Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 19.04.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Bis Montagvormittag im Bereich einer Tiefdruckrinne über dem Osten und Nordosten Deutschlands noch Dauerregen, kleinräumig auch Unwetter möglich. Im Norden ab der kommenden Nacht windig, an der Ostsee am Montag tagsüber stürmische Böen.
Danach zunehmender Hochdruckeinfluss.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Aktuell ... befindet sich Deutschland im Einflussbereich einer Potenzialrinne, die von der Norwegischen See über die Nordsee und Nordwestdeutschland bis zur Lausitz reicht und mit mehreren Drehzentren ausgestattet ist. Die Rinne ist einem Abtropfprozess geschuldet, welcher wiederum aus dem Aufbau und der sich aktuell noch vollziehenden Verbindung zweier Höhenrücken/Höhenrücken einerseits über dem Ostatlantik/Island, andererseits über Nordskandinavien resultiert. Das neu entstandene Höhenhoch reicht Montagfrüh von Island bis nach Skandinavien (mit Schwerpunkten über Island und Nordschweden) und wirkt bis in die Mittelfrist weiterhin blockierend.
Die Südspitze der Potenzialrinne markiert aktuell noch ein scharf geschnittener, von der Deutschen Bucht bis zum Erzgebirge reichender Kurzwellentrog, der im Laufe der Nacht über der Lausitz austropft und somit deutlich an Kontur verliert. Aktuell bietet auf dessen Vorderseite kräftige PVA noch markanten dynamischen Hebungsantrieb, insbesondere von Ostsachsen über Brandenburg bis nach Vorpommern. Im Bodenfeld konnte sich somit entlang einer wellenden teilokkludierten Kaltfront, die inzwischen nahezu das gesamte Vorhersagegebiet ost- bzw. südwärts passiert hat, im Lee des Zittauer Berglandes bzw. Riesengebirges ein Bodentief etablieren, das in Kürze den Höhepunkt seiner Entwicklung aber bereits erreicht hat und als Rinne langsam nordostwärts vorankommt, sich dabei aber auch nach Westen ausweitet. Morgens reicht diese Rinne in einem Bogen vom südwestlichen Schleswig-Holstein über Nordbrandenburg und Westpolen bis zur Hohen Tatra.
Die Passage der teilokkuldierten Kaltfront konnte nahezu perfekt mit dem Kurzwellentrog interagieren, und somit haben sich unmittelbar präfrontal sowohl im Alpenvorland als auch in Sachsen und Südbrandenburg teils kräftige Gewitter entwickelt, die inzwischen weitgehend der Vergangenheit angehören. Der PVA-induzierte Hebungsantrieb lässt mehr und mehr nach und weicht immer mehr der WLA vorderseitig der Potenzialrinne. Entsprechend hat sich inzwischen über weiten Teilen der Osthälfte (v.a. Brandenburg und Vorpommern) eine veritable Gegenstromlage eingestellt, die nieder- und mitteltroposphärisch warme Luftmasse aus Osten gleitet also über der rückseitig der Bodenrinne aus Nordwest einströmenden maritim erwärmten Polarluftmasse auf. Vor allem in der ersten Nachthälfte fallen dabei gebietsweise 20 bis 30 l/m² in 6 Stunden, anfangs bei konvektiven Verstärkungen kleinräumig auch mehr (Unwetter mit mehr als 35 l/m² lokal eng begrenzt nicht ausgeschlossen). Die probabilistischen Verfahren von I-D2 und ICON-RUC deuten ein Überschreiten der Unwettermengen am ehesten südlich von Berlin und aktuell noch in Nordbrandenburg an (Wittstock-Rote Mühle in Nordbrandenburg bereits 43 l/m² in den letzten 12 Stunden). Aufgrund des geringen Impacts (resultierend aus der trockenen Vorgeschichte) wurde aber vorerst auf eine Unwetterwarnung für diese Region verzichtet, selbst wenn an einigen Stationen die Mengen knapp überschritten werden. In der zweiten Nachthälfte verlagern sich die intensivsten Niederschläge langsam nordostwärts Richtung Mecklenburg, Nordostniedersachen und Ostholstein, verlieren dabei aber auch bereits deutlich an Intensität. Die aktuell ausgegebenen Dauerregenwarnungen überdecken einen langen Zeitraum (bis Montag, 12 Uhr) und wurden entsprechend auch für die Regionen mit den modellübergreifend höchsten Wahrscheinlichkeiten für ein Überschreiten der Warnkriterien ausgegeben. Mit nachlassenden Niederschlägen ist eine vorzeitige Aufhebung in den Früh- bzw. Vormittagsstunden des Montags wahrscheinlich. Im Rest des Landes verläuft die Nacht dagegen wettertechnisch verhältnismäßig ruhig. An den Alpen klingen die letzten Schauer und Gewitter abends ab, danach fällt in der ersten Nachthälfte noch etwas Regen, wobei die Schneefallgrenze auf nahe 1500 m sinkt, die Niederschläge dann aber auch schon aufhören. Im Bereich der Trogachse haben sich insbesondere vom Westen/Nordwesten bis zur Landesmitte einzelne Schauer und Gewitter entwickelt, die abends bzw. eingangs der Nacht ebenfalls rasch abklingen. Vor allem im Westen und Süden können die Wolken örtlich auch mal stärker auflockern. Dann kühlt es rasch ab und in einigen Mittelgebirgstälern bzw. im höheren Alpenvorland liegen die Minima nahe 0 Grad mit Frost in Bodennähe. Ansonsten werden in der einströmenden erwärmten Polarluft (T850 hPa zwischen -3 Grad im Nordwesten und +2 Grad an den Alpen bzw. an der Oder) meist Tiefstwerte zwischen 7 und 3 Grad erreicht. Anzusprechen bleibt noch der Wind. Mit Etablierung der Höhenantizyklone beginnt auch im Bodenfeld über Skandinavien der Druck deutlich zu steigen und Montagfrüh hat sich dort ein Hochdruckgebiet mit einer abgeschlossenen 1030 hPa-Isobare etabliert. Entsprechend verschärft sich der Gradient zwischen Tiefdruckrinne und Bodenhoch. Vor allem an der Ostsee und in Vorpommern legt der Wind im Laufe der Nacht deutlich aus Ost bis Nordost zu und es gibt erste steife, exponiert stürmische Böen.
Montag ... verlagert sich der Schwerpunkt des sich weiter verstärkenden Höhenhochs immer mehr Richtung Island, nach wie vor bleibt aber ein robuster Keil über die Norwegische See und Mittelskandinavien bis nach Finnland und ein weiterer bis nach Südskandinavien gerichtet. Letzterer weitet sich langsam westsüdwestwärts Richtung Nordsee aus, so dass die Potenzialrinne nach Südwesten abgedrängt und schließlich auch auseinandergerissen wird. Der östliche Teil gliedert sich als Randtrog einem Höhentief über Südwestrussland an und reicht abends mit seiner Achse über Tschechien bis in die südliche Mitte des Vorhersagegebietes, während der westliche Part zu den Britischen Inseln zieht. Beide verlieren an Kontur und somit klingen auch die aus WLA bzw. Gegenstromlage resultierenden Aufgleitprozesse ab. Die Bodenrinne langsam nach Süden voran, füllt sich rasch auf und reicht abends etwa von der Lausitz bis zum Emsland. Die an die darin liegende Okklusion gekoppelten Regenfälle verlieren weiter an Intensität und verlagern sich ebenfalls allmählich südwärts, lassen von Norden aber mit dem zunehmenden Entrainment sehr trockener Festlandsluft auch rasch nach. In einem breiten Streifen von der Deutschen Bucht über Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bis nach Sachsen fallen bis zum Abend etwa 3 bis 10 l/m², gebietsweise (mittleres/südöstliches Niedersachsen, Sachsen) auch bis 15 l/m². Nördlich davon setzt sich rasch die Sonne durch. Der Druck vor allem über dem Nordmeer und der Norwegischen See steigt weiter, so dass trotz Auffüllen der Rinne ein scharfer Gradient erhalten bleibt, zusätzlich windverstärkend wirkt vor allem im Binnenland die mit dem Tagesgang wirksame turbulente Durchmischung. Entsprechend gibt es von Vorpommern über Schleswig-Holstein bis ins nördliche Niedersachsen verbreitet steife, vor allem an auflandigen Abschnitten der Ostseeküste häufig stürmische Böen aus Ost bis Nordost, exponiert dort auch einzelne Sturmböen. Auch an der Südflanke der Rinne kann der Wind vor allem vormittags bis zum Nachmittag vorübergehend aus West bis Nordwest auffrischen, am ehesten reicht es im Thüringer Becken und im Erzgebirgsvorland für steife, auf dem Brocken und dem Fichtelberg für stürmische Böen. Bis zum Abend füllt sich die Rinne aber so weit auf bzw. schwenkt dann auch nach Süden, so dass der Wind dort warntechnisch keine Rolle mehr spielt.
Während ganz im Norden/Nordosten bereits die Sonne scheint, bleibt es im Rinnenbereich überwiegend bedeckt. Weiter südlich hingegen, also im Südwesten und Süden des Landes, ist die Luftmasse noch leicht labil geschichtet, die Labilitätsfläche reicht aber auch in Südbayern kaum über 700 hPa, so dass es dort maximal für schwache Schauer reicht, Gewitter sind eher unwahrscheinlich. Ansonsten wechseln sich in der Region Sonne und lockere Quellwolken ab. Die Maxima erreichen mit Sonne im Norden und Nordosten innerhalb der einströmenden recht kalten Luftmasse aus dem skandinavischen Raum (knapp unter 0 Grad in 850 hPa) immerhin noch 10 bis 12 Grad, an den Küsten bei auflandigem Wind eher 8 Grad. Im Bereich der Rinne bleibt es bei bedecktem Himmel bei einstelligen Höchstwerten (6 bis 9 Grad), während weiter südlich in etwas milderer Luftmasse (T850 hPa-1 bis +3 Grad) 11 bis 15 Grad, am Oberrhein und rund um Regensburg bis 17 Grad erreicht werden.
In der Nacht zum Dienstag schwenkt der Randtrog sehr langsam nach Süddeutschland und verliert weiter an Kontur, die Tiefdruckrinne im Bodenfeld lässt sich ausgangs der Nacht nicht mehr ausmachen. Übrig bleibt das dichte Wolkenband, welches sich langsam über die Mitte des Landes nach Süden verlagert und aus dem vor allem in der ersten Nachthälfte noch etwas Regen fällt, danach aber nur noch nach Osten zu ein paar Tropfen. Weiter nördlich klart der Himmel von Norden her auf und auch im Südwesten ist es aufgelockert bis gering bewölkt. Der Ost- bis Nordostwind im Norden lässt im Binnenland rasch, an den Küsten aber nur langsam nach, ist später aber auch dort nicht mehr warnrelevant. Somit kann es im Norddeutschen Tiefland und auch in Schleswig-Holstein in ungünstigen Lagen leichten Luftfrost, recht verbreitet aber leichten Frost in Bodennähe geben. Auch in einigen Tälern der südwestdeutschen Mittelgebirge ist leichter Frost möglich. Ansonsten liegen die Minima meist zwischen 5 und 1 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Substanzielles hinzuzufügen. In der Südhälfte ist es noch zeitweise bewölkt und im Südosten können sich einzelne Schauer entwickeln, ansonsten scheint aber an der Südflanke des innzwischen weite Teile Nordwesteuropas überdeckenden und bis nach Südskandinavien reichenden Bodenhochs bei Zufuhr trockener Festlandsluft von Osten her vielfach die Sonne.
Ihrem polaren Charakter entsprechend ist die advehierte Luftmassetrocken und recht frisch (+1 bis -2 Grad in 850 hPa), so dass es bei guter Durchmischung und viel Sonnenschein zwar für Maxima zwischen 10 und 15 Grad reicht, ganz im Westen bis nahe 17 Grad, es aber in der Nacht zum Mittwoch etwas verbreiteter zu Luftfrost und fast schon flächendeckend zu Frost in Bodennähe kommen kann.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Stark- bzw. Dauerregenfälle der kommenden Stunden werden noch mit kleineren Differenzen simuliert, im Großen und Ganzen fahren die Modelle aber einen einheitlichen Kurs.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 19.04.2026 um 10.30 UTC
Zur Wochenmitte wieder freundliches und trockenes Wetter, ab Freitag von Norden her erneut unbeständig und kälter, teils windig, an der See stürmisch windig.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 26.04.2026
Bis einschließlich Freitag dominiert ein Rücken über Südwest-, West und Mordwesteuropa, dessen Achse sich bei kaum nenenswerter Verlagerung von Algerien über Ostspanien, de Biskaya und die Bretagne hinweg bis nach Irland erstreckt und schließlich die Verbindung zu einem Höhenhoch nordwestlich von Island herstellt. Bodennah korreliert der Rücken bis Samstag mit einem ausgeprägten Hoch bei Island, dessen Einflussbereich südostwärts über die Britischen Inseln und die Nordsee hinweg bis nach Norditalien und Österreich reicht. Als Gegenpart kann sich über Osteuropa ein Langwellentrog weit nach Süden amplifizieren und sich bis Libyen ausbreiten. Die Achse des Troges verläuft dabei von Westrussland über das Schwarze Meer und Griechenland bis Tunesien. Zwischen dem Rücken und dem Trog verlagern sich mit der nördlichen Grundströmung zudem Kurzwellentröge und kleinere Höhentiefs südwärts. Vor allem am Freitag kann einer dieser Kurzwellentröge im Norden und Osten Deutschland ausreichend Hebung generieren, sodass Niederschläge ausgelöst werden können. Zudem gibt es geringe Hinweise, dass induziert durch die nördliche bis nordwestliche Strömung auch im Nordstau des Erzgebirges etwas Regen fallen kann. Ansonsten hält sich bis einschließlich Freitag unter Hochdruckeinfluss das freundliche und vielfach sonnige Wetter. Da Deutschland im genannten Zeitraum aber überwiegend auf der Ost bis Südflanke des Hoch liegt und somit eher kühlere Luft ins Land einsickern kann, liegen die Temperaturen in 850 hPa am Mittwoch bei -2 bis +5 Grad. Am Donnerstag und Freitag sorgt schließlich erwärmte Meeresluft für einen geringen Anstieg auf +2 bis +10 Grad, bevor schon in den Nacht zum Samstag die Werte von Nordost nach Südwest nur noch zwischen -4 und +6 Grad liegen sollen. Der Wind bleibt durch die Hochrandlage auch ein Thema, wenngleich er zu Beginn des mittelfristigen Zeitraum am Mittwoch und Donnerstag noch nicht ganz die große Nummer ist. Am Mittwoch könnten allenfalls die nordöstlichen Winde im Südwesten die Bise auslösen und resultierend vom Allgäu bis zum Hochrhein sowie im Schwarzwald einzelne steife Böen, in Hochlagen auch stürmische Böen bringen. Am Donnerstag lebt der Wind vor allem auflandig an der Nordsee auf. Dabei kann der Nordwestwind im Nordseeumfeld steife Böen produzieren. Auf den nordfriesischen Inseln sind auch einzelne stürmische Böen möglich. Am Freitag kann sich der Nordwestwind in der gesamte Nordosthälfte auffrischen und häufig mit starken bis steifen Böen einhergehen. Im Nordseeumfeld, Schleswig-Holstein und der Mecklenburg-Vorpommerschen Küste sind auch stürmische Böen zu erwarten. Zudem stechen die Alpengipfel bis stürmischen Böen oder Sturmböen hervor. Die beschriebenen Entwicklungen werden auch vom IFS-EPS gestützt, indem bis einschließlich Freitag fast nur antizyklonale Wettermuster das EPS bestimmen. Erst ab Samstag nimmt der Anteil an zyklonalen Wetterlagen deutlich zu. Die große Vielfalt an potentiellen Mustern zeigt aber gleichermaßen die großen Unsicherheiten.
Im Detail schwächelt ab Samstag der Rücken und driftet zudem leicht westwärts. Gleichzeitig verlagert sich bis Sonntagabend tiefes Geopotential mit mehreren Drehzentren von Skandinavien nach Polen, Weißrussland und den zentralen Ostseeraum und spannt einen breiten Langwellentrog von Benelux bis weit nach Russland hinein auf. Nachfolgend setzen sich über ganz Deutschland zyklonale Strömungsbedingungen durch. Bodennah korreliert das tiefe Geopotential mit einem Tiefdruckkomplex über der Ostsee und der Rücken mit einem Hoch zwischen Island und Schottland, sodass bodennah eine kräftige nördliche Grundströmung zu verzeichnen ist. In diese sind schließlich Bodentröge eingelagert. Zudem ist der Weg für Polarluft frei. Die Vorderseite der kühlen bis kalten Polarluft markiert eine Kaltfront, die bis Sonntagabend die Alpen erreicht und mit ersten schauerartigen Niederschlägen einhergeht. Rückseitig kann in der Nordhälfte des Landes bei Temperaturen in 500 hPa von -30 bis -35 Grad eine gewisse Schauertätigkeit einsetzen, teilweise sind auch Schauerstraßen möglich. Zugleich können auch weitere frontogenetische Impulse (zweite Kaltfront) nicht ausgeschlossen werden. Vom Südwesten bis in die südliche Mitte scheinen nach aktuellem Stand die Hebungsimpulse limitiert, sodass dort nur eine geringe Niederschlagneigung zu erwarten wäre. Die einfließende Polarluft hat auch noch ordentlich Pepp und lässt die Temperaturen in 850 hPa richtig sinken. Am Sonntag weist das IFS nur noch Werte von 0 bis +4 Grad am Alpenrand, sonst verbreitet 0 bis -6 Grad aus. Entsprechend können die Niederschläge in den Hochlagen der östlichen Mittelgebirge auch nochmals als Schnee oder Schneeregen niedergehen. Nachts könnten im Osten örtlich auch bis in tiefe Lagen nochmals nasse Flocken beobachtet werden. Der Wind bleibt weiter in der Nordosthälfte ein Thema und weht voraussichtlich von der Nordsee und Ostsee bis zum Erzgebirge und der Spree mit steifen Böen, im Küstenumfeld sowie exponierten Lagen des Tieflandes auch mit stürmischen Böen. Am Sonntag bleibt es windig, warnwürdige steife Böen werden aber voraussichtlich nur noch im Küstenumfeld und dem angrenzenden Binnenland erwartet. Ansonsten fegen auf den Alpengipfeln auch am Wochenende voraussichtlich Sturmböen hinweg.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckverteilungen werden von den vergangenen IFS-Läufen recht konsistent abgebildet. Bis einschließlich Freitag weist allenfalls der 12z-Lauf des IFS am Donnerstag ein kleines Höhentief auf, welches von Nordsee südostwärts über Deutschland hinweg ziehen soll. Dieses haben die letzten 00-UTC-Läufe so nicht im Programm und lassen allenfalls einen Kurzwellentrog den äußersten Nordosten streifen. Da aber auch beim letzten 12z Lauf nahezu kein Wetter am Höhentief zu verzeichnen ist, kann man diese Entwicklung zunächst mal vernachlässigen.
Ab Samstag gibt es dann im Detail vor allem bezüglich eines Langwellentroges über dem östlichen Mitteleuropa gewisse Unterschiede. Während die gestrigen Läufe den Rücken über den Britischen Inseln noch stärker sahen, was den Einfluss des Troges nach Westen etwas blockierte, schwächelt der Rücken beim neusten IFS-Lauf. Zwar kann sich konsistent eine Kaltfront mit schauerartigen Niederschlägen vom Nordosten südwärts verlagern, der deutlich stärker zyklonale Einfluss im neusten Lauf würde aber auch hinter der Front Hebung induzieren und die Wahrscheinlichkeit für eine gewisse Schauertätigkeit erhöhen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung wird auch von anderen Globalmodellen vergleichbar zum IFS simuliert. Vor allem das ICON kommt den Vorgaben des IFS über den gesamten mittelfristigen Zeitraum sehr nahe. Wenn man das Salz in der Suppe sucht, so könnte man am Freitag z.B. geringe Timingabweichungen beim über Nordostdeutschland durchschwenken Kurzwellentrog erkennen, wobei ICON etwas schneller unterwegs wäre. Zudem hat ICON das Höhentief über der Südukraine etwas kräftiger im Programm und weicht bei der Lage des Drehzentrums auf dem Atlantik geringfügig vom IFS ab. Alle genannten kleinen Unterschiede haben aber keinen Einfluss auf das Wetter hierzulande. Erst am Sonntag weist das ICON im Vergleich zum IFS eine stärkere Amplifizierung des Troges über Osteuropa auf, was auf der Westflanke eine kräftige nördliche Grundströmung zur Folge hätte. Ebenfalls teils bis ins Detail vergleichbar zum IFS zeigt sich bis einschließlich Freitag das UK10. Zum Samstag produziert das UK10 einen markanten Trog, der südwärts über Deutschland hinwegschwenkt und ein Höhentief über Spanien, was ICON und IFS so nicht im Programm haben. Durch den Kurzwellentrog hierzulande wird die Verlagerung des steuernden Höhentiefs ausgebremst. Das GFS ähnelt ebenfalls der Grundstruktur der anderen Modelle und bringt analog zum Uk10 am Freitag sowie am Samstag den markanten Kurzwellentrog ins Spiel. Im Vergleich zum UK10 verlagert er sich aber rascher, sodass eine Phasenverschiebung zu verzeichnen ist. Am Wochenende nähert sich das GFS sogar wieder dem IFS und ICON an. Eine leicht nördlich verschobene Lage des Höhentiefzentrums sowie geringe Abweichungen bei der Ausrichtung der Trogachse führt schließlich hierzulande zu einer nördlichen bis nordöstlichen Grundströmung. Entsprechend würden potentielle Niederschläge analog zum ICON bevorzugt in der Osthälfte auftreten und nicht wie beim IFS in der Nordhälfte.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zum Start in den mittelfristigen Zeitraum bei einem recht geringen Spread und einem klar definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeiten bei der Temperatur in 850 hPa bis einschließlich Mittwoch und beim Geopotential in 500 hPa sogar bis einschließlich Donnerstag eine hohe Vorhersagegüte. Bei der Temperatur sorgen am Donnerstag und Freitag einzelne Ausreißer hin zu teils deutlich tieferen Werten für einen größeren Spread. Da aber der Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeiten weiter sehr gut ausgeprägt ist kann weiter von einer recht hohen Prognosegüte ausgegangen werden. Beim Geopotential sorgt ein stetiges aufspannen des EPS-Raums für Unsicherheiten, die aber bis einschließlich Freitag ebenfalls überschaubar bleiben. Ab Samstag geht sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotential jegliche Struktur verloren. Während beim Geopotential zumindest ein Bereich höherer auftrittswahrscheinlich zu erkennen ist, fehlt bei der Temperatur dieser Hinweis nahezu komplett. Zwar zeigen die Mehrzahl der Member einen Temperaturrückgang, wie stark dieser ausfällt bleibt aber unklar. Ein Spread von 13 bis 16 Grad lässt aber keine seriöse Temperaturaussage zu. Wenngleich beim Geopotential noch eine Mehrzahl der Member einen vergleichbaren Geopotentialverlauf zeigen, sorgt auch bei diesem Parameter ein Spread 35 bis 45 hPa für große Unsicherheiten.
Bei der Einordnung der Geopotential- und Luftdruckverteilung der Member des IFS-EPS in übergeordnete Muster werden im Zeitraum von +72 bis +96h vier Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu erklären. Alle Cluster werden dabei dem Schema eines Blockings zugeordnet. Der Haupt- und der Kontrolllauf sind in der ersten Lösung zusammen mit insgesamt 17 Member zu finden. Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind hauptsächlich bei der Amplifizierung, Ausrichtung und Lage des Troges über Osteuropa sowie potentieller Kurzwellentröge zu beobachten. Allgemein betrachtet sind die Abweichungen jedoch als gering anzusehen.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden fünf Cluster benötigt, um die Unsicherheiten zu beschreiben. Die ersten drei Lösungen werden dabei komplett dem Schema eines atlantischen Rückens zugeordnet. Die Cluster 4 und 5 beginnen mit dem Schema Blocking, bevor sie ebenfalls zum Schema eines atlantischen Rückens wechseln. Der Haupt- und der Kontrolllauf sind der zweiten Lösung zugeordnet. Die ersten vier Cluster sind bei 12 bzw.11 Unterstützern dabei nahezu gleichverteilt. Bezüglich der signifikanten Abweichungen bleibt der Trog über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa im Fokus. Während die Abweichungen am Freitag noch eher gering ausfallen, weisen die Lösungen am Sonntag teils stark unterschiedliche Trogmuster auf.
Die dritte Lösung kommt dabei den Vorgaben des ICON mit einer stärkeren südwärtigen Amplifizierung des Troges sehr nahe. Das erste Cluster zeigt dagegen eine Ausdehnung/Amplifizierung Richtung Schwarzes Meer, sodass hierzulande eine nordwestliche Strömung vorherrschen und der Temperaturrückgang deutlich moderater ausfallen würde. Zudem bleibe der Südwesten von hohem Geopotential beeinflusst. Die letzten beiden Cluster lassen den Rücken anfangs stabiler, sodass sich der/die Tröge erst zeitlich später durchsetzen können. In diesem Fall würde Deutschland noch länger von freundlichem und trockenem Wetter profitieren. Am Sonntag ähnelt das Cluster 6 der Hauptlauflösung, wenngleich räumlich etwas weniger ausgeprägt. Die fünfte Lösung geht einen Sonderweg und lässt das Höhentief ohne nennenswerte südliche Amplifizierung über Skandinavien. Die Cluster spiegeln somit die Unsicherheiten bezüglich des Temperaturabfalls und der Ausdehnung der Niederschläge nach Westen und Südwesten wieder. In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h reicht ein einziges Cluster, um alle Unsicherheiten im IFS-EPS zu beschreiben. Dieses wird komplett dem Schema eines atlantischen Rückens zugeschrieben. Demnach würde nach anfänglichem Tiefdruckeinfluss wieder hoher Luftdruck das Wetterzepter für Mitteleuropa übernehmen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI des ECMWF zeigt allenfalls am Mittwoch im Südwesten sowie am Samstag in Nordfriesland Hinweise für leicht überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten im Vergleich zum Modellklima.
Die Probabilistik stützt steife Böen (Bft 7) am Mittwoch im Schwarzwald sowie der Region bis zum Allgäu mit 10 bis 60%, in Hochlagen bis 100%. Für stürmische Böen (Bft 8) werden nur vom ICON in den Hochlagen Wahrscheinlichkeiten bis 50% gezeigt.
Am Donnerstag gibt es allenfalls im Erzgebirge sowie im Berchtesgadener Land Hinweise von 5 bis 30% für stürmische Böen (Bft 8). Am Freitag weisen die prob. Modelle (IFS/ICON) bevorzugt an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste sowie dem angrenzenden Binnenland Wahrscheinlichkeiten von 1 bis 35% für stürmische Böen aus. IFS zeigt zudem in HH, im Norden NI sowie in Teilen von MV Werte bis 10% für entsprechende Windspitzen.
Am Samstag zeigt das ICON-EPS im gesamten Küstenumfeld und dem angrenzenden Binnenland sowie im Harz und Erzgebirge Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40%, in Nordfriesland bis 60% für stürmische Böen (Bft 8) und einzelne Sturmböen (Bft 9). Beim IFS-EPS sind die Wahrscheinlichkeiten zwar niedriger, dafür lässt es nahezu über der gesamten Nordosthälfte bei Werten von 5 bis 15% vereinzelt stürmische Böen (Bft 8) zu.
Am Sonntag gibt es von beiden prob. Verfahren nur noch direkt an der Nordsee sowie in Hochlagen von Harz und Erzgebirge geringe Hinweise bis 15% für einzelne stürmische Böen (Bft 8).
Bezüglich des Niederschlags gibt es von Seiten der EPS-Verfahren derzeit weder im Stark- noch im Dauerregenbereich Hinweise für das Überschreiten der markanten Warnschwelle.
Als signifikante Wetterbedingung gelten zu dieser Jahreszeit auch der Frost und Bodenfrost. Während der Luftfrost über den gesamten mittelfristigen Zeitraum allenfalls gebietsweise, bevorzugt in den Tälern und Senken einiger Mittelgebirge und der Alpen auftritt, muss fast jede Nacht vielerorts mit Frost in Bodennähe gerechnet werden.
Basis für Mittelfristvorhersage
IF-EPS, ICON-EPS, bis Samstag auch det. ICON/IFS, für TT auch MosMix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel





