Synoptische Übersicht

Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

SXEU31 DWAV 221800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 22.01.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Übergang zu wenig nervenaufreibendem und für Vollwetterfans (am besten, ihr tut euch mit Gladbachfans zusammen, die sind Leiden gewohnt) alles andere als erbaulichem Hochdruckwetter.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell ... sind wir drauf und dran, von einer Hochrandlage der Marke NWz (Nordwest zyklonal) in eine Hochzentrallage HM (Hoch Mitteleuropa) zu schlittern (bitte nicht wörtlich nehmen, Glätteprobleme sollten sich in der Nacht in regional überschaubaren Grenzen halten, doch dazu später mehr). Damit nimmt auch das Langeweilepotenzial wieder zu, verlagert sich das meteorologische Hauptgeschehen doch in die Grenzschicht, wo es im Allgemeinen alles andere als spannend zugeht. Bis es landesweit so weit ist, dauert es aber noch ein kleines Weilchen, wie die folgenden Zeilen belegen.

Zunächst zur Ausgangslage, die - zumindest bezogen auf unseren Raum - weiterhin von zwei Protagonisten geprägt wird: Im Westen, genau genommen bei UK/Irland, das hochreichende Hoch ERICH, von dem aus sich ein Bodenkeil bis in den Alpenraum und ein Höhenkeil bis hoch zur Barentssee erstrecken. Im Osten das sich zusehends auffüllende Tief IDA unweit des Dreiländerecks Belarus-Russland-Ukraine, von dem aus ein veritabler Höhentrog bis zum östlichen Mittelmeer reicht. Zwischen den beiden Systemen verläuft eine ziemlich glatte nördliche Höhenströmung, unter der sich auch Deutschland befindet. Der eingelagerte Jetstreak befindet sich bereits östlich von uns, was als deutliches Zeichen für zunehmende Einflussnahme des Hochs zu werten ist. Allerdings gilt es erst noch eine Warmfront zu tilgen, die sich bis in die östlichen Landesteile vorgearbeitet hat und zu einem Tief (JENNI) hoch im Norden über der Framstraße westlich von Spitzbergen gehört. Die Front trennt feuchte und relativ milde Nordseeluft im Norden und Nordwesten (heute Mittag Td um 6°C, T etwas höher) von deutlich trockenerer und nicht ganz so milder Luft weiter östlich (Td zwischen Vorpommern und Osterzgebirge/Zittauer Gebirge 0 bis -4°C, T 1 bis 4°C).

Im Laufe der Nacht kommt die Warmfront langsam ostwärts voran, womit die trockene Luft peu a peu abgedrängt wird. Bevor es soweit ist, klart es im äußersten Osten vorübergehend auf und die Temperatur sinkt in den leichten Frostbereich, aus dem sie bis zum Morgen aber wieder zurückgeholt wird. Mit der Front verlagern sich auch die schwachen Niederschläge (meist in Form von Nieselregen) zunehmend in den Osten, wobei aber fraglich ist, ob sie die Oder-Neiße-Linie erreichen. Es kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass es zu einer kurzzeitigen Überschneidung von Nieselregen und negativen (Belags)Temperaturen kommt, was Glätte zur Folge hätte. Wie gesagt, das Ganze noch im Konjunktiv und wenn, dann auch nur von kurzer Dauer sowie lokal begrenzt. Höher ist die Wahrscheinlichkeit für gefrierenden Nieselregen im Erzgebirge oberhalb etwa 600 m, wo es aber auch etwas schneien kann.

Im großen Rest des Landes hält sich verbreitet geschlossene Bewölkung, aus der insbesondere in den mittleren Landesteilen sowie im Südosten noch Niederschlag fällt. Schneien tut es vor allem im Stau der Alpen mit Schwerpunkt östlicher Alpenrand sowie im Bayerischen Wald, wo die feuchtgesättigte Luft noch ausreichend kalt ist (Oberkante unter -10°C). Bis zu 15 cm kommen im Stau der Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen zu den bereits gefallenen üppigen Mengen dazu, so dass am Ende teils über ein halber Meter bilanziert werden kann. Spätestens in der zweiten Nachthälfte lässt die Intensität des Schneefalls aber merklich nach.
In den übrigen genannten Gebieten kommt der Niederschlag überwiegend als Nieselregen runter, was der fortdauernden Stauchung der feuchten Grundschicht und der damit einhergehenden Erwärmung der Oberkante auf über -10°C geschuldet ist. Dort, wo sich leichter Frost hält (höhere Lagen Süddeutschlands sowie der zentralen und östlichen Mittelgebirge), besteht lokal die Gefahr gefrierenden Nieselregens mit Glatteis, was aber nur in situ (ggf. markant) abgewarnt werden kann. Nebel gibt es am ehesten im äußersten Südwesten (strahlungsbedingt, Aufklaren von F und CH), im Mittelgebirgsraum (aufliegende Wolken) sowie an der Grenze zu Polen (Mischungsnebel) geben.

Sonntag ... kippt die Achse des Höhenkeils im Uhrzeigersinn südostwärts, wodurch sich der Keil dem Vorhersageraum nähert. Die Achse verläuft am Abend über die Nord- und Ostsee hinweg bis in den Nordwesten Russlands. Derweil wandert das Zentrum des Bodenhochs (um 1035 hPa) gen Benelux/Westdeutschland, wodurch sich die Divergenzachse nach Norden verlagert (am Abend zwischen Niederrhein und Chiemgau). Südwestlich davon wird die Inversion auf etwa 850 bis 900 hPa gedrückt. Darunter hält sich zunächst noch viel SC-/ST-Bewölkung, bevor es im Tagesverlauf vom Niederrhein über PP und Südhessen bis hinunter nach BW und ins südliche Bayern mehr und mehr auflockert bzw. sich vorhandener Nebel auflöst. Chancen für ein paar Lücken bestehen auch im westlichen Niedersachsen.

Nordöstlich der Divergenzachse sieht die Sache dagegen ziemlich trostlos aus. Advektion feuchter Nordseeluft, dazu leichte WLA und regional orografische Hindernisse sind alles andere als sonnenscheinfreundliche Ingredienzien. Kurzum, die Wolkendecke bleibt in weiten Teilen Norddeutschlands und der Osthälfte geschlossen und nördlich des Erzgebirges sowie am östlichen Alpenrand fallen mitunter etwas Nieselregen (in den Kammlagen des Erzgebirges lokal gefrierend) oder letzte Flocken. Die Temperatur erreicht Maxima von 2 bis 8°C mit den höchsten Werten im Westen und Norden. Die Frostgrenze zieht sich auf über 1000 m zurück.

In der Nacht zum Montag verlagert sich der Hochschwerpunkt noch etwas nach Osten, was quasi ganz Deutschland in den zentralen Bereich mit rund 1035 hPa bringt. Da auch auf dem Ostatlantik das Druckniveau weiterhin hoch ist und über Zentralrussland hoher Luftdruck herrscht, kann man getrost von einer Brückenkonstellation sprechen, die von einem breiten Rücken respektive Höhenkeil gestützt wird. Von unten bis oben herrscht absolute Ruhe im Karton, lediglich das Absinken setzt sich weiter fort. Allerdings wird das kaum reichen, die Wolkendecke im Norden und Osten nennenswert aufzubrechen. Im Gegenteil, gebietsweise fällt in den östlichen Landesteilen sogar noch etwas Nieselregen.

Nach Westen und Süden zu startet die Nacht gebietsweise aufgelockert oder klar, was zunächst mal zurückgehende Temperaturen zur Folge hat. Teilweise reicht es sogar, bis in den Frostbereich zu kommen, bevor sich vermehrt Nebel oder Hochnebel bilden respektive ausbreiten. Bei Nebel und Frost besteht die Gefahr von lokaler gefrierender (Nebel)Nässe, bei klarem Himmel und Frost die Gefahr von lokaler Reifglätte. Richtung Alpen kann es unter klarem Himmel und über Schnee mäßigen, örtlich auch strengen Frost geben.

Montag ... verbringen wir weiterhin unter hohem Geopotenzial. Der Schwerpunkt des Rückens bzw. der abgeschlossenen Höhenantizyklone findet sich im Bereich BeLux/NO-Frankreich. Auch das Druckniveau bleibt mit 1030 bis 1035 hPa hoch, wobei sich die Hochdruckzone vom Ostatlantik über Mitteleuropa bis nach Russland erstreckt. Fortlaufendes Absinken drückt die Inversion im Westen und Süden ganz weit runter auf unter 950 hPa, was in mittleren und höheren Lagen "aufliegend" bedeutet (Anstieg T850 auf bis zu 7°C). Entsprechend nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen sonnigen Wochenbeginn insbesondere in Lagen oberhalb etwa 600 m deutlich zu. Aber auch weiter unten bestehen durchaus Chancen, dass sich Nebel und Hochnebel - wenn z.T. nur schleppend und auch nicht überall - auflösen.

Im Norden und Osten verbleibt die Inversion zwischen 900 und 850 hPa. Sie deckelt eine weiterhin feuchte Grundschicht mit viel tiefer Bewölkung, die wahrscheinlich nur gebietsweise mitunter mal Schwächen zeigt und der Sonne etwas sichtbare Präsenz gewährt. Im Osten fällt vereinzelt sogar noch etwas Nieselregen. Die Temperatur erreicht Höchstwerte von 1 oder 2°C bei zähem Nebel im Süden und bis zu 8°C zwischen Köln und Neukölln.

In der Nacht zum Dienstag passiert bei uns wenig bis nix. Das gesamte Setup bleibt antizyklonal konturiert, meint "teils Nebel/Hochnebel, teils klar". Vor allem die höheren Lagen ragen aus der feuchten Grundschicht heraus. Dem äußersten Norden und Nordosten nähert sich zwar eine schwache Kaltfront (sie gehört zum Tief JENNI, das Spitzbergen mittlerweile überquert hat), die aber so gut wie keine Wirkung zeigt. Im Süden und Westen sowie in Teilen der Mitte bildet sich je nach Bewölkung und Nebeltiming leichter, Richtung Alpen auch mäßiger Frost. Ansonsten bleibt es überwiegend frostfrei.

Dienstag ... verlagert das Höhenhoch seinen Schwerpunkt nach Zentralfrankreich, was bei uns eine antizyklonal konturierte nord-nordwestliche Höhenströmung bewirkt. Auch bodennah bleibt hoher Luftdruck unser Begleiter. Inwieweit die Kaltfront im Nordosten irgendwelche Akzente setzen kann, ist noch offen. Laut ICON sind das abgesehen von starker Bewölkung (die aber sowieso schon vorhanden ist) keine weiteren Komponenten, während externe Modelle zumindest gebietsweise etwas Regen oder Nieselregen simulieren (die IFS-Lösung von 00 UTC mit einem kleinen, von den Niederlanden übergreifenden Kaltlufttropfen stellt allerdings eine krasse Außenseiterlösung dar).

Unter dem Strich wird wohl auch der Dienstag wieder ein stark grenzschichtgeprägter Tag mit viel Sonnenschein in den Hochlagen Süd- und Südwestdeutschlands, zähen Nebel- und Hochnebelfeldern neben einigen Auflockerungen und viel tiefes Gewölk im Norden und Osten. Die Temperatur steigt dabei auf 1 bis 7°C. Mit Verlaub, viel langweiliger geht nicht...

Modellvergleich und -einschätzung

Alles Wesentliche ist gesagt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

Synoptische Übersicht Mittelfrist

Synoptische Übersicht Mittelfrist

ausgegeben am Samstag, den 22.01.2022 um 10.30 UTC

Nordwestlage bleibt Trumpf: anfangs antizyklonal, in der zweiten Wochenhälfte zyklonaler. Vor allem an der See und im Bergland zeitweise stürmisch, in höheren Lagen winterlich, an den Alpen viel Schnee.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 29.01.2022

Die Mittelfrist startet am Dienstag und Mittwoch wieder mal mit äußerst ruhigem Wettergeschehen. Zwar schwächt sich das wetterbestimmende Höhenhoch über Frankreich ab, ein neues, kräftiges Höhenhoch westnordwestlich der Azoren springt aber sofort in die Bresche. Zwischen diesen beiden antizyklonalen Protagonisten und einer recht weit nördlich über dem Nordostatlantik und Nordeuropa verlaufenden Frontalzone liegen weite Teile West- und Mitteleuropas somit großräumig betrachtet unter einer antizyklonal konturierten nordwestlichen Höhenströmung. Es verwundert daher nicht, dass auch im Bodenfeld eine langestreckte, von den Azoren bis zum Balkan reichende Hochdruckzone das Sagen hat. Geht man ins Detail geht, könnte der Hochdruckeinfluss aber vorübergehend von einem kleinen Höhentief gestört werden, das nach IFS von 00Z von der Nordsee her kommen über Deutschland südostwärts gesteuert wird. Zudem schwenkt eine schlappe Kaltfront eines Tiefs über dem Nordpolarmeer in den Nordosten des Landes. Beide Störungen sorgen wie schwache Hebung der feucht kalten Grenzschicht über das 850-hPa-Niveau hinaus, was man schön am plötzlichen Absinken der 850-hPa-Temperatur auf 0 bis -6 Grad erkennt. Es ist allerdings fraglich, ob die Sättigung über -10 Grad hinausgeht, sodass eher keine nennenswerten niederschlagsbildenden Prozesse einsetzen. Sprühregen und/oder Schneegriesel können in der Südhälfte bei leichtem bis mäßigem Nachtfrost allerdings zu Glätte führen.

Am Donnerstag kommt etwas mehr Bewegung in das Wettergeschehen. Ein Kurzwellentrog schwenkt unter sukzessiver Vergrößerung seiner Wellenlänge von den Britischen Inseln und der Nordsee nach Deutschland. Der Trog ist recht scharf gekrümmt, sodass vorderseitig kräftige PVA wirksam wird, was zu einer signifikanten Zyklogenese führt. Das resultierende Tief soll nach IFS-Lesart recht weit südlich über den Skagerrak nach Südschweden ziehen und sich auf unter 995 hPa vertiefen. Das okkludierte Frontensystem des Tiefs bringt von Nordwest nach Südost zeitweise Regen, ab mittleren Lagen der Mittelgebirge (400 m +/- 100 m) sowie im Süden und Südosten Schnee. Markante Neuschneemengen über 10 cm in 12 h sind aber unwahrscheinlich. In nachfolgender, durch Höhenkaltluft labilisierter polaren Meeresluft (T850 um -5 Grad, T500 -30 bis -35 Grad) entwickeln sich Schneeregen-, Schnee- und Graupelschauer, auch einzelne Gewitter mit Sturmböen sind denkbar. Auch die "skaligen" Böen werden recht verbreitet warnwürdig, vor allem an der See und im Bergland sind Sturmböen, an der Nordsee schwere Sturmböen möglich. Je nach Tiefentwicklung können Sturmböen auch im Binnenland in der Nordosthälfte nicht ausgeschlossen werden.

Am Freitag schwenkt der Trog allmählich südostwärts durch. Dahinter stellt sich am Rande des Höhenhochs nördlich der Azoren eine antizyklonal konturierter nördliche Höhenströmung über Deutschland ein. Durch kräftige NVA kann sich ein Keil des sich verstärkenden Hochs über dem Ostatlantik nach Mitteleuropa ausweiten. Die Schauertätigkeit zieht sich im Tagesverlauf in den Südosten Deutschlands zurück. Wobei teils bis in tiefere Lagen Schneeregen oder Schnee fällt. Insbesondere an den Alpen kommt es staubedingt noch zu länger anhaltenden Schneefällen. In Staulagen sind markante Neuschneemengen zwischen 10 und 20 cm in 12 bis 24 Stunden möglich. Auch in den höheren Lagen der südöstlichen und östlichen Mittelgebirge ist nochmal mit nennenswertem Neuschneezuwachs zu rechnen. Der Wind lässt von Westen im Tagesverlauf wieder nach.

Am Samstag schwenkt ein Kurzwellentrog vom Nordmeer nach Skandinavien. Die sich im Tagesverlauf zyklonal konturierende Höhenströmung über Deutschland dreht dabei auf Nordwest rück und nimmt deutlich an Fahrt auf (Jetstreak mit 130 kt in 300 hPa erfasst von Nordwesten her Mitteleuropa). Das auf Deutschland übergreifende Frontensystem des mit dem Trog korrespondierenden Tiefs über Nordeuropa ist im Okklusionsprozess begriffen. Dennoch wird vor allem in den Norden und Westen vorübergehend mildere Luft herangeführt (T850 zwischen 1 und 3 Grad), sodass die von Nordwest nach Südost voranschreitenden, etwas kräftigeren Niederschläge dort als Regen fallen. Nach Süden und Osten zu kann sich die mildere Luft immer schlechter bodennah durchsetzen, sodass die Schneephase an Bedeutung gewinnt. Während es in tiefen Lagen allenfalls vorübergehend schneit, könnte es in den höheren Lagen der östlichen und südlichen Mittelgebirge sogar markante Neuschneemengen um 10 cm in 12 h geben. An den Alpen setzt eine neuerliche Stausituation ein, sodass in Hochlagen bis in den Sonntag hinein mit Neuschneemengen zwischen 10 bis 20 cm zu rechnen ist, lokal auch mehr. Auch der Wind ist wieder ein Thema, an der See und im Bergland sind (schwere) Sturmböen wahrscheinlich (auf Schneeverwehungen achten!), sonst sind zumindest über der Nordhälfte Sturmböen durchaus möglich.

In der erweiterten Mittelfrist soll Deutschland zwischen dem ostatlantischen Hoch und dem Trog über Nord- und Osteuropa weiter unter einer Nordwestströmung verbleiben. Der neuste IFS-Lauf favorisiert dabei die zyklonale Variante, wobei Deutschland zumeist auf der "kalten" Seite der Frontalzone liegen soll.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großräumigen wetterwirksamen Strukturen werden von den IFS-Modellläufen vor allem bis Wochenmitte sehr konsistent berechnet.
Der Trogvorstoß am Donnerstag und Freitag wird im jüngsten IFS-00Z-Lauf etwas früher und massiver gerechnet, inklusive eines recht markanten Sturmtiefs über dem Süden Skandinaviens. In den beiden Vorläufen wurde dieses Sturmtief über dem Nordmeer und dem Norden Skandinaviens simuliert. Die im 00Z-Lauf von heute Morgen anvisierte flächigere Sturmlage sollte daher noch mit Vorsicht genossen werden.
Ab Samstag divergieren die Modellberechnungen auch im Hinblick auf die großräumige Struktur der Wetterlage stärker. Der vom neusten IFS-00Z-Lauf gerechnete neuerliche Trogvorstoß mit nachfolgendem nass kalten Rückseitenwetter fand in den vergangenen Läufen noch nicht statt. Vielmehr sollte Deutschland unter einer antizyklonalen Nordwestströmung liegen, wobei die Frontalzone vornehmlich den Nordosten traktiert und sich weite Teile des Landes auf der warmen Seite eben jener befunden hätten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Das kleine Höhentief am Dienstag/Mittwoch hat nur IFS auf der Agenda, GFS und ICON betonen dafür die Hebung an der schwachen Kaltfront in der Osthälfte Deutschland etwas stärker.
Der Trog am Donnerstag/Freitag wird von GFS und ICON weniger massiv und etwas verzögert simuliert. Das korrespondierende Tief befindet sich über dem Nordmeer bzw. Skandinavien, sodass der Gradient über Deutschland in beiden Modellen schwächer ausfällt. Auch UKOMO und GEM sehen eher einen zyklonalen Streifschuss.

Danach favorisiert GFS - im völligen Gegensatz zur IFS - nach Warmfrontpassage am Samstag das antizyklonale Wettergeschehen am Rand eines kräftigen Höhenhochs über Westeuropa. Mit Abstrichen trifft das auch auf GEM zu.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis einschließlich Mittwoch sind die Rauchfahnen des 500-hPa-Geopotenzials sehr eng gebündelt. Bei der 850-hPa-Temperatur öffnet sich zwar ein nicht unerheblicher Spread, dies hat aber lediglich etwas mit den Prognoseunschärfen im Hinblick auf das kleine Höhentief zu tun bzw. auf die damit in Verbindung stehenden (schwachen) Hebungsantriebe. Das hat aber kaum Relevanz für das Wetter- und Warngeschehen.
Am Donnerstag weitet sich die Rauchfahne auch beim Geopotenzial leicht auf, was die Unsicherheiten in Bezug auf den Kurzwellentrog unterstreicht. Haupt- und Kontrolllauf finden sich eher am unteren Rand der Memberschar, simulieren also eine vergleichsweise "scharfe Trogpassage". Besonders markant ist die Schwankungsbreite des IFS-EPS beim Luftdruck. Für Flensburg beispielsweise liegt der minimale Luftdruck am Donnerstag/in der Nacht zum Freitag zwischen 990 und 1025 hPa, wobei der Hauptlauf wieder eher im unteren Drittel anzutreffen ist. Von einem rudimentären Bodentrog bis hin zu einem Sturmtief ist also alles dabei.
Ab Freitag blähen sich die Rauchfahnen deutlich auf. Einem kurzen Anstieg von Geopotenzial und Temperatur folgt am Wochenende und zu Beginn der nächsten Woche bei der Mehrheit der Ensemble-Mitglieder eine Talfahrt, wobei der Hauptlauf insgesamt recht gut eingebettet erscheint (T850 Median in der Mitte Deutschlands bei um -5 Grad). Die nass kalte, zyklonale Nordwestlage ist also mitnichten nur eine "Spinnerei" des Hauptlaufes. Eine Minderheit bleibt auf höherem Geopotenzial- und Temperaturniveau bzw. führen eine stärkere Schwingbewegung aus (zyklonale Nordwest- bis Westlage mit Einbinden wärmerer Luftmassen).

Im Zeitraum +120-168 h werden 3 Cluster gebildet. Sie vollziehen einen Übergang von "Blocking" zu "Atlantic Ridge", 2/3 am Ende sogar zu "positive NAO". Sie unterscheiden sind im Hinblick auf den Trog (C1 und C2 (37/51) mit schärferer Trogpassage, C3 (14/51) mit etwas schwächerer).
Im Zeitraum +192-240 h wird das EPS in 2 Cluster unterteilt. C1 (29/51; Atlantic Ridge) ist gekennzeichnet durch eine zyklonale Nordwestlage, C2 (22/51, positive NAO) von einer zyklonalen Westlage.

FAZIT: Am Dienstag und Mittwoch geht es noch ruhig zu, den Prognoseunschärfen in Bezug auf das kleine Höhentief kann man aufgrund der geringen Wetterwirksamkeit gelassen gegenüberstehen.
Am Donnerstag erfolgt mit einer ersten Trogpassage wahrscheinlich der Übergang zu einer zyklonaleren Phase mit windigem und nass kaltem Wetter im Tiefland, Schnee im Bergland und insbesondere an den Alpen. Unklar ist dabei, ob es zu einer flächigeren, aber sicherlich nicht dramatischen Sturmlage kommen könnte. Fraglich ist die weitere Entwicklung zum und über das Wochenende hinweg. Das Szenario der zyklonalen Nordwest- bis Westlage, wie sie von den "Europäern" favorisiert wird, findet noch nicht bei jedem Modell Anklang.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Dienstag und Mittwoch passiert dahingehend nichts. Lokales GLATTEIS durch gefrierenden Sprühregen kann aber natürlich nie gänzlich ausgeschlossen werden.

Am Donnerstag und Freitag sind an der See und in Hochlagen STURMBÖEN wahrscheinlich, im Binnenland zumindest im Norden und Osten gering wahrscheinlich. An der Nordsee können SCHWERE STURMBÖEN (noch) nicht ausgeschlossen werden.
An den Alpen sind staubedingt markante NEUSCHNEEmengen zwischen 10 und 20 cm in 12 bis 24 Stunden möglich.

Nach vorübergehender Windabschwächung sind im Laufe des Samstags und am Sonntag an der Küste und in Hochlagen STURMBÖEN erneut wahrscheinlich. Eine großflächigere Sturmlage mit verbreiten Sturmböen und SCHWEREN STURMBÖEN an der See ist nicht ausgeschlossen.
An den Alpen muss erneut mit länger anhaltenden Schneefällen und NEUSCHNEEmengen zwischen 10 und 30 cm gerechnet werden. Die Gesamtneuschneemengen von Donnerstag bis Sonntag könnten sich dort somit teilweise auf über 50 cm belaufen.

Der EFI hat darüber hinaus keine Signale für ungewöhnliches oder extremes Wetter.

Basis für Mittelfristvorhersage

IFS det.+EPS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

Boden Analyse DWD

Quelle: © Deutscher Wetterdienst, Offenbach

Höhenkarten 200-850 hPa

Höhenkarte 850 hPa

Höhenkarte 700 hPa

Höhenkarte 500 hPa

Höhenkarte 400 hPa

Höhenkarte 300 hPa

Höhenkarte 200 hPa