Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 09.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWa (Südwest antizyklonal)
Allmählicher Potenzial- und Druckverlust, vom Atlantik zusehends zyklonaler. Dabei heute und morgen erste zaghafte Töne auf der konvektiven Klaviatur.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
Montag... zeigt Deutschland auf den ersten Blick unter dem westlichen Drittel eines breiten Höhenrückens, der weite Teile Mitteleuropas umspannt und im Osten bis Westrussland, der Ukraine und dem Schwarzen Meer reicht. Erst beim zweiten Blick, quasi unter Zuhilfenahme eines Elektronenmikroskops sowie deutlich höherer Auflösung der Isohypsenabstände, fällt auf, dass der Rücken durch eine von Polen bis zum Balkan verlaufende Potenzialrinne in zwei Teile geteilt ist. Das ist zwar nicht von ganz großer Bedeutung, da das gesamte Strömungs- bzw. Windregime derart schwach aufgestellt sind, dass kaum Bewegung und somit auch kaum Advektion oder irgendwelche dynamischen Aktivitäten von Belang stattfinden. Gleichwohl zeigt es uns, dass der uns nun schon seit Tagen begleitende und nach außen hin so potente Rücken erste kleine Schmerzpunkte bekommt. Und ihr werdet sehen, die Einschläge nehmen zu und kommen näher, sprich, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es in der unmittelbar bevorstehenden zweiten Märzwoche zu einem Wetterlagenwechsel kommt. Vor allem über Westeuropa sowie dem nahen Atlantik wird mächtig "gekratzt und gebissen", um den Rücken alsbald ins Land der Träume zu schicken. Aktuell allerdings tropft der knapp westlich von UK/Irland positionierte Trog erstmal über dem Nordwesten der Iberischen Halbinsel ab, was durchaus als Zeichen noch vorhandener Blockierungsstärke des Rückens zu werten ist. Zumal es das nördliche Trogresiduum heute nicht schafft, nennenswert nach Osten voranzukommen.
Dass wir heute trotzdem schon über andere Dinge reden müssen als nur Sonne, Cirren, Saharastaub und hohe Tagestemperaturen, hat einen anderen Grund. Zwischen dem inzwischen weit nach Osten abgewanderten Hoch KONRAD und einer breiten Rinne über Westeuropa sickert (strömen wäre deutlich übertrieben) etwas feuchtere Luft vornehmlich in den Westen und Südwesten ein. Die Taupunkte - bisher meist unter 5°C - gehen hoch auf 6,7, vielleicht 8°C, das PPW nähert sich oder überschreitet gar knapp die 15mm-Marke. Hinzu kommt eine leichte Labilisierung der subtropischen Luftmasse (das Label xS würde der Verfasser trotz der leichten Anfeuchtung noch beibehalten), zum einen durch den Tagesgang und die damit verbundene diabatische Erwärmung. Zum anderen durch leichte Abkühlung der mittleren und leichte Erwärmung der unteren Troposphäre, auch wenn´s nicht viel ist. Kurzum, es verwundert nicht, dass uns die Modelle für heute Nachmittag im Süden und Westen an der ein oder anderen Stelle etwas CAPE anbieten, dass mindestens mal für die Auslöse einiger orografisch getriggerter Schauer reicht. Bei einer bis maximal 600 hPa reichenden Labilitätsfläche (darüber deutlicher Trockeneinschub) und einer Wolkenoberkantentemperatur um -12/-13°C kann sogar ein vereinzeltes Gewitter nicht ganz ausgeschlossen werden. In der Favoritenstellung die alten Haudegen konvektionsfördernder Mittelgebirge, namentlich der Schwarzwald und die Schwäbische Alb. Aber auch die rheinland-pfälzischen Erhebungen sind nicht ganz raus aus der Verlosung, auch wenn Vieles zusammenpassen muss. Da die Gewitter im seltenen Fall der Fälle aufgrund der luschigen Strömung in die Kategorie "Stehburger" fallen, kann selbst Starkregen um 15 l/m² nicht völlig ins Reich der Fabel verbannt werden.
Jetzt reicht es aber mit den Ausnahmen, denn das hauptsächliche Wetter des heutigen Montags dreht sich nicht um Schauer und potenzielle Gewitter, sondern wird - nach Auflösung der obligatorischen Nebelfelder (Bayern) - von viel Sonnenschein sowie einigen Cirren oder auch Quellungen geprägt. Dabei bleibt es bezogen auf die große Fläche fast überall trocken. In Ostsachsen, genauer im und am Osterzgebirge sowie dem Zittauer Gebirge muckt der Süd-Südostwind trotz geringer Druck- und Temperaturgegensätze zwischen dem Böhmischen Becken und dem deutschen Erzgebirgsvorland mit stark böig auf, um spätestens im Laufe des Nachmittags aber schon wieder die weiße Fahne zu hissen. Dazu verbreitet 13 bis 20°C mit den höchsten Werten im Westen und etwas niedrigeren Werten (um 10°C) an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind.
In der Nacht zum Dienstag ändert sich nicht allzu viel an der großräumigen Konstellation. Die Szenerie bleibt gradientschwach, außerdem dreht die Sonne den Energiehahn ab. Bedeutet für mögliche Abendkonvektion, dass diese relativ bald zusammenfällt. Somit wird die Nacht zum wiederholten Male von einem gering bewölkten oder klaren Himmel geprägt, abzüglich freilich der obligaten Nebelfelder in den Tälern, Senken und Flussniederungen der Mitte und des Südens. Ach ja, nicht zu vergessen, auch der Nordwesten zeigt sich wie bereits schon in der Vornacht nebelanfällig. Mit leichtem West- bis Nordwestwind wird entweder Seenebel von der Nordsee landeinwärts gesteuert oder es bildet sich Strahlungsnebel. Nicht zuletzt wegen der wenn auch nur schleichend vorankommenden Anfeuchtung der Luft nimmt die Frostwahrscheinlichkeit gegenüber den Vornächten ab. Gleichwohl blinkt auch morgen früh im Süden und Osten sowie in der Mitte das Minuszeichen auf, wenn auch meist nur in den sogenannten Kältelöchern und ungünstigen Lagen.
Dienstag... wird der westliche, bei uns platzierte Teil des Rückens mächtig in die Zange genommen. Über Polen will die o.e. Potenzialrinne nicht so richtig weichen und von Westen nähert sich nun doch das Residuum des abgetropften Troges. Angeführt wird dieses Residuum von einer schwachen, aus thermischer Sicht kaum als solche zu bezeichnenden Kaltfront eines Tiefdrucksystems hoch oben zwischen Barentssee und Jan Mayen. Im Grunde markiert die "Front" eine auch nicht gerade üppig prosperierende dry-line, die in Verbindung mit dem auf Südwest drehenden und geringfügig auflebenden Wind feuchtere und potenziell instabile Subtropikluft in den Westen und Norden steuert (mSp). PPW geht hoch auf 15 bis 20 mm, was mit Hilfe des Tagesgangs der CAPE-Produktion zugutekommt. Je nach dem steht zum Nachmittag hin etwa 50 bis 300 J/kg konvektionstaugliche Energie zur Verfügung, die mit Hilfe des Residuums und der Pseudofront, besser deren Hebungsinput, in zahlreiche Schauer und einzelne Gewitter umgewandelt wird. Dabei sind aber noch ein paar Fragen offen. Reicht es angesichts des vergleichsweise hohen PPWs, aber auch vorhandener Strömung und damit Zug der Zellen für lokalen Starkregen? Möglich, lautet die Antwort. Zweite Frage, wie weit greifen die Schauer und Gewitter nach Osten aus? Sind bis zum Abend z.B. auch Thüringen und Sachsen-Anhalt betroffen (u.a. ICON-D2) oder läuft das Ganze eher defensiver ab? Auch die Frage, was über dem süddeutschen Bergland so geht (Schwarzwald, Alb, aber auch Bayerischer Wald), lässt sich noch nicht abschließend belastbar beantworten.
Was man sagen kann, dass die Sonnenanteile weniger und die Wolkenanteile mehr werden gegenüber den Vortagen. Das heißt aber nicht, dass nicht auch morgen ausreichend die Sonne zum Zuge kommt, vor allem im Süden. Nur besitzt sie kein Alleinstellungsmerkmal mehr und im Norden muss der südwestliche Wind erstmal die üppigen Nebel- und Hochnebelreste aus der Nacht auflösen respektive auf das Meer sowie nach Südskandinavien abschieben, was dauern kann. Das macht sich dann auch bei der Temperatur bemerkbar, die hoch im Norden keine 15°C und direkt an der See lokal nicht mal 10°C erreicht. Ansonsten stehen aber einmal mehr 14 bis 20°C auf der Karte.
In der Nacht zum Mittwoch kommt der kleine KW-Trog bis in die Osthälfte des Vorhersageraums voran. Die vorgeschaltete Pseudo-Kaltfront löst sich zuvor zumindest in ihrem Südteil auf. Trotzdem arbeiten sich noch einige Schauer bis in den Osten und Nordosten voran, während es im Südosten voraussichtlich trocken bleibt. Tagesgangbedingt nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit ab. Was sonst noch bleibt ist ein unterschiedlich bewölkter Himmel mit einigen größeren Lücken. Nebel bildet sich am ehesten im Südosten (Bayern), wo es vorzugsweise zwischen dem Bayerischen Wald und dem östlichen Alpenrand lokal auch noch mal leichten Frost geben kann. Derweil stehen im Westen und Nordwesten stellenweise Tiefstwerte nahe der 10°C.Marke auf dem Zettel.
Mittwoch... kommt kurzfristig zwar noch mal ein Mini-Höhenkeil oder gerne auch Schmalspurrücken zu uns rein, bevor die nächste Trogattacke erfolgt. Diese wird angeführt von einer "richtigen" Front, einer Okklusion mit Kaltfrontcharakter, die zu einem zwischen Island und Schottland zur Norwegischen See ziehenden Sturmtief (FRITAUN) gehört. Zwar wird der Trog von mitteltroposphärischer KLA überlaufen, er ist aber so scharf geschnitten und verfügt über eine stark diffluente Vorderseite, dass die KLA von PVA überkompensiert und dynamische Hebung generiert wird. Hinzu kommen noch frontale Hebungsimpulse sowie eine Rechtsdrehung des Windes in der unteren Troposphäre, was dort den Tatbestand der WLA erfüllt. Am Ende greift seit langer Zeit mal wieder ein flächiges Regengebiet auf die gesamte Nordwesthälfte über, das im Westen gebietsweise 5 bis 10, in Staulagen lokal vielleicht etwas mehr innert 12 Stunden in die Töpfe und auf die Flächen spült. Im Süden und Osten bleibt es bis zum Abend abgesehen von einzelnen orografisch getriggerten Schauern (Gewitter???) trocken und vielfach heiter. Dabei steigt die Temperatur nochmal auf 14 bis 19°C, während man sich sonst mit 10 bis 15°C, in höheren Lagen nur einstellig begnügen muss.
Etwas stärker in den Fokus rückt der Wind, der aus Südwesten kommend vornehmlich präfrontal zeit- und gebietsweise (diese Formulierung gilt als die Königin meteorologischer Allgemeinphrasen) ruppig auffrischt mit steifen Böen 7 Bft, exponiert 8 Bft. Das Wann und Wo genau ist tatsächlich noch nicht belastbar einzugrenzen. Wir können aber davon ausgehen, dass die Nordseeküste ebenso am Start ist wie die meisten Mittelgebirge inkl. deren Leelagen. Ob es auch ein paar Niederungen und Tiefen des Nordens und der Mitte auf die Warnkarte schaffen, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es der Brocken auf Sturmstärke bis zu 9 Bft bringt - man kennt´s.
In der Nacht zum Donnerstag kommt die Front südostwärts voran und bringt den Regen damit auch in den Osten und Südosten der Republik. Noch nicht ganz sicher ist, ob sie dabei im Süden, wo der zeitgleich vorrückende Trog in die Länge gezogen wird, eine kleine Welle schlägt, was die Niederschlagsintensität erhöhen würde. Aber auch ohne Welle reicht es südlich der Mainlinie gebietsweise für 5 bis 10, in Staulagen vereinzelt bis zu 15 l/m² bis Donnerstagfrüh. In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze von West nach Ost auf unter 1500, aber nicht unter 1000 m ab.
In der postfrontal einfließenden subpolaren Meeresluft (mPs; Rückgang T850 bis zu -2°C) lockert die Wolkendecke zwar auf, trotzdem bleibt es weitgehend frostfrei. Auch spielt der Wind abgesehen von einigen wenigen exponierten Hochlagen (z.B. Brocken) keine Rolle mehr.
Modellvergleich und -einschätzung
Abseits der üblichen Prognoseunschärfen simulieren die Modelle den Abbau des Hochdruckeinfluss und die Übergriffigkeit atlantischer Systeme sehr ähnlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 08.03.2026 um 10.30 UTC
Zunehmend unbeständig, im Süden vereinzelte Gewitter, im Nordwesten und Norden teils windig, im Bergland auch stürmisch, nicht mehr so warm.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 15.03.2026
Zur Wochenmitte steht zumindest vorübergehend eine Umstellung der Wetterlage an. Zum Start in den mittelfristigen Zeitraums soll nach dem IFS-EPS noch die Wetterlage SWa, als eine antizyklonale geprägte Südwestströmung, vorherrschen und das gesamte EPS vereinen. Im weiteren Verlauf des mittelfristigen Zeitraums soll dann vor allem die Wetterlage Trog Westeuropa im EPS an Einfluss gewinnen. Aber auch Süd zyklonal kann mit seinen zahlreichen Unterstützern ein Wörtchen mitreden. Ab Montag ist die Vielfalt an potentiellen Wetterlagen so groß, dass eine prägende Struktur nur schwierig zu finden ist. Es kann aber festgehalten werden, dass ab Donnerstag aufgrund des zyklonalen Einflusses erst einmal etwas unbeständigere Witterungsbedingungen anbrechen.
Im Detail startet der mittelfristige Zeitraum am Mittwoch nach dem IFS mit tiefem Geopotential über dem Nordatlantik sowie Nordwest- und Teilen Nordeuropas. Entgegen steht hohes Geopotential vom Ostatlantik über den nördlichen Mittelmeerraum und dem Balkan hinweg bis zum Schwarzen Meer und Südrussland. Entsprechend kann vor allem über dem Atlantik eine deutliche Zonalisierung beobachtet werden. Über Europa ist diese anfangs aufgrund schwacher Luftdruckgegensätze sowie eines Kaltlufttropfens über Marokko und Höhentiefs bei Griechenland noch nicht so stark ausgeprägt. In die Westströmung ist ausgehend von den Britischen Inseln ein Kurzwellentrog eingebettet, der sich mit seiner Achse südwärts bis zur Biskaya erstreckt. Bodennah korreliert der Trog mit einem Bodentrog über der Nordsee und Nordwestfrankreich, in welchem ein Frontensystem eingelagert ist. Auf der Trogvorderseite sowie mithilfe kurzwelliger Anteile wird wiederholt PVA generiert, sodass schon vor der Front im Süden, Westen und Nordwesten sowie in Teilen des Ostens Deutschlands Schauer möglich sind. Die Temperaturen in 850 hPa liegen dabei zwischen 0 und +6 Grad. Mit dem auflebenden Südwestwind sind vor allem im westlichen Bergland sowie vom Niederrhein bis zum Emsland einzelne steife, exponiert auch stürmische Böen zu erwarten.
Am Donnerstag soll sich aus dem markanten Kurzwellentrog ein eigenständiges, kleines Höhentief abspalten und bis Freitagabend nach Mittelitalien wandern. Während das Höhentief am Donnerstag vor allem in der Südhälfte noch ausreichend Hebung generiert, um schauerartige Niederschläge auszulösen, würden diese mit Abzug des Tiefs über die Alpen hinweg am Freitag ebenfalls das Land verlassen bzw. abklingen und bei kompensierendem Absinken vorübergehend Zwischenhocheinfluss einläuten. Gleichzeitig beginnt sich der Trog über Nordwesteuropa stark südwärts zu amplifizieren. Am Samstag soll sich nach IFS dessen Achse von der nördlichen Nordsee über England und Nordwestfrankreich hinweg bis zu den Pyrenäen erstrecken. Resultierend würde Deutschland auf der Vorderseite in einer sich stark aufsteilenden Südwest- bis Südströmung liegen. In diese ist bodennah schließlich ein quasi Strömungsparalleler Frontenzug eingelagert, der von Samstag bis Montag vom Nordosten bis in den Südwesten Deutschlands verläuft und teilweise durch PVA verstärkt bzw. intensiviert wird. Zudem besteht die Option eines Leetiefs am Alpenrand, welches eine Gegenstromlage in Kraft setzen resultierend zu kräftigeren Niederschlägen im Südwesten führen könnte. Die Luftmassengrenze trennt dabei die erwärmte Polarluft von warmer Subtropikluft. Während die Temperaturen in der Nordwesthälfte am Samstag bei 0 bis -4 Grad liegen sollen, wären es nach Südosten zu 0 bis +7 Grad.
Ab Montag sieht das IFS eine Art Viererdruckfeld mit Trog über dem Nordostatlantik und dem Cut-Off über dem zentralen Mittelmeerraum sowie dem hohen Geopotential über Südwest- und Osteuropa. Entsprechend würde die Luftmassengrenze hierzulande weiter bestand haben, sich aber abhängig von den Hebungsimpulsen gegeben falls abschwächen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung wird von den vergangenen IFS-Läufen vergleichbar simuliert. Dennoch gibt es im Detail doch signifikante Unterschiede.
Schon zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Mittwoch wird der von Westen auf Mitteleuropa und somit auch Deutschland übergreifende Kurzwellentrog in Amplitude und beim Timing abweichend prognostiziert. Der neuste Lauf weist dabei die größte Amplitude auf. Zudem umfasst der Trog zwei kurzwellige Anteile. Der gestrige 00 UTC-Lauf hatte die geringste Amplitude. Der korrelierende Bodentrog wies dagegen kaum Unterschiede auf, allenfalls beschreibt der neuste Lauf auch bodennah die größte Amplitude und eine geringfügig raschere Verlagerung. Beim dort eingebetteten Frontensystem geht die Tendenz insgesamt zu einer etwas schnelleren Verlagerung. Somit würden auch die schauerartigen Niederschläge schon am Mittwoch auf die Nordwesthälfte übergreifen. Am Donnerstag simuliert der neste Lauf über Benelux sogar ein kleines Höhenrandtief, welches nachfolgend bis Samstag nach Mittelitalien wandern soll. Diese Entwicklung zeigte auch der gestrige 00 UTC-Lauf in ähnlicher Form, während der gestrige 12 UTC-Lauf eher eine ostwärtige Verlagerung des Höhentiefs aufwies. Den am Freitag startenden und am Sonntag weitgehend abgeschlossenen Abschnürrrungsprozess über Westeuropa haben allgemein alle Läufe im Programm. Während die gestrigen Läufe am Sonntag jedoch einen Cut-Off über Südspanien bzw. Gibraltar bevorzugten, sieht der aktuelle Lauf keine komplette Abkopplung mit einem Höhentief über dem Golf von Genua. Diese abweichende Entwicklung steht somit konträr zu den gestrigen Läufen und hat auch auf das Wetter hierzulande deutliche Auswirkungen. Während nach den gestrigen Interpretationen die stärksten Hebungsimpulse durch PVA und frontogenetischen Prozessen allenfalls den Nordwesten streiften und eher über Frankreich und Benelux zu finden waren, würde die Front nun am Sonntag und Montag einmal quer über Deutschland etwa von Mecklenburg bis zu den Vogesen liegen.
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass das IFS-Modell derzeit trotz großskaliger Übereinstimmung im Detail bei signifikanten Abweichungen nur eine geringe Konsistenz aufweist.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zum Start in den mittelfristigen Zeitraum am Mittwoch weisen alle betrachteten Modelle (ICON, GFS, Uk10) eine vergleichbare Geopotential- und Luftdruckverteilung auf. Auffällig ist dabei, dass keines der anderen Modelle den Kurzwellentrog über England und Nordwestfrankreich so stark und nach Westen verschoben im Programm haben wie IFS.
Ebenfalls sind ICON, GFS und Uk10 auch bei der Entwicklung des kleinen markanten Höhentiefs am Donnerstag passiver unterwegs. Zwar lassen auch ICON, GFS und Uk10 eine Vergrößerung von Wellenlänge und Amplitude zu, bleiben aber weniger markant und lassen den Trog sich grundsätzlich nach Osten verschoben amplifizieren. Entsprechend würden bei diesen Modellen die Niederschläge rascher südostwärts abziehen und Donnerstag anfangs allenfalls im Südosten noch vereinzelte schauerartige Niederschläge zulassen. Gleichzeitig kann sich aber der Frontenzug von der Nordsee und Benelux etwas rascher annähern und den Wind im Nordwesten früher aufleben lassen.
Auch bei den Entwicklungen von Freitag bis Montag mit dem Abschnürrrungsprozess und dem abschließenden Cut-Off beschreibt der aktuelle IFS-Lauf eine Außenseitersicht. Alle anderen Modellen stützen weiter den gestrigen IFS-Lauf mit einer Amplifizierung über Westeuropa und dem resultierenden Cut-Off über der Iberischen Halbinsel. Entsprechend bleibt der Rücken samt korrelierendem Bodenhoch stabiler, sodass nach ICON, GFS und Uk10 potentielle frontogenetische Niederschläge erst ab Freitagabend langsam auf den Nordwesten übergreifen. Vor allem GFS und ICON bleiben auch danach auf einer Linie und lassen den Frontenzug auch am Samstag und Sonntag über Nordwest und Teilen Westdeutschlands wo er im Verlauf schließlich zerbröselt. Beim UK10 sorgt die Entwicklung eines weiteren markanten Troges mit Höhentief über Südengland, welcher sich ostwärts schiebt, dafür, dass der Frontenzug analog zum IFS in die Mitte Deutschlands verlagert und etwa in einem Streifen Mecklenburg-Saarland hängen bleibt. Am Montag nähert sich GFS den IFS-Vorgaben an, wenngleich die Luftmassengrenze signifikant schwächer ausfällt.
Fazit Modellvergleich: Der neuste IFS-Lauf eine Einzellösung dar. ICON, GFS und UK10 stützen eher die IFS-Vorläufe mit einem westlicherem Abschnürrurngsprozess und somit keinem oder kaum übergreifenden Frontenzug. Entsprechend würde für weite Teile Deutschland nach unbeständigem Dienstag und Mittwoch ab Donnerstag wieder eher ruhiges und trockenes Wetter vorherrschen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zeigen bis einschließlich Mittwoch bei einem geringen Spread von Temperatur in 850 hPa und Geopotential in 500 hPa sowie einem definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeit eine hohe Vorhersagegüte.
Ab Donnerstag wird der ENS-Raum stark aufgespannt. Der Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten weist zwar einen Trend auf, fällt aber insgesamt schwammig aus. Auch wenn der EPS-Raum überwiegend durch wenige Member gespreizt wird, kann bei einem Spread von 8 bis 12 Grad oder 40 bis 50 hPa nur von einer geringen Vorhersagegüte gesprochen werden.
Bei der Einordnung des IFS-EPS in übergeordnete Muster werden im Zeitraum von +72 bis +96h zwei Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu beschreiben. Beide Cluster werden dabei dem Schema einer pos. NAO zugewiesen. Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind insgesamt auch als gering anzusehen. Abweichungen gibt es vor allem beim Kurzwellentrog über den Britischen Insel sowie dessen ostwärtigen Verlagerung. Das erste Cluster stützt den IFS-Hauptlauf, während das zweite Cluster eher den Vorgaben von ICON, GFS und UK10 näher kommt.
Im Zeitraum von +120 bis +168h zeigen sich die stark zunehmenden Unsicherheiten in insgesamt fünf übergeordneten Mustern. Bis auf Cluster 3, welcher am Ende zum Blocking wechselt, verbleiben alle anderen Lösungen im Schema einer pos. NAO. Der Haupt- und Kontrolllauf befinden sich dabei im vierten Cluster. Bei Betrachtung der größten und wesentlichsten Abweichungen steht der Trog sowie dessen Abschnürrrungsprozess im Fokus. Das dritte Cluster stützt die anderen Modelle wie ICON und GFS. Die ersten beiden Lösungen sind dem IFS-Hauptlauf näher als den anderen Modellen. Beide weisen einen mehr oder weniger starken Cut-Off über dem nördlichen Mittelmeerraum auf und haben entgegen des Cluster 4 mit dem Hauptlauf den Abschnürrrungsprozess abgeschlossen. Allerdings kommt das Trog-Residuum entgegen der anderen Modelle ähnlich weit wie bei Hauptlauf ostwärts voran, sodass sich die Luftmassengrenze bei diesen Lösungen ebenfalls wahrscheinlich über Deutschland befindet. Da aber über Deutschland gleichzeitig ein Brücke hohem Geopotential zu verzeichnen ist, welches bodennah hohen Luftdruck stützt, dürfte die Luftmassengrenze hierzulande eher schwach bis kaum existent sein und seine Schwerpunkte im Norden/Nordosten und äußersten Süden haben. Das letzte Cluster beschreibt einen ganz anderen Weg, indem dort kein Abschnürrrungsprozess stattfindet und die Kurzwellentröge einfach über die Nordsee hinweg ostwärts gesteuert werden. In diesem Fall würden im Norden unbeständige Zeiten anbrechen, während im Süden weiter Hochdruckeinfluss Trumpf wäre.
In der erweiterten Mittelfrist im Zeitraum von +192 bis +240h erklären zwei Lösungen die Unsicherheiten im EPS-Raum. Während die erste Lösung weiter dem Schema einer pos. NAO zugeschrieben wird, zeigt das zweite Cluster ein Blocking. Für das Wetter hierzulande haben beide Cluster jedoch Tröge im Programm, was auf einen unbeständige Charakter hindeutet. Be Cluster 1 sind jedoch stärkere Hebungsimpulse zu erwarten, während beim zweiten Muster regional durchaus höherer Luftdruck mitmischt.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Mittwoch sind im Warmsektor auf der Vorderseite des Troges über Westeuropa bevorzugt im Schwarzwald und am Alpenrand vereinzelt Gewitter nicht ausgeschlossen. Aufgrund der niedrigen Feuchte und PPW ist Starkregen aber gering wahrscheinlich, wenngleich durch die langsame Verlagerung bzw. stehende Zellen im Bereich des Möglichen.
Am Donnerstag lebt der Wind im Bergland sowie im Nordseeumfeld auf. Wahrscheinlichkeiten von 5 bis 20, an der Nordsee örtlich bis 50% lassen dort vereinzelte stürmische Böen, auf dem Brocken auch Sturmböen zu.
Am Freitag stützen im Westen und Nordwesten sowie Teilen der Mitte 5 bis 35, gebietsweise bis 50% einzelne stürmische Böen, auf dem Brocken sind Sturmböen wahrscheinlich, einzelne schwere Sturmböen möglich.
Von Samstag auf Sonntag nach IFS im Südwesten längere anhaltender und teils kräftiger Regen. Aufgrund der Modellinternen Unsicherheiten sind aber hierzulande (Vogesen bis 5%) noch keine Wahrscheinlichkeiten für das Überschreiten der Dauerregenschwelle zu verzeichnen. Zudem beschreibt das IFS derzeit eine Außenseiterlösung.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, für TT auch MosMix, det. Läufe wohl allenfalls anfangs
nutzbar.
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





