Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 30.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von SWa zu BM
Heute Nachmittag und Abend von Südwest nach Nordost Durchgang einer Konvergenzlinie mit teils schweren Sturmböen, teils mit Gewittern, Dabei vor allem im Norden auch Böen Bft 11 bis 12 möglich. Vereinzelt Hagel und Starkregen um 20 l/qm.
Am Freitag vor allem in der Mitte, im Süden sowie im Osten teils schwere Gewitter, mit Starkregen um 30 l/qm in kurzer Zeit. Am Samstag nur noch im Südosten starke Gewitter, Unwetter nicht ganz ausgeschlossen. Heute verbreitet starke Wärmebelastung, morgen in der Südosthälfte noch starke Wärmebelastung.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... Auf der Vorderseite eines Höhentroges über Westeuropa mit Drehzentrum in Form eines Höhentiefs, welches von den Hebriden zum südlichen Nordmeer zieht, herrscht bei uns eine südwestliche Höhenströmung, in der zunächst ein flacher Keil nordostwärts abzieht, der von einem flachen Kurzwellentrog abgelöst wird. Dieser wird um 18 UTC etwa über dem Westen Deutschlands erwartet. Im Trogbereich und davor gibt es aktuell schon über Frankreich Gewitter, die etwa ab Mittag auf den äußersten Westen übergreifen sollen. So soll im Bodendruckfeld eine Troglinie um 12 UTC etwa eine Erstreckung von der Elbmündung über Ostwestfalen bis zur Pfalz haben. Dahinter dreht der Wind auf West bis Nordwest und frischt stark auf mit stürmischen Böen und Sturmböen und es werden bereits einzelne Gewitter simuliert. Bis zum Abend soll die Konvergenz eine Linie Mecklenburg-Mittelfranken-Allgäu erreichen. Im Laufe des Nachmittags werden sich die Gewitter an der Konvergenz verstärken, da sich die Luft vorher noch auf häufig über 35 Grad erhitzen soll, denn in 850 hPa liegen die Temperaturen vor der Konvergenz zwischen 20 und 24 Grad. Allein durch den starken Temperaturgegensatz zwischen dem ´Coldpool´ im Westen und der heißen Luft im Osten sind Sturmböen vorprogrammiert. In einem Streifen von Nordhessen und dem östlichen NRW bis nach Mecklenburg-Vorpommern sind die Wahrscheinlichkeiten von Böen Bft 10 bis 11, vereinzelt Bft 12 erhöht, während nach Süden hin die Gewitterwahrscheinlichkeit abnimmt und eher stürmische Böen und Sturmböen auf der Agenda stehen. Über Tag bauen sich vor allem über dem Norden und der Mitte Cape-ML auf mit Werten zwischen 400 und 1000, vereinzelt auch darüber auf. Die Luft ist zunächst nicht besonders feucht mit PPWs zwischen 25 und 30 mm. Erst mit den Schauern und Gewitter wird die Luft von Westen angefeuchtet, so dass abends häufig 30 bis 45 mm auf der Karte stehen. Die Scherung ist örtlich mäßig erhöht mit 15 m/s in unteren Schichten und teils über 20 m/s zwischen 0 und 6 km, so dass durchaus auch Superzellen auftreten können. Bei doch mäßiger Zuggeschwindigkeit ist heftiger Starkregen über 25 l/qm in kurzer Zeit eher unwahrscheinlich und der Hagel steht auch nicht im Vordergrund, sondern die Sturmböen und vor allem nach Norden hin auch Böen Bft 11 bis 12. Nach Südosten hin (Südostbayern) ist die Gewittergefahr nur gering. Der Tag startet vielfach sonnig, so dass die Temperatur rasch auf verbreitet 34 bis 39 Grad ansteigt. Nur im Küstenbereich ist es mit Werten zwischen 26 und 33 Grad angenehmer.
Der Wind weht vor der Konvergenz nur schwach bis mäßig aus Süd bis Südost. Er frischt mit Winddrehung auf West bis Nordwest stark bis stürmisch auf, um abends von West nach Ost wieder abzuflauen.
In der ersten Nachthälfte läuft die Konvergenz mit der Böenlinie unter Abschwächung über den Osten in Richtung Oder.
Dabei können weiterhin Gewitter auftreten, die Starkregen, Sturmböen und Hagel bringen. Die Wahrscheinlichkeit von 11er Böen nimmt aber ab. In der 2. Nachhälfte ziehen Schauer und Gewitter nach Polen ab. Hinter der Konvergenz klart es vorübergehend auf, ehe im Norden tiefe Bewölkung von der Nordsee heranzieht. Vereinzelt gibt es flache Nebelfelder. Gegen Morgen könnte ein flacher Kurzwellentrog von Frankreich her neue Gewitter auslösen, die über die Pfalz zum mittleren Deutschland ziehen.
Es kühlt auf 19 bis 13 Grad ab und abgesehen von Gewitterböen ist es meist schwachwind.
Freitag... bleiben wir auf der Vorderseite des Langwellentroges über Westeuropa, wobei der vom Zentraltief über dem Nordmeer ausgehende Haupttrog bis zum Abend Großbritannien erreicht. Die eigentliche Kaltfront des Tiefs erreicht unter Wellenbildung den Westen und Norden Deutschlands. Weiter nördlich dehnt sich der Keil des Hochs westlich der Bretagne nach Dänemark aus, so dass über dem Norden Deutschlands mit nördlichem Wind kühlere Luft einsickert. Ansonsten ist die Troposphäre mit dem südwestlichen Wind deutlich feuchter geworden, so dass die PPWs meist zwischen 32 und 40 mm liegen und damit im Tagesverlauf auch deutlich mehr Cape-ML aufgebaut wird als heute (500 bis gut 1500 J/Kg).
Nach den EPS-Ergebnissen von ICON-D2 würde das mittlere Deutschland, das südliche Norddeutschland und am Spätnachmittag und Abend auch der Osten Deutschlands von teils heftigem Starkregen durch Schauer und Gewitter betroffen sein. Zudem gibt es nach ICON-D2 im Süden Deutschlands (vor allem in Bayern) eine weitere Druckwelle mit Böen Bft 8 bis 10, vereinzelt sogar mit orkanartigen Böen. Auch in Südostbayern ist die Wahrscheinlichkeit von teils heftigem Starkregen erhöht.
Im Westen und Norden Deutschlands stabilisiert sich die Schichtung der Troposphäre im Tagesverlauf und eventuell regnet es in der Nähe der Nordseeküste etwas.
Während es im Südosten anfangs noch sonnig ist mit Höchstwerten zwischen 32 und 38 Grad ist, sorgen mehr Wolken und etwas kühlere Luft (Temperatur in 850 hPa 9 bis 15 Grad) im übrigen Deutschland für Höchstwerte zwischen 25 und 31 Grad, an der Küste nur um 22 Grad.
Nur im Norden weht der Nord- bis Nordostwind zeitweise mäßig. Ansonsten ist es abgesehen von Gewitterböen und nach Abzug der Druckwelle im Süden vorwiegend schwachwindig.
In der Nacht zum Freitag zieht der Kurzwellentrog über den Osten Deutschlands weiter nach Nordosten und am Boden wird dabei sogar ein kleines Tief simuliert, das ebenfalls nach Nordwestpolen zieht. In seinem Bereich kann es auch in der 2. Nachthälfte im Osten und Nordosten noch teils kräftige Gewitter geben, wobei die Unwettergefahr wegen das Tagesganges nachlässt. In der Frühstunden sollten aber die Gewitter nach Polen abgezogen sein. Ansonsten gibt es teils starke, teils aufgelockerte Bewölkung und vereinzelt kann es noch Schauer geben, im Allgäu vielleicht auch noch ein Gewitter. Es kühlt auf 18 bis 11 Grad ab, im Nordwesten bei Aufklaren bis 9 Grad. Der Wind weht meist schwach um Nordwest.
Samstag... Befinden wir uns auf der Südseite des Zentraltiefs über dem Nordmeer in einer zyklonalen Südwestströmung. Nach der Regenerierung des Troges zieht er aber in der 2. Tageshälfte nordostwärts ab und anfangs herrscht auch noch Kaltluftadvektion. Dabei wird die Kaltfront im Bereich eines nach Norddeutschland gerichteten atlantischen Hochkeils über Bayern langsam nach Südosten gedrückt. KLA und aufkommende NVA sorgen bei uns in weiten Landesteilen für eine Wetterberuhigung. Nur im Südosten bleibt noch feuchte und labile Luft wetterbestimmend, so dass es vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sowie im Raum Erzgebirge noch Schauer und Gewitter geben kann. Die Zutaten sind nicht überborden (Cape-ML 300 bis 900 J/Kg, leichte bis mäßige Scherung), aber die Schauer und Gewitter ziehen nur langsam, so dass Starkregen auftreten kann. Selbst unwetterartiger Starkregen über 25 l/qm ist möglich und auch Hagel bis 2 cm. In der Nordwesthälfte Deutschlands ist es wolkig mit Aufheiterungen und meist trocken.
Die Höchstwerte liegen in der Nordhälfte zwischen 23 und 29 grad und im Süden zwischen 28 und 32 Grad.
Abgesehen von Gewitterböen ist es schwachwindig.
In der Nacht zum Sonntag wird die Kaltfront noch etwas Richtung Österreich gedrückt und der Luftdruck steigt noch etwas an. Auch tagesgangbedingt lassen die Schauer und Gewitter weitgehend nach. Auch sonst lockert die Bewölkung örtlich stärker auf. Es kühlt auf Werte zwischen 17 Grad im Süden und 7 grad in der Lüneburger Heide ab. Der Wind spielt keine große Rolle.
Modellvergleich und -einschätzung
Der aktuelle Lauf von ICON-RUC hat die Böen im Norden etwas zurückgenommen. Auch ICON-D2 von 06 UTC berechnet nicht kaum noch orkanartige Böen im Norden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 30.07.2026 um 10.30 UTC
Im Norden überwiegend hochsommerlich warm, zeitweise heiß, im Süden durchweg heiß. Besonders über der Mitte und dem Süden wiederholt teils unwetterartige Gewitter, jedoch kein flächendeckender Regen.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 06.08.2026
Nach dem jüngsten Schwall heißer Luftmassen aus Südwest stellt sich die Frage, ob es auch in dieser Mittelfrist mit Hitze und Blockierung weitergeht. Um dies zu verstehen müssen wir erstmal schauen, auf welchem Weg wir zur aktuellen Ausgangslage gekommen sind und wohin uns diese Bausteine bis in die erweiterte Mittelfrist führen können. Wer diesen technischen Part dieser Mittelfrist überspringen möchte, darf gerne beim Absatz "AKTUELLE MITTELFRIST" wieder einsteigen. Eins vorab: Freunde von Blitz und Donner sollten in dieser Mittelfrist auf ihre Kosten kommen.
Wo kommen wir her?
Schauen wir uns mal die gemittelten Anomalien des 500 hPa Geopotenzials für diesen Juli an, so erkennt man eine dominante Blockierung westlich vor Irland mit positiven Abweichungen, die sich über West- bis nach Südwesteuropa ausdehnen konnten. Oder anders ausgedrückt: eine komplette Blockierung von der Westdrift.
Können wir der Spur folgen, die zu dieser dominanten Blockierung geführt hat? Bevor wir auf die Spurensuche gehen, soll für die Beantwortung dieser Frage kurz der Bausteinkasten erklärt werden, der für die Telekonnektion stationärer Wellenzüge verwendet wird, induziert aus (sub) tropischen Bereichen. Kurz und knapp wird durch anormal kräftige Erwärmung in einem tropischen Sektor (z.B. durch zu hohe Wasseroberflächentemperaturwerte - kräftige Konvektion - Freisetzung latenter Wärme oder durch Oszillationen mit variabler Frequenz wie MJO/ENSO) fokussiert in der oberen Troposphäre Höhendivergenz erzeugt. Diese ist der Grundbaustein für die Entwicklung von Rossbywellen im tropischen Sektor, sei es durch Advektion absoluter Vorticity, oder durch Streckung eben dieser. Somit ist bereits ein Baustein erklärt, den wir benötigen: das Maß an Höhendivergenz, ausgedrückt durch das Geschwindigkeitspotenzial (bzw. dem rotationsfreien Wind). Negative Werte stellen dabei Höhendivergenz dar.
Dann bleibt noch zu beantworten, wie diese erzeugten Wellenflüsse ggf. in Richtung Außertropen transferiert werden. Auch hier wird stark vereinfacht und kurz zusammengefasst nur das Notwendigste dargelegt. Der Parameter von Interesse ist die stationäre Wellenzahl (Verlagerung der Rossbywellen in Abhängigkeit von der zonalen Windgeschwindigkeit). Hohe Werte heben vereinfacht gesagt das Potenzial hervor, dass diese Energie innerhalb eines fokussierten Bandes mit hohen Windgeschwindigkeiten gefangen bleibt und als zonaler Wellenfluss weiter transferiert wird. Diese Bereiche fallen natürlich mit dem Höhenjet zusammen, an dessen Ende die Energie dann wieder entweichen kann.
Fertig ist der kleine Bausteinkasten. Höhedivergenz kann im Zusammenspiel mit dem Jet nicht nur Rossbywellen erzeugen, sondern diese auch gleichzeitig in außertropische Bereiche weiterleiten. Dafür müssen aber auch beide Bausteine vorhanden sein und ineinandergreifen.
Gehen wir nun wieder zum Juli 2026 zurück. Der begann im karibischen Sektor teils mit reger Konvektion, deren Wellenenergie in Form eines beständigen Wellenzugs die Blockierung bei uns über Nordwesteuropa während der ersten Monatsdekade aus dem tropischen Sektor stützte (ausgelöst u.a. durch eine abgeschwächte MJO Passage). In der Folge löste sich dieser Wellenzug mit Abebben der tropischen Konvektion erwartungsgemäß rasch ab und in der Folge übernahm ein agiler und über dem Tibetischen Hochplateau initiierter zonal ausgerichteter Wellenzug das Regime, der von Westen konvergierend in unsere Antizyklone über Westeuropa mündete und diese retrograd in Richtung Südgrönland/Island verlagerte. Das brachte uns kurzzeitig in eine kühlere/wechselhafte Nordströmung mit dem Zustrom (modifizierter) polarer Luftmassen. Aber auch dieser Wellenfluss ebbte nun vor einigen Tagen etwas ab, was wiederum nun das Ende der Blockierung über dem Nordostatlantik einläutet. Deren Energie wird nun ostwärts über Europa nach Asien geführt und induziert hier eine progressivere Phase der Wellendynamik, teils aber auch nach Süden in die subtropische Antizyklone über Nordafrika/Südeuropa, die weiterhin sehr kräftig aufgestellt ist. Derweilen sorgen die westlicher (USA/Kanada) endenden zonalen Wellenflüsse für eine zunehmende Blockierung im Bereich Grönland (im Zusammenspiel mit der Stratosphäre, was aber nun zu weit führen würde).
Bis dato dominierten über dem Ostpazifik und Nordatlantik höhendivergenz-freundliche Bedingungen (negatives Geschwindigkeitsfeld). Diese günstigen Bedingungen verschieben sich nun im Zuge eines Wechsels der "boreal summer intraseasonal oscillation" in Phase 7/8 westwärts zum westlichen Nordpazifik. Somit fehlt nun im europäischen Sektor aus dynamischer Sicht ein Baustein für eine nennenswerte Blockierungsentwicklung aus dem tropischen Sektor (die thermodynamische Komponente wird in der Folge noch betrachtet), was Anfang Juli noch vorhanden war. Somit können wir unseren Fokus auf der Blockierung bei Grönland belassen, die ja nicht aus trop. Gefilden gestützt wird.
Ein weiteres Thema, das angesprochen werden sollte ist die seit Mai und Juni diesen Jahres anhaltende Flaute bei den zonal gemittelten Zonalwinden innerhalb der Troposphäre auf der Nordhemisphäre (seit dem dynamischen Zusammenbruch des Polarwirbels in der Stratosphäre) mit Zonalwinden, die teils deutlich unter dem Interdezilbereich und zeitweise nahe von negativen Rekordwerten lagen. Auch im Juli änderte sich bis zur Monatsmitte wenig, erst jetzt zum Monatsende und in den August hinein wird eine allmähliche Zunahme erwartet, wobei der sich weiter aufbauschende El Nino aktuell weniger den nordhemisphärischen Subtropenjet, sondern deutlich den auf der Südhemisphäre forciert (und u.a. Südamerika beeinflusst). Dennoch sind auch auf der Nordhemisphäre nun zunehmend Impulse in Richtung Subtropenjet auszumachen, die diesen anfachen werden.
Beim Blick auf die globale Impulsbilanz ist aktuell eine Zunahme rund um 40 Grad Nord auszumachen (wohl ausgelöst durch eine schwache "ändernde Kraft" aus der Synoptik heraus entlang des Himalayas, oder kurz gesagt: mountain torque), die jedoch in dem Breitengrad verweilt und somit südlich von negativen Werten in höheren Breiten zu finden ist: eine klassische Signatur für weit nördlich ansetzende Blockierungslagen. Diese wird nun u.a. durch den genannten, über USA/Kanada endenden zonalen Wellenfluss initiiert.
Mit der nun einsetzenden Blockierungslagen in höheren Breiten (u.a. im IFS-ENS mit hohen Standardabweichungen beim "Grönlandhoch" bzw. im nordatlantischen Sektor mit negative NAO hinterlegt) nimmt nun auch die Anzahl der Wellen auf der Nordhemisphäre von ehemals 4 deutlich zu, während gleichzeitig deren Amplitude zurückgeht und diese nun südlicher ziehen. Bei weiterhin überschaubaren zonalen Wellenflüssen stellt sich nun die Frage: sind dies progressivere Wellen mit zonaler Translation, oder wird die Energie nur von Trog zu Trog transferiert, was einen stationären und sich wiederholt regenerierenden Wellenzug zur Folge hätte, gespeist durch kurzwellige Anteile. Das Zeit-Längendiagramm ist bei der komplexen Verteilung von (Anti)Zyklonen diffus und hebt erst ab dem 10. August einen umfassendere stationären Wellenzug hervor, der sich vom nordamerikanischen in den nordatlantischen Sektor erstreckt. Insgesamt scheint sich aber an dem stationären Wellenmuster wenig zu ändern, sodass man eher von einem wiederholten Regenerieren durch kurzwellige Anteile sprechen sollte.
Das Resultat ist nun eine Dynamik über Europa, die weder "Fisch noch Fleisch" ist, sich durch die nördlichen Blockierungslagen etwas anders ausrichtet, uns aber vorerst nicht aus der blockierungsfreudigen Lage über Süd-/Osteuropa herausbringt.
Sich über dem Nordatlantik abschwächende und ostwärts gerichtete Wellenflüssen bei einer gleichzeitig durch high lat. Blockierung einsetzenden Verkleinerung der Wellenamplituden spricht für Westeuropa unter dem Strich für ein etwas progressiveres Wellenmuster innerhalb eines stationären Grundmusters. Die daraus resultierende, weit südlich verlaufende Frontalzone sorgt für entsprechend weit südlich ansetzende Tiefdruckgebiete, die dadurch weiterhin in ihren Warmsektor PV-arme und heiße Luftmassen auf ihrem Weg nach Westeuropa einbinden können. Diese Energie rennt beständig gegen den Keil über Süd-/Osteuropa, wobei jüngste IPV Vorhersagen mehr auf einen baroklinen Keil hindeuten, der sich von Südwest- nach Osteuropa aufspannt und nur im Bereich von Spanien/über dem westlichen Mittelmeer und natürlich über Algerien/Marokko barotrope Eigenschaften aufweist. Dort heizt diese quasi-stationäre Welle weiterhin kräftig ein, was keine guten Nachrichten für Südwesteuropa sind, zumal ein wechselnder Wind (mit Passage der Kurzwellen) ein großes Thema bei der Waldbrandbekämpfung werden dürfte. Das Resultat ist also ein gescherter Trog über Nordwesteuropa und Skandinavien, dessen Energie wiederholt in Impulsen (Randtrögen) an der Westflanke des Keils über Mitteleuropa nach Nordosten abtransportiert wird.
Diese Unentschlossenheit zwischen etwas mehr Dynamik aus Westen und der Blockierung im Süden und Osten Europas erkennt man auch bei den Wetterregimesvorhersagen des IFS-ENS, die bis weit in den August keine wirkliche Dominanz aufbauen wollen, wenngleich immer die Blockierung mal mehr, mal weniger die Oberhand behält. Dies deckt sich auch mit der jüngsten C3S Vorhersage, die im August einen Schwerpunkt der Hitze mehr über dem zentralen südlichen Mittelmeer bis Osteuropa sieht. Wir wären am Rande gelegen mit einem Nord-Südgefälle bei der Temperatur (mit noch dem einen oder anderen heißen Einschub aus der Synoptik heraus) und die konvektiv geprägten Niederschläge sehen flächendeckend weniger nach Erholung der angespannten Lage aus. Insgesamt ist die Unsicherheit bei diesem recht chaotischen und schwach forcierten Hintergrund groß, was auch eine überwiegend negative aber stark streuende NAO und PNA Vorhersage stützen.
Zusätzlich muss bedacht werden, dass sowohl El Nino (Interaktion mit dem Subtropenjet) als auch wiederholte, teils heftige ETs (tropische Zyklone, die mit den Außertropen interagieren) Einfluss nehmen auf den zonalen Energietransfer, was stromab jeweils Änderungen in der erweiterten Mittelfrist zur Folge haben kann.
AKTUELLE MITTELFRIST vom Sonntag, den 02. August bis Donnerstag, den 06. August
Hier geht das bekannte Spiel für diesen Sommer in die nächste Runde.
Am Sonntag erreicht ein neuer Trog die Biskaya, sodass Deutschland in eine antizyklonal geprägte südwestliche Höhenströmung gelangt. In der vorherrschenden Warmluftadvektion strömt von Südwesten wieder eine wärmere bzw. heiße Luftmasse nach Deutschland mit 850 hPa (H85) Temperaturwerten von 10 Grad im Norden und 21 Grad im Süden. Dabei verläuft der Tag freundlich oder sonnig und meist trocken. Allerdings liegt über der Mitte und dem Süden eine labile und gescherte Luftmasse (MLCAPE 500-1000 J/kg und 10 bis 15 m/s hochreichender Scherung), sodass trotz steigender Schichtdicke und keiner nennenswerten Kurzwellenpassage besonders entlang des Berglands mit einigen, teils heftigen Gewittern gerechnet werden muss (punktuell mit Hagel, Starkregen und Sturmböen).
Zum Montag ändert sich daran wenig. Wir verbleiben unter einem schwachen Keil, wobei sich aus heutiger Sicht zum Abend eine ausgeprägte Kurzwelle Deutschland von Südwesten nähert. Gleichzeitig zieht ein Bodentief in Richtung Irland und spannt über Deutschland einen breiten Warmsektor auf. Die feucht-labile Luftmasse erfasst ganz Deutschland, wobei die H85 Werte im Südosten auf bis zu 23 Grad steigen. Dabei klettern die MLCAPE Werte auf um 2000 J/kg bei 15 m/s hochreichender Scherung sowie WLA bedingt erhöhter Helizität. Trotz der günstigen Rahmenbedingungen bleibt die Auslöse von Gewittern bis zum Nachmittag bei viel Sonnenschein zumeist nur auf das Bergland beschränkt, bevor die Unwettergefahr zum Abend mit Annäherung der Kurzwelle deutlich zunimmt (teils schwere Sturmböen, großer Hagel und Starkregen).
Zum Dienstag zieht das Bodentief zur Deutschen Bucht und Deutschland verweilt weiterhin in einem umfangreichen Warmsektor mit hochsommerlich warmen bis heißen Luftmassen, sodass sich am CAPE/Scherungsumfeld kaum etwas zum Vortag ändert. Sowohl die aus der Nacht zum Dienstag heraus nordostwärts abziehende Kurzwelle, wie auch die eigentliche, von Westen auf Deutschland im Tagesverlauf übergreifende Trogachse sorgen für ausreichend Hebung aus der synoptischen Dynamik heraus, um einen unwetterträchtigen Tag erwarten zu lassen (großer Hagel, teils schwere Sturmböen und Starkregen).
Am Mittwoch etabliert sich über dem Europäischen Nordmeer ein umfangreicher Langwellentrog, der mit unserem, von der Deutschen Bucht nach Skandinavien ziehenden und sich vertiefenden Bodentief interagiert. Dabei wird spätestens in der Nacht zum Donnerstag eine kräftige Kaltfront ostwärts über den Norden und die Mitte von Deutschland geführt, bevor sie sich im Süden strömungsparallel an die Alpen legt und dort auch noch am Donnerstag verweilt. Präfrontal der Kaltfront werden im Süden und Osten am Mittwoch bei auch niedertroposphärisch zunehmender Scherung teils unwetterartige Gewitter erwartet, während von Nordwesten nur noch einzelne Schauer ins Binnenland driften.
Somit gestaltet sich der Donnerstag zweigeteilt. Im Norden sorgt ein der Kaltfront nachfolgende Bodenhochdruckkeil in modifizierter Polarluft und bei H85 Werten zwischen 5 und 10 Grad für einen angenehmen Sommertag, während es im Süden mit H85 von 15 bis 19 Grad weiter schwül-heiß bleibt mit anhaltendem Unwetterrisiko durch teils heftige Schauer und Gewitter.
Die Maxima liegen südlich der zentralen Mittelgebirge durchweg um oder über 30 Grad, am Montag teils mit Spitzen um 38 Grad, die sich am Dienstag in den Osten verlagern. Wie intensiv dieser Hitze-Peak ausfällt muss aber noch abgewartet werden, da ggf. Konvektionsreste und auch die Entwicklung des Bodentiefs/Kurzwellentroges eine Rolle spielen können. Auch wird der Staubtransport weiter im Auge behalten, der aktuell aber eher nur am Dienstag im Süden nennenswerte Werte erreicht.
Im Norden bleibt es mit 25 bis 30 Grad hochsommerlich warm bis heiß, bevor es im Nordwesten ab der Wochenmitte teils auf mäßig warme Werte abkühlt.
Die Minima liegen meist zwischen 21 und 16 Grad und gehen postfrontal der Kaltfront ab der Nacht zum Donnerstag im Norden auf 14 bis 10 Grad zurück.
Der von Nordost auf Südwest drehende Wind spielt abseits der Konvektion aus der Synoptik heraus keine warnrelevante Rolle.
In der erweiterten Mittelfrist geht das Spielchen munter weiter, denn am Freitag etabliert sich über der Biskaya der nächste Trog, der die schwül-warme Luftmasse wieder nordwärts drückt und eine neue wechselhafte und gewittrige Phase einläutet. Ein Auge sollte auf Osteuropa geworfen werden, wo die Bedingungen für eine Blockierung in Form einer Antizyklone (besonders nach AI) besser werden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die jüngsten Modellläufe von EZ berechnen die dynamische südwestliche Höhenströmung sehr einheitlich, was auch durch ein stabil berechnetes Geopotenzialmuster im nordatlantisch-europäischen Sektor gestützt wird. Zwar nehmen die Unschärfen der einzelnen Trogpassagen im Verlauf der Mittelfrist etwas zu, das ändert aber insgesamt wenig an der zu erwartenden hochsommerlich warmen bis heißen und gewitteranfälligen Mittelfrist. Dabei besteht bei viel Labilität und ausreichender Windscherung jeweils ein erhöhtes Unwetterpotenzial durch heftige Gewitter mit Sturmböen, teils großen Hagel und Starkregen, was besonders die Mitte und den Süden der Republik betrifft. Im Norden nimmt die Hitze im Wochenverlauf etwas ab und pendelt sich auf einem hochsommerlichen Niveau ein.
Auch AIFS, das ja dem physik. Modell ernsthaft Konkurrenz macht bzw. dieses teils überflügelt, sieht die genannte Entwicklung sehr ähnlich.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bei den anderen internationalen Modellen ergibt sich bis einschließlich Dienstag keine Änderung zu den Ausführungen der jüngsten EZ-Modellläufe.
In der Folge ergeben sich geringe Phasenverschiebungen bei den zonalen Wellen, sodass GFS z.B. zum Mittwoch/Donnerstag antizyklonaler als EZ und vor allem als ICON aufgestellt ist. Unter dem Strich fallen die Diskrepanzen für Temperatur und Niederschlag aber auch für diesen Vorhersagebereich überschaubar aus, sodass besonders im Süden mit einer Fortdauer der heißen und zu teils heftigen Gewittern neigenden Witterung zu rechnen ist.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt die Mittelfrist am Sonntag mit einem Cluster der positiven NAO. Dabei beeinflusst Deutschland eine kräftige Frontalzone zwischen dem gescherten/positiv geneigten Trog über dem Europäischen Nordmeer und einem Keil über Osteuropa. Es dominiert die positive Geopotenzialanomalie, die jedoch von kurzwelligen Anteilen (Südwest-Nordost gerichtet) durchquert wird, die für etwas Hebung gut sind.
Montag bis Mittwoch ändert sich bei dieser Grundkonstellation und mit nur einem Cluster wenig (wenngleich das klimat. Regime von "positive NAO" zu "Atlantikrücken" rutscht, was der sich weiter aufwölbenden blockierenden Antizyklone über Grönland geschuldet ist). Für Mitteleuropa bedeutet das die Nähe zur Frontalzone mit wiederholten Passagen kurzwelliger Troganteile.
Zum Ende der Mittelfrist und im Bereich der erweiterten Mittelfrist nehmen die Unsicherheiten rasch auf 6 Cluster zu mit variablen klimat. Regimevorhersagen (dominant jedoch blockierend mit negativer NAO oder Atlantikrücken). Der Kontrolllauf liegt dabei im dritten Cluster. Es lohnt sich nicht ins Detail zu gehen. Das grobe Grundmuster bleibt bestehen, es muss aber geschaut werden, wieviel Energie von Westen noch zonal ausgerichtet in Europa eintrifft. Den Keil über Grönland behalten die meisten Cluster bis zum Ende der Mittelfrist und auch die positive Geopotenzialanomalie über Südeuropa bis nach Asien ist bei den meisten Lösungen auszumachen. Viel Dynamik ist keine zu erkennen und daran ändert sich auch beim Blick tiefer in die erweiterte Mittelfrist wenig, wenngleich das Chaos zunimmt.
Die Meteogramme spiegeln das Gesagte wider mit einer durchweg heißen Witterung im Süden und einem Wechsel aus hochsommerlich warmen und heißen Abschnitten im Norden (im Nordwesten zum Ende ggf. mäßig warm). Konvektive Niederschlagssignale sind nahezu durchweg vorhanden, doch eben keine für einen flächendeckenden Landregen.
Die Rauchfahnen für die Temperatur in 850 hPa und das 500 hPa Geopotenzial sind zum Zeitpunkt des Verfassens der Mittelfrist leider veraltert.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist dominieren durchweg die folgenden Themen:
HITZE:
Im Süden durchweg, zeitweise aber bis in den Norden ausdehnend, hebt der EFI 2m (Max) Temperatur anormal hohe Temperaturwerte hervor mit einem Schwerpunkt am Montag im Süden der Republik, wo sicherlich wieder hier und da 38 Grad gemessen werden (etwas abhängig von der Bewölkung alternder Konvektionsreste). Ansonsten aber lässt sich die Witterung im Süden durchweg als schwül-heiß, im Norden als hochsommerlich warm und ab der Wochenmitte im Nordwesten eher als mäßig-warm zusammenfassen.
GEWITTER (UNWETTER):
Die gesamte Mittelfrist über besteht ein latentes Gewitterrisiko mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die von jeweiligen Trogpassagen abhängen. Während sich am Sonntag ganztags und am Montag tagsüber nur ein vereinzeltes Gewitterrisiko entlang der Orografie abzeichnet, nimmt in der Folge deutschlandweit das Gewitterpotenzial zu.
Bei Labilitätswerten von 1000 bis 2000 J/kg und hochreichender Scherung um 15 m/s ist wiederholt mit organisierter Konvektion zu rechnen, die von teils schweren Sturmböen, großem Hagel und heftigem Starkregen begleitet werden kann, was auch durch einen überwiegend erhöhten EFI CAPE/shear gestützt wird. Ab der Wochenmitte verschiebt sich der Gewitterschwerpunkt allmählich in den Süden.
Trockenheit und Waldbrandgefahr werden zwar durch die konvektiven Niederschläge sehr inhomogen verteilt etwas gehemmt, doch besonders bei der Trockenheit zeichnet sich dank der konvektiven Natur der Niederschläge keine nachhaltige/überregionale Entspannung ab.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, AIFS, MOSMIX und ICON
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





