Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 23.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
HM
Zunehmende Hitze, teilweise extrem. Im Süden vereinzelte Gewitter, auch unwetterartig.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... liegen wir im Einflussbereich eines Hochs über der Nordsee und eines zugehörigen Höhenrückens über Südwesteuropa mit Höhenhoch über der Biskaya. Das Omegamuster rund um den Höhenkeil ist zunächst stationär, während das Bodenhoch seinen Schwerpunkt nach Südosten verlagert und kommende Nacht über dem östlichen Mitteleuropa liegen soll.
Dabei lagert über der Südwesthälfte eine schwülheiße Luftmasse, in der die Minima gebietsweise über 20°C blieben und wo es tagsüber auf 29 bis 36°C hoch geht. Unter stark antizyklonalem Einfluss ohne jegliche dynamische Hebung kommt es kaum zur Auslöse der durchaus vorhandenen Labilität (PPW >30 mm, MU Cape an die 2000 J/kg). Lediglich mit Hilfe der Orografie über dem südlichen Bergland entstehen einzelne Gewitter. Auch wenn dort die Feuchte und Labilität nicht ganz an die über dem Westen herankommt, sind starke Gewitter möglich, die vereinzelt unwetterartig ausfallen können. Starkregen >25 mm in kurzer Zeit, Hagel um 3 cm und Sturmböen (inverses V und D Cape bis 1000 J/kg) sind möglich.
In der nordwestlichen Höhenströmung über der Nordosthälfte laufen kurzwellige Tröge mit schwacher Hebung nach Südosten. Dort ist vor dem Hoch eine stabilere, weniger heiße und etwas trockenere Luft eingeflossen, sodass dort konvektiv nichts passiert. Nach Frühwerten um 15°C wird es dort mit oft weniger als 30°C im Maximum angenehmer, an den Küsten mit auflandigem Wind ist es noch besser. Dabei scheint deutschlandweit meist die Sonne, garniert mit einigen Wolkenfeldern.
Ein aktuell, am Dienstagmorgen, über dem Ostausgang des Ärmelkanal nach Osten bis Südosten ziehender MCS soll sich nach Stand der Dinge über Belgien auflösen und den Westen Deutschlands höchstens mit einigen Wolken betreffen.
In der Nacht zum Mittwoch lösen sich die Gewitter im Süden, rein aus dem Tagesgang kommend, wieder auf. Im Südwesten sinkt die Temperatur gebietsweise nicht unter 20°C, ganz im Nordosten sind Frühtemperaturen stellenweise bis 10°C oder knapp drunter möglich.
Mittwoch... dehnt sich das Höhenhoch nach Norden aus, der Schwerpunkt liegt über dem Ärmelkanal. Das Bodendruckfeld über Mitteleuropa zeigt sich schwachgradientig. Dabei schwächt sich die Hochzelle südöstlich von uns ab und entfernt sich zum Balkan, wird dann rasch von einem neuen Hoch über GB und der Nordsee ersetzt.
Der antizyklonale Einfluss mit Absinken geht weiter. Nach dem "kühlsten" Tag der Woche nimmt die Hitze erneut Fahrt auf.
Die heiße Luft dehnt wieder nach Norden aus. In 850 hPa sind es zwischen 15°C an der Ostsee und 22°C im Südwesten. Die Temperatur steigt wieder fast überall über 30°C, im Südwesten, Westen gebietsweise über 35°C, in der Spitze vereinzelt bis 38°C.
In der Südwesthälfte ist die Luftmasse zwar potentiell instabil, der Deckel durch das Absinken hält aber. Wahrscheinlich nur ganz im Süden, im Bergland über dem Südschwarzwald und in den Alpen können sich vereinzelte Gewitter bilden, die auch stark sein können und unwetterartig, wenn sie denn entstehen. Die Begleiterscheinungen wären ähnlich wie am Dienstag, die Wahrscheinlichkeit, dass sich was bildet, ist geringer als heute.
Im Norden und Osten ist die Schichtung stabiler und dort stellt sich die Frage nach Konvektion eigentlich nicht. Die Feuchte nimmt zwar nach Nordwesten hin zu, das resultiert im Wesentlichen aus einer feuchten Schicht rund um 800 hPa, darunter und darüber ist es viel trockener. Erneut scheint wieder meist die Sonne, oft bis ans astronomische Limit.
Die Nacht zum Donnerstag verläuft wieder sehr ruhig. Im Norden mit einigen Wolken, sonst teils klar, aber wieder sehr mild bis warm. Die Temperaturen liegen in der Südwesthälfte gebietsweise um 20°C, in Großstädten und Ballungsräumen geht es nur bis 23/24°C runter.
Donnerstag... kommt etwas Bewegung ins ganze Strömungsmuster. Angeschoben durch einen sich kräftigenden Trog vor der Iberischen Halbinsel zieht der Hochrücken nach Mitteleuropa. Das Höhenhoch soll über NW Deutschland liegen. Das Bodendruckfeld gibt nicht viel her über Mitteleuropa, dem schwachen Hoch über der Nordsee steht leichter Druckfall über Deutschland gegenüber, der mit der Annäherung einer Tiefdruckrinne über Frankreich zusammenhängt.
Außer das der Ostwind im Südwesten etwas auflebt, ändert sich aber fast nichts. Die Luft wird im Nordwesten immer feuchter, instabil geschichtet ist sie oft ohnehin. Der Rücken und der damit verbundene Deckel, halten aber die in weiten Landesteilen vorhandene Labilität im Zaum. Vielfach wird es sonnig.
Die 17 bis 23°C in 850 hPa lassen verbreitet 30 bis 39°C erwarten. Nur im äußersten Norden bleibt es angenehmer mit weniger als 30°C. Das Ende der Fahnenstange in Sachen Hitze ist damit aber noch nicht mal erreicht. Das Wochenende legt wohl noch einen drauf.
Ohne Hebung stehen die Chancen auf hochreichende Konvektion schlecht. Im Bergland wären vereinzelte Gewitter vielleicht nicht ganz ausgeschlossen. Hinweise darauf sind modellseitig nur sporadisch zu finden. Die Nacht zum Freitag wird gebietsweise wieder warm. Über der Mitte und dem Süden liegen die Frühwerte um 20°C oder etwas darüber, in Ballungsräumen wird als Min schon die 25°C ins Visier genommen. Auch die Nächte bringen somit keine echte "Erfrischung" mehr. Im Norden und am Alpenrand gibt es regional um 15°C.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren ähnlich. Mit der Hitze geht es wieder nach oben, die ohnehin nicht mehr vielen Gewitter nehmen ab. Maximum der Hitze dann in der Mittelfrist.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 23.06.2026 um 10.30 UTC
Bis Sonntag Fortdauer der außergewöhnlichen Hitzewelle. Dabei zunehmende Gewitterneigung mit Gefahr einzelne Unwetter. Zu Wochenbeginn im Norden kühler, im Süden nach wie vor sehr warm bis heiß.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 30.06.2026
Die derzeit herrschende historische Hitzewelle erreicht zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am Freitag und Samstag, ihren Höhepunkt. Verantwortlich dafür ist ein äußerst robuster Höhenrücken, der sich am Freitag vom westlichen Mittelmeerraum über Mitteleuropa bis nach Südskandinavien erstreckt und beständig gefüttert bzw. gestützt wird von WLA vorderseitig eines Höhentiefs westlich der Biskaya.
In Laufe der Nacht zum und am Samstag stößt vom mittleren Nordatlantik ein kräftiger Höhentrog Richtung Ostatlantik vor, wodurch das Höhentief sich als zunehmend flacher Randtrog nordostwärts in Bewegung setzt und auf die Britischen Inseln übergreift. Durch den zusätzlichen WLA-Push kann sich der vorgelagerte Rücken sogar noch etwas verstärken (auf nahe 594 gpdam über dem östlichen Mitteleuropa!), wird aber langsam nach Osten abgedrängt, so dass sich vor allem über dem Westen und Nordwesten des Vorhersagegebietes eine noch weitgehend antizyklonal konturierte südwestliche Höhenströmung einstellt. Bereits am Freitag greift im Bodenfeld von Benelux her eine flache Tiefdruckrinne auf West- und Nordwestdeutschland über und kommt am Samstag nur langsam ein wenig nach Osten voran, während sich ein durch den Rücken gestütztes Hochdruckgebiet über dem östlichen Mitteleuropa bzw. Osteuropa noch etwas verstärkt. Damit kann sich die Advektion heißer Tropikluft ins Vorhersagegebiet noch verstärken. Bereits an den Vortagen erreichten die Maxima in Frankreich Rekordwerte von 40 bis 45 Grad, und diese Luftmasse macht sich nun auf den Weg nach Mitteleuropa. T850 hPa steigt am Freitag auf 20 bis 24 Grad, am Samstag sogar noch ein wenig darüber, was zu dieser Jahreszeit wohl rekordverdächtig sein dürfte. Die Prognosesoundings zeigen eine hochreichende Mischungsschicht (bis 700 hPa; eigentlich handelt es sich schon um eine Art kontinentale Tropikluftmasse).
Somit ist diese Luftmasse hochreichend labil geschichtet mit steilen Lapse Rates und vor allem im Bereich der Tiefdruckrinne erreichen die Instabilitätsparameter an beiden Tagen, vor allem aber am Samstag extreme Werte (2000 bis 3000, kleinräumig sogar 4000 J/kg Cape, PPWs über 40 mm), wobei die Luftmasse vor allem dort leicht gedeckelt ist. Was generell fehlt, ist ein Trigger für Auslöse, kurzwellige Troganteile sind keine auszumachen. Dennoch kann es mit Hilfe der Orographie an beiden Tagen, eher aber am Samstag, vor allem im Bereich der Mittelgebirge für einzelne kräftige Gewitter reichen, die dann rasch Unwetterpotenzial, vor allem aufgrund von Starkregen und Hagel erreichen.
Im Fokus steht aber die Temperaturentwicklung. Bereits am gestrigen Montag wurden in West- und Zentralfrankreich Maxima zwischen 40 und knapp 45 Grad erreicht. Diese Luftmasse wird nun peu à peu Richtung Mitteleuropa advehiert. Vor allem am Freitag scheint zudem landesweit die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel, während sich am Samstag im Nordwesten ein paar Wolken zeigen. Mit der Durchmischung klappt es am Freitag im Südwesten, am Samstag dann auch in der Mitte und im Osten am besten, während die Luftmasse im Nordwesten und Norden eher gedeckelt ist. Dort reicht es für Höchstwerte zwischen 32 und 38 Grad, wobei der Schwülegrad der Luftmasse aufgrund des Deckels und der dadurch bedingten höheren Taupunkte extrem hoch sein dürfte. Lediglich an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es angenehmer. Ansonsten dürften aber am Freitag im Südwesten und Westen, am Samstag dann über die Mitte bis in die Osthälfte zumindest gebietsweise die 40 Grad fallen, zahlreiche Junirekorde werden erreicht, auch der absolute Deutschlandrekord für den Juni von 39,6 Grad dürfte locker und deutlich überschritten werden. Ob es sogar für den absoluten Deutschlandrekord (41,2 Grad) reicht, hängt vom Saharastaubeintrag ab, der in einem Bogen über die Iberische Halbinsel und die Britischen Inseln von Westen her nach Deutschland advehiert wird und die Einstrahlung ein wenig hemmt. Nach Lesart der aktuellen Modelle soll er grade im Südwesten her gering ausfallen, dann könnte sogar dieser Rekord fallen. Angesichts der Maxima in Frankreich wären ohne Saharastaubeintrag Maxima bis nahe 43 Grad denkbar!
Am Sonntag greift der breite Höhentrog vom Ostatlantik langsam auf die Britischen Inseln über. Der vorgelagerte Höhenrücken bleibt sehr robust, wird aber allmählich Richtung Osteuropa abgedrängt, Montagfrüh erreicht dessen Achse bereits den Osten Polens und das Baltikum.
Somit stellt sich landesweit eine südwestliche Höhenströmung ein, die vor allem über dem Osten und Süden antizyklonal konturiert bleibt, während über den Nordwesten in der Nacht zum Montag ein flacher Randtrog hinwegschwenkt. Vorderseitig wird etwas Hebung induziert und die Tiefdruckrinne im Bodenfeld kommt zusammen mit der instabilen Luftmasse langsam südostwärts voran. Getriggert durch den nun auch dynamisch vorhandenen Hebungsantrieb reicht es nun vor allem innerhalb der Rinne für häufigere und teils kräftige Gewitter, die kleinräumig nach wie vor Unwetterpotenzial aufweisen und in der Nacht zum Montag auch auf den Südosten übergreifen. Ob Cape und markante Scherung günstig überlappen für größere mesoskalige Systeme und somit einer großräumigen Unwetterlage, ist noch unklar, erscheint aber eher wenig wahrscheinlich. Es bleibt bei zunehmender Schwüle landesweit heiß, im Süden und Osten sind nochmals Maxima bis 40 Grad möglich. Lediglich in den Nordwesten und Norden gelangt rückseitig der Rinne von Nordwesten her eine etwas kühlere Luftmasse. Ein Wort noch zu den nächtlichen Minima: Auch diese dürften in den drei Nächten von Freitag bis Montag rekordverdächtig ausfallen. Vielerorts, vor allem in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen, werden die 20 Grad nicht unterschritten. Auch 25 Grad als Minimumtemperatur sind nicht ausgeschlossen!
Zu Beginn kommender Woche kommt der breite Höhentrog über West- und Nordwesteuropa nur langsam nach Osten voran, während der Rücken über Osteuropa robust bleibt und sich dort letztendlich ein eigenständiges Höhenhoch etabliert. Zum Dienstag greift dann nach Lesart des IFS von der Biskaya her ein recht markanter Randtrog auf Frankreich über.
Somit bleiben wir auf der Vorderseite des Langwellentroges unterhalb einer südwestlichen Höhenströmung, die überwiegend relativ glatt konturiert ist. Kurzwellige Troganteile, die auch über dem Vorhersagegebiet etwas dynamischen Hebungsantrieb liefern können, wird es sicherlich geben, eine markante Trogpassage ist aber vorerst nicht in Sicht.
Im Bodenfeld weitet sich ein Keil des Azorenhochs über die Britischen Inseln bis zur Nordsee, am Dienstag auch bis nach Südskandinavien und zur Ostsee aus und verstärkt sich. Südlich davon bleiben vor allem der Süden und die Mitte des Landes im Einflussbereich einer flachen Tiefdruckrinne, deren genaue Lage noch unklar ist. Mit Annäherung des Randtroges am Dienstag wird sie aber wieder etwas nach Norden gedrückt.
An deren Nordflanke strömt in den Nordosten und Norden des Landes von der Ostsee her eine deutlich angenehmere und nicht mehr so heiße, aber immer noch warme, trockene und stabile Luftmasse. Bei zeitweise auflebendem Wind aus Nordwest bis Nordost liegen die Höchstwerte dort allgemein unter 30 Grad, an den Küsten auch nur wenig über 20 Grad.
Weiter südlich, im Bereich der Tiefdruckrinne, bleibt die Luftmasse hingegen potenziell instabil geschichtet, sehr warm bis heiß und schwül. Die 20 Grad in 850 hPa werden aber nicht mehr oder lediglich noch ganz im Südosten erreicht, die extreme Hitze ist also draußen, dennoch ist nach wie vor mit Maxima über 30 Grad zu rechnen. Je nach Timing und Ausprägung eventueller kurzwelliger Troganteile kann es an beiden Tagen teils kräftige Gewitter geben, durchaus mit Unwetterpotenzial, vor allem am Dienstag. Auch die genaue Lage der Rinne und Luftmassengrenze ist noch unklar, tendenziell kommt sie am Dienstag aber wieder etwas nach Norden voran.
Zu Wochenmitte greift dann der Höhentrog langsam auf Mitteleuropa über. Bereits zu Wochenmitte hat sich über dem Bereich der Azoren bzw. knapp nördlich davon ein extrem starkes Höhenhoch etabliert mit einem Geopotenzial von über 600 gpdam, was ebenfalls rekordverdächtig sein dürfte. Dieses stützt ein außergewöhnlich kräftiges Azorenhoch, von dem ausgehend sich ein kräftiger Keil Richtung Mitteieuropa schiebt.
Somit wird die Tiefdruckrinne zusammen mit der schwülheißen Luftmasse rasch aus dem Vorhersagegebiet nach Osten verdrängt und der erwähnte Keil schiebt sich über Frankreich nach Süddeutschland. Mit westnordwestlicher Strömung gelangt somit landesweit eine "nur noch" mäßig warme Luftmasse mit T850 hPa zwischen 6/7 Grad im Nordwesten und 10 bis 12 Grad im Südosten ins Vorhersagegebiet. Vor allem im Norden und Osten bleibt es dabei leicht unbeständig, während im Südwesten und Süden der Hochkeil für oft störungsfreies Wetter bei einem angenehmen Temperaturniveau sorgt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Den drei letzten IFS-Läufen kann eine gute Konsistenz bescheinigt werden. Der grobe Fahrplan steht, im Detail gibt es aber ab Sonntag und zu Wochenbeginn Differenzen bzgl. der Lage und Wetteraktivität der Luftmassengrenze einerseits und der Abfolge eventueller kurzwelliger Troganteile andererseits. Letztendlich wird die größte Hitze zu Wochenmitte auch aus der Südhälfte verdrängt. Den dafür verantwortlichen Randtrog (siehe im Text oben) habend er aktuelle und der gestrige 00 UTC-Lauf etwas progressiver und markanter auf der Agenda als der gestrige 12 UTC-Lauf, nach dessen Lesart die Hitze aus Süddeutschland auch danach nicht so richtig verdrängt werden kann.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die vorliegenden Globalmodelle unterscheiden sich ab Sonntag zunächst nur bzgl. der Verlagerungsgeschwindigkeit der
Kaltfront/Tiefdruckrinne/Luftmassengrenze sowie der Abfolge und Wetterwirksamkeit kleiner kurzwelliger Troganteile. Tendenziell sind GFS und GEM bzgl. der Rinne am Sonntag etwas progressiver aufgestellt als ICON und IFS, nach ICON würde die Cape/Shear-Überlappung besser passen, was eine großräumigere Unwetterlage zur Folge hätte.
Während GFS und GEM die Luftmassengrenze am Montag und vor allem am Dienstag etwas weiter südlich platzieren als IFS, hat das IFS den Randtrog am Dienstag markanter auf der Agenda, so dass auf dessen Vorderseite die LMG noch einmal bis fast nach Norddeutschland vorankommen kann, ehe in der Nacht zum Mittwoch mit Passage einer Kaltfront auch dort die Hitze quasi "mit Pauken und Trompeten" also durchaus mit einer nennenswerten Unwetterlage, ausgeräumt werden kann.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Alle vier Cluster im Zeitraum 72 bis 96 Stunden haben den eindrucksvollen Höhenrücken über Mitteleuropa auf der Agenda, werden somit dem Großwetterlagenregime "Blocking" zugeordnet und unterscheiden sich kaum voneinander.
Im nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden) sind alle ENS-Member lediglich einem Cluster zugeordnet. Es bleibt bei "Blocking", wobei sich der Rücken - wie auch im Hauptlauf - langsam Richtung Osteuropa verlagert. Damit wird der Weg zwar frei für Höhentröge, die vom Ostatlantik zumindest auf Westeuropa übergreifen können, dennoch kommt es - wie bereits im obigen Text erwähnt - zum Aufbau extrem hohen Geopotenzials im Bereich der Azoren, wobei der von dort Richtung Ostatlantik gerichtete Keil eine stärkere Austrogung über West- bzw. Mitteleuropa verhindert und auch im Bodenfeld das Azorenhoch sehr kräftig und relativ weit westlich platziert ist. Das verhindert eine nachhaltig zyklonal konturierte West- bis Nordwestlage über Kontinentaleuropa, es dominiert ein eher antizyklonales Muster.
Auch in der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) bleibt es beim Blocking. Nach Lesart des CL 1 (27 Member, zzgl. Haupt- und Kontrolllauf) schafft es aber tatsächlich ein markanter Trog, Richtung Mitteleuropa vorzustoßen, wodurch das nach wie vor kräftige Azorenhoch etwas nach Westen abgedrängt wird (zum Ende hin sogar Großwetterlagenregime "atlantic Ridge). Das hätte eine zyklonale und kühle Nordwestlage Richtung übernächstes Wochenende zur Folge.
CL 2 (24 Member) tendiert dagegen Richtung West bzw. Nordwest antizyklonal mit einem kräftigen, nach Mitteleuropa gerichteten Azorenhochkeil, der vor allem Süddeutschland weiterhin beständiges Sommerwetter bescheren würde bei einem allerdings deutlich angenehmeren Temperaturniveau als vorher.
Ob zyklonal oder antozyklonal in der erweiterten Mittelfrist - ab Beginn, verschärft dann ab Mitte kommender Woche gibt's bzgl. der Kurvenschar der ENS-Member der 850 hPa-Temperatur in den Rauchfahnen ausgewählter Gitterpunkte nur eine Richtung: Bergab. Vom anfangs hohen Niveau (20 bis 25 Grad) geht das Gros der Member für die Gitterpunkte in Norddeutschland auf unter 10 Grad zurück, im Süden befindet sich der Median meist im Bereich zwischen 11 und 15 Grad. Nach wie vor gibt es aber vor allem für die süddeutschen Gitterpunkte auch in der zweiten Wochenhälfte noch sehr warme bzw. heiße Einzellösungen mit Werten um 20 Grad in 850 hPa.
Die Niederschlagssignale halten sich insbesondere im Westen und Südwesten (Nähe zum Azorenhochkeil) in Grenzen, wobei die Niederschläge überwiegend konvektiver Art sind und sehr inhomogen verteilt sein werden.
FAZIT:
Die Hitze dauert landesweit bis zum Sonntag an mit dem Höhepunkt am Freitag und Samstag. An beiden Tagen sind verbreitet neue Temperaturrekorde zu erwarten, die 40 Grad (gab es im Juni noch nie) dürften fallen, im (un)günstigsten Fall (wenig Saharastaub) auch der absolute Deutschlandrekord von 41,2 Grad. Danach wird es zumindest im Norden deutlich angenehmer, aber auch aus Süddeutschland dürfte die Rekordhitze zu Wochenbeginn verschwinden. Es bleibt aber vor allem im Süden zunächst noch tendenziell sehr warm bis heiß. Erst in der zweiten Wochenhälfte deutet sich auch dort eine deutlichere Entspannung an. Ob das in einer zyklonalen und kühlen Nordwestlage mündet oder sich ein eher antiyzklonales Muster einstellt. Bleibt abzuwarten.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
EFI zeigt es eindrucksvoll: Der Hitzepol mit vielen neuen Rekorden verschiebt sich während der Mittelfrist von Westeuropa (GB, Frankreich am Do und Fr) über Mittel- (Fr, Sa) nach Osteuropa. Die Wärmebelastung bleibt im Vorhersagegebiet also bis mindestens Sonntag stark bis extrem, ehe sie zumindest im Norden deutlich zurückgeht.
Des Weiteren stehen ab Samstag kräftige, teils unwetterartige Gewitter auf der Agenda. EFI Cape/Shear springt vor allem im Westen und Nordwesten an, am Sonntag mit deutlicheren Signalen als am Samstag. Lokale Hitzegewitter erreichen schnell Unwetterpotenzial, aber eben nur sehr kleinräumig. Ob es dann ab der Nacht zum Sonntag für ein größeres mesoskaliges System reicht, was eine großräumigere Unwetterlage zur Folge hätte, bleibt abzuwarten. Ausgeschlossen ist so ein Szenario jedenfalls nicht. Zu Wochenbeginn sind die unwetterartigen Gewitter dann eher wieder lokaler Natur und betreffen vor allem die Mitte bzw. den Süden des Landes. Allerdings deutet der IFS-Hauptlauf zum Dienstag hin eine durchaus großräumigere Unwetterlage an.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, MOSMIX (ist bzgl. der Höchstwerte am Fr und Sa aber recht
zurückhaltend, da es solche Werte zu dieser Jahreszeit noch nicht kennt).
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





