Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 06.04.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
NW a, Übergang zu HF a
WIND/STURM:
Heute von der Nordsee bis zur Lausitz Böen von 60 bis 70 km/h (7 bis 8 Bft) aus West bis Nordwest. In Schleswig-Holstein sowie im Nordosten bis ins Oderbruch sowie in einigen exponierten Berglagen Sturmböen um 80 km/h (9 Bft), exponiert an der Ostsee schwere Sturmböen, um 90 km/h (10 Bft) nicht ausgeschlossen. Ab dem Abend abflauender Wind.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... liegt Deutschland im Randbereich eines Troges, der sich über die Ukraine hinweg zum Schwarzmeerraum ausweitet. Das korrespondierende Tief, einst ein Sturmtief, hat den Höhepunkt seiner Entwicklung längst überschritten und wird zum Ausgang des Finnischen Meerbusens gesteuert. Diesem Trog folgt ein Keil, der sich infolge kräftiger und weit im Norden ansetzender Warmluftadvektion über Schottland hinweg nach Norden aufwölbt. Durch diesen Keil wird ein Bodenhoch gestützt, das sich mit seinem Schwerpunkt von Ostfrankreich zu den Benelux-Staaten verlagert. Der hiervon ausgehende und sich noch etwas kräftigende Keil ist nach Südosteuropa gerichtet. Zwischen diesem Keil und den nur zögernd nordostwärts abziehenden Tief bleibt ein kräftiger Gradient bestehen. Während zunächst nur an der Küste Sturmböen auftreten, lebt tagesgangsbedingt der Wind auf. Hinzu kommt eine übergeostrophische Windverstärkung durch antizyklonales Ausfließen bei stabiler Schichtung. An der Nordseeküste sowie östlich der Linie Wesermündung-Oberlausitz sind Windböen Bft 7 und in freien Lagen einzelne stürmische Böen zu erwarten. In Teilen von Schleswig-Holstein sowie von Westmecklenburg bis ins Oderbruch hinein und darüber hinaus auch in den Kamm- und Gipfellagen von Harz und Erzgebirge erreicht der Wind mit Böen Bft 8/9 Sturmstärke. An der Vorpommerschen Ostseeküste sind einzelne schwere Sturmböen nicht auszuschließen. Erst ab dem Abend beginnt der Wind abzuflauen.
In den anderen Gebieten setzt sich mehr und mehr antizyklonaler Einfluss durch. Letzte Schauer sind am Vormittag noch im äußersten Nordostern und am Alpenrand möglich, ansonsten bleibt es trocken und es stellen sich längere sonnige Abschnitte ein. Im Westen und Süden steigt die Temperatur auf 15 bis 20, in Rheinnähe und an der Saar bis 22 Grad. Im Norden und Nordosten bleibt es dagegen mit 10 bis 14 Grad noch relativ kühl.
In der Nacht zum Dienstag verlagert sich das Hoch mit seinem Schwerpunkt in den Nordwesten Deutschlands. Unter geringen Luftdruckgegensätzen kommt die eingeflossene maritime Polarluft zur Ruhe. Der Nordosten ist hiervon noch ausgenommen, dort macht sich noch das Tief mit Zentrum über Estland bemerkbar, wodurch an der Ostsee noch weiterhin Windböen Bft 7 und anfangs durchaus auch einzelne stürmische Böen aus Nordwest zustande kommen. Bis Dienstagfrüh sollte auch dort der Wind abflauen und dann nicht mehr warnrelevant sein. Abgesehen vom äußersten Nordosten klart es deutschlandweit auf. Daher ist leichter, im Nordosten in Bodennähe auch mäßiger Frost zu erwarten. Frostfrei bleibt es nur in Teilen West- und Südwestdeutschlands, dort ist Bodenfrost auf ungünstige Lagen beschränkt.
Dienstag... weitet sich der Höhenkeil in Richtung Nordmeer aus, wodurch ein kräftiges Bodenhoch über Lappland zustande kommt. Der hiervon ausgehende Keil erstreckt sich über Deutschland hinweg nach Südosteuropa. Mittlerweile ist der über Osteuropa liegende Trog ausgetropft, was einen Höhentiefkomplex hervorbrachte. Dieser wird von einem Kurzwellentrog umlaufen, der den Nordosten Deutschlands streift. Aufgrund von Kaltluftadvektion beschränkt sich dessen Wetterwirksamkeit auf flache Wolkenfelder ohne jeglichen Niederschlag. Gestützt durch den Tagesgang kann von Vorpommern bis in die Lausitz sowie auf dem Erzgebirgskamm der Wind noch einmal mit Böen Bft 7 auffrischen. Im Bereich des o.g. Bodenhochkeils erfolgt weitgehend ungehinderte Einstrahlung. Da von Norden her bodennah Kaltluft advehiert wird, ändern sich die Temperaturen gegenüber heute nur unwesentlich.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich die Achse des Bodenhochkeils nur unwesentlich nach Osten. Bei geringen Luftdruckgegensätzen und sternenklarem Himmel ist abgesehen von einigen Regionen West- und Südwestdeutschlands erneut leichter, im Norden und Osten in Bodennähe auch mäßiger Frost zu erwarten.
Mittwoch... schwenkt der Höhenkeil mit seinem nördlichen Teil nach Lappland, wogegen dessen südlicher Teil über Frankreich und dem westlichen Mittelmeer zu finden ist. Hierdurch verlagert sich das Bodenhoch mit seinem Schwerpunkt zum Weißen Meer. Der hiervon ausgehende, über den Nordosten Deutschlands hinweg nach Südosteuropa reichende Keil bleibt jedoch bestehen. Bedingt durch die leichte Verlagerung des Bodenkeils nach Osten dreht die bodennahe Strömung auf östliche Richtungen. Im Randbereich des Bodenhochkeils sorgt großräumiges Absinken für weitgehend ungehinderte Einstrahlung. Durch einen weiteren Kurzwellentrog, der das über Osteuropa liegende Höhentief umläuft, kann der Nordosten Deutschlands erneut von flachen Wolkenfeldern gestreift werden. Daher zeichnet sich ein leichter Temperaturanstieg auf 15 bis 21, in Rheinnähe bis 23 Grad ab. Im Nordosten und im östlichen Bergland werden 10 bis 14 Grad erreicht.
In der Nacht zum Donnerstag greift vom Atlantik kommend ein Trog auf Irland über. Dies hat eine Verkürzung der Wellenlänge des Höhenkeils zur Folge. Dieser nimmt zusehends eine Omega-Form an. Die mit diesem Trog korrespondierende Tiefdruckrinne arbeitet sich bis nach Nordfrankreich vor. Warmluftadvektion lässt dann im Nordwesten und Westen Deutschlands mehrschichtige Bewölkung aufziehen, ohne dass bereits Niederschlag fällt. Zumindest in diesen Gebieten ist dann die Frostgefahr gebannt.
Im Osten und Südosten bleibt der Himmel größtenteils klar, so dass sich dort noch einmal verbreitet leichter Frost oder zumindest Frost in Bodennähe einstellen dürfte.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 06.04.2026 um 10.30 UTC
Unsicheres Frühlingswetter ohne große markante Erscheinungen
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 13.04.2026
Ich stelle das Fazit voran: April, April, der weiß nicht was er will. Und das spiegelt sich in den Modellen, Clustern und Ensembles wider. Es gibt die Wahl zwischen trockener Hochrückseite mit milder Luft in südöstlicher Strömung (GFS), Höhentief mit kalter östlicher Strömung (IFS) und Trogvorderseite mit frischer Südwestströmung (ICON). Die Engländer (UK10) schwimmen eher auf der ICON-Schiene.
Dabei ist der aktuelle IFS Lauf überhaupt kein Ausreißer. Die Lage war gestern schon so ähnlich drin. Der langsam ostwärts propagierende Trog über England wird von der sich zwischen Nordostskandinavien und dem Atlantik bildenden Hochdruckbrücke in die Zange genommen. Das Frontensystem wird überlaufen und okkludiert zusehends. Übrig bleiben am Donnerstag ein bisschen Bewölkung und etwas Regen im Norden. Am späten Donnerstagabend tropft aus dem in allen Luftschichten gut sichtbaren Trog über der Nordsee ein Tief ab. Es verlagert sich in der Nacht zum Freitag südwärts über Deutschland, wird aber schon Freitagmorgen am Boden vom Hochdruck aufgesaugt. Dennoch strömt feuchte Luft ins Land, die vor allem der Südwesthälfte Regen bringt. Vereinzelt lassen sich Blitz und Donner nicht ausschließen, dann sind auch Sturmböen möglich. Bei -3 Grad in 850 hPa fällt in den hohen Lagen der Mittelgebirge sowie in den Alpen Schnee.
Ab Freitagmittag weitet sich der Hochdruckeinfluss aus Nordosten aus. Die Brücke zum Atlantik zerfällt aber, denn ein Tief bei Island nimmt Verbindung zu tiefem Luftdruck über dem Mittelmeer auf. Das übrig gebliebene Höhentief verzieht sich in der zweiten Tageshälfte über die Alpen südwärts. Die Luft trocknet ab, nur noch im Westen, Südwesten und Süden Deutschlands fällt etwas Regen.
Am Samstag dominiert hoher Luftdruck mit trockener Luft und viel Sonnenschein. Die Temperatur liegt dabei im Osten unter 0 Grad in 850 hPa, während im Westen bis zu 5 Grad einströmen. Dieser Zustand ist allerdings nicht lang haltbar. Sowohl das Tief bei Island mit Trog bis knapp vor die Biskaya als auch ein Höhentief über Osteuropa liebäugeln mit der Vorherrschaft bei uns. In der Nacht zum Sonntag setzt sich das Höhentief durch. Es verlagert seinen Schwerpunkt zunächst nach Österreich-Tschechien-Südpolen und legt sich am Sonntag über die Südhälfte Deutschlands. Das Tief über Island zieht sich indes nordwärts zurück, der Trog amplifiziert sich, wird dabei aber deutlich schmaler.
Die Folgetage lassen sich zusammenfassen: Deutschland liegt zwischen tiefem Luftdruck über dem Mittelmeer und hohem Luftdruck über Skandinavien im Zustrom relativ feuchter und kalter Luft aus Osten. Unter dem Höhentief fällt zeit- und gebietsweise etwas Regen, der auch mal in Form von Schauern oder Gewittern kommen kann. Die Temperatur in 850 hPa liegt zumeist unter 0 Grad. Zu Wochenmitte scheint sich das Höhentief nach Nordosten zu verschieben.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
In den ersten Tagen der Mittelfrist ist der aktuelle IFS Lauf seinen Vorgängern sehr ähnlich. Ab Sonntag wendet sich das Blatt. Das Höhentief südöstlich von Deutschland wird heute deutlich stärker gerechnet. Das Zentrum verlagert sich im Tagesverlauf nach Süddeutschland und verbleibt dort bis zum finalen Auffüllen am Dienstag. Das gestern noch für den Beginn der nächsten Woche berechnete Bodentief mit Zugbahn von Frankreich nach Polen ist heute nur noch ein umfangreiches Gebiet mit tieferem Luftdruck und variablen Zentren.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Verglich mit anderen Modellen ergibt signifikante Unterschiede. Schon die Front am Donnerstag wird von den Modellen unterschiedlich simuliert. GFS hält am nachfolgenden Keil länger fest und dadurch den Zustrom milder Luft bis Wochenbeginn aufrecht. ICON lässt ähnlich IFS am Freitag zunächst kalte Luft folgen. Es simuliert allerdings ab Samstag ein Tief über dem Atlantik dominant. Somit geraten wir auf die Vorderseite. Das Höhentief über Osteuropa schmiert ab und hat keinen Einfluss auf unser Wetter.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluster geben alles, lassen aber nicht den Schluss zu, dass die heutige IFS-Lösung das Nonplusultra ist.
Zeitschritt eins liefert volle sechs Lösungen (11:11:11:8:7:3), alle mit Blockierendem Hoch. Dabei sind die Unterschiede das Tief am Freitag betreffend gar nicht mal so klein. Zwei Lösungen (drei und fünf) haben keines drin, eines (sechs) deutlich weiter westlich und drei (ein, zwei und vier) schieben das Tief über den Westen und Südwesten Deutschlands südwärts, wie im Hauptlauf zu sehen. Zeitschritt zwei (Samstag bis Montag) liefert fünf Lösungen, wobei Cluster fünf das Höhentief nicht favorisiert, sondern (wie GFS) an höherem Druck und Milde festhält. Auch die übrigen Cluster sind sich des Vorstoßes bereits am Sonntag nicht so sicher. Haupt- und Kontrolllauf sollen zwar in Cluster eins liegen, da ist das Tief aber deutlicher über Südosteuropa.
Die erweiterte Mittelfrist liefert einen Mono-Cluster mit Blockierendem Hoch. Dabei ist das Höhentief auch nicht über Deutschland, sondern deutlich südöstlicher angesiedelt - eher dem gestrigen Hauptlauf entsprechend.
Der Blick auf die Rauchfahnen bestätigt die Vermutung bei den Clustern: Sicher ist hier nichts. Bereits ab Donnerstag geht der Spread gehörig auseinander: 9 bis 12 K in 850 hPa. Das Tief am Freitag wird von den Ensembles mitgetragen, die Delle ist sowohl in der Temperatur als auch im Geopotential zu sehen. Wobei der Temperatursturz den Ensembles nach auch noch etwas heftiger ausfallen könnte. Das relativ kalte und feuchte Wetter ab Sonntag aus dem Hauptlauf wird aber von der Mehrheit nicht geteilt. Die Niederschlagsensembles geben am Freitag den größten Ausschlag her, danach ist es eher marginaler Niederschlag.
Die GFS-Ensembles lassen am Freitag größere Unsicherheiten erahnen. Die Temperaturensembles zeigen einen Sturz, wenn auch die Mehrheit nur 2 bis 4 K hergibt. Sonst zeigt der Trend bis Sonntag aber aufwärts. Ab Wochenbeginn geht die Temperatur dann zurück, allerdings im Mittel nicht unter 0 Grad. Auch der Druck fällt nicht so stark ab wie IFS es simuliert. Auffällig ist zum Ende der nächsten Woche (16. bis 19.04.) der deutlich unter den Temperaturensembles laufende Hauptlauf. Ab übernächsten Donnerstag ist GFS mit Vorsicht zu genießen.
Auch ICON hat einen Temperaturrückgang am Freitag drin. Die Erwärmung folgt aber schon am Samstag. Der Hauptlauf liegt zwar unter der Ensemblemehrheit, ist aber immer noch über dem des IFS. Beim Niederschlag ergeben sich für Freitag im Norden im Hauptlauf extreme Lösungen, nur wenige Ensembles liegen noch darüber.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist bietet wenig markantes Wetter. Der teils mäßige Frost in Bodennähe ist noch am signifikantesten, wird aber nicht polygonal umgesetzt. Die Gewitter in der Nacht zum Freitag im Südwesten haben nur eine geringe Wahrscheinlichkeit. Die dabei möglichen Sturmböen können aber markante Warnungen notwendig machen. Abgesehen davon ist die Mittelfrist nicht Fisch nicht Fleisch und überdies auch noch nicht sicher.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS, Ensembles
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn





