Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 18.09.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Frühherbstlich, an der See windig, zum Sonntag im Norden auch im Binnenland teils stürmisch. Im Süden tagsüber warmes Spätsommerwetter.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Aktuell ... liegen wir im breit gefächerten rechten Jetausgangsbereich in einer west-nordwestlichen Höhenströmung. Die Lage verrät schon, dass es mit aktiver dynamischer Hebung nicht allzu weit her sein kann. So ist die stark gedeckelte Konvektion, die tagsüber nur vereinzelt noch für schwache Schauer gut war, inzwischen nahezu komplett zusammengebrochen und vermehrt in Auflösung begriffen. Vom Süden bis in die Landesmitte kann sich stellenweise Nebel bilden.
Aufkommende, sich verstärkende WLA aus Nordwesten tut dabei ihr übrigens zur Stabilisierung bei. Sie greift bis in den Frühstunden bis zur Oder über die gesamte Nordhälfte aus und kündigt eine Warmfront über der südwestlichen Nordsee an. Mithin greift nach kurzem Aufklaren aus Nordwesten mehrschichtige Bewölkung und nachfolgend auch stellenweise etwas Regen über.
Der Wind bleibt an der See nach kurzer Abnahme frisch bis stark unterwegs mit steifen, exponiert auch stürmischen Böen (Bft 7-8) insbesondere an der Nordsee aus Südwest. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 Grad an der See, sonst vielfach um 10 Grad, in Tallagen im Süden nur um 5 Grad.
Samstag ... bleiben Polarfrontjet und Frontalzone in sicherer Entfernung über Schottland und Südnorwegen. Das mehrkernige, durchaus stattliche Zentraltief BEA (knapp unter 980 hPa) entert das Nordmeer. An dessen Südflanke gehen kurzwellige Anteile mit schwachen Hebungsimpulsen allenfalls direkt an der See durch. So bleiben nur noch die WLA-Anteile, die aber am Nachmittag auch stark nach unten tendieren. Die kleine Warmfrontzipfel, der maximal bis zur nördlichen Mitte reicht, schwenkt relativ rasch ostwärts ab. Es folgt im vergleichsweise unmotivierten (indifferenten) Umfeld schleifend und wenig wetterwirksam die Kaltfront quer von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Ostfriesland nach. Dadurch kommt es im Norden zeit- und gebietsweise zu weiteren, meist leichten Regenfällen, teils sind es auch nur wenige Tropfen. Zum Abend wird an der Nordsee unterhalb 700 hPa etwas ML CAPE generiert, was in einem gut gescherten Umfeld zu durchaus einzelnen knackigen Schauerlinien mit Sturmböen führen könnte. Gewitter, wie vereinzelt vom ICON-D2 angeboten sollten angesichts von Tops um den Gefrierpunkt aber eher nicht oder nur ganz punktuell auftreten.
Südlich der Mittelgebirge dominiert schwacher Hochdruckeinfluss, reicht doch bodennah eine Hochdruckbrücke zonal orientiert von den Azoren über die Biskaya, den Alpenraum und Karpatenbogen hinweg bis nach Südrussland. Neben Streifschüssen hoher Wolkenfelder und nur weniger Quellungen scheint vor allem südlich von Main und Mosel längere Zeit die Sonne.
Aus warntechnischer Sicht erwähnenswert bleibt der Wind, er mit tagesgangbedingter Durchmischung bis zum nachmit6tag von den Küsten weiter ins Binnenland ausgreift. Die Deutsche Modellkette ist dabei vergleichsweise defensiv aufgestellt im Verhältnis zu externen Modellen. IFS und Super HD sehen nahezu über ganz Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein im tagesverlauf Böen der Stärke 7 Bft, ICON-D2 und Co bleiben meist 1 Bft darunter. Im D2-EPS gibt es aber recht flächig Wahrscheinlichkeiten zwischen 20 und 30%, was bereits als ernstzunehmender Hinweis zu interpretieren ist. Auch im Harzlee sollte es für Bft 7 reichen, auf dem Brocken treten dann Sturmböen (Bft 9) auf.
In der Nacht zum Sonntag kommt zunehmend Dynamik in die Westwinddrift. Ein Sekundärtrog schwenkt nordostwärts Richtung Finnland, ein weiterer, sich stark amplifizierender Randtrog stößt von Schottland nach. Gerade durch letzteren bekommt die Kaltfront schon eine Push südwärts, die Regenfälle verstärken sich in der 2. Nachthälfte und liegt in den Frühstunden quer über der Landesmitte zwischen Eifel-Harz-Oderbruch. Binnen 6h bleibt es aber meist bei 1 bis 5 l/qm, im Weststau der Mittelgebirge lokal bis 10 l/qm.
Postfrontal ziehen in Küstennähe noch einzelne Schauer, ganz vereinzelt auch kurze Gewitter durch mit erhöhtem Sturmböenpotential. Unabhängig davon bleibt es an der See windig mit steifen bis stürmischen Böen, die nur vorübergehend mal etwas nachlassen.
Störungsfrei und windschwach bleibt es noch in der Südhälfte, hohe und mittelhohe Wolken greifen aber auch allmählich bis zu den Alpen aus.
Die Temperaturen in den Frühstunden bewegen sich zwischen 17 und 14 Grad im Norden, im Süden zwischen 12 bis 6 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... der sich weiter amplifizierende Trog schwenkt südostwärts Richtung Erzgebirge und stützt damit die Wetteraktivität der Kaltfront vor allem in deren Ostteil. Zudem gelangt die Nordosthälfte unter die Höhenkaltluft mit Temperaturen in 500 hPa bis -25 Grad, was zu zahlreichen Schauern und Gewittern führt.
Im Süden und Südwesten ist schon der Einfluss des Höhenrückens über Frankreich spürbar, so dass die Front dort zerbröselt und sich vielfach die Sonne zeigt bei spätsommerlichen 23 bis 27 Grad.
Im Norden und Osten ist der Charakter dagegen durchweg herbstlich bei maximal 17 bis 21 Grad und teils stürmischen Böen bis weit ins Binnenland ausgreifend, voraussichtlich sogar potentiell über der gesamten Norddeutschen Tiefebene.
Modellvergleich und -einschätzung
Der allgemeine Ablauf ist recht ähnlich simuliert. Über die wahrscheinlich zu defensive Böeninterpretation der Deutschen Modellkette am morgigen Samstag wurde bereits im Text Stellung bezogen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 18.09.2026 um 10.30 UTC
Zum Wochenstart wechselhaft und kühler, nachfolgend Wetterberuhigung und wieder etwas milder..
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 25.09.2026
Zu Beginn des Mittelfristzeitraums, am Montag beeinflussen zwei zentrale Druckgebilde Mitteleuropa. Deutschland liegt genau zwischen einem umfangreichen Langwellentrog über Osteuropa und einem ebenso umfangreichen Höhenrücken, der sich von Nordwestafrika bis nach Island erstreckt. Dabei wurden bereits am Sonntag hinter einer rasch nach Süden verlagernden Kaltfront kühle und eher trockene Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen um 3 Grad nach Deutschland geführt. Die Kaltfront liegt anfangs noch am Alpenrand und sorgt für etwas Regen. Im Laufe des Montags wird der Rücken von einem weiteren atlantischen Trog überlaufen, wobei wolkenreiche und etwas mildere Luftmassen um das Hoch herumgeführt werden und über die Nordsee/Britischen Inseln nach Deutschland transportiert werden. Der osteuropäische Trog verlagert sich gleichzeitig ein wenig nach Osten.
Am Dienstag ändern sich die genauen Trog- oder Rückenkonfigurationen etwas, die Luftmassengrenze, zwischen den kühleren Luftmasse innerhalb des Trogs und der milderen Luft, die um das Hoch herumgeführt worden, befindet sich direkt über Deutschland.
Am Mittwoch tropft der osteuropäische Trog ab, der bleibt aber quasi stationär über Osteuropa erhalten. Über Grönland und dem europäischen Nordmeer formiert sich ein neuer Trog mit verschiedenen Randtrögen, die den Höhenrücken nach Nordosten abdrängen und allmählich Raum zur Nordsee gut machen. Dabei gelangen wieder wärme Luftmassen nach Deutschland. Im Nordosten hält sich am längsten die kühlere Luft. Mittwoch 18 UTC befindet sich in 850 hPa um 4 Grad im äußersten Nordosten und bis 13 Grad im Südwesten. Abgesehen von Nebel oder Hochnebel, bleibt es unter Hochdruckeinfluss ruhig.
Am Donnerstag und Freitag ziehen Randtröge über Nordeuropa ostwärts ab und sorgen in Norddeutschlandland für unbeständigeres Wetter, nach Süden zu soll die Antizyklone wetterwirksam bleiben.
In der erweiterten Mittelfrist werden auf der Vorderseite eines Randtroges sehr milde Luftmassen heran advehiert, im Norden zu sorgen Randtröge für unbeständiges Wetter, während im Süden hoher Druck weiterhin für ruhiges Wetter sorgt.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bei den großsynoptnischen Skalen ist die Konsistenz sehr gut. Alle Vorläufe simulieren, dass Deutschland zwischen einem umfangreichen Höhenrücken über dem Atlantik und einem ebenso umfangreichen und mit Kaltluft gefüllten Trog über Osteuropa befindet. Unsicher ist aber die genaue Positionierung. So dass die alle Läufe immer wieder mal den Trog etwas weiter westlich oder östlich simulieren. Somit ergeben sich auch gewisse Unsicherheiten, vor allem bei der Wind- und Temperaturvorhersage.
Mal werden mehr Schauer vorhergesagt, mal weniger. Im Laufe der nächsten Woche soll sich der Trog aber langsam nach Osten verlagern und dem Höhenrücken Platz machen. Einige neue atlantische Randtröge machen aber weiterhin die Vorhersage unsicher.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Gro simulieren auch alle Globalmodelle ein ähnliches Szenario, jedoch jedes mit leichten Varianzen in der genauen Trogkonfiguration bzw. genauen Lage des Höhenrückens. Größere Unterschiede ergeben sich erst bei den Randtrögen, die ab Mitte nächste Woche den Höhenrücken überlaufen und evtl. wieder mal für signifikantes Wetter sorgen. UK10 lässt einen Randtrog ab Mittwoch deutlich weiter nach Süden vorstoßen und simuliert deutlich höhere Regenmengen und deutlich mehr Wind als IFS und GFS, die da noch den hohen Druck bei uns vorherrschen lassen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
In den Plumes öffnet sich der Spread ab Wochenanfang sehr stark, das Ensemblemean lässt aber die Temperatur aber im Laufe der nächsten Woche wieder leicht ansteigen.
In der Clusteranalyse dominiert eindeutig das Blocking bzw. zeitweise auch der Rücken. Wobei es immer wieder auch einzelne Lösungen gibt, die in der erweiterten Mittelfrist für eine positive NAO einstehen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Abgesehen von anfänglichen stürmischen Böen an der Küste und auf den Mittelgebirgen gibt es aktuell keine signifikanten Hinweise auf markante Wetterfahren im Mittelfristzeitraum.
Basis für Mittelfristvorhersage
EPS, IFS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher





