Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 10.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang zu TR M
Heute im Tagesverlauf von Südwesten her Gewitter mit Starkregen, Unwetter nicht auszuschließen. In der Nacht zum Montag über die Mitte hinweg nordostwärts ausgreifend, in mehrstündigen, anfangs noch gewittrigen Starkregen übergehend.
Montag im Süden und anfangs im Osten nochmals Gewitter mit Starkregen, Unwetter nur noch wenig wahrscheinlich. Zudem im Süden vor allem in Richtung Alpen auffrischender Westwind, in freien Lagen mit stürmischen Böen. Dann auch in den Hochlagen der süddeutschen Mittelgebirge und ab dem Abend an der Nordseeküste Sturmböen Bft 8/9.
Dienstag kühles Schauerwetter, nach Osten hin auch einzelne kurze Gewitter. In der Nacht zum Mittwoch im Süden Wetterberuhigung, dort sowie im Bergland leichter Frost oder zumindest Frost in Bodennähe.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Sonntag... liegt Deutschland an der Vorderseite eines Höhentiefs mit Zentrum vor Galizien. Mit einer südwestlichen und anfangs noch leicht antizyklonal geprägten Strömung wird von Südwesten her feuchtlabile Luft herangeführt, die bis in Teile der Mitte vorstößt. CAPE (MU, KK) erreicht mehr als 500 bis etwa 800 J/kg, der Gehalt an niederschlagbarem Wasser mehr als 20 bis ca. 30 mm. Eine Deckelung ist kaum noch vorhanden. Vom Hochdruckeinfluss der vergangenen beiden Tage ist nur noch mitteltroposphärisch etwas in Form einer leicht antizyklonalen Strömung vorhanden. Im Bodendruckfeld setzt, resultierend aus der fortschreitenden Erwärmung, Druckfall ein. Als Folge weitet sich die Tiefdruckrinne, die von dem Tief westlich von Galizien ausgeht und bis nach Nordfrankreich erstreckt, nach Deutschland aus. Zunächst passiert erst einmal noch nicht viel, was aus der anfangs noch antizyklonalen Strömung resultiert. Allenfalls über dem südwestdeutschen Bergland können sich bereits am Nachmittag erste Gewitter entwickeln. Aufgrund deren langsamer Verlagerung besteht dabei Gefahr von Starkregen.
Ab dem Abend ändert sich das Bild. Ein Kurzwellentrog, der vor allem im 700 hPa-Niveau und darunter ausgeprägt ist, schwenkt über die Westalpen hinweg nordwärts und aktiviert die in der Tiefdruckrinne vorhandene feuchtlabile Luft, wodurch sich von Südwesten her vermehrt Gewitter entwickeln, die bis zur Südeifel, auf das Rhein-Main-Gebiet und bis zur Ostalb ausgreifen können. Unwetter durch heftigen Starkregen um 30 mm in kurzer Zeit sind nicht auszuschließen. Aufgrund der trockenen Grundschicht muss zudem bei kräftigeren Entwicklungen anfangs mit stürmischen Böen gerechnet werden. In den anderen Gebieten hält sich Hochdruckeinfluss, so dass dort konvektive Umlagerungen ausbleiben. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 18 bis 24, in tieferen Lagen Süddeutschlands bis 25 Grad. An der See werden 13 bis 17 Grad erreicht.
In der Nacht zum Montag stößt vom Nordmeer ein markanter Trog bis weit in die Nordsee vor. Dieser Trog interagiert mit dem o.g. Kurzwellentrog, der aus dem Höhentief vor Galizien herauslief, so dass letztendlich ein Trog zustande kommt, der sich bis nach Nordfrankreich ausweitet. Unmittelbar an dessen Vorderseite erfolgt über der Mitte Deutschlands eine zunächst schwache Zyklogenese. Bedingt durch diese Entwicklung weitet sich das Niederschlagsgeschehen bis in die Mitte Deutschlands aus. Die Gewitter gehen daher in mehrstündigen und anfangs noch gewittrigen Starkregen über, wobei in der zweiten Nachthälfte die Wahrscheinlichkeit für Starkregen über 20 mm innerhalb weniger Stunden zusehends geringer wird.
Der Norden und der Osten wird von diesen Niederschlägen zunächst noch verschont. Allerdings erfolgt auch in diesen Gebieten ein Aufzug mehrschichtiger Bewölkung.
Montag... weitet sich der über der Nordsee liegende Trog nach Süden aus, wobei dessen Achse am Abend über dem äußersten Westen Deutschlands zu finden ist. Das aus der o.g. Zyklogenese resultierende Tief wird unter weiterer Intensivierung über die Mitte Deutschlands hinweg nordostwärts gesteuert und liegt zur tagesgangsbedingt interessantesten Zeit bereits über Nordwestpolen. Die Luftmasse mit den o.g. Parametern gelangt dann in den Osten Deutschlands, wo dann noch signifikante niedertroposphärische Scherung mit ins Spiel kommt. Südöstlich der Linie Oderbruch - Vogtland sind daher heftigere Entwicklungen mit einem höheren Organisationsgrad vorstellbar; Unwetter sind nicht auszuschließen; zumindest besteht bei diesen Entwicklungen die Gefahr von Sturmböen. Die Kaltfront des nach Nordwestpolen ziehenden Tiefs erreicht gegen Mittag die Donauniederung. Präfrontal verstärkt sich der Gradient, südlich der Donau und vor allem in Richtung Alpen kommt der Leitplankeneffekt zum Tragen. Hierdurch frischt dort (und auch im Erzgebirgsvorland) der Wind mit Böen Bft 7 auf, in freien Lagen können stürmische Böen zustande kommen. In den Kamm- und Gipfellagen der süddeutschen und östlichen Mittelgebirge muss mit Sturmböen Bft 8/9 gerechnet werden.
Präfrontal können sich zudem einzelne Gewitter entwickeln, die durch einen nach Osten ablaufenden Kurzwellentrog getriggert werden. Da aber die Luftmasse in diesen Gebieten durch Entrainmentprozesse entschärft wurde und zudem Kaltluftadvektion dämpfend wirkt, sind Unwetter eher unwahrscheinlich. Bedingt durch ein leichtes Schleifen der Kaltfront setzt im Südwesten und im Süden vor allem in Staulagen kräftiger Regen ein. Im Schwarzwald können innerhalb von 12 Stunden um 30 mm zusammenkommen.
Auflockerungen sind am ehesten im Südosten und, resultierend aus einer kräftigen Durchmischung, im Nordwesten Deutschlands vorstellbar. Gegenüber den Vortagen erfolgt ein Temperatursturz auf 9 bis 14 Grad. Temperaturmaxima zwischen 15 und 20 Grad werden nur noch von der Uckermark bis zum Erzgebirgsraum sowie in tieferen Lagen Süddeutschlands erreicht.
In der Nacht zum Dienstag tropft der Trog über der Mitte von Deutschland aus. Im Bereich dieses Höhentiefs gehen die Temperaturen im 850 hPa-Niveau großflächig auf Werte um -5 Grad zurück. Schauerartige Niederschläge fallen dann oberhalb 800 m als Schnee (der allerdings nicht liegen bleibt). Durch diese Entwicklung wird die Kaltfront des dann zur mittleren Ostsee in Richtung Gotland ziehenden Tiefs nach Süden gedrückt, wodurch sich das Niederschlagsgeschehen am Alpenrand sowie im Vorland der Alpen konzentriert. Im Schwarzwald lassen dagegen die Niederschläge mit Beginn der zweiten Nachthälfte nach.
An der Rückseite des Tiefs frischt an der Nordseeküste der Wind mit Böen Bft 7 und mit einzelnen stürmischen Böen steil aus Nordwest auf. Dort macht sich zudem im Bereich des Troges eine erhöhte Labilität bemerkbar, so dass über der Nordsee und vielleicht auch auf den Inseln einzelne Sturmböen Bft 9 nicht auszuschließen sind.
In einem breiten Streifen vom Westen Deutschlands bis in den Nordosten hinein klart es gebietsweise auf. In höher gelegenen und zudem windgeschützten Mittelgebirgstälern ist daher leichter Frost oder zumindest Bodenfrost möglich.
Dienstag... verlagert sich o.g. Cut-Off-Tief zum Oderhaff. Der hiervon ausgehende Trog schwenkt über die Adria hinweg ostwärts. Die rückseitige nordwestliche Strömung wird vorübergehend etwas antizyklonaler. Allerdings wird der flache Rücken von Warmluftadvektion überlaufen, zudem beginnt die Strömung zu flattern, so dass mit weiteren schauerartigen Niederschlägen zu rechnen ist. Diese ergeben in der relativ wasserdampfarmen maritimen Polarluft jedoch nur noch geringe Regenmengen.
Darüber hinaus frischt in einem breiten Streifen von der Nordsee bis in den östlichen Mittelgebirgsraum hinein und bis zu den Alpen und zudem gestützt durch den Tagesgang, der Wind aus Nordwest mit Böen Bft 7 auf. In höheren Berglagen und an der Nordseeküste sind einzelne stürmische Böen nicht auszuschließen. Zwischen den Schauerwolken sind auch größere Auflockerungen vorstellbar. Längere sonnige Abschnitte sind jedoch auf den Südwesten und Süden abseits der Alpen beschränkt. In diesen Gebieten macht sich noch am ehesten der schwache Hochdruckeinfluss bemerkbar.
Im Nordosten und ganz im Osten ist die Schichtung im Bereich und an der Südflanke des Cut-Off-Tiefs noch leicht labil, so dass es in diesen Gebieten noch einmal für kurze Gewitter reichen kann. An den Alpen kommen staubedingt noch vermehrt Niederschläge zustande, dort sind um 10 mm innerhalb von 12 Stunden möglich, wobei oberhalb etwa 1500 m Schnee fällt. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen deutschlandweit nur noch 8 bis 14 Grad.
In der Nacht zum Mittwoch greift vom Nordmeer kommend ein weiterer, aber relativ breiter Trog auf die Britischen Inseln über. An dessen Ostflanke dreht die Strömung auf West-Südwest zurück. Im Nordwesten und Norden macht sich ein nach Osten ablaufender Kurzwellentrog mit labiler Schichtung in Form von Schauern bemerkbar.
Ansonsten erfolgt eine Wetterberuhigung, südlich der Mittelgebirgsschwelle klart es verbreitet auf. Dort und auch im östlichen Mittelgebirgsraum stellt sich leichter Bodenfrost ein, in ungünstigen Lagen ist auch leichter Luftfrost nicht auszuschließen.
Modellvergleich und -einschätzung
Bis einschließlich Montagmittag stützen die verfügbaren Modelle die oben beschriebene Entwicklung. Prognoserelevante Unterschiede sind bis dahin nicht erkennbar.
Zum Montagabend hin lassen EZMW, GFS und UK10 ein kleinräumiges, aber kräftiges Tief in die Deutsche Bucht hereinlaufen. ICON hat stattdessen nur einen Bodentrog zu bieten. Dieses Tief wandelt sich aber mit dem Auftreffen aufs Festland in einen Bodentrog um. Danach ergeben sich bis Mittwochfrüh keine signifikanten Modellunterschiede mehr.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 10.05.2026 um 10.30 UTC
Überwiegend wechselhaft, anfangs im Norden mit Gewittern, nachfolgend im Süden teils andauernde Niederschläge, in Hochlagen der Alpen Schnee. Insgesamt eher kühl.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 17.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch befindet sich Deutschland auf der Vorderseite des sich amplifizierenden Troges über Nordwest-/Westeuropa. Nach Osten/Südosten hin voraussichtlich noch Zwischenhocheinfluss. Das korrespondierende Bodentief verlagert sich von den Britischen Inseln über die südliche Nordsee in Richtung Norddeutschland/Dänemark. Die zuvor bestimmende, arktische Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen unter 0, teils unter -2 Grad wird zunächst weitgehend ostwärts abgedrängt, rückseitig des Tiefs sickert aber bereits wieder eine sehr kühle Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen unter 0 Grad in den Nordwesten. Bei wechselhafter Bewölkung breiten sich mit Trogannäherung schauerartige Niederschläge von Nordwesten südostwärts bis in die mittleren Landesteile aus. Lokal sind dabei auch Gewitter möglich. Hinsichtlich potenzieller Begleiterscheinung muss am ehesten mit stürmischen Böen gerechnet werden, Scherung ist durchaus vorhanden, sonst ist die Luftmasse aber relativ trocken und auch die Labilität hält sich in Grenzen. Der Wind um Südwest frischt insgesamt teils böig, vor allem m Mittelgebirgsraum auch stark böig auf. In der Nacht zum Donnerstag hält die Schauertätigkeit an, anfangs lokal eventuell auch noch gewittrig. Ganz im Südosten teils noch gering bewölkt und weiterhin noch trocken.
Am Donnerstag (Christi Himmelfahrt) amplifiziert der Trog mit Achse westlich unseres Vorhersagegebietes, das Bodentief verlagert sich Richtung Südschweden zw. füllt sich leicht auf. Die Bodendruckverteilung wird über Mitteleuropa damit relativ diffus und flach. Die Strömung in der Höhe steilt etwas auf, die Temperaturen in 850 hPa bewegen sich zwischen etwa -1 Grad im Nordwesten und etwa 5 Grad im Südosten. Das Wetter gestaltet sich bei wechselnder Bewölkung insgesamt durchwachsen mit wiederholt auftretenden Schauern, dabei zunächst frischem, teils böigem Wind aus West bis Südwest. Lokale Gewitter werden vor allem im Norden und Nordosten erwartet, dort ist die Luftmasse am labilsten und feuchtesten, zudem deutet sich das Durchschwenken eines kurzwelligen Troganteils an. Weiter südlich und südöstlich sind potenzielle Hebungsantriebe geringer, die Luftmasse etwas trockener und die Labilität hält sich in Grenzen. In höheren Lagen der Alpen oberhalb etwa 1500 m kann Schnee dabei sein. In der Nacht zum Freitag lässt die Niederschlagstätigkeit häufig nach. Der Trog beginnt über Frankreich abzutropfen, dadurch ergibt sich vor allem über den mittleren Landesteilen eine noch flache Potenzialbrücke, am Boden steigt der Luftdruck ebenfalls leicht an. Vorderseitig des abtropfenden Troganteils findet über Italien bzw. dem westlichen Mittelmeer eine Zyklogenese statt. Damit in Verbindung stehende Aufgleitprozesse können im Alpenraum für Niederschläge sorgen, die sich bis ins Alpenvorland erstrecken können. Nachts daher im Süden/Südosten eventuell regnerisch.
Am Freitag tropft der Trog über Frankreich vollends ab, das Cut-off-Tief verlagert sich Richtung Löwengolf/Ligurisches Meer. Auf dessen Vorderseite wird in der Höhe feuchtere und wärmere Luft nordwärts geführt. Im 850 hPa steigen die Temperaturen im Südosten auf 7 bis 8 Grad. Damit verbunden ist also Warmluftadvektion und Aufgleitprozesse, die über die Alpen in den Süden/Südosten Deutschlands ausgreifen. Zudem stellt sich mit der bodennah nördlichen Anströmung der Alpen eine Gegenstromlage ein. Demnach überwiegt dort dichtere Bewölkung und es regnet zeitweise, teils auch länger. In Hochlagen der Alpen oberhalb 1500 bis 2000 m fällt dabei Schnee. Wo genau die Niederschlagsschwerpunkte dann liegen und ob gebietsweise markante Mengen fallen, ist noch unsicher, aber durchaus nicht ausgeschlossen. Im Norden schwenkt das Trogresiduum durch, bei wechselnder Bewölkung treten hier und da Schauer auf. Insgesamt dürfte aber im Tagesverlauf eher die Geopotenzialbrücke und Zwischenhocheinfluss zum Tragen kommen, dabei dann häufig abklingende Schauer und Auflockerungen. Im Nordwesten sickert nach wie vor eine polare Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen unter 0 Grad ein. Bei stärkerem Aufklaren in der Nacht zum Samstag recht niedrige einstellige Tiefstwerte, lokaler Frost in Bodennähe nicht ganz ausgeschlossen.
Am Samstag hält die Gegenstromlage im Alpenraum an. Das Höhentief verlagert sich allmählich ostwärts Richtung Balkan. Die Bodentiefzone südlich der Alpen weist mehrere Kerne auf. Über die nördlichen Landesteile schwenkt eventuell ein weiterer Kurzwellentrog, dabei wechselnde Bewölkung und geringes Schauerrisiko. Sonst tendenziell leichter Hochdruckeinfluss und kompensierendes Absinken, häufig niederschlagsfrei. Im Süden und Südosten dicht bewölkt und regnerisch, in Hochlagen der Alpen Schnee. Vor allem am Alpenrand andauernde Niederschläge, so dass markante Mengen nicht ganz ausgeschlossen sind, die genauen Schwerpunkte und ob tatsächlich Warnschwellen überschritten werden ist unsicher. Auch wie weit die Niederschläge über dem Osten nordwärts ausgreifen ist unsicher.
Am Sonntag mit weiterem Abzug des Höhentiefs nach Osten insgesamt recht flache, leicht diffuse Geopotenzialverteilung. Auch am Boden flache/diffuse Druckverteilung. Damit nachlassende/abklingende Gegenstromlage und Aufgleitprozesse und über der Südosthälfte nachlassende Niederschläge, noch häufig stark bewölkt. In der Nordwesthälfte wechselnde Bewölkung, häufig niederschlagsfrei. Prognose aber insgesamt unsicher.
In der erweiterten Mittelfrist unsichere Entwicklung: Tendenziell voraussichtlich eher wieder Übergreifen eines atlantischen Troges und damit zyklonale Grundströmung mit wechselhafter Witterung. Bei auf eher südwestliche Richtungen drehenden Grundströmung leicht ansteigendes Temperaturniveau.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bereits zu Beginn der Mittelfrist zeigen die vorliegenden IFS-Modellläufe einige Phasen- und Amplitudendifferenzen im Umgang mit der Annäherung und dem Abtropfen des Troges über Nordwest-/Westeuropa und dem damit verbundenen Einfluss auf unser Wettergeschehen. Diese Differenzen wachsen im Mittelfristzeitraum naturgemäß weiter an.
In der erweiterten Mittelfrist schwenken die aktuelleren Modellläufe eher wieder in Richtung zyklonaler Grundstruktur. Die Unsicherheiten sind aber groß.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Mit Blick auf andere Globalmodelle zeigt sich bis einschließlich Donnerstag noch eine ganz gute Übereinstimmung, nur leichte Unterschiede in Amplitude und Timing. Ab Freitag zeigt sich dann ein ähnlich diffuses Bild im Detail wie in den verschiedenen IFS-Modellläufen bei grundlegend eher zyklonaler, wechselhafter und kühler Witterung.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse des EZMW zeigt für den ersten Zeitraum von Mittwoch 00 UTC bis Donnerstag 00 UTC (+72 bis + 96 h) drei Cluster mit 23, 15 und 13 Membern, Haupt- und Kontrolllauf werden in Cluster 1 einsortiert. Alle Cluster und Zeitpunkte werden dem Regime "atlantischer Rücken" zugeordnet. Für uns steht aber Trogeinfluss auf dem Programm, der in den Clustern relativ ähnlich simuliert wird. Prognoserelevante Unterschiede in der Grundstruktur sind nicht zu erkennen. Im Folgezeitraum von Freitag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC (+120 bis +168 h) sind vier Cluster dargestellt (15, 13, 13 und 10 Member, Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 3). Vom Regime wandeln sich Cluster 1 und 4 von "atlantischer Rücken" zu "Blocking", wobei das Blocking im Bereich Nordosteuropa zu finden ist und der atlantische Rücken weiterhin besteht. Für unseren Vorhersagraum bleibt zwischen dem Trog über dem Nordatlantik mit potenziellem Kurzwellentrog an dessen Ostflanke und dem Höhentief südlich der Alpen eine diffuse, eher zyklonale Grundstruktur übrig. Cluster 2 und 3 wandeln sich vom Regime "Atlantischer Rücken" zu "NAO positiv", da das Tief über dem Nordatlantik/Island etwas markanter simuliert wird. Für unseren Vorhersagebereich bleibt aber auch hier die relativ diffuse Geopotenzialverteilung, in der Mitte und im Norden eher leicht antizyklonal konturierte Grundströmung "übrig". In der erweiterten Mittelfrist von Montag 00 UTC bis Mittwoch 00 UTC (+192 bis + 240 h) sind vier Cluster mit 16, 14, 12 und 9 Membern dargestellt, im Prinzip zeigen alle das Blocking-Regime. Allerdings liegt das Blocking nach wie vor eher östlich/nordöstlich unseres Vorhersagebereiches. Eventuell kann nach dem ein oder anderen Cluster der Nordosten/Osten Deutschlands davon profitieren, tendenziell überwiegt aber eher der leicht zyklonale Einfluss.
Die Rauchfahnen des IFS liefern wenig Neuerkenntnisse. Das Temperaturniveau ist insgesamt sehr verhalten, der Spread weitet sich ab Freitag zunehmend, ein Aufwärtstrend abseits von Einzelmembern deutet sich erst im Laufe der erweiterten Mittelfrist an, im Südosten etwas eher. Beim Geopotenzial deutet sich nach Trogdurchgang am Donnerstag ein leichter Zugewinn an, der Spread bleibt überschaubar, unsicherer wird es zur erweiterten Mittelfrist mit zunehmendem Spread, vom Mittelwert/Schwerpunktsbereich der Member her deutet sich aber wenig Änderung an. Nach Süden hin wird es mit zunehmendem Spread bereits zum Freitag unsicherer, ein Geopotenzialanstieg wird eher im Laufe des Wochenendes (Verlagerung Höhentief) gezeigt. Niederschlagssignale sind kontinuierlich vorhanden. Im Norden und der Mitte werden die Hauptniederschläge zu Beginn der Mittelfrist Mittwoch/Donnerstag erwartet, im Süden/Südosten eher Donnerstag bis Sonntag mit Peak am Wochenende wohl in Verbindung mit der Gegenstromlage.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der Wind weht am Mittwoch, teilweise auch noch am Donnerstag vor allem im Mittelgebirgsraum sowie bei Schauern und lokalen Gewittern in Böen stark bis stürmisch auf (Bft 7 bis 8).
Gewitter können am Mittwoch vor allem vom Norden bis in die Mitte, am Donnerstag eher im Norden und Nordosten auftreten. Hinsichtlich markanter Begleiterscheinungen drängt sich nur der böige Wind (wahrscheinlich maximal Bft 8) auf. Die Luftmasse gibt vom Feuchtegehalt nur wenig her, Starkregen sollte also kein Thema sein. Es gibt zwar etwas Scherung, insgesamt hält sich die Labilität (CAPE) aber in Grenzen und so sind organisierte Strukturen eher unwahrscheinlich.
Hinsichtlich markanter Niederschläge muss der Süden, insbesondere der Alpenrand im Auge behalten werden. Freitag/Samstag stellt sich eine Gegenstromlage ein, die teils zu andauernden Niederschlägen führen kann. Ob dabei aber tatsächlich Warnschwellen hinsichtlich markanter Mengen überschritten werden, ist unsicher. Signal aus der Ensemblewelt sind bisher nicht vorhanden (EFI) bzw. sehr gering. Interessanter ist die Niederschlagsphase in Hochlagen der Alpen oberhalb etwa 1500 bis 2000 m. Dort fällt Schnee. In Anbetracht der Jahreszeit sind dann voraussichtlich zumindest gelbe Warnungen notwendig, markante nicht ausgeschlossen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger





