Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 08.09.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Tr W Übergang zu B M
Am Abend im Nordosten Gewitter nicht ganz ausgeschlossen. Nachts von Südwesten über den Süden ausbreitend kräftige Gewitter. Am Mittwoch im Südosten und Nordwesten Gewitter möglich, teils mit Starkregen und stürmischen Böen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... liegt Mitteleuropa und Deutschland auf der Vorderseite eines Troges über Nordwesteuropa unter einer südwestlichen Höhenströmung, die sich tagsüber noch verstärkt. In der zunächst glatten Strömung sind dann nachmittags und abends kleinere Troganteile von Westen her erkennbar. Darin eingelagert greift schleifend eine Kaltfront auf Nordwestdeutschland über und bringt bei recht stabiler Schichtung teils starke Bewölkung und später Regen.
Im Süden, in der Mitte und im Osten scheint präfrontal noch häufig die Sonne; die Advektion sehr warmer bis heißer und zunehmend auch instabiler Luft verstärkt sich noch und bei 850-hPa-Temperaturen um 20°C im Süden werden nochmals hochsommerliche 27 bis 33°C erreicht.
Am späten Nachmittag und Abend richtet sich der Fokus zunächst auf den Nordosten. Dort kann sich etwas Cape aufbauen, die sich mit einer ausgeprägten Windscherung überlappt. Bei 0-3-km-Scherung von 15 bis 20 m/s und SRH3-Werten um 200 m²/s² sind einzelne kräftige, eventuell Gewitter möglich. Dabei treten vor allem stürmische Böen um Bft 8, daneben kurzer Starkregen und kleinkörniger Hagel auf. Diese Konvektion wird von den Modellen unsicher, mit größeren Sprüngen simuliert.
Der Südwest- bis Westwind frischt an der Nordsee und im höheren Bergland etwas auf mit starken bis steifen Böen.
Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch können dann auch von der Schweiz und Frankreich kräftige Gewitter auf das südliche Baden-Württemberg übergreifen und sich anschließend nordostwärts in Richtung Bayern ausbreiten. Da auch dort die Scherung zunimmt, besteht ebenfalls die Option für organisierte Gewitter, die auch verclustern können und mit Starkregen und Sturmböen, vereinzelt orkanartigen Böen verbunden sein können. Fraglich ist, ob sie im Verlauf der Nacht dann noch Thüringen und Sachsen streifen, mit abschwächender Tendenz. Anfangs sind unwetterartige Entwicklungen möglich. Die ICON-Modellkette deutet nachts zudem die Ausbildung einer Druckwelle mit markanten Böen im Alpenvorland an.
Aber auch im Nordosten kommt die Gewitteraktivität mit Annäherung des Troges nicht zum Erliegen. Vor allem im nördlichen Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern sowie (postfrontal) an der Nordsee treten Schauer und einzelne Gewitter auf, die mit Starkregen und stürmischen Böen einhergehen können.
Gleichzeitig legt sich die Kaltfront weiter schleifend diagonal über die Mitte Deutschlands, etwa vom Oberrhein bis zur Ostsee. Rückseitig der Front lockert die Bewölkung im Nordwesten in der zweiten Nachthälfte zunehmend auf.
Im Bergland und an der Nordsee bleibt es windig mit teils steifen, exponiert im Bergland stürmischen Böen aus Südwest bis West.
Mittwoch... erfolgt langsam die Trogpassage, deren zeitlicher Ablauf aufgrund des Abtropfprozesses über Südwesteuropa allerdings noch mit kleineren Unsicherheiten behaftet ist. Wahrscheinlich liegt die Trogachse abends leicht gebogen von Norddeutschland bis nach Südfrankreich. Es ergibt sich eine Dreiteilung des Wetters im Tagesverlauf.
Im Süden und Osten gestaltet sich der Tag unter der zögernd abziehenden Kaltfront teils trüb und regnerisch. In einer feuchten und labil geschichteten Luftmasse treten Regenfälle, teils konvektiv und vereinzelt gewittrig auf. Dabei ist (lokal) auch mehrstündiger Starkregen möglich. Im äußersten Süden kann sich zudem eine leichte Gegenstromlage einstellen. Richtung Niederbayern sind auch noch kräftigere Gewitter zumindest nicht ausgeschlossen, sollte dort präfrontal noch die warme Luft liegen. Die Regenfälle ziehen im Nordosten nachmittags und abends ab, über Südbayern dauert das bis in die Nacht zum Donnerstag.
Im Norden und Nordwesten sorgt die Trogpassage, verbunden such mit markantem Bodentrog und mit einer Abkühlung in der Höhe für Schauer und einzelne Gewitter, dazwischen gibt es aber trockene Abschnitte.
Weitgehend trocken bleibt es im Tagesverlauf in einem Streifen vom Südwesten in den Nordosten.
Mit der Trogpassage erfolgt eine kräftige Abkühlung. Die aus Westen einfließende, nur leicht erwärmte Meereskaltluft lässt lediglich Temperaturen von 17 bis 23°C, ganz im Südosten eventuell nahe 25°C zu. Das sind im Süden teilweise mehr als 10K unter den Werten des Vortags. Der Westwind weht mäßig bis frisch, im Bergland teils stark böig bis stürmisch. Auch im Nordwesten sind vor allem bei Schauern und Gewittern Böen 7 Bft aus West möglich.
In der Nacht zum Donnerstag klingen die Niederschläge im Süden und Osten zunehmend ab. Im Norden treten unter der Trogachse zunächst Schauer auf, die aber rasch nachlassen und abziehen. Ansonsten lässt kräftiger Druckanstieg eine Hochdruckzone von Frankreich bis Süddeutschland entstehen unter deren Einfluss es gebietsweise aufklart. Die Temperatur sinkt oft in den einstelligen Bereich.
An den Küsten bleibt es noch längere Zeit windig mit teils steifen Böen um West. Exponiert sind im Bergland Sturmböen möglich.
Donnerstag... liegen wir im Bereich einer schwachen Hochdruckzone, die vom nahen Atlantik über Deutschland nach Osten reicht.
Das leichte Absinken stabilisiert die Luftmasse weiter und es bildet sich eine Absinkinversion in ca. 800 hPa. In der feuchten Grundschicht darunter bilden sich einige Quellwolken, die dann zu Sc breitlaufen können. Sonnig oder heiter wird es wahrscheinlich nach Südwesten und Süden hin. Bei ca. 5°C in 850 hPa werden Maxima von 18 bis 23°C erreicht. Der Wind ist im Norden und Osten teilweise mäßig unterwegs aus West bis Nordwest, an der Ostsee exponiert mit steifen Böen. Im Süden/Südwesten bleibt es schwachwindig.
Hebung auf der Vorderseite eines Troges über dem westlichen Mittelmeer wirkt sich im Alpenraum mit teilweise starken Regenfällen und Gewitter aus, unsere Südgrenze wird davon nur in Form von Wolken/Regentropfen gestreift.
Die Nacht zum Freitag verläuft ohne signifikante Wetterentwicklungen. Der Südosten wird von Hebung nur gestreift, ein okkludierendes Frontensystem über Westeuropa erreicht uns (noch) nicht. Von daher kühlt es bei schwachem Wind und teils geringer Bewölkung kräftig mit Nebel und gebietsweise um 5°C als Minimum.
Modellvergleich und -einschätzung
Der grundsätzliche Ablauf wird ähnlich simuliert. Unschärfen ergeben sich u.a. für die Konvektion. Die Gewitter am Abend im Nordosten sind unwahrscheinlich. Die Gewitter dann im Süden und im Laufe der Nacht präfrontal für größere Landesteile werden dann wahrscheinlicher, auch wenn es sich, abgesehen vom Süden, und sehr lokale Ereignisse handelt. Darüber hinaus gibt es auch hinter einer möglichen Druckwelle über Süddeutschland ein paar Fragezeichen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 08.09.2026 um 10.30 UTC
Im Nordwesten immer mal wieder wechselhafte Randtröge, sonst vielfach Hochdruckwetter.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 15.09.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Freitag befinden sich mehrere Tröge bzw. Höhentiefs über dem Nordatlantik, Nordeuropa und Nordosteuropa. Dem gegenüber steht ein umfangreiches und stabiles Hoch über den Azoren. Der nordatlantische Trog greift im Laufe des Freitags auf Mitteleuropa über, wobei die höhenkälteste Luft weit im Norden verbleibt. Auch der dazugehörige Tiefausläufer (Tief liegt Fr. 12 UTC nördlich von Island) kann nachmittags auf den Nordwesten übergreifen und für etwas Regen sorgen. Die Luftmasse ist aber recht stabil geschichtet, so dass Schauer oder Gewitter eher selten bis gar nicht auftreten sollten. Die Frontalzone gerät nach Süden zu in den Einflussbereich des Azorenhochs und kommt nur noch langsam südostwärts voran und gerät unter absinken. Die Niederschläge sollten sich daher auf den Nordwesten beschränken. Mit 850 hPa Temperaturen zwischen 3 Grad im Norden und 8 Grad am Alpenrand bleibt es für die Jahreszeit normal temperiert.
Vom Azorenhoch wölbt sich nachfolgend ein Keil in Richtung Dänemark auf und verdrängt den Trog in der Nacht zu Samstag langsam nach Osten.
Am Samstag sorgt der Keil ausgehend von den Azoren für verbreitet ruhiges Hochdruckwetter. Jedoch nähert sich vom Nordatlantik her bereits ein weiterer Trog Nordeuropa an. Dieser kann mit verkürzter Amplitude auf Mitteleuropa übergreifen. Ein dazugehöriger Tiefausläufer sorgt erneut im Norden für starke Bewölkung und etwas Regen. Nach Süden zu gerät der Tiefausläufer unter absinken, dabei lässt die Wetterwirksamkeit immer mehr nach. Das Azorenhoch kann aber erneut den Trog rasch nach Osten verdrängen, so dass bereits in der Nacht zu Montag wieder der Keil über Deutschland liegt.
Am Montag befindet sich Deutschland wieder unter den ruhigen Keil ausgehend von den Azoren. Im Tagesverlauf nähert sich jedoch ein Trog ausgehend von Grönland Europa an. Dabei wird höhenkalte Luft weit nach Süden transportiert und liefet die nötige Dynamik für eine kräftige Zyklone und Tiefausläufer. Auf dessen Vorderseite werden erstmal recht warme und feucht Luftmassen über Frankeich nach Deutschland geführt. Die Kaltfrontpassage könnte dann mit teils kräftigen Gewittern aber auch mit einen starken Druckgradienten im Laufe des Dienstags vollzogen werden. Nachfolgend soll ein schwall hochreichend kalter Luft auf Deutschland übergreifen.
Demnach gestaltet sich das Wetter auch in der erweiterten Mittelfrist zunächst sehr wechselhaft, windig und kühl (im Vergleich zu den aktuellen Temperaturen). Im Laufe des Donnerstags soll sich aber der Einfluss des Azorenhoch wieder regenerieren und die eingeflossene Kaltluft gelangt unter Wetterberuhigung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der letzten IFS Läufe ist recht gut. Abgesehen von kleineren Störungen, die atlantische Randtröge über Nordwesteuropa verursachen, simulieren alle Läufe einen recht stabilen Höhenkeil im Süden. Viel Niederschlag wird von keinem Lauf simuliert. Im Nordwesten Deutschland kann es immer mal wieder etwas regnen.
Erst zum Ende des Mittelfristzeitraums werden die Unsicherheiten deutlich größer.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Gro simulieren auch die betrachteten Globalmodelle einen ähnlichen Verlauf. Jedoch gibt es gewisse Unterschiede bei den Randtrögen, die vom Atlantik mit dem Azorenhoch interagieren und den Niederschlag mal mehr oder weniger weit nach Süden vorstoßen lassen. Größere Unterschiede ergeben sich aber erst zum Ende der Mittelfrist. Wie stark und ob der neue atlantische Trog und die höhenkalte Luft auf Mitteleuropa übergreifen wird von jedem Modell anders simuliert.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Plumes:
In den Plumes des ECMWFs ist ein recht enger Spread innerhalb des Ensembles bis einschließlich Sonntag gut zu erkennen. Gleichermaßen steigen die 850 hPa Temperaturen und das 500 hPa Geopotenzial langsam an. Ab Montag gibt es dann größere Abstände innerhalb des Ensembles wobei die Mehrheit der Member analog zum IFS einen deutlichen Temperatursturz bzw. Verringerung des Geopotenzials ab Montag/Dienstag aufweisen.
Im Ensemble des GFS verhält sich an sich zwar ähnlich, die Mehrheit der Member simulieren aber den Regimewechseln nicht, ober deutlich schwächer. Der operationelle Lauf weißt aber auch auf einen deutlichen Wetterwechsel hin.
Cluster:
Das Azorenhoch ist in allen Clustern recht dominierend, es gibt aber auch Cluster die den atl. Trog anfangs nächster Woche deutlich schwacher simulieren.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im gesamten Mittelfristbereich gibt es keine Signale für markante Wettererscheinungen.
Erst zum Ende des Mittelfristbereichs, am Dienstag, gibt es Hinweise auf einen msignifikanten Wetterwechsel mit einer markanten Wind- bzw. Gewitterlage. Dies ist aktuell aber sehr unsicher.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOSMIX, EPS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher





