Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 22.02.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
West zyklonal (Wz), erst im Laufe des Dienstags Übergang zu Südwest antizyklonal

Mild und häufig nass, am Montag sehr windig und vereinzelt kurze Graupelgewitter. Ab Dienstag allmählich Wetterberuhigung und im Südwesten und Westen fast schon frühsommerlich.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag... willkommen im Frühling! Bei Frühwerten um 10°C in der Westhälfte und selbst im zuvor dauerfrostigen Nordosten schon morgendlichen Temperaturen um +5°C ist die Kaltluft vorerst ausgeräumt. Naja, wobei ... immerhin rund um Rügen hält sich durch die vereisten Bodden noch etwas "Kälte" bei gerade mal +2°C und Südostwind. Das ist allerdings auch der unmittelbaren präfrontalen Lage bezüglich der Warmfront des Tiefs ALINA geschuldet. Passend zum bevorstehenden meteorologischen Frühlingsbeginn in einer Woche sind wir mit den Tiefnamen bereits 1x durchs Alphabet durchgerauscht.

ALINA liegt mit ihrem Zentrum südwestlich von Island und bildet aktuell bereits ein Teiltief bei den Färöer mit knapp 990 hPa Kerndruck aus. Von diesem erstrecken sich dann die Ausläufer bis nach Deutschland, wobei der Warmsektor weit geöffnet ist und sich die nachfolgende Kaltfront erst am frühen Nachmittag langsam Richtung Ostfriesland und Niederrhein erkenntlich zeigt, wenn zugleich die Winde auch rund um Rügen nach Warmfrontpassage frisch auf Südwest gesprungen sind. Die Höhenströmung ist weitgehend zonal ausgerichtet, weshalb die Kaltfront leicht schleifend hereinkommt. Erst südlich der Höhenkeilachse, die sich von der Iberischen Halbinsel über den Alpenraum hinweg bis nach Ungarn erstreckt, biegt die Höhenströmung auf nördliche Richtungen ab.

Von dieser Hochkeilachse profitiert dann auch der äußerste Süden Deutschlands, wo nach Abzug der Warmfrontniederschläge (Schneefallgrenze bei 1500 bis 1700 m) am Nachmittag zeitweise die Sonne rauskommt und es überwiegend trocken ist.

Sonst dominiert kompakte Bewölkung und es fällt zeitweise Regen, im Norden und Westen im Tagesverlauf vom Okklusionspunkt und entlang der Kaltfront bei Spuren von ML CAPE mitunter auch schauerartig verstärkt. Unterm Strich kommen binnen 12 Stunden Mengen um 10, im Weststau der Berge bis 20 l/qm zusammen. AROME schießt hier mit teils über 30 l/qm im Harz, Bergischen Land, Vogelsberg und Thüringer Wald wohl etwas übers Ziel hinaus. Die Wahrscheinlichkeiten dafür sind im ICON-D2 EPS nahezu 0. Südlich des Mains fällt deutlich weniger.

Die Höchstwerte liegen bei nur wenig Tagesgang häufig zwischen 10 und 15°C, in Küstennähe bei 4 bis 9°C.

Der Wind frischt etwas auf, durch die weitgehend stabile Schichtung bleiben Wind- und Sturmböen aber weitgehen auf exponierte Gipfel- und Leelagen beschränkt. Mit den schauerartigen Verstärkungen sind am Nachmittag im Nordwesten einzelne steife Böen (Bft 7) gut vorstellbar.

In der Nacht zum Montag setzt sich die Teiltiefentwicklung durch die Überströmung der Norwegischen Gebirgskette wie an einer Perlenkette aufgereiht über den Oslofjord bis in die südöstliche Ostsee hinein fort. Die leicht schleifende Kaltfront über Deutschland kommt nun auch in den Süden des Landes voran, wo es mitunter längere Zeit mäßig regnet. Postfrontal folgen - auch bedingt durch einen recht markanten Randtrog in der mittleren und höheren Troposphäre in der 2. Nachthälfte von Westen her - einzelne Schauer nach.

Das ursprüngliche Tief ALINA hat unterdessen seinen Höhepunkt lange überschritten, über dem nahen Ostatlantik stößt bereits die Warmfront des neuen Tiefs BARBARA ostwärts vor. Als Folge der stattfindenden WLA wölbt sich ein flacher Rücken auf, der die Strömung im Gegenzug via Downstream Development über Deutschland leicht auf West-Nordwest kippen lässt. Für die Weststaulagen der süddeutschen Berge vom Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald stehen ähnliche Größenordnungen wie tagsüber weiter nördlich bevor mit Summen um 20, punktuell auch mal bis an die 30 l/qm binnen 12h. Die Schneefallgrenze sinkt nur etwas auf 1300 bis 1500 m ab. Die Tauwetter- und Dauerregenwarnungen behalten daher ihre Berechtigung, gerade in Mittelfranken dürfte sich die Lage angesichts der Vorgeschichte und Pegelständen verbreitet schon oberhalb von Meldestufe 1 weiter verschärfen.

Mit 10 bis 6, an der Ostsee und im Bergland bis 3°C bleibt es mild und auf den Bergen auch windig, exponiert stürmisch.

Montag... stößt der bereits erwähnte Rücken, der von der Warmfront BARABARA's überlaufen wird, nach Westeuropa vor. Kleinere, teils orographisch über Schottland initiierte Randtröge laufen derweil auf der Trogrückseite südwärts ab und weiten diesen über Deutschland ein Stück weit südwärts aus. Die -30°C-Isotherme in 500 hPa stößt von den Küsten her bis nach Sachsen vor und orientiert sich damit in etwa am Elbverlauf, womit die Schichtung insgesamt deutlich labilisiert wird. Im Tagesverlauf bohrt sich zudem ein recht markant ausgeprägter Jetstreak mit an die 150 Knoten von der Ems bis zur Rhön hinein.

Da ist es nicht verwunderlich, dass mit dessen Annäherung und vor allem auf der linken Ausgangsseite primär von Niedersachsen und dem östlichen NRW bis zur Oder und dem Bayerischen Wald zahlreiche Schauer simuliert werden, schließlich entspricht auch der Sonnenstand bereits dem eines vergleichbaren Mitte Oktobers. Bei guten Scherungsbedingungen sind einige nette Bogen- und Liniensegmente im Radar zu erwarten. Laut Progsoundings des ICON-D2 könnten sich entlang der feucht-labilen Kurven einige Türme gar bis -35°C im Nordosten und Osten "raufquälen". Vereinzelte Gewitter, zumindest aber Anteile von Graupel innerhalb der Schauer ist wahrscheinlich. Eigentlich überraschend, dass die Wetterinterpretation von I-D2 (DWD intern) darauf nicht entsprechend reagiert. Bei kachelmannwetter.de sieht man vor allem Richtung Lausitz 1-2 Zellen zucken, im AROME auch bis in den Hamburger und Bremer Bereich hineinragend, was nicht ausgeschlossen ist. Summa summarum würde man vor allem über Sachsen-Anhalt, Berlin/Brandenburg und Sachsen aufgrund der Lage des Troges und der Tageszeit das Gewitterpotential am höchsten einordnen.

Als weitere Begleiterscheinung darf man auch die Böen nicht außer Acht lassen, die vor allem aufgrund der deutlich besseren Durchmischung im Vergleich zu heute den Höhenwind stärker zur Oberfläche weiterreichen. Nahezu landesweit sind in Schauernähe Böen der Stärke 7, vereinzelt (v.a. Leelagen und in Gewitternähe) stürmische Böen Bft 8 zu erwarten. Exponierte Gipfellagen sind ohnehin weiterhin mit Böen bis 100 km/h (Bft 10) dabei. Im Südwesten gibt es bei flacherer Labilität und der Nähe zum Höhenrücken ein Minimum an konvektiver Aktivität.

Bei den Temperaturen ändert sich trotz einfließender subpolarer Meeresluft (T850 im Norden bis -3°C) wenig, der besseren Durchmischung sei Dank.

In der Nacht zum Dienstag nähert sich der Höhenrücken aus Westen weiter an, dessen Achse verbleibt aber noch knapp westlich von uns. Damit bleibt die Höhenströmung über Deutschland stramm aus Nordwest und mit Annäherung der neuen Warmfront setzt aus Nordwesten auch verstärkt WLA ein.

Das führt letztlich zu einem mehr oder weniger nahtlosen Übergang der abziehenden Schauer in der Osthälfte und neu einsetzenden stratiformen Niederschlägen aus Westen. Dazwischen wird kaum einmal Platz für größere Auflockerungen und trockene Phasen sein. Einzig Schleswig-Holstein bis zur Altmark hinein kann mal vorübergehend von etwas Skandiföhn profitieren.

Bevor der neue Schwall Warmluft herangeführt wird auch mithilfe des Anstaus die Schneefallgrenze noch etwas nach unten gedrückt, so dass am Erzgebirge etwa oberhalb von 700 bis 800, an den Alpen oberhalb 1200 bis 1300 m einige Zentimeter Neuschnee fallen. Im Erzgebirge sind derzeit um die 10 cm, in den Alpen 10 bis 20, Richtung Berchtesgadener Land bis 30 cm anzupeilen. Leider bedeutet das auch für die akut hochwassergefährdeten Regionen in Franken weitere 5 bis 10 l/qm an Regennachschub.

Mit 10 bis 3°C bleibt es erneut mild und frostfrei. Sollte es aber im Norden Schleswig-Holsteins doch über einen längeren Zeitraum größere Wolkenlücken geben, sind dort Tiefstwerte um 0°C möglich mit vereinzelter Glätte durch überfrierende Restfeuchtigkeit.

Dienstag... zieht der Trog endgültig ostwärts ab und wir gelangen immer mehr in den Bereich des sich noch weiter amplifizierenden Höhenrückens über Westeuropa, dessen Achse bis zum Abend den äußersten Westen Deutschlands erreicht. Durch zunehmende NVA wird der Warmfront damit immer mehr die Grundlage genommen, so dass diese nach Erreichen der Weser und Werra auf dem Weg nach Osten immer mehr zerbröselt und kaum noch nennenswerte Regenfälle produziert. Zeitgleich wird am Boden eine Hochparzelle gestützt, die sich von den Westalpen löst und unter Verstärkung im Tagesverlauf zum Böhmischen Becken ausweitet.

Lediglich an den Alpen kommen staubedingt bis zum Nachmittag noch signifikante Summen zwischen 10 und 20, in Staulagen am östlichen Alpenrand eventuell nochmal bis 30 l/qm zusammen. Die Schneefallgrenze steigt im Tagesverlauf auf deutlich über 1500 m an. Hier könnte eine Differenzierung im Warnmanagement zwischen Schnee-/Dauerregen-/Tauwetterwarnung durchaus herausfordernd werden, wofür man sich schlussendlich entscheidet. Tenor aktuell: Markante Schneefallwarnung > 1000 m bei ansteigender Schneefallgrenze, sonst nix.

Im Warmsektor sind am Nachmittag vor allem Richtung Breisgau längere sonnige Abschnitte wahrscheinlich. Und auch sonst bekommt die kompakte Wolkendecke zumindest zeit- und gebietsweise ein paar Lücken.

Die Höchstwerte erreichen am Oberrhein schon bis 18°C, in Vorpommern rund 10°C weniger. Der Wind lässt im Bereich des Höhenrückens immer mehr nach und ist auch auf den Bergen im Verlauf kein Thema mehr.

In der Nacht zum Mittwoch schiebt sich der Rücken endgültig nach Mitteleuropa und leitet eine frühlingshafte, ja im Westen und Südwesten fast schon frühsommerlich anmutende Mittelfrist ein.

Die Wolkendecke lockert immer mehr auf und es fällt nur noch vereinzelt etwas Sprühregen. Bei nur schwacher südöstlicher Grundströmung bildet sich in der feuchten Grundschicht gebietsweise Nebel oder Hochnebel.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle unterscheiden sich in der Kurzfrist im synoptisch-skaligen Bereich allenfalls in Nuancen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen