Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 17.08.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Bis auf Weiteres wechselhafter Wetterablauf mit Regenfällen, fragt sich nur wo und wie viel.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Aktuell ... lässt sich ganz klar eine Beruhigung der tagsüber zumindest in einigen Landesteilen sehr regen Wetteraktivität konstatieren. Vor allem südlich der Donau sowie in Sachsen hat es z.T. ordentlich geregnet, teils als Gewitter, teils aber auch unelektrisch. Stellenweise kamen 40-50 l/m² oder auch etwas mehr innert weniger Stunden zusammen, gebietsweise lag die Ausbeute meist zwischen 10 und 30 l/m². Eigentlich eine erfreuliche Nachricht angesichts des chronischen Niederschlagsdefizits, aber die Atmosphäre ist ungerecht, sehr ungerecht. Während in den genannten Gebieten wenigstens etwas durchgeatmet werden konnte, gucken andere weiterhin in die Röhre oder wurden gerade mal mit ein paar feuchten "Brosamen" abgespeist. Nun gut, was soll man machen, es ist wie es ist. Immerhin besteht in den nächsten Tagen die berechtigte Hoffnung, dass auch andere Regionen mal etwas mehr Regen abbekommen. Wo und wann genau es wie viel regnet, steht aber bei Weitem noch nicht fest. Diesbezüglich hat die Vorhersage ein hohes Potenzial, in die Hose zu gehen.

Kommen wir nun aber erstmal zur kommenden Nacht auf Dienstag, in der das prägende Potenzialgebilde des heutigen Tages die Segel streicht und nach Osten abzieht. Die Rede ist von einen fesch geschnittenen Randtrog, dessen Hauptachse in den Abendstunden die östlichen Grenzen Richtung Polen, Tschechien und Austria überschreitet. Nachfolgend stellt sich eine glatte, später sogar leicht antizyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung ein, aus der dynamisch nicht viel rauszuholen ist. Dafür setzt in der zweiten Nachthälfte im Westen Warmluftadvektion ein, mit der sich auch was anfangen lässt. Die WLA kündigt die Warmfront eines neuen Tiefs (NORA) knapp südlich von Island an, das durch seine stark elliptisch geformte Geometrie auffällt. Die Längsachse ist nordwest-südost-orientiert und genau so verläuft auch die Warmfront, also parallel zur Höhenströmung und somit ein Stück weit schleifend.

Warmfront, WLA, da hat der geneigte Anhänger atmosphärenphysikalischer Prozesse gewisse Assoziationen, was da wohl passieren könnte. Und richtig, auch wenn sich im Bodendruckfeld ein kleines Zwischenhoch abbildet, zieht im Laufe der Nacht erst im Westen, dann auch im Süden mehrschichtige Bewölkung auf, aus der es nach Mitternacht anfängt skalig zu regnen, leicht zu regnen. Auffällig in den numerischen Prognosen ist ein kleines, weitgehend trockenes Gap zwischen dem Regenanteil im Westen (Schwerpunkt NRW) und einem weiteren Part zwischen Nordbaden und Oberbayern. Die Erklärung dafür liegt nicht gerade auf der Hand. Nur so viel, auch die o.e. WLA ist - warum auch immer - zweigeteilt. Wichtiger als diese eher akademische Betrachtung scheint ohnehin die Frage, wie viel Nass die Warmfront denn so ablädt. Nun, bis zum Frühstück hält sich der Ertrag mit meist um oder unter 5 l/m², teils sogar nur um oder unter 1 l/m² in Grenzen, aber wir sind ja froh über jeden Liter, der den Weg zur Erde findet.

Ansonsten bliebe nur noch zu erwähnen, dass die restlichen Trogniederschläge und Gewitter in der östlichen Mitte sowie im äußersten Süden/Südosten immer weniger werden bzw. ganz aufhören. Gleiches gilt für die Schauer in Norddeutschland, wo es mitunter sogar auflockert und die Temperatur örtlich in die Nähe der 10°C Marke zurückgeht. Ähnlich frisch wird es in den meisten Mittelgebirgen, während es im Süden und Südwesten sowie unmittelbar an der See mit 18 bis 14°C am mildesten bleibt.

Dienstag ... steht ganz im Zeichen der o.e. Warmfront, die wie geschrieben schleifend den Vorhersageraum erfasst. Zwar beginnt die Höhenströmung im Zuge einer über dem nahen Atlantik einsetzenden Austrogung allmählich auf West-Nordwest rückzudrehen, die große Progression erwächst daraus aber noch nicht. Dafür kommt der 995+X-hPa-Tiefkern von NORA südostwärts in Richtung der Hebriden voran, die tagsüber aber noch nicht erreicht werden.

Wie auch immer, Fakt ist, dass sich ein Teil des Regens langsam ost-nordostwärts verlagert, während es im Süden - weiterhin leicht abgesetzt vom nördlichen Part - zeitweise und teils schauerartig weiterregnet. Gerade der südliche Regen ist es, welcher der Numerik noch einiges Kopfzerbrechen bereitet. Zeit, Raum, Intensität lassen alle noch genügend Platz für Spekulation. Ein respektive zwei gemeinsame Nenner lassen sich dann aber doch extrahieren: Der meiste Regen fällt im südöstlichen Oberbayern mit Schwerpunkt östlicher Alpenrand, wo offensichtlich orografischer Support im Spiel ist (Stau). Am wenigsten kommt in Südbaden runter, wo es z.T. sogar gänzlich trocken bleibt. Ansonsten liegt die Tagesrange im Süden etwa zwischen 1 und 10 l/m², im Südosten eher zwischen 10 und 20 l/m², lokal vielleicht noch etwas darüber (ICON und ICON-EPS zeigen für den östlichen Alpenrand sogar Signale für mehrstündigen Starkregen > 20 l/m², was extern aber keine Unterstützung findet). Das nördliche Maximum verläuft bei aller noch gebotenen Unschärfe ungefähr von der Nordsee und den Niederlanden bis hinüber nach Mitteldeutschland, wo gebietsweise 5 bis 10 l/m², lokal etwas mehr innert 12 h runterkommen sollen. Wenig bis kein Regen steht dagegen im Nordosten von der Mark Brandenburg bis hoch nach MV auf der Karte.

Ein gewisser Anteil der Prognoseunschärfe in Bezug auf die Intensität lässt sich darauf zurückführen, dass noch nicht klar ist, wie hoch der konvektive Anteil bei den im Grunde stratiformen Niederschlägen ausfällt. Zwar ist die einfließende Meeresluft nicht überbordend labil, auf der anderen Seite aber auch nicht erzstabil. Es ist durchaus etwas MU-CAPE vorhanden, so dass mindestens von schauerartigen Verstärkungen ausgegangen werden kann. Ob es an der ein oder anderen Stelle auch mal elektrisch wird, wie von einigen Modellen vorgeschlagen, bleibt abzuwarten. Aufdrängen tun sich kurze Gewitter nicht wirklich, zumal es u.a. an Einstrahlung mangelt, ganz ausschließen lassen sie sich aber auch nicht. Tatsache ist, dass der westliche Wind im Warmsektor, also grob in der SW-Hälfte, bisweilen etwas auflebt, wobei die Zunahme am ehesten im (höheren) Bergland zu spüren sein dürfte (Böen 7 Bft).

Am wärmsten wird es morgen im Südwesten, namentlich in Südbaden, wo sich zeitweise sogar die Sonne zeigt und die Temperatur auf bis zu 28°C steigen lässt. Ansonsten werden unter den überwiegend dichten Wolken (Aufhellungen/Auflockerungen am ehesten im äußersten Nordosten) respektive im Regen 18 bis 24°C erwartet.

In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich die Warmfront immer weiter nordostwärts Richtung Ostsee und NW-Polen. Dahinter greift von Nordwesten her die Kaltfront des okkludierenden Frontensystems über, die mangels Unterstützung sowie bescheidener Baroklinität zunächst aber keine großen Akzente zu setzen vermag. Will heißen, mit der Warmfront zieht der Regen unter Abschwächung ostwärts ab und auch im Süden lassen die Niederschläge nach. Die Kaltfront bringt bis zum Morgen nur wenige Tropfen im Westen und Nordwesten. Ansonsten lockert die Wolkendecke hier und da auf und es bleibt im Großen und Ganzen trocken. Die Temperatur geht verbreitet auf 17 bis 11°C zurück. Im Westen und Südwesten allerdings, wo vor der Kaltfront subtropisch angehauchte Luft Fuß fasst, bleibt es mancherorts milder.

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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Mittwoch ... hat ohne Frage das Zeug für eine satte Fehlvorhersage. So kommt die Kaltfront zunehmend ins Schleifen und soll dabei im Tagesverlauf, vielleicht aber auch erst in der Nacht zum Donnerstag einen schmalen Korridor/Streifen mit erklecklichen Regenfällen generieren. Die Fragen sind nun, wo genau positioniert sich dieser Streifen, wie breit ist er, wie viel Regen fällt, gibt es konvektive Verstärkungen bis hin zu Gewittern. Nicht zu unterschätzen ist die Kaltfront auch in ihrer Rolle als Luftmassengrenze, die sehr warme bis heiße Subtropikluft im Süden (Tmax nahe 30°C) von mäßig warmer bis kühler Subpolarluft im Norden (Tmax an der See teils unter 20°C) trennt. Spannende Kiste, in der einiges drin ist. Was genau, dazu mehr in den nächsten Übersichten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Grundmuster weichen eigentlich kaum voneinander ab, so dass die grobe Entwicklung gar nicht in Frage steht. Trotzdem, schon am Dienstag wird es unscharf und am Mittwoch noch viel mehr. Schon eine kleine regionale Verschiebung der Frontenlage respektive des zugehörigen Regenstreifens kann in Bezug auf Temperatur und Niederschlag ein großen (und im Sinne der Vorhersage fatalen) Unterschied ausmachen. Es verdichten sich aber ein wenig die Hinweise (Referenz die beiden jüngsten Läufe von ICON), dass der Streifen irgendwo in der Mitte zu liegen kommt

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann