Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Sonntag, den 09.08.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: BM, Übergang zu NWa
Heute im Süden, am Montag auch in der "südlichen Mitte" einzelne kräftige Gewitter mit Fokus auf (schwere) Sturmböen als Begleiterscheinung. Unwetter mit Böen über 100 km/h kleinräumig nicht ganz ausgeschlossen. Am Dienstag lediglich an den Alpen noch einzelne kräftige Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
Sonntag... ziehen sich das bisher wetterbestimmende Hochdruckgebiet "QUIRIAKUS" samt korrespondierenden Höhenrücken über dem östlichen Mitteleuropa langsam Richtung Baltikum bzw. dem Westen Russlands zurück. Somit gerät das Vorhersagegebiet auf die Vorderseite eines amplifizierenden Höhentroges über Nordwest- bzw. Westeuropa mit Drehzentrum über der Norwegischen See. Dieser greift im Tagesverlauf auf die Britischen Inseln, bis zum Abend dann auch auf die Nordsee über. Ein weiterer Randtrog erreicht dann von Westen her die Biskaya. Somit stellt sich über Mitteleuropa eine eher schwachgradientige, aber leicht "flatternde" westsüdwestliche Höhenströmung ein, in die kurzwellige Troganteile eingebettet sind, die auch einen gewissen, meist aber nur geringen dynamischen Hebungsinput liefern.
Im Bodenfeld führt diese Konstellation aufgrund schwacher Höhendivergenz bekanntermaßen zu leichtem Druckfall und - gekoppelt an einen solch kurzwelligen Troganteil - greift eine erste flache Tiefdruckrinne aktuell auf den Westen und Nordwesten Deutschlands über. Diese kommt im Tagesverlauf unter Ausweitung nach Südwest- bzw. Süddeutschland langsam nach Osten vorab und erweist sich anfangs als nur wenig wetteraktiv. Innerhalb der Rinne kommt die bereits in den Süden und in die Mitte des Landes advehierte sehr warme bis heiße Subtropikluft rasch nach Norddeutschland voran, in 850 hPa steigt die Temperatur bis zum späten Nachmittag auf Werte zwischen 14 Grad knapp rückseitig der Rinne im Nordwesten und 22 Grad über dem Alpenvorland. Vor allem ab der Mitte südwärts ist diese Luftmasse potenziell instabil geschichtet und feuchtet auch zunehmend an; die PPWs steigen gebietsweise auf über 30 mm, bei aber noch moderater spezifischer Feuchte innerhalb der Grundschicht, was auch anhand der klassischen "inverted-V"-Muster in den Prognosetemps vor allem in Süddeutschland und auch der D-Cape von kleinräumig nahe 1000 J/kg gut nachvollziehbar ist. Auch Cape kann nicht allzu viel generiert werden. Lediglich in teilen Südbayerns werden gebietsweise mehr als 500 J/kg simuliert.
Mit Annäherung eines weiteren kurzwelligen Troganteils, der wohl auch bereits existierender Konvektion über Zentralfrankreich geschuldet ist, setzt ab dem (frühen) Nachmittag über Nordostfrankreich eine gewisse Aktivierung der Rinne ein, wobei als zusätzlicher Trigger auch ein vor allem im ICON-D2 ausgeprägter Cold Pool dort in Frage kommt. Entsprechend simuliert das Modell eine markante Druckwelle, die ab ca. 14/15 Uhr auf den Südwesten und Wersten von Baden-Württemberg sowie auf das Saarland und das südliche Rheinland-Pfalz übergreift und dann rasch nach Osten vorankommt. Mit Hilfe der Orographie dürfte es zumindest im Bereich Südschwarzwald/Schwäbische Alb zur Auslöse reichen und entsprechend simulieren die Konvektion erlaubenden Modelle recht unisono ein oder mehrere Gewitter, die sich von dort aus bis zum Abend Richtung Mittelbayern bzw. nördliches Alpenvorland verlagern. Die Scherungsbedingungen sind moderat (DLS gebietsweise über 15 m/s, LLS nahe 10 m/s), entsprechend können auch - mit Hilfe der Orographie (Ostalb) - ein/zwei Superzellen nicht ganz ausgeschlossen werden. Im Fokus der Begleiterscheinungen steht dabei eindeutig der Wind. Starkregen und Hagel sind natürlich auch möglich, spielen aber angesichts limitierter Cape und recht hoher Zuggeschwindigkeit eher eine untergeordnete Rolle. Dagegen ist an solchen kräftigeren Entwicklungen definitiv von Sturmböen auszugehen, auch schwere Sturmböen oder gar mehr sind vor allem bei Superzellen kleinräumig in Betracht zu ziehen. I-D2 und SuperHD haben zumindest eine solche Zelle (von der Ostalb Richtung nördliches Oberbayern ziehend) auf der Agenda. Auch sonst kann es mit Passage der Druckwelle, die am Abend in etwa eine Linie Osthessen/Südwestthüringen-Oberfranken-östliches Oberbayern erreicht, einzelne, meist wenig ergiebige Schauer oder gar auch ein kurzes Gewitter (z.B. Allgäuer Alpen, Franken am Abend) geben. Vor allem nach Süden zu ist auch außerhalb solcher Schauer häufiger mit steifen, in freien Lagen vereinzelt auch stürmischen Böen zu rechnen, wobei der Wind dann rasch auf West bis Nordwest dreht.
Über der Nordhälfte bleibt die Rinne wetterinaktiv und kommt entsprechend etwas rascher nach Osten voran, erreicht in den späten Abendstunden bereits die Osthälfte. Auch dort frischt der Wind etwas aus West auf, bleibt aber unterhalb der Warnschwellen.
Heiß wird es fast überall. Lediglich ganz im Norden (Ostfriesland, Schleswig-Holstein, Ostseeküste) werden die 30 Grad nicht erreicht, sonst liegen die Maxima zwischen 30 und 35 Grad, vom Oberrhein bis nach Mainfranken auch knapp darüber. Inwieweit bereits etwas dichtere Wolkenfelder, die von Frankreich der nach Südwest- und Westdeutschland ziehen, den Temperaturanstieg etwas dämpfen, muss noch abgewartet werden.
In der Nacht zum Montag verlagert sich die Druckwelle über die Südhälfte nur langsam hinweg nordostwärts und erfasst auch noch Sachsen bzw. Brandenburg. Tagesgangbedingt geht ihr aber rasch die Puste aus, so dass der Wind außerhalb eventueller Schauer oder Gewitter alsbald nicht mehr warnrelevant ist. Vor allem nach Lesart des ICON-D2 und ICON-RUC bleibt die aber noch recht aktiv mit weiteren Schauern, vereinzelt auch kurzen Gewittern, die nicht nur den Osten Bayerns, sondern auch noch Sachsen und Teile von Brandenburg erfassen. Die große Nummer ist das aber nicht; abgesehen von einzelnen Böen Bft 7, anfangs auch noch Bft 8 sind keine signifikanten Begleiterscheinungen zu erwarten. Dann gilt es erst einmal, den Blick nach Nordwestdeutschland zu richten. Der Höhentrog mit Drehzentrum über dem Nordmeer kommt langsam ostwärts voran und überquert nun auch die Nordsee, wodurch die sich verstärkende westsüdwestliche Höhenströmung vorderseitig über dem Nordwesten vorübergehend eine deutlich zyklonale Kontur bekommt. Der mit dem Trog korrespondierende Tiefdruckkomplex im Bodenfeld greift allmählich auf Skandinavien über, eine Kaltfront erreicht morgens die mittlere Nordsee. Präfrontal weitet sich von Benelux her eine weitere Tiefdruckrinne Richtung Norddeutschland aus, wobei ein darin eingebettetes kleinräumiges Bodentief bis Montagfrüh nach Niedersachsen verlagert. Auch diese Rinne erweist sich als zunächst kaum wetteraktiv. Allerdings werden die Wolken im Vorfeld der sich nähernden Kaltfront im Nordwesten allmählich dichter und morgens fällt über der Deutschen Bucht sowie in Teilen von Schleswig-Holstein mit etwas auffrischendem West- bis Nordwestwind gebietsweise auch schon schauerartiger Regen.
Im Rest des Landes verläuft die Nacht ruhig und störungsfrei, in der Mitte und im Süden ist es nach Abzug der Druckwelle auch teilweise gering bewölkt. Es bleibt nun aber deutlich milder als in der Vornacht mit Minima zwischen knapp über 20 Grad in einigen Ballungszentren in der Mitte und im Süden sowie in mittleren Höhenlagen (Hanglagen) und 13 Grad in einigen Mittelgebirgstälern bzw. in Teilen der Norddeutschen Tiefebene.
Montag... schwenkt der breite Höhentrog unter weiterer leichter Amplifizierung über den Norden und Osten Deutschlands hinweg ostwärts. Der mit mehreren Drehzentren ausgestattete Tiefdruckkomplex im Bodenfeld reicht am Abend von der Barentssee über Lappland bis zur mittleren Ostsee, während die Kaltfront mittags auf Norddeutschland übergreift. Diese wird allerdings rasch von KLA und einer Druckanstiegswelle überlaufen und büßt somit rasch an Wetterwirksamkeit ein; vormittags fallen von Schleswig-Holstein bis zur vorpommerschen Küste noch 1 bis 5 l/m² schauerartiger Regen, kleinräumig mehr, auch ein/zwei Gewitter (mit Böen Bft 7 bis 8) können vor allem um die Mittagszeit nicht ausgeschlossen werden. Nachmittags sind es dann in Vorpommern und Nordbrandenburg kaum noch 1 l/m², weiter westlich bleibt es sogar oft trocken. Postfrontal frischt der Wind auf, aber lediglich an exponierten Küstenabschnitten sowie entlang der vorpommerschen Küste reicht es für einzelne Böen Bft 7 aus Nordwest. Interessanter gestaltet sich die Wetterentwicklung im Bereich der vorlaufenden Tiefdruckrinne, die auch gleichzeitig die Grenze zur potenziell instabilen, heißen Subtropikluft weiter südlich markiert. Diese wird mit Annäherung der Druckanstiegswelle und der Kaltfront rasch südostwärts in die mittleren Landesteile gedrückt, das kleinräumige Bodentief zieht bis zum frühen Nachmittag über Brandenburg nach Südwestpolen ab. Im Laufe des Nachmittags wird sie dann etwa entlang einer Linie Eifel-Lausitz deutlich eingebremst und vor allem nach Lesart des I-D2 aktiviert. Vom Saarland über die Pfalz, Südhessen, das nördliche Franken und Thüringen bis nach Sachsen und Südbrandenburg simuliert das Modell in den aktuellen Läufen zahlreiche Schauer und Gewitter, die langsam mit der Rinne nach Südosten vorankommen und abends in etwa eine Linie Nordschwarzwald-Oberpfälzer Wald erreichen, sich dann aber bereits abschwächen sollen.
Die Zutaten ähneln ein wenig denen vom Vortag. 200 bis gebietsweise 600 J/&kg ML-Cape bei PPWs um 30 mm und einer nicht allzu hohen spezifischen Feuchte innerhalb der Grundschicht. Vor allem nach Osten zu überlappen diese Zutaten auch mit durchaus moderater Scherung, so dass auch einzelne Superzellen möglich sind. Im Fokus steht somit erneut der Wind als Begleiterscheinung, schwere Sturmböen sind durchaus in Betracht zu ziehen, zumindest bei den stärksten Entwicklungen, Unwetter (über 100 km/h) nicht ausgeschlossen. Kleinkörniger Hagel und Starkregen sind ebenfalls möglich, weisen aber wohl kein Unwetterpotenzial auf.
Auch weiter südlich können sich - getriggert durch die Orographie - vereinzelte kräftige Gewitter entwickeln, am ehesten wohl erneut im Bereich Schwarzwald/Schwäbische Alb bzw. aus der Schweiz und aus den Alpen heraus, die langsam ostnordostwärts ziehen. In diesen Regionen sind Cape und Grundschichtfeuchte etwas höher, die Scherungsbedingungen dagegen ein wenig ungünstiger, so dass dort vielleicht eher Starkregen und Hagel in den Fokus rücken.
Insgesamt lässt sich konstatieren, dass ICON-D2 deutlich offensiver aufgestellt ist als SuperHD und vor allem als das AROME. Die Zutaten sind allerdings bei allen Modellen ähnlich.
Während postfrontal ein Schwall maritim erwärmter Polarluft nach Norddeutschland vordringt und T850 hPa bis zum Abend auf 5 bis 10 Grad sinkt, bleibt es südlich der Mittelgebirgsschwelle heiß mit 16 bis 21 Grad in 850 hPa. Somit werden in Norddeutschland nur noch 19 bis 24 Grad erreicht, während es ab der Mitte südwärts noch einmal sehr warm bis heiß wird mit 26 bis 33 Grad, an Oberrhein, Neckar, Untermain und im Donauraum auch bis 36 Grad. Anzusprechen bleibt noch der Wind nördlich der Rinne, der ja eine kräftige Druckanstiegswelle folgt. Der frischt vor allem ab der Mitte ostwärts vorübergehend deutlich aus Nordwest auf mit einzelnen steifen Böen aus Nordwest bis Nord.
In der Nacht zum Dienstag zieht der Trog rasch ostwärts ab und weicht einer zunehmend antizyklonal konturieren nordwestlichen Höhenströmung. Somit dominiert großräumig zunehmend Absinken. Die Kaltfront überquert noch die Landesmitte, weist aber bei stark steigendem Druck deutliche Auflösungstendenzen auf, rückseitig schiebt sich ein Hochkeil von der Nordsee bzw. Benelux her über die Landesmitte hinweg nach Osten. Die deutlich trockenere Luftmasse sickert auch zunehmend nach Süddeutschland, lediglich die Regionen südlich der Donau erreicht sie nicht mehr. Auch die der Kaltfront vorlaufende Rinne füllt sich rasch auf. Somit klingen die Schauer und Gewitter eingangs der Nacht rasch ab, zuletzt wohl an den Alpen und in den südwestdeutschen Mittelgebirgen. In weiten Teilen des Landes verläuft die Nacht somit trocken.
Postfrontal dringt die maritime Polarluft bis zur Landesmitte vor, so dass sich in 850 hPa ein beachtlicher Gradient von Süd nach Nord ergibt. Während in Schleswig-Holstein Dienstagfrüh nur noch 2 Grad simuliert werden, bleibt es südlich der Donau noch sehr warm mit 18 Grad. Dabei verschärft sich an der Nordostflanke des Hochkeils über dem Norden und Osten Deutschlands der Gradient noch ein wenig, so das der Nordwestwind an den Küsten, etwas zunimmt; in Nordfriesland, auf Fehmarn und entlang der Nordfriesischen Küste kann es einzelne steife Böen geben.
In den Norden und Nordosten driftet unterhalb der teils markanten Absinkinversion gebietsweise stärkere Stratocumulusbewölkung, in der Mitte und im Süden bleibt es aufgelockert, teils auch gering bewölkt. Südlich von Mosel und Main verläuft die Nacht erneut mild mit Minima zwischen 20 und 14 Grad, ansonsten wird es recht frisch mit 14 bis 8 Grad, lediglich an den Küsten bleibt es etwas milder.
Dienstag... wölbt sich über den Britischen Inseln ein Höhenrücken auf und kommt langsam Richtung Nordsee voran. Der Höhentrog überquert bis zum Abend Finnland bzw. das Baltikum, so dass sich über dem Vorhersagegebiet eine antizyklonale nordwestliche Höhenströmung etabliert und großräumig Absinken dominiert. Das korrespondierende Bodenhoch verstärkt sich und verlagert seinen Schwerpunkt mit einer recht großen 1025 hPa-Isobare zur mittleren Nordsee, wobei ein breiter Keil vom Nordwesten über die Mitte des Vorhersagegebietes hinweg ostsüdostwärts reicht, der ein wenig nach Nordosten vorankommt. Niedertroposphärisch kann sich die Luftmasse vor allem südlich der Keilachse durch die dort nahezu ungehinderte Einstrahlung wieder etwas erwärmen, bis zum Abend steigt die 850 hPa-Temperatur südlich von etwa Mosel und Main wieder auf 12 bis 20 Grad. In den Nordosten wird dagegen nach wie vor recht kühle Luft mit T850 hPa zwischen 3 und 8 Grad advehiert. Somit bleibt es bei dem markanten Süd-Nord-Temperaturgefälle mit Maxima zwischen 19 und 23 Grad im Norden und Osten, zwischen 24 und 28 Grad in der Landesmitte und zwischen 29 und 34 Grad im Südwesten bzw. Süden. Vor allem in den Norden und Osten wird unterhalb der markanten Absinkinversion mit der nordwestlichen Strömung (an der Ostsee anfangs noch einzelne Böen Bft 7) etwas feuchtere Nordseeluft advehiert, so dass sich gebietsweise länger stärkere Stratocumulusbewölkung halten kann bzw. in flache Cumuli übergeht. Südlich der Donau halten sich noch Reste der feuchten, potenziell instabilen ehemaligen Subtropikluftmasse. Bis ins südliche Alpenvorland können mit der Einstrahlung durchaus 500 bis 1000 J/kg Cape generiert werden bei PPWs um 30 mm. Mit Hilfe der Orographie reicht es über den Bayerischen Alpen zur Auslöse, die teils kräftigen Gewitter können noch ein wenig ins Alpenvorland ziehen und werden begleitet von Starkregen, Hagel und stürmischen Böen. Inneralpin können auch Unwetter nicht ausgeschlossen werden.
Ansonsten seht aber vor allem im Westen, Süden und in der Mitte ein recht sonniger und störungsfreier Tag ins Haus.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt nach Südskandinavien und Norddeutschland. Die Feuchtezufuhr von der Nordsee her nach Nordostdeutschland wird langsam abgeschnitten, so dass es auch dort gebietsweise aufklart. Sonst bleibt es generell wolkenlos oder gering bewölkt. Vor allem vom Norddeutschen Tiefland bis zu den östlichen Mittelgebirgen wird es herbstlich frisch mit Minima zwischen 10 und 5 Grad - an den Küsten darüber, in einigen Mittelgebirgstälern knapp darunter. Im Südwesten und Süden bleibt es mit 18 bis 11 Grad deutlich milder.
Modellvergleich und -einschätzung
Der grobe Fahrplan steht, die Differenzen in den Konvektion erlaubenden Modellen bzgl. der Konvektion innerhalb der Rinne am morgigen Montag wurden im Text angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 08.08.2026 um 10.30 UTC
Sommerliches und oft sonniges Wetter mit wieder ansteigenden Temperaturen, ab Freitag ansteigendes Gewitterpotential.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 15.08.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Dienstag zieht ein Langwellentrog ostwärts aus Mitteleuropa ab. Von Westen her nähert sich demnach ein Rücken, dessen Achse sich am Mittag von Frankreich über Großbritannien bis nach Island erstreckt. Das dazugehörige Bodenhoch liegt dann mit seinem Schwerpunkt über der Nordsee und beeinflusst weite Teile Deutschlands mit freundlichem und oft trockenem Wetter. Eine Kaltfront hat bereits weite Teile Deutschlands überquert, sodass etwas weniger warme und vor allem trockenere Luftmassen Deutschland von Norden geflutet haben. Dabei stellt sich ein deutliches Süd-Nord-Gefälle ein mit Temperaturen von kaum 20 Grad im Norden und bis 34 Grad am Oberrhein. Am Alpenrand liegen noch die Reste der feuchtwarmen Luft, sodass über den Alpen einzelne Gewitter möglich sind.
Bis Mittwoch verlagert sich der Rücken allmählich ostwärts, liegt mit seiner Achse aber noch westlich von Deutschland. Das Bodenhoch befindet sich zentral über Mitteleuropa, sodass wir viel Sonnenschein bekommen werden. Die eingeflossene trockene Luftmasse kann sich durch die Einstrahlung bereits wieder erwärmen; Temperaturen unter 25 Grad sind dann nur noch im Norden zu erwarten. Im äußersten Süden wird die feuchtwarme Luft nicht gänzlich ausgeräumt, sodass über den Alpen weiterhin einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen sind, ebenso wie das typische "Privatgewitter" über dem Südschwarzwald.
Am Donnerstag erreicht die Rückenachse dann Deutschland und das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt zur westlichen Ostsee und nach Polen. In den Südwesten und äußersten Westen sickert wieder etwas feuchtere Luft ein. Ob es dort bereits zu ersten Schauern und Gewittern kommt, ist aber noch fraglich. Im großen Rest des Landes ist weiterhin die trockene Luftmasse wetterbestimmend, die sich aber weiter aufheizen kann. Unter 25 Grad sind dann nur noch unmittelbar an den Küsten zu erwarten, von der nördliche Mitte bis in den Süden werden wieder heiße 30 bis 36 Grad erreicht.
Zum Freitag wird die Prognose unsicher (siehe Modellvergleich). Nach IFS verbleiben wir unter dem Rücken und das Bodenhoch liegt weiterhin mit seinem Schwerpunkt über Polen. Demnach würde uns ein weiterer sommerlich heißer und überwiegend trockener Tag mit viel Sonnenschein erwarten. Dies ist aber nur eine mögliche Lösung.
Am Samstag wird bei IFS der Rücken zwar von Norden durch einen schwachen Trog abgehobelt, was die Hitze, verbunden mit einer übergreifenden Kaltfront, wieder aus dem Norden in die Mitte und den Süden verdrängt. Rege Wetteraktivität ist aber dennoch nicht zu erwarten. Im Süden und in der Mitte würde nach dieser Variante das hochsommerliche und oft sonnige Wetter in die Verlängerung gehen.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der letzten IFS-Läufe ist mindestens bis Freitagabend als gut einzustufen. Erst ab Freitagabend nehmen die Unsicherheiten zu. In den beiden gestrigen Läufen sollte dann nämlich aus Nordwesten eine Kaltfront aufziehen, die sich am Samstag südostwärts ausbreiten sollte. Die Wetteraktivität wurde zwar recht gering simuliert, jedoch hätten sich einzelne Gewitter ausbilden können und die Hitze hätte effektiver in die Südosthälfte verdrängt werden können. Im heutigen IFS-Lauf ist der Rücken kräftiger, sodass auch am Samstag die Kaltfront lediglich den äußersten Norden erreichen soll, ohne nennenswerte Wetteraktivität.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch bei den anderen Globalmodellen zeigt sich bis einschließlich Donnerstag eine gute Konsistenz. Am Freitag nehmen dann, wie bereits erwähnt, die Unsicherheiten zu. Während bei IFS der Rücken unvermindert über Mitteleuropa liegt, kämen wir laut ICON hingegen auf die Vorderseite eines Trogs über Westeuropa. Demnach könnte laut ICON schwül-heiße (statt der trocken-heißen Luft bei IFS) nach Deutschland gelangen. Durch die Nähe zum Trog ist zusätzlich Hebung vorhanden, sodass sich in der Südwesthälfte bereits erste kräftige Gewitter bilden können. Diese breiten sich dann in der Nacht zum Samstag und am Samstag auch in die Südosthälfte aus, während hinter einer Kaltfront im Nordwesten wieder eine Stabilisierung einsetzt mit kühlerer und trockener Luft. GFS stellt eine Art Zwischenlösung dar. Demnach würde der Trog deutlich schwächer ausfallen und am Samstag über den Norden Deutschlands durchschwenken. So würde zwar auch eine Kaltfront aus Nordwesten auf Deutschland übergreifen, allerdings mit deutlich weniger Wetteraktivität, sodass man sagen könnte, dass der heutige GFS-Lauf den gestrigen IFS-Läufen ähnelt.
FAZIT:
Bis Dienstag soll hinter einer Kaltfront trockene Luft eingeflossen sein, die zumindest im Norden und in der Mitte für eine vorübergehende Unterbrechung der Hitzewelle sorgen soll. Ein Rücken bzw. das dazugehörige Bodenhoch kann die Luftmasse in den darauffolgenden Tagen allerdings rasch wieder erwärmen, sodass am Donnerstag nur noch die Küsten unter 25 Grad liegen und die heiße Luft auch wieder die nördliche Mitte oder gar den Norden erreichen kann. Vor allem im Süden nimmt dann die Wärmebelastung wieder zu, wenngleich sie wegen der trockenen Luftmasse (eher Schwüle, ausreichend nächtliche Auskühlung) nicht extrem ausfallen dürfte. Zum Freitag nehmen die Unsicherheiten wieder zu mit einer ansteigenden Gewitterneigung aus Südwesten.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Bei den Rauchfahnen erkennt man, dass der übergreifende und nachfolgend ostwärts verlagernde Rücken sicher ist. Es ist kaum Spread vorhanden. Erst in der erweiterten Mittelfrist nimmt der Spread allmählich zu.
Ähnlich sieht es mit dem Temperaturanstieg aus, der am Freitag, in der Südosthälfte möglicherweise auch erst am Samstag sein Maximum erreicht. Beim Übergreifen der Kaltfront am Samstag gibt es noch Unsicherheiten. Dadurch fächern die Rauchfahnen im Norden am Samstag, im Süden erst am Sonntag deutlich auf.
Niederschläge werden zunächst kaum bis gar nicht gezeigt. Erst ab Samstag nehmen die Niederschlagspeaks zu.
Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h alle Ensemble-Member in ein Cluster gruppiert, das dem Blocking-Regime zugeordnet wird.
In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden zwar drei Cluster gezeigt, wobei sich am Blocking wenig ändern soll. Die Hauptunterschiede liegen bei einem unterschiedlich stark ausgeprägten Rücken über dem nahen Ostatlantik. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 1 (21 Member).
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
Am Dienstag und Mittwoch sind nur an den Alpen und im Südschwarzwald einzelne Gewitter möglich, sonst sorgt trockene Luft für warnfreies Wetter. Erst ab Donnerstagabend sickert aus Südwesten wieder etwas feuchtere Luft ein. Ob es dann dort schon für erste Gewitter reicht, ist sehr fraglich. Erst ab Freitag nimmt in der Südwesthälfte das Gewitterpotential (zumindest laut ICON) wieder zu, wobei dies noch unsicher ist. Die Gewitter sind dann - wie üblich - mit Starkregen, Hagel und auch Sturmböen verbunden. Am Samstag könnte dann die Südosthälfte Deutschlands von starken, teils schweren Gewittern betroffen sein, wobei dies weiterhin nur von ICON angeboten wird, während es nach IFS und GFS allenfalls an der Kaltfront einzelne Gewitter geben könnte.
HITZE:
Die eingeflossene trockene Luftmasse hinter der Kaltfront bringt uns erst einmal eine Entspannung der Wärmebelastung. Dienstag und Mittwoch dürften nur die Niederungen im Südwesten von einer starken Wärmebelastung betroffen sein. Erst am Donnerstag und Freitag breitet sich die starke Wärmebelastung wieder auf weite Teile des Südens und der Mitte aus. Auch wenn die Temperaturen in den Niederungen im Südwesten wieder auf 37 oder gar 38 Grad ansteigen könnten, dürfte die Wärmebelastung voraussichtlich nicht extrem werden. Die trockene Luftmasse neigt einerseits nicht zur Schwüle und durch die niedrigen Taupunkte kann es nachts noch einigermaßen abkühlen.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, ICON, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel





