Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: BM (Brücke Mitteleuropa) mit Tendenz zu Nea (Nordost antizyklonal)
JURIJ kommt um zu bleiben - blockierende Hochdrucklage mit kleinen Schwachstellen über das Wochenende hinaus.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... ist es genau eine Woche her, dass wir einige turbulente Tage vor der Brust hatten: erst LUISE, dann MANJA und danach noch ein bisschen NAOMI. Trio infernale könnte man sagen, auch wenn man in der Schlussbilanz konstatieren kann, dass es schlimmer hätte werden können. Dass der Capitano von "Mein Schiff 3" im Bremerhavener Becken so in Schwierigkeiten geraten würde, war trotz widriger Windbedingungen nicht unbedingt abzusehen. Nun gut, müssen sich die Passagiere die Bäuche woanders vollschlagen, wird schon. Inzwischen sind die drei Ladys entweder schon in die ewigen Jagdgründe bedeutender Sturm- und Orkantiefs abgetaucht (LUISE) oder fristen hoch im europäischen Norden nur noch ein bedeutungsarmes Rentendasein. Die Tatsache, dass ein weiteres fettes Orkantief, das heute Morgen mit unter 954 hPa!! im Kern nahezu ortsfest über der westlichen Irminger See seine Kreise dreht, von der BWK/FU Berlin keinen Namen bekommen hat, spricht Bände. Es wird ins hiesige Geschehen nicht eingreifen, sondern sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vor Ort so sehr einen Wolf drehen, bis es am Wochenende von der Bildfläche verschwindet.
Dass dieses Tief quasi von der europäischen, zumindest von der kontinentaleuropäischen Welt abgeschnitten ist, hat natürlich Gründe, substanzielle Gründe. So hat das atmosphärische Pendel inzwischen in die gänzlich andere Richtung ausgeschlagen. Sprich, Hochdruckeinfluss und Blockade sind angesagt, die keine Zweifel offenlassen, dass heute und in den nächsten Tagen erstmal die herbstlich-beschauliche Schiene gefahren wird. Nix Sturm, nix Regen (oder kaum, doch dazu später), nix Gewitter, stattdessen Grenzschichtmeteorologie vom Feinsten, um es positiv zu formulieren. Oder Langeweile pur, wie es sich wohl aus der Sicht aller Vollwetterfans darstellt. Nun gut, wir können uns unser Wetter nicht aussuchen, was jetzt nicht wirklich neu ist. Es ist, wie es ist und et kütt wie et kütt - und damit herzliche Grüße nach Kölle, wo et Trömmelche jeht und der Rhein schon wieder am Fallen ist.
Nun aber endlich zur Lage bei uns, die heute ganz klar im Zeichen von JURIJ seht, einem 1030+X-hPa-Hoch mit Zentrum über Deutschland. Wenn man so will markiert JURIJ den westlichen Pfeiler einer Hochdruckbrücke, die eben jenen JURIJ mit dem Kameraden GERHARD über Russland verbindet (ein Schelm, wer dabei an unseren Altkanzler denkt). Während das mit der Verbindung beim Luftdruck schon sehr gut klappt, lässt sich das vom Geopotenzial nicht behaupten. Zwar hat sich westlich von uns ein äußerst gut trainierter (weil kräftig und breit) Rücken formiert, der auf seiner Vorderseite Absinken generiert und gleichzeitig unseren Freund JURIJ stützt. Stromab allerdings schließt sich ein langgezogener Trog an, der ausgehend von Nordskandinavien bis hinunter zum zentralen Mittelmeer reicht und der heute über Italien bzw. der Adria abtropft. Allzu sehr wird uns dieser Trog zumindest heute nicht mehr traktieren, auch wenn heute Morgen noch dichte Wolken und ein paar wenige Tropfen Regen von Tschechien und Austria in den Südosten Bayerns driften. Die dichten Wolken und das bisschen Regen, die im Norden aufgetaucht sind, gehen nicht auf das Konto des Höhentrogs. Sie sind vielmehr das Produkt eines flachen Bodentrogs, der am Rande des Hochs über Norddeutschland geschwenkt ist und nun via Ostsee ostwärts abzieht. Dabei wurde feuchte, bis etwa 700 hPa hinaufreichende Nordseeluft eingesteuert, die sich nicht so schnell tilgen lässt. Heißt, Teile des norddeutschen Binnenlands bleiben ganztägig dicht, wobei hier und da immer noch mal ein paar Tropfen Regen oder Nieselregen fallen können. Richtung Küste sowie ganz im Norden (SH) bestehen dagegen durchaus gute Chancen für Auflockerungen, wenn nicht sogar für längeren Sonnenschein.
Zur Mitte und nach Süden hin zeigt sich das typische Bild einer gradientschwachen herbstlichen Hochdrucklage. Binärwetter hat das ein findiger Kollege mal genannt, 1 oder 0, grau oder blau. Zwar ist die Grundschicht vertikal nicht so mächtig wie im Norden, aber es reichen ja schon wenige hundert Meter, um die die Feuchte, den Wasserdampf "gefangen" zu halten. So hat sich insbesondere in den Flusstälern und -niederungen nicht selten dichter Nebel gebildet, den aufzulösen es tagsüber Ende Oktober nicht leicht ist. Stattdessen mutiert er gerne zu zähem Hochnebel, was die Sache nicht besser macht - grau bleibt grau. Teils kommen wir allerdings auch klar aus der Nacht, was tagsüber Sonnenschein und nur wenige Wolken bedeutet. In der Vorhand diesbezüglich Südwestdeutschland, aber auch Teile des Westens und Südens bzw. der Mitte. Klar, komplett binär läuft die Sache in der Realität natürlich auch nicht ab, will sagen, z.T. lösen sich Nebel und Hochnebel auch auf, so dass man von beidem was hat. Aber wie gesagt, niedriger Sonnenstand und kaum Durchmischung im Zuge geringer Luftbewegung (einzig im sonnigen Hochschwarzwald nimmt die östliche Bisenströmung etwas Fahrt auf) sind keine guten Argumente, um das Auflösen von Nebel und Hochnebel zu forcieren.
Dort, wo es in der Mitte und im Süden ganztägig trüb bleibt, dürfte die Tageshöchsttemperatur im Einstelligen zwischen 5 und 9°C verharren. Ansonsten stehen 10 bis 15°C auf der Karte, im Westen mit Hilfe von Klärchen lokal auch etwas darüber.
In der Nacht zum Freitag tut sich wenig an der statischen Wetterlage, zumindest bei uns. Der Rücken bleibt westlich von uns, was eine stark antizyklonal konturierte nördliche Höhenströmung zur Folge hat. Subsidenz ist weiterhin Trumpf, während das Zentrum des Bodenhochs mit immer noch etwas über 1030 hPa nach Norddeutschland wandert. Dort wird die Grundschicht deutlich gestaucht, allerdings nicht so weit, dass die weiterhin reichlich vorhandene Feuchte der Abtrocknung von oben zum Opfer fällt. So kommen die Norddeutschen vom Regen in die Traufe, wie man so schön sagt. Aus dichter Bewölkung wird entweder Hochnebel oder - im Falle kurzzeitiger Wolkenauflösung - es bildet sich teils dichter Nebel. Gerade im nordwestlichen NDS sowie in SH sind die Signale von WarnMOS ziemlich deutlich für Sichtweiten unter 150 m.
Im großen Rest der Republik sollte man sich ebenfalls auf Nebel und Hochnebel einstellen, sei es durch Neubildung, sei es durch Ausbreitung vorhandener Stratus- und Hochnebelfelder. Gleichwohl gibt es auch in der kommenden Nacht ein paar Bastionen, die der ganzen Nebelei die Stirn bieten und da nicht mitmachen. In der Regel sind das etwas höher gelegene Regionen, aber auch weiter unten wird es an der ein oder anderen Stelle klar bleiben. Dort droht dann auch leichter Frost, während die Tiefstwerte sonst im Plus bleiben. Mit Hilfe von Low-Level-Effekten könnte der Ostwind auf den Schwarzwaldhöhen etwas zunehmen. Ob es dabei schon für glatte Sturmböen 9 Bft wie von MOS apostrophiert reicht, bleibt allerdings abzuwarten.
Freitag... verbleibt das Hoch mit seinem Schwerpunkt über Norddeutschland, von wo aus es einen freundlichen Gruß in Form eines sehr soliden Keils nach Skandinavien sendet. Einen Keil sendet auch der westlich positionierte Potenzialrücken, in diesem Fall aber gen östliches Mitteleuropa, was die Höhenströmung in der Südhälfte mehr auf Nordost drehen lässt. Letztlich ist es aber egal, was in der Höhe abläuft, die Musik wird unten in der Grenzschicht gespielt. Langsamer Walzer, kein flotter Tango, um im Bild zu bleiben. Ins Meteorologische übersetzt bedeutet das abermals entweder Grau oder Blau. Ganz schlechte Karten in Sachen Sonnenschein hat die Norddeutsche Tiefebene inkl. des nordostdeutschen Binnenlands, wo die Schotten dicht bleiben (Nebel/Hochnebel). Richtung Küste läuft´s vielleicht nicht ganz so trist, meint, es könnte für ein paar Aufhellungen oder Auflockerungen reichen. Immerhin werden trotz herbstlicher Tristesse meist zweistellige Tageshöchsttemperaturen bis zu 13°C anvisiert.
Für die übrigen Gebiete gilt, je weiter im Südwesten und/oder je höher über NN, desto größer die Sonnenwahrscheinlichkeit. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auf den Schwarzwaldkuppen, vornehmlich auf dem Feldberg, die ein oder andere Sturmböe 9 Bft aufs Anemometer projiziert wird. Dort, wo die Sonne scheint und zusätzlich noch Leeeffekte respektive etwas Durchmischung durch den Ost- bis Nordostwind generiert werden, steigt die Temperatur auf 10 bis 13, im Westen punktuell auf 14 oder 15°C. Dort, wo es mit der Auflösung von Nebel/Hochnebel erst sehr spät oder gar nicht klappt, stehen lediglich 4 bis 9°C auf dem Zettel.
In der Nacht zum Samstag weiterhin "business as usual". Das Hoch über Norddeutschland und der Nordsee, der Rücken - inzwischen bis hoch zum Nordpolarmeer reichend - weiterhin knapp westlich von uns. Erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht die Tatsache, dass in den Südosten sukzessive niedertroposphärische Kaltluft einströmt, in der T850 auf 0 oder -1°C zurückgeht. Mit von der Partie sind Wolken und ein paar vereinzelte Tropfen, die auf das Konto der Trogreste über dem östlichen Mitteleuropa gehen. Auf der anderen Seite wird im Südosten dadurch die Nebelgefahr heruntergefahren.
Ansonsten gibt es aber auch in dieser Nacht wieder viel Nebel und Hochnebel und im großflächigen Vergleich eher weniger klare Verhältnisse. Dort, wo das doch der Fall ist (Süden/Mittelgebirge), kühlt es stellenweise in Gefrierpunktnähe oder gar in den leichten Frostbereich ab. Die Schwarzwaldhöhen bleiben anfällig für stürmische Böen oder Sturmböen aus Ost bis Nordost.
Samstag... schreiben wird den letzten Oktobertag und das ist in manchen Bundesländern - Hessen gehört natürlich nicht dazu - dank Martin Luther ein Feiertag: Reformationstag. Wettertechnisch verbleiben wir weitgehend unter Hochdruckeinfluss. Inzwischen ist der Luftdruck über dem Ostatlantik deutlich angestiegen (Gott zum Gruße KLAUS), so dass wir hier von einer ausladenden, über Teile Mitteleuropas und Skandinaviens bis nach Russland verlaufenden Hochdruckzone sprechen. Der Potenzialrücken erstreckt sich zur Mittagszeit von der Iberischen Halbinsel und dem Seegebiet westlich davon bis hoch zur Barentssee, womit er noch immer nicht in vollem Umfang das Vorhersagegebiet erreicht hat. Das mag auch ein entscheidender Mitgrund dafür sein, dass sich im schon weiter oben zitierten Südosten eine gewisse zyklonal angehauchte Schwachstelle auftut. Nochmal, der o.e. Trog bzw. die Reste davon sind nicht weit weg. Das genügt, um etwas periphere Hebung auf Deutschland, konkret den Südosten übergreifen zu lassen, was außer vielen Wolken sogar etwas Niederschlag zur Folge hat. Dabei ist der Begriff Niederschlag bewusst gewählt, handelt es sich doch nicht nur um Regen, sondern im Bayerischen Wald sowie in den Alpen (eher im Osten als im Westen) oberhalb etwa 1000 bis 1200 m um Schnee. Nicht viel, aber immerhin.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die Sonnenwahrscheinlichkeit in der inzwischen doch ganz schön gealterten Polarluft (xP) tendenziell auf dem absteigenden Aste ist. Weiterhin sind der Westen und Südwesten sowie die höheren Alpenlagen in der Vorhand, während man sonst die Freuden des Tages woanders als in der Atmosphäre suchen muss (samstags bietet sich da immer Bundesligafußball an, aber das nur am Rande). Während es im Süden und in der Mitte punktuell schwer wird, über 5°C Höchsttemperatur hinauszukommen, wird es im Norden und Westen meist zweistellig mit bis zu 13°C.
Kurz noch die Nacht zum Sonntag (Allerheiligen, schon wieder Feiertag, natürlich nicht in Hessen). Weiterhin HPI (High Pressure Influence) mit kleinem Leck im Südosten (Wolken, etwas Niederschlag). Viel Stratus/Hochnebel oder Nebel, höhere Lagen im Südwesten frei. 7 bis 0°C, direkt an der See etwas darüber. Im Hochschwarzwald tendenziell abnehmender Wind.
Modellvergleich und -einschätzung
Der Fahrplan steht, aber die tagtägliche Erfahrung mit öffentlichen Verkehrsmitteln lehrt uns, dass das nichts zu bedeuten hat. Nun wird es natürlich nicht so kommen, dass die die Entwicklung der nächsten Tage gänzlich anders verläuft als oben beschrieben. Trotzdem bleiben ein paar Unschärfen hinsichtlich Nebel und Hochnebel (wo, wie lange usw.), was aber typisch für herbstliche und winterliche Grundschichtmeteorologie ist. Gespannt darf man auch auf den Niederschlag im Südosten sein, auch wenn es nach Übereinstimmung aller gängigen Modelle nicht viel sein wird.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2026 um 10.30 UTC
Hochdruckrandlage. Leicht wechselhaft und mild, im Süden teils mäßig kalt.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 05.11.2026
Die anstehende Mittelfrist verläuft insgesamt ruhig und ohne markante Wettererscheinungen. Nutzen wir die Zeit und schauen uns mal die Hintergrundbedingungen an. Sollte nur die uns betreffende Mittelfrist von Interesse sein, so kann der folgende Abschnitt gerne bis zur AKTUELLEN MITTELFRIST übersprungen werden.
Bei der ENSO ergeben sich keine gröberen Abweichungen bei der Entwicklung mit einer beeindruckenden Vorhersage von rund 83 Prozent für ein historisches Ereignis mit Blick auf den RONI bei einer dreimonatigen Mittelung für den Zeitraum Oktober-Dezember (neues Update Anfang November wohl noch aggressiver). So nebenbei wird hier unterschlagen, dass unterschiedliche, selektiv gewählte Parameter bereist historisch ausfallen.
Normalerweise wird mit einem El Nino und einhergehender reger tropischer Konvektion ein Rossby-Wellenzug initiiert, der häufig (nicht immer) eine Tendenz in Richtung "Pazifiktrog" bzw. zu einem gestärkten Aleuten Tief aufweist. Allerdings muss jedes El Nino Ereignis für sich betrachtet werden, da diese u.a. mit Blick auf die jeweiligen Schwerpunkte der zonalen SST Anomalie Diskrepanzen aufweisen. In diesem Fall handelt es sich um ein östliches El Nino Ereignis und hier könnten wir uns ebenfalls im Bereich eines Rekords befinden (nach abschließender Verifikation). Auch das hat Auswirkungen auf die Platzierung der Wellenzüge und könnte im vergangenen Monat für eine Verschiebungen der Geopotenzialanomalien im Nordpazifik verantwortlich sein. Anstatt eines stärkeren Signals für einen Pazifiktrog ergab sich ein deutliches Signal für einen Pazifik-Keil, was vor allem zur Monatsmitte ausgeprägt war und was für erste verstärkte vertikale Wellenflüsse sorgte.
Dies fiel zum Monatsende (also aktuell) mit anhaltend positiven Geopotenzialabweichungen über Asien zusammen, was nun innerhalb dieser Mittelfrist für ungewöhnlich intensive vertikale Wellenflüsse gut ist, die entlang (vertikal) westwärts geneigter Rossby-Wellen besonders vom asiatischen Sektor in Richtung des Polarwirbels in der Stratosphäre (SPW) transferiert werden, aber auch abgeschwächt vom Nordatlantik gestützt werden, wo sich nun ebenfalls eine intensive Blockierung entwickelt.
Die Folgen dieser kräftigen vertikal gerichteten Wellenflüsse ist ein effektiver Angriff auf den SPW, der nun zeitnah beginnend dramatisch an Intensität einbüßt und die Werte der zonal gemittelten Zonalwinde (60 Grad Nord, 10 hPa) auf ein Rekordniveau drückt. In fact, es wäre gar eine Zonalwindumkehr vorstellbar (vom IFS-ENS deutlicher gestützt als vom GEFS, wobei EZ von Lauf zu Lauf immer deutlicher eine Windumkehr favorisiert hat mit einer (im Ensemble hinterlegten) Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 %).
Die Auswirkungen dieser Störung sind vorerst weniger von Interesse, sondern mehr die Erkenntnis, dass sich hier ggf. ein Abdruck des ggf. historischen El Nino herauslesen lässt, der den statistisch gesehen eher zu erwartenden Ablauf recht kräftig durcheinanderbringt. AO/NAO (auch in subsaisonaler Vorhersage) sinken deutlich in den negativen Bereich ab und die Frage wird nun sein, inwieweit sich dieses Muster (der förderlichen vertikalen Wellenflüsse) im Verlauf dieses Winters aufrechterhalten lässt. Ganz plakativ gesagt ändert sich an der Lokalität der ENSO Heizquelle wenig, sodass weitere/frühe Angriffe auf den SPW denkbar wären.
Beim aktuellen Ereignis deutet sich eine bis in den Grenzbereich Stratosphäre/Troposphäre entwickelnde Störung der Zonalwinde an mit einer imposanten positiven NAM Anomalie. Noch unsicher ist, wie stark dieses Ereignis reflektiert und sich somit mehr auf die Entwicklung über Nordamerika auswirkt und wie entkoppelt in der Folge der SPW und der Polarwirbel in der Troposphäre (TPW) weitergeführt werden (denn eine Änderung der Rossbywellenplatzierung über Asien/Nordpazifik dürfte Mitte November für eine Stärkung des SPW gut sein). Wenn der TPW entkoppelt agiert, könnten wir die nun anstehende induzierte Abschwächung lange weiterführen.
Diese Unsicherheiten wirken sich auch auf die Vorhersage der Wetter Regimes im Nordatlantik aus. Nach einem anfänglichen "peak" beim "Atlantikrücken" bzw. "Skandiblockierung" sticht eine stark streuende negative NAO zunehmend ins Auge, wenngleich die det. und EPS/ENS Verfahren hier teils noch stark streuen (IFS west-lastiger als GEFS, allerdings mit Pattsituation im IFS-ENS). Es wird die kommenden Tage spannend sein, diese historische Entwicklung zu verfolgen - welches Modell erfasst die Störung wie gut (auch deren Andauer) bzw. sind Auswirkungen bei der subsaisonalen Vorhersage zu erwarten?
Für uns vorerst von Interesse ist eine umfangreiche Blockierung über dem Nordatlantik, die während dieser Mittelfrist über den Färöer für (monatliche) Rekordwerte beim Geopotenzial gut sein dürfte. Diese Entwicklung kann als Resultat der einsetzenden Störung beim TPW mit einem über Neufundland (weit südlich versetztem und nahe am Monatsrekord befindlichen) Teilwirbel des TPW gesehen werden, der sich in der Folge allmählich abschwächt.
AKTUELLE MITTELFRIST:
Doch wie sieht denn die Entwicklung während dieser Mittelfrist aus, die sich vom Sonntag, den 1. November bis zum Donnerstag, den 5. November 2026 erstreckt?
Grundsätzlich dominiert an allen Tagen der Mittelfrist eine beständige und kräftige, blockierende Antizyklone über West-, im weiteren Verlauf über Nordwesteuropa, wobei wir an deren östlichen Flanke verweilen.
Am Sonntag passiert ein kräftiger Kaltlufttropfen Tschechien in Richtung Norditalien und bringt dem Südosten Deutschland etwas Nass, wobei sich der Niederschlag an die Alpen legt und dort 24 std. für rund 10 l/qm Nass gut sein könnte (oberhalb von 1000 m mit etwas Neuschnee). Die Schneefallgrenze kann jedoch auch weiter absinken, was vor allem bei stärkeren Niederschlagsraten der Fall wäre (und teils von anderen Modellen so gezeigt wird). Ansonsten dominiert hoher Luftdruck bodennah und besonders über West und Norddeutschland auch hohes Geopotenzial in Form eines Keils in der Höhe. Das heißt zu dieser Jahreszeit für den Großteil des Tages meist trübes Wetter durch Hochnebel, bis in den Vormittag auch durch teils dichten Bodennebel. Zwar lockert der Hochnebel zum Nachmittag etwas auf, gleichzeitig zieht von Nordwesten präfrontal einer von der Nordsee nahenden Kaltfront mehrschichtige Bewölkung auf, die abends im Umfeld der Deutschen Bucht auch für etwas Nass gut ist. Diese Front passiert in der Nacht zum Montag den Norden Deutschlands ostwärts und kommt auch dort zum Liegen. Sie bringt dort flächig etwas Nass. Im Süden klingen letzte Niederschläge am Alpenrand ab und nachfolgend verläuft die Nacht teils klar (Südwesten), teils hochnebelartig bedeckt.
Am Montag ist der kräftige Kaltlufttropfen zwar abgezogen und bildet sich zu einem umfangreichen Mittelmeertief um (Unwetterpotenzial am zentralen/östlichen Mittelmeer), der Keil vom Sonntag ist aber bereits wieder Geschichte und es macht sich niedriges Geopotenzial über Deutschland breit (Entwicklung einer umfangreichen Rossby-Welle über Skandinavien bis zum zentralen Mittelmeer reichend und per downstream-development stromab der blockierenden Antizyklone über Nordwesteuropa initiiert). In diesen umfangreichen Trog eingebettet wird nach heutiger Leseart ein weiterer, kleiner Kaltlufttropfen über Norddeutschland südwestwärts geführt. Allerdings wird dieses Szenario zum ersten Mal gezeigt, sodass die Zuversicht diesbzeüglich noch gering ist. Die Folge wäre eine Kaltlufttropfenpassage über der in Norddeutschland liegenden Kaltfront, sodass insgesamt im Norden und Westen ein bedeckter und wechselhafter Tag zu erwarten wäre, während über der Mitte und im Süden Hochnebel und regionale Auflockerungen zu erwarten wären (Alpenrand bedeckt, Mitte durch kompensatorisches Absinken zeitweise Auflockerungen).
Von Dienstag bis Donnerstag sollte sich das umfangreiche Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa sukzessive nach Mitteleuropa ausdehnen, sodass das Ende der Mittelfrist recht stabil und mit dem klassischen "grau bis blau" über die Bühne geht. Wieviel Sonne wir sehen werden hängt allerdings von der bodennah herangeführten Luftmasse ab. Stand heute wäre die Divergenzachse des Keils über Norddeutschland zu finden. Entlang dieser und östlich davon mit viel "grau", im Süden und über der Mitte doch recht häufig mit "blau". Nennenswerte Niederschläge sind keine zu erwarten, vielleicht fällt im Umfeld der Divergenzachse etwas Sprühregen aus dem dichten und vertikal recht mächtigen Hochnebel.
Die Höchstwerte liegen meist bei milden 7 bis 11 Grad, unter hartnäckigem Hochnebel, im Nebel oder anfangs bei mehr Niederschlag im Alpenstau sind aber auch Maxima von um oder etwas unter 5 Grad zu erwarten.
Die Minima liegen zwischen +8 und -4 Grad, wobei auch hier die Bewölkung entscheidet, wie mild/kalt es jeweils wird (frostig am ehesten im Süden und über der östlichen Mitte).
Der von Nord auf Nordost drehende Wind bleibt meist schwach und frischt erst ab Dienstag im Bergland böig aus Ost auf (dank des von Norden steigenden Bodendrucks).
Zum Beginn der erweiterten Mittelfrist ergeben sich keine größeren Änderungen, wenngleich es von Norden allmählich kälter wird.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Entwicklung auf der synoptischen Skala wird innerhalb der jüngsten 5 Modellläufe recht einheitlich gesehen, wenngleich es bei den jeweiligen Protagonisten geringe zeitliche/regionale Diskrepanzen gibt.
Zusammengefasst dominiert eine blockierende Antizyklone über West-, später Nordwesteuropa, die sich im Verlauf dieser Mittelfrist nach Mitteleuropa ausweitet.
So wird ein Kaltlufttropfen zum Beginn der Mittelfrist von Lauf zu Lauf zügiger von Tschechien nach Norditalien gebracht, sodass deren Niederschläge innerhalb dieser Mittelfrist ggf. weiter rückläufig werden. Die noch leicht variable Translation sorgt teils für run-to-run Diskrepanzen von rund 50-80 m bei der Schichtdicke über Südostdeutschland (ggf. neben der Niederschlagsrate auch für die Schneefallgrenze von Interesse).
Ein weiterer, kleinräumiger Kaltlufttropfen über Norddeutschland (Montag zu Dienstag) wird erst seit dem jüngsten Modelllauf in der Ausprägung gezeigt, sodass hier noch von keiner Modellkonsistenz gesprochen werden kann. Der ab Dienstag nachfolgende Geopotenzialanstieg von Nordwesten wird wiederum sehr homogen gezeigt.
AIFS ist im Vergleich zum IFS etwas langsamer mit dem kräftigen Kaltlufttropfen zum Beginn der Mittelfrist und möchte vom nachfolgenden Kaltlufttropfen (Montag/Dienstag) wenig wissen, bevor sich nachfolgend auch hier beide Modelle anpassen. Selbiges ist auch beim Abgleich der Deterministik mit dem IFS-ENS herauszulesen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Beim Blick in die Tiefen der internationalen Modellwelt wird das grobe synoptische Muster ohne Überraschung sehr homogen gezeigt, dominiert doch in allen Modelllösungen die umfangreiche und kräftige blockierende Antizyklone über West-, und später Nordwesteuropa.
Dennoch ergeben sich z.B. bei der Handhabe des Kaltlufttropfens zum Beginn der Mittelfrist (Tschechien-Norditalien ziehend) teils erhebliche Diskrepanzen. EZ ist deutlich schneller als UK10/GFS, liegt allerdings mit ICON auf einer Schiene (in der Spitze rund 700 km Unterschied zwischen beiden Lagern). Das hat natürlich Auswirkungen auf die Niederschlagsmengen am Montag im Südosten (und indirekt auch auf deren Phase im Bergland). Beim Abgleich EZ-GFS ergibt sich gar ein kräftiger Geopotenzialdipol, was in etwa der Diskrepanz von einer Wellenlänge entspricht.
Selbiges gilt für den Kaltlufttropfen von Montag zu Dienstag über Norddeutschland, der von ICON/EZ gezeigt wird, aber nicht von GFS/UK10 (bzw. erfolgt dieser abgeschwächt rund 24h früher).
Die Auswirkungen auf das Wettergeschehen halten sich aber in Grenzen, sodass meist nur die Frage offenbleibt, wo und wann etwas Niederschlag (besonders im Norden und Südosten der Republik) zu erwarten ist.
Nachfolgend passen sich die Modelle wieder an und dies wird z.B. im EZ-GFS Abgleich durch einen deutlichen Rückgang der Diskrepanzen bei der Schichtdicke hervorgehoben.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt mit zwei Clustern und dem einheitlichen klimat. Regime der Blockierung. Beide heben am Sonntag eine umfangreiche Blockierung hervor, die sich vom Nordostatlantik mit Brückenbildung bis zum Ural erstreckt. Südlich davon baut sich eine kräftige Zyklone über dem zentralen Mittelmeer auf und Deutschland verbleibt im Übergangsbereich (allerdings im deutlich antizyklonalen Einfluss).
Von Montag bis Mittwoch dominiert ein Cluster (Blockierung) und es entwickelt sich eine sehr intensive Antizyklone über dem Europäischen Nordmeer (ggf. auf Rekordniveau für diese Jahreszeit). Wir verbleiben an deren Ostflanke zwar im insgesamt antizyklonal geprägten Einfluss, allerdings ist diese Lage besonders zum Beginn auch anfällig für Störungen, wie kleinräumige Kaltlufttropfen, wobei auch dieses Potenzial ab der Wochenmitte mit weiterem Geopotenzialanstieg nachlässt.
Auch im Übergangsbereich der Mittelfrist zur erweiterten Mittelfrist dominiert noch die Blockierung (entsprechend auch das klimat. Regime) mit Zentrum über dem Europäischen Nordmeer, wenngleich diese sukzessive abgeschwächt wird. Mit fallendem Geopotenzial über dem Nordatlantik könnte sich daraus zum kommenden Wochenende eine Omega-Lage entwickeln mit Keileinfluss für West- und Mitteleuropa.
Dieses Szenario wird in der tieferen erweiterten Mittelfrist vom ersten Cluster gezeigt (dominant blockierend), während ein ähnlich stark besetzter zweiter Cluster davon wenig wissen möchte und zunehmenden Trogeinfluss bis nach Mitteleuropa andeutet.
Die Meteogramme zeigen einen geringen Abkühlungstrend bei leicht wechselhafter Witterung, allerdings mit hohem Memberspread dank der noch vorhandenen Restunsicherheit beim Thema "Kaltlufttropfen".
Die Rauchfahnen bei der 850 hPa Temperatur und beim 500 hPa Geopotenzial sind vergleichsweise gut gebündelt mit einem gut eingebetteten Kontrolllauf, der erst in der erweiterten Mittelfrist ans untere Ende der Memberschar wechselt.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist verläuft ohne markante Wettererscheinungen, was auch vom EFI gestützt wird.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-ENS, GEFS, IFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





