Wie trocken ist es in Deutschland?

Nachdem im Thema des Tages vom vergangenen Sonntag die Vegetationsbrandgefahr und der Waldbrandgefahrenindex besprochen wurden, schauen wir heute noch einmal auf die zugrundeliegende Bodenfeuchte-Situation in Deutschland.

Im Thema des Tages vom vergangenen Sonntag (22.03.2026) wurde präsentiert wie der Waldbrandgefahrenindex des DWD vor der gestrigen Wetterumstellung insbesondere in östlichen Landesteilen auf die zweithöchste Stufe (4/5) gestiegen ist, landesweit verbreitet auf die dritte Gefahrenstufe, um im Anschluss dann deutlich abzunehmen. Betrachtet man die aktuelle Vorhersage auf der Website des DWD so zeigt sich, dass der Waldbrandgefahrenindex tatsächlich verbreitet auf Stufe 1 zurückgesetzt wurde, nur im Nordosten ist er weiterhin erhöht und wird in den kommenden Tagen auch wieder etwas ansteigen. Das hängt zum einen mit der Vorgeschichte, vor allem aber mit dem bereits gefallenen und noch anstehenden Niederschlag zusammen.

Mit dem Durchzug der Kaltfront von Nordwesten im Verlauf des gestrigen Tages (Mittwoch, dem 25.03.2026) und der regen rückseitigen Schaueraktivität sind für weite Landesteile 24-stündige Niederschlagsmengen um 5 l/m2 gemessen worden, vor allem in Staulagen auch um 10 l/m2 oder mehr. Die östlichen Landesteile sind dabei allerdings außen vor, hier sind - abseits der Staulagen - verbreitet nur um 1 bis 2 l/m2 in 24 Stunden gefallen.

Auch für die heute verbreitet auftretenden Schauer wird insbesondere im Osten nicht viel Niederschlag erwartet - was sich auch jetzt bereits abzeichnet - und nach einem darauffolgenden trockenen Freitag unter Zwischenhocheinfluss bringt die am Samstag von Nordwesten aufziehende Front erst allmählich einige wenige Liter Regen in den Osten. Und damit voraussichtlich erneut deutlich weniger als in westlichen Landesteilen.

In Hinblick auf die Vorgeschichte des Niederschlags lohnt sich eine Rückschau auf verschiedenen zeitlichen und räumlichen Skalen. Das landesweite Mittel der für die Bodenfeuchte relevanten Parameter Niederschlag und Temperatur lässt sich recht anschaulich in einem sogenannten Thermopluviogramm darstellen, für verschiedene zeitliche Skalen (Monat/Jahreszeit/Jahr).

Hier zeigt sich, dass auch wenn der Februar im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990 überdurchschnittlich nass ausgefallen ist, der Winter durch die negative Abweichung im Dezember und Januar insgesamt zu trocken war. Erwähnenswert ist auch dass der Januar 2026 im Vergleich zur Referenzperiode eine leicht negative Temperaturabweichung zeigt, während im Jahr 2025 alle dargestellten zeitlichen Mittel eine positive Abweichung aufweisen. Nach der Einordnung der gemittelten Anomalie des Niederschlags lohnt sich ein Blick auf kleinere räumliche und zeitliche Skalen.

Hier zeigen sich zum Beispiel im Rhein-Main Gebiet leicht positive Abweichungen (in diesem Fall im Vergleich zur Referenzperiode 1971 bis 2000), sonst jedoch verbreitet negative Abweichungen, insbesondere auch für Regionen im Osten mit Werten von über 40%.

Die Auswirkungen der länger andauernden negativen Niederschlagsabweichungen zeigen sich besonders eindrücklich im sogenannten pflanzenverfügbaren Wasser. Es gibt ein Maß für das in den Bodenporen gespeicherte Wasser welches der Vegetation zur Verfügung steht, und wird als prozentualer Anteil der maximal nutzbaren Feldkapazität angegeben. Für mehr Details zu diesen etwas abstrakt anmutenden Größen lohnt sich ein Besuch auf der hervorragend dokumentierten Website des Dürremonitors des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung.

Für die Station Harzgerode in einer Region mit stark negativen Niederschlagsanomalien für den vergangenen Winter zeigt sich, dass nachdem es um diese Zeit im letzten Jahr bereits - gemessen an der Bodenfeuchte - sehr trocken war, die aktuell gemessenen Werte jenseits der Messreihe seit 1991 liegen. Der Wert liegt jetzt bereits unter dem langjährigen Mittel für den Sommer, wo die Bodenfeuchte aufgrund der erhöhten Evapotranspiration (dem Gesamtverdunsten von Wasser aus Bodenflächen und Pflanzen) sein mittleres jahreszeitliches Minimum aufweist. Es bleibt abzuwarten inwieweit das wechselhafte Wetter der kommenden Tage diese Entwicklung ändern kann, und wie sich der Niederschlag insgesamt in den kommenden Wochen in dieser für die Bodenfeuchte essenziellen Jahreszeit entwickelt.


Doktor der Naturwissenschaften Thorsten Kaluza (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.03.2026

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