Halos - optische Erscheinungen am Himmel
Der Himmel zeigt sich meist sehr facettenreich, vielleicht "nur" mit interessanter Bewölkung, manchmal aber auch mit mehr oder weniger spektakulären Leuchterscheinungen. Das heutige Thema des Tages dreht sich um sogenannte "Halos".
Unter dem Begriff Halo wird eine Gruppe optischer Phänomene von Ringen, Bögen, Flecken oder Säulen zusammengefasst, die durch Spiegelung (Reflexion) und Brechung (Refraktion) von Licht an in der Luft schwebenden Eiskristallen entstehen. Welche Erscheinung an welcher Stelle des Himmels auftritt, ist abhängig von der Art, Größe und Orientierung der Eiskristalle sowie vom Winkel, unter dem das Sonnenlicht auf die Kristalle trifft. Die Eiskristalle, die Voraussetzung für das Entstehen von Halos sind, findet man als Teil einer Cirrusbewölkung. Dabei handelt es sich um Wolken, die in unseren Breiten in einer Höhe von 8 bis 12 km auftreten und umgangssprachlich auch als Schleierwolken bezeichnet werden.
Eine Halo-Art sind sogenannte Nebensonnen. Nebensonnen sind helle, leicht farbige Flecken links und rechts von der Sonne. Am vergangenen Mittwoch (23.09.2026) konnten abends, etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang, Nebensonnen im Raum Stuttgart beobachtet werden. Bei der Entstehung dieser Halo-Art erfolgt die Lichtbrechung an zwei Seitenflächen der Eiskristalle, genauer an Eiskristallen in Form von Plättchen. Die unterschiedlichen Anteile des Sonnenlichtes werden dabei verschieden stark abgelenkt, so dass das sichtbare, weiße Sonnenlicht in seine Farbanteile aufgespalten wird. Damit entsteht eine regenbogenfarbene Leuchterscheinung, zur Sonne hin mit dem roten Lichtanteil. Sind Nebensonnen besonders intensiv ausgeprägt, zeigt sich ein weißer, nach außen (von der Sonne weg) gerichteter Schweif. Nebensonnen können relativ oft im Jahr auftreten, im Gegensatz zu einer anderen Halo-Art, die vor einigen Jahren ebenfalls im Stuttgarter Raum beobachtet werden konnte: ein Zirkumhorizontalbogen.
Eine der Hauptbedingungen für die Entstehung eines solchen Zirkumhorizontalbogens ist ein sehr hoher Sonnenstand. Dadurch kann der Lichtstrahl an einer Seitenfläche und der unteren Basisfläche des Eiskristalles gebrochen werden. Erst ab einer Sonnenhöhe von 57,8° zeigt sich der Bogen unterhalb der Sonne am Horizont. Im Norden Deutschlands besteht daher nur an wenigen Tagen um die Sommersonnenwende die Möglichkeit, einen Zirkumhorizontalbogen zu sehen. In Richtung Bayern und Baden-Württemberg sind die Voraussetzungen hinsichtlich der Sonnenhöhe von Anfang Mai bis Anfang August gegeben.
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst