Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 16.01.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Meist ruhiges Hochdruck- und Inversionswetter. In Sachsen, später auch in den ostbayerischen Mittelgebirgen Böhmischer Wind, teils mit Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Aktuell ... ist die Strömung über Europa und dem nahen Ostatlantik stark meridionalisiert, entsprechend behäbig ist das großräumige Muster und eingefahren die Großwetterlage. Wir befinden uns in der Kurzfrist durchweg auf der antizyklonalen Seite der Macht, was uns viele sehr ruhige Tage beschert.
Die beiden Hauptakteure auf der Wetterkarte sind schnell ausgemacht. Zum einen reicht ein Rücken vom zentralen Mittelmeerraum bis zum Baltikum und nach Westrussland. Dieser stützt ein kräftiges und sehr umfangreiches Hochdruckgebiet CHRISTIAN, das seinen Schwerpunkt zwar weit östlich nahe des Urals hat, aber einen wuchtigen Keil bis ins östliche Mitteleuropa und zum Balkan aufzuweisen hat. Zum anderen reicht ein Langwellentrog vom Nordmeer über Westeuropa bis zur Iberischen Halbinsel. Die korrespondierende, rinnenartige Tiefdruckzone hat mit einem leider namenlosen Tief bei Irland ihr Drehzentrum. Die Kaltfront des nach Südnordwegen abgezogenen Randtiefs IULIIA hat den Westen und Nordwesten Deutschlands in den Frühstunden bereits erreicht, geriet aber mangels Schubkomponente in der süd-südwestlichen Höhenströmung ins Schleifen. Ohnehin mangelt es an synoptisch-skaliger Hebung, sodass nur gebietsweise leichter Regen fiel. Weite Teile des Landes profitierten dagegen von Hochdruckeinfluss und viel Sonnenschein, lediglich im sächsischen Bergland sowie in Südost- und Ostbayern floss aus dem Böhmischen Becken sowie entlang der Donau teils feuchte-kalte Luft mit tiefer Stratusbewölkung ein. Während es dort leichten Dauerfrost gab, machte sich ansonsten die niedertroposphärisch aus Süden einfließende, sehr milde Luftmasse (mS und mSp) bemerkbar. Vor allem in mittleren Lagen sowie an den Nordrändern der Mittelgebirge stiegen die Temperaturen verbreitet über 10, am Oberrhein lokal bis frühlingshafte 16 Grad.
In der Nacht ändert sich an dieser Gemengelage wenig überraschend kaum etwas. Innerhalb des quasi stationären Rückens bildet sich ein eigenständiges Höhenhoch mir Kern über dem Baltikum. Dieses stärkt den bis ins östliche Mitteleuropa gerichteten Hochkeil sogar noch etwas. Die starke Blockadewirkung des Hochs geht auch am Trog nicht spurlos vorbei, dieser neigt über Westeuropa abzutropfen und schwenkt nur in seinem Südteil noch etwas nach Osten. Dadurch kommt es über dem westlichen Mittelmeerraum zunehmend zu Druckfall, was die Grundströmung bei uns mehr auf Südost drehen lässt. Die schleifende Front über dem Westen und Nordwesten wird dadurch langsam wieder nach Westen herausgedrückt, zwischen Eifel und Nordsee kann es aus wechselnd starker Bewölkung aber noch etwas regnen. Bei deutlich positiven Temperaturen ist der Niederschlag warntechnisch völlig unkritisch. In den übrigen Landesteilen kräftig sich die Inversion, wobei sich in der Grenzschicht vom Böhmischen Becken, von der unteren Donau sowie von Polen und der Ostsee her zunehmend tiefer Stratus über der Osthälfte ausbreitet. Abseits davon ist der Himmel gering bewölkt, stellenweise kann sich dichter Nebel bilden. Neben dem Westen und Nordwesten bleiben auch Teile Norddeutschlands frostfrei, ansonsten tritt verbreitet leichter, örtlich mäßiger Frost auf. Glätte (durch überfrierende Nässe oder Reif) spielt wahrscheinlich nur eine untergeordnete Rolle. In Sachsen kommt Böhmischer Wind auf, der orographisch und katabatisch verstärkt steife, exponiert eventuell bereits erste stürmische Böen (Bft 7-8) bringt.
Samstag ... verändert sich die Position des vom zentralen Mittelmeer ins östliche Mitteleuropa und von dort bis weit nach Westrussland reichenden Rückens kaum. Das darin eingelagerte Höhenhoch über dem Baltikum kräftig sich aber noch etwas und stützt weiterhin die zonal orientierte, von Westrussland bis ins östliche Mitteleuropa und zum Balkan reichende Hochdruckzone (CHRISTIAN). Vorderseitig eines kurzwelligen Rückens kann sich zudem ein Keil nach Südskandinavien ausbilden. Der Trog über Westeuropa tropft derweil zur Iberischen Halbinsel ab, das Residuum wird langsam zugeschüttet. Ähnliches geschieht mit der korrespondierenden Tiefdruckrinne, während es über Spanien und dem westlichen Mittelmeer zu weiterem Druckfall und Ausbildung eines neuen Tiefdruckgebiets kommt.
Die Strömung über Deutschland kann dadurch noch etwas stärker auf Ost-Südost drehen, womit sich der tiefe Stratus unterhalb der markanten Inversion bei 900/950 hPa vom Osten langsam auch bis in die Westhälfte voran arbeiten kann. Sonnig bleibt es bis zum Abend am Nordrand vom Rothaargebirge (NRW) sowie generell in den Hochlagen. Dort macht sich weiterhin die milde Luftmasse (T850 3 bis 8 Grad) bemerkbar, mit Spitzenwerten von 11 oder 12 Grad am Niederrhein und an der Ruhr. Unter dem Hochnebel bleibt es deutlich kälter, in den Niederungen im Süden und Südosten reicht lokal wieder für Dauerfrost. Im sächsischen Bergland legt der Böhmische Wind durch weitere katabatische Verstärkung und Gradientzunahme zu und bringt teils stürmischen Böen Bft 8, eventuell auch Sturmböen Bft 9 aus Südost.
In der Nacht zum Sonntag kräftig sich der Keil über Skandinavien, zeitgleich fällt der Luftdruck im westlichen Mittelmeerraum weiter, wodurch die Strömung bei uns zunehmend auf Ost dreht. Damit gelangt in den Osten bodennah langsam etwas trockenere Kontinentalluft, zudem wird die Inversion durch beständiges Absinken weiter nach unten gedrückt. Dadurch steigen die Chancen auf größere Lücken in der Stratusdecke. Meist bleibt sie aber noch dicht, mit Ausnahme einiger Lee- und Hochlagen. Örtlich bildet sich wieder dichter Nebel. Frostfrei bleibt es entlang des Rheins und an einigen seiner Nebenflüsse sowie wieder in Teilen Norddeutschlands. Sonst stellt sich verbreitet leichter, vor allem im Süden örtlich mäßiger Frost ein. Glätte tritt allenfalls örtlich durch gefrierende Nebelnässe oder Reif auf. Der Böhmische Wind sorgt im sächsischen Bergland sowie im Vorland weiterhin für stürmische Böen, teils Sturmböen aus Südost, auch in den ostbayerischen Mittelgebirgen sind steife, exponiert stürmische Böen aus Ost nicht ausgeschlossen.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... gibt es keine Änderungen zur Frühübersicht. Andauer des Hochdruckeinflusses, dabei weitere Abtrocknung der Luftmassen und wieder zunehmende Sonnenanteile. In Sachsen und in den ostbayerischen Mittelgebirgen Andauer des Böhmischen Windes, teils mit Sturmböen. Insgesamt leichte Abkühlung, stellenweise Dauerfrost, nachts im Osten und Südosten verbreiteter mäßiger Frost.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle sind sich ziemlich einig.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 16.01.2026 um 10.30 UTC
Weitgehend ruhig, wieder kälter
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 23.01.2026
Fazit vorweg: Es geht ereignisarm und allmählich wieder kälter weiter: winterlicher Hochdruck.
Die Mittelfrist ist geprägt von blockierenden Hochdruckgebieten über Osteuropa. Tiefdruckgebiete und ihre Ausläufer, die beständig Westeuropa heimsuchen und sich von dort ins westliche Mittelmeer verlagern, haben vorerst keinen Einfluss auf unser Wetter.
Am Montag liegt ein Hoch mit anfänglichem Kerndruck von über 1040 hPa über Weißrussland und der Ukraine. Es beginnt sich allmählich meridional auszudehnen, wobei der Kerndruck abnimmt. In der Nacht zum Dienstag erstreckt sich das Hoch von Nordskandinavien über das Baltikum und Osteuropa bis an den Bosporus. In der Höhe erstreckt sich korrespondierend hohes Geopotential. Östlich des Hochs liegt ein Tiefdruckgebiet über Russland, das feuchte und kalte Luft nach Osteuropa führt.
Im Laufe des Dienstags zieht sich aus der Hochdruckzone ein Hoch nach Skandinavien zurück, von Westen her baut sich der hohe Druck am Boden bei uns etwas ab. Das Tief über Russland stößt am Mittwoch in die Ukraine und zum Schwarzen Meer vor. Auf dessen Rückseite nähert sich von Osten her langsam kalte Luft (<0 Grad in 850 hPa) der Bundesrepublik. Sie greift aber voraussichtlich erst am Freitag über. Am übernächsten Wochenende kämpfen das Hoch über Skandinavien, das sich langsam wieder bis nach Südosteuropa ausdehnt, und ein Tief bei den Britischen Inseln um die Wettervorherrschaft bei uns. Die Luft wird deutlich kühler, und zumindest in der Grundschicht auch wieder feuchter.
Aus Süden fließt von Montag bis Donnerstag recht milde Luft (+3 bis +6 Grad in 850 hPa) zu uns. Die kann sich aufgrund der anhaltenden Inversion jedoch nicht bis zum Boden durchsetzen. Dort herrschen meist Maxima von 1 bis 5, im Westen und Süden zu Beginn der Woche noch 6 bis 9 Grad. In den Folgetagen baut sich die milde Luft im Westen und Süden allmählich ab. Gering bewölkte oder klare Nächte sorgen für zunehmende Abkühlung. Verbreitet tritt Frost auf, vor allem im Osten und Süden auch mäßiger Frost unter -5 Grad. In einigen Bergtälern ist vereinzelt strenger Frost knapp unter -10 Grad möglich. In der zweiten Wochenhälfte kann es im Osten auch wieder zu Dauerfrost kommen. In der erweiterten Mittelfrist wird die Luft noch etwas kälter: Ab Samstag strömen in der Nordosthälfte -5 bis -10 Grad in 850 hPa ein. Auch nach Südwesten hin ist es mit 0 bis -3 Grad in 850 hPa schon kälter.
Da die Luft vor allem in der Osthälfte des Landes trocken ist, lösen sich Nebel und Hochnebel gut auf und die Sonne setzt sich oft durch. Nur im Süden und Westen an größeren Flüssen ist es längere Zeit trüb durch anhaltend feuchte Luft in den untersten Schichten. Dort lässt sich auch etwas Niesel oder Nebelnässe nicht ausschließen, sonst ist es niederschlagsfrei. Zum Ende der Woche wird die Luft wieder etwas feuchter, was häufiger zu Nebel und Hochnebel führt.
Der Wind spielt in der Mittelfrist eigentlich keine Rolle. Lediglich lokale Berg-Talwind-Phänomene können auftreten. In Sachsen kommt es zu Wochenbeginn noch zu Böhmischem Wind am Erzgebirge und Zittauer Gebirge, der mitunter stürmische Böen hervorrufen kann, im Verlauf aber nachlässt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des IFS zu seinen Vorgängern ist bis Ende nächster Woche hoch. Ob sich zum übernächsten Wochenende ein Tiefdruckgebiet von Westen her durchsetzt (gestriger 12 UTC Lauf) oder diese weiter über Westeuropa südwärts abtropfen (0 UTC Lauf gestern und heute), bleibt abzuwarten.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch andere Modelle simulieren bis weit in die kommende Woche in der Hauptsache eine blockierende und ereignisarme Wetterlage für Deutschland. Zum Ende der kommenden Woche driften aber alle Modelle auseinander.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluster bieten wenig verwunderlich Blocking als Wetterregime über die ersten zwei Zeitschritte (Montag bis Freitag). In der erweiterten Mittelfrist (Samstag bis Montag) werden drei Lösungen angeboten. Dabei spielt neben Blocking nun auch NAO negativ mit. Haupt- und Kontrolllauf liegen in Cluster eins mit 21 Mitgliedern und durchweg NAO-. Cluster zwei weist unwesentlich weniger Mitglieder auf (18) und hält das Blocking weiter aufrecht. Cluster drei (12 Mitglieder) sieht anfangs einen leicht zyklonalen Einschlag bei uns, allerdings mit abtropfendem Tief über Südwesteuropa und sofortiger Rückkehr zur Hochblockade am Montag.
Die Rauchfahnen sind modellübergreifend bis nächsten Mittwoch eng. Dann wird der Spread größer. Der Trend ist klar: wieder kälter (unter 0 Grad in 850 ab spätestens Freitag), abnehmendes Geopotential. Insgesamt ist kein Sturz erkennbar, sondern ein schrittweiser und stetiger Abbau. Die Rückkehr zum Winter, nur ohne Niederschlag.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Das signifikante Wetter in der Mittelfrist beschränkt sich auf Böhmischen Wind in Sachsen zu Wochenbeginn sowie vereinzelt strengen Frost im Bergland bei längerem Aufklaren. ________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, IFS-MOS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn





