Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 09.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
N a
Keine markanten Wetterentwicklungen. Im Südwesten zunehmende Wärmebelastung.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... hat sich eine Blockierungslage eingestellt, die uns so schnell nicht verlassen wird. Daran ist auch ein massiver Höhenrücken beteiligt, der über Westeuropa und die Nordsee bis Nordnorwegen reicht. Er stützt ein umfangreiches Bodenhoch über West- und Mitteleuropa mit Schwerpunkten über der Nordsee und den Britischen Inseln. Östlich daran schließt sich ein kräftiger Trog über Osteuropa an, wobei das zugehörige Bodentief mit Kern nahe dem Baltikum zu finden ist.
Mit der sich ergebenden nördlichen Strömung fließt in den Norden und Osten Deutschland eine gemäßigte Luftmassen ein, die Temperaturen von 20 bis 25°C zulässt. Zudem ist viel flacher St/Sc von der Nordsee in den Norden, die Mitte und bis Franken hereingedriftet, der sich im Tagesverlauf häufig lichtet und auflöst, aber wohl nicht komplett.
Ansonsten scheint unter Hochdruckeinfluss im Süden und Westen vielfach die Sonne, auch wenn im Süden Bayerns anfangs noch Wolken unterwegs sind. Den von einigen Modellen (IFS, GFS) angedeuteten Regen am Alpenrand gibt es aus flacher Bewölkung nicht. Bei den Feuchte- und Wolkenfeldern spielt auch die inzwischen aufgelöste und nicht mehr weitergeführte Luftmassengrenze eine Rolle. Die Temperaturen liegen dort nachmittags auf sommerlichem Niveau, im Südwesten bei 18°C in 850 hPa werden bis 32°C erwartet.
Der meist nördliche Wind lebt vor allem anfangs an der See und exponiert im Bergland mal ein bisschen auf, der Gradient wird aber weiter auseinandergezogen, sodass das tagsüber immer weniger ein Thema ist.
In der Nacht zum Freitag verlagert sich das Höhentief mit Kern etwas südwärts, was für uns ohne Folgen bleibt. Von der Hochdruckzone über Nordwesteuropa reicht ein Ableger nach Mitteleuropa. Bei schwachem Wind bildet sich im Nordwesten wieder flacher Sc/St, bzw. dieser zieht über die Nordsee herein. So verbreitet wie Donnerstag früh tritt er aber nicht mehr auf. Sonst bleibt es gering bewölkt oder klar. Die Temperatur geht auf 17 bis 10°C zurück, vereinzelt im Bergland sogar darunter. Der ziemlich trockenen Luft sei Dank!
Freitag... kräftigt sich der Keil über Frankreich und der Nordsee nach kurzer Schwächephase wieder, woran auch ein Trog vor der Iberischen Halbinsel beteiligt ist. Die blockierende Hochdruckzone vom Nordatlantik bis Skandinavien und dem Ableger zu uns nach Mitteleuropa hält sich wacker. Der Osteuropatrog schickt nur ein paar dünne Wolkenfelder in den Osten Deutschlands, die vormittäglichen St/Sc Felder sind nur flach und lösen sich tagsüber meist auf. Ansonsten scheint die Sonne bis an die Grenze des astronomisch erlaubten vor allem im Süden und der Mitte. In erster Linie durch Absinken weitet sich die Hitze im Südwesten aus. Häufiger noch als Donnerstag werden die 30°C in der Südwesthälfte erreicht und überschritten. In der Spitze bis 34°C am Oberrhein. Auch im Norden gibt es einen Sommertag und nur an der See bleibt es kühler.
Die Luftmasse labilisiert zwar im Süden, für hochreichende Konvektion ist sie zu trocken. Taupunkte teils um oder unter 10°C machen dafür die Hitze erträglicher. Gewitter beschränken sich auf den inneralpinen, fast schon südalpinen Bereich, auf jeden Fall abseits Deutschlands.
In der Nacht zum Samstag passiert wettertechnisch nichts. Es kühlt ab auf 18 bis 12°C. In einigen Ballungsräumen im Südwesten sind allerdings auch 20°C als Minimum möglich.
Samstag... gibt es zu den Vortagen nur wenig Änderungen. Das blockierende Hoch hat seinen Schwerpunkt dann etwa nordwestlich von Schottland und weiter zeigt von da aus einen schwacher Keil nach Deutschland. Das Tief über Osteuropa und die (Höhen)Keilachse westlich von Deutschland verhindern eine flächige Ausbreitung der Hitze nach Deutschland.
Die heißeste Luftmasse bleibt über SW Europa, mit bis 39°C in Frankreich. Allerdings steigen auch bei uns die Temperaturen langsam weiter. In der Südwesthälfte werden bei anhaltendem Sonnenschein verbreitet 30 bis 35°C erwartet. In der Nordosthälfte 26 bis 31°C, See nach wie vor etwas gemäßigter. Ein bisschen flacher Sc/St kann aus der Nacht heraus zunächst im Nordwesten unterwegs sein.
Die Luftmasse im Süden ist nach wie vor instabil, aber auch trocken. Ein bisschen Cape (wenige hundert J/kg) wird für den Südschwarzwald und den Alpenrand simuliert, Hebungsantriebe sind freilich nicht vorhanden. Mit Hilfe der Orografie wären in den genannten Gebieten einzelne, und wenn dann auch starke, Gewitter nicht ausgeschlossen, sie erscheinen aber sehr unwahrscheinlich. Seitens der konvektionserlaubenden Modelle halten sich die Signale dafür auch in Grenzen.
Die Nacht zum Sonntag wird im Südwesten teilweise wieder warm, sonst mit 18 bis 12°C etwas angenehmer. Seitens signifikanter Wettererscheinungen gibt es nichts.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren ähnlich. Die Wärmebelastung nimmt in der Kurzfrist von SW her zu. Die trockene Luft kann das Hitzeempfinden mindern. In Sachen Konvektion geht auch im Süden (fast) nichts.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 09.07.2026 um 10.30 UTC
Ruhiges und mit Ausnahme des Nordens/Nordostens zunehmend heißes Hochsommerwetter, gegen Ende zunehmende Gewitterneigung.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 16.07.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag liegen wir im Einfluss einer Omega-ähnlichen Konstellation. Ein Höhenrücken erstreckt sich von Afrika über Frankreich bis westlich von Irland, wo auch eine abgeschlossene Antizyklone zu finden ist. Das Bodenhoch befindet sich nördlich und westlich von Großbritannien. Flankiert wird dieser Rücken einerseits von einem Höhentief westlich der Iberischen Halbinsel und einem weiteren über der Ukraine. Während in den Nordosten mit einer nördlichen Strömung mäßig warme Luftmassen einfließen, gelangt in den Südwesten zunehmend heiße Luft zu uns. Das Wetter zeigt sich von seiner freundlichen Seite mit viel Sonnenschein, wobei die Temperaturen im Südwesten um 35 und im Norden/Nordosten um 28 Grad liegen. Deutlich kühler ist es an den Küsten bei auflandigem Wind.
Am Montag und Dienstag ändert sich an der großräumigen Strömung wenig. Das Höhentief über dem Atlantik zieht etwas nach Norden. Das zweite Höhentief wird zu einem Trog, der sich von Rumänien über die Ukraine bis nach Russland erstreckt. Dazwischen sowie über Nordeuropa herrscht hohes Geopotential. Das Bodenhoch liegt mit seinem Schwerpunkt weiter nördlich von Großbritannien, zieht im Verlauf zur Norwegischen See und erstreckt sich bis nach Skandinavien und Mitteleuropa. Somit ändert sich wenig am ruhigen Hochdruckwetter. Die warme bis heiße Luftmasse kommt dabei etwas weiter nordostwärts voran. Am Oberrhein werden bis 37 Grad erreicht, während der Norden und Nordosten weiterhin unter der 30-Grad-Marke verbleiben. Im Südwesten muss in den Niederungen zunehmend wieder mit einer extremen Wärmebelastung gerechnet werden, aber auch in der Mitte und im Süden steigt die Wärmebelastung an. Am Dienstagnachmittag besteht laut IFS in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen ein geringes Gewitterpotential.
Am Mittwoch ändert sich an der Großwetterlage weiterhin wenig. Der Rücken liegt mit seiner Achse nun über Mitteleuropa, das Bodenhoch wandert mit seinem Schwerpunkt nach Skandinavien. Das Höhentief nordwestlich der Iberischen Halbinsel verändert seine Position kaum, der Trog über Osteuropa kommt etwas weiter ostwärts voran. Somit ändert sich am Wetter in Deutschland nicht allzu viel. Auffällig ist lediglich, dass IFS nun deutlichere Gewittersignale in den zentralen Mittelgebirgen simuliert, während das ICON davon nix wissen möchte und das GFS leichte Signale ganz im Westen sieht. Somit kann das Wetter als nicht mehr ganz störungsfrei angesehen werden, wobei es sich bei den Gewittern - sofern sie denn auftreten - um klassische Luftmassenkonvektion handelt. Die Temperaturen bleiben unverändert.
Auch am Donnerstag befindet sich Deutschland unter Hochdruckeinfluss, das Bodenhoch liegt dann sogar zentral über Deutschland. Allerdings befindet sich einerseits die Rückenachse mittlerweile östlich von Deutschland, sodass wir zunehmend auf die Vorderseite des zum Ärmelkanal ziehenden Tiefs/Trogs gelangen. Andererseits befindet sich ein schwacher Kaltlufttropfen nördlich von uns. Beides führt dazu, dass die Modelle deutlich mehr Konvektion simulieren. Mit dem ruhigen Wetter dürfte es also dann vorbei sein. Bei dieser Luftmasse ist in den Gewittern der Starkregen das Hauptproblem, der lokal dann auch wieder unwetterartig ausfallen wird. Auch wegen der zunehmenden Konvektion gehen die Temperaturmaxima geringfügig zurück. Aufgrund der zunehmenden Schwüle ändert sich an der Wärmebelastung allerdings wenig.
Auch in der erweiterten Mittelfrist bleiben uns die hochsommerlichen Temperaturen erhalten, die Gewittertätigkeit nimmt aber deutlich zu.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist kann die Konsistenz als gut eingestuft werden. Zwar simuliert der gestrige 12UTC-Lauf einen kleinen Kaltlufttropfen über dem Norden, der aber keine größeren Auswirkungen haben soll. Ab Wochenmitte nehmen die Unsicherheiten zu. Bei den gestrigen Läufen sollte am Mittwoch die Rückenachse noch westlich von uns liegen, im heutigen 00UTC-Lauf hingegen liegt der Rücken zentral über Mitteleuropa mit einem kleinen Höhentief über Dänemark und Südskandinavien. Somit ist noch unklar, ob bzw. inwiefern die "Gewitterei" bereits am Mittwoch in Gang kommt. Die Unsicherheit setzt sich auch am Donnerstag fort. Laut dem heutigen Lauf kommen wir bereits auf die Trogvorderseite und es wird eine rege Gewitteraktivität simuliert. In den beiden gestrigen Läufen lagen wir aber noch zentral (00UTC-Lauf) oder östlich (12UTC-Lauf) der Rückenachse, was deutlich gedämpfte Konvektion zur Folge haben würde.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Prinzip stützen die anderen Globalmodelle die beschriebenen Wetterentwicklungen. Unsicherheit bringen vor allem Kaltlufttropfen in die Vorhersage, die regional (insbesondere im Norden und Osten) mal für kompaktere Wolkenfelder sorgen können. Ebenso mischen sich diese Kaltlufttropfen ab Wochenmitte auch in die Gewittersituation ein. Laut ICON wird am Mittwoch in der Nähe von Deutschland kein Höhentief simuliert, weshalb Hitzegewitter in den Simulationen (weitgehend) ausbleiben, während bei IFS bereits Hitzegewitter simuliert werden. Außerdem ist noch unsicher, wann die Rückenachse über Deutschland hinwegzieht respektive auch aus diesen Gesichtspunkten die "Gewitterei" von Westen und Südwesten her zunimmt. Relativ sicher ist aber, dass die Hitze zumindest in der Südwesthälfte bis Ende kommender Woche anhält.
FAZIT:
Eine neue Hitzewelle steht uns bevor. Während der Norden und Nordosten von der Hitze verschont bleiben (Temperaturen durchweg unter 30 Grad), steigen in den übrigen Landesteilen die Temperaturen wieder auf 30 bis 35 Grad, in den Niederungen im Südwesten auch über 35 Grad mit entsprechender Hitzebelastung. Zunächst ist noch ruhiges und überwiegend sonniges Wetter zu erwarten. Ab Wochenmitte nimmt aber das Potential für Hitzegewitter wieder zu, mit den bekannten Begleiterscheinungen, und die Luftmasse wird zunehmend schwüler.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen stützen die beschriebenen Entwicklungen. Zwar nimmt der Spread bei Temperatur und Geopotential im Laufe der Mittelfrist peu-a-peu zu, im Vergleich zu anderen Wetterlagen sind sie aber auch zum Ende der Mittelfrist noch vergleichsweise eng gebündelt. Vor allem ab Mittwoch nehmen die Signale für Niederschläge zu.
Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h zwar vier Cluster gezeigt, mit dem Kontrolllauf in Cluster 1 (20 Member). Alle Cluster werden aber durchweg dem Blocking-Regime zugeordnet.
Auch in der erweiterten Mittelfrist (Zeitraum t_192h-240h) setzt sich das Blocking in den nun drei angebotenen Clustern fort, wobei sich der Kontrolllauf erneut im größten Cluster 1 (27 Member) befindet.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Bis auf die zunehmende Hitzebelastung sind zunächst keine signifikanten Wettererscheinungen zu erwarten.
Erst ab Mittwoch steigt das Potential für Hitzegewitter an, wobei sich die Läufe noch nicht einig sind, wie zahlreich und verbreitet diese auftreten, insbesondere am Donnerstag. Bei der vorherrschenden Luftmasse ist die Schwelle für unwetterartigen Starkregen rasch überschritten. Da es sich überwiegend um undynamische Luftmassenkonvektion handelt, dürften Hagel und Sturmböen zwar nicht ausbleiben, aber ggü. dem Starkregen eher eine untergeordnete Rolle spielen.
Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, IFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel





