Waldbrandwetter


Waldbrände im Mittelmeerraum sind im Sommer keine Seltenheit. In diesem Sommer treten sie aber auch in Mitteleuropa gehäuft auf. In den vergangenen Tagen waren die Wetterbedingungen für Waldbrände besonders "günstig".


Die Temperaturen der aktuellen Hitzewelle von bis zu 39 Grad (14.08.2026 in Rheinfelden) finden derzeit kaum noch Beachtung. Dabei waren die gestrigen Höchstwerte gebietsweise höher als die Rekorde vor diesem Sommer. Bleiben wir beim Beispiel Rheinfelden im Südwesten von Baden-Württemberg. Die 39,0 Grad vom gestrigen Freitag wären dort ein neuer Allzeitrekord gewesen, wären da nicht die 40,0 Grad vom 30.07. dieses Jahres. Anders als bei den vorherigen Hitzewellen stehen diesmal die Waldbrände im Fokus, die in Deutschland und weiteren Ländern Europas (z. B. in Belgien, Österreich und Großbritannien) ausgebrochen sind.

Grundlage für die gefährliche Situation ist die sehr trockene und heiße Witterung der letzten Monate. Der fehlende Niederschlag und die hohe Verdunstung haben zu ausgetrockneten Böden und teils vertrockneter Vegetation geführt. Die extreme Vorgeschichte lässt sich an den großen Flüssen Deutschlands ablesen. Rekordniedrige Abflüsse für diese Jahreszeit und zum Teil auch Allzeitrekorde bezeugen eindrücklich die hydrologische Ausnahmesituation.

Kurzfristig kamen weitere förderliche meteorologische Bedingungen für potenziell sehr gefährliche Waldbrände hinzu. Im angloamerikanischen Raum, wo Waldbrände ein häufigeres Phänomen darstellen, gibt es hierfür die einprägsame 30-30-30-Regel. Sie bezieht sich auf drei meteorologische Parameter und besagt, dass besonders gefährliches "Waldbrandwetter" herrscht, wenn Folgendes gilt: Lufttemperatur über 30 Grad, relative Luftfeuchtigkeit unter 30 Prozent und eine mittlere Windgeschwindigkeit von über 30 km/h. Die hohen Lufttemperaturen gepaart mit der Sonneneinstrahlung sorgen für eine hohe Temperatur der Vegetation, die niedrige Luftfeuchtigkeit "saugt" die verbliebene Feuchtigkeit besonders effektiv aus Boden, Pflanzen und ihren Blättern. Der Wind führt die verdunstete Feuchtigkeit rasch ab und führt einem bereits bestehenden Brand besonders gut Sauerstoff zu. Zusätzlich wird Glut verfrachtet und kann neue Brände entfachen.
Seit Donnerstag werden die ersten beiden Bedingungen in den Nachmittagsstunden in Deutschland verbreitet erreicht. Bei Temperaturen um 36 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von gebietsweise um 15 Prozent. Der Wind erreichte zwar im Mittel nicht 30 km/h, die Böen lagen jedoch gebietsweise über 30 km/h und in der Praxis hat sich gezeigt, dass bereits wiederholte Böen in dieser Stärke für eine deutliche Verschärfung von Waldbränden sorgen.

Besonders große Waldbrände gibt es seit gestern in der Eifel und im Hohen Venn in Belgien. Der Rauch dieser Brände war heute auch auf den Satellitenbildern deutlich sichtbar. Die Rauchfahne zog sich von der Eifel in einem Bogen über Hessen und Thüringen bis in den Norden Sachsen-Anhalts.

Nach dem heutigen Tag entspannen sich die meteorologischen Bedingungen für gefährliche Waldbrände etwas. Es wird kühler und die Luftfeuchtigkeit nimmt deutlich zu. Es gibt zwar auch Niederschläge, doch fallen diese wahrscheinlich nur lokal ergiebig aus. Eine Ausnahme könnte der Süden und Südosten Bayerns sein, wo ab der Nacht zum Montag länger anhaltende Niederschläge wahrscheinlich sind.

MSc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.08.2026

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