Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 14.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Hoch Nordmeer zyklonal (HNz) - zyklonal vor allem in der Höhe
Vor allem in der Südosthälfte lokal kräftige Gewitter mit Unwetterpotential durch teils extrem heftigen Starkregen und größere Hagelansammlungen. Im Südwesten schwül-heiß und hohe Wärmebelastung.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... vielfach eine tropische Nacht im Südwesten, gebietsweise Gewitter im Norden und Osten sowie im Südwesten: Es ist offensichtlich, dass die Luftmasse inzwischen deutlich feuchter und damit konvektionswilliger geworden ist. Allein der erste Blick aufs Satellitenbild verrät eindrücklich, dass bei dem zyklonal rotierenden Wirbel über der Lüneburger Heide mit teils gewittrigen Clustern im Schlepptau wie gewohnt die Diagnose zunächst mal in der Höhe starten sollte.
In der Tat befindet sich dort ein breit angelegtes, mehrkerniges Höhentief, das sich von Südschweden, der südlichen Ostsee und Westpolen scharf zulaufend mit einem Trog bis nach Benelux erstreckt. Der kräftige Rücken wurde damit unterwandert und hat sich inzwischen in einen Anteil über dem westlichen/zentralen Mittelmeer sowie einem nicht minder massiven Zentrum dicht nördlich von Schottland aufgespalten. Letzterer stützt auch das kräftige Bodenhoch LAURENT mit über 1030 hPa bei den Färöer Inseln, womit bei uns eine Hochdruckrandlage, High-over-Low - oder vielleicht doch am passendsten formuliert - "High-over-Sumpf" resultiert. Von Frankreich hat sich nämlich eine Rinne bis nach Süddeutschland "reingebohrt", wenngleich das Druckniveau innerhalb dieser insgesamt mit etwa 1015 hPa noch vergleichsweise hoch ist.
Kurzum: Mit dem ruhigen und störungsfreien Sommerwetter ist es nun in vielen Landesteilen vorerst vorbei und man hat schon im Nowcasting alle Hände voll zu tun, die genauen Gewitterschwerpunkte exakt herauszuklamüsern. Die Modellperformance ließ dabei laut Kollegen aus der gestrigen Spät- und Nachtschicht bereits in der Kurzfrist abermals zu wünschen übrig, da mehrheitlich subskalige und sich teils gegenseitig beeinflussende Prozesse beteiligt sind.
Daher starten wir doch mit dem Bereich, der noch am einfachsten "abzuarbeiten" ist. So wird am Rande des Hochs mit einer nordöstlichen Strömung von der Ostsee bodennah, trockenere Luft eingesteuert, so dass nordöstlich einer Linie Hamburg-Berlin nach Abklingen letzter Reste aus der Nacht einem vielfach sonnigen und trockenen Tag nicht viel im Wege steht. Und das Ganze auch noch bei angenehmen Temperaturen von 24 bis 28 Grad - herrlich!
Angesichts der Höhenkonstellation etwas überraschend ist, dass von den konvektionserlaubenden Modellen auch im Nordwesten und Westen (Trogachse und dicht südlich davon) kaum oder so gut wie nichts an Gewitteraktivität simuliert wird. Schaut man in die Progtemps so zeigt sich teilweise noch ein leichter Deckel in 700 hPa, der Bestand hat, sowie Trockeneinschübe in bodennahen und mittleren Troposphärenschichten. Dennoch kann es lokal einzelne heftigere Entwicklungen geben ...
..., die sich primär aber auf einen Bereich von den zentralen Mittelgebirgen bis in die Lausitz und südlich davon erstrecken. Die Scherung ist zwar meist leichter Natur (10-15 m/s), erreicht lokal aber gerade an der Südflanke des Höhentiefs doch mal die 20 m/s. Trotz geringer Windgeschwindigkeiten in unteren Schichten schauen die Hodographen gut gekrümmt aus. Durch die Gegenläufigkeit der Strömung erstreckt sich der Inflowbereich mitunter über die gesamte Grenzschicht hinweg. Bei einer aus der Luftmasse zur Verfügung stehenden Energie von über 1000 J/kg, lokal an die 2000 J/kg und PPW's bis 40 mm liegt das Hauptaugenmerk auf pulsierenden Multizellen und einzelnen Superzellen, die heftigen, vereinzelt extrem heftigen Starkregen über 40 l/qm binnen kurzer Zeit und große Ansammlung von Hagel mit Korngrößen von 1 bis 3 cm produzieren können. Auch Sturmböen um 80 km/h (Bft 9) sind lokal mit dabei. Die heftigsten Entwicklungen sind dabei am Nachmittag und Abend in den Bereich stromauf und damit knapp westlich der Bereiche zu erwarten, die bereits am Vormittag von den gewittrigen Regenfällen erfasst werden (Anfeuchtung und nachfolgende Einstrahlung). Insgesamt erscheinen die Signale aber gerade in den Ensembles viel zu diffus, als dass man großflächige Gebiete mit einer Vorabinfo einfärben müsste, wo der Großteil davon ein Gewitter nur aus der Ferne erahnen kann. Dazu werden schwül-heiße 29 bis 35 Grad erreicht, in Teilen Südbrandenburgs bei längerem Regen nur wenig über 20 Grad (keine 26 Grad wie im Mos).
In der Nacht zum Mittwoch schwenkt der Randtrog in der Höhe von West- nach Süddeutschland und kann dabei vorübergehend noch etwas an Schärfe zulegen bei zeitweilig leicht diffluenter Vorderseite. Ein weiterer Randtrog schwenkt von Dänemark nach Benelux und formt das Gebilde des Höhentiefs phasenweise zu einer Art "Lorenz-Attraktor". Bodennah wird die Rinne etwas nach Süden zu den Alpen abgedrängt, die trockenere Luftmasse aus Norden macht Raum bis zur Mitte gut.
So toben sich anfangs noch zahlreiche, teils heftige Gewitter über der Südosthälfte aus, deren zunehmende Verclusterung bald startet und die sich im Laufe der Nacht immer mehr Richtung Lausitz, Niederbayern und Alpen zurückziehen. Teils kann es auch in warnwürdigen, ungewittrigen Starkregen übergehen. Von Norden und Westen lockert es vermehrt auf. In den Frühstunden kann sich örtlich flacher Nebel bilden.
In den Ballungsräumen im Süden und Südwesten des Landes kann es bei vielen Wolken und keinem "Gewittervolltreffer" erneut für eine Tropennacht reichen. Ansonsten werden am Morgen meist 18 bis 13 Grad gemessen, in Vorpommern teils nur 10 Grad.
Mittwoch... wirkt die Ausgangslage zunächst sehr ähnlich zum heutigen Dienstag, nur mit dem Unterschied, dass der dipolartige, leicht elliptische Höhentiefkomplex und die am Südrand befindliche potentiell feuchteste und instabilste Luftmasse etwas nach Süden verschoben sind. Die Grenze dürfte etwa entlang von Main und Mosel liegen, nördlich davon nur sehr vereinzelt kurze Schauer oder Gewitter auftreten.
Natürlich ist auf der Südflanke erst einmal maßgebend, wieviel aus der Nacht heraus an Konvektion noch übrig ist beziehungsweise wieviel sich mit neuerlicher Annäherung des Sekundärtroges aus Westen in den Frühstunden (abgehoben) neu formieren kann. Vor allem über Baden-Württemberg und Oberbayern gibt es in der Numerik Signale dafür.
Nach dem üblichen vormittäglichen Konvektionsminimum lebt die Aktivität dann in den Nachmittagsstunden erneut auf. Die Luftmasseneigenschaften sind ohne -wechsel entsprechend ähnlich, von Norden allerdings zunehmend "verbraucht". Die Scherungsbedingungen sind aber durchaus eine Größenordnung höher mit vielfach 25, lokal 30 m/s zwischen 0 und 6 km. Die bodennahe Schicht mit östlichen Winden im Bereich der Rinne wird flacher, vom Durchgang einer Druckwelle und Drehung auf West bis Nordwest sind wir aber im Süden morgen weit entfernt.
Damit nimmt morgen im Süden auch die Gefahr von Großhagel und Böen bis Orkanstärke deutlich zu, weshalb sich je nach Entwicklung der weiteren Läufe eine Vorabinfo für morgen deutlich mehr aufdrängen würde.
Weiter nördlich kann das Höhentief mit der Luftmasse nicht mehr ganz so gut interagieren, sind die Trockeneinschübe groß und der bodennahe antizyklonale Einfluss des Hochs LAURENT dominanter. Gerade mithilfe der Orographie kann es vereinzelte Überentwicklungen geben. Vielfach verläuft der Tag aber bei nur lockerer Quellbewölkung heiter und trocken bei einem zeitweise böig auffrischenden Nordostwind.
Für 30 Grad und mehr reicht es gebietsweise noch in der Westhälfte des Landes, meist werden es 25 bis 29 Grad - im Süden bei drückender Schwüle.
In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich das Höhentief kaum, die Dipol schält sich aber immer deutlicher heraus. Auf der Vorderseite des östlichen Kerns über der Lausitz wird nun vom Balkan feuchtere (hochreichend gesättigte) und auch leidlich instabil geschichtete Luftmasse angesaugt, weshalb auch ein gewisser Beitrag an WLA generiert wird. Diese Luftmasse wird im Laufe der Nacht voraussichtlich auch in den Nordosten gesteuert, wobei bei der räumlichen Ausbreitung, Intensität/Gewitteraktivität noch größere Unsicherheiten vorhanden sind. Stand jetzt ist vor allem Richtung Oderbruch und Uckermark mehrstündiger, teils gewittriger Starkregen nicht ausgeschlossen (ICON-D2-EPS bis 20% für mehr als 20 mm/6h).
Im Süden sind unterdessen noch weitere Gewitter (teils Unwetter) unterwegs, die sich aber immer mehr zu den Alpen zurückziehen und spätestens nach Mitternacht auch deutlich abschwächen.
Sonst ist es oft nur locker bewölkt und meist trocken bei angenehmen 18 bis 10 Grad.
Donnerstag... wird eine grundlegende Umstellung der Großwetterlage initiiert, in dem sich ein satter Kaltluftausbruch bei Island und folgendem Potentialfall anschickt Kontakt zu den Cut-Offs über Deutschland, respektive der westlichen Biskaya aufzunehmen. Das bis dato stabile Höhenhoch bei Schottland wird rasch ostwärts über Skandinavien hinweg Richtung Baltikum abgedrängt und im Vorfeld eines Sturmtiefs bei Neufundland rückt ein neuer Rücken über dem zentralen Nordatlantik nach. Diese vorübergehende Schwachstelle in der Brücke nutzt nun der südwärtige Trogvorstoß in der Folge für sich aus.
Zunächst einmal ändert sich im Detail über Deutschland aber noch nicht als zu viel. Die gradientschwache Hochdruckrandlage der nur noch schwächeren Hochdruckzentren über Nord- und Ostsee wird durch das Höhentief mit Zentrum über der nördlichen Mitte etwas konterkariert - jedoch ohne den letzten Pepp der vergangenen Tage.
Ja durchaus, es wird auch am Donnerstag für einige Gewitter reichen, die aber in Verbreitung und Stärke nicht mehr das Niveau der Vortage erreichen. Schwerpunkte sind vor allem der Nordosten von Brandenburg und Berlin bis nach Schleswig-Holstein (hochreichende Sättigung, Fokus ganz klar auf Starkregen, wahrscheinlich mit deutlicher Unterschätzung im RH-Produkt) sowie der äußerste Süden Deutschlands, wo CAPE-Scherung Interaktion immer noch an vielversprechendsten sind (> 1000 J/kg bei 15-20 m/s). Einen stärkeren Ausbruch verhindert wohl eine leicht auf Südwest rückdrehende und antizyklonal gekrümmte Höhenströmung.
In weiten Landesteilen wird es aber erneut ein sonnenscheinreicher Tag mit nur harmloser Quellwolken-/mittelhohen Wolkenfeldern - Garnitur und weitgehend trocken bleiben bei ähnlichen Temperaturen zwischen 28 und 32 Grad, im Nordosten unter den Wolken etwas kühler zwischen 20 und 25 Grad.
In der Nacht zum Freitag beginnt der Trogausbruch von Island mit Übergreifen in die Nordsee den Cut-Off einzufangen. Dieser richtet sich dann zunehmend von Südwest nach Nordost gerichtet aus und erstreckt sich Fr00z von der Biskaya über den Englischen Kanal bis zur Deutschen Bucht. Auf dessen Vorderseite nimmt die Hebung zu und aus der einst flachen Rinne formiert sich ein abgeschlossenes Tief über Ostfrankreich/Belgien, das zunehmend auch frontale Strukturen ausbildet.
In diesem Zusammenhang greifen im Laufe der Nacht auf den Südwesten vermehrt kompakte, mehrschichtige Wolken mit schauerartigen Regenfällen über, die teils gewittrig durchsetzt sind. Während an der Nordflanke die Starkregengefahr im Fokus steht, können auf der warmen Seite selbst in den Nachtstunden bei guten Scherungsbedingungen über Süddeutschland neue gut organisierte (Super-)Zellen entstehen mit Begleiterscheinungen bis in den Unwetterbereich hinein.
Sonst gibt es wahrscheinlich nur noch einzelne Schauer in Küstennähe und es ist nur locker oder gering bewölkt. Im Nordosten kann sich nach Abzug des Regens örtlich Nebel bilden. Die Frühwerte liegen meist zwischen 20 und 15 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Großskalig betrachtet sind die Unterschiede überschaubar. Dass bei dieser insgesamt doch eher antriebsschwachen Lage im Detail bei den Konvektionsschwerpunkten große Unterschiede auftreten, versteht sich von selbst. Die Vorhersagen von gestern für die vergangene Nacht haben die Konvektion insgesamt auch sehr unterschiedlich bewertet und vielfach räumlich unterschätzt und/oder zeitlich falsch bewertet. Die Luftmasse ist definitiv tauglich für lokale Unwetter mit Starkregen bis in den extremen Bereich hinein. Die Signale im EPS sind aber in Summe nach Absprache zu kleinräumig für die Ausgabe einer Vorabinfo.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 14.07.2026 um 10.30 UTC
Übergang zu mäßig warmer bis warmer und wechselhafter Nordwestlage.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 21.07.2026
Wetter und persönliche Präferenzen sind zwei verschiedene Dinge, die eigentlich nicht zueinander passen. Die einen wollen so, die anderen so, nass, trocken, kühl, heiß oder am besten irgendwas (ein sehr vielfältiges Irgendwas) dazwischen. Das kann natürlich nicht funktionieren und so tut man am besten daran - auch wenn´s manchmal schwer fällt -, das Wetter zu nehmen wie es kommt. Als Meteorologe, der sich von Berufs wegen nahezu tagtäglich mit Vorhersagen befasst, hat man sich ohnehin eine Art Kokon zugelegt, um Neutralität zu wahren. Nun sind Meteorologen - was für eine Überraschung - Menschen wie du und ich, die freilich auch ihre Neigungen, ihre Favoriten oder ihre Abneigungen beim Wetter haben. Der Hoffmann beispielsweise ist aufgrund seiner ausgeprägten Affinität zu Norddeutschland alles andere als ein Freund von Hitze (die gerade hier im Rhein-Main-Gebiet mitunter alles andere als ein Vergnügen ist) und so ist es heute eine besondere Freude, genau diese Mittelfristschicht machen zu dürfen. Womit wir endlich beim eigentlichen Zweck dieses Bulletins wären, der Wetterlage der nächsten 3 bis 10 Tage. Da tut sich nämlich einiges in der Atmosphäre, aber eins nach dem anderen.
Einsteigen tun wir am kommenden Freitag, dem offiziellen Beginn der Mittelfrist, an dem die Weichenstellung für die bevorstehende Umstellung schon weit gediehen ist. So hat sich u.a. über dem nahen Atlantik ein dickes fettes Hoch eingenistet, das quasi als unumstößliche Säule der nahenden Abkühlung von Nord-Nordwest dient. Zweites wichtiges Element ist ein veritabler Potenzialtrog, der vom Nordpolarmeer beginnt südwärts auszugreifen. Dabei schnappt er irgendwann im Laufe des Freitags das aus der aktuellen Lage bekannte Höhentief auf, das bis dahin zur Nordsee geirrlichtert ist In Summe ergibt sich ein wunderschöner, meridional exponierter Höhentrog, der zum Samstag volle Lotte auf Mitteleuropa respektive Deutschland übergreift.
Bereits auf der Vorderseite entwickeln sich in der gealterten, potenziell instabilen und nicht mehr ganz so heißen Luftmasse (30°C sind am Freitag mehr als fraglich und wohl höchstens noch vereinzelt anzutreffen) zahlreiche Gewitter, Schauer und/oder schauerartige Regenfälle, wobei Details dazu noch offenbleiben müssen. Die Signale, dass die Gewitter kräftig ausfallen und auch (un)gewittriger Starkregen an den Start geht, sind recht deutlich. Es dürften also sehr arbeitsreiche Schichten für die Diensthabenden werden, auch noch in der Nacht zum Samstag.
Apropos Samstag, während die Druckverteilung am Freitag noch ziemlich flau daherkommt, zeichnet sich ein Tag später bzw. schon bereits in der Vornacht über Südskandinavien die Bildung eines sehr soliden Sommertiefs ab. Es passiert rasch den Süden Schwedens, um zum Sonntag hin mit einem apostrophierten Kerndruck von unter 1000 hPa das Baltikum anzusteuern. 1000er-Tief auf der einen, 1030iger-Hoch auf der anderen Seite, da geht was in Sachen Wind. Und tatsächlich frischt der auf West bis Nordwest drehende Wind schwerpunktmäßig auf und an der Nordsee spürbar und in Böen stürmisch (8-9 Bft) auf. Inwieweit das Starkwindfeld auch die Ostsee respektive das Binnenland erfasst, muss noch abgewartet werden. Fakt ist, dass staffelweise maritime Polarluft (mP) straight foreward über die Deutsche Bucht ins Land gesteuert wird, was nicht nur T850 auf Abwärtskurs bringt (Fr 12 UTC noch 10 bis 18°C, So 00 UTC 6 bis 11°C), sondern auch die 2m-Temperatur nach unten korrigiert. So wird es direkt an den Küsten schwer bis unmöglich, noch auf 20°C zu kommen, während es im Süden und in der Mitte aber in Teilen noch für einen Sommertag 25+X°C reicht. Zwar ist das letzte Wort in Sachen Wetter noch nicht gesprochen. Es deutet sich aber an, dass es an den Alpen durch einsetzenden Stau länger andauernd regnet bzw. wiederholt Schauer und auch einzelne Gewitter reindrücken. Ansonsten stehen noch einzelne Schauer oder kurze Gewitter auf der Karte, in weiten Teilen bleibt es aber bei wechselnder Bewölkung trocken.
Ab Sonntag stellt sich eine vergleichsweise stationäre Strömungskonstellation ein, bei der sich der o.e. Trog mit seiner Hauptachse über das östliche Mitteleuropa legt. Als Gegenspieler fungiert ein nicht minder substanzieller Rücken über dem nahen Atlantik, der nicht nur das knapp west-nordwestlich von UK/Irland positionierte Hoch auf Position hält. Gleichzeitig induziert er im Zusammenspiel mit dem Trog eine überwiegend zyklonal konturierte Nordwestströmung mit Hang zur Flatterhaftigkeit über Deutschland. Darunter strömt mäßig warme bis warme Luft zu uns (es gab mal Zeiten, da wurden bei vergleichbaren Wetterlagen mit Nordwest weit kühlere Luftmassen von der Nordsee advehiert, wo man froh war, am Wangerooger Strand Hoodie, Jogginghose und Mützchen sein eigen nennen zu dürfen), in der es zu wechselhaften, an der See gerade am Sonntag noch windigen Wetterabläufen kommt. Dabei soll es auch immer wieder zu in weiten Teilen des Landes dringend benötigten Regenfällen kommen. Wohl leider weniger im Südwesten, wo ein Keil der Bodenhochs greift, als vielmehr in der NO-Hälfte.
In der Folge ab Mittwoch (erweiterte Mittelfrist) zeichnet sich ein nur sehr, sehr schleppende Progression des großräumigen Strömungsmusters ab. Heißt im Klartext, Hoch und Rücken nähern sich nur in kaum messbaren Schritten dem Europäischen Kontinent, was die Fortdauer der Wechselhaftigkeit bei nur zögerlich steigender Temperatur zur Folge hätte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz von IFS (ECMF) kann heute als gut bis sehr gut bezeichnet werden. So wird die gestern bereits angekündigte Änderung der Großwetterlage - ab Freitag beginnend soll die derzeit sehr warme bis heiße Luft durch gemäßigte Luftmassen ersetzt werden - vom neuen 00-UTC-Lauf bestätigt. Kleine Unterschiede in den Basisfeldern der verschiedenen Modellläufe liegen im handelsüblichen Rahmen mittelfristiger Vorhersagen und haben so gut wie keinen Einfluss auf die Prognose. Unklar ist derzeit noch, wie schnell das Hoch über dem nahen Atlantik bzw. UK/Irland im Laufe der nächsten Woche (also bereits in der erweiterten Mittelfrist) Zugriff auf unser Wettergeschehen bekommt. Im neuesten 00-UTC-Lauf wurde ein bisschen auf die Bremse getreten, was gut in den Kontext zu den nordamerikanischen Globalmodellen GFS und GEM passt...
Vergleich mit anderen globalen Modellen
..., womit wir beim Vergleich der relevanten Globalmodelle wären, zu denen neben den "Nordamerikanern" auch das deutsche ICON sowie das britische UK10 gehören. Und was soll man sagen, offensichtlich haben alle mal wieder richtig Bock auf Hitzepause und einen zünftigen Sommertrog. Dass dabei die Detailabläufe (noch) nicht ident sind und auch der z.B. die Geometrie des Troges nicht zu 100% kongruent ist - geschenkt. Interessant an dieser Stelle allerdings das kleine, aber feine und wirksame Tief am Samstag/Sonntag, das bei ICON und GFS erstens langsamer und zweitens auch anders zieht. So wird nicht das Baltikum angesteuert, sondern Westpommern, was bei uns längere Zeit Wind/Sturm zur Folge hätte, auch an der Ostsee.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Starten wir mit den Clustern von IFS-EPS, die von Freitag bis Samstag (T+72...96h) mit nur einer einzigen Lösung aufwarten - Übergreifen des Höhentrogs. Von Sonntag bis Dienstag (T+120...168h) erhöht sich die Anzahl der Cluster auf drei. Die Unterschiede sind allerdings gering, alle zeigen das o.e. Muster Rücken knapp westlich, Trog knapp östlich von Deutschland. Mit bloßem Auge lassen sich keine nennenswerten Unterschiede ausmachen. Ab Mittwoch (T+192...240h) erhöht sich das Angebot auf fünf Cluster, bei denen von Erhalt der Lage (CL 1 und 5 mit insgesamt 26 Lösungen inkl. HRES) bis zur unterschiedlichen Progression des Musters (Rest) alles möglich ist.
Diese Unsicherheit macht sich auch in den verspätet eingetroffenen Rauchfahnen bemerkbar, die nach hinten raus einen merklich Spread aufweisen. Nach dem gut belegten Temperaturrückgang zum Wochenende (enge Bündelung) folgt nach einer Seitwärtsbewegung in der ersten Wochenhälfte mehrheitlich wieder ein Anstieg (nicht allerdings beim HRES). Vor allem im Westen und Süden nehmen die RR-Signale im Laufe der nächsten Woche deutlich ab.
FAZIT:
Gute Nachricht für alle, die die Hitze nicht so mögen. Die Abkühlung kommt, sicher. Ab Freitag geht´s mit Übergreifen eines veritablen Höhentrogs thermisch bergab, ohne dass es aber wirklich kühl wird. Dazu ist die Nordsee zu warm. Offen ist derzeit noch, wie genau das Niederschlagsgeschehen abläuft. Vor allem am Freitag dürfte es konvektiv gut zur Sache gehen. Mindestens am Samstag steht dann an der Nordsee ein stürmischer Tag auf dem Programm. Ob es in Wochenhälfte zwei wieder wärmer bzw. heißer wird, ist auf EPS-Basis möglich, aber keinesfalls sicher.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Nachdem in der Kurzfrist bis Donnerstag auf dem Sektor Konvektion die Möglichkeiten zumindest zeit- und gebietsweise bis fast zum Äußeren ausgereizt werden könnten, stellt sich mittelfristig diesbezüglich eine Beruhigung ein. Der Freitag allerdings gehört ausdrücklich nicht dazu, kommt es doch in weiten Landesteilen zu teils kräftigen Gewittern mit allen möglichen Begleiterscheinungen. Schließlich muss die energiereiche Luftmasse der Vortage ausgeräumt werden, was nur in seltenen Fällen ohne Tamtam gelingt. Für Details ist es freilich noch zu früh. Was man festhalten kann, dass bei den Gewittern Unwettergefahr besteht und dass der Norden und Nordwesten tendenziell weniger davon abbekommen.
In der neuen, am Wochenende einfließenden Luftmasse sind Gewitter zwar auch noch möglich, voraussichtlich aber ein, zwei Regale tiefer als zuvor.
Baustelle #2 betrifft den Wind, der vornehmlich am Samstag, bedingt (mit Unsicherheiten) auch noch am Sonntag an der Küste im Allgemeinen und an der Nordsee im Besonderen zuschlägt. Grund ist wie erwähnt der üppige Druckgradient zwischen dem über Südskandinavien entstehenden Sommersturmtief und dem Hoch über dem nahen Atlantik. Böen 8 Bft aus Nordwest sind auf und an der Deutschen Bucht obligatorisch, Böen 9 Bft gerade an der nordfriesischen Küste gut möglich. Je nach Timing und Zugbahn des Tiefs (siehe oben) ist auch die Ostsee betroffen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modell-Mix.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann





