhöhtes Unwetterpotenzial durch schwere Sturmböen und Hagel sowie heftigen Starkregen. Zu beachten ist dabei auch die Entwicklung eines MCS über den Benelux-Staaten, der sich stromabwärts aus zunehmend verclusternden Gewittern über Nordfrankreich bildet. Dieses weist extremes Orkanböenpotential auf und beeinflusst möglicherweise durch eine oder mehrere Outflow Boundaries auch die Gewitterentwicklung im Nordwesten Deutschlands. Temperaturmäßig verläuft die Nacht durch die zunehmende Feuchtekonvergenz wohl noch verheerender als zuvor. Sowohl entlang des Rheins als auch in der gesamten Nordhälfte treten Minima von nicht unter 22°C auf, lokal sind über 25°C möglich.
Apropos Temperaturentwicklung: Auch morgen sind erneut Temperaturen von teils deutlich über 40°C möglich, vor allem erneut im Südwesten, aber auch im Osten Deutschlands. Allerdings kommt zunehmend die Konvektion ins Spiel, die an der ein oder anderen Stelle deutlich dämpfend wirken könnte, daher sind die Prognosen diesbezüglich zunehmend wackelig.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... setzt sich die Gewitteraktivität direkt mit Tagesbeginn fort. Im Fokus steht zunächst der Nordwesten und der Norden, wo unwetterartige Entwicklungen mit Starkregen, Sturmböen und Hagel im Mittelpunkt stehen. Im Tagesverlauf verschiebt sich die Hauptaktivität mit der wandernden Konvergenz allmählich Richtung Landesmitte. Dabei ist die Luftmasse weiterhin extrem potent, sodass einzelne extreme Unwetter durch Starkregen, (sehr) großen Hagel und Orkanböen nicht mehr auszuschließen sind. Allerdings bereiten die Modellprognosen bezüglich der Ausbreitung und Intensität noch etwas Kummer. Detailliertere Einzelheiten dazu sind der Frühübersicht zu entnehmen.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Gewitterentwicklung wird von den Modellen noch sehr uneinheitlich gehandhabt. Einige der Prognosen wollen nicht so recht zum vorhandenen Setup (sprich: Zutaten) passen. Insbesondere das ICON-EU gibt uns für den Sonntag noch einige Rätsel mit auf den Weg. Insofern bleibt es erst einmal bei einer groben Beschreibung. Einen Strich durch die Rechnung machen können auch sämtliche nächtlichen Entwicklungen, die dann am jeweiligen Tagesbeginn gänzlich neue Voraussetzungen schaffen (Bewölkung, Feuchteeintrag, ...). Sehr nowcasting-lastige Tage stehen ins Haus.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
M.Sc. Felix Dietzsch
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 26.06.2026 um 10.30 UTC
Anfangs im Südosten heiß, sonst meist jahreszeitlich typisches Temperaturniveau. Vor allem in der Südosthälfte zunächst deutlich erhöhtes Gewitterpotenzial.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 03.07.2026
Die Mittelfrist startet nicht nur mit einer neuen Woche, auch die Wetterlage bringt Änderungen mit sich.
Am Montag liegt der "Heat Dome" über dem östlichen Mitteleuropa. Deutschland gelangt auf die Vorderseite eines Troges über den Britischen Inseln. Die Kaltfront eines Tiefs über der Norwegischen See schwenkt langsam über den Osten und Süden des Landes nach Osten. Anfangs liegt im Südosten noch extrem heiße und feuchte Luftmassen von zum Teil mehr als 20 Grad in 850 hPa und PPWs über 40 mm. Vor und im Umfeld der Kaltfront sind teils schwere Gewitter wahrscheinlich, wobei alle Begleiterscheinungen das Unwetterkriterium erreichen können. Im Laufe des Tages und der Nacht wird die heißeste Luft nach Osten verdrängt. Dienstagfrüh liegt die Temperatur in 850 hPa von Nordwest nach Südost zwischen 8 und 14 Grad.
Am Dienstag verbleibt Deutschland auf der Vorderseite eines Troges über den Britischen Inseln. Im Norden ist gemäßigtere Meeresluft eingeflossen. Im Süden hält sich im Bereich einer Tiefdruckrinne eine Mischluft, die wärmer (15 Grad in 850 hPa) und vor allem deutlich feuchter (25 bis 40 mm PPW) ist. Dort kommt es verbreitet zur Auslöse, wobei bei fehlender Verlagerung vor allem der Starkregen ein Thema ist. Auch im Nordwesten und Westen kommt es an der Trogvorderseite zur Auslösung, die Luftmasse bietet dort aber deutlich weniger Energie.
Am Mittwoch schwenkt der Trog unter Amplifizierung nach Deutschland. Vor allem im Osten und Südosten kommt es in Resten der feuchten Warmluft zu zahlreichen Schauern und Gewittern, die teils zu größeren Niederschlagsgebieten zusammenwachsen und bei nördlichem Wind am östlichen Alpenrand zu länger andauerndem Regen führen können. Weniger Konvektion gibt es im Nordwesten, wo trockenere Luft einfließt, die zudem unter den Einfluss eines Bodenhochs gerät. Bei Temperaturen um 10 Grad in 850 hPa ist Hitze kein Thema mehr.
Am Donnerstag ist ein kleiner Teil des Troges nach Italien abgetropft, der Rest nach Osten geschwenkt und Deutschland gerät unter einen flachen Azorenhochkeil. Von Nordwesten nähert sich aber rasch ein Trog mit einem okkludierten Frontensystem an, das bis Freitagfrüh den Osten und Süden Deutschlands erreicht. An den Alpen fällt anfangs noch Regen, sonst herrscht recht freundliches Wetter ehe von Nordwesten der Regen der Okklusion einsetzt, nachfolgend gibt es örtlich Schauer. Vor der Okklusion werden 10 bis 14 Grad in 850 hPa erreicht, nachfolgend fließt vor allem in den Norden kühle Meeresluft mit Werten um 5 Grad in 850 hPa ein.
Am Freitag sowie am Wochenende setzt sich der Wechsel aus okkludierenden Frontensystemen aus Nordwesten und Zwischenhocheinfluss fort. Grundsätzlich ist der zyklonale Einfluss im Nordosten größer als im Südwesten und die Temperaturen im Süden sind etwas höher als im Norden. Im Norden werden meist keine 25 Grad erreicht, im Süden dagegen häufig 25 bis 30 Grad. So oder so ist Hitze kein Thema, reicht es doch allenfalls am Oberrhein lokal für einen knappen Hitzetag.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Woche liegt das kräftige Höhenhoch ("Heat Dome") über dem östlichen Mitteleuropa. Über Deutschland etabliert sich in der Höhe eine südwestliche Strömung. Am Boden strömt am Rande eines Hochs über der Biskaya kühlere Luft nach Deutschland. Eine Kaltfront liegt über dem Osten und Südosten und schwenkt ostwärts, in ihrem Umfeld ist mit teils schweren Gewittern zu rechnen. Die Konsistenz zu den Vorläufen ist gut.
Im Laufe der Woche wandert das Höhenhoch weiter ostwärts. Zum Mittwoch erreicht uns von Westen ein Trog, der in den 00-UTC-Läufen Tendenzen zum Abtropfen über Mitteleuropa zeigt. Die Konsistenz zum gestrigen 00-UTC-Lauf ist mäßig gut, zum gestrigen 12-UTC-Lauf eher schlecht zu Wochenmitte. Das Temperaturniveau sinkt auf ein Normalmaß für diese Jahreszeit.
In der zweiten Wochenhälfte etabliert sich eine West- bis Nordwestströmung mit der an der Ostflanke eines Hochs westlich der Britischen Inseln Fronten nach Mitteleuropa vorstoßen. Dieses Muster zeigen auch die Vorläufe, allerdings gibt es größere Unterschiede im genauen Ablauf der Fronten und Zwischenhochphasen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
ICON, GFS und UK10 zeigen grundsätzlich eine ähnliche Entwicklung. Hinsichtlich der Konvektion ist übereinstimmend der Montag und Dienstag von besonderem Interesse, wenn noch Reste der Heißluft mit im Spiel sind. Der Trog am Mittwoch wird in seiner Stärke und Kontur unterschiedlich simuliert. Übereinstimmend wird danach eine im Temperaturniveau und bezüglich markanter Wettererscheinungen deutlich gemäßigtere West- bis Nordwestströmung simuliert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Deutschlandweit zeigt sich für die Temperatur von Montag bis Samstag ein mehr oder weniger kontinuierliches Sinken. Ein erneutes "Aufflammen" der Hitze wird im Norden von keinem und im Süden von nur sehr wenigen Membern gezeigt.
Für das Geopotenzial in 500 hPa zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Norden sinkt das Geopotenzial kontinuierlich ab, im Süden wird am Mittwoch ein Minimum erreicht, bevor eine leichte Erholung einsetzt.
CLUSTER:
Für Montag und Dienstag ergeben sich fünf Cluster, wobei der Hauptlauf im mit Abstand größten Cluster 1 sich befindet. Für Deutschland sind die sich ergebenden Unterschiede gering. Alle Cluster zeigen das Wandern des extrem hohen Geopotenzials nach Osten und von Westen eine allmählich nach Mitteleuropa vorankommende Frontalzone.
Zur Wochenmitte gibt es weiterhin fünf Cluster, die fast alle dem Regime "Blocking" zugeordnet werden. Für Deutschland ergeben sich dahingehend Unterschiede wie zyklonal oder antizyklonal die westliche Strömung ausgeprägt ist. Der Hauptlauf gehört dem Cluster 1 an, das diesbezüglich eine mittlere Variante zeigt.
Zum Ende der Woche gibt es vier Cluster, wobei der Hauptlauf dem Cluster 1 angehört und dem Regime "Atlantischer Rücken" zugeordnet wird. Alle Cluster zeigen hohes Geopotenzial südwestlich der Britischen Inseln und eine West- bis Nordwestströmung über Deutschland. Unterschiede ergeben sich in der Stärke und der zyklonalen Prägung dieser Strömung.
FAZIT:
Die Hitzewelle endet für die meisten mit Ende des Sonntags, im Süden und Südosten hält sich auch am Montag und abgeschwächt am Dienstag ein Rest der feuchtheißen Luftmasse inklusive des Potenzials für schwere Gewitter. Im Laufe der kommenden Woche gehen die Temperaturen auf ein jahreszeitlich übliches Niveau zurück. Dabei ist es vor allem in der Nordosthälfte wechselhaft.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
EFI:
Niederschlag:
Besonders am Mittwoch gibt es für den Alpenrand und das Alpenvorland geringe Signale vom EFI.
Temperatur:
Am Montag gibt es im Osten und Südosten deutliche Signale für überdurchschnittliche Temperaturen, diese Signale nehmen am Dienstag ab und sind ab Mittwoch verschwunden.
CAPE und Cape shear:
Beide Parameter zeigen deutliche Signale am Montag im Osten und für CAPE am Dienstag im Süden.
EPS vom ECMWF:
Niederschlag:
Montag und Dienstag "versprenkelte" geringe Wahrscheinlichkeiten. Nachvollziehbar durch die Konvektion. Mittwoch niedrige bis mittlere Wahrscheinlichkeiten am Alpenrand für mehr als 30 mm in 24 Stunden.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, IFS, IFS-EPS
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





