Im heutigen Thema des Tages verlassen wir den heimischen Kontinent und tauchen ein in das besondere Leben in der namibischen Savanne während der sommerlichen Regenzeit. Natürlich kommen dabei die meteorologischen Hintergründe, dieses Mal aber auch die Kulinarik, nicht zu kurz.
Naturliebhaber und Abenteuerurlauber entdeckten in den vergangenen Jahren besonders ein südafrikanisches Land wieder für sich: Namibia. Die ehemalige deutsche Kolonie liegt südlich des Äquators, in etwa auf der Höhe des südlichen Wendekreises. Daher beginnt deren (Süd-) Sommer, exakt gegensätzlich zu Europa, im Dezember und endet im März. Während dieser Zeit kommt es dort zu spannenden meteorologischen Vorgängen, die das dortige landwirtschaftliche Leben stark prägen. Nach einer sehr langen Trockenperiode setzt im November und Dezember üblicherweise eine erste Regenzeit ein, die zunächst als "kleine Regenzeit" beschrieben wird. Die Sonne erreicht in diesen Monaten zunehmend den südlichen Wendekreis, ihre südlichste Position schließlich zum astronomischen Sommerbeginn Ende Dezember. Die wichtigste Folge davon ist, dass dem Sonnenstand die teils sehr regenintensive innertropische Konvergenzzone (ITC) nach Süden folgt. Zusätzlich entwickeln sich Tiefdrucksysteme über dem südlichen Afrika, welche feucht-warme Luftmassen vom Indischen Ozean heranführen. Sowohl die Menschen, als auch die sehr diverse Pflanzen- und Tierwelt erwarten diesen Regen nach langer Trockenheit schon sehnsüchtig.
Durch die sich in weiterer Folge verstärkende ITC und das permanente Zuführen von feuchter Luft setzt im Januar und Februar die zweite, aber deutlich intensivere Regenzeit ein. Dabei regnet es aber nicht wie der Begriff vermuten lässt durchgehend, die Tage sind vielmehr durch sehr kräftige Schauer und Gewitter geprägt. Das Leben der einheimischen Farmer ist ganz entscheidend von diesen saisonalen und intensiven Regenfällen abhängig. Immerhin entscheiden diese über ein erfolgreiches landwirtschaftliches Jahr. Aus diesem Grund widmen sich die Farmer auch intensiv meteorologischen Beobachtungen, die sie akribisch dokumentieren und nachfolgend interpretieren. Von ganz besonderem Interesse ist dabei natürlich die Niederschlagsverteilung auf ihren gigantisch großen Anwesen. Dafür werden auf dem gesamten Gelände sogar verschiedene Messpunkte betreut.
Als Messgerät werden vielfach trichterförmige Behältnisse mit definierter horizontaler Auffangfläche benutzt. Hiesigen Wetterbeobachtern oder häufigen Lesern unserer Themen des Tages werden die Ähnlichkeiten zu einem im Deutschen Wetterdienst bekannten Niederschlagsmessgerät ins Auge stechen: dem sogenannten "Hellmann" in der DWD-Ausführung. In regelmäßigen Abständen (im Normalfall täglich) werden nun die festgelegten Messpunkte angefahren und die Niederschlagsmenge mit einem Messgefäß abgelesen. Direkt am Farmhaus befindet sich außerdem noch eine sogenannte "Referenzstation".
Die Farmer vergessen aber nicht, ihre Wetterbeobachtungen mit dem staatlichen Wetterdienst zu teilen. Dafür tragen diese die gewonnenen Daten in ein gelbes, sogenanntes "Niederschlagsbuch" ein, das der staatliche Wetterdienst zur Verfügung stellt. Nach Abschluss des Monats wird der Durchschlag der Eintragungen nach Windhoek in die Zentrale der Wetterbehörde geschickt. Die Expertinnen und Experten werten dort die gewonnenen Daten aus und erstellen unter anderem vielfältige Klimastatistiken. Aber auch für die Wettervorhersage haben die gemessenen Beobachtungen einen hohen Mehrwert. Die wenigen offiziellen Wetterstationen werden durch die ehrenamtlichen Niederschlagsmesspunkte der Farmen gewinnbringend ergänzt. Dadurch können die Wettermodelle besser verifiziert und statistische Vorhersageverfahren mit noch mehr Daten gefüttert werden ? schlussendlich auch zum Vorteil der globalen Wettervorhersage.
Regen ist jenes Wetterelement, welches für die Namibianerinnen und Namibianer den höchsten Stellenwert innehat. Die Freude über den ersten Regen nach der langen winterlichen Trockenzeit reicht so weit, dass sich diese sogar bis auf das kulinarische Angebot auswirkt. Auf vielen Farmen wird während dieser Wochen in der Pfanne die leckeren "Pannekoek" zubereitet. Entweder man isst sie deftig mit Hackfleisch und Gemüse oder süß mit Zucker und Zimt. Es ist auf jeden Fall ein Symbol der Dankbarkeit und Wertschätzung für das feuchtere Wetter.
Zum Schluss noch ein persönlicher Tipp: Wer gerne dieses saftige Grün und kräftige Gewitter mag, der sollte unbedingt von Februar bis April nach Namibia reisen. Sowohl die Kalahari, wie auch in den anderen Regionen bietet sich den Besucherinnen und Besuchern eine traumhafte und einzigartige Landschaft, die bleibende Eindrücke hinterlässt.
Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.05.2026
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