Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 24.03.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Stürmischer Mittwoch, Bergland Sturm. Mittwoch und Donnerstag reges Aprilwetter, inklusive Graupelgewitter. Besonders am Alpenrand kräftige Staulage mit erheblichen Neuschneemengen. Nacht zum Freitag verbreitet frostig.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Aktuell ... geht NORBERT erneut mit frühlingshaftem Wetter einher, nur geringfügig durch hohes WLA Gewölk gestört und mit 14 bis 19 Grad sehr mild temperiert. Im äußersten Norden regnet es nahe der zonal ausgerichteten Frontalzone etwas mit wenigen Litern Nass auf den Quadratmeter und so gehen wir auch in den Abend: Im Norden etwas Regen (besonders nahe Dänemark), sonst trocken und besonders südlich der Donau meist wolkenlos bei abendlichen Werten von 16 bis 10 Grad, küstennah und im Bergland auch etwas kälter.
Der Südwestwind frischt im westlichen Bergland zeitweise böig auf mit markanten Böen auf dem Brocken (Bft 8 bis 9). Sonst weht er schwach bis mäßig aus West bis Südwest.
In der Nacht zum Mittwoch kommt dann die seit Tagen angesprochene Umstellung der Großwetterlage in Gang.
Eine Welle, die südlich des steuernden Sturmtiefs LIVIA nach Osten geführt wird ist aktuell im Wasserdampfbild sehr gut in Form einer markanten Tropopausenfaltung über Irland (16Z) auszumachen, die z.B. in H5 von einem 110-120 kt Jet flankiert wird. Diese Welle passiert die Nacht über die Nordsee ostwärts in Richtung Skagerrak und entwickelt sich derweilen zu einem eigenständigen Randtief weiter, das auf den Namen MARLIS hören wird und am Mittwoch den Bottnischen Meerbusen erreicht. Im IFS-ENS hebt sich MARLIS durch eine enge Memberclusterung hervor (bzgl. horizontaler Ausdehnung der Memberwolke aber auch mit Blick auf die Intensivierungsrate, die bei rund 975 hPa zu enden scheint). Dessen Kaltfront erfasst ausgangs der Nacht zum Mittwoch den Westen von Deutschland und wird in der Folge zügig ostwärts geführt.
Somit verläuft die Nacht zum Mittwoch im Süden und Osten insgesamt unauffällig. Durchziehende hohe Wolkenfelder bringen keinen Regen und einzig der Südwestwind frischt im Bergland von Stunde zu Stunde mehr auf (markante Böen Bft 8/9 im oberen Bergland und Bft 7/8 in bei Südwest anfälligen Lagen (teils auch im Lee)). Die Minima liegen im zumeist entkoppelten Süden zwischen 4 und -1 Grad (Luftfrost nur noch vom östlichen Alpenrand bis nach Niederbayern), während die Nacht über der östlichen Mitte mit rund 8 Grad milder verläuft.
Anders sieht der Nachtverlauf im Westen aus. Nach ruhigem Beginn gewinnt der Südwestwind präfrontal der von Nordwesten nahenden Kaltfront im Bereich des 60-65 kt kräftigen warmen Jets stetig an Kraft mit Bft 8/9 Böen im Bergland und Bft 7/8 Böen in tiefen Lagen (die dank der noch stabilen Schichtung vom kräftigsten Wind entkoppelt bleiben). Gipfellagen, die in den warmen Jet ragen, dürften aber auch entsprechende Bft 11/12 Böen melden (Brocken oder Feldberg). Entsprechende Warnungen haben bereits Gültigkeit. Die Kata(kalt)front bringt dem Nordwesten nach Mitternacht Regen, der mengenmäßig bei rund 2 bis 5 l/qm in 6h überschaubar bleibt dank nur mäßiger Frontogenese und rascher Verlagerung. Die Bodenkaltfront erreicht ausgangs der Nacht den Nordwesten, worauf wir aber erst im kommenden Abschnitt eingehen werden.
Die Minima liegen im durchmischten Norden/Westen bei 9 bis 4 Grad.
Mittwoch ... steht uns dann ein abwechslungsreicher Tag mit vielen "Baustellen" bevor, die wir in der Folge kurz hervorheben.
Grundsätzlich erfasst die Bodenkaltfront zur Mittagszeit eine Linie von Berlin bis Straßburg und zum Abend passiert sie bereits Niederbayern südostwärts - im Mittel eine Verlagerung von 55 bis 65 km/h. Gleichzeitig erfasst der nachfolgende Höhentrog Deutschland von Nordwesten und lässt dort zum Abend die H5 Temperaturwerte auf rund -36 Grad zurückgehen. Erwähnenswert ist auch, dass die Welle aktuell über dem Nordostatlantik zwar mit einer Feuchteschliere aus den subtropischen Bereichen interagiert, die jedoch nur fokussiert entlang des sich strukturierenden warmen Jets mit Feuchteanomalien von bis zu 200% über der Hintergrundklimatologie aufwartet. In der Folge schwächt sich dieses Band rasch ab, was man an Hand der Perzentilvorhersagen vom niederschlagbaren Wasser gut erkennen kann. Diese feuchte Luftmasse wird postfrontal von einer vergleichsweise sehr trockenen und allmählich modifizierten polaren Luftmasse (mP) ersetzt (teils nahe der Rekordwerte für März über Nordwesteuropa). Schauen wir uns aber nun die wichtigsten Bausteine des Tages an.
Die Windentwicklung kann grundsätzlich den bereits gültigen Warnungen entnommen werden.
Nach Passage des warmen Jets nach Osten weicht der Druckgradient postfrontal über der Mitte rasch auf mit H85 Windgeschwindigkeiten von 30 bis 40 kt, während der Wind im Süden (dank Einfluss der Alpen) und im Norden (nahe der Wellen-/Randtiefpassage) mit 40 bis 50 kt höhere Werte aufweist. Dieses Hintergrundwindfeld interagiert nun mit mehreren synoptischen Systemen.
Kaltfront:
Die Kaltfront erfasst ausgangs der Nacht zum Mittwoch den Nordwesten und wird in der Folge rasch ostwärts geführt, hängt aber im Süden etwas zurück. Dies hängt u.a. daran, dass im Norden im Vergleich zu gestern der postfrontale Druckanstieg etwas fokussierter berechnet wird, sodass der 0-3 km Scherungsvektor präfrontal (50 kt Südwest) nach Passage auf 30 kt WSW bis W rechtsdreht. Neben verstärkter Hebung/Konvergenz hat dies auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für gut organisierte konvektive Liniensegmente bei Kaltfrontpassage zur Folge (durchbrochene LEWP Struktur). Hierbei besteht das höchste Böenpotenzial entlang der Kaltfront (einige Böen Bft 9 in NRW/NI/SH) vor allem bei mesoskalig Nord-Süd ausgerichteten Liniensegmenten (dank eingebetteter seichter Mesos). Anfangs kann im Nordwesten ein kurzes Gewitter nicht ausgeschlossen werden. Die Kaltfront verliert nach Osten und Süden an Struktur (u.a. nachlassende LL mixing ratios im Osten und dominierender Effekt der geführten Winde im Alpenvorland), sodass das konvektive Böenpotenzial allmählich nachlässt (dennoch wiederholt mit markanten Böen Bft 8 vertreten).
Bodentrog:
Direkt an die Kaltfront anschließend erfolgt eine Bodentrogpassage, die an ein nennenswertes Druckanstiegsmaximum im Norden gekoppelt ist (außer UK10 stützen alle Modelle diesen Trog, wobei GFS die aktuell größte Amplitude aufweist). Sie passiert NRW/Niedersachsen am Vormittag und Brandenburg/Vorpommern am Nachmittag.
Besser in höhenkalter Luft platziert und dank eines recht normal zum Bodentrog aufgestellten 20 kt 0-3 km Scherungsvektors sind die Bedingungen für organisierte Liniensegmente erneut gut, wenngleich nun mit einem höheren Anteil an Gewittern. Insgesamt sorgt die postfrontal recht limitierte Feuchte für überschaubare Labilitätswerte (die zudem teils auch durch entrainment verringert werden), dennoch sollten 200-400 J/kg MUCAPE im Bereich des Möglichen sein. Was auffällt sind nicht nur hochreichend überaus beachtliche mid-level lapse rates von rund 8K/km, sondern auch beachtliche 0-3 km lapse rates um 7 K/km, die zwar wenig LLCAPE (dank der geringen Feuchte), dafür aber ordentlich DCAPE generieren (teils um 300 J/kg). Sprich, das Böenpotenzial ist an dieser Linie hoch (Impulstransport und Verdunstungskälte), sodass hier verbreitet Bft 8/9 Böen zu erwarten sind mit geringen Wahrscheinlichkeiten im ID2-EPS für einzelne Bft 10 Böen (Nord-NRW, NI bis ST und im Norden bis nach MV). Zwar ist die thermodynamische Schichtung innerhalb der unteren Troposphäre nicht gut, die cold pools dürften durch die effektive Abkühlung recht agil sind (cold pool dominant) und die 0-3 km Scherung ist mit 20 kt recht schwach. Dennoch sind einzelne seichte Mesos z.B. an den Enden der Liniensegmente oder peripher lokaler rear inflow jets nicht ausgeschlossen.
Westen und Südwesten mit Schneefall:
Der postfrontale Bodentrog interagiert im Nachmittagsverlauf im Südwesten mit einer leicht labilen Luftmasse, wo auch die Windscherung wieder höhere Werte aufweist, sodass auch hier mit Passage mehrere Schauer- und Gewitterstaffeln mit markanten Böen zu rechnen ist, im Hochschwarzwald dann exponiert auch mit unwetterartigen Böen. Bei einer von Westen rasch auf 600-400 m absinkenden Schneefallgrenze muss in Verbindung mit den Schauern/Gewittern und den Böen lokal/vorübergehend mit Beeinträchtigungen im Straßenverkehr gerechnet werden (etwas Neuschnee in höheren Lagen oder Graupelansammlungen im Tiefland). Besonders in Richtung Eifel und auch im Hochschwarzwald fallen im Ensemblemax. markante 6 std. Mengen auf, die ggf. bei guter (normaler) Ausrichtung von kräftigen Schauerstraßen zur Orografie durchweg lokal im Bereich des Möglichen sind (über 5 cm Neuschnee in 6h). Auch am Alpenrand setzt Schneefall ein, wobei die Schneefallgrenze zum Abend auf 900-800 m absinkt.
Geführte Winde am Alpenrand:
Im Verlauf des späten Vormittags etabliert sich von Oberschwaben ostwärts ausgreifend ein separates Starkwindfeld, das angetrieben durch einen kräftigen isallobarischen Gradienten vorübergehend (bis zum Nachmittag bzw. bis zur Kaltfrontpassage) für Bft 8/9 Böen (exponiert im Bergland noch mher) gut ist.
Zum Nachmittag beruhigt sich das Wetter rückseitig des Bodentroges und in der trockenen Polarluft im Norden rasch/nachhaltig, wobei auch der Druckgradient auffächert und der Wind im Binnenland nachlässt. Dies gilt nicht für die Deutsche Bucht, SH und das Ostseeumfeld, wo weiterhin markante Böen aus West bis Nordwest auftreten.
Die Maxima liegen präfrontal der Kaltfront im Südosten und äußersten Osten nochmal bei 15 bis 17 Grad und gehen postfrontal auf 8 bis 12 Grad zurück.
In der Nacht zum Donnerstag erfasst der thermische Höhentrog ganz Deutschland, sodass die Konvektion mit nur zögernder Abschwächungstendenz vom Tage in die Nacht getragen wird. Bei einer bei bis in tiefe Lagen absinkenden Schneefallgrenze sollte das im Süden vielerorts für (etwas) Neuschnee gut sein, im Tiefland eher nur "Stundenmatsch".
Der Fokus beim Neuschnee liegt auf der regen Konvektion im Südwesten und Süden, die sich bei einer im Nachtverlauf auf Nord drehenden Anströmung zunächst effektiv im Schwarzwald und in der Folge am Alpenrand anstaut. Dort werden 12 std. Niederschlagsmengen von 10 bis 20 l/qm im Hochschwarzwald und 15 bis 25 l/qm im Stau der Alpen erwartet. Es sei aber darauf hingewiesen, dass die Niederschläge einen konvektiv verstärkten Charakter aufweisen und lokal/zeitweise von erheblichen Stundensummen im direkten Stau begleitet werden. Die Modelle mit besser aufgelöster Orografie heben daher die Staulagen auch mit 12std. Spitzen jenseits der 30 l/qm hervor, sodass sicherlich regional auch erhebliche Neuschneemengen nicht ausgeschlossen werden können. Im Median der Ensembleverfahren sind es am Alpenrand um 15 cm Neuschnee in 12h, im Hochschwarzwald bis 10 cm, wobei aber die Maxima jeweils bei 20 bis 25 cm zu finden sind. Diese Spitzen können bei effektiven Schauerstraßen lokal nicht ausgeschlossen werden (wenngleich der anfangs noch nasse Schnee rasch einsackt).
Ansonsten verläuft die Nacht im Nordosten dank der trockenen Luftmasse trocken und wechselnd bewölkt, mit reger Schauertätigkeit im Nordwesten (teils mit Flocken bis ins Tiefland vermischt, allerdings ohne Akkumulation).
Der Westwind schwächt sich im Binnenland eingangs der Nacht rasch ab (strichweise entlang von Schauerstaffeln noch mit markanten Böen bis in die erste Nachthälfte). Derweilen dauern die markanten Böen im Bergland weiter an (Bft 8 bis 9) und über der Deutschen Bucht herrscht Nordweststurm (Bft 8 bis 9).
Die Minima liegen zwischen +4 und -3 Grad, sodass nach Schauern und raschem Aufklaren bzw. abflauendem Wind Straßenglätte im zentralen Bergland und natürlich auch im Süden nicht ausgeschlossen werden kann.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... nur kurz zusammengefasst, da insgesamt etwas ruhiger.
Wir verbleiben unter dem sich abschwächenden Höhentrog in einer labil geschichteten Luftmasse. Bei H85 Temperaturwerten von -5 bis -8 Grad fallen zahlreiche Schnee-/Schneeregen-/Graupel- oder Regenschauer (Schneefallgrenze 200 bis 400 m). Vielerorts (besonders in Luvlagen) reicht es für einige Zentimeter Neuschnee (1-5 cm in 12h), was auch durch eine homogene Ensembleverteilung im Median/Maximum hervorgehoben wird (die labile Komponente lässt vor allem dank der Abtrocknung weiter nach). Inwieweit die Schauer organisiert daherkommen hängt erneut von kleinräumigen Wellen ab, die teils orografisch induziert innerhalb der Numerik noch sehr variabel vorhergesagt werden (UK10 aktuell mit einer deutlichen Trogvariante).
Die Ausnahme ist der Alpenrand, wo sich die rege Schaueraktivität weiter staut und tagsüber (bis in die Nacht zum Freitag) 10 bis 20 cm Neuschnee bringt, im direkten Stau (und in höheren Lagen) sind auch 20 bis 40 cm Neuschnee in 24h vorstellbar.
Der Nordwestwind weht im Binnenland meist mäßig bis frisch und besonders peripher der Konvektion auch stark böig. Der Nordweststurm über der Deutschen Bucht dauert mit Bft 8 bis 9 Böen (auf Helgoland auch immer wieder Bft 10) weiter an, bevor der Wind zum Abend nachlässt. Entlang der Ostsee weht der Westwind ebenfalls stark böig bis stürmisch.
Die Maxima liegen im Dauerniederschlag an den Alpen um 0 Grad und sonst zwischen 4 und 9 Grad.
Die Nacht zum Freitag verläuft unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wechselnd bewölkt und abseits letzter Schauer in Staulagen meist auch trocken. Davon abgesehen schneit es am Alpenrand weiter mit 5 bis 10 Neuschnee in 12h. Achtung an die Gärtner unter uns: Bei windschwachen Verhältnissen kühlt es in der eingeflossenen Polarluft rasch ab und es muss mit leichtem bis mäßigem Luftfrost (0 bis -5 Grad) gerechnet werden, bodennah sind sogar bis -9 Grad möglich. Davon ausgenommen nur der Norden, wo eine etwas stärkere Durchmischung die Abkühlungsrate hemmt.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Numerik hat die Entwicklung gut im Griff. Nennenswerte Diskrepanzen gibt es kaum, wobei jedoch Feinheiten (z.B. Bodentröge) noch geringe Unsicherheiten aufweisen. Dies wurde im Text besprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 24.03.2026 um 10.30 UTC
Wechselhaft, zeitweise kühl, ab Montag windiges bis stürmisches Aprilwetter mit Graupelgewittern
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 31.03.2026
Am Freitag zu Beginn der Mittelfrist tropft ein Langwellentrog, der sich vom Europäischen Nordmeer über Skandinavien und die Ostsee bis in den Osten Deutschlands erstreckt, ins zentrale Mittelmeer ab. Im weiteren Verlauf zieht das abgetropfte, hochreichende Tief von Italien zur Balkanhalbinsel, das Trogresiduum schwächt sich auf dem Weg nach Westrussland allmählich ab. Flankiert wird der tiefe Luftdruck von einem Hoch mit Schwerpunkt über dem westlichen Russland sowie einem Azorenhoch. Im Verlauf wölbt sich vom Azorenhoch ein Rücken auf, der über den Ärmelkanal, Nordfrankreich und Norddeutschland bis nach Schweden reicht. Ein weiteres hochreichendes Tief zieht über Island hinweg.
Am Boden ist über Deutschland zunächst Hochdruckeinfluss wirksam, nur die Alpen werden noch vom abgetropften Tief über Italien beeinflusst, bevor ab Freitagabend von Nordwesten der Ausläufer des Islandtiefs auf die Nordwesthälfte übergreift. Während die Temperatur in 850 hPa mit -3 bis -10 Grad Celsius zunächst noch recht kühl anmutet, steigt diese mit Übergreifen des Ausläufers in Deutschland etwas an auf +1 bis -6 Grad Celsius.
Am Samstag zieht das Islandtief unter Abschwächung weiter in Richtung Skandinavien. Von Grönland zieht aber bereits das nächste Tief in Richtung Island. Das Azorenhoch und das Hoch über Westrussland bilden zunehmend eine Hochdruckbrücke, die anfangs auch über Deutschland liegt. Von den Britischen Inseln zieht im Tagesverlauf ein Trog auf, dessen Amplitude zunimmt und sich Sonntagfrüh von Skandinavien über Nordwestdeutschland bis nach Südwestfrankreich erstreckt. Von den Azoren wölbt sich gleichzeitig ein Rücken über die Britischen Inseln und die Färöer-Inseln hinweg auf.
Am Boden verlagert sich der Tiefausläufer allmählich südostwärts, wenngleich er bis Sonntagfrüh den äußersten Südosten noch nicht erreicht. Bei einer 850 hPa-Temperatur um 0 Grad Celsius sind in den Mittelgebirgen tagsüber einige Zentimeter Neuschnee möglich. In der Nacht zum Sonntag nimmt der Einfluss eines Hochs nordöstlich der Azoren in Deutschland zu. Die 850 hPa-Temperatur sinkt dabei verbreitet auf Werte um -4 Grad Celsius. Entsprechend gehen die Niederschläge im Bereich des Ausläufers zunehmend auch in tieferen Lagen in Schnee über.
Am Sonntag tropft der Trog rasch ab, womit sich ein Höhentief im westlichen Mittelmeer bildet. Das Trogresiduum zieht unter Abschwächung von Norddeutschland ins Baltikum. Gleichzeitig greift der Rücken des Azorenhochs auf Deutschland über und nimmt Verbindung zum weiterhin über Westrussland liegenden Hoch auf. Das Tief bei Island zieht im Verlauf knapp nördlich der Färöer-Inseln auf, dabei nimmt die Amplitude eines davon ausgehenden Troges zu, der sich bis Montagfrüh bis in den Nordosten Deutschlands erstreckt und mit höhenkalter Luft (500 hPa-Temperatur unter -30 Grad Celsius) gefüllt ist. Der Ausläufer über Deutschland beeinflusst tagsüber noch den Südosten, bevor auch dort die Niederschläge nachlassen. Ansonsten stellt sich vorübergehender Zwischenhocheinfluss ein, bevor in der Nacht zum Montag der Ausläufer des Tiefs mit Kern bei den Färöer-Inseln auf die Nordwesthälfte Deutschlands übergreift. Bei 850 hPa-Temperaturen fallen die Niederschläge dabei meist als Regen und gehen erst im Bereich der Mittelgebirge in Schnee über.
Am Montag zieht das Tief bei den Färöer-Inseln nach Nordschweden und zum Bottnischen Meerbusen. Der davon ausgehende und mit kalter Höhenluft angereicherte Trog baut seine Amplitude weiter auf, streift dabei die östlichen Landesteile Deutschlands und erstreckt sich Dienstagfrüh von der Ostsee bis nach Griechenland. Ansonsten stellt sich zwischen dem Trog und dem Azorenhoch eine nordwestliche Strömung ein. In dieser deutet sich auf dem Nordostatlantik eine Störung an, die bis Dienstagfrüh die Britischen Inseln erreicht. Der Ausläufer über Deutschland erreicht im Tagesverlauf den Südosten, rückseitig stellt sich aufgrund der höhenkalten Luft typisches Aprilwetter mit Schauern sowie einzelnen Graupelgewittern ein - insbesondere nach Nordosten zu. Zudem verschärft sich der Gradient über Deutschland, was für windiges, teils stürmisches Wetter sorgt.
Am Dienstag zieht ein weiteres Tief von Island in Richtung Skandinavien, wo sich mittlerweile mehrere Tiefkerne etabliert haben. Nach dem aktuellen IFS-Lauf soll sich der davon ausgehende Trog östlich von Deutschland befinden und in die Ägäis abtropfen. Bei uns herrscht eine nordwestliche Strömung vor, die in der Höhe leicht antizyklonal gekrümmt ist. Im Verlauf zieht die bereits angesprochene Störung von den Britischen Inseln in die Biskaya. Nach kurzem Zwischenhocheinfluss macht sich über Deutschland, ausgehend von einem Nordostatlantiktief Warmluftadvektion bemerkbar. Diese räumt die zu Beginn noch wirksame 850 hPa-Temperatur von -4 Grad Celsius aus, bis Mittwochfrüh herrschen dann meist positive Temperaturen vor. Einzig im Norden deutet sich ein weiterer Kaltluftvorstoß an.
In der erweiterten Mittelfrist von Mittwoch bis Freitag deutet sich nach dem aktuellen IFS-Lauf ein weiterer Kaltluftstoß nach Deutschland an. Dabei zieht ein Tiefdrucksystem von Skandinavien nach Polen, womit Deutschland in eine nördliche Strömung gelangt, bei der sich wechselhaftes und kühles Wetter einstellt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn ist die Konsistenz des IFS-Modells gut. Ab der Nacht zum Sonntag ergeben sich aber kleinere Differenzen beim Abtropfprozess des Trogs über Mitteleuropa. Während der 12 UTC-Lauf vom Vortag noch gut mit dem aktuellen IFS-Lauf übereinstimmt, simuliert der gestrige 00 UTC-Lauf das nach Südwestfrankreich abtropfende Tief sowie die kalte Höhenluft über Deutschland deutlich schwächer. Gleichzeitig wurde das Balkantief stärker gerechnet. Am Boden korrespondiert dies mit einem Tief über Tschechien, was den Südosten Deutschlands noch beeinflusst. Dieses ist im aktuellen Lauf nicht mehr enthalten.
Der nachfolgende Rücken wird von allen drei Läufen mit nur geringen Unterschieden gerechnet. Der erneute Trogvorstoß mit höhenkalter Luft in den Nordosten am Montag wird vom aktuellen Lauf am markantesten betont. In den beiden vergangenen Läufen fehlt in der Folge am Dienstag der Abtropfprozess in die Ägäis und auch die leichte Antizyklonalität über Deutschland. Somit erfolgt auch der Kaltluftvorstoß, der im aktuellen Lauf in der erweiterten Mittelfrist gerechnet wird, in den beiden vergangenen Läufen bereits am Dienstag.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Trotz des wechselhaften Wetters zeigen sich die Wettermodelle bis Montag recht konsistent. Der Trogvorstoß in Richtung Balkan-Halbinsel samt Abtropfprozess in die Ägäis am Montag wird dann zunehmend unterschiedlich simuliert. ICON und GEM sind dem IFS am ähnlichsten.
Nach GFS erfolgt der Abtropfprozess ebenfalls östlich von Deutschland, wenngleich dabei ein umfangreicher Tiefdruckkomplex entsteht, der bis Mittwoch von Polen in Richtung Adria zieht. Dadurch kann sich in der erweiterten Mittelfrist hoher Luftdruck und mildere Luft über Deutschland halten. Das UK10-Modell simuliert den Abtropfprozess hingegen über Deutschland und der Schweiz. Das resultierende Tief zieht in der Folge nach Korsika und Sardinien, über ganz Deutschland wäre somit höhenkalte Luft wetterwirksam.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-Rauchfahnen sind sich im Norden und Osten recht einig, der Kaltluftvorstoß in der neuen Woche scheint dort recht wahrscheinlich. Die Läufe des ENS liegen bei der 850 hPa-Temperatur recht dicht zusammen, nur wenige Ausreißer zeigen mildere Lösungen. Auch was das Geopotenzial angeht zeigt sich am Montag ein Abfall, wenngleich dieser nicht ganz so eindeutig zu sein scheint. Die Verteilung läuft hier deutlich auseinander.
Im Süden und Westen Deutschlands zeigt sich hingegen ab Montag bei der 850 hPa-Temperatur eine zunehmend bimodale Verteilung, beim Geopotenzial deutet sich sogar eine trimodale Verteilung an. Entsprechend ist milderes Wetter oder zumindest ein abgeschwächter Kaltluftvorstoß in diesen Regionen in der kommenden Woche keineswegs vom Tisch.
Bei den Clusteranalysen zeigen sich fünf verschiedene Szenarien im Zeitschritt von +120 bis +168h (Sonntag bis Dienstag, 00 UTC). Die Cluster unterscheiden sich im Bereich Deutschlands hauptsächlich hinsichtlich der Ausprägung des Troges, der östlich von Deutschland abtropfen soll. Insbesondere die ersten 3 Cluster (18, 12 bzw. 9 Member) zeigen nur geringe Unterschiede. Haupt- und Kontrolllauf des IFS sind Cluster 3 zugeordnet. In den Clustern 4 (7 Member) und 5 (5 Member) fällt der Trog schwächer aus, wodurch der hohe Luftdruck von Südwesten her stärker ausgeprägt ist.
Im nächsten Zeitschritt (+192 bis +240h) von Mittwoch bis Freitag zeigen sich erneut 5 Cluster, wobei Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 3 zu finden sind. Die Cluster 1 (15 Member), 2 (13 Member), 3 (11 Member) und 5 (4 Member) zeigen den oben bereits beschriebenen Kaltluftvorstoß mit geringen Unterschieden. In Cluster 4 (8 Member) erfolgt ein erneuter Abtropfprozess östlich von Deutschland, bei uns stellt sich somit hoher Luftdruck und milderes Wetter ein.
FAZIT:
Die Modelle zeigen bis zum Wochenende eine insgesamt recht konsistente Entwicklung, bevor zur neuen Woche die Unsicherheiten beim Abtropfprozess eines Troges über Mitteleuropa zunehmen. Der für Deutschland folgende Kaltluftvorstoß variiert noch modellabhängig bezüglich des Timings und der Intensität. Damit deutet sich für Deutschland überwiegend wechselhaftes und zeitweise kühleres Wetter an, insbesondere im Norden und Osten. Die Vorhersage bleibt jedoch unsicher, insbesondere in der erweiterten Mittelfrist, wobei auch mildere und stabilere Entwicklungen vor allem im Westen Südwesten durchaus noch möglich sind.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND/STURM:
In der Nacht zum Montag zunächst an der Nordseeküste stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h (Bft 8-9) aus West bis Nordwest, im Binnenland insbesondere Schleswig-Holsteins zeitweise stürmische Böen um 70 km/h (Bft 8) wahrscheinlich.
Am Montag tagsüber in der Nordhälfte stürmische Böen um 70 km/h (Bft 8) aus Nordwest, in Schauernähe, im Bergland sowie an der Nordseeküste Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) wahrscheinlich. Bei Graupelgewittern, an exponierten Küstenabschnitten sowie in Gipfellagen vereinzelt bis 100 km/h (Bft 10) wenig wahrscheinlich.
SCHNEE:
Ab Montag an den Alpen markante Schneefälle bei einer von 1500 m bis in tiefste Lagen absinkenden Schneefallgrenze. Insbesondere in den östlichen Alpen 20 bis 30 cm in 24 Stunden wahrscheinlich.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOS
VBZ Offenbach / MSc.- Met. Sebastian Schappert





