Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 05.03.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von HM (Hoch Mitteleuropa) zu SEa (Südost antizyklonal)
Fortdauer des frühlingshaften Hochdruckwetters (JANNIS) mit herbstlichen Untertönen (Nebel), afrikanischen Ingredienzien (Saharastaub), ungewöhnlich hohen Tagestemperaturen, aber auch kalten, teils frostigen Nächten.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
Donnerstag... bleibt der seit Tagen wetterbestimmende Höhenrücken das Maß der Dinge. Zwar wird er von zwei flankierenden Trögen - einer über dem nahen Atlantik, der andere über dem nahen Osteuropa - etwas in die Zange genommen, so dass er seine Wellenlänge verkürzt. Ansonsten ist die Rückenmuskulatur aber derartig hart und austrainiert, dass ihm die Zange nichts anhaben kann. Und da seine Meridionalachse genau über Deutschland verläuft und er in den nächsten Tagen noch kräftiger und auch wieder breiter wird, steht einer Fortdauer des antizyklonalen Frühlingswetters nichts im Wege. Zwar verlagert sich das korrespondierende Bodenhoch JANNIS geringfügig nach Osten - heute Mittag reicht es von der Ostsee über Polen bis hinunter zum Balkan bzw. der Adria -, gleichwohl bleiben wir weiterhin ungestört. Weder die monumentale, von der Ostgrönlandsee bis hinunter nach NW-Afrika verlaufende Tiefdruckrinne noch das Tief über Westrussland können uns was anhaben.
Im Gegenteil, zwischen der Rinne und dem Hoch stellt sich eine zwar nicht besonders flotte, in Teilen aber trotzdem wirksame süd-südöstliche Strömung ein (bodennah durch Ageostrophie im Süden Ostwind). Sie beschert uns in Verbindung mit Absinken eine leichte niedertroposphärische Erwärmung (T850 heute früh 3 bis 7°C, morgen früh 5 bis 9°C), die z.T. auch in die Grundschicht abfärbt. Gerade dort, wo etwas Durchmischung gegeben ist, wie z.B. im Westen im Lee der dortigen Mittelgebirge, profitiert man davon. So war bereits die letzte Nacht im Westen eine ziemlich milde mit 5 bis 9°C, so dass der Weg in die Nähe der 20°C-Marke gar nicht mal so weit ist. Aber auch im Osten und Süden, wo es heute Morgen noch teilweise frostig war (im Osten lokal mäßiger Frost um -6°C) geht es gegenüber gestern bergauf mit verbreitet 13 bis 17°C. Nur an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind - bei Südost am ehesten die Ostseeküste SHs sowie um Rügen und Usedom herum - hapert es aus bekannten Gründen noch. Vom Winter noch kaltes, teils sogar immer noch eishaltiges Meerwasser taugt in dieser Jahreszeit nun mal nicht als Wärmequelle.
Ach ja, fast vergessen, ein Manko gilt es freilich auch noch zu erwähnen. Erneut hat sich im Süden, schwerpunktmäßig von den Donauniederungen bis hinunter ins Alpenvorland sowie zum Bodensee dichter Nebel gebildet, ebenso wie von Ostwestfalen bis hinüber ins Thüringer Becken. Hier muss erstmal atmosphärische Kärrnerarbeit geleistet werden, um die Grautöne wegzuschaffen, was im schlechtesten Fall (obere Donau) bis in den frühen Nachmittag dauern kann.
In der Nacht zum Freitag tut sich nichts Erwähnenswertes an der Wetterlage bei uns. Heißt verbreitet klar oder nur gering bewölkt. Gering bewölkt deswegen, weil von der o.e. Rinne bzw. einem Tief über dem westlichen Mittelmeer einige Cirren (plus Saharastaub) insbesondere in den Südwesten, aber auch nach Westdeutschland driften. Nebel ist auch wieder ein Thema, allerdings nicht mehr ganz so flächendeckend wie letzte Nacht. Die Regionen bleiben aber gleich: Donau, vor allem obere Donau bis ins nördliche Alpenvorland respektive zum Bodensee, dazu Nordhessen/-thüringen plus Peripherie. Dazu vornehmlich im Süden und Osten sowie in Teilen der Mitte leichter, in Sachsen und BB punktuell mäßiger (um -6°C) Frost. Nach Westen und Nordwesten hin, vielfach aber auch in höheren Lagen (die Inversion ist sehr flach und scharf) bleibt es meist frostfrei, mit 10 bis 5°C für eine Anfang-Märzen-Nacht sogar einigermaßen mild.
Freitag... weitet sich der Rücken wieder ein Stück nach Westen aus. Auf 500 hPa etabliert sich eine abgeschlossene 568-gpdam-Isohypse, die von Norditalien über die Alpen hinweg bis nach Benelux reicht. An der Nordflanke mogelt sich zwar ein kleiner Sekundärtrog bis nach Norddeutschland rein, der aber bis auf einige hohe Wolken nichts weiter zu bieten hat. Ohnehin muss man konstatieren, dass im Vergleich zu heute öfters mal hohe Cirrusbewölkung am Himmel anzutreffen ist (am wenigsten im Osten und Südosten) und zudem die Konzentration an Saharastaub zunimmt. Gut möglich also, dass die Sonne, die sich auch morgen nach Auflösung der obligaten Nebelfelder (im Einzelfall dauert´s bis Mittag) landesweit zeigt, in Teilen einen etwas milchig-trüben Eindruck am Himmel hinterlässt. Das könnte auch die Temperaturentwicklung etwas hemmen, die nebenbei noch mit einem anderen kleinen Problemchen zu kämpfen hat. Die Rinne über Westeuropa füllt sich auf, so dass der Gradient zum quasistationären Hoch östlich von uns aufweicht und der Ost-Südostwind an Mobilität verliert. Dadurch fallen zunehmend die orografischen, temperaturfördernden Überströmungseffekte weg. Trotzdem bietet die Numerik, allen voran MOS, imposante Tageshöchsttemperaturen zwischen 14 und 19, im Westen sogar von 20 oder 21°C an. Dass es an der See im Falle einer auflandigen Windkomponente deutlich frischer bleibt, ist evident. Gut möglich aber, dass auch sonst die apostrophierten Spitzenwerte an der ein oder anderen Stelle nicht ganz erreicht werden. An der Tatsache eines in weiten Teilen außergewöhnlich milden Temperaturregimes ändert das aber nichts.
Was auf alle Fälle erhalten bleibt, sind die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und - bezogen rein auf die Nacht - zwischen West und Ost. So ist auch in der Nacht zum Samstag die Frostgefahr gerade in der Osthälfte erhöht, auch wenn die Temperatur bedingt durch die nach wie vor sehr flach aufliegende Inversion sowie topographische Rahmenbedingungen mitnichten überall ins Minus abrutscht. Punktuell sind aber durchaus nochmal -5 oder -6°C drin und besonders über trockenen Böden kann es - wie vergangene Nacht übrigens auch schon - auf bis zu -10°C abkühlen. Je weiter man nach Westen kommt, desto seltener tritt Luft-, wohl aber weiterhin Bodenfrost auf. Ansonsten gilt weiterhin verbreitet gering bewölkt oder klar, im Süden und in der Mitte einige Nebelfelder.
Samstag... verbringen wir nach wie vor unter dem inzwischen wieder breiter aufgestellten Rücken inkl. abgeschlossener 568-gpdam-Isohypse. Derweil werden die Bodendruckverhältnisse etwas diffus mit leichtem Hang zur Amorphie. Grund ist das Abwandern des Kollegen JANNIS in Richtung Schwarzes Meer und fehlender Nachschub klarer Strukturen, seien sie zyklonal oder antizyklonal. Was bleibt ist ein nahezu gradientloser "(Trocken)Sumpf", in dem zur Mittagszeit voraussichtlich nur ganze drei auf Meereshöhe reduzierte Druckwerte QFF in Deutschland anzutreffen sind: 1024, 1025 und 1026 hPa. Vor allem der Nordrand des abgeschlossenen Höhenhochs zeigt sich anfällig für hohe und mittelhohe Bewölkung, die mal mehr, mal weniger über den Norden und Nordwesten des Vorhersageraums hinwegzieht. Nicht ausgeschlossen, dass zum Abend hin dann auch tiefe Wolken oder gar Seenebel von der Nordsee die Inseln sowie die küstennahen Landstriche erreichen. Ansonsten scheint aber wieder verbreitet die Sonne, wenn auch wahrscheinlich z.T. mit aschfahler Gesichtsfarbe, weil ´ne Menge desert-dust, sprich Saharastaub bei uns auflaufen soll. An den frühlingshaften Temperaturen ähnlich denen des Vortags ändert das nichts, auch wenn die von der Numerik gerechneten Spitzen (im Westen erneut bis 21°C) nicht überall erreicht werden.
In der Nacht zum Sonntag läuft ein kleiner Randtrog am Rande des Höhenhochs über den Osten Deutschlands südwärts. Interessant ist, wie die Modelle darauf reagieren. Es herrscht Verwirrung pur. Während GFS und UK10 einen nennenswerten Impact des Troges ignorieren (trocken), simuliert IFS ein kleinräumiges Starkregenereignis mit bis zu 40 l/m² innert weniger Stunden knapp östlich von HH. ICON wiederum wartet in seiner Wetterinterpretation mit einigen Schauern oder aber etwas gefrierendem Regen! zwischen Greifswalder Bodden und Niederlausitz auf. Zu guter Letzt darf auch noch SuperHD, das - vielleicht gar nicht so unrealistisch - vereinzelt etwas Regen oder Nieselregen zwischen Deutscher Bucht und MV offeriert. Nun gut, warten wir´s ab, aber 40 Liter aus einer Luftmasse zu quetschen, die im PPW gerade mal auf 15 mm oder wenig drüber kommt, wirkt schon extrem sportlich, um nicht zu sagen, unrealistisch sportlich.
Ansonsten bleibt nur noch festzuhalten, dass auch diese Nacht einige Nebelfelder sowie leichten, am Boden teils mäßigen Frost insbesondere im Süden und in der Mitte bringt.
Modellvergleich und -einschätzung
Abgesehen von den Schrulligkeiten in der Nacht zum Sonntag simulieren die Modelle die Abläufe der nächsten Tage unisono. Abzuwarten bleibt, wie genau sich die erhöhten Mengen an Saharastaub auswirken (Temperaturen Trübung).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Mittwoch, den 04.03.2026 um 10.30 UTC
Vielerorts Fortdauer des hochdruckdominanten Frühlingswetters. Kommende Woche in der Westhälfte langsam etwas wechselhafter.
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 11.03.2026
Am Wochenende hält der Hochdruckeinfluss aus der Kurzfrist noch an, fängt allerdings schon langsam an zu bröckeln, da sich der Schwerpunkt des Höhenhochs zunehmend nach Skandinavien und zum Baltikum verlagert. Aus einer kompakten und stabilen Omegalage entwickelt sich somit eine schwache High over (Mini-)Low Lage, bei der ein kleines Höhentief den Rücken im Uhrzeigersinn umläuft und sich nach Norddeutschland verlagert. Wenn man so will, fungiert es am Sonntag als schwacher Kaltlufttropfen, kann aber mit der bodennah aus Osten einfließenden trockenen Kontinentalluft kaum vielversprechend interagieren, womit außer ein paar mittelhohen Wolkenfeldern nicht allzu viel davon übrig bleibt. Teils zähe Nebelfelder gibt es vor allem noch an Donau und Nebenflüssen sowie in Küstennähe. Die Tagesgänge sind nach wie vor groß mit nächtlichem lokalem Frost vor allem in der Südosthälfte sowie 15 bis 20°C in den Nachmittagsstunden, entlang des Rheins lokal knapp darüber.
In der neuen Woche scheint sich die festgefahrene Wetterlage dann doch sukzessive hin zu wechselhafterem Wetter umzustellen. Anfangs ist zwar noch ein Cut-Off über der westlichen Biskaya vorhanden, dessen Warmluftreserven auf der Vorderseite sind aber ziemlich aufgezerrt und zudem tropft dieser weiter südwärts ab. So findet kaum noch nennenswerte WLA statt, die den Rücken stabilisieren würde.
Im Gegenteil: Er wird im Gegenzug durch kräftige KLA, die von Ostgrönland Richtung Nordkap ausgreift aus Norden eher abgeflacht und ostwärts abgedrängt. So etabliert sich unterm Strich in der neuen Woche immer mehr eine zyklonale Südwestströmung in der Höhe mit eingelagerten Randtrögen. Nennenswerte organisierte Strukturen oder gar Fronten bleiben aber zunächst noch weitgehend außen vor, weshalb die Umstellung sehr zögernd vorangeht mit ersten zaghaften Schauern und vielleicht sogar kurzen Gewittern, die allmählich von Westen übergreifen. Flächendeckende Niederschläge bringen die bei weitem noch nicht.
Das Temperaturniveau ändert sich insgesamt kaum, durch die zögernde Anfeuchtung aus Westen nimmt die Frostgefahr aber alles in allem etwas ab, mit Übergang in die erweiterte Mittelfrist möglicherweise auch im äußersten Osten und Südosten.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistent des IFS ist insgesamt positiv zu bewerten. Kleinere Unschärfen beim Höhentief am Sonntag spielen nur eine untergeordnete Rolle, da sich die Wetteraktivität ohnehin in Grenzen hält.
Tempo und Konfiguration der Umstellung der Wetterlage in der kommenden Woche sind noch mit größeren Unsicherheiten verbunden. Der generelle Trend dazu setzt sich aber laufübergreifend fort. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass frontale Geschehnisse und nennenswerte Niederschläge auch in der Osthälfte frühestens in der erweiterten Mittelfrist sprich in der 2. Hälfte der kommenden Woche ein Thema sind.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Grundidee und der entsprechend geschilderte Wetterablauf sind allesamt ähnlich. Leicht unterschiedlich simulierte (konvektive) Niederschlagsschwerpunkte in der kommenden Woche sind handelsüblich - fokussieren sich dennoch modellübergreifend eher auf die Westhälfte.
Interessant ist die unterschiedliche Intensität und Verlagerung des Cut-Offs von der Biskaya Richtung Iberische Halbinsel. Gerade wenn man UK10 einmal weiterspinnt, könnte sich durchaus auch die Option bieten, dass die sich regenerierende Frontalzone über dem Atlantik südwärts in den vorgefertigten Trog hinein ausbricht und sich somit der Rücken über Mitteleuropa doch nach kurzer Schwächephase wieder stabilisieren könnte. Entsprechend steht die Umstellung an sich und erst recht deren Ausprägungsgrad noch auf sehr wackligen Füßen.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Ein schlapper Kaltfrontstreifschuss öffnet den Spread in den Temperaturkurven über Norddeutschland am Sonntag ein wenig. Sonst sind die Rauchfahnen der Temperatur in 850 hPa eng gebündelt mit einem leichten Abwärtstrend in der kommenden Woche von etwa +7 auf +4°C im Deutschlandmittel.
Gleiches gilt für die Geopotentialverteilungen. Ein wirklicher Absturz in Sphären der Polarfront (525 gpdm) ist selbst ganz im Westen bis zum Ende der erweiterten Mittelfrist nicht zu erkennen - eher ein kontinuierlicher leichter Rückgang von 570 gen 550 gpdm.
Gleichzeitig nehmen die Niederschlagssignale vor allem in der Westhälfte in der kommenden Woche etwas zu. Wie bei konvektiven Lagen üblich bewegen sich die Raten im EPS aber meist im deutlich einstelligen Bereich binnen 24h, meist sogar bei nur 1-2 mm.
CLUSTER:
Im Zeitraum +96h-120h (Mo-Mi) sind sämtliche 3 Cluster noch dem Blockingregime zugeordnet, das zumindest in der Osthälfte Deutschlands weiterhin bestimmend bleibt. Der Westen gerät derweil immer mehr auf die Vorderseite des Cut-Offs über der Biskaya respektive der Iberischen Halbinsel in ein schwach zyklonales Umfeld.
Im Folgezeitraum ist es ein Wechselspiel der 2 Cluster zwischen Süd antizyklonal und Südwest zyklonal. Dabei wird ersichtlich, dass die Osthälfte stark hochdruckdominiert bleibt. Auch wieviel letztlich im Westen ankommt, bleibt abzuwarten. Die Mehrheit des zyklonaleren Clusters 1 ist mit 27 (inklusive HL) zu 24 Membern marginal.
FAZIT:
Ja, der Hochdruckeinfluss bröckelt. Ja, es wird schrittweise aus Westen etwas wechselhafter. Aber wirklich nur in homöopathischer Dosis. Inwiefern flächendeckende Niederschläge übergreifen und dann auch die Osthälfte erreichen, bleibt äußerst fraglich und ist frühestens in der erweiterten Mittelfrist ein Thema. Bei den Temperaturen tut sich wenig.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
FROST:
Solange kein Luftmassenwechsel stattfindet und die Nächte klar bleiben, ist zumindest in der Südosthälfte gebietsweise mit weiteren leichten Nachtfrösten zu rechnen.
GEWITTER:
Zutaten und Vorhersagetemps sind prinzipiell in der kommenden Woche über der Westhälfte gewittererlaubend. Die große Nummer wird das aber voraussichtlich nicht, meist unterhalb markanter Schwellen und damit in der Kategorie gelb. Wenn's dumm läuft, gibt's an einer stehenden Zelle über dem Bergland mal an die 15 mm/h und eine stürmische Böe (Bft 8).
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen





