Synoptische Übersicht

Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 19.03.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
BM
Meist ruhiges Hochdruckwetter mit Nachtfrösten, in der Nordhälfte mehr Wolken und zeitweise lebhafter Westwind, aber wohl (fast) ohne Warnrelevanz.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC

Dienstag... befindet sich Deutschland zunächst an der Südwestflanke eines Höhentroges über Skandinavien, der über dem westlichen Mittelmeer austropft und dessen Nordteil allmählich ostwärts schwenkt. Dem Trog steht ein Höhenrücken gegenüber, der sich aufgrund kräftiger WLA vorderseitig eines bei Südgrönland gelegenen Höhentroges über die Britischen Inseln und die Norwegische See hinweg nach Norden aufwölbt. Mit Vordringen der weit nördlich verlaufenden Frontalzone Richtung Nordwesteuropa wird der Rücken allmählich nach Osten und Süden abgedrängt, der südliche Teil erreicht abends die Nordsee. Somit nimmt die nördliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet eine zunehmend antizyklonale Kontur an.
Absinken vorderseitig des sich annähernden Rückens führt auch im Bodenfeld verbreitet zu steigendem Luftdruck und bis Tagesende kann sich etwa über der Mitte des Vorhersagegebietes eine eigenständige Hochdruckparzelle etablieren mit einer "Kernisobare" von 1030 hPa.
Während die Temperatur mitteltroposphärisch bereits kräftig angestiegen ist, hat die Advektion maritimer Polarluft niedertroposphärisch grade ihren Höhepunkt erreicht (T 850 hPa zwischen -4 Grad im Westen und -7 Grad im Osten). Die Prognosesoundings zeigen eine zunehmend markante Absinkinversion, die sich am Nachmittag im Nordwesten in etwa 900 hPa, im Südosten in 750 hPa befindet. Dabei kann die von Nordwesten her eingeströmte maritime Polarluft nur langsam abtrocknen. Vor allem im Süden und Osten ist es aktuell noch teilweise stärker bewölkt, hier und da fällt auch noch etwas Nieselregen oder Schneegriesel. Im Tagesverlauf lockert diese Schichtbewölkung allmählich auf, an den Nordseiten der Mittelgebirge und am Alpenrand dauert das aber teilweise bis zum Nachmittag oder Abend.
Ansonsten bilden sich unterhalb der Inversion vor allem in der Südhälfte und in der Mitte innerhalb der recht labil geschichteten Grundschicht flache Quellwolken, die sich an der Inversion etwas ausbreiten können und sich abends wieder auflösen sollten. Am sonnigsten wird es im Südwesten und an den Küsten, die (noch) vom Skandenlee profitieren.
Warnrelevante Wetterereignisse stehen nicht auf der Karte und die Höchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 5 Grad an Alpen- und Erzgebirgsnordrand bzw. im Bayerwald und 12, vielleicht 13 Grad am Oberrhein.

In der Nacht zum Mittwoch greift der zunehmend zonal orientierte Höhenrücken auf Mitteleuropa über. Weiter nördlich kann sich die Frontalzone auf Skandinavien ausweiten. Ein erster Kurzwellentrog erreicht morgens Norwegen und das mit ihm korrespondierende Frontensystem zieht über die Nordsee hinweg ostsüdostwärts. Die Warmfront erreicht morgens die Deutsche Bucht. Das Hochdruckgebiet über dem Vorhersagegebiet kann sich zwar noch etwas verstärken, verlagert seinen Schwerpunkt aber allmählich nach Süddeutschland. Mit Annäherung der Warmfront und Ausweitung der Frontalzone nach Süden verschärft sich im äußersten Norden der Gradient etwas und der Wind frischt aus Südwest auf, für warnrelevante Böen reicht das aber nicht. Dafür ziehen in den Nordwesten zunehmend dichte mehrschichtige Wolkenfelder, abgesehen von etwas Nieselregen - am ehesten in Nordfriesland - bleibt es aber trocken.
Im übrigen Land ist der Himmel überwiegend klar oder gering bewölkt, lediglich im Alpenvorland sowie am Erzgebirgsnordrand hält sich noch gebietsweise dichtere Schichtbewölkung. Hier und da kann sich flacher Nebel bilden. Während es im Nordwesten unter den dichten Wolken frostfrei bleibt, muss sonst verbreitet mit leichtem, im Süden in ungünstigen Lagen auch mit mäßigem Frost gerechnet werden.

Mittwoch... kann sich der vom Seegebiet südwestlich der Britischen Inseln bis nach Mitteleuropa reichende Höhenrücken aufgrund anhaltender WLA an dessen Nordflanke weiter verstärken. Das Bodenhoch über Süddeutschland verstärkt sich ebenfalls, während an dessen Nordflanke das oben genannte Frontensystem nach Osten abläuft. Die Warmfront erreicht noch die Norddeutsche Tiefebene, kommt aber nicht weiter nach Süden voran, die Kaltfront wird über der Nordsee und Dänemark rückläufig, streift abends noch den äußersten Nordosten Deutschlands und geht dann über in die Warmfront eines bis zum Abend zu den Färöer-Inseln ziehenden Wellentiefs. Im antizyklonalen Umfeld macht sich der Frontenzug hauptsächlich anhand dichter mehrschichtiger Bewölkung bemerkbar, die sich in etwa bis zum Nordrand der Mittelgebirge (genauer gesagt: Etwa bis zu einer Linie Eifel - Südbrandenburg) ausbreitet. Im Norden und Nordosten fällt auch gebietsweise etwas Nieselregen.
Vor allem im Ostseeumfeld weht zeitweise recht lebhafter West- bis Südwestwind, für warnrelevante Böen sollte es aber - wenn überhaupt - nur mit Kaltfrontpassage an exponierten Abschnitten der vorpommerschen Küste reichen. In der Südhälfte scheint dagegen überwiegend die Sonne, auch Richtung Alpen lockern die Wolken zunehmend auf. Die Erwärmung macht auch niedertroposphärisch von Norden her weiter Fortschritte, bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa auf Werte zwischen +4 Grad in Ostfriesland und -3 Grad in Oberbayern. Somit liegen die Höchstwerte zwischen 8 Grad an den Alpen bzw. auf Helgoland und 15 Grad am Rhein.

In der Nacht zum Donnerstag kann sich der Höhenrücken noch ein wenig verstärken und etwas nach Osten ausweiten, ebenso wie das korrespondierende Bodenhoch. An dessen Nordflanke verlagert sich die Warmfront des nach Norwegen ziehenden Wellentiefs über die Nordsee hinweg ostwärts und streift dabei erneut Norddeutschland. Vor allem über der Osthälfte können sich die dichten Wolkenfelder noch etwas weiter nach Süden (bis zum Thüringer Wald und zum Vogtland) ausweiten. Niederschläge werden nach wie vor so gut wie keine simuliert. Während der Gradient an der Nordflanke des Hochs wieder etwas auffächert und sich der Wind im Ostseeumfeld entsprechend wieder abschwächt, lebt er an dessen Südflanke im äußersten Südwesten aus Ost auf ("Bisenlage"), dürfte aber auch dort kaum Warnrelevanz aufweisen. Ansonsten verläuft die Nacht im Süden und Südwesten erneut gering bewölkt oder klar, abgesehen von wenigen flachen Nebelfeldern. Erneut gibt es dort verbreitet leichten, in ungünstigen Lagen auch mäßigen Frost.

Donnerstag... befindet sich Deutschland nach wie vor im Einflussbereich des zonal orientierten Höhenrückens, der sich in 500 hPa vor allem über dem westlichen Mitteleuropa noch etwas verstärkt und ein wenig nach Norden aufwölbt. Nach wie vor ziehen an dessen Nordflanke Frontensysteme über die Nordsee bzw. südliche Norwegische See hinweg ostwärts nach Südskandinavien, diese werden aber durch den sich verstärkenden Rücken trotz geringer Abschwächung des nach wie vor umfangreichen und inzwischen von der nördlichen Biskaya über das gesamte Mitteleuropa bis nach Südosteuropa reichenden Bodenhochs allmählich ein wenig nach Norden gedrückt, so dass die Wolken vor allem im Westen und in der Mitte von Südwesten her wieder auflockern. Im Norden und Nordosten bleibt es dagegen noch wolkig bis stark bewölkt, wobei auch dort die Wolkendecke Lücken bekommt. Niederschläge werden so gut wie keine simuliert. Im Süden und Südwesten scheint die Sonne von einem weitgehend wolkenlosen Himmel. Die Milderung macht vor allem niedertroposphärisch weitere Fortschritte. In 850 hPa steigt die Temperatur auf Werte zwischen 2 Grad in der Oberlausitz und 7 Grad im Nordwesten. Die Höchstwerte liegen an den Küsten zwischen 10 und 13 Grad, sonst zwischen 12 und 18 Grad. Der Wind weht im Südwesten weiterhin zeitweise lebhaft aus Ost, auch im Nordosten frischt er wieder aus Südwest bis West auf, voraussichtlich gibt es aber keine warnrelevanten Böen.

In der Nacht zum Freitag ändert sich an der Gesamtkonstellation nur wenig. Die Nordhälfte wird nach wie vor von den Wolkenfeldern über die Nordsee nach Südskandinavien ziehender Frontensysteme überquert, Regen fällt aber kaum und die Südgrenze der dichten Wolken kommt auch vorübergehend etwas nach Norden voran. In der Mitte und im Süden verläuft die Nacht im Einflussbereich des sich kaum abschwächenden Hochdruckgebietes, abgesehen von wenigen flachen Nebelfeldern, meist wolkenlos und es gibt erneut vielerorts leichten Frost.

Modellvergleich und -einschätzung

Alle vorliegenden Modelle simulieren im Kurzfristzeitraum eine sehr ähnliche Wetterentwicklung ohne großartige prognoserelevanten und schon gar keine warnrelevanten Unterschiede.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

Synoptische Übersicht Mittelfrist

Synoptische Übersicht Mittelfrist

ausgegeben am Dienstag, den 19.03.2019 um 10.30 UTC

Ab Samstag von Norden her wieder kühler.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 26.03.2019

Am Freitag reicht eine Hochdruckzone zonal orientiert vom Atlantik über Mitteleuropa bis nach Südosteuropa. Die trockene Luft hat sich durch Absinken erwärmt, so dass tagsüber milde 15 bis 20 Grad erreicht werden. Die Nächte sind aber weiter sehr frisch. Frontales Geschehen spielt sich über Nordeuropa in der dort verlaufenden Frontalzone ab, tangiert uns aber nicht, außer dass im Norden zeitweise starke Bewölkung durchzieht.
Am Samstag wird die Hochdruckzone über Osteuropa abgebaut, während sie sich über dem Nordostatlantik kräftigt. Dadurch dreht die Strömung über uns nach Nordwest und die schwache Kaltfront eines nach Nordskandinavien ziehenden Sturmtiefs kann auf Norddeutschland übergreifen. Da sich der Hochdruckeinfluss von Westen her schon wieder zu verstärken beginnt, ist die Kaltfront von Absinken überlagert und lediglich in flacher Schicht ist Hebung wirksam. Außer tiefen Wolken und geringen Niederschlägen passiert frontal wohl nicht viel. Im Süden bleibt es noch sonnig und tagsüber sehr mild, sonst fließt kühlere Luft ein. Am Sonntag regeneriert sich die Hochdruckzone mit Divergenzachse über Norddeutschland. Die weitgehend inaktive Kaltfront, oder das was von ihr übrig ist, liegt über Süddeutschland. Wettertechnisch geht der Tag dank Absinken ruhig über die Bühne. Das Temperaturniveau beginnt nun auch im Süden zu sinken. Im Vorfeld einer sich über die Nordsee nähernden Kaltfront lebt der Wind im Tagesverlauf ganz im Norden etwas auf.
Am Montag überquert die erwähnte Kaltfront Deutschland von Nord nach Süd, gefolgt von einem Schwall Meereskaltluft, in der die Temperatur in 850 hPa unter -5 Grad sinkt. Die höhenkalte Luft streift, entgegen der operationellen IFS Simulation, aber wahrscheinlich nur den Osten unseres Landes. Das Hochdruckgebiet weitet sich unterdessen rasch zu den Britischen Inseln hin aus, weshalb die Wetteraktivität gerade nach Westen hin sehr limitiert sein dürfte. Die Schneefallgrenze sinkt bis in mittlere Lagen. Der nordwestliche Wind frischt zeitweise stark böig auf.
Am Dienstag gelangt mit nördlicher Strömung zwischen dem Hoch nahe GB und tiefem Druck über Osteuropa kalte Luft aus Skandinavien nach Deutschland. Die Temperatur in 850 hPa kann dabei auf bis -10 Grad zurückgehen. Diese Luft wird immer trockener und nur noch im Osten und in Staulagen sind leichte Niederschläge zu erwarten, die teilweise bis ganz runter als Schnee oder Graupel fallen. Ansonsten setzt das Hochdruckgebiet mit Absinken stärkere Akzente. Tagsüber ist es dann sehr kühl, verbreitet gibt es Nachtfrost. Das kühle, wahrscheinlich antizyklonal geprägte Wetter findet in der erweiterten Mittelfrist ihren Fortgang.
Ab Montag wurde vom aktuellen Lauf der Europäer abgewichen und ein Mittelweg zwischen diesem und den anderen globalen Modellen versucht.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des IFS ist bis einschließlich Wochenende gut. Die Unterschiede sind gering und auch die Passage der schwachen Kaltfront am Samstag wird ähnlich simuliert. Danach geht es mit der Konsistenz bergab. Der aktuell simuliert kräftige Kaltluftausbruch, verbunden mit einem markanten Höhentrog genau nach Mitteleuropa findet in den Vorläufe keine Entsprechung. Gestern 12z wurde der Trog zeitlich verzögert und viel weiter im Osten gerechnet, die Kaltluft sollte uns eher in flacher Sicht erreichen. Im gestrigen 00z Lauf sollte die Hochdruckzone erhalten bleiben, eine Austrogung in ähnlicher Variante war Fehlanzeige.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen globalen Modelle simulieren zunächst auch nicht viel anders. ICON sieht die Kaltfront am Samstag nicht so schwach, wie die anderen Modelle und simuliert sie leicht schleifend mit immerhin bis 5 mm in 12 Stunden. Vom Timing her ist IFS sehr progressiv, GFS am langsamsten.
Der Hauptunterschied liegt aber in der nächsten Woche. IFS weicht von den anderen Lösungen ab und tendiert zu einer Troglage über Mitteleuropa. ICON und GFS zeigen den Trog weiter östlich (Großwetterlage eher "Hoch Britische Inseln" oder N a) und lassen die höhenkalte Luft über Osteuropa nach Süden vordringen. Die kalte Luft erreicht uns zwar auch bei diesen beiden Modellen, aber eben nur im Wesentlichen in flacher Schicht, überlagert vom Absinken des relativ nahen Hochs.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Ensembles stützen zunächst die Aussagen des Hauptlaufs. Der Spread in der Temperaturfahne steigt am Wochenende schon langsam, was auf die leichten Unsicherheiten bezüglich der Kaltfront zurückzuführen sein dürfte. Die Niederschlagssignale sind dabei nur gering.
In der nächsten Woche liegen Haupt- und Kontrolllauf am unteren Rand der Ensembles in den Temperatur- und Geopotentialkurven. Während bei der 850 hPa Temperatur aber wenigstens noch ein großer Teil der Ensembles den Weg der deutlichen Abkühlung mitverfolgt, stehen die Lösungen in Sachen Geopotential mit den niedrigen Werten schon fast als Außenseiterlösungen da. Die meisten Member zeigen den Trog eben nicht über Mitteleuropa, so dass zusammengefasst werden kann: Die kalte Luft kommt wahrscheinlich, aber nicht in Begleitung des Troges "hochreichend", sondern wohl in eher flacher Schicht.

Interessanterweise landet der Hauptlauf in der Clusterung (bis +168h) trotzdem in Cluster 1, was der Autor aber auch nicht erklären kann. Insgesamt betrachtet, geht die Strömungskonstellation über von eher zonalen Verhältnissen anfangs (bei uns die zonale Brücke) in eine Blockinglage in der erweiterten Mittelfrist. Über Mittel- und Nordeuropa wird dann von der Mehrheit der Ensembles deutlich erhöhtes Geopotential gezeigt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Zunächst ist die Wahrscheinlichkeit für signifikante Wettererscheinungen nur gering. Signale gibt es im EFI bis Samstag für positive Temperaturabweichungen. Am Montag dürfte der Wind im Nordosten auffrischen, zumindest gibt es nun Signale dafür. Das dürfte auf stürmische, exponiert Sturmböen an der See und im Bergland hinauslaufen.

Basis für Mittelfristvorhersage

Mos Mix, ECM, ECM EPS; ab Montag eher ECM EPS.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner

Boden Analyse DWD

Quelle: © Deutscher Wetterdienst, Offenbach

Höhenkarten 200-850 hPa

Höhenkarte 850 hPa

Höhenkarte 700 hPa

Höhenkarte 500 hPa

Höhenkarte 400 hPa

Höhenkarte 300 hPa

Höhenkarte 200 hPa