Endlich ist der langersehnte Regen da. Doch wie gut können die vielerorts ausgetrockneten Böden das Niederschlagswasser überhaupt verarbeiten?
Nach einem trockenen Sommer und einem ebenfalls niederschlagsarmen September 2026 dürsten unsere Böden nach Wasser. Besonders im Südwesten sind die Böden, vor allem die oberen Bodenhorizonte ausgetrocknet. Da trifft es sich gut, dass am heutigen Donnerstag eine Kaltfront von Westen her endlich langersehnte, flächendeckende Niederschläge mit sich bringt. Bis Freitagfrüh sind in der Westhälfte Deutschlands verbreitet Mengen um 10 Liter auf den Quadratmeter zu erwarten. Lokal kann sogar Starkregen mit Mengen zwischen 20 bis vereinzelt 40 l/qm auftreten.
Doch schaffen solche kurzen Regenereignisse überhaupt Abhilfe gegen die derart ausgetrockneten Böden?
Um diese Frage zu beantworten, muss man sich erst einmal anschauen, wie der Boden aufgebaut ist. Wenn man sich vorstellt, ein Stück Boden auszugraben, besteht dieser zusammengefasst aus drei Teilen: festem Material, Wasser und Luft. Das feste Material wird Bodensubstanz genannt, es besteht aus Körnern und Partikeln von verwittertem Gestein und zersetzen Pflanzenresten. Wenn man diese Körner und Partikel in ein Behältnis werfen würde, entstehen Lücken zwischen ihnen. Das kann man sich vorstellen, als wenn man verschieden geformte Bauklötze in eine Kiste wirft: Sie verkanten sich und zwischen ihnen entstehen Hohlräume. Diese Hohlräume im Boden werden Poren genannt und haben Größen von wenigen Mikrometern bis mehrere Zentimeter. Dort können sich dann die beiden anderen Bodenzutaten sammeln, Wasser und Luft. Dabei wirken zwei verschiedene Kräfte. Zum einen die Adhäsionskraft, die die Anziehung zwischen Wasser und Bodenteilchen beschreibt und zum anderen die Kohäsionskraft, die die Anziehungskraft zwischen Wassermolekülen ausdrückt. Bei langanhaltender Trockenheit trocknen die Poren aber nach und nach aus, bis am Ende kaum noch Wasser im Boden vorhanden ist. Dabei trocknen die großen Poren zuerst aus, denn hier sind die Anziehungskräfte an den Boden am geringsten. Am Ende sind die großen Poren alle nur noch mit Luft gefüllt und nur in ganz kleinen Poren befindet sich noch etwas Restwasser.
Das was jetzt passiert, wenn Regen auf diesen ausgetrockneten Boden fällt, kann man am besten damit vergleichen, wenn man beim Backen Milch auf trockenes Mehl schüttet. Die Milch sammelt sich an der Oberfläche und versickert nur schlecht. Genauso verhält es sich mit dem Wasser. Wenn der Wassertropfen auf den Boden trifft, überwiegt die Kohäsionskraft, also die Oberflächenspannung des Wassers gegenüber der Adhäsionskraft. Er bleibt also wie die Milch an der Oberfläche und dringt nur sehr schlecht in den Boden ein. Wenn man dagegen Milch auf bereits feuchtes Mehl gibt, kann diese problemlos eindringen und auch das Wasser kann in bereits feuchtem Boden besser versickern. Denn Wasserteilchen werden besser von anderen Wasserteilchen angezogen als von Bodenpartikeln. Die Kohäsionskraft überwiegt und der bereits vorhandene Wasserfilm zwischen den Bodenpartikeln sorgt dafür, dass immer mehr Wasser in den Boden transportiert wird. Wie gut das Wasser in und durch den Boden fließen kann, wird durch die sogenannte hydraulische Leitfähigkeit beschrieben. Diese nimmt mit höherem Wassergehalt im Boden zu. Das bedeutet, je feuchter der Boden wird, desto besser kann er neues Wasser aufnehmen.
Ein Starkregenereignis bringt dem Boden für ein langfristiges Auffüllen der Wasservorräte somit kaum etwas. Über einen kurzen Zeitraum erreicht zwar viel Wasser den Boden, aber durch die vorhergegangene Trockenheit kann es nur langsam versickern und erreicht keine tieferen Bodenhorizonte. Ein großer Anteil des Regens fließt einfach oberirdisch ab und der Boden bleibt trotz Regens weitestgehend trocken. Damit er Wasser gut aufnehmen kann, bräuchte es langanhaltenden Landregen. Dieser würde den Boden erst befeuchten und das Wasser kann dann langsam und mit der Zeit immer besser im Boden versickern.
Genau ein solcher Landregen, am besten über einen längeren Zeitraum wiederholt auftretend, ist bei der aktuellen Wetterlage allerdings nicht in Sicht. Bereits ab dem morgigen Freitag lösen sich die Ausläufer des Sturmtiefs EVA über dem Osten und Süden Deutschlands allmählich auf und bei steigendem Luftdruck sind zumindest absehbar bis weit in die kommende Woche hinein kaum nennenswerte Niederschläge zu erwarten.
Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.10.2026
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