Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 03.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM (Hoch Mitteleuropa)
Hochdruckeinfluss JANNIS/IACKL mit kleinen Schönheitsfehlern (Höhentief Alpen, Kaltfront Norden). Große Tagesgänge der Temperatur: tagsüber mild bis sehr mild, nachts vielfach frostig, in Bodennähe z.T. sogar mäßig.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
Dienstag... wartet die großräumige Druck- und Potenzialverteilung mit einigen echten Krachern auf. Dabei fallen zuallererst die beiden fetten Sturmtiefs über dem Europäischen Nordmeer (ELKE, um 00 UTC mit 970 hPa-Kernisobare) sowie dem Westrand der Irminger See unweit von Kap Farvel (namenlos, ebenfalls mit 970 hPa, um 06 UTC sogar 960 hPa) auf. Komplettiert wird die Riege von DOREENA, das am Wochenende noch bei uns leichte Akzente gesetzt hat, sich inzwischen aber in die Tiefe Russlands zurückgezogen hat. Mit etwas unter 1005 hPa im Kern ist DOREENA bei Weitem nicht so prominent aufgestellt wie ihre Mitstreiterinnen weiter westlich, aber es können ja nicht alle gleich sein. Noch höher ist der Kerndruck beim international getauften Tief "Regina" knapp westlich der Straße von Gibraltar, einem Wolf im Schafspelz, sorgt es doch in Teilen Spaniens und Portugals sowie in Marokko für teils kräftige Regenfälle und Gewitter.
Angesichts so viel zyklonaler Prominenz fragt man sich natürlich, ob es denn auch ein paar männliche Gegenspieler gibt. Die Antwort lautet ja, natürlich gibt es die, und das nicht zu knapp. Grob vom Westteil des Schwarzen Meeres über Mitteleuropa und UK/Irland hinweg bis weit auf den Atlantik zum Azorenhoch erstreckt sich eine über tausende von Kilometern reichende, aus mehreren Teilen bestehende Hochdruckzone, die quasi die Tiefs im Norden und Osten von der räumlich sehr ausladend daherkommenden "Regina" im Südwesten trennt. Namen gibt es freilich auch, auf der einen Seite (östliches ME) der IACKL, auf der anderen Seite (UK/Irland, im Tagesverlauf zur Nordsee wandernd) der JANNIS. Kurzum, ´ne Menge los auf der europäischen (+ Nachbarschaft) Wetterkarte, wobei bisher noch nicht erwähnt war, dass die Herrschaften selbstverständlich mit entsprechenden Trögen und Rücken korrespondieren. Im Falle der Hochdruckzone ist das ein sehr breit aufgestellter Potenzialrücken, der weite Teile Mittel- und Westeuropas überdeckt und die mäandrierende Frontalzone über Nordeuropa auf Distanz hält.
Vor diesem Hintergrund fällt es dem geneigten Betrachter der Szenerie nicht schwer sich vorzustellen, dass das Wetter hier bei uns in Deutschland doch eigentlich ganz "schön" sein müsste, wie man landläufig sagt. Zumal ja auch eine abgetrocknete, subtropisch geprägte Luftmasse (Übergang von xSp zu xS) eingeströmt ist. Und tatsächlich, im Verbund mit den beiden "Herren" sowie dem wuchtigen Rücken sorgt die Luftmasse für frühlingshafte Verhältnisse. So darf sich ein Großteil des Landes auf einen milden bis sehr milden Dienstag freuen, an dem die Sonne ganz klar zu verstehen gibt, dass ihr das hiesige Terrain gehört. Doch wie es immer so ist im Leben, keine Regel ohne Ausnahme. Gerade beim Wetter schafft man es nicht so häufig, von den Küsten bis zu den Alpen durchweg astreine Verhältnisse zu präsentieren. Irgendwo hakt´s immer etwas und es blinken gewisse Schönheitsfehler auf.
Im aktuellen Fall richtet sich unser Blick sowohl in den Süden als auch in den Norden. Fangen wir im Süden an, wo sich gerade um die ober Donau herum, teils auch am Bodensee gebietsweise Nebel gebildet hat. Der soll sich im Tagesverlauf zwar lichten respektive auflösen, aber es kann etwas dauern. Mithelfen könnte neben dem mittlerweile schon recht hohen Sonnenstand ein kleines Höhentief über den Alpen, das sich fast unbemerkt in den breiten Adonis-Rücken reingebohrt hat. Dort hat es freilich einen schweren Stand, doch reicht es, um die Luftmasse zu labilisieren und im Süden einige Quellungen zu generieren. Am Alpenrand sowie im höheren Vorland sind sogar vereinzelte schwache Schauer drin. Dass es nicht noch mehr wird (Stichwort Gewitter), liegt an mangelnder Feuchte sowie kleineren, durch WLA induzierten Sperrschichten im vertikalen Temperaturprofil.
Vom Süden in den Norden, wo sich gegen Mittag von der Nordsee und Jütland her langsam aber sicher die Kaltfront des Nordmeertiefs ELKE nähert. Mangels dynamischer Unterstützung aus der Höhe - der korrespondierende Trog schwenkt über Skandinavien hinweg und hat mit Deutschland nichts im Sinn - manifestiert sich die Wirksamkeit der Front auf ein relativ schmales, derzeit sogar noch durchbrochenes Wolkenband ohne Niederschlag. ICON-D2 simuliert dabei zunächst wenig bis keine tiefe Bewölkung. Erst in der Nacht, wenn die Front bis weit in die Norddeutsche Tiefebene vorangekommen ist, soll sich vermehrt Stratus bzw. Hochnebel bilden.
Thermisch geht´s heute hoch auf 14 bis 19°C mit den höchsten Werten in Westdeutschland. Nicht ganz so mild wird es im Südosten und Teilen Süddeutschlands, wo bei zähem Nebel lokal nur 9 oder 10°C auf der Karte stehen. Und auch hoch oben im Norden gilt es Einbußen zu akzeptieren, was zum einen an der Nähe zu den noch kalten Meeresoberflächen liegt. Hinzu kommt noch eine markante Winddrehung von anfangs südlichen Richtungen auf Nordwest bis Nord am Nachmittag und Abend, das Ganze allerdings weit unterhalb jedweder Warnschwellen.
In der Nacht zum Mittwoch lockert die Bewölkung in der postfrontal einfließenden polaren Luftmasse (abgetrocknete mP) hoch im Norden wieder auf. Gleichzeitig schläft der Wind nahezu komplett ein, so dass die Frostgefahr merklich in die Höhe geht. Vor allem SH und MV sowie das nördliche NDS sollten sich auf leichten Luft- und gebietsweise (Favorit ist das Binnenland SHs) mäßigen Bodenfrost einstellen. Aber auch sonst ist Frost im Zuge von Wolkenarmut und laxer Strömungsverhältnisse ein Thema. Ausgenommen sind die Teile Norddeutschlands, wo die frontale Bewölkung bzw. Hochnebel greifen, aber auch die Ballungszentren im Westen dürften weitgehend im Plus bleiben. Am anfälligsten für teils dichten Nebel sind einmal mehr die Donauniederungen. Sollte es am Abend in Alpennähe irgendwo noch ein oder zwei Schauer geben, sind die tagesgangbedingt alsbald Geschichte.
Mittwoch... bleibt uns der breite Rücken über Mitteleuropa treu. Das kleine Höhentief hat mittlerweile Österreich erreicht, wo es ganz gmiadlich vom Salzkammergut in Richtung Burgenland trottet. Damit entfernt sich das kleine "Ei" zwar langsam von uns weg, gleichwohl strahlt es noch einen gewissen Impact bis in den Süden und Osten Bayerns aus (Wolken, u.a. Quellungen, aber kaum noch Schauer). Die zweite kleine Baustelle in puncto Bewölkung zieht sich von West nach Ost über die nördliche Mitte (grob Niederrhein/Westfalen bis hinüber nach Sachsen). Teilweise handelt es sich um sich zögerlich auflösende Reste nächtlichen Hochnebels, teils sind es Relikte der sich unter Druckanstieg (JANNIS) auflösenden Kaltfront.
Abgesehen von den beiden genannten Regionen scheint auch morgen wieder die Sonne von einem wolkenlosen oder nur locker bewölkten Himmel. Insbesondere im Norden und Osten bleibt es in der frischen Luftmasse etwas kühler als heute, mit 10 bis 14°C aber immer noch mild für Anfang März. Direkt an der See allerdings reicht es stellenweise nur für einstellige Tageshöchstwerte. Dagegen stehen im Westen erneut 18, vereinzelt 19°C auf dem Zettel.
In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich der Schwerpunkt des Hochanteils JANNIS langsam in Richtung östliches Mitteleuropa. Derweil sorgt Druckfall über UK/Irland und der Biskaya für eine Abkopplung der kontinentalen Hochdruckzone vom Azorenhoch. Wir bleiben aber ganz klar auf antizyklonalem Kurs mit Nebel- und Hochnebelfeldern im Süden und in der Mitte des Landes. Zudem können von der Ostsee einige tiefe Wolken von der Ostsee bis nach Vorpommern und zur Uckermark vorankommen. Ansonsten viel klarer Himmel und mit Ausnahme des Westens und Nordwestens verbreitet Luftfrost, im Osten gebietsweise sogar mäßig.
Donnerstag... verbringen wir auf der Westflanke des mittlerweile bis nach Polen abgewanderten Hochs JANNIS. Die Westflanken sind gemeinhin die warmen Flanken der Hochs und tatsächlich steigt T850 gegenüber Mittwoch wieder an, sowohl advektiv als auch absinkbedingt. Sind es morgen Mittag landesweit noch 0 bis 4°C, werden Donnerstagmittag 3 bis 7°C erwartet, die höchsten Werte im Süden und Westen. Dort steigt die 2m-Temperatur auf 15 bis 19°C, während sonst 11 bis 16°C ins Visier genommen werden. Direkt an der See ist es etwas weniger, allerdings nur bei auflandiger Windkomponente, wovon bei Südost hauptsächlich Teile der schleswig-holsteinischen Ostseeküste und natürlich einige Inseln betroffen sind. Dazu scheint nach Auflösung von Nebel und Hochnebel die Sonne von einem wolkenlosen oder nur locker bewölkten Himmel.
Die Nacht zum Freitag bringt dann wieder Frost, vor allem im Süden und Osten sowie in der Mitte. Bodenfrost tritt noch verbreiteter auf, gebietsweise sogar mäßig, sprich unter -5°C (Süden/Osten).
Modellvergleich und -einschätzung
Die Entwicklung ist unstrittig.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 02.03.2026 um 10.30 UTC
Mild bis sehr mild. Zunächst trocken, ab Freitag vereinzelt etwas Regen möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 09.03.2026
Die Mittelfrist beginnend am kommenden Donnerstag ist überwiegend durch Hochdruckeinfluss geprägt. So erstreckt sich ein breiter Höhenrücken vom zentralen Mittelmeerraum über Deutschland hinweg bis nach Skandinavien. Er stützt ein umfangreiches Hochdruckgebiet, dessen Schwerpunkt vom Süden Skandinaviens über den Nordosten Deutschlands und Polen hinweg bis zum Balkan reicht. Mit der Annäherung eines Höhentroges über dem Norden Europas beginnt das gesamte Konstrukt am Freitag ein wenig nach Osten zu rücken. Der antizyklonale Einfluss bleibt aber wetterbestimmend. Somit erwartet uns nach Auflösung von Nebelfeldern oft sonniges Wetter. Mit der auf Süd drehenden Strömung steigt die Temperatur von Südwest nach Nordost allmählich an auf Werte um 5 Grad in 850 hPa an. So sind Höchstwerte im Westen und Südwesten zwischen 16 und 18, örtlich 19 Grad zu erwarten. Im Nordosten, Osten und Südosten liegen die Werte meist zwischen 12 und 16 Grad. In den Nächten muss vor allem im Süden und Osten mit leichtem Frost gerechnet werden, Frost in Bodennähe ist recht verbreitet zu erwarten.
Am Wochenende schwächt sich der Hochdruckeinfluss vorübergehend etwas ab und ein schwach ausgeprägter Tiefausläufer greift von Norden auf Deutschland über und kommt etwa bis zur Mitte voran. Meist zeichnet er sich nur durch mehr Bewölkung aus, im Nordosten kann es aber in Verbindung mit einem Randtrog etwas Regen geben. Nachfolgend kann sich der Hochdruckeinfluss aber rasch von Nordwesten wieder stärken und es baut sich ein neuer Hochschwerpunkt über der Nordsee und dem Süden Skandinaviens auf. Die Temperatur geht insgesamt etwas zurück, es bleibt aber weiterhin mild.
Das neue Hoch weitet sich schließlich bis nach Osteuropa aus und sorgt in weiten Teilen des Landes für trockenes und neben wenigen Wolken auch oft sonniges Wetter.
Einen Störenfried könnte es aber geben in Form eines kleinräumigen Kaltlufttropfens, der aus dem o.e. Höhentrog entsprungen ist und sich mit der Bodenströmung von Polen kommend am Sonntag und Montag über die Mitte Deutschlands hinweg nordwestwärts verlagert. Im Zusammenhang damit kann es dann vereinzelt Schauer geben. Im großen Teil des Landes bleibt es aber trocken.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des EZMW Modells kann insgesamt als gut bezeichnet werden. Ab dem Wochenende nehmen die Unterschiede bezüglich der Lage der Hochschwerpunkte leicht zu, was aber keinen signifikanten Einfluss auf die Wetterentwicklung hat.
Die Lage des Kaltlufttropfens am Sonntag und Montag wird naturgemäß noch etwas unterschiedlich prognostiziert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Modellvergleich zeigt ab Freitag erste Unterschiede. So greift der Tiefausläufer bei ICON bereits im Laufe des Freitags von Westen auf uns über und ist durch einen markanter konturierten Randtrog zudem stärker ausgeprägt mit flächigeren leichten Niederschlägen, die sich allmählich von West nach Ost über Deutschland hinweg verlagern. Mit dieser Version steht ICON aber tatsächlich alleine da.
Die Höhentiefs/Kaltlufttropfen werden auch von ICON und UK10 gezeigt. Erwartungsgemäß gibt es aber Unterschiede in deren Position/Zugbahn und Ausprägung. Insofern wird vor allem die Niederschlagsvorhersage ab dem Wochenende unsicher.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für verschiedene Stationen in Deutschland bestätigen die milde bis sehr milde und überwiegend trockene Witterung. Dabei ist der Spread bis einschließlich Freitag sehr gering. Nachfolgend nimmt er vor allem für Stationen im Norden und in der Mitte etwas zu. Die Temperatur geht wieder etwas zurück, wobei sich der Hauptlauf zum Wochenende hin am unteren Rand des Ensembles befindet. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Verlauf des Geopotentials. Beides deutet auf die Unsicherheiten bezüglich des Kaltlufttropfen hin. Bei den Niederschlagssignalen gibt es am Freitag und Samstag beispielsweise für Offenbach 2 Member, die auf etwas Regen hinweisen. Insofern ist die ICON-Lösung nicht gänzlich vom Tisch, aber doch unwahrscheinlich.
Das Clustering des EZMW zeigt für den Zeitraum von 72 bis 96 Stunden vier Cluster. Für Mitteleuropa ergeben sich aber keine signifikanten Unterschiede. Für den Zeitraum von t+120 bis 168 Stunden gibt es fünf Cluster. Dabei dominiert weiter hoher Luftdruck unser Wetter, der in manchen Clustern und manchen Zeitschritten in Teilen durch schwache Kurzwellentröge oder Höhentiefs gestört wird. Mehr Details dazu lassen sich aus der Clusterung aber nicht ablesen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Im Vorhersagezeitraum werden keine signifikanten Wettererscheinungen erwartet.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





