Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Dienstag, den 28.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Zunächst heißes und ruhiges Hochdruckwetter. Am Donnerstag Südwestlage mit Konvergenzdurchgang mit Gewittern vor allem im Norden und teils (schwere) Sturmböen auch abseits von Gewittern.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Aktuell ... wölbt sich über Südwest- und Mitteleuropa ein flacher Höhenkeil auf, dessen Achse in der Nacht zum Mittwoch langsam Deutschland überquert. Der Keil ist mit einer ausgeprägten Hitzeglocke über Südwesteuropa verbunden. An der Westflanke des korrespondierenden Bodenhochs über der Slowakei wird mit einer südwestlichen Strömung zunehmend heiße Luft nach Deutschland advehiert. Dadurch steigt die Temperatur in 850 hPa auf etwa 19 °C im Westen und 12 °C im Nordosten.
Im Norden herrscht bodennah weiterhin eine westliche Strömung. Unterhalb der ausgeprägten Absinkinversion in rund 800 hPa Höhe fließt dort noch etwas kühlere und feuchtere Nordseeluft ein. Entsprechend verläuft die Nacht im Norden zeitweise wolkig, nennenswerter Niederschlag wird jedoch nicht erwartet. Sonst bleibt es verbreitet klar, trocken und störungsfrei.
Mittwoch ... verlagert sich die Keilachse allmählich nach Osten. Zum Abend gelangt Deutschland zunehmend auf die Vorderseite eines Troges über Westeuropa. Gleichzeitig verlagert das Bodenhoch seinen Schwerpunkt nach Osteuropa, sodass mit einer südlichen bis südwestlichen Strömung sehr heiße Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Deutschland geführt wird. Entsprechend steigen die Temperaturen in 850 hPa auf Werte zwischen etwa 15 Grad im Nordosten und bis zu 23 Grad im Südwesten.
Die Höchsttemperaturen machen einen deutlichen Sprung nach oben und erreichen im Norden etwa 30 Grad, entlang des Rheins örtlich bis zu 38 Grad. Im Nordwesten, Westen und Südwesten stellt sich eine starke Wärmebelastung ein, entsprechende Warnungen sind aktiv.
Die Luftmasse ist insgesamt relativ trocken. Trotz einer zunehmenden Labilisierung bleibt die Gewitterneigung aufgrund des großen Spreads und der damit verbundenen hohen Wolkenbasen gering. Lediglich im Alpenraum ist die Luft etwas feuchter. Dort stehen CAPE-Werte um 1000 J/kg zur Verfügung, sodass einzelne Gewitter möglich sind. Da synoptische Hebungsantriebe weitgehend fehlen, dürften diese - sofern sie entstehen - ausschließlich orografisch ausgelöst werden.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... zieht der Langwellentrog weiter nach Osten, sodass Deutschland zunehmend auf dessen Vorderseite gelangt. Mit der sich verstärkenden südwestlichen Strömung erreicht die 20-°C-Isotherme in 850 hPa auch den Norden Deutschlands. Bereits am Vormittag greift jedoch eine markante Konvergenz von Westen über, die durch ein nachfolgendes IPV-Maximum in der Höhe zusätzlich gestützt wird. Eingelagerte Gewitterreste aus Frankreich erreichen zunächst den Westen.
Im Westen, Südwesten und in der Mitte bleibt die Gewitterneigung trotz der großen Hitze aufgrund der trockenen Luft und geringer ML-CAPE-Werte meist noch begrenzt. Allerdings ist die Konvergenz mit einem markanten Druckanstieg und einem kräftigen Low-Level-Jet verbunden. Zusammen mit der sehr trockenen Grundschicht ergibt sich ein erhebliches Böenpotenzial. Selbst abseits von Gewittern sind Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) wahrscheinlich), lokal auch schwere Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10).
Im Tagesverlauf verlagert sich die Konvergenz ostwärts. Während sie im Süden zunehmend an Aktivität verliert, wird ihr Nordteil voraussichtlich durch feuchtere Luft und ML-CAPE-Werte von über 1000 J/kg deutlich aktiver. Dort können sich kräftige Gewitter, möglicherweise auch eine Squallline mit erheblichem Sturm- und Downburstpotenzial, entwickeln (Orkanböen bis 120 km/h). Heftiger Starkregen dürfte aufgrund der hohen Verlagerungsgeschwindigkeit eine eher untergeordnete Rolle spielen. Für die genaue Entwicklung bleiben jedoch die Simulationen der Lokalmodelle abzuwarten.
Vor der Konvergenz wird mit Höchstwerten bis 39 °C, lokal auch über 40 °C, nochmals die heißeste Luftmasse wirksam. Die eigentliche Kaltfront erreicht den Nordwesten erst am späten Nachmittag. Sie ist weitgehend inaktiv und kommt in der Nacht nahezu strömungsparallel über der Mitte zum Liegen. Im Süden verbleibt die heiße Luft zunächst weiterhin.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modellsimulationen sind im Wesentlichen sehr ähnlich. Bezüglich genauerer Prognosen für Donnerstag sollte der ICON-D2-Lauf abgewartet werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marco Manitta
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Dienstag, den 28.07.2026 um 10.30 UTC
Vor allem im Süden weiterhin (sehr) heiß und starke Wärmebelastung! Gebietsweise schauerartige Regenfälle (Starkregengefahr), örtlich kräftige Gewitter. Häufig aber wohl kaum oder keine Linderung der Trockenheit.
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 04.08.2026
Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Freitag liegt Deutschland unter einer straffen südwestlichen Höhenströmung auf der Vorderseite eines Troges, der ausgehend vom Nordmeer bis nach Südwesteuropa/naher Ostatlantik vorstößt. Am Boden liegt die Kaltfront eines Tiefs über Nordeuropa diagonal (Nordost -> Südwest) über Deutschland, hinter der deutlich kühlere Meeresluft ins Land einfließt. Die Konsequenz: Ein enormer Temperaturgradient. Während die Temperatur in 850 hPa im Nordwesten bei Werten um 10 Grad liegt, liegt sie im Südosten bei 22 Grad! Oder in Höchstwerte der 2-m-Temperatur ausgedrückt: Im äußersten Nordwesten unter 25 Grad (also nicht mal ein Sommertag), im Südosten dagegen über 35 Grad. Generell ist präfrontal mit einer starken Wärmebelastung zu rechnen. Im Umfeld der Front werden im Tagesverlauf und in der Nacht zum Samstag schauerartige/gewittrige Regenfälle simuliert (örtlich Starkregengefahr), präfrontal sind zudem kräftige Gewitter mit lokalem Unwetterpotenzial nicht ausgeschlossen.
Am Samstag zieht bereits in der ersten Tageshälfte ein Randtrog ostwärts über uns hinweg und drückt die Front in den Süden. Während dort im Tagesverlauf erneut örtlich kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial auftreten können, sorgt ansonsten Zwischenhocheinfluss für weitgehend ruhiges Wetter. Im Süden bleibt es weiterhin (sehr) heiß bei T850er Werten zwischen 15 und 20 Grad, während im Norden recht verbreitet gerade mal 8 Grad gerechnet werden.
Am Sonntag nähert sich über dem Atlantik langsam der nächste Randtrog an. Vorderseitig wölbt sich über Westeuropa ein flacher Rücken auf, dessen Achse im Tagesverlauf zu uns hereinschwenkt. Das dadurch gestützte Bodenhoch über uns wandert dabei ins östliche Mitteleuropa. Niedertroposphärisch nimmt die Temperatur wieder etwas zu und liegt nur noch im äußersten Norden im knapp einstelligen Bereich, im Süden dagegen verbreitet bei 20 bis 22 Grad.
Am Montag schwenkt der flache Rücken rasch über uns hinweg und wir geraten wieder auf die Trogvorderseite. Der angesprochene atlantische Rand/Kurzwellentrog zieht am Dienstag über die Nordwesthälfte Deutschland nordostwärts. Am Boden greift im Laufe des Montags von Westen her zunächst eine Rinne ausgehend von einem Tief über den Britischen Inseln auf Deutschland über, am Dienstag folgt die Kaltfront des Tiefs. Das Temperaturniveau schnallt im Vorfeld nochmals deutlich in die Höhe und es wird zunehmend schwüler. Verbreitet liegt T850 am Montag bei 20 Grad, im Südosten gar bei 24 Grad. Nur im Norden ist es bei Werten um 18 Grad etwas "kühler". Am Dienstag stehen im Nordwesten hinter der Kaltfront zum Teil nur noch 10 Grad auf der Prognosekarte. Beide Tage (und die dazugehörigen Nächte) könnten also sehr arbeitsintensiv für die Warnmeteorologen werden (Stichwort: Gewitter mit Unwettergefahr).
Für die erweiterte Mittelfrist prognostiziert der IFS-00-UTC-Hauptlauf eine Wetterzweiteilung über Deutschland: Im Norden Hochdruckeinfluss und nur mäßig warm, im Süden anhaltendes Gewitterrisiko, sehr schwül und weiter heiß.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des 00-UTC-Laufs des IFS vom heutigen Dienstag kann hinsichtlich der großräumigen Strömungsmuster als gut bezeichnet werden. Vor allem über dem Süden Deutschlands bleibt es dabei heiß. Unsicher ist dabei, wie weit die heiße Luft nach Norden ausgreifen kann. Dazu überwiegt Tiefdruckeinfluss, was über den gesamten mittelfristigen Zeitraum zeit- und gebietsweise schauerartige Regenfälle und örtlich kräftige Gewitter zur Folge hat. Dass ihre räumliche Verteilung und Intensität von Lauf zu Lauf noch unterschiedlich simuliert wird, liegt in der Natur der Sache. Auffällig ist, dass der aktuelle Lauf das Hoch über dem östlichen Mitteleuropa ab Sonntag kräftiger prognostiziert als noch die beiden Vorläufe (stärkere atlantische Austrogung und damit kräftigerer, sich aufwölbender Rücken stromab). In der Folge werden für Sonntag und auch noch weite Teile des Montags kaum noch Niederschläge simuliert.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch der Vergleich mit anderen Globalmodellen (ICON, GFS, UK10) liefert zunächst keine großartigen Unterschiede hinsichtlich der großräumigen Strömungsmuster. Auffällig ist, dass ICON die warme/heiße Luft am Sonntag schon wieder bis in den äußersten Norden vorstoßen lässt mit Werten um 15 Grad in 850 hPa. Demgegenüber stehen nur 8 Grad bei GFS, UK10 und IFS. Grund ist der atlantische Randtrog samt korrespondierendem Bodentief, die bei ICON deutlich schneller ostwärts vorankommen. GFS und UK10 bedienen dabei das andere "Extrem" und lassen beide langsamer als IFS und die Kaltfront erst Richtung Mittwoch auf uns übergreifen. Trotzdem zeigen GFS und UK10 am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag einen Regen-/Gewittercluster, der über die Nordwesthälfte ziehen soll, während ICON und IFS (noch?) deutlich defensiver in Sachen Niederschlagssignale aufgestellt sind.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte bestätigen die beschriebene Entwicklung des Hauptlaufes im Großen und Ganzen recht gut: Nach einer kurzzeitigen "Talfahrt" der Temperatur (vor allem in der Südhälfte auf hohem Niveau) folgt ein erneuter deutlicher Anstieg ab Sonntag. Dabei nimmt der Spread zwar stark zu, die Hauptfragen sind jedoch "lediglich" wie stark die Erwärmung ausfällt und ob der Peak am Montag oder Dienstag erreicht wird, ehe es wieder (etwas) bergab geht. Richtung Süden und Südosten gibt es jedoch auch eine durchaus nennenswerte Memberanzahl, die von einer Abkühlung überhaupt nicht wissen wollen (dort würde man also präfrontal bleiben). Niederschlagssignale sind zwar vorhanden, allerdings meist nicht sonderlich stark ausgeprägt und mit einem Minimum am Sonntag und Teilen des Montags.
Beim Clustering wird sowohl für den Zeitraum von Sonntag bis Dienstag, als auch für den von Mittwoch bis Freitag gerade einmal je ein Cluster angeboten (jeweils NAO+). Alternative Angebote zur großräumigen Druck-/Potenzialverteilung im Vergleich zu der im Haupttext beschriebenen gibt es also nicht.
FAZIT:
Während in den Norden zeitweise auch mal spürbar kühlere Luft einfließt, bleibt besonders dem Süden die Hitze treu. Die Frage ist lediglich, wie weit nach Norden die heiße Luft ausgreifen kann. Niederschlagssignale sind zwar nahezu durch die gesamte Mittelfrist vorhanden, örtliche (kräftige) Gewitter oder vielleicht auch mal der Durchzug eines Regen-/Gewitterclusters dürften in der Fläche aber trotzdem kaum Linderung in Sachen Trockenheit bringen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Neben der vor allem in der Südhälfte anhaltenden starken Wärmebelastung (Ausweitung nach Norden noch mit Fragezeichen) steht vor allem die Gewittertätigkeit im Fokus.
Am Freitag und Samstag dürfte diese einerseits vereinzelt im Süden und Südosten ausgehend vom Bergland auftreten (meist markant, lokale Unwetter durch Starkregen und etwas größerem Hagel nicht ausgeschlossen). Dazu sollte am Freitag im Laufe der zweiten Tageshälfte und in der Nacht zum Samstag auch der Frontbereich im Blick behalten werden, wo gewittrige Regenfälle mit lokaler Starkregengefahr nordostwärts ziehen könnten.
Am Sonntag besteht dann erneut über dem Bergland ein geringes Gewitterrisiko, das im Laufe des Montags von Westen her zunimmt (lokal mit Unwetterpotenzial) und auch am Dienstag anhält.
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS, UK10, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz





