Frühling im November? Teils leicht unbeständig, teils freundlich, regional windig und sehr mild.

Winter? Zumindest die Temperaturen geben keinen Hinweis auf die nahende kalte Jahreszeit. Eine warme West- bis Südwestdröhnung und zeitweiliger Sonnenschein sorgen eher für ein Frühlingsfeeling als an kühle Herbst- oder Frühwintergefühle.

Derzeit steht dem hohen Luftdruck über Ost- und Südeuropa rund um das Hoch SCOTT im Bereich der Ukraine tiefer Luftdruck über West- und Nordwesteuropa sowie dem Atlantikraum gegenüber. Federführend wirbelt dort das Tief QUENTINA südlich von Island. Auf dessen Südflanke schiebt sie mit einer recht kräftigen Westströmung wiederholt Randtiefs sowie Tiefausläufer ostwärts, die aber von SCOTT meist erfolgreich geblockt werden können. Das Hauptgefechtsfeld liegt dabei über Mitteleuropa, sodass Deutschland zu einer Art Frontenfriedhof mutiert. Nur manche können diesem entkommen und ihren Weg in nördliche Richtung zum Polarmeer fortsetzen. Deutschland liegt dabei weiter in einer westlichen bis südwestlichen Grundströmung, mit der feuchte und teils sehr milde Atlantikluft ins Land gelangt. Von einem Frühwinter fehlt demnach jede Spur. Dafür müsste man sich weiter nach Russland begeben, wo Hoch SCOTT die Temperaturen in den Keller schickt.

Das Wetter hierzulande wird dabei zunehmend von tiefem Luftdruck beeinflusst. Der hohe Luftdruck hat nur anfangs im Süden und Osten noch die Wetterkontrolle, wo ruhiges und teils sonniges Herbstwetter Trumpf ist. Nach Westen und Nordwesten zu toben sich aber schon ab heute die Tiefausläufer aus und bringen Regen, Regenschauer und ab dem Wochenende regional auch Wind. Dort zeigt der Herbst zumindest zeitweise sein eher ruppiges Bild. Was aber alle Regionen im Land gemeinsam haben, sind die für die Jahreszeit zu warmen Temperaturen.


Da der Atlantik mit 12 Grad bei Irland und bis 18 Grad vor Portugal noch recht hohe Temperaturen aufweist und zeitweise auch die warme Subtropikluft von der Iberischen Halbinsel angezapft wird, kann mit der West- bis Südwestströmung die entsprechend erwärmte Luftmasse bis nach Mitteleuropa gelangen.

Die Voraussetzungen für den "Novemberfrühling" sind also gesetzt. Schon am heutigen Freitag wird das Land von der milden Luft geflutet, sodass im Südwesten schon Höchstwerte bis 17 Grad zu erwarten sind. Am Samstag kommt die sehr milde Luft weiter nordwärts voran. Während von Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen Temperaturmaxima zwischen 13 und 17 Grad in Aussicht stehen und auch im Norden und Nordosten Werte zwischen 10 und 14 Grad mehr an den Frühling als an den nahenden Winter erinnern, kann im Lee von Schwarzwald und Alb bei bis 19 Grad vielleicht sogar ein gewisses Sommerfeeling aufkommen. Die wärmsten Temperaturen werden schließlich für Sonntag prognostiziert. Dann nämlich könnte die Temperatur am Oberrhein an der 20-Grad-Marke kratzen. Auch sonst wird es bei Werten zwischen 12 und 18 Grad außergewöhnlich mild. Zu den hohen Temperaturen gesellt sich im Süden und Teilen Ostdeutschlands auch noch häufiger mal die Sonne, die den frühlingshaften Charakter abrundet. Allerdings besteht dort in schwachwindigen Lagen die Gefahr, dass sich Nebel oder Hochnebel bilden und nur zögerlich auflösen. Im Westen fällt dagegen wohl warmer Regen, der von einer teils auffrischenden, teils stürmischen milden Brise durch die Luft gewirbelt oder gepeitscht wird.

In der kommenden Woche sickert dann rückseitig einer ab Sonntag durchschwenkenden Kaltfront etwas kühler und feuchte Luft ein und sorgt dann nahezu landesweit für einen leicht unbeständigen Wettercharakter. Bei Höchstwerten zwischen 8 und 15 Grad bleibt es aber für die Jahreszeit zunächst weiter zu mild. Erst ab der Wochenmitte könnten die Temperaturen zunehmend der Jahreszeit typische Werte annehmen und im höheren Bergland vielleicht auch etwas Schnee bringen. Warten wir es ab.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.11.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst