Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 30.05.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Vergleichsweise ruhige Nacht, dafür in Teilen rüpeliger Sonntag - LAUDINE und MECHTHILD lassen´s krachen.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell ... ist die Atmosphäre dabei, konvektive Resteverwertung zu betreiben. Wie meinen? Nun, die Rede ist von einzelnen Gewitterzellen, die sich aus dem Nachmittag in den Abend gerettet haben und nun im äußersten Süden Bayern abgewickelt werden. Viel dürfte nicht mehr kommen, da den Zellen mehr und mehr die Luft respektive der Antrieb ausgehen. Sowohl der Tagesgang als auch der von Westen nahende flache Höhenrücken erweisen sich als konvektive Spielverderber, so dass bald Schluss mit der Ballerei sein dürfte.
Gebildet haben sich die Gewitter - und damit kommen wir zur Wetterlage - auf der warmen Seite einer mitten über Deutschland zonal positionierten, leicht wellenden Luftmassengrenze (LMG). Während die LMG hier bei uns inmitten einer vollkommen antriebslosen, amorph anmutenden Druckverteilung liegt, ist sie nach Norden hin als teilokkludierte Kaltfront einem flachen Tief über Südskandinavien (LAUDINE) anhängig. Die Front oder LMG trennt erwärmte Meeresluft subpolaren Ursprungs (mPs) im Norden von teils abgetrockneter, teils feuchter Subtropikluft (mS/xS) im Süden. Besonders feucht bei leidlicher Labilität präsentiert sich die Luft knapp südlich der Front. In einem relativ schmalen, von der Eifel über Südhessen und Franken bis zur unteren Donau reichenden Korridor findet man gegenüber den anderen Regionen deutlich erhöhte PPW-Werte (25 bis 30 mm, teils noch etwas mehr) und auch die spezifische Grundschichtfeuchte hebt sich mit rund 10 g/kg recht deutlich ab.
In den nun folgenden Nacht zum Sonntag gilt es bereits den Konjunktiv auszupacken bei einer Vorhersage, die gerade mal 6 bis 12 Stunden abdeckt. Zwar ist man sich modellübergreifend dahingehend einig, dass sich der o.e. Rücken über dem Vorhersageraum breitmacht. Bei genauerem Hinsehen allerdings - hier bietet sich das 300-hPa-Niveau an - lässt sich erkennen, dass die Hauptachse des Rückens bis zur Mitte vorankommt. Heißt im Umkehrschluss, der Westen gelangt auf die Rückseite und damit unweigerlich auf die diffluente Vorderseite des nächsten Troges, der als Kurzwellenexemplar via UK/Irland die Nordsee ansteuert. Die Frage ist nun, reichen die vom Trog ausgehenden Hebungsimpulse im Westen bereits in der Nacht aus, die abgehobene Mischungsschicht zu aktivieren und Konvektion auszulösen. Und wenn ja, wie sieht diese aus (räumliche Ausdehnung, geometrische Konfiguration (Einzel-/Multizellen, Verclusterung ja/nein), Import oder Vor-Ort-Entwicklung, Timing, Verlagerung usw.). Scannt man dahingehend die verschiedenen Modelle ab, so werden einem diverse Lösungen kredenzt. Sehr offensive (Zeit/Raum) wie z.B. AROME, tendenziell eher defensive (später Beginn) wie z.B. ICON6_Nest und natürlich zahlreiche Zwischenformen. Fakt ist, dass die ebenfalls von Westen (Niederlande) übergreifende Tiefdruckrinne kaum in der Lage sein wird, die stabile Grundschicht der Nacht zu überrumpeln und das Ganze von unten anzuschieben. Unter Beobachtung steht freilich die große Gewitterzelle über Belgien, der eine gewisse Lebensdauer zugetraut wird. Allerdings breiten sich Wolkenschirm und nicht-gewittriger Regenanteil weit nach Osten aus, was der Zelle die zum Weiterleben erforderliche Aufnahme von Energie um einiges erschwert.
Was bleibt uns also übrig, als die ganze Chose auf uns zukommen zu lassen bzw. voller Vertrauen in die warnenden Hände unser Nachtdienstkollegen zu legen. Gut möglich, angesichts der aktuellen Lage gar wahrscheinlich, dass schon vor Mitternacht die ersten Importschauer oder -gewitter aus Belgien/Luxemburg den Weg zu uns finden. Ob diese dann auf dem Weg nach Osten irgendwann wieder in die Knie gehen (weitgehend jedenfalls; SuperHD/ICON-D2) oder sich aber zu Multizellen bzw. Clustern aufschaukeln, bleibt abzuwarten. Tatsache ist, dass die Schauer/Gewitter wegen der abgehobenen Labilität am ehesten von markantem Starkregen begleitet werden, auch wenn die numerischen Signale alles andere als aufdringlich sind. Tatsache ist auch, dass es im Norden und Osten bei längerem Aufklaren gebietsweise auf unter 10°C abkühlt, während im Westen und Südwesten nicht selten 19 bis 14°C auf der Anzeigetafel stehenbleiben. Hier und da bilden sich ein paar flache Nebelfelder.
Sonntag ... wird die Angelegenheit nicht einfacher, weil die verschiedenen virtuellen Szenarien der Nacht natürlich Auswirkungen auf das Tagesgeschehen haben. Wie viel der möglichen Konvektion läuft in die morgendliche Depression, was bleibt an Restbewölkung, die den Aufbau von CAPE hemmt - nur einige von mehreren Fragen, deren belastbare Antworten der Verfasser an dieser Stelle schlichtweg schuldig bleiben muss.
Widmen wir uns also lieber den Dingen, die wir haben respektive dem, was wir wissen. Erstens, der Rücken wird unter Abflachung langsam nach Osten weggedrückt. Zweitens, der nachfolgende Trog nähert sich dem Vorhersageraum, ebenfalls unter Abflachung. Ergibt drittens eine zunehmend zonal konturierte Höhenströmung, die von Westen her tendenziell immer zyklonaler wird. Viertens, die Tiefdruckrinne breitet sich über die gesamte Norddeutsche Tiefebene sowie das ostdeutsche Tiefland ostwärts. Sollte darin irgendwo ein Druckminimum mit zyklonaler Windanordnung anzutreffen sein (ICON-D2 sieht so etwas am Nachmittag im Nordwesten), dann würde man es MECHTHILD nennen. Fünftens, die feuchte und labil geschichtete Subtropikluft breitet sich über die Mitte bis in den Nordwesten und zum Nachmittag dann zusehend auch im Süden bis an die Alpen aus.
Konsequenz: Je länger der Tag dauert (und desto mehr solare Energie ins System gelangt), desto häufiger kommt es zu konvektiven Umlagerungen. Der Schwerpunkt wird am Nachmittag und in den Abendstunden erwartet. Besonders in der Mitte und im Süden werden gebietsweise zwischen 1000 und 1500 J/kg MU-CAPE simuliert, wenn auch aus den oben genannten Gründen keinesfalls kongruent. Zum Teil überlappen die hohen Energiewerte gut mit sehr soliden Scherungsbedingungen (hauptsächlich aber nicht ausschließlich geschwindigkeitsbedingt, LLS teils um 10 m/s, DLS gebietsweise 20 bis 30 m/s), so dass den Gewittern ein gewisses Organisations- bzww. Rotationspotenzial zuzutrauen ist. Das zeigt sich u.a. in der simulierten Aufwindhelizität, aber auch die simulierten Reflektivitätsmuster warten mit einigen kleineren Bogen- oder Liniensegmenten auf. Der Süden, vor allem die Gebiete südlich der Donau, zieren sich anfangs noch mit "günstigen" Rahmenbedingungen (zu trocken, kaum Scherung), was sich im Tagesverlauf aber ändert.
Resümee: Voraussichtlich ausgehend von der Mitte entwickeln sich bereits am Vormittag erste Gewitter (möglichweise sind am Morgen auch noch einige Restkrökler aus der Nacht am Start), die im weiteren Verlauf immer mehr werden. Dabei strahlt die Gewitteraktivität sowohl in den Süden als auch in den Nordwesten aus. Als Begleitparameter steht grundsätzlich Starkregen auf der Karte (markant, lokal aber auch WU möglich), auch wenn die Gewitter kein Standfußball spielen, sondern über eine gewisse Mobilität verfügen. Je nach Organisationsgrad kommen noch Hagel dazu (1 bis 3 cm, vereinzelt noch etwas größer) und besonders im Süden (Stichwort trockene Grundschicht + inverses V => erhöhtes DCAPE) die Gefahr von (schweren) Sturmböen 9 bis 10 Bft. Müßig zu erwähnen, dass in dem komplexen System wie fast immer auch ein gewisses Überraschungspotenzial steckt, welches die ganzen konzeptionellen Überlegungen in der Praxis am Ende hier und da konterkariert. Letztlich geht´s hier aber darum, die Kompassnadel zumindest einigermaßen an der erwarteten Entwicklung auszurichten.
Weitgehend unbeeindruckt ob des ganzen Tamtams bleibt ein Streifen, der von der Deutschen Bucht über SH, HH und MV bis hinüber zur Oder bzw. Neiße reicht. Erstens mangelt es in trockener Luft am entsprechenden Input latenter Energie und zweitens wäre noch eine zwischen 900 und 800 hPa eingezogene Sperrschicht zu überwinden. Statt Schauer und Gewitter geben sich dort Quellwolken und z.T. längere Sonnenfenster die Ehre. Auch im Westen lässt sich ab dem Nachmittag ein gewisses Erlahmen der Konvektion konstatieren. Druckanstieg über Frankreich lässt den westlichen Wind ein wenig aufleben, wodurch trocknere und niedertroposphärisch kühlere Luft advehiert wird. Damit wird den Bestrebungen der Atmosphäre vertikal zu expandieren zunehmend der Zahn gezogen.
Blieben zum Schluss nur noch die Temperaturen, die im Süden und in Teilen der Mitte auf 24 bis 30°C ansteigen. Gemäßigter das Niveau im Rest des Landes, wo 20 bis 25, in Seenähe je nach Anströmung auch etwas weniger auf dem Zettel stehen.
In der Nacht zum Montag steigt der Luftdruck von Frankreich her weiter an, was einen schmalen Keil bis nach Süddeutschland bzw. zu den Alpen vorstoßen lässt. In der Höhe schwenkt hingegen der der Kurzwellentrog von Westen zu uns rein, der auf seiner unmittelbaren Vorderseite ein PVA-Maximum induziert. Der daraus resultierende Hebungsimpuls hält das Niederschlags- und Gewittergeschehen am Leben, das sich aber mehr und mehr in die Gebiete südliche der Donau respektive den Alpenrand sowie in die östliche Mitte zurückzieht. Die Gewitterwahrscheinlichkeit nimmt im Laufe der Nacht ab, die Neigung zur Verclusterung inkl. Starkregen (z.T. auch mehrstündig) dagegen zu. Sollte es nach Westen hin mal längere Zeit aufklaren, kann sich stellenweise Nebel bilden.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... siehe Übersicht von heute früh oder - wenn Geduld vorhanden - morgen früh.
Modellvergleich und -einschätzung
Auch wenn die Modelle die grundlegende Entwicklung ähnlich sehen, im Detail offenbaren sich schon Unterschiede (zwischen den Modellen, aber auch in der internen Konsistenz). Das ist nicht neu, gerade wenn es um antriebsschwache Gewitterlagen geht. Auch die hochaufgelösten, konvektionserlaubenden Modelle stoßen dann an ihre Grenzen, aber so spielt das Leben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 30.05.2026 um 10.30 UTC
Zeit und gebietsweise teils starke Gewitter mit Fokus auf kurzzeitigem Starkregen, vereinzelt auch größerem Hagel oder Sturmböen. Lokal unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 06.06.2026
Am Dienstag nähert sich von Westen ein Langwellentrog mit abgeschlossenem Höhentief über Irland, dessen Achse bis zum Abend Zentralfrankreich überquert hat und ausgangs der Nacht zum Mittwoch an der Westgrenze Deutschlands anklopft. Dem Höhentrog vorlaufend greift das Frontensystem eines Tiefs über Schottland erst auf die Westhälfte und den Süden, im Laufe der Nacht dann zunehmend auch auf die Mitte über. Die damit einfließende sehr feuchte Luftmasse (PPWs bis über 30 mm) weist nur eine moderate thermischen Labilität auf, wird aber sehr wohl dynamisch gehoben (z. B. diffluente Trogvorderseite, Vorticityadvektion). Die Scherung ist schwach ausgeprägt, was die Organisation der resultierenden Schauer und Gewitter limitiert, CAPE wird nur Moderat aufgebaut (bis 600 J/kg). Gleichwohl sollte es auch zu kräftigen Einzel- und Multizellen kommen, die zwar (auch wenn der Gradient nicht allzu üppig aufgestellt ist) ziehen, dennoch muss in genannten kräftigen Entwicklungen mit markantem Starkregen gerechnet werden, lokal kann es auch mal über die Unwetterschwelle (25 l/qm in kurzer Zeit) gehen. Dazu mag vereinzelt auch kleiner Hagel oder eine stürmische Böe (eventuell auch eine Sturmböe) serviert werden - insgesamt sommerliche Hausmannskost. Da vorderseitig des Troges die Strömung aufsteilt, steigen die 850er Temperaturen bis zum Abend auf gut 10°C im Norden und teils über 15°C im Süden. Für die Höchstwerte bedeutet das im noch lange sonnigen Osten, teils aber auch im Süden Maxima von knapp über 25°C, im schon zu Tagesbeginn wolkigen äußersten Westen dagegen nur Werte um 20°C.
In der Nacht zum Mittwoch zieht die Front weiter nach Osten bis auf eine Linie Schleswig-Holstein - Erzgebirge. Damit kommen auch die Niederschläge - teils verclusternd und weniger gewittrig - etwas nach Osten voran. Während im Süden dabei gebietsweise trotz des Tagesgangs auch höhere Regensummen um 20l/qm in 12 Stunden denkbar sind, bleibt hingegen ein Streifen von der Ostsee bis nach Sachsen bis zum Morgen wohl niederschlagsfrei (nach IFS deterministisch). Letzteres gilt auch für größere Teile des Westens, wo rückseitig der Front mit ihren Niederschlägen stattdessen kühlere Luft einfließt mit 850er Werten zum Morgen von nur noch um oder knapp über 5°C. Damit bewegen sich die Frühtemperaturen in einer Spanne von 14 bis 10°C, in höheren Lagen geht es sogar noch etwas tiefer runter.
Am Mittwoch tropft der Langwellentrog unter Amplifizierung nach Südosten ab, in der Nacht zum Donnerstag bildet sich über der mittleren Adria entsprechend ein abgeschlossenes Höhentief. Die Front wird bis zum Abend den äußersten Osten Deutschlands und in der Folge dann den Westen Polens erreichen, was auch für die mit ihr verbundenen Regenfälle gilt. Ob es dabei im Nachmittagsverlauf nochmal für markante Gewitter im Nordosten reicht hängt auch von der genauen Höhenkonfiguration und der Verlagerungsgeschwindigkeit ab. Wenn ja, dann sollten diese Gewitter in etwa den Charakter der "Dienstagsgewitter" im Westen aufweisen (PPWs bis knapp über 30 mm, wenig Scherung, thermisch nicht sonderlich labil, CAPE unter 500 J/kg). In den übrigen Gebieten sorgt anfangs noch das abtropfende Höhentief für etwas Hebung und auch für gebietsweisen Regen, mitunter mag es auch noch kurze Gewitter geben, die aber nicht sehr kräftig ausfallen und im Tagesverlauf entgegen des Tagesgangs nachlassen. Den Grund dafür liefert ein schwacher Höhenkeil, der sich von Südwesten zwischen das abtropfende Höhentief und das nördliche Trogresiduum über Nordwesteuropa schiebt. Wenn sich im Westen die ohnehin moderaten Schauer und Gewitter beruhig haben und über dem Nordosten die Front herausgezogen ist, sagt der deterministische Lauf von IFS eine weitgehend trockene Nacht voraus. Zum Abend liegen die Temperaturen in 850 hPa zumindest nordöstlich der Elbe noch zwischen 10 und 12°C, zum Donnerstagmorgensind es dann allgemein nur noch 7 bis 10°C. Dabei ist es wechselhaft, teils aber auch mal dichter bewölkt, am Tage steigen die Temperaturen auf 17 bis 24°C, nachts sinken sie auf 14 bis 7°C.
Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag greift erneut ein Troganteil des nordwesteuropäischen Langwellentroges auf uns über, der flache Rücken wurde schon in der Nacht zum Donnerstag schwächer und dabei auch in Richtung Alpen abgedrängt. Eine zu dem Tiefkomplex zwischen Schottland und Island gehörende schwache Front greift schon ausgangs der Nacht auf den äußersten Nordwesten über, so dass schon dann vom Niederrhein bis zur Emsmündung ein paar Tropfen fallen können. Im Tagesverlauf überquert die Front den Norden, im Süden kommt sie aber ins Schleifen, so dass insbesondere in Bayern und Sachsen - wenn überhaupt - nur wenig Niederschlag zu erwarten ist. Diese Sichtweise von IFS (deterministisch) wird aber nicht von allen Modellen geteilt, vielmehr zeigt sich hier eine größere Spanne an Lösungen. Die Frontpassage im Norden ist von schauerartiger Verstärkung und eventuell kurzen Gewittern begleitet, da der Gradient anzieht ist die Gefahr von Starkregen aber nicht allzu groß - vielmehr sollte der Fokus auf eventuelle Sturmböen gelegt werden - und auch Abseits von Schauern und Gewittern kann es in den Hochlagen einzelne steife Böen Bft 7 geben. Die größten Chancen auf Sonne gibt es im Süden und im Osten, wo die Front am längsten braucht um anzukommen. Auch sonst gibt es sonnige Abschnitte, aber nicht so lang und zahlreich. Dabei liegen die Maxima bei 19 bis 25°C, nachts kühlt es ab auf 13 bis 8°C.
Am Freitag bleibt es unter Trogeinfluss wechselhaft und regnerisch, in Verbindung mit einem sehr markanten Kurzwellentrog kann es im Nordwesten kräftige Schauer- und Gewitterentwicklungen bis in den Unwetterbereich (Starkregen, größerer Hagel, orkanartige Böen) geben - die Entwicklung ist aber noch sehr unsicher.
Ab dem Samstag sorgt ein Höhenrücken im Zusammenspiel mit einem sich ausbildenden Bodenhoch für eine Wetterberuhigung und ein Abklingen der letzten Niederschläge.
Am Sonntag sollte uns das Hoch in Form einer Hochrandlage noch erhalten bleiben, am Montag deutet der deterministische Lauf des IFS schon wieder wechselhafteres Wetter an.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle 00-UTC-Lauf des IFS zeigt bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche eine gute Übereinstimmung mit dem gestrigen 12-UTC-Lauf. Dem gegenüber weist der gestrige 00-UTC-Lauf schon zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes am Dienstag der kommenden Woche deutliche und durchaus auch wetter- und warnrelevante Unterschiede zu den beiden erstgenannten Läufen auf.
So wird zum Beispiel die Verlagerungsgeschwindigkeit des sich am Dienstag nähernden und am Mittwoch auf uns übergreifenden Troges von Lauf zu Lauf zurückgerechnet. Das nunmehr prognostizierte Abtropfen des Langwellentroges am Mittwoch hat IFS erst seit dem gestrigen 12-UTC-Lauf auf dem Schirm. Damit verlagern sich nach jetzigem Stand am Mittwoch auch die Niederschläge deutlich langsamer nach Osten als dies z. B. noch im gestrigen 00-UTC-Lauf, aber auch im gestrigen 12-UTC-Lauf angenommen wurde.
Die Dynamik der Wetterlage könnte im Mittelfristzeitraum mit neuen Läufen noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im internationalen Vergleich sind die Unterschiede nicht so groß. Alle hier betrachteten Modelle (IFS, GFS, ICON, UK10) zeigen am Mittwoch das Abtropfen des Langwellentroges nach Südosten, ausgangs der Nacht zum Donnerstag liegt das abgetropfte Höhentief bei ISON und UK10 aber über Süditalien und nicht wie bei IFS und GFS über der zentralen Adria. Auch fällt auf, dass bei IFS die Verlagerung des Troges und damit auch die Verlagerung der Feuchtefelder (und entsprechend auch des Niederschlages) etwas zögerlicher von statten geht als bei den anderen Modellen. Auswirkungen hat dies auch auf die Temperaturen, denn IFS schiebt somit auch die 10°C-Isotherme in 850 hPa langsamer ins östliche Mitteleuropa als GFS, insbesondere aber langsamer als die vergleichsweise "schnellen" UK10 und ICON.
Deutlicher werden die Unterschiede dann zum Ende der Woche. Während GFS am Freitag von Westen einen flachen Rücken einsteuert, simulieren IFS oder auch ICON eine Langwellentrog, der dann auf das europäische Festland übergreift. Somit spannen die Modelle in der zweiten Wochenhälfte noch einen weiten Raum der Möglichkeiten auf, den einzugrenzen zukünftigen Modellläufen obliegt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum +72 bis +96 Stunden werden von den Ensembles des IFS drei Cluster angeboten, die alle durchweg in der Kategorie "Positive NAO" liegen und damit für tendenziell wechselhaftes Wetter sprechen. Die Cluster sind etwa gleich groß (18, 17 und 16 Mitglieder), die Strömungsmuster unterscheiden sich mit Fokus auf Mitteleuropa kaum, das gilt insbesondere für die Geopotentialfelder.
Das Zeitfenster +120 bis +168 Stunden wird in 4 Cluster unterteilt, drei davon (21, 10, 10 member) bleiben weiter durchgängig in der Positiven NAO, einer weiterer "10-member-Cluster" wechselt in die "Positive NAO". Dieser "letzte" Cluster deutet eine deutliche Abschwächung der Tiefdrucktätigkeit über dem Nordostatlantik an und bildet damit in der Tat einen Gegenpol zu den anderen Clustern. Es spricht auch aus Clustersicht somit viel für ein Andauern der wechselhaften Witterung.
In der erweiterten Mittelfrist (+192 bis +240 Stunden) deutet der größte Cluster (19 Mitglieder) eine Blockierungslage an - mit der Hoffnung auf eine längerfristige Stabilisierung des Wetters. Die beiden anderen Cluster (17 und 15 Mitglieder) bleiben aber in der Negativen NAO. Das entspricht auch der Sicht des deterministischen Laufs, für den der Hochdruckeinfluss am kommenden Wochenende nur ein kurzes Intermezzo darstellte und der rasch wieder auf wechselhaftes Wetter umgestellt hat.
Die Rauchfahnen des IFS-Ensembles zeigen einen Rückgang der 850er Temperaturen bis in den Montag hinein von anfangs 12 bis 15°C auf nur noch 6 bis 9°C, dann wieder einen Anstieg bis zum Dienstagabend auf etwa 10°C (bei dann schon etwas größer werdender Streuung), darauf folgend in der zweiten Wochenhälfte wieder einen moderaten Rückgang bei dann aber deutlichem Auffächern der Ensemblelösungen. Die Geopotentialentwicklung ist in den Ensembles von einem Rückgang geprägt, der nur von kurzzeitigen schwachen Anstiegen unterbrochen wird. Auch hier zeigt sich in der zweiten Wochenhälfte ein sehr beeindruckender Anstieg der Streuung. Bezüglich der Niederschläge zeigt sich in den Nächten zum Dienstag und zum Donnerstag ein relatives Minimum, ansonsten wird viel Niederschlag gerechnet, zum kommenden Wochenende deutet sich diesbezüglich aber eine Abschwächung an.
Die Rauchfahnen des GFS-Ensembles stützen die Aussagen des IFS-Ensembles, einerseits in der recht gut abschätzbaren Entwicklung bis in die ersten Wochenhälfte hinein, aber auch in der Hinsicht, dass in der zweiten Wochenhälfte eine sehr massive Zunahme der Unsicherheit zu verzeichnen ist.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI zeigt für den Beginn des Mittelfristzeitraumes für den Norden ein moderates Signal für im Vergleich mit dem Klimamittel erhöhte Temperaturen.
COSMO-LEPS zeigt vor allem in der Nacht zum Mittwoch im Süden Signale bis 30% für Starkregen von mehr als 20 l/qm in 6 Stunden. Von ICON-EU und EZMW werden diese hohen Wahrscheinlichkeiten in den entsprechenden Ensembles nicht bestätigt.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas





