Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 05.01.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
TrM
Winterlich kalt, vielerorts Dauerfrost, nachts und vormittags im Süden/Südosten strenger Frost.
Heute bis in die kommende Nacht in Teilen von Schleswig-Holstein kräftige Schneeschauer, Unwetter möglich. Sonst nur gebietsweise leichte Schneefälle, im Süden und Osten überwiegend trocken.
Am Mittwoch im Nordseeumfeld sowie in einigen Hochlagen stürmische Böen bzw. Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... befindet sich Deutschland weiterhin an der Südflanke eines umfangreichen Höhentrogkomplexes, der weite Teile Nord- und Nordosteuropas überdeckt. Ein inzwischen recht breiter und mit mehreren kurzwelligen Anteilen ausgestatteter Randtrog reicht inzwischen, ausgehend von kleinen Höhentiefs über Südwestnorwegen und der Nordsee, über Benelux sowie Nord- und Westfrankreich südwestwärts bis zur Iberischen Halbinsel bzw. nach Nordwestafrika. Auf dessen Vorderseite hat sich über dem Vorhersagegebiet inzwischen eine südwestliche Höhenströmung eingestellt.
Das kleinräumige Höhentief über der Nordsee zieht bis zum Abend allmählich nach Schleswig-Holstein und beginnt sich aufzufüllen, während die Hauptachse des Troges dann den Nordwesten des Vorhersagegebietes erfasst. Dynamische Hebungsprozesse auf dessen Vorderseite sind nicht allzu ausgeprägt, zudem ist die darin involvierte Luftmasse polaren bzw. eigentlich sogar arktischen Ursprungs und zeichnet sich durch einen nur sehr geringen Wasserdampfgehalt aus (PPWs 4 bis 8 mm, spezifische Feuchte in der Grundschicht 2 bis 4 g/kg). Entsprechend fallen die durch die trogvorderseitige Hebung ausgelösten Niederschläge überwiegend gering aus. Dennoch gibt es Ausnahmen, dazu braucht es aber einen detaillierteren Blick ins Geschehen innerhalb der unteren Troposphäre.
Wie bereits angedeutet, ist die ins Vorhersagegebiet advehierte Luftmasse überwiegend polaren, teilweise auch arktischen Ursprungs, die Temperaturen in 850 hPa bewegen sich zwischen -8 Grad im Nordwesten und -11 bis -12 Grad im Südosten. Mit Annäherung des Randtroges wird in den Norden und Westen des Landes im Tagesverlauf wieder zunehmend höhenkalte Luft advehiert mit 500 hPa-Temperaturen zwischen -37 und -41 Grad am Nachmittag und Abend, wodurch dort eine deutliche Labilisierung der Luftmasse einsetzt. Im Bodenfeld verlagert sich das mit dem Höhentief korrespondierende Bodentief "BIRTE" im Tagesverlauf nur langsam von der mittleren Nordsee zur Deutschen Bucht, der zugehörige Bodentrog erreicht abends die niederländische und belgische Nordseeküste. Eine vom Tief ausgehende flache Rinne hat inzwischen auf den Norden von Schleswig-Holstein übergegriffen. An dessen Südflanke haben sich im Bereich eines schwach konvergenten Windfeldes über dem relativ warmen Nordseewasser mit Hilfe der diabatischen Komponente (Lake Effekt) teils kräftige Schauer entwickelt, die inzwischen auf den Nordwesten und Norden Schleswig-Holsteins übergegriffen haben und allgemein als Schnee fallen. Aufgrund der nur geringen Verlagerungsgeschwindigkeit des Tiefs dauert diese Schauertätigkeit noch bis in die kommende Nacht hinein an, wobei durch Mehrfachtreffer (es bilden sich teils strömungsparallele Schauerstraßen) vor allem abseits des unmittelbaren Küstenstreifens (dort liegen die Temperaturen meist knapp über 0 Grad) recht große Neuschneemengen von mehr als 5 cm in kurzer Zeit zusammenkommen können. I-D2 und auch andere hochauflösende Modelle simulieren bis 00 UTC kommende Nacht vor allem von der Eiderstedt-Halbinsel bis nach Flensburg bzw. Kiel und nordwestlich davon (Nordfriesland) gebietsweise Mengen zwischen 10 und 20 l/m², kleinräumig auch mehr. Selbst Unwetter mit mehr als 10 cm in weniger als sechs Stunden sind in dieser Region lokal eng begrenzt nicht ausgeschlossen. I-D2 simuliert in Teilen Nordfrieslands am ehesten am Nachmittag und Abend geringe Wahrscheinlichkeiten dafür. Schauer gibt es auch im übrigen Nordseeumfeld (Ostfriesische Inseln), diese fallen aber deutlich schwächer aus. Im übrigen Land beginnt der Tag teils aufgelockert bis gering bewölkt, teils mit hochnebelartiger Bewölkung. Vor allem in der Mitte und in der Osthälfte fällt aus dieser hier und da auch etwas Schneegriesel. In den Regionen Süddeutschlands mit klarem Himmel gab es verbreitet strengen, sonst in der Mitte und im Nordosten teilweise mäßigen, im übrigen Land leichten Frost. Mit Annäherung des Troges setzt im Tagesverlauf, vor allem im Laufe des Nachmittags und Abends, auch im Westen sowie im Norddeutschen Tiefland eine leichte Schauertätgikeit ein. Die Schneeschauer fallen allerdings nur wenig ergiebig aus; oft kann man mit Glättewarnungen operieren, lediglich kleinräumig kommen bis in die Nacht hinein wenige Zentimeter Neuschnee zusammen, am ehesten in einigen Staulagen der westlichen Mittelgebirge um 5 cm.
Am Rande sei noch erwähnt, dass es vor allem im Nordseeumfeld auch für kurze Graupelgewitter mit Böen Bft 7 bis 8 reichen könnte, an der Südflanke des Tiefs sind über der offenen See (Helgoland, eventuell noch Ostfriesische Inseln) einzelne steife Böen (Bft 7) aus West bis Südwest möglich. In den Süden und Südosten des Landes schiebt sich dagegen von Frankreich her ein schwacher Hochkeil. Dort bleibt es somit überwiegend trocken und auch über der Osthälfte klingen die gebietsweise auftretenden leichten Schneegrieselfälle tendenziell eher ab bzw. verlagern sich nordwärts Richtung Ostsee. Vor allem im Südwesten sowie im Alpenvorland, aber auch an den Nordseiten der östlichen Mittelgebirge kann sich im Tagesverlauf auch häufiger die Sonne durchsetzen, gebietsweise bleibt es aber bei dichtem Hochnebel. In den Niederungen West- und Nordwestdeutschlands sowie in Teilen der Osthälfte werden gebietsweise zarte Plusgrade erreicht, im Nordseeumfeld sowieso, ansonsten bleibt es aber bei überwiegend leichtem, in Süddeutschland unter beständigem Hochnebel auch mäßigem Dauerfrost.
In der Nacht zum Dienstag überquert der Höhentrog mit seiner Achse langsam den Nordwesten des Landes und erreicht morgens in etwa die Mitte. Das kleinräumige Bodentief über der Deutschen Bucht zieht etwa zur Elbmündung und füllt sich weiter auf. Vor allem in der ersten Nachthälfte kann es an dessen Nordostflanke in Teilen von Schleswig-Holstein noch kräftige Schneeschauer geben, danach klingen die Schauer ab.
Der Bodentrog greift von Benelux her auf Westdeutschland über, verliert aber an Kontur. Vorderseitig kommen die nur schwachen Schneeschauer im Westen und Nordwesten allmählich ostwärts voran und erreichen auch die Landesmitte und Teile der Osthälfte. Die Neuschneemengen bleiben nach wie vor gering. Im Süden sowie von Ostvorpommern bis zum Erzgebirge bleibt es dagegen trocken und teilweise aufgelockert bis gering bewölkt. Erneut sinken die Temperaturen vom Südschwarzwald bis zum Vogtland und weiter südöstlich in den strengen Frostbereich, ebenso gebietsweise am Erzgebirge sowie im Zittauer Bergland. In den übrigen Regionen bleibt es bei bewölktem Himmel überwiegend bei leichtem bis mäßigem Frost. Glätte tritt in den niederschlagsfreien Regionen aufgrund der trockenen Luftmasse wirklich nur kleinräumig (z.B. durch gefrorenes Schmelzwasser) auf und ist dort nicht wirklich warnrelevant.
Dienstag... amplifiziert der Höhentrog weiter Richtung Marokko/Algerien und kommt somit weiterhin unter Konturverlust und Rückzug der Höhenkaltluft nur langsam nach Südosten voran. Dessen Achse reicht abends über dem Vorhersagegebiet grob von Vorpommern bis nach Südbaden. Auf dessen Rückseite dreht die Höhenströmung wieder auf Nordwest, wobei ein darin eingebetteter knackiger Kurzwellentrog abends auf Schottland übergreift. Im Bodenfeld löst sich das kleinräumige Tief über Norddeutschland nun endgültig auf. Der zugehörige Bodentrog schwenkt ostwärts und ist abends als solcher lediglich noch über der Osthälfte auszumachen, während sich der nach Süddeutschland gerichtete Bodenhochkeil verstärkt und in die mittleren Landesteile ausweitet. Somit klingen die schwachen Schneeschauer über der Landesmitte weiter ab, lediglich im Bereich der Norddeutschen Tiefebene bis etwa zum Nordrand der Mittelgebirge fällt hier und da etwas Schnee, der aber keine messbaren Mengen mehr bringen sollte.
Etwas kräftigere Schauer sind, gekoppelt an einen flachen Bodentrog (IFS hat sogar ein kleines Tief auf der Agenda), am ehesten erneut über der Nordsee möglich, eventuell können an der Küste, insbesondere auf den Inseln hier und da mal ein paar Zentimeter Neuschnee zusammenkommen, auch, wenn die Temperaturen bei auflandigem Wind allgemein über dem Gefrierpunkt liegen. Die Luftmasse ist dort auch noch hinreichend labil für einzelne kurze Graupelgewitter. Vor allem im Südosten kann es erneut längere sonnige Abschnitte geben, ansonsten bleibt es vielerorts bewölkt. An der Luftmasse ändert sich kaum etwas, T850 hPa bewegt sich nach wie vor zwischen -7 Grad im Nordwesten und -11 Grad im Südosten. In den Niederungen West- und Nordwestdeutschlands werden somit erneut leichte Plusgrade erreicht, sonst bleibt es meist bei leichtem, im Süden gebietsweise auch mäßigem Dauerfrost.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich der Kurzwellentrog über Schottland zur Nordsee, während unser bisher wetterbestimmender Randtrog morgens auch den Südosten Deutschlands nun endgültig überquert. Dazwischen schiebt sich ein flacher Hochkeil.
Gekoppelt an den Kurzwellentrog zieht ein Bodentief bis Mittwochfrüh zur mittleren Nordsee und kann sich auf etwa 995 hPa vertiefen. Dessen Warmfront überquert die Deutsche Bucht im Laufe der Nacht nordostwärts, erweist sich aber als kaum wetterwirksam, sondern führt dazu, dass die Luftmasse rasch stabilisiert und die Schauer dort alsbald abklingen bzw. maximal noch in leichte unergiebige skalige Niederschläge - über der See teils Regen, sonst Schnee - übergehen.
Im Rest des Landes dominiert dagegen Absinken und leichter Zwischenhocheinfluss. Während es vielerorts wolkig bis stark bewölkt, gebietsweise auch bedeckt durch hochnebelartige Bewölkung bleibt, zeigt sich der Himmel insbesondere im Südosten und Süden erneut gering bewölkt oder klar. Dort gibt es erneut strengen, sonst leichten bis mäßigen Frost.
Warnrelevant wird allerdings allmählich der Wind. Der Hochkeil über Süddeutschland schwächt sich nur langsam ab, während im Nordwesten mit Annäherung des Tiefs markanter Druckfall einsetzt. Das führt zu einer Gradientverschärfung, die sich windtechnisch angesichts der stabilen Schichtung zunächst lediglich im Nordseeumfeld bemerkbar macht. Vor allem ausgangs der Nacht gibt es dort erste steife Böen (Bft 7), über der offenen See auch stürmische Böen (Bft 8) aus meist südlichen Richtungen. Auch in den Kamm- und Gipfellagen einiger Mittelgebirge kann es erste Böen Bft 7 bis 8 geben.
Mittwoch... überquert der Kurzwellentrog die mittlere und südliche Nordsee und greift abends auf Nordwestdeutschland über. Bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass er sich in zwei Anteile splittet, wobei der nördliche Part abends knapp westlich des Skagerrak aufschlägt.
Auch das Bodentief "zerfällt" in einen Dipol mit Kernen abends (nach Lesart des ICON-EU) knapp westlich der Deutschen Bucht und über dem Skagerrak. Ähnlich wird es auch vom IFS simuliert (beide Drehzentren allerdings jeweils etwas weiter südlich), während das GFS lediglich ein Drehzentrum südlich des Skagerrak auf der Agenda hat. Auf den Wetterablauf im Vorhersagegebiet hat das allerdings tagsüber nur wenig Einfluss.
Mit Annäherung des Tiefs frischt der Wind weiter auf, zumal sich die Hochdruckzone über Süddeutschland nur langsam nordostwärts zurückzieht. Über der offenen Nordsee sowie in den Gipfellagen einiger zentraler und nördlicher Mittelgebirge kann es im Tagesverlauf Sturmböen aus Süd geben, auf dem Brocken auch schwere Sturmböen. Auch sonst sind im Nordseeumfeld sowie in einigen Kammlagen stürmische Böen zu erwarten, im Lee einiger Mittelgebirge sowie in Teilen von NRW und im westlichen Niedersachsen, eventuell auch an der Ostsee steife Böen.
Die teilokkludierte Kaltfront des Tiefs greift nachmittags auf Benelux über, vorderseitig setzen dann im Westen und Nordwesten Deutschlands leichte Schneefälle ein, die über der Nordsee teilweise mit Regen vermischt sind. Die Neuschneemengen bleiben aber gering, lediglich im Stau einiger westlicher Mittelgebirge können um 5 cm zusammenkommen.
Im Rest des Landes bleibt es dagegen trocken und mit dem auffrischenden Süd- bis Südostwind werden vor allem im Lee der östlichen Mittelgebirge und in weiten Teilen Süddeutschlands große Lücken in die Hochnebeldecke gerissen, so dass dort vielerorts die Sonne scheint. Niedertroposphärisch wird es bereits milder, die 850 hPa-Temperatur steigt bis zum Abend auf Werte zwischen -5 Grad an der Nordsee und -9 Grad im Südosten/Osten. Bodennah schlägt sich das aber meist noch nicht durch. Vielerorts gibt es leichten Dauerfrost. Lediglich im Westen und Nordwesten werden in einigen Niederungen positive Höchstwerte zwischen 0 und +3 Grad erreicht.
In der Nacht zum Donnerstag füllt sich nach ICON-EU der südliche Kern des Dipols alsbald auf und schwenkt als Bodentrog rasch über den Norden und die Mitte des Landes ostwärts, morgens erreicht er bereits die Osthälfte. Auch GFS simuliert lediglich einen rasch durchschwenkenden Bodentrog, während sich nach Lesart des IFS der nördliche Kern des Dipols auflöst und der südliche sich knapp südwestlich der Deutschen Bucht einnistet. Entsprechend unsicher gestalten sich noch die Niederschlagsprognosen im Detail. Von Westen greifen die leichten Schneefälle zumindest noch in die mittleren Landesteile, eventuell auch bis in die Osthälfte aus, während nach Süden zu das Niederschlagsgebiet mehr und mehr zerbröselt. Im Westen und Norden könnte mit besserer Durchmischung rückseitig der sich abschwächenden teilokkludierten Kaltfront auch die flüssige Phase ins Spiel kommen, so dass ein gewisses Risiko für Glatteis nicht von der Hand zu weisen ist. Ansonsten bleiben die Neuschneemengen mit 1 bis 5 cm allgemein gering, im Südosten sollte es noch weitgehend trocken bleiben, dort kann es erneut strengen Frost geben. Der Wind weht vor allem im Nordwesten, mit Frontpassage, lebhaft und dreht auf West bis Nordwest, wobei es dort vorübergehend steife, an der Nordsee stürmische Böen geben kann, in einigen Gipfellagen Sturmböen. Insgesamt schwächt er sich im weiteren Verlauf der Nacht aber wieder ab. Im Nordseeumfeld und im Nordwesten bleibt es teilweise frostfrei, sonst gibt es verbreitet leichten bis mäßigen Frost.
Modellvergleich und -einschätzung
Bis einschließlich Mittwoch lassen sich anhand der synoptischen Basisfelder kaum warn- und prognoserelevante Unterschiede ableiten. Im Fokus bleiben bis zu den späteren Abendstunden noch die kräftigen Schneeschauer im Westen und Norden Schleswig-Holsteins. Eventuell muss dort kleinräumig auf Unwetter hochgestuft werden, das lässt sich aber letztendlich nur im Nowcasting entscheiden. Was dann in der Nacht zum Donnerstag passiert, ist im Detail noch unklar.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 04.01.2026 um 10.30 UTC
Auflösung der Atlantikblokade: Zunächst winterlich. Dann Übergang in eine Westwetterlage mit Sturmpotenzial am Freitag.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 11.01.2026
Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am Mittwoch hat sich das atlantische Blocking, das bis Grönland reichte, weitestgehend abgebaut. Übrig geblieben sind ein noch kräftiges Azorenhoch und eine positive Geopotenzialanomalie über Grönland. Somit hat der Umbau der Wetterlage begonnen. Ursache dafür war eine negative Temperaturanomalie über Ostkanada, die über dem Westatlantik Zyklogenese auslöste und somit den Block angreift. Die Zirkulation über dem Atlantik driftet nun in Richtung NAO-positiv.
Zur Mitte der Woche liegt noch ein ausgeprägter Langwellentrog über Zentraleuropa. Er reicht mit seiner Achse weit nach Süden bis nach Algerien. Dabei ist bei uns eine gealterte subpolare Luftmasse wirksam (850-hPa-Temperatur ~ -7 °C.). Ein flaches Tiefdruckgebeit liegt nach dem IFS-Hauptlauf über dem Nordwesten Deutschlands und sorgt in der Nordwesthälfte für Schneeschauer.
Bis Donnerstag baut sich im Seegebiet zwischen Irland und Skandinavien niedriges Geopotenzial auf. Damit verbunden ist ein breiter sich amplifizierender Kurzwellentrog über dem Atlantik, an dessen Vorderseite südlich von Irland eine rapide Zyklogenes ausgelöst wird. Vorderseitig dreht die Strömung über West- und Mitteleuropa auf West bis Südwest, wodurch massive Warmluftadvektion in Gang gesetzt wird. Der europäische Langwellentrog wird somit rasch nach Osten verdrängt, sodass die Warmfront laut IFS bereits auf den Westen Deutschlands übergreifen kann. Dabei geht der Schnee rasch in Regen über.
Am Freitag hat sich der Kurzwellentrog zu einem Langwellentrog amplifiziert, der Westeuropa erfasst. Das zugehörige, sich rasch entwickelnde Sturmtief greift dann voraussichtlich mit seinem Kern auf den Nordwesten Deutschlands über. Es besteht Potenzial für schwere Sturmböen und kräftige Schneefälle mit Verwehungen auf dessen Nordostflanke. Ansonsten gelangt aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest der Süden und die Mitte in den Bereich des weit geöffneten Warmsektors mit 850-hPa-Temperaturen um +1 °C. Auf weitere Details soll hier verzichtet werden, da die Lage noch sehr unsicher ist.
Zum Wochenende überquert das Tief unter Abschwächung die Nordhälfte ostwärts nach Polen, sodass wir auf dessen Rückseite gelangen. Dadurch wird erneut arktische Kaltluft angezapft. Unter Trogeinfluss kommt es wieder zu zahlreichen Schnee- und Graupelschauern. Wie lange diese Rückseite anhält, ist noch unsicher. Laut dem IFS und vielen anderen Globalmodellen bildet sich erneut ein Tiefdruckkomplex über dem Atlantik, auf dessen Vorderseite Warmluft nach Mitteleuropa gelangt.
IFS simuliert dann ab Beginn der neuen Woche dann eine niederschlagsreiche und windige Westwetterlage, mit 850-hPa-Temperaturen von 0 °C im Norden und 0 bis 5 °C im Süden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Position und Stärke des Sturmtiefs werden von den Vorläufen jeweils unterschiedlich bewertet. Betrachtet man jedoch den erweiterten Mittelfristzeitraum ab nächster Woche, so zeigt sich, dass die IFS-Ensembles bei den 850-hPa-Temperaturen einen deutlichen Sprung nach oben gemacht haben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Vergleich zu den anderen Modellen sind bereits am Mittwoch Unterschiede in der genauen Position und Tiefe des kleinen Tiefdruckgebiets über Nordwestdeutschland erkennbar. Dies hat Auswirkungen auf die Position und Intensität der Schneeschauer.
Das Sturmtief am Freitag wird von allen anderen numerischen Modellen simuliert. AIFS berechnet allerdings nur eine flache Welle über Süddeutschland. Auch andere KI-Modelle wie Pangu-Weather und ForeCastNet haben das Sturmtief nur angedeutet.
Die Rückseite am Samstag wird dann wieder von allen Modellen berechnet. Allerdings rechnen vor allem die KI-Modelle bereits für Sonntag mit einem erneuten Westdurchbruch.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen zeigen am Freitag eine deutlichere Streuung bei den 850 hPa-Temperaturen, besonders im Norden und Nordosten. Der Hauptlauf ist hier einer der wärmeren Varianten. Nach Durchsicht aller Pertubationen ziegen sowohl im IFS und auch im GFS der überwiegende Anteil eine Sturmtieflösung. Dennoch zeigen einige Member auch die Wellenlösung, die von den AI-Modellen favorisiert wird.
Auch die Rückseite mit erneuter arktischer Kaltluft wird von den Ensembles unterstützt. Danach machen die neuen IFS-ENS einen deutlichen Sprung nach oben im Vergleich zu den ENS der vergangen Tage. Dabei treten vermehrt Niederschlagssignale. Die Westwetterlage wird dann in der erweiterten Mittelfrist dann auch von nahezu allen Clustern simuliert. Nur ein Cluster mit 4 Mitgliedern zeigt eine erneutes Aufbauen des Atlantikblocks. Allerdings soll in allen Clustern die positive Geopotenzialanomalie über Grönland und den nördlichen Nordmeer erhalten bleiben sodass südliche Zugbahnen der Tiefdruckgebiet forciert werden könnten und wir zumindest Zeitweise in die Kaltluft auf Tiefrückseiten gelangen können. Auch die Sub-Saisonale Vorhersage des IFS reagiert auf diesen Trend mit einer wahrscheinlichen positiven Temperaturabweichung über West-Mittel- und Südeuropa.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Sturmtiefentwicklung mit Milderung im Süden und in der Mitte wahrscheinlich, aber noch nicht sicher ist. Die Wellenlösung ist auch auf Grund der langen Vorhersagedauer noch nicht vom Tisch.
Danach gibt es sehr Wahrscheinlich eine Rückseite am Wochenende mit nochmals winterlichem Wetter.
Der Übergang in eine Westwetterlage zu Beginn der nächsten Woche gilt nun als das wahrscheinlichste Szenario.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Je nach Zugbahn des Sturmtiefs sind (schwere) Sturmböen und im Bergland orkanartige Böen wahrscheinlich. Die Entwicklung eines Orkantiefs mit verbreitet orkanartigen Böen im Tiefland gilt hingegen als unwahrscheinlich.
In der Nacht zum Freitag und am Freitag kann es mit der Warmfront zu gefrierendem Regen kommen. Allerdings wird in fast allen Modellen eine rasche Durchmischung berechnet.
Je nach Zugbahn und Intensität sind an der Nordostflanke des Sturmtiefs am Freitag kräftige Schneefälle mit Verwehungen bis in den Unwetterbereich möglich.
Auf der Tiefrückseite sind am Samstag vorwiegend in den Nordstaulagen einiger Mittelgebirge markante Schneemengen möglich. Des Weiteren besteht die Gefahr von Graupelgewittern mit Sturmböen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, ICON, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold





