Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 31.01.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Dreiteilung: im Westen mild und etwas Regen, im Osten trocken-kalt, im Streifen dazwischen gefrierender Regen mit Glätte oder geringem Schnee.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell ... könnte man auch die Texte der vorherigen synoptischen Übersichten nehmen, weil sich im Prinzip in der Kurzfrist kaum etwas ändert. So steht das blockierende Hoch DANIEL über Skandinavien und Nordwestrussland tiefem Druck über dem nahen Nordostatlantik und dem Mittelmeer gegenüber. Über Deutschland ergibt sich an der Südwestflanke des Hochs eine südöstliche Strömung, die im Nordosten kalte Kontinentalluft mit T850 von -3 bis -10 Grad heranführt. Nach Westen hin dringen dagegen permanent Ausläufer des Tiefdruckkomplexes ein, sodass dort die Südostströmung untergraben wird und mildere Luft mit T850 hPa knapp unter oder knapp über dem Gefrierpunkt einfließt. An diesem Setting wird sich in den kommenden Tagen nichts Wesentliches ändern. Im Detail liegt am heutigen Abend Hoch DANIEL mit einem Kerndruck von knapp über 1037 hPa mit Schwerpunkt zwischen Ostfinnland und Nordwestrussland. An der Nordostspitze von Nordirland findet sich Tief PATRICIA I wieder, dessen Okklusion mithilfe von WLA dichte Bewölkung und gebietsweise Niederschläge in den Westen und Nordwesten gebracht hat. Im Laufe der Nacht wird die Okklusion durch einen von den Britischen Inseln in die westliche Nordsee schwenkenden Randtrog ganz langsam ein wenig nach Osten getrieben, sodass sich die Niederschläge bis Sonntagmorgen etwa bis auf eine Linie Deutsche Bucht - Harz - Unterfranken - Schwäbische Alb ausbreiten. Die meist nur schwachen Niederschläge werden in allen möglichen Phasen angeboten. Während im Westen bei auch in der Nacht weiterhin positiven Temperaturen Regen fällt, sieht es zum östlichen Rand des Niederschlags hin anders aus. Dort fällt Schnee oder Regen. Da letzterer zum Teil auf gefrorene Böden trifft, ist Glatteis ein Thema. Das gilt insbesondere für den Bereich zwischen dem Emsland und dem Weserbergland, in dem fast alle Modelle gefrierenden Regen simulieren bei 1 bis 2 l/qm Niederschlag, was faktisch sogar einem Unwetter-Glatteis entsprechen könnte. Vor allem im Umfeld der Weser und östlich davon gibt es darüber hinaus auch Frost im Boden, womit diese Region die höchsten Wahrscheinlichkeiten für gefrierenden Regen hat, sollte nicht die feste Phase dominieren. So bleibt das Warnmangement dem Nowcast vorbehalten, zumal bezüglich der Phase und der genauen Niederschlagsverteilung größere Unsicherheiten bestehen. Beim Schnee sind dagegen kaum größere Akkumulationen zu erwarten, wenn auch ICON6 mal 1 bis 2 cm zwischen Bremerhaven und Hannover anzeigt.
Im Rest des Landes bleibt es abgesehen von lokal möglichem geringen Schneegriesel meist trocken, aber vielerorts auch stark bewölkt. Von der Mitte bis in den Süden besteht bei nur schwacher Luftbewegung Nebelgefahr. Im Norden weht der Wind häufig mäßig, an den Küsten frisch und in Böen steif (um 55 km/h, Bft 7) aus Ost bis Ost-Südost.
Die Temperaturen gehen auf 4 bis 0 Grad im Westen und Südwesten, sonst auf 0 bis -5, im Nordosten auf -6 bis -12 Grad zurück.
Sonntag ... dreht der Randtrog über der westlichen Nordsee nordwärts ein, sodass sich auch die über Deutschland liegende Okklusion gegen den Hochblock mehr oder weniger totläuft, kaum noch vorwärtskommt und die Niederschläge sich abschwächen. So regnet oder schneit es bis etwa auf eine Linie Nordfriesland - Harz - Unterfranken - Oberbayern sowie westlich davon hier und da, im Westen überwiegend flüssig ohne Glätte, im Grenzbereich zur kalten Luft teils als gefrierender Regen, teils als Schnee. Weiterhin bleibt die Lokalisierung von Phase, Räumlichkeit und Quantität der Niederschläge eine im Vorfeld kaum befriedigend zu beantwortende Frage. Neuschnee gibt es ebenfalls weiterhin nur selten, ICON6 deutet immerhin im Elbmündungsbereich bis zur Lüneburger Heide bis 1 cm an.
In den anderen Gebieten bleibt der Himmel wolkenverhangen, am ehesten ein wenig Sonnenschein gibt es in Vorpommern und im äußersten Süden. Möglicherweise wird die Hochnebeldecke gehoben, was in örtlichem Sprühregen oder Schneegriesel münden können. Die Mengen bleiben dann aber meist im nicht messbaren Bereich. Der Wind verändert sich nur unwesentlich, womit im Süden und in der Mitte schwacher, nach Norden hin teils mäßiger, an den Küsten teils frischer Wind aus Ost bis Ost-Südost weht. An der Küste treten anhaltend steife, exponiert stürmische Böen (Bft 7 bis 8) auf.
Die Temperaturen liegen zwischen 0 und -8 Grad im Norden und Osten, zwischen 0 und 5 Grad in der Mitte und im Südosten und zwischen 3 und 10 Grad im Westen und Südwesten.
In der Nacht zum Montag ändert sich das Strömungsmuster zunächst kaum, bevor zum Morgen hin ein Höhentief über Benelux auftaucht. Es koppelt sich aus einem weiteren Randtrog über den Britischen Inseln ab. Die damit verbundenen Niederschläge erreichen aber erst zum Morgen hin den äußersten Westen Deutschlands. Ansonsten dümpelt das Wetter weiter in gleichen Bahnen vor sich hin. Im Nordwesten und Westen gebietsweise unergiebige Niederschläge (0 bis 2 l/qm), im Westen Regen, an der Grenze zur kalten Luft gefrierender Regen oder Schnee mit Glättegefahr. Weiter östlich und südöstlich meist trocken mit Nebel, Hochnebel oder dichten Wolken, hier und da geringer Sprühregen oder Schneegriesel.
Der Wind: nahezu unverändert.
Die Temperaturen: schockgefrostet im Osten: -7 bis -13 Grad, normal frostig in der Mitte: 0 bis -7 Grad, frostfrei im Westen: 3 bis 0 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... kann der Frühübersicht mit der persistenten Wetterlage und der Ankunft einer neuen Warmfront im Westen in der Nacht zum Dienstag nichts Neues hinzugefügt werden. Damit zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren sehr ähnlich, in den Details aber etwas unterschiedlich. Genau darin muss jedoch das Warnmanagement gefunden werden, womit dieses nur im Nowcast erledigt werden kann.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 31.01.2026 um 10.30 UTC
Winterlich wechselhaft mit Wind an der Küste, Dauerfrost im Nordosten und zeit- und gebietsweise gefrierendem Regen.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 07.02.2026
Fazit vorweg: In der Mittelfrist wird wieder einiges geboten. Es kommt zu zeitweisen Niederschlägen, mal als Schnee, mal als Regen und gebietsweise mit der Gefahr des Gefrierens am Boden. Im Norden und Osten herrscht teils mäßiger Dauerfrost. Anfangs ist auch noch strenger Nachtfrost möglich, die Temperatur steigt insgesamt aber an. Zu guter Letzt weht an den Küsten zeitweise ein "büschn Wind".
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag zieht ein Trog in den unteren Luftschichten aus Südwesten herein und erreicht bis zum späten Abend den Norden Deutschlands. In 500 hPa wölbt sich derweil ein Höhenkeil über uns, der die Bildung eines Tiefs erheblich stört. Erst am Mittwoch kann sich über der Nordsee ein kleinräumiges Tief bilden, das die weitere Progression des Troges nordwärts bremst.
Im Trog eingelagert ist ein langgezogenes Frontensystem, das vom Nordatlantik über West- und Mitteleuropa bis nach Nordafrika reicht und zunehmend okkludiert. Aus Südwesten strömt mildere und hochreichend feuchte Luft ins Land, die sich langsam auch ihren Weg in den Norden und Osten Deutschlands bahnt. Dort kommt sie voraussichtlich am Mittwoch an, wenn die Temperatur in 850 hPa auf -1 Grad ansteigt. Im Süden fließen beständig +2 bis +4 Grad ein. An das Frontensystem koppeln sich Niederschläge, die zunächst als Schnee mit Milderung in der Höhe aber zusehends als Regen fallen. Vorübergehend ist im Übergangsbereich auch wieder gefrierender Regen möglich. An den Küsten weht Gradientbedingt ein starker östlicher Wind, der Böen Bft 8 bis 9, exponiert auf kleineren Inseln auch Bft 10 erreicht.
Am Mittwoch liegt der okkludierte Teil des Frontensystems über dem Norden Deutschlands. Es wird in einem Bogen über Osteuropa zurück an die Alpen geführt, wo es von einem kleinräumigen Tief (voraussichtlich auf der Alpensüdseite) wieder eingefangen wird. Im Norden Deutschlands gibt es also weitere Niederschläge, anfangs als Schnee, aber zunehmend als Regen, mit der Gefahr des Gefrierens am Boden, denn die konnten in den letzten Tagen und Wochen gut auskühlen. Immerhin lässt der Wind mit auffächerndem Gradienten nach, es sind aber an den Küsten noch Böen Bft 8 oder exponiert 9 möglich. Nach Süden hin schließt sich vorübergehend trockenere Luft an. Allerdings ist das Tief über/an den Alpen im Begriff sich nordwärts zu verlagern, sodass in den Abendstunden bereits wieder feuchte Luft in den Südosten Deutschlands gelangt.
Am Donnerstag weitet sich aus Süden Tiefdruck nordwärts aus. Das Tiefzentrum löst sich im allgemein tiefen Druck auf. Bis zum Abend liegt der Druck unter 995 hPa in der Mitte und dem Süden Deutschlands. Mit Ausweitung des Tiefdrucks schieben sich auch Niederschläge nordwärts. Dabei wird aus Nordosten wieder kältere Luft angezapft und die Schneephase nimmt zu. Zeitgleich liegt auf dem Atlantik ein ausgedehntes Tiefdrucksystem, dessen Ausläufer bis zur Iberischen Halbinsel reichen. Es dreht sich weiter ein und nimmt in der Nacht zum Freitag Verbindung zum Tiefdruck bei uns auf. Am Freitag selbst liegen weite Teile Mittel- und Südeuropas unter Tiefdruckeinfluss. Über Südskandinavien schließt sich eine schmale Hochdruckbrücke an. Bei uns fallen zeit- und gebietsweise Niederschläge, die im Norden eher als Schnee, im Süden als Regen runterkommen.
Am Tiefdruckeinfluss ändert sich auch am Wochenende nicht viel. Allerdings etabliert sich über Nord-Nordwesteuropa Hochdruck, was zum Zustrom deutlich kälterer Luft (-2 bis -8 Grad in 850 hPa) aus Norden führt. In einer Art Gegenstromlage zwischen hohem und tiefem Luftdruck ist die Feuchte über Deutschland gefangen und wird zunehmend ausgequetscht. Zu Beginn der übernächsten Woche (Montag, 09.02.) scheint sich dann hoher Luftdruck aus dem Norden langsam auch zu uns auszudehnen. Damit hätten immerhin die (wenn auch nur schwachen) Niederschläge im Norden ein Ende, allerdings ist die Luft mit rund -5 Grad im Süden und -15 Grad im Norden in 850 hPa recht kalt. Und über dem Baltikum lauert bereits ein Tiefdruckgebiet...
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz zwischen den letzten Läufen des IFS beschränkt sich auf die grundsätzliche Lage, die mehr und mehr von Tiefdruckgebieten bestimmt ist. Zeitliche Abläufe und räumliche Ausdehnungen variieren stark. Gesichert scheint der Bodentrogdurchgang am Dienstag und Mittwoch, während in der Höhe mildere Luft aus einem Hochkeil zu uns strömt. Wo sich am Donnerstag aus einem Höhentrog ein Tief abspaltet (Frankreich, Süddeutschland, Südtirol), ist unsicher.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Vergleich mit anderen Modellen herrscht anfangs noch große Einigkeit, ab Donnerstag ergeben sich aber signifikante Unterschiede. ICON simuliert das Tief über Tschechien und Polen, IFS über Süddeutschland. GFS und UK10 belassen es bei einem Trog ohne abgeschlossenes Tief. So oder so wird es in der zweiten Wochenhälfte zeit- und gebietsweise nass und das vermutlich mindestens im Bergland als Schnee.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluster bieten in Zeitschritt eins (Dienstag und Mittwoch) zwei Lösungen, durchweg NAO-. Dabei liegen Haupt- und Kontrolllauf in Cluster eins. Die Unterschiede für uns beschränken sich auf einen etwas stärkeren Keil am Mittwoch in Cluster zwei.
Auch Zeitschritt zwei (Donnerstag bis Samstag) liefert zwei Lösungen, weiterhin mit NAO-. Cluster eins (29 Member) hat das Tief über dem Atlantik stärker drin und lässt den Trog am Freitag/Samstag etwas weiter in den Süden Europas vordringen. Dafür breitet sich im Norden und Osten mehr Hochdruck aus. Cluster zwei (22 Member plus Haupt- und Kontrolllauf) hat den Tiefdruck flacher mit mehr Randtrögen und über weiten Teilen Mittel- und Südeuropas. Das Hoch konzentriert sich hier auf den Nordatlantik.
Die erweiterte Mittelfrist liefert drei Lösungen, überwiegend NAO-. Dabei überwiegt niedriges Geopotential.
Die Rauchfahnen stützen die wechselhafte Lage und gehen erwartungsgemäß (keine Konsistenz der letzten Läufe) ab Mittwoch auseinander. Dabei ist der Trend klar: Zunächst steigt die Temperatur rasant, geht aber nach Wochenmitte wieder langsam zurück. Beim Geopot500 ist ein Schwanken nicht von der Hand zu weisen, allerdings eher moderat und mit nachhaltigem Absinken. Auffällig ist der Hauptlauf, der nach Wochenmitte im unteren Drittel der Ensembles angesiedelt ist. Vielleicht kommt man im Nordosten ja doch nochmal aus dem Dauerfrost? Die Niederschlagsensembles weisen wenig überraschend ab Dienstag durchgehend Ausschläge auf, wenn auch nicht markant.
Die Ensembles zur Temperatur und zum Geopotential der anderen Modelle sehen ähnlich aus, auf Phasenverschiebungen gehe ich nicht ein. Lustigerweise ist auch beim GFS der operationelle Lauf kälter als das Ensemblemittel.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI liefert für den Norden und Osten schwache Signale bei der Temperatur. Dabei wiegt der anhaltende und teils mäßige Dauerfrost mehr, als der teils strenge Nachtfrost. Die markanten Böen an der Küste sind jedoch ohne Signal. Wann und wo die Niederschläge als gefrierender Regen mit Glatteisbildung fallen, lässt sich nicht vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit für das generelle Auftreten in Deutschland ist aber hoch.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn





