Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 14.06.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
NW z
Im Norden und im Bergland heute sehr windig. Im Nordosten kurze Gewitter mit stürmischen Böen. Am Montag im Nordosten windig. Am Dienstag einzelne Gewitter mit Starkregen.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Sonntag... liegen wir unter einer zyklonalen nordwestlichen Strömung, am Rande eines hochreichenden Tiefs über der Ostsee. Damit gelangt recht kühle, im Süden mäßig warme Luft zu uns, die vor allem im Nordosten, aber auch am Alpenrand instabil geschichtet ist. Hoher Druck, bzw. Geopotential halten Abstand und sind über West- und Südwesteuropa zu finden.
In die Strömung sind kurzwellige Trögen eingelagert, die mit ihren PVA Maxima Hebung auslösen, die über der Mitte und dem Süden zum einen schwächer ausfällt, zum anderen durch Kaltluftadvektion gebremst wird. Dennoch bilden sich über der Mitte noch einzelne Schauer, im Norden, wo die Labilisierung stärker greift, sind die Schauer häufiger und auch kurze Gewitter möglich.
Dort wo die Labilität am größten ist, hat die Scherung nachgelassen. Dank des Gradienten, auch wenn der Organisationsgrad nicht mehr so gegeben ist, sind in Konvektionsnähe stürmische Böen möglich, in der Nordosthälfte aus dem Gradienten heraus Windböen 7 Bft, exponiert vereinzelt 8.
Auch im Süden, besonders entlang der Alpen, sind mit Leitplankeneffekt Windböen, exponiert stürmische Böen aus West zu erwarten. Dazu kommen noch die etwas stärkeren Böen an der See und im höheren Bergland, dort teils bis 9 Bft.
Dass die Südwesthälfte ruhiger und freundlicher davonkommt, liegt dann aber doch an der zumindest relativen Nähe zur Hochdruckzone über Westeuropa. Im Südwesten scheint sogar längere Zeit die Sonne, im Nordosten ist sie Mangelware. Die Temperaturen pendeln sich zwischen 17 und vereinzelt 25°C an Ober- und Hochrhein ein.
In der Nacht zum Montag ändert sich an der Gesamtkonstellation nichts wesentliches. Die Schauer lassen nach; der West- bis Nordwestwind ebenfalls. Windig bleibt es an den Küsten (Bft 7-8) und auf einigen exponierten Berggipfeln (Bft 8-9).
Montag... zieht der Tiefschwerpunkt zum Baltikum und der Höhenrücken kommt von Westen bis in die Nordsee voran, was die Bildung eines Hochs über der Südwesthälfte Deutschlands zur Folge hat. Die Nordosthälfte sieht von der Höhenströmung noch zyklonaler aus mit kurzwelligen Trögen. Die Zufuhr der leicht unterkühlten bis mäßig warmen Meeresluft setzt sich fort, allerdings kommt sie im Südwesten zur Ruhe und beginnt sich (etwas) zu erwärmen. Die Labilität und Feuchte nimmt auch im Nordosten ab, sodass die leichte Hebung nicht mehr viel ausrichtet. Es treten noch einzelne schwache Schauer auf, für Gewitter reicht es wahrscheinlich nicht mehr.
Allerdings bleibt der Wind ein Thema. Der Gradient und der Tagesgang bringen von den Küsten bis zur Lausitz wieder steife Böen aus West, an der See und auf Brocken und Fichtelberg auch mal 8 Bft.
Die sonnigen Bereiches weiten sich im Südwesten etwas aus. Im Norden und Nordosten überwiegen die Wolken. An der Temperaturspanne ändert sich nicht viel, der Raum mit >20°C wird etwas größer.
Von Westen her nähern sich dann aber schon die Ausläufer eines Tiefs über dem Atlantik, die mit WLA und kurzwelligen Trögen den Rücken überlaufen.
In der Nacht zum Dienstag greifen diese dann auf Westdeutschland über und bringen ganz im Westen leichten Regen. Die vorlaufende hohe und mittelhohe Bewölkung kommt bis in den Osten voran. Da sich das Tief über der Ostsee abschwächt, wird die Druckverteilung zusehends flacher und der Wind lässt nach. Am längsten ist es noch an der Ostsee windig mit steifen Böen, die zum Dienstagmorgen aber auch dort wohl vorbei sein dürften.
Dienstag... regeneriert sich der Höhenrücken über Westeuropa, wird dabei aber weiterhin von WLA und kurzwelligen Troganteilen überlaufen, die bei uns Hebung auslösen. Hinzu kommt ein Bodentrog, der sich von Westen her nähert und übergreift und in den auch ein kleinräumiges und flaches Tief eingelagert sein kann.
Mit der in der unteren Troposphäre auf West drehenden Strömung wird sehr feuchte und leicht instabile Luft advehiert. Die PPW Werte steigen auf mehr als 30 mm, die Grenzschichtfeuchte auf ca. 10 g/kg. Dabei kann sich tagsüber, trotz des in großen Landesteilen wolkigen Wettercharakter etwas Cape aufbauen. Neben dem gelegentlichen Regen, der sich über die Mitte nach Osten ausbreitet, sind auch einzelne Gewitter möglich, die angesichts des steigenden Wassergehalts mit Starkregen verbunden sein können.
Mit der Zufuhr der warmen Luft (in 850 hPa im SW bis 15°C) steht im Westen und Südwesten gebietsweise ein Sommertag an, am Oberrhein wird vielleicht auch die 30°C angekratzt. Der Norden wird von der warmen Luft noch nicht erreicht und es bleibt ganz im Norden bei unter 20°C.
In der Nacht zum Mittwoch greift der Höhenrücken zwar auf Deutschland über, mit der niedertroposphärisch westlichen Strömung wird weiter sehr feuchte (PPW >35 mm) und wolkenreiche Luft in den Norden und die Mitte geführt und gerade über Nordwestdeutschland kann es leicht regnen. Je weiter nach Süden es geht, desto mehr trocknet es ab und gerade über Süddeutschland stehen die Chancen auf Auflockerungen oder geringe Bewölkung besser. Warnrelevantes Wetter steht nicht an, weil es da, wo es die Hebung und Regen gibt, stabilisiert.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren im synoptischen Scale ähnlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 13.06.2026 um 10.30 UTC
Erst mäßig warm und leicht wechselhaft. In der Folge von Südwesten eine sich rasch aufbauende Hitzewelle.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 20.06.2026
Was für eine Spannung bei der nun anstehenden Mittelfrist, bezogen auf die treibenden Protagonisten. Die Mittelfrist per se scheint recht überschaubar zu verlaufen, mit einem sich einstellenden Temperaturniveau, das man sich heute noch nicht so richtig vorstellen kann/möchte.
Gerne kann der nun folgende Abschnitt übersprungen werden, wo wir etwas genauer schauen, wieso es zur aktuellen Entwicklung während der nun anstehenden Mittelfrist kommt. In dem Fall darf man zum Abschnitt "AKTUELLE MITTELFRIST" springen.
Steigen wir nun in die Materie ein und beginnen kurz mit einem Rückblick, was wir letzten Montag für die Entwicklung in der damals erweiterten (und nun aktuellen) Mittelfrist erwartet hatten:
"Somit erscheint aktuell eher eine stetige Zunahme des Geopotenzials über Süd-/Südwesteuropa am wahrscheinlichsten, wobei wir am Nordrand gelegen eher von kurzwelligen Anteilen touchiert werden. Dabei ist noch unsicher, wieviel Energie jeweils in die flankierenden Langwellentröge gebracht wird, [...]. Das Potenzial für eine längere Hitzewelle nach der Monatsmitte ist besonders für Südwest- und wohl auch Westeuropa gegeben, mit noch größeren Unsicherheiten, wie stark auch wir davon betroffen sein werden."
Wie sieht es nun aus? Über Südwest- und Westeuropa baut sich eine Hitzewelle auf und die Verteilung der Energie in die, den Keil flankierenden Tröge wird nun mittlerweile besser erfasst. Dabei fand besonders beim Trog über Nordosteuropa eine stetige Korrektur in Form fallenden Geopotenzials statt, mit immer kräftigeren negativen Anomalien zur Hintergrundklimatologie. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass uns dieser Trog etwas länger (als letzten Montag angenommen) mit einer kühlenden nordwestlichen Strömung beeinflusst. Diese Option wurde aber damals auch durch die Unsicherheiten hervorgehoben.
Ansonsten fällt weiterhin auf, dass die zonal gemittelten Zonalwinde (bei rund 60 Grad Nord) in 150 hPa Höhe teils deutlich unter dem Klimamittel liegen und für den Monatswechsel Mai/Juni gar Rekordwerte beim Minimum aufwiesen (inklusive einer Windumkehr) - wie schon oft erwähnt stellt dies eine Mischung aus dem Nachhall der dynamischen finalen Erwärmung beim Polarwirbel in der Stratosphäre dar und der daraus erwachsenden Möglichkeit, dass sich Störungen amplifizierend in wiederholt hochreichende Abschwächungs- bzw. Blockierungsphasen entwickeln können. Dies war zum letzten Monatswechsel der Fall und scheint erneut markant um den 20. Juni herum eintreten zu wollen.
Diese Störungen kann man wiederum beim Betrachten der vertikalen Eliassen-Palm- (EP-)Flüsse gut ausmachen, die wiederholtes Rossbywellenbrechen mit EP-Fluss Konvergenzen hervorrufen und die gemittelte Zonalwindgeschwindigkeit im außertropischen Sektor anhaltend schwächen. Auch hier ist ein neuer Anlauf einer weiteren Verringerung der Zonalwindgeschwindigkeit um den 20. Juni herum auszumachen und wird bei der Vorhersage des Zonalwindes in 150 hPa mit einem wilden an- und abschwächen der Windgeschwindigkeit quittiert, teils erneut in den Bereich der Windumkehr. Unter dem Strich dauern die Bedingungen für sehr schwache Zonalwinde als "background" die Mittelfrist und auch darüber hinaus weiter an. Diese Entwicklung wird im Zeit-Längendiagramm des IFS-ENS mit einem nahezu quasi-stationären Wellenzug quittiert und greift man sich deterministische Lösungen heraus (wo die Glättung mit der Zeit nicht so ins Gewicht fällt), dann erkennt man gar retrograde Verlagerungstendenzen (teils kaschiert durch Aufbrechen in kurzwellige und dadurch temporär progressivere Anteile).
Doch es wird leider etwas diffuser, denn trotz der genannten schwachen Zonalwindumgebung zeigt ein Blick auf den Nordpazifik, dass dort ein 170 kt Höhenjet (rund 2 Standardabweichung über der Hintergrundklimatologie liegend) ostwärts zieht und dessen Energie rasch ostwärts nach Kanada und in der Folge (nach der Monatsmitte) in den Nordatlantik transferiert wird. Beim Blick auf die zonalen Wellenflüsse erkennt man, dass diese Energie vom Hochland von Tibet/dem Himalaya erzeugt und seit Tagen zügig ostwärts geführt wurde (Keil/Trogstruktur). Die hohen Windgeschwindigkeiten beim Polarfrontjet entspringen aus derselben Region, wo es vor einigen Tagen eine ausgeprägte Bodendruckanomalie gab, die einem positiven "mountain torque" Ereignis entspricht, was wiederum durch Impulsverteilung die Energie in den Zonalwind transferiert (ausführlicher in früheren Mittelfristberichten beschrieben). Man erkennt also, dass ein zonal gemittelter Zonalwind solche lokalen Maxima kaschiert, die jedoch von Bedeutung sind, da sie per Energietransfer z.B. uns in der Mittelfrist im Nordatlantik beeinflussen. Schon spannend, wenn man bedenkt, dass die Ursache auf der anderen Seite der Weltkugel zu finden ist.
Diese Prozesse beschreiben nun unsere und die anstehende erweiterte Mittelfrist, denn mit einem stationären Muster der Rossbywellen können sich Blockierungslagen entwickeln. Die Frage ist nun, wieviel der Energie von Westen in Form eines ausgeprägten Langwellentroges vor den Toren Westeuropas transferiert wird (dominant äquatorial ausgerichtete zonale Wellenflüsse), oder ob diese zonal gerichtet Nordeuropa mit kurzwelligeren Troganteilen beeinflussen und das eher progressive Verhalten kurzwelliger Troganteile stützen. Dies hat Einfluss darauf, wie amplifiziert sich eine Antizyklone über Südeuropa bis nach Mitteleuropa ausweiten kann. Auf jeden Fall ermöglichen die nun in den westlichen Nordatlantik gerichteten Wellenflüsse einen Abbau der Schichtdicke im östlichen Bereich, was in der Folge von dem sich entwickelnden Langwellentrog vor Westeuropa ausgenutzt wird.
Dass so eine Antizyklone über Südwesteuropa etabliert wird war schon letzten Montag abzusehen. Störungsfreie Advektion (sehr) PV-armer Luftmassen aus Nordafrika, die in die Antizyklone advehiert werden und diese nicht nur kräftigen, sondern jegliche Zonalverlagerung weiter verringern. Im Kern wirkt der am Montag bereits ausführlich beschriebene "heat dome" Effekt, sodass nur noch die Frage bleibt, wie ausgeprägt der Trog vor Westeuropa ausfällt. Dies würde die letzte Komponente hinzufügen und den "heat dome" Effekt verstärkten (kurz: Advektion von hohen Absolutwerten an feuchter statischer Energie (u.a. auch in Form hoher PWT Anomalien) in die Nordflanke der Antizyklone). Daher ist es entscheidend, wie kräftig die negative Anomalie vor Westeuropa ausfällt.
Was sagt uns das alles nun. In der Mittelfrist wird eine blockierende Höhenantizyklone über Südwest- nach Mitteleuropa aufgebaut und als Keil mit hohen Abweichungen zur Hintergrundklimatologie polwärts gerichtet aufgespannt. Wie/wohin sich die Keilachse entwickeln wird hängt von der Advektionskomponente ab und die wiederum von der Ausprägung des Langwellentroges vor Westeuropa. Es deutet aber vieles auf eine intensive Hitzewelle für Südwesteuropa hin, die wohl auch Westeuropa zu einem großen Teil betrifft. Sie scheint sich zudem auch nach Mitteleuropa auszuweiten. Hier nehmen die Unsicherheiten aber zu, wie stabil das ganze aufgebaut wird, was durch die unsichere Ausrichtung der Wellenflussvektoren von Westen ausgelöst wird. Es ist auch zu erkennen, dass die Numerik Probleme mit dem hochbaroklinen Rand des thermischen Keils hat und daher wiederholt Zyklogenesen neu ansetzt, was sich erneut auf die Geometrie des Keils auswirkt. Je nach Ausrichtung der Wellenflüsse kann es auch für Mitteleuropa eine intensive/anhaltende Hitzewelle werden (von einigen Membern mit deutlich über +20 Grad in H85 gezeigt, wenngleich aber in der Minderheit), oder aber zügig in eine erneut westlich dominerte Phase mit einem markanten Nord-Südgefälle kippen.
Noch kurz ein Wort zur ENSO. Die am letzten Montag erwarteten Wellenflüsse vom ostpazifischen Sektor konnten sich nicht so entwickeln wie erwartet, was vor allem an der regen Konvektionsaktivität über Nordamerika lag (siehe die von der NOAA vorhergesagten und bewarnten zahlreichen markante Gewitterlagen). Das war auch durch wiederholte und teils nennenswerte Korrekturen bei den Inkrementen im IFS-ENS zu erkennen. Ein weiterer Grund (wenngleich dieser auch erwartet wurde) war das rasche Abschwächen der regen Konvektion im Ostpazifik nach Passage der MJO/Kelvinwelle. Diese sich in Teilen Europas nun aufbauende Hitzewelle hat nach Meinung des Verfassers bisher wenig mit dem Einfluss der sich entwickelnden warmen ENSO zu tun, deren Einfluss jedoch zum Spätsommer (besonders August) zunehmen dürfte.
AKTUELLE MITTELFRIST (Dienstag, den 16. Juni bis Samstag, den 20. Juni)
Doch schauen wir nun auf die anstehende Mittelfrist, die sich zwar immer weiter aufheizt, aber eben noch mit Unsicherheiten behaftet ist, wie intensiv und anhaltend diese Erwärmung von Südwest nach Nordost ausfällt.
Am Dienstag setzt im Zuge einer sich von Westen nähernden Kurzwelle (und in der Nacht zum Mittwoch auch deren Passage) kräftige WLA ein, sodass die Temperaturwerte in 850 hPa von 6 bis 13 Grad (Nordost nach Südwest) sukzessive auf 9 bis 17 Grad steigen. Dies geht tagsüber mit ausgedehnter WLA-Bewölkung, zahlreichen Schauern und vielleicht dem einen oder anderen kurzen Gewitter über dem Norden/der Mitte der Republik einher. Die Niederschläge beschränken sich im Zuge einer sich von Westen nähernden Kaltfront in der Nacht zum Mittwoch mehr auf den Nordwesten von Deutschland. Derweilen sorgt eine erste und noch eher seichte Keilpassage im Rest der Republik für stabile Verhältnisse. Besonders im Süden verläuft der Tag freundlich oder sonnig und meist trocken, sieht man von einem abendlichen Schauer- und Gewitterrisiko an den Alpen ab.
Am Mittwoch zieht ein kräftiges Tiefdruckgebiet von Schottland in Richtung Europäisches Nordmeer und wird an seiner Südflanke von einem 125 kt Höhenjet begleitet (bis zu 3 sigma Abweichung zur Hintergrundklimatologie), der sich über die südliche Nordsee legt. Somit stellt sich eine zyklonal geprägte Westströmung ein mit einem leicht antizyklonalen Touch über Süddeutschland. Während über Norddeutschland wiederholt Niederschlagsgebiete ostwärts durchziehen und peripher der zunehmend schleifenden Kaltfront teils auch länger anhalten, sind am Südrand der Niederschläge auch einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen (nördliche Mitte betreffend).
Im Süden bleibt es freundlich oder sonnig und trocken.
Zum Donnerstag zieht die Kaltfront unter Abschwächung in Richtung Main/Donau und gerät unter steigenden Luftdruck. Sie fällt im Norden am Vormittag noch mit dichteren Wolkenfeldern auf, die in der kühlen und leicht labil geschichteten Meeresluft postfrontal entstehen und auch der Nähe der aktiven und zonal ausgerichteten Frontalzone geschuldet sind. Im Süden dominiert weiterhin der Sonnenschein. Ob es am Alpenrand für einen abendlichen Schauer bzw. ein Gewitter reicht, ist fraglich. Das Nord-Süd-Temperaturgefälle nimmt in 850 hPa auf 5 bis 18 Grad von Nord nach Süd zu.
Freitag und Samstag stehen aus heutiger Sicht weiterhin im Zeichen einer mächtigen Keilaufwölbung mit stetig steigender Schichtdicke und T85 Werten am Freitag zwischen 11 und 20 Grad, am Samstag zwischen 16 und 22 Grad und bis zum Montag im äußersten Süden teils auf um 24 Grad ansteigend. Was auffällt ist allerdings, dass der Keil bezüglich Schichtdicke (trotz Anstiegs) nicht besonders kräftig aufgestellt ist, was sich auch in 500 hPa durch eine vergleichsweise überschaubare Milderung zeigt. Das riecht nach konvektionsanfälligen Bedingungen bei Überhitzung bzw. der Option, den Keil tangierender oder gar passierender Kurzwellen, was ebenfalls Gewitter fördern könnte. Ein kurzer Blick auf Vorhersagesoundings bestätigt diese Konstellation mit üppigen MUCAPE Vorhersagen jenseits der 2000 J/kg, sodass alleine aus der thermodynamischen Sicht deftige Aufwinde möglich sind. Unter dem Strich sollte man also nicht überall von einer störungsfreien Hitzewelle ausgehen. Näheres dann sicherlich in folgenden Übersichten.
Die Höchsttemperaturen teilen wir der bimodalen Verteilung während der Mittelfrist ein in einen Norden und Süden.
Im Norden liegen die Maxima im Zustrom teils modifizierter subpolarer Meeresluft am Dienstag bis Donnerstag zwischen 18 und 24 Grad - hier und da mit einem Sommertag garniert. Ab Freitag breitet sich hier zunehmend sommerliche Wärme von Süden aus mit Maxima zwischen 20 und 28 Grad.
Im Süden beginnen wir ebenfalls noch im mäßig warmen Bereich von 18 bis 24 Grad, allerdings besonders den Oberrhein entlang auch bereits mit sommerlichen 25 bis 29 Grad. In der Folge breitet sich dann von Südwesten die Hitze Tag für Tag in den gesamten Süden und bis zur Mitte der Republik aus, was zunehmend hochsommerlich warmes bis heißes Wetter zur Folge hat. Die Maxima liegen am Freitag/Samstag die Oberrhein-Rhein-Main-Schiene bereits bei über 35 Grad.
Die Minima verbleiben anfangs zwischen 16 und 11 Grad, können in der Nacht zum Freitag im Nordosten auf 9 Grad zurückgehen und kennen ansonsten zum kommenden Wochenende nur eine Richtung: stetige Milderung bis hin zu üppigen Tropennächten, wobei diese je nach Bewölkung und orografischem Input verbreitet und deutlich ausfallen können.
Der Westwind könnte zum Donnerstag im äußersten Norden (je nach Lage der Frontalzone) eine (exponiert stürmische) Rolle spielen, ansonsten kommt er ohne Warnrelevanz mal mehr aus Nordwest, mal her aus Südwest (was von der genauen Druck-/Geopotenzialgeometrie abhängt).
In der erweiterten Mittefrist dauert die intensive Hitze bis einschließlich Montag weiter an, wobei die Maxima im Süden, der Mitte und zunehmend auch im Osten der Republik über 35 Grad ansteigen. Aktuelle recht trockene Bodenfeuchteanalysen im Südwesten bis nach Unterfranken, die stetig zunehmende Schichtdicke und ggf. dynamische Kompression in der Nähe einer Front lassen auch die 40 Grad, die im aktuellen det. Output im Südwesten hier und da zu finden ist, nicht unrealistisch erscheinen. Die Gewitteranfälligkeit wäre, Stand heute, im Westen und Norden am höchsten, dann natürlich mit Unwetterpotenzial. Allerdings sei nochmal auf den Umstand hingewiesen, dass noch unsicher ist, wie robust der Keil nordwärts ausgreift - wenigstens für den Südwesten stehen die Zeichen aber recht unisono auf "intensive Hitze".
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Während der letzten 3 Modellläufe hat sich die Mittelfrist über eine recht gute Modellkonsistenz eingestellt. Nachdem seit dem gestrigen 00Z Lauf für den kommenden Mittwoch die progressive Bodentiefpassage von Schottland ostwärts nach Norwegen erkannt wurde, wird nun ein eher zonal geprägter Mittwoch angedeutet (wenigstens für den Norden und die Mitte von Deutschland). Allerdings ergeben sich im Ensemble des IFS weiterhin größere Unsicherheiten, wie schnell das Bodentief ost-/nordostwärts zieht und wie kräftig es ausfällt, was mit einer zonal ausgedehnten Memberwolke hervorgehoben wird.
In der Folge wölbt sich dann ein umfangreicher Keil über Mitteleuropa auf, der bezüglich seiner Keilachsenausrichtung noch etwas variabel vorhergesagt wird. Zudem wird die Tendenz eines kräftigen und im Verlauf teils abtropfenden Langwellentroges vor Westeuropa beibehalten, die den Keil stützt.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Innerhalb der internationalen Modellkette ergeben sich zum Mittwoch noch Diskrepanzen in Form eines GFS Modells, dass von der progressiven Bodentiefpassage gen Norwegen weiterhin nichts wissen möchte und die Höheströmung an dem Tag antizyklonaler ausfällt. In der Folge weitet sich auch hier unisono ein kräftiger Keil über Mittel- und Südwesteuropa nordwärts auf.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse beginnt am Dienstag noch mit zwei Clustern und dem klimatologischen Regime der positiven NAO. Dabei befinden wir uns in beiden Clustern im antizyklonal geprägten Bereich eines zonal ausgerichteten Rossbywellenzuges. Dass der Keil im Norden/über der Mitte eine leicht wechselhafte Witterung nicht unterdrücken kann, wurde bereits weiter oben beschrieben. Die Unterschiede in beiden Clustern sind für Deutschland gering.
In der Folge verbleiben wir bei zwei Clustern, wobei der Kontrolllauf (wie auch zuvor) im ersten Cluster verweilt. Dieser wechselt beim klimatologischen Regime von "NAO positiv" zu "Blockierung", während das Regime im zweiten Cluster durchweg auf "positiver NAO" bleibt. Progressiv ist bei uns aber gar nichts, denn es baut sich peu a peu eine immer kräftigere Blockierung mit Zentrum über Mitteleuropa auf. Anfangs kann die rege Frontalzone dem Norden noch einen wechselhaften Abschnitt bescheren, was aber auch im zweiten Cluster nur noch in stark abgeschwächter Form der Fall wäre.
Von Samstag bis Montag dominiert bei zwei Clustern die Blockierung mit einer umfangreichen und kräftigen Antizyklone über Mitteleuropa. Deren Geometrie (vor allem die polwärtige Aufwölbung) ist aber noch Unsicherheiten unterworfen - besonders über dem Süden und wohl auch der Mitte der Republik dominiert aber hohes Geopotenzial.
In der erweiterten Mittelfrist würde es mit nur einem Cluster weiterhin sehr blockierungsfreudig zugehen, wobei die Antizyklone über Mitteleuropa zögernd abgeschwächt wird - es riecht hier aber nach einem unterdispersiven Verhalten des Ensembles.
Die Meteogramme sprechen eine recht eindeutige Sprache: eng gebündelte "box and whisker plots", mit einem stetigen Anstieg auf über 30 Grad beim Tmax und zunehmend auch mit tropischen Minima.
Was auffällt ist, dass der Kontrolllauf im Norden und Osten zeitweise im unteren Interdezilbereich zu finden ist und somit deutlich kälter als das ENS. Das liegt wohl daran, dass das ENS die Dynamik aus dem Kontrolllauf mit der regen Zyklogenese über dem Europäischen Nordmeer nicht erkennt oder nicht so mitträgt. Hier muss noch geschaut werden, wer sich durchsetzt (was in den letzten Tagen aber meist der Kontrolllauf gewesen ist). Ab dem 22. Juni nehmen die Unsicherheiten deutlich zu.
Wiederholte Niederschlagsspitzen deuten auf ein latentes Gewitterrisiko hin, was aber von so vielen, teils noch nicht absehbaren Faktoren gesteuert wird, dass eine detaillierte Beschreibung jetzt noch keinen Sinn macht.
Die Rauchfahnen sind leider erneut noch nicht aktualisiert, wären aber besonders zum Ende des kommenden Wochenendes von Interesse z.B. wie stark die Memberstreuung ausfällt.
Beim GEFS ergibt sich ein ähnliches Verhalten bei Temperatur und Niederschlag, wobei im ENS zum Ende des kommenden Wochenendes insgesamt ein stetiger Rückgang der Temperatur auszumachen ist - allerdings mit erheblicher Streuung der Member. Das zeigt die Unsicherheiten, die das Modell mit dem hoch baroklinen Rand der Antizyklone bzw. dem thermischen Keil hat.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Beim WIND können am Donnerstag im Umfeld der Küsten einzelne stürmische Böen (Bft 8) aus West nicht ausgeschlossen werden.
In der Folge steht dann die HITZE im Vordergrund, die sich im EFI ab Donnerstag von Südwesten immer weiter aufbaut und nordwärts ausweitet. Nach der verhältnismäßig kühlen/mäßig warmen Witterung der vergangenen Tage und dem anstehenden raschen Temperaturwechsel sowie der zu erwartenden geringen Abkühlung in den Nächten deutet sich besonders für den Südwesten (ggf. bis zur Mitte ausgreifend) eine Hitzewelle mit erhöhtem "impact" an, wo (besonders den Oberrhein entlang) von Mittwoch an Maxima über 30 Grad, ab Freitag über 35 Grad zu erwarten sind. Diese Hitze betrifft zum kommenden Wochenende ganz Süddeutschland, die Mitte und ggf. auch den Osten.
Das GEWITTERpotenzial ist noch schwer abschätzbar, da u.a. abhängig von Kurzwellenpassagen, doch baut sich im Verlauf der Mittelfrist ausreichend MUCAPE auf (über 2000 J/kg), dass alleine aus der thermodynamischen Sicht heraus mit sehr kräftigen und wohl auch unwetterartigen Gewittern zu rechnen ist (Hagel, Sturmböen, Starkregen). Die Konfiguration (stationärer Wellenzug, ggf. aufbauende Randlage der Antizyklone) gibt aber eine längere Phase mit (über)regional erhöhtem Gewitterpotenzial besonders für den Norden und die Mitte her. ________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
GEFS, IFS, IFS-ENS, angepasstes MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy





