Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 17.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Trog Mitteleuropa (TrM)
Wetter: Heute einzelne Schauer, kaum Gewitter. In der Nacht im Osten nochmal Frost möglich. Dienstag und Mittwoch von West nach Ost Gewitter mit Starkregengefahr. In den Nächten vereinzelt Nebel möglich.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Am heutigen Sonntag... bestimmt weiterhin recht niedriges Geopotential, respektive ein Langwellentrog, unser Wettergeschehen. Dieser erstreckt sich von Grönland und der Ostgrönlandsee südostwärts bis zu uns und dann weiter südostwärts bis ins Schwarze Meer, wobei ein kräftiges Höhentief über den Balkan zum Schwarzen Meer zieht, an dessen Südflanke sich derzeit der kräftigste Jetstream im europäischen Raum befindet. Ein weiteres Höhentief liegt nordwestlich von Schottland. Kleinräumig betrachtet befindet sich noch ein Kurzwellentrog im Osten unseres Landes, der sich heute nur wenig verlagert und in den sogar ein kleines Höhentief eingelagert ist, das je nach Höhe so im Bereich über Sachsen oder Brandenburg zu finden ist. Südlich des schottischen Höhentiefs amplifiziert sich ein weiterer eingelagerter Trog, dieser kommt heute auch nicht allzu flott ostwärts voran, so dass über dem Westen unseres Landes ein schwacher Rücken wirksam ist.
Demzufolge ist bei uns sogar ein schwaches Hoch zu finden, das den Namen Ygglev trägt und sich von der Ostsee bis zu den Alpen erstreckt. Da sich Deutschland an der Westseite desselben befindet, weht der Wind meist schwach, im Nordwesten stärker aus West bis Süd.
Die bei uns liegende Luftmasse ist eine gealterte, also leicht erwärmte und abgetrocknete Polarluft (xPs), die in 850 hPa Temperaturen zwischen 0°C über der Ostsee und 4°C an den Alpen aufweist. Diese Luftmasse ist in weiten Teilen des Landes in den unteren Schichten recht labil geschichtet, weist aber eine deutliche Absinkinversion zwischen 700 und 600 hPa auf. Lediglich nach Westen und Nordwesten hin ist die Schichtung in den unteren Niveaus weniger labil, es fehlt aber auch die Inversion. Die Auslösetemperaturen von meist 10 bis 14°C sind im Laufe des Vormittags erreicht, so dass der Himmel sich dann zunehmend wolkig bis stark bewölkt präsentiert. Im Westen zeigt sich schon am Morgen dichtere Bewölkung, die sich im Tagesverlauf langsam ostwärts ausbreitet, so dass im Westen und Nordwesten die Sonnenanteile recht gering bleiben werden.
Nun zum Niederschlagsgeschehen: Im Osten können sich unter Einfluss des Kurzwellentroges/Höhentiefs in einem breiten Streifen von Vorpommern bis zu den Alpen einzelne Schauer bilden. Die CAPE-Werte sind recht gering, in der Nähe des Höhentiefs im Raum Oberfranken/Ostthüringen/Sachsen liegt die oben erwähnte Inversion aber bei etwa 600 hPa, so dass die Schauer in etwa -16°C erreichen können, was den einen oder anderen Blitz nicht ausschließt. Diese sollten heute aber wirklich die Ausnahme bleiben, und wenn eine Warnung nötig wird, dann wird diese "gelb" sein. In den Westen und Nordwesten dringen im Tagesverlauf mit den dichten Wolken leichte Regenfälle ein, die zunächst stratiformer Natur sind, im Laufe des Tages aber etwas konvektiv durchsetzt. Am Abend ist dann im Umfeld einer eindringenden schwachen Okklusion auch etwas CAPE zu finden. Dann sind vom Niederrhein bis ins Emsland einzelne Gewitter ebenso nicht ausgeschlossen, aber auch dort sollten die Blitze die Ausnahme sein und die etwaigen Gewitter sollten "gelb" bleiben.
Die Höchstwerte legen im Vergleich zu gestern etwas zu. Im Flachland sollten allgemein wieder 15 bis 19°C erreicht werden, mit den höheren Werten im Osten.
In der Nacht zum Dienstag weitet sich der Trog westlich unseres Landes deutlich nach Süden aus und kommt auch etwas nach Osten voran. Dabei wird dieser zum dominierenden System des gesamten Langwellentrogkomplexes. Der Kurzwellentrog im Osten unseres Landes dissipiert auf der Vorderseite des neuen Troges und damit verschwindet auch unser kleiner Rücken dazwischen. Ergo: Wir gelangen auf die Vorderseite, wobei der Westen des Landes von PVA erfasst wird. Dort befindet sich bekanntermaßen auch die schwache Okklusion, die zunehmend auch in eine Rinne eingelagert ist und die in der aufkommenden südlichen Höhenströmung stationär wird. Weil aber zunehmend die PVA greift, wandeln sich die zunächst recht schwachen Regenfälle an unserer Westgrenze zu etwas stärkeren Regenfällen, wobei der Schwerpunkt außerhalb unseres Landes verbleibt. Die Labilität wird in der Nacht recht rasch abgebaut, so dass ab dem späteren Abend keine Blitze mehr auftreten sollten und die Regenfälle wieder zunehmend stratiform werden. Die Schauer im Osten fallen am Abend sehr schnell zusammen.
Da sich auch die Quellbewölkung wieder auflöst, verläuft die Nacht in der Osthälfte wolkenarm, während im Westen die hochreichende Bewölkung dominiert. Dies hat auch Auswirkungen auf das Temperaturniveau. Im Osten und Südosten kühlt es bei nur schwachem Wind (jetzt aus Südost) allgemein auf 5 bis 0°C ab, so dass wieder vielfach Frost in Bodennähe auftreten kann. In 2 m Höhe sollte dagegen nur vereinzelt leichter Frost auftreten, vor allem in Tallagen des östlichen Berglandes und vereinzelt an sehr frostanfälligen Orten. Hier und da sind bei den schwachwindigen Verhältnissen auch ein paar flache Nebelfelder möglich. Generell milder bleibt es im Norden und Westen mit 10 bis 5°C.
Am Montag... nähert sich der Trog unserem Land und erreicht am Nachmittag die westlichen Landesteile. In seinen Rücken erfolgt recht starke Warmluftadvektion, so dass der Trog an seiner Westflanke sehr leidet, gleichzeitig aber auch immer langsamer vorankommt und somit immer schmaler wird, während sich über der Biskaya und Großbritannien ein Rücken ausbildet. Deutschland liegt dabei in der südlichen bis südwestlichen Höhenströmung, wobei die Stärke der PVA etwas nachlässt, eben wegen der sich verzögernden Progression. Auch die schwache Okklusion kommt nur langsam ostwärts voran, wobei die Tiefdruckrinne immerhin bis zum Abend zur Elbe vorankommt. Die Feuchte hinkt aber etwas zurück und das deutet schon darauf hin, dass die Okklusion ein recht verwaschenes Objekt ist.
Immerhin sorgen aber der herannahende Trog mit etwas Höhenkaltluft und etwas Einstrahlung für eine Labilisierung der Atmosphäre, so dass in weiten Landesteilen (abgesehen von den Gebieten in etwa nordöstlich der Elbe und in Ostbayern) etwas CAPE aufgebaut werden kann, meist wenige 100 J/kg. Somit entwickeln sich aus den wieder entstehenden Quellwolken bald Schauer und auch zunehmend einzelne Gewitter, die sich im Tagesverlauf ostwärts ausweiten (bis auf die oben erwähnten Regionen). Im Umfeld des Troges ist auch schwache Scherung da, insgesamt ist die Dynamik aber mau. Somit dürfte es vielfach wieder zu den "gelben" Gewittern kommen, vereinzelt sind aber auch ein paar stärke Entwicklungen dabei, wo es mal kleinkörnigen Hagel oder Starkregen geben kann, letzteres vor allem auch wegen geringen Zuggeschwindigkeiten. Insbesondere an den Alpen erscheint das Starkregenpotential leicht erhöht.
Im Osten bleibt es noch niederschlagsfrei, dort ziehen neben den obligatorischen Quellwolken auch Schichtwolken über den Himmel. Trotzdem kann es in den östlichen Landesteilen noch für 6 bis 9 Stunden Sonne reichen, während es im Westen teils nicht einmal 2 werden sollen.
In 850 hPa pendeln sich die Temperaturen allgemein um 4°C ein, im Süden wird es sogar noch etwas milder. Damit bewegen sich die Temperaturen wieder zunehmend in frühlingshaften Bereichen und die Höchstwerte liegen zwischen meist 16°C im trüben Westen und 22°C im sonnigen Osten, im Bergland bleibt es freilich noch etwas kühler.
In der Nacht zum Dienstag wird der Trog noch etwas schmaler und schwenkt über Deutschland, wobei seine Achse in den Frühstunden in den östlichen Landesteilen zu finden ist. Der nachfolgende Rücken, induziert durch starke WLA, erreicht schon Benelux und Ostfrankreich. Die bodennahe Rinne kommt nur noch wenig voran und liegt am Morgen zwischen Lübecker Bucht und der Uckermark. Nordöstlich davon gibt es noch schwachen Südostwind, sonst dreht der Wind auf Westen, ganz im Westen aber schon wieder auf Süd, da bodennah nur ein schmaler Hochkeil hereinschwenkt und das dominierende Druckgebilde ein Tief nordwestlich von Irland ist. Insgesamt sind bei uns die Druckgegensätze sehr schwach und damit auch der Wind.
Die Gewitterei lässt am Abend rasch nach und in der Nacht fokussieren sich schauerartige Regenfälle auf das Gebiet mit dem Feuchtemaximum, das westlich der Rinne liegt. Somit fällt vor allem von Schleswig-Holstein bis nach Sachsen-Anhalt gebietsweise Regen, der langsam nach Osten vorankommt. Zudem regnet es an den Alpen in der Nacht teilweise recht kräftig, wobei die Regenfälle im Nachtverlauf ihren Schwerpunkt ostwärts verlagern. Es scheint aber nach dem Ende der Gewitter kaum mehr für Starkregenwarnungen zu reichen, auch wenn ICON-D2-EPS entsprechende Signale zeigt. Bei einer 850-hPa-Temperatur, die von Ost nach West von etwa 6°C auf 3°C fällt, dürfte vor allem in Lagen oberhalb 1800 m eine erwähnenswerte Neuschneeauflage zu erwarten sein.
Abseits der erwähnten Regenfälle ist es ganz im Nordosten teils noch aufgelockert bewölkt. Auch im Westen zeigen sich nach Durchzug des Troges größere Wolkenauflockerungen. Ganz im Westen kann die aufkommende WLA schon wieder für hohe Wolken sorgen. Insgesamt ist es aber in der Westhälfte lange genug klar, dass es im Bereich des Zwischenhochkeils in der feuchten Luftmasse und über den noch einmal frisch bewässerten Böden gebietsweise Nebel geben kann. Ganz im Nordosten und in der Westhälfte gehen die Temperaturen auf 6 bis 2°C zurück, in ungünstigen Lagen ist auch noch einmal geringer Frost in Bodennähe drin. In den stärker bewölkten Streifen dazwischen liegen die Tiefstwerte meist bei 9 bis 5°C.
Am Dienstag... kommt der sehr schmale Höhentrog über dem Nordosten nur sehr langsam ostwärts voran. Während er in 300 hPa im Tagesverlauf Polen erreicht, hängt er in 500 hPa, wo auch der Schwerpunkt eines Höhenkaltluftrestes zu finden ist, bis zum Abend über dem Nordosten des Landes. Die bodennahe Rinne verlässt dagegen im Tagesverlauf ebenso unser Land. Westlich davon liegt ein schmaler Höhenrücken, während ein weiterer kräftiger Trog schon Frankreich erreicht. Bodennah liegt ein schwacher Hochkeil über der Mitte des Landes, während im Nordwesten der Druck hin zu dem Tief nördlich Irlands abfällt. Im Nordwesten weht somit mäßiger Südwind, nach Osten hin nach Abzug der Rinne leichter Westwind, im Süden ist es windschwach.
Die Regenfälle aus dem Norden ziehen am Vormittag auf eine Linie von Mecklenburg-Vorpommern bis Ostsachsen. Dort wird im Bereich eines Feuchtemaximums, das unter dem Bereich der Höhenkaltluft liegt, im Tagesverlauf CAPE generiert, das auch mal Werte über 500 J/kg erreichen kann. Da der CAPE-Schwerpunkt aber unter der Trogachse liegt, korreliert er nicht allzu gut mit den höheren Scherungswerte abseits der Trogachse. Allerdings können sich trotzdem kräftigere Gewitterzellen bilden, die zu Multizellen verclustern und bei denen durchaus erhöhte Starkregengefahr besteht, auch kleinkörniger Hagel muss in Betracht gezogen werden. Sturm sollte nicht das Problem sein.
Auch weiter nach Westen hin kann sich aus Quellbewölkung noch der eine oder andere Schauer bilden, Gewitter sind dort nicht mehr wahrscheinlich. Ganz im Westen bleibt es zunächst trocken, die Region wird aber im Tagesverlauf von Warmluftadvektion erfasst, so dass schon wieder mehrschichtige Bewölkung aufzieht, aus der ganz im Westen im Tagesverlauf etwas Regen fällt.
Ansonsten kommt bei wechselnder Bewölkung auch mal die Sonne durch und es kann (abseits der Schauer) ein ganz netter Frühlingstag werden, wenn auch bei sehr unaufgeräumten Bewölkungsbild. Auch das Temperaturniveau ist mit 17 bis 21°C der Jahreszeit entsprechend, im Bergland bleibt es noch etwas kühler.
In der Nacht zum Mittwoch zieht der Trog aus dem Nordosten ab. Der Langwellentrog aus dem Westen nähert sich weiter an und auf seiner Vorderseite läuft schon ein Kurzwellentrog heraus. Zwischen recht hohem Druck südöstlich unseres Landes und dem schon mehrfach erwähnten Tief weht der Wind schwach aus Südost bis Süd.
Die Gewitter im Nordosten fallen in der Nacht recht schnell zusammen bzw. ziehen nach Osten ab. Von Westen ziehen die meist stratiformen Regenfälle weiter ostwärts und erreichen gegen Morgen schon die Elbe. Nach Westen zu werden sie zunehmend leicht konvektiv. Die Mengen bleiben weit jenseits irgendwelcher Warnschwellen.
Im Nordosten kann der Himmel zeitweise aufklaren, dort ist auch mal ein Nebelfeld möglich. Sonst bleibt der Himmel meist stark bewölkt bis bedeckt. Die Tiefstwerte liegen meist zwischen 12 und 7°C, im östlichen Bergland bis 4°C.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle simulieren die Lage in den kommenden Tagen sehr ähnlich. Warnrelevante Unterschiede sind kaum vorhanden. Erwähnen kann man noch, dass die Entwicklung der Niederschlagssumme am Alpenrand am Montag und in der Nacht zum Dienstag deutlich unterschiedlich simuliert wird. Insbesondere UK10 simuliert überraschend wenig Niederschlag.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 17.05.2026 um 10.30 UTC
Erst wechselhaft, teils mit markanten Gewittern. In der Folge von Südwesten stabiler, aber noch unsicher, wie weit nordostwärts ausgreifend. Mäßig warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 24.05.2026
Mal wieder erwartet uns eine aus meteorologischer Sicht eher überschaubare, wenngleich noch recht unsichere Mittelfrist, die sich vom Mittwoch, den 20. Mai bis zum Sonntag, den 24. Mai 2026 erstreckt.
Nutzen wir daher die vorhandene Zeit etwas und schauen uns die aktuell bereits stattfindende Entwicklung der warmen ENSO Phase (El Nino-Southern Oszillation) etwas näher an. Es ist absehbar, dass diese im Verlauf des Sommers und nachfolgend einen nahezu globalen direkten und indirekten Einfluss auf die jeweilige Witterung ausübt und somit auch uns mit beeinflusst.
Wer sich nur für die uns bevorstehende Mittelfrist interessiert, kann den folgenden Abschnitt gerne überspringen und unter "AKTUELLE MITTELFRIST" wieder einsteigen.
Beginnen wir mit einem minimalistischen Überblick über die Funktion der ENSO. Konträr zu den Außertropen lässt sich in den Tropen zusammenfassen, dass heftige/hochreichende tropische Konvektion mit warmen (tropischen) Oberflächenwassertemperaturen und konvergierendem Bodenwind zusammenfallen, was unter dem Strich den warmen Pool an Meereswasser mit Temperaturwerten jenseits der 28 Grad Celsius im Westpazifik und die innertropische Konvergenzzone ausmacht.
Die östlichen Passatwinde wehen dabei westwärts zum warmen Pool, wobei diese beständigen Winde das Wasser im Westen des Nordpazifiks regelrecht aufstauen. Dadurch liegt dort der Meeresspiegel meist mehrere Dekazentimeter (bis 50 cm) höher als im östlichen Bereich des Pazifiks. Die beständigen Ostwinde stützen zudem den sogenannten südlichen Äquatorstrom, der oberflächennah westwärts strömt und als Ausgleichstrom den äquatorialen Unterwasserstrom antreibt, der nach Osten strömt und dabei im Ostpazifik kühles Tiefenwasser per "upwelling" zur Wasseroberfläche transportiert.
Das Spannende ist nun, dass Ozean und Meer gekoppelt sind. Über dem warmen Pool entwickelt sich heftige Konvektion mit kräftiger/aufsteigender Bewegung, während die Luftmasse über dem östlichen Pazifik wieder absinkt - der pazifische Ast der Walkerzirkulation. Diese Druckanomalien wiederum treiben die Passatwinde weiter an, die die Meeresströmung beeinflussen usw. - eine schöne Kopplung.
Was nun einen El Nino beginnen lässt ist unsicher und lässt sich unter dem Strich mit zwei dominanten Theorien so zusammenfassen, dass entweder eine natürliche Frequenz (gestört durch synoptisch-skalige Einflüsse) oder ein Ereignis von außen das beschriebene System stören. Dies geschieht in Form ausgeprägter sogenannter "westerly wind bursts", also nach Osten durchbrechender Winde am Äquator, was irregulär in einem 30 Tage-Muster erfolgt. Diese Winde kühlen nicht nur evaporativ die Meeresoberfläche ab, sondern erzeugen auch sogenannte Kelvinwellen, die im Nordpazifik mit 2 bis knapp 3 m/s ostwärts wandernd das warme Meereswasser ostwärts ausbreiten lassen und somit das Aufsteigen des kühlen Tiefenwassers bei entsprechender Intensität und Frequenz zunehmend unterdrücken. Dieser kombinierte Effekt (Abschwächung der Passatwinde und des upwelling) sorgt für eine rasche und nachhaltige Erwärmung im östlichen Pazifik, bevor die Wärme entlang der Küsten Nord- und Südamerikas polwärts abgeführt wird und mit wieder einsetzender Abkühlung auch die Konvektion und Walkerzirkulation und somit die Passatwinde in den Grundzustand zurückgebracht werden. Die Entwicklung zu einer La Nina kann man sich aus dem Gesagten leicht zusammenbauen.
Die aktuellen Vorhersagen für das sich nun entwickelnde El Nino Ereignis sind seit letztem Monat erneut angestiegen. Wenngleich man die in früheren Mittelfristen beschriebene "spring predictability barrier" berücksichtigen sollte und auch, dass numerische Vorhersage ggf. auf aktuelle Ereignisse wie einen ausgeprägten westerly wind burst zu offensiv anspringen, so zeichnet sich unter dem Strich mittlerweile die Entwicklung hin zu einem außergewöhnlichen El Nino Ereignis ab. Dies wird auch beim Blick auf vertikale Messungen der Temperaturanomalien im tropischen Pazifik sichtbar, die den realen Ist-Zustand anzeigen. Dabei werden aktuell bereits Anomaliewerte in rund 100 bis 200 m Wassertiefe gezeigt, die ohne weiteres den Amplituden von früheren extremen El Nino Ereignisse ähneln. Sprich, es sind nicht nur krude Modellvorhersagen, auf die man sich stützt, sondern auch Echtzeitbeobachtungen, die eine potenziell erhebliche El Nino Amplitude andeuten.
Ungefiltert könnte diese El Nino Amplitude im kommenden Spätherbst/Winter neue Rekordanomaliewerte im östlichen tropischen Pazifik aufweisen. Aber auch wenn man die Korrektur durch den anthropogenen Einfluss des sich wandelnden Klimas mit Hilfe des RONI (Relative Oceanic Nino Index) berücksichtigt, muss man mindestens von einem starken Ereignis ausgehen. Bei diesem (RONI) wurde ermittelt, dass sich durch die Klimaänderung der Westpazifik rascher erwärmt, was bei einem El Nino grundsätzlich den zonalen Gradienten der Temperaturanomalien abschwächt und sich somit auch mildernd auf die Walker Zirkulation auswirkt (inklusive Basin-weit steigender Wasseroberflächentemperaturwerte). Doch davon abgesehen sprechen wir mit oder ohne den anthropogenen Einfluss von einer umfassenden und intensiven Erwärmung im Ostpazifik, die uns bevorsteht und zudem von einer begleitenden marinen Hitzewelle bis weit in subtropische Bereiche flankiert wird.
Wie bereits gesagt ist die Konvektion an die warmen Anomalien der Wasseroberflächentemperatur gekoppelt, sodass nun im Verlauf des Sommers zunehmend über dem Ostpazifik mit dominanter und heftiger Konvektion gerechnet werden muss. Diese Konvektionsmasse wirkt (salopp gesagt) wie ein Stein im Fluss und sorgt stromab für neu induzierte Pfade von Rossbywellen, die sich in Richtung Außertropen ausweiten und per Fernwirkung auch Europa beeinflussen (was besonders auf extreme El Nino Ereignisse zutrifft).
Saisonalvorhersagen, wie die vom EZMF, erfassen den El Nino mittlerweile auch hinsichtlich seiner außergewöhnlichen Intensität recht gut, sodass telekonnektiv nun eine immer größere Übereinstimmung innerhalb diverser internationaler Berechnungen zu erkennen ist - wohl im Verlauf des Junis/Julis auch zunehmend Europa indirekt beeinflussend. Ähnliche frühere Ereignisse (Amplitude, zeitlicher Verlauf, Platzierung etc). hatten im Verlauf des Sommers und dann natürlich in den Herbst hinein zu feuchte Bedingungen über Südeuropa und zu trockene Verhältnisse in Skandinavien und Osteuropa zur Folge, was auch so in Saisonalvorhersagen auszumachen ist. Da zudem der Subtropenjet peripher der Wärmeanomalie über Mittelamerika deutlich angefacht wird und dessen zonaler Wellenfluss auch ostwärts vorankommt, dürfte das mit der Zeit das Unwetterpotenzial über dem Mittelmeer im Verlauf des Sommers erhöhen. Derweilen werden Trockenheit und Waldbrandgefahr über Nord- und Osteuropa immer mehr an Bedeutung gewinnen, vor allem mit Blick auf die jüngsten Feuchteanomalien in diesen Regionen. Westeuropa hingegen wird durch tiefes Geopotenzial beeinflusst und wir in Mitteleuropa liegen zwischen den Stühlen. In welche Richtung das Pendel bei uns ausschlägt hängt stark von der Lage und Intensität des Rossbywellenzuges ab und auch von der Dominanz der Blockierungslagen im Osten/Norden, die sich bei trockenen Verhältnissen gut und gerne westwärts ausdehnen könnten (was teils von Saisonalvorhersagen angezeigt wird). Diese Diskrepanz zeigt sich auch bei früheren Ereignissen, die teils hochwasserträchtig (wie Juli 1997 oder August 2002), oder trockener und hitzeanfällig (wie 2015 oder 2003) ausfielen. Allerdings sollte sich das genannte Anomaliemuster erst im Verlauf des Spätsommers und den Herbst über voll entwickeln und man darf auch weiterhin nicht vergessen - El Nino ist eine Fernwirkung, wobei das Signal durch andere Oszillationen wie die NAO gerne überschrieben wird.
Dieser Entwicklung spielt auch die bereits mehrfach beschriebene dynamische finale Erwärmung innerhalb der Stratosphäre in die Karten. Der "drip painting" Effekt aus der Stratosphäre hat den April über dominiert und klingt nun immer weiter ab, hallt aber innerhalb der Troposphäre weiter nach. Dies hat zur Folge, dass Störungen effektiv amplifiziert werden können in Form umfangreicher Blockierungslagen, die auch in höheren Breiten ansetzen können. Beim Blick auf die aktuelle Vorhersage der Häufigkeit der dominanten Wetterregimes des IFS-ENS wird dies beeindruckend mit durchweg blockierungsträchtigen Lagen gezeigt. Dieses nachhängende Signal und die sich im Verlauf des Sommers rasch aufbauende Fernwirkung des möglicherweise extremen El Nino lassen daher die Blockierung über Ost-/Nordeuropa zum Spätsommer und Herbst recht wahrscheinlich erscheinen, sodass auch in Europa dann die genannte bimodale Feuchteverteilung vollumfänglich einsetzen sollte.
Den sicherlich noch weitaus spannenderen Blick auf die globalen Auswirkungen sparen wir uns der Zeit wegen und kehren nun in unsere aktuelle Mittelfrist zurück.
AKTUELLE MITTELFRIST
In der nun bevorstehenden Mittelfrist starten wir am Mittwoch mit einer Trogpassage. Der Trog unterläuft einen stetigen Amplitudengewinn per downstream development stromab zu steigendem Geopotential über Nordwesteuropa. Dieser Amplitudengewinn spiegelt einen noch als unsicher anzusehenden Energietranfer innerhalb dieses Troges wider. Dieser Transfer findet entweder nach Ost gerichtet statt (ein kurzwelliger und sich auffüllende Troganteil, in Richtung Ostsee schwenkend), oder ist nach Südost in einen optionalen Abtropfvorgang nach Polen/Tschechien gerichtet. Wie genau dies abläuft ist noch sehr unsicher und wird im IFS-ENS durch erhöhte Unsicherheiten entlang der Südflanke des Troges hervorgehoben. Da sich aber während der jüngsten Modellläufe u.a. beim IFS ein recht kräftiger meridional ausgerichteter Höhenjet entlang der Westflanke des Troges abzeichnet wird der Abtropfprozess mittlerweile als eine realistische Option angesehen.
Am Mittwoch wird peripher des Troges und dem dazugehörenden Bodentief über Schottland ein schwacher Warmsektor über Mitteleuropa aufgespannt, der sich in Deutschland mit MUCAPE von lokal bis 800 J/kg und mäßiger Scherung bemerkbar macht. Ein sehr wechselhafter Tag mit teils kräftigen Schauern und Gewittern (Graupel/kleiner Hagel und Böen) ist die Folge.
Zum Donnerstag wird die mäßig labile Luftmasse sukzessive nach Süden und Osten abgedrängt, wobei die Scherung von Nordwesten stetig zunimmt. Man muss noch abwarten, wo sich ggf. ein temporärer Überlapp der Zutaten ergeben könnte, doch auch so treten besonders im Süden und Osten zahlreiche Schauer und einige markante Gewitter auf (Graupel, Böen).
In der Folge, von Freitag bis Sonntag etabliert sich (Stand heute) ein West-Ostgefälle beim Wetter. Im Westen dominiert ein seichter Keil mit freundlichem und trockenem Wetter, während der Osten von einem nach Tschechien ziehenden Kaltlufttropfen beeinflusst wird, teils mit kräftigen und anhaltenden sowie gewittrigen Regenfällen. Viel Vertrauen genießt diese Option aber noch nicht, da die jüngsten EZ Läufe eine erhebliche Streuung bei der Zugbahn des Kaltlufttropfens gezeigt haben.
Die Mittelfrist startet mit Maxima von 17 bis 20 Grad, am Donnerstag im Südwesten bis 23 Grad meist mäßig warm, bevor in der Folge wenigstens den Oberrhein entlang sommerlich warme Maxima zunehmend wahrscheinlicher werden. Sonst ergibt sich eine erhebliche Diskrepanz, wie rasch und durchgreifend sich die Erwärmung nordostwärts ausbreitet, wobei EZ mit zu den optimistischsten Modellen gehört.
Die Minima liegen je nach Bewölkungsverteilung zwischen 13 und 6 Grad.
Der Wind kommt am Donnerstag noch mäßig bis frisch aus West bis Nordwest, bevor dieser in der Folge unter Drehung über Nord auf Nordost nur noch schwach bis mäßig daherkommt. Dies ist natürlich nur eine sehr grobe Darstellung der Windverteilung bei dem zu erwartenden schwachen Druckgradienten.
In der erweiterten Mittelfrist würde sich der Kaltlufttropfen über Süddeutschland einnisten, während eine Antizyklone ostwärts über Skandinavien wandert. Dieser Fall würde auf eine schwül-warme und unbeständige Witterung mit Schauern/Gewittern hinauslaufen. Diese Entwicklung steht aber, wie bereits erwähnt, auf sehr wackeligen Beinen und hängt von der Zugbahn des Kaltlufttropfens ab. Sie wird nur deshalb hervorgehoben, da im IFS-ENS an der Südwestflanke des optionalen Abtropfprozesses die größten Unsicherheiten gezeigt werden und somit ein südwestliches Abdriften des Kaltlufttropfens in der Tat nicht ausgeschlossen werden kann.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Entwicklung über Mitteleuropa wird innerhalb der jüngsten Modellläufe des EZ recht homogen vorhergesagt. Dabei schwenkt zunächst ein Trog ostwärts, bevor nachfolgend aus Südwesten das Geopotenzial steigt. In der Folge schwächt sich der Trog über der südlichen Ostsee/Polen ab, was auch einen Abtropfprozesse zur Folge haben könnte.
Unsicher ist noch die genaue Lage des Keils zum kommenden Wochenende, denn am Ostrand der Keilachse könnten der eventuell auftretende Abtropfprozess oder kurzwellige Troganteile den Norden und Osten von Deutschland beeinflussen. In dem Fall würde dort ggf. auch wechselhaftes Wetter dominieren mit tendenziell stabileren Verhältnisse im Südwesten der Republik.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen internationalen Modelle gehen für Mittwoch und Donnerstag noch einen recht einheitlichen Weg, mit einem ostwärts durchschwenkenden Trog inklusive Front und nachfolgendem Geopotentialanstieg von Südwesten. In den Folgetagen ergeben sich allerdings rasch zunehmende und nennenswerte Unterschiede bezüglich der Lage der Keilachse sowie mit Blick auf einen möglichen Abtropfprozesses. Daher ist eine genaue Abschätzung noch schwer umsetzbar, wie stabil die Mittelfrist insgesamt abläuft. Im schlimmsten Fall dominiert im Norden und Osten nahezu durchweg eine wechselhafte Witterung. GFS ist das einzige Modell, das aktuell einen sattelfesten Keil nach Deutschland aufspannt, was sommerlich warmes und meist trockenes Wetter zur Folge hätte.
Sowohl IFS, als auch GFS heben ihre aktuellen Lösungen jeweils zum ersten Mal so ausgeprägt hervor, was die hohen Unsicherheiten zeigt, wohin die Energie des Troges über Südskandinavien letztendlich transferiert wird. Folgeläufe bringen diesbezüglich hoffentlich mehr Gewissheit.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt mit einem Cluster und dem klimatologischen Regime der Blockierung. Dabei liegt Deutschland zwischen zwei Antizyklonen (Südwesteuropa und über Skandinavien), wobei sich ein von Westen hereinschwenkender (bzw. per downstream development amplifizierender) Trog in der Folge über der Ostsee/Polen festläuft.
Dies wird in der Folge durch 3 Cluster (inkl. einem einheitlichen klimatologischen Regime der Blockierung) gezeigt. Hier wird die Unsicherheit hervorgehoben, wohin wieviel Energie innerhalb des Troges transferiert wird - entweder mehr nach Nordost in Form eines kurzwelligen und sich rasch auffüllenden Troganteils, oder stärker in einen südwärts abtropfenden Kaltlufttropfen. Letzteres wird aggressiv im ersten Cluster und zeitversetzt im zweiten Cluster gezeigt. In allen Clustern etabliert sich über Nordwesteuropa derweilen ein sich kräftigender Keil, der uns komplett von jeglicher Westdrift abkoppelt.
Zum Ende der Mittelfrist ändert sich bei den Clustern nichts (3 Cluster mit Blockierung), wobei die Entwicklung des blockierenden Keils über Nordwesteuropa noch größeren Unsicherheiten unterworfen ist. Im ersten Cluster etabliert sich eine high-over-low Blockierung mit einer umfangreichen Antizyklone über dem nördlichen Mitteleuropa. In den beiden anderen Clustern verbleibt der Keil eher westlicher und Deutschland würde unter die störungsanfällige Ostflanke des Keils gelangen.
In der Folge nehmen die Unsicherheiten immer weiter zu.
Die Meteogramme heben die Unsicherheiten mit dem Kaltlufttropfen trefflich durch stark vom Ensemble abweichende Lösungen des Kontrolllaufs hervor. Ohne den Kaltlufttropfen wäre eine durchgreifende Erwärmung bis in den Osten der Republik denkbar, mit diesem würde sich das beschriebene Ost-Westgefälle einstellen. Wenngleich die Niederschlagssignale zum kommenden Wochenende insgesamt zurückgehen, so heben die Meteogramme mit einer Fortdauer von geringen Niederschlagsausschlägen keine klassische und stabile Hochdrucklage, sondern eher eine Hochdruckrandlage hervor.
Die aktuellen Rauchfahnen können nicht eingesehen werden, da veraltert. Es wird aber angenommen, dass der Kontrolllauf besonders nach Osten zu deutlich von der Memberschar (nach unten) abweicht.
GFS weicht deutlich von IFS ab und zeigt einen stabilen Keil, der deutschlandweit sommerliches Wetter zur Folge hätte und ähnliche Diskrepanzen sind auch im GEFS/IFS-ENS auszumachen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Weder Fisch noch Fleisch.
Innerhalb der EFI-Verfahren ergeben sich keine großartigen Hinweise auf vom Hintergrundklima abweichende Witterungsverhältnisse. Der EFI-Feuchtefluss ist anfangs etwas erhöht und hebt die Zufuhr einer etwas labiler geschichteten Luftmasse in den Warmsektor am Mittwoch über Deutschland hervor. Doch selbst beim EFI MUCAPE ergeben sich keine Signale, sodass bei den Gewittern am Mittwoch und teils auch noch am Donnerstag wohl die markante Einfärbung (lokaler Starkregen, kleinkörniger Hagel und Böen) dominieren sollte.
Ansonsten deuten sich vorerst keine signifikanten Wettererscheinungen an, was sich allerdings durch die unsichere Zugbahn des optionalen Kaltlufttropfens zum kommenden Wochenende wenigstens regional noch ändern kann.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS, MOSMIX mit Anpassungen
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





