Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 24.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM (Hoch Mitteleuropa)
Außergewöhnliche, fast historische (für den Frühsommer) Hitzewelle mit wahrscheinlichen 40°C. Höhepunkt voraussichtlich Freitag/Samstag.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
Mittwoch... steht uns nach einem "entspannten" Dienstag - von Norden betrachtet hatte es die 30°C-Isotherme bis in die Mitte geschafft und einige Wolkenfelder konnten auch willkommen geheißen werden - der nächste fette Hitzetag ins Haus. Wobei, was heißt hier fett, geht doch alles noch gemessen an dem, was uns in den nächsten Tagen noch so blüht. Deshalb hier ein kleiner praktischer Tipp an all diejenigen, die unter der Hitze leiden und sich sehnlichst Abkühlung wünschen: An dieser Stelle aufhören zu lesen und sich am Mittag die Synoptische Übersicht Mittelfrist zu Gemüte führen. Da allerdings auch den ersten Teil (Wochenende) weglassen. Danach wird´s ein Bestseller.
Kommen wir zur Lage der Nation, die auch den heutigen Tag unter dem Nordostquadranten eines wuchtigen (im Zentrum taucht im Tagesverlauf eine 592-gpdam-Isohypse auf) und stationären Potenzialrückens über West- und Mitteleuropa verbringt. Wenn man so will, hat das großräumige Strömungsmuster etwas von einem leicht geplätteten Omega. Omega deswegen, weil der Rücken von einem Cut-Off-Tief westlich der Iberischen Halbinsel sowie einem Trog über dem nahen Osteuropa flankiert wird. Geplättet deswegen, weil er keine überbordend nach Norden weisende Amplitude aufweist. Ist schlussendlich aber alles Makulatur. Was zählt, ist - passend zur WM -, was auf dem Spielfeld passiert und da heißt die Losung ganz klar Absinken und Einstrahlung satt.
Weiter mit am Start ist Kollege HARTMUT, von Beruf Hochdruckgebiet, mit rund 1020 hPa in der Spitze gar nicht mal so hoch dekoriert, aber wie auch bei dieser Hitze. Mittlerweile hat sich HARTMUT ordentlich breitgemacht, erstreckt er sich doch von UK/Irland bis hinüber zum Schwarzen Meer plus breiten Keil in Richtung Golf von Sirte. Die bei uns lagernde Luftmasse trägt weiterhin tropische Züge (xT) mit 850-hPa-Temperaturen, die heute Abend von 14°C in Vorpommern bis 22°C im Südwesten reichen. Damit liegt der fühlbare Anteil der Luftmasse auf ähnlichem Niveau wie an den vergangenen Tagen. Was sich geändert hat, ist der Wasserdampfgehalt. Egal, welchen Marker man nimmt (Taupunkt, pseudopotenzielle Temperatur, PPW etc.), es ist trockener geworden. Damit ist die Gewitterwahrscheinlichkeit nochmal geringer als gestern, wo es im Süden ja noch ein paar Exemplare geschafft haben, in die Lüfte zu steigen. Zwar ist die Luft dort auch heute noch labil und es wird auch ausreichend CAPE generiert. Die trockene Grundschicht nebst einer bei 600 hPa eingezogenen Sperrschicht dürften aber ausreichen, sämtliche Bemühungen, elektrische Überentwicklungen zu erzeugen, im Zaum zu halten. Nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit reicht es im äußersten Süden sowie im Bayerischen Wald für ein orografisches Gewitter der Marke markant (SR, Hagel, Böen bis 8 Bft).
Ansonsten bliebe "nur" noch zu konstatieren, dass heute verbreitet die Sonne scheint, gnadenlos und meist am astronomischen Limit. Nur ganz im Norden schaffen es ein paar wenige Wolken, von der Deutschen Bucht her das küstennahe Binnenland zu streifen. Thermisch geht´s wieder in die Vollen mit verbreitet 30 bis 35, in der Südwesthälfte 33 bis 38°C, wobei die Spitzen an Rhein, Mosel und Saar sowie deren Nebenflüssen erwartet werden. Lediglich ganz oben im Norden sowie an den Küsten wird es nicht ganz so heiß, was auch daran liegt, dass der anfänglich überwiegend aus Süd-Südost kommende Wind zum Nachmittag mehr und mehr auf West bis Nord dreht.
In der Nacht zum Donnerstag ändert sich nicht viel an der Lage. Am auffälligsten dürfte noch der Untergang der Sonne sein sowie ein Band tiefer Bewölkung, dass mit der o.e. Winddrehung von der Nordsee ins nördlichste Binnenland Norddeutschlands gesteuert wird. Im größten Teil des Landes verläuft die Nacht klar, was aber mitnichten bedeutet, dass es auch vernünftig abkühlt. Klar geht die Temperatur zurück, aber nicht so weit, wie es die meisten von uns gerne hätten. Häufig wird die 20°C-Marke nicht unterschritten, in einigen Ballungszentren West- und Südwestdeutschlands sowie in mittleren Lagen sind sogar Minima von 23 oder 24°C möglich. Am besten klappt es mit der Abkühlung nach Südosten hin sowie in den Mulden und Senken der östlichen Mittelgebirge, wo punktuell sogar 15°C unterschritten werden.
Donnerstag... bleibt der Rücken Trumpf, wobei seine Hauptachse geringfügig ostwärts wandert. Damit verlagert sich auch das korrespondierende Bodenhoch etwas nach Osten. Das Zentrum mit etwas über 1020 hPa verbleibt aber über der Nordsee. Mit der leichten Progression verschiebt sich auch die west-südwesteuropäische Hitzeblase etwas nach Osten, was bei uns einen leichten Anstieg der 850-hPa-Temperatur auf 17 bis 23°C zur Folge hat. Und das auf einer geopotenziellen Höhe von rund 156 gpdam, also recht hoch, was wichtig für die Projektion der Temperatur auf irdisches 2m-Niveau ist. So macht die 2m-Temperatur morgen einen weiteren Satz nach oben, heißt, die 35°C-Isotherme rückt vor bis etwa einer gebogenen Linie Münsterland-Eichsfeld-Berlin (MOS). 39°C können an den Flussläufen und tiefen Lagen Südwestdeutschlands mit Überadiabate als sehr wahrscheinlich, 40°C als nicht ausgeschlossen angesehen werden. MOS jedenfalls offeriert in der Kurpfalz die "40", während die DMOs noch etwas zurückhaltender agieren. Sollten die 40°C tatsächlich erreicht werden, wäre damit der Junirekord aus dem Jahr 2019 (Bernburg/Saale 39,6°C, 30.06.) Geschichte. Wohl dem, der im äußersten Norden weilt, wo mit nördlichen Winden weniger heiße Luft advehiert wird, direkt an der See sogar unter 25°C.
Bleibe nur noch fstzuhalten, dass die Sonne wieder bis zum Anschlag scheint. Im Norden und Nordosten bis zur Mitte zeitweise garniert von einigen Cu hum, die sich aus der labilen Grundschicht lösen, über 800 hPa (Inversion) aber nicht hinauskommen. Apropos Labilität, die auch sonst morgen durchaus vorhanden ist. Inzwischen - nicht zuletzt auch wegen auf der auf Ost drehenden Winde - ist die Luftmasse aber gerade im Süden soweit abgetrocknet, dass kaum CAPE vorhanden ist und in Sachen Konvektion nichts geht. Am feuchtesten ist die Luft im Nordwesten, wo tatsächlich nicht unerheblich CAPE generiert wird, was aufgrund der starken Deckelung aber gänzlich verschenkt ist.
Die Nacht zum Freitag bringt nicht viel Neues, zumindest nicht wetterlagentechnisch. Abermals steht verbreitet eine Tropennacht auf der Karte, vor allem im mittleren und südlichen Drittel des Landes (nach Südosten hin aber etwas abgemildert). Möglich, dass lokal sogar 25°C nicht unterschritten werden, was nicht schön, aber rekordverdächtig ist. Aber schlimmer geht immer, wie die für kommende Nacht in Paris apostrophierten 30°C Minimum zeigen - Wahnsinn! Besser sieht´s im norddeutschen Binnenland aus, wo 17 bis 13°C auf dem Zettel stehen.
Freitag... spitzt sich die Lage weiter zu. Progression der Potenzial- und Temperaturwelle setzen sich fort, auch wenn die Schritte klein sind. Es reicht, um den Rücken genau über dem Vorhersageraum zu platzieren und T850 auf 20 bis 24°C hochzujagen. Damit müssen wir uns bei voller Einstrahlung auf verbreitet 35 bis 40°C einstellen, wobei nicht auszuschließen ist, dass irgendwo zwischen Untermain, Rhein-Main-Gebiet und Rhein-Neckar-Raum oder auch weiter westlich/südlich davon sogar 41°C aufleuchten. Sollte das tatsächlich klappen, und die Vorzeichen stehen gut, wären wir nicht allzu weit entfernt vom deutschen Allzeitrekord vom 25.07.2019, wo in Tönisvorst und Duisburg-Baerl satte 41,2°C gemessen wurden. Wer weiß, wer weiß... Fakt ist, dass selbst an den meisten Küstenabschnitten bzw. auf den Inseln 30°C und mehr erreicht werden, weil der Wind aus Ost bis Südost und somit überwiegend ablandig weht. Einzig an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste kommt er kühlend von der See.
Das Thema Konvektion dürfte am Freitag noch klein gehalten werden. Zwar beginnt von Westen her der Luftdruck zu fallen (=> Rinne). Labil ist die Luft auch - gerade bis 700 hPa hinauf sind die Lapse Rates extrem steil - und gerade im Westen und Nordwesten wird sie immer feuchter. Schaut man sich daraufhin allerdings die Prognoseaufstiege an, erkennt man, dass gerade die Grundschicht, aber auch die Mitteltroposphäre doch noch ganz schön trocken sind und ein nicht unerhebliches Maß an CIN vorhanden ist. Und genau das zu überwinden, wird nur schwer möglich sein, weil dynamisch weiterhin wenig bis nichts geht. Selbst wenn die Rückenachse durch ist und die Höhenströmung auf Südwest rückdreht, ist diese doch noch weitgehend antizyklonal konturiert. Und ob das Bergland schon in der Lage ist, den Deckel zu sprengen, ist fraglich. Auf alle Fälle werden die Bedingungen für (teils schwere) Gewitter am Wochenende besser.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Im Grunde konzentriert sich alles auf die Fragen, wie heiß wird es genau (aufs Zehntel), schaffen wir den Monats- oder sogar den Allzeitrekord? Die Voraussetzungen dafür stehen nicht schlecht, auch wenn die extremen Bedingungen aus dem benachbarten Frankreich mit bis zu 45°C nicht 1:1 auf unseren Raum übertragbar sind. Eine über weite Strecken trockene und heiße Vorgeschichte mit hochliegenden Potenzialflächen (=> großer Abstand zwischen 850 hPa und Boden + Überadiabate), dazu die entsprechende Luftmasse mit hochreichender Grundschicht, Sonnenhöchststand - es passt Vieles. Zünglein an der Waage, wenn´s um die letzten Zehntel geht, könnte der Saharastaub werden, der nach den Prognosen den Weg zu uns finden soll respektive das partiell schon getan hat (Westen/Nordwesten). Allerdings werden Konzentration und optische Dicke nicht allzu hoch gerechnet, so dass sich der dämpfende Impact in Grenzen halten dürfte. Es wird auf alle Fälle spannend.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 24.06.2026 um 10.30 UTC
Erst rekordverdächtige Hitze, danach der große Knall. Nächste Woche zwar etwas kühler, aber anfangs teils immer noch heiß. Außerdem erhöhte Unwettergefahr durch schwere Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.07.2026
Die alte Hitz'... sie wird uns auch am kommenden Wochenende noch ziemlich beschäftigen. Dann erreicht die laufende Hitzewelle ihren Höhepunkt. Das dafür verantwortliche Omegahoch hat sich bis dahin mit seinem Zirkulationszentrum nach Südosteuropa verlagert. Mit dieser Verlagerung kommt es zur Advektion einer brüllend heißen Luftmasse (T850 im Süden 23..24°C!), teilweise spielen erwärmungstechnisch auch noch diabatische Anteile mit hinein. Wie dem auch sei: Dass am Samstag möglicherweise neue Temperaturrekorde gerissen werden, scheint ausgemachte Sache zu sein. Es zeichnet sich ein Hitzeschwerpunkt ausgehend vom Saarland und dem Oberrheingraben bis in den Berliner und Lausitzer Raum ab. Dort sind Tageshöchstwerte von bis zu 40°C, im Südwesten auch bis zu 41°C zu erwarten. Dass der Allzeitrekord in Deutschland (+41,2°C in 2019) fällt, ist zwar nicht sicher, aber er steht zumindest auf wackeligen Beinen. Neben den Rekordmaxima tagsüber sind aber auch die nächtlichen Temperaturen bemerkenswert. Die Luftmasse hat sich dann soweit aufgeheizt, dass uns auch abseits der Ballungsgebiete wohl verbreitet eine Tropennacht (TMin > 20°C) ins Haus steht. Außen vor sind hier wohl nur noch die Mittelgebirge und größere Teile Süddeutschlands, die sich in höheren Lagen befinden und wo die Luft noch etwas trockener bleibt.
Am Sonntag wird das blockierende Hoch an seiner Westflanke zunehmend von einem atlantischen Langwellentrog angegriffen. Die ersten Frontalausläufer des zugehörigen Bodentiefs nordwestlich von Schottland erreichen dabei bereits den Nordwesten, während der Rest des Landes erneut unter der bestehenden Hitzeglocke schwitzen "darf". Der Schwerpunkt verschiebt sich hierbei zunehmend nach Osten, wo erneut Höchstwerte von 40°C im Raum stehen. Im Südwesten scheint das gröbste bereits überstanden zu sein, wobei von Entspannung bei prognostizierten 38°C noch keine wirkliche Rede sein kann. Ebenfalls keine Entspannung besteht bezüglich der Frage möglicher Konvektion(en). In geladener Luftmasse (CAPE gebietsweise um 3000 J/kg) sorgt die heranrückende Frontalzone für zunehmende Dynamik und Hebungsantrieb. Gleichzeitig ist der Deckel durch die noch vorhandene Absinkinversion noch relativ stark. Insgesamt eine recht wackelige Angelegenheit, aber es ist durchaus vorstellbar, dass es zur Entwicklung einiger heftiger Gewitter - auch mit erhöhtem Potential für Superzellenbildung - kommen wird, entsprechend mit erhöhter Unwettergefahr. Die Niederschlagssignale deuten entsprechendes an, und auch der EFI für CAPESHEAR zeigt vor allem im Nordwesten deutlich erhöhte Werte. Bezüglich möglicher Begleiterscheinungen ist dabei fast alles denkbar, von schweren Sturmböen über heftigen Starkregen bis großen Hagel.
In der Nacht zum Montag setzt sich dieses "Spektakel" nach IFS-Lesart fort. Dabei kommt die okkludierte Kaltfront des Atlantiktiefs etwas weiter Richtung Mitte voran. In der noch aufgeheizten Vorderseitenluftmasse sind wahrscheinlich weiter schwere Gewitter aktiv. IFS zeigt auch Optionen für ein mögliches MCS, dass Deutschland in der Nacht von West nach Ost überquert und gebietsweise für ergiebige Regenfälle sorgen würde.
Am Montag vollzieht sich dann allmählich der Luftmassenwechsel hin zu einem "normalsommerlichem" Regime. Entlang der sich nur schleppend vorwärts bewegenden Luftmassengrenze kommt es demnach weiter zur Bildung teils heftiger Gewitter, die sich nun langsam in die Ost- bzw. Südosthälfte Deutschlands verlagern. Erneut zeigen sich dabei Optionen, die von einzelnen Superzellen ausgehen und bis in die Nacht zum Dienstag hinein verclustern und möglicherweise erneut ein MCS produzieren. Dementsprechend wackelig sind auch die Temperaturprognosen. Im Osten und größeren Teilen des Südens sollen die Höchstwerte nochmals auf über 30°C steigen. Mit aufkommenden Gewittern ist das aber schnell obsolet, danach dürfte es vorübergehend spürbar abkühlen. Durch den hohen Feuchteeintrag bleibt aber die Problematik möglicher Tropennächte weiter bestehen. Schwerpunkt hier vor allem der Nordosten und Süden, wo der Luftmassenwechsel noch nicht erfolgt.
Am Dienstag läuft die erste Trogachse über Deutschland hinweg und nimmt damit zumindest im Nordwesten endgültig die Luft raus bezüglich etwaiger Konvektion. Ansonsten befindet sich der Rest des Landes weiter im Einflussbereich der Luftmassengrenze. Das führt auch am Dienstag wieder zur Entwicklung einzelner, kräftiger Gewitter. Allerdings geht der Luftmasse dabei allmählich der Saft aus. Zwar stehen immer noch 1000 bis 1500 J/kg an CAPE bereit, die umgesetzt werden möchten, aber von den exorbitanten Werten der Vortage ist man nun schon weit weg. Nichtsdestotrotz besteht erneut die Gefahr einzelner Unwetter, nun vor allem in einem groben Streifen von Sachsen bis nach Bayern. Auch die Temperaturen gehen erneut leicht zurück und erreichen höchstens von der Pfalz bis nach Franken noch die 30°C-Marke.
Am Mittwoch manifestiert sich bereits ein neuer Trog über Mitteleuropa, der sich in den vorherigen 24 Stunden rasch über dem Nordatlantik entwickelt hat. Damit wird dem weiteren Vorschub subpolarer atlantischer Luftmassen bis nach Deutschland weitere Unterstützung zuteil. Die Wetterentwicklung bleibt dabei eher weniger stabil. Die einfließende Höhenkaltluft (T850 um 7°C) führt zur erneuten Labilisierung der vorhandenen Luftmasse und der Entwicklung einzelner Gewitter. Temperaturtechnisch pendelt sich die ganze Angelegenheit schließlich etwa bei +24 bis +29°C ein. Auch nachts kühlt es endlich deutlicher ab auf Werte um 13°C. __________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz von IFS ist vor allem mit zunehmender Vorhersagezeit eher mäßig. Die Hitzewelle und das Ausräumen der Luftmasse werden zwar an und für sich robust simuliert, aber das nachfolgende Geschehen bereitet anschließend Kopfzerbrechen. Angesichts der Tatsache, dass viel mesoskaliges konvektives Geschehen eine Rolle spielen wird, sind diese Vorhersagen ohnehin mit großen Unsicherheiten zu betrachten. Möglich erscheint auch, dass die Hitze später im Laufe der Woche zumindest nochmal in den Osten zurückkehrt. Aber das ist alles andere als ausgemachte Sache.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die grundsätzliche Entwicklung wird von allen Modellen gestützt, allerdings sind dabei einige Modelle (ICON) deutlich progressiver bezüglich des Ausräumens der Luftmasse als andere (GFS).
Die heiße Luftmasse am Wochenende ist grundsätzlich anfällig für konvektive Entwicklungen, sobald entsprechender Antrieb vorhanden ist. Diesen liefert GFS bereits am Samstagabend in Form eines Kurzwellentroges, in dessen Folge bereits in der Nacht zum Sonntag ein MCS aus Richtung Benelux nach NW-Deutschland ziehen würde. ICON zeigt ähnliche Optionen, nur deutlich weniger intensiv. Das hätte bereits weiteren, noch unbestimmten Einfluss auf die weitere Entwicklung ab Sonntag bezüglich möglicher Gewitter.
Während ICON und IFS im Laufe der kommenden Woche persistent über Mitteleuropa austrogen lassen, zeigt GFS bereits die Rückkehr des blockierenden Hochs aus Richtung Atlantik in Form eines Rückens. Das Ganze aber auf gemäßigterem Temperaturniveau, als es jetzt der Fall ist.
Zusammenfassend: So richtig in trockenen Tüchern ist die kommende Entwicklung nicht, außer dass es mit Sicherheit etwas kühler wird. Und auch die Wetterentwicklung im Rahmen des Luftmassenwechsels bereitet noch einige Probleme.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ECMWF-Rauchfahnen bestätigen die beschriebene Entwicklung im Wesentlichen. Im Laufe des Sonntags, spätestens Montag greift der Luftmassenwechsel in großen Teilen des Landes durch. Ab dann gibt es auch deutliche Niederschlagssignale, die auf gröbere konvektive Ereignisse hinweisen. Wenige Einzelmember deuten auf schnelle Rückkehr wärmerer Luftmassen hin, dies muss Stand heute als sehr unwahrscheinlich verworfen werden.
Die GFS-ENS beginnen nach dem Luftmassenwechsel schnell stark zu rauschen. Der operationelle Hauptlauf 00Z ist dabei der kälteste Vertreter seiner Zunft, während dann für Anfang Juli sogar schon eine neue Hitzeperiode möglich erscheint...
Die Cluster zeigen sich anfangs wechselhaft, aber im entscheidenden Zeitraum +120 bis +192h herrscht Einigkeit (nur ein Cluster) bezüglich des Abbaus des hohen Geopotentials über Mitteleuropa. Anschließend erfolgt Regeneration des Hochs über dem südlichen Atlantik (Azorenhoch). In der erweiterten Mittelfrist deutet sich anschließend erneutes Blocking an, allerdings in unterschiedlicher Konfiguration, sodass sich für die Wetterentwicklung in Deutschland keine Aussagen ableiten lassen.
Fazit:
Nach der Hitze kommt der große Knall. Samstag erwarten uns rekordverdächtige Temperaturen bis 41°C im Südwesten; gleichzeitig weitet sich die Hitzewelle auch noch weiter in die östlichen Landesteile aus. Dort auch am Sonntag nochmals bis an die 40°C.
Danach steht ein Luftmassenwechsel vor der Tür. Dieser ereilt uns mit viel Blitz und Donner und wird wohl für die ein oder andere Unwetterlage sorgen. Kein Wunder bei der Luftmasse, die dafür bereitsteht. Danach geht es wohl auf normalsommerlichem Niveau weiter, das allerdings wohl relativ unbeständig mit erneuten Schauern und Gewitter, aber abnehmendem Unwetterpotential.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
HITZE:
Findet hier sonst keine Erwähnung, aber angesichts des Geschehens bleibt keine Wahl: Extreme Wärmebelastung bis einschließlich Sonntag vor allem in den zentralen Landesteilen, ausgehend von den Gebieten entlang des Rheins bis zur Lausitz und an die Oder.
GEWITTER:
Spätestens Sonntag (mit großen Unsicherheiten evtl. auch schon ab Samstagabend) wiederholte Entwicklung teils schwerer Gewitter mit (schweren) Sturmböen, heftigem Starkregen und mitunter großem Hagel, bis Dienstag anhaltend und allmählich von der Nordwest- bis in die Südosthälfte des Landes verlagernd. Danach abnehmende Unwetterwahrscheinlichkeit.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, EFI, MOSMIX, ICON, GFS
VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch





