Schon im gestrigen Thema des Tages wurde die positive Geopotentialanomalie in den kommenden Tagen über Südwesteuropa thematisiert. Heute soll auf einige der sich daraus ergebenden Wetterphänomene eingegangen werden.
Schon gestern wurde hier im Therma des Tages der Blick auf die kommenden Tage gerichtet. Ein Schwerpunkt war dabei die sich abzeichnende Konstellation mit hohem Druck und hohem Geopotential, insbesondere aber auch einer hohen positiven Geopotentialabweichung, über Südwesteuropa. Auch andere Aspekte wurden adressiert, beispielsweise die hohen zu erwartenden Temperaturen auf der Iberischen Halbinsel und in Teilen Frankreichs.
Heute sollen, in Ergänzung zu den gestrigen Ausführungen, einige Details der Wetterentwicklung der kommenden Tage in Europa erläutert werden. Dazu zeigt die Abbildung 1 das Geopotential (Linien) sowie die Temperatur (farbig) im 500-hPa-Niveau (ca. 5,5 km Höhe) für den kommenden Donnerstag um 08 MESZ, so wie sich unser DWD-Modell ICON die Situation vorstellt. Von Südwesten bzw. Süden ragt eine Zone hohen Geopotentials in Richtung der Iberischen Halbinsel und des angrenzenden Ostatlantiks. Der sich daran nach Norden anschließende Höhenkeil weist weiter zur nördlichen Nordsee. Tiefes Geopotential herrscht dagegen südlich von Island, über dem Südwesten Deutschlands und über Osteuropa vor. Dies ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Das kleinräumige Höhentief über Südwestdeutschland beispielsweise kommt aus Schottland und ist auf dem Weg nach Sizilien. Das großräumige Höhentief über Osteuropa ist dagegen relativ ortsfest. Es ändert zwar wie eine Amöbe seine Form und hat zwischenzeitlich auch mehrere Kerne, aber wirklich reiselustig ist es nicht. In seinem Einflussbereich liegt aber eine Luftmassengrenze mit kleinräumigem (Boden-)Tief, welche das Höhentief zu kräftigen Niederschlägen "animiert".
Entsprechend soll sich in einem weiten Bogen von der westlichen Türkei über den Osten der Ukraine bis ins nördliche Baltikum einiges an Regen akkumulieren. Die Abbildung 2 zeigt diese Niederschläge für den 72-stündigen Zeitraum von Dienstagmorgen, 22.09. bis Freitagmorgen, 25.09, jeweils 06 UTC (08 MESZ). Dabei ist links das Modell des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) dargestellt, rechts dagegen unser DWD-Modell ICON. Letzteres bringt es in der Spitze über dem nördlichen Belarus auf über 120 l/qm, innerhalb des Streifens deuten beide Modelle Regionen mit mehr als 60 l/qm an.
Für viel Niederschlag sorgt auch das o. e. kleinräumige Höhentief, nicht nur im Verlauf der Woche auf seinem Weg zum, sondern auch am Freitag und Samstag im Bereich des zentralen Mittelmeers. Hierzu liefert die Abbildung 3 die 48-stündigen Regensummen nach ICON. An der Ostküste Siziliens sollen sich knapp dreistellige Summen akkumulieren. Ganz so viel soll es in Deutschland nicht werden. Beginnend in der Nacht zum Donnerstag und endend in der Nacht zum Freitag avisieren die Modelle 5 bis 15 l/qm. Und es gibt zwei Modellgruppen. Die erste sieht den Regen bei uns in der Nordosthälfte, die Südwesthälfte soll dagegen weitgehend trocken bleiben. Die andere Modellgruppe deutet einen breiten Regenstreifen vom Nordwesten in den Südosten an. Dann wären der Nordosten und der Südwesten beim Regen außen vor. Mal schauen, wohin der Regen dann tatsächlich zieht. Im Südwesten, insbesondere von der Eifel und der Saar bis in die Vorderpfalz würde man sich auf jeden Fall über jeden Tropfen freuen.
Aber nicht nur auf die Niederschläge, auch auf die Temperaturen hat die aktuelle bzw. erwartete Konstellation Einfluss. Auch dies ist gestern am Beispiel Bordeaux schon angeklungen. Die Abbildung 4 zeigt dies einerseits in einer flächigen Farbdarstellung der Höchstwerte für den kommenden Mittwoch, aber auch für zwei ausgewählte Städte. Über Südwesteuropa erkennt man deutlich die großflächig hohen Temperaturen, während über weiten Teilen Osteuropas deutlich niedrigere Temperaturen vorherrschen. Das Meteogramm des EZMWF für die beiden Stationen Madrid und Bukarest lässt darüber hinaus erkennen: Während sich die Tagesmaxima in Madrid nahe am Oberrand des Klimaensembles bewegen, liegen die Werte für Bukarest deutlich unter dem Klimamittel. Von Dienstag bis Donnerstag soll es dort ungewöhnlich kalt werden.
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.09.2026
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