Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 22.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Nz (Nord zyklonal)
Im Süden und Südwesten Hochdruckeinfluss (MORITZ) und sommerlich warm. Sonst gemäßigte Tagestemperaturen und leicht wechselhaft, an der See heute windig bis stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... kommen wir aus einer für die letzte Julidekade doch ziemlich frischen Nacht. Herkunft und Qualität der vorherrschenden Luftmasse (abgetrocknete maritime Polarluft m/xP) machen sich bei langsam zunehmender Nachtlänge deutlich bemerkbar. Vor allem in der wolkenarmen bis -losen Südhälfte, aber auch in Teilen der Mitte ging´s mächtig bergab. Zwar hat es für Frost in Bodennähe (noch) nicht ganz gereicht, aber Werte unter der 5°C-Marke sind ja auch nicht von schlechten Eltern. Selbst in 2 m Höhe gab es ein paar wenige Stationen (darunter natürlich die üblichen Verdächtigen aus dem sächsischen Bergland Deutschneudorf-Brüderwiese und Carlsfeld) mit 5°C oder etwas darunter. Da macht doch das nächtliche Öffnen der Schlafzimmerfenster wieder richtig Spaß, auch wenn´s mit dem Nacktschlafen vielleicht erstmal vorbei ist.
Nicht vorbei ist die mit Nz titulierte Großwetterlage, die sich im Wesentlichen aus zwei Säulen zusammensetzt. Westlich von uns über dem nahen Atlantik eine hochreichende, also rückengestützte 1035+X-hPa-Antizyklone, von der aus sich ein fetter Keil bis zum Europäischen Nordmeer und ein zweiter (MORITZ) über die Alpen hinweg bis zum Balkan erstreckt. Die andere Säule befindet sich ost-nordöstlich von uns in Form eines vom Nordpolarmeer bis zum östlichen Mittelmeer reichenden Monumentaltrog, der mit einem mehrkernigen Tiefdrucksystem korrespondiert. Über Karelien und dem Nordwesten ist das die Familie CERRY (mittlerweile ist man bei der Namensgebung bei #4 und #5 angelangt), doch für das Geschehen bei uns zeichnet ein anderer kleiner aber feiner Sommerwirbel verantwortlich. Er schimpft sich DEBORAH, was der Verfasser aus in der gestrigen Frühübersicht dargelegten Gründen schwer anzweifelt, aber sei es wie es sei. Tatsache ist, dass dieses kleine, über Südnorwegen geborene Tief - in der Nachtanalyse von 00 UTC wurden sogar zwei 1010-hPa-Kerne gefunden - im Tagesverlauf über Südschweden hinweg in Richtung südöstliche Ostsee zieht. Zwar deutet sich keine weitere, zumindest nennenswerte Vertiefung mehr an. Trotzdem, der Druckgradient zum ortsfesten Hoch reicht aus, um den deutschen Küsten sowie dem küstennahen Binnenland einen windigen Mittwoch zu verpassen. Vor allem an der Nordsee (nordfriesische Küste mehr als ostfriesische) nimmt der "Nordwest" ordentlich Fahrt auf mit Böen Stärke 7-8 Bft, auf Sylt vielleicht sogar eine 9 Bft. Etwas gemäßigter die Ostseeküste, wo die Windrichtung eher West-Nordwest ist und Böen 8 Bft seltener auftreten, vor allem nach Osten hin.
Darüber hinaus gilt es zu berichten, dass die wenig wetteraktive Kaltfront des Tiefs am späten Vormittag bzw. in der Mittagszeit von der Deutschen Bucht bzw. von Dänemark her die küstennahen Areale erreicht, um von dort weiter landeinwärts vorzustoßen. Rückseitig wird eine frische Portion maritimer Polarluft zu uns gesteuert, die sich thermisch aber kaum abhebt (teils durch den Tagesgang kaschiert) von der präfrontalen Luftmasse. Apropos präfrontal, angetrieben durch schwache WLA hat sich unterhalb einer zwischen 900 und 850 hPa platzierten Inversion weitgehend geschlossene ST/SC-Bewölkung über weite Teile der Norddeutschen Tiefebene bis in den nördlichen und zentralen Mittelgebirgsraum ausgebreitet (NRW und Nordhessen z.B. sind heute Morgen komplett dicht), aus der lokal ein paar Tropfen fallen. Die Bewölkung wird noch ein kleines Stück nach Süden vorankommen und sich dabei in den nächsten Stunden bis zum Abend als ziemlich zähe Materie entpuppen, die nur wenige Platz für direkte solare Strahlung freigibt und immer mal wieder etwas Nass absondert, ohne dass das die monatliche Niederschlagsbilanz substanziell verändern würde.
Interessanter wird es dann ab dem Spätnachmittag respektive dem frühen Abend, wenn nämlich ein in die nord-nordwestliche Höhenströmung eingelagerter und an das Bodentief gebundener erster KW-Trog den Nordosten erfasst und dort für eine Labilisierung sorgt. Feuchte ist auch soweit vorhanden, dass etwas (skinny) CAPE generiert werden kann. Bei solider LL-Scherung entwickeln sich erste Schauer oder auch kurze Gewitter (Einzelzellen), die mit Böen 7-8 Bft und kleinkörnigem Hagel einhergehen können.
Völlig unbeeindruckt von den Geschehnissen weiter nördlich zeigt sich Süddeutschland, namentlich etwa ab der Mainlinie südwärts. Zwar wird der o.e. Hochkeil durch die sich von Nordwesten nähernde Kaltfront etwas gestaucht, was aber keinen großen Impact erzeugt. Mit anderen Worten, es scheint die Sonne von einem überwiegend nur locker bewölkten Himmel, was sich freilich auch auf die Temperatur auswirkt. Die steigt nämlich auf 24 bis 28°C, während von der Mitte nordwärts nur 20 bis 24°C auf der Karte stehen. An der Küste und auf den Inseln muss bei auflandigem Wind schwer um das Erreichen der 20°C-Marke gekämpft werden - ein Kampf, der nicht immer zu gewinnen sein wird.
In der Nacht zum Donnerstag wird eine weitere Kurzwelle über den Nordosten und Osten geschleust, welche die Wettermaschinerie zwischen MV und Lausitz bzw. Erzgebirge am Laufen hält. Neben Schauern sind auch weitere Gewitter wahrscheinlich, wenn auch nur als Einzelkämpfer. In MV gibt es gar schwache Signale, dass neben den tagsüber schon aufgetretenen Begleiterscheinungen auch mal Starkregen um 15 l/m² innert kurzer Zeit mit dabei ist. Mit zunehmendem Abstand zwischen Tief und dem sich etwas abschwächenden Hoch (die 1035iger-Isobare wird in der Nachtanalyse wohl nicht mehr zu finden sein), beginnt auch der Gradient aufzufächern. Der Wind lässt kontinuierlich nach (Böen bei Konvektion mal ausgenommen), so dass am Morgen nur noch um Rügen herum, vielleicht noch am Darß Böen ein paar steife Böen 7 Bft aus Nordwest unterwegs sind.
Ansonsten bliebe noch zu konstatieren, dass die Kaltfront die zentrale Mittelgebirgsschwelle überwindet und den Süden des Landes mit einigen Wolkenfeldern erreicht. So großflächig geschlossen wie im Norden wird die Bewölkung aber nicht daherkommen, trotzdem kann es am östlichen Alpenrand mit Hilfe von etwas orografisch erzwungener Hebung für ein paar Tropfen langen. Außerdem wird die Tiefsttemperatur um einige Grad höher liegen als die Nacht zuvor. In den restlichen Landesteilen bleibt es trotz einiger Lücken häufig stark bewölkt, aber weitgehend trocken. Den größten Wolkenschwund gibt es ganz im Norden, insbesondere in Schleswig-Holstein, wo der Skandenföhn zuschlägt und abgetrocknete Polarluft installiert. Da es aber leicht windig bleibt, bleibt die Abkühlungsrate limitiert und die Tiefsttemperatur sehr wahrscheinlich zweistellig.
Donnerstag... zieht sich das Hoch etwas auf den Atlantik zurück und auch der korrespondierende Rücken scheint etwas an Substanz zu verlieren. Nichtsdestotrotz bleibt ein prominenter Keil erhalten, der sogar wieder etwas breiter wird und weiterhin gen Balkan gerichtet ist. Die Kaltfront im Süden löst sich angesichts solch frontolytischer Rahmenbedingungen auf, so dass bei nun wieder weitgehend glatt gestellter nord-nordwestlicher Höhenströmung einem sonnigen bis heiteren Donnerstag im Süden und Südwesten nichts entgegensteht. Fast nichts, sollte man feingliedrig hinzufügen, stellt sich doch an den Alpen eine leidliche Stausituation ein, die a) für einen höheren Wolkenanteil und b) zeitweise für etwas Regen sorgt, vornehmlich in der ersten Tageshälfte.
Weiter nördlich, also grob von den Niederlanden und der Nordsee bis hinüber zum Erzgebirge bzw. zur deutsch-polnischen Grenze schließt sich ein breiter Korridor an, in dem vor allem am Morgen und am Vormittag zahlreiche tiefe Wolken unterhalb der bei 800 hPa befindlichen Sperrschicht das Himmelsbild prägen. Hier und da fallen ein paar Spritzer Regen oder Nieselregen, insbesondere dort, wo das Bergland beim Heben etwas mithilft. Zum Nachmittag und Abend hin bekommen die Wolken aber immer mehr und auch größere Lücken bzw. lösen sich ganz auf. Um einiges höher (700 bis 600 hPa) und/oder weit schwächer ausgeprägt ist die Inversion in den östlichen Landesteilen etwa zwischen Vorpommern und dem Osterzgebirge respektive dem Zittauer Gebirge. Geschuldet ist das offensichtlich der Nähe zum weiterhin leicht östlich von uns präsenten Potenzialtrog. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Landstrich Schauer und sogar einzelne (meist gelbe) Gewitter an den Start gehen und der Nordwestwind mitunter böig auffrischt (Spitzen bis 7 Bft), ist hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewitter von Böen 8 Bft begleitet werden, ist allerdings nicht mehr ganz so hoch, aber auch nicht gleich null (inverses V in der Grundschicht).
Eine Region fehlt noch, die ganz im Norden liegt und vom Skandenföhn begünstigt wird: Schleswig-Holstein, Mecklenburg, die gesamte Ostseeküste, wo häufig die Sonne scheint. Trotzdem wird es in der frisch eingeflossenen Polarluft nicht wärmer als 19 bis 23 °C. In den übrigen Landesteilen sind es meist 20 bis 25, im Südwesten bis 27, im Grenzbereich zur Schweiz lokal vielleicht 28°C.
In der Nacht zum Freitag ändert sich wenig an der großräumigen Strömungskonstellation, so dass weitgehend der Tagesgang die Szenerie bestimmt. Heißt weitere Wolkenrückbildung bzw. -auflösung, im Osten nachlassende Konvektion. Keine Regel ohne Ausnahme, von der Nordsee her driften ausgedehnte tiefe Wolken in den Nordwesten, aus denen aber nur vereinzelt etwas Regen oder Nieselregen fällt. Abgesehen vom Nordwesten wird die die Nacht wieder kühler als die Vornacht, sprich, einstellige Tiefstwerte deutlich häufiger, in den Mittelgebirgen sowie im Süden stellenweise nur 5°C.
Freitag... gestaltet sich gänzlich unspektakulär und kann mit der gebotenen Kürze abgehandelt werden. Zwar schwächt sich der nach wie vor präsente, gen Südosten gerichtete Bodenhochkeil etwas ab (eine 1020-hPa-Isobare wird man bei uns sehr wahrscheinlich nicht mehr finden). Dafür schiebt sich von West- und Südwesteuropa der o.e. Rücken bis uns vor, so dass Absinken das Geschehen dominiert. Die Luftmasse trocknet weiter ab, was eine Ausbreitung der sonnigen bis locker bewölkten Verhältnisse aus dem Süden über die Mitte bis etwa an den Südrand der Norddeutschen Tiefebene zur Folge hat. Auf Nordkurs auch die "Sommertag-Grenze", sprich, die 25°C-Isotherme, die etwa bis auf eine Linie Niederrhein-Niederlausitz vorankommt. Südlich davon stehen abgesehen von höheren Lagen 25 bis 29, am Oberrhein lokal bis zu 30°C auf der Karte.
Moderater das Temperaturniveau weiter nördlich (19 bis 25°C), was nicht nur der Luftmasse per se (T850 um 9°C, im Süden um 13°C), sondern auch der Tatsache geschuldet ist, dass es vielerorts bewölkt ist. Der nächtlich Stratus bzw. Stratocumulus breitet sich sogar noch etwas nach Osten aus, bevor der Tagesgang anfängt zu knabbern und das Ganze versucht aufzulösen oder aber in Cumulusbewölkung zu transformieren. Warntechnisch bleiben wir über jeden Zweifel erhaben, da weder beim Wind noch beim Niederschlag auch nur ansatzweise was zu holen ist.
Das gilt übrigens auch für die Nacht zum Samstag, auch wenn der Bodenhochkeil weiter an Kontur verliert. Der Rücken hält prominent die Stellung, so dass folgende Kurzformel greift: "Gering bewölkt oder klar, nur im Norden Wolkenfelder, aber meist trocken." Im Südwesten sowie direkt an der See kühlt es teilweise nicht auf unter 15°C ab, in den übrigen Regionen sehr wohl. Gerade im Süden und in der Mitte wird´s vielerorts wieder einstellig (9 bis 6°C).
Modellvergleich und -einschätzung
Erwartungsgemäß haben die Modelle die Lage im Griff. Die Basisfelder sind kongruent, die trotzdem auftretenden Unschärfen klein und handelsüblich. Ein signifikanter Einfluss auf die Vorhersage resultiert daraus nicht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 22.07.2026 um 10.30 UTC
Am Wochenende auflebende Gewittertätigkeit bis hin zum lokalen Unwetter. Außerdem auch wieder zunehmend heiße Tage mit Schwerpunkt im Südwesten. Gegen Ende der Mittelfrist Andeutungen einer neuen Hitzewelle mit noch unklarer Entwicklung.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 29.07.2026
Starten wir heute vielleicht mal mit einer guten Nachricht: Es wird demnächst - genauer gesagt voraussichtlich am Wochenende - mal wieder regnen. Aber wie das so ist, gehört zu einer guten auch immer eine schlechte Nachricht. In diesem Falle die, das noch nicht so ganz klar ist, wo genau es regnet und die Mengen sich insgesamt auch eher in Grenzen halten. Mal wieder... Dazu fallen in nächster Zeit auch wieder häufiger die 30er-Werte auf dem Thermometer. Dröseln wir also das Ganze wie gewohnt von vorne auf:
Am Samstag liegen wir in der "Zange" zweier Langwellentröge, die sich beide ursprünglich aus einem persistenten Langwellentrog über Skandinavien generiert haben und sich auch immer noch in den entsprechenden Höhenkarten 500 hPa abbildet. Westlich von uns befindet sich das Zentrum dabei etwa über der Biskaya. Östlich von uns liegt es etwa auf Höhe des Schwarzen Meeres. Dazwischen wölbt sich ein kompensatorischer Keil auf, der maßgeblichen Einfluss auf unser Wettergeschehen hat. Dies vor allem in der Mitte und im Süden, während sich der Norden schon eher unter zyklonalem Einfluss in Form der Trogvorderseite mit Achse über dem Kanal. Wettertechnisch resultiert das darin, dass abgesehen von etwas hoher bis mittelhoher Bewölkung rein gar nichts passiert. Einzige Ausnahme hiervon sind der äußerste Nordwesten und Süden. Im Norden schleift die Frontalzone und wird von der Trogvorderseite sanft aktiviert, was zu dichter Bewölkung und ein paar Regentropfen aus Schauern führt. Im Süden - hier insbesondere im alpinen Bereich - befindet sich eine zusehends instabile Luftmasse. Diese ist zwar zunächst noch ordentlich gedeckelt, könnte aber mindestens in den Bergen mittels orografischer Unterstützung ausgelöst werden. Bei 1000-1200 J/kg MUCAPE und moderater DLS 10-15 m/s sind einige signifikantere Einzel- und Multizellen-Entwicklungen nicht ausgeschlossen. Reste dieser Konvektion überleben schließlich noch die Nacht durch und bringen hier und da entlang der Alpen wenigstens noch den ein oder anderen Millimeter Niederschlag. Abseits der Gewitter erwartet uns bei T850 von 15 bis knapp 20°C vor allem im Süden, aber auch Teilen der Mitte ein heißer Tag mit Höchstwerten von 30°C bis knapp 34°C. Etwas kühler ist es im Norden bei Werten um 25°C.
Der Sonntag steht ganz im Zeichen eines Frontdurchganges. Diese Front ist Teil eines komplexen Tiefdrucksystems, das sich mittlerweile über Südskandinavien etabliert hat. Dabei kommt es unter anderem innerhalb des nach Süden Richtung Deutschland ausgreifenden Bodentroges zur Randtiefbildung, die die Front zusehends verwellen lässt. Das macht es wiederum prognostisch schwierig, schon detaillierte Aussagen zum Wettergeschehen zu treffen. Fakt ist aber, dass uns diese Front, genauer: Kaltfront, im Laufe des Tages bis in die Nacht zum Montag überqueren wird. Dabei baut sich vor allem in den östlichen Landesteilen entlang des Warmsektors im Tagesverlauf hinreichend CAPE auf, sodass bereits präfrontal einiges an Gewittertätigkeit zu erwarten ist. Die Instabilität ist erneut recht beachtlich; es stehen 500 bis 1000 J/kg CAPE zur Verfügung in leicht gedeckelter Umgebung und weiterhin moderater DLS um 10 m/s. Das alles wird mit PPWs von 30 bis 35 mm garniert und lässt darauf schließen, dass es bei mäßigen Zuggeschwindigkeiten zum ein oder anderen Starkregenereignis mit Unwetterpotential kommen kann. Mit Frontdurchgang bildet sich schließlich gegen Abend eine weitere Schauer- und Gewitterlinie voraussichtlich in den westlichen oder nordwestlichen Landesteilen. Diese zieht im weiteren Verlauf bis Montagmorgen einmal ostwärts durch und führt ebenfalls zu weiteren, teils kräftigen Regenfällen, während die Gewittertätigkeit im Laufe der Nacht abnehmen dürfte. Unsicherheiten bestehen hier vor allem im Timing des Ganzen sowie der betroffenen Regionen. Das Setup für die Konvektion ist zwar umrissen, kann sich aber wegen Unsicherheiten der Frontenlage in Abhängigkeit der Randtiefbildung auch noch ändern. Neben der Konvektion nimmt im Tagesverlauf auch der Druckgradient mit Tiefpassage vorübergehend zu. Einzelne Böen 7 Bft im Westen und Südwesten sind wahrscheinlich und betreffen vorrangig die Mitte und den Süden. Die Temperaturen sind bereits nicht mehr ganz so hoch wie am Vortag und erreichen keine 30°C mehr.
Am Montag komplettiert sich die Frontpassage. Auf der Rückseite ist dann bereits eine maritime und kühler temperierte subpolare Luftmasse eingeflossen (T850 um +4°C) und nach IFS-Lesart bis zur Donau vorangekommen. Die Regionen südlich davon verbleiben auf der warmen Seite der Luftmassengrenze. Sowohl dort als auch im äußersten Osten sowie im zentralen Bergland bilden sich im Tagesverlauf nochmals Schauer und Gewitter, die lokal kräftiger ausfallen, vor allem in Bezug auf Starkregen. Gleichzeitig erfolgt von Westen Druckanstieg und bringt die Konvektionstätigkeit später am Abend zum Erliegen. Es stellt sich vorübergehend eine antizyklonale Nordwestlage ein. Dementsprechend gestaltet sich der Montag angenehm temperiert, nur am Rhein werden die 25°C übertroffen, während es einige Regionen im Norden wahrscheinlich kaum über die 20°C-Marke schaffen. Zwischenzeitlich stellt sich zudem weiterhin ein recht hoher Druckgradient mit dem herannahenden Hoch aus Westen ein. Vor allem in der Nordosthälfte zeichnet sich ein recht windiger Tag mit Böen 7 Bft ab. In der Nacht zum Dienstag erreicht uns schließlich das Hochzentrum. Dadurch kommt der Wind zum Erliegen. Es erwartet uns eine windstille, klare und in Teilen für die Jahreszeit recht frische Nacht (TMin bis 10°C).
Am Dienstag und Mittwoch setzt sich die Hochdrucklage fort. Dabei gestaltet sich der Dienstag zunächst noch recht durchschnittlich bei meist um 25°C, am Rhein bis 29°C. In der Nacht zum Mittwoch verlagern sich das Hoch und der zugehörige Höhenrücken ostwärts. Damit ist ab Mittwoch der Weg frei für die Zufuhr sehr warmer bis heißer Luftmassen aus Südwesten, während gleichzeitig bodennah Druckfall einsetzt und die Höhenströmung zunehmend zyklonale Konturen annimmt. Zumindest am Alpenrand und eventuell auch im Schwarzwald sind dann erneute Gewitter nicht ausgeschlossen, während die Maxima zumindest entlang des Oberrheingrabens wieder deutlicher über die 30°C-Marke schießen.
In der erweiterten Mittelfrist deuten die Globalmodelle zunehmende Hitze an, wobei Stand jetzt vor allem die Südhälfte Deutschlands betroffen wäre. Das dafür verantwortliche synoptische Muster ist noch unscharf. Es zeigt sich aber eine recht antizyklonal geprägte Höhenströmung über Südeuropa, die wiederum durch atlantische Entwicklungen noch modifiziert werden kann. Mehr dazu in der Modelldiskussion (s.u.).
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die IFS-Prognose ist von guter Konsistenz und lässt eine relativ sichere Vorhersage der Entwicklung zu. Interessant zeigt sich hier die erweiterte Mittelfrist. In den letzten beiden Läufen (Di 12Z und Mi 00Z) wird dabei eine tropische Tiefdruckentwicklung vor Florida aufgegriffen (kein Tropensturm!) und anschließend unter extratropischer Umwandlung als außergewöhnlich intensives Tiefdruckgebiet nach Westeuropa geführt. Das hat erhebliche Auswirkungen auf unser Wettergeschehen, vor allem in Bezug auf eine mögliche neue Hitzewelle ab Ende Juli/Anfang August und macht eine Prognose kaum möglich.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Entwicklung bis Mitte nächster Woche wird auch von den anderen Globalmodellen (ICON, GFS) im Wesentlichen gestützt. GFS simuliert dabei den Geopotentialanstieg (bis knapp 600 gpdm über Marokko) im Laufe der nächsten Woche am intensivsten, dementsprechend zeigt sich hier auch die Ausprägung der heißen Luftmasse (T850 bis 25°C). Aus Erfahrung weiß man als Synoptiker, was man davon zu halten hat: Nämlich zuerst einmal nicht allzu viel. Nichtsdestotrotz präsentiert sich in den anderen Modellen ein ähnlicher Trend, der zumindest in dieselbe Richtung zeigt.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ECMWF-Rauchfahnen stützen die beschriebene Entwicklung umfänglich. Insbesondere zeigt sich kaum Streuung bis zum Beginn der erweiterten Mittelfrist, was die grundsätzliche Prognose bis Mitte nächster Woche erst einmal recht sicher macht (natürlich noch nicht in Detailfragen). Danach präsentiert sich der Hauptlauf als sehr warmer Ausreißer, während das ENS als solches eher gegen klimatologisches Mittel von T850 tendiert. Gleichzeitig wird aber auch der Geopotentialanstieg in der nächsten Woche als recht streuungsarm gezeigt. Es ist fraglich, wieviel Konfidenz dem ENS hier wirklich zuzutrauen ist. Der Frühsommer hatte gezeigt, dass HRES-Ausreißer im Gegensatz zum ENS auch schonmal den richtigen Riecher hatten...
Die GFS-ENS zeigen zumindest den Erwärmungstrend ebenfalls, rauschen aber bereits zu Beginn kommender Woche zunehmend. Ein klarer Trend zeichnet sich nicht ab, einzige Auffälligkeit ist der CNTRL-Lauf, der die 25°C-Isotherme in 850 hPa aus Süden bis in die Mitte vorankommen lässt.
Die Cluster weisen einhellig auf das gestörte Zirkulationsmuster hin (Block durch Hoch Grönland), zeigen aber nach hinten heraus ebenfalls noch große Schwankungsbreite bezüglich der daraus folgenden Entwicklung für uns. Zu Beginn werden drei verschiedene Cluster gerechnet, dann vier Cluster in der Mittelfrist bis hin zu fünf Clustern in der erweiterten Mittelfrist. Keines davon zeigt Westwindzirkulation im Zusammenhang mit NAO+, sondern durchweg blockierende Großwetterlagen.
Fazit:
Einem zunächst noch recht sonnigen und wieder zunehmend heißen Mittelfristbeginn am Samstag steht ein signifikanter Luftmassenwechsel am Sonntag gegenüber. Dabei erwacht auch wieder die Gewittertätigkeit bis hin zu lokal auftretenden Unwettern durch Starkregen. In der kommenden Woche beruhigt sich das Wettergeschehen rasch. Nach ein bis zwei gemäßigten Tagen zu Wochenbeginn deutet sich dann allerdings langsam eine mögliche neue Hitzeperiode an. Wie heftig diese ausfällt und wie lange diese andauert lässt sich aber noch nicht abschätzen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Gewitter:
... sind um diese Jahreszeit zwar üblich. Am Samstag sind aber südlich der Donau sowie am Sonntag relativ verbreitet einzelne kräftige Entwicklungen bis hin zum Unwetter möglich. Dabei ist vor allem Starkregen die maßgebliche Begleiterscheinung. Im Umfeld der Berge, vor allem der Alpen, sind im Rahmen organisierter Zellen auch Hagel und Sturmböen nicht ausgeschlossen. Am Montag gibt es noch im äußersten Osten einige markante Gewitterentwicklungen, die aber später am Tag auch dort nachlassen.
Wind:
Nicht wirklich signifikant, aber am Sonntag und Montag treten zeitweise zumindest Böen Bft 7 auf, von der Südwesthälfte in die Nordosthälfte verlagernd. Ganz vereinzelt kann auch eine einzelne stürmische Böe 8 Bft nicht ausgeschlossen werden.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, GFS, ECMWF-ENS, GFS-ENS, MOSMIX, ICON
VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch





