Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 20.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Zunehmende unbeständig. Zunächst nur in den Gipfellagen der süddeutschen Mittelgebirge und der Alpen, am Donnerstag dann generell in höheren Lagen sowie an der Nordsee stürmische Böen bzw. Sturmböen.
Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag mit langsamer Passage eines Frontensystems nahezu flächendeckend Regen, aber kaum warnrelevante Mengen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland weiterhin zwischen einem umfangreichen und blockierenden Hochdruckgebiet über dem fennoskandischen Raum und einem flachen schmalen sowie in mehrere Teiltröge aufgesplittete Höhentrog, der vom Westausgang des Ärmelkanals über West- und Südfrankreich bis zum westlichen Mittelmeerraum reicht. Zwar hat sich die Hochdruckzone inzwischen etwas nach Nordosten bzw. Osten zurückgezogen, an deren Südflanke strömt von Osten her bodennah aber weiterhin relativ trockene Festlandsluft ins Vorhersagegebiet. Dennoch verlief der Tag bei Weitem nicht überall sonnig und störungsfrei. Einerseits haben sich - typisch für diese Jahreszeit - bei schwachem Gradienten in Teilen Süddeutschlands dichte Nebel- und Hochnebelfelder ausgebreitet, die sich insbesondere von der Donau bis ins Alpenvorland vielerorts auch ganztägig gehalten haben. Andererseits hat sich trogvorderseitig eine flache Tiefdruckrinne über Frankreich auf dem Weg nach Nordosten gemacht und mit feuchterer Luft den Südwesten bzw. Westen Deutschlands erreicht. Dort zogen dichtere Wolken auf, die inzwischen auch die mittleren Landesteile erfassen, für nennenswerte Niederschläge waren die dynamischen Hebungsprozesse jedoch zu schwach.
Der größte "Störenfried" ist jedoch ein Kaltlufttropfen, der bereits in der vergangenen Nacht von Polen her auf Sachsen übergegriffen ist, inzwischen Nordkurs eingeschlagen hat und sich aktuell (in 500 hPa) in etwa über Nordostniedersachsen/Ostholstein befindet. Vor allem an dessen Nord- und Ostflanke haben sich dichte Wolken über den Nordosten und Osten des Landes ausgebreitet, insbesondere von der vorpommerschen Küste bis nach Nordfriesland hat es vor allem vormittags auch zeitweise leicht geregnet, inzwischen sind die Niederschläge aber nordwärts abgezogen.
In den Regionen dazwischen geht bzw. ging der Tag aber in der Tat mit viel Sonnenschein zu Ende, insbesondere also vom Nordwesten über Teile der Mitte bis nach Oberfranken bzw. zur Oberpfalz, aber auch am Alpenrand. Dort hat sich leichter Föhn eingestellt, der aber auf bayerischer Seite nicht wirklich warnrelevant ist. Inneralpin hat es immerhin in einigen Tälern bei stürmischen Böen für Maxima deutlich über 20 Grad gereicht, am bayerischen Alpenrand war bei knapp 19 Grad (Mittenwald) Schluss.
In der kommenden Nacht zieht sich der breite, bis nach Skandinavien und zum Nordmeer reichende Höhenrücken langsam weiter nach Norden zurück. Aus der Südspitze des flachen Höhentroges über Frankreich tropft vor der katalonischen Küste ein kleinräumiges Höhentief ab und zieht ins Seegebiet nördlich von Korsika. Somit verlagern sich die konvektiv durchsetzten unwetterartigen, teils extremen Regenfälle (an der Ostküste Korsikas fielen am Vormittag während eines mehrstündig stationären Gewitters über 400 l/m² in 3 Stunden) langsam Richtung Südalpen bzw. Italien. In Norditalien setzt Druckfall ein, wodurch sich der Föhn in den Alpen langsam etwas abschwächt, aber noch nicht zum Erliegen kommt. Nach wie vor kann es auch in den bayerischen föhnanfälligen Tälern einzelne steife, auf exponierten Gipfeln auch stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen aus Süd bis Südost geben.
Ein weiterer kurzwelliger Troganteil zieht im Laufe der Nacht vom Ärmelkanal über England hinweg nordnordostwärts zur westlichen Nordsee, wobei unmittelbar vorderseitig der zunehmend scharfen Achse starke Krümmungsvorticity generiert werden kann. Somit kann sich die aktuell von Mittelengland bis nach Westdeutschland reichende Tiefdruckrinne etwas verstärken, dabei vertieft sich das kleinräumige Bodentief "JELLA" und zieht bis Mittwochfrüh ins Seegebiet vor Northumberlands, während die Rinne selbst dann auf die Deutsche Bucht bzw. Schleswig-Holstein übergreift.
Mit der Rinne kommen die dichten Wolken über dem Westen, Südwesten und der Mitte Deutschlands - inzwischen als Warmfront analysiert - ebenfalls nach Norden voran, während die Kaltfront des Tiefs im Laufe der Nacht bereits den äußersten Westen und Südwesten des Landes erfasst, dann aber mangels Schubkomponente nur langsam nach Osten vorankommt.
Derweil greift im Laufe der zweiten Nachthälfte vom nahen Ostatlantik her ein weiterer Höhentrog unter Amplifizierung auf Irland und Westfrankreich über, der aufgrund der kräftigen rückseitigen Kaltluftadvektion eine leicht negative Achsneigung annimmt. Ein vorlaufender kurzwelliger Troganteil kann mit dem Frontensystem, insbesondere mit der Kaltfront interagieren, so dass diese etwas aktiviert wird. Die Folge sind zwar halbwegs flächendeckende, aber nicht sonderlich intensive Regenfälle, die sich von Westen und Südwesten her auf den Nordwesten und die Mitte des Landes ausweiten. Meist kommen weniger als 5 l/m² in 12 Stunden zusammen, in den westlichen Mittelgebirgen gebietsweise aber nahe 10 l/m².
Im Rest des Landes bleibt es wettertechnisch ruhig. Der Kaltlufttropfen verabschiedet sich Richtung Norden, wird mehr und mehr in den Trogkomplex weiter westlich eingebunden und schlägt morgens als scharfer Randtrog knapp nördlich des Kattegat auf. Somit lockern die Wolken im Osten und Nordosten zwar von Süden her etwas auf, alsbald ziehen aber mit Annäherung der Rinne erneut hohe und mittelhohe Wolkenfelder auf. Somit gibt es nur noch wenige Regionen, in denen die Nacht gering bewölkt verläuft, am ehesten noch in Teilen Bayerns und der Osthälfte. Dort kann sich dann gebietsweise dichter Nebel ausbreiten. Anzusprechen bleibt noch das Aufleben des Böhmischen Windes am Erzgebirge und im Zittauer Bergland. Dieser bleibt aber wohl weitgehend unterhalb der Warnschwellen und erreicht höchstens exponiert mal Böen Bft 7 bis 8. Die Minima bewegen sich meist zwischen 9 und 4, Grad, bei aufgelockerter Bewölkung auch darunter, für Frost sollte es aber nicht reichen.
Mittwoch ... ziehen sowohl der kurzwellige Troganteil über der westlichen Nordsee als auch der Ex-Kaltlufttropfen über der westlichen Ostsee rasch nordwärts ab und haben keinen Einfluss mehr auf die Wetterentwicklung hierzulande. Derweil kommt der Höhentrog über West- bzw. Südwesteuropa unter weiterer Amplifizierung langsam ostnordostwärts voran und erreicht abends mit seiner Achse Belgien bzw. den Norden und Osten Frankreichs. Vorderseitig steilt die leicht zyklonale südliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet weiter auf.
Das Bodentief "JELLA" zieht rasch nordwärts Richtung Färöer-Inseln, ein weiteres kleinräumiges Tiefdruckgebiet verlagert sich bis zum Abend von der Irischen See über Nordengland zur Nordsee. Es "übernimmt" quasi die steuernde Funktion für die zunehmend verwellende Kaltfront über dem Vorhersagegebiet, die mittags und am Nachmittag mit Annäherung eines Bodentroges an der Südflanke des Tiefs, der abends die südwestliche Nordsee sowie den Westen Deutschlands erreicht, an Fahrt aufnimmt und bis zum späteren Abend auch die Osthälfte des Vorhersagegebietes überquert. Mit Annäherung des Troges nimmt sie zunehmend Anafrontcharakter an, die Hauptniederschlagstätigkeit verlagert sich also in den postfrontalen Bereich. Vor allem im Süden intensivieren sie sich auf ihrem nur zögernden Weg gen Osten noch etwas, im Osten von Baden-Württemberg und im Allgäu sowie generell am Alpenrand (dort es ab dem Nachmittag) fallen bis zum Abend verbreitet mehr als 10 l/m². Mit Vorstoß eines flachen Hochkeils dreht die Bodenströmung an den Alpen generell auf Nordwest und es stellt sich eine Gegenstrom- bzw. Staulage ein, die am Alpenrand auch bis Donnerstagfrüh bzw. -vormittag andauert. Dort fallen bis dahin oft 20 bis 30 l/m² in knapp 24 Stunden, in exponierten Staulagen werden eventuell auch die Warnschwellen überschritten. Mangels Impact und aufgrund der Kleinräumigkeit der Ereignisse drängt sich allerdings eine entsprechende Warnung nicht grade auf. Postfrontal sickert von Norden her maritime Polarluft ein, die Temperatur in 850 hPa sinkt auf etwa 0 Grad, im Stau auch darunter. Entsprechend kann es im Laufe der Nacht bis auf nahe 1000 m schneien, oberhalb von 1500 m werden somit wohl Schneefallwarnungen fällig.
Ansonsten fallen in einem breiten Streifen vom Süden/Südwesten über die Mitte bis in den Nordosten des Landes etwa 3 bis 10 l/m² und nur gebietsweise mehr bis zum Abend, wobei sich die Niederschläge vor allem am Nachmittag und Abend etwas intensivieren.
Ganz im Westen/Nordwesten lockern die Wolken im Tagesverlauf zeitweise auf. Die einströmende maritim erwärmte Polarluft ist indifferent bis labil geschichtet, allerdings reicht die Labilitätsfläche voraussichtlich nicht hoch genug für Gewitter. Dennoch gibt es im Laufe des Nachmittags und Abends von Westen her gebietsweise schauerartigen Regen bzw. einzelne Schauer, die von Frankreich und Belgien her auf das westliche Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Teile von NRW und das Emsland übergreifen.
Präfrontal bleibt es dagegen etwa von Ostvorpommern bis nach Ostsachsen bis zum Abend noch weitgehend trocken und vor allem in der Lausitz kann auch mal die Sonne durchkommen.
Etwas Sonne kann es am Vormittag eventuell auch noch am (ostbayerischen) Alpenrand geben. Dann aber bricht auch dort mit Durchzug einer schwachen Druckwelle der Föhn zusammen. Rückseitig der Kaltfront verschärft sich der Gradient dagegen mit Vorstoß des flachen Hochkeils am Nachmittag im Westen und Süden, abends dann auch in der Mitte des Landes. In den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge gibt es steife, im Hochschwarzwald, abends dann auf den Alpengipfeln und auf dem Brocken stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen aus Südwest. Eventuell reicht es dann im höheren südlichen Alpenvorland sowie im Lee einiger Mittelgebirge für steife Böen.
Präfrontal können in der Lausitz, eventuell auch im Chiemgau und Berchtesgadener Land noch einmal Maxima zwischen 14 und 17 Grad erreicht werden, auch ganz im Westen liegen die Höchstwerte um 15 Grad. Ansonsten bleibt es bei meist bedecktem Himmel und Regen kühl mit 8 bis 13 Grad.
In der Nacht zum Donnerstag greift der Höhentrog auf den Westen und Nordwesten Deutschlands über, kommt aber aufgrund der Blockadewirkung durch den Höhenrücken über Ost- und Nordosteuropa nur noch langsam ostwärts voran und verliert an Kontur. Im Bodenfeld stößt - getriggert durch die kräftige KLA und Druckanstieg - der Hochkeil über Süddeutschland rasch nach Osten vor und kann sich dabei noch verstärken bzw. nach Norden ausweiten. Die Kaltfront kommt nun rasch nach Osten voran, entsprechend greifen die Regenfälle etwa um Mitternacht auch auf das deutsch-polnische Grenzgebiet über. Im Laufe der zweiten Nachthälfte klingen sie dann von Westen her allmählich wieder ab. Bis Freitagfrüh fallen im Osten und Südosten meist 3 bis 10 l/m², gebietsweise, vor allem (durch Gegenstrom und Stau) in Teilen Sachsens und - wie weiter oben bereits erwähnt - auch an den Alpen bis nahe 15 l/m².
In der Westhälfte und in der Mitte verläuft die Nacht dagegen vielerorts trocken, einzelne Schauer gibt es anfangs noch vor allem im Südwesten sowie später, mit Annäherung des Troges, eventuell auch im Nordseeumfeld. Mit dem sich verstärkenden Hochkeil verschärft sich allerdings der Gradient und der Wind frischt weiter auf. Warntechnisch bemerkbar macht sich das aber wohl in erster Linie in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge und der Alpen, wo es stürmische Böen bzw. Sturmböen aus West bis Südwest gibt, ansonsten reicht es höchstens in Leelagen für einzelne steife Böen. Ausgangs der Nacht nimmt der Wind im Südwesten und Westen zumindest vorübergehend wieder ab. Anders im Nordseeumfeld. Mit Passage eines weiteren Bodentroges legt der Wind dort nachts zu, in der zweiten Nachthälfte gibt es verbreitet steife bis stürmische Böen aus Südwest, an exponierten Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bzw. auf Helgoland eventuell Sturmböen.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 10 und 2 Grad. In den südwestdeutschen Mittelgebirgen kann es bei aufgelockerter Bewölkung in ungünstigen Lagen leichten Frost geben.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nicht mehr viel hinzuzufügen.
Der Trog überquert das Vorhersagegebiet unter Substanzverlust langsam ostwärts, wobei es nur wenige und eher schwache Schauer in der Nordwesthälfte gibt. Dahinter setzt im Westen und Nordwesten bereits wieder WLA ein, die ebenfalls bis in die Mitte reichend leichte, teils schauerartige Regenfälle bringen kann, die Mengen fallen aber gering aus.
Im Südwesten und Süden sorgt dagegen der Hochkeil auch für etwas Sonnenschein. Es bleibt vor allem in der Nordwesthälfte bis in die Mitte windig, auch in den Niederungen sind einzelne steife Böen aus Südwest möglich. An der Nordsee gibt es anfangs noch stürmische Böen, in den Gipfellagen der Mittelgebirge und auch der Alpen muss auch mit Sturmböen gerechnet werden. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 9 und 14 Grad, am Oberrhein bis 16 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Der grobe Fahrplan steht. Differenzen betreffen am ehesten noch die räumliche Verteilung und Intensität der Niederschläge und sind auch der Modellauflösung geschuldet.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 20.10.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig mit wiederholten Regenfällen und zeitweise stürmischem Wind.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 27.10.2026
Im mittelfristigen Vorhersagezeitraum erwartet uns ein unbeständiger Witterungsabschnitt mit wiederholten Regenfällen und zeitweise stürmischem Wind. Wie die Entwicklung im Detail aussieht, ist allerdings auch aus heutiger Sicht noch unsicher.
So reicht auf Basis des IFS am Freitag ein Höhentrog von Island über die Britischen Inseln hinweg bis nach Frankreich. Er schwenkt im Tagesverlauf allmählich weiter ostwärts. In dessen südlichen Bereich konnte sich entwicklungsgünstig gelegen bereits am Vortag ein ausgewachsenes Sturmtief entwickeln. Es zieht am Freitag mit seinem Kern und einem Kerndruck knapp unter 980 hPa vom Ärmelkanal entlang der niederländischen Nordseeküste und erreicht Samstagfrüh Ostfriesland. Dabei hat es Freitagfrüh bereits den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht, sodass es sich auf dem weiteren Weg bereits wieder etwas abgeschwächt hat (Samstagfrüh Kerndruck knapp unter 995 hPa). Nachfolgend zieht es unter weiterer Abschwächung über den Norden Schleswig-Holsteins Richtung Skagerrak, wo es sich schließlich auflöst.
Mit Annäherung des Tiefs nimmt der Druckgradient über Deutschland deutlich zu und der Wind frischt im Laufe des Freitags auf. Durch die Zugbahn des Tiefs sind davon vor allem zunächst der Südwesten und Westen und Teile der Mitte betroffen mit Böen Bft 7 bis 8 um Süd, Samstagfrüh und Samstagvormittag dann auch der Nordwesten und äußerste Norden sowie die Ostseeküste. In Gipfellagen und im Nordseeumfeld gibt es auch Sturmböen Bft 9, exponiert auch schwere Sturmböen Bft 10. Wie weit das Windfeld nach Osten ausgreift, ist noch unsicher. Das zugehörige schon weitgehend okkludierte Frontensystem überquert das Vorhersagegebiet am Freitag rasch nordostwärts, bevor dann an der Südflanke des Tiefs Freitagabend und in der Nacht vor allem im Westen und Norden neue Niederschläge aufkommen. Dabei kann es auch mal kräftiger regnen, Hinweise auf warnwürdige Mengen gibt es aber nicht.
Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag überquert der Höhentrog Deutschland allmählich ostwärts. Am Rande des nordwärts ziehenden Bodentiefs kommt es vor allem in der Mitte und im Norden noch zu Regen, sonst nur vereinzelt zu Schauern. Allerdings wird der Alpenrand und der äußerste Südosten Deutschlands von einem Tief über Norditalien beeinflusst, sodass auch dort Niederschlag fällt. Mit Absinken der Temperatur in 850 hPa auf etwa 0 Grad kann in den Hochlagen der Alpen etwas Schnee fallen.
Vor allem im Küstenumfeld bleibt es noch teils stürmisch, sonst lässt der Wind nach.
In der Zwischenzeit hat sich vorderseitig eines von Großbritannien Richtung Nordsee vorstoßenden Troges das nächste Sturmtief entwickelt. Es zieht am Sonntag unter Abschwächung von Schottland zur mittleren Nordsee. Von dort aus kommt es korrespondierend zu dem Trog in der Höhe nur noch langsam und unter weiterer Auffüllung Richtung Deutsche Bucht voran, wo es sich schließlich in der Nacht zum Dienstag auflöst.
So bleibt der stürmische Wind mit Bft 8 bis 9, exponiert 10 an den Küsten aufrecht, bzw. nimmt im Westen und Nordwesten mit Böen Bft 7 bis 8 wieder zu, bevor er dann im Laufe des Montags wieder nachlässt. Das Frontensystem greift bereits im Laufe der Nacht zum Sonntag von Westen über und hat uns bis Montag 00 UTC ostwärts überquert. Im Bereich des Troges kommt es dann am Montag zu Schauern.
Am Dienstag kommt der Höhentrog durch einen blockierenden Höhenrücken über Russland kaum mehr weiter ostwärts voran und tropft schließlich Richtung Süden ab. Ihm folgt von Westen ein Höhenrücken. Er sorgt für eine vorübergehende Wetterberuhigung, bevor dann in der Nacht zum Mittwoch der nächste Tiefausläufer auf uns übergreift.
Das Temperaturniveau liegt insgesamt in dem für die Jahreszeit normal üblichen Bereich.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des EZMW-Modells lässt bereits zu Beginn der Mittelfrist nach. So wird die Zugbahn des Sturmtiefs am Freitag/Samstag auf etwas anderem Kurs gerechnet als im gestrigen 00 UTC Lauf, ähnlich zum gestrigen 12 UTC Lauf. Allerdings ist die Verlagerungsgeschwindigkeit noch etwas langsamer geworden als im gestrigen 12 UTC Lauf. Entsprechend findet auch die Frontpassage etwas später statt.
Auch die nachfolgende (Sturm-) Tiefentwicklung am Sonntag/Montag wird seit dem gestrigen 12 UTC Lauf anders prognostiziert. Das Tief, das gestern von IFS über die Mitte Deutschlands geführt wurde, hat nun eine deutlich nördlichere Zugbahn über die mittlere Nordsee hinweg. Entsprechend hat sich auch hier die Niederschlags- und Windentwicklung geändert.
Nach Passage der Sturmtiefs gleichen sich die Modellläufe hingegen wieder an.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch im Vergleich zu anderen Modellen zeigt die Entwicklung beider Sturmtiefs noch größere Unsicherheiten mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wind- und Niederschlagsentwicklung. IFS zeigt ähnlich wie GFS und UK10 eine Zugbahn entlang der niederländischen Nordseeküste über die Deutsche Bucht hinweg, ICON liegt nördlicher. Entsprechend beeinflusst das Wind-/Sturmfeld vor allem den Nordwesten Deutschlands und nicht auch den Westen und Südwesten. Zudem schwächt es sich bei IFS und UK10 rascher ab als bei GFS und ICON.
Bei dem nachfolgenden Sturmtief wird die Zugbahn zumindest von ICON ähnlich zu IFS gezeigt. GFS zeigt eine deutlich nördlichere Zugbahn.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen für Temperatur, Niederschlag und Geopotential bis einschließlich Sonntag einen relativ geringen Spread. Erst danach nimmt der Spread deutlich zu. Dann steigt der Median der 850 hPa-Temperatur und des Geopotentials nach Durchschwenken der Tröge zu Beginn kommender Woche vorderseitig des neuen Tiefausläufers rascher an als bei dem Kontrolllauf.
Vor allem am Wochenende zeigen die Rauchfahnen deutliche Niederschlagssignale für mehr oder weniger alle vorliegenden Gitterpunkte.
Die Clusterung des EZMW für den Zeitraum von t+72 bis 96 Stunden zeigt vier Cluster. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 2, der insgesamt 14 Member enthält. In Cluster 1 sind es 16 Member. Beide sehen sich sehr ähnlich und bei Betrachtung des 1000 hPa Geopotentials mit einer Zugbahn des Sturmtiefs wie oben beschrieben. Cluster 3 enthält 13 Member und Cluster 4 beinhaltet 8 Member. Beide zeigen eine etwas nördlichere Zugbahn und gehen somit in Richtung der ICON Lösung. Insofern ist auch diese Lösung weiterhin nicht zu vernachlässigen und die Unsicherheiten bleiben bestehen.
Für den nachfolgenden Zeitraum t+120 bis 168 Stunden gibt es ebenfalls vier Cluster. Zumindest das Tief über Deutschland taucht nirgends mehr auf, dennoch liefert auch die Clusterung keine eindeutigeren Aussagen bzgl. des zweiten Sturmtiefs.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Vorhersagezeitraum ist vor allem die Windentwicklung in Teilen Deutschlands signifikant. Auf Basis der Mehrheit der Modelle und der Ergebnisse von EZMW-EPS und ICON-EPS ist im Folgenden das aus heutiger Sicht wahrscheinlichste Szenario dargestellt.
Am Freitag und in der Nacht zum Samstag sind im Westen und Nordwesten stürmische Böen aus Südwest, im Nordseeumfeld und in den Gipfellagen der Mittelgebirge und der Alpen Sturmböen Bft 9 wahrscheinlich, in exponierten Gipfellagen auch schwere Sturmböen (Bft 10) oder Orkanböen (Bft 11 bis 12).
Am Samstag sind an den Küsten und in einigen Gipfellagen Sturmböen Bft 8 bis 9 aus Südwest bis Süd wahrscheinlich, in exponierten Höhenlagen schwere Sturmböen Bft 10.
Am Sonntag sind an den Küsten Sturmböen Bft 8 bis 9, auf einigen Nordseeinseln auch schwere Sturmböen Bft 10 aus Süd bis Südwest wahrscheinlich. Auch im Nordwesten und Westen sind stürmische Böen Bft 8 nicht ausgeschlossen. In exponierten Höhenlagen schwere Sturmböen Bft 10.
Am Montag ist es an den Küsten und im höheren Bergland weiterhin stürmisch mit Böen Bft 8 bis 9 aus Südwest bis Süd, exponiert sind Böen Bft 10 nicht ausgeschlossen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, ICON-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





