Mitternachtsdämmerung


Der Sommeranfang steht bevor. Die längsten Tage des Jahres erwarten uns und laden zu ausgedehnten Grillabenden ein. Auch die Dämmerung dauert nun besonders lange. Im Norden Deutschlands geht nun die Abenddämmerung sogar in die Morgendämmerung über, sodass es dort gar nicht mehr richtig dunkel wird.


Als Dämmerung wird die Phase vor Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang bezeichnet, in der die Sonne zwar noch unter dem Horizont steht, aber ihr Streulicht in der Atmosphäre bereits sichtbar ist.

Man unterscheidet 3 Phasen der Dämmerung:
Die bürgerliche Dämmerung beginnt unmittelbar nach Sonnenuntergang. Während dieser Phase nimmt die Helligkeit kontinuierlich ab, bis die ersten hellen Sterne oder Planeten (1. Größenklasse) sichtbar werden. Dies geschieht, wenn die Sonne etwa 6 ° unter dem Horizont steht. Nach der bürgerlichen Dämmerung kommt die nautische Dämmerung, in der Sterne der 3. Größenklasse sichtbar werden. Diese endet, wenn die Sonne 12 ° unter den Horizont sinkt.
An die nautische Dämmerung schließt sich die astronomische Dämmerung an. Sie endet, wenn die Sonne 18 ° unter dem Horizont steht. Danach beginnt die Nacht.

In der Zeit des astronomischen Sommerbeginns, zur Sommersonnenwende ist die Dämmerung besonders lang. Denn die scheinbare Bahn der Sonne steht dann am flachsten auf dem Horizont. Somit ist der Winkel unter dem die Sonne untergeht jetzt am kleinsten. Die kürzesten Dämmerungszeiten gibt es zum Frühlings-, bzw. Herbstanfang zur Tagundnachtgleiche.

Im Norden Deutschlands wird es jetzt selbst um Mitternacht nicht mehr richtig dunkel. Am Nordhorizont sieht man immer noch einen Rest Dämmerung. Da die Sonne dort derzeit nachts nicht mehr als 18 ° unter den Horizont sinkt, wird die abendliche astronomische Dämmerung nicht mehr beendet und geht in die morgendliche astronomische Dämmerung über. Dieses Phänomen wird Mitternachtsdämmerung genannt. Zur Sommersonnenwende am 21.Juni tritt es nördlich des 49. Breitengrades auf. Nördlich des 61. Breitengrades sinkt die Sonne die ganze Nacht nicht mehr über 6° unter den Horizont, wodurch die bürgerliche Dämmerung nicht mehr beendet wird. Diese Nächte werden dort als ?Weiße Nächte? bezeichnet. Berühmt sind "die Weißen Nächte von St. Petersburg". In Deutschland kann man die Weißen Nächte nur ansatzweise auf einigen Nordseeinseln oder im Norden Schleswig-Holsteins erleben.

Der Zeitpunkt der beginnenden Dämmerung hängt nicht nur von der geographischen Breite ab, sondern auch von der geographischen Länge. So wird es am östlichen Ende der Bundesrepublik etwas über 30 Minuten früher dunkel als am westlichen Ende. Die Intensität der Dämmerung wird auch von Aerosolen wie zum Beispiel Vulkanstaub in der oberen Atmosphäre beeinflusst.


Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.05.2019

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