Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 05.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Hitzeblock über Südwesteuropa, steht tiefen geopotenzial über Nordeuropa gegenüber Temperaturzweiteilung; Ostseesturmtiefentwicklung am Dienstag
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... ist die Wetterlage von einem ausgeprägten Höhenrücken über Westeuropa und dem nahen Atlantik mit korrespondierenden Bodenhoch und tiefem Geopotenzial über Skandinavien und Nordosteuropa geprägt. Ausgehend von der Iberischen Halbinsel entwickelt sich unter dem Höhenkeil ein erneuter "Heat Dome", der im weiteren Verlauf bis in die Mitte Frankreichs vordringt und subtropische Luft in den Südwesten Deutschlands lenkt. Dort wurden heute wieder bis zu 30 °C gemessen. In den Nordosten fließt währenddessen mit straffer nordwestlicher Strömung erwärmte subpolare Luft mit 850-hPa-Temperaturen um 7 °C. Im dort vorherrschenden straffen Gradienten zu einem skandinavischen Tiefdruckkomplex haben sich auf 850-hPa Windgeschwindigkeit bis 30 kt entwickelt, die in einer labilen Grenzschicht herunter gemischt werden und für starke bis stürmische Böen sorgen. Die Luftmassengrenze liegt derzeit über der Mitte Deutschlands. In ihrem Umfeld haben sich Schauer und kurze Gewitter gebildet, die im Süden bei MU-CAPE-Werten um 500 J/kg etwas intensiver sind. Dabei können Sturmböen und Starkregen durch Schauerstraßen bzw. Training entstehen.
Aktuell beginnen die Gewitter, vorderseitig eines IPV-Maximums über dem Südwesten bei schwacher Scherung etwas zu clustern, und erreichen Niederbayern und die Alpen. Dort ist dann vor allem mit Starkregen zu rechnen, der sich über mehrere Stunden hinziehen kann. In Kaltfrontnähe lassen die Schauer in der Nacht nach. Richtig klar verläuft die Nacht nur im Nordosten, wo sich die trockene Luft auswirkt.
Montag ... zieht ein Welle von der Nordsee kommend über den äußersten Nordosten und sorgt im Nordosten für skaligen Regen mit bis zu 10 l/qm. Dadurch verschärft sich der Gradient abermals, sodass der Wind in 850 hPa in der Nordosthälfte und über der Mitte in 850 hPa auf 30 bis 40 kt steigt. Die stabile Schichtung verhindert jedoch einen stärkeren vertikalen Impulstransport, sodass ICON-D2 und die zugehörigen Ensembles nur verhalten auf Windböen reagieren. Allenfalls Richtung Mitte, wo im Tagesverlauf leichte Konvektion einsetzt, bringen die Ensembles schwache bis moderate Signale. Diese sind allerdings in der Fläche recht diffus und grenzwertig für eine Windwarnung, die im Folgenden noch diskutiert werden muss. Im Südwesten bleibt es unter antizyklonalen Verhältnissen überwiegend locker bewölkt. Die Zweiteilung der Temperaturen bleibt erhalten, wobei die Warmluft durch die Welle nach Nordosten hin an Raum gewinnt, sodass im Südwesten verbreitet 30 °C und am Oberrhein sogar bis zu 35 °C erreicht werden.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... haben sich die Simulationen bezüglich der Leezyklogenese am skandinavischen Gebirge, das sich zu einem Sturmtief über der Ostsee entwickeln soll, etwas stabilisiert, wobei der ICON-6z und ICON-12z-Lauf das Tief nochmals verstärkt haben. Die Tendenz geht hin zu einem Cold Jet, der allerdings die Küste Polens trifft. Wir liegen eher am Rand. Dennoch simulieren die Modelle bis zu 50 kt auf 850 hPa, sind aber bei den Böenprognosen recht verhalten (nur Böen um 55 km/h im Nordosten im Binnenland). Auch, wenn die Schichtung stabil ist, mit Durchgang der Dry-Intrusion sollte es dennoch am Abend zu Auflockerungen kommen. Erfahrungsgemäß geht es bei solchen Windgeschwindigkeiten auf 850 hPa selten ohne stürmische Böen ab. Es würde nicht wundern, wenn die Lokalmodelle morgen noch 1 Bft auf die Prognose aufsatteln.
Modellvergleich und -einschätzung
Siehe Text.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 05.07.2026 um 10.30 UTC
Anfangs im Nordosten stürmische Böen, rasch nachlassend, dann überwiegend Hochdruckeinfluss mit Temperaturzweiteilung: Heißer bis sehr heißer Südwesten und kühlerer Nordosten
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 12.07.2026
Am Mittwoch liegt ein kräftiger Tiefdruckkomplex über dem Ostseeraum, der sich im Tagesverlauf ins Baltikum verlagert. Ein Langwellentrog reicht nach Südosteuropa. Über Westeuropa hat sich ein kräftiger Höhenkeil aufgewölbt, der von einem atlantischen Langwellentrog stabilisiert wird. Von diesem Langwellentrog ist ein Höhentief zu den Azoren abgetropft, welches vorderseitig eine Warmluftblase mit 850-hPa-Temperaturen über 20 °C nordwärts bis in die Mitte Frankreichs und zu den Alpen schiebt. Der Südwesten Deutschlands befindet sich unter dem Einfluss des korrespondierenden Hochdruckgebietes am Rande des "Heat Domes" mit 850-hPa-Temperaturen um 17 °C. Der Nordosten wird derweil von einem für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftigen Sturmtief über dem südöstlichen Ostseeraum beeinflusst. Unter Trogeinfluss liegen die 850-hPa-Temperaturen dort nur bei etwa 7 °C. Dabei hat sich eine straffe nordwestliche Strömung eingestellt, in der es in Küstennähe anfangs zu stürmischen Böen und im Binnenland zu steifen Böen kommt. Die zugehörige Kaltfront des Tiefs kommt bis in die Mitte Deutschlands voran und gelangt dort ins Schleifen. Die heiße Luft im Südwesten wird im Tagesverlauf etwas zurückgedrängt.
Bis Donnerstag zieht das abschwächende Sturmtief über das südliche Baltikum ins nahe Osteuropa, wodurch der Keil von Westen her immer mehr an Einfluss gewinnt. Zum Ende der Woche verfestigt sich das Tief als Cut-Off über Osteuropa. Vorderseitig eines Cut-Off-Tiefs westlich der Iberischen Halbinsel verlagert sich ein Höhenrücken über Frankreich und Westdeutschland nordwärts und führt zu einem korrespondierenden Bodenhoch über der Nordsee bis nach Skandinavien. Somit ergibt sich in der Höhe eine stabile Omega-Konfiguration der Strömung. Die Rückenachse liegt am Donnerstag und Freitag knapp westlich von Deutschland. Dabei bleibt die Südwest-Nordost-Teilung bei den Temperaturen erhalten, wobei die Warmluft etwas weiter nach Nordosten vordringt. Laut IFS soll diese Konfiguration im Wesentlichen stabil bleiben.
Auch in der erweiterten Mittelfrist ab dem Wochenende befinden wir uns an der Ostflanke des Rückens bzw. eines sich neu bildenden Höhenhochs über den Britischen Inseln. Über dem Nordosten können immer wieder meist aber wenig wetterwirksame Tröge ziehen, während es im Südwesten sonnig, trocken und heiß bleibt. Zu Wochenbeginn verlagert sich das Höhenhoch nach Südskandinavien und die Rückenachse verschiebt sich in den Westteil Deutschlands. Das Cut-Off-Tief verlagert sich vom Bereich westlich der Iberischen Halbinsel zur Biskaya. Damit dringt etwas mehr Feuchte ein und die 850-hPa-Temperatur geht leicht zurück. Hierbei bestehen jedoch noch Modellunsicherheiten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Das wesentliche Muster, mit dem Hitzeblock über Westeuropa wurde schon länger im Wesentlichen gezeigt. Es gibt jedoch größere Unterschiede bezüglich der genauen Positionierung des Hochs, die im Wesentlichen vom Höhentief über der Iberischen Halbinsel und dem Verhalten des Cut-Offs über Osteuropa abhängen. Deren Position ist noch unsicher und springt von Modell-Lauf zu Modell-Lauf. So dringt die heiße Luft mal mehr, mal weniger weit nach Mitteleuropa vor. Das macht die Lage trotz Omegablock auch in der erweiterten Mittelfrist fragil. Insgesamt simuliert der heutige 0-Uhr-Lauf von EZMWF das Muster mit den Höhenhochs und -tiefs ähnlich dem gestrigen 0-Uhr-Lauf desselben Modells. Größere Abweichungen hatte der gestrige 12-Uhr-Lauf von EZMW, der am Wochenende einen atlantischen Langwellentrog von Grönland über Island in die Nordsee simuliert hatte und stattdessen das Höhenhoch über den Britischen Inseln verschwinden ließ.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch GFS und ICON bestätigen die Lage. GFS lässt dabei den Höhenrücken am Wochenende über die Mitte ziehen, sodass es im Süden teilweise über 20 °C und im Nordosten etwa 13 °C auf 850 hPa gibt. Zu Beginn der neuen Woche nimmt der zyklonale Einfluss ausgehend von einem Cut-Off über Westeuropa zu. Die ICON-Simulation zeigt bis zum Wochenende ein ähnliches Bild.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Ensembles bestätigen im Wesentlichen die Modelle und deren Unsicherheiten. Ein allgemeiner Aufwärtstrend bei Temperatur und Geopotential lässt sich erkennen, jedoch mit erheblichen Spread, der am Wochenende im Süden zwischen 10 und 24 °C auf 850 hPa zeigt. Der Hauptlauf befindet sich knapp oberhalb des Medians und zeigt nur eine moderate Hitzewelle im Südwesten. Die Niederschlagssignale nehmen ab Mittwoch allgemein deutlich ab. Zum Wochenende verstärken sich die Niederschlagssignale erneut, wobei der Hauptlauf mit Ausnahme des Südostens keine signifikanten Niederschlagssignale simuliert.
In der Mittelfrist (t+120h bis t+168h) werden vier Cluster gerechnet, wobei der Hauptlauf Cluster 2 zugeordnet wird, welches 12 Member hat. Alle Cluster zeigen ein Blocking-Regime mit einer starken positiven Geopotentialanomalie über der Nordsee und Westeuropa. In der erweiterten Mittelfrist (t+192h bis t+240h) werden drei Cluster geboten, der Hauptlauf befindet sich in Cluster 1 mit 47 Membern. Erneut zeigen alle Cluster ein Blocking-Regime mit einer starken positiven Geopotentialanomalie über Westeuropa, der Nordsee und Skandinavien.
Fazit: Deutschland befindet sich an der Nordostflanke eines sich aufbauenden "Heat-Domes" über Südwest- und Westeuropa. Im Nordosten gibt es anfangs noch einen deutlich kühleren Trogeinfluss durch ein für die Jahreszeit nicht übliches Sturmtief, das unter rascher Abschwächung aus dem südöstlichen Ostseeraum ostwärts abzieht. Allmählich wird dieser Trogeinfluss zurückgedrängt, sodass die Warmluft nach Nordosten an Raum gewinnt. Wie weit diese Warmluft vorankommt, ist noch nicht ganz sicher und hängt von der Position eines Höhentiefs über der Iberischen Halbinsel und eines Cut-Off-Tiefs über Osteuropa ab. Für den Südwesten ist eine neue Hitzewelle ab Ende der Woche relativ sicher. Diese wird allerdings moderater als die letzte ausfallen, so dass mit sehr heißen, jedoch nicht extrem heißen Tagen zu rechnen ist. Im Nordosten und Norden werden derzeit am Wochenende abseits der Küste heiße Tage erwartet. Tropennächte sind nach derzeitigen Simulationen gering wahrscheinlich und am ehesten im Rhein-Main-Gebiet möglich.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Ein Sturmtief, das vom Südostteil der Ostsee unter Abschwächung Richtung nahes Osteuropa zieht, bringt am Mittwoch im Nordosten zunächst für die Jahreszeit ungewöhnlich starken Wind. Dort sind an der Küste stürmische Böen möglich, die jedoch rasch nachlassen werden.
Im Südwesten kommt es zum Ende der Woche zu einer stärkeren Wärmebelastung, deren Intensität noch unsicher ist. Am Wochenende kann sich diese Wärmebelastung in den Westen sowie in die Mitte und den Südosten ausweiten.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, ICON, GFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Markus Eifried





