Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 19.01.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Insgesamt ruhiges Hochdruckwetter.
Im östlichen Bereich der sächsisch-tschechischen Grenze Böhmischer Wind bis zur Sturmstärke, nur zögerlich nachlassend.
Im Südosten und Osten ab der Nacht zum Mittwoch wieder verbreiteter strenger Frost.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... liegt Mitteleuropa auf der Westflanke eines Hochdruckgebietes, dass sich von Belarus bis nach Bulgarien erstreckt. Im Laufe der Nacht wird es in seinem nördlichen Bereich etwas abgebaut, so dass sich sein Schwerpunkt leicht nach Süden verlagert. Gestützt wird diese Hochdruckzone von einem Höhenhoch, dass über Zentralpolen weitgehend ortsfest durch die Nacht kommt. Dem Hochdruckgebiet steht über Westeuropa bzw. dem nahen Ostatlantik ein Tiefdruckgebiet gegenüber, dass sich auf seinem Weg in Richtung Südwestspitze Irlands im Laufe der Nacht vertieft, da es entwicklungsgünstig auf der diffluenten Vorderseite des dazugehörigen Langwellentroges seine Bahn zieht (der Langwellentrog tropft dabei in seinem südlichen Teil ebenfalls in Richtung Südwestspitze Irlands ab). Ausgangs der Nacht liegt der Kerndruck des Tiefs knapp unter 985 hPa, wodurch sich zwischen dem Tief und dem Osteuropahoch eine weitgehend südliche Strömung einstellt. Diese präsentiert sich zumeist schwach, allenfalls lokal auch mäßig, die Ausnahme von dieser Regel bildet der östliche Teil der sächsisch-tschechischen Grenze. Dort bekommt der Wind durch eine kräftige Unterstützung aus dem Böhmischen Becken (Böhmischer Wind) einen Zusatzimpuls, so dass dort auch stürmischen Böen Bft 7, eventuell auch Sturmböen Bft 8 auftreten können, wobei im Laufe der Nacht eine leichte Tendenz zur Windabschwächung. Lediglich im Westen und Südwesten halten sich gebietsweise Hochnebelfelder bzw. breiten sich wieder etwas aus und lokal kann sich Nebel bilden - dies allerdings nur unterhalb von 500 bis 700 m, weil oberhalb die Absinkinversion die Luftmasse austrocknet und damit abgesehen von gebietsweise hohem Gewölk für klaren Himmel sorgt. In den übrigen Gebieten bleibt es ohnehin meist klar. Frostfrei präsentieren sich allenfalls der Westen (am ehesten wohl am Niederrhein und im westlichen Ruhrgebiet) und höherer Mittelgebirgslagen, die in die Inversion hineinragen. Ansonsten gibt es verbreitet leichten, nach Osten und Süden zu sowie generell in den Mittelgebirgstälern mäßigen Frost, in Südostbayern, am ehesten in den ostbayerischen Mittelgebirgstälern sowie in einigen Alpentälern eventuell auch strengen Frost. Glätte sollte kaum eine Rolle spielen und ist am ehesten durch gefrierendes Nebelnässen stellenweise im Westen, Süden und in der Mitte denkbar.
Dienstag ... nimmt das Höhenhoch eine Verbindung mit einer Zone hohen Geopotentials über dem östlichen Mittelmeer auf und wandelt sich entsprechend in einen Rücken um, der nach Norden bzw. Nordwesten bis ins östliche Mitteleuropa reicht - und nach wie vor dem tiefen Luftdruck über Westeuropa blockierend gegenübersteht. Entsprechend kommt der scharfe und zunehmend kurzwellige Trog vor Irland / Westeuropa bei moderater Amplifizierung kaum weiter nach Osten voran. Das Bodenhoch über Südosteuropa schwächt sich weiter ab und verlagert seinen Schwerpunkt nach Rumänien und über das schwarze Meer, dafür beginnt der Druck über Nordskandinavien im Bereich eines sich verstärkenden Höhenrückens allmählich zu steigen. Über dem Vorhersagegebiet setzt sich dagegen leichter Druckfall fort, was der ruhigen Hochdruckrandlage aber keinen Abbruch tut. Somit ändert sich wettertechnisch gegenüber dem Vortag kaum etwas. Erneut halten sich in einigen Regionen Südwest- und Westdeutschlands (am ehesten im westlichen Rheinischen Schiefergebirge, rund um Saar und Nahe, am Oberrhein sowie von Oberschwaben bis zur Ostalb und ins Unterallgäu bzw. ins Donauries) gebietsweise ganztägig Nebel bzw. Hochnebel. Ansonsten scheint aber überwiegend die Sonne. Im Osterzgebirge bzw. im Zittauer Bergland weht nach wie vor warnrelevanter Südostwind, der wohl auch noch bis in die Nacht zum Mittwoch andauert. Die Advektion der trockenkalten Festlandsluft führt tendenziell zu einem leichten Temperaturrückgang gegenüber dem Vortag. In 850 hPa beträgt die Temperatur, wie auch am Vortag, etwa 2 bis 6 Grad, bodennah reicht es aber meist nur noch für Höchstwerte zwischen 0 und 4 Grad. Lediglich in den höheren Lagen Baden-Württembergs und im Nordwestlee der westlichen Mittelgebirge können bis zu 7 Grad erreichet werden. Im Nordosten und Südosten bleibt es zumindest regional dauerfrostig.
In der Nacht zum Mittwoch zieht sich unser Höhenrücken tatsächlich etwas weiter nach Südosten zurück bzw. schwächt sich etwas ab, damit kann der nach wie vor scharfe Kurzwellentrog von der Biskaya her nordostwärts bis zum Pas de Calais übergreifen, wobei er mehr und mehr eine nordostwärts statt ostwärts gerichtete Zugbahn einschlägt. Das Höhenhoch über Nordeuropa verstärkt sich dagegen und somit auch im Bodenfeld eine vom Nordwesten Russlands bis nach Nord- und Mittelskandinavien reichende Hochdruckzone. Zwischen dieser und dem tiefen Luftdruck über Westeuropa (während sich das Tief an der Südwestspitze Irlands auffüllt und nach Norden wandert kommt ein zweites, kräftiges Tief (Kerndruck am Morgen knapp unter 970 hPa) bis ins Seegebiet südwestlich von Island voran) verschärft sich der Gradient vor allem über Nordwestdeutschland. Über der offenen Nordsee frischt der Wind somit aus Ost auf, morgens kann es über der Deutschen Bucht eventuell schon erste steife Böen Bft 7 geben. Warnrelevant bleibt der Südostwind auch am Osterzgebirge und im Zittauer Bergland mit Böen Bft 7, exponiert eventuell auch Bft 8. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten: Vor allem im Westen und Südwesten hält sich gebietsweise Hochnebel, örtlich bildet sich auch dichter Nebel, an der Grenze zu Benelux ziehen zudem mit Annäherung eines okkludierten Frontensystems (gehört zum sich abschwächenden Irland-Tief) hohe Wolkenfelder durch. Auch in den Norden Schleswig-Holsteins driftet von Norden her nach Lesart vieler Modelle tiefer Stratus herein. Im Rest des Landes ist der Himmel klar und es gibt erneut verbreitet leichten bis mäßigen, im Südosten gebietsweise auch strengen Frost. In einigen Niederungen Westdeutschlands bleibt es dagegen frostfrei. Glätte ist lediglich in den Nebelregionen eventuell Thema.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... und in der Nacht zum Donnerstag lässt sich keine durchgreifende Wetteränderung erkennen. Der Langwellentrog über Westeuropa wird regeneriert, auch im Bodendruckfeld wird das "alte" Tief von einem neuen (oben schon erwähnten) Tief "ersetzt". Zwar können sich dadurch nicht nur hohe, sondern auch mittelhohe und tiefe Wolken in den Westen schieben, nennenswerter Niederschlag ist damit aber nicht verbunden (genau genommen lässt nur ICON etwas Regen im äußersten Westen aufkommen. Da der Druck über Skandinavien steigt, bleibt der Gradient über dem Norden und Nordwesten straff aufgestellt mit Sturmböen Bft 8 über der offenen Nordsee und steifen Böen Bft 7 an den Küsten. Von lokalen zähen Hochnebelfeldern abgesehen ist es verbreitet sonnig. Die Höchstwerte liegen zwischen 0 und 8 Grad, im Nordosten und Südosten herrscht leichter Dauerfrost. Nachts kühlt es ab auf 2 (lokal im Westen) bis -11 Grad (lokal im Südosten).
Gegenüber der Frühübersicht sind keine durchgreifenden Änderungen in den Prognosen zu konstatieren.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die Abläufe der kommenden Tage sehr ähnlich. Warnrelevante Unterschiede lassen sich aus den geringen Modellunterschieden nicht ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 19.01.2026 um 10.30 UTC
Leicht unbeständig am Rand eines Blockings über Nordeuropa. Meist nur leichte Niederschläge.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 26.01.2026
Am Donnerstag, dem ersten Tag des Mittelfristzeitraums, reicht eine blockierende Hochdruckzone vom Nordmeer über Skandinavien bis nach Osteuropa. An ihrem Rand wird sehr kalte kontinentale Luft nach Westen geführt, sie erreicht uns aber vorerst nicht und bleibt über Ost- und Nordeuropa. Tiefdruckgebiete laufen sich derweil über dem nahen Nordatlantik vor Westeuropa fest, oder werden mit ihren Ausläufern ins Mittelmeer gesteuert. Im Südwesten und Westen Deutschlands ist es recht mild, nach Nordosten hin gibt es Dauerfrost. Die östliche Strömung ist nach Norden zu recht kräftig mit teils stürmischen Böen an den Küsten. Am Freitag hält das blockierende Hoch über Nordosteuropa und die östliche bodennahe Strömung bei uns über Mitteleuropa. Ein Sturmtief über dem Ärmelkanal dreht später nach Nordwesten ein. Dessen Ausläufer können aber in abgeschwächter Form den Südwesten und Westen erreichen. Dort ist dann Regen möglich, örtlich gefrierend. An der See bleibt es teils stürmisch aus Ost. Während in die Nordosthälfte kalte Luft einfließt, in der oft Dauerfrost herrscht, sind im Südwesten und Westen mildere Luftmassen wetterbestimmend, die für Tageshöchstwerte von +2 bis +8 Grad gut sind.
Am kommenden Wochenende zieht sich die Hochdruckzone etwas zurück und Deutschland rückt auf die Vorderseite eines Troges über West- und Südwesteuropa. Im Bodendruckfeld geraten wir in schwachgradientige Verhältnisse unter leichten Tiefdruckeinfluss. Der Wind lässt auch an den Küsten nach und die Reste der höhenmilden Luft werden getilgt. Allerdings bleibt ein Temperaturgegensatz über Deutschland bestehen. In der Nordosthälfte gibt es meist Dauerfrost, sonst liegen die Temperaturen zumindest tagsüber leicht über dem Gefrierpunkt. In den Nächten tritt meist leichter bis mäßiger Frost auf. Dazu kommen gebietsweise leichte Niederschläge, teils als Schnee, im Südwesten und Westen meist als Regen.
Daran ändert sich trotz leichten Druckanstiegs auch zum Beginn der nächsten Woche nicht viel.
Die Entwicklung in der erweiterten Mittelfrist wird sehr unsicher. Der aktuelle Lauf zeigt sogar das Übergreifen von atlantischen Tiefs mit milder Meeresluft bei uns.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des europäischen Modells ist zunächst recht gut, sie schwächelt aber im Verlauf der Mittelfrist. Es ist allerdings auch schon zu Beginn nicht ganz raus, in welchem Maße abgeschwächte Tiefausläufer mit etwas Niederschlag den Südwesten erreichen. Am Wochenende sieht alles nach Tiefdruckeinfluss mit leichten Schnee-, im Südwesten Regenfällen aus. Zum Ende laufen die Lösungen auseinander. Die Vorläufe ließen aus Nordosten sehr kalte Kontinentalluft einfließen, die aktuelle Lösung bringt von Westen her Tiefausläufer mit Niederschlägen und milderer Meeresluft.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Trotz einiger Unschärfen haben die anderen betrachteten Globalmodelle keine grundsätzlich anderen Lösungen parat. Der Trend geht zu leichter Unbeständigkeit mit einem Südwest- Nordosttemperaturgefälle. Eine extrem kalte Lösung, sprich die Zufuhr "sibirischer Kaltluft" nach Mitteleuropa ist nicht zu finden, auch wenn GFS in der erweiterten Mittelfrist einen Kaltlufttropfen von Nordosten zeigt, der dann tatsächlich mal eine Luftmasse mit T850< -10°C zu uns bringt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Ensembles stützen anhand der Rauchfahnen diverser deutscher Städte die Aussagen des Hauptlaufs. Der Spread der Kurven ist zunächst gering, der Hauptlauf fügt sich gut in die Ensembles ein. Zum Wochenende beginnen die Temperaturverläufe vor allem im Süden und Westen deutlicher zu streuen. Die Niederschlagssignale ab dem Wochenende sind schwach.
Die Clusterung liefert bis +168 jeweils ein Cluster, das das starke Blocking zeigt. Es verlagert sich dabei aber retrograd Richtung Grönland. Über Mitteleuropa sind leicht zyklonale Verhältnisse erkennbar. Erst danach werden zwei Cluster angeboten. In Cluster 1 mit dem Hauptlauf und möglicher Milderung auf einer Trogvorderseite, Cluster 2 mit 23 Membern zeigt den sich regenerierenden Hochdruckeinfluss bei uns und die kalte Luft.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Schwache Tiefausläufer können zum Freitag hin im Südwesten und Westen leichte Regenfälle bringen, die aber lediglich vereinzelt, weil es dort noch am mildesten ist, für gefrierenden Regen gut sein können. An den Küsten herrscht ein kräftiger Gradient, der stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen von Donnerstag bis Samstag möglich macht. In den Nächten tritt zunächst im Osten und Südosten gebietsweise strenger Frost auf. Die Wahrscheinlichkeit dafür nimmt wegen der zunehmenden Bewölkung zum Wochenende hin eher ab. Kräftige Schneefälle sind aber unwahrscheinlich.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mos Mix, IFS und ENS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner





