Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 23.03.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
GW: BM
Zunächst noch Hochdruckeinfluss. Ab der Nacht zum Mittwoch von Nordwesten wechselhafter und windiger. Am Mittwoch stürmisch, Bergland voller Sturm und teils kräftige Gewitter bei absinkender Schneefallgrenze. In den Nächten vorerstnachlassende Frostgefahr.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Aktuell ... präsentiert sich das Wetter in Deutschland noch ruhig, begünstigt durch den Einfluss von NORBERT, einem Keil, der sich von den Azoren bis nach Mitteleuropa erstreckt und weiterhin in schwachem Kontakt mit MAX steht, einem Hochdruckgebiet über Osteuropa. Diese Hochdruckbrücke hält die Tiefdruckgebiete derzeit noch von Deutschland fern.

In der Nacht zum Dienstag klingen letzte Schauer am Alpenrand allmählich ab. Von Nordwesten zieht zunehmend hohe Bewölkung auf, die die Annäherung einer Warmfront ankündigt. An der Nordsee frischt der Südwestwind etwas auf, sodass auf Helgoland erste steife Böen (Bft 7) auftreten können.

Ansonsten verläuft die Nacht, abgesehen von lokalen Dunst- oder Nebelfeldern, klar und trocken. In der Südosthälfte des Landes tritt erneut Frost auf.

Dienstag ... stellt sich ein Übergangstag ein. Die Hochdruckbrücke wird durch einen sich nähernden Trog über dem Seegebiet zwischen Island und den Britischen Inseln allmählich aufgebrochen. Während die Südhälfte noch vom Keil profitiert, gerät der Norden zunehmend unter den Einfluss des Troges sowie einer Warmfrontpassage, ausgehend vom Sturmtief LIVIA über dem Europäischen Nordmeer.

Der Regen betrifft voraussichtlich vor allem Schleswig-Holstein beziehungsweise die küstennahen Regionen, wo in Richtung Dänemark auch Mengen bis etwa 5 l/qm in 12 Stunden fallen können.

Ansonsten überstreicht hohe Aufgleitbewölkung weite Teile Deutschlands, wobei die Sonnenanteile nach Süden hin stetig zunehmen. Besonders südlich der Donau kann der Dienstag insgesamt als sehr freundlicher Tag beschrieben werden.

Der Wind weht im Süden schwach bis mäßig, sonst mäßig bis frisch aus südwestlicher Richtung. Im westlichen Niedersachsen sowie im exponierten Bergland treten am Nachmittag zeitweise Böen um Bft 7 auf (auf dem Brocken zunehmend markante Böen Bft 8 bis 9). Ebenfalls markante Böen (Bft 8) sind ab dem Mittag über der Deutschen Bucht zu erwarten. Diese Windzunahme steht im Zusammenhang mit einer Wellenpassage, die LIVIA entlang ihrer Südflanke umrundet und am Abend die Nordsee erreicht. Dieses Szenario wird von den Modellen recht einheitlich dargestellt.

Dank der verstärkten Advektion feuchter Nordatlantikluft mit 850-hPa-Temperaturen zwischen +2 und +5 Grad wird ein milder Tag mit Höchstwerten zwischen 12 und 19 Grad erwartet.

In der Nacht zum Mittwoch erfolgt dann die Wetterumstellung. Der Trog amplifiziert sich weiter in Richtung Deutschland. Ausgehend von der Kaltfront von LIVIA bildet sich über der Nordsee ein Randtief, das rasch zum Skagerrak zieht und sich dabei weiter vertieft, da es günstig zum Trog positioniert ist. Die Kaltfront und das zugehörige Niederschlagsgebiet greifen auf Nordwestdeutschland über.

Dadurch nimmt der Wind entgegen des üblichen Tagesgangs weiter zu, mit Böen der Stärke Bft 7 bis 8 im Verlauf der zweiten Nachthälfte sowie Bft 8 bis 9 im oberen Bergland (auf dem Brocken zunehmend orkanartige Böen bis hin zu Orkanböen Bft 11 bis 12). Gegen Ende der Nacht erreicht auch die eigentliche Bodenfront den Westen und Nordwesten. In Verbindung mit konvektiven Umlagerungen sind dann auch im Tiefland streckenweise Böen der Stärke Bft 8 bis 9 möglich. Im Südosten und Osten macht sich die Umstellung dagegen auch beim Wind kaum bemerkbar; hier weht meist nur schwacher bis mäßiger Südwestwind.

Hinsichtlich möglicher Blitzaktivität bleibt die numerische Modellführung noch zurückhaltend. Erste Gewitter sind - wenn überhaupt - am ehesten im Nordseeraum zu erwarten, wo die Höhenkaltluft zuerst eintrifft beziehungsweise der Bodentrog allmählich auf Deutschland übergreift.

----------------------------------------------------------------

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Mittwoch ... ist die Umstellung zu einer zyklonalen Nordwestlage dann erfolgt. Der Trog stößt weiter nach Süden vor und verkürzt dabei seine Wellenlänge. Die Kaltfront erreicht am Abend auch die südöstlichen Landesteile. Dahinter folgt ein weiterer Bodentrog, begleitet von einströmender Höhenkaltluft.

Die Kaltfront bringt schauerartig verstärkten Regen, die Gewitterwahrscheinlichkeit bleibt während ihrer Passage jedoch gering. Rückseitig der Front treten mit der Trogpassage und hochreichender Kaltluft mit Temperaturen unter -35 Grad in 500 hPa vor allem im Nordwesten und Westen Graupelgewitter auf, die sich teils zu Schauerstaffeln organisieren können.

Windtechnisch wird es ein anspruchsvoller Tag, da mehrere Schwerpunkte aus unterschiedlichen Ursachen entstehen. Mit der Kaltfrontpassage treten selbst im Tiefland Böen der Stärke Bft 8 bis 9 auf. Bereits vor der Front sowie während ihres Durchgangs frischt der Wind auch im Alpenvorland stürmisch auf. Mit dem nachfolgenden Bodentrog sowie den Schauer- und Gewitterstaffeln sind verbreitet Böen der Stärke Bft 8 bis 9, vereinzelt auch Bft 10 möglich.

An der See bleibt der Druckgradient länger erhalten, dort treten Böen Bft 8 bis 9, an der Nordsee schwere Sturmböen Bft 10 vereinzelt auch orkanartige Böen (nach ICON) auf. Ähnliches gilt für das Bergland, wo häufiger Böen Bft 9 bis 10 auftreten. Auf exponierten Gipfeln wie dem Brocken, dem Feldberg sowie auf Alpengipfeln sind sogar Orkanböen Bft 12 wahrscheinlich.

Mit dem Trog erreicht ein Schwall maritimer Polarluft Deutschland, sodass die Temperatur in 850 hPa deutlich unter 0 Grad sinkt. In der Folge sinkt die Schneefallgrenze bis zum Abend auf etwa 400 bis 600 m. Bei kräftigen Schauern oder Schauerstraßen kann sich innerhalb kurzer Zeit eine Schneedecke von einigen Zentimetern bilden. An den Alpen stellt sich nach der Kaltfrontpassage zudem eine ausgeprägte Stausituation ein.

In der Nacht zum Donnerstag nimmt der Wind zwar allmählich ab, bleibt aber vor allem an der See und im Bergland weiterhin spürbar. Die Schauertätigkeit lässt ebenfalls nach, kommt jedoch nicht vollständig zum Erliegen. Besonders im Süden und im Alpenraum treten weitere Niederschläge auf, die bis in tiefere Lagen in Schnee übergehen.

Markante Schneemengen werden vor allem an den Alpen erwartet, wo Neuschneemengen von etwa 20 bis 30 cm möglich erscheinen. Glätte wird ebenfalls wieder ein Thema sein, insbesondere in Lagen oberhalb von etwa 300 bis 400 m.

Am Donnerstag liegt Deutschland weiterhin im Bereich des Troges, wobei sich ein Teil davon zum Mittelmeerraum abtropft und dort eine Zyklogenese einsetzt. Gleichzeitig zieht das Tief, das zuvor den starken Wind gebracht hat, unter Abschwächung zur Ostsee. Dadurch steigt der Bodendruck über Deutschland wieder an und der Druckgradient schwächt sich zunehmend ab.

In der Höhe verbleibt jedoch noch hochreichende Kaltluft, sodass weiterhin einzelne Schauer sowie kurze Graupelgewitter auftreten können. Dies betrifft vor allem den Westen und Südwesten des Landes. Im Nordosten bleibt die Luft dagegen durch Skandiföhn deutlich trockener. An den Alpen halten die Schneefälle dagegen weiterhin an.

Modellvergleich und -einschätzung

Die numerischen Modelle zeigen sich in der Kurzfrist weitgehend einig. Dies gilt auch für die Entwicklung des Randtiefs von Dienstag auf Mittwoch. Dennoch entscheiden Details in der geometrischen Ausrichtung der Druckverteilung über die genaue Lage und Intensität regionaler Wind- und Niederschlagsmaxima.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marco Manitta