Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 11.10.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
W z Übergang zu BM

Im Norden Schauer und einzelne Gewitter, teils mit starken Böen und Graupel.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag... liegt Mitteleuropa im Randbereich eines Troges über Nordeuropa mit Drehzentrum über Südskandinavien. Unter einer westlichen bis zunehmend nordwestlichen Strömung hält das insgesamt unbeständige Wetter an, nicht zuletzt, weil immer wieder kurzwellige Troganteile durchziehen. Dabei gelangt über die Nordsee kühle und instabile Luft nach Deutschland. In 850 hPa liegen die Temperaturen zwischen +1°C im Norden und 5°C im Süden, in 500 hPa vor allem nach Norden hin mehr oder weniger deutlich unter -25°C. So entwickeln sich schwerpunktmäßig über dem Norden auch Schauer und vereinzelte Gewitter, die mit Windböen, Graupel und Starkregen verbunden sein können. Durch wiederholte Schauer sind von Ostfriesland nach Dithmarschen gebietsweise schon 30 bis 50 l/qm in den letzten 24h zusammengekommen. Am Vormittag sind noch einige kräftige Schauer unterwegs, nachmittags sind es dann immer weniger. Eventuell geht dann aber noch an der Ostsee in Verbindung mit einem kleinen Trog eine etwas markantere Schauerlinie durch.
Je weiter südlich es geht, desto ruhiger wird es und die Schauerneigung lässt nach. Niederschlagsfrei ist es aber auch über Süddeutschland nicht, es bleibt aber bei wenigen Tropfen. Dafür mehren sich Richtung Süden und Südwesten die Sonnenanteile unter einer schwachen Hochdruckzone, die von Frankreich ihre Fühler nach Südwestdeutschland ausstreckt.

Der Wind legt heute vor allem landeinwärts wieder etwas zu, aus West bis Nordwest mit einzelnen 7er Böen in einem Streifen von NRW und Südniedersachsen bis Thüringen und Sachsen. Exponiert im Bergland sind stürmische Böen oder Sturmböen möglich, an der See sind vor allem anfangs stürmische Böen auflandig nicht ausgeschlossen, sonst sind es eher 7er Böen und auch die mit abnehmender Tendenz, weil der Gradient - in dem Maße wie sich das Tief im Bodendruckfeld von Südschweden zur mittleren Ostsee entfernt - etwas auseinandergezogen wird.

Da sich die Zufuhr kühler Luft noch leicht verstärkt, liegen die Höchstwerte etwas unter denen des Vortags bei 13 bis 16, am Oberrhein vereinzelt bis 19°C.

In der Nacht zum Montag zieht der Trog langsam ab und im Bodendruckfeld macht sich eine Hochdruckzone über großen Landesteilen breit. Die Schauer klingen weitgehend ab. Lediglich im Bergland und von der Ostsee her sind noch ein paar Tropfen möglich. Auch der Wind schläft über der West-/Südwesthälfte weitgehend ein und die Nebelneigung nimmt deutlich zu. Gebietsweise ist dichter Nebel möglich. Die anfangs kräftigeren Böen exponiert im Bergland sind auf dem absteigenden Ast. An der Ostsee wird der Wind aus West bis Nordwest durch einen Bodentrog wieder etwas angefacht, so dass weitere steife Böen auftreten können. Die Temperatur geht spürbar zurück. Gebietsweise tritt Bodenfrost auf und vereinzelt (Bergland, Muldenlagen, etc.) kann es auch in 2m Höhe zumindest bis nahe 0°C gehen.

Montag... liegen wir dann unter einer Hochdruckzone, die vom Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Lappland reicht. Der Trog im Osten amplifiziert sich deutlich Richtung Griechenland, wird aber durch einen Höhenrücken über Westeuropa ostwärts abgedrängt. Entsprechend ruhig - unter Absinken - verläuft der Tag in unseren Breiten. Nachdem sich der Nebel, wohl teils nur zögernd, auflöst, scheint für längere Zeit die Sonne.
Die Restlabilität in den östlichen Landesteilen geht bis 700 hPa und kann für einzelne schlappe Schauer reichen. Dazu kommt der Wind dort, im Übergangsbereich zum Tief über dem Baltikum, aus West bis Nordwest und an der Ostsee sind exponiert angekratzte Bft 7 weiter nicht ausgeschlossen. In der Westhälfte dagegen zeigt sich der Wind zunächst uneinheitlich und schwach, mehr und mehr dreht er auf Süd bis Südost. Je nach Sonne/Nebel steigt die Temperatur auf 10 bis 18°C.

In der Nacht zum Dienstag zieht sich die Hochdruckzone nach Südosten zurück, behält aber zum großen Teil ihren Einfluss bei uns. Über der Mitte und dem Osten kühlt es bei schwachem Wind und teils geringer Bewölkung kräftig ab. Gebietsweise tritt Bodenfrost auf, schwerpunktmäßig in Teilen Brandenburgs und Bayerns sind auch in 2m Temperaturen etwas unter 0°C wahrscheinlich. Zudem bildet sich erneut teils dichter Nebel.

Etwas anders sieht es in den westlichen Landesteilen aus. Hier spielt die Warmfront eines Sturmtiefs auf dem Atlantik eine Rolle. Die Warmluftadvektion davor überläuft den Höhenkeil, dessen Achse im Laufe der Nacht über Benelux liegen soll, und führt zu Hebung und aufziehender Bewölkung. Nahe den Grenzen im Westen und Nordwesten regnet es ausgangs der Nacht eventuell leicht (unsichere Modelllage).
Druckfall über Westeuropa lässt zudem den Wind im Nordwesten aufleben mit möglichen steifen Böen über der Nordsee. Bei Richtung aus S-SE dürften sich die Böen in erster Linie auf Inseln beschränken.

Dienstag... zonalisiert die Strömung vom Nordatlantik bis in die Nordsee und biegt dann vor einem Trog nach Norden um. Unser Höhenkeil wandert langsam über uns nach Osten, liegt abends aber immer noch über SE-Deutschland. Auf seiner Rückseite dreht die Höhenströmung nach West und die Ausläufer eines über dem Nordmeer nach Norden eindrehenden Sturmtiefs greifen von Westen auf Deutschland über. Sonderlich wetteraktiv sind sie aber nicht.

Im Wesentlichen aus Warmluftadvektion, nach Nordwesten hin auch aus Vorticityadvektion resultiert leichte Hebung. Diese führt von Westen her zu dichteren Wolken und leichten Regenfällen, die sich über die Nordwesthälfte ausbreiten. Weiter südöstlich hält sich der abschwächende Hochdruckeinfluss zunächst mit Sonnenschein, sofern sich die Nebelfelder aufgelöst haben. Im Tagesverlauf ziehen auch dort vermehrt Wolken durch. Die Tiefausläufer sind mit einem Bodentrog verbunden, der keine wirklich große Gradientverschärfung mit sich bringt. Der Süd- bis Südwestwind frischt vor allem an und über der Nordsee sowie exponiert im Bergland auf, es langt aber auch dort meist "nur" für steife bis stürmische Böen 7 bis 8 Bft.

In der Nacht zum Mittwoch zieht das abschwächende Frontensystem über Deutschland nach Südosten und bringt oft starke Bewölkung und gebietsweise leichten Regen oder Nieselregen. Im Norden und Nordwesten lockert die Bewölkung im Verlauf der Nacht wieder auf. Der auf West drehende Wind lässt im weiteren Verlauf der Nacht auch an den Küsten und im höheren Bergland wieder nach, weil sich von Westen das nächste Hochdruckgebiet nach Deutschland vorschiebt. Je nach Auflockerungen bildet sich gebietsweise, teils dichter Nebel.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren ähnlich. Unsicherheiten ergeben sich an den Tiefausläufern am Dienstag, warntechnisch fallen die kaum ins Gewicht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner