Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 22.10.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Windig bis stürmisch, wechselhaft und mild. Voller Sturm im Bergland, morgen Abend auch im äußersten Westen und Nordwesten. Besonders ab der Nacht zum Sonntag von Westen reichlich Regen und neues Windmaximum.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Aktuell ... dauert die vergleichsweise warnarme Witterung noch weiter an, bevor sie am morgigen Freitag von mehr Dynamik aus Westen abgelöst wird.

Heute Nachmittag passiert ein Trog Norddeutschland ostwärts und bringt dem Westen und Norden einige Schauer, diabatisch verschärft über der Deutschen Bucht bzw. über dem Westen von Niedersachsen auch einige Gewitter (teils organisiert dank kräftiger Scherung im low CAPE/high shear setup). Das den Trog begleitende niedertroposphärische Windfeld mit rund 35-40 kt in 950 hPa sorgt bei kräftiger Konvektion peripher der Deutschen Bucht für steife bis stürmische Böen aus Südwest, offshore und im direkten Küstenumfeld sind auch einzelne Bft 9 Böen nicht ausgeschlossen. Zum Abend verlieren Konvektion und Gradientwind an Intensität, sodass entsprechende Warnungen eingangs der Nacht planmäßig auslaufen können. Dies gilt auch für die regional ausgegebenen Windböenwarnung im Westen (steife Böen um Bft 7, exponiert auch stürmisch) bei einer abendlich einsetzenden deutlichen Windabschwächung.

Den Süden und Osten erwartet ein freundlicher, streckenweise auch sonniger Tagesausklang, wobei den Osten zum Abend dichte Wolkenfelder von Westen erfassen.

Die abendliche Werte liegen zwischen 12 und 7 Grad, bei schwachem bis mäßigem Wind aus West bis Südwest.

Die Nacht zum Freitag über wirkt sich ein von Westen nahender, flacher Keil wetterberuhigend über Deutschland aus.

Zum Verständnis dieser Keilaufwölbung machen wir einen Schritt zurück und springen in die Vergangenheit. Initiiert durch rege Konvektion peripher der INVEST AL93 vor der Ostküste der USA (nun als Subtropensturm JOSEPHINE bekannt) wurde die vergangenen Tage eine Art diabatische Rossbywelle initiiert (im Grenzbereich der Klassifikation), die in der Folge ostwärts ziehend mit einem Höhentrog über dem Nordostatlantik interagierte und heute (Donnerstag) südwestlich vor Irland die intensive Sturmzyklone LUISE (int. AUSTEN) initiiert hat. Diese verbleibt aber bezüglich der Intensivierungsrate mit rund 20 hPa/24h knapp unter einem Bergeron (Breitengrad korrigiert), der bei rund 53 Grad Nord bei rund 22 hPa liegt. Aktuelle remote sensing Daten zeigen eine klassische (und auch im IPV Feld erkenntliche) treble clef Signatur mit einem in Zentrumsnähe gerichteten, signifikanten dry slot und einem intensiven Wolkenkopf, der in Form eines imposanten cold jets den Trockeneinschub schneidet. Zwar sind temporäre Ansätze bandartiger Signaturen im Spitzenbereich des cold jets erkennbar, was auf geneigte Energiefreisetzung (CSI) hindeutet, überzeugend mit Blick auf ein sting jet Ereignis waren diese aber weder von der Ausprägung und Dauer. Auch deuten cross sections aktuell kein der herumgeholten Kaltluft vorgelagertes Starkwindfeld an. Diese Mischphase macht sich auch bei der Klassifikation der Zyklone bemerkbar, sind doch Hinweise für eine Shapiro-Keyser (SK) Zyklogenese vorhanden (wie konfluentes Höhenwindfeld stromab), allerdings auch nur mit einem schwache Frontenbruch innerhalb der 850 hPa Frontogenese-Analyse (eher kräftige split front mit agiler Konvektion nahe der Bodenkaltfront: Stand 16Z).

Hier besonders hervorgehoben wird aber die sich entwickelnde warm seclusion, die in Phasendiagrammvorhersagen zeitweise eine moderate und symmetrische warme Kernanomalie aufweist.
Diese Zyklone durchquerte in der vergangenen Nacht den Höhenjet polwärts, wobei kräftige rotationsfreie Höhenwinde stromab mit PV Abbau das sich entwickelnde warme Förderband hervorgehoben haben, was wiederum den angesprochenen seichten Keil nach Mitteleuropa aufspannen soll.

Viel Dynamik westlich von uns, aber eben noch ruhiges Nachtwetter unter dem Keil, wenngleich nach Mitternacht von Westen Wolkenaufzug und nachfolgend auch Niederschlag stromab der von Westen nahenden Warmfront auf den Westen Deutschlands übergreifen (meist nur geringe Mengen, im Eifelstau um 5 mm/12h).

Der Südwind weht im Westen und Norden schwach bis mäßig, während dieser im Süden und Osten entkoppelt kaum nennenswert aus dominant südlicher Richtung daherkommt.

Die Nachtwerte liegen je nach Entkopplung im Bereich von 9 bis 5 Grad im Westen und Norden und sonst zwischen +4 und -2 Grad, wobei sich der Luftfrost auf den Süden/Südosten von Bayern beschränken sollte (bodennah allerdings bis in die Lausitz ausgreifend).

Freitag ... steht dann ganz im Zeichen der sich von Westen nähernden LUISE.

Zwar verliert LUISE rasch den Kontakt zum dynamischen Antrieb aus der Höhe, indem sie recht zentrumsnah unter den Höhentrog wandert und dabei zögernd auffüllt. Allerdings hebelt die kräftige warme Kernanomalie mit verschärftem niedertroposphärischem Druckgradienten den reibungsinduzierten Auffüllungsprozess von LUISE effektiv aus, sodass nur mit einem allmählichen Anstieg des Kerndrucks zu rechnen ist.

Die Zugbahn wird mittlerweile recht homogen mit einer West-Ost Passage über den Ärmelkanal in Richtung Belgien/Niederlande gezeigt, allerdings leider mit einem zunehmenden Spread im Ensemble (z.B. IFS-ENS). Allerdings liegen die stärksten Optionen am Südrand der Memberwolke, sodass die beschriebene Zugbahn aktuell favorisiert wird.

Erschwerend fällt dabei die Frontenanalyse aus, was vor allem die kaum noch erkennbare Kaltfront betrifft, die bis zum Abend wohl nur noch den Südwesten als eine solche erkennbar ostwärts passiert. Inwieweit dies als ein Frontenbruch in Verbindung mit einer SK Zyklone interpretiert werden darf ist fraglich und wohl eher der Reibung und fehlender Feuchte geschuldet, zumal die Frontogenese weiterhin besonders über Südwestdeutschland anschlägt. In der Tat dürfte eine abgesetzte Kaltfront Sinn machen, was aber in dem Fall eher der atypischen Entwicklung des Bodentiefs geschuldet ist.

Für den Großteil der Republik und des Tages macht LUISE zwar mal mehr, mal weniger Wind, aber im breiten/diffusen Warmsektor bedeutet das vorerst nur im Westen, später auch über der Mitte, dass der Südwind sukzessive an Intensität zulegt bei 950 hPa Winden, die am späten Nachmittag im Westen meist zwischen 30 und 40 kt liegen. Normalerweise könnte man nun auf die stabilisieren/abfedernde Wirkung im Warmsektor setzen, in diesem speziellen Fall aber bedeckt der thermische Keil nur den Süden/Osten der Republik, sodass die Winde insgesamt besser herabgemischt werden können. Darauf weist z.B. auch das ID2-EPS mit einem Bft 7/8 Gemenge hin, wobei markante Böen exponiert, aber auch geführt entlang der Orografie auftreten können (exponiert sind im Bergland auch einzelne Bft 9 Böen zu erwarten). Zudem muss man peripher von Schauern und ggf. einzelnen Gewittern z.B. im Südwesten mit markanten Böen bis Bft 9 rechnen. Auch eine Druckwelle ist abends am Alpenrand nicht ausgeschlossen, wird innerhalb der Numerik aber noch stark streuend vorhergesagt.

Im Bergland muss man je nach Höhenlage mit Bft 9 bis 12 Böen rechnen.

Spannend wird es dann im Verlauf des späten Nachmittag/Abend im Westen, wenn die zu dem Zeitpunkt weiterhin imposante warme Kernanomalie Belgien/die Niederlande erreicht, wobei am Südrand dieser Anomalie der kalte jet Windspitzen um 55-60 kt in 950 hPa bzw. 70 kt in 850 hPa aufweist. Dieses kompakte Windfeld erreicht den Bereich Eifel-Niederrhein-Emsland und sorgt zum Abend verbreitet für markante Böen Bft 8 bis 9, konvektiv verstärkt sind auch einzelne Bft 10 Böen nicht ausgeschlossen.

Davon abgesetzt weht der Wind im gesamten Osten der Republik mäßig bis frisch aus südlicher Richtung.

Erwähnt werde sollte noch der Niederschlag, der zwar (abseits vom Osten) verbreitet auftritt, jedoch mengenmäßig keine nennenswerten Spitzen aufweist (in Staulagen regional bis 15 mm/12h). Im Südwesten könnte es zum Nachmittag und Abend auch zu einzelnen Gewittern mit markanten Böen Bft 8 reichen.

Die Maxima liegen im Südwesten zwischen 14 und 17 Grad und sonst zwischen 11 und 14 Grad, im Bergland etwas darunter.

In der Nacht zum Samstag zieht LUISE von Belgien über Holland bis zur Deutschen Bucht und füllt sich dabei langsam weiter auf. Gleichzeitig verliert die warme Kernanomalie sukzessive an Bedeutung, was sich auch durch ein insgesamt abschwächendes, kernnahes Windfeld äußert. Bis Mitternacht liegen die Windgeschwindigkeiten in 950 hPa und 850 hPa dennoch weiterhin zwischen 50 und 60 kt, sodass sich der Bereich mit verbreitet auftretenden markanten Böen Bft 8 bis 9, lokal Bft 10 von der Eifel bis ins westliche Niedersachsen ausweitet, dabei aber nach Mitternacht sukzessive an den absoluten Windspitzen einbüßt (2. Nachthälfte dann meist nur noch Bft 7 bis 8, strichweise Bft 9).

Auch abseits dieses Windmaximums bleibt der Wind im gesamten Westen bis zur Mitte ausgreifend ein Thema. Vom Gradienten heraus ist es im Tiefland ein Bft 7 bis 8 Ereignis, im exponierten Bergland, bei durch die Orografie geführten Winden und peripher von konvektiven Segmenten sind aber auch bis ins Tiefland kurzzeitig Böen Bft 9 vorstellbar, exponiert im Bergland je nach Höhenlage Bft 9 bis 12 (letzteres z.B. auf dem Brocken). Ein Augenmerk liegt nach Mitternacht auch auf den exponierten Berglagen der östlichen zentralen Mittelgebirge, wo eine leicht stabile Schichtung im Gipfelniveau bei kräftigem Südwestwind für ein temporäres Böenmaximum bis Bft 10 gut sein kann (z.B. Thüringer Wald).

Im gesamten Osten und Nordosten weht der Wind mäßig bis frisch aus Süd bis Südwest.

Abseits vom Wind treten im gesamten Osten nur einzelne Schauer auf, hier bleibt es meist trocken, während die Konvektion im Westen recht agil aufgestellt ist. Meist fallen die 12.-std. Mengen allerdings unbedeutend aus. Anders sieht es in der Nähe von LUSIE über dem Nordwesten aus, wo teils länger anhaltender und konvektiv verstärkter Regen 12 std. Mengen von 10 bis 20 mm bringt, strichweise und auch in Staulage der westlichen Mittelgebirge lokal bis 30 mm (ggf. markante Warnung für Bergisches Land/Siegerland/Westerwald). In den Alpen fällt oberhalb von rund 1200-1500 m etwas Neuschnee.

Die Minima liegen zwischen 10 und 2 Grad.

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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Samstag ... erfolgt durch die konvektionsträchtige und mit einer überschaubaren Geschwindigkeit nordostwärts ziehenden JOSEPHINE vor der Ostküste der USA eine Wiederholung der Ereignisse. Eine neuerlich induzierte diabatische Rossbywelle interagiert und durchquert über dem Nordostatlantik einen deftigen 150 kt Höhenjet. Dieses Bodentief ist definitiv im Bereich einer rapiden Zyklogenese zu finden, nach EZ gar um 2 bergeron (auf rund 945 hPa) vertiefend mit enger IFS-ENS Clusterung westlich vor Schottland zum 12Z Termin.

Über unserem Bereich baut sich derweilen dank markantem Geopotenzialabbau in Richtung Italien gerichtet ein umfangreicher Langwellentrog auf, der zum Sonntag (in Richtung Mittelfrist) gen Italien/Adria abtropft.

Somit gestaltet sich das Wetter bei uns wechselhaft, wobei der Großteil der Niederschläge peripher der über Schleswig-Holstein nordwärts driftenden LUSIE (Achtung: hoher spread bei der Zugbahn) und somit über Norddeutschland auftreten soll (12 std. 5 bis 10 mm). Sonst fallen die Mengen deutlich geringer aus und im Süden könnte es gar meist trocken bleiben.

Zum Abend verdichtet sich die Bewölkung im Westen im Vorfeld der von Frankreich nahenden Warmfront und erste Tropfen sind nicht ausgeschlossen.

Der niedertroposphärische Wind bleibt im Norden recht hoch mit 45 bis 55 kt in 950/850 hPa, sodass besonders im Norden ein windiger Tag (Bft 7/8) zu erwarten ist. Weiter südlich sind dann meist nur noch die exponierten Lagen bzw. durch die Orografie geführte Winde von Warnrelevanz (je nach Höhenlage Bft 9 bis 11 mit den höchsten Spitzen auf dem Brocken). Im Süden weht der Wind frisch bis stark aus Südwest bis West.

Die Maxima liegen zwischen 9 und 15 Grad.

Die Nacht zum Sonntag soll nur noch kurz behandelt werden, verdient aber in späteren Übersichten sicherlich ebenfalls eine genauere Analyse.

Intensive Warmfrontpassage aus West, in cross sections hochreichend frontogenetisch aktiv und mit Advektion einer sehr feuchten subtropischen Luftmasse zieht (endlich und seit Monaten ersehnt) eine in der Fläche recht regenreiche Warmfront ostwärts nach Deutschland. Dabei fallen im Westen 10 bis 25 mm/12h, in Staulagen lokal auch über 40 mm, wobei Schwerpunkte noch später herausgearbeitet werden müssen und ggf. auch markante Dauerregenwarnungen nach sich ziehen. Im Süden und Osten fallen die Mengen deutlich geringer aus.

Zudem weht ein imposanter warmer Jet mit 70 bis 85 kt in 850 hPa, im Nordwesten auch mit rund 60 kt in 950 hPa, sodass der Wind im Nachtverlauf von Westen wieder deutlich anzieht (Tiefland im Westen und Norden verbreitet Bft 7 bis 8, im Umfeld der Deutschen Bucht auch Bft 9 bis 10 und im Bergland je nach Höhenlage sowie offshore über der Deutschen Bucht Bft 10 bis Bft 12). Im Süden und Osten kommt dieser meist nur schwach bis mäßig daher und das bei Minima zwischen 10 und -1 Grad (leichter Frost im entkoppelten Niederbayern). Feinheiten diesbezüglich sind dann aber morgen nachzulesen.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Numerik erfasst das Sturmtief LUISE mittlerweile recht gut und lässt dieses in der kommenden Nacht und am Freitag über den Ärmelkanal ostwärts in Richtung Belgien/Niederlande ziehen. Der Kern von LUISE ist ungewöhnlich mild, sodass auch die gedämpfte Abschwächung des Bodentiefs homogen erfasst wird. Leider ergeben sich am Freitag über Benelux weiterhin geringe Diskrepanzen bei der Lage des Bodentiefs (100-150 km), sodass auch die Lage des stärksten Windfelds in Verbindung mit dem cold jet am Südrand der warmen Kernanomalie geringe zonale Diskrepanzen aufweist. Dennoch reicht das Bild erstmal aus, um die allgemeinen gelben und markanten Grundwarnungen auszugeben.
Morgen müssen dann u.a. die potenzielle Entwicklung einer Druckwelle am Alpenrand und der cold jet (Eifel bis Emsland) im Auge behalten werden - ggf. mit einer regionalen Verschärfung der Windwarnung.

Zum Ende der Kurzfrist wird auch die Orkantiefentwicklung vor Irland/Schottland recht gut erfasst, sodass deren (regenreiche und windige) Auswirkungen ab der Nacht zum Sonntag zuversichtlich zeitlich/räumlich vorhergesagt werden können.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy