Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 19.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Mischung aus HFz und SEz (Hoch Fennoskandien und Südost je zyklonal)
Ruhige Hochdruckrandlage mit "Schönheitsfehlern" durch beteiligte Höhentiefs und teils feuchte Grundschicht. Zur Wochenmitte überall wechselhafter.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... kommt die Höhenkarte - salopp formuliert - ziemlich unaufgeräumt daher, so dass sich die Frage stellt, ob man alle darauf befindlichen Höhentiefs erwähnen sollte oder sich der Übersichtlichkeit halber nur auf die wichtigsten beschränken sollte. Für Letzteres entscheiden wir uns auch.
Starten wir mit dem abziehenden Gebilde im Westen, dessen Zentrum etwa über der Bretagne liegt und sich in den kommenden Stunden weiter zur Biskaya zurückzieht. Moment, abziehend? Im Westen? Korrekt. High over Low(s) lässt grüßen. Der ebenfalls als Kaltlufttropfen agierende östliche Kandidat hat aktuell den Raum Warschau erreicht und kommt bis zum Abend der Oberlausitz sehr nah. Wie bei KLT üblich greift dabei auf dessen Vorderseite zunächst recht kräftige KLA über, die Anteile von PVA rasch überkompensiert. So macht sich im Satbild lediglich ein kompaktes mittelhohes Wolkenfeld bemerkbar, das auf den ersten Blick frontenähnliche Züge (Höhenkaltfront, T850 Rückgang auf 0°C) trägt, sich aber im Boden letztlich nicht abbilden lässt. Zwischen beiden Gebilden herrscht kompensatorisches Absinken und ein Keil des für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftigen und weit im Norden ansetzenden Hochs mit nahe -10°C in 500 hPa über weiten Teilen Skandinaviens.
Die von Osten einströmende gealterte Luftmasse trocknet die in Teilen feuchte Grundschicht im Tagesverlauf spürbar ab. Dies dauert lediglich ganz im Südwesten aufgrund der Nähe zum Höhentief über Frankreich etwas länger und auch im Stau der Mittelgebirge (z.B. Thüringer Becken) hält sich noch länger hochnebelartige Bewölkung, die ab 400-600 m teils aufliegend ist. Vor allem über der Norddeutschen Tiefebene, an den Westrändern der Mittelgebirge und in Niederbayern scheint länger Zeit die Sonne. Weitgehend trocken bleibt es überall. Trotz Supergeostrophie treten nur auf den Inseln (speziell an der Nordsee) einzelne steife Böen Bft 7 auf.
Die Höchstwerte liegen bei 12 bis 17°C, im zähen Hochnebel kaum bei 10°C.
In der Nacht zum Dienstag dringt der KLT zögernd bis in den Großraum Berlin vor. Das geschieht zunächst größtenteils noch wetterinaktiv. In der zweiten Nachthälfte gelangt der äußerste Osten und Nordosten Deutschlands aber zunehmend auf dessen Rückseite und die KLA schlägt in WLA um. Zudem führt auch die Symmetrie mit leicht elliptischer Form in 300 hPa zu erhöhter PVA an der Nordflanke, die sich nicht mehr mit der stärksten KLA überlagert. In der Folge greift von Ostholstein über Vorpommern bis zur Neiße mehrschichtige Bewölkung mit etwas Regen über. Die Mengen bleiben aber mit deutlich unter 5 l/qm binnen 6h gering.
Gleichzeitig nimmt die Trogkonfiguration über Westeuropa eine zunehmend diffluente Vorderseite über Süd- und Ostfrankreich an, was leichten, wenngleich beständigen Druckfall am Boden (Absaugen in der Höhe) zur Folge hat. Dies wird zum einen durch den Einbezug des Cut-Offs übe Algerien aber zum anderen auch beginnend schon durch das Ausbrechen des Jets südwärts stromauf über dem Atlantik und damit dem "Einfangen" des westlichen Höhentiefkomplexes in die allgemeine Zirkulation begünstigt. Letztlich bildet sich ausgangs der Nacht sogar eine gut definierte Bodenrinne ab.
In letzter Konsequenz nimmt dadurch der Gradient über Deutschland etwas zu und über der freien Nordsee treten häufiger steife Böen auf. Auf Helgoland kann auch mal eine stürmische Böe um 70 km/h (Bft 8) dabei sein. In der vielfach abgetrockneten Grundschicht ist bei beständiger Ostströmung die Nebelneigung nur gering. Vor allem Richtung Thüringer Wald sowie entlang und südlich der Schwäbischen Alb ist mit Hochnebel zu rechnen, der oberhalb von 300-400 m teils aufliegend ist.
Die Tiefstwerte liegen bei 8 bis 2°C, über der Landesmitte bei längerem Aufklaren örtlich um -1°C. An der See bleibt es mit rund 10°C milder.
Dienstag... sieht am Boden alles weiterhin ziemlich "entspannt" aus. Das Hoch verabschiedet sich zwar allmählich nach Russland, die Randlage mit einer beständigen Ostströmung und der Zufuhr relativ trockener Luftmassen bleibt aber bestehen. Wären da nicht diese "Störenfriede" in der Höhe, die die Vorhersage im Detail weiterhin äußerst diffizil machen. Der weitere Weg des KLT wird ja normalerweise durch die Bodenströmung bestimmt und durch den schrittweisen Rückzug des Hochs ostwärts ist der Weg nach Nordwesten frei. Zum Abend liegt das weiterhin leicht elliptisch geprägte Objekt etwa über der Lübecker Bucht.
Unmittelbar an dessen Ost- bzw. Nordostflanke kommt es weiterhin zeitweise zu meist leichten Regenfällen, deren Mengen kaum relevant sind. Sonst gibt es abseits lokaler Nebel- und Hochnebelfelder zunächst zeitweiligen Sonnenschein, bevor die erneute Annäherung/Rückkehr des vom KLT zum inzwischen stark amplifizierten Trog über Frankreich weiter an Relevanz gewinnt.
So sind neben der Diffluenz auf der Trogvorderseite auch niedertroposphärisch hebungsfördernde Impulse auszumachen, in dem sich die Luftmassengegensätze im Bereich der Rinne verstärken. So wird aus dem zentralen Mittelmeer einen feucht-warme Luftmasse mit Theta850 > 40°C mit einbezogen, die auf die bodennah kühle Festlandsluft trifft und gehoben wird. Frontogenetisch bildet sich im Tagesverlauf gar eine recht gut definierte Warmfront heraus, die am Abend etwa von der Rheinmündung bis zum Saarland reicht. Deshalb kommt es ab den Mittagsstunden im Südwesten und Westen Deutschlands zum Aufzug mehrschichtiger Bewölkung und nachfolgend auch gebietsweise zu etwas Regen.
Kleine Nebenbaustelle bleibt der Wind, der unverändert vor allem auf den Nordseeinseln zeitweise die Warnschwellen von 7 Bft reißt. In den Alpen setzt kurzzeitig leichter Föhn ein, der aber kaum bis in die Täler durchbrechen dürfte.
Die Höchstwerte liegen bei 8 bis 14°C, in mittleren Lagen Süddeutschlands sowie bei eventuell doch kurzem Föhndurchbruch bei 15 bis knapp 20°C.
In der Nacht zum Mittwoch gewinnt die Höhenströmung weiter an Struktur, wenn mit Ankunft eines Landwellentroges über Westeuropa die Residuen auf der Vorderseite eingefangen werden und als kurwellige Anteile von Südwest nach Nordost über Mitteleuropa hinweg gesteuert werden. Die wirkliche "Musik" spielt dabei nach wie vor an der französischen und italienischen Mittelmeerküste sowie im Verlauf südlich des Alpenhauptkammes mit teils gewittrigen Starkregenfällen und zu befürchtenden lokalen Überschwemmungen.
Hierzulande bleibt es trotz wechselhaften Charakters dann doch deutlich entspannter mit nur gelegentlichen, meist leichten Regenfällen. Nach Abzug des KLT über Rügen hinweg nordwärts, folgt der KWT über Benelux und abgeschwächt bis nach Westdeutschland reichend nach. Unmittelbar auf dessen Vorderseite ist auch die Rinne am Boden zu finden, deren Warmsektor über der Südosthälfte Deutschlands noch weit geöffnet bleibt. Die Passage der nachfolgenden Kaltfront wird durch eine Genuazyklogenese verzögert. Diese bringt in der Westhälfte zum Morgen aber dann teils auch moderate Intensitäten mit Stundensummen teils > 1 l/qm mit sich. Länger trocken bleibt es in Teilen Norddeutschlands sowie Richtung Niederbayern.
Die Temperaturen liegen unter vielen Wolken recht einheitlich oft zwischen 10 und 5°C. Auf den Inseln bleibt es noch sehr windig, wobei der Gradient mit Drehung auf Südost allmählich etwas an Schärfe verliert. Auch der Föhn in den Alpen bricht bis zum Morgen weitestgehend zusammen.
Mittwoch... stößt der atlantische Trog Richtung Westalpenraum vor und nimmt dabei durch kräftige KLA an der Südflanke eine leicht negative Achsenneigung ein. Die Strömung kippt dabei an der Westgrenze Deutschlands relativ scharf von nach Ost gerichtet auf nordwärts gerichtet ab, was einiges an Krümmungsvorticity erzeugt. Zudem schwenkt der vorgelagerte Randtrog über Benelux erst im Laufe des Vormittags vollends nordwärts ab.
Bodennah ist das Druckfeld mehr oder weniger stark aufgeweicht mit einer wellenden Kaltfront längs über Deutschland hinweg von Schleswig-Holstein bis zu den Alpen, die aufgrund der langsamen Verlagerung und negativen Achsenneigung des Troges in der Höhe starken Anacharakter annimmt. Auch wenn die genauen räumlichen Details der Niederschläge noch mit größeren Unsicherheiten aufwarten, kann man getrost von flächigen 5 bis 10 l/qm binnen 12 Stunden ausgehen. Am längsten trocken bleibt es noch Richtung Oder und Neiße. Zum Abend sind im äußersten Westen und Südwesten mit Ankunft der Höhenkaltluft (T500 nahe -25°C) teils linienhaft organisierte, schauerartige Regenfälle zu erwarten. Vereinzelte Gewitter nicht gänzlich ausgeschlossen.
Ob an der Südspitze ein giftiges Trogtief eingelagert ist mit potentiellem Stingjet mitsamt Orkanböen für Teile des Englischen Kanals (UK10-Lösung), muss abgewartet werden. In jedem Falle zieht der Wind zum Abend hin auch bei uns allmählich an, zunächst auf den Bergen, später auch von der Nordsee bis zur Eifel. Mehr als Böen 7 Bft, auf exponierten Gipfeln 8-9 Bft sind aber erstmal unwahrscheinlich.
Modellvergleich und -einschätzung
Sowohl beim KLT aus Osten als auch bei der bevorstehenden Re-Integration des Höhentiefs aus Westen in die allgemeine Zirkulation bestehen gewissen Unschärfen. Diese haben aber zunächst nur geringe Auswirkungen auf die detaillierten Wetterabläufe, glücklicherweise weitestgehend keine auf das Warnmanagement.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 19.10.2026 um 10.30 UTC
Zyklonal geprägter, windiger Witterungsabschnitt (Freitag bis Sonntag auch stürmisch) mit häufigen Niederschlägen, aber auch noch mit großen Modelldifferenzen.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 26.10.2026
Zum Auftakt des Mittelfristzeitraumes, am Donnerstag, ist die Umstellung hin zu einem sehr zyklonalen Witterungsabschnitt bereits in vollem Gange. Unser Blockadehoch "GERHARD" hat sich inzwischen weit nach Nordosteuropa zurückgezogen und macht über Mitteleuropa den Weg frei für eine erste Trogpassage von Westen her. Bis Freitagfrüh hat der in mindestens zwei Teiltröge gesplittete Höhentrog das Vorhersagegebiet überquert.
Die korrespondierende teilokkludierte Kaltfront eines von der mittleren Nordsee zum Nordmeer ziehenden Tiefs ist bereits in der Vornacht Richtung Polen abgezogen und somit steht am Donnerstag bei Zustrom maritim erwärmter Polarluft (T850 hPa 0 bis 3 Grad) klassisches Rückseitenwetter auf der Agenda mit einzelnen Schauern, eventuell auch kurzen Gewittern vor allem in der Nordwesthälfte des Landes. Dazu gibt es über der Nordsee und in Gipfellagen stürmische Böen aus West bis Südwest.
Bereits am Donnerstag tagsüber kommt es dann am linken Ausgang eines Jets südwestlich von Irland zu einer Sturmtiefentwicklung. In der Nacht zum Freitag überquert das Sturmtief den Nordwesten Frankreichs und füllt sich auch über Land nur langsam auf. Freitagmittag greift es nach Lesart des IFS auf den Westen Deutschlands über, schlägt dann einen Nordkurs ein und zieht bis Samstagfrüh ins Seegebiet knapp nördlich der Deutschen Bucht.
Das zugehörige Frontensystem überquert das Vorhersagegebiet rasch nordostwärts, vor allem in Staulagen reicht es eventuell kleinräumig für warnrelevante Regenmengen, die aber kaum einen Impact haben dürften, im Lee der Berge, vor allem nach Osten und Süden zu, kommen kaum nennenswerte Mengen zusammen. Spannend gestaltet sich hingegen die Windentwicklung: Aufgrund der südlichen Zugbahn des Tiefs überquert das Sturmfeld vor allem den Südwesten und Westen bzw. die Mitte des Vorhersagegebietes, in der Nacht zum Samstag und Samstagvormittag dann den Nordwesten bzw. Norden. Dort muss auch im Tief- bzw. Binnenland mit stürmischen Böen, vereinzelt sogar mit Sturmböen gerechnet werden, in Gipfellagen und Samstagfrüh bzw. -vormittag im Nordseeumfeld mit schweren Sturmböen.
Am Samstag überquert der mit dem sich nur langsam auffüllenden und zur nördlichen Nordsee ziehenden Tiefdruckgebiet interagierende Höhentrog das Vorhersagegebiet nordostwärts mit Schauern und auch einzelnen kurzen Gewittern. Dabei bleibt es vor allem im Nordseeumfeld stürmisch, auch in einigen Gipfellagen kann es noch Sturmböen geben. Die Temperatur in 850 hPa sinkt auf etwa 0 Grad, in den Hochlagen der Alpen fällt somit etwas Schnee.
Bereits in der Nacht zum Sonntag entwickelt sich vorderseitig eines Richtung Nordsee vorstoßenden Troges unterhalb eines linken Jetausgangs das nächste Sturmtief über dem Ärmelkanal und zieht am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag über die Mitte und die Osthälfte Deutschlands hinweg ostnordostwärts. Das Sturmfeld überquert somit nach Lesart des IFS insbesondere die Südhälfte, Teile der Mitte und in der Nacht zum Montag dann auch die Osthälfte des Landes. Erneut kann es bis in tiefe Lagen stürmische Böen, exponiert eventuell auch Sturmböen aus Südwest bis West geben, in den Gipfellagen schwere Sturm- bis Orkanböen. Mit Passage des Frontensystems bzw. des Tiefs fällt verbreitet Regen, Warnschwellen für Dauerregen werden aber lediglich kleinräumig im Stau einiger Mittelgebirge erreicht, wenn überhaupt.
Das Sturmtief erreicht nach Lesart des IFS Montagfrüh in etwa die Odermündung und füllt sich weiter auf. Es kommt aber nur sehr langsam ostnordostwärts voran, da der zugehörige Höhentrog nach Passage des Vorhersagegebietes durch den nach wie vor blockierenden kräftigen Höhenrücken über Ost- und Nordosteuropa und durch einen von Westen her bis Dienstagfrüh auf den Westen Deutschlands übergreifenden kräftigen Höhenkeil in die Zange genommen wird, kaum mehr nach Osten vorankommt und zum Abtropfen neigt.
Somit kann es an dessen Südwestflanke über dem Nordosten Deutschlands noch längere Zeit kräftig regnen, eventuell reicht es dort für Dauerregen, zudem gibt es in der Osthälfte bis in die Niederungen tagsüber weiterhin stürmische Böen. Im Rest des Landes stellt sich alsbald eine Wetterberuhigung ein mit nur noch einzelnen Schauern, im Westen und Süden bleibt es meist trocken mit längeren sonnigen Abschnitten.
In der erweiterten Mittelfrist simuliert das IFS dann zwischen einem Tiefdruckkomplex über Island bzw. dem Nordmeer und einer von den Azoren über Frankreich und Süddeutschland bis nach Südeuropa reichenden Hochdruckzone eine insgesamt eher wieder antizyklonal geprägte West- bis Südwestlage über dem Vorhersagegebiet, wobei atlantische Frontensysteme aber immer wieder den Nordwesten und Norden des Landes überqueren und zwar auch mal weiter nach Süden ausgreifen können, allerdings nur deutlich abgeschwächt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Den zyklonalen Witterungsabschnitt bis mindestens zu Beginn kommender Woche haben auch die beiden gestrigen IFS-Läufe im Programm, dennoch gibt es vor allem bzgl. der Entwicklung und Zugbahn der beiden Sturmtiefs von Freitag bis Montag noch größere Differenzen.
Diese Unterschiede setzen bereits am Donnerstag mit der Geometrie des das Vorhersagegebiet überquerenden ersten Höhentroges und mit Zugbahn bzw. Entwicklung des zugehörigen kleinen Tiefdruckgebietes ein. Der aktuelle Lauf und der gestrige 00 UTC-Lauf simulieren Trog und Tief etwas ausgeprägter und die Trogpassage entsprechend weniger progressiv als der gestrige 12 UTC-Lauf. Das bleibt nicht ohne Auswirkung des nachfolgenden Troges und der dazugehörigen Sturmtiefentwicklung. Sowohl Trog als auch Bodentief werden durch das verzögerte Abziehen des vorlaufenden Höhentroges auf südlicherer Zugbahn simuliert als im gestrigen 12 UTC-Lauf. Dieser simuliert das Sturmtief, statt über Nordwestdeutschland bzw. der Deutschen Bucht, über der mittleren Nordsee und lässt es dann Richtung Skagerrak ziehen. Das Sturmfeld an dessen Südflanke wird sogar etwas markanter simuliert, greift aber nicht so weit nach Süden aus wie in den 00 UTC-Läufen.
Noch größer sind die Modelldifferenzen dann bzgl. der nächsten Entwicklung am Samstag und Sonntag. Die beiden gestrigen Läufe simulieren einen kräftigen Kaltluftvorstoß aus dem grönländischen Raum Richtung Island und entsprechend eine Sturmtiefentwicklung über dem Seegebiet zwischen Island und Schottland. Das Sturmtief zieht dann bis zur Nacht zum Montag nach Lesart beider Läufe zur südlichen Norwegischen See, wobei das Sturmfeld am Sonntag vor allem Nordwest- und Norddeutschland (nach Lesart des gestrigen 00 UTC-Laufes auch noch den Südwesten und die Mitte) erfassen würde mit Böen Bft 8, vereinzelt Bft 9 insbesondere mit der Kaltfrontpassage. Bis Montag zieht das Tief über der Norwegischen See langsam nordwärts und füllt sich allmählich auf. Im gestrigen 00 UTC-Lauf herrscht dann am Montag mit der Passage des zugehörigen Höhentroges typisches Rückseitenwetter mit Schauern, einzelnen Gewittern und nachfolgender Wetterberuhigung. Der gestrige 12 UTC-Lauf simuliert dagegen ein am Montag über die mittlere Nordsee nach Südskandinavien ziehendes Wellentief mit Regenfällen über dem Norden und der Mitte Deutschlands und nach wie vor stürmischen Böen über dem äußersten Norden, insbesondere an den Küsten. Ganz anders der aktuelle 00 UTC-Lauf, nach dessen Lesart die Sturmtiefentwicklung, wie weiter oben beschrieben, deutlich weiter südlich erfolgt, nämlich südwestlich von Irland, was natürlich erhebliche Konsequenzen auf die Niederschlags- und Windprognosen hat.
In der erweiterten Mittelfrist dauert auch nach Lesart der gestrigen Läufe die West- bis Südwestlage an, wird vor allem im gestrigen 12 UTC-Lauf aber insgesamt etwas zyklonaler geprägt simuliert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch beim Vergleich mit anderen vorliegenden Globalmodellen sticht die südlichere Zugbahn beider Sturmtiefs deutlich ins Auge. Während das Sturmtief am Freitag und Samstag auch vom GEM und UK10 recht weit südlich simuliert wird, steht das IFS mit der Entwicklung am Sonntag/Montag jedoch alleine auf weiter Flur, selbst, wenn man die KI-Modelle des IFS und des GFS mit zu Rate zieht. Das ICON hat dann ebenfalls eine südlichere Zugbahn als die anderen Modelle auf der Agenda und lässt das Tief über die mittlere Nordsee und das Kattegat nach Südskandinavien ziehen. Das Sturmfeld würde quasi das gesamte Vorhersagegebiet betreffen, vor allem an den Küsten sowie im angrenzenden norddeutschen Binnenland simuliert das Modell sogar schwere Sturm- bis orkanartige Böen, an der Nordsee und in den Gipfellagen in der Nacht zum Montag volle Orkanböen. Auch im Binnenland sind dann mit Passage der aktiven Kaltfront schwere Sturmböen möglich.
In der erweiterten Mittelfrist ist das GFS eher etwas zyklonaler (Wz bzw. SWz), das GEM dagegen ein wenig antizyklonaler (BM) aufgestellt als das IFS.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Eingangs der Mittelfrist, im Zeitraum 72 bis 96 Stunden, verteilen sich die 51 ENS-Member auf 5 Cluster, die allesamt zwar nach wie vor das blockierende Hoch über Nordosteuropa auf der Agenda haben, aber ebenso den Trogvorstoß von West- auf Mitteleuropa (Großwetterlagenregime Übergang von Blocking auf NAO positiv). Die Geometrie des von West- Richtung Mitteleuropa gerichteten Troges sowie das kleinräumige Sturmtief am Freitag werden bereits mit kleineren Differenzen simuliert, je nach Blockadewirkung des Hochs.
Die Differenzen werden größer im nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden), obwohl sich die Member dann auf lediglich drei Cluster verteilen. CL 1 (26 Member) ähnelt der vom Hauptlauf simulierten Entwicklung noch am ehesten mit einem weit nach Süden ansetzenden Trogvorstoß über Westeuropa und der südlichen Zugbahn des Sturmtiefs am Sonntag, wobei der Hauptlauf eine noch südlichere Variante auf der Agenda hat. Das Potenzial für stürmische Böen bzw. Sturmböen im Vorhersagegebiet wäre nach dieser Variante noch am höchsten. CL 2 (14 Member) und vor allem CL 3 (11 Member) zeigen das zentralsteuernde Tief am Sonntag und Montag weiter nördlich (CL 2 über Schottland/Färöer, CL 3 über dem Raum Island), so dass sich die Windentwicklung im Vorhersagegebiet etwas "entspannter" gestalten würde.
Die erweiterte Mittelfrist hat dann vier Cluster auf der Agenda: CL 1 und CL 2 (jeweils 14 Member) sind dem Großwetterlagenregime "NAO positiv" zugeordnet mit nach wie vor zentralsteuernden Tiefs über Nordwesteuropa und Südwest- bzw. Westlagen über Mitteleuropa, wobei CL 1 für unseren Vorhersagebereich etwas antizyklonaler aufgestellt ist als CL 2. Dennoch bleibt es nach Lesart beider Cluster unbeständig, wobei die Frontenpassagen über Norddeutschland wetterwirksamer ausfallen als über der Südhälfte. Insgesamt bleibt es relativ mild und auch zeitweise windig mit stürmischen Böen aber lediglich an den Küsten, maximal noch in Norddeutschland.
CL 3 und 4 (12 bzw. 11 Member) schwenken dagegen wieder zu einem ausgeprägten Blocking über Ost- und Mitteleuropa. Atlantische Frontensysteme würden nach Lesart beider Cluster lediglich den Nordwesten und Norden Deutschlands passieren, in der Mitte und im Süden dominiert Hochdruckeinfluss.
Der Spread der Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der Einzelmember verschiedener Rauchfahnen im Vorhersagegebiet ist generell aufgrund der Unsicherheiten der Zugbahnen der Tiefdruckgebiete und damit auch der Frontpassagen im gesamten Zeitraum hoch. Generell steigt der Median der 850 hPa-Temperatur nach Durchschwenken der Tröge zu Beginn kommender Woche mit Umstellung auf milde Südwest- und Westlagen aber mehr oder weniger deutlich an. Ausschläge nach unten sind dagegen keine auszumachen, nur selten geht es in einigen Einzelläufen im Zeitraum Freitag bis Sonntag mal auf unter 0 Grad. Vor allem am Wochenende zeigen die Rauchfahnen deutliche Niederschlagssignale für mehr oder weniger alle vorliegenden Gitterpunkte.
FAZIT:
Unbeständig und windig, von Freitag bis zur Nacht zum Montag zeit- und gebietsweise auch in den Niederungen bzw. im Tiefland stürmisch. Auch, wenn die vom ICON-Lauf gezeigte Variante für den Sonntag bzw. vor allem für die Nacht zum Montag eine durchaus markante und gefährliche Sturmlage aktuell Alleinstellungsmerkmal hat, sollte man diese nicht komplett unter den Tisch fallen lassen.
Wichtiger ist nach der Vorgeschichte sowieso die Niederschlagsentwicklung. Das noch vorhandene Defizit in weiten Teilen des Landes kann sicherlich nicht ausgeglichen werden, dennoch stehen von Freitag bis Montag einigermaßen flächendeckende Niederschläge ins Haus.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Fokus der signifikanten Wettererscheinungen steht insbesondere ab Freitag bis Montag der Wind. EFI hat insbesondere am Freitag, weniger am Sonntag Signale für eine außergewöhnliche Windentwicklung auf der Agenda, allerdings eher über dem Süden der Britischen Inseln und über Frankreich/Belgien, wobei der Westen Deutschlands dabei nur am Rande tangiert wird. Böen Bft 7 bis 8, vereinzelt Bft 9 sind für das Vorhersagegebiet Mitte/Ende Oktober nun mal nicht mehr so außergewöhnlich. Die Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 8 fallen nach Lesart der EPS-Verfahren im Binnen- bzw. Tiefland West- und Norddeutschlands sowieso nicht allzu hoch aus. Fazit: Windig wird's, in einigen Regionen reicht es sicherlich auch für stürmische Böen, vor allem in Verbindung mit eventuellen Gewittern, Böen in Sturmstärke beschränken sich aber wohl hauptsächlich auf die Küsten und die Gipfellagen.
Die Windentwicklung am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag wird vom ICON noch am markantesten simuliert. Diese Einzellösung wird allerdings nicht von den EPS-Verfahren gestützt. Erneut werden abseits der Küsten und Gipfellagen lediglich leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 simuliert, Bft 9 taucht am ehesten vielleicht noch im ICON-EPS im Nordwesten auf. Dennoch erscheint auch die ICON-Variante, die eine flächendeckende Sturmlage am Sonntag und in der Nacht zum Montag zur Folge hätte mit Orkanböen an der Nordsee, nicht unbedingt unrealistisch.
Des Weiteren kann es in den Staulagen einiger Mittelgebirge vor allem am Freitag und Sonntag Dauerregen geben. Dieser weist aber nur wenig Impact auf und steht nicht wirklich im Fokus.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





