Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Freitag, den 10.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von Na (Nord antizyklonal) zu HNa (Hoch Nordmeer antizyklonal)
Auf KLAUS folgt LAURENT - sommerliches Wochenende, im Südwesten trocken-heiß, im Nordosten trotz einiger Wolken trocken-warm.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
Freitag... setzt sich die blockierende Wetterlage in weiten Teilen Europas nahtlos fort. Zwar ist es nicht so, dass es nicht Versuche gäbe, ein oder zwei Löcher in das dicke Blockadebrett zu bohren. Zu nennen wäre da beispielsweise ein Kurzwellentrog, der gerade dabei ist, sich von Island bzw. der Irminger See zur Norwegischen See zu verlagern. Aber anstatt in Richtung Mitteleuropa zu schwenken und dort die Karten neu zu mischen, wird der Trog nordostwärts in die Polregion abgelenkt, so dass wir hier nix davon mitbekommen. Es bleibt also bei der eingefahrenen Konstellation bestehend aus dem ehemaligen Ostseesturm BERNADETTE, das mittlerweile zu einem hochreichenden und trägen Zentraltief mutiert ist. Vom Baltikum hat es die Nase offensichtlich voll, weshalb es seinen Sitz in den weißrussisch-ukrainischen Grenzbereich verlagert. Dabei keilt es mal mehr, mal weniger nach Westen aus, was bei uns gerade in den östlichen Landesteilen eine zyklonal konturierte Nord- bis Nordwestströmung zur Folge hat. Mitunter wird der Osten sogar von durchlaufenden Sekundärtrögen gestreift, eine wirkliche Wechselhaftigkeit des Wetters lässt sich daraus aber nicht ableiten. Was nützt es, wenn Zyklonalität in der Höhe auf Hochdruckeinfluss und vor allen eine gänzlich untaugliche, weil stabile und trockene Luftmasse unten trifft (gealterte Subpolarluft xPs).
Apropos Hochdruckeinfluss, der reicht aktuell in Form einer schier unendlichen, stabilen Brücke vom mittleren Nordatlantik über UK/Irland und Skandinavien bis in die Weiten Nordwestrusslands. Dabei wird der bisher für uns verantwortliche KLAUS durch LAURENT ersetzt, welcher sich im Tagesverlauf zu einer abgeschlossenen 1025-hPa-Ellipse zwischen der südnorwegischen Westküste und dem Seegebiet westlich Irlands mausert. Fast noch wichtiger als die Herren am Boden ist der stützende und nahezu stationäre Potenzialrücken in der Höhe, der quasi den Gegenspieler vom hochreichenden Tief über dem nahen Osteuropa mimt und vom westlichen Mittelmeer bis hoch nach Skandinavien reicht. Zwar wird der Rücken in seinem Nordteil vom o.e. KW-Trog etwas attackiert, was ihn in seinen Grundfesten aber keinesfalls erschüttert.
Das reicht nun aber dicke, um das doch eher unspektakuläre, weil ereignisarme Wetter des heutigen Freitags bei uns zu erklären. Ganz schnell abgehakt ist die Südwesthälfte, wo quasi den ganzen Tag ungehindert die Sonne scheint und die Temperatur auf 29 bis 34°C hochjagt (T850 15 bis 19°C). Das Erfreuliche dabei ist, dass die Hitze aufgrund der Trockenheit der Luftmasse mit niedrigen Taupunkten (unter 15°C) nicht drückend oder schwül daherkommt. Ansonsten gilt es, erstmal die SC/ST-Bewölkung zu bearbeiten, die sich unterhalb einer bis 950 hPa oder noch tiefer abgesunkenen Inversion von den Küsten bis an den Nordrand der zentralen Mittelgebirge ausgebreitet hat. Die Chancen, das heute früh noch ziemlich zähe Gewölk entweder aufzulösen oder in flache Cu hum zu überführen, stehen heute sehr gut, was man aktuell auch schon beobachten kann: geringe vertikale Mächtigkeit, fast maximale Tageslänge und somit lange Wirkdauer der hochstehenden Sonne, zudem Entrainment trockener Luft bedingt durch zunehmend auf Nord drehenden Wind (=> Wegfall des feuchten Nordseefetch). Bis zum Abend dürfte nicht mehr viel von den tiefen Wolken übrig sein. Dafür können nach Osten hin ein paar hohe Wolken durchziehen (der Absender dürfte bekannt sein, s.o.). Auf alle Fälle kann sich die Luft in der NO-Hälfte gegenüber den Vortagen diabatisch erwärmen auf 25 bis 29°C. Einzig direkt an der See sowie auf den vorgelagerten Inseln wird es aufgrund der nördlichen Windrichtung nicht ganz so warm.
In der Nacht zum Samstag tut sich nicht viel an der Großwetterlage, wenn man mal davon absieht, dass unser neues Hoch LAURENT ganz allmählich die 1030-hPa-Marke in seinem Zentrum knapp nördlich und westlich von Schottland ansteuert. Wetter- und bewölkungstechnisch läuft es deutschlandweit auf eine klare Nacht hinaus. Einzig am äußeren östlichen Rand könnten von der Ostsee und Polen her ein paar Wolkenfelder durchdriften (am ehesten Cirren, weniger tiefes Zeug). Und der Grenzbereich zu den Niederlanden sowie das westliche NDS könnten noch ein paar Rest-Stratusfelder von der Nordsee abbekommen. In der trockenen Luft kühlt es verbreitet auf 18 bis 11°C, vereinzelt im Norden sowie in einigen Senken und Mulden der östlichen Mittelgebirge auf 10°C oder etwas darunter ab. Am wärmsten bleibt es in einigen mittleren Hanglagen bzw. Ballungszentren SW-Deutschlands, wo die Tiefsttemperatur bei 20°C liegt.
Samstag... bleibt die Konstellation Höhentief nahes Osteuropa vs. Rücken West-/Mitteleuropa erhalten. Zur vollen Wahrheit gehört noch ein weiteres Höhentief knapp westlich der Iberischen Halbinsel, was dem Gesamtmuster ein omega-ähnliches Aussehen verleiht und natürlich zur Stabilität des Ganzen beiträgt. So richtig ins Zeug legt sich Kollege LAURENT, der sich als längliches Hochdruckgebiet mit 1030+X hPa im Zentrum vom Seegebiet weit westlich Irlands bis zur norwegischen Westküste positioniert. Auf seiner SO-Flanke wird bei uns eine nördliche (Osthälfte) bis östliche Grundströmung erzeugt, mit der eine trockene und gut durchmischte Luftmasse in den Vorhersageraum strömt. Auf 850 hPa liegt die Temperatur an der Grenze zu Polen bei 10°C, während in Südbaden 20°C auf der Karte stehen. Das erklärt den immer noch vorhandenen thermischen Unterschied zwischen Nordost- (25 bis 31°C, Küste bei auflandiger Windkomponente etwas weniger) und Südwesthälfte (29 bis 35°C), wenn auch nicht mehr ganz so krass wie noch vor einigen Tagen. Trotz der hohen Temperaturen bleibt die Hitzebelastung im Südwesten wegen der weiterhin sehr trockenen Luft im Rahmen, wobei das freilich immer subjektiv ist.
Weitgehend objektiv präsentiert sich das Wetter (ob man´s mag oder nicht, steht wieder auf einem anderen Blatt), das der gesamten SW-Hälfte Sonne satt nahezu ohne Wolken beschert. Zwar wird die Luft gerade nach Süden hin durch die Überhitzung potenziell instabiler. Trotzdem bleibt die Gewitterwahrscheinlichkeit nahe null, weil sowohl die z.T. bis 700 hPa hinaufreichende Grundschicht als auch die darüber liegende Mitteltroposphäre viel zu trocken sind. Die wenigen hundert Joule pro Kilogramm CAPE, die trotzdem über dem Südschwarzwald und am Alpenrand numerisch angeboten werden, dürften für ein paar hochbasige Quellungen und vielleicht einen Schauer, aber kaum für ein Gewitter reichen.
Quellungen sowie einige mittelhohe und hohe Wolken stehen morgen auch nach Osten und Nordosten hin auf dem Zettel, was der Nähe zum Höhentief geschuldet ist. Einige externe Modelle wie SuperHD, IFS oder auch UK10 quetschen da sogar ein paar schlappe Schauer aus den Wolken, was beim Blick auf die vergleichsweise trockenen Vertikalsondierungen schwerfällt zu glauben. Wenn´s dann doch vereinzelt mal passieren sollte, dürfte das eher als erfrischende Abwechslung denn als Störung wahrgenommen werden.
Die Nacht zum Sonntag bringt keine signifikanten Änderungen der Wetterlage. Heißt verbreitet klarer Himmel, im Norden und Osten ein paar hohe oder mittelhohe Wolkenfelder und Tiefsttemperaturen zwischen 19 und 11°C. Die höchsten Werte werden dabei direkt an der See sowie im Südwesten erwartet (dort gerade in einigen Innenstädten sogar Tropennächte mit 20+X°C Min.). Dafür kühlt es in Senken und Mulden der zentralen, östlichen und südöstlichen Mittelgebirge auf 10°C oder etwas darunter ab.
Sonntag... bleibt das Hoch mit seinem Zentrum 1030+X-hPa-Zentrum über der nördlichen Nordsee respektive der südlichen Norwegischen See das Maß der Dinge. Von dort erstreckt sich ein wuchtiger Keil nach Südosten, der über die Alpen hinweg bis zum italienischen Stiefel reicht. Weiterhin mit von der Partie ist der Höhenrücken, der wie in Stein gemeißelt westlich von uns thront und dabei Absinken generiert. Kurzum, das Setup bleibt antizyklonal konturiert und warm bis heiß wird´s auch wieder. 28 bis 35, am Oberrhein lokal vielleicht 36°C stehen an, lediglich ganz oben im Norden geht´s nicht ganz so in die Vollen. Dazu scheint die Sonne, in der SW-Hälfte von einem weitgehend wolkenlosen Himmel, sonst garniert von einigen Quellungen bzw. höheren Wolkenfeldern. Dass SuperHD, IFS und auch UK10 im Osten sogar ein paar vereinzelte schlappe Schauer aus den Cumulanten rausholen, kann als sehr ambitioniert gewertet, aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Ausschließen kann man potenzielle Gewitter über den Alpen und dem Schwarzwald, wo die Luft noch trockener wird als zuvor.
In der Nacht zum Montag mogelt sich ein kleiner Randtrog von der Ostsee in den äußersten Nordosten, der dort etwas Hebung erzeugt. Ob das auch einen Impact nach sich zieht, ist sehr fraglich. Die Modelloutputs gehen von nothing bis hin zu einzelnen Gewittern, was aber sehr sportlich erscheint. Nun gut, lassen wir uns überraschen. Der größte Teil des Landes verbringt die Nacht unter klarem oder nur gering bewölkten Himmel. Einzig von der Deutschen Bucht her "droht" dem nördlichen NDS einmal mehr Stratus oder Stratocumulus, was aber noch nicht in Beton gegossen ist. Tiefstwerte 20 bis 11°C, am wärmsten nach wie vor der Südwesten.
Modellvergleich und -einschätzung
Es ist alles geschrieben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 10.07.2026 um 10.30 UTC
Zunächst trocken heiß. In der zweiten Wochenhälfte zunehmende Gewitterneigung.
Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 17.07.2026
Das blockierende Hoch über Nordwesteuropa bleibt in der ersten Hälfte der kommenden Woche für Deutschland wetterbestimmend. Es wird gestützt durch eine Omega Lage in der Höhe mit dem Höhenkeil über Frankreich und einem Höhenhoch nahe Schottland. Flankiert wird der Keil von Trögen, bzw. Höhentiefs westlich der Biskaya und über Osteuropa. Aus dieser Richtung streifen dann auch kurzwellige Tröge den Osten Deutschlands. In der trockenen Luft bringen sie aber nicht viel "Wetter" mit. Etwas Hebung und die Labilisierung bringen vielleicht ein paar, wenig ergiebige Schauer.
Spannender wird es eher über Süddeutschland. Dorthin weitet sich von Frankreich her eine Tiefdruckrinne aus, die neben einer labileren Schichtung der Atmosphäre auch eine Anfeuchtung der Luft bringt. Das hat wahrscheinlich ab Dienstag einige starke Schauer und Gewitter zur Folge, die zur Auslöse aber meist die Orografie benötigen, weil nur wenig Hebung generiert wird.
Dabei bleibt die sehr warme bis heiße Luftmasse wetterbestimmend, die oft aber auch ziemlich trocken ist. Damit stehen den hohen Temperaturen tagsüber, im Norden um, sonst teils deutlich über 30°C, zumindest in einigen Regionen halbwegs kühle Nächte gegenüber. Allerdings sind gerade im Westen und Südwesten auch nächtliche Tiefstwerte um oder wenig unter 20°C auf der Karte mit entsprechend großer Wärmebelastung.
Etwas Bewegung in die Strömungsanordnung kommt in der zweiten Wochenhälfte, wenn der Höhenrücken unter Abschwächung nach Osten gedrängt wird und wir von Westen auf die Vorderseite des sich nach Frankreich und in die Nordsee ausweitenden Troges gelangen. Damit nimmt der zyklonale Einfluss deutlich zu und die instabile und feuchtere Luft breitet sich vom Süden auf größere Landesteile aus. Ob bis Freitag auch der Nordosten erfasst wird, ist unsicher. In dieser Luft werden dann teils starke, lokal unwetterartige Gewitter ausgelöst. Bevor am Wochenende, also erweiterte Mittelfrist, zumindest eine gewisse Abkühlung ansteht, deuten sich je nach Timing der Gewitter nochmal für Donnerstag und Freitag schwülheiße Tage an, die dann zu den hohen Temperaturen tagsüber auch warme Nächte bringen.
Für die erweiterte Mittelfrist sieht es zunächst nach zyklonal geprägtem Wetter aus mit Schauern und Gewittern. Wie lange das durchhälfte ist offen. Ebenso das Ausmaß der Abkühlung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Das europäische Modell ist zumindest was den Hochdruckeinfluss bis Wochenmitte angeht konsistent. Unsicherheiten ergeben sich bei den Trögen, die den Osten streifen. Diese werden von Lauf zu Lauf mal mehr, mal weniger betont. Darüber hinaus ergeben sich bei der Umstellung nach Wochenmitte größere Unschärfen. Der neueste Lauf zeigt den zyklonalen Einfluss verzögert übergreifen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnliches gilt für die Betrachtung der anderen Globalmodelle. Die Simulation der kurzwelligen Tröge und deren eingelagerte Höhentiefs bereit den Modellen die üblichen Schwierigkeiten. Das schlägt sich im Folgenden auch in den ENS nieder. Nächster Abschnitt.
Den Übergang zu zyklonalerem Wetter nach Wochenmitte haben die meisten Modelle im Programm. UKMO dabei noch am wenigsten, hier bleibt der Höhenkeil sogar noch westlich von uns, nur im Bodendruckfeld schiebt sich das Tief zu uns vor. GFS und ICON lassen die Umstellung schneller vonstattengehen als das IFS, mit ICON als Vorreiter.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ENS stützen anhand der Rauchfahnen die Aussagen des Kontrolllaufs. Vor allem die Temperaturverläufe zeigen aber schon rasch einen gewissen Spread, der auf die Unsicherheiten bei der Simulation der kleinen Tröge zurückgeht, die den Norden und Osten beeinflussen. Das Geopotential beginnt im Wochenverlauf bei steigendem Spread langsam zu sinken. Dazu kommen ab Dienstag im Süden vermehrt Niederschlagssignale, über der Mitte vor allem ab Freitag, Ende nächster Woche erreichen diese dann den Nordosten.
Die Clusterung bringt für Montag und Dienstag zwei, im nächsten Zeitschritt 4 Cluster, die alle, wenig überraschend, ins Blocking fallen. Ab Mittwoch konzentriert sich die positive Geopotentialanomalie auf Nordeuropa, während der Keil südlich davon schwächelt. Das zeigt sich vor allem bei den beiden größeren Clustern mit zusammen 35 Membern. Cluster 3 und 4 (zusammen 16 Member) zeigen das hohe Geopotential robuster und weiter westlich, bzw. über Mitteleuropa. Damit sähe es für wechselhaftes Wetter eher mau aus.
In der erweiterten Mittelfrist weitet sich das Lösungsspektrum, der größte der 3 Cluster (21 Member) zeigt Deutschland dann auf einer Trogvorderseite.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Dienstag und Mittwoch sind im Süden mit Hilfe der Orografie (Schwarzwald, Alb, Alpen) einzelne starke Gewitter möglich. Vereinzelt auch unwetterartig.
In der zweiten Wochenhälfte nimmt die Gewitterneigung insgesamt von Südwesten her zu. Dann steigt auch das Unwetterpotential.
Daneben gibt es eine große Wärmebelastung, die sich in der zweiten Wochenhälfte mit zunehmender Schwüle und wärmeren Nächten noch steigert.
Basis für Mittelfristvorhersage
Mos, IFS und EPS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner





