Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Samstag, den 31.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Ein Mann, ein KLAUS - potentes 1040iger Hoch mit Schwächen. Menschlich und sympathisch.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Aktuell ... befinden wir uns inmitten einer unendlich anmutenden Hochdruckzone, die sich vom Ostatlantik (KLAUS) über Mitteleuropa/Südskandinavien (JURIJ) bis weit nach Russland (GERHARD) erstreckt. In der Höhe sind die Rollen nicht ganz so klar verteilt. So steht einem Rücken knapp westlich von uns (reicht aktuell von Südwesteuropa bis zur Barentssee) ein Trog knapp östlich von uns (reicht aktuell von Nordwestrussland bis zum zentralen Mittelmeer) gegenüber. Der Clou dieser Konstellation ist allerdings ein in den Trog integrierter Kaltlufttropfen (KLT), der von Ostpolen kommend südwestwärts zieht und am Sonntagmorgen Kroatien respektive die nördliche Adria erreicht. Mit dem KLT gelangt nicht nur niedertroposphärisch kältere Luft (xPs) insbesondere in die Südosthälfte des Landes (T850 0- bis -2°C um 6 UTC). Es greifen auch zunehmend Hebungsimpulse über (PVA overruled KLA), die eine deutliche Streckung der entkoppelten Grundschicht bis hin zu deren Tilgung bewirken. Außerdem kommt es zu schauerartigen Niederschlägen, die sich in den nächsten Stunden an den Alpen stauen. Dort wie auch im Bayerischen Wald sinkt die Schneefallgrenze auf etwa 1000 m. Während in den Hochlagen des Bayerischen Walds wohl nur von Überzuckerung (also jetzt nicht im Sinne von Diabetes) gesprochen werden kann, dürfte es in den Alpen für einige Zentimeter Neuschnee reichen. Am meisten Schnee fällt in den Hochlagen der Berchtesgadener Alpen, wo es durchaus Richtung 10 bis 15 cm gehen kann.
Damit ist das einzig Spannende an dieser Wetterlage auch schon beschrieben, Der Rest ist eher schnöde atmosphärische Hausmannskost. Die weite Teile des Landes überdeckende Bewölkung breitet sich noch weiter in den Südwesten aus, wobei sie etwas von ihrer vertikalen Ausdehnung einbüßt. Hat zur Folge, dass wohl zumindest die Hochlagen des Schwarzwalds aus der Wolkendecke herauslugen. Dort bleibt auch der östliche Wind sportlich unterwegs mit Böen 7-8 Bft. Ansonsten treten Wolkenauflockerungen am ehesten in Leelagen der Mittelgebirge sowie im Nordosten auf. Temperaturen am oder unter dem Gefrierpunkt dürften aber nur lokal auftreten, am ehesten im süddeutschen Bergland. Die Nebelneigung bleibt aufgrund der zahlreich vorhandenen Bewölkung eher gering. Allerdings kann die Sicht in einigen Hochlagen der Mittelgebirge durch aufliegende Wolken stark beeinträchtigt sein (unter 150 m).
Sonntag ... zieht der KLT weiter über Mittelitalien hinweg zum Tyrrhenischen Meer. Damit verliert er seinen Einfluss auf unser, genauer, auf das süddeutsche Wetter. Trotzdem, an den Alpen sowie im südlichen Vorland regnet und schneit es noch etwa bis in die Mittagsstunden, bevor auch dort abgesehen von wenigen Resttropfen/-flocken Schluss ist. Aufhellungen oder gar Auflockerungen sollte man dann allerdings nicht erwarten. Ohnehin gilt es zu konstatieren, dass sich der morgige Sonntag sehr wolkenlastig zeigt. Ein paar Lücken tun sich am ehesten in einem von MV über Hessen bis nach Südwestdeutschland reichenden Streifen auf, ansonsten bleiben die Schotten meist dicht.
Etwas interessanter wird es im Laufe des Nachmittags bzw. Abends im Nordwesten, wenn nämlich von der Nordsee her eine Kaltfront der 12-Meilen-Zone Schritt für Schritt näher kommt. Die Front gehört zu einem unscheinbaren Randtief, das heute Abend noch die Färöers besucht, bevor es morgen Mittag in Lappland aufschlägt. Dass es der Ausläufer überhaupt schafft, in die Phalanx der Hochdruckzone einzudringen, liegt ein Stück weit an KLAUS. Das Hoch plustert sich dicht bei Irland auf über 1040 hPa auf, während weiter östlich der Druck leicht fällt. Dadurch wird über der Nordsee ein Nordwestwind generiert, der die Front in Richtung Küste steuert (synoptisch streng genommen gibt es noch mehr Gründe, warum die Hochdruckzone über der Nordsee und Südskandinavien schwächelt, was hier aber nicht weiter vertieft werden soll).
Kurzum, die ohnehin schon dichten Wolken im Nordwesten werden noch dichter oder sagen wir besser kompakter, weil die anfangs im Vertikalprofil durchaus vorhandenen Trockenschichten kontinuierlich angefeuchtet werden. Wahrscheinlich noch vorm TATORT fallen von der Deutschen Bucht und Dänemark her die ersten präfrontalen Tropfen auf die Geest- und Marschlandschaften Nordwestdeutschlands.
Wolken hin, Regen her, trotz dieser Widrigkeiten zählt der Nordwesten im deutschlandweiten Ranking zu den am mildesten temperierten mit bis zu 12, lokal vielleicht 13°C. Dem gegenüber stehen in der Südosthälfte von wenigen Ausnahmen abgesehen lediglich 5 bis 10°C. Der aus unterschiedlichen Richtungen kommende Wind spielt keine große Rolle. Einzig auf den Kuppen des Hochschwarzwalds bleibt er aus östlichen Richtungen kommend lebhaft und böig unterwegs (7-8 Bft, 9 Bft nicht ausgeschlossen).
In der Nacht zum Montag erreicht die Kaltfront die Nordseeküste respektive das küstennahe Binnenland. Der Regen kommt landeinwärts voran (im Westen bis NRW, im Osten bis Mecklenburg) und intensiviert sich etwas. Der große Wurf wird´s bei einem Druckniveau von rund 1030 hPa aber nicht (unter 5 l/m² innert 12 h). Dafür frischt der auf nördliche Richtungen drehende Wind postfrontal über der freien Nordsee spürbar auf. Es ist allerdings äußerst fraglich, ob die Inseln (wenn, dann die Ostfriesischen) oder der Küstensaum die untere Warnschwelle (7 Bft) erreichen, geschweige denn überschreiten.
Ruhig und still verläuft die Nacht im großen Rest der Republik, wo es nicht nur trocken bleibt. Es offenbaren sich auch einige größere Lücken in der zuvor sehr zähen Wolkendecke, was aber weniger die Nebel- als vielmehr die Frostgefahr erhöht. That´s it!
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... siehe Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
Keine substanziellen Ergänzungen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Samstag, den 31.10.2026 um 10.30 UTC
Bis auf weiteres ruhiges Herbstwetter
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 07.11.2026
Für die Mittelfrist zeichnet sich weiterhin eine ausgeprägte und langlebige Blockierungslage über Nordwest- und Mitteleuropa ab. Deutschland verbleibt dabei überwiegend unter Hochdruckeinfluss, sodass sich das ruhige Herbstwetter fortsetzt. Im Vordergrund stehen vor allem Nebel und Hochnebel, während nennenswerte Niederschläge weitgehend ausbleiben. Die Temperaturen bewegen sich meist im Bereich der jahreszeitlich üblichen Werte, wobei in klaren Nächten gebietsweise leichter Frost auftreten kann.
Am Dienstag liegt Deutschland weiterhin an der Südostflanke eines umfangreichen Hochdruckgebiets, dessen Schwerpunkt sich im Bereich der Britischen Inseln befindet. Gestützt wird es durch einen kräftigen Höhenrücken, der sich vom nahen Atlantik bis nach Nordwesteuropa erstreckt. Schwache Tiefausläufer, die zuvor noch den Norden und Osten Deutschlands beeinflusst haben, lösen sich zunehmend auf. Damit setzt sich der Hochdruckeinfluss auch in diesen Regionen durch.
Am Mittwoch und Donnerstag ändert sich an der großräumigen Wetterlage nur wenig. Der Höhenrücken verlagert seinen Schwerpunkt allmählich ostwärts und greift zunehmend auf Mitteleuropa über. Gleichzeitig dehnt sich das Bodenhoch in Richtung Skandinavien und Mitteleuropa aus. Deutschland gelangt damit immer stärker unter den direkten Einfluss des Hochs. An dessen Südflanke stellt sich eine östliche bis südöstliche Strömung ein, die insbesondere im Süden und Südwesten oberhalb der Grundschicht zeitweise etwas lebhafter ausfallen kann.
Am Freitag und Samstag setzt sich die langsame Verlagerung des Hochdruckschwerpunkts in Richtung Mitteleuropa fort. Dabei gelangt Deutschland zunehmend in den Bereich der Hochdruckachse, sodass die Druckgegensätze und damit auch der Wind in weiten Landesteilen nachlassen. In der mittleren Troposphäre bleibt die Strömung trotz gewisser Veränderungen der Höhenstruktur überwiegend antizyklonal geprägt.
Insgesamt hält das ruhige und weitgehend niederschlagsfreie Herbstwetter an. Allerdings begünstigen die schwachen Winde und die zunehmende Stabilisierung der unteren Troposphäre die Ausbildung von Nebel und Hochnebel, die sich regional auch tagsüber nur zögerlich auflösen. Abseits der Nebelgebiete stehen die Chancen auf längere sonnige Abschnitte deutlich besser. Die Temperaturen ändern sich im Verlauf der Mittelfrist nur wenig und liegen meist in der Nähe der jahreszeitlichen Mittelwerte. In klaren Nächten ist gebietsweise leichter Frost möglich. Im höheren Bergland Süddeutschlands können anfangs noch stärkere Böen auftreten.
Auch zu Beginn der darauffolgenden Woche deutet sich zunächst keine grundlegende Umstellung der Großwetterlage an. Die blockierende Hochdruckkonstellation über Nordwest- und Mitteleuropa bleibt voraussichtlich bestehen, wobei sich der Schwerpunkt des Höhenrückens weiter nach Mitteleuropa verlagern kann. Deutschland dürfte somit weiterhin überwiegend unter Hochdruckeinfluss liegen. Entsprechend bleibt es meist trocken, wobei Nebel und Hochnebel zunehmend den Wettercharakter bestimmen können. Eine markante Temperaturänderung zeichnet sich zunächst nicht ab.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis weit in die Mittelfrist hinein bleibt die Blockinglage über Nordwest- und Mitteleuropa bestehen, sodass der Hochdruckeinfluss über Deutschland anhält. Die Konsistenz der IFS-Läufe ist dabei recht gut. Lediglich die Position und der Schwerpunkt des blockierenden Hochs verändern sich allmählich. Das hochreichende Hochdruckgebiet, dessen Schwerpunkt zunächst über den Britischen Inseln liegt, verlagert sich nur sehr langsam in Richtung Mitteleuropa. Damit hält das ruhige Herbstwetter noch längere Zeit an. Eine wesentliche Änderung besteht lediglich darin, dass die bodennahe Strömung allmählich von Ost auf Südost dreht. Während Deutschland anfangs noch am Rand des Hochdruckgebiets liegt, gelangt es im weiteren Verlauf zunehmend in dessen Zentrum.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch die anderen Globalmodelle zeigen keine wesentlichen Unterschiede, sodass die Prognose bis weit in die Mittelfrist hinein als recht zuverlässig angesehen werden kann. Im Detail bleibt allerdings unsicher, wie sich die Bewölkung entwickelt. Insbesondere die für diese Jahreszeit typische Grenzschichtproblematik erschwert eine genaue Vorhersage der Nebel- und Hochnebelverteilung.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bis Ende der kommenden Woche sowohl hinsichtlich der Temperatur in 850 hPa als auch des Geopotenzials in 500 hPa eine nur geringe Streuung. Dabei steigt die Temperatur in 850 hPa kontinuierlich von negativen auf positive Werte an. Dies hängt mit der allmählichen Verlagerung des Hochdruckschwerpunkts und der damit verbundenen Drehung der Strömung von Ost bis Nordost auf zunehmend Südost bis Süd zusammen. Neben der damit einhergehenden Änderung der Luftmassenzufuhr dürfte auch die großräumige Absinkbewegung zur Erwärmung der unteren und mittleren Troposphäre beitragen. Niederschlagssignale sind kaum vorhanden. Erst gegen Ende der kommenden Woche nimmt die Streuung sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotenzial allmählich zu, wobei vereinzelt schwache Niederschlagssignale auftreten. Dieser Zeitraum liegt allerdings noch relativ weit in der Zukunft.
Auch die Clusteranalyse des IFS-EPS stützt im Wesentlichen die Aussagen der Rauchfahnen. Bis einschließlich t+168 h werden ein bis zwei Cluster ausgewiesen, die durchweg dem Blocking-Regime zugeordnet sind. Dabei verändern sich im Laufe der kommenden Woche lediglich die Lage und die Ausrichtung der blockierenden Hochdruckstruktur. Das Gebiet mit hohem Geopotenzial und positiven Geopotenzialanomalien verlagert sich von Nordwesteuropa allmählich in Richtung Nordsee und Mitteleuropa. Gleichzeitig dreht die Achse des Höhenrückens im Uhrzeigersinn von einer Südwest-Nordost- in eine zunehmend Nordwest-Südost-Ausrichtung.
In der erweiterten Mittelfrist zeigen einige Member eine Abschwächung der Blockierung und einen allmählichen Übergang zu einer westlichen Grundströmung. Andere Member halten dagegen weiterhin an der blockierenden Wetterlage fest, wenngleich diese weniger ausgeprägt erscheint. Die zunehmende Streuung ist allerdings auch im Zusammenhang mit der wachsenden Vorhersageunsicherheit und der Annäherung der Ensemblevorhersagen an die klimatologische Verteilung zu sehen. Daraus lässt sich noch keine belastbare Aussage über eine grundlegende Umstellung der Großwetterlage ableiten.
Fazit
Bis weit in die Mittelfrist hinein bleibt es bei der blockierenden Hochdrucklage und damit bei überwiegend ruhigem, niederschlagsarmem Herbstwetter. Größere Änderungen sind zunächst nicht in Sicht. Erst in der erweiterten Mittelfrist nehmen die Unsicherheiten hinsichtlich einer möglichen Abschwächung des Hochdruckeinflusses zu.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der Hochdruckeinfluss lässt keine markanten Wetterentwicklungen zu.
Basis für Mittelfristvorhersage
MosMix, IFS +ENS
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta





