Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 28.08.2025 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Kommende Nacht im Süden, am Freitagvormittag im Osten gebietsweise Starkregen, teils gewittrig.
Freitagnachmittag und -abend in Südostbayern einzelne markante Gewitter (Starkregen) möglich.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines amplifizierenden Langwellentroges über West- bzw. Südwesteuropa. Die Haupttrogachse reicht inzwischen über Zentralfrankreich bis zum Osten der Iberischen Halbinsel, so dass sich über dem Vorhersagegebiet eine recht kräftige, vom westlichen Mittelmeerraum über die Alpen bis ins nördliche Mitteleuropa reichende südwestliche Höhenströmung etablieren konnte. Mit dieser wird sehr warme und feuchte Mittelmeerluft gen Nordosten geführt und sorgt vor allem in den Südalpen und in Norditalien für ordentlich "Bambule", aktuell in Form mehrerer, parallel stratiformer MCS, die dort in den kommenden Stunden einigen Regionen katastrophale Regemengen und dem Norden Italiens (Po-Ebene) sicherlich die ein oder andere fotogene Superzelle inklusive Großhagel bescheren dürfte. Nun denn - bei uns geht es, trotz deutlich zyklonaler "Einschläge", um einiges ruhiger zur Sache. Die instabilste Luftmasse wurde inzwischen nach Osten abgedrängt, und das ist im heutigen Tagesverlauf auch relativ geräuschlos vonstattengegangen. Ein MCS hat sich aus der Nacht hinaus am Vormittag über die mittleren Landesteilen hinweg ostnordostwärts verlagert, führte aber lediglich vom Erfurter Becken bis ins südliche Sachsen-Anhalt zu markanten Regenmengen, an wenigen Stationen wurden auch die Kriterien für Unwetter zumindest knapp gerissen. Mittags und nachmittags zog das System unter deutlicher Abschwächung rasch nordostwärts ab.
In der Frontenanalyse war das MCS an eine Frontalwelle gekoppelt. Die zugehörige, aufgrund höhenströmungsparalleler Exposition weiterhin wellende Kaltfront erreicht aktuell den äußersten Osten und Südosten des Vorhersagegebietes. Im Vorfeld stellte sich in Südostbayern leichter Föhn ein, der aber alsbald zusammenbrach, während die Temperaturen in der Lausitz mit einem größeren Sonnenfenster nochmals auf örtlich über 30 Grad stiegen. Unmittelbar an der Westflanke der (Ana)Front blieb es ganztägig stark bewölkt bis bedeckt und es regnete mit nach Abzug des MCS nur noch meist leichter bis mäßiger Intensität. Die Regenfälle verlagerten sich in der Südhälfte allmählich ostwärts, in der Osthälfte nordnordostwärts.
Niederschläge gibt es auch im Westen/Nordwesten, die inzwischen teilweise auch die mittleren Landesteile erfasst haben. Diese sind allerdings ausschließlich konvektiver Natur und fallen in Form von Schauern und auch einzelnen Gewittern. Ursache für deren Auslöse ist eine leidlich labile Luftmasse maritimen Ursprungs, die mit Einstrahlung ein wenig aufheizen konnte, entsprechend wurden mehrere 100, gebietsweise über 500 J/kg Cape generiert bei PPWs um bzw. knapp über 30 mm. Unterstützend wirken dabei schwacher dynamischer Hebungsantrieb durch diffuse kurzwellige Troganteile auf der Vorderseite des Langwellentroges sowie eine weitere Kaltfront, die inzwischen von Benelux her auf den äußersten Westen des Vorhersagegebietes übergegriffen hat. Aufgrund der recht markanten Scherung traten bzw. treten die Gewitter teils linienförmig organisiert auf, die Begleiterscheinungen spielen sich jedoch im überwiegend markanten Bereich ab.
Im Laufe der kommenden Nacht wird der Langwellentrog durch einen von Nordwesten her einlaufenden kurzwelligen Troganteil über Westfrankreich regeneriert, mit seinem Südteil kommt der Trog nun bis zum westlichen Mittelmeerraum voran. Die ehemalige Haupttrogachse verliert über Frankreich deutlich an Kontur und verlagert sich als Randtrog bis Freitagfrüh nach Westdeutschland. Die Kaltfront über dem Westen des Landes kommt somit zunächst relativ rasch ostwärts voran, verliert dann aber an Schubkomponente und löst sich auf bzw. läuft in die vorgelagerte wellende Front über dem Osten und Südosten des Landes. Diese wird nämlich durch weitere Frontalwellen nach wie vor eingebremst bzw. wird über dem Westalpenraum und Südostfrankreich mit Etablierung eines oder mehrerer MCS, die langsam nordwärts ziehen, sogar wieder etwas nach Norden gedrückt.
Das Verhalten der aktuell bereits vorhandenen mesoskaligen Systeme im Nordwesten Italiens und den Südalpen ist auch so ein wenig Zünglein an der Waage, was die weitere Wetterentwicklung in der kommenden Nacht vor allem im Süden des Landes angeht. Zwar werden die Systeme von den aktuellen Läufen der Konvektion erlaubenden Modelle einigermaßen gut erfasst, im Detail ergeben sich jedoch Unterschiede, vor allem, was die Intensität angeht, wenn die Reste im Laufe der Nacht auf Süddeutschland übergreifen.
ICON-D2 hat aktuell zwei Systeme im Fokus: Eines streift im Laufe der ersten nachthälfte noch das Berchtesgadener Land mit schauerartigen Regenfällen und vereinzelten Gewittern, die aber relativ rasch nordostwärts abziehen. Ob es für ein Überschreiten der Warnschwellen für Starkregen (ein- oder mehrstündig) reicht, ist noch unklar, die Wahrscheinlichkeiten dafür sind aber im aktuellen I-D2-EPS nur gering.
Interessanter ist ein weiteres System, das bereits in den späten Abendstunden von der Schweiz her auf Baden-Württemberg und von dort aus bis Freitagfrüh nach Franken bzw. Südthüringen vorankommt. In dessen Zugbahn hat ICON-D2-EPS vor allem vom Schwarzwald bis nach Mittelfranken erhöhte Wahrscheinlichkeiten für überwiegend mehrstündigen Starkregen auf der Agenda, ebenso später im Raum Bodensee-Allgäu. Der aktuelle ICON-RUC Lauf schlägt in eine ähnliche Kerbe. Insgesamt sollen sich die "konvektiven Einschläge" innerhalb des Regenclusters nach Lesart beider Modelle in Grenzen halten, nur selten und sehr kleinräumig tauchen Regionen mit mehr als 25 l/m² (die dann meist in 1 bis 3 Stunden fallen) in den Lösungen der deterministischen Modelläufe auf. Von Unwettermengen ganz zu schweigen. Anders verhält es sich dagegen beim SuperHD (Lauf von 06 UTC). Das Modell simuliert vor allem in der zweiten Nachthälfte und in Mittel- bzw. Oberfranken bis ins sächsische Vogtland gebietsweise sogar unwetterartige Mengen. Angesichts der Tatsache, dass der Modelllauf schon deutlich älter ist und die aktuelle Entwicklung nicht so gut erfasst haben dürfte, wird bzgl. der Kommunikation der Möglichkeit unwetterartiger Mengen aber aktuell eins ehr defensiver Kurs gefahren.
Noch ein kurzer Blick auf die Schauer und Gewitter in der Nordwesthälfte. Diese kommen noch ein wenig nach Norden und Osten voran, schwächen sich aber im Laufe der Nacht tagesgangbedingt alsbald ab. Leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Starkregen hat I-D2-EPS in der ersten Nachthälfte vor allem in Nordfriesland und im nordöstlichen Niedersachsen auf der Agenda.
Während es im Süden und Osten meist stark bewölkt bis bedeckt bleibt, lockern die Wolken sonst auch mal stärker auf, örtlich bildet sich flacher Nebel. In mäßig warmer Meeresluft (Westhälfte 8 bis 10 Grad in 850 hPa, Osten/Südosten 9 bis 12 Grad) kühlt es in der Westhälfte auf 15 bis 10 Grad, nach Osten zu auf 17 bis 13 Grad ab.
Freitag ... schwenkt die regenerierte Trogachse bis zum Abend von der Biskaya/Südengland nach Zentralfrankreich, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet etwas aufsteilt. Der nur noch flache Randtrog zieht über die Mitte und den Norden des Landes rasch nordostwärts hinweg. Der Regen- und Gewittercluster aus der Nacht dürfte somit rasch über die Osthälfte des Landes nordostwärts ziehen. Nach wie vor hat I-D2 deutlich geringere und auch nicht mehr warnrelevante Mengen auf der Agenda und bereits am Nachmittag bleibt es nach Lesart des Modells - abgesehen vom Nordosten - in weiten Teilen der Osthälfte trocken. Ganz anders nach wie vor SuperHD, aber auch AROME und das ECMWF basierte SwissHD: Vor allem vormittags haben diese Modelle für Teile der Osthälfte noch markante, kleinräumig sogar unwetterartige Mengen auf der Agenda, letzteres Modell sogar noch am Nachmittag. Allen Modellen gemein ist allerdings ein weiterer Cluster, der am Nachmittag aus den Alpen heraus auf den Süden und Südosten Bayerns (Alpenrand, Alpenvorland bis zum Bayerwald) übergreift. Wahrscheinlich geschieht das in Form schauerartiger, teils gewittriger Regenfälle, eventuell entwickeln sich im Vorfeld auch etwas kräftigere Einzelzellen. Die Zutaten sind allerdings nicht berauschend; maximal können wenige 100 J/kg Cape generiert werden bei auf unter 30 mm sinkenden PPWs. Maximal werden dort eventuelle Gewitter von kleinkörnigem Hagel und markantem Starkregen begleitet.
In der Mitte und im Westen beginnt der Tag dagegen überwiegend trocken mit sonnigen Abschnitten. Die sich nähernde Trogachse korrespondiert mit einem markanten Bodentrog und einem kleinen Randtief, das sich bis zum Abend zur südwestlichen Nordsee verlagert. Mit Annäherung des Troges werden die Wolken im Westen allmählich dichter und nachmittags/abends gibt es vom Schwarzwald bis zum zur Deutschen Bucht gebietsweise schauerartigen Regen bzw. einzelne Schauer, kurze Gewitter nicht ganz ausgeschlossen.
Im Einflussbereich mäßig warmer Biskayaluft steigt die 850m hPa-Temperatur am Nachmittag auf 9 Grad im Nordwesten und 10 bis 12 Grad sonst. Somit liegen die Höchstwerte - je nach Sonne - zwischen knapp unter bzw. um 20 Grad bei vielen Wolken an den Alpen bzw. nahe der Grenze zu Polen und knapp 25 Grad mit viel Sonne irgendwo in den mittleren Landesteilen.
In der Nacht zum Samstag kommt die Achse des Langwellentroges bei erneuter deutlicher Amplifizierung nur noch langsam ostwärts voran, erreicht in den Frühstunden aber immerhin den äußersten Westen des Vorhersagegebietes. Der dynamische Hebungsantrieb auf dessen Vorderseite hält sich in Grenzen und resultiert hauptsächlich aus etwas PVA.
Der vorgelagerte Bodentrog überquert samt eingebetteter teilokkludierter Kaltfront das Vorhersagegebiet im Laufe der Nacht ostwärts und erreicht morgens die Osthälfte, entfernt sich aber zu schnell vom Höhentrog und verliert somit an Kontur. Präfrontal bzw. mit Frontpassage gibt es zwar noch einzelne Schauer, das Gewitterrisiko tendiert allerdings gegen Null und in Summe kommen kaum nennenswerte Mengen zusammen. Lediglich im Südosten gerät die Front vorübergehend ins Schleifen, so dass es von der Alb bis ins Alpenvorland gebietsweise auch mehrstündig regnet, ohne das Warnschwellen erreicht werden. Die schauerartigen Regenfälle bzw. einzelnen Gewitter vom Nachmittag/Abend in Südostbayern ziehen im Laufe der Nacht allmählich über Tschechien nordostwärts und streifen dabei auch das Erzgebirge bzw. die Oberlausitz. I-D2 hat vor allem Richtung Zittauer Bergland in der ersten Nachthälfte dabei durchaus warnrelevante Mengen auf der Agenda, UK10 sogar noch weiter nördlich, in Ostbrandenburg.
Mit Frontpassage frischt der Wind aus West auf, bleibt aber voraussichtlich unterhalb der Warnschwellen (Brocken eventuell Bft 8 bis 9). Postfrontal lockern die Wolken zeitweise stärker auf, einzelne Schauer gibt es dann am ehesten noch im Nordseeumfeld. Die Minima liegen meist zwischen 15 und 10 Grad, an den Küsten etwas darüber.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... hat sich gegenüber den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Relevantes geändert. Der Trog tropft über der Adria ab, das Residuum erreicht abends/eingangs der Nacht unter deutlicher Verkürzung der Wellenlänge und kaum mehr wetterwirksam die Osthälfte Deutschlands.
Der am Vormittag nach Polen abgezogenen Kaltfront folgt ein Schwall erwärmter maritimer Subpolarluft (T850 8 bis 10 Grad), innerhalb derer sich noch einzelne schwacher Schauer, eventuell auch mal ein kurzes Gewitter entwickeln, bevorzugt im Nordseeumfeld, im Süden und Südosten (dort fällt anfangs auch noch etwas Regen).
Ansonsten folgt ein flacher Höhenkeil, der sich durch WLA vorderseitig eines sich neu etablierenden Zentraltiefs mit Kern um 18 UTC knapp westlich der Hebriden über dem westlichen Mitteleuropa aufwölbt. Dieser stützt einen schwachen Bodenhochkeil über Süddeutschland. Somit scheint neben lockeren Quellwolken auch immer wieder mal die Sonne, lediglich im Südosten bleibt es noch länger stark bewölkt bei Höchstwerten zwischen 18 Grad am Alpenrand und 24, vielleicht knapp 25 Grad mit mehr Sonne in Brandenburg.
In der Nacht zum Sonntag bzw. in den Frühstunden erfasst dann das Frontensystem des Zentral- bzw. Sturmtiefs bei den Hebriden, das sich noch etwas verstärken kann, mit leichten schauerartigen Regenfällen den äußersten Westen und Nordwesten des Landes. Sonst bleibt es teils wolkig, teils klar und nach Abklingen der letzten Schauer trocken bei Minima zwischen 17 Grad am Niederrhein und 7 Grad örtlich im Südosten.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Problematik bzgl. der Niederschläge in der kommenden Nacht und am Freitagvormittag im Süden und Osten Deutschlands wurden im Text angesprochen. Es wird weiterhin der defensive Kurs gefahren, da I-D2 die aktuellste Entwicklung besser im Griff haben dürfte als die meisten anderen hochauflösenden Modelle. AROME hat im aktuellsten Lauf ebenfalls die Mengen etwas reduziert, dennoch weiterhin höhere RR-Summen als I-D2 bzw. I-RUC auf der Agenda.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 28.08.2025 um 10.30 UTC
Wechselhaft mit Schauern und einzelnen Gewittern. Sonntag/Montag gebietsweise auch gewittriger Starkregen. Allmählicher Temperaturrückgang, zu Beginn kommender Woche maximal nur noch mäßig warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 04.09.2025
Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am Sonntag, geraten wir auf die Vorderseite eines umfangreichen Zentraltiefs bei Schottland. Der zugehörige Langwellentrog greift unter Amplifizierung auf die Britischen Inseln und die Biskaya über. Bereits am Vormittag greift die Kaltfront des Zentraltiefs auf den Westen Deutschlands über und gerät auf dem Weg nach Osten immer mehr ins Schleifen, da der Trog zurückhängt und noch westlich von uns bleibt. Präfrontal bzw. mit Frontpassage werden nur zunächst wenige Niederschläge simuliert. Auch, wenn in den Warmsektor erneut eine warme und sehr feuchte Luftmasse in den Südosten gesteuert wird, dürfte es kaum für Gewitter reichen. Insgesamt wird nochmals ein Schub warmer Luft aus dem Raum der Biskaya ins Vorhersagegebiet gesteuert, sodass es mit Maxima zwischen 22 und 26 Grad, an der Nordsee um 20 Grad nochmals warm wird. Der Wind nimmt allerdings präfrontal zu. Es reicht nur dann über der Deutschen Bucht und auf exponierten Gipfeln (Brocken) eventuell für einzelne stürmische Böen aus Süd.
In der Nacht zum und am Montag tagsüber überquert der Trog die Britischen Inseln und greift allmählich auf das westliche Mitteleuropa bzw. die Nordsee über, bis Dienstag dann auch auf das Vorhersagegebiet. Vorderseitig wird die wellende Kaltfront des Zentraltiefs nördlich von Schottland wieder aktiviert. Dabei deuten die Modelle die Passage einer Frontalwelle an, wobei es bezüglich der Zugbahn aber noch Unterschiede gibt. Vor allem an der Nordwestflanke der Welle kann es kräftiger und konvektiv, also mit Gewittern durchsetzt regnen, gebietsweise ist auch mehrstündiger Starkregen wahrscheinlich. Dies betrifft die Regionen von Rheinland-Pfalz über Hessen und das östliche Niedersachsen bis zur Ostsee und zwischen dem Bodensee und dem westlichen Alpenrand. Bis Montagabend zieht dann die Frontalwelle nordostwärts ab.
Rückseitig setzt sich am Montag und Dienstag mäßig warme Atlantikluft, innerhalb derer es zu weiteren Schauern und auch kurzen Gewittern kommt. Die Luftmasse bleibt feucht, so dass als Begleiterscheinung neben Böen Bft 7 bis 8 kleinräumig auch mal Starkregen auftreten kann. T850 hPa geht bis Dienstag allmählich auf 6 bis 10 Grad zurück, so dass es nur noch mäßig warm wird mit Maxima zwischen 17 und 22 Grad, am Montag nach Osten zu nochmals bis 24 Grad.
Bis Mittwochvormittag schwenkt der Trog weiter ins östliche Mitteleuropa, gefolgt von einem schwachen Höhenkeil, der sich durch kräftige WLA vorderseitig einer erneuten Austrogung über den Britischen Inseln über Mitteleuropa aufwölbt und bis zum Abend das Vorhersagegebiet bereits passiert hat. Bereits in der Nacht zum Donnerstag greift dann das Frontensystem des mit dem Trog korrespondierenden Bodentiefs auf Deutschland über. Somit stellt sich am Mittwoch lediglich eine vorübergehende Wetterberuhigung ein. Schauer gibt es nur noch vereinzelt, am ehesten im Nordwesten sowie im Süden. Ansonsten kommt auch mal länger die Sonne durch und die Temperaturen steigen wieder etwas an. Bereits am frühen Abend werden die Wolken von Westen wieder dichter, gefolgt von schauerartigen Niederschlägen, die bis Donnerstagfrüh auch die Osthälfte erfassen.
Am Donnerstag greift dann dieser Höhentrog allmählich von West- auf Mitteleuropa über und beschert dem Vorhersagegebiet einen wechselhaften Witterungsabschnitt mit Schauern und Gewittern bei wieder etwas zurückgehenden Temperaturen, die bis Ende nächster Woche anhält.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der IFS-Läufe ist bis Mitte nächster Woche gut. Demnach liegt Deutschland im Einflussbereich eines imposanten Zentraltiefs bei Schottland. Dabei geraten wir auf die Vorderseite eines Langwellentroges über West- bzw. Nordwesteuropa. Somit steht ein unbeständiger und mäßig warmer Witterungsabschnitt ins Haus. Im weiteren Verlauf verbleibt Deutschland weiterhin unter Tiefdruckeinfluss, jedoch nehmen die Unsicherheiten bzgl. der Position und Ausprägung des Langwellentroges, der über dem Nordatlantik liegt, zu. Die kurzwelligen Anteile machen dann den Unterschied. Auf jedem Fall steht uns eine nasse bis sehr nasse Woche vor allem im Südwesten und Süden bevor
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Globalmodelle sehen die Wetterentwicklung sehr ähnlich wie das IFS. Also der grobe Fahrplan steht. Unterschiede ergeben sich allerdings dann mit der Frontalwelle in der Nacht zum Montag und am Montag tagsüber. Diese haben zwar alle Modelle mehr oder weniger auf der Agenda, allerdings mit leicht voneinander abweichenden Zugbahnen, was entsprechende Differenzen bzgl. der Niederschlagsprognosen zur Folge hat. Auf jedem Fall dürfen gebietsweise nach allen Modellen mit recht hoher Wahrscheinlichkeit die Warnschwellen für Stark- und vielleicht sogar Dauerregen überschritten werden. Unwetterartige Mengen stehen allerdings derzeit nicht zur Debatte.
Auch danach geht es mit Tiefdruckeinfluss unbeständig weiter. Die Lage und Zugbahn der einzelnen Tröge bzw. Höhentiefs werden aber zu Beginn der erweiterten Mittelfrist zunehmend unterschiedlich simuliert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte sind bis Mitte nächster Woche eng gebündelt. Dabei geht die 850-hPa-Temperatur langsam zurück, von grob 12 auf 6 Grad. Das Geopotential ist relativ niedrig und es gibt reichlich Niederschlagssignale. Der Tiefdruckeinfluss überwiegt und von einer Trogvorderseite gerät Deutschland mit der Ostverlagerung des Haupttroges immer mehr an seine Rückseite, sodass zunehmend kühlere Meeresluft gelangen kann. Ab Mitte nächster Woche nimmt der Spread zu, wobei die meisten Member eine kühle und zyklonale Witterung aufweist. Aber es gibt welche, die einen deutlichen Temperaturanstieg zeigen.
Die Clusteranalyse zeigt für den Zeitraum 72 bis 96 Stunden 3 Cluster mit Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1. Alle zeigen ein sehr ähnliches Muster: das kräftige Zentraltief bei Schottland und der langwellentrog über West- bzw. Nordwesteuropa.
Im Zeitraum 120 bis 168 Stunden gibt es 4 Cluster mit Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1. Nach Lesart beider Cluster greift der Westeuropatrog langsam auf Mitteleuropa über, wird aber im Verlauf im Bereich der Britischen Inseln bzw. knapp westlich regeneriert. Unterschiede ergeben sich in erster Linie bzgl. der Trog- bzw. Frontenpassagen und der Geometrie der Tröge, was wiederum Einfluss auf die Niederschlagsprognosen im Detail hat.
Deutlich auseinander gehen die Einzelmember dann im erweiterten Mittelfristzeitraum ab der zweiten Hälfte der kommenden Woche (192 bis 240 Stunden). 6 Cluster sind dann zur Verfügung, von Trog Mitteleuropa bis Trog Westeuropa ist alles dabei. Die meisten Lösungen sind kalte Lösungen. Aber es gibt ein paar warme Lösungen, wenn die neue Austrogung westlich von uns bleibt. Dann gelangen wir erneut unter einer südwestlichen Strömung.
FAZIT:
Der grobe Fahrplan steht. Es bleibt wechselhaft mit Schauern und Gewittern, aber durchaus auch freundlichen Abschnitten zwischendurch bei einem gemäßigten Temperaturniveau.
Die räumliche Verteilung und Intensität der zumeist konvektiven Niederschläge sind natürlich noch mit Unsicherheiten behaftet, die bzgl. der Frontalwellenentwicklung entlang der Kaltfront ab der Nacht zum Montag bis Montag tagsüber durchaus auch Warnrelevanz aufweisen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Als signifikante Wettererscheinungen stehen in erster Linie konvektiv durchsetzte Niederschläge auf der Agenda ein, als einzelne kräftige Gewitter oder als mehrstündiger, konvektiv durchsetzter Starkregen.
Von der Nacht zum Montag bis Montag tagsüber besteht mit der Passage einer Frontallwelle ein erhöhtes Potenzial für kleinräumig auftretenden Starkregen, eventuell mit Gewittern durchsetzt. Die Schwerpunkte der Niederschläge dürften von Rehinland-Pfalz bis ins östliche Niedersachsen und zwischen dem Bodensee und dem westlichen Alpenrand. Unwetterartige Mengen sind nach heutiger Sicht sehr gering. In den EPS-Verfahren schlägt das allerdings noch nicht zu Buche, dazu dürften die Ereignisse zu kleinräumig ausfallen.
Auch danach bleibt es im Einflussbereich labil geschichteter, mäßig warmer Meeresluft unbeständig mit Schauern und auch Gewittern, die angesichts der recht hohen Feuchte neben Böen Bft 7 bis 8 auch von lokal eng begrenztem Starkregen begleitet werden können.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta