Synoptische Übersicht Kurzfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 30.10.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von BM (Brücke Mitteleuropa) zu Nea (Nordost antizyklonal)

Typisch herbstlicher Hochdruckeinfluss mit Schwachstellen im Südosten (Samstag/Sonntag) und im Nordwesten (ab Sonntagabend).

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag... ist die Großwetterlage eindeutig: wuchtiger und langgezogener Potenzialrücken von SW-Europa hoch bis Spitzbergen/Framstraße, korrespondierend dazu ein nicht minder wuchtiges Bodenhoch (JURIJ) mit 1030+X-hPa-Zentrum Norddeutschland/Nordsee. Das ist Blockade pur und steht somit diametral entgegengesetzt zu der Wetterlage, die wir vor Wochenfrist beackern durften. Kurzer Reminder, die hybride LUISE (Sturmtief mit warmem Kern) war gerade auf dem Weg vom Ärmelkanal in Richtung Niederlande, um danach die Deutsche Bucht anzusteuern - alles Geschichte. Das Hier und Jetzt wird geprägt durch konstant herbstliche Trägheit, so dass man fast auf den Gedanken kommen könnte, die zyklonalen Systeme auf der Wetterkarte wegzulassen und gar nicht zu erwähnen. Im Falle des LW-Trogs über dem mittleren Nordatlantik mit alterndem Sturmtief über der westlichen Irminger See mag das seine Berechtigung haben. Der schlanke, inzwischen schon einmal abgetropfte Höhentrog, der von der Barentssee über das östliche Mitteleuropa bis hinunter zum zentralen Mittelmeer reicht, gehört aber auf alle Fälle auf den Zettel wie wir später noch sehen werden.

Momentan allerdings ist alles so, wie man sich das der Lage entsprechend vorstellt: verbreitet teils dichter Nebel, z.T. aber auch "nur" Stratus/Hochnebel. Dazu im Süden und in der Mitte einige offenen Stellen, nicht nur auf höhere Lagen beschränkt. Dort, wo die Nacht längere Zeit oder durchweg klar war, gab es stellenweise leichten Frost. Dass der Norden nahezu durchweg bedeckt oder neblig daherkommt, liegt auch an der Vorgeschichte. So ist dort gestern eine feuchte subpolare Luftmasse (mPs) eingeflossen, auf die nun der absinkbedingte Deckel draufgemacht wird. Noch ist das vertikale Temperaturprofil etwas erratisch (mehrere kleine Inversionen). Im Tagesverlauf soll sich aber bei 950 bis 900 hPa eine recht klare Sperrschicht etablieren, welche die feuchte Grund- von der trockneren Oberschicht trennt. Die wenigen hundert Meter bis 950/900 hPa, überwiegend schwache Windverhältnisse sowie gerade im Nordosten permanente Feuchtzufuhr von der Ostsee her (leichter NW-Wind) reichen aus, um die Grautöne in weiten Teilen des norddeutschen Tieflands zu konservieren, wobei der Nebel freilich überwiegend zu Hochnebel mutiert. Aufhellungen, Auflockerungen oder gar "richtige" Sonne sind eher selten, wobei die Chancen dafür an der Nordsee sowie im Norden von SH am besten stehen.

Deutlich mehr Sonne dürfte auf alle Fälle im Westen und Süden zu erhaschen sein, wo es entweder von Vornherein offen ist oder aber Nebel/Hochnebel sich auflösen. Sicherlich nicht überall und bisweilen auch sehr pomadig, aber immerhin. Ist halt von Vorteil, wenn man südlich respektive südwestlich der Divergenzachse des Hochs liegt. Bleibt noch die Temperatur, die heute in den meisten Fällen auf 9 bis 14°C steigt. In den Regionen der Südhälfte allerdings, wo es mit der Tilgung des Dauergraus nicht so recht klappen will, gestaltet sich der Tag naturgemäß frischer. Z.T. steigt die Temperatur nur wenig über 5°C an. Ach ja, nicht zu vergessen die Kuppen des Hochschwarzwalds, wo die Bise einige flotte, vor allem auf dem Feldberg sogar stürmische Böen oder Sturmböen 8-9 Bft aus Osten induziert. Ansonsten spielt der Wind keine Rolle.

In der Nacht zum Samstag tut sich herzlich wenig an der Gesamtkonstellation. Es sind eher Marginalien, die keinen nennenswerten Impact auf das Geschehen vor Ort ausüben. Mit Blick auf die weitere Entwicklung könnte oder besser sollte lediglich erwähnt werden, dass sich aus dem Baltikum heraus ein Richtung Ostpolen gerichteter Abtropfprozess andeutet. Ansonsten ist die Gute-Nacht-Geschichte rasch erzählt: Bildung, Ausbreitung und Verdichtung von Nebel und Hochnebel, wobei laut WarnMOS in NDS und SH die höchsten Wahrscheinlichkeiten für Sichtweiten unter 150 m auftreten. Wir dürfen aber gewiss sein, dass es auch weiter südlich hier und da pottendicht einnebelt. Am östlichen Erzgebirgsrand/Zittauer Gebirge kann es etwas nieseln. Bei längerem Aufklaren kühlt es auf nahe 0°C oder etwas darunter ab, wobei die Frostgefahr im Alpenvorland sowie in einigen Mittelgebirgstälern/-senken am größten ist. Sonst stehen Minima von 9 bis 2°C, direkt an der See etwas über 10°C auf dem Zettel. Im Hochschwarzwald nimmt der Ost-Nordostwind noch etwas zu (Böen 8-9 Bft).

Samstag... passiert auf den ersten Blick nicht viel. Im Grunde nimmt der Hochdruckeinfluss sogar noch etwas zu, weil der Luftdruck über dem Ostatlantik mittlerweile rasant angestiegen ist (Willkommen KLAUS). Somit konstatieren wir eine monumentale, brückenartige Hochdruckzone, die sich eben vom Ostatlantik über Teile Mitteleuropas und Südskandinavien bis in die Weiten Russlands erstreckt. Gestützt wird die Zone zumindest in ihrem westlichen Teil vom o.e. Rücken, der inzwischen etwas im Uhrzeigersinn abgekippt ist und im Norden nun bis zur Barentssee reicht. Nichtsdestotrotz, auch wenn die Wetterkarte scheinbar HPI (High Pressure Influence) bis zum Anschlag aufweist, zeigt sich doch eine kleine Schwachstelle, womit wir beim bereits angedeuteten Abtropfen wären. Tatsächlich kommt es über Ostpolen zu einem Cut-Off, aus dem ein lupenreiner Kaltlufttropfen (KLT) resultiert. Dieser schlägt einen Südwestkurs ein und erreicht gegen Mitternacht den Grenzbereich Tschechien/Slowakei. Vorderseitig hebungsfördernde PVA konkurriert mit absinkaffiner KLA, wobei am Ende die PVA die Nase etwas vorn hat. Heißt, von Osten her greifen leichte Hebungsprozesse über, welche ausreichen, die feuchte Grundschicht auf 800 bis 700 hPa zu strecken. T850 geht auf 0 bis -1°C zurück. Damit auch etwas Niederschlag abgesondert wird, bedarf es der Mithilfe der Orografie. Mit anderen Worten, insbesondere am Nordrand der östlichen Mittelgebirge wird es immer wieder nieseln.

Im großen Rest der Republik präsentiert sich der Samstag häufig bedeckt oder neblig trüb. Die sonnigen Fenster ziehen sich mehr und mehr in den Westen und Südwesten bzw. in die Hochlagen der Alpen zurück. Im Hochschwarzwald bleibt der östliche Wind flott unterwegs mit Spitzen 8 Bft, anfangs vielleicht 9 Bft. Die Spanne der Höchsttemperatur reicht von etwa 6°C im Südosten bis zu 13°C im Nordwesten.

In der Nacht zum Sonntag marschiert der KLT weiter gen Südwesten, wodurch sich die zugehörigen Hebungsprozesse auch auf Teile Deutschlands ausweiten. Betroffen davon sind der Süden und Südosten und dort wiederum der Alpenrand, wo es wunderbar anstaut. T850 sinkt noch etwas ab auf -2 oder gar -3°C, was ein Absinken der Schneefallgrenze auf 1000 m, bei entsprechender Intensität (gerade ICON zeigt sich nicht zimperlich mit 10 bis 15 mm innert 12 h am östlichen Alpenrand) noch darunter zur Folge hat. Mal sehen, was am Ende davon übrigbleibt (die Externen sind ja defensiver aufgestellt), aber für einige Zentimeter Neuschnee (in den Berchtesgadener Alpen im Fall der Fälle gar 10 cm oder mehr) wird es schon reichen. In tieferen Lagen fällt mitunter etwas Regen oder Nieselregen.

Richtung Norden und Westen verbleibt man unter antizyklonaler Vorherrschaft und somit beim leidigen Thema Nebel und Hochnebel. Wo es schlussendlich richtig zusuppt und wo eher der Hochnebel regiert, bleibt noch etwas abzuarten. Aus numerischer Sicht deutet sich an, dass die Anteile von "richtigem" und vor allem dichtem Nebel gegenüber den Vornächten abnehmen. Abnehmen tut auf ganz Deutschland bezogen auch die Frostgefahr, wobei die ja vorher auch alles andere als erdrückend war. Es zeichnet sich jedenfalls ab, dass offene Stellen (Aufklaren) weniger werden, was automatisch weniger Frost bedeutet. Ach ja, wo wir schon mal beim Abnehmen sind. Auch der lebhafte Ostwind im Hochschwarzwald zeigt allmählich Rückzugstendenzen, wobei man hier vorsichtig sein sollte (LLJ).

Sonntag... zieht der KLT weiter nach Italien respektive zum Tyrrhenischen Meer. Dadurch verliert er sukzessive an Einfluss auf unser Geschehen, was im Süden und Südosten nachlassende bzw. endende Niederschläge zur Folge hat. Am längsten dürfte es noch am Alpenrand regnen oder schneien, bevor am Nachmittag auch dort Schluss ist. Dafür gilt es nun seine Äuglein in Richtung Nordwesten zu richten, genauer zur Nordsee hin, wo sich die nächste Schwachstelle der weiterhin präsenten Hochdruckzone öffnet. "Schuld" daran ist das Hoch selbst. So hat sich der gute KLAUS derart aufgebrezelt (oder fettgefressen), dass er in seinem knapp nordwestlich von Irland positionierten Zentrum auf etwas über 1040 hPa kommt (12 UTC). Damit ist er ausreichend potent genug, eine über der Nordsee liegende Kaltfront mitanzuschieben, die zu einem kleinen Randtief über Südskandinavien gehört. Zwar erreicht die Front noch nicht deutsches Territorium, zum Abend hin werden die Wolken im Nordwesten aber immer dichter (oder besser hochreichender, weil sie durch den Hochnebel ja vorher auch schon weitgehend dicht sind) und es fängt hier und da leicht an zu regnen.

Ansonsten verläuft der Sonntag trocken, teils wolkig mit Lücken und Anteilen solarer Direktstrahlung, teils bedeckt oder trüb. Thermisch bleibt es in etwa bei einer Range von 6 bis 13°C maximal.

In der Nacht zum Montag erreicht besagte Kaltfront mit einem frontalen Regenband den Nordwesten. Viel soll´s nicht regnen, vielleicht wenige Millimeter in der Spitze. Dafür frischt der auf Nord drehende Wind über der Deutschen Bucht soweit auf, dass auch die ein oder andere steife Böe begrüßt werden kann. Zur Mitte und nach Süden gilt es hingegen die übliche Frost-Nebel-Hochnebel-Chose zu managen, was hier und heute noch nicht weiter vertieft werden soll.

Modellvergleich und -einschätzung

Der beschriebene Kurs wird modellübergreifend geteilt, inkl. der üblichen Probleme bei der Grundschichtsimulation. Auch das an den KLT gebundene Niederschlagsereignis im Süden ist noch nicht final eingetütet. Vor allem die Schneefallrate am Alpenrand ist mit Fragezeichen versehen (siehe oben).

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann