Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 24.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Nach LUISE nun MANJA - vor allem an der Nordsee stürmischer Sonntag, aber auch sonst nicht gerade Flaute uff de Gass. Zudem ab der Nacht fetter Regen, insbesondere im Stau einiger Mittelgebirge und im Allgäu ergiebig.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell ... herrscht noch einigermaßen Ruhe vorm nächsten Sturm, der aber bereits als Monumentaltief existiert und im Laufe des Abends die Hebriden in Richtung schottische Nordspitze passiert. Die Rede ist von MANJA (int. Boelo), einem Orkantief der De-luxe-Klasse, wie man es nicht alle Tage in unseren Breiten zu sehen bekommt. Das liegt vor allem am extrem niedrigen Kerndruck, der aktuell etwa bei 945 hPa, wenn nicht sogar etwas darunter liegen dürfte. Für den Raum um Schottland herum könnte das auf Basis von Untersuchungen mit Re-Analysen ein Rekordwert für den Monat Oktober darstellen. Aber selbst wenn dieser um 1-2 hPa verfehlt würde, sprechen wir hier immer noch einer echten Wuchtbrumme der fettesten Sorte.
In der kommenden, um eine Stunde verlängerten Nacht zieht das Tief langsam weiter ostwärts, wobei die Betonung auf langsam liegt. MANJA hat sich inzwischen nämlich sehr hoch in die Troposphäre gebohrt, was die Translation erheblich verlangsamt. Dafür wird so ganz allmählich Energie in den Auffüllprozess gesteckt, so dass ausgangs der Nacht "nur noch" rund 950 hPa auf der Karte stehen - wohl dem, der bei der Gewichtszunahme mit solchen Zahlen glänzen kann.
Und was bedeutet das Ganze nun für uns? - Nun, wie nicht anders zu erwarten wird der mittlerweile weitgehend auf Südwest bis Süd rückgedrehte Wind in den nächsten Stunden vornehmlich im Westen und Norden sowie in Teilen der Mitte und ganz allgemein im höheren Bergland merklich zunehmen. Aufgrund der sehr stabilen Schichtung - kräftige WLA über einer leicht ausgekühlten Grundschicht respektive Ausbildung einer Warmfrontinversion - dürften die Böen im flachen Binnenland abgesehen von exponierten Lagen (z.B. Leelagen) über Stärke 7-8 Bft nicht hinauskommen. Anders siehts im Bergland aus, vor allem in höheren Lagen, wo je nach Exposition Sturm- oder Orkanböen 9-12 Bft angesagt sind. Richtig zur Sache geht es auch an und auf der Nordsee, wo sich ein schwerer Südsturm zusammenbraut. Bedeutet für die nordfriesische Küste plus Helgoland Spitzen bis 11 Bft, evtl. sogar einzelne glatte Orkanböen 12 Bft (um 120 km/h). Im restlichen Nordseeküstenbereich inkl. des küstennahen Binnenlands geht´s nicht ganz so rasant zur Sache, wobei das angesichts möglicher Spitzenböen der Stärke 8-9 Bft leicht euphemistisch formuliert ist. Wirklich weniger sportlich gibt sich die Ostseeküste, vor allem die von MV. Dort nimmt der Wind zwar auch zu, mehr als 9er-Böen an exponierten Stellen dürften schon aufgrund der ablandigen Windrichtung kaum auftreten. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Wind im Nordwesten zum Morgen hin nach Durchgang der an das Tief angebundenen Okklusion vorübergehend an Fahrt verliert (und gleichzeitig auf Südwest dreht), im Binnenland mehr, auf und an der See weniger.
Stichwort Okklusion, womit wir beim zweiten dominanten Thema wären, das uns Meteorologen beschäftigt. So beehrt uns in den Nachtstunden das okkludierende Frontensystem des Orkantiefs von Westen bzw. Nordwesten her, wobei die gut ausgeprägte Warmfront den Anfang macht. Auf die kräftige WLA wurde weiter oben schon hingewiesen. Dazu gesellt sich aber noch eine diffluente Höhenströmung vorderseitig des mit dem Tief korrespondierenden Potenzialtrogs, so dass nicht nur kräftige, sondern auch großflächige Hebung generiert wird. Fehlt also nur noch ´ne vernünftige Luftmasse und auch dafür ist gesorgt. So wird mit der Warmfront eine maritime feuchtgesättigte Warmluft (mP) aus dem Bereich subtropischer Atlantikgewässer herangeführt, in der T850 auf 6-9°C und der Gehalt an niederschlagbarem Wasser (PPW) auf 30 mm oder etwas darüber steigt. "Schwammige" Verhältnisse, mit denen sich regentechnisch richtig was anfangen lässt. Und tatsächlich breitet sich in der Nacht ein veritables stratiformes Regengebiet über das ganze Land ostwärts aus. Dabei fallen in der Westhälfte vielerorts 10 bis 25, vor allem in Staulagen der Mittelgebirge auch 25 bis 40, lokal um 50 l/m² Regen, was mit entsprechenden Dauerregenwarnungen gewürdigt wurde. Zwischendurch dürfte die Intensität an der ein oder anderen Stelle sogar soweit ansteigen, dass auch das mehrstündige Starkregenkriterium gerissen wird, was warntechnisch aber nicht abgebildet wird. Für den Schwarzwald wurde mit Blick auf weitere Niederschläge am Sonntag(süber) sogar die "Rote Karte" gezogen (in Augsburg waren es heute zwei, aber das nur am Rande; in der Spitze um oder über 60 l/m² in weniger als 24 Stunden). Gegen Morgen zieht der skalige Regen ganz im Nordwesten die postfrontale Reißleine, es dauert aber nicht lange, bis von der Nordsee die ersten Schauer nachrücken.
Tiefsttemperatur: im Westen z.T. nicht unter 10°C, im Südosten lokal bis nahe 0°C, im Bajuwarischen Wald sowie am östlichen Alpenrand lokal leichter Frost.
Sonntag ... zieht das Sturm-/Orkantief weiter über die nördliche Nordsee hinweg in Richtung Seegebiet Viking bzw. Utsira Nord, wo es zum Datumswechsel knapp unterhalb von Svinöy landet. Bis dahin ist der Kerndruck auf etwa 970 hPa angestiegen. Zuvor schwenkt der korrespondiere Höhentrog mit hochreichender und labil geschichteter maritimer Polarluft (mP; T500 im Norden bis zu -28°C über rund +1°C auf 850 hPa) einmal von links nach rechts, also von West nach Ost über den Vorhersageraum hinweg. Die neue Luftmasse folgt damit der teilokkludierten Kaltfront, die nach Osten relativ rasch, nach Süden hin verzögert das Land überquert. Dementsprechend sind es auch die südlichen Bundesländer, die am längsten vom präfrontalen Regen traktiert werden. Dort wird dann auch ordentlich abgeladen mit gebietsweise 10 bis 20 l/m², in Staulagen der Mittelgebirge sowie im Allgäu mehr (siehe ausgegebene Warnungen).
Im großen Rest des Landes haben wir den für solche Lagen klassischen Übergang zu rasch wechselnder Bewölkung mit Schauern und einzelnen Graupelgewittern, die mit Böen 7-8 Bft, im äußersten Nordwesten 9 Bft, an der Nordsee sogar 10 bis 11 Bft einhergehen können. Stichwort Nordsee, dort geht am morgigen letzten Oktobersonntag im landesweiten Vergleich mit Abstand am meisten die Post ab. Nicht nur, dass die Schauer-/Gewitterrate am höchsten ist. Nein, auch beim Wind ist Bambule pur angesagt. Nach der kleinen postfrontalen Kunstpause am Morgen legt der zunehmend über Südwest auf West drehende Sturm wieder ordentlich zu mit Spitzen 10 Bft, auf den Inseln/Halligen sogar bis 11 Bft. Schwächer, wenn auch nicht schwach die Böen im Landesinnern, wo abseits der Küsten maximal 7-8 Bft, bei kräftigen Schauern einzelne 9 Bft auf dem Zettel stehen (höheres Bergland allerdings mehr). Ohnehin muss man konstatieren, dass der morgige Wind ein Produkt aus horizontalem Druckgradienten und vertikalem Impulsaustausch (Stichwort Labilität) ist, der entsprechend durch starke Böigkeit auffällt. So gesehen ist verständlich, warum die Wahrscheinlichkeit für konvektive Böen 9 Bft im Nordwesten angesichts von 950-hPa-Winden bis an 50 Kt heran am größten ist. Kurz noch eine Bemerkung zum Wind im Süden, der präfrontal aus Südwesten kommend lange lebhaft unterwegs bleibt (im Alpenvorland Leitplankeneffekt) mit Böen 7-8 Bft, höhere Lagen darüber. Zum Abend hin nimmt der Wind dann aber ab, was übrigens auch für den großen Rest des Landes außer direkt an den Küsten gilt.
Bei guter bis sehr guter Durchmischung steigt die Temperatur verbreitet auf 10 bis 15, am Oberrhein bis zu 17°C.
In der Nacht zum Montag macht MANJA Landgang in Südnorwegen. Da sich über See nördlich von Svinöy aber ein zweiter Kern bildet, sieht es so aus, als würde das Tief nach Norden abdriften. Das aber nur als rein akademische Notiz. Relevanter für das Geschehen vor Ort ist die Tatsache, dass Luftdruck und Potenzial von Südwesten her anfangen zu steigen. Über den Süden legt sich sogar ein schwacher Hochkeil, der mitverantwortlich dafür zeichnet, dass auch der Druckgradient anfängt aufzufächern. Das im Süden mehr als im Norden, wo der Südwest- bis Westwind insbesondere an der Küste stürmisch unterwegs bleibt. Die hohen Spitzen vom Tage werden mit zunehmender Nachtdauer allerdings nicht mehr erreicht. Am Morgen dürften dann maximal noch 9er-Böen auf den Windgebern angezeigt werden. Ansonsten braucht´s außer im höheren Bergland sowie im küstennahen Binnenland keine Warnungen mehr.
Das gilt auch für den Parameter Regen, der sich rasch in die Alpen und nach Österreich zurückzieht. Was folgt sind noch ein paar Schauer, die es aber zunehmend schwer haben, sich gegen den Tagesgang sowie eine neuerliche, WLA-bedingte Stabilisierung von Westen her durchzusetzen (die nächste Warmfront steht ante portas). Am besten klappt das noch über der Nord- und bedingt auch über der Ostsee, wo diabatischer Wärmetransport von unten mithilft, konvektive Umlagerungen zu initiieren.
Je nach Wind und Bewölkung kühlt die Luft auf 9 bis 2°C (direkt an der See etwas darüber) ab.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... folgt die nächste Warmfront, die uns in der Nacht zum Dienstag ostwärts überquert. Dabei wird erneut ein Schwall maritimer Subtropikluft advehiert, der sogar noch milder ist als die Luftmasse der kommenden Nacht. So werden im Westen und Südwesten am Dienstagmorgen auf 850 hPa zweistellige Werte bis zu 12°C erwartet. Allerdings ist die Luft bei Weitem nicht so wasserdampfgeschwängert (PPW unter 30 mm) und auch die Hebungsbedingungen sind deutlich schlechter, so dass wir hier nur über leichten Regen/Nieselregen sprechen. Mehr als 5 l/m² innert 12-24 Stunden dürfte die absolute Ausnahme markieren. Weitere Details können wie gewohnt der Frühübersicht entnommen werden.
Modellvergleich und -einschätzung
Den Ausführungen ist an dieser Stelle nichts Substanzielles hinzuzufügen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 24.10.2026 um 10.30 UTC
Am Dienstag sehr mild und an der Küste stürmisch. Ab Mittwoch meist ruhiges Wetter und Abkühlung auf ein für Ende Oktober durchschnittliches Temperaturniveau.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 31.10.2026
Am Dienstag liegen wir im Warmsektor eines vom Nordostatlantik zum südlichen Nordmeer ziehenden Sturmtiefs. Am Abend greift die Kaltfront des Tiefs auf Nordwestdeutschland über. Von Südwesten strömt vor der Kaltfront ungewöhnlich milde Luft nach Deutschland, die ganz im Südwesten und Süden unter Hochdruckeinfluss kommt.
Die Kaltfront des Tiefs über dem Nordmeer schwenkt am Dienstagmorgen rasch über den Osten und Süden Deutschlands hinweg zum östlichen und südöstlichen Mitteleuropa. Postfrontal strömt vom Atlantik Meeresluft subpolaren Ursprungs nach Deutschland mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 0 und 3 Grad und in der Höhe schwenkt der markante Trog des nunmehr hochreichenden Tiefs über uns hinweg nach Polen. Rückseitig schiebt sich der Keil eines kräftigen Hochs über Frankreich nach Süddeutschland vor.
Am Donnerstag kommt der Trog über Polen durch einen russischen Hochdruckblock kaum noch weiter ostwärts voran und an der Westflanke des Troges zieht ein Randtrog von der Nordsee nach Norddeutschland. Der Schwerpunkt des Hochs verlagert sich nach Ostengland. Von Norden erreicht in 850 hPa 0 Grad kalte Luft abends Norddeutschland.
Am Freitag dehnt sich der zum Hoch gehörende Höhenkeil von Großbritannien nach Skandinavien aus, wo sich ein kräftiges Bodenhochdruckgebiet bildet. Damit dreht die Strömung auf Nord bis Nordost und ein weiterer Kurzwellentrog erreicht von Südschweden her kommend Deutschland. Die Temperaturen in 850 hPa sinken in der Mitte und im Süden auf 0 bis -2 Grad.
Am Samstag spaltet sich aus dem Höhenkeil über Skandinavien eine Höhenantizyklone ab, welche dort das blockierende Bodenhochdruckgebiet stützt. Dabei strömt von Nordosten recht kalte Luft nach Deutschland mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 2 Grad an der Ostsee und -2 Grad im Süden. Zeitweise macht sich das hochreichende Tief über Polen im Südosten Deutschlands bemerkbar.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der neue Modelllauf des IFS berechnet die synoptischen Basisfelder bis Donnerstag ähnlich wie die Modellruns von gestern. Am Freitag und Samstag soll im neuen Modellrun und im gestrigen Lauf von 12 UTC im Osten und Südosten Deutschlands leichter Tiefdruckeinfluss im Randbereich eines südosteuropäischen Tiefdrucksystem herrschen mit etwas Regen und die Temperaturen in 850 hPa liegen im Südosten mit 0 bis -2 Grad auch deutlich niedriger als in dem Modellrun von gestern, 00 UTC.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die anderen Modelle einschließlich ICON stützen eher die gestrige milde Version des IFS von 00 UTC. Darin herrscht ab Donnerstag überwiegend Hochdruckeinfluss bei deutlich positiven Temperaturen in 850 hPa. Der Tiefdruckeinfluss findet dabei deutlich weiter im Osten und Südosten Europas statt. Bodennah kühlt sich die Luft aber in der unteren Troposphäre bei der meist östlichen Strömung allmählich ab.
Eine Sonderstellung nehmenn GFS und JMA (Japan) an, die ab Samstag mit einem atlantischen Tiefausläufer weiterhin milde Luft nach Deutschland bringen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse des IFS ordnet die EPS-Ergebnisse in 5 blockierende Cluster ein. Dabei kann man den ab Donnerstag eher kalten und zyklonalen operationellen Lauf und den Kontrolllauf in den 2. oder 3. Cluster einordnen mit insgesamt 24 Modellruns. 27 Modellläufe sind damit ab Donnerstag eher mild und antizyklonal, wie die Mehrzahl der anderen operationellen Globalmodellen.
In der Rauchfahne von Offenbach zeigt zu Beginn des Mittelfristzeitraumes am Dienstag den Warmluftvorstoß mit Temperaturen um 11 Grad in 850 hPa. Mit der oben beschriebenen Kaltfront sinken ab Mittwoch die Temperaturen in diesem Niveau auf 0 bis 5 Grad. Anschließend streuen die Temperaturen in 850 hPa sehr stark und die Temperaturen liegen ab Freitag zwischen -2 und + 10 Grad. Dabei machen sich die verschiedenen Lösungen bemerkbar, die von der kalten operationellen Lösung bis hin zu warmen Hochdrucklagen mit niedriger Inversion reichen.
Die EPS-Meteogramme zeigen zunächst einen sehr milden Dienstag, ehe die Temperaturen auf normale Werte zurückgehen. Ab Samstag sind die Tagestemperaturen vor allem im Südosten leicht unterdurchschnittlich.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Beim Warnmanagement fallen am Dienstag und am Mittwoch nur die stürmischen Böen im Küstenbereich auf und an der Nordsee können auch Sturmböen dabei sein. Anschließend sorgt das Hoch über Skandinavien für ruhiges Wetter meist ohne markante Wettererscheinungen.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden





