Schweres Unwetter auf Sizilien - trotz großer Schäden keine Todesopfer

Ein außergewöhnlich lang andauernder Sturm verursachte anfangs der Woche an Siziliens Ostküste schwere Schäden. Dank frühzeitiger Warnungen und konsequenter Schutzmaßnahmen gab es jedoch keine Opfer.


Heute werfen wir einen Blick nach Südeuropa: Von Montag bis Mittwoch zu Beginn der Woche geriet Sizilien unter den Einfluss einer kräftigen und außergewöhnlich langlebigen Sturmwetterlage. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet über dem zentralen Mittelmeer führte zu anhaltendem Starkwind, intensiven Niederschlägen und außergewöhnlich hohem Seegang. Besonders betroffen war die Ostküste der Insel, wo es zu schweren Sturmfluten kam.

Trotz erheblicher Schäden an Infrastruktur und Gebäuden über weite Küstenabschnitte hinweg wurden keine Todesopfer oder Verletzten gemeldet. Dies unterstreicht die hohe Wirksamkeit frühzeitiger Wetterwarnungen, behördlicher Maßnahmen und der guten Vorbereitung der Bevölkerung.

Meteorologische Entwicklung

Bereits mehrere Tage vor Ereignisbeginn zeigten numerische Wettermodelle die mögliche Entwicklung eines Tiefdruckgebiets mit Ursprung im nordafrikanischen Raum. In den Prognosen zeichneten sich ergiebige Niederschläge, sehr starke Winde sowie schwere Sturmfluten entlang der exponierten Küsten Siziliens ab.

Ab Freitag verdichteten sich die Hinweise auf eine potenziell lebensgefährliche Wetterlage. Der regionale Katastrophenschutz gab frühzeitig Vorwarnungen an die Gemeinden der Ostküste heraus und wies insbesondere auf die Gefahr außergewöhnlich hoher Wellen hin.

Warnungen und Schutzmaßnahmen

Am Sonntag bestätigten sich die Prognosen: Erwartet wurden Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h sowie Wellenhöhen von teils mehr als neun Metern. In der Folge wurde für Montag die höchste Warnstufe ausgerufen. Es kam zu präventiven Evakuierungen in besonders gefährdeten Küstenbereichen, zur Sperrung von Küstenstraßen sowie zur Schließung von Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, unnötige Wege zu vermeiden. Diese Maßnahmen blieben bis Dienstag und teilweise bis Mittwochvormittag in Kraft.

Höhepunkt der Sturmwetterlage

Während bereits am Montag und am Dienstag erste Schäden auftraten, erreichte das Unwetter in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch seinen Höhepunkt. Das Tiefdruckgebiet intensivierte sich über dem Bereich zwischen Tunesien und der Straße von Sizilien. Der Wind erreichte Sturm- bis Orkanstärke, der Seegang nahm weiter zu.

Entlang der Ostküste wurden wiederholt Wellenhöhen von sechs bis sieben Metern beobachtet, einzelne Wellen erreichten lokal etwa zehn Meter. Küstenstraßen, Promenaden und Hafenanlagen wurden stark beschädigt, Gebäude überflutet oder teilweise zerstört. Auch Verkehrsverbindungen, darunter die Bahnstrecke zwischen Messina und Syrakus, war und ist bis auf weiteres unterbrochen.

Die durch das Unwetter verursachten Schäden werden auf rund 740 Millionen Euro geschätzt. Es wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis eine Rückkehr zur Normalität möglich ist. Eine Katastrophe dieses Ausmaßes hat die Ostküste Siziliens seit mindestens 50 Jahren - wenn nicht länger - nicht mehr getroffen.

Außergewöhnliche Messwerte

Messbojen lieferten außergewöhnliche Daten: Vor der Küste bei Catania wurden maximale Wellenhöhen von neun bis zehn Metern registriert. Eine Boje zwischen Sizilien und Malta zeichnete sogar eine maximale Wellenhöhe von rund 16 Metern bei Wellenperioden von zehn bis zwölf Sekunden auf - ein neuer Rekordwert für das Mittelmeer. Solche Wellenhöhen sind in einem vergleichsweise geschlossenen Meer äußerst selten. Sie entstanden durch lang anhaltende, starke Winde aus nahezu konstanter Richtung über ein großes Seegebiet.

Bedeutung der Warnungen

Die Tatsache, dass bei diesem Extremereignis keine Menschen zu Schaden kamen, ist vor allem auf die rechtzeitige Herausgabe von Warnungen, klare behördliche Anordnungen und die hohe Akzeptanz dieser Maßnahmen in der Bevölkerung zurückzuführen.

Das Ereignis verdeutlicht, wie wichtig es ist, Wetterwarnungen ernst zu nehmen - insbesondere bei Warnstufen der höchsten Kategorie. Auch wenn sich prognostizierte Extremwerte nicht überall vollständig realisieren, dienen Warnungen stets dem Ziel, Risiken zu minimieren und Menschenleben zu schützen.
Viele Betroffene in Sizilien, die ihr Hab und Gut verloren haben, äußerten dennoch Dankbarkeit dafür, dass ihr Leben gerettet wurde. Für Meteorologinnen und Meteorologen ist dies eine wichtige Bestätigung ihrer Arbeit: Wissen und Erfahrung dienen letztlich dem Schutz der Menschen.


Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.01.2026

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