Unterdurchschnittlich soll sie verlaufen, die diesjährige Hurrikansaison über dem Atlantik - zumindest dem Großteil der Prognosen nach. Wie der aktuelle Stand ist und was die neuesten Prognosen sagen, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.
Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.
Ganz kurz für's Hintergrundwissen: Wirbelstürme definieren sich über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (engl.: major hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 - also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode - pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere Hurrikane.
Nun zurück zur aktuellen Saison, bei der die meisten Einrichtungen im Vorfeld davon ausgingen, dass sie unterdurchschnittlich verlaufen soll. Als Hauptgrund wurde der sich entwickelnde El Nino angeführt, der sich im weiteren Verlauf dieses Jahres weiter verstärken soll beziehungsweise wird. Grob gesagt, sorgt El Nino für erhöhte Windscherung über dem tropischen Nordatlantik, was für die Entwicklung tropischer Wirbelstürme nicht förderlich ist.
Anfang/Mitte Juni, also während der Anfangsphase der diesjährigen Saison, korrigierte die Colorado State University ihre Prognose nochmals nach unten. Ihr folgte die University of Arizona (UA), die ihre Anzahl tropischer Stürme sogar deutlich nach unten drückte. Das ist vor allem deshalb interessant, da die UA mit die einzige Einrichtung war, die ursprünglich von einer überdurchschnittlichen Saison ausgegangen war. Sie sah Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich ausbildendem El Nino eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden El-Nino-Effekt kompensieren konnte. Da sich die
Meeresoberflächentemperatur nun allerdings nicht so stark erhöht hat, wie erwartet wurde, ruderte die UA entsprechend zurück.
Das jüngste Prognoseupdate lieferte das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) am 6. August, das ihre Erwartung ebenfalls geringfügig herunterschraubte. Genauer gesagt: Für eine unterdurchschnittliche Saison ruft es eine Wahrscheinlichkeit von stolzen 75 % auf, für eine durchschnittliche Saison 20 % und für eine überdurchschnittliche Saison nur noch 5 %. In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum für 2026 mittlerweile von 7 bis 13 (zuvor 8 bis 14) benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6 (unverändert) zu Hurrikanen und davon wiederum 0 bis 2 (zuvor 1 bis 3) zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen.
Na und wie ist denn nun der aktuelle Stand? Magere drei Tropenstürme stehen bisher auf der Habenseite: Arthur (17.-18. Juni), Bertha (19.-24. Juli) und Cristobal (12.-13. August). Während Cristobal sich im atlantischen Niemandsland aufhielt, trieben Arthur und Bertha im Golf von Mexico ihr Unwesen, wo sie vor allem Teile der US-Golfküstenstaaten heimsuchten. Arthur sorgte zum Teil für Sturzfluten, Überschwemmungen und auch einige Tornados. Die traurige Bilanz waren vier Todesopfer und ein materieller Schaden in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar. "Bertha" machte sich dagegen mehr durch eine Sturmflut und hohen Wellengang entlang der US-Golfküste bemerkbar. Dabei werden die Schäden "nur" auf einige zehn Millionen US-Dollar geschätzt.
In den kommenden Tagen wird der Zähler voraussichtlich auf "4" gestellt, denn über dem Atlantik braut sich etwas zusammen. Das Nationale Hurrikan Zentrum (NHC) in Miami beobachtet derzeit mitten über dem tropischen Atlantik einen Gewitterkomplex, dem es innerhalb der nächsten 48 Stunden eine 90-%-ige Chance für die Entwicklung zu einem Tropensturm einräumt. Ob sich daraus vielleicht auch der erste Hurrikan der Saison entwickelt? Man darf gespannt sein.
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2026
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