Hurrikan ERIN wirbelt nahe der Karibik

Hurrikan ERIN hat sich über dem Nordatlantik außergewöhnlich schnell zu einem Hurricane der höchsten Kategorie verstärkt. ERIN wird sehr wahrscheinlich über Wasser bleiben. Auswirkungen gab und gibt es dennoch. Auch auf das Wetter in Europa hat er, dann als außertropisches Tief, wahrscheinlich Einfluss.


Am Abend des 11. August wurde eine tropische Störung knapp östlich der Kapverden vom National Hurricane Center (NHC) der USA als tropischer Sturm analysiert und mit dem Namen ERIN versehen. Bevor wir auf die weitere Entwicklung von ERIN schauen, werfen wir einen Blick zurück. Denn schon bevor ERIN ein Sturm wurde, hat er, für uns in Mitteleuropa wohl meist unbemerkt, auf den Kapverden Schäden verursacht. 14 Menschen verloren dort, insbesondere auf São Vicente ihr Leben. Dabei sorgten nicht der Wind, sondern große Niederschlagsmengen für Probleme. Knapp 200 Liter pro Quadratmeter fielen dort in nur fünf Stunden. In dem stark gegliederten und für gewöhnlich eher trockenen Gelände waren Sturzfluten die Folge.

Entwicklung von ERIN

Im Anschluss verlief die Entwicklung zögerlich. Erin verstärkte sich aufgrund eher ungünstiger Randbedingungen kaum. Die Oberfläche des Ozeans war mit 26/27 Grad gerade warm genug, um ERIN am Leben zu halten. Teils trockene Luft in seiner Umgebung war ebenfalls nicht förderlich. Dies änderte sich auf seiner Zugbahn über dem südlichen Nordatlantik Richtung Westen. Der Ozean, über den ERIN zog, war nun 29/30 Grad warm. Der Unterschied von drei Kelvin mag klein wirken, die zur Verfügung stehende Energie in Form von Wasserdampf wuchs aber beträchtlich an.

Ab dem 14. August nahm die Konvektion rund um ERIN zu, der Sturm war besser "organisiert" und bekam zunehmend ein symmetrischeres Aussehen. Der Kerndruck begann langsam zu fallen und die Windgeschwindigkeiten nahmen allmählich zu. Diese zunächst zögernde Entwicklung setzte sich am 15. August fort, sodass ERIN vom NHC zum ersten Hurrikan 2025 über dem Nordatlantik heraufgestuft wurde.

Nachdem sich ERIN Zeit genommen hatte sich zu organisieren, verlief die Entwicklung ab dann umso explosiver. Ab der Nacht vom 15. auf den 16. August vertiefte sich ERIN rasant. Innerhalb von 24 Stunden fiel der Kerndruck von 993 Hektopascal (hPa) auf 915 hPa. Die mittleren Windgeschwindigkeiten um das Auge von ERIN herum stiegen von 120 km/h auf 260 km/h. Damit war aus seinem Hurrikan der Kategorie 1 ein Sturm der höchsten Kategorie 5 geworden. So früh im Jahr gab es im Nordatlantik (exklusive Karibik) bisher keinen Sturm dieser Stärke. Die rasche Verstärkung in 6/12/24 Stunden verlief nahe den bisher beobachteten Rekordmarken.

Zugbahn
ERIN zog bislang über den freien Ozean. Landmassen wurden bisher verschont und auf seiner weiteren Zugbahn wird ERIN sehr wahrscheinlich keine Inseln direkt treffen. Vom Seegebiet nördlich der Karibik zieht er zwischen den Bahamas und den Bermuda-Inseln nach Nordwesten und später nach Norden. Dennoch werden Teile der genannten Inselgruppen von Ausläufern ERINs erfasst. Dabei stehen erneut weniger der Wind als die heftigen Niederschläge und an der Küste auch hoher Seegang im Fokus.

Umwandlung und Kurs Richtung Europa

Auf seinem weiteren Weg wird ERIN zunächst sehr stark bleiben und vor allem an Größe gewinnen. Bislang ist ERIN ein sehr kleiner Hurrikan mit einem winzigen Auge und einem heftigen, aber kleinräumigen Windfeld (siehe Abbildung1). Am kommenden Wochenende wird ERIN wahrscheinlich östlich von Neufundland eine Umwandlung zu einem außertropischen Sturmtief vollziehen und mit dem typischen Ostkurs in diesen Breiten über den Nordatlantik ziehen. Auch wenn der Zeitraum noch über eine Woche in der Zukunft liegt, wird ERIN oder dann besser "Ex-Erin" aller Voraussicht Einfluss auf das Wetter in Europa nehmen. Starke ehemalige Hurrikane bringen hin und wieder eine Änderung der Großwetterlage in Europa mit sich. Ob das dieses Mal der Fall ist, lässt sich aber jetzt noch nicht sagen.


MSc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.08.2025

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