Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 27.05.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Hoch Britische Inseln (HB) Übergang zu Hoch Mitteleuropa (HM) Heute im äußersten Süden lokale Schauer und Gewitter, sonst sonniges Hochdruckwetter. Kommende Nacht im Norden und Osten sehr frisch. Am Freitag potentielle Schwergewitterlage im Nordwesten.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC

Mittwoch... liegt unser Höhenhoch schon nicht mehr ganz so prominent über dem Kontinent, sondern hat sich schon ein Stück weit nach Südwesten Richtung Pyrenäen zurückgezogen. Es besitzt aber weiterhin einen kräftigen Keil über den Britischen Inseln (ein kleiner Cut-Off dicht westlich der Bretagne stört da kaum), der auch das Bodenhoch BORIS mit über 1030 hPa im Zentrum dicht östlich von Schottland stützt. Verantwortlich für die Verschiebung/Modifizierung der Omegastrukturen ist eine Austrogung über der Ostsee und dem Baltikum unterhalb derer sich eine thermisch recht ordentliche, jedoch so gut wie wetterunwirksame antizyklonal einfließende Kaltfront inzwischen bis nach Berlin und ins Münsterland vorgearbeitet hat - samt Temperaturrückgang um etwa 4 K und einstelligen Taupunkten. Ansatzweise ist noch ein schmales, durchbrochenes Wolkenband in mittleren Niveaus auszumachen. Mit jedem Kilometer Richtung Südwesten wird die Front im Tagesverlauf strömungsparalleler und schließlich rückläufig.

Sie schafft es etwa noch bis zur Eifel und dem Fichtelgebirge, was im Umkehrschluss bedeutet, dass südlich von Main und Mosel erneut ein heißer Tag mit viel Sonnenschein bei maximal 30 bis 34°C ansteht. Eine gewissen Anfeuchtung (Feuchtflusskonvergenz) ist zwar vor allem unmittelbar präfrontal zu verzeichnen, was dann auch in MU CAPE von 500 bis 1000, punktuell sogar bis 1500 J/Kg mündet, das Problem bleiben kleinere Sperrschichtung, das überlagerte Absinken sowie eine zumindest weiterhin sehr trockene mittlere Troposphäre. So geht wohl hinsichtlich konvektiver Umlagerungen erneut nicht viel. Mithilfe orographischer Unterstützung sind im süd- und südwestdeutschen Bergland, vor allem aber am Alpenrand etwas stärkere Anzeichen für einzelne, durchaus markante Gewitter gegeben mit Starkregen, kleinerem Hagel und stürmischen Böen. Dort hilft auch ein ganz flacher Randtrog in 700 hPa, der vom Böhmischen Becken bis zu den Vogesen reicht, mit. Für mehr fehlt es an Scherung und Dynamik. Erste Vorboten in Form hochbasiger elevated castellani sind bereits im Süden vorhanden (08 MESZ zwischen Landshut und Passau gar mit einem kleinen Schauer). Passend dazu reagiert ICON-RUC auch relativ frühzeitig heute bereits mit der bodengestützten Auslöse gegen 12 Uhr mittags.

Postfrontal scheint ebenfalls größtenteils die Sonne. Die Anströmung begünstigt Skandinavienföhn, auch wenn es kaum etwas "wegzuföhnen" gibt oder gab. Lediglich in Nordseenähe sind bei nordwestlicher Anströmung unterhalb der recht flachen Inversion bei rund 600 m die Quellwolken etwas kompakter (bzw. breitgeschmierter). Der Wind bleibt lebhaft, vor allem in Nordfriesland an den Nordspitzen der Ostseeinseln sowie in einigen Hochlagen der östlichen Mittelgebirge angekratzt mit Böen der Stärke 7.

In der eingeflossenen kühleren, gealterten Luftmasse aus Skandinavien gehen die T850 schrittweise auf rund 10, in Vorpommern bis 5°C zurück. Entsprechend bleibt es an der See mit 14 bis 19°C recht frisch, sonst in der Nordhälfte bei 20 bis 25°C angenehm.

In der Nacht zum Donnerstag wird dem Rücken an dessen Rückseite langsam aber sicher die Warmluftzufuhr in der Höhe abgegraben. Davon merken wir derweil noch nix und das Hoch BORIS über der Nordsee bleibt mit seinem Keil, der nach Tschechien und Ungarn gerichtet ist, bei uns wetterbestimmend.

Nördlich der Divergenzachse wird mit einer nordwestlichen Strömung weiterhin bodennah etwas feuchtere Nordseeluft eingesteuert mit teilweise kompakterer Cu/Sc Bewölkung. Innerhalb der windschwachen Achse kann sich vor allem von der Ems über Ostwestfalen bis nach Thüringen gebietsweise Nebel bilden. Sonst ist es vielfach gering bewölkt oder klar und auch lokale Schauer oder Gewitter an den Alpen klingen eingangs der Nacht rasch ab.

Dann heißt es durchlüften, angesichts teils nur 4 oder 5°C in der Lüneburger Heide oder einigen Mittelgebirgstälern aber vielleicht auch nicht zu exzessiv. Rund um Faßberg, Quickborn und Itzehoe, aber auch Richtung Coschen und Deutschneudorf droht sogar nochmal leichter Frost in Bodennähe. Im Süden und Südwesten, wo der Luftmassenwechsel größtenteils ausblieb, bleibt es bei 10 bis 15°, im Oberrheingraben teilweise noch darüber, milder.

Donnerstag... der Einbezug des derzeitigen Cut-Offs westlich der Bretagne, ein Randtief westlich von Irland und ein sich westwärts anschließendes Zentraltief mit unter 990 hPa über dem Atlantik: Die Summe der immer weiter nördlich ansetzenden Tiefs aus Westen setzen unserem einstigen stolzen Omegahoch immer weiter zu und bereiten konkret und zielstrebig dessen Abgesang vor. Zunächst bleibt aber noch der sich im Nordteil immer weiter abflachende Rücken wetterbestimmend, dessen Achse in der Höhe langsam ostwärts schwenkt, aber selbst am Abend noch knapp westlich unserer Landesgrenzen liegt. Das Bodenhoch verlagert sich von Nordsee unter leichter, aber stetiger Abschwächung nach Norddeutschland.

Anfänglich kompaktere Wolken im Norden und Nordwesten lösen sich im Tagesverlauf zunehmend auf, die bodennahe nordwestliche Strömung von der Nordsee wird mit Verlagerung des Hochs südostwärts immer mehr gekappt. Sonst gibt es erneut vielfach Sonne satt. An den Alpen und im Südschwarzwald, sowie ebenfalls Richtung Eifel bleibt ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko bestehen, was aber deutlich schwächer als noch am Vortag ausfällt.

Der permanente, wenngleich advektiv äußerst schwache Zufuhr bodennah kühlerer Luft aus Nord bis Nordost hinterlässt nun auch im äußersten Südwesten des Landes ihre Spuren, wo die 30 Grad Marke nur noch punktuell überschritten wird. Meist werden es angenehme 23 bis 29°C, in Küstennähe um oder knapp unter 20°C.

In der Nacht zum Freitag greift ein erster markanterer Randtrog auf die Britischen Inseln über und schwenkt in der Folge weiter nordostwärts. Vom Bodentief südlich von Island erstreckt sich dabei Bodentrog bis in die Deutsche

Bucht hinein, in den auch eine schwache, weitgehend okkludierte Front eingelagert ist. Je weiter südlich man dabei schaut, desto mehr büßt sie vom Höhenkeil überlagert an Wetterwirksamkeit ein. Außer ein paar vereinzelten Tropfen kommt wohl noch nicht viel an bei uns im äußersten Nordwesten. Das Hoch verabschiedet sich unterdessen allmählich Richtung Hohe Tatra.

Dadurch bleibt es vielerorts noch klar bei rückdrehendem Wind auf Süd bis Südost. Die Tiefstwerte liegen in der Osthälfte bei frischen 4 bis 10°C, im Westen und Südwesten bei 10 bis 16°C.

Freitag... schwenkt die sich weiter abflachende Achse des Rückens ostwärts und reicht am Abend vom Südwesten Deutschlands bis in den Nordosten. Der Westen und Nordwesten gelangt somit immer mehr auf die Vorderseite des atlantischen Langwellentroges. Entscheidend ist nun die Ausprägung der Höhenströmung an der Südflanke eines abgeschlossenen Drehzentrums bei den Färöer. Schwache Vergenzen sind in der leicht flatternden West-Südwestlichen Höhenströmung auszumachen und auch ein schwaches IPV-Maximum erreicht am Abend den Nordwesten Deutschlands. Von diesen Nuancen hängt maßgeblich die Entwicklung der Konvektion im Tagesverlauf ab, weshalb die Modelle auch entsprechend unterschiedlich darauf reagieren.

Die beteiligte Luftmasse nämlich hat es ordentlich in sich! So öffnet sich just über Deutschland schon nochmal ein kleiner Warmsektor dank bodennaher Zufuhr (gewissermaßen Rückkehr) der kaum verdrängten subtropischen Luftmasse von Frankreich und Belgien, die nun nach Norden hin zunehmend durch Hebungsprozesse angefeuchtet und damit schwül-heiß wird. Die PPW's steigen bis zum Abend von 30 bis auf 40 mm an im Nordwesten, ML CAPE zwischen 1500 und 2500 J/kg stehen zur Verfügung in einem zunehmend moderat bis stark gescherten Umfeld. Ein leichter Deckel ist vorhanden, dessen Sprengung aber auch ohne orographische Hebung durch die Höhenkonfiguration früher oder später wahrscheinlich (aber falls später, wie heftig dann noch?). Man kann also guten Gewissens von einer "loaded gun" Lage sprechen, bei der es - sobald die Auslöse erreicht ist - rasch Entwicklungen bis in den Unwetterbereich hinein geben kann.

Das Super HD simuliert dann auch eindrücklich in der Pseudoreflektivität eine gut definierte Squall line und am Südrand auch einzelne Superzellen vor allem über Niedersachsen und NRW. Stand jetzt ist für diese Regionen die Ausgabe einer Vorabinformation durchaus in Betracht zu ziehen, können doch sämtliche Begleiterscheinungen das Unwetterkriterium (heftiger Starkregen, großer Hagel, orkanartige Böen) erreichen.

Auf der Keilvorderseite passiert somit noch wenig und so wird es von der Lausitz bis in den Süden des Landes abermals ein durchweg sonniger und trockener Tag. Dabei werden 27 bis 33°C erreicht, die sich vor allem im Westen und Nordwesten zunehmend schwül anfühlen. Bei überwiegend südlichem Wind dürfte es auch direkt an der See vielfach für einen Sommertag reichen.

In der Nacht zum Samstag zieht das kleine Höhentief mit eigenständigem Drehzentrum ostwärts zum Oslofjord, womit die Höhenströmung über Deutschland auf Nordwest kippt. Über UK schließt sich stromauf bereits ein neuerlich, wenn auch flacher Rücken an. Die Strömung flattert leicht und ist noch immer anfällig und durchlaufende Störungen, die modellübergreifend sehr unterschiedlich simuliert werden.

Mithin schwenkt am Boden auch eine teilokkludierte Kaltfront von Nordwesten zur Landesmitte und gerät dort ins Schleifen. Der gefährdetste Bereich für noch längere Zeit gewittrige Regenfälle erstreckt sich somit quer über der Landesmitte von NRW bis nach Berlin/Brandenburg und Sachsen - einzelne abgehobene Überraschungen auf der unmittelbaren warmen Südseite inklusive. Die Unwettergefahr dürfte dabei mit Einbruch der Nacht deutlich nachlassen. Im EPS gibt es aktuell auch keine Signale für Wahrscheinlichkeiten für mehrstündigen Starkregen, der 25 l/qm binnen 12 Stunden überschreitet. Südlich des Mains dürfte es meist noch trocken bleiben und auch ganz im Norden beruhigt sich das Wetter rasch wieder.

Die Tiefstwerte liegen zwischen 8 und 14°C mit den tiefsten Werten diesmal im Süden. Über der Mitte werden unter den Wolken in den Gebieten ohne oder nur wenig Regen kaum unter 20°C gemessen.

Modellvergleich und -einschätzung

Signifikante Unterschiede in den Basisfeldern offenbar sich erst im Laufe des Freitags, wo die Konfiguration des beteiligten Höhentroges noch Unschärfen aufweist. Dies hängt maßgeblich vom Schweregrad der zu erwartenden Konvektion bis in den Unwetterbereich ab. ICON06 scheint vor allem nach Süden einen Tick zu antizyklonal aufgestellt zu sein im Vergleich zu den externen Modellen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen