Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 05.05.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Gewitter mit Unwettergefahr durch heftigen und teils auch mehrstündigen Starkregen heute und in der Nacht zum Mittwoch vor allem über dem zentralen Mittelgebirgsraum. Dort am Mittwoch sowie im Südosten Deutschlands nur noch geringe Wahrscheinlichkeit für Unwetter.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Aktuell ... liegt Deutschland an der Vorderseite eines Höhentiefs mit Kern über der Biskaya. Dieses Tief ist Bestandteil eines breiten Troges, der sich vom Nordmeer in die Nordsee erstreckt. Hieraus ergibt sich über Mitteleuropa eine nicht allzu kräftige südwestliche und leicht flatternde Strömung, mit welcher in weite Teile Deutschlands feuchtlabile Luft gelangen konnte. In einem breiten Band vom Westen Deutschlands bis etwa zur Neiße erreicht der Gehalt an niederschlagbarem Wasser Werte um 25 mm; zudem konnte sich MU-CAPE vor allem über dem zentralen Mittelgebirgsraum bis über 500 J/kg aufbauen. Ausgehend vom südlichen Böhmen hatte sich eine flache Tiefdruckrinne gebildet, die sich über die Mittelgebirge westlich des Rheins hinweg bis nach Nordfrankreich erstreckt. Diese Tiefdruckrinne stellt gleichzeitig eine Luftmassengrenze zwischen Subtropikluft an deren Südflanke und Nordseeluft im Nordwesten und Norden Deutschlands dar. Allerdings kommt dank Einstrahlung der Charakter der Subtropikluft lediglich von Franken ostwärts bis in den östlichen Mittelgebirgsraum und zu den Alpen zur Geltung. In den anderen Gebieten blieb aufgrund aufziehender Bewölkung die Temperaturentwicklung gedämpft. Somit gilt es, zwei Regionen im Auge zu behalten. Zum einen der Südosten Deutschlands, wo in Verbindung mit der Passage einer Druckwelle hoch reichende Konvektion zustande kommen könnte. Der horizontale Temperaturgradient hin zur kühleren Luft hat bereits mehr als 10 K erreicht, zudem ist dort die Schichtung am labilsten. Sollten sich in diesen Gebieten konvektive Umlagerungen entwickeln, könnten diese aufgrund des "trockenen Fußes" mit stürmischen Böen einhergehen. Kaltluftadvektion, die aus den Alpen heraus auf diese Gebiete übergreift, sollte jedoch der Konvektion zum Abend hin alsbald den Garaus machen. Die kräftigsten Entwicklungen dürften ohnehin deutlich weiter östlich, d.h. in Tschechien und Niederösterreich, zustande kommen. Als weitere Region ist die Luftmassengrenze zu beachten - diese wird durch einen ab dem Abend über die Alpen hinweg nach Norden ablaufenden Kurzwellentrog aktiviert. An dieser entwickeln sich von der Eifel über den Westerwald und das Rothaargebirge und von dort über Nordhessen, die Rhön, weite Teile von Thüringen und bis in den östlichen Mittelgebirgsraum hinein Gewitter, die zum Teil in ein breites Niederschlagsband eingelagert sind. Aufgrund von deren geringer Verlagerungsgeschwindigkeit besteht Unwettergefahr durch heftigen und teils auch mehrstündigen Starkregen. Böen oder Hagel dürften in diesen Gebieten nur eine untergeordnete Rolle spielen.
In der Nacht zum Mittwoch überquert der Kurzwellentrog die Mittelgebirgsschwelle nordwärts und mit diesem greifen die anfangs noch von Gewittern durchsetzten Starkniederschläge bis zu einer Linie Ostwestfalen - Harz - Niederlausitz und Oderbruch über, wobei die Unwettergefahr bis Mittwochfrüh rasch geringer wird. Mit Starkregen um 30 mm innerhalb weniger Stunden ist nach wie vor zu rechnen. Im Süden kann es gebietsweise aufklaren. Dort, wo es zuvor viel geregnet hatte, können sich flache Nebelfelder bilden. Auch im Nordwesten und in Ostseenähe sind Wolkenlücken möglich, diese Gebiete werden von den Niederschlägen noch nicht erfasst.

Mittwoch ... füllt sich das Höhentief über der Biskaya auf; Reste dieses Tiefs werden in die Zirkulation des breiten, vom Nordmeer bis nach Westeuropa reichenden Troges einbezogen. Somit bleibt die schwache südwestliche Strömung bestehen.
Allerdings lässt sich im Bodendruckfeld nach wie vor noch die Tiefdruckrinne finden, die von Tschechien etwa bis nach Luxemburg reicht. Die Luftmasse, in welcher diese Rinne eingelagert ist, wird jedoch zusehends durch Entrainmentprozesse entschärft. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser erreicht nur noch wenig mehr als 20 mm, aufgrund Bewölkung können sich auch nur noch wenige hundert J/kg MU-CAPE aufbauen, lediglich ganz im Südosten ist die Labilität noch etwas höher. Darüber hinaus lassen sich in der südwestlichen Strömung keine Strukturen finden, die diese Tiefdruckrinne noch einmal zu neuem Leben erwecken könnten. Somit muss für die Auslösung hoch reichender Konvektion in erster Linie die Orografie herhalten. Dies ist über dem Mittelgebirgsraum und in Teilen Süddeutschlands der Fall. Allerdings handelt es sich dabei um Neuentwicklungen. Unwetter sind im Vergleich zu heute und der ersten Nachthälfte der Nacht zum Mittwoch nur noch wenig wahrscheinlich, aber nicht ganz auszuschließen.
Das Niederschlagsband aus der Nacht zuvor verlagert sich nach Norddeutschland, wird durch den Kurzwellentrog überlaufen, nimmt skaligen Charakter an und schwächt sich dabei zusehends ab.
Auflockerungen sind ganz im Nordwesten, in Ostseenähe und im Südosten Deutschlands am wahrscheinlichsten. Ansonsten hält sich meist mehrschichtige Bewölkung. Während unter kompakter Bewölkung nur 10 bis 14 Grad erreicht werden, steigt sonst die Temperatur auf 15 bis 20, im Südosten Deutschlands bis 23 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag werden die Reste der Tiefdruckrinne nach Osten abgedrängt. Vom östlichen Mittelgebirgsraum bis in den Westen hinein hält sich jedoch weiterhin feuchtlabile Luft, wobei durch einen weiter im Süden nach Nordosten ablaufenden Kurzwellentrog diese Luftmasse noch einmal aktiviert werden kann. Demnach könnten sich vom Südwesten Deutschlands über Mainfranken und die zentralen Mittelgebirge bis in den östlichen Mittelgebirgsraum hinein erneut Starkniederschläge entwickeln, die zumindest anfangs von Gewittern durchsetzt sein können. Fokus ist dabei aufgrund der langsamen Verlagerung auf mehrstündige Ereignisse zu legen. Erneut sind Unwetter nicht auszuschließen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit hierfür zusehends geringer wird. Am ehesten wäre dies noch über den zentralen und östlichen Mittelgebirgen der Fall. Im Süden lockert die Bewölkung vor allem in der zweiten Nachthälfte auf, im Norden macht sich die von der Nordsee einfließende trockenere Luft bemerkbar. Im nördlichen Schleswig-Holstein stellen sich niedrige einstellige Temperaturminima ein, dort muss in ungünstigen Lagen mit leichtem Frost in Bodennähe gerechnet werden.

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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... regeneriert sich der o.g. Trog weiter westlich, so dass die schwache südwestliche, aber leicht flatternde Strömung über Mitteleuropa bestehen bleibt. Durch einen weiteren nach Nordosten ablaufenden Kurzwellentrog können vor allem über den Mittelgebirgen und aus den Alpen heraus erneut Schauer und Gewitter ausgelöst werden. Allerdings büßt die Luftmasse weiterhin an Qualität ein, so erreicht der Flüssigwassergehalt kaum noch 20 mm. So sollte es zwar für Starkregen, aber wahrscheinlich nicht mehr für Unwetter reichen. Während sich in einem breiten Band vom Westen Deutschlands bis in den Erzgebirgsraum und bis zur Neiße mehrschichtige Bewölkung hält, stellen sich im Süden und vor allem in Richtung Alpen größere Auflockerungen ein. Im Norden macht sich antizyklonaler Einfluss bemerkbar, der von einem Hoch über Südnorwegen ausgeht. Absinken lässt dort die Luftmasse austrocknen, so dass sich längere sonnige Abschnitte einstellen. Mit Höchsttemperaturen zwischen 12 und 18 Grad wird es nicht mehr so warm wie an den Vortagen.

In der Nacht zum Freitag ändert sich die Geopotentialverteilung nur unwesentlich. Ausgehend von dem Hoch über Skandinavien erfolgt auch über Mitteleuropa Druckanstieg. Daher klingen die Gewitter alsbald ab, bis Freitagfrüh lassen auch die Niederschläge nach. Da die Luftdruckgegensätze gering sind, können sich dort, wo es aufklart und zuvor viel geregnet hat, flache Nebelfelder bilden.
Im Norden Deutschlands hat sich sehr trockene Luft durchgesetzt, bei längerem Aufklaren ist dort in ungünstigen Lagen leichter Bodenfrost nicht ganz auszuschließen.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis etwa Donnerstagmittag wird die oben beschriebene Entwicklung von den verfügbaren Modellen gestützt. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis dahin nicht ableiten. Im Laufe des Donnerstags und erst recht in der Nacht zum Freitag wird der von Skandinavien ausgehende antizyklonale Einfluss von Seiten des UK10 stärker gestützt als dies bei den anderen Modellen der Fall ist. Dies erklärt das raschere Abklingen der Niederschläge nach dem Modell des englischen Wetterdienstes.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann