Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 26.08.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Zunächst abseits der Küsten meist warnfrei, ab dem späten Donnerstagabend in der Westhälfte deutlich ansteigendes Gewitterpotential mit Unwettergefahr.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich unser nationales Vorhersagegebiet weiterhin unter einem Höhenrücken, der das abgeschnürte Höhenhoch über den nordischen kontinentalen Staaten langsam einbindet. Dessen Schwerpunkt wandert im Laufe der Nacht zum Donnerstag in Richtung östliche Ostsee und zu den baltischen Staaten. Zudem stützt dieses weiterhin das umfangreiche Bodenhoch über Nord- und Nordosteuropa. Das zunächst abgetropfte Höhentief über dem nahen Ostatlantik erreicht nun das europäische Festland und lässt dabei die Höhenströmung über dem Kontinent weiter aufsteilen. Damit befindet sich Mitteleuropa weiterhin unter starker WLA, die den äußersten Nordosten Deutschlands aber nicht in dieser Intensität erreicht. Daraus ergibt sich ein starker T-Gradient in 850 hPa zwischen +8 Grad an der Ostsee und +20 Grad im äußersten Süden. Die antizyklonale Konfiguration und der sich während der Nacht rasch etablierende starke Deckel sollten die spärlichen Versuche der Konvektion in den ostbayerischen Mittelgebirgen rasch zum Erliegen bringen. Neben wechselnden Wolkenfeldern bildet sich stellenweise etwas Nebel, bevorzugt im zentralen Mittelgebirgsraum. Der gradientbedingte warnrelevante Ostwind an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins bleibt während der Nacht mit steifen Böen erhalten, weitere Warngebiete sollte bis dahin nicht dazukommen. Die Tiefstwerte reichen von 18 Grad im Westen bis knapp unter 10 Grad in den Tälern des Osterzgebirges.
Donnerstag ... kommt der Trog über Westeuropa weiter nach Nordosten voran und verdrängt die Achse des Höhenrückens langsam Richtung östliches Mitteleuropa. Das nordeuropäische Bodenhoch verlagert sich ebenfalls nordostwärts in Richtung Westrussland und verliert damit zunehmend an Einfluss auf das mitteleuropäische Wettergeschehen. Das macht den Weg frei für einen Tiefdruckrinne über Ostfrankreich, die am späten Abend und eingangs der Nacht zum Freitag die westliche Landesgrenze überschreitet. Im Vorfeld sorgt die sich nochmals verstärkende WLA für 850 hPa-Temperaturen von 24 Grad im Alpenvorland (föhnige Überströmungseffekte) und immerhin 12 Grad auf Rügen. Damit steht bei ordentlicher Einstrahlung in vielen Regionen nochmals ein heißer Tag ins Haus: Im Westen, der Südhälfte und Teilen der Mitte sind 30 bis 35 Grad wahrscheinlich, selbst an der See ist die Überschreitung von 25 Grad möglich.
Mit dem Übergreifen der Rinne wird die Luft im Tagesverlauf zunehmend feuchter und labiler, nur der Nordosten ist davon noch gänzlich unbeeinflusst. Während tagsüber hohe CIN-Werte einen veritablen Deckel produzieren, wird dieser ab dem Abend im äußersten Westen durch zunehmende Hebung allmählich durchbrochen. Dabei überlappen sich hohe ppw (um 40 mm), hohes CAPE (500 bis 1000, teilweise bis 1500 J/kg) und moderate bis markante Werte der Geschwindigkeitsscherung. Der Weg zu markanten Gewittern mit Starkregen, Sturmböen und Hagel ist damit nicht weit, auch mit lokalen unwetterartigen Entwicklungen muss bereits gerechnet werden. Bei hohen SRH-Werten und schön gebogenen Hodographen sind sowohl MCS als auch Superzellen in weiterer Folge möglich, die sich während der Nacht nordostwärts bis zur meridionalen Mittellinie Deutschlands ausbreiten werden. Der Schwerpunkt der stärksten Gewitter dürfte dabei aus heutiger Sicht im Bereich der Rinne und den gut überlappenden Zutaten im erweiterten Nordwesten sein. In der zweiten Nachthälfte erreicht die Kaltfront schließlich den äußersten Westen und sorgt dort für eine Beruhigung der Gewitteraktivität.
Ausgespart von diesen Vorgängen sind auch in der Nacht der Osten und Südosten Deutschlands. Die Bewölkung wird sich zwar verdichten, es bleibt aber bis in die Frühstunden trocken. Die Tiefstwerte reichen bundesweit von 19 bis 14 Grad. Der Ostwind im Norden verstärkt sich tagsüber etwas und kann an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins die eine oder andere stürmische Böe bringen. In der Nacht dreht der Wind von Westen her zunehmend auf Süd und sorgt auf den Friesischen Inseln für steife bis stürmische Böen. Auch im höheren Bergland sind stürmische Böen aus Südwest zunehmend wahrscheinlich.
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... verlagert sich der Gewitterschwerpunkt in den Osten und Südosten des Landes. Dabei bleibt dort das Unwetterpotential bei unveränderten atmosphärischen Rahmenbedingungen (Labilität, Scherung, Feuchte, Hebung) weiterhin bestehen. Besonderes Augenmerk muss aber auf Südostbayern gelegt werden: sehr schön gebogene Hodographen, markante Geschwindigkeitsscherung, ausreichende Labilität und zuvor föhnige Effekte könnten zu einer klassischen Superzellenlage führen. Aus heutiger Sicht ist dort eine Vorabinformation wahrscheinlich. Auf den Westen greift dagegen der nun wieder eingebundene Trog über. Dabei ergeben sich mit den Mittagsläufen keine großen Abweichungen zu den Beschreibungen in der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Heute Nacht und Donnerstag tagsüber wird in der Modellwelt sehr einheitlich simuliert. Auch das Timing der Gewitter ab dem Donnerstagabend im Westen hat sich nun vereinheitlicht. Hinsichtlich der genauen Schwerpunkte gibt es aber noch die üblichen Unschärfen. Am generellen Ablauf und der potentiellen Stärke der Gewitter wird sich aber nicht mehr viel ändern.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 26.08.2026 um 10.30 UTC
Wechselhaft mit wiederholten Niederschlägen. Dabei meist mäßig warm bis warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 02.09.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Samstag liegt Deutschland am Rande eines umfangreichen Höhentroges über Nordwesteuropa in einer südwestlichen bis westlichen Höhenströmung. Korrespondierend dazu befindet sich auch im Bodendruckfeld eine umfangreiche Zone tiefen Luftdrucks mit mehreren eingelagerten Tiefdruckzentren, die vom Seegebiet westlich Irlands bis nach Skandinavien reicht.
Davon ausgehend und eingebettet in kurzwellige Trogstrukturen ziehen von Westen wiederholt Frontensysteme heran. So sind es am Samstag die Reste einer Okklusion, die über Nordhälfte Deutschlands hinwegziehen und dort noch für etwas Regen oder Schauer sorgen. Richtung Süden und Südosten macht sich der Einfluss eines flachen Rückens bemerkbar und es bleibt unter schwachem Zwischenhocheinfluss überwiegend trocken. Dabei ist eine mäßig warme bis warme Luftmasse vorherrschend mit Höchstwerten meist zwischen 20 und 26 Grad, mit den höheren Werten im Süden und Osten.
Bereits am Abend und in der Nacht zum Sonntag greift das nächste teilokkludierte Frontensystem über und bringt vor allem dem Norden und der Mitte vereinzelt etwas Regen.
Gleichzeitig kommt es im Bereich der Britischen Inseln zu einer kräftigeren Randtiefentwicklung. Vorderseitig steilt die Strömung nochmal auf und vor allem in den Süden und Osten gelangen nochmal sehr warme Luftmassen aus dem Südwesten Europas und die Temperatur steigt dort bei mehr Sonnenschein nochmal auf spätsommerliche Höchstwerte bis 28 Grad an.
Im Westen und Norden halten sich dagegen dichte Wolken. Die Niederschlagstätigkeit lässt im Tagesverlauf zwar erstmal nach, mit weiterer Verlagerung des Randtiefs in Richtung Nordsee greift aber ab dem Abend dessen Frontensystem auf uns über und damit verbundene Niederschläge kommen allmählich ost-/südostwärts über uns voran. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass es insbesondere in der Westhälfte das ein oder andere Gewitter in Verbindung mit Starkregen und stürmischen Böen gibt.
Am Montag zieht das Tief weiter Richtung Südskandinavien. An dessen Südrand nimmt der Druckgradient etwas zu und vor allem im Norden und in der Mitte frischt der Südwestwind teils stark böig auf. Vor allem an der Nordsee und im höheren Bergland sind auch Sturmböen Bft 8 bis 9 möglich. Das Frontensystem hat uns bis zum Abend weitgehend überquert, einzig an den Alpen bleibt es noch länger hängen. Rückseitig kommt es im Trogbereich noch zu Schauern. Zudem gelangt postfrontal ein neuer Schub maritimer Kaltluft nach Deutschland und die Temperatur geht im Vergleich zum Vortag wieder etwas zurück auf Werte zwischen 20 und 24, lokal bis 26 Grad.
Am Dienstag und Mittwoch schwenkt ein weiterer Randtrog über uns hinweg. Entsprechend bleibt das Wetter zyklonal geprägt mit gebietsweise weiteren meist leichten und schauerartigen Niederschlägen.
Die an den Alpen noch liegende Luftmassengrenze wird reaktiviert, sodass es dort länger anhaltend und auch mal kräftiger regnen kann. Hinweise auf warnwürdige Mengen gibt es aber nicht.
Nachfolgend stellt sich eine Zweiteilung des Wetters ein. Während der Norden am Rande der Frontalzone verbleibt und sich das Wetter weiter wechselhaft gestaltet, gelangen die weiteren Landesteile von Westen unter Hochdruckeinfluss. So bleibt es dort trocken bei mehr Sonne und teils wieder sommerlichen Temperaturen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des IFS kann als gut bezeichnet werden. Erst zum Ende der Mittelfrist nehmen die Unterschiede leicht zu, was sich in einem zeitlichen Versatz der Trog-Keil Strukturen äußert. Der zyklonal geprägte Witterungsabschnitt kann aber als sicher bezeichnet werden.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle zeigen einen sehr ähnlichen Wetterablauf, wenngleich es hier und da noch leicht unterschiedliche Trog-Keil Strukturen im Strömungsmuster gibt. Dies führt wiederum dazu, dass die Niederschlagsschwerpunkte und -mengen teilweise noch unterschiedlich von den Modellen prognostiziert werden. Die zyklonal geprägte Wetterlage ist aber sicher.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen über nahezu den gesamten Vorhersagezeitraum sowohl für die Temperatur als auch für das Geopotential einen sehr geringen Spread und somit eine hohe Prognosesicherheit. Wiederholte Niederschlagssignale stützen zudem den zyklonalen Charakter, wenngleich die Mengen meist im geringen Bereich liegen.
Die Clusterung des EZMW zeigt für die Zeiträume t+96h und t+168j jeweils drei Cluster. Dabei gibt es zu der zyklonal geprägten Wetterlage bis zum Ende der Mittelfrist keine anderen Szenarien.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Wie oben angesprochen kommt es im Vorhersagezeitraum vor allem an der Nordsee, teils auch im höheren Bergland zeitweise zu Sturmböen Bft 8 bis 9.
Zudem sind in der Nacht zum Montag in der Westhälfte einzelne Gewitter, teils in Verbindung mit markantem Starkregen und stürmischen Böen Bft 8 gering wahrscheinlich.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





