Land unter in Down under

Zumindest in einigen Regionen Australiens kann man dies derzeit und für die kommenden Tage konstatieren. Dafür sind zwei verschiedene Wettersysteme verantwortlich, zwischen denen etwa 3000 km liegen und die wir uns im heutigen Thema des Tages näher ansehen.


Australien kommt nicht zur Ruhe. Erst zerstören verheerende Buschbrände über Monate Häuser und ganze Dörfer und vernichten ganze Wälder und Landschaften. Jetzt sorgen tropische Tiefdruckgebiete für außergewöhnlich hohe Windgeschwindigkeiten und sintflutartige Regenfälle.

Da wäre zum einen der tropische Sturm mit dem Namen "Damien", der aktuell mit einer prognostizierten Kategorie 3 bis 4 von Norden auf die Pilbara-Küste im Nordwesten des australischen Bundesstaates Western Australia auf Land trifft. Im Satellitenbild lässt sich sein Auge noch gut erkennen (siehe linke obere Abbildung). Dabei werden mit Landgang Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h prognostiziert. In der Nähe des Zyklonenzentrums werden sehr zerstörerische Winde mit Böen von bis zu 230 km/h erwartet. Das Australian Bureau of Meteorology warnt mit dem Landgang zusätzlich vor einer sehr gefährlichen Sturmflut. Die Gezeiten werden deutlich über die normale Hochwassermarke steigen mit Wellen von über 8 m, sodass die Gefahr von Überschwemmungen steigen.

Unter Intensitätsabschwächung zieht "Damien" über das Wochenende vom Pilbara-Küstengebiet weiter ins Landesinnere in die Region Gascoyne. Am Sonntag wird "Damien" dann nur noch ein tropisches Tief sein. Damit drohen am Sonntag lediglich noch Sturm bis schwere Sturmböen bis 90 km/h mit weiter abschwächender Tendenz (siehe rechte untere Abbildung). Dennoch hat Damien jede Menge Feuchtigkeit im Gepäck, die er auf seiner Zugbahn in Form von starken Regenfällen ablädt, sodass auch hier die Gefahr vor Überschwemmungen besteht. Unser ICON Modell rechnet akkumuliert entlang der Zugbahn 100-250 mm Niederschlag, punktuell auch noch mehr.

Machen wir einen 3000 km Sprung vom Nordwesten Australiens an die Ostküste. Entlang des Küstengebietes zwischen dem südlichen Queensland bis nach New South Wales hat es bereits in den letzten Tagen kräftig geregnet und über das Wochenende sind weitere Regenfälle zu erwarten. Verantwortlich dafür ist tiefer Luftdruck entlang der Ostküste, der vor allem in mittleren Atmosphärenschichten zu finden ist. Dieses Wettersystem ernährt sich von warmer und feuchter Luft aus der Tasmanischen See. Am heutigen Samstag kann sich dann auch ein daran gekoppeltes eigenständiges Bodentief entwickeln. Diese Konstellation bleibt jedoch relativ stationär über die nächsten Tage. All diese Zutaten bieten daher den Nährboden für langanhaltenden Regen, heftige Schauer und Gewitter. Das Australian Bureau of Meteorology erwartet den Niederschlagsschwerpunkt vor allem im östlichen New South Wales etwa zwischen Brisbane und Sydney. Dabei besteht zwischen der Küste und dem Gebirgszug der Great Dividing Range ein erhöhtes Potential für starke Pegelanstiege der Flüsse, Sturzfluten und größere Überflutungen. Bis zum Ende des Niederschlagsereignisses werden viele Küstengebiete im Norden des Bundesstaates New South Wales die höchsten Niederschlagsmengen seit März 2017 und im Süden von New South Wales seit Juni 2016 erlebt haben. Bereits von Donnerstag auf den gestrigen Freitag summierten sich im südlichen Queensland und im Norden von New South Wales in 24 Stunden zwischen 100 und 200 mm, punktuell bis 230 mm auf.

Nach der vorangehenden monatelangen Dürre mit den verheerenden Busch- und Waldbränden (wir berichteten bereits an anderer Stelle davon: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/1/4.html ; https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/1/9.html ) werden viele Aussie's (ugs. für Australier) in diesen Regionen den Regen sicher sehnlichst herbei gewünscht haben. In der erwarteten Intensität jedoch ist das gleich wieder zu viel des Guten. Denn gerade die Landschaften, die von den Bränden betroffen sind oder waren, sind besonders verwundbar. Die heftigen Regenfälle erhöhen die Gefahr von umstürzenden Bäumen und gefährlichen Erdrutschen. Die großen Abflussmengen führen die vorhandene Asche, ganze Bodenschichten und Steine mit sich. Entlang der Zentral- und Südküste treten bis zum Anfang der Woche Niederschlägen von weit über 100 mm, möglicherweise bis in den Bereich von 200-250 mm auf (siehe rechte große Abbildung). Bei den erwartenden Mengen sollten dann zumindest entlang der Südküste alle Brände Geschichte sein. Zusätzlich sollte noch erwähnt werden, dass entlang der Küste bis zum Sonntag teils schwere Sturmböen bis 90 km/h sowie Wellen von bis zu 4 m drohen.

Weiter im Landesinneren, westlich des Gebirgszuges der Great Dividing Ranges, werden die erwartenden Niederschlagsmengen jedoch deutlich geringer und unregelmäßiger ausfallen, sodass die hier von der Dürre betroffenen Gebiete nur partiell Unterstützung von 'oben' gegen die immer noch andauernden Buschbrände bekommen.


M.Sc. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.02.2020

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