Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 16.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Im Südwesten und Süden anfangs lokal schwere Gewitter, nachts abschwächend. Am Freitag bis auf Teile des Nordwestens und Westens deutschlandweite Unwetterlage mit teils schweren Gewittern. Nachfolgend aus Nordwesten Abkühlung und Wetterberuhigung.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Aktuell ... ist die nachhaltige Umstellung der Großwetterlage bereits in vollem Gange und der Hochdruckeinfluss hat sich komplett aus Deutschland zurückgezogen, was natürlich nicht bedeutet, dass in allen Regionen nun der langersehnte Regen kommt. Aber dazu gleich mehr. So hat sich das einst kräftige Höhenhoch gesplittet mit einem Teil retrograd gen Westen süd-südwestlich von Island und mit dem andern Part ostwärts zur Ostsee und dem Baltikum. Über Mitteleuropa ist am Boden derzeit Sumpf Trumpf, sprich die Verteilung äußerst amorph und flach unweit der 1015 hPa wabernd. Spannender ist da die Höhe, in der schon seit mehreren Tagen ein teils elliptisch gestaltetes Tief ins Auge sticht, das inzwischen über dem Emsland angelangt ist und sich weiter Richtung Westteil der Deutschen Bucht bewegt. Die Konstellation erlangt nun immer mehr Struktur, da zum Einen der Cut-Off dicht westlich der Biskaya mit einbezogen wird und zum Anderen der für das Hochsplitting verantwortliche Trogvorstoß von der Ostgrönlandsee Richtung nördliche Nordsee das Gebilde einfängt und ostwärts führt.
Lange Rede, kurzer Sinn: In den kommenden Stunden heißt es natürlich die Gewitterschwerpunkte weiter zu verfolgen. Bis dato (Stand: 18 Uhr MESZ) verhält es sich mit der "Brodelei" noch vergleichsweise "beschaulich". Klar, die Luftmasse ist nahezu überall ausreichend feucht und labil für lokale Entwicklungen. Selbst über den mittleren Landesteilen, bei den die Trockeneinschübe noch am signifikantesten sind, hat es mithilfe der Orographie für das ein oder andere Gewitter gereicht. Der Fokus liegt in den kommenden Stunden aber weiterhin klar im Süden und Südwesten des Landes, wo hohe ML CAPE Werte jenseits von 1000 J/kg am besten mit moderater bis lokal teils starker Scherung 20-25, loc bis 30 m/s 0-6 km überlappen und auch die Hodographen nicht nur gradlinig sondern teils anständig gekrümmt sind, gerade im orographisch gegliederten Gelände (z.B. Schwarzwald, Odenwald, Alb).
Aus diesem Grund wurde ja bereits am Vormittag auch eine Vorabinformation ausgegeben. Die neuesten ICON-RUC Läufe simulieren in der Tat noch mehrheitlich das Übergreifen/Entstehung mehrerer Superzellen, die allerdings in den Abendstunden auch rasch verclustern sollen. Ganz "wilde" Lösungen waren zuletzt nicht mehr dabei. Kurzum: Die Vorabinfo kann so erstmal stehen bleiben und wird zumindest gebietsweise auch noch zum Tragen kommen. Gerade über BaWü ist im Anfangsstadium großer Hagel und Böen bis Orkanstärke zu erwarten. Bis Mitternacht erreichen die Zellen dann unter Abschwächung ostwärts auch weite Teile Bayerns, wobei sich der Fokus dann immer mehr zum teils heftigen Starkregen mit > 30 l/qm binnen kurzer Zeit verschiebt. Zwar ist die Grundschicht im Osten Bayerns noch sehr trocken (DCAPE um 800 J/kg), allerdings auch schon die Entkopplung der Grundschicht bei Eintreffen der Gewitter gegen Mitternacht ein Stück weit vorangeschritten, dass Böen bis Orkanstärke nur im Worst Case bei knackigen Bow-Echos/MCS zu erwarten wären. Böen bis Sturmstärke sind wahrscheinlicher.
Im großen Rest des Landes ist es häufig locker bewölkt und meist trocken. Punktuell werden durch kurzwellige, flache Randtröge in der Höhe, der aber räumlich und zeitlich kaum zu greifen sind, einzelne (abgehobene) Schauer oder Gewitter ausgelöst, die zumeist mit "gelb" abgehandelt werden können.
Es kühlt auf 20 bis 13 Grad ab.
Freitag ... zieht das Höhentief weiter nordwärts zur Südspitze Norwegens und wird von dort in den Langwellentrog eingebunden, so dass ganz Deutschland unter einer stark amplifizierten zyklonalen, südwestlichen Höhenströmung liegt. Diese induziert auch eine Bodenzyklogenese, die aber aufgrund fehlender Höhendivergenz vergleichsweise human ausfällt. Das Bodentief CERRY bildet sich mit etwas unter 1010 hPa etwa im Großraum Hamburg und zieht bis zum Abend weiter ostwärts zum Oderhaff. Dabei bildet es im Verlauf auch frontale Strukturen aus, wobei vor allem die Kaltfront interessant ist, die zur um 12 UTC etwa entlang der Weser bis hinüber zur Eifel reicht.
Weite Teile NRW's und Niedersachsens liegen damit schon postfrontal und die Luft trocknet bereits ab und stabilisiert bodennah mit Winddrehung auf Nordwest (T850 dennoch beachtlich bei > 10 Grad), so dass auch kaum noch CAPE generiert wird. Einzig Richtung Ostfriesland und Wesermarsch könnte die rumgeholte Warmluftschleppe ("Okkl.stummel") mitsamt Küstenkonvergenz ebenfalls einzelne Schauer und Gewitter produzieren. Ein geringes Potential besteht dort sogar für Typ II Tornados aufgrund niedriger Wolkenbasis und konvergenter Windstruktur, was sich am Nachmittag und Abend auch für die Ostseeküste abzeichnet.
Für den großen Rest des Landes gilt allgemeinhin, dass die Luftmasse deutlich feuchter als am Vortag ist mit PPW-Werten zwischen 35 und 40 mm. Damit rückt der Starkregen klar stärker in den Fokus. Die Luftmasse ist nahezu ungedeckelt. Schon aus der Nacht heraus gibt es im Südwesten als auch im Osten voraussichtlich erste Starkniederschläge, die sich im Verlauf des Tages weiter nordostwärts verlagern und in ihrer Häufigkeit zunehmen. Aufgrund des fehlenden Deckels ist mit einer raschen Verclusterung zu rechnen, so dass neben den stündlichen Mengen auch die mehrstündigen Summen im Auge behalten werden müssen. Die EPS zeigen klare Signale für unwetterartige Niederschlagssummen und auch für extreme Unwetter sind die Signale deutlich erhöht, wobei vor allem der Osten und Nordosten betont werden. Dort finden sich im ICON-D2 EPS stellenweise 50-60% für mehr als 35 mm/6h, teils 20% für mehr als 60 mm/6h.
Im Süden gibt es weiterhin gute Scherwerte mit einer 0-6-km-Scherung von teils über 20 m/s und LLS im zweistelligen Bereich. Dort besteht entsprechend erneut hohes Organisationspotenzial bei gleichzeitig hohen CAPE-Werten (um 1500 J/kg) muss mit lokal großen Hagelkörnern gerechnet werden. Daneben besteht erhöhtes Sturmpotenzial mit Windgeschwindigkeiten örtlich bis in den Orkanbereich. Letzteres gilt bei expliziten Superzellen oder der Entwicklung eines größeren Clusters. So deuten hochauflösende Modelle auch die Entwicklung eines Bogenechos an.
Weiter nach Nordosten ist die Scherung deutlich verringert, dennoch werden vom ICON-D2-EPS teils schwere Sturmböen angedeutet. Das erscheint etwas überzogen und wird von externen Modellen (z.B. SuperHD) auch nicht gestützt. Dennoch können thermodynamisch (Cold Pool) getriggert durchaus Sturmböen auftreten, einerseits durch die hohe Niederschlagslast und andererseits durch einen zumindest im Anfangsstadium (relativ gesehen) trockenen Fuß. Letzteres zeigt sich auch anhand der trockenadiabatischen Temperaturabnahme bis 800 hPa hinauf.
Dazu wird es nahezu landesweit extrem schwül mit 25 bis nahe 30 Grad. In den Gewittern und später von der Nordsee gehen die Temperaturen auf Werte um 20 Grad zurück.
In der Nacht auf Samstag schwenkt der im Zusammenhang mit der Hauptgewitteraktivität stehende Randtrog, der sich in der Höhe immer besser herausschält, ostwärts ab. Ihm folgt von der Nordsee ein deutlich schwächerer nach, der den im Südwestteil noch leicht positiv zurückhängenden Trog regeneriert und mit seichter fortschreitender KLA auch ein Stück nach Süden ausweitet. Das Gewittertief verlagert sich unterdessen unter Vertiefung weiter zur südlichen Ostsee, im Südwesten macht sich der Keil des fetten Hochs südlich von Island bemerkbar, was in Küstennähe einen beachtlichen Gradienten zur Folge hat. Dieser bringt zunächst an der Nordsee, im weiteren Verlauf auch an einigen Abschnitten der Ostseeküste zunehmend steife Böen bis 60 km/h (Bft 7) aus Nordwest bis West.
Mithin macht auch die niedertroposphärisch einfließende kühlere Luftmasse aus Nordwesten weiter Boden landeinwärts gut und erreicht auch die zentralen Mittelgebirge und den Osten Deutschlands. Diese ist unterhalb einer flachen Absinkinversion bei rund 850 hPa auch sehr feucht, so dass sich von der Nordsee kompakte SC-Bewölkung landeinwärts ausbreitet.
Somit lässt die Gewitteraktivität rasch nach und sie ziehen ostwärts ab. Lediglich - grob gesprochen - südlich des Mains verbleibt eine potentiell instabile Luftmasse, in der es mit Annäherung der Front präfrontal nochmals örtlich neu zünden könnte. überquert die Kaltfront Deutschland und die Gewitteraktivität zieht ostwärts aus Deutschland ab, sodass sich nachfolgend die Unwettergefahr rasch abschwächt.
Die Luft kühlt auf 20 bis 16 Grad im Osten und Südosten, sonst auf angenehme 17 bis 13 Grad.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... wird auf der Trogrückseite ein weiterer Randtrog von Schottland Richtung Themsemündung gesteuert, womit der Trog über Deutschland eine sehr breite und vorübergehend zonale Ausrichtung annimmt. Damit ist klar, dass ein abrupter Luftmassenwechsel im äußersten Süden und Südosten nicht nur verzögert wird, sondern teilweise gar nicht richtig oder nur sehr schleichend stattfindet.
Damit bleibt etwa südlich des Mains ein gewisses Schauer- und Gewitterrisiko bestehen, bei nicht allzu hoher Scherung und etwas weniger Gehalt an Energie und Feuchte aber meist markant, vereinzelt unwetterartig.
Sonst gibt es bei zunächst oft kompakter SC-Bewölkung, die sich im Tagesverlauf zu CU med/con Bewölkung umwandelt nur vereinzelt mal einen schlappen Schauer. Vor allem an den Südosträndern der Mittelgebirge kommt auch länger die Sonne zum Vorschein.
Der Gradient bleibt in Küstennähe recht bissig mit Böen der Stärke 7, exponiert Bft 8 aus Nordwest bis West, die tagsüber auch ins angrenzende Binnenland ausgreifen.
Wie gesagt, die Abkühlung fällt schubweise und damit zunächst moderat aus bei noch immer sommerlichen 24 bis 28 Grad, in Küstennähe 18 bis 23 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Basisfelder sind wie gehabt recht übereinstimmend simuliert, was aber aufgrund der zahlreichen mesoskaligen Prozesse auch nicht viel bringt. Vieles bleibt Nowcasting in den kommenden 24-36 Stunden.
Die aktuellen Lösungen des ICON-RUC mit Verclusterung im Süden und auch den Schwerpunkten morgen schauen plausibel aus.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 16.07.2026 um 10.30 UTC
Zyklonale (im Südwesten antizyklonale) Nord- bis Nordwestlage; im Nordosten unbeständig und mäßig warm (an den Küsten kühl), im Südwesten mehr Sonne und warm. Dabei kaum markante Wettererscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 23.07.2026
Die am Freitag und Samstag eingeleitete Wetterumstellung hat sich zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Sonntag, vollzogen: Einem von der Barentssee über Skandinavien bis nach Mitteleuropa reichenden Höhentrog steht ein breiter Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik gegenüber, der sich mittlerweile über Island bis nach Südgrönland aufwölbt. Um Tagesverlauf passiert dabei ein kräftiger Randtrog von Nordwesten her das Vorhersagegebiet südost- später ostwärts und tropft in der Nacht zum Montag über Polen ab. Rückseitig stellt sich eine zyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung ein, innerhalb derer weitere kurzwellige Troganteile vor allem den Norden und Osten Deutschlands passieren.
Das mit dem Trog korrespondierende Bodentief hat Sonntagfrüh über Südfinnland den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht und zieht langsam Richtung Karelien, wobei es sich allmählich auffüllt. Dessen Kaltfront überquert im Tagesverlauf langsam die Alpen südwärts, so dass es im Süden und Osten Bayerns noch längere Zeit regnet, einzelne Gewitter vor allem an den Alpen und im Vorland nicht ausgeschlossen. Erst nachmittags und abends klingen die Niederschläge dort allmählich ab.
Rückseitig erreicht die maritim erwärmte Polarluft die Alpen, in 850 hPa sinkt die Temperatur auf Werte zwischen 4 Grad im Nordwesten und 10 Grad am Alpenrand. Vor allem im Norden und Osten entwickeln sich innerhalb der labil geschichteten Höhenkaltluft weitere Schauer und auch kurze Gewitter, während sich im Westen und Südwesten sowie zwischen Main und Donau im Einflussbereich eines dorthin vordringenden Hochkeils eine rasche Wetterberuhigung einstellt. Es bleibt dort meist trocken und für längere Zeit scheint auch die Sonne.
Am Montag und in der Nacht zum Dienstag verlagert sich das Cut-Off-Tief weiter zum Baltikum und von Norden her überquert ein weiterer Randtrog mit einem vorgeschalteten, scharf konturierten Bodentrog den Norden und Osten Deutschlands südwärts. Mit dessen Passage frischt der Wind vor allem an der Ostsee vorübergehend stark böig aus Nord bis Nordost auf, nach Lesart des IFS reicht es entlang der vorpommerschen Küste sogar kurzzeitig für stürmische Böen. Zudem muss vor allem im Nordosten recht verbreitet mit schauerartigen Regenfällen gerechnet werden, allerdings ohne, dass Warnschwellen erreicht werden. Ansonsten gibt es nur vereinzelte Schauer, in der Südwesthälfte bleibt es im Einflussbereich eines Bodenhochkeils sogar überwiegend trocken und auch länger sonnig. An den 850 hPa-Temperaturen ändert sich nur wenig; im Norden und Osten werden 18 bis 22 Grad erreicht, im Westen und Süden 21 bis 25 Grad.
Am Dienstag folgt ein in die nordnordwestliche Höhenströmung eingebetteter flacher Höhenkeil und sorgt für eine gewisse Wetterberuhigung, auch im Bodenfeld kann sich ein Keil des kräftigen Hochs westlich der Britischen Inseln (über 1035 hPa) weiter ins Vorhersagegebiet ausweiten.
Innerhalb der von Nordwesten nach Mitteleuropa advehierten maritim erwärmten Polarluft reicht es im Norden und Osten eventuell noch für ein paar schlappe Schauer, am ehesten wohl in den Mittelgebirgen. Zumindest bleibt es vor allem in einem breiten Streifen von der Deutschen Bucht bis zu den östlichen Mittelgebirgen eher bewölkt, während an der Ostsee, vor allem aber im Südwesten häufig die Sonne scheint. Allgemein wird es um etwa 1 bis 2 K wärmer als am Vortag mit Maxima zwischen 19 und 26 Grad,
Am Mittwoch greift im Tagesverlauf von Norden her ein markanter Kurzwellentrog auf den Nordosten Deutschlands über und überquert in der Nacht zum Donnerstag die Osthälfte südwärts. Dahinter dreht die Höhenströmung mehr auf Nord. Trogvorderseitig ist nun fast landesweit mit Schauern und auch einzelnen Gewittern zu rechnen, lediglich der Südwesten bleibt wohl weitgehend ausgespart und auch im Nordosten, insbesondere an der Ostsee, setzt sich rasch wieder die Sonne durch. Dagegen kann es im Südosten, insbesondere an den Alpen, in der Nacht zum Donnerstag bis Donnerstagmittag noch längere Zeit regnen. An den Küsten frischt der Wind vorübergehend aus Nordwest auf, aber wohl ohne Warnschwellen zu erreichen.
Erneut gelangt ein Schwall maritimer Polarluft ins Vorhersagegebiet, in 850 hPa sinkt die Temperatur allgemein auf 5 bis 9 Grad. Somit dürfte es auch im Südwesten, trotz noch häufigeren Sonnenscheins, wohl lediglich im südlichen Oberrheingraben bzw. in Südbaden für knapp 25 Grad reichen.
Am Donnerstag folgt ein flacher Höhenrücken und die Höhenströmung kippt wieder mehr auf Nordwest. Das Hochdruckgebiet westlich der Britischen Inseln zieht sich zwar nach Westen zurück und schwächt sich ab, dennoch reicht ein Keil nach wie vor bis ins Vorhersagegebiet, der sich sogar noch ein wenig verstärkt. Vor allem in den Norden und Osten bis zu den zentralen und östlichen Mittelgebirgen gelangen von Nordwesten her nach wie vor relativ feuchte Luftmassen, innerhalb derer sich aber nur noch vereinzelte Schauer entwickeln. Im Westen und Südwesten sowie an der Ostsee scheint dagegen länger die Sonne und es bleibt trocken. Die Luftmasse kann sich wieder etwas erwärmen, entlang der Oberrheinschiene reicht es wohl etwas verbreiteter für einen Sommertag, während an den Küsten keine 20 Grad erreicht werden.
In der erweiterten Mittelfrist, am Freitag und Samstag, nimmt die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet nach Lesart des IFS eine zunehmend antizyklonale Kontur an, am Samstag wölbt sich vorderseitig eines auf die Biskaya und Westfrankreich übergreifenden Höhentroges sogar ein Rücken über Mitteleuropa auf. Somit bleibt es an beiden Tagen weitgehend störungsfrei bei zunächst nur etwas ansteigendem Temperaturniveau. Am Samstag dreht die Strömung niedertroposphärisch auf Süd und es werden vor allem in die Südwesthälfte subtropische Luftmassen mit 15 bis über 20 Grad in 850 hPa advehiert, die zugleich auch potenziell instabil geschichtet sind, so dass es zu ersten Gewittern kommen könnte.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die drei letzten IFS-Läufe erweisen sich als konsistent. Bis in die erweiterte Mittelfrist zeigen die gestrigen Läufe keine Alternativlösungen. Unterschiede ergeben sich lediglich im Detail, in erster Linie die Randtrogentwicklungen sowohl am kommenden Montag als auch und vor allem am Mittwoch betreffend. Für den Montag hat der aktuelle IFS-Lauf den die Osthälfte Deutschlands überquerenden Bodentrog schärfer auf der Agenda als die gestrigen Läufe, ähnliches gilt auch für den kurzwelligen Randtrog am Mittwoch, der im aktuellen Lauf ebenfalls markanter und zudem noch progressiver simuliert wird. In der erweiterten Mittelfrist deutete der gestrige IFS-Lauf von 00 UTC Richtung übernächstes Wochenende eine erneute Austrogung über dem Nordmeer und den Britischen Inseln an, der gestrige 12 UTC-Lauf dagegen eher über der Norwegischen See und Skandinavien, während der aktuelle Lauf für das Vorhersagegebiet insgesamt antizyklonaler aufgestellt ist.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die vorliegenden Globalmodelle ähneln allesamt zumindest bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche dem IFS. Vom Timing her laufen die Randtrogpassagen am Montag und Mittwoch ähnlich ab, allerdings gibt es bzgl. deren Geometrie und somit auch deren Wetterwirksamkeit noch kleinere Differenzen. So hat z.B. der aktuelle UK10-Lauf am Montag eine ähnlich starke Bodentrogentwicklung auf der Agenda wie das IFS, GFS, ICON und GEM sind diesbezüglich deutlich defensiver aufgestellt.
Den kurzwelligen Randtrog am Mittwoch simuliert dagegen das ICON am stärksten und lässt ihn auch weiter nach Westen ausgreifen, so dass es selbst im Südwesten Deutschlands für nennenswerte Niederschläge reichen würde. In der erweiterten Mittelfrist, also am übernächsten Wochenende, simulieren sowohl das GFS als auch das GEM einen nach Südskandinavien gerichteten Trogvorstoß, fahren also beide für das Vorhersagegebiet eine etwas zyklonalere Variante als der aktuelle IFS-Lauf.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die drei Cluster zu Begin der Mittelfrist (T+72 bis 96 Stunden) sind aufgrund des außerordentlich kräftigen Höhenhochs über dem Ostatlantik alle dem Großwetterlagenregime "Atlantic Ridge" zugeordnet und unterscheiden sich für Mitteleuropa kaum.
Auch im Zeitraum T+120 bis 168 Stunden verteilen sich die 51 ENS-Member auf drei Cluster. Nach wie vor bleibt der Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik eindeutig dominant, flankiert vom Höhentrog über Skandinavien und Osteuropa. Unterschiede gibt es bzgl. eines von Nordwesten Richtung Mitteleuropa schwenkenden Randtroges, der sich nach Lesart des CL 2 (19 Member) und vor allem des CL 3 (13 Member) weiter nach Westen ausweitet als in CL 1 (19 Member) und somit größeren Einfluss auf die Wetterentwicklung auch über Südwestdeutschland nehmen würde. Der Hauptlauf lässt sich da eher CL 1, maximal CL 2 zuordnen, während z.B. der ICON-Hauptlauf von 00 UTC eher der Variante CL 3 entsprechen würde mit verbreiteteren Niederschlägen auch im Südwesten Deutschlands.
Die erweiterte Mittelfrist mit ihren 5 Clustern zeigt dann vor allem am übernächsten Wochenende ein ganzes Potpourri von Lösungsmöglichkeiten auf. Neben mehr oder weniger zyklonal Südwest (CL 1, 19 Member) und zyklonal Nordwest (CL 2 und 3, 12 bzw. 9 Member, wie gehabt, mit Trögen über Skandinavien und Osteuropa) gibt es auch Lösungen mit Trögen über West- und Mitteleuropa (CL 4 und 5, jeweils 7 und 4 Member).
Alles in Allem wohl eher unbeständig, aber nicht übermäßig niederschlagsintensiv auf einem überwiegend gemäßigten, der Jahreszeit entsprechenden Temperaturniveau. Einige Varianten hätten zwar kurze Hitzeeinschübe vor allem nach Südwestdeutschland zur Folge (siehe auch IFS-Hauptlauf zum übernächsten Wochenende), aber diese sind nicht nachhaltig und eine Hitzewelle ist weit und breit nicht in Sicht.
Die Rauchfahnen verschiedener, im Vorhersagegebiet verteilter Gitterpunkte bestätigen diese Aussage. Bis in die zweite Hälfte der kommenden Woche verläuft die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der einzelnen ENS-Member in einem relativ engen Spread auf einem gemäßigten Temperaturniveau (4 bis 8 Grad für die norddeutschen Gitterpunkte, 7 bis 11 Grad in Süddeutschland) und mit einigen Niederschlagssignalen vor allem am Mittwoch, teilweise auch noch am Donnerstag. Am übernächsten Wochenende geht's dann bei breiter werdendem Spread bergauf mit der Temperatur, dabei gibt es aber nach wie vor Niederschlagssignale und die 20 Grad in 850 hPa zeigen nur wenige versprenkelte Einzelläufe.
FAZIT:
Der Sonntag und die kommende Woche dürften wettertechnisch ziemlich unspektakulär verlaufen mit angenehmen, im Norden vor allem an den Küsten sogar eher kühlen Temperaturen und nur wenigen Niederschlägen, hauptsächlich im Norden und Osten sowie anfangs auch an den Alpen.
Mit einem weit nach Westen ausgreifenden Randtrog kann es dann am Mittwoch/Nacht zu Donnerstag vielleicht auch im Südwesten etwas flächendeckendere Regenfälle geben, die Mengen bleiben allerdings sehr übersichtlich. Ab dem übernächsten Wochenende werden die Prognosen dann deutlich unsicherer. Ein kurzer Hitzeeinschub vor allem nach Südwestdeutschland ist zwar möglich, dieser wird aber im Falle des Falles nicht nachhaltig sein. Eine Hitzewelle ist somit erst einmal weit und breit nicht in Sicht.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Signifikante Wettererscheinungen sind bis auf Weiteres kaum zu erwarten.
Am Sonntag kann es im Norden und Osten sowie an den Alpen zwar einzelne Gewitter geben, markante Begleiterscheinungen (kleinkörniger Hagel, Starkregen, stürmische Böen) sind aber eher die Ausnahme.
Etwas unsicher ist noch die Windentwicklung mit dem Bodentrog am Montag. Nach Lesart des IFS und des UK10 würde es entlang der vorpommerschen Küste vorübergehend für stürmische Böen aus Nord bis Nordost reichen, die anderen Modelle simulieren den Wind insgesamt schwächer.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff





