Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 04.01.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Schneetief über der Nordsee, im Süden unter Hochdruckeinfluss mäßiger, nachts strenger Frost.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... zeigt sich das IFS EPS wieder sehr einheitlich. Während am heutigen Sonntag die Wetterlage Nordwest zyklonal nahezu das gesamte EPS dominiert, übernimmt von Montag bis Mittwoch die Wetterlage Trog Mitteleuropa diese Rolle. Beide Wetterlagen stehen dabei für einen unbeständigen, winterlichen Wettercharakter.
Allerdings ist es nicht ganz so einfach, wenn man sich die Details genauer anschaut. Vor allem der Süden bleibt nämlich bei kompensierendem Absinken unter Hochdruckeinfluss. Demnach bleibt es dort weitgehend trocken. Bei Aufklaren ist nachts schließlich strenger Frost zu erwarten, tagsüber herrscht leichter bis mäßiger Dauerfrost.
Für den Norden und zeitweise auch die Mitte passt aber das zu den Wetterlagen gehörende Wettergeschehen. Dabei halten sich potentielle frontale Prozesse in Grenzen. Allerdings sorgen PVA, vorderseitig aufziehender Kurzwellentröge, sowie die einfließende Höhenkaltluft für Labilisierung und entsprechend Hebungsimpulse. Als Folge ziehen vor allem über die Nordwesthälfte weitere Schauer hinweg, die meist als Schneeschauer fallen und allenfalls an der Nordsee auch mal die flüssige Phase annehmen können.
Aus Warnsicht steht neben dem Frost, der schon angesprochen wurde, vor allem der Schnee im Vordergrund. Ab der Nacht zum Montag bis Dienstagnacht lässt ein Schneetief, welches sich von der nördlichen Nordsee in die Deutsche Bucht bzw. Nordfriesland verlagert und eine Tiefdruckrinne von der Nordsee bis zum Baltikum stützt, seine Muskeln spielen. Vor allem im Nordseeumfeld sowie in Schleswig-Holstein werden die Hebungsimpulse von PVA und Kaltluft in der Höhe von Prozessen des Tiefs mit okkludierten Zügen verstärkt. Resultierend sollen sich wiederholt Schauerstraßen ausbilden, die von der schleswig-holsteinischen Nordseeküste bis in den Flensburger Raum driften. Innerhalb von 18 bis 24 Stunden wären dabei 10 bis 25, lokal bis 30 cm Neuschnee möglich. Der Schwerpunkt soll derzeit von Montagfrüh bis Montagmittag sein, in dem 10 bis 20 cm in 6 bis 9 Stunden niedergehen und somit unwetterartig ausfallen können. Ansonsten werden im Nordseeumfeld 1 bis 6, in Teilen Ostfrieslands bis 12 cm im gleichen Zeitraum erwarten. Ab Montagmittag bekommen die Schauer dann mehr Drift nach Südosten, sodass sich diese von der Nordsee und Benelux bis in die Mitte schieben können. Abgesehen von der Nordweststaulagen der Berge, wo um 5 cm Neuschnee möglich sind, sollten die Schneeschauer aber nur einen Schneezuwachs von 1 bis 3 cm in 6 bis 12 Stunden bringen und könnten somit auch mit einer Glättewarnung eingefangen werden.
Aufgrund der Höhenkaltluft und der signifikanten Labilisierung sind im Nordseeumfeld und dem angrenzenden Binnenland am Montag auch einzelne Wintergewitter mit Graupel sowie steife bis stürmische Böen möglich.
Der Wind spielt entgegen der Vortage keine oder kaum noch eine Rolle. Allenfalls im Nordseeumfeld und dort vor allem auf den Inseln können noch steife Böen auftreten.
Alle weiteren Details und tiefer gehenden Informationen können sie der Frühübersicht entnehmen.
Montag ... siehe oben
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... kommt langsam ein neues Randtief in den Fokus, welches von Schottland in die südliche Nordsee wandert und einen teils okkludierten Frontenzug im Schlepptau hat. Demnach kommen tagsüber im Nordseeumfeld teils schauerartig verstärkte Schneefälle auf, die sich bis Mittwochfrüh auf die Nordwesthälfte ausdehnen. Vor allem im westlichen Niedersachsen und dem nördlichen Münsterland kann es auch kräftiger schneien. Innerhalb von 6 bis 12 Stunden wären demnach 5 bis 10, lokal bis 15 cm Neuschnee möglich. Auf den Nordseeinseln und direkt an der Küste gehen die Niederschläge teilweise in Regen oder Schneeregen über. Resultierend ist erneut verbreitet mit Glätte zu rechnen.
Neben dem Schnee nimmt auch der Wind wieder Schwung auf und erreicht im Nordseeumfeld steife, in Nordfriesland auch stürmische Böen. Mit dem Vorankommen der teils schauerartigen Schneefälle können auch im Nordwesten und Westen gebietsweise starke bis steife Böen (Bft 6-7) auftreten. Auf dem Brocken fegt voraussichtlich Sturm. Bei den Temperaturen bleibt tagsüber der leichte Frost Trumpf, allenfalls in Teilen von NRW sowie allgemein am Rhein sowie dem Nordseeumfeld schieben sich die Werte teils in den leichten Plusbereich. Nachts steht vom Schwarzwald bis zu den Alpen sowie im Erzgebirgsumfeld weiter der strenge Frost auf der Agenda.
Ab Donnerstag wird es dann spannend. Vom Nordostatlantik schieben sich über die Britische Inseln hinweg weitere Tiefs ostwärts und haben dabei mildere Meeresluft im Gepäck. Einhergehend nimmt die Phasenlotterie mit dem Potential zu Glatteis zu. Schauen wir mal.
Modellvergleich und -einschätzung
Die großskaligen Strukturen der Geopotental- und Luftdruckfelder werden von den Modellen vergleichbar simuliert. Im Detail ergeben sich jedoch geringe Abweichungen.
Demnach wird die Stärke sowie auch die räumliche Einordnung des Schneetief über der südlichen Nordsee am Montag von den Modellen leicht unterschiedlich gezeigt. Resultierend weichen die Intensitäten der Schneefälle sowie auch die räumliche Ausdehnung der Schauerstraßen etwas voneinander ab.
Gleiches gilt auch für die kurzwelligen Anteile bzw. Kurzwellentröge am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch. Je nach Amplitude sind die Niederschläge mehr oder weniger intensiv und auch unterschiedlich stark südwärts ausgedehnt. Zudem ergeben sich zwischen den Modellen Phasenunterschiede, sodass das zeitliche Eintreffen sowie die Verlagerung leicht verschieden abgebildet werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 04.01.2026 um 10.30 UTC
Auflösung der Atlantikblokade: Zunächst winterlich. Dann Übergang in eine Westwetterlage mit Sturmpotenzial am Freitag.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 11.01.2026
Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am Mittwoch hat sich das atlantische Blocking, das bis Grönland reichte, weitestgehend abgebaut. Übrig geblieben sind ein noch kräftiges Azorenhoch und eine positive Geopotenzialanomalie über Grönland. Somit hat der Umbau der Wetterlage begonnen. Ursache dafür war eine negative Temperaturanomalie über Ostkanada, die über dem Westatlantik Zyklogenese auslöste und somit den Block angreift. Die Zirkulation über dem Atlantik driftet nun in Richtung NAO-positiv.
Zur Mitte der Woche liegt noch ein ausgeprägter Langwellentrog über Zentraleuropa. Er reicht mit seiner Achse weit nach Süden bis nach Algerien. Dabei ist bei uns eine gealterte subpolare Luftmasse wirksam (850-hPa-Temperatur ~ -7 °C.). Ein flaches Tiefdruckgebeit liegt nach dem IFS-Hauptlauf über dem Nordwesten Deutschlands und sorgt in der Nordwesthälfte für Schneeschauer.
Bis Donnerstag baut sich im Seegebiet zwischen Irland und Skandinavien niedriges Geopotenzial auf. Damit verbunden ist ein breiter sich amplifizierender Kurzwellentrog über dem Atlantik, an dessen Vorderseite südlich von Irland eine rapide Zyklogenes ausgelöst wird. Vorderseitig dreht die Strömung über West- und Mitteleuropa auf West bis Südwest, wodurch massive Warmluftadvektion in Gang gesetzt wird. Der europäische Langwellentrog wird somit rasch nach Osten verdrängt, sodass die Warmfront laut IFS bereits auf den Westen Deutschlands übergreifen kann. Dabei geht der Schnee rasch in Regen über.
Am Freitag hat sich der Kurzwellentrog zu einem Langwellentrog amplifiziert, der Westeuropa erfasst. Das zugehörige, sich rasch entwickelnde Sturmtief greift dann voraussichtlich mit seinem Kern auf den Nordwesten Deutschlands über. Es besteht Potenzial für schwere Sturmböen und kräftige Schneefälle mit Verwehungen auf dessen Nordostflanke. Ansonsten gelangt aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest der Süden und die Mitte in den Bereich des weit geöffneten Warmsektors mit 850-hPa-Temperaturen um +1 °C. Auf weitere Details soll hier verzichtet werden, da die Lage noch sehr unsicher ist.
Zum Wochenende überquert das Tief unter Abschwächung die Nordhälfte ostwärts nach Polen, sodass wir auf dessen Rückseite gelangen. Dadurch wird erneut arktische Kaltluft angezapft. Unter Trogeinfluss kommt es wieder zu zahlreichen Schnee- und Graupelschauern. Wie lange diese Rückseite anhält, ist noch unsicher. Laut dem IFS und vielen anderen Globalmodellen bildet sich erneut ein Tiefdruckkomplex über dem Atlantik, auf dessen Vorderseite Warmluft nach Mitteleuropa gelangt.
IFS simuliert dann ab Beginn der neuen Woche dann eine niederschlagsreiche und windige Westwetterlage, mit 850-hPa-Temperaturen von 0 °C im Norden und 0 bis 5 °C im Süden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Position und Stärke des Sturmtiefs werden von den Vorläufen jeweils unterschiedlich bewertet. Betrachtet man jedoch den erweiterten Mittelfristzeitraum ab nächster Woche, so zeigt sich, dass die IFS-Ensembles bei den 850-hPa-Temperaturen einen deutlichen Sprung nach oben gemacht haben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Vergleich zu den anderen Modellen sind bereits am Mittwoch Unterschiede in der genauen Position und Tiefe des kleinen Tiefdruckgebiets über Nordwestdeutschland erkennbar. Dies hat Auswirkungen auf die Position und Intensität der Schneeschauer.
Das Sturmtief am Freitag wird von allen anderen numerischen Modellen simuliert. AIFS berechnet allerdings nur eine flache Welle über Süddeutschland. Auch andere KI-Modelle wie Pangu-Weather und ForeCastNet haben das Sturmtief nur angedeutet.
Die Rückseite am Samstag wird dann wieder von allen Modellen berechnet. Allerdings rechnen vor allem die KI-Modelle bereits für Sonntag mit einem erneuten Westdurchbruch.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen zeigen am Freitag eine deutlichere Streuung bei den 850 hPa-Temperaturen, besonders im Norden und Nordosten. Der Hauptlauf ist hier einer der wärmeren Varianten. Nach Durchsicht aller Pertubationen ziegen sowohl im IFS und auch im GFS der überwiegende Anteil eine Sturmtieflösung. Dennoch zeigen einige Member auch die Wellenlösung, die von den AI-Modellen favorisiert wird.
Auch die Rückseite mit erneuter arktischer Kaltluft wird von den Ensembles unterstützt. Danach machen die neuen IFS-ENS einen deutlichen Sprung nach oben im Vergleich zu den ENS der vergangen Tage. Dabei treten vermehrt Niederschlagssignale. Die Westwetterlage wird dann in der erweiterten Mittelfrist dann auch von nahezu allen Clustern simuliert. Nur ein Cluster mit 4 Mitgliedern zeigt eine erneutes Aufbauen des Atlantikblocks. Allerdings soll in allen Clustern die positive Geopotenzialanomalie über Grönland und den nördlichen Nordmeer erhalten bleiben sodass südliche Zugbahnen der Tiefdruckgebiet forciert werden könnten und wir zumindest Zeitweise in die Kaltluft auf Tiefrückseiten gelangen können. Auch die Sub-Saisonale Vorhersage des IFS reagiert auf diesen Trend mit einer wahrscheinlichen positiven Temperaturabweichung über West-Mittel- und Südeuropa.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Sturmtiefentwicklung mit Milderung im Süden und in der Mitte wahrscheinlich, aber noch nicht sicher ist. Die Wellenlösung ist auch auf Grund der langen Vorhersagedauer noch nicht vom Tisch.
Danach gibt es sehr Wahrscheinlich eine Rückseite am Wochenende mit nochmals winterlichem Wetter.
Der Übergang in eine Westwetterlage zu Beginn der nächsten Woche gilt nun als das wahrscheinlichste Szenario.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Je nach Zugbahn des Sturmtiefs sind (schwere) Sturmböen und im Bergland orkanartige Böen wahrscheinlich. Die Entwicklung eines Orkantiefs mit verbreitet orkanartigen Böen im Tiefland gilt hingegen als unwahrscheinlich.
In der Nacht zum Freitag und am Freitag kann es mit der Warmfront zu gefrierendem Regen kommen. Allerdings wird in fast allen Modellen eine rasche Durchmischung berechnet.
Je nach Zugbahn und Intensität sind an der Nordostflanke des Sturmtiefs am Freitag kräftige Schneefälle mit Verwehungen bis in den Unwetterbereich möglich.
Auf der Tiefrückseite sind am Samstag vorwiegend in den Nordstaulagen einiger Mittelgebirge markante Schneemengen möglich. Des Weiteren besteht die Gefahr von Graupelgewittern mit Sturmböen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, ICON, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold





