Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 12.06.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Windiges Wochenende. Im Norden einzelne Gewitter mit stürmischen Böen, Sturmböen nicht ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Aktuell ... liegen wir unter einer leicht antizyklonalen westlichen bis nordwestlichen Höhenströmung, zwischen einer Hochdruckzone über der Biskaya und Frankreich sowie tiefem Druck über Nord- und Nordwesteuropa. Dabei zieht ein Tief von Südnorwegen nach Schweden, dessen Ausläufer abends und nachts milde und sehr feuchte (TP knapp 20°C), am Samstag kühlere Meeresluft polaren Ursprungs nach Deutschland lenken.
Dabei fällt zunächst skaliger Regen, der aus WLA resultiert und sich an den Ostalpen zu Dauerregen staut. Bislang sind teilweise 20 l/qm gefallen, nachts kommen je nach Modell 5 bis 15 l/qm hinzu. Auf den Nordwesten hat schon die schleifende Kaltfront des Tiefs übergegriffen, mit der der Regen konvektiven Charakter bekommt. Es bleibt bei Schauern, da die Labilität nicht hoch reicht und in ca. 700/650 hPa von einer stabilen Schicht begrenzt wird. Der Wind ist aktuell im Nordwesten, speziell an der Nordsee und exponiert im Bergland und im Süden flotter unterwegs, es laufen Wind- und Sturmwarnungen. Im Bergland ändert sich an der Windsituation in den nächsten Stunden nicht viel, an der Nordsee lässt der Wind vorübergehend nach, um zum Samstagmorgen wieder zuzulegen.
Samstag ... hängt die Windzunahme auch damit zusammen, dass das Tief in die südliche Ostsee zieht und wir in den etwas "stärkergradientigen" Bereich an dessen Südwestflanke kommen. Das Hoch zieht sich dabei südwestwärts zurück. Die Tiefausläufer ziehen nach Südosten, dahinter folgt die kühlere Meeresluft vor allem in den Norden, zur Mitte hin wird der Luftmassenaustausch diffuser, im Süden hält sich Warmluft.
Über den Norden zieht im Tagesverlauf ein Trog hinweg, der ca. in der Nordhälfte Schauer auslöst. Mit der Labilität hapert es weiterhin. Lediglich der Norden wird von einem Schwall höhenkalter Luft gestreift, die einzelne Gewitter möglich macht. Bei starker Scherung sind linienhafte Strukturen möglich. Stürmische Böen oder Sturmböen (8-9 Bft) können die Folge sein. Der Gradient legt aber ohnehin soweit zu, dass außer im Südwesten verbreitet Windböen, vereinzelt stürmische Böen auftreten, im Bergland und an der See teilweise Sturmböen aus West. Der Südwesten und Süden liegen im Randbereich des Hochs, wo sich die warme Luft durch das Absinken/Einstrahlung erwärmt. An die 15°C in 850 hPa bringen an die 10K höhere Werte südlich der Donau als heute. Heute 15, morgen 25°C als Max.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt ein KW Trog über den Norden mit Schauern und vereinzelten Gewittern nach Osten. Der Wind lässt nach, bleibt aber an der See warnrelevant mit steifen bis vereinzelt stürmischen Böen aus West bis Nordwest. Nach Süden und Südwesten hin verstärkt sich der Hochdruckeinfluss.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... zieht das Tief zum Baltikum und der damit zusammenhängende Trog weitet sich über Osteuropa nach Süden aus. Zwischen dem Trog und einem Keil bei Irland dreht die Strömung in der Höhe nach Nordwest mit kurzwelligen Trögen, die darin nach SE ablaufen. Im Süden und der Mitte bremst KLA die Hebung etwas, dennoch bilden sich über der Mitte einzelne Schauer, im Norden, wo die Labilisierung stärker greift, sind kurze Gewitter möglich. Dort lässt aber die Scherung nach, dennoch sind dank Gradient, auch wenn der Organisationsgrad nicht mehr so gegeben ist, in Konvektionsnähe stürmische Böen möglich, in der gesamten Nordosthälfte aus dem Gradienten heraus Windböen 7 Bft.
Auch im Süden, besonders entlang der Alpen, sind mit Leitplankeneffekt Windböen und stürmische Böen aus West zu erwarten.
Das die Südwesthälfte ruhiger und freundlicher davonkommt, liegt an der Nähe zur Hochdruckzone über Westeuropa.
Die kühlere Luft kommt auch im Süden an.
ICON hat die Windentwicklung am Sonntag im 12z Lauf ein wenig verstärkt. Dennoch bleibt der Grundtenor der gleiche und für mehr Details kann die Frühübersicht zu Rate gezogen werden.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren ähnlich. Das Wochenende wird sehr windig. Morgen fast landesweit, am Sonntag eher in der Nordosthälfte und zu den Alpen hin. Das Level (häufig 7 Bft, einzelne Bft 8, Küste und Berge Sturmböen) dürfte ähnlich sein.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 12.06.2026 um 10.30 UTC
Nächste Woche deutlicher Temperaturanstieg und zunehmend heiß. Dabei regional Gewitterneigung.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 19.06.2026
Am Montag, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, liegen wir nach IFS in einer nordwestlichen Höhenströmung. Dabei ist nach wie vor eine recht kühle Luftmasse mit nur 3 bis 6°C in 850 hPa in weiten Teilen des Landes wetterwirksam, nur ganz im Süden ist es wärmer. Auch das Geopotential ist noch niedrig. In der nordwestlichen Höhenströmung schwenkt in der ersten Tageshälfte noch ein recht markanter Kurzwellentrog durch, zum Nachmittag und in der Nacht wird die Strömung deutlich antizyklonaler. Bodennah ist ein umfangreicher Tiefdruckkomplex im Bereich des Baltikums wetterbestimmend, während sich von Südwesten ein Hochkeil nähert, aus dem sich eine flache Hochdruckzone abspaltet. Insbesondere über der Nordosthälfte des Landes liegt ein recht kräftiger Gradient, so dass dort böiger Westwind erwartet wird.
Am Dienstag verbleiben wir in einer leicht antizyklonalen Höhenströmung, wobei sich ein flacher Rücken von Westen her nur sehr langsam nähert und gleichzeitig sich hierzulande des Geopotential deutlich erhöht. Dies geht einher mit der Zufuhr wärmerer Meeresluft aus dem Biskayaraum, so dass bis zum Mittag in 850 hPa die Temperatur im Südwesten schon auf 14°C angestiegen ist, während sie im Nordosten noch 10 K kühler ist. Während sich das Hochdruckgebiet nach Südosten zurückzieht, sorgt eine Warmfront, die in eine flache Rinne eingelagert ist, weiterhin für zeitweise Bewölkung und im Tagesverlauf von Westen aufkommende Gewitterneigung.
Am Mittwoch nähert sich die Achse des flachen Rückens und das Geopotential steigt weiter an. Eine warme Luftmasse mit 16°C im Süden und 10°C im Norden (850 hPa) setzt sich durch. Gleichzeitig zieht ein Sturmtief über die nördliche Nordsee, verbunden mit einem Trog, der über die Nordsee schwenkt und dort für eine kräftige Höhenströmung sorgt. Auch der bodennahe Wind frischt im Norden wieder etwas aus West auf. Die Kaltfront des Tiefs bringt im Norden viele Wolken und auch etwas Regen, während im übrigen Land wechselnd bewölktes Sommerwetter ansteht.
Am Donnerstag sorgen der Höhenrücken und ein sich über den Alpen neu etablierendes Hoch für sonniges und hochsommerlich heißes Wetter im Süden. Im Norden ist es auch recht warm, allerdings tummeln sich im Bereich der sich auflösenden Kaltfront immer noch viele Wolken, die auch noch etwas Regen bringen können und sich erst nach und nach auflösen.
Am Freitag kommt es über dem nahen Atlantik zu einem Trogvorstoß Richtung Süden, gleichzeitig steilt der Rücken über Deutschland deutlich auf. Der Bodenhochschwerpunkt zieht sich etwas nach Osten zurück, so dass von Südwesten eine noch wärmere Luftmasse einfließen kann. Bis zum Mittag werden in größeren Teilen des Landes 18 bis 21°C in 850 hPa erreicht, ganz im Nordosten sind es nur 11 bis 14°C. Somit steht im Südwesten ein sehr heißer Tag mit Höchstwerten über 35°C ins Haus. In einigen Landesteilen, vor allem im Westen und im Bergland kann sich hohes CAPE aufbauen, was über den Bergen zu starken Gewittern führen kann. Am Abend und in der Nacht soll eine Störung im Nordwesten für kräftige Gewitteraktivität sorgen.
In den Folgetagen soll uns das sehr hohe Geopotential erhalten bleiben, zudem soll sich die heiße Luft noch weiter nach Norden hin durchsetzen, dass Höchstwerte deutlich jenseits der 35°C-Marke bis nach Schleswig-Holstein auftreten könnten. Dabei bleibt die Luftmasse leicht feucht, so dass sich zumindest regional (wenn es durch flache Druckminima zu Feuchteflusskonvergenzen kommt) hohe CAPE-Werte aufbauen können, die immer wieder auch in heftigen konvektiven Umlagerungen resultieren.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle Lauf des IFS ist mit seinen beiden Vorgängerläufen bis zum kommenden Freitag, was die Prognose in Deutschland angeht, recht konsistent. Die Sturmtiefentwicklung am Mittwoch ist in dieser Stärke erst im heutigen 00-UTC-Lauf aufgetaucht, so dass auch die stärkere Windentwicklung im Norden erst im heutigen Lauf erschien. Aber auch die Vorgängerläufe zeigten schon die Kaltfront über dem Norden Deutschlands, die sich später auflöst. Zum nächsten Wochenende hin zeigen sich dann deutlichere Unterschiede. Der gestrige 00-UTC-Lauf ließ ein Hoch über dem Nordatlantik und Grönland immer näher an uns heranrücken, so dass an seiner Ostflanke ab dem Samstag wieder deutlich kältere Luft den Norden erreichte, was zu einem erheblichen thermischen Gradienten hierzulande führte. Die beiden jüngeren Läufe simulieren das Hoch weiter westlich, so dass immer wieder Tiefs vom Atlantik über die Britischen Inseln ins Nordmeer ziehen können und die Zufuhr der sehr warmen Luft aufrechterhalten.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die grundlegende Entwicklung für die nächsten 7 (bis 10) Tage zeigen die vorliegenden deterministischen Modelle übereinstimmend. Alle zeigen das zunehmend ansteigende Geopotential (mit Zufuhr zunehmend heißer Luft) und die antizyklonale Strömung mit Aufbau eines starken Rückens zum Ende der kommenden Woche. Die damit verbundene starke Zunahme des Temperaturniveaus scheint in trockenen Tüchern. Im Detail gibt es aber noch Unterschiede: Der durchschwenkende Kurzwellentrog am Montag wird unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell simuliert. IFS zeigt dabei eine schnellere und intensivere Entwicklung. Die Sturmtiefentwicklung über der Nordsee am Mittwoch ist ebenso nur bei IFS zu finden. Dagegen zeigt GEM in der Nacht zum Sonntag (21. Juni) einen kräftigen Trog über der Nordsee. Insgesamt zeigen alle Modelle, dass am nächsten Wochenende immer wieder etwas feuchtere Luft in den Nordwesten eingesteuert wird, teils verbunden mit flachen Tiefs, so dass dort eine gewisse Anfälligkeit für Unwetter besteht. Die Details unterscheiden sich aber noch stark und müssen heute noch nicht erläutert werden.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitraum Mittwoch bis Freitag werden alle IFS-Ensemblemitglieder einem Cluster zugeordnet. Die Grafik zeigt schön den Geopotentialaufbau über Deutschland. Das Regime ist zunächst noch "positive NAO", also eine westliche Lage. Im Zeitraum von Samstag bis Montag wechselt das Regime zu "Blocking". Dann werden drei Cluster gebildet. Bei C1 (22 Mitglieder, Kontrolllauf) reicht das Blocking nordwärts bis Skandinavien, wird allerdings durch einen in die Nordsee ziehenden, sich abschwächenden Trog etwas angegriffen, so dass es zum Montag im Nordwesten recht gewittrig werden könnte. Bei C2 (16 Mitglieder) reicht der Geopotentialblock sogar weiter nach Nordosten bis in die Karasee, der Trog von Westen wird stärker abgeblockt. Bei C3 wird der Rücken dagegen über Skandinavien abgehobelt und Tröge können dort wieder ostwärts ziehen. Alles in allem bestätigt das die schon oben getroffene Aussage: Hochsommerlich heiß mit Gewitterpotential von Nordwesten her.
Die Rauchfahnen für Geopotential und Temperatur kennen ab Montag nur eine Richtung: Es geht steil nach oben, bei der Temperatur landesweit um ca. 15 K. Zudem zeigt sich zum nächsten Wochenende im Süden und in der Mitte eine ungewöhnlich geringe Streuung der Kurven. So liegen zum Beispiel am kommenden Wochenende die 850-hPa-Temperaturkurven über Augsburg zum größten Teil zwischen 17 und 22°C, die erwarteten Höchstwerte in 2 m kann man sich heute noch gar nicht vorstellen. Im Norden liegt der Schwerpunkt der Kurven kaum tiefer, allerdings gibt es doch den einen oder anderen Ausreißer deutlich weiter nach unten (bis unter 5°C). Die Niederschlagssignale sind nicht besonders ausgeprägt, aber doch landesweit deutlich vorhanden und zeigen einen ausgeprägten konvektiven Tagesgang.
Noch ein Blick auf das GFS-Ensemble: Die Rauchfahnen zeigen hier keine ganz so große Sicherheit der Prognose, sprich, insbesondere bei der Temperatur gibt es ein paar mehr Ausreißer nach unten und auch der Hauptast der Kurvenschar liegt etwas tiefer als beim IFS. Der Hauptlauf liegt dagegen eher am oberen Rand der Verteilung, was aber auch beim IFS tendenziell der Fall ist.
Fazit: Des einen Freud, des anderen Leid: Die Hitzewelle ist unausweichlich.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI zeigt am Montag ein überraschend starkes Signal für Wind im Nordosten Deutschlands. Dieses Signal spiegelt vor allem die hohe Sicherheit der Windvorhersage wider. Die tatsächliche Stärke ist dagegen nicht signifikant und liegt dabei im Bereich wahrscheinlicher Böen der Stärke 7. 8er-Böen werden bei IFS-EPS und ICON-EPS nur an der Ostsee mit erhöhter Wahrscheinlichkeit simuliert.
Bezüglich Gewitter gibt es in der nächsten Woche keine Hinweise auf starke Entwicklungen seitens der Modellfelder. Aus synoptischen Überlegungen heraus darf aber am Montag in weiten Landesteilen eine geringe Gefahr markanter Gewitter (bezüglich sämtlicher Begleiterscheinungen) angenommen werden. Für die Tage Dienstag bis Donnerstag gilt dies insbesondere im Norden, wobei am Dienstag und Mittwoch die leichte Dynamik noch für das Potential stürmischer Böen sorgt, während am Donnerstag in zunehmend feuchtwarmer Luftmasse dann eher Starkregen in den Fokus rückt. Wirklich interessant dürfte die Gewitterentwicklung wieder an Freitag werden, wenn sehr hohe CAPE-Werte etwaige Gewitter (vor allem im Nordwesten und im Bergland) kräftig ausfallen lassen mit Unwettergefahr durch Starkregen. Aufgrund schwacher Dynamik sollte Hagel eine geringe Rolle spielen und Böen keinesfalls das Unwetterkriterium erreichen.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, IFS-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann





