Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 02.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Sonntag und in der Nacht zum Montag geringe Prognosegüte wegen eines kleinen, aber eventuell bissigen Übeltäters (Höhentief). Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
---------------------------------------------------------------- Aktuell ... ist Mitteleuropa beeinflusst durch ein winkelförmiges Bodenhoch, dessen umfangreicher Schwerpunkt über Belarus zu finden ist. Seine Flanken reichten in der Mittagsanalyse bis Nowaja Semlja sowie bis zu den Azoren. Darin eingelagert ist eine sich abschwächende Luftmassengrenze, die ihre Wetteraktivität langsam, aber stetig verliert. Im Grunde ist diese nur noch durch dichtere Bewölkung erkennbar, die von Südskandinavien über die südliche Ostsee bis in den Alpenraum reicht. Für die frontolytischen Vorgänge ist auch der sich wieder leicht regenerierende Höhenrücken verantwortlich, der weite Teile vom westlichen Mittelmeer bis nach Osteuropa überdeckt. Flankiert wird dieser zum einen durch einen gut ausgeprägten Langwellentrog über Westrussland und einem offener konturierten über dem Nordostatlantik. Während der Nacht zum Samstag weitet sich nun zweiterer ganz leicht nach Norddeutschland aus, große Wetteraktivität wird dabei aber auch dort nicht erwartet.
Die Luftmasse ist nun weniger warm als zuletzt, in 850 hPa reicht die Spanne von etwa +6 Grad im Nordwesten Deutschlands bis 12 Grad am Alpenrand. Mit dem bodennah weiter dominanten hohen Luftdruck ergibt sich in der eingeflossenen Meeresluft (aktuell recht hohe Taupunkte) für die Nacht eine Kombination aus Nebel- und Hochnebelbildung. Die aktuellen Modelläufe geben dabei deutliche Hinweise, dass dies die erste Nacht der Herbstsaison mit umfangreichen Nebelwarnungen werden könnte. In den östlichen Regionen kann aber die Restbewölkung der Front regional noch etwas dagegenhalten. Etwas außen vor ist wahrscheinlich auch der Nordwesten, dort ziehen durch den leicht zyklonalen Einfluss deutlich mehr mittelhohe und hohe Wolken über den Himmel hinweg. Die Frühwerte sind in vielen Regionen knapp einstellig, im Bergland sinkt die Temperatur bis +5 Grad, in Teilen des Ostens ist bei +12 Grad Schluss.
Samstag ... (Tag der Deutschen Einheit) setzt sich der Hochdruckeinfluss weiter fort, am Boden reicht das Hoch weiterhin vom nahen Ostatlantik bis nach Osteuropa. Gestärkt wird dieses weiterhin durch den nur langsam nach Südosten wandernden Rücken über Mitteleuropa. An seiner Nordwestflanke wird dieser durch den ebenfalls nur langsam vorankommenden Höhentrog über dem Nordmeer etwas abgeflacht. Dabei lohnt sich aber ein etwas genauerer Blick: An der Vorderseite eines Randtroges über der Nordsee ist eine neue Luftmassengrenze eingelagert. Diese okkludierende Kaltfront eines Tiefs über dem Europäischen Nordmeers nähert sich am Nachmittag der deutschen Nordseeküste an, bringt aber bis zum Abend meist noch keinen Regen, sondern im Nordwesten nur etwas dichtere Bewölkung. Maximal auf Sylt sind am Abend ein paar Tropfen Regen möglich.
Sonst ist der Tag geprägt durch teils zähen Nebel- oder Hochnebel, der sich vom Hochrhein über Schwaben und Mittelfranken bis nach Brandenburg nur zäh auflösen bzw. in Stratocumulusfelder übergehen wird. Dagegen scheint entlang des Alpenrandes, entlang der ostbayerischen Mittelgebirge (dort Leeeffekte durch den leichten Ostwind) und im Bergland Sachsens von der Früh weg die Sonne. Auch in großen Teilen des Westens kommt die Sonne im Laufe des Vormittags schneller zum Vorschein. Die Luftmasse erwärmt sich dabei bodennah wieder etwas. Bei T-850 hPa zwischen weiterhin +6 Grad im Norden und 12 Grad im Süden werden in weiten Teilen Deutschlands knapp über 20 Grad erwartet. Darunter bleiben die küstennahen Regionen mit teils nur 18 Grad, auf Rügen vielleicht auch nur 15 Grad, und jene Gebiete mit zähem Hochnebel, dort sind je nach Sonne auch nur knapp 15 Grad möglich. Der Wind spielt weiterhin keine große Rolle und ist meist schwach aus unterschiedlichen Richtungen.
In der Nacht zum Sonntag wird die Prognose auf der synoptischen Skala schon etwas diffiziler. In der Frühübersicht wurde schon über den noch unterschiedlich simulierten Randtrog über der südwestlichen Nordsee diskutiert. Dieser weißt Abtropftendenzen auf und entwickelt sich später zu einem eigenständigen Höhentief. Der ICON-12Z-Lauf stützt dabei die Modellierung von heute Früh. Im aktuell verfügbaren Lauf von IFS ist der angesprochene Randtrog dagegen etwas flacher ausgeprägt als bei ICON. Damit ist dessen Wetteraktivität folgerichtig bei unserer Modellkette etwas umfassender mit schauerartig verstärktem Regen, der Ausgangs der Nacht auf den äußersten Südwesten übergreift.
Ansonsten verläuft die Nacht ruhig. In vielen Regionen des Nordwestens und Nordens sind die mittelhohen Wolken stärker ausgeprägt als sonst, sodass sich die Nebel- und Hochnebelbildung auf den Süden, Teile der Mitte und den südlichen Osten fokussiert. Meist sind die Tiefstwerte im höheren einstelligen Bereich, an der Küste sowie im Südwesten sind etwas über 10 Grad wahrscheinlich.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... setzen sich tagsüber die Unsicherheiten aus der Nacht fort. Wie der Modellauf von heute Früh, lässt auch der Mittagslauf von ICON das Höhentief über den Niederlanden abtropfen, nun aber ein ganz wenig nach Westdeutschland ziehen. Dies steht weiterhin im Kontrast zu IFS, das das Höhentief auf einer Nordwest-Südwest-Zugbahn am Abend bereits über Ostdeutschland erwartet. Dementsprechend unterscheiden sich vor allem die Niederschlagsprogosen.
Während nach ICON im Südwesten schauerartig verstärkter Regen ins Haus stehen würde, eventuell auch mit dem einen oder anderen Gewitter, sind die Regensignale bei IFS deutlich diffuser. Bei GFS bleibt es sogar vielerorts trocken. Die vom Frühkollegen erhoffte Klärung der Situation muss daher weiter nach hinten verschoben werden.
Fest steht, dass es nicht allzu kalt wird. Mit mehr als 20 Grad im Süden und den mittleren Regionen und etwas darunter im Norden bleibt es weiterhin recht warm. Der Wind ist hinsichtlich seiner Relevanz abgemeldet. In der Nacht zum Montag bleiben die Unsicherheiten klarerweise erhalten. ICON rechnet im Süden sogar signifikante Regenmengen, die externen Modelle ziehen aber weiterhin nicht mit. Mehr dazu dann morgen in der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Unsicherheiten ab Sonntag wurden bereits im Text angesprochen. Ansonsten sind die simulierten Ergebnisse sehr ähnlich und die Unschärfen konzentrieren sich naturgemäß für Herbst auf die Ausprägung von Nebel und Hochnebel und deren Auflösungscharakteristika am folgenden Vormittag.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 02.10.2026 um 10.30 UTC
Zunächst meist ruhiges Wetter und sehr mild bis warm. Ab Mittwoch Tiefdruckeinfluss und ab Donnerstag deutlich kälter, an den Küsten dann stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 09.10.2026
Zu Beginn der Woche und zu Beginn der Mittelfrist zieht ein Höhentief über Polen zur Slowakei (Hinweis: Zugbahn sehr unsicher, siehe Modellbetrachtung anderer Modelle). Über Westeuropa wölbt sich ein breiter Höhenkeil auf, der allmählich ostwärts schwenkt. Am Boden erstreckt sich ein umfangreiches Hochdruckgebiet zonal von West- nach Osteuropa. Norddeutschland liegt knapp nördlich davon am Rande der weiter nördlich verlaufenden Frontalzone. Schwache Niederschläge sind dort im Zuge von WLA die Folge. Im Südosten gibt es am Rande des Höhentiefs ebenfalls gebietsweise Regen. Die erwärmte Meeresluft hat in 850 hPa von Nordost nach Südwest 7 bis 12 Grad.
Am Dienstag wandert das Zentrum des Höhenhochs nach Mitteleuropa. Ein noch schwach amplifizierter Trog erreicht den Nordteil der Britischen Inseln. Am Boden herrscht über Mitteleuropa Hochdruckeinfluss. Ein flaches Tief über der Biskaya zieht nach Frankreich. Der Norden Deutschlands liegt weiterhin unter WLA in Nähe der Frontalzone. Dort fällt gebietsweise etwas Regen, sonst wird es meist freundlich. In 850 hPa liegen die Temperaturen zwischen 7 Grad in Schleswig-Holstein und 13 Grad südlich der Donau.
Am Mittwoch intensiviert sich der Trog über den Britischen Inseln und stößt bis zum Abend zum Ärmelkanal vor. Das Höhenhoch wandert nach Osteuropa. Mitteleuropa gelangt auf die Vorderseite des Westeuropatroges. Am Boden wandert das Hoch ebenfalls nach Osteuropa. Das Tief über Frankreich verstärkt sich allmählich und zieht an die westdeutsche Grenze. Die Warmluftzufuhr verstärkt sich vorübergehend. In 850 hPa werden von Nord nach Süd 7 bis 14 Grad erreicht. Konvektion wird kaum simuliert; an der Nordsee wird eine quasistationäre Front aktiviert.
In der Nacht zum Donnerstag zieht das Tief, entwicklungsgünstig gelegen, unter Vertiefung zur westlichen Ostsee. Seine Kaltfront kommt bis Donnerstagfrüh in die Mitte des Landes voran.
Am Donnerstag stößt der markante Trog mit Temperaturen um -28 Grad in 500 hPa nach Deutschland vor. Das Tief über der westlichen Ostsee zieht unter weiterer Vertiefung auf nahezu 995 hPa nach Südschweden. Seine Kaltfront erreicht am Abend die Alpen. Postfrontal strömt subpolare Meeresluft ein. In Westdeutschland sinkt die Temperatur in 850 hPa auf Werte um 0 Grad. Verbreitet kommt es zu Niederschlägen, die unter dem Trog zunehmend einen konvektiven Charakter annehmen. Örtlich sind Kaltluftgewitter wahrscheinlich. In der straffen Nordwestströmung kommt es vor allem bei Konvektion sowie im Bergland und an den Küsten zu Böen Bft 7 bis 8.
In der Nacht zum Freitag liegt Deutschland rückseitig des Troges in einer kräftigen nordwestlichen Strömung, die an den Küsten für Sturmböen gut ist. Vor allem im Umfeld der warmen Meere hält die Konvektion an.
Am Freitag schwenkt der Trog nach Polen, von Westen folgt ein flacher Keil nach. Das bestimmende Tief erreicht über der zentralen Ostsee mit etwa 990 hPa seinen Höhepunkt. Vor allem im Norden und der Mitte des Landes lebt über Land die Konvektion wieder auf. Im Süden sind Schauer dank des Keils des Azorenhochs deutlich seltener. Bei 0 bis +3 Grad in 850 hPa liegen die Höchstwerte landesweit unter der 20-Grad-Marke. Der an den Küsten anfangs in Böen noch stürmische Nordwestwind lässt von Westen her nach und dreht auf West.
Das Wochenende gestaltet sich in einer zyklonalen Westströmung vor allem im Norden und der Mitte unbeständig und teils windig bei einem der Jahreszeit entsprechenden Temperaturniveau.
FAZIT:
Ein Höhentief sorgt Montag für Unsicherheiten, meist dominiert aber zunächst bei sehr mildem bis warmem Wetter Hochdruckeinfluss. Ab Wochenmitte nimmt ein kräftiges Tief von Westen her das Zepter in die Hand. Rückseitig fließt in einer kräftigen Nordwestströmung ab Donnerstag deutlich kältere Luft nach Deutschland.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Montag zieht ein Höhentief über Polen und Tschechien südwärts und erreicht am Mittwoch die Adria. Die Vorläufe simulierten die Zugbahn weiter nach Südosten. Die Auswirkungen auf Deutschland sind aber marginal. Über Deutschland wölbt sich, wie auch in den Vorläufen, ein Höhenrücken. Der Norden Deutschlands liegt am Rande der Frontalzone und wird zeitweise von schwachen Fronten gestreift. Die Konsistenz ist gut. Am Mittwoch und Donnerstag schwenkt ein Trog unter Amplifizierung von West- nach Mitteleuropa. Ein Tief zieht unter deutlicher Intensivierung von Frankreich nach Schweden. Sein Frontensystem überquert Deutschland, und rückseitig fließt am Donnerstag deutlich kältere subpolare Meeresluft ein. Diese Entwicklung ist ähnlich dem gestrigen 12-UTC-Lauf; der gestrige Morgenlauf zeigte sowohl den Trog als auch die Tiefentwicklung weniger ausgeprägt. Die Konsistenz ist noch mäßig gut. Trog und Tief schwenken bzw. ziehen am Freitag nach Osten, Deutschland liegt in der Folge im Bereich der Frontalzone. Von Westen greifen Frontensysteme auf Mitteleuropa über. Im Vergleich zum 12-UTC-Lauf ist die Konsistenz gut, im Vergleich zum gestrigen 00-UTC-Lauf weniger gut. Dieser zeigte die Entwicklung weniger zyklonal
Vergleich mit anderen globalen Modellen
ICON und GFS simulieren das Höhentief deutlich weiter westlich als IFS. Beide belassen es über Frankreich, bevor es am Mittwoch von der Frontalzone "eingefangen wird". Den markanten Trog und die starke Tiefdruckentwicklung zur Wochenmitte zeigen alle Modelle, wobei der Trog bei ICON im Gegensatz zu den anderen Modellen zum Mittelmeer abtropft. Die markante Rückseite am Donnerstag und Freitag wird recht einheitlich simuliert. Am Wochenende ist GFS weniger zyklonal aufgestellt als IFS.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Das Geopotenzial in 500 hPa zeigt deutschlandweit einen sich beschleunigenden Abwärtstrend bis zu einem Minimum am Donnerstag bzw. in der Nacht zum Freitag. Danach zeigt sich eine vorübergehende Erholung, bevor zum Samstag ein erneutes Sinken zu erkennen ist. Die Streuung der Member ist zunächst gering, nimmt aber bis Donnerstag deutlich zu. Member ohne einen markanten Trog am Donnerstag gibt es kaum.
Die Temperatur in 850 hPa zeigt zunächst ein hohes Niveau um 10 Grad, bevor zum Donnerstag ein Sinken auf Werte nahe 0 Grad zu erkennen ist. Danach gibt es bei den meisten Membern eine Erwärmung auf Werte um 7 Grad. Die Streuung nimmt am Mittwoch vorübergehend deutlich zu (Zeitpunkt der Abkühlung), ist am Donnerstag dann aber wieder geringer (deutliche Abkühlung ist sehr sicher).
Das Ensemble von GFS sieht dem von IFS sehr ähnlich.
CLUSTERUNG:
Für Montag und Dienstag gibt es drei Cluster, die alle den Wechsel von "Blocking" zu "NAO positiv" zeigen. Der Hauptlauf gehört dem mitgliederstarken Cluster 1 an, das mehr Mitglieder hat als Cluster 2 und 3 zusammen. Cluster 2 zeigt eine westlichere Zugbahn des Höhentiefs.
Für Mittwoch bis Freitag gibt es erneut drei Cluster, wobei die Cluster 1 und 2 (inkl. Hauptlauf) sich sehr ähnlich sind. Cluster 3 zeigt einen deutlich schwächeren und zum Abtropfen neigenden Trog über Mitteleuropa.
Für das Wochenende gibt es sechs Cluster, wobei sich der Hauptlauf in Cluster 5 mit sechs Mitgliedern befindet. Alle Cluster zeigen eine westliche Strömung, wobei sie sich in der Phase von Trögen und Keilen teils stark unterscheiden.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Niederschlag:
Der EFI für den 24-stündigen Niederschlag zeigt für den Donnerstag geringe Signale für ein ungewöhnliches Ereignis am Alpenrand.
WIND:
Keine Signale vom EFI bis einschließlich Freitag. Geringe Wahrscheinlichkeiten für Bft 8/9 im EPS für Donnerstag und Freitag.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen





