Synoptische Übersicht

Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

SXEU31 DWAV 120800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 12.06.2021 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HB/BM
Im Nordosten mit Durchgang einer Kaltfront bzw. danach windig, an der Ostsee stürmische Böen, auf einigen Gipfeln (Brocken, Fichtelberg, Alpen) bis Sonntagvormittag Sturmböen. Im Südosten und Osten einzelne markante Gewitter. Sonntag und Montag keine signifikanten Wetterereignisse, Montag im Südwesten/Westen heiß.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag... wird der nach Deutschland reichende und bisher wetterbestimmende Azorenhochkeil vorübergehend abgebaut. Verantwortlich dafür ist ein breit angelegter Höhentrog mit Drehzentrum über dem Nordmeer, der inzwischen bis nach Südskandinavien reicht und sich im Tagesverlauf bei leichter Ostverlagerung und Verschärfung über die südöstliche Ostsee bis nach Polen ausweitet. Im weiteren Verlauf regeneriert er einen seit Tagen etwa von Nordwestrussland bis zum Balkan reichenden, aber relativ verwaschenen Langwellentrog. Flankiert wird dieser Höhentrog von einer Höhenantizyklone südwestlich der Britischen Inseln, von der ausgehend Höhenkeile bzw. -rücken einerseits nordwärts bis nach Island, der sich bis zum Abend zum nahen Ostatlantik verlagert, andererseits nach Osten, über Frankreich und Süddeutschland bis nach Tschechien bzw. Südpolen reichen. Dieser Höhenkeil wird mit der Südostausweitung des Troges im Tagesverlauf rasch über die Alpen nach Süden abgedrängt, so dass sich über dem Vorhersagegebiet eine vor allem nach Osten vorübergehend zyklonal konturierte und straffe nordwestliche Höhenströmung einstellt. Im Bodenfeld hat die Kaltfront eines mit dem Höhentrog korrespondierenden Bodentiefs über dem Nordmeer inzwischen das deutsche Küstengebiet erreicht. Mit einer fast frontsenkrechten Schubkomponente ausgestattet, kommt sie rasch nach Südosten voran und erreicht bereits am spätere Abend in etwa Mosel und Main. Sie wird aktuell noch von KLA unterlaufen und erweist sich zunächst als wenig wetteraktiv. Im Tagesverlauf kann sie mit dem sich etwas verschärfenden Trog, der auch noch den Norden und Osten Deutschlands streift, besser interagieren (dynamische Hebung durch PVA) und in der Norddeutschen Tiefebene fällt vor allem nach Osten zu etwas Regen bzw. gibt es in erster Linie mit Frontpassage einzelne Schauer. Mit der Hebung labilisiert die Luftmasse an der Grenze zu Polen bis auf etwa 500 bis 450 hPa und es können einige 100 J/kg ML-Cape generiert werden. Somit sind am ehesten von Ostvorpommern bis nach Ostsachsen durchaus auch einzelne Gewitter möglich. Bei recht markanter hochreichender Scherung (nach Lesart des ICON-D2 20 bis 30 m/s von 0 bis 6 km) und mäßiger low level Shear (8 bis 13 m/s) können sich die Schauer und Gewitter auch linienförmig organisieren und bei immerhin etwa 35 kn in 850 hPa muss in kräftigeren Entwicklungen durchaus auch mit stürmischen Böen um 70 km/h gerechnet werden, Sturmböen um 80 km/h nicht ausgeschlossen. Andere markante Parameter, wie Hagel und Starkregen, spielen angesichts der hohen Zuggeschwindigkeit und der marginalen Cape nur eine untergeordnete Rolle. Nach Kaltfrontpassage setzt aber rasche Stabilisierung ein und es gibt kaum mehr Schauer.
Mit Kaltfrontpassage, vor allem aber postfrontal mit Annäherung eines Bodentroges, der sich abends über dem Kattegat befindet, verschärft sich der Gradient vor allem über dem Norden und Osten Deutschlands, zumal sich der Keil des Azorenhochs über den Britischen Inseln mit Annäherung des ostatlantischen Höhenrückens wieder verstärkt und sich beginnt, nach Osten auszuweiten. Entsprechend nimmt auch außerhalb der Schauer der Nordwestwind zu und es gibt recht verbreitet steife, nachmittags und abends vor allem entlang der vorpommerschen Ostseeküste auch stürmische Böen. Auf dem Brocken und Fichtelberg, aber auch auf exponierten Alpengipfeln, die sich noch im präfrontalen Bereich befinden, muss mit Sturmböen gerechnet werden. Während sich die Frontpassage über Westdeutschland lediglich anhand des Durchzuges dichterer Wolkenfelder und damit einhergehender Abkühlung bemerkbar macht, halten sich sich der Südosten des Landes noch Reste der labilen Luftmasse der Vortage. Mit Einstrahlung können im Süden und Osten Bayerns gebietsweise um oder sogar über 500 J/kg ML-Cape generiert werden bei PPW-Werten über 25 mm. Die Folge sind nochmals einzelne Gewitter, die von markanten Begleiterscheinungen in Form von Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen begleitet werden können. Scherung und Höhenwind nehmen auch dort zu, somit ist das Potenzial für unwetterartigen Starkregen aufgrund der höheren Zuggeschwindigkeit nur äußerst gering. Stattdessen kann vielleicht die ein oder andere Sturmböen nicht ausgeschlossen werden.
Im Südwesten bekommt man von dem zyklonalen Geschehen so gut wie gar nichts mit, dort scheint bei nur lockeren Wolkenfeldern meist die Sonne. Präfrontal erreichen die Temperaturen in 850 hPa nochmals Werte zwischen 11 und 15 Grad, postfrontal kühlt es bis zum Abend auf Werte zwischen 2 Grad in Nordfriesland und 6 Grad im zentralen Mittelgebirgsraum ab. Entsprechend liegen die Höchstwerte in der Südhälfte zwischen 24 und 29 Grad, in der Mitte meist zwischen 20 und 24 Grad, im Norden werden dagegen nur noch 18 bis 22 Grad erreicht.

In der Nacht zum Sonntag hat sich der Regenerationsprozess des Osteuropatroges abgeschlossen. Letztendlich reicht der Höhentrog Sonntagfrüh vom Nordmeer über Nordskandinavien und die Ostsee weit nach Süden bis nach Ungarn bzw. Rumänien. Der breite Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik wölbt sich aufgrund von WLA noch etwas nach Norden, bis ins Seegebiet östlich von Island, auf und überquert mit seiner Achse die Britischen Inseln ostwärts. Somit steilt die nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet noch weiter auf. Die Kaltfront überquert im Laufe der Nacht die Alpen rasch südwärts, verliert dabei aber mehr und mehr an Wetteraktivität. Vor allem am Alpenrand kann es staubedingt noch eine Zeitlang regnen, anfangs sind dort nach Osten zu auch noch einzelne Gewitter möglich. Insgesamt bleiben die RR-Mengen aber gering, auch im Stau des ostbayerischen Alpenrandes kommen kaum mehr als 5 mm zusammen. Von Westen her weitet sich der Hochkeil bis nach West- und Süddeutschland aus und hält den recht scharfen Gradienten über dem Nordosten des Landes aufrecht. Während der Wind im Binnenland tagesgangbedingt sich aber abschwächt, gibt es an den Küsten, insbesondere der Ostsee, weiterhin steife, entlang der vorpommerschen Ostseeküste auch stürmische Böen aus Nordwest. Auch auf dem Brocken, Fichtelberg und auf exponierten Alpengipfeln kann es stürmische Böen oder Sturmböen geben.
Während sich im Norden und Osten unterhalb der Absinkinversion in etwa 850 bis 800 hPa gebietsweise dichtere SC-Bewölkung ausbreitet und es auch im Südosten bzw. an den Alpen noch meist bewölkt bleibt, klart der Himmel im Einflussbereich des Hochkeils im Westen, Südwesten und in der Mitte verbreitet auf. Die Temperatur in 850 hPa sinkt auf 0 Grad gebietsweise in der Osthälfte und 10 Grad ganz im Westen. Somit fällt die Nacht recht frisch aus mit Tiefstwerten zwischen 13 Grad ganz im Süden bzw. an den Küsten und örtlich nur 5 Grad in einigen Tälern der zentralen und westlichen Mittelgebirge.

Sonntag... arbeitet sich der Höhenrücken allmählich bis nach Südskandinavien, zur Nordsee und nach Frankreich vor, so dass die nunmehr nordnordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet eine zunehmend antizyklonale Kontur annimmt und sich abschwächt.
Das korrespondierende Bodenhoch verlagert als Teil einer von den Azoren über die Britischen Inseln inzwischen bis nach Mitteleuropa reichenden Hochdruckzone nach Benelux bzw. Westdeutschland. Somit bleibt der recht scharfe Gradient im Nordosten Deutschlands anfangs noch aufrecht und tagesgangbedingt legt der Wind dort auch im Binnenland wieder etwas zu, so dass es nordöstlich der Elbe nochmals zumindest in freien Lagen für steife Böen reichen könnte. An der vorpommerschen Ostseeküste sind anfangs noch stürmische Böen möglich, ebenso auf dem Fichtelberg und auf einigen Alpengipfeln. Nachmittags und abends lässt der Wind aber rasch nach.
Insgesamt dominiert über dem Vorhersagegebiet Absinken, was vielerorts zur Wolkenauflösung führt. Sonne pur herrscht dabei im Südwesten, ansonsten können sich flache Quellwolken bilden. Etwas dichter sind die Wolken wohl noch östlich von Weser und Werra, wo sich an der Absinkinversion in etwa 800 bis 850 hPa vielerorts Sc-Bewölkung ausgebreitet hat, die nur zögernd von Westen her "angeknabbert" wird.
Die kühlere Luftmasse hat sich bodennah nunmehr überall durchgesetzt, in 850 hPa liegen die Werte um die Mittagszeit zwischen 3 Grad in der Osthälfte und 12 Grad am Oberrhein. Vor allem im Südwesten heizt die Sonne wieder kräftig ein und es werden dort 24 bis 27 Grad erreicht. Sonst liegen die Höchstwerte meist zwischen 20 und 24 Grad, an den Küsten sowie unter den dichteren Wolken im Osten bei 17 bis 19 Grad.

In der Nacht zum Montag greift ein in die recht weit nördlich verlaufende Frontalzone eingebetteter Kurzwellentrog auf das Nordmeer bzw. die Norwegische See über. Der Höhenrücken verliert dabei an Wellenlänge, flacht ab und wird vor allem mit seinem Nordteil nach Osten abgedrängt. Morgens verläuft dessen Achse über den Westen und die Mitte Deutschlands hinweg nordostwärts. Im Bodenfeld greift das Frontensystem eines mit dem Kurzwellentrog korrespondierenden Tiefs südöstlich von Island auf Mittel- und Südskandinavien über, die Kaltfront erreicht morgens die nördliche Nordsee. Das Hochdruckgebiet über Westdeutschland wird dadurch allmählich in den östlichen Mittelgebirgsraum abgedrängt und etwas abgebaut. Die Achse der Hochdruckzone verläuft Montagfrüh über die Mitte Deutschlands hinweg ostwärts, im Vorfeld der Kaltfront stellt sich über Norddeutschland eine schwache westsüdwestliche Bodenströmung ein. Gegen Morgen greifen erste, durch WLA verursachte Wolkenfelder auf den äußersten Norden über.
Ansonsten verläuft die Nacht überwiegend gering bewölkt oder wolkenlos, auch die Restwolken im Osten und an den Alpen lösen sich mehr und mehr auf. Hier und da kann sich vielleicht etwas Nebel bilden, warnrelevant sollte dieser aber nicht werden, dafür ist die Luftmasse zu trocken. Erneut fällt die Nacht somit mit Tiefstwerten zwischen 12 und 6 Grad recht frisch aus, ganz im Norden, vor allem an den Küsten, bleibt es wohl etwas milder.

Montag... überquert der Kurzwellentrog die (nördliche) Nordsee und die Norwegische See ostwärts und greift auf Skandinavien über. Der vorgelagerte Höhenkeil wird dadurch weiter nach Südosten abgedrängt und schmaler, er erstreckt sich abends vom westlichen Mittelmeer über den Südwesten Deutschlands nordostwärts bis zum Baltikum. Über Norddeutschland stellt sich somit eine schwache westliche Höhenströmung ein.
Im Bodenfeld schwächt sich die Hochdruckzone über dem Vorhersagegebiet weiter ab, reicht aber weiterhin von den Azoren über die Britischen Inseln und Mitteleuropa bis weit nach Osteuropa. Die Kaltfront über der Nordsee kommt allmählich nach Süden voran, läuft aber mehr und mehr in die Hochdruckzone, zumal sich der Hochkeil zum Abend hin über England und den Ärmelkanal schon wieder verstärkt und verliert an Wetterwirksamkeit. Abends erreicht sie die Deutsche Bucht, wobei sich im Vorfeld etwas dichtere, mehrschichtige Wolkenfelder allmählich bis in die nördliche Norddeutsche Tiefebene ausbreiten. Es bleibt aber wohl weitgehend trocken.
Mit Annäherung der Front verschärft sich ganz im Norden der Gradient ein wenig und der Wind frischt aus West bis Nordwest auf. Eventuell reicht es an der Nordsee und in Schleswig-Holstein für einzelne steife Böen. Ansonsten dominieren Hochdruckeinfluss und Absinken, so dass es bei verbreitetem Sonnenschein höchstens für einzelne flache Quellwolken reicht. Die Luftmasse kann sich kräftig erwärmen und auch advektiv wird es in der unteren Troposphäre wärmer. In 850 hPa steigt die Temperatur auf 10 Grad ganz im Norden und bis 16 Grad im Südwesten. Während es an den Küsten sowie im angrenzenden Binnenland nur für Höchstwerte zwischen 20 und 24 Grad reicht, wird es sonst mit 25 bis 30, am Rhein bis 32 Grad hochsommerlich warm.

In der Nacht zum Dienstag passiert der Höhentrog Skandinavien, der vorgelagerte flache Keil wird noch etwas nach Süden abgedrängt und es stellt sich eine flache, antizyklonal konturierte westliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein.
Die Kaltfront des inzwischen über Lappland angelangten Tiefs greift auf Norddeutschland über, läuft aber in die sich inzwischen wieder verstärkende Hochdruckzone und macht sich nur anhand dichterer Wolkenfelder bemerkbar, die allmählich bis etwa zum Nordrand der Mittelgebirge vordringen. Es bleibt aber weitestgehend trocken. Zwar weht an den Küsten noch spürbarer West- bis Nordwestwind, für warnrelevante Böen dürfte es aber kaum mehr reichen. Im Rest des Landes verläuft die Nacht unter Hochdruckeinfluss überwiegend wolkenlos bis gering bewölkt, mit Nebel ist kaum zu rechnen. Insgesamt bleibt es mit Tiefstwerten zwischen 14 und 8 Grad milder als in den Vornächten, aber doch noch angenehm frisch im Vergleich zu dem, was an den Folgetagen und -nächten zu erwarten ist.

Modellvergleich und -einschätzung

Anhand der synoptischen Basisfelder sind keine warn- und prognoserelevanten Unterschiede auszumachen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

Synoptische Übersicht Mittelfrist

Synoptische Übersicht Mittelfrist

ausgegeben am Samstag, den 12.06.2021 um 10.30 UTC

Vorübergehend heiß und zunehmend schwül. Vor allem ab Donnerstag von Westen teils schwere Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 19.06.2021

In der Mittelfrist baut sich eine zyklonale Süd- bis Südwestlage auf, die uns vor allem zur Wochenmitte vorübergehend sehr heißes, in der zweiten Wochenhälfte dann zunehmend schwüles und gewittriges Wetter beschert. Zum ersten Mal in diesem Jahr könnte (!) es zu einer gefährlichen Kombination von "gescheiter", energiereicher Luftmasse und Dynamik kommen, die zu einer Schwergewitterlage führt, die ihren Namen auch verdient.

Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag (15.06.) reicht ein Rücken, eingeklemmt zwischen zwei Höhentiefs knapp nördlich von Madeira sowie über dem östlichen Balkan, von Algerien bis nach Benelux. Er wird durch einen weiteren, breiter angelegten Rücken, der zwischen zwei Trögen über dem Baltikum und westlichen der Britischen Inseln zur Nordsee schwenkt, regeneriert. Im Bodenniveau kann sich dadurch eine neue Hochdruckzelle über der Nordsee aufbauen, die sich bis Tagesende mit ihrem Schwerpunkt nach Norddeutschland verlagert. Die Kaltfront eines Skandinavientiefs, die schon am Montag auf den Norden übergreift, kommt folglich allenfalls noch bis zur Mitte voran. Dort löst sich die ohnehin kaum wetteraktive Kaltfront schließlich auf. Postfrontal gelangt ein Schwall subpolare Meeresluft in die Nordhälfte (T850 vorübergehend auf 10 bis 4 Grad sinkend). Im Süden merkt man davon nichts, hier macht die niedertroposphärische Erwärmung sogar Fortschritte (T850 zwischen 11 und 16 Grad), sodass mit viel Sonnenschein regional die 30-Grad-Marke geknackt wird.

Am Mittwoch weitet sich der Trog über dem Nordostatlantik mehr nach Süden aus, als dass er nach Osten vorankommt. Folglich schwenkt auch der Rücken nur langsam ostwärts und reicht abends leicht positiv geneigt von Nordafrika über Mitteleuropa bis zur Ostsee. Er kann sich durch Warmluftadvektion (T500 teils über -10 Grad ansteigend!) nochmals deutlich kräftigen. Vorderseitig des Troges fällt der Luftdruck über Westeuropa, sodass sich, ausgehend von einem hochreichenden Tief über dem Seegebiet zwischen Island und Schottland, eine Rinne über die Britischen Inseln und Frankreich bis nach Spanien ausbilden kann. Deutschland gelangt zwischen dem nach Polen abziehenden Hoch und der Tiefdruckzone in eine südliche bis südöstliche Strömung, in der die subtropische Warmluft wieder Boden nach Norden gut macht (T850 zwischen 10 Grad im Nordosten und knapp 20 Grad im Südwesten). Mit viel Sonnenschein steigen die Temperaturen - mit Ausnahme des Nordens und Nordostens - verbreitet auf Werte um oder über 30, im Südwesten örtlich über 35 Grad. Ob in der Nacht zum Donnerstag ein oder zwei Gewittercluster, getragen von in der südwestlichen Höhenströmung eingebetteten kurzwelligen Troganteilen, auf den äußersten Westen und Nordwesten übergreifen, ist noch unklar.

Am Donnerstag tropft der Nordostatlantiktrog zumindest nach Lesart von IFS knapp westlich des Kaps Finisterre ab, das Residuum schwenkt zum Nordmeer. Die Lage des Rückens verändert sich nur wenig, allerdings zeichnet sich die Ausbildung eines abgeschlossenen Höhenhochs über dem östlichen Mitteleuropa ab. Zwischen der Tiefdruckrinne, die sich über Frankreich ein klein wenig ostwärts verschiebt und Benelux und die Nordsee erreicht, und dem Hoch über Osteuropa wird mit südlicher Strömung weiterhin subtropische, eventuell gar tropische Luft (c/xT!) herangeführt (T850 16 bis 22 Grad). Die Temperaturen steigen mit viel Sonne demnach verbreitet auf 30 bis 35 Grad, in den prädestinierten Wärmehochburgen noch zwei oder drei Grad höher. Mit Annäherung der Rinne wird die Luft im Westen und Nordwesten aber auch feuchter und instabiler, sodass nicht nur die Wärmebelastung, sondern auch die Gewitterwahrscheinlichkeit dort sukzessive zunimmt. Für Details ist es zwar noch viel zu früh, allerdings deutet sich eine Überlappung von sehr energiereicher Luft mit mäßiger bis starker hochreichender Scherung an, sodass sich etwaige Gewitter gut organisieren und im Hinblick auf jede Begleiterscheinung unwetterartig ausfallen können. Ob es nur für isolierte Auslöse/Superzellen reicht oder es mit synoptisch-skaliger Hebung durch kurzwellige Troganteile aufgrund größerer Gewittersysteme schon für eine überregionale Unwetterlage reicht, kann noch nicht abgeschätzt werden.

Am Freitag und Samstag verbleibt Deutschland nach IFS00Z zwischen dem Cut-Off über Südwesteuropa bzw. einem neuen, zu den Britischen Inseln schwenkenden Trog und dem von Afrika ins östliche Mitteleuropa gerichteten Rücken in einer südwestlichen Strömung. Mit Hereindriften der Tiefdruckrinne setzt sich die schwül-heiße und instabile Luft in weiten Teilen Deutschlands durch. Mit zunehmend zyklonaler Konturierung der Höhenströmung und stärkeren Hebungsimpulsen nimmt die Wahrscheinlichkeit für organisierte, schwere Gewitter und damit die Gefahr einer überregionalen Unwetterlage weiter zu.

In der erweiterten Mittelfrist deutet sich ein Übergreifen des Troges von Westen an, womit die Hitze und gewitterträchtige Luft nach Südosten verdrängt wird.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Donnerstag rechnen die jüngsten IFS-Modellläufe sehr konsistent den Aufbau einer zunächst eher antizyklonalen Süd- bis Südwestlage mit dem Vorstoß heißer Luftmassen nach Deutschland.
Auch danach sind die Unterschiede synoptisch-skalig verhältnismäßig gering. Die leicht differierende Phase der Trog-Rücken-Struktur hat aber, da sich Deutschland genau "zwischen den Stühlen" befindet, durchaus erhöhte Prognoserelevanz. Der Abtropfvorgang des Troges über dem nahen Nordostatlantik vollzog sich in den beiden gestrigen IFS-Läufen noch nicht. Vielmehr schwenkte der Trog langsam aber sicher bis zum Wochenende nach Mitteleuropa, sodass sich die Hitze und Schwergewitter mit Passage einer markanten Kaltfront nach Südosten zurückziehen konnten. Dagegen hält die Trogvorderseite im heutigen IFS-00Z-Lauf bis mindestens zum Wochenende an, sodass quasi landesweit - vielleicht mit Ausnahme des Westens und Nordwestens - schwüle Hitze und teils schwere Gewitter ein Thema bleiben

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Donnerstag ergeben sich kaum nennenswerte Unterschiede zwischen den IFS, GFS und ICON. Danach rechnen GFS und ICON das Trog-Rücken-Muster progressiver als IFS. Mit Passage eines Troges wird die heiße, gewitterträchtige Luft nach ICON bereits in der Nacht zum Freitag, nach GFS am Freitag tagsüber nach Südosten verdrängt. Prinzipiell haben aber alle Modelle ein Schwergewitter-Setup im Programm. Besonders eindrücklich ist die ICON-Berechnung von heute, 00 UTC, für Donnerstagabend mit einem "giftigen" Tief über Benelux und Westdeutschland, was zusätzlich für starke Richtungsscherung in der Grenzschicht und Tornadopotenzial sorgt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis einschließlich Donnerstag bestätigt das IFS-EPS das oben beschriebene Szenario des deterministischen Laufes. Die Rauchfahnen von 850-hPa-Temperatur und 500-hPa-Geopotenzial laufen bis dahin eng gebündelt und der IFS-Hauptlauf darin gut eingebettet mit.
Beginnend am Freitag weiten sich die Rauchfahnen deutlich auf. Bereits am Samstag beträgt der Spread in der Temperatur fast landesweit 15 K und mehr. Der IFS-Hauptlauf befindet sich bis Sonntag am oberen Rand der Streubreite, nicht wenige EPS-Member sehen im Westen Deutschland dagegen schon am Freitag, im Osten am Samstag einen deutlichen Temperaturrückgang.
Die vom Hauptlauf berechnete, anhaltende Trogvorderseite mit der Fortsetzung der schwül-heißen und unwetterträchtigen Witterung über das Wochenende hinweg ist also alles andere als sicher. Vielleicht ist er damit aber auch ein "Trendsetter", denn es kann konstatiert werden, dass die "warmen Member" im Vergleich zu den Vorläufen zugenommen haben.

Im Zeitraum +72-96 h wird das IFS-EPS in 3 Cluster unterteilt, die aufgrund der vorübergehenden Zonalisierung der Strömung über dem Nordostatlantik alle der Klasse NAO+ angehören. Für Deutschland ergeben sich keine nennenswerten Unterschiede.
Im Zeitraum +144-168 h werden 4 Cluster angeboten. In allen Clustern baut sich über Teilen Mittel- und Ost-/Nordosteuropas eine starke positive Geopotenzialanomalie, die eine blockierende Wirkung auf die Zirkulation entfaltet. Die Cluster unterscheiden sich nur im Hinblick auf Ausprägung und Phase des Trog-Rücken-Musters. Cluster 1 und 4 (27 Member) favorisieren das etwas progressivere, Cluster 2 und 3 (24 Member, inkl. HL, CL) das etwas trägere Muster.
Ab +192 h weitet sich das Clustering auf 5 Cluster. 4 von 5 Clustern (45 Member, inkl. HL, CL) bleiben im Blocking-Regime, wobei das Blocking in jedem Cluster etwas unterschiedlich positioniert wird (C1/C2: Fennoskandien/Nordosteuropa, C2/C4 nördliches Mitteleuropa). Cluster 3 dagegen lässt die Strömung über Nordeuropa zonalisieren, was am ehesten einer "nördlichen Westlage" gleichkommen würde.

FAZIT: Die Hitze kommt zur Wochenmitte! Auch die Schwergewitterlage ab Donnerstag ist einigermaßen wahrscheinlich, wenngleich Detailfragen natürlich noch nicht geklärt werden können (überregionale Unwetterlage ja/nein bzw. wann?).
Ob sich die schwüle Hitze mit unwetterartigen Gewittern noch über das Wochenende hinweg "retten" kann oder es vorübergehend zu einer deutlichen Abkühlung kommt, ist unklar. Das "hitzige" Szenario sind aber etwas wahrscheinlicher geworden.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

HITZE:
Der EFI zeigt zwischen Mittwoch und Freitag deutliche Signale für ungewöhnlich hohe Temperaturen, die sich ausgehend von Westeuropa über Mitteleuropa nach Osten verlagern. Zunächst dürfte sich die Wärmebelastung durch einigermaßen kühle Nächte noch in Grenzen halten. Doch mit zunehmender Schwüle und teils tropischen Nächten ab der Nacht zum Donnerstag dürfte verbreitet eine starke Wärmebelastung herrschen.

GEWITTER:
EFI cape-shear springt am Donnerstag im Westen und Nordwesten, am Freitag etwas abgeschwächt auch in den anderen Landesteilen an. Eine gute Überlappung von energiereicher Luft und Dynamik scheint somit möglich/wahrscheinlich und damit auch organisierte Gewitter, die prinzipiell bezüglich aller begleitender Parameter unwetterartig ausfallen können. Auch die Tornadogefahr ist erhöht.

Basis für Mittelfristvorhersage

IFS, IFS-EPS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. R. K. Adrian Leyser

Boden Analyse DWD

Quelle: © Deutscher Wetterdienst, Offenbach

Höhenkarten 200-850 hPa

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Höhenkarte 700 hPa

Höhenkarte 500 hPa

Höhenkarte 400 hPa

Höhenkarte 300 hPa

Höhenkarte 200 hPa