Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 20.01.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Ruhige Hochdruckrandlage; trockenkalt mit meist leichten bis mäßigen, im Südosten, ab der Nacht zum Freitag auch im Osten mit strengen Nachtfrösten.

Im Norden auffrischender Ostwind, an exponierten Küstenabschnitten ab Donnerstag stürmische Böen.

In der Nacht zum Freitag im Westen/Nordwesten lokal gefrierender Regen nicht ganz ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Aktuell ... ist das Geopotentialfeld von zwei bzw. drei markanten Höhentiefs geprägt. Das erste (JAQUELINE) und zweite (KIRSTIN) sind in einen Langwellentrog eingebettet, ersteres befindet sich unmittelbar westlich von Irland, das zweite dagegen noch etwa 1500 km westlich von Irland auf dem Atlantik. Im Nachtverlauf bewegt sich KIRSTIN rasch nach Osten in Richtung Südspitze Irlands, JAQUELINE wandert etwas nach Norden, so das beide ausgangs der Nacht eine dipolartige Struktur westlich von Irland bilden. Das ebenfalls erwähnte dritte Höhentief liegt mit seinem Zentrum weitgehend ortsfest über Tunesien, beide Strukturen sind dabei durch eine breite Geopotentialrinne verbunden. Vom östlichen Mittelmeer bis nach Polen erstreckt sich dagegen ein Höhenkeil, der die ostwärtige Verlagerung des westeuropäischen Langwellentroges blockiert. Dies gilt auch über die Nacht hinweg, wenngleich auch im Bereich des Rückens, wie auch auf seiner Rückseite und damit über Deutschland, das Geopotential sinkt. Erwähnenswert ist auch noch ein markanter kurzwelliger Troganteil, der in der Nacht von der Westspitze der Bretagne kommend über den westlichen Ärmelkanal hinwegschwenkt und ausgangs der Nacht den Pas de Calais erreicht, wobei er durch das Anlaufen gegen den Höhenkeil von einer anfangs östlichen Verlagerungsrichtung in eine nordöstliche übergeht. Im Bodendruckfeld korrespondiert mit den beiden im Langwellentrog eingelagerten Höhetiefs jeweils ein Bodentief, wobei das vom Atlantik kommenden und damit wesentlich bewegungsaffinere auch noch entwicklungsgünstiger liegt und sich bis zum Morgen auf etwa 970 hPa vertieft, womit es im Dipol auf die erste Geige spielt. Für unsere Wetterentwicklung ist dies jedoch weniger bedeutsam als die Tatsache, dass auf der Ostflanke des Tiefs ein markanter Druckgradient aufgebaut wird, was insbesondere für den Nordwesten und die Nordsee gilt, wo hoher Luftdruck über Skandinavien als Gegenspieler zur Verfügung steht. Entsprechend lebt der Wind dort auf, auf der offenen Nordsee, eventuell auch an exponierten Küstenabschnitten Nordfrieslands oder auf den Halligen könnten mit dem Morgengrauen schon erste Böen Bft 7 auftreten, zumindest sind diese nicht gänzlich ausgeschlossen. Ebenfalls einzelne Böen Bft 7 wird es in der Nacht aus dem Böhmischen Becken heraus geben, insbesondere das ostsächsische Bergland ist beim dort vorherrschenden Südostwind anfällig. Ansonsten ist der Wind zumeist schwach, allenfalls mäßig. Frostfrei bleibt es nur am Niederrhein (und eventuell auf dem Ostfriesischen Inseln), leichten Frost bis -4 Grad erwarten die Modelle vom Oberrhein über den Westen und den Nordwesten bis in den Norden. Während sich im Südwesten zumindest lokal tiefe Stratusfelder halten, ziehen über den Westen, Nordwesten und Norden hohe und mittelhohe Wolken der Okklusion von JAQUELINE hinweg, die aber keinen Niederschlag bringen sollen. Die Wolken dämpfen aber die Ausstrahlung, entsprechend bleibt es dort vergleichsweise mild. Im weit überwiegenden Teil des Landes werden Minima von -5 bis -9 Grad erwartet, im Osten Bayerns kann es auch strengen Frost bis -15 Grad geben. Nebel könnte im Südwesten, eventuell auch im Süden auftreten, in den Nebelgebieten könnten es dann auch durch Reif glatt werden. Ansonsten ist Glätte in der trockenen Luft kein Thema.

Mittwoch ... schwenkt der Kurzwellentrog über England, Schottland bzw. die westliche Nordsee nordwärts, das zu Tief KIRSTIN gehörende Höhentief erreicht am Abend samt KIRSTIN selbst das Seegebiet südlich von Irland. Dadurch wird auch der gesamte Langwellentrog, der abends von Südgrönland bis zur Biskaya bzw. zur Iberischen Halbinsel reicht, regeneriert. Ein zu tiefem Geopotential über Russland gehörender Randtrog über Finnland kann sich auf dem Weg zum Baltikum und nach Südschweden noch etwas verstärken und ein wenig nach Westen vorarbeiten. Insgesamt setzt sich somit der Druckfall über dem Vorhersagegebiet weiter fort, wobei sich über die Mitte des Landes ein flacher Trog ostwärts ausweitet. Gleichzeitig bleibt über Skandinavien hoher Luftdruck dominierend, wodurch sich der Gradient über Norddeutschland insgesamt etwas weiter verschärft. Über der Nordsee gibt es in der Folge etwas verbreiteter steife Böen aus Ost, das gleiche gilt an exponierten Nordseeküstenabschnitten sowie auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste (und auch der Böhmische Wind bleibt uns mit Böen Bft 7 erhalten). Atlantische Frontensysteme werden dabei nach wie vor blockiert bzw. kommen bei einer südlichen Höhenströmung und einer südöstlichen bodennahen Strömung nicht nennenswert nach Osten voran. Der äußerste Westen und Nordwesten werden damit weiterhin von den Wolken der Okklusion des Tiefs JAQUELINE behelligt, der Westen von Nordrhein-Westfalen im ungünstigsten Fall auch von etwas Regen. Dies ist nach aktuellem Stand zumindest die Lesart des IFS. Die geringen ICON-Niederschläge dürften kaum zu einem nennenswerten anfeuchten des Bodens reichen, IFS oder auch UK10 lassen es trocken. Auch von Norden her kommt dichte, stratusähnliche Bewölkung etwas weiter nach Süden voran und könnte eventuell den Norden von Schleswig-Holstein oder Rügen erfassen. Ansonsten scheint aber erneut überwiegend die Sonne, lediglich in einigen Niederungen West- und Südwestdeutschlands hält sich der Hochnebel. Dort (sehr lokal) sowie im Nordosten und im östlichen Bayern (jeweils gebietsweise) gibt es Dauerfrost, wobei im Nordosten die kalte Grundschicht auch etwas an vertikaler Mächtigkeit gewinnt. Sonst liegen die Höchstwerte meist zwischen 0 und 4 Grad, in Teilen von Nordrhein-Westfalen, in höheren Lagen der südwestdeutschen Mittelgebirge und im höheren Alpenvorland zwischen 4 und 8 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag arbeitet sich der Höhentrog südlich von Irland über die Biskaya nach Westfrankreich vor, in seinem südlichsten Teil erreicht er durch Amplifizierung sogar das westliche Mittelmeer. Nach Osten kommt er aber kaum voran, allerdings sinkt in seinem Vorfeld das Geopotential, so dass sich zum Morgen des Donnerstags ein äußerst gradientschwaches Geopotentialfeld über Mitteleuropa zeigt. Die Höhenantizyklone über Nordskandinavien bzw. dem angrenzenden Nordmeer bleibt weitgehend ortsfest, auf ihrer Südflanke tropft der skandinavische Randtrog - bei auch dort sehr flacher Geopotentialverteilung - in etwa über der Südostküste Schwedens ab. Neben dem Geopotential fällt über dem Vorhersagegebiet auch der Bodendruck noch geringfügig weiter, während das Hochdruckgebiet über Skandinavien, dass nach Osten bis zum Ural reicht, sich leicht kräftigt. Das führt zu einer weiteren Gradientverschärfung über Norddeutschland, so dass es an den Küsten für steife Böen Bft 7 aus Ost bis Südost reicht. Über der offenen Nordsee, aber auch an exponierten Küstenabschnitten sind sogar stürmische Böen zu erwarten. Ansonsten ändert sich nur wenig: Über den Westen und Nordwesten des Landes ziehen zeitweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder hinweg, es sollte aber weitestgehend trocken bleiben. Mit dem sich etablierenden südskandinavischen Kaltlufttropfen wird die kalte Grundschicht über dem Nordosten weiter angehoben, in 850 hPa sinkt die Temperatur dort auf 0 bis -3 Grad. Somit kann sich die dichte Bewölkung etwas weiter landeinwärts ausweiten und erfasst wahrscheinlich weite Teile Schleswig-Holsteins sowie Teile Mecklenburg-Vorpommerns. Bis auf etwas Schneegriesel sollte es aber auch dort trocken bleiben. In den Niederungen Südwestdeutschlands hält sich weiterhin der Hochnebel bzw. Nebel, ansonsten zeigt sich der Himmel aber klar bzw. gering bewölkt. Somit ändert sich an den Minima und auch an der entspannten Glättesituation gegenüber der Vornacht kaum etwas, im Südosten gibt es erneut relativ verbreitet strengen Frost.

----------------------------------------------------------------

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... und in der Nacht zum Freitag bleibt eine grundlegende Änderung der Großwetterlage aus. Der Kaltlufttropfen über Südskandinavien schafft es nach Dänemark (eventuell ein paar Flocken im äußersten Norden), die Achse des westeuropäischen Langwellentroges schwenkt über Irland und Nordfrankreich hinweg nach Schottland, verliert dabei aber ihre Kontur bis nahe an die Bedeutungslosigkeit und ist zum Freitagmorgen entsprechend nur noch als flacher Randtrog unterwegs. Der Langwellentrog in seiner Gesamtheit wird durch einen Kaltluftvorstoß in seine Rückseite regeneriert, und auch ein neues (Sturm-)Tief erscheint auf der europäischen Wetterbühne, es liegt am Freitagmorgen mit einem Kerndruck von etwas über 955 hPa westlich der Bretagne. In den äußersten Westen schieben die Modelle in der Nacht zum Freitag recht halbherzig etwas Niederschlag, gefrierender Regen ist dabei nicht auszuschließen (kann aber auch gut sein, dass die Modelle die Niederschlagsprognosen wieder etwas zurückrechnen). Im Bodenfeld ist der Bodentrog über Deutschland weiterhin erkennbar, der Druck fällt zwar kaum noch, er steigt aber über dem Ostseeraum, wodurch sich der Gradient weiter verschärf, so dass auch eine schwache Tendenz zu mehr stürmischen Böen auch an der Küste erkennbar ist. Mit östlichem Wind wird wieder kalte Festlandsluft advehiert, in der Osthälfte heißt das am Tage sehr verbreitet Dauerfrost, im Südosten und in Mitteldeutschland in der Nacht zum Freitag auch recht verbreitet strenger Frost unter -10 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren die großräumigen Abläufe sehr ähnlich, Unterschiede im Detail haben zumindest bis auf Weiteres keine Warnrelevanz (Ausnahme vielleicht: Die noch unsichere Niederschlagsentwicklung mit nicht ausgeschlossenem gefrierendem Regen in der Nacht zum Freitag).

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas