Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 10.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
TrM
Heute im westlichen und südwestlichen Bergland sowie südlichen Norddeutschland und örtlich im Osten noch mäßiger Schneefall, im Schwarzwald bis in die Nacht hinein auch Starkschneefall (Unwetter) mit Neuschneemengen bis 50 cm. Kommende Nacht im Norden und Osten gebietsweise strenger Frost zwischen -10 und -15 Grad.
Am Sonntag ruhiges und frostiges Winterwetter, im Norden und Osten teils mäßiger Dauerfrost.
In der Nacht zum Montag und Montagfrüh von Baden-Württemberg bis zur Nordsee aufkommende Niederschläge, anfangs zum Teil als Schnee, später recht verbreitet gefrierender Regen mit Unwettergefahr.
Am Montag bis in den Osten und Südosten vorankommender Schnee und gefrierender Regen. Dabei vor allem im Mittelgebirgsraum und im Süden bis Mittag Unwettergefahr durch Glatteis!
Am Nachmittag und Abend in Südwestdeutschland, im Westen und Nordwesten Entspannung der Wetterlage.
In der Nacht zum Dienstag im Nordosten noch gefrierender Regen, im Südosten kräftiger gefrierender Regen und weiterhin Unwetter durch Glatteis! An der Nordsee und auf exponierten Bergen Böen Bft 8 bis 9.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag... Heute verlagert sich unser hochreichendes Unwettertief ELLI unter weiterer Abschwächung vom Rhein-Main-Gebiet nach Nordbayern. Ab Mittag hat es sich soweit abgeschwächt, dass es dann als Trog des Tiefs über Osteuropa vom nördlichen Süddeutschland südostwärts schwenkt. Abends erreicht der Trog den Alpenrand. Im Vorfeld weht der Wind im Süden (vom Schwarzwald zur Fränkischen Alb und weiter südlich) noch lebhaft aus West mit gebietsweisen steifen Böen, in höheren Lagen stürmischen Böen, auf Gipfeln mit (schweren) Sturmböen 9-10 Bft. Auch an den Küsten muss noch mit steifen, exponiert stürmischen Böen 7-8 Bft aus Ost bis Nordost gerechnet werden. Allerdings zieht der Gradient vor allem im Nordwesten zügig auseinander, sodass der Wind dort nachlässt. Im Ostseeumfeld dauert es noch etwas länger mit der Abschwächung, da der Gradient zwischen einem Tief über Westrussland und einem Hoch über Skandinavien noch aufrechterhalten wird.
Mit dem insgesamt abnehmenden Wind nimmt auch die Verwehungsgefahr im Norden und Nordwesten ab. Anfangs gibt es vor allem im Küstenbereich noch Schneeverwehungsgefahr.
Die mit dem Tief bzw. Bodentrog in Verbindung stehenden Niederschläge ziehen sich allmählich in den Süden zurück und gehen dort mit fortschreitender, bodennaher KLA auch in den tiefsten Lagen in Schnee über. Dabei kommt es in den westlichen und südwestlichen Mittelgebirgen noch zu markanten Neuschneemengen zwischen 6 und 15 cm, im Schwarzwalde und im Allgäu auch zu ergiebigen Stauschneefällen (Mengen zwischen 15 und 30 cm, in Staulagen bis 50 cm, Unwetterwarnung Schwarzwald). Ansonsten sind die Intensitäten schwächer. Meist liegen die Neuschneemengen im 12 -stündigen Zeitraum bei 1 bis 5 cm, im Bergland örtlich zwischen 5 und 10 cm.
Im küstennahen Bereich (vor allem an der Ostsee) gibt es anfangs einige Schneeschauer (Lake-Effect), die mit dem Nordostwind nach Südwesten gesteuert werden. Aber auch diese bringen meist nur wenige Zentimeter Neuschnee. Dabei hilft ein flacher Kurzwellentrog mit höhenkalter Luft bei der Bildung der Schneeschauer.
Nördlich und südlich des Schauerbandes kann es über der Nordhälfte gebietsweise auflockern, sodass die Sonne gebietsweise zum Vorschein kommt. In der Mitte und im Süden hat sie kaum eine Chance.
Nördlicher einer Linie Eifel-Vogtland stellt sich Dauerfrost ein (0 bis -7 Grad, nur an der See teils frostfrei), südlich davon liegen die Höchstwerte zwischen 0 und 5 Grad.
In der Nacht zum Sonntag zieht der von Osteuropa bis zum Mittelmeer reichende Langwellentrog langsam weiter nach Osten, sodass wir auf die Vorderseite eines Rückens über Westeuropa kommen. Dabei wird ein Zwischenhoch gestützt, dass sich nach Mitteleuropa vorarbeitet und als Brücke zwischen dem Azorenhoch und dem Hoch über Skandinavien fungiert. Der Osten wird allerdings zunächst noch von dem südwärts ziehenden kurzwelligen Troganteil und dem damit verbundenen Schauerband tangiert. Die Neuschneemengen bleiben gering, nur am Erzgebirge sind staubedingt ein paar Zentimeter drin. Auch an den Alpen staut es noch etwas und die Schneefälle halten an. Mit Ausnahme weniger exponierter Staulagen bewegen sich die Neuschneemengen aber im gelben Bereich. Ansonsten sorgt das einsetzende Absinken für nachlassende Niederschläge und zunehmendes Aufklaren. Nur gebietsweise hält sich tiefer Stratus.
Im Osten weht noch ein mäßiger Nord- bis Nordwestwind mit steifen Böen an der vorpommerschen Ostseeküste, ansonsten schläft der Wind mit dem übergreifenden Zwischenhoch ein und es kann kräftig auskühlen. Die Tiefstwerte liegen meist zwischen -6 und -11 Grad, unter klarem Himmel und über Schnee geht es stellenweise runter auf um oder knapp unter -15 Grad. Etwas milder ist es am Oberrhein und unmittelbar an der See.
Sonntag... Die Achse des sich noch etwas verstärkenden Höhenkeiles schwenkt ostwärts und erreicht bis zum Abend etwa eine Linie Zentralfrankreich - östliche Nordsee. Auf der Vorderseite wird weiterhin das Hoch gestützt, das sich in die nordöstlichen Alpen verlagert. So gibt es wettertechnisch einen ruhigen und meist frostigen Wintertag und gebietsweise scheint auch die Sonne. Teilweise hält sich aber auch tiefe Bewölkung, vor allem in Ostbayern und im Südwesten Deutschlands. Im Südwesten könnte es auch neblig-trüb sein. Am Nachmittag und Abend ziehen im Westen hohe Wolken auf.
Die Höchstwerte erreichen Werte zwischen 0 Grad im Rheinland sowie an der Küste und -5 Grad in Nordbayern. In einigen Gebieten im Norden und Osten gibt es auch mäßigen Dauerfrost um -6 Grad. Nur im Rhein- und Neckartal gibt es Temperaturen um +1 Grad. Der Wind weht anfangs an der Ostsee noch teils frisch aus Nordwest, sonst weht er schwach bis mäßig und dreht auf Südost. Auf der Nordsee treten gegen Abend erste 7er Böen auf (Inseln).
In der Nacht zum Montag wandert das Hoch nach Slowenien bzw. zum nordwestlichen Balkan. Der Stützende Höhenkeil erreicht das mittlere Deutschland und wird von kräftiger WLA überlaufen.
Das nächste, nunmehr hochreichende Tief langt im nördlichen Seegebiet bei Schottland an und seine Warmfront erreicht Mitternacht Belgien und Montagfrüh bereits die holländische Grenze. Dort okkludiert die Front, wobei aber auch hinter der über der Bretagne wellenden Kaltfront ebenfalls milde Luft vorahnden ist mit 850-hPa-Temperaturen im Plusbereich.
Nach Süden dürfte die Warmfront etwa am Oberrhein ankommen. Mit der WLA und der hinter dem Keil aufkommenden PVA kommt im Westen Hebung auf und so setzt etwa ab Mitternacht ganz im Westen, bis zum Morgen dann in einem Streifen vom Hochrhein und Bodensee bis zur Nordsee Niederschlag ein, anfangs zum Teil noch Schnee, bald aber gefrierender Regen. Damit steht dann im Westen recht verbreitet eine Unwetterlage durch Glatteis ins Haus! In der Osthälfte ist es anfangs noch klar, später gibt es den klassischen Warmfrontwolken-Aufzug, es bleibt noch trocken.
Durch die anfangs klare Nacht im Osten gibt es von Bayern bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Ostholstein noch verbreitet strengen Frost zwischen -10 und -15, vereinzelt um -18 Grad. Sonst gibt es nur leichten bis mäßigen Frost.
Der Wind frischt aus Süd bis Südost auf und bringt auf der Nordsee und auf den Bergen Böen Bft 7 bis 9.
Montag... Der Höhenkeil schwenkt unter Abschwächung nach Westpolen und Tschechien und es folgt nur ein sehr flacher Randtrog, der Nordwestdeutschland erreicht. Im Süden bleibt die auf West drehende Strömung noch leicht antizyklonal. Die Warmfront des zum Seegebiet knapp östlich von Färöer ziehenden Tiefs erreicht den Osten Deutschlands, seine Niederschlage gegen Abend die Oder und bereits am Nachmittag Ostbayern.
Nach Osten hin ist die Schneephase wohl etwas länger, aber immer noch zu kurz als dass eine Unwettersituation vermieden werden kann. Allerdings entspannt sich die Lage wohl im Lee der Mittelgebirge, also am Nordrand derselben, wohl recht rasch. In der Westhälfte passiert das bereits meist am Vormittag, auf den Luvseiten der Mittelgebirge (Südseiten) kann es aber bis Mittag dauern, bis die Temperaturen die 0-Grad-Grenze überschreiten. Im Osten Dauert die Glatteislage häufig bis zum Abend. Von der Ostsee bis nach Ostsachsen und in Ostbayern gibt es noch Dauerfrost, während sonst die Temperaturen auf +1 bis +5 Grad, im Rheinland und am Oberrhein bis +7 Grad ansteigen.
Der Wind weht zeitweise mäßig bis frisch und dreht auf Süd bis Südwest. An der Nordsee und auf exponierten Bergen gibt es steife bis stürmische Böen.
In der Nacht zum Dienstag bleibt es von Ostbayern bis nach Mecklenburg-Vorpommern kritisch. Vor allem in Bayern fällt noch recht viel Regen, der nach Osten hin gefriert. Im Nordosten zieht sich der teils gefrierende Regen wohl nach Vorpommern und Nordostbrandenburg zurück und anschließend gibt es im Osten wohl nur noch örtlich Sprühregen. Vor allem in Ost- und Südostbayern dauert damit die Unwetterlage an! In einem Streifen von Franken bis zur Pfalz gibt es nach Westen hin normalen Regen, da hier die schwache Kaltfront rückläufig ist. Nach Nordwesten hin gibt es nur örtlich etwas Regen oder Sprühregen. Ganz im Südwesten könnte es auflockern. Die Tiefstwerte liegen in der Westhälfte zwischen 5 und 1 Grad, im Osten zwischen 1 und -4 Grad, im Erzgebirge und bei Passau teils unter -5 Grad.
Auf den Bergen und an der Nordsee bleibt es stürmisch.
Modellvergleich und -einschätzung
Erst Montagfrüh gibt es erste nennenswerte Unterschiede: UK10 lässt den Niederschlag bis 06 UTC bis zur Weser und bis zum Hochrhein vorankommen, bis 18 UTC kommt er nur bis nach Westmecklenburg und Berlin voran. ICON und die anderen externen Modelle sind schneller.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 10.01.2026 um 10.30 UTC
Deutliche Milderung. Vielfach trüb und örtlich etwas Regen oder Sprühregen, im Osten und Süden anfangs noch gefrierend mit Glatteisbildung.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 17.01.2026
Am kommenden Dienstag wird sich die knackig kalte Winterluft nahezu vollständig aus Deutschland verabschiedet haben. Die erste Warmfrontstaffel, die nur noch sehr zögernd bis gar nicht ostwärts vorankommt, hat die Oder bereits ostwärts passiert. Im Vorfeld einer Tiefdruckgirlande, die sich vom Nordmeer über die Britischen Inseln bis zur Iberischen Halbinsel erstreckt, hat sich mit einer südlichen (oberhalb der Grenzschicht südwest- bis westlichen) Strömung deutlich mildere Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum durchgesetzt. Eine zweite (deutlich schwächere) Warmfrontstaffel schließt sich über Benelux bis nach Westdeutschland an und schenkt nordostwärts. Dadurch wird in der Höhe unter anderem auch der Rücken über Mitteleuropa gestützt und die Niederschläge fallen entsprechen schwach und spärlich aus. So wird es vielerorts ein trüber Tag, im Westen und Südwesten bei milden 6 bis 11 Grad, am Alpenrand wird es leicht föhnig.
Da der Gradient aber nicht sonderlich stark ausgeprägt ist, dauert es mit einer durchgreifenden Milderung bei noch stärkerem Südosteinschlag des Windes von der unteren Donau bis zur Ostsee noch etwas länger und gebietsweise kann der Regen noch gefrierend sein. Tagsüber bleibt bei dahinsiechendem Schnee in diesen Regionen teils anhaltend neblig trüb bei -1 bis +4 Grad maximal.
Am Mittwoch schwenkt der Rücken ostwärts ab und wir geraten noch näher an die Vorderseite des Westeuropatroges heran. In die südwestliche Höhenströmung ist ein leicht wellendes Frontensystem eingebettet, das von Westen auf Deutschland übergreift. Dessen Intensität und Ausgreifen südostwärts ist noch mit größeren Unsicherheiten behaftet. Sollte sich die Kaltluftschicht über Schneeresten bei nächtlichen Auflockerungen von Vorpommern über das Zittauer Gebirge bis nach Niederbayern und zum Alpenrand nochmal regenerieren können, sind örtlich nochmals "Schweinereien" in punkto Glatteisbildung denkbar. Eine überregionale Glatteislage droht aber aller Voraussicht nach nicht mehr.
Am Donnerstag schwenkt der Trog unter Abschwächung nordostwärts durch und die südwestliche Strömung bekommt vorübergehend einen stärkeren antizyklonalen Touch. Gleichzeitig stößt ein kräftiger Randtrog vom Atlantik Richtung Biskaya vor. In der gealterten Mittelmeerluft mit T850 um 0°C über uns bleiben Auflockerungen bei allenfalls mäßigen südlichen bodennahen Winden selten. Am ehesten kann der Süden profitieren sowie die Nordränder der Mittelgebirge. Regen fällt nur noch vereinzelt und am ehesten im Norden und Westen. Ohne Auflockerungen bleiben selbst die Nächte im Süden und Osten frostfrei.
Bis zum Wochenende ändert sich an der beschriebenen Wetterlage wenig bis nichts.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der vergangenen 3-4 Läufe ist relativ hoch. Unsicherheiten betreffen vor allem die Intensität der Randtiefs über Westeuropa, deren Auswirkungen auf Deutschland überschaubar sind (Intensität der Regenfälle im Nordwesten, Windentwicklung an der Nordsee).
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bis auf kleinere Unschärfen beim Timing und der Intensität der meist schwachen Tiefausläufer aus Westen bestehen keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der Wetterentwicklung in der kommenden Woche untereinander. Einzig das UK10 wartet mit einer kleinen Besonderheit auf, die den Trog bei dessen Passage über uns amplifizieren lässt und somit nebst intensivierenden Randtiefs und Windentwicklung auch eine kurzzeitige Rückseite mit T850 bis -4°C in der Nacht zum Donnerstag bei uns einfließ0en lässt. Kaum mehr als eine Außenseiterlösung.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Sind gut gebündelt und zeigen eine deutliche Erwärmung auf T850 um oder etwas über 0°C im Deutschlandmittel bei wiederholten Niederschlagssignalen vor allem in der Nordwesthälfte.
CLUSTER:
1 Cluster im Mittelfristzeitraum, das den Hauptlauf stützt. Noch Fragen?
FAZIT:
Besiegelte Sachen: Es heißt (vorläufigen) Abschied vom Winter zu nehmen. Bei einer auf Süd drehenden Strömung mit Frontenfriedhof dicht östlich von uns vollzieht sich zum Wochenanfang eine deutliche Milderung. Dabei bleibt es auch aufgrund des langsam tauenden Schnees vielfach neblig-trüb und örtlich fällt etwas Regen oder Sprühregen, im Osten und Süden anfangs teils noch gefrierend. Bei Übergang in die erweiterte Mittelfrist und gleichzeitig dritte Januardekade verdichten sich die Anzeichen eines erhöhten Sturmpotential.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GLATTEIS (UNWETTER):
Am Dienstag von Vorpommern die Oder und Neiße entlang über das Erzgebirge bis nach Niederbayern örtlich noch gefrierender Regen mit Glatteisbildung (UNWETTER), im Tagesverlauf nur zögernde Milderung.
Am Mittwoch nur noch an exponierten Stellen in Vorpommern, im Zittauer Gebirge und in Teilen Niederbayerns stellenweise noch gefrierender Regen möglich.
STURM:
Auf den Inseln reicht es wahrscheinlich bis Samstag noch nicht für Sturmböen, am ehesten auf den Bergen. Exponiert, wie auf dem Brocken, kommt es zeitweise auch zu schweren Sturmböen (Bft 10) aus Süd bis Südwest. In den Clustern häufen sich beim Übergang in die erweiterte Mittelfrist die Anzeichen für ein Sturmevent. Der EFI reagiert darauf noch nicht.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, AIFS, AICON, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen





