Synoptische Übersicht Kurzfrist
Synoptische Übersicht Kurzfrist
ausgegeben am Montag, den 22.06.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Am Dienstag in der Südwesthälfte Fortdauer der Hitzewelle. Im Süden nochmals einzelne kräftige Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Aktuell ... sind in Süddeutschland noch ein paar kräftige Gewitter unterwegs, die sich in der heißen, tropisch anmutenden Mittelmeerluft (xT) entwickelt haben. Insgesamt spielt sich die ganze Aktivität aber in einem überschaubaren Rahmen ab. Zwar weist die Luftmasse noch immer einen hohen Energiegehalt auf mit Labilität und auch einem hohen latenten Anteil (Wasserdampf). Trotzdem macht sich langsam aber sicher bemerkbar, dass in den Norden und Nordosten trockenen, stabilere und auch weniger warme/heiße Luft eingeflossen respektive eingesickert ist, die sich nun via Entrainment langsam weiter nach Süden ausbreitet. Hinzu kommt die großräumige Strömungskonstellation, die ziemlich antizyklonal konturiert ist. So befinden wir uns am nordöstlichen Rand eines Potenzialrückens unterhalb einer schwachen west-nordwestlichen Höhenströmung, von der keinerlei dynamische Hebungsimpulse ausgehen. Bodennah gibt HARTMUT den Takt vor, ein Hoch mit Zentrum über der Nordsee, welches den o.e. Entrainmentprozess weiter forciert.
Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass die nächste, wenn auch nur kurze Nacht bevorsteht, überrascht es nur wenig, dass die konvektive Aktivität recht zügig in die Knie gehen soll. Und anders als in den meisten Nächten zuvor spricht in dieser Nacht wenig bis nichts dafür, dass irgendwo noch mal was hochschießt oder aus der Nachbarschaft eingeschleust wird, auch wenn man nie ganz sicher sein kann. Meist präsentieren sich die nächsten Stunden gering bewölkt oder klar, im Norden und der Mitte bildet sich gebietsweise Stratus oder Stratocumulus. Gänzlich ungerecht geht es bei den Tiefsttemperaturen zu. Während im Südwesten vielerorts die nächste Tropennacht bevorsteht (z.T. nicht unter 22/23°C), darf man sich hoch im Norden abseits des unmittelbaren Küstensaums stellenweise auf einstellige Tiefstwerte freuen.
Dienstag ... beginnt sich der Rücken in seinem Westteil zu kräftigen, was in einer abgeschlossenen 592-gpdam-Isohypse über Westfrankreich sowie in einer Ausweitung der Amplitude in Richtung Nordsee bzw. UK/Irland mündet. Für uns bedeutet das ein leichtes Rechtdrehen der weiterhin eher schwach ausgeprägten nordwestlichen Höhenwinde. Die schleusen sogar einen flachen Sekundärtrog über den Norden und Osten hinweg südostwärts, was aber gänzlich ohne Wirkung bleibt - nicht verwunderlich angesichts der dort lagernden stabilen und trockenen Luftmasse. Hinzu kommt, dass Nordseehoch HARTMUT unter leichtem Substanzverlust auf unter 1025 hPa onshore geht, um weite Teile des zentralen Mitteleuropas abzudecken. Mit der Folge, dass auch die Warm- bzw. Heißluft bei uns einiges von ihrem high-energy-label einbüßt, insbesondere auf der latenten Seite (Wasserdampf). Trotzdem steht noch immer ausreichend CAPE zur Verfügung, um im Süden mit Hilfe der Orografie ein paar pulsierende Einzelzellen zu generieren. Diese erfüllen in der Basis markante Anforderungen wie Starkregen > 15 l/m² innert kurzer Zeit, kleinem Hagel sowie Böen 7-8 Bft. Gleichwohl lassen sich vereinzelte Unwetter durch SR > 25 l/m² oder größeren Hagel bis 3 cm (gerade im Anfangsstadium, wenn die "Dinger" wie Raketen nach oben schießen) nicht ausschließen.
Weiterhin in den Schlagzeilen bleibt die Hitze in der Südwesthälfte, wo erneut 30 bis 35°C, an Hoch- und Oberrhein bis hinüber ins Saarland auch etwas über 35°C auf der Karte stehen. Ansonsten liegt die Range zwischen 24 und 30°C, an den Küsten bei Seewind etwas darunter.
Die Nacht zum Mittwoch verläuft ruhig und unspektakulär. Zwar schwächt sich das Bodenhoch etwas ab, dafür keilt der Rücken etwas nach Nordosten aus, so dass an der fortdauernden antizyklonalen Ausrichtung keine Zweifel bestehen. Letzte Schauer und Gewitter im Südosten Bayerns fallen alsbald zusammen und es folgt landesweit eine gering bewölkte bis klare Nacht. Die fällt im Norden und Nordosten wieder etwas milder, aber immer noch lüftungsfreundlich aus, was man im Südwesten trotz 1-2 Grad weniger als in den Vornächten nicht unbedingt behaupten kann.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... behalten die Aussagen aus der Frühübersicht ihre Gültigkeit.
Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle simulieren die Entwicklung mit der abnehmenden Gewitterwahrscheinlichkeit sehr ähnlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann
Synoptische Übersicht Mittelfrist
Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 22.06.2026 um 10.30 UTC
Fortsetzung der Hitzewelle und zunächst nur lokale Schauer und Gewitter. Ab dem Wochenende zunehmende Gewitterneigung, von Nordwesten allmählich leicht zurückgehende Temperaturen.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 29.06.2026
Im mittelfristigen Vorhersagezeitraum beginnend am kommenden Donnerstag setzt sich die Hitzewelle weiter fort und erreicht voraussichtlich am Freitag und Samstag ihren Höhepunkt.
Dabei zeigt sich in der Höhe ein ausgeprägtes Omegamuster, mit einem kräftigen Höhenrücken, der sich vom westlichen Mittelmeerraum bis nach Skandinavien erstreckt und dessen Achse über Deutschland hinweg verläuft.
Dieses Muster wandert nachfolgend langsam ostwärts, sodass allmählich ein Höhentrog nebst Tiefdruckrinne am Boden über Westeuropa an Bedeutung für unser Wetter gewinnt. Zunächst mal bedeutet diese Konstellation, dass sich die Zufuhr sehr heißer Luft noch etwas verstärkt. So muss am Freitag nahezu landesweit mit Höchstwerten zwischen 35 und 39 Grad gerechnet werden, im Südwesten sind örtlich auch Temperaturen bis 40 Grad zu erwarten. Auch im Norden wird es heiß, etwas niedrigere Temperaturen findet man nur noch auf den Inseln. Somit setzt sich die teils sehr hohe Wärmebelastung hierzulande fort.
Niederschläge treten zunächst nur vereinzelt in Form lokaler Schauer und teils kräftiger Hitzegewitter auf.
Ab dem Wochenende nimmt die Schauer- und Gewitterneigung zu. Denn mit Annäherung des Troges setzt auch bei uns Druckfall ein und eine erste Tiefdruckrinne greift am Samstag von Westen über, in der sich dann vor allem in der Westhälfte häufiger Schauer und Gewitter entwickeln.
Ab Sonntag gelangen wird zunehmend auf die Trogvorderseite. Dabei erreicht die Kaltfront eines Tiefs über Skandinavien den äußersten Norden Deutschlands. Sie kommt allerdings durch eine Wellenbildung über Großbritannien und der Nordsee zunächst kaum weiter landeinwärts voran. Vorderseitig bilden sich aber vermehrt Schauer und teils kräftige Gewitter.
Etwas mehr Dynamik kommt dann am Montag ins Spiel. Dabei schwenkt ein Randtrog über den Nordwesten und Norden Deutschlands hinweg. Die Kaltfront kommt südostwärts über Deutschland voran, gelangt aber voraussichtlich über der Mitte ins Schleifen. Somit muss mit Frontpassage aber auch präfrontal gebietsweise mit teils kräftigen Schauern und Gewittern gerechnet werden. Postfrontal fließt eine etwas kühlere Luft ein, sodass im Nordwesten und Norden die Höchstwerte meist unter 30 Grad liegen werden, während in den weiteren Landesteilen ein weiterer Hitzetag bevorsteht.
In der erweiterten Mittelfrist deutet sich aber an, dass die große Hitze auch aus der Mitte und dem Süden verdrängt wird. Zudem gelangen wir in den Einflussbereich des Troges, sodass gebietsweise weitre Niederschläge zu erwarten sind.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des EZMW-Modells kann über den gesamten Vorhersagezeitraum als gut bezeichnet werden. Geringe Unterschiede das Tempo betreffend gibt es nur bezüglich des Troges, der am kommenden Wochenende und zu Beginn der neuen Woche auf uns übergreifen soll und möglicherweise die extreme Hitze aus Deutschland verdrängt. Er wird mit dem heutigen 00 UTC Lauf etwas schneller und weiter südostwärts vorankommend gerechnet als in den Vorläufen.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Modellvergleich zeigt ab Samstag erste größere Unterschiede. So kommt die beschriebene Tiefdruckrinne auf Basis von ICON und GFS schon weiter nach Osten voran als bei IFS und UK10, sodass sich der Schwerpunkt der Gewitter nicht nur auf die Westhälfte beschränken würde.
Die Annäherung des Troges bzw. dessen Übergreifen wird mit Ausnahme von GFS übereinstimmend gezeigt. Bezüglich der Frontpassage gibt es noch leichte Unterschiede, was wiederum Auswirkungen auf die Gewitter- und die Temperaturentwicklung hat.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen einen einheitlichen Verlauf. So zeigt der Temperaturverlauf zunächst einen Anstieg und erreicht am Freitag und Samstag seinen Höheprunkt. Dabei ist quasi kein Spread vorhanden. Ab Sonntag zeigt sich ein Rückgang der Temperatur. Zwar nimmt der Spread etwas zu, die Mehrheit der Member folgt aber dem Hauptlauf. Insofern besteht Hoffnung, dass die Hitzewelle in der neuen Woche ein Ende findet.
Niederschlagssignale sind zunächst kaum vorhanden, nehmen dann ab Sonntag zu und bleiben in der neuen Woche mit Übergreifen des Troges erhalten.
Das AIFS Ensemble zeigt eine sehr ähnliche Verteilung und Entwicklung wie IFS.
Da Ensemble des GFS lässt die Temperaturen ab Montag zwar auch leicht zurückgehen, insgesamt fällt die "Abkühlung" aber deutlich schwächer aus als bei IFS, sodass die Hitze weiter anhalten würde.
Die Clusterung spricht ebenfalls eine eindeutige Sprache. So sind für die ersten drei Zeiträume bis +240 h jeweils nur ein Cluster vorhanden.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die hohe bis sehr hohe Wärmebelastung setzt sich nahezu landesweit fort. Erst ab Montag könnte sich die Situation von Nordwesten allmählich entspannen.
Schauer und Gewitter treten zunächst nur vereinzelt auf. Ab dem Wochenende nimmt die Gewitterneigung zu. In Verbindung damit muss mit markantem Starkregen, Hagel und Sturmböen Bft 8 bis 9 gerechnet werden. Auch Unwetter sind vor allem aufgrund von heftigem oder sogar extrem heftigem Starkregen und/oder größerem Hagel wahrscheinlich.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger





