Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 04.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
NW a, Übergang zu NW z
Heute kaum markante Wettergefahren. Am Sonntag und mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch am Montag an der Ostsee, an der Nordfriesischen Küste sowie auf exponierten Berggipfeln der nördlichen und östlichen Mittelgebirge stürmische Böen. Zudem im Süden sowie im östlichen Bergland an beiden Tagen einzelne Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
Samstag... liegt Deutschland an der Ostflanke eines breiten Höhenrückens, der sich von der Iberischen Halbinsel über den nahen Ostatlantik hinweg bis nach Südgrönland erstreckt. Über Osteuropa hält sich ein Trog, der in den Schwarzmeerraum schwenkt. Ein nachfolgender Trog greift auf die nördliche Nordsee über. Dies ergibt über Mitteleuropa eine nordwestliche Strömung, die heute vorübergehend etwas antizyklonaler wird. Mit der Warmfront des Tiefs östlich von Island, die sich schleifend in die Strömung legt, kommen im Norden und Nordosten Deutschlands Niederschläge auf, wobei von der Nordsee ausgehend bis in die Altmark hinein 5 bis etwa 10 mm innerhalb von 12 Stunden möglich sind.
Aufgrund der Nähe zur Frontalzone kommen an der Nordseeküste sowie an der Ostsee Wind- und exponiert einzelne stürmische Böen zustande, wobei Windböen Bft 7 auch etwas ins nordöstliche Binnenland ausgreifen können. Hier macht sich der Tagesgang sowie das antizyklonale Ausfließen windverstärkend bemerkbar. Unter Hochdruckeinfluss bleibt es im Westen und Süden Deutschlands trocken, dank nahezu ungehinderter Einstrahlung steigt in diesen Gebieten die Temperatur auf 25 bis 30 Grad, wogegen sonst, d.h. im Norden, Nordosten und größtenteils auch in der Mitte, nur 19 bis 24 Grad zu erwarten sind.
In der Nacht zum Sonntag erfolgt am Okklusionspunkt des Frontensystems des Tiefs östlich von Island eine schwache Zyklogenese. Die resultierende Welle wird jedoch von dem nachfolgenden Trog überlaufen und wird dabei unter Abschwächung nach Südskandinavien gesteuert. Immerhin reicht es an deren Südflanke für eine leichte Gradientzunahme, wodurch vor allem in der zweiten Nachthälfte zunächst an der Nordsee und später auch an der Ostsee wieder vermehrt Windböen Bft 7, an der Nordfriesischen Küste durchaus auch stürmische Böen auftreten können. Die Kaltfront dieser Welle erreicht Samstagfrüh den Küstenbereich. Mit dieser leben im Norden und Nordosten Deutschlands die Niederschläge auf, wobei sich erneut einige bis etwa 5, im Küstenbereich und im Stau des Erzgebirges bis etwa 10 mm innerhalb von 12 Stunden abzeichnen.
Im Westen und Süden Deutschlands bleibt es klar, wobei einstellige Tiefsttemperaturen dann nicht mehr zu erwarten sind.
Sonntag... greift der Trog von der Nordsee kommend auf Südskandinavien über. Dieser ist jedoch von Kaltluftadvektion überlaufen und schwenkt daher rasch ostwärts, ohne die nordwestliche Strömung wesentlich zu deformieren. Allerdings frischt tagesgangsbedingt im Norden und Nordosten Deutschlands der Wind mit Böen Bft 7 auf, an der Küste sind stürmische Böen, exponiert an der Ostsee auch Sturmböen Bft 9 vorstellbar.
Die o.g. Kaltfront kommt etwa bis zu einer Linie Oberlausitz - Harz - südliches Emsland voran, wird danach aber als Warmfront rückläufig und gelangt nach Westen hin zudem unter antizyklonalen Einfluss. Daher greifen die Niederschläge mit ähnlichen Summen wie an den Tagen zuvor vom Norden und Osten auch auf die mittleren Regionen über. Wahrscheinlich bleibt es nur westlich vom Rhein, ganz im Südwesten sowie postfrontal ganz im Norden weitgehend trocken. Präfrontal können sich im Süden und Südosten in der wärmeren Luft einzelne Gewitter entwickeln. Vor allem in Richtung Alpen ist die Luft noch leicht labil und es können sich dank Einstrahlung bis über 500 J/kg MU-CAPE aufbauen. Zudem erreicht der Gehalt an niederschlagbarem Wasser Werte um 30, von NRW bis etwa in den Odenwald und Spessart bis knapp 35 mm. Von Seiten der Dynamik ist nur schwache Hebung zu erwarten, die aus der leicht flatternden Nordwestströmung resultiert. Meist muss jedoch für die Auslösung die Orografie herhalten. Ohnehin dürfte es sich dabei um schwächere Entwicklungen handeln, die sich zudem rasch verlagern und maximal mit "markant" (stürmische Böen, Starkregen eher unwahrscheinlich) zu bewarnen wären.
Größere Auflockerungen bzw. sonnige Abschnitte sind auf den Südwesten Deutschlands beschränkt. Dort sowie in tieferen Lagen Westdeutschlands steigt die Temperatur auf 24 bis 29 Grad. Ansonsten werden 19 bis 24 Grad erreicht.
In der Nacht zum Montag sorgt Warmluftadvektion über dem mittleren Nordatlantik für Geopotentialgewinn, so dass sich in Richtung Island ein kräftiger Rücken aufwölbt. Der vom Nordmeer bis in den Schwarzmeerraum reichende Trog bleibt bestehen, so dass sich an der nordwestlichen Strömung nicht allzu viel ändert. Daher sind an der Küste noch weitere Windböen Bft 7 und an der Ostseeküste auch einzelne stürmische Böen zu erwarten, wobei der Wind ausgangs der Nacht zusehends schwächer wird.
Die darin nahezu strömungsparallel liegende Warmfront wird jedoch allmählich nach Nordosten gedrückt, wodurch sich das Niederschlagsgeschehen über die mittleren Regionen hinweg in den Norden und Nordosten sowie aufgrund der dort noch vorhandenen leicht labilen Luftmasse an den Alpenrand verlagert, aber selbst dort sollte es für Gewitter nicht mehr reichen. In den anderen Gebieten bleibt es trocken, aber längere Zeit aufklaren dürfte es nur im Südwesten.
Montag... wird der über Osteuropa liegende Langwellentrog durch den von Skandinavien hereinlaufenden Trog regeneriert, ohne dass die Strömung über Mitteleuropa wesentlich zyklonaler wird. Die o.g. Warmfront wird durch eine Welle, die über die dänische Südsee nach Nordwestpolen gesteuert wird, allmählich nach Norden gedrückt. Die Folge sind im Norden, Osten und auch in der Mitte weitere Niederschläge, wobei ähnliche Summen wie an den Vortagen zustande kommen. Im Westen und Südwesten dominiert antizyklonaler Einfluss, so dass es dort weitgehend trocken bleibt.
Der Wind frischt aus westlichen Richtungen tagesgangsbedingt wieder etwas auf, wobei an der Küste und im Bergland zwar Windböen Bft 7 zu erwarten sind, stürmische Böen jedoch weniger wahrscheinlich sind als am Sonntag und dann auf exponierte Berggipfel der nördlichen und östlichen Mittelgebirge sowie der Nordfriesischen Küste beschränkt sind.
Im Südosten und im östlichen Mittelgebirgsraum ist hinsichtlich Labilität und konvektiven Zutaten die Konstellation mit der vom Sonntag vergleichbar. Vor allem im östlichen Bergland kommt noch etwas Scherung ins Spiel. Einzelne Gewitter können sich daher im Tagesverlauf entwickeln; stürmische Böen sind nicht auszuschließen, für Unwetter sollte es jedoch nicht reichen. Gegenüber Sonntag setzt sich jedoch im Südwesten Deutschlands bereits merklich trockenere Luft durch. In diesen Gebieten sind größere Auflockerungen und zum Teil auch längere sonnige Abschnitte am wahrscheinlichsten, was die Temperatur auf 25 bis 30, in Oberrheinnähe bis 32 Grad steigen lässt. Ansonsten werden bei rasch wechselnder Bewölkung 19 bis 24 Grad erreicht.
In der Nacht zum Dienstag greift vom Nordmeer kommend ein weiterer, aber relativ markanter Kurzwellentrog auf Südskandinavien über. Das korrespondierende und entwicklungsgünstig liegende Tief wird zunächst in den Oslofjord gesteuert. Da die Warmfront dieses Tiefs über der Ostsee liegt, beschränken sich die Niederschläge - mit ähnlichen Summen wie an den Vortagen - auf den Norden und Nordosten Deutschlands. Unter dem breiten Warmsektor des sich entwickelnden Tiefs frischt der Wind auch wieder auf, so dass zunächst an der Nordsee und später auch an der Ostseeküste wieder Wind- und exponiert einzelne stürmische Böen zustande kommen.
Ansonsten bleibt es trocken, wobei Auflockerungen dann eher auf die südlichen Landesteile beschränkt sind. Die nächtlichen Tiefsttemperaturen liegen dann durchweg im zweistelligen Bereich.
Modellvergleich und -einschätzung
Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 04.07.2026 um 10.30 UTC
Anfangs im Nordosten stürmisch, ab Donnerstag überwiegend Hochdruckeinfluss mit Temperaturzweiteilung: Heißer Südwesten und kühlerer Nordosten.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 11.07.2026
Mittelfristig haben wir derzeit immer noch eine gestörte Zirkulation. Einerseits liegt am Dienstag ein kräftiger Tiefdruckkomplex über Skandinavien, der einen Langwellentrog über Osteuropa beeinflusst. Andererseits hat sich über Westeuropa ein kräftiger Höhenkeil aufgewölbt, der von einem atlantischen Langwellentrog stabilisiert wird. Von diesem Langwellentrog ist ein Höhentief in Richtung Azoren abgetropft, das vorderseitig eine Warmluftblase mit 850-hPa-Temperaturen über 20 °C nordwärts bis in die Mitte Frankreichs schiebt. Der Südwesten Deutschlands befindet sich unter dem Einfluss des korrespondierenden Hochdruckgebietes am Rande des "Heat Domes" mit 850-hPa-Temperaturen um 17 °C. Der Nordosten wird derweil von einem für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftigen Sturmtief über Südschweden beeinflusst. Unter Trogeinfluss liegen die 850-hPa-Temperaturen dort nur bei etwa 7 °C. Dabei hat sich eine straffe nordwestliche Strömung eingestellt, in der es in Küstennähe zu Sturmböen und im Binnenland zu starken bis stürmischen Böen kommt. Die zugehörige Kaltfront des Tiefs kommt bis in die Mitte Deutschlands voran und gelangt dort ins Schleifen. Die heiße Luft im Südwesten wird im Tagesverlauf etwas zurückgedrängt.
Bis Donnerstag zieht das Sturmtief Richtung Baltikum, wodurch der Keil von Westen her immer mehr an Einfluss gewinnt.
Zum Ende der Woche verfestigt sich das Tief als Cut-Off über Osteuropa, während sich der vorderseitig eines Cut-Off-Tiefs westlich der Iberischen Halbinsel einen Keil über West- nordwärts schiebt und zu einem korrespondierende Bodenhoch über dem Atlantik nach Schottland bis nach Skandinavien führt. Somit ergibt sich in der Höhe eine stabile Omega-Konfiguration der Strömung. Die Keilachse liegt dabei knapp westlich von uns. Dabei bleibt die Südwest-Nordost-Teilung bei den Temperaturen erhalten, wobei die Warmluft etwas weiter nach Nordosten vordringt. Laut IFS soll diese Konfiguration im Wesentlichen stabil bleiben. Auch in der erweiterten Mittelfrist ab dem Wochenende befinden wir uns an der Ostflanke des Keils. Über dem Nordosten können immer wieder, meist aber wenig wetterwirksame, Tröge ziehen, während es im Südwesten sonnig, trocken und heiß bleibt. Am Ende der Mittelfrist, im spekulativen Bereich gegen Ende nächster Woche, zeigt das IFS, dass der sich nach Skandinavien zurückziehende Block von einem Cut-Off-Tief unterlaufen wird, das nach Mitteleuropa zieht und für Schwergewitterlagen sorgen könnte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Das wesentliche Muster, mit dem Hitzeblock über Westeuropa wurde schon länger im Wesentlichen gezeigt. Es gibt jedoch größere Unterschiede bezüglich der genauen Positionierung des Hochs, die im Wesentlichen vom Höhentief über der Iberischen Halbinsel und dem Verhalten des Cut-Offs über Osteuropa abhängen. Deren Position ist noch unsicher. So dringt die heiße Luft mal mehr, mal weniger weit nach Mitteleuropa vor. Das macht die Lage trotz Omegablock auch in der erweiterten Mittelfrist fragil.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch GFS und ICON bestätigen die Lage. GFS lässt dabei den Höhenkeil am Wochenende über die Mitte ziehen, sodass es im Süden teilweise über 20 °C und im Nordosten etwa 13 °C auf 850 hPa gibt. Zu Beginn der neuen Woche nimmt der zyklonale Einfluss ausgehend von einem Cut-Off über Westeuropa zu. Die ICON-Simulation zeigt bis zum Wochenende ein ähnliches Bild. AIFS rechnet bis zum Wochenende mit einem deutlich stärkeren Trogeinfluss und lässt die Hitze am Wochenende allenfalls den Südwesten erreichen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Ensembles bestätigen im Wesentlichen die Modelle und deren Unsicherheiten. Ein allgemeiner Aufwärtstrend bei Temperatur und Geopotenzial lässt sich erkennen, jedoch mit erheblichen Spread, der am Wochenende im Süden zwischen 12 und 24 °C auf 850 hPa zeigt. Der Hauptlauf befindet sich knapp unterhalb des Medians und zeigt nur eine moderate Hitzewelle im Südwesten. Die Niederschlagssignale nehmen ab Mittwoch allgemein deutlich ab.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass das Zirkulationsmuster im Wesentlichen feststeht. Ein Hitzeblock über Westeuropa, wobei Deutschland im immer stärker werdenden antizyklonalen Einfluss am Rand des "Heat-Domes" über Westeuropa liegt. Dies wird auch von den Clusteranalysen bestätigt, die nur zwei Cluster mit einem Block über Westeuropa zeigen. Im Nordosten gibt es anfangs noch einen deutlich kühleren Trogeinfluss, der allmählich zurückgedrängt wird, sodass die Warmluft nach Nordosten an Raum gewinnt. Allerdings gibt es vorher noch einmal einen für die Jahreszeit ungewöhnlichen Sturm an der Ostsee. Wie weit diese Warmluft vorankommt, ist unsicher und hängt von der Position eines Höhentiefs über der Iberischen Halbinsel und eines Cut-Off-Tiefs über Osteuropa ab. Für den Südwesten scheint eine neue Hitzewelle ab Ende der Woche relativ sicher. Allerdings wird diese wahrscheinlich moderater ausfallen. Zeigten vergangene Läufe noch ein erhöhtes Potenzial für eine außergewöhnliche Hitzewelle, so sind diese Läufe mittlerweile deutlich in der Minderheit. Für den Nordosten stehen die Zeichen derzeit eher auf moderate sommerliche Temperaturen ohne ausgeprägte Hitze. Relativ sicher ist, dass es ab Donnerstag weitestgehend trocken bleibt, abgesehen von einzelnen Gewittern am Wochenende.
Die Clusteranalysen zeigen auch in der erweiterten Mittelfrist im spekulativen Bereich für die nächste Woche weiterhin eine starke positive Geopotenzialanomalie über der Nordsee bis ins Nordmeer. Für Mitteleuropa gibt es hingegen keine Anzeichen für eine Geopotenzialanomalie mit im Mittel glatter Westströmung. Es ist möglich, dass der Block dann von Cut-Off-Tiefs unterlaufen wird, die schwere Gewitter mit sich bringen können.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Ein Ostseesturmtief bringt am Dienstag für die Jahreszeit ungewöhnlich starken Wind. Dabei sind im Nordosten auch stürmische Böen im Binnenland möglich, wenn der Wind auf 850 hPa bis zu 50 kt erreicht.
Im Südwesten kommt es zum Ende der Woche zu einer stärkeren Hitzebelastung, deren Intensität noch unsicher ist.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, ICON, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold





